Fachausschuss Umwelt und Energie - IHK Berlin

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M i ttelstand & Energie
                                                                Bianca Schuster
                                                                Tel.: +49 30 31510-552
                                                                bianca.schuster@berlin.ihk.de

PROTOKOLL

Fachausschuss Umwelt und Energie
Datum:            14. Januar 2020
Ort:              GESOBAU AG, Raum „Märkisches Viertel“
                  Stiftsweg 1, 13187 Berlin
Anwesend:         Alexander Bayerlein, Dr. Dirk Bessau, Duraid El Obeid, Dr. Matthias Hanisch,
                  Dr. Stefan Kobes, Andreas Köchel, Prof. Dr. Jan Uwe Lieback, Dr. Jörg Lippert, Frank
                  Machalz, Dr. Bettina Plath, Henner Schmidt, Christian Thomasius, Andreas
                  Thürmer, Lutz Wedegärtner, Christian Wilkens, Mechthild Zumbusch
                  (Ausschussmitglieder)
                  Maximilian Berrens, Wendy Brandt, Andreea Chivaran, Erik Pfeifer, Bianca Schuster
                  Henrik Vagt (IHK-Mitarbeiter)
Gäste:            Dr. Michael Efler, Dirk Schäuble, Berend Wilkens
Entschuldigt: Dr. Michael Adam, Otmar Berns, Dr. Guido Bruch, Stefan Engels, Dr. Bernhard
              Gabel, Matthias Frankenstein, Prof. Dr. Anja Grothe, Carsten Henselek, Olaf Höhn,
              Michaela Kreß, Dr. Nikolaus Meyer, Thomas Obermeier, Dr. Frank Pawlitschek,
              Kerstin Rippel, Dr. Andreas Schnauß, Dr. Jens Thieme, Thomas Wagner,
              Dr. Christoph Zschocke

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Tagesordnung

TOP 1: Begrüßung und Einführung

Herr Wedegärtner, Vorsitzender des Ausschusses, eröffnet die Sitzung um 17.05 Uhr, begrüßt die
Teilnehmer und dankt Herrn Christian Wilkens von der GESOBAU AG für die Gastfreundschaft. Er
begrüßt als Gastreferenten Herrn Berend Wilkens, Geschäftsführer der SBB Sonderabfallgesellschaft
Brandenburg/Berlin mbH und Herrn Dr. Michael Efler, energie- und klimapolitischer Sprecher der
LINKEN-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Herrn Dirk Schäuble, Mitarbeiter von Dr. Michael
Efler, Herrn Maximilian Berrens, IHK-Mitarbeiter im Bereich Stadtentwicklung & Internationale
Märkte mit dem Schwerpunkt Wohnungsbaupolitik sowie Frau Andreea Chivaran, neue IHK-
Mitarbeiterin im Bereich Mittelstand & Energie u. a. mit dem Schwerpunkt Abfallpolitik.

TOP 2: Mietendeckel – vereinbar mit den Berliner Klimaschutzzielen?

Erik Pfeifer, Bereich Mittelstand & Energie, führt kurz in die Herausforderungen eines
klimaneutralen Berlins und insbesondere die Bedeutung des Gebäudesektors für das Erreichen der
Berliner Klimaschutzziele ein.

Herr Dr. Jörg Lippert, Bereichsleiter Technik beim BBU Verband Berlin-Brandenburgischer
Wohnungsunternehmen e.V., hält einen Impulsvortrag zum Thema Klimaschutz vs. Mietendeckel.
Zwar konnten die Mitgliedsunternehmen des BBU bei ihren Wohnungen den CO2-Ausstoß seit 1990
um 55 % reduzieren, allerdings nur dank intensiver Investitionen. Herr Dr. Lippert sieht alle niedrig
hängenden Früchte bereits abgeschöpft und mahnt, dass die Wirkungskurve der Investitionen immer
geringer werde. Die Kosten der energetischen Gebäudesanierung seien dabei sehr heterogen und von
verschiedenen Faktoren abhängig. Um Wohnungen klimaneutral zu modernisieren, geht Herr Dr.
Lippert in Anlehnung an eine gemeinsame Initiative des Deutschen Mieterbundes, des Deutschen
Verbandes und des Bundesverbandes deutscher Immobilien- und Wohnungsunternehmen aus dem
September 2019 von einer notwendigen Mieterhöhung von 2,15 Euro je m 2 und Monat aus und zeigt
somit ein durch den Mietendeckel geschaffenes Delta von 1,15 Euro je m 2 auf. Daraus resultiert ein
staatlicher Zuschussbedarf von ca. 173 Euro pro Quadratmeter und Jahr, um dieses Investitionsdelta
auszugleichen. Allein für die Wohnungen des BBU Berlin sieht Herr Dr. Lippert folglich einen
absoluten Zuschussbedarf von ca. 105 Mio. Euro pro Jahr und schließt mit der Frage, in welchem
Haushalt und ab wann dieser Förderbetrag zur Verfügung stehen werde, da er andernfalls keine
Zukunft für eine effektive energetische Gebäudesanierung sehe. Daran anknüpfend stellt Herr
Christian Wilkens anhand realer Erfahrungsdaten der GESOBAU AG die Kosten der energetischen
Gebäudesanierung vor und weist darauf hin, dass einzelne Maßnahmen nicht separat vorgenommen
werden können, sondern stets Verbundmaßnahmen ergriffen werden müssten. Die monatliche
Umlagenhöhe von 0,52 Euro je m2 ließe nach Herrn Wilkens allerdings nur die Maßnahme der
Dacharbeiten zu. Der Mietendeckel verhindere somit eine tiefergehende energetische Sanierung.

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An der anschließenden Diskussion dazu beteiligen sich Frau Zumbusch sowie die Herren Bayerlein,
Dr. Kobes, Prof. Lieback, Dr. Lippert, Thomasius und Wilkens. Im Kern der Diskussion besteht
Einigkeit darüber, dass die genauen Kosten der energetischen Sanierung stets von mehreren
Faktoren abhängig sind und sich nur gebäudebezogen errechnen lassen. Ferner wird debattiert,
inwiefern Klimaneutralität bei Gebäuden erreicht werden kann. Die Teilnehmer kommen zu dem
Schluss, dass ein Gebäude nur klimaneutral werden kann, wenn es mit Energie aus nicht-fossilen
Energieträgern versorgt wird – die Strategie „Efficiency First“ nicht immer die kostengünstigste
Variante fördert, da ein Wechsel des Energieträgers eventuell günstiger sei. Hier liegt
möglicherweise ein zusätzlicher politischer Konflikt, da der Wechsel des Energieträgers
gegebenenfalls auch höhere Nebenkosten für die Mieter bedeute.

Herr Wedegärtner lädt Herrn Dr. Efler ein, sich zu einer möglichen Lösung dieses Konflikts zu
äußern. Herr Dr. Efler begründet die Einführung des Mietendeckels und stimmt zu, dass die
finanzielle Belastung des Mieters durch eine energetische Sanierung einen Konflikt darstelle.
Allerdings lehnt Herr Dr. Efler eine Kausalität zwischen dem Mietendeckel und der energetischen
Gebäudesanierung ab, da der Mietendeckel kein Klimaschutzinstrument sei, nur für fünf Jahre gelte
und zahlreiche Sonderregelungen enthalte, um negative Wirkungen für den Klimaschutz
einzudämmen. Dabei verweist Herr Dr. Efler auf die bereits vor dem Mietendeckel niedrige
Sanierungsrate des Landes Berlin und sieht auch hier den Bund in der Verantwortung. Die Herren
Dr. Kobes, Christian Wilkens, Dr. Lippert und Dr. Efler diskutieren, inwiefern auch der Mieter beim
Thema CO2-Emissionen zur finanziellen Verantwortung gezogen werden müsse. Hier besteht
Einigkeit, dass auch die Mieter an den Kosten beteiligt werden müssen. Dieser Auffassung folgt Herr
Dr. Efler nicht. Im Ergebnis besteht Einigkeit darüber, dass es im vorliegenden Fall einen Zielkonflikt
zwischen Sozialverträglichkeit und Nachhaltigkeit gebe. Herr Wedegärtner schließt mit einer
Einladung an Herrn Dr. Efler in der ersten Jahreshälfte 2021 noch einmal in den Ausschuss zu
kommen, um über die energie- und umweltpolitische Agenda der LINKEN für die bevorstehende
Abgeordnetenhauswahl zu diskutieren. Dr. Efler und sein Mitarbeiter Herr Schäuble verlassen
aufgrund eines Anschlusstermins die Sitzung.

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TOP 3: Berliner Entsorgungsnotstand

Herr Wedegärtner schlägt eine Brücke zwischen den Themen Klimaschutz und Berliner
Entsorgungsnotstand, indem er aktuelle Herausforderungen beim Recycling umreißt. Die derzeitige
Situation an den Recyclinganlagen lassen schon jetzt erkennen, dass bei den steigenden
Abfallaufkommen, Deponieraum, aber auch Recyclingkapazitäten nicht ausreichen werden. Zudem
existieren Materialien, die im Sinne alternativer Energiegewinnung eingesetzt werden, jedoch für ein
Recycling nicht geeignet sind. So gebe es z.B. noch kein technisch ausgereiftes Verfahren für das
Recycling von Rotorblättern von Windrädern oder von Batteriezellen. Ebenso gebe es aktuell große
Schwierigkeiten beim Absatz für recyceltes Papier. Herr Thürmer bestätigt, dass das Fehlen von
Absatzmärkten ein großes Problem in der Entsorgungsbranche darstelle.
Herr Berend Wilkens, Geschäftsführer der SBB Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/Berlin mbH,
begrüßt den IHK-Ausschuss und gibt einen Einblick in die Entsorgungsengpässe bei der Entsorgung
gefährlicher und nicht gefährlicher Abfälle. Herr Wilkens weist auf die Herausforderungen durch die
Verknappung der Annahmemengen der Deponie Ihlenberg in Mecklenburg-Vorpommern hin. Er
sieht die Gefahr einer Preissteigerung für die Entsorgung sowie eines Entsorgungsnotstands in
Berlin und Brandenburg. Innerhalb des Verbundes der sog. „Nord-Länder“ setzt sich die SBB für
kurz- und langfristige Lösungen ein, um einen Entsorgungsnotstand zu verhindern. In diesem
Zusammenhang richtet Herr Wilkens die Bitte an die IHK Berlin und die Wirtschaftsbeteiligten, ihre
Interessen nachdrücklich zu äußern. Herr Wilkens warnt, dass alle Beteiligten heute aktiv werden
müssten, da es andernfalls bis zum Jahr 2036 keine funktionsfähigen DK III Deponien mehr geben
werde.
An der anschließenden Diskussion zu möglichen Lösungen und den Herausforderungen in der
Entsorgung beteiligen sich Frau Dr. Plath und die Herren Bayerlein, Dr. Kobes, Prof. Lieback,
Machalz, Thomasius, Thürmer, Wedegärtner und Berend Wilkens. Als Herausforderung werden vor
allem die gesellschaftliche Akzeptanz, die Verknappung der Annahmemengen und das Fehlen von
Märkten für recycelte Wertstoffe identifiziert. Die Diskussionsteilnehmer sind sich einig, dass die
Leistungen der Unternehmen für den Klimaschutz sichtbarer gemacht werden müssten. Gerade mit
dem Blick auf die Friday-for-Futures-Bewegung wird der Eindruck erweckt, dass Recycling beginnt
erst jetzt. Die Rahmenbedingungen für die unternehmerischen Klimaschutzbestrebungen seien
allerdings noch verbesserungswürdig, besonders was die Nachfrage nach Recyclingprodukten in
allen Bereichen angehe sowie die Bedeutung von Abfallverbrennungsanlagen für die Fernwärme.

TOP 4: Verschiedenes

Herr Wedegärtner kündigt die Ausschussreise der Fachausschüsse Umwelt & Energie sowie
Internationalisierung und des Branchenausschusses Verkehr an, und übergibt das Wort an Erik
Pfeifer. Dieses Jahr verreisen alle drei Ausschüsse gemeinsam nach Amsterdam. Herr Pfeifer stellt
die KW 20 (vom 11.05. bis 15.05.2020) als präferierte Woche vor. Der Ausschuss einigt sich auf die
beiden Tage 11. und 12.05. für das Kernprogramm. Herr Pfeifer stellt die möglichen
Zugverbindungen sowie ein Grob-Programm für die Ausschussreise vor. Die IHK wird das Programm
in den nächsten Wochen ausarbeiten und den Ausschüssen zukommen lassen.

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Herr Wedegärtner bedankt sich bei den Ausschuss-Mitgliedern und Gästen und beendet die Sitzung
um 19.40 Uhr. Herr Wilkens lädt zum weiteren Austausch beim Get-together ein.

Berlin, den 15. Januar 2020

Bianca Schuster
Mittelstand & Energie

Anlagen:

Anlage 1:         2020-01-14-Praesentation-Ausschuss-Umwelt-Energie.pdf

Anlage 2:         2020-01-14-Praesentation-Mietendeckel-Lippert.pdf

Anlage 3:         2020-01-14-Praesentation-Mietendeckel-Wilkens.pdf

Anlage 4:         2020-01-14-Praesentation-Entsorgungsnotstand-Wilkens.pdf

Fachausschuss Umwelt und Energie, 14. Januar 2020                                     Seite 5 von 5
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