Firmenengagement für Menschenrechte im Kakaoanbau - Schweizer Kakaoverarbeiter und Schokoladehersteller im Vergleich
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Firmenporträts Firmenengagement für Menschenrechte im Kakaoanbau Schweizer Kakaoverarbeiter und Schokoladehersteller im Vergleich
Inhalt 02 Einleitung 03 Firmenbewertung 06 Glossar 09 FORTGESCHRITTENE PRONATEC 11 CHOCOLATS HALBA 14 DURCHSCHNITTLICHE CHOCOLAT BERNRAIN 18 CHOCOLAT STELLA 22 MAESTRANI 25 NACHLÄSSIGE CHOCOLAT FREY 29 NESTLÉ 34 LINDT & SPRÜNGLI 39 VILLARS MAÎTRE CHOCOLATIER 44 BARRY CALLEBAUT 48 CONFISERIE SPRÜNGLI 53 KRAFT FOODS (NEU MONDELEZ INTERNATIONAL) 57 VERWEIGERER CAMILLE BLOCH 63 CHOCOLAT ALPROSE 65 CHOCOLATS & CACAOS FAVARGER 66 CONFISEUR LÄDERACH 68 GYSI CHOCOLATIER SUISSE 70 MAX FELCHLIN 72 PFISTER CHOCOLATIER 74 Herausgeberin: Erklärung von Bern (EvB), Dienerstrasse 12, Postfach, 8026 Zürich, Tel. +41 44 277 70 00, info@evb.ch, www.evb.ch. Umsetzung: Andrea Münch, Grafik © Erklärung von Bern, März 2013
Einleitung 03
Menschenrechte im Kakaoanbau
Schokolade wird in der Schweiz mit knapp 12 Kilogramm pro Kopf und Jahr nicht nur
weltweit am ausgiebigsten konsumiert1, sondern ist auch eines der bekanntesten und
beliebtesten Schweizer Exportprodukte. Die Schweiz gibt viel auf ihre «Schoggi», doch Kakao,
deren wichtigster Bestandteil, wird häufig unter Bedingungen produziert, die vom Schweizer
Bekenntnis zu den Menschenrechten und von der humanitären Tradition weit entfernt sind.
Kakao gedeiht unter den klimatischen Bedingungen ei- Vor allem aber begünstigt die auf den Marktstrukturen
niger äquatornaher Länder. Er wird in Westafrika (2011 und der Produktionskette von Schokolade basierende
ca. 72 % der weltweiten Produktion), Südostasien Kakaopreispolitik die Verelendung der Kakaoanbauen-
(2011 ca. 15 %) und Südamerika (2011 ca. 13 %) ange- den. In diesem Kontext entscheidend ist, dass der
pflanzt, wobei etwa 40 % der Kakaobohnen allein aus Handels- und der Verarbeitungsmarkt von wenigen
dem Hauptanbauland Elfenbeinküste stammen.2 We- mächtigen Konzernen dominiert wird. Den vielen
gen ihres hohen Pflegeaufwands und ihrer Krankheits- Kleinbauernfamilien stehen die «Big Five» der Trader
anfälligkeit eignet sich die Pflanze vor allem für den (Cargill, ADM, Barry Callebaut, Olam und Armajaro)
Anbau auf kleinen Flächen. 90 % des weltweit produ- und weitere «Big Five» der Schokoladehersteller (Mon-
zierten Kakaos stammt von Kleinbetrieben, die weniger delez, Nestlé, Mars, Hershey und Ferrero) gegenüber.
als 5 Hektar Land bewirtschaften. Etwa 5,5 Millionen Dieses riesige Machtgefälle und das daraus resultieren-
Kleinbauern und -bäuerinnen und weitere 14 Millio- de Abhängigkeitsgefüge machen Preisverhandlungen
nen ArbeiterInnen bestreiten ihren Lebensunterhalt für die Kleinbauernfamilien nahezu unmöglich. Sie
mit der Produktion von Kakao.3 wären aber ausserordentlich wichtig, denn der reale
Die menschenrechtliche Situation dieser Kleinbau- Kakaopreis ist seit den 1950er-Jahren kontinuierlich
ernfamilien ist besonders in Westafrika erschreckend. gesunken. Heute wird für Kakao nicht einmal mehr
Die meisten Familien leben in absoluter Armut, ohne halb so viel bezahlt wie noch vor dreissig Jahren.5
ausreichende gesundheitliche Versorgung und staat- Gleichzeitig ist der Preis starken Schwankungen aus-
liche Infrastruktur wie Schulen, Krankenhäuser oder gesetzt, und ein Überangebot führt sofort zu sinkenden
Strassen. In der Elfenbeinküste müsste eine Familie Preisen. Mitverantwortlich für die Schwankungen sind
durchschnittlich zehnmal mehr verdienen, um die Ar- auch SpekulantInnen, die am Kakaogeschäft mitver-
mutsgrenze von 2 Dollar pro Tag und Person überhaupt dienen wollen. So sind die Bauern und Bäuerinnen
zu erreichen.4 Vom Gewinn der Schokoladeindustrie abhängig von einem Preis, den sie nicht beeinflussen
entfällt auf die Familien nur ein winziger Bruchteil, können.
der für ein Leben in Würde bei weitem nicht reicht.
Teufelskreis der Verelendung
Extreme Armut unter anderem wegen Machtgefälle Die Verarmung der Kakaoanbauenden resultiert in
in Produktionskette enormen Produktionsschwierigkeiten. Investitionen in
Die Ursachen dieser Armut sind zum Teil auf die die Plantageninfrastruktur (Geräte, Dünger, Pestizi-
strukturellen Probleme in den politisch häufig insta- de u.ä.) und in Weiterbildungen können nicht getätigt
bilen Anbauländern zurückzuführen. Erträge aus dem werden, sodass die Pflanzen überaltern oder krank
Kakaogeschäft fliessen in die Hände korrupter Regie- sind und die Böden kaum mehr Ertrag abwerfen. Die
rungsmitglieder, die sich ihre Macht und ihren Lebens- anstrengende Arbeit auf den Plantagen bringt Gesund-
stil mit hohen Steuern auf den Kakaoexport sichern, heitsrisiken mit sich, die ohne ausreichende finanzi-
statt in dringend nötige Verbesserungen der Infrastruk- elle Mittel nicht reduziert werden und zur Arbeitsun-
tur zu investieren. fähigkeit führen können. Des Weiteren können keine
ArbeiterInnen bezahlt werden, so dass für die arbeits-
1
ChocoSuisse: Facts & Figures, mit Daten der International Confectionery Association (ICA).
2
ICCO (2012): Quarterly Bulletin of Cocoa Statistics, Volume XXXVIII No.1, Cocoa Year 2011/12. Table 4.
3
Hütz-Adams, F. and Fountain, A.C. (2012): Cocoa Barometer 2012, Seite 3.
4
Ibid, Seite 6.
5
Ibid, Seite 19.
© Erklärung von Bern, März 2013 zum InhaltsverzeichnisEinleitung 04
intensive Pflege der Kakaobäume Kinder eingesetzt Sicherung des Kakaoangebots und somit um eine Er-
werden. In der Elfenbeinküste und in Ghana arbeite- tragssteigerung. Die Unternehmen sind deshalb häufig
ten 2009 schätzungsweise 530 000 Kinder unter Kon- nicht bereit, in Initiativen zu investieren, die nicht di-
ditionen, die gegen Konventionen der Internationalen rekt eine solche Steigerung zur Folge haben.
Arbeitsorganisation (ILO) zu Kinderarbeit verstossen.6 Nur wenn die Kakaounternehmen über die Herkunft
Es entsteht ein Teufelskreis: Die von der Verarmung und die Lieferketten ihres Kakaos ganz genau Bescheid
verursachten Produktionsprobleme sorgen dafür, dass wissen, können sie mit ihren Massnahmen zur Verbes-
sich die Familien nicht aus der Armutsfalle befreien serung der Lebenssituation der ProduzentInnen am
können. richtigen Ort ansetzen. Die Rückverfolgbarkeit ist auch
eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Firmen öffent-
Die Armutsfalle führt auch zu Kakao- lich zur Rechenschaft gezogen werden können. Nicht
Versorgungsschwierigkeiten alle Schokoladeunternehmen legen Informationen zur
Doch nicht nur aus menschenrechtlicher, sondern Herkunft ihrer Kakaobohnen offen.
auch aus wirtschaftlicher Sicht ist der Kakaosektor in Der Anteil von zertifiziertem Kakao am Gesamtkakao,
der Krise – bereits 2020 wird ein Kakao-Versorgungs- der von den Schokoladeherstellern verarbeitet wird, ist
engpass von 1 Million Tonnen befürchtet. Denn zu den klein – 2011 betrug er höchstens 11 %.8 Damit können
oben genannten Problemen kommt hinzu, dass der Zertifizierungen noch nicht zu einer flächendecken-
Nachwuchs wegen der tiefen Einkommen im Kakao- den, nachhaltigeren Kakaoproduktion beitragen. Auch
sektor abwandert oder sich anderen Agrarrohstoffen sind die Zertifizierungsprozesse den Anforderungen
zuwendet. So ist eine Verbesserung der Lebenssituati- der Kleinbauernfamilien, die oft weder lesen noch
on der Kleinbauernfamilien unmittelbar im Interesse schreiben können, wenig angepasst. Die Kosten der zur
der Kakaoverarbeiter und Schokoladehersteller, gerade Zertifizierung nötigen Verbesserungen halten die Bäu-
der Schweiz und ihrer Schokoladenexporttradition. erinnen und Bauern zudem davon ab, auf zertifizierten
Kakao umzusteigen.
Bisheriges Engagement der Firmen reicht nicht Die Fokussierung auf die Erhöhung des Kakaoertrags
Wie John Ruggie, UN-Sonderbeauftragter für Menschen- ist für die Kakaoanbauenden ein zweischneidiges
rechte und transnationale Unternehmen betont, tragen Schwert, denn die Strategie birgt die Gefahr eines Über-
Unternehmen eine Verantwortung für die Einhaltung angebots in wenigen Jahren, infolgedessen die Preise
internationaler Standards auch in ihren Zulieferketten, sofort wieder sinken würden. Hinzu kommt, dass der
unabhängig von den Pflichten der involvierten Staa- Kakaopreis derzeit so tief ist, dass die Kakaoanbauen-
ten.7 Aufgrund der Marktmacht der Kakaoverarbeiter den, auch wenn sie sehr viel mehr Kakao ernten könn-
und der Schokoladefirmen ist gerade im Kakaogeschäft ten, kaum langfristig genug für ein menschenwürdiges
ihr Engagement von enormer Bedeutung. Seit 2000 en- Leben verdienten. Deshalb sind ganzheitlichere An-
gagieren sich Firmen freiwillig, meist basierend auf strengungen von Seiten der Firmen nötig.
internen Verhaltenskodizes, die rechtlich unverbind-
liche Standards etablieren. Als Hauptinstrument – vor Engagement der Schweizer Kakaoverarbeiter
allem auch unter KonsumentInnendruck – nutzen die und Schokoladehersteller 2011
Unternehmen Kakaozertifizierungen wie Fairtrade, Bereits 2009 und 2010 hat die EvB eine ähnliche Um-
UTZ Certified und Rainforest Alliance. Zertifizierte frage durchgeführt. Die Befragung von 2012 fiel jedoch
Betriebe werden regelmässig von unabhängigen Kon- detaillierter aus, nahm den UN-Referenzrahmen für
trollinstanzen hinsichtlich der Einhaltung der arbeits- Wirtschaft und Menschenrechte auf und richtete sich
und der menschenrechtlichen Zertifikatsstandards, neu an 19 statt 18 Firmen. Die Zahl der antwortberei-
die sich nach den ILO-Normen richten, überprüft. Zer- ten Unternehmen hat sich 2012 von 10 auf 12 Firmen
tifizierungen bringen somit grosse Chancen mit sich, erhöht, die zum Teil detaillierte zusätzliche Informati-
die aber nicht genügend ausgeschöpft werden. Denn onen lieferten – diese Tendenz zu mehr Transparenz ist
hauptsächlich geht es der Schokoladeindustrie um die erfreulich und zeugt von einem gesteigerten Bewusst-
6
Hütz-Adams, F. (2010): Menschenrechte im Anbau von Kakao. Universität Duisburg Essen:
Institut für Entwicklung und Frieden, Seiten 25 und 31.
7
United Nations (2008): Protect, Respect and Remedy: A Framework for Business and Human Rights.
Advanced Edited Version, Seite 17.
8
International Cocoa Council (2012): Study on the Costs, Advantages and Disadvantages of Cocoa Certification, Seite 2.
© Erklärung von Bern, März 2013 zum InhaltsverzeichnisEinleitung 05 sein der Unternehmen hinsichtlich ihrer Kommuni- ausgerichtet sind. Zwar sind kleine Erfolge sichtbar, kationspflicht. Die Rangliste der Schweizer Schokola- doch missbräuchliche Kinderarbeit wurzelt in der Ver- defirmen wird angeführt vom Kakaohändler Pronatec, armung der Kleinbauernfamilien – deshalb können gefolgt vom Unternehmen Chocolats Halba, das vor punktuelle Initiativen, die nur auf die Abschaffung der allem für Coop produziert. Dass über ein Drittel der Kinderarbeit konzentriert sind, kaum langfristig erfolg- angefragten Firmen, nämlich Camille Bloch, Choco- reich sein. lat Alprose, Chocolats & Cacaos Favarger, Confiseur Lä- Auch die Fortschritte bezüglich gerechterer Preis- derach, Gysi Chocolatier Suisse, Max Felchlin und politik sind erwartungsgemäss noch sehr dürftig. Die Pfister Chocolatier nicht bereit waren, den Fragebogen Berechnung eines existenzsichernden Einkommens für auszufüllen, zeigt deutlich, dass viele Firmen Informa- Kakaobauernfamilien wird lediglich von einer Firma tionen über ihr Engagement in sozialer Verantwortung (Chocolats Halba) erwähnt. Dringend nötige Mindest- der Öffentlichkeit immer noch nicht preisgeben wollen. preise werden nach wie vor nur über den fairen Handel Die vorliegenden Resultate deuten darauf hin, dass bezahlt. Ausser einer Firma (Chocolats Halba) nimmt kleinere Schweizer Kakaoverarbeiter und Schokolade- sich keine die Mühe, die Produktionskosten berech- hersteller tendenziell besser abschneiden als Grosskon- nen zu lassen, um einen kostendeckenden Preis be- zerne. Hinzu kommt: Je tiefer der Gedanke einer fairen zahlen zu können. Die Förderung von diversifizierten und nachhaltigen Kakaoproduktion bei einer Firma Einkommen bleibt ebenfalls nur am Rande erwähnt. verankert ist, desto kohärenter scheint die Strategie, Die Ertrags- und damit die Produktionssteigerung, auf Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen vorzubeu- die die Programme einiger Unternehmen ausgerichtet gen oder zu bekämpfen. Ist die Rückverfolgbarkeit der sind, deckt die Forderung der EvB nach der Garantie Kakaorohstoffe nicht gewährleistet, ist es schwierig, eines produktionsdeckenden, stabilen Mindestpreises gegen Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in nicht ab. In diesem Bereich zeigt sich deshalb der nach der Kakaolieferkette vorzugehen. An der vollständigen wie vor grosse Handlungsbedarf wohl am deutlichsten. Rückverfolgbarkeit scheitern mit Ausnahme von Pro- natec noch praktisch alle Firmen. Bemerkenswert sind EvB-Forderungen die umfangreichen Programme, welche vor allem die Wir fordern von Schweizer Schokoladefirmen Grosskonzerne in den vergangenen Jahren entwickelt – eine transparente Wertschöpfungskette mit haben. Trotz grossen Investitionsvolumen decken die verkürzten Handelswegen und entsprechenden Initiativen und Programme leider erst einen kleinen Kontrollen; Teil der riesigen Kakaomengen ab, die Unternehmen – umfassende finanzielle Investitionen in den wie Nestlé, Barry Callebaut, Lindt oder Mondelez (ehe- Ausbau der Massnahmen zur Reduzierung mals Kraft Foods) mit Jahresumsätzen von über 2 Mil- von Kinderarbeit und zur Verbesserung liarden Franken benötigen. Es ist richtig, dass zurzeit der Arbeits- und Lebensbedingungen auf nicht genügend zertifizierter Kakao produziert wird, den Kakaofarmen; um den Bedarf dieser Grosskonzerne zu decken. Damit – die Garantie eines stabilen Kakaopreises, der den sich dies ändert, sind die Firmen aber selbst gefordert, Bäuerinnen und Bauern ein menschenwürdiges mit finanziellen Investitionen und personellen Res- Leben ermöglicht. sourcen die zertifizierte Produktion und dazugehörige flankierende Massnahmen zu fördern. Nur wenn sich die Schweizer Unternehmen so umfas- Im Vergleich mit den Erhebungen von 2009 und send und intensiv engagieren, können sie langfristig 2010 zeigt sich, dass die bereits damals propagierten einen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der Situa- Grossprojekte noch immer in den Kinderschuhen ste- tion der Kakaoanbauenden leisten und damit dafür sor- cken. Das trifft besonders auf diejenigen Initiativen zu, gen, dass für Schweizer Schokolade keine Menschen- die auf die Reduktion missbräuchlicher Kinderarbeit rechtsverletzungen mehr begangen werden. © Erklärung von Bern, März 2013 zum Inhaltsverzeichnis
Firmenbewertung 06
Bewertung
Datenerhebung wurde die schlechteste Bewertung vergeben. Denn: Kei-
Die Firmenporträts basieren auf einer im Herbst 2012 ne Antwort soll nicht besser bewertet werden als eine
bei 19 Unternehmen der Schweizer Schokolade- und transparente Offenlegung einer Problemsituation.
Kakaobranche durchgeführten Umfrage zu freiwilligen
Initiativen, die die Firmen zur Wahrnehmung ihrer so- Dateninterpretation
zialen Verantwortung ergreifen. Die Unternehmen wur- Die erarbeiteten Porträts geben Auskunft über die je-
den aufgefordert, einen Fragebogen auszufüllen über weilige Firmenpolitik betreffend Engagement und Ein-
das Firmenengagement zur Verbesserung der Arbeits- haltung minimaler Arbeits- und Menschenrechte in der
bedingungen und der Menschenrechtssituation in der Kakaoproduktion. Es geht dabei um die Frage, ob die
Kakaoproduktion im Produktionsjahr 2011 (Stichda- Firmen geeignete Instrumente entwickelt haben, um die
tum: 1.1.2012). Dabei fokussierte die Erhebung folgende Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten sicher-
vier Themenfelder: stellen zu können. Ob und wie die jeweilige Politik von
den Firmen umgesetzt wird, konnte in diesem Rahmen
1. Rückverfolgbarkeit der Kakaorohstoffe innerhalb nicht überprüft werden.
der Lieferkette und Risikoanalyse zu potenziellen Auch bei einem Unternehmen, das in der vorliegenden
und effektiven Menschen- und Arbeitsrechts- Bewertung gut abschneidet, können Arbeits- und Men-
verletzungen in der Lieferkette; schenrechtsverletzungen auftreten. Es verfügt jedoch
2. Strategie und Massnahmen gegen effektive über die geeigneten Mittel, um Verletzungen von Men-
und potenzielle Menschenrechtsverletzungen schen- und Arbeitsrechten aufzuspüren und aktiv Ver-
sowie zur Verbesserung der Situation auf besserungen herbeizuführen.
den Kakaoplantagen;
3. Kontrolle und Standards; Wie sind die Resultate im Detail zu verstehen?
4. Firmentransparenz und öffentliche Kommuni- Kriterien im Überblick
kation. Die Auswertung wurde entlang folgender Fragen
erstellt:
Die Untersuchung stützt sich auf Eigenangaben der Fir-
men sowie auf zusätzliche Recherchen der EvB. Die Themenfeld 1: Lieferkette und Risikoanalyse
Befragung legte den Fokus auf Menschen- und Arbeits- – Rückverfolgbarkeit aller Kakaorohstoffe
rechte sowie auf soziale Nachhaltigkeit. Ökologische in den Schokoladeprodukten
Aspekte wie beispielsweise CO2-Ausstoss oder Umwelt- – Ziele betreffend Rückverfolgbarkeit bis
belastung durch Pestizide wurden nicht miteinbezogen. im Jahr 2015
Unsere Recherchen konzentrierten sich auf die Liefer- – Informationen zu allen Akteuren
kette von Kakao. Die Beschaffungspolitik von anderen in der Lieferkette
in der Schokolade enthaltenen Rohstoffen wurde nicht – Erstellung einer Risikoanalyse, um potenzielle
berücksichtigt. und effektive Menschen- und Arbeitsrechts-
verletzungen in der Lieferkette zu eruieren,
Datenevaluierung sowie einer Risikoabschätzung
Die vier Themenfelder wurden gleich, die einzelnen Fra-
gen innerhalb der Themenfelder jedoch je nach Relevanz Positiv bewertet wurden Firmen, die mindestens
unterschiedlich stark gewichtet. Bei einigen Fragen wur- 90 Prozent ihrer Kakaorohstoffe zurückverfolgen kön-
de zudem zwischen umsatzstarken und kleineren Firmen nen, die Herkunftsländer der Kakaorohstoffe kennen,
differenziert. Es wurden pro Firma rund 60 Teilaspekte konkrete und hohe Zielsetzungen bis 2015 bekannt
erhoben, denen gut 500 Indikatoren zugeordnet wurden. geben, alle Akteure in ihrer Lieferkette kennen, trans-
Evaluiert wurde die Firmenpolitik, -strategie und -me- parent über ihre Lieferkette Auskunft geben und über
thodik in Bezug auf die erfragten Themenfelder, nicht eine Risikoanalyse verfügen, die es ihnen ermöglicht,
aber die Qualität der Umsetzung. Bei der Bewertung der die effektiven und potenziellen Arbeits- und Men-
Antworten folgte die EvB dem Prinzip «comply or ex- schenrechtsverletzungen in den entsprechenden Auf-
plain» (Standard erfüllen und belegen oder überzeugend gabengebieten in der Lieferkette zu erkennen.
erklären). Wenn die Firma keine Auskunft zu einer spe-
zifischen Frage gab und dies nicht plausibel begründete,
© Erklärung von Bern, März 2013 zum InhaltsverzeichnisFirmenbewertung 07
Themenfeld 2: Strategie und Massnahmen ver oder Kuvertüre verarbeiten und herstellen, war bei
– Lieferantenkodex der Bewertung der Fragen, die sich auf die Zusammen-
– ILO-Kernarbeitsnormen arbeit der Firma mit den Kakaoproduzentengruppen
– Massnahmen zur Umsetzung des Kodexes bezogen, ausschlaggebend, dass sie die Sicherstellung
– Nachhaltigkeitsstrategie von umgesetzten Massnahmen und angewandten Stan-
– Preispolitik und Vorfinanzierungen dards von ihren Lieferanten und Unterlieferanten pro-
– Sicherstellung des höchstmöglichen Preisanteils aktiv einfordern und in ihrer Firmenstrategie festhal-
bei den Kakaoproduzenten ten.
– Begrenzung der Investitionsrisiken und Zugang
zu Marktinformationen Themenfeld 3: Kontrolle und Standards
– Dauer der Zusammenarbeit mit den Kakao- – Zusammenarbeit mit Zertifizierungsstellen
produzenten – Interne Monitoring- und Auditing-Mechanismen
– Erstellung von / Beitrag an sektorrelevante Studien – Beschwerde- und Rechtshilfeeinrichtung
– Vermeidung von Gesundheitsschäden – Mechanismus, der Verstösse gegen Arbeits-
auf den Kakaoplantagen und Menschenrechte festhält
– Spezifische Massnahmen zur Verhinderung von – Formulierung und Umsetzung von Corrective
Kinderarbeit, Menschenhandel und Zwangsarbeit Action Plans
– Förderung von Weiterbildungsprojekten
und Farmers Training Positiv bewertet wurden Firmen, die mit unabhängigen
Zertifizierungs- oder Verifizierungsstellen zusammen-
Positiv bewertet wurden Firmen, die einen Lieferan- arbeiten und konkrete Mechanismen für Kontrollen
tenkodex verabschiedet haben, der explizit auf die und Korrekturmassnahmen erarbeitet haben. Weiter
wichtigen internationalen Rechtsnormen der ILO wurde das Vorhandensein einer Beschwerde- und
verweist, konkrete Umsetzungsmassnahmen für den Rechtshilfeeinrichtung sowie das Vorhandensein eines
Lieferantenkodex formuliert und diese entweder mit Mechanismus, der Verstösse gegen Arbeits- und Men-
entsprechenden Dokumenten (öffentlich oder zumin- schenrechte festhält, als positiv angerechnet.
dest der EvB zugänglich) dokumentiert oder genauer
umschrieben haben. Positiv beurteilt wurde weiter Themenfeld 4: Transparenz und Kommunikation
das Vorhandensein einer Nachhaltigkeitsstrategie mit – Beantwortung des Fragebogens
messbaren Indikatoren, eine transparente und gerechte – Auskunft über die Prämienhöhe
Preispolitik, geleistete Vorfinanzierungen, ein Engage- – Transparenz über Firmenangaben wie
ment zur Begrenzung von Investitionsrisiken der Ka- Jahresumsatz, Gewinn und Produktionsmenge
kaoanbauenden, die Gewährleistung des Zugangs zu – Öffentliche Berichterstattung
Marktinformationen, langjährige Zusammenarbeit mit
Kakaoproduzenten und die Erstellung von sektorre- Positiv bewertet wurden Firmen, die an der Befragung
levanten Studien. Weiter wurde als positiv bewertet, teilgenommen und umfängliche Antworten geliefert
wenn zusätzliche Massnahmen (zu den Zertifizierungs- haben, eine minimale Transparenz zu Firmenangaben
programmen) zur Verhinderung von Kinderarbeit, und Prämienhöhen erfüllen sowie regelmässig öffent-
Menschenhandel und Zwangsarbeit getroffen und Wei- lich über ihr Engagement bezüglich Unternehmensver-
terbildungsprojekte sowie Farmers Training gefördert antwortung berichten und dieses dokumentieren.
werden. Von zentraler Bedeutung für eine positive Be-
wertung der verschiedenen Teilaspekte war, dass die Kategorien: Fortgeschrittene, Durchschnittliche,
getroffenen Massnahmen einen hohen Prozentsatz der Nachlässige, Verweigerer
bezogenen Kakaorohstoffe abdecken (je nach Relevanz Firmen in der Kategorie «Fortgeschrittene» engagieren
der Frage müssen für die beste Bewertung mindestens sich und gehören zu den Vorreiterinnen der Schwei-
über 50 % oder über 80 % abgedeckt sein). Wo die Fir- zer Schokolade- und Kakaobranche.
ma keine näheren Angaben dazu gemacht hat, nahm Die Firmen der Kategorie «Durchschnittliche» sind
die EvB als Höchstwert den Prozentsatz an rückver- auf dem Weg dorthin, haben aber entweder erst vor
folgbaren Kakaorohstoffen an, den die Firma angege- Kurzem begonnen, sich umfassend mit ihrer sozialen
ben hat. Verantwortung auseinanderzusetzen, oder engagierten
Für Firmen, die keine Kakaobohnen einkaufen, son- sich bis anhin nur in einem limitierten Rahmen.
dern Zwischenprodukte wie Kakaomasse, Butter, Pul-
© Erklärung von Bern, März 2013 zum InhaltsverzeichnisFirmenbewertung 08 «Nachlässige» Firmen haben offenbar andere Geschäfts- sind, den komplexen Herausforderungen im Kakaosek- prioritäten und setzen soziale Verantwortung nicht pro- tor angemessen Rechnung zu tragen. minent auf ihre Agenda. In dieser Kategorie befinden Die Kategorie «Verweigerer» bezeichnet Firmen, die sich jedoch auch Firmen, die sich sehr wohl mit den gar nicht auf die Firmenbefragung reagiert haben. Eben- Arbeitsbedingungen und den Menschenrechtsverlet- falls zu dieser letzten Kategorie gehören Firmen, die zungen im Kakaosektor auseinandersetzen, wegen ihrer sich zwar mit einem Schreiben an die EvB gewandt, Grösse und dem entsprechend grossen Kakaorohstoff- nicht aber die erfragten Informationen im Fragebogen volumen, das sie verarbeiten, jedoch nicht imstande dargelegt haben. © Erklärung von Bern, März 2013 zum Inhaltsverzeichnis
Glossar 09
Glossar
FLA (Fair Labor Association) – Übereinkommen 98: Vereinigungsrecht
Die Fair Labor Association ist eine Multistakeholder- und Recht zu Kollektivverhandlungen
Initiative aus Washington. Mitglieder sind vorwie- – Übereinkommen 29: Zwangsarbeit
gend amerikanische und deutsche Firmen. Prominente – Übereinkommen 105: Abschaffung
Schweizer Mitglieder sind Syngenta und Nestlé. Die der Zwangsarbeit
FLA setzt sich für die Verbesserung von Arbeitsstan- – Übereinkommen 100: Gleichheit des Entgelts
dards bei Lieferanten ein und führt Verifizierungen – Übereinkommen 111: Diskriminierung
durch. (in Beschäftigung und Beruf)
– Übereinkommen 138: Mindestalter
International Cocoa Initiative (ICI) – Übereinkommen 182: Verbot und unverzügliche
Die International Cocoa Initiative ist eine Multistake- Massnahmen zur Beseitigung der schlimmsten
holder-Initiative und wurde 2002 gegründet aufgrund Formen der Kinderarbeit
von Forderungen an die Schokoladeindustrie, keine
Produkte zu verkaufen, die mit missbräuchlicher Kin- Darüber hinaus sind vor allem folgende Übereinkom-
derarbeit hergestellt wurden. men zu Lohnfragen zentral:
Ziel der ICI ist die Eindämmung und Eliminierung – Die Übereinkommen 29, 87, 98, 100, 105, 111,
der schlimmsten Formen von Kinderarbeit (ILO 182 135 und 138 der Internationalen Arbeits-
Ausbeutung von Kindern, ILO 29 Kindersklaverei). Die organisation: Allen Beschäftigten müssen
Organisation arbeitet dafür mit Akteuren aus der In- ausreichende Löhne und menschenwürdige
dustrie, mit Gewerkschaften und NGOs zusammen, um Arbeitsbedingungen zugesichert werden
das Problem besser verstehen und bis zum Ursprung – Die ILO-Konventionen über einen Mindestlohn
zurückverfolgen zu können. Die ICI ist dabei, nationale (Nr. 26/1928 und Nr. 131/1970): Danach sollen
und internationale Systeme und Strategien/Richtlini- Mindestlöhne zumindest die Grundbedürf-
en einzurichten, die notwendig sind, um den sozialen nisse (Nahrung, Bekleidung und Unterbringung)
Wandel einzuleiten und zu stärken. So werden bei- der Beschäftigten und ihrer Familienangehörigen
spielsweise in den jeweiligen Ländern effektive und decken. Ferner wurde in der «Erklärung der ILO
unabhängige Kontrollsysteme aufgebaut. über grundlegende Prinzipien und Rechte bei
der Arbeit und ihre Folgemassnahmen»
ILO-Normen (Kernarbeitsnormen) (ILO 1998) und in Dokumenten zur Decent-Work-
Die ILO-Kernarbeitsnormen der Internationalen Ar- Agenda und zum Existenzlohn diese Position
beitsorganisation der Vereinten Nationen (Internatio- bekräftigt
nal Labour Organization) wurden 1998 beschlossen.
Damit bekennen sich alle Mitgliedstaaten der Organi- (Internes) Audit
sation ausdrücklich zu den Kernarbeitsnormen, selbst Als Audit wird eine formelle Prüfung der Geschäftsbü-
wenn sie nicht alle darin enthaltenen Grundsätze ein- cher und Finanzberichte auf deren Richtigkeit bezeich-
zeln ratifiziert haben. net. Bei den Audits und Kontrollen von Kooperativen
Vier Grundprinzipien bestimmen das Selbstverständ- oder Kakaofarmen wird die Einhaltung der sozialen
nis und das Handeln der ILO: und ökologischen Standards überprüft. Ein Audit wird
– Vereinigungsfreiheit und das Recht durch externe Personen durchgeführt. Ist eine Bauern-
auf Kollektivverhandlungen organisation zertifiziert, werden die Produzentenorga-
– Beseitigung der Zwangsarbeit nisationen nach der Erstzertifizierung regelmässig kon-
– Abschaffung der Kinderarbeit trolliert, ob die Standards eingehalten werden. Zudem
– Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung werden bei einzelnen Familien, die der Bauernorgani-
und Beruf sation oder der Farm angehören, Stichproben durch-
geführt. Reguläre Audits werden angekündigt, damit
Diese Grundprinzipien erfahren ihre konkrete Ausge- die nötigen Dokumente und Ansprechpersonen für die
staltung in acht Übereinkommen, die auch als Kernar- Interviews zum Zeitpunkt des Besuchs anwesend sind.
beitsnormen bezeichnet werden: Handelt es sich um ein internes Audit, kann das auch
– Übereinkommen 87: Vereinigungsfreiheit von internen Verantwortlichen übernommen werden.
und Schutz des Vereinigungsrechts
© Erklärung von Bern, März 2013 zum InhaltsverzeichnisGlossar 10
(Internes) Monitoring Verbesserungsplan (Corrective Action Plan)
Monitoring beinhaltet Kontrollen des Arbeitsalltags in Ein Plan zur Terminierung und Umsetzung von Korrek-
den Fabriken, den Kakaokooperativen und Farmen so- turmassnahmen in einer Kooperative, Bauernorganisa-
wie die Überwachung der Einhaltung von Arbeitsnor- tion oder auf individuellen Kakaofarmen. Ein Verbes-
men. Beim Monitoring geht es um die systematische serungsplan sollte lokal ausgehandelt werden, um die
Erfassung, Beobachtung oder Überwachung eines Pro- Nichtkonformität mit den Arbeitsrichtlinien innerhalb
zesses (z.B. kontinuierliche Verbesserung der Arbeits- einer bestimmten Frist zu überwinden.
bedingungen und Menschenrechtssituation im Kakao-
sektor) mittels eines Beobachtungssystems. Dabei ist World Cocoa Foundation (WCF)
die wiederholte regelmässige Durchführung ein zentra- Die World Cocoa Foundation (WCF) wurde im
les Element der jeweiligen Untersuchungsprogramme, Jahr 2000 gegründet. Sie ist eine Non-Profit-Organisati-
um anhand von Ergebnisvergleichen Schlussfolgerun- on, die mehr als 100 Firmen der Kakaowertschöpfungs-
gen ziehen zu können. Eine Funktion des Monitorings kette repräsentiert (vor allem Schokoladefabrikanten,
besteht darin, bei Abweichungen steuernd einzugrei- inklusive der weltweit grössten Schokoladekonzerne).
fen und Korrekturmassnahmen zu fordern oder mitzu- Die WCF strebt eine nachhaltige Kakaoproduktion an,
erarbeiten. Idealerweise sollte das Ziel sein, gemeinsa- indem sie die landwirtschaftliche Entwicklung kakao-
me Lösungen für bestehende Probleme zu finden, um anbauender Gemeinschaften unterstützt und ökologi-
Entwicklungen in die richtige Richtung zu fördern. sche Verantwortung fördert. Die WCF arbeitet auf lo-
kaler und globaler Ebene und ist darum bemüht, die
Multistakeholder-Initiative (MSI) Bedürfnisse der Kakaobauernfamilien mit denjenigen
Die MSI ist ein Projekt, das durch die Beteiligung di- der Kakaoindustrie und der Umwelt zusammenzubrin-
verser Interessengruppen versucht, spezifische Aufga- gen. Die WCF hat sich die Erhöhung der Einkommen
ben zu lösen. Im Fall der Kakaobranche ging es bisher der Kakaoanbauenden, die Stärkung der Gemeinschaf-
vor allem darum, das Problem der missbräuchlichen ten, in denen die Kleinbauernfamilien leben, und die
Kinderarbeit anzugehen, die Lebensbedingungen der Förderung des nachhaltigen Anbaus von Kakao zum
Kakaobauernfamilien zu verbessern und die Ernteer- Ziel gesetzt. Weiter sollen die Bäuerinnen und Bauern
träge zu steigern. MSIs sind u.a. auch für das Monito- ihr Fachwissen erweitern, damit sie ihre Farmen ergie-
ring und die Verifizierung der Einhaltung der gesteck- big betreiben und wirtschaftlich sinnvolle Geschäfts-
ten Ziele zuständig. entscheidungen treffen können. Die WCF unterstützt
Programme, die Kakaobauernfamilien in Afrika, Süd-
SA8000 ostasien und Südamerika zugutekommen.
SA8000 ist ein Zertifizierungssystem von Zulieferbe-
trieben weltweit, initiiert von der Multistakeholder-In- Zertifizierung
itiative Social Accountability International (SAI). Eine Die Zertifizierung bezeichnet die Beglaubigung durch
Zertifizierung nach SA8000 bedeutet eine Willenser- eine unabhängige Drittinstanz, dass ein Produkt, ein
klärung der Zulieferer, sich überprüfen zu lassen und Arbeitsplatz, ein Unternehmen oder Ähnliches einer
die wichtigsten Sozialstandards einzuhalten. An der bestimmten Norm entspricht. Den Entscheidungspro-
Überprüfung der SA8000-Standards sind NGOs aller- zess für die Vergabe der Zertifizierung überwacht nor-
dings nur bedingt beteiligt. Es gibt auch kein unabhän- malerweise ein unabhängiges Zertifizierungskomitee.
giges Verifizierungssystem, denn die Auditoren wer- Im vorliegenden Kontext geht es hauptsächlich um die
den direkt von den zertifizierten Unternehmen bezahlt. Zertifizierung einer sozialverträglichen Kakaoproduk-
tion. Im Kakaosektor spielen vor allem drei Zertifizie-
rungen eine zentrale Rolle: Fairtrade, UTZ und Rainfo-
rest Alliance.
© Erklärung von Bern, März 2013 zum InhaltsverzeichnisFirmenporträt PRONATEC 11
Pronatec wurde 1976 gegründet, ist hauptsächlich im
Kakaohandel tätig und Pionierin für biozertifizierten Kakao.
Pronatec produziert selbst keine Schokolade, sondern
lässt diese in Auftragsarbeit herstellen. Sämtliche Produkte
sind bio- und Max-Havelaar-zertifiziert.
Firmenprofil
NAME DER FIRMA PRONATEC AG
HAUPTSITZ Winterthur ZH
GRÜNDUNGSJAHR 1976
INHABER/IN der Firma David Yersin
CEO/GESCHÄFTSFÜHRER/IN David Yersin und Jürgen Auerbach
JAHRESUMSATZ 2011 (weltweit) 70 Mio. CHF
GESCHÄFTSFELDER Business-to-Business
SCHOKOLADEMARKEN Pronatec produziert keine Schokolade, sondern lässt diese in Auftrags-
fertigung herstellen.
Marken: Amarrú, YogiTea Chocolates und diverse Private Labels
EINKAUF KAKAOBOHNEN (Tonnage) 2011: 8 000 Tonnen
Firmenengagement zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen
und der Menschenrechtssituation in der Kakaoproduktion im Produktionsjahr 2011
LIEFERKETTE & RISIKOANALYSE
RÜCKVERFOLGBARKEIT – 100 % des Gesamtanteils an Kakaorohstoffen in den Schokolade-
produkten sind bis auf die Produzentengruppen rückverfolgbar.
– 100 % der eingekauften Bohnen sind bis auf die Produzentengruppen
im Ursprung rückverfolgbar.
– 100 % der Kakaobutter sind bis auf die Produzentengruppen im
Ursprung rückverfolgbar.
– Pronatec kauft keine Masse ein.
– Pronatec kauft keine Kuvertüre ein.
– Pronatec kennt die Herkunftsländer der Kakaorohstoffe zu 100 %.
ZIELE bis 2015 Bis im Jahr 2015 sollen weiterhin 100 % der Kakaorohstoffe
rückverfolgbar sein.
Information über die LIEFERKETTE Pronatec verfügt nicht über eine Zusammenstellung aller Akteure
in der Kakaolieferkette. Auf der firmeneigenen Website sind jedoch
die Profile der meisten Partnerkooperativen ersichtlich.
RISIKOANALYSE Pronatec verfügt nicht über eine Analyse zu potenziellen und effektiven
(Menschen- und Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in der Lieferkette.
Arbeitsrechtsverletzungen) Über die regelmässigen Audits bei Fairtrade-zertifizierten Kooperativen
werden jedoch potenzielle und effektive Menschen- und Arbeitsrechts-
verletzungen teilweise festgehalten.
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STRATEGIE & MASSNAHMEN
Hat die Firma einen Pronatec verfügt nicht über einen Lieferantenkodex.
LIEFERANTENKODEX?
Verfügt die Firma über eine Pronatec verfügte bis zum 1.1.2012 nicht über eine allgemeine
ALLGEMEINE NACHHALTIGKEITS- Nachhaltigkeitsstrategie.
STRATEGIE? Eine Nachhaltigkeitsstrategie soll aber 2013 erstellt werden.
GERECHTE PREISPOLITIK Pronatec bezahlt im Rahmen der Fairtrade- und Bio-Zertifizierung
und VORFINANZIERUNGEN Prämien für den Kakao. Diese decken 100 % der Kakaorohstoffe ab.
Pronatec leistet umfängliche Vorfinanzierungen für Kakaoproduzenten.
Ergreift die Firma Massnahmen zur Pronatec ergreift Massnahmen zur Begrenzung von Investitionsrisiken
BEGRENZUNG von INVESTITIONS- in Form von langfristigen Verträgen, fixen Preisen und Vorfinanzie-
RISIKEN der KAKAOPRODUZENTEN rungen. Die Firma gewährleistet den Kakaoproduzenten Zugang
und um den Kakaoproduzenten MARKT- zu Marktinformationen mit Einladungen an internationale Messen,
INFORMATIONEN zu GEWÄHRLEISTEN? Schulungsveranstaltungen, Public Private Partnership und durch
den Dialog zwischen Lieferanten und Kunden. Die Firma ergreift
im Rahmen von Bio und Fairtrade zudem einige Massnahmen,
um Zugang zu Marktinformationen zu gewährleisten.
WIE VIELE JAHRE arbeitet die Firma Pronatec arbeitet seit mehr als 5 Jahren mit 90 % und seit 2 bis 5 Jahren
mit den KAKAOPRODUZENTEN mit 10 % der Kakaoproduzenten zusammen.
ZUSAMMEN?
Erstellt die Firma sektorrelevante Pronatec erstellt keine Studien und finanziert auch keine Studien mit.
STUDIEN?
Trifft die Firma Massnahmen, um Pronatec trifft im Rahmen von Fairtrade Massnahmen, um Gesundheits-
GESUNDHEITSSCHÄDEN bei schäden bei den Kakaoproduzenten zu vermeiden. Das betrifft 100 %
Kakaoproduzenten zu VERMEIDEN? der Kakaorohstoffe.
Trifft die Firma ZUSÄTZLICHE Pronatec trifft nebst den Massnahmen der Zertifizierungsorganisationen
MASSNAHMEN zur VERHINDERUNG zusätzliche Massnahmen, um Kinderarbeit, Menschenhandel
von KINDERARBEIT, MENSCHEN- und Zwangsarbeit zu verhindern.
HANDEL, ZWANGSARBEIT bei den Pronatec gibt an, dass sowohl Mitarbeitende vor Ort und von
Kakaoproduzenten? Pronatec Schweiz als auch weitere Kunden die Kooperativen regel-
mässig besuchen und intensiven persönlichen Kontakt pflegen.
Anhand dieser Besuche werden auch Aspekte wie Kinder- und
Zwangsarbeit überprüft.
Fördert die Firma WEITERBILDUNGS- Pronatec fördert im Rahmen von Fairtrade Farmers Trainings.
PROJEKTE und FARMERS TRAINING? Zusätzlich führt Pronatec drei- bis viermal pro Jahr Weiterbildungspro-
jekte und Farmers Training in Form von kostenlosen Schulungen
auf Vorzeigefarms mit eigenem Personal für Kleinbauernfamilien durch.
KONTROLLE & STANDARDS
Ist die Firma direktes MITGLIED einer Pronatec ist direktes Mitglied der World Cocoa Foundation (WCF).
INDUSTRIE- und einer MULTISTAKE-
HOLDER-INITIATIVE?
Arbeitet die Firma mit einer externen Pronatec arbeitet mit Fairtrade, Rainforest Alliance, UTZ,
ZERTIFIZIERUNGSSTELLE zusammen? Bio-Zertifizierung und Ecocert-Fairtrade.
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Unterhält die Firma ein internes Pronatec unterhält ein internes Monitoring-/Auditing-System,
MONITORING-/AUDITING-SYSTEM, um das über die Zertifizierung und über regelmässige Besuche funktioniert.
potenzielle und effektive Arbeits- und
Menschenrechtsverletzungen in der
Lieferkette kontrollieren zu können?
Gibt es innerhalb der Lieferkette der Pronatec verfügt nicht über eine Beschwerde- und Rechtshilfe-
Firma eine BESCHWERDE- und RECHTS- einrichtung. Durch den regelmässigen persönlichen Kontakt
HILFEEINRICHTUNG (grievance vor Ort haben die Kooperativen jedoch die Möglichkeit, Beschwerden
mechanism) und gibt es innerhalb direkt bei den Geschäftsleitungsmitgliedern von Pronatec
der Firma einen MECHANISMUS, der anzubringen.
VERSTÖSSE GEGEN ARBEITS- und Für den Fairtrade-zertifizierten Kakaoanteil existiert ein Mechanismus,
MENSCHENRECHTE in der LIEFERKETTE der Verstösse gegen Arbeits- und Menschenrechte in der Lieferkette
FESTHÄLT (non-compliance reporting festhält.
mechanism)?
Wird ein CORRECTIVE ACTION PLAN Pronatec formuliert keine eigenen systematischen korrektiven
formuliert und umgesetzt? Massnahmen, ergreift aber Massnahmen, falls bei internen Audits
Verstösse gegen Arbeits- und Menschenrechte festgestellt werden.
Über den Fairtrade-Standard werden zudem Massnahmen formuliert
und umgesetzt, falls bei Audits Verstösse gegen Arbeits- und
Menschenrechte festgestellt werden.
TRANSPARENZ & KOMMUNIKATION
Wurde der FRAGEBOGEN beantwortet? Pronatec hat den Fragebogen beantwortet und zusätzlich relevante
Informationen und Dokumente geliefert.
Wurde über die PRÄMIENHÖHE Pronatec hat die Prämienhöhen bekannt gegeben.
Auskunft gegeben?
Besteht TRANSPARENZ über konkrete Die Transparenz über Jahresumsatz, Unternehmensumsatz, Gewinn
FIRMENANGABEN? und Produktionsmenge ist weitgehend gewährleistet.
Veröffentlicht die Firma einen (jährlichen) Pronatec veröffentlicht keinen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht.
NACHHALTIGKEITSBERICHT?
Veröffentlicht die Firma unabhängige Die Zertifizierungsstellen veröffentlichen unabhängige Verifizierungs-
VERIFIZIERUNGSBERICHTE? berichte von Pronatec.
FORTGESCHRITTEN DURCHSCHNITTLICH NACHLÄSSIG AUSKUNFT VERWEIGERT
Kommentar EvB
Pronatec hat den Fragebogen beantwortet und auf Rück- den Standard des fairen Handels hinausgeht. Der regel-
fragen reagiert. mässige Austausch und die Bedürfnisabklärung mit den
Bei Pronatec sind soziale und ökologische Grundsätze Kooperative-Mitgliedern sind Kernelemente der partner-
tief im Unternehmen und im Management verankert. schaftlichen Beziehungen und zielen nicht nur auf Qua-
Die Firma ist sehr transparent und bringt mit ihrer hun- litätssicherung und Ertragssteigerung ab.
dertprozentigen Verpflichtung dem fairen Handel und Verbesserungspotenzial gibt es bei Pronatec in der sys-
der ökologischen Produktion gegenüber gute Voraus- tematischen Aufschlüsselung aller Akteure innerhalb
setzungen mit, um die grossen Herausforderungen, die der Kooperativen, damit Missstände besser ausfindig ge-
der Kakaosektor mit sich bringt, zu meistern. Relevant macht werden können.
bei Pronatec scheint, dass das Firmenengagement über
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Chocolats Halba wurde 1933 gegründet und ist seit 1972
als Produktionsbetrieb Teil der Coop-Gruppe.
Das Sortiment umfasst Tafeln, Branches, Weihnachtsartikel,
Pralinen, Osterhasen und weitere Osterartikel, sowie
Kuvertüren und Halbfabrikate. Die Firma produziert haupt-
sächlich für den Schweizer Detailhandel, aber auch für
den Export und die Industrie. Ein umfassendes Sortiment an
Fairtrade- und Bio-Schokoladen von Chocolats Halba ist
in der Schweiz bei Coop erhältlich.
Firmenprofil
NAME DER FIRMA CHOCOLATS HALBA
HAUPTSITZ Wallisellen ZH
GRÜNDUNGSJAHR 1933
INHABER/IN der Firma Coop Genossenschaft Schweiz
CEO/GESCHÄFTSFÜHRER/IN Anton von Weissenfluh
JAHRESUMSATZ 2011 (weltweit) 111,2 Mio. CHF
GESCHÄFTSFELDER Business-to-Business; die Firma produziert hauptsächlich für
den Schweizer Detailhandel, aber auch für den Export und die Industrie.
SCHOKOLADEMARKEN Chocolats Halba produziert keine eigenen Schokolademarken.
Produktion u.a. für Coop Eigenmarken, Conad, Alter Eco USA,
Alter Eco Pacific, Alter Eco France
SCHOKOLADEPRODUKTION (Tonnage) 2011: 12 600 Tonnen, 2010: 11 916 Tonnen
Firmenengagement zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen
und der Menschenrechtssituation in der Kakaoproduktion im Produktionsjahr 2011
LIEFERKETTE & RISIKOANALYSE
RÜCKVERFOLGBARKEIT – 60,5 % des Gesamtanteils an Kakaorohstoffen in den Schokolade-
produkten sind bis auf die Produzentengruppe rückverfolgbar.
– 82,4 % der eingekauften Bohnen sind bis auf die Produzenten-
gruppen im Ursprung rückverfolgbar.
– 15 % der Kakaobutter sind bis auf die Produzentengruppen
im Ursprung rückverfolgbar.
– Chocolats Halba kauft keine Kakaomasse ein.
– Chocolats Halba kauft keine Kuvertüre ein.
– Chocolats Halba kennt die Herkunftsländer der Kakaorohstoffe
zu 72,4 %.
ZIELE bis 2015 – Kakaobohnen: 100 % Fairtrade-zertifiziert
– Kakaobutter: 100 % nach internationalem Standard zertifiziert
oder rückverfolgbar
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Information über die LIEFERKETTE Chocolats Halba gibt an, es liege eine Zusammenstellung aller Akteure
in der Kakaolieferkette vor und belegt dies.
RISIKOANALYSE Chocolats Halba gibt an, es liege eine in einer umfänglicheren Unter-
(Menschen- und suchung bestehende Analyse zu potenziellen und effektiven Menschen-
Arbeitsrechtsverletzungen) und Arbeitsrechtsverletzungen in der Lieferkette vor und belegt dies.
STRATEGIE & MASSNAHMEN
Hat die Firma einen Chocolats Halba verfügt über einen eigenen Lieferantenkodex
LIEFERANTENKODEX? und belegt dies. Der Kodex ist aber nicht öffentlich zugänglich.
Beinhaltet der Lieferantenkodex Der Lieferantenkodex von Chocolats Halba beinhaltet die acht ILO-
die ILO-KERNARBEITSNORMEN? Kernarbeitsnormen.
Hat die Firma MASSNAHMEN zur Chocolats Halba formuliert keine direkten Massnahmen zur Unter-
UNTERSTÜTZUNG DER UMSETZUNG stützung der Umsetzung des Lieferantenkodexes. Via Fairtrade wurden
des LIEFERANTENKODEXES für Liefe- für den zertifizierten Kakaoanteil Umsetzungsmassnahmen ergriffen.
ranten und Kakaoproduzenten ergriffen?
Hat die Firma den Kodex in die meisten Chocolats Halba hat den Kodex nur teilweise in die Sprachen
SPRACHEN der PRODUKTIONSLÄNDER der Produktionsländer übersetzt.
ÜBERSETZT?
Hat die Firma sichergestellt, dass Chocolats Halba gibt an, dass die Einhaltung des Kodexes bei
LIEFERANTEN, UNTERAUFTRAG- Lieferanten, Unterauftragnehmer und Kakaoproduzentengruppen
NEHMER und KAKAOPRODUZENTEN- im Kaufvertrag sichergestellt wird.
GRUPPEN zur EINHALTUNG
des KODEXES verpflichtet sind?
Verfügt die Firma über eine Chocolats Halba verfügt über eine Nachhaltigkeitsstrategie mit
ALLGEMEINE NACHHALTIGKEITS- messbaren Indikatoren und belegt dies. Eine umfassendere Strategie
STRATEGIE? ist seit 2013 in Kraft.
GERECHTE PREISPOLITIK Chocolats Halba bezahlt im Rahmen der Fairtrade- und Bio-Zertifizie-
und VORFINANZIERUNGEN rung Mindestpreise, deckende Produktionskosten und Sozialprämien
für den Kakao. Diese decken 60,5 % der Kakaorohstoffe ab.
Chocolats Halba leistet im Rahmen von Fairtrade in Honduras, Peru,
Ecuador und der Dominikanischen Republik Vorfinanzierungen
für Kakaoproduzenten. Diese decken 16 % der Kakaorohstoffe ab.
Ergreift die Firma Massnahmen zur Chocolats Halba ergreift Massnahmen zur Begrenzung von Investitions-
BEGRENZUNG von INVESTITIONS- risiken. Diese umfassen langfristige Verträge, Diversifizierung im Anbau
RISIKEN der KAKAOPRODUZENTEN mittels Agroforstsystemen (Ghana, Peru, Honduras), direkte Vorfinan-
und um den Kakaoproduzenten MARKT- zierung (Honduras), Definierung von fixen Abnahmepreisen (Honduras)
INFORMATIONEN zu GEWÄHRLEISTEN? und indirekte Vorfinanzierung durch die Lieferanten (Peru, Ecuador
und Dominikanische Republik). Zudem investiert Chocolats Halba in
Honduras gemeinsam mit Kleinbauernfamilien in Plantagen und
Infrastruktur.
Durch Aufforstungsprojekte mit Kakaokooperativen wird das Ein-
kommen der Kakaobauernfamilien diversifiziert und langfristig
vervielfacht. Ein existenzsicherndes Einkommen wurde berechnet.
Chocolats Halba ergreift im Rahmen von Fairtrade und Bio teilweise
Massnahmen, um Zugang zu Marktinformationen zu gewährleisten.
© Erklärung von Bern, März 2013 zum InhaltsverzeichnisFirmenporträt CHOCOLATS HALBA 16
WIE VIELE JAHRE arbeitet die Firma Chocolats Halba arbeitet zwischen 2 und 5 Jahren mit 100 % der Produ-
mit den KAKAOPRODUZENTEN zenten zusammen.
ZUSAMMEN?
Erstellt die Firma sektorrelevante Chocolats Halba gibt selbst Studien in Auftrag.
STUDIEN?
Trifft die Firma Massnahmen, um Chocolats Halba trifft im Rahmen von Fairtrade und Bio Massnahmen,
GESUNDHEITSSCHÄDEN bei um Gesundheitsschäden bei den Kakaoproduzenten zu vermeiden.
Kakaoproduzenten zu VERMEIDEN? Das betrifft 60,5 % der Kakaorohstoffe.
Trifft die Firma ZUSÄTZLICHE Chocolats Halba trifft nebst den Massnahmen der Zertifizierungs-
MASSNAHMEN zur VERHINDERUNG organisationen zusätzliche Massnahmen, um Kinderarbeit,
von KINDERARBEIT, MENSCHEN- Menschenhandel und Zwangsarbeit zu verhindern, und zwar
HANDEL, ZWANGSARBEIT bei den im Rahmen des Anti-Kinderarbeitsprojekts der Kakaokooperative
Kakaoproduzenten? Kuapa Kokoo in Ghana.
Fördert die Firma WEITERBILDUNGS- Chocolats Halba fördert in Ghana, Ecuador und Peru im Rahmen
PROJEKTE und FARMERS TRAINING? des Fairtrade-Programms Weiterbildungsprojekte und Farmers Training.
In Honduras werden Farmers Trainings gemeinsam mit Helvetas
durchgeführt und über den Coop-Fonds für Nachhaltigkeit und durch
Chocolats Halba finanziert.
KONTROLLE & STANDARDS
Ist die Firma direktes MITGLIED einer Chocolats Halba ist direktes Mitglied des Fair Labelling Organizations
INDUSTRIE- und einer MULTISTAKE- International (FLO) Product Advisory Council for Cocoa. Chocolats Halba
HOLDER-INITIATIVE? war bis zum 1.1.12 nicht direktes Mitglied einer Industrie-Initiative.
Seit 2013 ist Chocolats Halba Mitglied der World Cocoa Foundation (WCF).
Arbeitet die Firma mit einer externen Chocolats Halba arbeitet mit FLO Cert und Bio zusammen.
ZERTIFIZIERUNGSSTELLE zusammen?
Unterhält die Firma ein internes Chocolats Halba unterhält ein internes Monitoring-/Auditing-System,
MONITORING-/AUDITING-SYSTEM, um das über die Zertifizierung und die Projektbesuche bei den Kakao-
potenzielle und effektive Arbeits- und bauernkooperativen funktioniert. Es ist bei der Abteilung Kakao-
Menschenrechtsverletzungen in der beschaffung und Nachhaltigkeit angesiedelt.
Lieferkette kontrollieren zu können?
Gibt es innerhalb der Lieferkette der Chocolats Halba verfügt nicht über eine Beschwerde- und Rechts-
Firma eine BESCHWERDE- und RECHTS- hilfeeinrichtung.
HILFEEINRICHTUNG (grievance Für den Fairtrade-zertifizierten Kakaoanteil existiert ein Mechanismus,
mechanism) und gibt es innerhalb der Verstösse gegen Arbeits- und Menschenrechte in der Lieferkette
der Firma einen MECHANISMUS, der festhält.
VERSTÖSSE GEGEN ARBEITS- und
MENSCHENRECHTE in der LIEFERKETTE
FESTHÄLT (non-compliance reporting
mechanism)?
Wird ein CORRECTIVE ACTION PLAN Chocolats Halba formuliert keine eigenen systematischen korrektiven
formuliert und umgesetzt? Massnahmen und setzt auch keine um. Über den Fairtrade-Standard
werden jedoch Massnahmen formuliert und umgesetzt, falls bei Audits
Verstösse gegen Arbeits- und Menschenrechte festgestellt werden.
© Erklärung von Bern, März 2013 zum InhaltsverzeichnisFirmenporträt CHOCOLATS HALBA 17
TRANSPARENZ & KOMMUNIKATION
Wurde der FRAGEBOGEN beantwortet? Chocolats Halba hat den Fragebogen beantwortet und zusätzlich
relevante Informationen und Dokumente geliefert.
Wurde über die PRÄMIENHÖHE Chocolats Halba hat die Prämienhöhe bekannt gegeben.
Auskunft gegeben?
Besteht TRANSPARENZ über konkrete Die Transparenz über Jahresumsatz, Unternehmensumsatz, Gewinn
FIRMENANGABEN? und Produktionsmenge ist gewährleistet.
Veröffentlicht die Firma einen (jährlichen) Chocolats Halba erstellt bisher keinen eigenen jährlichen
NACHHALTIGKEITSBERICHT? Nachhaltigkeitsbericht, wird aber ab Berichtsjahr 2012 solche Berichte
veröffentlichen.
Veröffentlicht die Firma unabhängige Die Zertifizierungsstellen veröffentlichen unabhängige Verifizierungs-
VERIFIZIERUNGSBERICHTE? berichte von Chocolats Halba.
FORTGESCHRITTEN DURCHSCHNITTLICH NACHLÄSSIG AUSKUNFT VERWEIGERT
Kommentar EvB
Chocolats Halba hat den Fragebogen beantwortet und plizit zu den Kernanliegen der Firma. Deshalb stellt sich
auf Rückfragen reagiert. die Frage, warum Halba nicht schon vor 2009 mit der
Von Chocolats Halba hat die EvB die ausführlichsten Umsetzung einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie
und detailliertesten Antworten bekommen. Das ist unter angefangen hat, wo doch die Missstände im Sektor seit
anderem ein Indiz dafür, dass Chocolats Halba über ein Jahren bekannt sind. Denn dann wäre das Unternehmen
System verfügt, das diese wichtigen Daten verwaltet, be- in der Umsetzung ihrer Projekte schon einige Schritte
arbeitet und aktualisiert. Den Antworten kann entnom- weiter und um manche Erfahrungen reicher. Gleichzeitig
men werden, dass die Firma heikle Bereiche in ihrer Lie- ist der Firma zugutezuhalten, dass sie innert kurzer Zeit
ferkette, in welchen die Menschenrechte in Gefahr sind, relativ schnell reagiert, viele finanzielle und personel-
ausgemacht und dokumentiert hat. Basierend auf den le Ressourcen in die nachhaltige Beschaffung investiert
Analysen dieser Bereiche wurde eine Strategie mit mess- und das Thema ganz zuoberst auf ihre Agenda gesetzt
baren Indikatoren entworfen, wie diesen Arbeits- und hat.
Menschenrechtsverletzungen entgegnet werden kann. Mit der Verpflichtung gegenüber dem fairen Handel
Gleichzeitig hat die Firma schnell mit konkreten Mass- und den zum Teil ergriffenen flankierenden Massnah-
nahmen reagiert, zum Beispiel mit dem Entscheid, das men sind die Voraussetzungen für Halba zwar gut, um
gesamte Sortiment, das die Firma für Coop produziert, die Herausforderungen im Kakaosektor zu meistern. Da-
auf Fairtrade und teilweise auf Bio umzustellen, oder mit der hohe ökosoziale Standard gehalten werden kann,
mit dem Aufbau einer komplett neuen und nachhalti- muss die Firma in den kommenden Jahren aber ein gros-
gen Zulieferkette in Honduras (in partnerschaftlicher ses Engagement zeigen. Dies gilt insbesondere für die
Zusammenarbeit mit Helvetas) und der Diversifizierung Rückverfolgbarkeit der Kakaobutter, die bisher erst bei
des Anbaus durch die Integration von Agroforstsystemen 15 Prozent liegt und bis im Jahr 2015 auf 100 Prozent
mit Obst- und Edelhölzern in Honduras, Peru und Gha- gesteigert werden soll. Als einzige Firma gibt Halba an,
na. Nur wer über eine transparente und systematische die Höhe eines existenzsichernden Einkommens für die
Datenlage der eigenen Lieferkette verfügt, kann an der Kakaobauernfamilien berechnet zu haben, was sehr fort-
geeigneten Stelle Massnahmen ergreifen. Und nur wer schrittlich ist. Wie die Firma die Herausforderung der
eine nachhaltige Strategie mit konkreten Zielen, Unter- Umsetzung, also der Bezahlung dieses Preises für alle
zielen und dazugehörigen Indikatoren hat, kann Projekte ihre Kakaorohstoffe meistern will, wird sich erst zeigen.
auswerten, korrektive Massnahmen ergreifen und daraus Im Vergleich zur letzten Datenerhebung hat Halba den
lernen. Halba erfüllt diese Kriterien mehrheitlich. öffentlichen Zugang zu Informationen stark verbessert
Nachhaltige Kakaobeschaffung, die Einhaltung von Ar- und ausgebaut. Die Resultate von internen Evaluationen
beits- und Menschenrechten in der Lieferkette sowie die von Nachhaltigkeitsprojekten könnten jedoch noch bes-
Förderung von diversifiziertem Anbau in den Kakaore- ser kommuniziert werden.
gionen gehören allerdings erst seit wenigen Jahren ex-
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