Facts & Figures Der Schweizer Handel im Überblick - Facts & Figures

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HANDELSchweiz                             Facts & Figures

                Facts & Figures
                Der Schweizer Handel im Überblick

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Facts & Figures                                                                                              HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                           Facts & Figures

                                                                                                                                             Vorwort

                                                                                                                                             Die Schweiz ist eine ausgesprochene Händlernation und schaut auf eine lange Tradition zurück.
                                                                                                                                             Bedingt durch die zentrale Lage inmitten Europas, die Alpenpässe, die Rohstoffarmut und hervor-
                                                                                                                                             gerufen durch die Notwendigkeit, sich als kleines Land stets Allianzpartner zu suchen, wurde der
                                                                                                                                             Handel und die damit verbundene Öffnung der Grenzen zu einer Überlebensfrage.

                                                                                                                                             680‘000 Menschen gibt der Handel ein Auskommen und eine abwechslungsreiche, anspruchsvolle
                                                                                                                                             Arbeit. 15% aller Arbeitsplätze sind im Handel, weit mehr als in allen anderen Berufen. Mit einem
                                                                                                                                             kleinen Teil dieser Arbeitsplätze kommen wir täglich in Berührung, wir alle nutzen die Dienstleis-
                                                                                                                                             tungen des Detailhandels. Die 350‘000 Arbeitsplätze im Grosshandel sind weitgehend unsichtbar.

                                                                                                                                             Lagerhaltung, Logistik, Anarbeitung, Finanzierung, Sortimentsgestaltung, Just-in-time Belieferung,
                                                                                                                                             Kennzeichnung – dies sind nur ein paar Kernaufgaben des Grosshandels, welche mithelfen, die
                                                                                                                                             Volkswirtschaft am Laufen zu halten.

                                                                                                                                             Die zentrale Bedeutung des Handels kann man nicht genug betonen. Es ist ein Anliegen von Handel
                                                                                                                                             Schweiz, die Facetten des Handels sichtbar zu machen, die Bedeutung aufzuzeigen und dem Handel
                                                                                                                                             ein Gesicht zu geben. Handel zu betreiben ist ein sehr komplexer Vorgang. Viele Unwägbarkeiten, sich
                                                                                                                                             ändernde Rahmenbedingungen, Schnelligkeit und globales Agieren zeichnen den Handel aus. Ein
                                                                                                                                             weiteres Wesensmerkmal des Handels ist die grosse Bereitschaft Risiko zu übernehmen, sei dies
                                                                                                                                             beim Erschliessen neuer Märkte oder der Lagerhaltung.

                                                                                                                                             Wir haben uns entschlossen, die Studie von 2012 völlig neu zu überarbeiten. Die Welt hat sich ver-
                                                                                                                                             ändert, dem tragen wir Rechnung und dies schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Zu Beginn stellen
                                                                                                                                             wir kurz die globalen Dimensionen des Handels dar, die beide Branchen Spielwaren und Stahlhandel
                                                                                                                                             haben wir vertieft dargestellt.

                                                                                                                                             Möge auch die zweite Ausgabe spannend und erhellend sein und Denkanstösse vermitteln.
                                                                                                                                             Viel Vergnügen bei der Lektüre.

                                                                                                                                             Kaspar Engeli
                                                                                                                                             Direktor Handel Schweiz

                                                                                                                                             (Stand Oktober 2015)

Titelbild: Beschriftung eines ISO-Containers
ISO-Container sind genormte Grossraumbehälter aus Stahl, die ein einfaches und schnelles Verladen,
Befördern, Lagern und Entladen von Gütern für die Seefracht ermöglichen. Sie verfügen über genormte
Systeme zur Halterung und Stapelbarkeit auf Containerschiffen. Die am weitesten verbreiteten ISO-Container
haben eine Breite von 8 Fuss und sind entweder 20 Fuss oder 40 Fuss lang. Als Beladungs-Masseinheiten
verwendete man die sogenannte «Twenty-foot Equivalent Unit» (TEU). Die derzeit grössten Containerschiffe
können ca. 20’000 TEU transportieren. 2010 machte Containerfracht 56% bzw. 2.4 Millionen Tonnen der
weltweiten Trockenfracht aus. In 2013 betrug die weltweit gelieferte Menge 1.7 Millionen TEU, die mit rund
6’000 Schiffen befördert wurden. Im Schnitt befinden sich ca. 6 Millionen Container auf hoher See. Pro Tag
kommen dadurch ungefähr 17 Millionen gelieferte Container zusammen.

02                                                                                                                                                                                                                                                03
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Handel Schweiz                                                                                                                             Inhalt

Handeln fördern und vereinfachen                                                                                                           • Vorwort                                                                                             03
Handel Schweiz ist der gesamtschweizerische Dachverband des Handels, dem 33 Branchenverbände
                                                                                                                                           • Handel Schweiz                                                                                      04
mit insgesamt 3‘700 Unternehmen angehören. Er versteht sich als modernes Dienstleistungszentrum
mit einem qualifizierten Team sowie einer modernen Infrastruktur. Zum Nutzen der Mitglieder erbringt                                       • BAKBASEL                                                                                            04
Handel Schweiz eine Vielzahl an profitablen, betriebswirtschaftlichen und juristischen Dienstleistungen.
                                                                                                                                           • Inhalt                                                                                              05
Handel Schweiz fördert und vereinfacht den Handel als führende Organisation des Handels und als
kompetenter Partner gegenüber Behörden und Medien in der Schweiz.                                                                          • Handel bewegt die Welt: Die weltweiten Handelsströme                                                06
                                                                                                                                           • Gute Schweizer Rahmenbedingungen für den Handel                                                     09
Wir erreichen dieses Ziel, indem wir
                                                                                                                                           • Die Leistungen des Handels: Ein Überblick                                                           10
· wirtschaftliche und politische Allianzen zur Durchsetzung der Interessen unserer Mitglieder bilden;                                      • Branchenspektrum der Schweiz:
· uns für eine liberale Grundordnung des Schweizer Handels und eine Stärkung der Selbstverantwor-
                                                                                                                                             Der Handel ist die wichtigste privatwirtschaftliche Branche der Schweiz                              11
  tung der Unternehmer einsetzen;
· für gleich lange Spiesse im gegenseitigen Zugang zu Auslandsmärkten sorgen;                                                              • Entwicklung der Beschäftigung: Leichter Stellenabbau durch Strukturveränderungen                    12
· unsere Mitglieder im Kampf gegen Handelshemmnisse unterstützen;
                                                                                                                                           • Grosshandel gewinnt an Bedeutung: Struktur der Handelsbranchen                                      13
· für die Mitglieder durch ein breites Angebot von Dienstleistungen Mehrwerte schaffen;
· attraktive Sozialwerke führen und                                                                                                        • Wertschöpfungsanteile im Handel: Deutliche Verschiebungen bemerkbar                                 14
· uns in der Aus- und Weiterbildung engagieren.                                                                                            • Wachstum der realen Bruttowertschöpfung: Der Handel ist ein Wachstumsmotor der Schweiz              15
Handel Schweiz ist überzeugt davon, dass jegliche Form von Protektionismus letztlich schädlich ist. Die                                    • Alternative Messung der Arbeitsleistung                                                             16
Aufrechterhaltung bzw. Herbeiführung des störungsfreien internationalen Handels ist eine Kernaufgabe.                                      • Beschäftigungsanteile im Handel                                                                     17
Handel Schweiz betreibt eine aktive Interessenvertretung und unterhält Kontakte zu Bundesstellen,
Behörden, Parteien sowie nationalen und internationalen Organisationen. Im Falle von Problemen                                             • Allgemeines Branchenwachstum seit der Jahrtausendwende:
erhalten Mitglieder Unterstützung.                                                                                                           Wachstum der Beschäftigung                                                                          18
                                                                                                                                           • Anteile der Löhne: Handel hat Lohnexzesse anderer Branchen nicht mitgemacht                         19
                                                                                                                                           • Quellen des Wachstums: Produktivitätswachstum im Handel                                             20
                                                                                                                                           • Ausblick für die Handelsbranchen 2015-2025: Handel bleibt Wachstumsmotor                            21
BAKBASEL
                                                                                                                                           • Abgrenzung der Handelssegmente                                                                      22
                                                                                                                                           • Beschäftigung in den Handelssegmenten: Fast die Hälfte arbeitet im Detailhandel                     23
Seit 35 Jahren umfassende Analyse des Schweizer Handels
BAKBASEL ist ein unabhängiges Forschungsinstitut, das volkswirtschaftliche Analysen und Prognosen                                          • Arbeitsstätten der Handelssegmente vor allem in der dezentralen Verteilung durch den Detailhandel   24
erstellt und Beratungsdienstleistungen auf empirischer und quantitativer Ebene anbietet. In 35 Jahren                                      • Umsätze in den Handelssegmenten                                                                     25
hat sich BAKBASEL unter anderem darauf spezialisiert, anhand unterschiedlicher Methoden Branchen
zu analysieren. Der Detailhandel gehörte dabei von Beginn an zu den Fokusbranchen. Schon früh                                              • Aufwandsstruktur der Handelsbranchen                                                                26
wurde ein auf modernen ökonometrischen Methoden basierendes Prognosemodell für den Schwei-                                                 • Finanzen im Handel: Viel gebundenes Kapital im Handel                                               27
zer Detailhandel aufgebaut.
Neben dem Konjunkturprognose-Service umfasst die Analyse mittlerweile auch regionale Marktpo-                                              • Branchenportrait: Stahlhandel                                                                       28
tenziale sowie umfassende Strukturanalysen des Schweizer Detailhandels sowie der internationalen                                           • Branchenportrait: Spielzeughandel                                                                   31
Entwicklungen der Branche.
                                                                                                                                           • Quellen                                                                                             34
                                                                                                                                           • Impressum                                                                                           35

04                                                                                                                                                                                                                                                05
Facts & Figures                                                                                                         HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                                              Facts & Figures

Handel bewegt die Welt: Die weltweiten Handelsströme

                                                                                                                                                                                                           501
                                                                                                                                                                                                           1012
                                                                                                                                                                                                                                                  GUS Staaten
                           20 000                                                                                                                                                                                                                     566
                                                                                                                                                                                                                                      253                             139
                           18 000
                                                                                                                                                                                                                                      407                             128
                           16 000                                                                                                                       Nordamerika                                         Europa
Welthandel, in Mrd. US $

                                                                                                                                                        3'082                                                 6'669
                           14 000
                                                                                                                                                                                         368                                                         667
                           12 000
                                                                                                                                                                                         506         121                                             355
                           10 000
                                                                                                                                                                                                     129                                 220
                            8 000                                                                                                                                                                                            222         143
                            6 000                                                                                                                                                              78                            216                                      Asien/Pazifik
                                                                                                                                                                                                                                            Mittlerer Osten
                                                                                                                                                                                                                                                                          5'423
                                                                                                                                                                                               110                                          760
                            4 000
                                                                                                                                                                                                                 Afrika                             703
                            2 000                                                                                                                                                                                   618
                                                                                                                                                                 40                                                                         160     270
                               0                                                                                                                                 54                                                                         188
                                    1948   1954   1960   1966   1972   1978   1984   1990   1996   2002   2008   2014                                                           Süd-/Zentralamerika
                                                                                                                                                                                782
                                                                                                                                                         216                                                                178
                                                                                                                                                         178                                                                191
Weltweite Exporte in Mrd. US $
(Quelle: WTO, BAKBASEL)
                                                                                                                                                               Legende:        Warenhandels-               7‘000          Welthandelsvolumen              Handel innerhalb Region
                                                                                                                                                                               volumen                                    in Mrd. Dollar
                                                                                                                                                                               in Mrd. Dollar              3‘000          17’900                          Handel ausserhalb Region
                                                                                                                                                                                                           500                                            Warenströme (in Mrd. $)
Erläuterungen
Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich der globale Handel erheblich intensiviert. Der Abbau von Handels-
schranken hat dazu massgeblich beigetragen. Nutzniesser waren grundsätzlich alle Länder, sowohl im                                                             (Quelle: WTO, BAKBASEL)
«Norden» wie auch im «Süden». Zwar nahmen im Zuge der globalen Finanzkrise seit 2008 vielerorts
egoistische protektionistische Massnahmen zu. Das globale Bekenntnis zu einer vermehrten Integra-
tion im Handel blieb aber intakt. Allerdings geht das allgemeine Bekenntnis zu Freihandel nicht mit
Fortschritten bei der weiteren Handelsliberalisierung einher. Die 2001 begonnene Doha-Verhand-                                                                 Die Schweizerische Aussenwirtschaft beruht auf drei Säulen: Mitgliedschaft in der WTO, bilaterale
lungsrunde im Rahmen der World Trade Organisation (WTO) stockt. Alle Beteiligten der WTO sind                                                                  Abkommen mit der EU und Freihandelsabkommen mit Staaten ausserhalb der EU.
gefordert, durch mutige Schritte den gordischen Knoten zu zerschlagen und die Doha-Runde zum
Wohle aller erfolgreich abzuschliessen. Der Durchbruch für den freien Handel von IT Produkten, der                                                             Die WTO sichert dank globalen Standarts Zugang zu Märkten und sie vereinfacht den weltweiten
im Sommer 2015 erzielt wurde, kann hier nur ein kleiner Beitrag auf dem Weg einer weiteren                                                                     Handel. Für die Schweiz als Binnenland ist so sichergestellt, dass sie einfach und gleichberechtigt
Integration sein.                                                                                                                                              weltweit importieren und exportieren kann.

Die Bedeutung des globalen Handels wird bei einer Betrachtung der Handelsströme klar:                                                                          Die mittlerweile fast 130 Abkommen, welche sich hinter den «Bilateralen» verstecken, sind Ausfluss
                                                                                                                                                               des EWR-Neins vom 6. Dezember 1992. Zehn Jahre lang dümpelte die Wirtschaft vor sich hin, über-
Im Jahr 2013 wurden auf der gesamten Welt Güter im Wert von 17.9 Billionen US Dollar gehandelt,                                                                holt von allen Nachbarländern, wir waren das Schlusslicht in der OECD, bis die Bilateralen I ab 2002
wovon 9.4 Bill. US Dollar innerhalb der jeweiligen geographischen Räume getauscht wurden und die                                                               uns gewaltigen Schub verliehen. Heute sind sie nicht mehr wegzudenken und bilden den Lebensnerv
restlichen 8.5 US Bill. Dollar einen Abnehmer ausserhalb der exportierenden Region fanden. Europa                                                              für unseren Wohlstand und die Stabilität.
ist der am stärksten am Welthandel beteiligte Wirtschaftsraum. Etwa 37 Prozent der wertmässigen
Güterumschläge fanden den Weg über die europäischen Länder, wovon der grösste Teil (68%)                                                                       Als sich immer mehr abzeichnete, dass es innerhalb der WTO nicht gelingen würde, weitere substan-
innerhalb der Region gehandelt wurde. Der zweitgrösste Handelspartner weltweit stellt die asiatisch-                                                           tielle Schritte zu machen, gewann die Idee von Freihandelsabkommen zwischen einzelnen Staaten
pazifische Region dar (30%), gefolgt von Nordamerika (17%). Betrachtet man die einzelnen Handels-                                                              oder Staatengruppen mehr und mehr Gewicht. Rasch war es möglich, mit wichtigen Handelspartnern
ströme unter den Regionen fällt auf, dass der Handel zwischen den erwähnten drei Regionen                                                                      gezielte Handelserleichterungen zu vereinbaren. Damit wurde der Grundgedanke der WTO - globale
(Europa, Asien/Pazifik, Nordamerika) circa 46 Prozent des interregionalen Welthandels ausmacht.                                                                Handelserleichterungen für alle – mehr und mehr geschwächt.
Rund 10 Prozent der europäischen Exporte finden einen Abnehmer im asiatischen Raum. Ungefähr
8 Prozent werden nach Nordamerika verschifft. 18 Prozent der asiatischen Exporte haben nordameri-                                                              Die Schweiz verfügt über ein Netz von mittlerweile 38 Freihandelsabkommen mit so wichtigen Staaten
kanische Regionen zum Ziel und in die entgegengesetzte Richtung finden über 20 Prozent der nord-                                                               wie Kanada, Japan oder China. Zudem befindet sich die Schweiz in Verhandlungen mit vielen weiteren
amerikanischen Exporte einen Abnehmer im asiatisch-pazifischen Raum.                                                                                           Staaten im asiatischen Raum.

06                                                                                                                                                                                                                                                                              07
Facts & Figures                                                                                                    HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                                                                                                     Facts & Figures

                                                                                                                                                   Gute Schweizer Rahmenbedingungen für den Handel

Der wichtigste Handelspartner für die Schweiz stellte 2014 die Eurozone dar, insbesondere Deutsch-
land mit einem Anteil von 23 Prozent am Gesamthandelsvolumen (Importe und Exporte) zwischen                                                        2.5                                                                                                        450

beiden Ländern. Die weiteren Anrainerstaaten Italien (8%), Frankreich (8%) und Österreich (4%) wie-                                                2.0                                                                                                        400

sen deutlich tiefere Quoten auf. Rund 42 Prozent des Schweizer Warenhandels fand mit einem Partner                                                  1.5                                                                                                       350

ausserhalb Europas statt. Im Jahr 2014 importierte die Schweiz Waren im Wert von 179 Mrd. CHF.                                                      1.0                                                                                                       300

Aufgrund der wertmässig höheren Anzahl Exporte (208 Mrd. CHF) erwirtschaftete die Schweiz einen                                                    0.5                                                                                                        250

Handelsbilanzüberschuss.                                                                                                                           0.0                                                                                                        200
                                                                                                                                                   -0.5                                                                                                       150
                                                                                                                                                   -1.0                                                                                                             2005   06       07    08     09       10    11     12     13        2014
                                                                                                                                                          2005 -2010                 2011               2012                 2013                2014
                                                                                                                                                                                                                                                              Legende:          Exporte        Importe
Kontinent                     Mio. CHF                      +/-%               Anteil 2010 (%)   Anteil 2014 (%)
                                                                                                                                                   Legende:            Schweiz                USA             EU                                                                Verfügbares Einkommen der Haushalte

Europa                         120‘776                         2.7                       62.0              58.0
                                                                                                                                                   Wachstum der realen Bruttowertschöpfung, in % p.a.                                                         Verfügbares Haushaltseinkommen und Aussenhandel, in Mrd. CHF
Asien                           45‘262                        3.0                        20.4               21.7                                   (Quelle: OEF, BAKBASEL)                                                                                    (Quelle: EZV, BAKBASEL)

Nordamerika                     29‘172                       10.0                         11.5              14.0

Lateinamerika                    6‘564                        -2.2                         2.9               3.2                                   4.5                                                                                                        1.8
                                                                                                                                                                                                                                                              1.6                                                                  120
                                                                                                                                                    4
                                                                                                                                                                                                                                                              1.4                                                                  100
Afrika                           3‘687                         3.5                         1.8               1.8                                   3.5                                                                                                        1.2                                                                  80
                                                                                                                                                     3                                                                                                        1.0
Ozeanien                         2‘525                        -2.3                         1.3               1.2                                   2.5                                                                                                        0.8                                                                  60
                                                                                                                                                                                                                                                              0.6                                                                  40
                                                                                                                                                     2                                                                                                        0.4
Total                         208‘357                         3.6                                                                                                                                                                                                                                                                  20
                                                                                                                                                   1.5                                                                                                        0.2
                                                                                                                                                     1                                                                                                        0.0                                                                  0
Veränderung der Exportanteile der Schweiz mit den verschiedenen Weltregionen                                                                                                                                                                                        2007   08      09     10    11       12    13     14    2015
                                                                                                                                                   0.5
(Quelle: EZV)
                                                                                                                                                     0                                                                                                        Legende:          Wechselkurs CHF/EUR (linke Achse)
                                                                                                                                                          I II III IV I II III IV I II III IV I II III IV I II III IV I II III IV I II III IV I II III IV I
                                                                                                                                                                                                                                                                                Wechselkurs CHF/USD (linke Achse)
                                                                                                                                                          2007        2008        2009        2010        2011        2012       2013        2014        15                     ölpreis, $ (rechte Achse)

                                                                                                                                                   Arbeitslosenquote, quartalsweise                                                                           Durchschnittlicher Quartalswechselkurs in CHF
Der Europäische Markt hat für den Schweizer Aussenhandel deutlich an Gewicht verloren. Die Märkte                                                  (Quelle: OEF, BAKBASEL)                                                                                    (Quelle: OEF, SNB, BAKBASEL)
in Asien (einschliesslich dem Mittleren Osten) sind deutlich wichtiger geworden. Dies liegt zum Teil
an der deutlich stärkeren wirtschaftlichen Entwicklung, ein Phänomen, das auch zu einem stärkeren
Aussenhandel mit Nordamerika führt. Zum Teil liegt das aber auch an erfolgreichen Freihandelsab-
kommen, die vor allem in der arabischen respektive asiatischen Welt ausgehandelt wurden.
                                                                                                                                                   Erläuterungen
Dadurch konnte die starke Abhängigkeit zu Europa gerade in den Jahren nach der Finanzkrise verrin-
                                                                                                                                                   Die Schweizer Wirtschaft ist vergleichsweise gut durch die Krisenjahre gekommen. Mit einem Wachs-
gert werden.
                                                                                                                                                   tum des Bruttoinlandsprodukts von 1.9 und 2.0 Prozent in den Jahren 2013 und 2014 konnte man sich
                                                                                                                                                   deutlich gegenüber der schwächelnden EU abheben. Der wirtschaftliche Aufschwung der USA stimu-
Tendenziell hat die Schweiz auf der Exportseite eine Stärke im Maschinenbau, bei Uhren und Schmuck,
                                                                                                                                                   lierte gleichzeitig die Schweizer Wirtschaft, gehen doch immerhin rund 12 Prozent aller Schweizer
der Präzisionsgüterindustrie sowie in der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Diese vier Branchen
                                                                                                                                                   Exporte in die USA. Auch die zwar schwächere, aber immer noch kräftig expandierende Wirtschaft
allein sind für beinahe 75 Prozent der Ausfuhren verantwortlich. Importseitig machten 2014 Konsum-
                                                                                                                                                   Asiens stimulierte das Schweizer Wirtschaftswachstum zusätzlich. Hinzu kam eine starke Binnenwirt-
güter den Hauptanteil aus (46.4%). Die andere Hälfte der Einfuhren waren Investitionsgüter (23.7%)
                                                                                                                                                   schaft, die durch einen stabilen Konsum und einer sehr robusten Bauwirtschaft, nicht zuletzt dank
und Rohstoffe respektive Halbfabrikate (23.2%). Energieträger machten mit 6.7 Prozent einen unter-
                                                                                                                                                   einer kräftigen Zuwanderung, die Schweizer Wirtschaft stützte.
geordneten Anteil aus. Dies ist vor allem durch eine stetige Verringerung des Weltmarktpreises für
fossile Brennstoffe zu erklären. Aufgrund der gesunkenen Weltmarktpreise hat sich dieser Anteil in
                                                                                                                                                   Mit der Aufhebung der Mindestkursuntergrenze des Schweizer Frankens zum Euro im Januar 2015
den letzten Jahren erheblich verkleinert.
                                                                                                                                                   haben sich die Rahmenbedingungen eingetrübt. Entlassungen oder das Einführen von Kurzarbeit bei
                                                                                                                                                   Firmen mit hohen Absatzanteilen im Euroraum sowie bei den Zulieferer dieser Firmen führen zu Un-
                                                                                                                                                   sicherheiten in Bezug auf die Arbeitsplatzsicherheit und das zukünftige verfügbare Einkommen. Nach
                                                                                                                                                   einem leichten Rückgang der Arbeitslosenquote im 2014 stieg diese im ersten Halbjahr des laufenden
                                                                                                                                                   Jahres wieder an. Insbesondere im Detailhandel führt der teure Franken zu vermehrtem Einkaufstou-
                                                                                                                                                   rismus im grenznahen Ausland und erhöhtem Preisdruck im Inland. Aufgrund der tiefen Zinsen und
                                                                                                                                                   des daher billigen Kapitals ist eine höhere Nachfrage in der Schweiz vor allem für höherpreisige
                                                                                                                                                   Fahrzeuge zu erwarten. Negativ auf die Umsätze dürften sich hingegen der zunehmende Preisdruck
                                                                                                                                                   und weitergegebene Währungsvorteile auswirken. Auch für die Bauwirtschaft und deren Zulieferer
                                                                                                                                                   haben sich die Aussichten eingetrübt. Der Zenit der Sonderkonjunktur im Bau scheint überschritten.
                                                                                                                                                   Zudem erfährt die Branche einen Dämpfer durch die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative und
                                                                                                                                                   dem faktischen Baustopp in Berggebieten. Auch die schwächere Zuwanderung führt eher zu einer
                                                                                                                                                   Abschwächung der Bautätigkeit.

08                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       09
Facts & Figures                                                                                                       HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                                                                              Facts & Figures

Die Leistungen des Handels: Ein Überblick                                                                                                              Branchenspektrum der Schweiz: Der Handel ist
                                                                                                                                                       die wichtigste privatwirtschaftliche Branche der Schweiz

                                                         59'248

                                                                                                                                                      Nominale Arbeitsproduktivität 2014
                                                                                                                                                                                           500
                                                                                                                                                                                           450        03

                                                                                                                                                          (1000 CHF/Beschäftigte)
                                                                                                                                                                                           400
                                                                                                                                                                                           350

                                                                                        294'321
                          267'336

                                                                   25'743
                                                                                                                                                                                           300
              201'306

                                                                                                                                                                                                                              10

                                                                                                            157'964
                                                                                                                                                                                           250

                                                                                                   96'295
     76'381

                                                                               91'135
                                                                                                                                                                                           200                  13 09                                14
                                                6'961

                                                                                                                                                                                                                                         04                   06
                                                                                                                                                                                           150                    02     07
                                                                                                                                                                                                                                   11
                                                                                                                                                                                                                                                                                                 12
                                                                                                                                                                                           100                                      05
                                                                                                                                                                                                                        08
                                                                                                                                                                                            50             01
                                                                                                                                                                                             0
                                                                                                                                                                                                 0%                      5%                     10%              15%                      20%                 25%
Automobil- Gross-       Detail-              Automobil- Gross-    Detail-   Automobil- Gross-     Detail- Gesamt-
 handel handel          handel                handel handel       handel     handel handel        handel wirtschaft                                                                                                                           Beschäftigungsanteil 2014

                                                                                                                                                        Legende:                                           03. Chemie/Pharma            06. Handel             09. IT, Kommunication      12. öffentlicher Sektor
  Zahl der Beschäftigten              Nominale Bruttowertschöpfung           Nominale Arbeitsproduktivität
                                                                                                                                                        01. Primärer Sektor                                04. Investitionsgüter        07. Verkehr/Lagerei    10. Finanzsektor           13. Sonstige Industrie
   2014 (Personen, FTE)                      2014 (Mio. CHF)                2014 (CHF / Beschäftigter in FTE)
                                                                                                                                                        02. Konsumgüter                                    05. Baugewerbe               08. Gastgewerbe        11. Unternehmensbtez. DL   14. Sonstige DL

Beschäftigung in FTE (Vollzeitäquivalente)                                                                                                             Beschäftigung in FTE (Vollzeitäquivalente); nominale Arbeitsproduktivität in CHF/FTE;
(Quelle: BFS, BAKBASEL)                                                                                                                                Branchenschnitt der Produktivität: 157‘964 CHF pro Beschäftigter
                                                                                                                                                       (Quelle: BFS, BAKBASEL)

Erläuterungen                                                                                                                                          Erläuterungen
Die volkswirtschaftliche Leistung des Schweizer Handels betrug im Jahr 2014 gemessen an der                                                            Die Handelsbranchen wiesen im Jahr 2014 ungefähr 545‘000 Arbeitsstellen (in Vollzeitäquivalenten)
nominalen Bruttowertschöpfung rund 92 Mrd. CHF. Innerhalb des Handels fällt der grösste Teil der                                                       aus, was einem Anteil von knapp 14 Prozent an allen Arbeitsplätzen der Gesamtwirtschaft entspricht.
Wertschöpfung im Grosshandel an (59 Mrd. CHF). Durch den Quotient aus Bruttowertschöpfung                                                              Der Handel vereint damit in etwa so viele Arbeitsstellen wie die Investitionsgüterindustrie und der
und Zahl der Beschäftigten ergibt sich die nominale Arbeitsproduktivität im jeweiligen Sektor. Im                                                      Finanzsektor zusammen. Nur der öffentliche Sektor bietet mit einem Anteil von 22 Prozent noch
Vergleich zur durchschnittlichen Produktivität aller Schweizer Branchen konnte nur der Grosshandel,                                                    mehreren Beschäftigten eine Arbeitsstelle. Noch einmal höher wäre der Anteil, wenn die Teilzeit-
welcher 37 Prozent der Beschäftigung im Sektor Handel ausmacht, deutlich höhere Werte ausweisen.                                                       struktur der Beschäftigung berücksichtigt würde, da im Handel überdurchschnittlich viele Teilzeitstel-
Sowohl der Detail- als auch der Automobilhandel kamen deutlich hinter der durchschnittlichen                                                           len angeboten werden. Der Handel ist damit der bedeutendste privatwirtschaftliche Arbeitgeber in
Schweizerischen Arbeitsproduktivität zu liegen.                                                                                                        der Schweiz. Heute finden ca. 680‘000 Menschen eine Anstellung in einem Unternehmen, dass dem
                                                                                                                                                       Handel zuzuordnen ist.

                                                                                                                                                       Mit einer nominalen Wertschöpfung von 168‘700 Schweizer Franken pro Arbeitsstelle und Jahr liegt
      Hintergrund                                                                                                                                      der Handel knapp über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von etwa 158‘000 Franken, jedoch
      Diese Studie übernimmt die Brancheabgrenzung der NOGA 2008 für die Abgrenzung des Handels                                                        deutlich über dem Niveau anderer Binnenmarktbranchen, wie der Landwirtschaft, dem Gastgewerbe
      (Kapitel G). Darin zusammengefasst sind die Branchen Handel mit Motorfahrzeugen und deren                                                        oder dem Baugewerbe. Dabei wird das überdurchschnittliche Ergebnis der Handelsbranchen insbe-
      Instandhaltung (NOGA Abteilung 45), der Grosshandel (NOGA Abteilung 46) sowie der Detailhandel                                                   sondere vom Grosshandel getragen.
      (NOGA Abteilung 47). Die Unterscheidung zwischen Abteilung 46 (Grosshandel) und Abteilung
      47 (Detailhandel) erfolgt nach dem vorherrschenden Kundentyp. Für weitere Informationen über
      die Zusammensetzung der Subbranchen des Handels wird auf das Dokument «Allgemeine
      Systematik der Wirtschaftszweige» des Schweizer Bundesamtes für Statistik verwiesen.

      Die Bruttowertschöpfung misst den «Mehrwert», der im Produktionsprozess erwirtscha-
      tet wird. Dieser ergibt sich als Differenz von Produktionswert und den zur Leistungserstellung
      verwendeten Vorleistungen. Im Handel entspricht die Bruttowertschöpfung der Bruttomarge
      (Umsatz abzüglich des Wareneinkaufs und den bezogenen Vorleistungen wie bspw. Trans-
      portleistungen). Anders ausgedrückt bemisst die Bruttowertschöpfung jenen Betrag, der den
      Unternehmen für die Entlohnung der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital zur Verfügung
      steht. Die nominale Arbeitsproduktivität dient zur Bestimmung der Effizienz des Produktions-
      faktors Arbeit in Schweizer Franken. Dabei werden die hergestellten Güter oder Dienstleistun-
      gen ins Verhältnis mit dem benötigten Produktionsfaktor Arbeit gesetzt. Die resultierende
      Arbeitsproduktivität wird oft auch als Messgrösse zur Entlohnung der Arbeitskräfte herbeige-
      zogen. Die Kennzahl errechnet sich aus dem Quotienten zwischen der Bruttowertschöpfung
      einer Branche in Schweizer Franken und der Anzahl Beschäftigten in Vollzeitäquivalenten.

10                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  11
Facts & Figures                                                                                                HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                           Facts & Figures

Entwicklung der Beschäftigung: Leichter Stellenabbau                                                                                           Grosshandel gewinnt an Bedeutung: Struktur der
durch Strukturveränderungen                                                                                                                    Handelsbranchen

                                                                                                                                                                            Beschäftigte (FTE)                  Nominale Bruttowertschöpfung
                       0 1 03 12                            Legende:
                  13                                                                                                                           100%                              Autohandel                             Autohandel
             09                                20
                                                 14
       02

                                        20                  01. Primärer Sektor     08. Gastgewerbe                                             80%
                                           0
     08

                                          7

                                                                                                                                                                                 Grosshandel                            Grosshandel
                                   20                       02. Konsumgüter         09. IT, Kommunication
                                                                                                                                                60%
                                    00
 07

                                                       06   03. Chemie/Pharma       10. Finanzsektor
                                    15%
                                               14%          04. Investitionsgüter   11. Unternehmensbez. DL
 10

                                                      14%                                                                                       40%
                                                            05. Baugewerbe          12. 	öffentlicher Sektor
                                                                                                                                                                                 Detailhandel                           Detailhandel
                                                            06. Handel                                                                          20%
      11

                                                                                    13. Sonstige Industrie

             05                                             07. Verkehr/Lagerei     14. Sonstige DL
                                               14
                                                                                                                                                  0%
                           04                                                                                                                            1980 1984 1988 1992 1996 2000 2004 2008 2012   1980 1984 1988 1992 1996 2000 2004 2008 2012

Beschäftigung in FTE (Vollzeitäquivalente).                                                                                                    Beschäftigung in FTE (Vollzeitäquivalente).
(Quelle: BFS, BAKBASEL)                                                                                                                        (Quelle: BFS, BAKBASEL)

Erläuterungen                                                                                                                                  Erläuterungen
Im Verlaufe der Jahre kann ein deutlicher Aufbau an Beschäftigten im öffentlichen Sektor, also in der                                          Bei der Betrachtung der Entwicklung der Beschäftigung und der Wertschöpfung der Unterbranchen
Verwaltung, Erziehung und Unterricht sowie im Gesundheits- und Sozialwesen, festgestellt werden.                                               des Handels über die Zeit weist nur der Autohandel relative Konstanz auf. Dominierte während den
Demgegenüber sahen sich die Handelsbranchen mit einem leichten Stellenabbau im selben Zeit-                                                    80er Jahren der Detailhandel mit einem durchschnittlichen Anteil von 54 Prozent (ca. 275‘000 FTE) der
raum konfrontiert. Lag die Anzahl der vollzeitäquivalenten Beschäftigung im Jahr 1990 noch bei rund                                            Beschäftigung im Gesamthandel, fand im Laufe der 90er Jahre ein Strukturwandel hin zu grösseren
534‘000, fand bis zum Jahrtausendwechsel ein Abbau von circa 4‘200 Stellen statt. In den Folgejahren                                           Verkaufsstätten sowie vermehrte Produktionsgewinne durch die Informationstechnologien (z.B. elek-
konnte der Handel nicht mit der Beschäftigungsentwicklung in der Gesamtwirtschaft mithalten und                                                tronische Kassensysteme, Internet) statt, was zu einem signifikanten Beschäftigungsrückgang führte.
verlor leicht an Anteilen. Nichts desto trotz bleibt der Gesamthandel der grösste Arbeitgeber des pri-
vaten Sektors.                                                                                                                                 Auf Seiten des Grosshandels führten das zunehmende Angebot von Dienstleistungen und die immer
                                                                                                                                               aufwendigere Logistik, beispielsweise aufgrund der just-in-time Anforderungen von Kundenseiten, zu
Verantwortlich für die rückläufigen Beschäftigungszahlen zeigte sich eine Verlagerung der Wohnbe-                                              einem vermehrten Personalbedarf. So erledigt der Grosshandel heute häufig auch die Vorfabrikation
völkerung von den ländlichen in die städtischen Gebiete, welche sowohl eine Verlagerung der Konsum-                                            für die Abnehmer und integriert ganze Produktionsbereiche.
nachfrage als auch der Angebotsstruktur im Detailhandel mit sich zog. Mittelgrosse Verkaufsstellen
ersetzten mehrere kleine Geschäfte, was zu Skaleneffekten und folglich zu rückläufigen Beschäfti-                                              Aufgrund seiner Produktivitätsgewinne konnte der Detailhandel auch den Anteil der nominalen Brut-
gungszahlen führte. Ebenso brachte die Einführung von Informations- und Telekommunikationstech-                                                towertschöpfung an der Wertschöpfung des Gesamthandels bis zu Beginn des neuen Jahrtausends
niken (Bspw. Lagerbewirtschaftung, Scannerkassen,…) erhebliche Produktivitätsgewinne. Im Gross-                                                aufrechterhalten (durchschnittlicher Anteil: 38%). In den Folgejahren konnte insbesondere der Gross-
handel fand in der gleichen Zeit eine deutliche Zunahme der Beschäftigung in Vollzeitäquivalenten                                              handel seine Anteile an der nominalen Bruttowertschöpfung des inländischen Gesamthandels steigern.
statt. Des Weiteren fand im Autohandel ein Ausdünnen des Vertriebsnetzes statt, welches Einfluss
auf die rückläufigen Beschäftigungszahlen hat.                                                                                                 Der Strukturwandel im Schweizer Handel ist auch dadurch gekennzeichnet, dass die Grenzen zwischen
                                                                                                                                               Gross- und Detailhandel in zahlreichen Segmenten immer undurchsichtiger werden. So engagieren
                                                                                                                                               sich heute auch die Grossverteiler im Konsumgüterbereich des Grosshandels und der Grosshandel
                                                                                                                                               erfüllt durch zunehmende Kleinmengenlieferung teilweise die Funktionen des Fachhandels.

12                                                                                                                                                                                                                                                  13
Facts & Figures                                                                                                HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                                                  Facts & Figures

Wertschöpfungsanteile im Handel: Deutliche                                                                                                     Wachstum der realen Bruttowertschöpfung: Der Handel ist
Verschiebungen bemerkbar                                                                                                                       ein Wachstumsmotor der Schweiz

                                                                                                                                               6%

                                                                                                                                                                                                                                          4.1%
12%

                                                                                                                                                                                                                            5.6%
                                                                                                                                                                    3.7%
                                                                                                                                               4%

                                                                                                                                                                                                                                                                     2.3%
10%

                                                                                                                                                                                  2.1%

                                                                                                                                                                                                                                                              2.2%

                                                                                                                                                                                                                                                                            2.1%
                                                                                                                                                                                                                                   1.9%
                                                                                                                                                                                                                          1.8%
                                                                                                                                                             1.8%

                                                                                                                                                                                                   1.3%

                                                                                                                                                                                                                                                       0.7%
                                                                                                                                               2%

                                                                                                                                                                                                                  0.2%
                                                                                                                                                                           0.3%
 8%
               Grosshandel
 6%                                                                                                                                            0%
               Detailhandel

                                                                                                                                                                                                          -0.5%
 4%                                                                                                                                            -2%

                                                                                                                                                                                         -3.4%
 2%                                                                                                                                            -4%
                                                                                                                                                              1980 - 1990                        1990 - 2000               2000 - 2007                  2007 - 2014
               Autohandel
 0%
        1980                            1990                            2000                            2010                                   Legende:             Automobilhandel                Grosshandel           Detailhandel            Gesamthandel

Anteile der nominalen Wertschöpfung der jeweiligen Handelsbranche an der Wertschöpfung der Gesamtwirtschaft                                    Durchschnittliches reales Wachstum in % p.a.
(Quelle: BAKBASEL)                                                                                                                             (Quelle: BAKBASEL)

Erläuterungen                                                                                                                                  Erläuterungen
14.7 Prozent betrug der Anteil der nominalen Wertschöpfung des Gesamthandels an der Schweizer                                                  Seit Beginn der 80er Jahre wird die Dynamik der realen Wertschöpfung im Schweizer Handel vom
Wirtschaft im Jahr 2014. Rund ein Siebtel der gesamten volkswirtschaftlichen Leistung – dem Brutto-                                            Grosshandel bestimmt (durch die reale Betrachtung bleiben Preiseffekte unberücksichtigt). Dies führte
inlandsprodukt – wurde somit im Handel erwirtschaftet. Folglich nimmt der Handel neben seiner                                                  in Verbindung mit hohen Produktivitätsgewinnen zu deutlich überdurchschnittlichen Wachstumsraten
gesellschaftlich wichtigen Distributions- und Versorgungsfunktion ebenso eine bedeutende Rolle in                                              der Bruttowertschöpfung im Vergleich zur Gesamtwirtschaft (2000-2007: +2.1%; 2007–2014:+1.4%).
der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ein.                                                                                                    Trotz vermehrtem Einkaufstourismus und dem Preisdruck aus dem Ausland im Zuge des Eintreten der
                                                                                                                                               Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahre 2007 sowie der darauf folgenden Eurokrise weist der Detail-
Als tragende Stütze zeigt sich dabei über die Jahre der Grosshandel, welcher über neun Prozent ans                                             handel überdurchschnittliche Wachstumsraten seit 2007 auf und zeigt seine stabilisierende Wirkung
Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Dank überdurchschnittlichen Wachstumsraten der Wertschöpfung                                                    für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Ein Grossteil dieser Entwicklung in den letzten Jahren ist
konnte der Grosshandel seine Anteile gegenüber der Gesamtwirtschaft im Verlaufe der Jahre erhöhen,                                             der zusätzlichen Nachfrage aufgrund einer über mehrere Jahre kräftigen Zuwanderung geschuldet.
während die beiden anderen Handelsbranchen nur unterdurchschnittlich zulegten und somit an                                                     Diese zusätzlichen Konsumenten in der Schweiz stützten den Detailhandel, sowie über ihre Nachfrage
Anteilen einbüssen mussten.                                                                                                                    nach Wohnraum auch den baubezogenen Grosshandel.

Die Grenzen zwischen den Handelsarten verwischen. Sei es, dass die grossen Detaillisten Grosshändler                                           In den 90er Jahren führten allerdings die Rezession in der ersten Dekadenhälfte sowie der zunehmen-
akquirieren oder gar Automobile verkaufen, oder dass Grosshändler sich in der Feinverteilung wie                                               de Erfolg der Schweizer Exportbranchen ab dem Jahr 1995 zu unterdurchschnittlichen Wachstumsraten
z.B. im Fachhandel engagieren: heute ist nichts mehr undenkbar.                                                                                gegenüber der Gesamtwirtschaft (1990 – 2000: +1.0%).

14                                                                                                                                                                                                                                                                                 15
Facts & Figures                                                                                            HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                                              Facts & Figures

Alternative Messung der Arbeitsleistung                                                                                                    Beschäftigungsanteile im Handel

                                                                                                                                           10.0%

                                                                                                                                           8.0%
                                                    Alle Arbeitnehmenden sowie Selbständigerwer-
                                                    bende, die eine Tätigkeit im Rahmen des Pro-                                                          Detailhandel
              Erwerbstätige 2014                    duktionsprozesses ausüben werden erfasst –                                             6.0%
                                                    auch bei Abwesenheit vom Arbeitsplatz (Krank-
          Gesamtwirtschaft: 5‘008‘000
                                                    heit, Ferien, Mutterschaft, Militärdienst,…). Das
                                                    Mass erfasst nur die Hauptbeschäftigung einer                                          4.0%           Grosshandel
          Schweizer Handel: 669‘000
                                                    Person und keine Nebenbeschäftigungen.
                                                                                                                                           2.0%
                                                                                                                                                          Autohandel

                                                                                                                                           0.0%
                                                                                                                                                   1980                           1990                         2000                            2010

                                                                                                                                           Anteile der Beschäftigung der jeweiligen Handelsbranche an der Beschäftigung der Gesamtwirtschaft
Beschäftigte bezeichnen besetzte Stellen                                                                                                   (Quelle: BAKBASEL)
(Haupt- und Nebenbeschäftigung). Personen,
welche mind. 6 Stunden pro Woche in Betrie-                   Beschäftigte 2014
ben arbeiten, in welchen mindestens 20 Stun-
den in der Woche gearbeitet wird, werden                  Gesamtwirtschaft: 5‘056‘000
erfasst.                                                  Schweizer Handel: 678‘400                                                        Erläuterungen
                                                                                                                                           Der ansässige Handel beschäftigte im Jahr 2014 rund 14 Prozent aller Arbeitnehmer in der Schweiz.
                                                                                                                                           Davon trug der Automobilhandel 2 Prozent (76‘000 Arbeitsstellen) bei, im Grosshandel waren rund
                                                                                                                                           5 Prozent (201‘000) der Beschäftigten angesiedelt und der Detailhandel, als wichtigster Arbeitgeber
                                                                                                                                           des privaten Sektors, wies eine Beschäftigungsquote von 7 Prozent (267‘000) auf.

                                                                                                                                           Können die Branchen Gross- und Fahrzeughandel über die Zeit mit der Beschäftigungsentwicklung
                                                                                                                                           der Gesamtwirtschaft standhalten, zeigten sich seit Beginn der 80er Jahre zunehmend abnehmende
                                                                                                                                           Anteile im Detailhandel. Von einstmals 9 Prozent im Jahr 1980 zu nunmehr 7 Prozent Anteilen. Wie
                                                    Dies ist ein Mass für die Erfassung der besetzten                                      bereits thematisiert, sind hierfür insbesondere die deutlichen Produktivitätsgewinne durch neue
             Beschäftigte 2014,                     Stellen nach dem Beschäftigtenprinzip, welches                                         Technologien sowie eine Veränderung der Angebotsstruktur hin zu grossen und mittelgrossen Ver-
        in Vollzeitäquivalenten (FTE)               die Teilzeitbeschäftigung korrigiert. Eine Teilzeit-                                   kaufsstellen verantwortlich.
                                                    stelle erhält somit nicht dasselbe Gewicht bei der
                                                    Erhebung wie eine Vollzeitstelle. Für Branchen-                                        Auch im Grosshandel konnte die Produktivität erheblich gesteigert werden. Zusätzliche Dienstleistun-
          Gesamtwirtschaft: 3‘972‘000
                                                    vergleiche wird dieses Mass bevorzugt. Im Handel                                       gen, vor allem in der Beratung, oder kompliziertere Prozesse aufgrund der Zunahme von just-in-time
          Schweizer Handel: 545‘000
                                                    sind rund 30 Prozent der Beschäftigten                                                 Lieferungen, führen aber gleichzeitig auch zu einem höheren Personalbedarf, welcher die Produktivität
                                                    in einer Teilzeitanstellung.                                                           hemmt.

                                                                                                                                           Aus den Betriebszählungen (BZ) vom BFS, welche bis 2008 erhoben wurden, ergibt sich, dass
                                                                                                                                           7.0 Prozent der Gesamtbeschäftigung des Handels Lernende sind. Insbesondere der Automobilhandel
                                                                                                                                           beschäftigte überdurchschnittlich viele Lernende. Gemessen an der gesamten Beschäftigung der
                                                                                                                                           Branche ergab sich eine Lernendenquote von 14.8 Prozent, gefolgt vom Detailhandel (7.8%) und dem
                                                                                                                                           Grosshandel (2.6%).

     Hintergrund
     Im vorliegenden Facts & Figures zum Schweizer Handel wird neu die Anzahl Beschäftigter
     in Vollzeitäquivalenten (FTE) aus den Datenbanken von BAKBASEL verwendet. Dieses Mass
     ermöglicht die genauesten Vergleiche zwischen den verschiedenen Branchen. Dies erklärt
     jedoch auch die grosse Differenz der genannten Beschäftigten, respektive Erwerbstätigen-
     kennzahlen zwischen der vormaligen und der aufliegenden Ausgabe.

16                                                                                                                                                                                                                                                                 17
Facts & Figures                                                                                                                                   HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                                                  Facts & Figures

Allgemeines Branchenwachstum seit der Jahrtausend-                                                                                                                                Anteile der Löhne: Handel hat Lohnexzesse anderer
wende: Wachstum der Beschäftigung                                                                                                                                                 Branchen nicht mitgemacht

 2.0%                                                                                                                                                                             9%

                                                                                   1.3%
                                                                                                                                                                                  8%
                    1.8%

                                                                                                                             1.1%
 1.5%

                                                                                          1.1%

                                                                                                        0.8%
                                                                                                                                                                                  7%

                                                                                                                                           0.6%
                                  0.6%

 1.0%

                                                                                                                      0.6%
                                                                                                 0.5%
                                                                                                                                                                                  6%

                                                                                                                                    0.3%
                           0.1%

 0.5%                                                                                                                                                                             5%

     0%                                                                                                                                                                           4%
                                                                                                                                                                                  3%
-0.5%
                                                                                                                                                                                  2%
                  -0.5%

                                                -0.7%
                                                        -0.6%

                                                                        -0.8%

-1.0%                                                                                                                                                                             1%
                                                                -0.9%

-1.5%                                                                                                                                                                             0%
                  1980 - 1990                 1990 - 2000                           2000 - 2007                       2007 - 2014                                                             1980                                  1990                               2000                            2010

Legende:           Automobilhandel                Grosshandel                   Detailhandel                   Gesamthandel                                                       Legende:           Automobilhandel                Grosshandel             Detailhandel

Durchschnittliches Wachstum in % p.a.; Beschäftigung in FTE (Vollzeitäquivalente)                                                                                                 Anteile der gesamten nominalen Arbeitnehmereinkommen der jeweiligen Handelsbranche an der Gesamtwirtschaft (Ateil Handel: 12.7%)
(Quelle: BFS, BAKBASEL)                                                                                                                                                           (Quelle: BAKBASEL)

Erläuterungen                                                                                                                                                                     Erläuterungen
In der gesamthaften Betrachtung der Arbeitsplätze im Schweizer Handel kam es seit dem Jahrtau-                                                                                    46.0 Milliarden Schweizer Frankenlöhne wurden 2014 in den drei Handelsbranchen bezahlt. Dies
sendwechsel zu positiven Dynamiken. Trotz deutlicher Zunahme der Beschäftigung im Grosshandel                                                                                     ergibt einen Anteil an der gesamtschweizerischen Lohnsumme von rund 12.7 Prozent. Der Schweizer
und einer zu Beginn der 2000er Jahre ebenfalls wachsenden Arbeitnehmerzahl im Automobilhandel                                                                                     Handel ist somit der grösste Empfänger von Arbeitnehmerentgelten im privaten Bereich. Erneut
verhinderten die relativ schwachen Entwicklungen im Detailhandel ein positiveres Bild.                                                                                            schneidet nur der öffentliche Sektor besser ab (Verwaltung, Bildung, Gesundheit und Soziales; 20%),
                                                                                                                                                                                  welcher jedoch über einen wesentlich grösseren Arbeit-
Mitverantwortlich für die abbremsenden Entwicklungen der letzten Jahre zeichnet sich das Einsetzen                                                                                nehmerpool verfügt.
der Finanz- und Eurokrisen nach 2007. Die folgende Schwächung von Euro und US-$ erschwerte aus-
weitende Beschäftigungszahlen in den währungssensiblen Branchen des Fahrzeug- und Detailhandels.                                                                                  Die Betrachtung der Verläufe über die Zeit in den einzelnen Handelsbranchen zeigt unterschiedliche
Im Gegensatz zur nur geringen Dynamik in der Beschäftigungsentwicklung im Schweizer Handel                                                                                        Entwicklungen. Auf der einen Seite führten tiefe unterdurchschnittliche Zuwachsraten in der Beschäf-
wuchs die vollzeitäquivalente Beschäftigung der Gesamtwirtschaft im Zeitraum zwischen 2007 und                                                                                    tigung im Detailhandel zu immer sinkenden Anteilen an der gesamtwirtschaftlichen Lohnsumme
2014 um durchschnittliche 1.1 Prozent pro Jahr.                                                                                                                                   (5.2 Prozent im Jahr 2014). Anfänglich deutliche Abnahmen, aber nun sich einpendelnde Anteile
                                                                                                                                                                                  wurden im Automobilhandel erfasst (1.9%). Dem gegenüber konnte der Grosshandel mit der
Für die Zukunft ist davon auszugehen, dass dieses Wachstum vor allem durch die Annahme der Massen-                                                                                Gesamtwirtschaft bis Ende der 90er Jahre Schritt halten, verlor seither aber leicht an Anteilen der
einwanderungsinitiative beschränkt wird. Der politische Wille des Volkes zur Wachstumsbegrenzung                                                                                  Arbeitnehmereinkommen – trotz eines überdurchschnittlichen Beschäftigungswachstums (5.6%).
wird zu einer Schwächung der Nachfrage führen, da weniger zusätzliche Konsumenten oder «Häusle-                                                                                   Seit dem Jahr 1999 übertreffen die Anteile diejenigen des Detailhandels.
bauer» in die Schweiz strömen. Zudem sind ausländische Mitarbeiter vor allem in wertschöpfungs-
schwachen Tätigkeiten ein wichtiger Bewerberpool, der durch die Masseneinwanderungsinitiative
beschränkt wird.

Bereits heute ist im Handel in verschiedenen Unterbranchen ein deutlicher Fachkräftemangel zu
verspüren. Zum Teil hat die Ausbildung an gewissen Berufen in der Schweiz mit der zunehmenden
Nachfrage nicht Schritt gehalten (z.B. in MINT-Fächer), zum anderen konkurriert der Handel mit
Branchen die über höhere Löhne verfügen (z.B. Exportbranchen, wie die Pharmaindustrie oder
Binnenbranchen wie dem Baugewerbe).

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Facts & Figures                                                                                                                           HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                                     Facts & Figures

Quellen des Wachstums: Produktivitätswachstum im Handel                                                                                                                   Ausblick für die Handelsbranchen 2015-2025: Handel
                                                                                                                                                                          bleibt Wachstumsmotor

                                                                                                                                                                                                                         2.7%
             Automobilhandel                                   Grosshandel                              Detailhandel                                                       3.0%

                                                                                                                                                                                                                                                                  2.2%
6%                                                                                                                                                                         2.5%

                                                                                                                                                                                                                                                                                 1.8%
                                                                                                                                                                           2.0%

                                                                                                                                                                                                                                                   1.3%
4%
                                                                                                                                                                           1.5%

                                                                                                                                                                                                                                                                          0.5%
                                                                                                                                                                                                   0.4%
2%                                                                                                                                                                         1.0%

                                                                                                                                                                                           -0.8%

                                                                                                                                                                                                                 -0.3%

                                                                                                                                                                                                                                                          -0.4%
                                                                                                                                                                                                                                           -0.3%
                                                                                                                                                                           0.5%
0%
                                                                                                                                                                            0%

-2%                                                                                                                                                                       -0.5%

                                                                                                                                                                          -1.0%
-4%                                                                                                                                                                                    Automobilhandel           Grosshandel               Detailhandel   Gesamthandel   Gesamtwirtschaft
         80 - 90   90 - 00   00 - 07   07 - 14       80 - 90    90 - 00   00 - 07   07 - 14       80 - 90   90 - 00   00 - 07   07 - 14

                                                                                                                                                                          Legende:           Durchschnitt Jahreswachstum der Beschäftigung (in FTE) 2015 - '25
Legende:            Wertschöpfung                Beschäftigung (FTE)                Arbeitsproduktivität                                                                                     Durchschnitt Jahreswachstum der realen Bruttowertschöpfung 2015 - '25

Durchschnittliches Wachstum in % p.a.; Beschäftigung in FTE (Vollzeitäquivalente)                                                                                         Wachstum in % p.a.; Beschäftigung in FTE (Vollzeitäquivalente)
(Quelle: BFS, BAKBASEL)                                                                                                                                                   (Quelle: BFS, BAKBASEL)

Erläuterungen                                                                                                                                                             Erläuterungen
Die Aufteilung des Wertschöpfungswachstums in die Bestandteile Beschäftigung und Produktivität                                                                            Ein Blick in die Zukunft offenbart, dass die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Schweizer Handel
zeigt die verschiedenen Quellen der Dynamik der Schweizer Handelsbranchen auf. Auffallend präsen-                                                                         durchaus erfolgreich sein dürften. Mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate der Wertschöpfung
tieren sich die hohen Produktivitätssteigerungen im Detailhandel seit Beginn des Jahrtausends. Trotz                                                                      von 2.2 Prozent wird erwartet, dass eine schnellere Expansion stattfinden wird als dies im gesamt-
abnehmender Beschäftigungsentwicklung erlaubten die Produktivitätsgewinne eine positive Entwick-                                                                          wirtschaftlichen Mittel stattfindet. Träger dieser Dynamik dürfte insbesondere der Grosshandel sein,
lung der Bruttowertschöpfung. Ein wichtiger Punkt waren die automatische Warenbewirtschaftung,                                                                            mit durchschnittlichen Jahreswachstumsraten von 2.7 Prozent. Im Grosshandel wird aufgrund zusätzli-
die durch den Einzug elektronischer Kassensysteme möglich waren. Auch heute bleibt der Detailhandel                                                                       cher Automatisierungsschritten und der weiteren Digitalisierung von Prozessschritten eine deutlich
ein dynamisches Umfeld: Selbstscanner-Kassen und personifizierte Rabattaktionen sind nur zwei                                                                             höhere Dynamik als im restlichen Handel erwartet. Zusätzliche Beschleunigung wird der Grosshandel
Puzzlesteine, die hier genannt werden sollen.                                                                                                                             erfahren, sobald es zu weiteren Integration innerhalb der WTO kommt oder die Schweiz zusätzliche
                                                                                                                                                                          Freihandelsabkommen schliessen kann.
Im Grosshandel, dem Shootingstar der Handelsbranchen, kann eine deutliche Zunahme der Arbeits-
produktivität festgestellt werden. Gleichzeitig kam es aber parallel dazu zu einem starken Jobwachstum                                                                    Unter anderem aufgrund von weiteren Automatisierungsschritten und dem technologischen Fort-
seit Beginn der 2000er Jahren. Der Grosshandel hat Innovationspotenzial. Ausgehend von der Digita-                                                                        schritt dürfte jedoch die Anzahl an Beschäftigten in allen Handelsbranchen rückläufig sein. Sowohl
lisierung der Supply-Chain aufgrund der Entwicklung hin zur Industrie 4.0, aber auch vom Einzug neu-                                                                      im Gross- als auch im Detailhandel werden dabei immer noch Effizienzpotenziale ausfindig gemacht,
er digitaler Vertriebswege, sind Wachstumsschübe zu erwarten.                                                                                                             welche sich in einer Steigerung der Arbeitsproduktivität niederschlagen.

Im Handel mit Automobilen führten die Ausdünnung des Betriebsnetzes und ein harter Konkurrenz-
kampf zu verhaltener Dynamik in der Beschäftigungsentwicklung.

      Hintergrund
      Das Wachstum der realen Bruttowertschöpfung lässt sich rechnerisch in die Beiträge der
      beiden Komponenten «Arbeitsproduktivität» und «Arbeitseinsatz» zerlegen. Eine Erhöhung
      der Wertschöpfung kann also entweder durch eine Erhöhung des Faktoreinsatzes Arbeit
      oder durch eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität erreicht werden.

20                                                                                                                                                                                                                                                                                          21
Facts & Figures                                                                                      HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                                 Facts & Figures

Abgrenzung der Handelssegmente                                                                                                       Beschäftigung in den Handelssegmenten: Fast die Hälfte
                                                                                                                                     arbeitet im Detailhandel

Die sieben Handelsunterbranchen in den folgenden drei Betrachtungen werden aufgrund ihrer unter-
schiedlichen Dienstleistungen wie folgt zusammengesetzt:
                                                                                                                                     10'118 1.9%                                                                  Legende:
                                                                                                                                                                        6       7
Landwirtschaftliche Produkte, Nahrungs- und Genussmittel                                                                             27'023 5%
                                                                                                                                                                  5
Diese Unternehmen handeln mit Saatgut, Futtermitteln, Blumen, Fleischwaren, Tieren, Häuten, Obst,                                    34'903 6.5%
                                                                                                                                                                                                                  1.   Detailhandel
Gemüse, Backwaren, Milcherzeugnissen, Eiern, Speiseölen und –Fetten, Tabak sowie Wein, Kaffee,                                                                4                                                   2.   Maschinen, Apparate,
Tee, sonstigen Getränken, Kakao, Zucker und Gewürzen.                                                                                45'430 8.5%                                                                       Transportmittel
                                                                                                                                                                           Beschäftigung
                                                                                                                                                                           Gesamthandel
                                                                                                                                                                                              1   241'273 45%     3.   Rohstoffe, Baumaterialien,
                                                                                                                                                                                                                       Energieträger
                                                                                                                                     62'010 11.6%         3                    535'658
Konsumgüter                                                                                                                                                                Anteil CH: 13.9%
                                                                                                                                                                                                                  4.   Konsumgüter
In dieser Kategorie werden Händler zusammengefasst, welche sich mit dem Austausch von Textilien                                                                                                                   5.   Landwirtschaftliche
und Bekleidung, Schuhen, Körperpflegemitteln, Möbeln und weiteren Einrichtungsgegenständen,                                                                                                                            Produkte, Nahrungs-
Spielwaren und Sportartikeln, persönlichen Accessoires wie Schmuck sowie dem Verlegen von Bü-                                                                                                                          und Genussmittel
                                                                                                                                                                       2
chern, Zeitungen und Zeitschriften befassen.                                                                                                                                                                      6.   ICT
                                                                                                                                                                                                  114'901 21.5%   7.   Sonstiges

Rohstoffe, Baumaterialien, Energieträger
Handelsunternehmen, welche mit Holz, Erzen und Metallen und Metallwaren, Glas, Elektrizität, Mine-
                                                                                                                                     Beschäftigung; in FTE (Vollzeitäquivalente) Stand 2012
ralölen und Gas, Altmaterialien sowie mit chemischen und pharmazeutischen Produkten handeln.                                         (Quelle: BFS (STATENT), BAKBASEL)

Detailhandel
Diese Kategorie umfasst Detailhandelsmärkte in allen Kategorien, wie Apotheken, Warenhäusern,
Supermärkten und der Detailhandel mit diversen Endprodukten.                                                                         Erläuterungen
                                                                                                                                     Im Jahr 2012 waren rund 535‘700 Personen in den Schweizer Handelsbranchen beschäftigt. Dies
                                                                                                                                     entspricht rund 14 Prozent aller in der Schweiz beschäftigten Personen. 45 Prozent aller im Handel
ICT                                                                                                                                  Beschäftigten arbeiteten im Bereich «Detailhandel» und dienten somit direkt der Versorgung der
                                                                                                                                     Bevölkerung. Rund ein Fünftel arbeitete im Handel mit Maschinen und Transportmittel. 62’000
Elektrische Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Fotogeräte und weitere optische Erzeugnisse
                                                                                                                                     Arbeitnehmer waren zuständig für den Vertrieb und Handel von Baumaterialien, Energieträgern sowie
sowie Datenverarbeitungs- und Telekommunikationsgeräte werden von den Unternehmen in dieser
                                                                                                                                     chemischen und pharmazeutischen Produkten. Die Unterbranchen «Konsumgüter», «Landwirtschaft-
Kategorie gehandelt.
                                                                                                                                     liche Produkte, Nahrungs- und Genussmittel», «ICT» sowie die Kategorie «Sonstiges» machten zusam-
                                                                                                                                     mengenommen knapp 20 Prozent aller Beschäftigten aus.
Maschinen, Apparate, Transportmittel
In vorliegender Kategorie werden Waren wie Automobile, Motorräder, Maschinen jeglicher Anwen-
dungsart, medizinische Apparate und Uhren sowie sämtliche zugehörigen Teile vermittelt und
gehandelt.                                                                                                                               Hintergrund
                                                                                                                                         In den folgenden Betrachtungen werden Daten der Statistik der Unternehmensstruktur
                                                                                                                                         (STATENT) vom Bundesamt für Statistik verwendet. Die letzte definitive Detailauswertung
Sonstiges                                                                                                                                liegt für 2012 vor. Diese erlaubt eine weitaus detaillierte Betrachtung der einzelnen Handels-
                                                                                                                                         branchen auf NOGA 6-Stellerebene für die Beschäftigten und die Anzahl Arbeitsstätten. Die
In die Kategorie «Sonstiges» fallen alle nicht anders zuteilbaren Unternehmen.
                                                                                                                                         Mehrwertsteuerstatistik ergänzt dabei mit gleichem Detailgrad die beiden Betrachtungen um
                                                                                                                                         die Analyse der steuerbaren Umsätze.
                                                                                                                                         Die einzelnen Unterbranchen wurden dabei nach Themengebieten in 7 Handelssegmente
                                                                                                                                         gegliedert.

22                                                                                                                                                                                                                                             23
Facts & Figures                                                                                               HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                              Facts & Figures

Arbeitsstätten der Handelssegmente vor allem in der                                                                                           Umsätze in den Handelssegmenten
dezentralen Verteilung durch den Detailhandel

2'591 2.6%                                                                                                                                    4'307 1.2%
                                                                            Legende:                                                                                                                                    Legende:
3'435 3.5%                            6    7                                                                                                  18'300 5.5%                         6   7
                                  5
                                                                                                                                                                           5
4'417 4.5%                                                                  1.   Detailhandel                                                 22'377 6.5%                                                               1.   Detailhandel
                              4
5'966 6.0%                                                                  2.   Maschinen, Apparate,                                                                                               1                   2.   Rohstoffe, Baumaterialien,
                                                                                                                                              33'213 9.6%            4
                      3                                                          Transportmittel                                                                                                                             Energieträger
6'653 6.7%                            Arbeitsstätten                                                                                                                           Steuerbarer Umsatz
                                      Gesamthandel           53'562 54.2%   3.   Konsumgüter                                                                                      Gesamthandel          114'715 33.2%   3.   Maschinen, Apparate,
                                          98'905                            4.   Rohstoffe, Baumaterialien,                                                                     345'307 Mio. CHF
                                                                                                                                                                                                                             Transportmittel
                                      Anteil CH: 15.3%   1                                                                                                                      Anteil CH: 40.7%
                                                                                 Energieträger                                                                                                                          4.   Landwirtschaftliche
                                                                            5.   Landwirtschaftliche                                                                                                                         Produkte, Nahrungs-
                                                                                                                                                                     3
                          2                                                      Produkte, Nahrungs-                                                                                                                         und Genussmittel
                                                                                 und Genussmittel                                                                                                                       5.   ICT
                                                                                                                                              68'515 19.8%                                    2
                                                                            6.   Sonstiges                                                                                                                              6.   Konsumgüter
22'281 22.5%                                                                7.   ICT                                                          83'280 24.1%                                                              7.   Sonstiges

Stand 2012                                                                                                                                    Steuerbarer Umsatz in Mio. CHF; Stand 2012
(Quelle: BFS (STATENT), BAKBASEL)                                                                                                             (Quelle: ESTV (Mehrwertsteuerstatistik), BAKBASEL)

Erläuterungen                                                                                                                                 Erläuterungen
Im Jahr 2012 betrieben die hiesigen Handelsfirmen 98‘905 Arbeitsstätten in der Schweiz. Folglich                                              Der Schweizer Handel setzte im Jahr 2012 Waren und Dienstleistungen im Wert von 345 Milliarden
ist beinahe jede siebte Arbeitsstelle in der Schweiz den Handelsbranchen angegliedert (15.3%). Wie                                            Schweizer Franken um, was einem Anteil an den gesamtschweizerischen steuerbaren Umsätzen von
bereits die Betrachtung der Beschäftigung aufzeigte, stellt dabei der Handel in Retail- und Fachmärkten                                       40.7 Prozent entspricht. Verglichen zur Betrachtung der Arbeitsstätten und der Beschäftigung sind die
sowie Warenhäusern (Detailhandel) den bedeutendsten Teil aller Arbeitsstätten. Aufgrund der                                                   steuerbaren Umsätze in Schweizer Franken jedoch deutlich anders verteilt. Trotz grosser Mehrheit an
spezifischen Aufgabe als Intermediär zwischen den produzierenden Branchen und der Bevölkerung                                                 Beschäftigten und Arbeitsstätten generierten die Betriebe im Detailhandel nur etwa einen Drittel der
als Verbraucher und folglich einem grossflächigen Vertriebsnetz erstaunt diese Erkenntnis nicht weiter.                                       Umsätze des Gesamthandels (1.14 Mrd. CHF).
22.5 Prozent der Handelsstätten waren dem Vertrieb und Handel von Maschinen und Transportmitteln
angedacht. Hierbei dominieren die Verkaufsstätten von Automobilen.                                                                            Rund 25 Prozent der steuerbaren Umsätze wurden durch den Handel von Rohstoffen, Baumateria-
                                                                                                                                              len und Energieträgern erwirtschaftet. Zu den drei gewichtigen Unterbranchen gehörte ebenfalls der
Der Grosshandel ist im Gegensatz zu den anderen Handelsbereichen vor allem auf die grossflächige                                              Handel mit Maschinen, Apparaten und Transportmitteln. Im Jahr 2012 setzten die dazugehörenden
Versorgung der Schweiz ausgerichtet. In der Regel kann die gesamte Schweiz durch wenige, aber                                                 Unternehmen 68.5 Milliarden Schweizer Franken um.
dafür grössere Betriebsstätten versorgt werden. Zwar gibt es noch immer viele regional tätige Gross-
händler, doch auch diese bedienen Regionen oder Landesteilen. In der Regel umfassen deren
Marktgebiete noch immer mehrere Kantone. Die restlichen Handelssegmente fallen deutlich kleiner
aus, mit rund einem Viertel aller Arbeitsstätten.

24                                                                                                                                                                                                                                                   25
Facts & Figures                                                                                                       HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                                           Facts & Figures

Aufwandsstruktur der Handelsbranchen                                                                                                                  Finanzen im Handel: Viel gebundenes Kapital im Handel

100%                                                                                                                                                  140%
 90%
                                                                                                                                                      120%
 80%
 70%                                                                                                                                                  100%
 60%                                                                                                                                                   80%
 50%
 40%                                                                                                                                                   60%

 30%                                                                                                                                                   40%
 20%
                                                                                                                                                       20%
 10%
     0%                                                                                                                                                 0%
             Automobilhandel          Grosshandel           Detailhandel          Gesamthandel     Gesamtwirtschaft                                                Automobilhandel          Grosshandel           Detailhandel          Gesamthandel       Gesamtwirtschaft

Legende:          Waren- und Materialaufwand                     Personal- und Sozialaufwand                                                          Legende:         Eigenkapitalrendite            Eigenkapitalquote            Liquiditätsquote
                  Abschreibungen auf Sachanlagen                                                                                                                       Selbstfinanzierungsgrad

In Prozent des gesamten Aufwandes, 2012. Branchendurchschnitt auf Basis einer Stichprobe des BFS                                                      In Prozent des gesamten Aufwandes, 2012. Branchendurchschnitt auf Basis der der Stichprobe des BFS
(Quelle: BFS, BAKBASEL)                                                                                                                               (Quelle: BFS, BAKBASEL)

Erläuterungen                                                                                                                                         Erläuterungen
Gegenüber dem Durchschnitt der Schweizer Wirtschaft spielt der Waren- und Materialaufwand eine                                                        Insbesondere der Automobilhandel weist im Schnitt eine schlechte Bonität sowie auch Rentabilität
deutlich grössere Rolle, ist der Warenumschlag doch das Kerngeschäft des Handels. 90 Prozent der                                                      auf. Der Gross- und Detailhandel weisen tiefere Liquiditätsquoten auf, haben also relativ viel Kapital
Aufwendungen fallen für Waren- oder Materialpositionen an (Gesamtwirtschaft: 78%). Ein Grossteil                                                      gebunden. Sie zeichnen sich jedoch auch nur durch durchschnittliche Relationen des Eigenkapitals zu
der Kosten entsteht dabei durch die Lagerhaltung des Handels. Dies widerspiegelt die Intermediär-                                                     Gewinn und Gesamtkapital aus.
tätigkeit des Handels.
                                                                                                                                                      Unternehmen im Gross- sowie im Detailhandel können mit überdurchschnittlichen Selbstfinanzie-
In den vergleichsweise kapitalintensiven Unterbranchen des Automobil- sowie des Grosshandels                                                          rungsgraden aufwarten, wohingegen der Autohandel lediglich einen Reserve- und Gewinnanteil von
fallen tiefere Anteile an Lohn- und Sozialaufwänden an. Dies spiegelt auch das eher niedrige Lohn-                                                    63 Prozent aufweisen kann. Der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt liegt bei einem Selbstfinanzie-
niveau im Handel wieder. Im Detailhandel fallen hingegen deutlich höhere Personal- und Sozialkosten                                                   rungsgrad von 86 Prozent.
an, da er eine hohe Anzahl an Beschäftigten im Vergleich zur wirtschaftlichen Leistung aufweist.

Dafür sind die Waren- und Materialaufwendungen geringer. Der erhöhte Bedarf an Verkaufsgebäuden
aufgrund der wichtigen Versorgungsfunktion des Detailhandels bestimmt des Weiteren die überdurch-                                                         Hintergrund
schnittlichen Abschreibungen auf Sachanlagen                                                                                                              Die Eigenkapitalquote misst den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital, die Eigenkapital-
                                                                                                                                                          rendite den erwirtschafteten Gewinn in Relation zum verwendeten Eigenkapital und die
                                                                                                                                                          Liquiditätsquote das Potenzial, kurzfristige Schulden zu begleichen. Eigenkapital- und Liquiditäts-
                                                                                                                                                          quote geben letztlich Aufschluss über die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens, während die
                                                                                                                                                          Eigenkapitalrendite dessen Rentabilität misst. Der Selbstfinanzierungsgrad widerspiegelt den
                                                                                                                                                          Anteil der Reserven und des Gewinnvortrags am Eigenkapital. Er zeigt damit auf, inwiefern
                                                                                                                                                          die Firma in der Lage ist, ihr Eigenkapital durch Reserven aufzubauen.

26                                                                                                                                                                                                                                                                            27
Facts & Figures                                                                                                                                            HANDELSchweiz   HANDELSchweiz                                                                                                                       Facts & Figures

Branchenportrait: Stahlhandel1

                                                                                                                                                                                           Der Schweizer Stahlhandel hat eine grosse Bedeutung im Wertstoffsystem der Schweiz. Zusammen
                                                                                                                                                                                           mit dem Schrotthandel und der Stahlproduktion in der Schweiz bilden sie einen wichtigen Stoffkreis-
                                                                                300                                                                                                        lauf. Der Schrott, der in der Schweiz anfällt, wird in Gerlafingen im Stahlwerk eingeschmolzen und
                                                                                                                                                                                           für neue Produkte für die Bauindustrie verwendet. Unter dem Stichwort «urban
                                                                                                                                                                                           Mining» versteht man die Ausschöpfung der bereits in unseren Siedlungen gebundenen Rohstoffen.
                                                               10'993
                                                                                250
         20'946

                                       1'689

                                                                                                                                                                                           Durch die Herstellung von Stahl aus Schrott ist es möglich, gewisse Stahlprodukte ohne Qualitätsver-
                                                                                200
                                                                                                                                                                                           luste mit einem Bruchteil der Energie zu erzeugen, als man dies für die Stahlherstellung aus Erze be-
                                                                                                                                                                                           nötigt. Stahl ist somit der perfekte Recyclingstoff.
                                                                                150

                                                                                                                                                                                           Der Stahl- und Metallhandel in der Schweiz ist als Zulieferer der zentralen Rohstoffe das Rückgrat der
                                               727

                                                                                100
                                                                                                                                                                                           Schweizer Industrie und des Baugewerbes. Entsprechend gross ist die Bedeutung, die dem Handel
                                                                        2'539
                  3'939

                                                                                                                                                                                           dieser Materialien in der wirtschaftlichen Landesversorgung zukommt. Zwar hat die durchschnittliche
                                                                                50
                                                                                                                                                                                           jährliche Lagertonnage seit der Finanzkrise und der damit verbundenen Lagerabwertungen abge-
                                                                                                                                            Prognose
                                                                                                                                                                                           nommen, doch lagern Schweizer Stahlhändler im Schnitt noch immer knapp 500‘000 Tonnen Stahl
                                                                                0
     Beschäftigte                   Arbeitsstätten      Umsatz (in Mio. CHF)          1980 82 84 86 88 90 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 2020
                                                                                                                                                                                           und Metalle zur kurzfristigen Marktversorgung.

Legende:              Stahlhandel         Durchschnittliche Handelsbranche      Legende:       Hochbau gesamt        Neubau        Umbau/Renovation                                        Der Anteil Schwarzstahl (niedrig legierter Kohlenstoffstahl, rostendes Material), der in der Schweiz
                                                                                                                                                                                           verbraucht wird, macht dabei den grössten Anteil aus. Vor allem der Stahl zur Betonbewehrung
                                                                                                                                                                                           macht einen grossen Anteil aus: 2014 wurden alleine über 1.1 Mio. Tonnen Bewehrungsstahl ausge-
Steuerbarer Umsatz in Mio. CHF; Stand 2012                                      Reale Hochbauinvestitionen, indexiert 1980=100
                                                                                                                                                                                           liefert. Damit erreichte der Markt für Betonbewehrung einen neuen Rekordstand.
(Quelle: BFS (STATENT), ESTV, BAKBASEL)                                         (Quelle: BFS, BAKBASEL)

                                                                                                                                                                                            7.0%                                                            170
                                                                                                                                                                                            6.0%
                                                                                                                                                                                            5.0%                                                            150
                                                                                                                                                                                            4.0%
Der Schweizer Stahlhandel beschäftigte 2012 rund 12 Beschäftigte pro Arbeitsstätte und damit deutlich                                                                                       3.0%                                                            130
                                                                                                                                                                                            2.0%
mehr als die durchschnittliche Handelsbranche (5 Beschäftigte pro Arbeitsstelle). Der kapitalintensive                                                                                      1.0%                                                            110
Wirtschaftszweig generiert jedoch vergleichsweise unterdurchschnittliche Umsätze pro Arbeitsstelle.                                                                                         0.0%
                                                                                                                                                                                           -1.0%                                                            90
                                                                                                                                                                                           -2.0%
                                                                                                                                                                                                                                                            70
Primärer Lieferant von Stahlerzeugnissen ist Westeuropa (89%). Dieselbe Region fungiert auch als                                                                                           -3.0%
                                                                                                                                                                                           -4.0%
Hauptabsatzmarkt (85%). Die Abnehmer der Produkte des Schweizer Stahlhandels sind das Baugewerbe                                                                                           -5.0%                                                            50
                                                                                                                                                                                                   2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020         1990 92   94   96   98   00   02   04   06   08   10   12 2014
und die Industrie zu ungefähr gleichen Teilen.
                                                                                                                                                                                           Legende:      Gesamtwirtschaft     Investitionsgüterindustrie    Legende:        Bewerungsstahl           Zement
Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass der als Stahlabnehmer relevante Neubausektor in den kommenden
Jahren auf hohem Niveau stagnieren wird. Nach der Zweitwohnungsinitiative und der deutlich schwä-                                                                                          Wachstum der realen Bruttowertschöpfung, zu Preisen des          Marktentwicklung Bewehrungsstahl und Zement,
cher ausfallenden Zuwanderung nach der Masseneinwanderungsinitiative werden auch die Neubauin-                                                                                             Vorjahres, in % p.a. (Quelle: BFS, BAKBASEL)                     indexiert (1990 = 100), (Quelle: SSHV)
vestitionen schwächer ausfallen.

Auch von der Industrie, der zweiten wichtigen Abnehmerbranche des Stahlhandels, kommen in den
nächsten Jahren nur schwache Impulse. Zwar gibt es immer noch gut funktionierende Industriezweige,                                                                                         Im Jahr 2014 erreichte der Bewehrungsstahlmarkt ein neues Rekordniveau. Vor allem überrascht,
in der Summe ist die Industriekonjunktur infolge der Wechselkursfreigabe im Januar 2015 und der                                                                                            wie deutlich sich die Entwicklung vom Zementmarkt abkoppeln konnte. Deutlich kompliziertere und
fortgesetzten Euroschwäche abgekühlt. Für 2016 ist keine Verbesserung zu erwarten. In den Jahren                                                                                           höhere Bauwerke und eine zunehmend filigranere Bauweise machen eine erheblich bessere Beweh-
2017/18 werden Nachholeffekte spürbar. Das Wachstum bleibt aber weiterhin unterdurchschnittlich.                                                                                           rung notwendig. Dennoch dürfte der Markt seinen Zenit 2014 erreicht haben.

1
  Zum Stahlhandel gehören die NOGA-Kategorien 467200 «Grosshandel mit Erzen, Metallen und Metallhalbzeug»,
467400 «Grosshandel mit Metall- und Kunststoffwaren für Bauzwecke sowie Installationsbedarf für Gas, Wasser und
Heizung» und 475201 «Detailhandel mit Eisen- und Metallwaren».

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