Facility Management für Rechenzentren - Effizienter Betrieb kritischer Infrastrukturen Lünendonk-Whitepaper 2018 - Lünendonk-Shop
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Lünendonk®-Whitepaper 2018
Facility Management für
Rechenzentren
Effizienter Betrieb kritischer Infrastrukturen
Eine Publikation der Lünendonk & Hossenfelder GmbH
in Zusammenarbeit mitLÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018 Inhaltsverzeichnis VORWORT ....................................................................................................................................................................................3 RECHENZENTREN – DIE KRITISCHE INFRASTRUKTUR UNSERES JAHRHUNDERTS ..................................................4 Der Betrieb von Rechenzentren: Sicherstellung von Hochverfügbarkeit ....................................................................................6 Facility Management für Rechenzentren ..................................................................................................................................................8 Anbieter von Facility-Management-Dienstleistungen für Rechenzentren ................................................................................. 14 Ausblick ............................................................................................................................................................................................................... 16 FACILITY MANAGEMENT FÜR RECHENZENTREN ........................................................................................................... 17 Betrieb von Rechenzentren.......................................................................................................................................................................... 19 Facility-Technik im Rechenzentrum ......................................................................................................................................................... 20 Risikomanagement......................................................................................................................................................................................... 23 Anforderungen an Facility Manager für Rechenzentren.................................................................................................................. 25 Facility-Management-Anbieter- und Mitarbeiterqualifikation für kritische Infrastrukturen .............................................. 26 Energiemanagement ..................................................................................................................................................................................... 27 Mehrwert und Innovationen ....................................................................................................................................................................... 28 Unterstützende IT-Lösungen für ein professionelles Facility Management ............................................................................. 31 Ausblick .............................................................................................................................................................................................................. 32 QUELLENNACHWEIS............................................................................................................................................................... 33 UNTERNEHMENSPROFILE ..................................................................................................................................................... 34 APLEONA HSG FACILITY MANAGEMENT ............................................................................................................................................. 35 Lünendonk & Hossenfelder GmbH .......................................................................................................................................................... 36 2
FM FÜR RECHENZENTREN
Vorwort
Thomas Ball Jürgen Bieser
Senior Consultant Leiter Data Center Solutions
Lünendonk & Hossenfelder GmbH Apleona HSG GmbH
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Rechenzentren sind die kritische Infrastruktur unserer geordneten Bereich Rechenzentren zum Absturz? Das
Zeit. Sie sind Grundlage der Datenverarbeitung in geschieht häufiger als bekannt wird – und wird aufge-
Unternehmen, Organisationen, Behörden und sogar fangen. Es gibt schließlich Redundanz in den wichtigen
von Staaten. Die Phrase, dass Daten das Gold des 21. Systemen. Doch der gewünschte Normalfall sollte sein:
Jahrhunderts sind, ist etwas abgegriffen, aber Rechen- Sicherheit, Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit, aber
zentren sind ein elementarer Teil der hierfür notwen- auch Energieeffizienz, Kostenbewusstsein und profes-
digen Infrastruktur. Bereits in den letzten Jahren gab es sioneller Betrieb. Dafür ist unter anderem das Facility
einen exponentiellen Zuwachs an IT-technisch zu ver- Management in Rechenzentren zuständig. Eine zu-
arbeitenden Daten. Einen unschätzbaren Mengen- und grunde liegende ganzheitliche Sichtweise auf den
Bedeutungszuwachs werden sie durch die Verbreitung Betrieb von Rechenzentren wird in Zukunft Maßstab
der Cloud, durch die Globalisierung von Diensten und für das Betreiben jeglicher kritischer Infrastruktur sein.
Anbietern, von Social Media und durch das Industrial
lnternet/Industrie 4.0, durch Big Data und Analytics In diesem Whitepaper unterstreichen wir die Bedeu-
und durch künstliche Intelligenz und das kommende tung qualifizierten Facility Managements für Rechen-
weltumspannende Internet der Dinge erfahren. Jeder zentren, nicht nur im Tagesgeschäft, sondern auch
dieser Treiber für sich ist bereits mächtig – zusammen bereits bei der Konzeption und beim Design der bauli-
wirken sie gigantisch. Die Bedeutungszunahme ist chen Infrastruktur. Und wir werfen einige Schlaglichter
derzeit noch unfassbar. auf den Mehrwert professioneller Betreiber von Re-
chenzentren.
Verarbeitet werden sensible wie auch lebenswichtige
Daten. Es wird ein enormer technischer und organisa- Wir wünschen Ihnen eine kurzweilige Lektüre.
torischer Aufwand betrieben – und dann bringt etwas
zu viel Hitze, eine Frequenzschwankung in der Strom-
versorgung oder ein Bedienungsfehler in einem unter-
3LÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018
Rechenzentren – die kritische Infrastruktur
unseres Jahrhunderts
2.500
2.000
Anzahl (absolut)
1.500
1.000
500
0
2007 2013 2017
Kleines Rechenzentrum (101–500 m2) 1.700 2.150 2.500
Mittleres Rechenzentrum (501–5.000 m2) 210 280 330
Großes Rechenzentrum (über 5.000 m2) 45 70 90
Abbildung 1: Anzahl der Rechenzentren in Deutschland nach Rechenzentrumskategorie; Quelle: Borderstep 2017: Rechenzentren in
Deutschland. Eine Studie zur Darstellung der wirtschaftlichen Bedeutung und der Wettbewerbssituation,
http://www.rechenzentrum-datacenter.de/
Deutschland
18%
Rechenzentren boomen: Zwischen 2003 und 2013 hat
Übriges
sich die Fläche der Rechenzentren in Deutschland auf Europa
41%
insgesamt 1,8 Millionen Quadratmeter nahezu verdop-
pelt.1 Insgesamt gibt es rund 3.000 Rechenzentren in
Deutschland, davon etwa 420 mit einer Fläche von
mehr als 500 Quadratmetern (Abb. 1). Die deutsche
Rechenzentrumsindustrie wächst derzeit um rund 10
Prozent pro Jahr. Das ist unter anderem dem Bedürfnis
Großbritannien
deutscher Unternehmen geschuldet, ihre Daten in 20%
Deutschland zu wissen. Die NSA-Affäre ist nur ein
Grund, warum der Wunsch, die Daten im eigenen Land Frankreich
Niederlande
8%
zu behalten, stetig wächst. Denn Datenschutz und 13%
Rechtssicherheit gehören zu wesentlichen Standortfak-
Abbildung 2: 60 Prozent der Rechenzentren aller Branchen
toren für Rechenzentren. befinden sich in vier Ländern Europas
4FM FÜR RECHENZENTREN
Weltweit gibt es circa 230.000 Rechenzentren, so eine selbst und zusätzlich über 80.000 in Systemhäusern,
Studie der DCD Intelligence aus dem Jahr 2015. Laut Baufirmen, Sicherheitsdiensten und bei anderen spezi-
Prognose der Studie steigt die Anzahl jährlich um 5 bis alisierten Dienstleistern sowie im Handwerk. Dies führt
6 Prozent. Im Jahr 2025 werden die globalen Rechen- tendenziell sogar zu einem erheblichen akuten Mangel
zentren 20 Prozent der weltweiten Stromkapazität2 an gut ausgebildetem Personal für Rechenzentren.
benötigen.
Das weitere Wachstum der Rechenzentrumsbranche
Die zunehmende Digitalisierung erhöht den Bedarf wird diese Tendenz verschärfen. Derzeit gibt es in den
und auch die Ansiedlung amerikanischer Cloud- westeuropäischen Ländern über 1.100 Colocation Data
Anbieter trägt zur Zunahme der Rechenzentrumskapa- Center (Abb. 3), also Angebote von Rechenzentrums-
zität in Deutschland bei. Rechenzentren schaffen kapazität für Dritte. Hinzu kommen die Rechenzentren
Arbeitsplätze im IT-Bereich und für die Betreuung der von Unternehmen und Behörden im Eigenbetrieb.
Gebäudeinfrastruktur. Nach Schätzungen des Bor- Auch für die Zukunft wird weiteres Wachstum im Re-
derstep-Instituts haben Rechenzentren mehr als chenzentrumsmarkt erwartet. Allein für Deutschland
210.000 Arbeitsplätze geschaffen, davon in den letzten soll, insbesondere getrieben durch Cloud-Rechen-
drei Jahren mehr als 10.000 neue. Diese Zahl umfasst zentren, die IT-Fläche deutlich zunehmen (Abb. 2, 4);
rund 130.000 Arbeitsplätze in den Rechenzentren weltweit ist der Anstieg noch weit größer.
COLOCATION DATA CENTER IN WESTEUROPA
5
Mehr als 100
51-100
26-50 28
11-25 52
Bis 10 29
Keine Daten 22
vorliegend 247 95
188
32
15
Guernsey 3 143 75 17
Isle of Man 3
26 66
Jersey 5 57
Liechtenstein 5
14
Malta 8
Abbildung 3: Colocation Data Centers in westeuropäischen Ländern
Quelle: Data Center Research ApS 2018
5LÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018
IT-FLÄCHE FÜR RECHENZENTREN
2,5
Prognose
Rechenzentren (in Mio. m2)
2,0
IT-Fläche in deutschen
1,5
1,0
0,5
0,0
Cloud-Rechenzentren
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Abbildung 4: IT-Fläche in deutschen Rechenzentren
Quelle: Borderstep, Energieeffizienz und Rechenzentren in Deutschland 2017
Der Betrieb von Rechenzentren:
Sicherstellung von Hochverfügbarkeit
FACILITY DESIGN gen, auch in der Cloud, wie zugesichert nutzen können.
Rechenzentren müssen rund um die Uhr arbeiten. IT- Die Grundbausteine eines Rechenzentrums sind das
Technik, Stromversorgung, Kühlung und Klima, rein- Grundstück, die Schnittstellen (WAN/EVU), die Gebäu-
raumähnliche Wartung und Reinigung. Bereits ein destruktur und das Raumkonzept, die Sicherheit, die
kurzer Stromausfall kann zu großen Störungen führen Energieversorgung und die Klimatisierung. Eine pro-
und Tausende von Euro kosten. Nur wenn alles rund fessionelle Bewirtschaftung von Rechenzentren
um die Uhr funktioniert, ist ein stabiler Betrieb des umfasst eine gesicherte Energieversorgung, verlässli-
Rechenzentrums gewährleistet. Daher ist Facility Ma- che Klima- und Raumlufttechnik sowie überprüfbare
nagement der Immobilie an 24 Stunden an jedem Tag Sicherheitskriterien (Abb. 5).
des Jahres unverzichtbar.
Aber ein Rechenzentrum besteht nicht nur aus Beton
Der Schlüssel zur Zuverlässigkeit liegt dabei nicht nur und Servern, Strom und Kühlung. Es muss auch tech-
in der robusten Auslegung jeder einzelnen IT- nisch und wirtschaftlich verwaltet werden. Prozesse
Komponente, sondern besonders in der Redundanz müssen automatisiert werden und der Einsatz der
aller wichtigen Komponenten. Sie stellt sicher, dass alle Systeme muss zum Erhalt der Rentabilität standardi-
Rechenzentrumskunden die betriebenen Anwendun- siert und selbsttätig sein.
6FM FÜR RECHENZENTREN
IT-FLÄCHE FÜR RECHENZENTREN UND UMGEBENDE INFRASTRUKTUR
Grundstück/Lokation
Sicherheit/Perimeterschutz
Gebäude
Gesicherte IT-Raum
WAN Energie-
versorgung
Doppelboden
(GEV)
IT-Infrastruktur
EVU USV, NEA, … Server, Storage, LAN,
WAN, …
Raumlufttechnik
(RLT)
Abbildung 5: Design der Infrastruktur von Rechenzentren aus IT- und Gebäudetechnik
Quelle: Detecon EVU = Energieversorgungsunternehmen, NEA = Netzersatzanlage; LAN = Local Area Network; USV = unterbrechungsfreie
Stromversorgung; WAN = Wide Area Network; Siehe hierzu ebenfalls Abbildung 19 (S. 25)
QUALIFIZIERTE FACHKRÄFTE SIND UNERLÄSSLICH
Fachkräfte, die in Rechenzentren eingesetzt werden, Der Betrieb hochtechnischer und komplexer kritischer
benötigen fundiertes Wissen über die kritischen Um- Systeme erfordert hoch qualifizierte Mitarbeiter. Um
gebungen und die damit verbundene Infrastruktur das hohe technische Leistungsniveau zu halten, bedarf
ihres jeweiligen Verantwortungsbereichs. Außerdem es der kontinuierlichen Förderung der Mitarbeiter und
müssen sie sich sowohl den operativen Anforderungen, einer anhaltenden Mitarbeitermotivation.
als auch den potenziellen Auswirkungen ihres Han-
delns auf das Kerngeschäft des Kunden bewusst sein.
7LÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018
Facility Management für Rechenzentren
Idealerweise gibt es im Betrieb eines Rechenzentrums Dem operativen Facility Management kann ein plan-
nur zwei Funktionen: die IT- Funktion und das Facility und baubegleitendes Facility Management vorgeschal-
Management. Abhängig vom Umfang des Portfolios tet werden. Dieses hat zum Ziel, bereits in der Erstel-
existiert zusätzlich eine Liegenschaftsfunktion, die als lungsphase des Rechenzentrums die Anforderungen
Schnittstelle zwischen der IT und dem Facility- an die spätere Bewirtschaftung zu berücksichtigen.
Management-Dienstleister agiert und für die Umset- Dies trägt wesentlich zu einem wirtschaftlichen Betrieb
zung der Unternehmensziele (Corporate Policy) des bei. Im Regelbetrieb sind die Optimierungspotenziale
Gebäudebetriebs verantwortlich ist. bei der Bewirtschaftung begrenzt.
Facility Management für Rechenzentren kann nach Die wesentliche Anforderung an einen Facility-
seinen Funktionen unterteilt werden in infrastrukturel- Management-Dienstleister ist es, einen sicheren und
les Facility Management (etwa Reinigung, Sicherheits- unterbrechungsfreien Betrieb aller Anlagen im Re-
dienste), in technisches Facility Management (z. B. chenzentrum zu gewährleisten. Qualität ist hierbei das
Wartung von Gebäude- und Anlagentechnik) sowie Schlüsselwort. Die Verfügbarkeit ist das ganze Jahr
gegebenenfalls in das kaufmännische Facility Ma- über täglich rund um die Uhr sicherzustellen. Dafür ist
nagement, das sich mit Asset und Property Manage- ein zuverlässiger Partner erforderlich, der sich aller
ment, der Auswahl und Steuerung der Dienstleister, Risiken bewusst ist und mit einem Team von hoch
Contracting sowie der Abrechnung und der Umlage qualifizierten und motivierten Mitarbeitern komplexe
der Gebäudedienstleistungen auf die Kunden befasst. Aufgaben löst.
IT-INDUSTRIE REDUZIERT SCHNITTSTELLEN UND BÜNDELT SERVICES STÄRKER ALS ANDERE BRANCHEN
Fertigungsindustrie
Flughäfen/Logistik
Studienteilnehmer
Grün = höchster Wert des Branchenclusters
Industrie gesamt
Prozessindustrie
Versicherungen
Krankenhäuser
Grün = höchster Wert der Vergabestrategie
Banken/
Handel
Alle
IKT
Vergabestrategie aktuell
Pro Gewerk und Standort separate Vergabe 51% 9% 80% 22% 48% 55% 33% 29% 91%
Standortübergreifend Gewerke gebündelt 27% 36% 20% 44% 26% 9% 42% 43% 5%
Alle Gewerke nach Standorten an einen
4% 9% 0% 0% 0% 0% 0% 29% 0%
Dienstleister gebündelt
Regional/Bundesweit IGM und TGM an je einen
7% 0% 0% 11% 19% 27% 17% 0% 0%
Dienstleister
Integrierte Vergabe – KFM (auf der Basis eines
5% 27% 0% 11% 0% 0% 0% 0% 0%
zur Verfügung gestellten Budgets)
IGM und TGM an einen Dienstleister bundesweit
1% 0% 0% 0% 4% 0% 8% 0% 0%
gebündelt
Abbildung 6: Wie vergeben Sie künftig FM-Leistungen? Angaben in Prozent; nach Branchen und Vergabestrategie;
Quelle: Lünendonk®-Studie 2016 Fremdvergabequoten im Facility Management
8FM FÜR RECHENZENTREN
OPERATIVE RECHENZENTRUMSKOSTEN NACH KOSTENKATEGORIEN (IDC) UND DIE BEEINFLUSSBARKEIT
DURCH DAS FACILITY MANAGEMENT
66% 34%
Durch Facility Management
Nicht beeinflussbar durch Facility Management
beeinflussbar
27% 15% 14% 10% 8% 8% 7% 11%
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%
IT&Kühlung Wartung der IT (ohne Arbeitskosten)
Vernetzung Arbeitskräfte
USV Wartung der Kühlung
Miete / Leasing der Facility Andere Facility Kosten
Abbildung 7: Operative Rechenzentrumskosten nach Kostenkategorien. IDC Asia/Pacific Datacenter Study, 2009. n = 455
Quelle: nach IDC – International Data Corporation, 2009. Optimizing the Datacenter for Cost and Efficiency
LÄNDERÜBERGREIFENDES FACILITY MANAGEMENT dexo, Klüh, ISS, CBRE und Vinci in einer Vielzahl euro-
Nicht nur die Digitalisierung, sondern auch die dahin- päischer Länder respektive darüber hinaus vertreten.
terliegende Infrastruktur der Rechenzentren kennt
keine Landesgrenzen. Denn gerade große Unterneh- Ein länderübergreifendes Facility Management muss
men betreiben Rechenzentren in mehreren Ländern – auf der einen Seite, soweit möglich, ein gleiches und
europa- oder sogar weltweit. Marktanalysen der Lü- damit vergleichbares Leistungsniveau abbilden und auf
nendonk & Hossenfelder GmbH zeigen, dass gerade der anderen Seite die nationalen gesetzlichen Anfor-
Unternehmen aus der IT-Industrie besonders großen derungen und kulturellen Unterschiede so berücksich-
Wert auf gebündelte und reduzierte Schnittstellen tigen, dass sich ein passendes Gesamtkonzept ergibt.
legen und ein möglichst integriertes Facility Manage-
ment anstreben, in dem der Dienstleister auch weitrei- WIRTSCHAFTLICHE „PRODUKTION VON
chend die Organisation der Leistungserbringung über- ZUVERLÄSSIGKEIT“, TAG FÜR TAG
nimmt. Die Umsetzung eines länderübergreifenden Facility Management in Rechenzentren soll gesicherte
Facility Managements ist anspruchsvoll und kann das Betriebszustände zu wirtschaftlichen Bedingungen
volle Potenzial nur entfalten, wenn die Partnerschaft herstellen. Facility Manager bewirtschaften ein Re-
mit den Dienstleistern ebenfalls länderübergreifend ist. chenzentrum eigenverantwortlich. Dies heißt in erster
Angesichts der fragmentierten Märkte in Europa und Linie:
der geringen Anzahl international tätiger Dienstleis-
tungsunternehmen ist dies eine große Herausforde- Sie gewährleisten einen durchgängigen Betrieb,
rung. Aus den 25 führenden Facility-Service- auch während einer Wartung und bei Erweite-
Unternehmen in Deutschland sind nur Apleona, Spie, rungen des Rechenzentrums.
Strabag PFS, Dussmann, Gegenbauer (insbesondere Sie sorgen für eine gesicherte und unterbre-
über die Tochtergesellschaft RGM) sowie Engie, So- chungsfreie Energieversorgung im Gebäude.
9LÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018
Energieversorgung Kälte- und Klimatechnik Sicherheitssysteme
USV-Anlagen Klima- und Raumlufttechnik Zutrittskontrolle
(unterbrechungsfreie Kälteanlagen Videoüberwachung
Stromversorgung) Umwälzpumpen Vereinzelungsanlagen
Schaltanlagen und Ventilatoren Schleusensysteme
Transformatoren Rückkühlungssysteme Brandfrüherkennung
Blitzschutz Kühlwasserversorgung Brandmeldeanlage
Spannungs- und Notkühlaggregate Löschtechnik
Frequenzregler Einbruchmeldeanlage
Netzersatzanlagen (NEA)
universelle
Gebäudeverkabelung (UGV)
Batteriepuffer
Abbildung 8: Facility Management für technische Anlagen im Rechenzentrum; Zusammenstellung: Lünendonk & Hossenfelder GmbH, 2018
Sie kümmern sich um die Klimatisierung und rum ab, von der Inbetriebnahme und der Bedienung
Kühlung unter Einhaltung der Raumparameter über Wartungen oder Inspektionen bis hin zu Optimie-
für Temperatur und Feuchte. rungen und Instandhaltungen und Entstörungen. Der
technische Betriebsleiter ist Ansprechpartner vor Ort
Aufgabe des (technischen) Facility Managements ist es, und Koordinator im technischen Betrieb. Er übernimmt
für eine professionelle Bewirtschaftung von Rechen- die Gesamtverantwortung für den Betrieb der techni-
zentren, für die Sicherstellung der Verfügbarkeit der schen Anlagen des Rechenzentrums (Abb. 8).
Anlagen und für ihren unterbrechungsfreien Betrieb
zu sorgen.3 Ziel des technischen und infrastrukturellen Facility
Managements ist nicht nur der unterbrechungsfreie
GEBÄUDEKOSTEN NACH LEBENSZYKLUSPHASEN Betrieb, sondern auch die Wirtschaftlichkeit des Re-
80% 76% chenzentrums. Durch ein gutes Facility Management
70% können die Kosten eines Rechenzentrums maßgeblich
beeinflusst werden.
60%
50%
Das Marktforschungsunternehmen IDC hat die spezifi-
40%
sche Kostenstruktur für Rechenzentren in einer Umfra-
30% ge unter mehr als 450 Rechenzentrumsverantwortli-
19%
20% chen ermittelt. Plausibel erscheint danach, dass ein
10% gutes Drittel der laufenden Betriebskosten durch quali-
3% 2%
0%
fiziertes Facility Management beeinflusst werden kann
(Abb. 7). Dies wiederum ist natürlich auch nur durch
hohe Qualitätsansprüche beim Facility-Management-
Anbieter zu erreichen.
Abbildung 9: Gebäudekosten nach Lebenszyklusphasen (alle Gebäu-
detypen); Quelle: rotermund.ingenieure 2011
Dabei deckt das Facility Management die gesamten
Lebenszyklen der technischen Anlagen im Rechenzent-
10FM FÜR RECHENZENTREN
LEBENSZYKLUSKOSTEN EINES RECHENZENTRUMS Ein Facility-Management-Dienstleister – als zukünftiger
Betreiber des Rechenzentrums – sollte daher bereits in
350
300 der Konzeptions- und Planungsphase mit eingebun-
300 den sein, in der die technischen Spezifika eines Re-
250 chenzentrums festgelegt werden. Somit wird eine
In Mio. Euro
optimale spätere Bewirtschaftung unter Beachtung der
200
Nutzungsanforderungen des Eigentümers bezie-
150 hungsweise Mieters des Rechenzentrums bereits in der
100
100 Bauphase sichergestellt. Das baubegleitende Facility
Management umfasst dabei je nach Anforderung die
50
1 10 Leistungen von der ersten Entwurfsplanung bis zur
0 Begleitung der Fertigstellung, Testing & Commission-
ing und Übergabe des Rechenzentrums in den Regel-
betrieb.
ANSATZPUNKTE: DAS BAUBEGLEITENDE FACILITY
Abbildung 10: Verhältnisstruktur Rechenzentrumskosten MANAGEMENT BEI RECHENZENTRUMSVORHABEN
Quelle: dc_ce RZ-Beratung GmbH & Co. KG: Was darf ein
Rechenzentrum kosten?, 2007 Baubegleitendes Facility Management als langfristiger
Ansatz muss schon frühzeitig auf die wesentlichen
BAUBEGLEITENDES FACILITY MANAGEMENT: Komponenten Einfluss nehmen, die die Pflege und
PLANEND VORSORGEN Werterhaltung der Immobilie beeinflussen. Der Einsatz
Die Höhe der laufenden Betriebsausgaben – auch von Sensorik bei Heiz- und Lüftungsanlagen ist schon
eines Rechenzentrums – wird weitestgehend in der relativ umfassend. Großes weiteres Potenzial für die
Planungsphase festgelegt und im Baudesign festge- Regelungstechnik im Rechenzentrum bieten aber
schrieben. Das spiegelt sich in den Lebenszykluskosten, beispielsweise bereits so simple Vorkehrungen wie
die die Projektentwicklung, die Planung, den Bau (Ge- Sensorik, Bluetooth- und WLAN-Schnittstellen. Werden
bäudeerrichtung) und schließlich die Gebäudenutzung diese bereits im Bau in das Gebäude integriert, können
(vollständig dann auch wieder die Gebäudeverwer- mittelfristig eine höhere Transparenz, mehr Automati-
tungskosten) umfassen. Ungeachtet eines bestimmten sierung und eine verbesserte Qualität im infrastruktu-
Gebäudetyps lassen sich die Anteile dieser Kosten rellen Gebäudemanagement gewährleistet werden.
(ohne Sanierungs- oder Modernisierungskosten) in Sachkundiges Facility Management kann in der Pla-
ihren Größenordnungen darstellen – und nicht überra- nungs- und Bauphase eines Rechenzentrums in vielen
schend machen die Nutzungskosten über die Gebäu- Bereichen eines typischen Planungsablaufs Unterstüt-
denutzungsdauer den größten Anteil aus (Abb. 9, 10). zung leisten (Abb. 11) und amortisiert sich rasch.
11LÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018
Bauplanung und Bauausführung und
Planung und Konzeption
-vorbereitung Betrieb
Technik für IT und
IT-Stromversorgung
Energieversorgung und
Energieeffizienzplanung Bauausführung
Klimatisierung und Air-Flow- Qualitätskontrolle in der Bauphase
Management Abnahme
Anforderungen der Nutzer
Sicherheitseinrichtungen Inbetriebnahme
Anforderungen des Betriebs
Brandschutztechnik Betrieb/Operation 365 × 24 h
Facility-Management-Konzepte
Kommunikationstechnik Security
Lebenszyklusplanung
Betriebskonzept Migration/Transition aus Vorgänger-
gesetzliche Auflagen
Gebäudedesign und -technik (TGA) Rechenzentrum
Größe und Leistungsfähigkeit (m², kW)
Betriebsorganisation Mitarbeiterqualifizierung
Lokation
Genehmigungsprozess Zertifizierungen
Verfügbarkeit
Mengen/Stückliste Reviews von Prozessen und Technik,
Risikomanagementkonzepte
Ausschreibung Optimierung
Schutzziele
Bieterauswahl Asset Management
Zeitplan Energiemanagement
Meilensteine Contracting
Szenarien für Betrieb und Störfälle,
Verfügbarkeitsanalysen
Single-Point-of-Failure-Analysen
Abbildung 11: Ansatzpunkte für den nachhaltigen Betrieb von Rechenzentren durch Planungs- und baubegleitendes Facility Management;
Zusammenstellung: Lünendonk & Hossenfelder GmbH
AMORTISATION BAUBEGLEITENDEN FACILITY (Computer Aided Facilities Management) oder Building
MANAGEMENTS Information Modeling (BIM) können die laufenden
Die Einflussmöglichkeiten von Facility Management auf Kosten des Objektmanagements gesenkt werden.
die einzelnen Kostengruppen der Gebäudebewirt-
schaftung sind unterschiedlich. Betrachtet man die Größer noch ist das Potenzial der Betriebskosten, das
Kostengruppen der Gebäudebewirtschaftung nach durch Rationalisierung, Energiemanagement und op-
DIN 18960, so liegen die Hebel des Facility Manage- timierte Arbeitsmittel erschlossen werden kann. Auch
ments insbesondere im Objektmanagement, bei den die Instandsetzungskosten können durch angemesse-
Betriebskosten und den Instandsetzungskosten (Abb. ne Konstruktion von vornherein und durch Sicherstel-
12). Durch effiziente Prozesse und Abläufe im Objekt- lung einer adäquaten Qualität langfristig gering gehal-
management auch mithilfe von CAFM-Systemen ten werden.
Kostengruppen der
Prozent der Einflussmöglichkeiten während der Ansatzpunkt für Facility
Gebäudebewirtschaftung
Herstellungskosten Nutzungsphase Management
nach DIN 18 960
Kapitalkosten 8,5 Reduktion der Herstellungskosten
Abschreibung 2 Umnutzung flexibler Gebäude
CAFM-System *), Prozesse und Abläufe
Objektmanagement 1-3 ●
effizienter gestalten
Rationalisierung, Energiemanagement,
Betriebskosten 4-10 ●
optimierte Arbeitsmittel
Instandsetzungskosten 1-5 angemessene Konstruktion und Qualität ●
Summe 16-26
Abbildung 12: Kostenbeeinflussung über Facility Management, Quelle: Lünendonk & Hossenfelder GmbH, eigene Darstellung nach Preuß und
Schöne 2016: Real Estate und Facility Management: aus Sicht der Consultingpraxis, S. 590 *) Computer-Aided-Facilities-Management-System
12FM FÜR RECHENZENTREN
BAU- UND PLANUNGSBEGLEITENDES FM AMORTISIERT SICH NACH WENIGEN JAHREN
Potenzial der Senkung
Beeinflussungskurve/Kostensenkungspotenzial der Lebenszykluskosten
Kosten von 10-20%
Verlauf der kumulierten
Lebenszykluskosten
(konventionell)
Nutzungskosten
Break Even Verlauf der kumulierten
Lebenszykluskosten (mit
Facility Managements)
Frühzeitiger Einbezug des
Investitionskosten
planungsbegleitenden
Facility Management
Zeit
Projekt- Umbau/
Planung Ausführung Nutzung Abriss
entwicklung Sanierung
Abbildung 13: Amortisation von bau- und planungsbegleitendem Facility Management
Quelle: Lünendonk & Hossenfelder GmbH. Lünendonk Whitepaper: Baubegleitendes Facility Management, 2015
Aus der allgemeinen Immobilienwirtschaft ist erwiesen, Das IBM ist somit Teil eines professionellen Projektma-
dass sich bau- und planbegleitendes Facility Manage- nagements und trägt dazu bei, viele Mängel an der
ment bereits nach wenigen Jahren amortisiert. Darstel- TGA vor der Übergabe zu erkennen und zu beseitigen,
lungen sprechen von einem langfristigen Potenzial zur sodass das Gebäude schneller in den Regelbetrieb
Senkung der Lebenszykluskosten von Immobilien von übergehen kann. Wie das baubegleitende Facility
bis zu 20 Prozent (Abb. 13). Management erfordert auch das IBM das Aufbrechen
von Silos und eine Immobilienlebenszyklusbetrach-
INBETRIEBNAHMEMANAGEMENT tung; es beginnt bereits in der Projektentwicklungs-
Weniger prominent in der Fachöffentlichkeit, aber von phase und endet nach dem Übergang in den Regelbe-
ebenfalls großer Bedeutung für ein professionelles und trieb. Ähnlich wie das baubegleitende Facility Ma-
effizientes Facility Management ist das Inbetriebnah- nagement handelt es sich jedoch nicht um eine isolier-
memanagement (IBM) der technischen Gebäudeaus- te Maßnahme, sondern ist Teil eines professionellen
rüstung (TGA). Die TGA ist heute je nach Gebäudeart Bauprojektmanagements, das dazu beiträgt, Risiken zu
für 25 bis 60 Prozent der Gesamtbaukosten verant- minimieren und finanzielle und zeitliche Ressourcen
wortlich. Abhängig von der Gebäudenutzung und der besser planen zu können. Ein IBM ist keine Standard-
dafür nötigen TGA arbeiten die Anlagen als Teil einer leistung im Bau und empfiehlt sich daher insbesondere
Gebäudeautomation und bedingen sich gegenseitig. für Betreiber kritischer Infrastrukturen. Der Verein
Mängel in der Gebäudetechnik können die (volle) Deutscher Ingenieure (VDI) hat in der Richtlinie
Regelnutzung verzögern. VDI 6039 die Anforderungen an ein IBM standardisiert.
13LÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018
INBETRIEBNAHMEMANAGEMENT
Immobilienlebenszyklus
Ausführung /
Projektentwicklung Planung Betrieb und Gebäudemanagement Abriss / Umbau
Bau
Grundlagen IBM-Durch- IBM-
IBM-Planung
ermittlung führung Abschluss
Abbildung 14: Inbetriebnahmemanagement der technischen Gebäudeausrüstung im Lebenszyklus eines Gebäudes
Anbieter von Facility-Management-
Dienstleistungen für Rechenzentren
Nicht jeder Anbieter von Facility Services ist auch ein Immer mehr führende Facility-Services-Unternehmen
ausgewiesener Facility Manager für hochkritische Infra- in Deutschland werben mit ihrer Befähigung zum
strukturen. Die Befähigung hierzu erfordert Know-how, Facility Management für Rechenzentren. Eine Spon-
Personal, kodifiziertes Wissen über Abläufe, die Fähig- tanauswertung der Marketingaussagen der 25 führen-
keit, Prozesse zu definieren und auszuführen, sowie den Facility-Service-Unternehmen ergab, dass zehn
eine ausreichend große, für Rechenzentren qualifizier- von ihnen Facility-Management-Leistungen für Re-
te Betriebsmannschaft. chenzentren anbieten oder bereits Kunden in dieser
Hinsicht betreuen (Abb. 15).
14FM FÜR RECHENZENTREN
Inlandsumsatz
Anbieter für Facility in Mio. Euro
Management für
Rang Unternehmen Rechenzentren** 2016
1 Apleona HSG Facility Management 1.434,0
2 Spie GmbH, Ratingen *) 1.400,0
3 Wisag Facility Service Holding GmbH, Frankfurt am Main 1.016,3
Strabag Property and Facility Services GmbH, Frankfurt am
4 993,0
Main
5 Dussmann Service Deutschland GmbH, Berlin *) 890,0
6 Compass Group Deutschland GmbH, Eschborn 666,0
7 Gegenbauer Holding SE & Co. KG, Berlin 655,5
8 Engie Deutschland Gruppe, Köln 557,0
9 Kötter Unternehmensgruppe, Essen 545,0
10 Sodexo Beteiligungs B.V. & Co. KG, Rüsselsheim 538,4
11 Klüh Service Management GmbH, Düsseldorf 477,2
12 Piepenbrock Facility Management GmbH + Co. KG, Osnabrück 458,1
13 ISS Facility Services Holding GmbH, Düsseldorf 333,0
14 CBRE Gruppe, Essen 279,0
15 Vinci Facilities Deutschland GmbH, Mannheim 274,0
16 Götz-Management-Holding AG, Regensburg *) 215,2
17 Sauter FM GmbH, Augsburg 199,0
18 Caverion Deutschland GmbH, München 186,0
19 Dorfner Gruppe, Nürnberg 174,0
20 Stölting Service Group GmbH, Gelsenkirchen 172,0
Lattemann & Geiger Dienstleistungsgruppe Holding GmbH &
21 157,1
Co. KG, Dietmannsried
22 b.i.g.-Gruppe, Karlsruhe 140,8
23 Dr. Sasse AG, München 125,2
24 Hectas Facility Services Stiftung & Co. KG, Wuppertal 118,0
25 Clemens Kleine Holding GmbH, Düsseldorf *) 116,0
Abbildung 15: Facility-Management-Anbieter mit werblichem Ausweis „Facility Management für Rechenzentren“(Stand 01/2018)
Grundlage: Lünendonk-Liste „Führende Facility-Service-Unternehmen in Deutschland 2017“ und Kurzrecherche im Januar 2018
* Umsatzzahlen ganz oder teilweise geschätzt
15LÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018
Ausblick
Der Verzicht auf ein professionelles Facility Manage- Rechenzentren sind die Infrastruktur der Digitalisie-
ment ist gerade bei kritischen Infrastrukturen riskant. rung. Sie ermöglichen nicht nur Großunternehmen und
Nicht nur, aber auch in Rechenzentren ist ein rei- Konzernen den Betrieb digitalisierter Infrastrukturen,
bungsloser Betrieb essenziell. Anfang April 2018 sorgte sondern ermöglichen es zahlreichen Unternehmen der
ein Stromausfall in einem Frankfurter Rechenzentrum New Economy und vor allem der Start-Up-Szene inno-
für einen stundenlangen Ausfall. Nachdem ein Trans- vative Geschäftsmodelle zu entwickeln und auszupro-
formator, der den Strom vom Netzbetreiber über- bieren. Alles spricht dafür, dass die Bedeutung der
nimmt, wegen Überhitzung ausgefallen war, sprangen Asset-Klasse Sonderimmobilien weiter zunehmen wird.
zunächst die Dieselgeneratoren an. Diese fielen später
wegen eines Problems mit dem Treibstoffzufluss aus. In einem typischen Reifegradzyklus befindet sich der
Letztlich reichten die für diesen Fall vorgehaltenen Markt für Rechenzentren noch immer in der Expansion.
Batterien nicht mehr aus. Eine Verkettung von Fehlern Eine Sättigung wird in der Zukunft eintreten und spä-
führte zum Ausfall. Dieser war so schwerwiegend, dass testens, wenn der Wettbewerb der Rechenzentrums-
die großen Nachrichtenportale hierüber berichteten. betreiber untereinander ansteigt, werden nicht nur
Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit eine zentrale Rolle
Wird in Krankenhäusern die ordnungsgemäße Reini- spielen, sondern auch der wirtschaftliche Betrieb. Hin-
gung und Instandhaltung der Gebäudetechnik nicht zu kommt, dass für den Betrieb von Rechenzentren
gewährleistet, sind schnell Menschenleben in Gefahr. Ländergrenzen nur von untergeordneter Bedeutung
Fehler passieren und nicht alle sind auf ein mangeln- sind. Im Zuge der zweifelsohne eintretenden Konsoli-
des Facility Management zurückzuführen. In komple- dierung des Rechenzentrumsmarkts ist nicht nur mit
xen und kritischen Infrastrukturen müssen alle An- einer Anpassung der Kapazitäten zu rechnen, sondern
strengungen unternommen werden, um den Kernbe- vor allem mit einer Veränderung der Anbieterstruktur.
trieb aufrecht zu erhalten. Dies ist keine Aufgabe, die Diese werden – wie es heute bei länderübergreifend
„nebenbei“ erledigt wird, sondern erfordert detaillierte aktiven Unternehmen der IT-Industrie bereits oftmals
Kenntnis des jeweiligen Gebäudes und der zahlreichen üblich ist – auch im Facility Management auf Partner
Normen und Richtlinien. setzen, die diese Anforderungen erfüllen können.
16FM FÜR RECHENZENTREN
Facility Management für Rechenzentren
Das Facility Management für Rechenzentren hat ein Lebenszyklus eines kritischen Systems auftreten, egal
wesentliches Ziel: den Betrieb täglich, rund um die Uhr ob bei der Planung, beim Bau oder beim Betrieb. Sie
zu sichern. Nachrangig, aber dennoch nicht unwichtig sind die größte Quelle für systembedingte Ausfälle der
ist der reibungslose Betrieb zu wirtschaftlichen Kosten. Infrastruktur. Anlagenausfälle, die auf menschliches
Hierzu ist eine Detailkenntnis der speziellen Anforde- Versagen zurückzuführen sind, haben oftmals banale
rung des Immobilientyps Rechenzentrum sowie der Ursachen: Unkenntnis der Dokumentation und der
Anforderungen an die IT unerlässlich. Dieser Beitrag korrekten Abläufe, unzureichende Ausbildung oder
thematisiert die wesentlichen Risikofaktoren für den mangelnde Motivation der Mitarbeiter.5 Und hier
störungsfreien Betrieb von Rechenzentren und weist kommt das Design von Rechenzentren und auch
auf Optimierungspotenziale durch ein professionelles hochqualifiziertes Facility Management (FM) ins Spiel.
Facility Management hin.
Der Ausfall eines Rechenzentrums verursacht drei
Entscheidend für einen reibungslosen Betrieb ist der Arten von Kosten: direkte Ausgaben im Zusammen-
Faktor Mensch, denn bis zu 75 Prozent aller kritischen hang mit dem Ausfall, indirekte Kosten (Zeit und Mühe,
Ereignisse und Systemausfälle sind auf Fehler von um den Ausfall zu beseitigen) und Opportunitätskos-
Mitarbeitern beziehungsweise auf Vorgänge zurückzu- ten wie der Verlust von Geschäft und Imageschäden.6
führen, die von menschlichem Handeln und menschli- Nach Untersuchungen des Ponemon Institute7 haben
cher Interaktion abhängig sind. Fehler der Kategorie
4 in den letzten Jahren die Kosten von Rechenzentrums-
„menschliches Versagen“ können in jeder Phase des ausfällen deutlich zugenommen. 2016 waren die
Tier 1 Tier 2 Tier 3 Tier 4
Redundanz N N+1 N+1 N nach jeder Störung
Anzahl der Zuleitungen/ 1 Aktiv
Nur 1 Nur 1 2 Aktiv
Versorgungswege 1 Passiv
Viele + Viele + Einige +
Schwachpunkte (Single Points of Keine +
menschliche menschliche menschliche
Failure) menschliche Fehler
Fehler Fehler Fehler
Bedingt ausfallsicher Nein Nein Ja Ja
Jährliche Systemausfälle
verursacht durch die IT- 28,8 Stunden 22,0 Stunden 1,6 Stunden 0,4 Stunden
Infrastruktur
Verfügbarkeit 99,671 % 99,749 % 99,982 % 99,995 %
Abbildung 16: Rechenzentren nach „Tiers“ (ANSI): Verfügbarkeit, Ausfallzeiten und Schwachpunkte
Quelle: http://ipv-denkfabrik.de/hochverfuegbarkeit-im-betrieb-von-rechenzentren/; The Uptime Institute
17LÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018 Durchschnittskosten eines Ausfalls auf eine Dreivier- dieses Risiko weitest möglich zu reduzieren. telmillion Dollar pro Vorfall angestiegen, das entspricht fast 9.000 US-Dollar pro Minute (Spannweite von etwa Das American National Standards Institute (ANSI) hat 1.000 bis ca. 17.000 US-Dollar pro Minute). Angesichts ein vierstufiges Modell zur Einordnung der Qualitäts- der mit einem Ausfall verbundenen Folgen gilt es, merkmale von Rechenzentren entwickelt (Abb. 16). 18
FM FÜR RECHENZENTREN
Betrieb von Rechenzentren
Rechenzentren gibt es in allen Branchen (Chemie, Automotive, IT, Banken, Versicherungen, Behörden, Retail,
Fertigungsindustrie und viele mehr). Die Eigentümer/Nutzer sind in drei Gruppen aufgeteilt:
1.) ENTERPRISE 3.) HYPERSCALE
Firmeneigene Rechenzentren, deren IT von internen Große Rechenzentren mit hoher Anschlussleistung,
Abteilungen betrieben wird. Die Betriebsverantwor- vielen Servern und extrem großen IT-Flächen.
tung der technischen Infrastruktur wird oftmals an
externe Dienstleister vergeben. Beispiele: Google, Amazon, Facebook, Apple und viele
mehr.
2.) MULTI-TENANT
a) Wholesale (wenig Kunden): Der Eigentümer
vermietet komplette Flächen des Rechenzent-
rums und ist für die unterbrechungsfreie Versor-
gung der technischen Gebäudeinfrastruktur in-
klusive der Sicherheit verantwortlich. IT-
Anwendungen: Hardware und Software befinden
sich in Verantwortung des Mieters.
b) Colocation (viele Kunden): Wie a.), jedoch werden
auch IT-Anwendungen, Hardware und Software
des Mieters vom Eigentümer angeboten sowie
gemanagt (Managed Hosting).
19LÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018
Facility-Technik im Rechenzentrum
Rechenzentren sind hoch komplexe Gebäude: Die Im Rechenzentrum sind alle laufenden Anwendungen
technischen Komponenten werden ausfallfrei benötigt, über Batterieblöcke für 15 Minuten gepuffert. Die
um den ununterbrochenen Betrieb aufrechtzuerhalten. Stromqualität wird gemanagt: Spannungs- und Fre-
Schwerwiegendere Ausfälle eines Rechenzentrums quenzschwankungen werden ausgeglichen und die
bedeuten nicht nur den Ausfall eines Gebäudes, son- Rechnerelektronik geschützt.
dern den Ausfall einer komplexen Produktionseinheit –
einer IT-Fabrik. Die direkten und indirekten Kosten für KÜHLUNG UND KLIMAKONTROLLE IM
Reparatur, Wiederherstellung und Anlagenersatz sind RECHENZENTRUM
enorm. Hinzu kommen Reputationsschäden für den Besonders die Prozessoren erzeugen Wärme. Wird
Betreiber und möglicherweise verlorengehendes Ge- diese nicht abgeführt, sinkt die Leistung, bis das Bau-
schäft. Daher müssen die Grundelemente eines Re- teil im Extrem ausfällt. Daher ist die Kühlung eines
chenzentrums vollumfänglich gewährleistet werden. Rechenzentrums essenziell. Am Beispiel eines Großre-
chenzentrums: Zuerst wird kühlere Außenluft genutzt,
EFFIZIENTE, UNTERBRECHUNGSFREIE um die von den Klimaanlagen aufgenommene Wär-
STROMVERSORGUNG memenge abzuführen. Umwälzpumpen verteilen das
Wie kann die Stromversorgung in einem Rechenzent- Kühlmittel an alle Serverräume. Bei höheren Außen-
rum aussehen? Eine Skizze: Das Rechenzentrum ist an temperaturen werden die Klimaanalagen mit Wasser
zwei unterschiedliche Netzbereiche des lokalen Strom- und Turbokältemaschinen gekühlt. Der Wasserver-
versorgers angeschlossen. Dieselgeneratoren in einem brauch wird durch ein eigenes Wasserwerk gedeckt;
separaten Gebäude decken die Stromversorgung im die städtische Wasserversorgung ist zusätzliche Reser-
Notfall; sie sind auf Dauerbetrieb ausgelegt, stets vor- ve. Offensichtlich sparen Rechenzentren mit dem rich-
gewärmt für schnelles Anspringen und starten auto- tigen Standort und der richtigen Kühltechnologie im
matisch, wenn einer der externen Netzbereiche ausfällt. laufenden Betrieb viel Energie und Geld.
20FM FÜR RECHENZENTREN
REINRAUMÄHNLICHES UMFELD BRANDSCHUTZ
Temperatur, Feuchtigkeit, Luftstrom müssen gesteuert Vorbeugender passiver Brandschutz berücksichtigt
werden. Partikuläre Luftkontamination kann Ursache die Verlegung von Kabeln, feuersichere Brandschotte,
für Kurzschlüsse, Störungen und Ausfälle im Rechen- die Beschaffenheit der Böden, Decken und Wände
zentrum sein. Für Rechenzentren ist daher generell die und den Einbau von Brand- respektive Rauchschutz-
ISO-Klasse 8 Mindestanforderung. Die ISO-14644 war türen. Rauchmelder im Server- und Technikraum
ursprünglich für Reinräume und kritische Umgebungen und Doppelböden zeigen eine Brandentstehung
vorgesehen, IT-Hersteller fordern mittlerweile die an. Automatisch auslösende Feuerlöschanlagen
Einhaltung der ISO-14644-1-Reinraumklasse 8 aber sind modular aufgebaut und über die Brandmelde-
auch in Rechenzentren. zentrale gesteuert. Einschlägige Normen sind: DIN EN
21LÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018
Energieversorgung Kälte- und Klimatechnik Sicherheitssysteme
USV-Anlagen Klima- und Raumlufttechnik Zutrittskontrolle
(unterbrechungsfreie Kälteanlagen Videoüberwachung
Stromversorgung) Umwälzpumpen Vereinzelungsanlagen
Schaltanlagen und Ventilatoren Schleusensysteme
Transformatoren Rückkühlungssysteme Brandfrüherkennung
Leitungsanlagen Kühlwasserversorgung Brandmeldeanlage
Blitzschutz Notkühlaggregate Löschtechnik
Spannungs- und Einbruchmeldeanlage
Frequenzregler
Netzersatzanlagen (NEA)
universelle
Gebäudeverkabelung (UGV)
Batteriepuffer
Abbildung 17: Facility Management für technische Anlagen im Rechenzentrum
Zusammenstellung Lünendonk & Hossenfelder GmbH, 2018
54 Teil 2 und 4, EN12094-1, VDE 0833 und VdS. Aktive SECURITY
Brandvermeidung erfolgt durch vermehrte Zufuhr von Der Schutz der Rechenzentren erfolgt durch Rechte-
Stickstoff in die zu schützenden Bereiche, die dennoch vergaben für die einzelnen Mitarbeiter beim Zugang
für Personen weiterhin begehbar bleiben. Rauchan- zu den Räumen der Gebäudetechnik durch Schleusen
saugsysteme entdecken geringste Mengen von und Personenvereinzelungsanlagen, sowie durch Zu-
Rauchaerosolen bereits bei einer Brandentstehung. gangskontrollen über Fingerabdruckidentifikation /
Dies verschafft Zeit für Gegenmaßnahmen, für selekti- Iris-Scan für die einzelnen Funktionsmitarbeiter vom
ve Abschaltung, weiches Herunterfahren oder Daten- Operator über den Wartungstechniker bis zum
auslagerung. Reinigungspersonal.
22FM FÜR RECHENZENTREN
Risikomanagement
Tesla-Erfinder Elon Musk über das Risiko: qualifizierte Mitarbeiter, die regelmäßig geschult wer-
den, die Prozesse verstehen und einhalten, die
„Es ist okay, all seine Eier in einem dadurch auch in kritischen Situationen einen kühlen
einzigen Korb aufzubewahren, so- Kopf bewahren und zuverlässig handeln,8 sind der
lange man aufpasst, was mit dem Schlüssel dafür, dass die Ausfallsicherheit gewährleistet
Korb passiert." werden kann. Trotz des hohen Automatisierungsgra-
des mit allen intelligenten Systemen bleibt der Faktor
Angesichts der hohen Kritikalität von Rechenzentren Mensch für den Rechenzentrumsanlagenbetrieb das
und der dedizierten Technik ist das Risikomanagement zentrale Element.
essenziell. Nur wenn die wesentlichen Gefährdungsfak-
toren für das Rechenzentrum bekannt sind, können LEBENSZYKLUSKOSTEN
geeignete Maßnahmen zum Absenken des Ausfallrisi- Die Kosten für die Errichtung eines Rechenzentrums
kos getroffen werden. sind hoch. Abhängig von der Klassifizierung und vom
Standort liegen die Errichtungskosten zwischen 5 und
Risikomanagement innerhalb kritischer Umgebungen 15 Millionen Euro pro Megawatt Anschlussleistung.
ist nicht mehr nur eine Option, sondern unabdingbar Bezogen auf den Lebenszyklus eines Rechenzentrums
für den Schutz der operativen Abläufe, der Integrität betragen die Planungs- und Errichtungskosten 15 bis
und der Ertragskraft eines Unternehmens. Betreiber 20 Prozent. Das bedeutet, dass 80 bis 85 Prozent der
von Rechenzentren sind daher auf Facility- Kosten dem Betrieb zugeordnet werden. Energiekos-
Management-Dienstleister angewiesen, die über einen ten sind mit rund 70 Prozent der wesentliche Kosten-
systematischen Ansatz für Mitarbeitermanagement, faktor in einem Tier-3-Rechenzentrum mit einem Le-
Leistungsregulierung, Anlagenbetrieb und Prozess- benszyklus von 25 Jahren. Somit verbleibt ein Anteil
steuerung verfügen und somit aktiv daran mitwirken von etwa 10 bis 15 Prozent der Kosten für das Gebäu-
das Ausfallrisiko gering zu halten. demanagement. Um das Risiko zu minimieren, muss
sich der Betreiber des Rechenzentrums in hoher Quali-
Für Facility-Management-Dienstleister steht dieses tät aufstellen oder einen Dienstleister beauftragen, der
Risikomanagement besonders im Fokus. Sie müssen die Qualität im Sinne der Verfügbarkeit aller Anlagen
von Anfang an den Wunsch des Kunden nach einem stets im Fokus hat und dokumentiert.
holistischen Konzept für den Betrieb kritischer Syste-
me, das flexibel an die Gegebenheiten der Anlagen QUALITÄT
und Standorte angepasst werden kann, als Grundlage Es gibt keine universelle Definition für Qualität. Die
ihrer Arbeit sehen. Dennoch gibt es zahlreiche Fakto- einfache These lautet: Qualität kostet Geld. Es stellt
ren, die das Risiko beeinflussen. sich jedoch die Frage: Was darf Qualität kosten? Der
Ausfall eines Rechenzentrums kann katastrophale
FAKTOR MENSCH Folgen haben, wie etwa Ausfallzeiten, Rechtsfolgen
Es gibt durchaus Parallelen zwischen dem Betrieb eines und Imageverlust, die wesentlich teurer sein können
Rechenzentrums und dem Luftverkehrsbetrieb. Hoch als die direkten Kosten wie Personal und Ersatzteile.
23LÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018
Ein Beispiel: Der Ausfall des weltweiten Flugverkehrs die Ausfälle. Mit Service Level Agreements in Kombina-
einer Airline aufgrund einer fehlerhaften Wartung an tion mit Key-Performance-Indikatoren9 zur Leistungs-
der technischen Infrastruktur eines Rechenzentrums messung lassen sich die Verantwortlichkeiten definie-
generiert Kosten in Höhe von über 150 Millionen Euro. ren und das Haftungsrisiko (Teilgewähr) an den Facili-
ty-Management-Dienstleister übertragen.
Das Sicherstellen von Qualität im Rechenzentrum
bedeutet, durch präventive Maßnahmen Fehler zu BETREIBERVERANTWORTUNG
vermeiden. Dazu gehören sehr gut geschulte Fachkräf- Die Betreiberverantwortung aller in der Leistungsbe-
te wie auch ein Risikomanagementsystem das alle schreibung mit Leistungsverzeichnis beschriebenen
wichtigen Aspekte im Anlagenbetrieb kontinuierlich technischen Anlagen kann an den Facility-
prüft und durch gezielte Maßnahmen bewertet. Management-Dienstleister übertragen werden. Dieser
hat sämtliche behördlichen Fristen, die nach diesem
SCHNITTSTELLEN ZWISCHEN IT UND FACILITY Vertrag seinem Verantwortungsbereich unterliegen,
MANAGEMENT einzuhalten und diese Einhaltung zu dokumentieren.
Je weniger Schnittstellen es innerhalb des Betriebs Er übernimmt im Rahmen der vertraglichen Leistung
eines Rechenzentrums gibt, desto geringer wird auch die Betreiber- und Verkehrssicherungspflichten. Dies
das Risiko. Das Bündeln von Leistungen auf einen entbindet den Auftraggeber indes nicht von den
Dienstleister erhöht die Wirtschaftlichkeit und reduziert Überwachungspflichten.
DELEGATION VON BETREIBERPFLICHTEN
„0 % Delegation“ „95 % Delegation“
100%
Delegierbare Pflichten u.a.:
Betriebsbeauftragte Arbeitsschutz ( u.a. ASiG,
UVV) & Umweltschutz (u.a. AbfBeauftrV, AbfG)
Gefährdungsbeurteilung (u.a. ArbSchG, BetrSichV)
AN Arbeitsplatzgestaltung
Instandhaltungspflichten
Betreiberpflicht
Wiederkehrende Prüfpflichten (u.a. BetrSichV,
AN UVV, Technische Prüf-verordnungen der
AG Bundesländer)
Verkehrssicherungspflichten (u.a. Satzungen, BGB,
Brandschutz)
Hygienemaßnahmen (u.a. ArbStättV, VDI
AG 6022/6023)
Dokumentationspflichten anweisend und
nachweisend (Brandschutz-verordnung,
gesetzliche Prüfungen etc.
Überwachungspflichten, Aufsicht, Kontrolle,
0% AG Dokumentation (Eigentum verpflichtet!)
Abbildung 18: Delegation von Betreiberpflichten im Facility Management
24FM FÜR RECHENZENTREN
Kosten- und RZ-Anlagenbetrieb
Gebäude - Energiemanagement
Vertragsmanagement
- Dach & Fach - Reporting
- Qualitätsmanagement
- Außenanlagen - Gewährleistungs-
- Energieeinkauf
- Bewachung / Security verfolgung
- Arbeitsschutz
- Reinigung Instandhaltung:
- Inspektion
- Wartung
Projektmanagement - Instandsetzung
- Testing & Commissioning - Verbesserung
- Werterhaltungsprojekte
- Baubegleitendes FM
IT-Systeme befinden sich
in Verantwortung des
Auftraggebers
Consulting
- Betriebskonzepte - Verkabelungslösungen
- Schwachstellenanalysen - Air-Flow Management
Business Operation
- Ersatzteilanalysen - Hands- and Eyes Services
Control Center
- Life-Cycle Lösungen
- Metering & Monitoring
- Alarmaufschaltung
Abbildung 19: Schematische Darstellung eines Rechenzentrums; Quelle: Apleona HSG GmbH
Anforderungen an Facility Manager für
Rechenzentren
Die Anforderungen an einen Rechenzentrumstechniker wichtig. Das betrifft die Zusammenarbeit im Team
und einen Objektleiter für den Rechenzentrumsanla- („Einer für alle, alle für einen"), den partnerschaftlichen
genbetrieb sind vielfältig. Ein festes Berufsbild gibt es und ehrlichen Umgang mit dem Kunden, aber auch die
derzeit (noch) nicht. Für Facharbeiter, Meister und Fähigkeit eines fairen und offenen Umgangs mit den
Techniker (vorrangig) aus den Gewerken Elektro- und involvierten Nachunternehmen. Neues zu lernen und
Kältetechnik ergeben sich in diesem Marktsegment das Erlernte weiterzugeben, im kritischen Umfeld des
hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten und Per- Kunden, das ist eine interessante und anspruchsvolle
spektiven. Einerseits gilt es, die technischen Anlagen Aufgabe. Daher suchen Unternehmen neben IT-
im Rechenzentrum umfänglich zu verstehen, um ins- Fachkenntnissen auch menschliche Schlüsselqualifika-
besondere in kritischen Situationen richtig zu reagie- tionen wie Kreativität, Empathie und nichtlineares
ren, andererseits sind kommunikative Fähigkeiten sehr Denken.
25LÜNENDONK®-WHITEPAPER 2018 Facility-Management-Anbieter- und Mitarbeiterqualifikation für kritische Infrastrukturen Der Betrieb von Rechenzentren stellt das Facility 1. Prozess-Know-how und die Fähigkeit, Prozesse Management vor besondere Herausforderungen. effizient zu definieren und abzuarbeiten, 2. Personal Technische Komponenten und Themen wie Klimatisie- mit Fachkenntnissen und Soft-Skills im Umgang mit rung, Energieversorgung, Verkabelung, Sicherheits- Eigentümern und Kunden von hoch kritischer Infra- technik, Gebäudeüberwachung, Brandschutz etc. aber struktur und 3. Grundverständnis für die IT. auch organisatorische Aspekte, Managementsysteme, Service Levels, Messtechniken, Kennzahlensysteme und Der Objektleiter ist Ansprechpartner vor Ort und Ko- Dokumentationen sind essentiell für den sicheren und ordinator im technischen Betrieb (Abb. 17). Er über- effizienten Betrieb von Rechenzentren. Darüber hinaus nimmt die Verantwortung für den Betrieb der techni- muss eine Vielzahl von Gesetzen, Verordnungen schen Anlagen des Rechenzentrums (Abb. 19). Neben und Normen angewendet und eingehalten werden dem Objektleiter werden auch die Fachkräfte im Facili- (Abb. 20). Drei grundlegende Eigenschaften sollten ein ty Management für Rechenzentren besonders und Facility-Service-Unternehmen und das Personal für umfassend auf die komplexen Zusammenhänge vor- Rechenzentren mitbringen: bereitet. Norm Anwendungsbereich DIN EN 54 Teile 2 und 4 Brandmeldeanlagen und -zentralen DIN EN 13306 Instandhaltung DIN EN 15221 Facility Management EN 50600 Europäische Norm für Rechenzentren, u.a. für Management und Betrieb GEFMA-ipv® Integrale Prozessverantwortung im FM sowie optimale Verzahnung des Kerngeschäfts mit den FM-Prozessen GEFMA 190 Betreiberverantwortung im Facility Management GEFMA 192 Risikomanagement ISO 14001 Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem ISO 50001 Aufbau eines systematischen Energiemanagements ISO 9001 Grundsätze des Qualitätsmanagements OHSAS 18001 Zertifiziertes Arbeitsschutzmanagement VDE 0833 Planen, Errichten, Erweitern, Ändern und Betrieb von Gefahrenmeldeanlagen für Brand, Einbruch und Überfall VDI 6010-3 Schwarzschaltung respektive Black-Building-Test zur Überprüfung der sicherheitstechnischen Einrichtungen VDI 6022 Raumlufttechnik VDI 6093 Inbetriebnahmemanagement zur Reduzierung von Mängeln der technischen Gebäudeausrüstung (TGA) bei der Übergabe VDMA 24186 Wartung von technischen Anlagen und Ausrüstungen in Gebäuden VdS Risikomanagement und Schadenverhütung Abbildung 20: Beispiel für Normen und Richtlinien im Facility Management für Rechenzentren; Zusammenstellung Lünendonk & Hossenfelder GmbH 26
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