Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
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Foto: PHOTOCREO Michal Bednarek (shutterstock.com)
Einsatz digitaler Technologien
in der ImmobilienwirtschaftSTUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
Inhalt
1. Kernergebnisse 3
2. Vorwort von Günther H. Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft 4
3. Vorwort von ZIA 5
4. Design der Studie 6
5. Übersicht über die befragten Unternehmen 7
6. Wie und wo ordnen die Unternehmen das Thema Digitalisierung ein? 9
7. Wo stehen die Unternehmen heute und welches Ziel wollen sie in den nächsten fünf Jahren erreichen? 12
8. Welchen Einfluss üben die PropTech-Start-ups aus? 26
9. Wer sind die PropTech-Marktteilnehmer? 28
10. Berlin auch bei PropTech-Start-ups beliebtester Standort 29
11. Die deutsche PropTech-Szene ist vergleichsweise jung – Liquidität trifft Perspektive 31
12. Mehrheit der neuen Geschäftsmodelle auf wohnwirtschaftliche Immobilienvermarktung gerichtet 33
13. Kurzbeschreibung der Innovationscluster 35
14. PropTech-Start-ups – Übersicht 40
15. Schlusswort von Christian Schulz-Wulkow 53
18. Die Autoren 54
2STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
1. Kernergebnisse
Über 90 Prozent der befragten klassischen immobilienwirtschaftlichen Unternehmen identifzieren für
sich das Thema Digitalisierung als sehr relevantes Handlungsfeld.
Die PropTech-Szene kann dazu beitragen, den Umsatz der etablierten Marktteilnehmer signifikant zu
erhöhen.
aten und Informationen liegen bei über 70 Prozent der Befragten digital und strukturiert vor.
D
In fünf Jahren wird diese Quote bei nahezu 100 Prozent liegen.
Maßgebliche Trends beim Einsatz digitaler Technologien werden in den Bereichen Datenstrukturierung,
Big Data & Data Mining, mobile Arbeitsgeräte und Cloud-Technologien erwartet. Insbesondere PropTechs
sehen großes Potenzial im Einsatz von Smart Contracts.
Klassische immobilienwirtschaftliche Unternehmen entwickeln Prozesse, Systeme und Produkte
im Bereich der Informationstechnologie immer stärker von der Supportfunktion zur Kernkompetenz
(+25 % Zustimmungsentwicklung).
Mobile Arbeitsgeräte sind derzeit und künftig die bedeutendsten Instrumente der klassischen
immobilienwirtschaftlichen Unternehmen.
Insbesondere Cloud-Technologien und virtuelle Datenräume werden in Zukunft stark an Bedeutung
gewinnen, aber auch digitale Plattformen, Smart Contracts und Augmented Reality rücken in den Fokus
der klassischen immobilienwirtschaftlichen Unternehmen.
Künstliche Intelligenz und Block Chain haben bei PropTech-Unternehmen derzeit eine wesentlich größere
Bedeutung als bei klassischen immobilienwirtschaftlichen Unternehmen.
en größten Mehrwert durch den Einsatz digitaler Technologien sehen die klassischen immobilienwirt-
D
schaftlichen Unternehmen im Bereich der Effizienzsteigerung ihrer Kernprozesse.
Nur wenige klassische immobilienwirtschaftliche Unternehmen befürchten eine Disruption ihrer
Geschäftsmodelle durch digitale Technologien.
ie Immobilienwirtschaft sieht im Fachkräftemangel und in den fehlenden personellen Ressourcen
D
die größten Hürden, um ihre Digitalisierungsstrategie erfolgreich umsetzen zu können.
Die qualitativen Flächenanforderungen für alle Nutzungsarten werden sich deutlich erhöhen.
3STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
2. Vorwort von Günther H. Oettinger,
EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft
Digitale Evolution statt digitaler Revolution
Die Digitalisierung unserer Lebens- und eine geeignete Plattform. Gleichermaßen
Arbeitswelt schreitet unaufhörlich voran. profitieren die etablierten Unternehmen hier-
Was früher den Anschein einer digitalen von, indem ihnen Wege und Möglichkeiten
Revolution hatte, vollzieht sich mittlerweile aufgezeigt werden, digitale Technologien im
vielmehr als digitale Evolution, die sich mit eigenen Unternehmen zu implementieren
hoher Geschwindigkeit stetig weiterentwi- und Produkte, Prozesse und Dienstleistun-
ckelt. Big Data, Smart Data und Smart Ser- gen an das digitale Zeitalter anzupassen.
vices sind schon längst keine Fremdwörter Wer nicht handelt, bleibt zurück – das gilt
mehr. Die steigende Vernetzung unter dem beim Thema Digitalisierung in ganz beson-
Schlagwort Industrie 4.0 führt einerseits zu derem Maße. Die vorliegende Studie vermit-
Günther H. Oettinger,
immer neuen Geschäftsmodellen und ande- EU-Kommissar für Digitale telt Transparenz und schafft so das notwen-
Wirtschaft und Gesellschaft
rerseits auch zu Veränderungen innerhalb dige Bewusstsein, welches für die Branche
etablierter Unternehmen zur Erhaltung der der Immobilienwirtschaft auf dem Weg der
eigenen Wettbewerbsfähigkeit. Die Wirtschaft ist von diesen Digitalisierung entscheidend ist. Die Wettbewerbsfähigkeit
Veränderungen in ihrem Kern betroffen, denn die Digitali- des Industriestandortes Deutschland wird so auch in der
sierung gestaltet Wertschöpfungsketten grundlegend neu digitalen Welt gesichert und ausgebaut.
und beeinflusst in erheblichem Maße Leitbranchen wie die Unsere Volkswirtschaften in Europa sind eng miteinander
Immobilienwirtschaft. Sie zählt zu den wichtigsten Bran- verzahnt, Wertschöpfungsketten meist grenzüberschreitend
chen der Bundesrepublik Deutschland und muss sich den aufgebaut und digitale Technologien ohnehin grenzenlos.
Herausforderungen der Digitalisierung stellen. Daher müssen wir diesen Weg der Digitalisierung in Europa
Im April hat die Kommission bereits eine Reihe von Maß- gemeinsam gehen und einen digitalen Binnenmarkt schaf-
nahmen vorgestellt, um nationale Initiativen zu unterstützen fen. Nur so wird es uns gelingen, die Wettbewerbsfähigkeit
und zu verknüpfen und Investitionen in digitale Innovationen Deutschlands und Europas in der Welt zu erhalten. In der
zu stimulieren. Europäischen Kommission wollen wir diesen gemeinsamen
Ich freue mich daher, dass sich der Zentrale Immobilien Weg aktiv vorantreiben und haben daher eine digitale Agen-
Ausschuss e. V. dieses Themas mit seiner Arbeit annimmt da vorgeschlagen, deren vorrangiges Ziel die Entwicklung
und die Bereiche Digitalisierung und Innovation in der Immo- eines solchen digitalen Binnenmarktes ist, um ein intelligen-
bilienbranche beleuchtet. Hierdurch bekommen junge Unter- tes, nachhaltiges und integratives Wachstum in Europa zu
nehmen, Start-ups und die sogenannten PropTechs, deren fördern. So schaffen wir die geeigneten Rahmenbedingun-
immobilienwirtschaftliche Produkte und Dienstleistungen gen für die digitale Lebens- und Arbeitswelt der Zukunft.
sich durch einen hohen Digitalisierungsgrad auszeichnen, Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre.
4STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
2. Vorwort von Martin Rodeck, Innovationsbeauftragter
des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.
Chancen nutzen statt Risiken fürchten
In einem Punkt sind wir uns einig. Die Digitali- einige Unternehmen erkennen den Mehrwert
sierung ist ein Prozess, der sich nicht aufhalten durch PropTech-Startups für ihr Geschäftsfeld
lässt. Sämtliche Wirtschaftszweige werden nicht an, andere Unternehmen betrachten die
sich darauf einstellen müssen, die Transforma- jungen Engagements sogar als geschäftsschä-
tionsprozesse haben bereits vor vielen Jahren digend und verweigern deshalb jegliche Ko-
begonnen. Auch in der Immobilienwirtschaft operation. Sämtliche Gegenargumente haben
schreitet die Entwicklung voran. Die neuen jedoch zur Folge, dass die entsprechenden
Möglichkeiten werden gemeinhin unter dem Unternehmen den Anschluss verpassen könn-
Oberbegriff PropTech erfasst. Dennoch wis- ten. Wie so oft schläft die Konkurrenz auch
sen nach wie vor nur sehr wenige, was dieser bei Innovationen nicht. Immer mehr etablierte
Martin Rodeck,
Begriff genau bedeutet. Aus diesem Grund hat Innovationsbeauftragter, Unternehmen erkennen das Potenzial – das
ZIA Zentraler Immobilien
der ZIA eine Definition erarbeitet, die den Ho- Ausschuss e. V. zeigt unsere Analyse.
rizont der digitalen Immobilienwirtschaft Die Immobilienwirtschaft muss verste-
„PropTech ist ein Kofferwort und setzt sich
aufzeigt. aus den Wörtern property services (Dienst-
hen, dass ein Großteil der PropTechs nicht
In der vorliegenden Analyse haben wir leistungen der Immobilienwirtschaft) und auf disruptive Technologien setzt. Inno-
gemeinsam mit EY Real Estate die Im- technology zusammen. Mit PropTech wird vationen wie Big Data, Blockchain oder
die Branche bezeichnet, in der Immobilien-
mobilienwirtschaft – sowohl etablierte dienstleitungen durch technische Lösungen
auch Building Information Modeling sind
Marktteilnehmer als auch neugegründete angereichert und/oder verändert werden. keine Gefahr für das eigene Geschäfts
Unternehmen – zu ihren digitalen Strate- PropTechs sind häufig Startups und richten modell, sie sind ein Mehrwert. Die Pla-
sich sowohl an Unternehmen (B2B) als auch
gien befragt. Die Antworten sprechen eine an Endverbraucher (B2C). Sie zielen entwe-
nungssicherheit steigt, das Kostenrisiko
deutliche Sprache: Alle Befragten enga- der auf effizienzsteigernde Maßnahmen für wird reduziert, Fehler können vermieden
gieren sich in diesem Bereich, mehr oder bestehende Prozesse oder die Einführung werden. Zudem wird die Transparenz für
neuer Technologien und Geschäftsmodelle,
weniger intensiv. Doch nahezu jedes Un- die ältere ablösen könnten, ab.“
Planer, Entwickler, Vermieter, Nutzer oder
ternehmen der Immobilienwirtschaft wird auch Investoren höher, und zwar in der
inzwischen erkannt haben, wie wichtig eine geeignete Analyse gesamten Wertschöpfungskette. Intelligente Gebäude und
bestehender und neuer Technologien für die Geschäftsfelder Smart Technology erleichtern unsere Arbeit schon heute.
und die Entwicklung des eigenen Unternehmens ist. Dabei Als Branche sollten wir uns deshalb darauf konzentrieren,
geht es auch darum, Synergieeffekte zwischen jungen und miteinander statt gegeneinander zu arbeiten und die Digi-
erfahrenen Unternehmen zu erzielen und neue Wege zu gehen. talisierung voranzutreiben. Wir sollten unsere gewachsenen
Beim Thema Kooperation haben insbesondere die „alteinge- Möglichkeiten nutzen und uns nicht vor den Risiken neuer
sessenen“ Marktteilnehmer noch Entwicklungspotenzial. Denn Geschäftsmodelle fürchten.
5STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
4. Design der Studie
Diese Studie basiert auf einer Marktbefragung, die im Sommer 2016 vom Zentralen Immobilien Ausschuss e. V. (ZIA) und der
Ernst & Young Real Estate GmbH (EY Real Estate) durchgeführt wurde. Die Befragung erfolgte anhand eines standardisierten
Fragebogens. Insgesamt haben 152 sowohl privatwirtschaftliche als auch öffentliche Unternehmen an der Studie teilgenom-
men. Die Teilnehmer verteilen sich dabei auf die komplette Wertschöpfungskette der Immobilienwirtschaft – inklusive der
im Vergleich noch jungen PropTech-Branche.
Hintergrundinformationen und eigene Beobachtungen ergänzen die Studie.
Unter klassischen immobilienwirt- PropTech-Unternehmen fokussieren sich
schaftlichen Unternehmen verstehen dagegen auf digitale Technologien und/oder
wir alle Unternehmen der klassischen damit verbundene innovative Geschäftsmo-
Immobilienwirtschaft, deren Geschäfts- delle. Die Unternehmen können somit einer-
modell nicht hauptsächlich auf Digitalisierung und digitalen seits immobiliennah sein; Beispiele sind Softwareanbieter für
Technologien basiert. die Mieterverwaltung oder Immobilienfinanzierungsdienst-
leister via Crowdfunding. Andererseits zählen im Sinne dieser
Umfrage auch solche Unternehmen zum PropTech-Bereich,
bei denen Immobilien oder auch Immobilienunternehmen
nicht der einzige Schwerpunkt sind. Beispiele sind IT-An-
bieter, die neben der Immobilienwirtschaft auch in anderen
Wirtschaftszweigen tätig sind.
6STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
5. Übersicht über die befragten Unternehmen
Eigentümer Dienstleister
2% 2% 1%
2% 1%
9% 17 % 4%
4%
9%
5%
15 % 36 %
7%
9%
8%
11 %
15 %
16 %
14 %
13 %
Offener/Geschlossener Fonds A ndere Zuordnung PropTech-Unternehmen P rojektmanager/-steuerer
Versicherung/Pensionsfonds Börsennotierte Sonstige N
utzungsbezogener
Immobilien-AG/R EIT Dienstleister
P rojektentwicklung/ A sset Manager
Bauunternehmer Privat/Family Office F acility Manager
P ortfolio-/Fondsmanager
ohnungsgesellschaft
W Opportunity-/PE-Fonds O
nlineplattform-/
F inanzdienstleister
(nicht börsennotiert) Onlinemarktplatzanbieter
P roperty Manager
nternehmen mit Immobilien
U S oftware-/IT-Anbieter
besitz (Corporates) P rojektentwickler/
Bauunternehmer
Teilnehmer nach Umsatzkategorie (alle Befragten)
9%
40 %
9%
10 %
32 %
bis 10 Mio. Euro >
10 bis 30 Mio. Euo
> 250 Mio. Euro >
30 bis 100 Mio. Euro
> 100 bis 250 Mio. Euro
7STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
5. Fortsetzung
Mit Blick auf die jeweiligen unternehmerischen Schwer- disruptives Potenzial – Stichwort Block Chain bzw. Bitcoin.
punkte im Immobilienlebenszyklus fällt auf: Sollte sich der Trend bestätigen, wären grundsätzlich alle
Asset-Klassen mit Finanzierungsbedarf berührt.
ie teilnehmenden klassischen immobilienwirtschaftlichen
D
Unternehmen ordnen sich in erster Linie der Nutzungspha- Ein weiteres Feld ist die Projektentwicklung. Hier seien ex-
se und der Phase der Investition/Finanzierung zu. emplarisch BIM-Systeme genannt (Building Information
Schwerpunktmäßig beschäftigen sie sich mit Büro-, Modeling bzw. digitale Gebäudemodellierung). Hier stehen
Wohn- und Einzelhandelsimmobilien. keineswegs nur Wohnimmobilien im Fokus, sondern durch-
Die befragten PropTech-Unternehmen bewegen sich aus auch andere Nutzungsarten bis hin zur Spezialimmobilie.
mehrheitlich in der Phase der Vermarktung und der Nut- Als drittes Feld sei das Facility Management erwähnt – das
zung und fokussieren sich dabei auf die Wohnimmobilie. sogenannte Internet der Dinge ließe unter anderem die Vision
von Reinigungsrobotern Wirklichkeit werden. Nicht nur in
Daraus ließe sich ableiten: Vor allem für Leistungen und der Industrie, auch in der Logistik werden Roboter längst
Produkte, die dem Bereich der Wohnungsvermarktung zuge- für komplexere Aufgaben eingesetzt, die bis zur Lieferung
ordnet werden können, besteht im derzeitigen Marktumfeld von Waren bis an die Haustür im E-Commerce reichen. In
ein hohes Maß an Veränderungspotenzial. Allerdings darf der Umfrage wurden die Trends entsprechend abgefragt.
die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft keineswegs nur Die PropTech-Branche mag derzeit einen Schwerpunkt in
darauf reduziert werden. So gibt es beispielsweise auch im der Wohnungsvermarktung haben, sie darf aber nicht damit
Banken- und Finanzierungsbereich derzeit ein erhebliches gleichgesetzt werden.
8STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
6. Wo und wie ordnen die Unternehmen
das Thema Digitalisierung ein?
In diesem Kapitel beschreiben die Befragten die Einordnung des Themas Digitalisierung aus verschiedenen Perspekti-
ven, hinsichtlich Digitalisierungsgrad, der Verankerung des Themas Digitalisierung in der Unternehmensstruktur und des
Investitionsvolumens für Digitalisierung.
FRAGE 1
Beschäftigt sich Ihr Unternehmen aktiv mit dem Thema Digitalisierung?
Setzt Ihr Unternehmen bereits innovative digitale Technologien (z. B. mobile Arbeitsgeräte,
Cloud-Lösungen, Big Data, Internet der Dinge etc.) ein?
Immobilienwirtschaftliche Unternehmen
Beschäftigt sich Ihr Unternehmen aktiv mit dem Thema Digitalisierung? Wenn ja, setzt Ihr Unternehmen bereits innovative digitale Technologien ein?
8%
83 %
92 %
17 %
Ja N
ein
Die Umfrage zeigt: Das Thema Digitalisierung ist in der Immobilienwirtschaft angekommen.
F ür 92 Prozent der befragten klassischen Immobilien- ei den befragten PropTech-Unternehmen liegt der An-
B
unternehmen ist Digitalisierung ein relevantes Hand- teil – wenig überraschend – bei jeweils 100 Prozent. Im
lungsfeld. Gegensatz zu den traditionell immobilienwirtschaftlich
Und mehr als 80 Prozent davon setzen bereits innovative ausgerichteten Unternehmen hat die PropTech-Branche
digitale Technologien innerhalb ihrer Unternehmung ein. hier ihr Kernthema bzw. ihren Ursprung.
9STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
6. Fortsetzung
FRAGE 2
Welcher Funktionsbereich in Ihrem Unternehmen ist für das Thema Digitalisierung/
Einsatz digitaler Technologien verantwortlich?
Immobilienwirtschaftliche Unternehmen PropTechs
Angaben in Prozent Angaben in Prozent
35 Geschäftsleitung (z. B. CEO, CFO, CIO) 45
27 Funktionsbereich IT 20
12 Operative Einheit (Facheinheit) 2
8 Funktionsbereich Marketing/Vertrieb 11
6 F&E/Innovationsmanagement 8
4 Spezifische Rollen wurden ausgeprägt 5
4 Chief Digital Officer (CDO) 5
3 Funktionsbereich Finance/Controlling 5
0 Andere Funktionsbereiche 0
F ür knapp jedes zweite PropTech-Unternehmen ist Digitali- J eweils am zweithäufigsten sind die Aufgaben im Funk-
sierung Chefsache: 45 Prozent haben den Einsatz digitaler tionsbereich IT verortet, wobei dies bei Immobilienun-
Technologien auf C-Level angesiedelt. Bemerkenswert ternehmen (27 %) häufiger anzutreffen ist als in der
ist, dass dies für immerhin mehr als ein Drittel der klas- PropTech-Branche (20 %).
sischen Immobilienunternehmen (35 %) ebenfalls zutrifft. Immerhin gut jeder zehnte Befragte bei den immobilien
Vergleichsweise selten ist gegenwärtig noch der Chief wirtschaftlichen Unternehmen (12 %) setzt auf eine de-
Digital Officer (Immobilienunternehmen: 4 %, PropTechs: zentrale Bearbeitung des Themas Digitalisierung in
5 %). Spezifische Rollen und Funktionen für die Aufgaben, den jeweiligen operativen Einheiten.
die mit der Digitalisierung verbunden sind, scheinen im
Personalgefüge bislang kein großes Gewicht zu haben.
10STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
6. Fortsetzung
FRAGE 3
Wie viel Prozent Ihres Umsatzes investieren Sie ungefähr in Digitalisierungsmaßnahmen
Ihres Unternehmens und in den Einsatz innovativer digitaler Technologien?
Immobilienwirtschaftliche Unternehmen PropTechs
Angaben in Prozent
Bis 10 Mio. Euro 11 43
> 10 bis 30. Mio. Euro 6
> 30 bis 100 Mio. Euro 4
> 100 bis 250 Mio. Euro 2
> 250 Mio. Euro 3
urchschnittlich investieren PropTechs 42,6 Prozent ihres
D Unternehmen sind insgesamt erheblich niedriger als
Jahresumsatzes in Digitalisierung und digitale Techno- in der klassischen Immobilienwirtschaft. Das absolute
logien. Investment relativiert sich insofern – so zeigen sich bei
Bei den klassischen immobilienwirtschaftlichen Unter- steigenden Umsätzen tendenziell abnehmende Umsat-
nehmen liegt der Anteil bislang nur bei 5,5 Prozent. Aller- zanteile, die im Themenfeld Digitalisierung investiert
dings gilt hier zu bedenken: Die Umsätze der PropTech- werden.
11STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Wo stehen die Unternehmen heute und welches Ziel wollen sie
in den nächsten fünf Jahren erreichen?
Im Rahmen der Studie wurde der aktuelle Stand der Digitalisierung der befragten Unternehmen erhoben. Die beiden Mess
punkte liegen deutlich auseinander; dies bedeutet, dass der Stand der Digitalisierung im Vergleich von heute und in fünf
Jahren durchaus unterschiedlich ist; zudem gibt es Diskrepanzen zwischen den klassischen immobilienwirtschaftlichen und
den PropTech-Unternehmen. Diese Unterschiede werden in diesem Teil der Studie untersucht und ein Ausblick auf Trends
im Bereich Digitalisierung und den Einsatz digitaler Technologien gegeben.
FRAGE 4A
Stand heute: Wie weit ist der Digitalisierungsprozess in Ihrem Unternehmen heute vorangeschritten?
FRAGE 4B
Zukunft (in den nächsten fünf Jahren): Welche Entwicklung des Digitalisierungsprozesses planen Sie
in Ihrem Unternehmen?
Immobilienwirtschaftliche Unternehmen (heute/Zukunft)
Angaben in Prozent
Alle wichtigen Daten und Informationen in unserem Unterneh- 29 45 21 5 Heute
men liegen in digitaler, strukturierter (auswertbarer) Form vor 73 24 3 In 5 Jahren
Die digitale, unternehmensübergreifende Vernetzung
30 48 20 2 Heute
von Produkten und Leistungen auf integrativen Plattformen
spielt für uns eine wesentliche Rolle 55 39 6 In 5 Jahren
Die Weiterentwicklung und die Vernetzung unserer
14 39 35 12 Heute
IT-Systemlandschaft/IT-Infrastruktur machen einen
wesentlichen Teil unseres Investitionsvolumens aus 28 39 27 6 In 5 Jahren
Die Informationstechnologie hat sich in unserem
15 35 40 10 Heute
Unternehmen von der klassischen Supportfunktion zu einer
Kernkompetenz für Wettbewerbsvorteile entwickelt 36 38 20 6 In 5 Jahren
Ich stimme zu Ich stimme eher zu Ich stimme eher nicht zu Ich stimme nicht zu
lle Bereiche der Digitalisierung haben für die klassi-
A strukturiert vor. In fünf Jahren wird dies bei 97 Prozent
schen immobilienwirtschaftlichen Unternehmen eine der Fall sein.
große Bedeutung – und sie gehen von einem weiteren Auch die digitale, unternehmensübergreifende Ver-
Bedeutungszuwachs aus. netzung von Produkten und Leistungen auf integrati-
So liegen bei 74 Prozent der Befragten heute alle wich- ven Plattformen spielt eine wichtige Rolle für die Im-
tigen Daten und Informationen überwiegend digital und mobilienwirtschaft: gegenwärtig für 78 P rozent,
12STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
in fünf Jahren für 94 Prozent der Unternehmen. Die Beispiele deuten an, dass Cloud-Lösungen wichtiger
Ob Zahl und Breite von Plattformen in dieser Zeit zu- werden, also die Datenspeicherung auch außerhalb der ei-
nehmen werden, wurde nicht abgefragt – die Verfasser genen IT-Strukturen.
dieser Studie halten es aber für wahrscheinlich. Beispiele Dennoch dürften auch die Investitionen in die physische
für Plattformen, die bereits existieren, sind die folgenden: IT-Systemlandschaft und -Infrastruktur steigen. Gegen-
• die ZIA-Transaktionsdatenbank (unternehmensüber- wärtig fließt bei 53 Prozent der klassischen Unternehmen
greifende Vernetzung von Informationen über reali- ein wesentlicher Teil des Investitionsvolumens in die IT. In
sierte Immobilientransaktionen) fünf Jahren wird dies bei 67 Prozent der Fall sein. Generell
• BIM-Systeme (digitale Gebäudemodelle, auf die alle wird sich der Blick auf die IT zunehmend ändern.
Unternehmen zugreifen können, die gemeinsam eine Heute konstatiert immerhin jedes zweite klassische im-
Immobilie entwickeln) mobilienwirtschaftliche Unternehmen, dass IT nicht mehr
• sonstige virtuelle Datenräume beispielsweise für die nur als Supportfunktion angesehen wird, sondern eine
Due Diligence (hier haben Käufer- und Verkäuferseite Kernkompetenz für Wettbewerbsvorteile ist. In fünf Jahren
Zugriff) werden es 74 Prozent sein.
PropTechs (heute/Zukunft)
Angaben in Prozent
Alle wichtigen Daten und Informationen in unserem Unterneh- 83 17 Heute
men liegen in digitaler, strukturierter (auswertbarer) Form vor 100 In 5 Jahren
Die digitale, unternehmensübergreifende Vernetzung
88 8 4 Heute
von Produkten und Leistungen auf integrativen Plattformen
spielt für uns eine wesentliche Rolle 91 9 In 5 Jahren
Die Weiterentwicklung und die Vernetzung unserer
71 21 8 Heute
IT-Systemlandschaft/IT-Infrastruktur machen einen
wesentlichen Teil unseres Investitionsvolumens aus 83 17 In 5 Jahren
Die Informationstechnologie hat sich in unserem
83 13 4 Heute
Unternehmen von der klassischen Supportfunktion zu einer
Kernkompetenz für Wettbewerbsvorteile entwickelt 95 5 In 5 Jahren
Ich stimme zu Ich stimme eher zu Ich stimme eher nicht zu Ich stimme nicht zu
F ür PropTech-Unternehmen gilt erwartungsgemäß, dass Vorsprung dürften die PropTechs aber auch dann noch
sie in ihren Digitalisierungsprozessen vergleichsweise behalten, denn sie streben für die Zukunft offensichtlich
weit fortgeschritten sind: Diese Unternehmen erreichen einen weiteren Ausbau (s. a. unsere Umfrageergebnisse)
bereits heute die Punktzahl, die die klassische Immobi- ihres bisher erreichten Reifegrades an.
lienwirtschaft erst in fünf Jahren erreichen wird. Ihren
13STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
FRAGE 6
Welche Trends sehen Sie derzeit im Bereich der digitalen Technologien?
Immobilienwirtschaftliche Unternehmen PropTechs
Angaben in Prozent Angaben in Prozent
97 3 Mobility/Mobile Arbeitsgeräte 95 5
61 21 18 Plattformen und digitale Ökosysteme 76 14 10
50 43 7 Künstliche Intelligenz 57 33 10
84 14 2 Cloud-Technologie 95 5
84 14 2 Big Data/Data Mining 90 10
95 32 Datenstrukturierung 95 5
56 35 9 Internet der Dinge 67 24 10
35 57 8 Robotertechnologie 33 48 19
46 49 6 3-D-Drucker 57 43
56 19 25 Smart Contracts 80 10 10
51 23 26 Augmented Reality 55 30 15
Relevant Nicht relevant Nicht bekannt
ie klassischen immobilienwirtschaftlichen Unterneh-
D ei Smart Contracts geht es um die technische Un-
B
men und PropTechs schätzen die generellen Trends rund terstützung von Vertragswerken bis hin zu papierlosen
um digitale Technologien erstaunlich ähnlich ein. Beide Vereinbarungen inklusive Klauseln, die sich bei Eintreten
Gruppen sehen eine maßgebliche Bedeutung in den der entsprechenden Voraussetzung selbst ausführen. Bei
Bereichen Datenstrukturierung, Big Data/Data Mining, den PropTechs sehen hier beachtliche 80 Prozent der
Mobility/mobile Arbeitsgeräte und Cloud-Technologien. Unternehmen einen relevanten Trend, bei den Immobi-
So ähnlich die Auffassung der Immobilienunternehmen lienunternehmen sind es nur 56 Prozent.
und der PropTechs in den eben genannten Punkten sind Fast alle übrigen Punkte (Plattformen/digitale Ökosyste-
– jeweils über 80 bis teilweise deutlich über 90 Prozent me, künstliche Intelligenz, Internet der Dinge, 3-D-Dru-
sehen hier eine Relevanz –, so unterschiedlich werden cker sowie Augmented Reality) werden von beiden
Smart Contracts beurteilt. befragten Gruppen mit jeweils ähnlich großen Anteilen
tendenziell noch als relevant eingestuft. Einzig die Ro-
botertechnologie erhält Zustimmungsraten von deutlich
unter 50 Prozent.
14STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
FRAGE 6A
Stand heute: Welche auf Digitalisierung aufbauenden Technologien setzen Sie – bei
sich oder für Ihre Kunden/Nutzer – bereits ein?
FRAGE 6B
Zukunft (in den nächsten fünf Jahren): Welche auf Digitalisierung aufbauenden
Technologien beabsichtigen Sie künftig einzusetzen?
Immobilienwirtschaftliche Unternehmen
Stand heute Zukunft (in 5 Jahren)
Angaben in Prozent Angaben in Prozent
75 23 2 Mobile Arbeitsgeräte 92 7 1
34 33 19 15 Virtuelle Arbeitsräume 52 28 16 3
22 33 29 16 Plattformen und digitale Ökosysteme 57 27 7 9
7 8 20 64 Künstliche Intelligenz/Selbststeuernde Systeme 26 29 28 16
33 34 21 11 Cloud-Lösungen/Cloud-Dienstleistungen 65 26 6 3
20 22 31 28 Big Data/Data Mining 49 35 12 3
4 9 24 64 Internet der Dinge 20 31 25 24
15 7 87 Robotertechnologie 8 12 36 45
5 16 16 62 Block Chain 12 38 32 19
6 6 14 74 3-D-Drucker-Technologie 9 30 26 35
7 14 28 51 Smart Contracts 39 38 19 4
6 17 26 51 Augmented-Reality-Technologie 27 42 18 14
Ich stimme zu Ich stimme eher zu Ich stimme eher nicht zu Ich stimme nicht zu
F ür die klassische Immobilienwirtschaft sind mobile Ar- Facility Management eingesetzt, beispielsweise bei der
beitsgeräte heute das wichtigste Tool, das auf digitalen automatisierten Erfassung und Übertragung von Energie-
Technologien aufbaut. Beachtliche 98 Prozent der Immo- daten, bei der digitalen Protokollierung von Begehungen
bilienunternehmen nutzen mobile Geräte bereits heute und Abnahmen sowie zur Unterstützung der Prozesse,
für sich und ihre Kunden. Künftig (in fünf Jahren) wird Mängelbearbeitung und Gewährleistungsmanagement
der Anteil bei 99 Prozent liegen. Mobile Arbeitsgeräte (Einsatz von Lasern zur automatischen Abstandsmes-
werden in der klassischen Immobilienwirtschaft auch im sung etc.).
15STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
Abgesehen davon kommen in der klassischen Immobilien- ie übrigen Felder spielen heute noch eine untergeordnete
D
wirtschaft natürlich auch „ganz normale“ Firmen-Tablets und Rolle – allerdings werden alle abgefragten Bereiche (teils
-Smartphones längst zum Einsatz, sei es beim firmeninter- deutlich) wichtiger. Big Data verzeichnet beispielswei-
nen Meeting oder bei Präsentationen vor Kunden. se einen beachtlichen Zuwachs an Bedeutung (heute:
Zu den gegenwärtig ebenfalls wichtigen Technologien 42 %, in fünf Jahren: 84 %).
zählen Cloud-Lösungen und -Dienstleistungen bezie- Zudem wird das Thema Block Chain an Bedeutung
hungsweise virtuelle Datenräume, die allerdings im gewinnen (heute: 21 %, in fünf Jahren: 50 %). Block
Vergleich zum vorgenannten Punkt bereits deutlich we- Chain übt als Basis für Kryptowährungen Druck auf das
niger verbreitet sind. Cloud-Technologien und virtuelle Finanzwesen aus und könnte somit auch Teile der Im-
Arbeitsräume finden sich heute jeweils bei 67 Prozent mobilienfinanzierung revolutionieren.
der klassischen Immobilienunternehmen im Einsatz. Das geringste Potenzial wird erneut der Robotertechno-
Künftig (in fünf Jahren) könnte der Anteil beachtlich an- logie zugesprochen.
steigen: bei virtuellen Datenräumen auf 80 Prozent, bei
Cloud-Technologien sogar auf 91 Prozent. Beide Themen Insgesamt gilt: Die klassischen Immobilienunternehmen
würden in ihrer Bedeutung zu den erstgenannten mobilen werden den Einsatz digitaler Technologien auf breiter Basis
Arbeitsgeräten aufschließen. forcieren – und neben der Intensivierung der bereits einge-
Das einzige weitere Feld, das bereits heute für die Mehr- setzten Technologien auch in den noch weniger verbreiteten
zahl der Befragten praxisrelevant ist, sind Plattformen Bereichen wie Smart Contracts, Augmented Reality, künst-
und digitale Ökosysteme. Hier bestätigen 55 Prozent der liche Intelligenz und Internet der Dinge ihre Anstrengungen
Unternehmen eine Nutzung, in fünf Jahren wird aber auch verstärken.
hier ein Bedeutungsgewinn erzielt: Der Anteil wird dann
bei 84 Prozent liegen.
16STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
PropTechs
Stand heute Zukunft (in 5 Jahren)
Angaben in Prozent Angaben in Prozent
90 5 5 Mobile Arbeitsgeräte 95 5
47 12 24 18 Virtuelle Arbeitsräume 68 21 11
70 15 10 5 Plattformen und digitale Ökosysteme 90 5 5
25 20 15 40 Künstliche Intelligenz/Selbststeuernde Systeme 45 30 5 20
80 15 5 Cloud-Lösungen/Cloud-Dienstleistungen 80 15 5
30 25 25 20 Big Data/Data Mining 70 20 5 5
11 21 16 53 Internet der Dinge 39 22 28 11
6 6 88 Robotertechnologie 11 11 28 50
11 11 78 Block Chain 39 22 17 22
5 20 75 3-D-Drucker-Technologie 12 33 22 33
11 26 21 42 Smart Contracts 63 21 11 5
10 15 5 70 Augmented-Reality-Technologie 44 39 11 % 6
Ich stimme zu Ich stimme eher zu Ich stimme eher nicht zu Ich stimme nicht zu
uch bei den PropTech-Unternehmen sind mobile Ar-
A A uch das Internet der Dinge (heute: 32 %, in fünf Jahren:
beitsgeräte und Cloud-Lösungen heute im Vergleich zu 61 %) zeichnet sich durch eine größere Bedeutung im
den übrigen abgefragten Technologien am weitesten Vergleich zur Immobilienwirtschaft aus.
verbreitet (je 95 %). Ein weiteres Feld, das PropTechs häufiger besetzen als
Plattformen sowie virtuelle Arbeitsräume und Big Data die klassischen Immobilienunternehmen, ist Augmented
folgen. Abgesehen von den virtuellen Arbeitsräumen, Reality. Heute sind es 25 Prozent der PropTechs, künftig
die bei den klassischen Immobilienunternehmen den werden es sogar 83 Prozent sein, die entsprechende
Rang mit Plattformen tauschen, ist die Reihenfolge der Technologien nutzen.
am meisten genutzten Technologien bei PropTechs und
der klassischen Immobilienwirtschaft somit identisch. Insgesamt gilt: Alle Bereiche werden in den kommenden
Eine unterschiedliche Einschätzung zeigt sich beim The- fünf Jahren auch bei den PropTechs an Bedeutung gewin-
ma künstliche Intelligenz – sie scheint für die PropTechs nen. Die Tendenz ist erneut ähnlich wie bei den klassischen
heute eine größere Bedeutung zu haben als für die klas- Immobilienunternehmen, die Ausprägung ist im Schnitt aber
sischen Immobilienunternehmen: Sie kommt bereits bei noch einmal deutlicher.
fast jedem zweiten PropTech zum Einsatz (45 %), in fünf
Jahren werden es 75 Prozent sein.
17STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
FRAGE 7A
Stand heute: Welche Auswirkungen hat der Einsatz digitaler Technologien für Ihr Unternehmen?
FRAGE 7B
Zukunft (in den nächsten fünf Jahren): Welche Auswirkungen wird der Einsatz digitaler
Technologien für Ihr Unternehmen haben?
Immobilienwirtschaftliche Unternehmen
Angaben in Prozent
72 24 12 Heute
Effizienzsteigerung in unseren Kernprozessen
87 12 1 In 5 Jahren
44 29 20 8 Heute
Kosten- und/oder Personaleinsparungen
64 20 14 2 In 5 Jahren
Wir können schnellere, datengestützte Entscheidungen bzw. 52 35 8 5 Heute
Vorhersagen treffen 67 29 4 In 5 Jahren
35 24 35 6 Heute
Generieren von Neugeschäft durch Einsatz
digitaler Technologien 40 36 21 3 In 5 Jahren
5 13 45 37 Heute
Gefährdung unseres originären Geschäftsmodells 6 16 44 34 In 5 Jahren
15 31 41 13 Heute
Ist Kern unseres Geschäftsmodells
30 28 27 15 In 5 Jahren
Ich stimme zu Ich stimme eher zu Ich stimme eher nicht zu Ich stimme nicht zu
ie klassischen immobilienwirtschaftlichen Unternehmen
D uch dürfte die Qualität von Entscheidungen verbes-
A
sehen die größten Effekte durch den Einsatz digitaler sert werden. Entscheidungen und Vorhersagen können
Technologien bei ihren Kernprozessen: Hier lässt sich die datengestützt schneller getroffen werden als ohne Da-
Effizienz steigern. Davon sind heute 96 Prozent und für tengrundlage – dieser Auffassung sind heute 87 Prozent
die Zukunft 99 Prozent der Befragten überzeugt. der befragten Unternehmen, in fünf Jahren rechnen
96 Prozent damit.
18STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
eitere Effekte sind bei Kosten und Personal zu erwarten:
W as eigene Geschäftsmodell sehen die Unternehmen
D
Hier halten heute 73 Prozent der Befragten spezifische nicht direkt gefährdet – vielleicht auch, weil digitale Tech-
Einsparungen für möglich, die auf digitale Technologien nologien schon bei fast jedem zweiten Unternehmen
zurückgehen, in fünf Jahren erwarten 84 Prozent die (46 %) zum Geschäftsmodell gehören - Tendenz steigend
entsprechenden Einsparungen. (58 % in fünf Jahren).
Etwas weniger deutlich sind die Ergebnisse bei der Fra-
ge, ob digitale Technologien möglicherweise zu mehr
Neugeschäft führen. Aber auch dies bestätigt immer
noch eine deutliche Mehrheit (59 %) der klassischen
immobilienwirtschaftlichen Unternehmen. Die Bedeutung
digitaler Technologien für das Neugeschäft der Zukunft
wird steigen – in fünf Jahren sehen dies 75 Prozent der
Befragten.
19STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
PropTechs
Angaben in Prozent
95 5 Heute
Effizienzsteigerung in unseren Kernprozessen
100 In 5 Jahren
86 14 Heute
Kosten- und/oder Personaleinsparungen
95 5 In 5 Jahren
Wir können schnellere, datengestützte Entscheidungen bzw. 81 14 5 Heute
Vorhersagen treffen 100 In 5 Jahren
Generieren von Neugeschäft durch Einsatz 81 19 Heute
digitaler Technologien 85 15 In 5 Jahren
14 29 57 Heute
Gefährdung unseres originären Geschäftsmodells 20 15 15 50 In 5 Jahren
85 10 5 Heute
Ist Kern unseres Geschäftsmodells
80 15 5 In 5 Jahren
Ich stimme zu Ich stimme eher zu Ich stimme eher nicht zu Ich stimme nicht zu
E rwartungsgemäß fällt der Anteil der PropTechs in allen Hier ist der Anteil der Unternehmen, die dies heute als
Punkten höher aus als bei den klassischen Immobilienun- gegeben ansehen, zwar vergleichsweise gering (14 %).
ternehmen. Erneut gilt: Die PropTechs stehen häufig be- Allerdings steigt der Anteil in fünf Jahren deutlich auf
reits heute dort, wo die klassische Immobilienwirtschaft 35 Prozent. Das wäre offenkundig noch immer keine Mehr-
erst in etwa fünf Jahren stehen wird. Bemerkenswert heit; die PropTech-Branche scheint sich aber insgesamt
ist zudem die Antwort auf die Frage, ob das eigene Ge- dennoch weniger sicher zu fühlen als die klassische Immo-
schäftsmodell durch den Einsatz digitaler Technologien bilienwirtschaft. Das Stichwort lautet disruptives Potenzial
gefährdet sei. digitaler Technologien.
20STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
FRAGE 8
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen im Rahmen der
Umsetzung Ihrer Digitalisierungsstrategie?
Immobilienwirtschaftliche Unternehmen PropTechs
Angaben in Prozent Angaben in Prozent
24 30 31 16 Fehlende Digitalisierungsstrategie 24 14 33 29
16 21 41 22 Mangelnde finanzielle Mittel 10 57 14 19
32 40 21 7 Fehlende personelle Ressourcen 19 43 14 24
24 49 19 8 Fachkräftemangel 19 24 38 19
9 21 48 22 Geringe Mitarbeiterakzeptanz 5 15 45 35
16 45 28 11 Unkenntnis über Einsatzmöglichkeiten im 10 19 33 38
aktuellen Geschäftsmodell
15 22 72 Digitalisierung und der Einsatz digitaler Technolo- 100
gien sind für unser Unternehmen nicht relevant
Ich stimme zu Ich stimme eher zu Ich stimme eher nicht zu Ich stimme nicht zu
ie klassische Immobilienwirtschaft sieht im Fachkräfte-
D In der klassischen Immobilienwirtschaft ist eine solche
mangel und in den fehlenden personellen Ressourcen die Unkenntnis noch vergleichsweise weit verbreitet: Für 61
wesentlichen Hürden, um ihre Digitalisierungsstrategie Prozent stellt diese Unkenntnis eine Herausforderung
umzusetzen: Jeweils über 70 Prozent der Unternehmen dar, um die Digitalisierungsstrategie umzusetzen. Bei
sehen hier eine Herausforderung. Bei den PropTech-Un- den PropTechs sind es nur 29 Prozent.
ternehmen liegt der Anteil deutlich niedriger – wichtiger Sowohl für immobilienwirtschaftliche Unternehmen als
scheint hier das Problem mangelnder finanzieller Mittel auch für die befragten PropTechs gilt allerdings: Oft gibt
zu sein. es gar keine Digitalisierungsstrategie. In der der klassi-
Sehr unterschiedlich wird zudem die Frage beantwor- schen Immobilienwirtschaft ist das bei 54 Prozent der
tet, ob eine eventuelle Unkenntnis der Einsatzmöglich- Befragten ein Problem, bei den PropTechs immerhin noch
keiten digitaler Technologien ein Hindernis darstelle. bei 38 Prozent.
21STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
FRAGE 9
Welche Auswirkungen erwarten Sie auf der Nachfrageseite durch eine Verbreitung digitaler
Technologien in anderen Wirtschaftszweigen?
AUSSAGE 9A
Die quantitative Nachfrage nach Flächen wird sich durch den Einsatz digitaler Technologien in der
jeweils genannten Nutzungsart verändern (folgende Optionen: erheblich erhöhen, etwas erhöhen,
etwas reduzieren, erheblich reduzieren).
Immobilienwirtschaftliche Unternehmen PropTechs
Angaben in Prozent Angaben in Prozent
8 69 23 Wohnimmobilien 33 56 11
6 24 53 17 Büroimmobilien 28 44 11 17
4 29 52 15 Einzelhandelsimmobilien 33 28 28 11
29 42 22 6 Produktions-/Logistikimmobilien 35 53 6 6
11 50 38 1 Gesundheits-/Sozialimmobilien 35 41 24
11 44 43 1 Hotels 35 41 12 12
10 61 28 1 Spezialimmobilien 38 50 13
… erheblich erhöhen … etwas erhöhen … etwas reduzieren … erheblich reduzieren
ie klassischen immobilienwirtschaftlichen Unterneh-
D • B
ei Einzelhandelsimmobilien liegt der Grund auf der
men sehen in einigen Nutzungsarten eine steigende, in Hand: Es ist der Onlinehandel, der den stationären
anderen eine sinkende Nachfrage nach Fläche als Folge Einzelhandel unter Druck setzt.
digitaler Technologien.
• Bei Büro- und Einzelhandelsimmobilien wird der
größte quantitative Flächenrückgang erwartet.
22STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
• B
ei Büroimmobilien dürften es eher die modernen Ar- E ine steigende Nachfrage erwartet die klassische Immo-
beitskonzepte sein – Stichwort mobiles Arbeiten. Ins- bilienwirtschaft vor allem bei Wohn- und Produktions-/
besondere gehobene Dienstleistungen (zum Beispiel Logistikimmobilien.
Ingenieurleistungen) können praktisch von überall • Die zunehmende Flächennachfrage in der Logistik
aus erbracht werden – die Präsenzzeit im Büro kann ist dabei ebenfalls auf den E-Commerce zurückzu-
in vielen Fällen gesenkt werden, Home-Office und führen.
zeitlich geteilte Schreibtische sind in vielen Unter- • Wohnimmobilien erleben derzeit ohnehin eine enorme
nehmen längst etabliert, wobei die Flexibilität des Nachfrage, insbesondere in den attraktiven Städten.
„Büros der Zukunft“ oft nur mit einer umfangreichen Möglicherweise sehen die Befragten hier durch Ver-
technischen Ausstattung realisiert werden kann. marktungsplattformen eine größere Nachfrage selbst
für solche Immobilien, die ohne die entsprechende
Transparenz vielleicht eher „unter dem Radar“ der
Wohnungssuchenden blieben.
Auch Spezialimmobilien wie Rechenzentren, Gesundheits
immobilien und Hotels werden der klassischen Immobi
lienwirtschaft zufolge eine steigende Nachfrage erfahren.
Die befragten PropTech-Unternehmen sehen hingegen
eine steigende quantitative Nachfrage für alle Nutzungs-
arten, einschließlich, wenn auch etwas schwächer, im
Bereich der Einzelhandelsimmobilien.
23STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
AUSSAGE 9B
Die qualitativen Anforderungen an Flächen (z. B. Zuschnitt, Ausstattung, Flexibilität) werden sich
durch den Einsatz digitaler Technologien in der jeweils genannten Nutzungsart verändern (folgende
Optionen: erheblich erhöhen, etwas erhöhen, etwas reduzieren, erheblich reduzieren).
Immobilienwirtschaftliche Unternehmen PropTechs
Angaben in Prozent Angaben in Prozent
27 72 1 Wohnimmobilien 65 35
44 51 22 Büroimmobilien 81 19
31 59 9 1 Einzelhandelsimmobilien 50 50
33 61 6 Produktions-/Logistikimmobilien 63 31 6
32 64 4 Gesundheits-/Sozialimmobilien 63 25 13
35 58 6 Hotels 56 44
33 63 4 Spezialimmobilien 44 50 6
… erheblich erhöhen … etwas erhöhen … etwas reduzieren … erheblich reduzieren
ährend sich die quantitativen Auswirkungen noch
W P ropTech-Unternehmen sehen tendenziell noch einmal
deutlich nach Nutzungsart sowie in der Sichtweise der etwas größere Veränderungen als die klassische Im-
klassischen Immobilienwirtschaft und der PropTechs un- mobilienwirtschaft. Vor allem die Büroimmobilie dürfte
terscheiden, herrscht bei den qualitativen Auswirkungen betroffen sein.
Einigkeit: Fast alle Befragten beider Gruppen sehen für
alle Nutzungsarten höhere qualitative Anforderungen mit
Blick auf die jeweiligen Flächen.
24STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
7. Fortsetzung
AUSSAGE 9C
Die nachfolgend genannten Trends führen zu einer erheblichen Veränderung
in der Nachfrage nach Flächen.
Angaben in Prozent
Digitale Technologien als wesentliche Treiber für moderne 78 17 6
Arbeitsplatzkonzepte (z. B. mobiles Arbeiten, Desksharing)
Digitale Technologien als wesentliche Treiber 61 33 6
der Sharing Economy
Ich stimme zu Ich stimme eher zu Ich stimme eher nicht zu Ich stimme nicht zu
S owohl die klassischen immobilienwirtschaftlichen als as „Büro der Zukunft“ stellt einerseits hohe Quali-
D
auch die PropTech-Unternehmen sehen digitale Tech- tätsanforderungen an die jeweiligen Flächen, kann aber
nologien als wesentlichen Treiber für moderne Arbeits- andererseits den Flächenbedarf oft reduzieren.
platzkonzepte und Sharing Economy.
25STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
8. Welchen Einfluss üben die PropTech-Start-ups aus?
Die Begriffe „Property Technology“ (gemäß der ZIA-Defini- diesem Teil der Studie beleuchten wir, wie die befragten
tion)“ und „PropTechs“ bzw. „Start-ups“ sind geläufig, aber Unternehmen PropTech-Start-ups einordnen.
was sich genau dahinter verbirgt, ist noch relativ diffus. In
Immobilienwirtschaftliche Unternehmen PropTechs
Angaben in Prozent Angaben in Prozent
PropTech-Start-ups PropTech-Start-ups gefährden die
gefährden mein 1 13 41 44 Geschäftsmodelle der etablierten 38 25 21 17
Geschäftsmodell. Marktteilnehmer.
PropTech-Start-ups können dazu PropTech-Start-ups können dazu
beitragen, unseren Umsatz 16 56 20 8 beitragen, den Umsatz etablierter 38 46 13 4
zu erhöhen. Marktteilnehmer zu erhöhen.
Wir unterstützten PropTech- Wir werden aktiv von etablierten
Start-ups aktiv, etwa durch inhalt- Marktteilnehmern unterstützt,
liche Zuarbeit oder 15 24 19 41 z. B. durch inhaltliche Zuarbeit 23 41 18 18
finanzielle Beteiligung am oder finanzielle Beteiligung an
Unternehmen. unserem Unternehmen.
Die deutsche Immobilienwirtschaft Die deutsche Immobilienwirtschaft
bietet genügend Potenziale und bietet genügend Potenziale und
35 47 13 5 79 17 4
Wachstumsperspektiven für Wachstumsperspektiven für
PropTech-Start-ups PropTech-Start-ups
Ich stimme zu Ich stimme eher zu Ich stimme eher nicht zu Ich stimme nicht zu
lassische Immobilienwirtschaft und Prop-Tech-Un-
K E inigkeit herrscht auch bei der Frage, ob die Immobilien-
ternehmen scheinen sich einig: Start-ups in der Prop- wirtschaft ausreichend Potenziale und Wachstumsmög-
Tech-Szene können dazu beitragen, den Umsatz der lichkeiten für PropTech-Start-ups bietet. Immobilienwirt-
etablierten Marktteilnehmer zu erhöhen. Der Anteil der schaft (82 %) und PropTech-Branche (96 %) stimmen
Befragten aus der Immobilienwirtschaft, die dem zustim- dem mehrheitlich zu.
men, liegt bei 72 Prozent. Bei den PropTech-Befragten
sind es sogar 84 Prozent.
26STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
8. Fortsetzung
L eicht unterschiedlich sind die Aussagen zum Thema Gänzlich unterschiedlich werden die Wirkungen von Prop-
Unterstützung der PropTechs durch etablierte Unterneh- Tech-Start-ups auf die jeweiligen Geschäftsmodelle etablier-
men. Die Immobilienwirtschaft sieht bislang offensicht- ter Marktteilnehmer gewertet. Während sich nur ein Bruchteil
lich keinen ausgeprägten Bedarf, mit PropTech-Start- der befragten klassischen Immobilienunternehmen gefährdet
ups zu kooperieren. Nur 39 Prozent bestätigen, dass sie sieht (14 %), ist der Großteil der PropTechs anderer Meinung
inhaltlich zuarbeiten oder sich finanziell beteiligen. Die (63 %): Hier wird eine ernst zu nehmende Konkurrenz für
befragten PropTechs wiederum werden aber mehrheitlich die etablierten Geschäftsmodelle der Immobilienwirtschaft
(64 %) von Unternehmen unterstützt – sie stammen gesehen.
offensichtlich aus anderen Feldern als der Immobilien-
wirtschaft. Denkbar sind Venture-Capital-Geber oder
auch die bekannten Start-up-Schmieden.
27STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
9. Wer sind die PropTech-Marktteilnehmer?
Dieser Teil der Studie gibt einen Überblick über neue Anbieter der Übersichtlichkeit wurde auch auf die Darstellung weithin
auf dem deutschen Markt für immobilienwirtschaftliche bekannter digitaler Plattformen zum reinen Informationsaus-
Dienstleistungen, deren Geschäftsmodelle wesentlich auf tausch und/oder Anbietervergleich (z. B. Online-Branchen-
der Integration von Informations- und Kommunikationstech- bücher und Maklervergleichsportale) verzichtet. Schließlich
nologien aufbauen (sogenannte PropTechs). konzentriert sich die folgende Auswahl auf Geschäftsmodel-
Als relevante neue Marktteilnehmer gelten hier ausschließ- le, die sich (auch) an die gewerbliche Immobilienwirtschaft
lich Start-ups, d. h. Unternehmen, die nicht älter als zehn richten, d. h. B2B-Geschäftsmodelle und keine mehr oder
Jahre sind und mit einer innovativen Technologie und/oder weniger reinen B2C-Modelle.
einem innovativen Geschäftsmodell ein schnelles und hohes Naturgemäß kann kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben
Umsatzwachstum anstreben. werden; vielmehr wurde der Versuch unternommen, den
Die längst etablierten Pioniere der Online-Immobilienver- Blick auf einige der innovativsten Start-ups mit Relevanz
marktung und jene PropTechs, die den deutschen Markt für Kernbereiche der gewerblichen Immobilienwirtschaft in
derzeit noch nicht aktiv bearbeiten, wurden im vorstehenden Deutschland zu richten.
Sinne also ausgeklammert, ebenso Start-ups, die gegen- Die hier gewählte Systematik der Darstellung orientiert sich
wärtig inaktiv erscheinen bzw. den Betrieb bereits wieder an den klassischen Immobilienmarktsegmenten und dem
eingestellt haben. Immobilienlebenszykluskonzept. Die Start-ups wurden zwölf
Um das Bild weiter zu schärfen, wurden außerdem online sogenannten Innovationsclustern zugeordnet, die wesent-
zu buchende haushaltsnahe Dienstleistungen (z. B. Um- liche Merkmale ihrer Kernkompetenz beschreiben. Hierzu
zugsservices) und reine Online-Shops (z. B. für Einrich- ist anzumerken, dass die Grenzen mitunter fließend und
tungsgegenstände wie Küchen, Möbel und dergleichen oder Zuordnungen nicht immer eindeutig möglich sind. Eine Reihe
für Bauelemente und technische Gebäudeausstattung wie von Start-ups kombiniert durchaus mehrere Innovationen
Fenster, Türen oder Heizungssysteme) nicht einbezogen, zu einem Geschäftsmodell. Insofern mag die Einteilung in
wenngleich auch bei diesen E-Commerce-Anbietern mitun- manchen Fällen eher plakativ sein und vornehmlich der
ter weitgehend digitalisierte Prozesse oder beispielsweise Veranschaulichung dienen.
3-D-Visualisierungen zum Einsatz kommen. Aus Gründen
28STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
10. Berlin auch bei PropTech-Start-ups beliebtester Standort
Die überwiegende Mehrheit der 114 untersuchten PropTech- temberg und Sachsen, ohne eindeutige Konzentrationen auf
Start-ups (42 %) wurde im Raum Berlin gegründet, gefolgt eine bestimmte Metropolregion in diesen Bundesländern.
von Bayern (18 %, überwiegend im Raum München) und Acht PropTech-Unternehmen kommen aus dem Ausland (in
dem Raum Hamburg (9 %). 27 weitere Unternehmen ver- der Regel Schweiz bzw. Österreich).
teilen sich auf Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Würt-
Raum Hamburg 10
9%
3
2 2
1 1 1
0 Raum Berlin 48
42 %
2007-10 2011 2012 2013 2014 2015 2016
17
13
8
NRW 7% 6 6
3 2
4 1
3
2007-10 2011 2012 2013 2014 2015 2016
1
9
Hessen 8 %
2007-10 2014 2015 6 Sachsen 44 % 3
3 1
0 0 0 0 0
2014 2015 2007-10 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Bayern 21
18 %
8
6
Baden-Württemberg 5% 3 5
3
2 2
1 1 1 1
0
0 0 0
2007-10 2011 2012 2013 2014 2015 2016
2007-10 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Verteilung nach 114
Gründungsjahren (gesamt) 100 %
8
Schweiz/Österreich 7% 38
34
3
2 2 14
1 5 8 7 8
0 0 0
2007-10 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2007-10 2011 2012 2013 2014 2015 2016
29STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
10. Fortsetzung
Bemerkenswerterweise lassen sich bislang kaum ausge- gend in besonders angespannten Wohnungsmärkten wie im
prägte regionale Innovationscluster ausmachen. Wer bei- Raum München (50 % dieses Innovationsclusters), Berlin
spielsweise erwartet hat, dass die immobilienwirtschaftlich (33 %), Hamburg und Zürich (jeweils 10 %) gegründet wur-
orientierten FinTechs (Immobilien-Crowdfunding) überwie- den. Berlin und Bayern haben ihre Führungspositionen vor
gend im Frankfurter Raum angesiedelt sind, muss feststel- allem in den Boomjahren 2014 und 2015 erlangt. In den
len, dass sich auch diese Unternehmen über sechs Regionen Spitzenjahren 2014/15 hat sich die durchschnittliche Anzahl
verteilen. Auch wenn vier von zehn Crowdfunding-Unter- von Gründungen der vorausgegangenen drei Jahre ungefähr
nehmen in Berlin gegründet wurden, ist dies keineswegs vervierfacht. Die Zahl der Gründungen bis Sommer 2016
überproportional, da ohnehin die meisten PropTechs in Berlin liegt etwas unter dem Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2013;
ansässig sind. allerdings entspricht dies nicht dem vollen Jahr 2016 und
Auffällig ist lediglich, dass die auf Matching-Algorithmen bei es bedarf im Allgemeinen eines gewissen Zeitraums, bis
der Wohnraumvermietung spezialisierten Start-ups überwie- Neugründungen öffentlich bekannt werden.
30STUDIE: Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft
11. Die deutsche PropTech-Szene ist vergleichsweise jung –
Liquidität trifft Perspektive
Die Auswertungen in diesem Abschnitt basieren auf ei- im Durchschnitt sind es rund 150.000 Euro (ohne Ausreißer).
ner gesonderten Erhebung von Unternehmensprofilen. Da Gemäß den Angaben lagen die Umsatzwachstumsraten
nicht alle hier dargestellten PropTech-Unternehmen an der aller PropTechs einschließlich derer, die sich schon in der
ergänzenden Erhebung teilgenommen haben und mitunter Wachstums- bzw. Expansionsphase befinden oder schon als
keine Angaben gemacht wurden, sind die folgenden Aus- etabliert gelten können, in den ersten vier Jahren zumeist
sagen nicht repräsentativ, sondern lediglich als Indikatoren zwischen 200 und 400 Prozent pro Jahr.
zu verstehen. Rund jedes zweite Unternehmen, das Angaben zur Finan-
Rund 40 Prozent der PropTechs gaben an, an einem In- zierung machte, hat bereits die zweite Finanzierungsrunde
kubator-/Accelerator-Programm teilgenommen zu haben, abgeschlossen. Durchschnittlich wurden in der ersten Finan-
eine Mehrheit nannte dabei YouIsNow, das Accelerator-Pro- zierungsrunde rund 450.000 Euro und in der zweiten rund
gramm von Immobilienscout24. 650.000 Euro akquiriert. Knapp die Hälfte der Unternehmen
Etwa 70 Prozent aller PropTech-Unternehmen sind jünger hat in der ersten Finanzierungsrunde nicht mehr als 250.000
als drei Jahre. Somit dürfte sich eine Mehrheit der Start- Euro eingeworben, in einem Drittel der Fälle lag die erste
ups noch in der Seed- oder Start-up-Phase befinden. Diese Finanzierungsrunde im Bereich zwischen einer halben und
Unternehmen haben in der Regel weniger als 20 Mitarbeiter, einer Million Euro. In der zweiten Finanzierungsrunde konn-
vielfach weniger als zehn. Die geplanten Umsätze für 2016 te etwa jedes vierte PropTech-Unternehmen bereits einen
liegen bei diesen Unternehmen selten über 200.000 Euro, siebenstelligen Betrag einwerben.
Eingesammeltes Kapital
33 %
27 % 27 % 27 %
20 %
18 % 18 %
13 %
9%
7%
bis 100 bis 250 bis 500 bis 1.000 über 1.000
TEUR TEUR TEUR TEUR TEUR
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