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#1
OKTOBER
2020
SMART
CITY
BREITBAND: SMART REGION
Ausbau schreitet voran Modellprojekte
aus und für Thüringen
Aktuelles zur Förderung
von Bund und LandINH A LT
6 Aktuelles zum
BREITBAND-
10
AUSBAU SCHNELLES
INTERNET
für Thüringer Schulen
11
MOBILFUNK
5G für Thüringen
D I G I TA L E D I G I TA L E
INFR ASTRUK TUR GESELLSCHAF T
BREITBAND 13 Die Thüringer Digitalstrategie
bekommt ein Update.
5 Informationsplattform
zum Breitbandausbau geschaffen S TA DT & L A ND
6 Breitbandausbau schreitet voran 14 Das SMARTCity-Projekt Gera
8 Aktuelles zur Förderung 16 Smartes Quartier Jena-Lobeda
von Bund und Land erprobt die Zukunft des Wohnens
10 Schnelles Internet WIRTSCHAF T & FORSCHUNG
für Thüringer Schulen 18 Digitalisierung in der Thüringer
Wirtschaft schreitet voran
MOBILFUNK
11 Immer. Überall. Mobil. Funk! 20 Stärkung des Standorts Thüringen
bei der Entwicklung Künstlicher
12 5G draußen, 5G zu Hause, Intelligenz
5G für Thüringen
22 Das Bauhaus.MobilityLab:
Reallabor der Zukunft gestartet
24 Thüringer Handwerk – DigitalCoach
26 Starke Partner für die Digitalisierung
im Thüringer Handwerk
© Fotos oben: 1) alphaspirit – 123r f.com; 2) Star tupStockPhotos – pixabay.com; 3) Sebastien Decoret – 123r f.com
2 © Abbildungen T itelseite: Illustration: goodstudio; Hintergrundfoto: alphaspirit – jeweils 123r f.comINH A LT
14
20 KÜNSTLICHE
INTELLIGENZ
in Thüringen
T O U R I S M U S & K U LT U R FEUILLETON
28 Wintersportmomente
UMFR AGE
30 Im Kreis der Familie:
offizielles Go-Live für Thüringens 42 Was denken Thüringerinnen und
Tourismusdatenbank ThüCAT Thüringer über wichtige Fragen
der Digitalisierung?
BILDUNG & HOCHSCHULE
44 Kommentar:
32 Mit klaren Zielen Der Arzt im Bildschirm?
zur digitalen Schule
TERMINE
34 Fellowships für Innovationen
45 Kommende Veranstaltungen
in der digitalen Hochschullehre
rund um die Digitalisierung:
Thüringen
EAST – Energy And Storage
36 Mit dem DigiLab Technologies / Glasfaserforum /
bestens vorbereitet InnoCON / Digital-Gipfel
GESUNDHEIT FAK TEN
38 E-Health: eine Strategie 45 Zahlen und Fakten
für die Zukunft zur Digitalisierung in Thüringen
40 Home Monitoring:
Gesundheitsversorgung
auch zu Hause
Wir haben
Thüringerinnen und
Thüringer befragt.
42
© Fotos: oben: 1) Stadt Gera; 2) Illustration ( T itel-Ausschnit t): goodstudio– 123r f.com;
3) T homas Söllner – stock.adobe.com; unten: Andrey Popov – stock.adobe.com 3EDITORIAL
Liebe Leserinnen und Leser,
wie sehen unsere Städte in der Zukunft aus? Wie werden wir künftig wohnen,
leben und arbeiten? Selbstfahrende Busse, sensorgestützte Parkplatzsuche,
Rund-um-die-Uhr-Lieferservices – unser aller Leben wird immer mehr von
digitalen Angeboten und Werkzeugen geprägt. Nicht nur im privaten, auch
im beruflichen Umfeld spüren wir die Neuerungen. Ein einfaches, aktuelles
Beispiel ist die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten.
Noch vor 30 Jahren war es für uns unvorstellbar, welchen Sprung die Digitali-
sierung bis zum Jahre 2020 machen würde und wie sie unsere Gesellschaft
verändern sollte. Es liegt an uns, diese technischen Möglichkeiten zu nutzen
und kontinuierlich zu verbessern. Seit 2017 arbeiten wir auf Grundlage der
Thüringer Strategie für die Digitale Gesellschaft daran, die Chancen der Digi-
talisierung bestmöglich für unser Land zu nutzen. Die Digitalstrategie wird
regelmäßig fortgeschrieben und um neue Maßnahmen ergänzt.
Mit dieser ersten Ausgabe des Digitalmonitors lade ich Sie zu einem Ausflug
in die digitale Zukunft unseres Freistaates Thüringen ein. Bereits heute gibt
es eine Vielzahl spannender digitaler Entwicklungen im Land. Der Digital
monitor stellt Ihnen einige visionäre Thüringer Projekte und Initiativen aus
verschiedenen Wirtschafts- und Lebensbereichen vor – so zum Beispiel
die Modellvorhaben SMARTCity Gera, Smartes Quartier Jena-Lobeda und
das Bauhaus.MobilityLab. Sie lernen die Initiatorinnen und Initiatoren hinter
diesen Modellvorhaben kennen, die von ihren Erfahrungen berichten.
Auch haben wir Thüringerinnen und Thüringer nach ihrer Meinung zur Digi
talisierung befragt. Lassen Sie sich überraschen!
Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre.
Ihr
Wolfgang Tiefensee
Thüringer Minister für Wirtschaft,
Wissenschaft und Digitale Gesellschaft
4DIGITALE INFR ASTRUK TUR
Informations-
plattform
zum Breitband-
ausbau
geschaffen
In Thüringen soll zukünftig in allen Städten und ländlichen Regionen
schnellstes Internet verfügbar sein. Die Umsetzung des Glasfaserausbaus
geht zügig voran. Dazu gibt es Förderungen und Beratungen für die Gemein-
den und Landkreise. Seit Neuestem gibt es zusätzlich eine interaktive
Informationsplattform. Das sogenannte Telekommunikations-Informations-
Monitoring Thüringen (TIM) gibt Auskunft zum Stand des Ausbaus.
Der Ausbau der Glasfasernetze ist in Thüringen im vollen Gemeinden mit ihren jeweiligen Bandbreiten anzeigen
Gange. Mit Bundes- und Landesförderungen werden die lassen. Auch die Frage, wo es bereits Glasfaseranbin
Städte und Gemeinden beim Breitbandausbau unter- dungen gibt, wird von TIM beantwortet. Zukünftig wer-
stützt. Um den Versorgungsstand transparent und über- den weitere Informationen in das TIM aufgenommen.
sichtlich zu gestalten, ist seit Kurzem ein neues Informa- So könnten beispielsweise Ansichten zu Leerrohren
tionsportal verfügbar. wichtige Informationen bieten, da die Installation von
Auf dem sogenannten Telekommunikations-Informations- Glasfaserkabeln mit sehr viel geringerem Aufwand und
Monitoring (TIM) Thüringen werden relevante Informatio- geringeren Kosten möglich ist, wenn die Leerrohre
nen auf interaktiven Karten dargestellt. Über Filter können bereits verlegt sind.
sich die Nutzerinnen und Nutzer zum Beispiel einzelne
→
© Foto: Andrey Popov – stock.adobe.com, Screenshot: T IM 5BREITBAND
Breitbandausbau
schreitet voran
Mehr als 90 Prozent aller Haushalte in Thüringen
verfügten im Juli 2020 über Bandbreiten von 50 Mbit/s
(Megabit pro Sekunde). Fast 85 Prozent aller Haushalte
in Thüringen konnten zum gleichen Zeitpunkt auf
Bandbreiten von 100 Mbit/s zurückgreifen.
Der Bedarf an einer leistungsfähigen Internetverfügbar- Auch im gewerblichen Bereich hat der Breitbandausbau
keit mit hohen Bandbreiten steigt stetig. Immer mehr einen entscheidenden Einfluss auf die Attraktivität des
Personen nutzen Streaming-Dienste, laden ihre Daten in Standorts. Eine hohe Übertragungsrate am Unterneh-
eine Cloud oder führen Online-Konferenzen. Besonders mensstandort ist für die Konkurrenzfähigkeit von Unter-
Familien haben einen hohen Bedarf, da sie unterschied- nehmen unabdingbar. Für Videokonferenzen, Fernwar-
liche Angebote zur gleichen Zeit auf verschiedenen End- tungen oder interaktive Plattformen müssen immer
geräten nutzen. Auch entwickeln sich die Technologien höhere Datenmengen digital übertragen werden. Hierbei
immer weiter, wodurch die zu übertragenden Daten sind Geschwindigkeit und Latenz (Verzögerungszeit für
größen und Datenmengen zunehmen. Daher sind eine die Übertragung der Daten) der Übertragung für die Profi-
ausreichende Bandbreite und eine stabile Verbindung tabilität vieler Unternehmen elementar.
notwendig. Für immer mehr Bürgerinnen und Bürger
ist eine gute Internetverbindung bei der Wohnortwahl
ein wichtiges Kriterium.
mit 30 MBit/s mit 50 MBit/s
versorgte Thüringer Haushalte versorgte Thüringer Haushalte
in den Gemeinden in den Gemeinden
Nord- Nord-
hausen hausen
Heiligen- Heiligen-
stadt Sondershausen stadt Sondershausen
Mühl- Mühl-
hausen hausen
Sömmerda Sömmerda
Bad Bad
Langensalza Langensalza
Apolda Apolda
Alten- Alt
Eisenach Erfurt Weimar burg Eisenach Erfurt Weimar bu
Gotha Jena Gotha Jena
Gera Gera
Bad Bad
Salzungen Arnstadt Salzungen Arnstadt
Rudolstadt Rudolstadt
Schmalkalden Schmalkalden
Ilmenau Ilmenau
Saalfeld Saalfeld
Suhl Suhl
Meiningen Schleiz Meiningen Schleiz
Hildburg- Hildburg-
hausen hausen
Sonneberg Sonneberg
90,54 % 90,51 %
der Haushalte versorgt der Haushalte versorgt
(Stand 30. 06. 2020) (Stand 30. 06. 2020)
6DIGITALE INFR ASTRUK TUR
Nord-
hausen
mit100 MBit/s
versorgte Thüringer Haushalte
in den Gemeinden
Heiligen-
stadt Sondershausen
84,42 %
der Haushalte versorgt
Mühl-
hausen (Stand 30. 06. 2020)
Sömmerda
Bad
Langensalza
Apolda
Alten-
Eisenach Erfurt Weimar burg
Gotha Jena
Gera
Bad
Salzungen Arnstadt
Rudolstadt
Schmalkalden
Ilmenau
Saalfeld
Suhl
Meiningen Schleiz
Hildburg-
hausen
Sonneberg
> 97
66–97
1.000 Mbit/s
33–66 Für das Ausweisen der Verfügbarkeit von 1.000 Mbit/s
verweisen wir auf den Breitbandatlas des Bundes.
< 33 Laut diesem sind in Thüringen 22 % der Haushalte mit
1.000 Mbit/s versorgt.
ten-
urg Die Basis der Berechnung der Breitbandversorgung gibt. Daher muss gerade auf dem Land der eigenwirt-
wurde 2020 optimiert. Ziel war es, Schätzungen und schaftliche Ausbau durch den geförderten Ausbau unter-
Fehlerquellen zu minimieren. Die aktuelle Berechnung stützt werden.
erfolgt auf der Ebene der amtlichen Gebäudedaten aus
dem Amtlichen Liegenschaftskatasterinformationssys- Die Entwicklung der Versorgungszahlen zeigt deutlich,
tem ALKIS®, den amtlichen Hauskoordinaten (Adressen) dass sich die Verfügbarkeit von breitbandigem Internet
und Haushaltsdaten des Marktforschungsinstituts Infas in Thüringen in den letzten Jahren stark verbessert hat.
360 GmbH. Als Basis der Versorgung wurden Daten aus Im Jahr 2016 waren 81,57 Prozent der Haushalte mit
eigener Erhebung und der Telekommunikationsanbieter 30 Mbit/s versorgt, 75,33 Prozent verfügten über
geocodiert. 50 Mbit/s und lediglich 50,95 Prozent der Haushalte
wurden mit 100 Mbit/s versorgt. Mit Stand 30. 06. 2020
Die aktuellen Berechnungen zeigen, dass es bei der Ver- verfügten fast 85 Prozent der Thüringer Haushalte über
sorgung mit hohen Bandbreiten immer noch große Unter- 100 Mbit/s, was die positive Entwicklung verdeutlicht.
schiede zwischen ländlichen Gebieten und den Städten
© Foto: volf f – stock.adobe.com; Kar ten: T IM 7BREITBAND
Aktuelles zur Förderung
von Bund und Land
Seit Ende 2015 fördert die Bundesregierung den Ausbau
leistungsfähiger Breitbandnetze in allen Regionen des
Landes. Das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissen-
schaft und Digitale Gesellschaft (TMWWDG) ergänzt diese
Förderung mit zusätzlichen Landesmitteln. Die Thüringer
Aufbaubank und die Digitalagentur Thüringen unterstützen
bei der Umsetzung.
Für Wirtschaft und Gesellschaft in Thüringen wird die
zügige Anbindung an das Glasfasernetz immer wichtiger.
Gerade in ländlichen Regionen gilt es, den eigenwirt-
schaftlichen Ausbau der Telekommunikationsunterneh-
men durch die verfügbaren Bundes- und Landesförder- S T AT E M E N T
programme zu ergänzen. Das Thüringer Ministerium
für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft,
ANT JE HOCHWIND -SCHNEIDER,
unterstützt durch die Thüringer Aufbaubank und die
Digitalagentur Thüringen, steht dabei den Kommunen
Landrätin Kyffhäuserkreis:
als Ansprechpartner für die Projekte zur Seite. Mit der „Gerade für uns als ländlich geprägte Region
Schaffung einer flächendeckenden Versorgung von Glas- hat die Sicherstellung der Breitbandversorgung
fasernetzen entsteht für Thüringen die wichtigste Basis einen enorm hohen Stellenwert, um die vielfältigen
für den Weg zu einer modernen digitalen Gesellschaft. Möglichkeiten der Digitalisierung für die positive
Entwicklung des Kyffhäuserkreises zu nutzen.
Die Thüringer Aufbaubank gibt an, dass die Bundes- und
Trotz des insbesondere zu Beginn äußerst kom
Landesförderungen seit 2016 in Thüringen schätzungs-
plexen Verfahrens mit vielfach unklarer Datenlage
weise eine halbe Milliarde Euro an Investitionen in den
Breitbandausbau ausgelöst haben (Stand 28. 08. 2020). sind wir sehr froh, durch umfangreiche Unterstüt
Zu diesem Zeitpunkt beinhaltet dies neben knapp 250 zung des Bundes und des Freistaates Thüringen
Millionen Euro Bundesförderung auch ca. 144 Millionen zum Jahresende 2020 eine nahezu flächendecken
Euro Landesmittel. Fast 110 Millionen Euro werden von de Breitbandgrundversorgung im Kyffhäuserkreis
den Telekommunikationsunternehmen selbst aufge- realisiert zu haben.
bracht.
Gleichzeitig wissen wir jedoch auch, dass jetzt die
nächsten Herausforderungen anstehen. Im Zusam
Die tatsächliche Höhe der Zuwendung wird sich aller-
dings erst im Laufe der Verfahren klären, da es bei den
menspiel mit dem Freistaat Thüringen, den Städten
Planungen und Ausschreibungen in fast allen Fällen zu und Gemeinden, Telekommunikationsunternehmen
Änderungen der benötigten Fördersumme kommt. Die und anderen Akteuren gilt es nun, eine flächen
Gründe dafür sind vielfältig: gestiegene Tiefbaukosten, deckende gigabitfähige Infrastruktur zu entwickeln,
die Ausweitung der Fördergebiete und insbesondere die auch eine Verbesserung der Mobilfunkversor
Technologieupgrades vom Vectoring auf Glasfaser bis gung mit hohen Übertragungsraten beinhaltet.“
8 © Fotos: f lashmovie – stock.adobe.com; Por trät: Landratsamt Saale- Orla-KreisDIGITALE INFR ASTRUK TUR
Nordhausen Projekte, die mit Hilfe der Bundesförderung
erschlossen werden und sich derzeit im Förderprozess
befinden mit Stand: 10. 09. 2020
Eichsfeld
Kyffhäuserkreis
Unstrut-Hainich-Kreis
Sömmerda
Buttstädt
Nordkreis Ilmtal-
Weimar Weinstraße
Saale-
Sportbad Holzland- Altenburg Altenburg
Erfurt Weimar West Ost
Eisenach Kreis
Mellingen Jena Bad Köstritz
Wartburg- Kranichfeld
kreis Stadtver waltung
Bad Tabarz Blanken- Gera
hain
Langenwetzdorf
Floh- Auma-
Dermbach Seligenthal
Geisa Oberhof Weidatal
Zella-Mehlis Ilm- Saalfeld- Zeulenroda-
Kreis Rudolstadt Triebes
Suhl
Rhönblick Schiefer-
Feldstein gebirge
Saale-Orla-
Dolmar- Kreis
Salzbrücke Hildburg-
hausen Ausbau
Sonneberg
endgültig bewilligt
im Förderverfahren
Heldburger
Unterland
in die Gebäude (FTTB) sowie die Aufnahme von Schulen
in die Projektgebiete. Dies hat zwar bei den Planungs-
und Ausschreibungsverfahren zu erhöhten Kosten und
Verzögerungen geführt, erlaubt den Thüringer Gemein-
den jedoch eine direkte und wirksame Abdeckung mit
gigabitfähigen Glasfasernetzen.
Seit dem ersten Förderaufruf des Bundesprogrammes
Ende 2015 arbeiteten alle beteiligten Akteure mit Hoch-
druck daran, möglichst viele Förderprojekte zum Ab NADINE WAGNER,
schluss zu bringen. Derzeit werden in 43 Projektgebieten Wirtschaftsförderung
für die bisher noch nicht ausreichend versorgten Haus- und Breitbandteam
halte mithilfe der Förderprogramme des Bundes und Landratsamt
des Landes entsprechende Anschlüsse eingerichtet.
Saale-Orla-Kreis:
Voraussichtlich Anfang 2021 wird das sogenannte
Graue-Flecken-Förderprogramm des Bundes starten, „Als zweiter Landkreis
von dem in den nächsten Jahren wieder zahlreiche Thü- in Thüringen haben wir
ringer Haushalte, Unternehmen und Institutionen profi- die abschließenden S T AT E M E N T
tieren werden. Dann sollen weitere Lücken im Thüringer Fördermittelbescheide
Glasfasernetz geschlossen werden. von Bund und Land 2018
erhalten und konnten im Jahre 2019 mit unserem
Viele Unternehmen und Bürger profitieren bereits von kreisweiten Ausbauprojekt beginnen, welches wir
dem geförderten Ausbau und genießen die Vorteile einer
nunmehr bis Ende 2020 abschließen werden.
schnellen Internetanbindung. Die konsequente Unter-
Wir hoffen auch in Zukunft auf eine weitere gute
stützung durch Land und Bund sichert eine zuverlässige
Perspektive für unternehmerische Planungen und
Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, denn unser
schließt die vorhandene Handlungslücke. Dadurch steigt nächstes Breitband-Projekt steht bereits in den
die Standortattraktivität für Anwohner und Gewerbe Startlöchern!“
treibende in den Regionen. Für Thüringen bedeutet
die Förderung des Breitbandausbaus eine nachhaltige
Investition in die Zukunft des Landes.
© Kar te: T IM 9BREITBAND
Schnelles Internet
für Thüringer Schulen
Zu einem zukunftsfähigen Bildungssystem
gehört eine zuverlässige Internetverbindung.
Bis 2023 sollen die Thüringer Schulen und
Bildungseinrichtungen an das Glasfasernetz
angebunden werden. Damit erreicht die
Umsetzung der Glasfaserstrategie einen
weiteren Meilenstein.
Die technologischen Entwicklungen bringen im Nach den zum Stichtag 30. 06. 2020 vorliegenden Daten
Bildungsbereich digitale Anwendungen hervor, konnten bereits fast 900 der knapp 1.000 Thüringer
die eine gute Internetverfügung benötigen. Nicht Schulen in die bestehenden Förderprojekte des Landes
zuletzt die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass die und Bundes inkludiert und direkt mit Glasfaser bis an
digitale Ausstattung von Schulen weiter verbessert die Gebäude erschlossen werden. Thüringer Schulen, die
werden muss. Die Entwicklung einer online-integrier- bei bisherigen Förderungen – insbesondere im Breit-
ten Mediennutzung in Schulen lässt hohe Zugriffs- bandförderprogramm des Bundes – beim Anschluss ans
zahlen und einen hohen Datenaustausch erwarten. Glasfasernetz nicht berücksichtigt werden konnten, för-
Damit stellt der Glasfaseranschluss eine nachhaltige dert das Land Thüringen mit der Initiative „Schulen ans
und notwendige Investition für Thüringer Schulen Netz“ über die Förderrichtlinie des Freistaates. Das Land
und Bildungseinrichtungen dar. ist somit bestrebt sicherzustellen, dass alle Thüringer
Schulen über schnelles Internet verfügen. Auch diese
Initiative wird von TMWWDG, Digitalagentur und Thürin-
ger Aufbaubank nachhaltig begleitet.
982 Thüringer Schulen
gesamt
Breitband-Verfügbarkeit
> 200 Mbit/s
29
860 122 69 13 > 1.000 Mbit/s
Schulen in
Förderprojekten
11 < 30 Mbit/s
bzw. keine Daten
vorhanden
> 50 Mbit/s
Stand: 30. 06. 2020
10 © Foto: blende11.photo – stock.adobe.comDIGITALE INFR ASTRUK TUR
MOBILFUNK
Immer. Überall.
Mobil. Funk!
Die Bundesregierung strebt mit ihrer Mobilfunk-
strategie bis spätestens Ende 2024 eine
Mobilfunkabdeckung über alle Netze hinweg
von 99,95 Prozent der Haushalte und 97,5 Pro-
zent der Fläche bundesweit an. Für Thüringen
mit seiner ländlich geprägten Struktur und der
besonderen Topografie des Thüringer Waldes Geltende Auflagen für die Mobilfunkanbieter:
ist es besonders wichtig, dass der Mobilfunk- → bis Ende 2021 mindestens 99 Prozent der Haushalte
ausbau bis zur vollständigen Flächendeckung je Bundesland mit mindestens 100 Mbit/s versorgen
zügig vorankommt. → bis Ende 2022 alle Bundesautobahnen mit mindes-
tens 100 Mbit/s und höchstens 10 Millisekunden
Latenz, der Verzögerungszeit für die Übertragung
der Daten, versorgen
Die Ergebnisse der Studie des Wissenschaftlichen Insti- → bis Ende 2024 alle Bundesstraßen mit mindestens
tuts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH 100 Mbit/s und höchstes 10 Millisekunden Latenz
(wik) mit Daten von Oktober 2018 bis März 2019 ver- ausstatten
deutlicht: Die Mobilfunkversorgung mit LTE-Empfang → bis Ende 2022 alle Schienenwege mit mehr
(4G) erreicht einen Wert von 90,3 Prozent in der Fläche als 2.000 Fahrgästen pro Tag mit mindestens
und 99,2 Prozent aller bundesdeutschen Haushalte. 100 Mbit/s ausstatten
Dabei gibt es zwischen den drei etablierten Mobilfunk- → bis Ende 2024 alle übrigen Schienenwege
anbietern (Deutsche Telekom AG, Vodafone GmbH und mit mindestens 50 Mbit/s versorgen
Telefónica Deutschland Holding) noch große Unter- → bis Ende 2022 1.000 5G-Basisstationen
schiede. Während die Deutsche Telekom 98,2 Prozent mit mindestens 100 Mbit/s bundesweit in Betrieb
aller Haushalte abdeckt, erreicht die Vodafone 94,7 Pro- nehmen
zent und Telefónica 88,3 Prozent aller Haushalte.
Für sprachdienstliche Anwendungen (2G, 3G und 4G Zusätzlich dazu haben sich die drei Mobilfunkanbieter
kombiniert) kommt Deutschland auf eine kombinierte Deutsche Telekom AG, Vodafone GmbH und Telefónica
Abdeckung von 98,5 Prozent. In Thüringen ist die Netz- Deutschland Holding im September 2019 dazu verpflich-
abdeckung regional sehr unterschiedlich. Während der tet, bis Ende 2020 99 Prozent aller bundesdeutschen
Zentralraum Thüringens gut abgedeckt ist, gibt es im Haushalte und bis Ende 2021 99 Prozent der Haushalte
nördlichen und nordwestlichen Bereich größere Lücken, jedes Bundeslandes mit Mobilfunk zu versorgen. Mit der
oftmals gerade in unbewohntem Gebiet, beispielsweise Drillisch Netz AG sind nun vier Mobilfunkanbieter auf
auf landwirtschaftlichen Flächen oder in Wäldern. dem Markt aktiv und nehmen die Herausforderung zur
Damit auch die restlichen weißen Flecken in Zukunft Mobilfunkabdeckung an.
abgedeckt werden, überprüft die Bundesnetzagentur
regelmäßig die Versorgungsauflagen aus den Frequenz- Mit rund 1,1 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen
versteigerungen. „Digitale Infrastruktur“ und noch einmal rund 5 Milliar-
den aus dem Konjunkturpaket wird die Bunderegierung
Bei der Überprüfung der gestellten Versorgungsauflagen selbst den Bau von bis zu 5.000 zusätzlichen Masten
aus der Frequenzversteigerung im Jahr 2015 zum fördern. Dabei fließt das Geld direkt in die Förderung der
31. 12. 2019 konnte die Bundesnetzagentur für Thürin- Erschließungen neuer Mobilfunkstandorte und wird von
gen einen Deckungsgrad von 97 Prozent für die Deut- der neu zu gründenden Mobilfunk-Infrastrukturgesell-
sche Telekom AG, 98,1 Prozent für die Vodafone GmbH schaft (kurz MIG) koordiniert. Das Bundesministerium
und 73,2 Prozent für die Telefónica Deutschland Holding für Verkehr und digitale Infrastruktur prognostiziert, mit
ermitteln. Mit der Frequenzversteigerung für die fünfte diesen Maßnahmen 97,5 Prozent der Fläche Deutsch-
Mobilfunkgeneration im Jahr 2019 wurden zusätzliche lands und 99,95 Prozent der Haushalte bis zum Ende des
Versorgungsauflagen an die Mobilfunkbetreiber erteilt. Jahres 2024 mit Mobilfunk abzudecken.
© Foto: Digitalagentur T hüringen GmbH 11MOBILFUNK
5G draußen,
5G zu Hause,
5G für Thüringen
Mit der Ersteigerung der Frequenzen 2019 starteten die Mobilfunkanbieter den Ausbau
des Standards der fünften Generation, dem bisher schnellsten Mobilfunknetz.
5G als neue Entwicklungsstufe im Mobilfunk ist in aller Mit dem sogenannten Campusnetz, welches auf einer
Munde. Sie wird die mobile Datenübertragung durch Frequenz von 3,7 bis 3,8 GHz liegt, haben Thüringer
größere Kapazitäten innerhalb einer Mobilfunkzelle be Unternehmen die Möglichkeit, ihre eigenen 5G-Netze zu
schleunigen. Der derzeitige Standard 4G mit Übertra- beantragen und zu betreiben. Diese ermöglichen draht-
gungsgeschwindigkeiten von 150 bis 300 Mbit/s reicht lose Kommunikation mit hohem Datendurchsatz und
für die meisten Anwendungen im Moment noch aus. Bei noch geringerer Latenz. Dadurch werden hochkomplexe
5G sind Datenraten von 1.000 Mbit/s und Latenzen von und vernetzte Anwendungen in Unternehmen möglich.
20 Millisekunden möglich, damit können Maschinen und
Industrieanwendungen vernetzt werden, das sogenannte Seit Anfang des Jahres sind auch in Thüringen die ersten
Internet der Dinge entsteht. Dadurch entwickeln sich 5G-Sendeanlagen im Betrieb, nach und nach werden
wiederum Anwendungen, die von allen genutzt werden weitere Mobilfunkanlagen umgerüstet. Voraussetzung
können, zum Beispiel bei der Mobilität oder smarten für die Nutzung ist ein 5G-fähiges Endgerät. Bis die
Anwendungen in den Städten. fünfte Generation überall verfügbar sein wird, gilt es,
bestehende Anlagen auszubauen und die letzten verblei-
Speziell in Thüringen ist das Thema der 5G-Umstellung benden weißen Flecken in Thüringen zu schließen.
präsenter denn je. Es gilt, nicht nur die Großstädte zu
versorgen, sondern auch den neuen Standard in den Neue Ideen für den Mobilfunk
ländlichen Regionen zu etablieren. Ziel ist es, entstehen-
den neuen Anwendungen eine stabile Infrastruktur zur Während die Mobilfunkanbieter mit dem Aufbau der
Verfügung zu stellen. Mit 5G sind zukünftig Übertra- Infrastruktur alle Hände voll zu tun haben, denken Bund
gungsgeschwindigkeiten von bis zu zehn Gigabit pro und Länder bereits über sinnvolle Anwendungen nach,
Sekunde möglich. 5G als Technik umfasst zwei Frequenz- um die Lebensqualität der Nutzerinnen und Nutzer nach-
bereiche, einen Bereich zwischen 600 Megahertz (MHz) haltig zu verbessern. Das Bundesministerium für Verkehr
und 6 Gigahertz (GHz) und einen Bereich mit sehr hohen und digitale Infrastruktur hat mit dem 5G-Innovations-
Frequenzen bis zu 40 GHz, in Zukunft sind auch Frequen- programm eine Förderung ins Leben gerufen, bei der sich
zen von bis zu 80 GHz möglich. Bisher wurden allerdings Regionen mit einem Konzept für die Nutzung von 5G-spe-
nur Frequenzen in den Bereichen von 2 GHz und 3,6 GHz zifischen Anwendungen bewerben können. Damit soll
versteigert. Gerade in den vielen ländlicheren Regionen Deutschland zum Leitmarkt für 5G werden und zum Aus-
werden durch die Mobilfunkbetreiber niedrigere Fre- hängeschild für die sinnvolle Nutzung in einer vernetzten
quenzen genutzt, um damit eine höhere Reichweite zu Gesellschaft. Insgesamt will der Bund 66 Millionen Euro
erzielen. für die Einführung bereitstellen. Auch Thüringen beteiligt
sich an dem Innovationsprojekt. Mit Eisenach, Ilmenau
und Jena sind gleich drei Modellregionen aus Thüringen
10 Gbit/s an dem Wettbewerb beteiligt. Dabei gilt es, die Stärken
A B
bis zu der Regionen zu nutzen und gezielte Anwendungen zur
Erprobung zu bringen.
12 © Fotos (Montage): mojolo, Stock werk-Fotodesign – jeweils stock.adobe.comDIGITALE GESELLSCHAF T
Die Thüringer
Digitalstrategie
bekommt
ein Update.
Am 6. Juli dieses Jahres fiel der Startschuss für die nächste Etappe auf dem
Weg zu einer digitalen Gesellschaft. Bis Oktober 2020 wurde die Thüringer
Strategie für die Digitale Gesellschaft federführend durch das Thüringer Wirt-
schaftsministerium weiterentwickelt. Daraus gehen neue Impulse für die Digita-
lisierung in verschiedenen Lebensbereichen von Mittelstand 4.0 über digitale
Bildung bis hin zu Telemedizin hervor. Wie sehen neue strategische Schwer-
punkte für die Umsetzung der Digitalstrategie aus? Welche konkreten Maßnah-
men des Landes können daraus entwickelt werden?
2017 wurde die Thüringer Digitalstrategie in einem um Beschlussfassung vorgelegt werden. Darin sind Hand-
fassenden Beteiligungsprozess mit Vertreterinnen und lungsempfehlungen für die Digitalisierung in verschiede-
Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie nen Lebensbereichen vom Mittelstand 4.0 über digitale
den Thüringer Bürgerinnen und Bürgern mit Leben gefüllt Bildung bis hin zu Telemedizin in Thüringen verankert.
und seitdem jährlich fortgeschrieben. Im Jahr 2020 er Die digitale Lebenswelt der Zukunft wird nun in Thürin-
folgte, insbesondere vor den Hintergrund der Pandemie- gen zur modernen Gegenwart. Das Lebensumfeld wird
lage, bis zum Herbst 2020 ein umfassendes Update der sich in sämtlichen Lebensbereichen innovativer denn je
Strategie. Die Digitalagentur Thüringen unterstützte die entwickeln. Der Digitalmonitor informiert regelmäßig
Ministerien bei der Weiterentwicklung der Digitalisie- zum aktuellen Stand der Umsetzung der Thüringer Digi-
rungsmaßnahmen, lieferte Impulse, recherchierte und talstrategie und stellt auf den folgenden Seiten die High-
vernetzte. Der Thüringer Landesregierung konnte somit lights vor. Freuen Sie sich auf die spannenden Entwick-
ein ambitioniertes und thüringenspezifisches Strategie- lungen!
papier mit dazugehörigem Maßnahmenkatalog zur
→
© Illustration: ribkhan – stock.adobe.com 13T H Ü R I N G E R D I G I TA L S T R AT EG I E :
Neues aus Stadt & Land
Die Thüringer Digitalstrategie definiert eine klare Vision für die Gestaltung von Stadt und Land
im Thüringen von morgen. Sie strebt nicht nur eine Vernetzung von ländlichem Raum
und städtischen Siedlungsgebieten an. Vielmehr richtet sie ihren Fokus auf smarte und
flexible Verkehrsprojekte, mehr Zusammenarbeit sowie die Nutzung von Technologien
für ein selbstbestimmtes Leben. Mit Blick auf die demografische Entwicklung liegt
der Schwerpunkt auf Vernetzung, denn eine gute Vernetzung ermöglicht flächen-
deckend gute Lebensbedingungen. Dies ist insbesondere für eine alternde
Gesellschaft von hoher Bedeutung. Nun gibt es erste vom Bund und Land
geförderte Smart-Living-Projekte in Gera und Jena, die die gleiche
Vision wie die Thüringer Digitalstrategie erkennen lassen.
Das SMARTCity-
Projekt Gera
Durch Technik das Leben einfacher
machen – Ostthüringen im Wandel
Im Juli letzten Jahres fiel der Startschuss für die
erste Staffel der „Modellprojekte Smart Cities“
durch das Bundesministerium des Innern, für
Bau und Heimat. Für das Stadtleben der Zukunft
werden in 13 ausgewählten Modellstädten
Deutschlands digitale Strategien entwickelt.
Als eine dieser Modellstädte erhält Gera in den
nächsten sieben Jahren eine Förderung in Höhe
von ca. acht Millionen Euro.
Was heißt eigentlich SMARTCity, was macht eine Stadt Ganz wichtig war der Stadtverwaltung die Bürgerbetei
überhaupt smart? Fragt man die Bürgerinnen und Bürger ligung. So wurde gleich nach Projektstart ein Ideen
der Stadt Gera, beschreiben sie Themen wie digitale wettbewerb initiiert, der eine rege Beteiligung erfährt.
Schulen, eine digitale Verwaltung bis hin zu einem Auf www.unser.gera.de konnte jeder Bürger mit einem
CO2-Fußabdruck, wasserstoffbetriebene Busse, aber einfachen „Ideenformular“ Anregungen für das Projekt
auch, dass „die Bürger die Stadt annehmen und lieben einreichen. Ergänzend gab es eine Online-Umfrage zum
lernen sollen“. Die Vision des Projektes ist es, Gera als SMARTCity-Projekt mit Fragen zur Kommunikation im
das Oberzentrum und als regionalen Kern mit exzellen- Projekt und der Arbeit in den folgenden Arbeitsgemein-
ter Verbindung von Wohnen, Leben und Arbeiten an der schaften: Wirtschaft, Städtebau, Stadtentwicklung &
Autobahn zu entwickeln. Verkehr, Energie & Umwelt, Bürgerbeteiligung & Verwal-
tung sowie Bildung & Kultur. Die Ergebnisse dieser
Umfrage finden Sie hier.
14 © Illustration: talang – stock.adobe.comDIGITALE GESELLSCHAF T
≈ 8 Mio. €
an Bundesförderung
für ein smartes Gera
T hat ’s
smart !
Auf welche Projekte und Themen Welchen Einfluss hat die Corona-
freuen Sie sich am meisten? Pandemie auf das Projekt?
Was finden Sie besonders span- Letztendlich hat uns diese Pandemie
nend? noch einmal deutlich aufgezeigt,
NACHGEFR AGT Ich finde den Kernprozess der Bür- wie wichtig die Digitalisierung und
gerbeteiligung am spannendsten. konkret die Umsetzung der Projekt-
bei Geras Oberbürgermeister Dadurch wird letztendlich auch die ziele sind. Alle Veranstaltungen und
JULIAN VORNAB Demokratie gestärkt. Indem wir die Meetings im Rahmen des Projektes
Bürgerinnen und Bürger einbinden, finden nun digital statt, wie bei-
erhoffe ich mir eine hohe Identifizie- spielsweise die zweite Vollversamm-
Was ist Ihre Vision für das Projekt rung aller mit dem Projekt und den lung im Juni. Das hat natürlich schon
SMARTCity? umgesetzten Ideen. Letztendlich Einfluss. Die Beteiligten mussten
Dass wir die Stadt und – das ist mir kommt es aber auch darauf an, die sich entsprechend umstellen. Aber
sehr wichtig – die ganze Region wei- Zugänglichkeit zur Verwaltung zu das ist vielleicht auch die Chance,
terentwickeln und durch den Einsatz digitalisieren und allen Bürgern da noch schneller bestimmte Projekt-
von smarten Technologien lebens- durch ein niedrigschwelliges Ange- ziele zu erreichen und die Menschen
werter machen. Das Leben soll durch bot zu machen. Die Verwaltung soll mit neuen Formaten vertraut zu
den Einsatz von Technik einfacher insgesamt effizienter und transpa- machen.
werden. renter werden.
© Fotos: Stadt Gera; Illustration: Svetlana Shamshurina – 123r f.com 15STADT & L AND
Smartes Quartier Jena-Lobeda
erprobt die Zukunft des Wohnens
Jena entwickelt und erprobt in den nächsten Jahren mit seinem smarten Quartier Jena-Lobeda die
Digitalisierung von Serviceleistungen in einem realen Wohnumfeld. Im Vordergrund des vielfach
prämierten Modellprojektes stehen die Bedürfnisse der Menschen. Die eingesetzten digitalen
Techniken sind nicht das Ziel, sondern Hilfsmittel zur Steigerung der Lebensqualität.
In einem smarten Quartier wie in Jena-Lobeda treffen die Vom Standard-Wohnblock zu Serviced
Ideen digitaler Serviceleistungen und Nachhaltigkeit auf- Apartments als übertragbares Konzept
einander. Zukünftig sollen die Lebensbereiche Wohnen,
Energie, Mobilität, Gesundheit und Logistik als digitale Das Smarte Quartier Jena-Lobeda ist in dieser Größen-
Serviceleistungen angeboten werden. Das digitale Woh- ordnung eines der ersten Projekte in einem gewachsenen
nen erlaubt dann die zentrale Steuerung von Licht und Stadtteil. Im April dieses Jahres haben die Baumaßnah-
Heizung sowie die Lieferung des Einkaufs bis an die men zur Sanierung der Wohnungen begonnen. Bei der
Wohnungstür. Auf diese Weise soll der Alltag der Men- Sanierung werden die Möglichkeiten digitaler Lösungen
schen verschiedenster Altersgruppen spürbar erleichtert voll ausgeschöpft. Der Wohnblock in Jena-Lobeda ist ein
werden. In der Folge können unter anderem Ältere ihren Standard-Wohnblock aus DDR-Zeiten, wie er in nahezu
Lebensalltag länger in ihrer eigenen Wohnung selbst- jeder größeren ostdeutschen Stadt zu finden ist. Was in
ständig gestalten. Darüber hinaus sollen neue Formen dem Stadtteil in Jena bautechnisch umgesetzt wird, lässt
des Zusammenlebens die Bewohnerinnen und Bewohner sich leicht auf andere Stadtteile und Städte übertragen.
besser sozial vernetzen. Die innovativen Mobilitäts-
und Energiekonzepte verfolgen dabei die Ziele der Nach- Neben den baulichen Maßnahmen ist die Schaffung einer
haltigkeit. Rund die Hälfte aller Wohnungen werden als Plattform mit verschiedenen Serviceleistungen ein erster
belegungsgebundene Sozialwohnungen angeboten. Meilenstein. Mit der Plattform können sich die Mieterin-
Das Projekt zeigt, dass soziales und smartes Wohnen nen und Mieter untereinander vernetzen und jeden im
gut zusammen gedacht werden können. Smarten Quartier angebotenen Service, beispielsweise
Smart-Home-Anwendungen oder smarte Services im
Mobilitäts- und Gesundheitsbereich, einfach und intuitiv
16 © Foto: graf iker.orgDIGITALE GESELLSCHAF T
abrufen und buchen – über Tablet, Smartphone oder PROJEK TBAUSTEINE:
Fernseher. Daneben arbeiten die Projektpartner aktuell Wohnen und Energie + Mobilität + Einkauf
an einer weiteren Besonderheit im Smarten Quartier Jena- und Logistik + Gesundheit + Plattform
Lobeda: den Serviced Apartments. Dabei handelt es sich
um komplett ausgestattete Wohnungen, die zur Kurzzeit-
miete angeboten werden. Hierzu werden derzeit erste Kon-
zepte erarbeitet, wie diese Wohnungen in das Quartier AUSZEICHNUNGEN UND FÖRDERUNGEN:
integriert werden können.
Einer der nächsten Schritte im Smarten Quartier Jena-Lobe- 2019 → Gewinner BMWi-Wettbewerb
da ist die Einrichtung eines sogenannten Showrooms. „Stadt.Land.Digital“ in der Kate
Dieser soll einen Ort bieten, an dem über das Projekt gorie „Kommunales Unternehmen“
informiert wird und wo auch Projektpartner und ihre An 2019 → Förderung in Höhe von 80.000 €
gebote vorgestellt werden.
durch TMWWDG für das Projekt
Die Stadt Jena gehört seit September 2020 außerdem zu
management insbesondere des
den Kommunen, die als Modellprojekte durch das Bundes-
Teilprojektes Mobilität/Logistik
innenministerium (BMI) für die Erarbeitung und Umset-
zung integrierter Smart-City-Strategien gefördert werden. 2020 → zinsgünstiges Darlehen von
Jena erhält dafür in den nächsten sieben Jahren 15,7 Millio 12,6 Mio. € und ein Tilgungs
nen Euro vom BMI. Es sollen unter anderem Daten zur zuschuss von 1,9 Mio. €
nachhaltigen Stadtentwicklung gesammelt und verwendet vom TMIL zur Unterstützung
werden. des sozialen Wohnungsbaus
Das Smarte Quartier wird 2019
im Rahmen des Bundeswett
bewerbs „Stadt.Land.Digital.“
ausgezeichnet.
Foto rechts: Das Thüringer
Ministerium für Wirtschaft,
Wissenschaft und Digitale Gesell-
schaft unterstützt das Projekt
management: Staatssekretärin
Valentina Kerst bei der Übergabe
des Fördermittelbescheids.
© Fotos: oben: pressmaster – stock.adobe.com; unten links: SWJ Net ze; unten rechts: Stadt werke Jena 17T H Ü R I N G E R D I G I TA L S T R AT EG I E :
Neues aus Wirtschaft & Forschung
Für die Thüringer Wirtschaft stehen in Zeiten des digitalen Wandels zielgerichtete Unterstüt-
zungsangebote zur Verfügung, beispielsweise für Unternehmen der Industrie oder des Hand-
werks. Auch werden die Thüringer Akteure bei der Erforschung der Zukunftstechnologie
Künstliche Intelligenz und dem Transfer der Forschungsergebnisse in die Wirtschaft durch das
neugegründete Thüringer Zentrum für Lernende Systeme und Robotik (TZLR) unterstützt.
Daneben fiel mit dem Bauhaus.MobilityLab der Startschuss für ein Leuchtturmprojekt zur
Gestaltung der Energie-, Mobilitäts- und Logistikwende. Ein interdisziplinäres Konsortium
unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung,
Institutsteil für angewandte Systemtechnik (IOSB-AST) in Ilmenau gewann Ende 2019 den
„KI-Innovationswettbewerb“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Im Freistaat
Thüringen werden also, ganz gemäß der Digitalstrategie, die Potenziale dieser revolutionären
Technologie für wesentliche Lebens- und Wirtschaftsbereiche mit Mehrwert für die Gesell-
schaft erschlossen sowie erprobt.
Digitalisierung in der Thüringer
Wirtschaft schreitet voran
Das Interesse der Thüringer Unternehmen an Digitalisierung und die Nachfrage nach Unterstützung
steigen stetig. Thüringer Unternehmen können dabei von einer einzigartigen Kombination an
kostenfreien Unterstützungsangeboten profitieren: Das Thüringer Kompetenzzentrum Wirtschaft 4.0
in Erfurt berät und sensibilisiert für die Digitalisierung im Unternehmen; die Unterstützung bei der
Umsetzung erfolgt durch das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Ilmenau.
Das Thüringer Kompetenzzentrum Wirtschaft 4.0, welches F A K T E N , bezogen auf beide Zentren
vom Thüringer Wirtschaftsministerium gefördert wird, und die letzten 4,5 Jahre:
bietet Unternehmen aus Thüringen Erstinformationen und
3.500
sensibilisiert zur Digitalisierung. Ein hilfreiches Mittel
Beratungs- und Informations-
dazu ist der „Digital-Check“. Dieser wurde vom Thüringer
gespräche mit Unternehmen
Kompetenzzentrum Wirtschaft 4.0 entwickelt. Ausgehend und Multiplikatoren
von der spezifischen Situation des Unternehmens werden
1.300
gemeinsam Vorgehensweisen und Projekte zur gezielten
Nutzung der Digitalisierungspotenziale beleuchtet. Veranstaltungen
Digitalisierung zum Anfassen gibt es im vom Bundes
180
wirtschaftsministerium geförderten Ilmenauer Kompe- Projekte realisiert
tenzzentrum. Zu dem Kompetenzzentrum gehören fünf (Praxis-, Umsetzungs- und
im Land verteilte Modellfabriken: neben Ilmenau noch Demonstrationsprojekte)
an den Standorten Jena, Schmalkalden und Sonders
hausen, in denen die praktische Erprobung erfolgt.
Beide Zentren wurden im Jahr 2020 personell verstärkt. ≈ 45.000 Teilnehmer erreicht
durch Aktivtäten und Formate
18DIGITALE GESELLSCHAF T
In der Modellfabrik „Prozessdaten“ des Ilmenauer Kompetenzzentrums werden
der digitale Datentransfer sowie die Generierung und Verarbeitung von Prozess
daten praktisch veranschaulicht.
NACHGEFR AGT bei D R . M A U R I C I O M AT T H E S I U S ,
Geschäftsführer der beiden Zentren
Welche Prozesse der kleinen und in den Kompetenzzentren und alle wie das regelmäßige Einspielen von
mittleren Unternehmen (KMU) Partner, die unterstützt haben, her Sicherheitsupdates. Andererseits ist
haben im Zuge von Covid-19 einen vorragende Arbeit geleistet. Für die festzuhalten, dass die Hauptursache
Digitalisierungsschub bekommen? rasche digitale Ausrichtung zahlrei- für erfolgreiche Cyber-Angriffe in, sehr
Da plötzlich zahlreiche Unternehmen cher Prozesse war die Flexibilität der oft unbewusstem, menschlichem
aus Homeoffices heraus agieren vielen kleinen Thüringer Betriebe Fehlverhalten liegt. Cyber-Kriminelle
mussten, ging es vor allem zu Beginn oft von Vorteil. Nun geht es um die setzen verstärkt auf automatisierte
der Pandemie um die digitale Steue- Fortsetzung und den Ausbau dieser Angriffsmethoden und verteilen ihre
rung innerbetrieblicher Abläufe. Aktivitäten. Ohne eine digitale Aus- Schadsoftware über E-Mails, infi-
Es galt, die Arbeit in den Betrieben richtung der betrieblichen Prozesse zierte Dateianhänge, Wechseldaten-
mobil, vernetzt und remote zu erle- werden sich auch künftig derartige träger oder gefälschte Webseiten.
digen. Zusätzlich mussten Abstim- Krisen kaum meistern lassen. Öffnen die Mitarbeiter in den Unter-
mungen mit Kunden und Lieferanten nehmen diese Daten, werden die
digital gesteuert werden. Neben den Potenzialen bringt die Schadprogramme aktiviert. Das
Da einige Aufträge weggebrochen Digitalisierung auch Herausforde- zeigt, dass auch das Personal sensi-
sind, haben Unternehmen auch rungen und Risiken mit sich. bilisiert werden muss. Dazu gehören
überlegt, wie sie ihre freigeworde- Wie begegnen Sie Bedenken von eine offene Kommunikationskultur
nen Produktionskapazitäten nutzen Unternehmen zur IT-Sicherheit? sowie Eigenverantwortung der Mit
können. Gemeinsam haben wir ein Cyber-Attacken oder das Abgreifen arbeiterinnen und Mitarbeiter. Aus
Umsetzungsprojekt realisiert, um geschäftskritischer Daten können diesem Grund sprechen wir in den
kurzfristig Schutzmasken und enorme Schäden verursachen und Kompetenzzentren mit den Unter-
Visiere mithilfe der 3D-Druck-Tech- stellen eine der größten Bedrohun- nehmerinnen und Unternehmern
nologie zu fertigen und verschiede- gen für Unternehmen, Behörden und nicht nur über IT-Sicherheit im Spe-
nen Einrichtungen in Thüringen zur Privatnutzer dar. Es ist unerlässlich, ziellen, sondern über die Informa
Verfügung zu stellen. Hier haben dass Unternehmen die erforderlichen tionssicherheit als Ganzes.
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter technischen Maßnahmen ergreifen,
© Fotos: oben links: Michael Reichel; oben rechts: Mit telstand 4.0-Kompetenzzentrum Ilmenau; Por trät: A xel Clemens 19WIRTSCHAFT & FORSCHUNG
Stärkung des
Standorts Thüringen
bei der Entwicklung
Künstlicher Intelligenz
Ende 2019 wurde das Thüringer Zentrum für Ler-
nende Systeme und Robotik (TZLR) als Forschungs-
und Transferzentrum für Wissenschaft und Wirt-
schaft in Thüringen geschaffen. Das Thüringer
Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und
Digitale Gesellschaft und die Carl-Zeiss-Stiftung
fördern das TZLR mit knapp 1,4 Millionen Euro.
An der Finanzierung beteiligt sind die Technische
Thüringen stärkt die Erforschung von Künstlicher Universität Ilmenau und die Friedrich-Schiller-Uni-
Intelligenz und die Anwendung der wissenschaft versität Jena. Beispielhaft illustrieren die Modell
lichen Erkenntnisse in der Wirtschaft. Dazu wurde projekte des TZLR die praktischen Möglichkeiten
im vergangenen Jahr das Thüringer Zentrum für von KI.
Lernende Systeme und Robotik (TZLR) eröffnet.
Es bündelt die Expertisen der Universitäten in
Ilmenau und Jena, des Deutschen Zentrums für Luft- Modellprojekt „Prognose
und Raumfahrt in Jena und des Fraunhofer-Instituts beim Fügen von Kunststoff- und
für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung
Metall-Verbindungen“
IOSB in Ilmenau. Die zentrale und thüringenweite
Das TZLR kooperiert mit dem Mittelstand 4.0-Kompe-
Kontakt- und Schnittstelle soll die Thüringer Aktivi-
tenzzentrum Ilmenau, um den Transfer von KI-Lösungen
täten in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), in die mittelständischen Unternehmen der Region zu
maschinelles Lernen, Big Data und Robotik maßgeb- fördern. Dort wird beispielsweise untersucht, wie sich
lich unterstützen. KI-Methoden einsetzen lassen, um die Qualität von Ver-
bindungen vorherzusagen, die mit dem laserbasierten
Wärmeleitungsfügen hybrider Kunststoff-Metall-Verbin-
dungen hergestellt wurden. Dies soll den Einsatz der
sehr aufwändigen traditionellen Prüfverfahren reduzie-
ren, die eine Zerstörung des gefertigten Teils erfordern.
Für diese Untersuchung werden verschiedene Prozess
parameter wie Laserleistung und Schweißzeit, aber auch
Werkstoffeigenschaften wie die Dicke der Metallbleche
und die Schmelztemperatur herangezogen. Die Prozess-
parameter werden als Eingabe für ein künstliches neuro-
nales Netz benutzt. Daraufhin werden die komplexen
und für Menschen oftmals nicht erkennbaren Abhängig-
keiten der Parameter und der Qualität des Schweißergeb
nisses in einer Trainingsphase erlernt. Anschließend
kann das Netz benutzt werden, um Vorhersagen über die
Qualität zu treffen. In diesem Beispiel ist dies durch eine
Messung der Schmelzzonendicke möglich.
20 © Fotos: oben: willyambradber r y – 123r f.com; unten: T homas Söllner – stock.adobe.comDIGITALE GESELLSCHAF T
Modellprojekt „Abbildung
von Muskelbewegungen
auf die Hautoberfläche“ S T AT E M E N T
An dem Modellprojekt arbeitet die Computer
Vision Group der Friedrich-Schiller-Universität Jena D R . S T E F A N H A G E D O R N , Geschäfts-
gemeinsam mit der HNO-Klinik des Universitäts stellenleiter TZLR, zur Vision für das TZLR:
klinikums Jena. Deep-Learning-Techniken werden
dort genutzt, um die Abbildungen von Bewegun- „Die KI-gestützte Auswertung der
gen der Gesichtsmuskulatur auf der Hautoberfläche durch Digitalisierungsmaßnahmen
besser zu verstehen. Deep Learning beschreibt
gesammelten Daten verspricht viele
komplexere künstliche neuronale Netze, welche
besonders aus großen Datenmengen markante Vorteile, ist aber auch mit Hürden
Merkmale selbst erlernen. Diese werden dann verbunden. Wir möchten die Thüringer
für eine bestimmte Aufgabe, beispielsweise für
die Sprach- oder Gesichtserkennung, effektiv
Unternehmen und Forschungseinrich
verwendet. Die in dem Projekt gewonnenen tungen noch besser vernetzen und
Erkenntnisse helfen, Patientinnen und Patienten sie beim Einsatz lernender Systeme
mit krankhaft eingeschränkter Gesichtsbewegung,
zum Beispiel einer Gesichtslähmung, besser unterstützen. Unser Ziel ist es, durch
behandeln zu können. Gleichzeitig wird bei den Kooperationen die Sichtbarkeit und
Patienten auch die Mimik von Emotionen unter-
sucht, um eventuelle Unterschiede zu gesunden
Wettbewerbsfähigkeit Thüringens
Probanden festzustellen. in diesem Bereich zu verstärken.“
Fotos: oben: Adobe Stock.com; Por trät: T U Ilmenau, AnLi Fotograf ie 21WIRTSCHAFT & FORSCHUNG
Das Bauhaus.MobilityLab:
Reallabor der Zukunft gestartet
Mit einer beachtlichen Bundesförderung von 17 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren ent-
steht in Erfurt ein Leuchtturmprojekt zur Gestaltung der Energie-, Mobilitäts- und Logistikwende.
Ein interdisziplinäres Konsortium unter Federführung des Fraunhofer IOSB-AST in Ilmenau gewann
Ende 2019 den „KI-Innovationswettbewerb“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
Das Bauhaus.MobilityLab versteht sich als offenes und
interdisziplinäres Reallabor mit dem Ziel, Ideen zur
nachhaltigen und intelligenten Gestaltung der Mobilität,
Logistik sowie Energieversorgung mit neuesten Ansät-
zen der Künstlichen Intelligenz Wirklichkeit werden zu
lassen. Damit soll das Labor einen maßgeblichen Bei-
trag zur technischen, wirtschaftlichen und nachhaltigen
Entwicklung des KI-Standorts Deutschland leisten. Im
Juni 2020 fand der digitale Kick-off-Workshop statt, dem
die Entwicklung von konkreten Anwendungen und die
Durchführung von Veranstaltungen im Reallabor folgen.
22 © Foto: Lars Zahner; Illustration: petovarga – jeweils stock.adobe.comDIGITALE GESELLSCHAF T
NACHGEFR AGT
bei O L I V E R W A R W E G ,
Konsortialführer, Wie können sich die Bürgerinnen Welche Entwicklungen können wir in
Bauhaus.MobilityLab und Bürger am Reallabor beteiligen? den nächsten drei Jahren erwarten?
Für Bürgerinnen und Bürger werden Erfurt und insbesondere das Brühl
verschiedene Beteiligungsformate wird eine Vielzahl von Infrastrukturen
Welche Anwendungen sind im ers- realisiert. Es wird Veranstaltungen erhalten, die jedoch zumeist für die
ten Schritt geplant und wann kön- im Quartier geben, bei denen Kon- Bürger im Verborgenen arbeiten.
nen diese genutzt werden? zepte, Planungen und Überlegungen Auf Basis dieser Infrastrukturen ist
Ab 2021 stehen erste Anwendungen, vorgestellt werden und die Meinung es dann den Laborkunden möglich,
etwa ein innovativer Mobilitätsma- der Bevölkerung eingeholt wird. ihre innovativen Konzepte, Produkte
nager und neue Mobilitätsstationen, Die Projektbeteiligten stehen Inter- und Dienstleistungen aufzusetzen
zur Verfügung. Außerdem ist schon essierten auch über soziale Medien, und im Experiment auszuprobieren.
während der Projektlaufzeit geplant, Telefon und E-Mail zur Verfügung. Als Reallabor liefern wir quasi nur
regionale und internationale Unter- Weiterhin ist eine Repräsentanz des das Werkzeug für innovative Ent-
nehmen als Laborkunden in Form ei Bauhaus.MobilityLabs im Erfurter wicklungen. Da wir damit jedoch den
nes „Lab as a Service“ für Forschung Brühl in Kooperation mit der Lebens- Aufwand und die Risiken für solche
und Entwicklung zu integrieren. hilfe geplant, an der persönliche Innovationen drastisch reduzieren,
Diese können eigene Produkte sowie Gespräche zwischen den Beteiligten ist davon auszugehen, dass zahlrei-
Dienstleistungen auf der Plattform des Reallabors, aber auch von Labor che innovative Konzepte, Produkte
bereitstellen und Erkenntnisse hin- nutzern mit den Menschen vor Ort und Dienstleistungen in Erfurt entwi-
sichtlich Nutzerakzeptanz, Daten stattfinden können. Besonders wich- ckelt und ausprobiert werden. Wel-
integration sowie Potenzialen von tig ist, dass die Beteiligung der Bür- che das sind, bleibt jedoch zumeist
sektorübergreifenden Angeboten ger direkt mit der Nutzung verknüpft der Fantasie der Labornutzerinnen
gewinnen. ist. Das Monitoring sieht vor, dass und -nutzer überlassen.
neben Entscheidung und Verhalten
auch die Wünsche und Einstellungen
der Nutzer erhoben werden.
Neben E-Rollern und der Integration des
ÖPNV gehören auch Lastenräder und E-Bikes
zum ganzheitlichen Mobilitätskonzept des
Bauhaus.MobilityLabs.
Projektbeteiligte:
Fraunhofer IOSB-AST in Ilmenau (Konsortialleitung), Bauhaus-
Universität Weimar, BPV Consult GmbH, Ernst-Abbe-Hochschule
Jena, INNOMAN GmbH, Landeshauptstadt Erfurt, Robert Bosch
GmbH, Siemens Digital Logistics GmbH, WLA Software GmbH,
highQ GmbH
© Fotos: LEG T hüringen, Fotograf Gecko Net works 23WIRTSCHAFT & FORSCHUNG Thüringer Handwerk – DigitalCoach Die Digitalisierung verändert Unternehmensstrukturen und -prozesse. Auch im Handwerk liegen große Potenziale, vor allem in der Effizienzsteigerung. Die Potenziale verstärkt zu nutzen, ist auch das Ziel der Thüringer Digitalstrategie. Kleine und mittlere Betriebe haben teilweise noch nicht erkannt, welche Chancen weitere IT-basierte Technologien mit sich bringen. Da der Arbeitsalltag oft vom Fachkräftemangel und den damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Auftragsbearbeitung geprägt ist, möchte der Freistaat Thüringen helfen, Arbeitsabläufe durch Digitalisierung und aus dem Unternehmen heraus zu vereinfachen. Wer bei Digitalisierung in Handwerksbetrieben an wird langfristig ein entscheidender Faktor bei der Wirt- erhöhten operativen Aufwand sowie hohe Investitionen schaftlichkeit. Dieser Schwerpunkt für das Handwerk in Informations- und Kommunikationstechnik denkt, wurde auch in der Thüringer Strategie für die Digitale unterschätzt die langfristige und nachhaltige Amortisie- Gesellschaft verankert. Aufklärung und Information rung durch Digitalisierungsmaßnahmen. Die möglichen allein genügen oft nicht, um gezielt Chancen sichtbar zu Einsparpotenziale und Ergebnisse bereits existierender machen. Es ist vor allem das firmeneigene Bild, welches Neuerungen sind vielen kleinen Handwerksbetrieben in den Unternehmen und bei den Unternehmerinnen oft nicht bewusst. Dazu gehören digitalisierte Prozesse und Unternehmern bewegt und verändert werden muss. dank neuer Technologien wie beispielsweise Smart- Daher wurde die Strategie mit einer passenden Maß- phones, Tablets, Produktionsplanungssoftware oder nahme versehen, um Schaufensterprojekte wie den Onlinebestellprozesse. Die Optimierung digitaler Pro- DigitalCoach zu entwickeln. zesse birgt enormes Potenzial für mehr Effizienz und 24 © Fotos: Rawpixel Ltd.; f izkes; re. S.: fotostudiocolor 24; Rober t Kneschke – jeweils stock.adobe.com
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