GRÜNE TECHNOLOGIEN MADE IN HAMBURG: WACHSTUMSMOTOR FÜR EINE NACHHALTIGE STADT - ANALYSEN

 
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GRÜNE TECHNOLOGIEN MADE IN HAMBURG: WACHSTUMSMOTOR FÜR EINE NACHHALTIGE STADT - ANALYSEN
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         GRÜNE TECHNOLOGIEN MADE IN HAMBURG:
   WACHSTUMSMOTOR FÜR EINE NACHHALTIGE STADT
GRÜNE TECHNOLOGIEN MADE IN HAMBURG:
WACHSTUMSMOTOR FÜR EINE NACHHALTIGE STADT
Herausgeber:
Handelskammer Hamburg | Adolphsplatz 1 | 20457 Hamburg
Postfach 11 14 49 | 20414 Hamburg | Telefon 040 36138-138
Fax 040 36138-401 | service@hk24.de | www.hk24.de

Bearbeitung:
Geschäftsbereich Innovation & Umwelt
Tobias Knahl, Simone Ruschmann

Titelbilder:
Grafiken: Michael Holfelder
Alle Grafiken © Handelskammer Hamburg
Herstellung: Wertdruck GmbH & Co. KG, Hamburg

Juni 2016
Vorwort

Hamburg zählt zu den grünsten und gleichzeitig wirt-         Im Herbst 2015 haben wir nun erneut eine Umfrage
schaftlich erfolgreichsten Metropolen in Europa. Nicht       durchgeführt, um die Entwicklung der GreenTech-
zuletzt die Auszeichnung als Umwelthauptstadt Eu-            Branche seitdem aufzuzeigen. Die Ergebnisse sind die
ropas 2011 durch die Europäische Kommission hat die-         Grundlage des vorliegenden Analysepapiers. Besonders
sen Ruf bestätigt. Es gibt verschiedenste Projekte und       erfreulich ist, dass die Anzahl der Unternehmen laut
Initiativen, die sich zum Ziel gesetzt haben, unsere Stadt   Umfrage seit 2012 um über 20 Prozent gestiegen ist
nachhaltiger zu machen. Angefangen von den großen            und demnach hochgerechnet nun bei etwa 2 500 liegt.
und langfristig angelegten Vorhaben wie dem Umbau            Die Zahl der Beschäftigten ist sogar um 60 Prozent auf
unseres Energiesystems hin zu erneuerbaren Energien          hochgerechnet insgesamt über 53 000 gestiegen. Bei
bis hin zu kleineren innovativen Projekten in den Berei-     der aktuellen Umfrage standen auch die Rahmen-
chen Energieeffizienz, nachhaltiges Bauen, nachhaltige       bedingungen in Hamburg sowie mögliche Unterstüt-
Mobilität oder Kreislaufwirtschaft: Die Hamburger            zungsangebote der Handelskammer für die GreenTech-
Betriebe sind bei vielen Projekten weit vorne mit dabei      Branche im Fokus. Mit dem Standort Hamburg sind die
und haben in den letzten Jahren eine Reihe von Maß-          befragten GreenTech-Unternehmen überwiegend zu-
nahmen durchgeführt, um zur Verringerung von                 frieden, Verbesserungspotenzial besteht aber beispiels-
Umweltbelastungen und zur Erhöhung der Ressourcen-           weise noch bei der Unterstützung durch die Politik. Die
effizienz in unserer Stadt beizutragen, beispielsweise       weiteren Ergebnisse finden Sie in dem vorliegenden
im Rahmen der UmweltPartnerschaft Hamburg, bei der           Analysepapier. Sie liefern wichtige Anhaltspunkte, um
die mittlerweile über 1 000 Partner aus der Wirtschaft       Potenziale und Hilfestellungen für die Branche in
seit 2002 jährlich über 300 000 Tonnen CO2 einsparen,        Hamburg auszuloten.
oder der Partnerschaft für Luftgüte und schadstoffarme
Mobilität mit derzeit über 200 Mitgliedern.                  Die grünen Technologien und Dienstleistungen spielen
                                                             zudem für die ökologisch nachhaltige Entwicklung
Die Bestrebungen von Politik, Wirtschaft und Bevöl-          Hamburgs eine wichtige Rolle. Das Analysepapier
kerung für eine ökologisch nachhaltige Lebens- und           bietet daher im zweiten Teil einen Überblick darüber,
Wirtschaftsweise haben den sogenannten grünen                wo Hamburg bei dem Einsatz grüner Technologien in
Technologien in den letzten Jahren ein deutliches            den fünf wichtigsten Teilmärkten Energieversorgung,
Wachstum beschert. Diese Produkte, Technologien und          Energieeffizienz, nachhaltiges Bauen, nachhaltige
Dienstleistungen leisten einen entscheidenden Beitrag        Mobilität sowie Abfall-, Kreislauf- und Wasserwirt-
zum Umweltschutz und zur Verringerung des Ressour-           schaft steht, welches Potenzial existiert und welche
cenverbrauchs. Hamburg als Stadt mit ambitionierten          Projekte und Initiativen derzeit verfolgt werden, um
Zielen im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes und          die Stadt weiter voranzubringen.
einer gut vernetzten Wirtschaftsgemeinschaft ist für
die Branche der grünen Technologien ein attraktiver
Standort. Mit unserem Branchenporträt „Grüne Tech-           Handelskammer Hamburg
nologien“ aus dem Jahr 2012 hat die Handelskammer
auf Basis einer Unternehmensbefragung erstmals
Daten zu der Branche vorgelegt. Damals wurden im
Rahmen einer Hochrechnung bereits knapp 2 000                Fritz Horst Melsheimer    Prof. Dr. Hans-Jörg Schmidt-Trenz
GreenTech-Unternehmen mit über 33 000 Beschäftig-                   Präses                   Hauptgeschäftsführer
ten in Hamburg ausgemacht.
5

Inhaltsverzeichnis

1 Die Ergebnisse im Überblick                                                                                 7

2 Einleitung                                                                                                  8

3 Ergebnisse der Unternehmensbefragung                                                                       12

    3.1    Teilmärkte der grünen Technologien und Tätigkeitsbereich                                          14
    3.2    Gründungen und Anzahl der Unternehmen in Hamburg                                                  16
    3.3    Beschäftigungstrend und Umsatzprognose                                                            17
    3.4    Wichtigkeit und Zufriedenheit mit den Rahmenbedingungen                                           18
    3.5    Gewünschte Unterstützungsangebote durch die Handelskammer                                         20

4 Einsatz grüner Technologien in Hamburg                                                                     21

    4.1 Energieversorgung                                                                                    21
        4.1.1 Politische Rahmenbedingungen                                                                   21
        4.1.2 Ausgangssituation und Entwicklungspotenziale                                                   22
        4.1.3 Projekte, Netzwerke und Initiativen                                                            24
    4.2 Energieeffizienz                                                                                     25
        4.2.1 Politische Rahmenbedingungen                                                                   25
        4.2.2 Ausgangssituation und Entwicklungspotenziale                                                   26
        4.2.3 Projekte, Netzwerke und Initiativen                                                            28
    4.3 Nachhaltiges Bauen                                                                                   28
        4.3.1 Politische Rahmenbedingungen                                                                   28
        4.3.2 Ausgangssituation und Entwicklungspotenziale                                                   29
        4.3.3 Projekte, Netzwerke und Initiativen                                                            31
    4.4 Nachhaltige Mobilität                                                                                31
        4.4.1 Politische Rahmenbedingungen                                                                   31
        4.4.2 Ausgangssituation und Entwicklungspotenziale                                                   32
        4.4.3 Projekte, Netzwerke und Initiativen                                                            34
    4.5 Abfall-, Kreislauf- und Wasserwirtschaft                                                             35
        4.5.1 Politische Rahmenbedingungen                                                                   35
        4.5.2 Ausgangssituation und Entwicklungspotenziale                                                   36
        4.5.3 Projekte, Netzwerke und Initiativen                                                            38

5 Zusammenfassung und Fazit                                                                                  40

6 Weiterführende Informationen                                                                               41

7 Quellen                                                                                                    41

Anhang: Fragebogen, Übersicht der angeschriebenen Branchen und Berechnung der Anzahl                         42
        der GreenTech-Unternehmen und Anzahl der Beschäftigten

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1 Die Ergebnisse im Überblick

1. Energieversorgung ist wichtigster                                         abgeschwächt. Basierend auf den Wachstumszahlen
Teilmarkt der grünen Technologien                                            der letzten Jahre gibt es in Hamburg hochgerechnet
                                                                             derzeit knapp 2 500 GreenTech-Unternehmen und
50 Prozent der befragten Hamburger Unternehmen                               rund 53 000 Beschäftigte im GreenTech-Bereich.
sind im Bereich der Energieversorgung aktiv, zu dem
insbesondere die erneuerbaren Energien zählen. An
zweiter Stelle steht der Teilmarkt Energieeffizienz                          5. Die Unternehmen sind mit
(36 Prozent). Weitere Teilmärkte sind nachhaltiges                           den Rahmenbedingungen
Bauen, nachhaltige Mobilität sowie Abfall-, Kreislauf-                       in Hamburg überwiegend zufrieden
und Wasserwirtschaft.
                                                                             Besonders positiv bewerteten die befragten Unter-
                                                                             nehmen die Kundennähe (61 Prozent zufrieden), die
2. Die grünen Technologien sind                                              verkehrsinfrastrukturelle Anbindung (47 Prozent) so-
dienstleistungsgeprägt                                                       wie die in Hamburg vorhandenen Netzwerke (42 Pro-
                                                                             zent). Am schlechtesten bewerteten die Unternehmen
Knapp 80 Prozent der befragten GreenTech-Unter-                              die Unterstützung durch die Politik, mit dieser sind
nehmen sind als Dienstleister tätig. Die wichtigsten                         46 Prozent unzufrieden oder eher unzufrieden.
Dienstleistungsbereiche sind Beratung sowie Projekt-
entwicklung/Instandhaltung/Wartung. Im produzie-
renden Gewerbe sind 24 Prozent der Unternehmen                               6. Unternehmen wünschen
tätig, wobei einige in beiden Sektoren aktiv sind.                           sich Information und Austausch
                                                                             von der Handelskammer

3. Die Branche blickt optimistisch                                           Als wichtigstes Unterstützungsangebot der Handels-
in die Zukunft                                                               kammer sehen die Unternehmen Informationsveranstal-
                                                                             tungen (60 Prozent) sowie Netzwerktreffen (59 Prozent).
Sowohl bei der Entwicklung der Beschäftigtenzahlen
als auch bei der Umsatzentwicklung gehen die befrag-
ten Unternehmen von einer positiven Entwicklung aus.                         7. Verschiedenste städtische und
73 Prozent erwarten bis 2020 einen Beschäftigungs-                           wirtschaftsgetriebene Projekte
zuwachs in ihrem grünen Geschäftszweig, 25 Prozent                           geben der Branche weiter Auftrieb
der Unternehmen erwarten dann einen Gesamtumsatz
von jeweils über 10 Millionen Euro.                                          In den fünf großen Teilmärkten Energieversorgung,
                                                                             Energieeffizienz, nachhaltiges Bauen, nachhaltige Mo-
                                                                             bilität sowie Abfall-, Kreislauf- und Wasserwirtschaft
4. Gründungsdynamik schwächt sich                                            gibt es eine Reihe von Projekten, die zu einer nachhal-
seit 2012 leicht ab                                                          tigen Entwicklung Hamburgs beitragen. Hierzu zählen
                                                                             beispielsweise das Energie-Großprojekt „Norddeutsche
Zwischen 2007 und 2012 ist bislang die höchste                               Energiewende 4.0“, die UmweltPartnerschaft, die Initia-
Gründungsrate im GreenTech-Bereich zu verzeichnen.                           tive Unternehmen für Ressourcenschutz oder die Part-
Seit 2012 hat sich das Gründungsgeschehen leicht                             nerschaft für Luftgüte und schadstoffarme Mobilität.

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    2 Einleitung

    Der Klimaschutz, die Energiewende und die Ressour-                              haben damit Kohle und Gas als wichtigste Energie-
    ceneffizienz stehen seit einigen Jahren im Fokus der                            träger im Strombereich abgelöst. Die Energieeffizienz
    Politik. Deutschland hat sich bei diesen Themen ehr-                            ist neben den erneuerbaren Energien die zweite Säule
    geizige Ziele gesetzt: Bis 2020 sollen die Treibhausgas-                        der Energiewende: Bis 2020 soll sich der Verbrauch
    emissionen gegenüber 1990 um 40 Prozent reduziert                               gegenüber 2008 um 20 Prozent verringern. Große
    werden, bis 2050 sogar um 80 bis 95 Prozent. Um                                 Potenziale sind dabei vor allem noch im Gebäudesektor
    dieses Klimaschutzziel zu erreichen, setzt die Bundes-                          und im Verkehrsbereich vorhanden.
    regierung auf ein breites Spektrum an Instrumenten
    wie den internationalen Emissionshandel, Gesetze und                            Eng verbunden mit dem Ziel einer Verringerung der
    Verordnungen sowie Förderprogramme.                                             CO2-Emissionen ist das Thema Ressourceneffizienz. So
                                                                                    gehen etwa 50 Prozent der industriellen CO2-Emissio-
    Mit der Energiewende soll nicht nur bis 2022 der Aus-                           nen auf die Produktion und Verarbeitung von fünf
    stieg aus der Atomenergie vollzogen werden, sondern                             Grundstoffen zurück, nämlich Stahl, Zement, Papier,
    es sollen auch die CO2-Emissionen durch eine gerin-                             Plastik und Aluminium. Die Zunahme des weltweiten
    gere Nutzung fossiler Energieträger gesenkt werden.                             Rohstoffverbrauchs in den letzten Jahren wirft zudem
    Dafür werden erneuerbare Energien kontinuierlich                                die Frage nach einem nachhaltigeren Umgang mit Res-
    ausgebaut, 2020 soll ihr Anteil am gesamten Energie-                            sourcen auf. In Deutschland ist die Rohstoffproduk-
    verbrauch bei 18 Prozent liegen. Derzeit sind es knapp                          tivität zwischen 1994 und 2013 um 47,8 Prozent
    14 Prozent. Im Stromsektor liegt der Anteil der Erneu-                          gestiegen, bis 2020 soll sie sich gegenüber 1994 ver-
    erbaren bereits bei über 30 Prozent, die Erneuerbaren                           doppeln.

      Abbildung 1: Ziele der deutschen Energie- und Klimapolitik

        Themenbereich                                  Ziel                                             Aktueller Stand

        Ausstieg aus der Kernenergie                   Komplette Stilllegung aller Atomkraft-           Noch 8 AKW in Betrieb
                                                       werke (AKW) bis 2022

        Ausbau der erneuerbaren Energien               Anteil am Bruttoendenergieverbrauch              13,7 Prozent Anteil der Erneuerbaren
                                                       2020: 18 Prozent, 60 Prozent bis 2050            am Bruttoendenergieverbrauch
                                                       (Strom: 80 Prozent)                              (Strom: 27 Prozent)

        Erhöhung der Energieeffizienz                  Bis 2020 Senkung des Primärenergie-              Senkung des Primärenergieverbrauchs
                                                       verbrauchs gegenüber 2008 um                     um 9 Prozent gegenüber 2008
                                                       20 Prozent und bis 2050 um 50 Prozent

        Verringerung der CO2-Emissionen                40 Prozent weniger CO2-Emissionen                Verringerung der CO2-Emissionen um
                                                       im Jahr 2020 gegenüber 1990,                     27 Prozent gegenüber 1990
                                                       bis 2050 minus 80 Prozent

      Quelle: Energiekonzept der Bundesregierung, Umweltbundesamt (Zahlen für 2014/2015)

                                               Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
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Die Bundesregierung strebt insgesamt eine möglichst                          ronment Industry“ umfasst daher einen breiten Tätig-
weitgehende Entkopplung des Wirtschaftswachstums                             keitskatalog: „The environmental goods and services
vom Ressourceneinsatz sowie die Senkung der damit                            industry consists of activities which produce goods
verbundenen Umweltbelastungen an und hat hierzu                              and services to measure, prevent, limit, minimise or
2012 das Ressourceneffizienzprogramm ProgRess                                correct environmental damage to water, air and soil,
ins Leben gerufen, im März 2016 wurde die Fort-                              as well as problems related to waste, noise and eco-
schreibung ProgRess II von der Bundesregierung                               systems. This includes cleaner technologies, products
beschlossen.                                                                 and services that reduce environmental risk and mini-
                                                                             mize pollution and resource use.” 1

Was sind grüne Technologien?
                                                                             Marktvolumen der grünen Technologien
Vor dem Hintergrund dieser politischen Zielsetzungen
haben die sogenannten grünen Technologien in den                             Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau
letzten Jahren ein gewaltiges Wachstum erfahren. Sie                         und Reaktorsicherheit (BMUB) veröffentlicht seit eini-
umfassen Produkte, Verfahren und Dienstleistungen,                           gen Jahren einen Umwelttechnologie-Atlas, in dem
die dem Schutz der Umwelt und der Minimierung des                            wichtige Leitmärkte und Marktpotenziale der grünen
Ressourcenverbrauchs dienen. Es handelt sich also um                         Technologien untersucht werden. Im aktuellen Atlas
eine Querschnittsbranche, die auch unter dem Begriff                         aus dem Jahr 2014 wird das Marktvolumen in
Umwelttechnologien, CleanTech, GreenTech oder                                Deutschland auf 344 Milliarden Euro geschätzt, bis
Umweltwirtschaft zusammengefasst wird.                                       2025 soll das Volumen auf 740 Milliarden Euro anstei-
                                                                             gen. Den grünen Technologien wird damit ein Wachs-
Die Abgrenzung grüner Technologien ist schwierig, da                         tum von über sechs Prozent pro Jahr vorausgesagt.
diese in verschiedensten Wirtschaftszweigen zu finden
sind, beispielsweise im Bereich Maschinen- und An-                           Die GreenTech-Branche hat bundesweit etwa 1,5 Mil-
lagenbau, Elektrotechnik, aber auch in den Dienstleis-                       lionen Beschäftigte, auch hier beträgt die erwartete
tungsbranchen wie Beratung sowie Installation und                            Wachstumsrate über 6 Prozent bis 2018. Insgesamt lag
Wartung. Die Palette von Umweltschutzgütern reicht                           der GreenTech-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP)
von Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren                              im Jahr 2013 bereits bei 13 Prozent, was einer Stei-
Energiequellen und intelligenten Stromzählern über                           gerung von zwei Prozentpunkten gegenüber 2011 ent-
Pumpen, Luftfilter bis hin zu Sammelbehältern für Alt-                       spricht. Auch weltweit wächst der Bedarf an Umwelt-
stoffe. Auch bei den Dienstleistungen ist ein breites                        und Klimaschutztechniken sowie an Produkten, die
Tätigkeitsspektrum vertreten, zum Beispiel Energie-                          umweltfreundlich und ressourcenschonend sind: Das
beratungen, Wartung und Servicearbeiten oder der                             globale Marktvolumen der Umwelttechnik und Res-
Handel mit umweltfreundlichen Produkten. Eine ein-                           sourceneffizienz beläuft sich nach Angaben des BMUB
heitliche Definition wird erschwert durch die Tatsache,                      auf 2 536 Milliarden Euro. Mit einem Welthandelsanteil
dass einerseits Güter zu den grünen Technologien                             von 14,8 Prozent war Deutschland im Jahr 2013 erneut
zählen, die ausschließlich zu Umweltschutzzwecken                            größter Exporteur von Umweltschutzgütern.
entwickelt wurden, andererseits auch solche, die nur
potenziell dem Umweltschutz dienen und auch andere
Funktionen erfüllen können.
                                                                             1   Organisation for Economic Cooperation and Development:
Die Definition der Organisation für wirtschaftliche                              The environmental goods and services industry. Manual for data
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) der „Envi-                                 collection and analysis 1999

Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
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     Abbildung 2: Weltweites Marktvolumen der Umwelttechnik und Ressourceneffizienz 2013

       Leitmarkt                                                       Marktvolumen weltweit und Weltmarktanteil Deutschlands

       Energieeffizienz                                                100 Milliarden Euro (Weltmarktanteil: 12 Prozent)

       Umweltfreundliche Erzeugung, Speicherung
       und Verteilung von Energien                                     73 Milliarden Euro (Weltmarktanteil: 17 Prozent)

       Nachhaltige Mobilität                                           53 Milliarden Euro (Weltmarktanteil: 17 Prozent)

       Nachhaltige Wasserwirtschaft                                    53 Milliarden Euro (Weltmarktanteil: 11 Prozent)

       Rohstoff- und Materialeffizienz                                 48 Milliarden Euro (Weltmarktanteil: 13 Prozent)

       Kreislaufwirtschaft                                             17 Milliarden Euro (Weltmarktanteil: 17 Prozent)

     Quelle: GreenTech made in Germany 4.0. – Umwelttechnologie-Atlas für Deutschland, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

 Grüne Technologien und                                                             beispielsweise in traditionellen Wirtschaftsbereichen
 Green Economy                                                                      durch Ressourcenschonung und Energieeffizienz zur
                                                                                    Modernisierung bei und setzen Impulse für technische
 Die grünen Technologien spielen nicht nur aufgrund                                 Innovationen sowie den Erhalt von Wettbewerbsfähig-
 ihres wachsenden Marktvolumens eine wichtige Rolle.                                keit und Arbeitsplätzen. Durch die Förderung des
 Aufgrund ihres breiten Einsatzes in verschiedensten                                Umwelt- und Klimaschutzes vor Ort verbessern grüne
 Branchen werden sie auch als Wegbereiter einer                                     Technologien die Umwelt- und Lebensqualität von
 „Green Economy“ gesehen. Die Green Economy orien-                                  Wirtschaftsstandorten und unterstützen damit eine
 tiert sich an einer mit Natur und Umwelt in Einklang                               nachhaltige Entwicklung.
 stehenden, innovationsorientierten Volkswirtschaft, die
 ökologische Risiken begrenzt und wirtschaftliche
 Chancen nutzt. Ziel ist die zunehmende Entkoppelung                                Grüne Technologien in Hamburg
 von Wirtschaftswachstum und steigendem Ressour-
 cenverbrauch. Sie steht in einem engen Zusammen-                                   Hamburg hat sich spätestens mit mit der Auszeich-
 hang mit dem internationalen Leitbild der nachhal-                                 nung als Umwelthauptstadt Europas im Jahr 2011 als
 tigen Entwicklung. In einer Green Economy geht es                                  grüne Metropole positioniert. In allen Bewertungs-
 insbesondere darum, Emissionen zu vermeiden, den                                   kategorien der EU-Kommission wie Klimaschutz, Mobi-
 Einsatz nicht erneuerbarer Ressourcen zu senken, eine                              lität, Luftqualität, Wasserverbrauch und Flächennut-
 noch effizientere Nutzung von Energie, Rohstoffen                                  zung lag Hamburg im oberen Bewertungsbereich. Die
 und anderen natürlichen Ressourcen zu erreichen,                                   Stadt hat sich im Bereich Klimaschutz zudem eigene,
 nicht erneuerbare Ressourcen durch nachhaltig                                      an die europäischen und bundesdeutschen Vorgaben
 erzeugte erneuerbare Ressourcen kontinuierlich zu                                  angelehnte Ziele gesetzt. Laut Hamburger Klimaplan
 ersetzen sowie eine stärker auf erneuerbaren Energien                              aus dem Jahr 2015 sollen bis 2020 rund zwei Millionen
 basierende Energieversorgung anzustreben. Die grünen                               Tonnen CO2-Emissionen im Vergleich zu 2012 ein-
 Technologien leisten mit ihren Produkten, Verfahren                                gespart werden Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen in
 und Dienstleistungen einen Beitrag zur Lösung ökolo-                               Hamburg halbiert werden. Die Pro-Kopf-Emissionen
 gischer Herausforderungen, ohne dabei Wirtschaft-                                  von derzeit 10,2 Tonnen sollen hierzu bis 2020 auf
 lichkeitsaspekte aus den Augen zu verlieren. Sie tragen                            neun Tonnen reduziert werden, bis 2030 auf sechs

                                               Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
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Tonnen. Um diese Ziele zu erreichen, werden in ver-                          diesen fünf Themenbereichen derzeit steht und welche
schiedenen Sektoren Maßnahmen durchgeführt, bei-                             Projekte und Initiativen in der Hansestadt derzeit
spielsweise im Gebäudebereich, bei der Energieversor-                        durchgeführt werden, um durch grüne Technologien
gung und bei der Mobilität. Das Thema Green Economy                          eine nachhaltige Entwicklung voranzubringen.
spielt bei diesen Zielsetzungen eine besondere Rolle.
Die Wirtschaft soll sich zukünftig noch stärker daran
orientieren, wie „betriebswirtschaftliche Abläufe,
Strukturen und Produkte so innovativ gestaltet wer-
den, dass einerseits Umwelt und Ressourcen geschont
werden, andererseits zukunftsfähiges wirtschaftliches
Wachstum erreicht wird“.2

Bereits im Jahr 2012 hat die Handelskammer eine erste
Erhebung zum Stand der grünen Technologien in
Hamburg durchgeführt und daraus ein „Branchen-
porträt grüne Technologien“ entwickelt. Im Rahmen
einer Unternehmensumfrage wurden Entwicklungen
und Trends der Branche ermittelt. Eine Hochrechung
auf Basis der Unternehmensumfrage ergab damals
knapp 2 000 Unternehmen, die der GreenTech-Branche
zuzuordnen waren. Die befragten Unternehmen waren
bezüglich ihrer zukünftigen Entwicklung sehr positiv
eingestellt. So erwarteten sie bis 2016 einen durch-
schnittlichen Beschäftigtenzuwachs um 40 Prozent.3
Ein Viertel der Befragten prognostizierte ein Umsatz-
volumen von insgesamt über 10 Millionen Euro in 2016.

Aufgrund der großen Dynamik bei den grünen Tech-
nologien haben wir nun im Herbst 2015 erneut eine
Umfrage bei unseren Mitgliedsunternehmen durchge-
führt. Bei dieser standen nicht nur die Entwicklungen
und Trends der Branche selbst, sondern auch die Ein-
schätzung der Rahmenbedingungen in Hamburg im
Mittelpunkt. Im Folgenden werden die Ergebnisse die-
ser Umfrage vorgestellt und daraus Handlungsemp-
fehlungen für die Politik abgeleitet. Dabei werden die
fünf Teilmärkte Energieversorgung, Energieeffizienz,
nachhaltiges Bauen, nachhaltige Mobilität sowie die
Abfall-, Kreislauf- und Wasserwirtschaft betrachtet. In
einem zweiten Teil wird aufgezeigt, wo Hamburg bei

2   Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg: Hamburger Klimaplan,
    Drucksache 21/2521 S. 14
3   Vgl. Handelskammer Hamburg: Branchenporträt grüne Technologien 2012

Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
12

 3 Ergebnisse der Unternehmensbefragung

 Methodik der Befragung                                                                     nologien befasst sein können (potenzielle GreenTech-
                                                                                            Branchen wie zum Beispiel Maschinen- und Anlagen-
 Unsere Handelskammer hat im September und Oktober                                          bau, technische Dienstleistungen), insbesondere durch
 2015 eine Onlinebefragung von Hamburger Unter-                                             Aufruf zur Teilnahme an der Umfrage per Mail sowie
 nehmen durchgeführt. Um möglichst viele GreenTech-                                         durch einen Hinweis auf unserer Webseite. Zur Ab-
 Unternehmen zu erreichen, wurden einerseits Unter-                                         grenzung von definitiven und potenziellen GreenTech-
 nehmen angeschrieben, deren Tätigkeitsschwerpunkt                                          Branche siehe Abbildung 3. Angeschrieben wurden
 eine Befassung mit grünen Technologien nahe legt                                           ausschließlich ins Handelsregister eingetragene Un-
 (definitive GreenTech-Branchen wie zum Beispiel                                            ternehmen dieser Branchen. Die angeschriebenen
 Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien). An-                                             Wirtschaftszweige decken sich mit denjenigen der
 dererseits haben wir weitere Branchen zur Teilnahme                                        Umfrage 2012.
 eingeladen, die potenziell mit dem Thema grüne Tech-

     Abbildung 3: Definitive und potenzielle GreenTech-Branchen

                                                                        Potenzielle GreenTech-Branchen:

                                                    Abfallbeseitigung                                                         Handel
                                                                                  Baubranche
                                                                                  Beispiele für
                                                                      definitive GreenTech-Branchen:
                                         Forschung und              Im Bereich Energieversorgung, z.B.                  Industrie- und
                                          Entwicklung           Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien,               Produktdesign
                 Information und                               Herstellung und Installation von Solarzellen und                               Hochschulen
                 Kommunikation                                    -modulen, Windrädern, Windkraftanlagen
                                                                     Im Bereich Energieeffizienz, z.B.
                                                                                Energieberatung                               Verkehr und
                                Architektur- und                   Im Bereich nachhaltiges Bauen, z.B.                           Logistik
                                 Ingenieurbüros                       Dämmung gegen Kälte und Wärme
                                                                  Im Bereich nachhaltige Mobilität z.B.
                                                                          Herstellung von und Handel                                         Unternehmens-
                 Finanz- und Kreditinstitute,                      mit Elektro-, Gas- und Hybridfahrzeugen                                     beratungen
                     Finanzdienstleister                                Im Bereich Abfall-, Kreislauf-
                                                                         und Wasserwirtschaft z.B.                        Wasserversorgung
                                           Maschinen- und       Abfallbehandlung, Recycling, Ingenieurbüros
                                            Anlagenbau                 für Abfalltechnik und Entsorgung,
                                                                             Abwasserentsorgung                   sonstige
                                                                                                              Energieversorgung
                                                                             Verarbeitendes Gewerbe

       Quelle: eigene Darstellung                                                                                                      © Handelskammer Hamb rg 201
                                                                                                                                                       Hamburg 2016

                                                   Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
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Es wurden insgesamt 10 576 Unternehmen ange-                                              aber nicht zwangsläufig auch tatsächlich im Bereich
schrieben. Insgesamt haben sich 325 an der Umfrage                                        grüne Technologien tätig sind. Im Vergleich zur Um-
beteiligt (Rücklaufquote 3,1 Prozent). Die niedrige                                       frage für das Branchenporträt grüne Technologien aus
Rücklaufquote erklärt sich insbesondere damit, dass                                       dem Jahr 2012 haben sich 20 Prozent mehr Unterneh-
zwei Drittel der angeschriebenen Unternehmen zwar                                         men an der Umfrage beteiligt (2012: 280).
in potenziellen GreenTech-Branchen zu finden sind,

   Abbildung 4: Branchenverteilung der angeschriebenen Unternehmen

      Angabe in Prozent

                                                                                                                         Gew
                                                                                                        Produzierendes Gewerbe
                                                                                                            (inklusive Energieversorgung
                                                                                                                       Energ             und Bau) 15,0 %

                                                    4,0 %
                         sonstige Dienstleistungen 24,0
                                                                                                                    Verkeh Lagerei, Handel, Instandhaltung
                                                                                                                    Verkehr,
                                                                                                                      und Reparatur von Kraftfahrzeugen 2,0 %

                                                                                                                          Information und Kommunikation 19,0 %

                          Unternehmensberatungen 28,0 %
                                                                                                           Architektur- und Ingenieurbüros, technische,
                                                                                                                      chemische Untersuchung 12,0 %
                                                                                                    physikalische und che

      Quelle: Umfrage Handelskammer Hamburg 2015; n=10 576, vollständige Branchenliste siehe Anhang 2                                    © Handelskammer Hamburg 2016

Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
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 3.1 Teilmärkte der grünen                                                          stark vertreten. An dritter und vierter Stelle folgen die
 Technologien und Tätigkeitsbereich                                                 Bioenergie mit 15 Prozent sowie der Bereich Energie-
                                                                                    speicherung mit zwölf Prozent.
 Bei der Einordnung der Umfrageteilnehmer in die fünf
 Teilmärkte war eine Mehrfachnennung möglich. Der                                   Befragt nach ihrer Tätigkeit im Bereich der grünen
 größte Teilmarkt ist mit 50 Prozent der Befragten die                              Technologien (bei Mehrfachnennung), ordnet sich der
 Energieversorgung. Das zweithäufigste Tätigkeitsfeld                               überwiegende Teil der Umfrageteilnehmer im Dienst-
 ist der Bereich Energieeffizienz (36 Prozent der Um-                               leistungssektor ein (77 Prozent), 24 Prozent sind in
 frageteilnehmer). Etwa ein Fünftel der Unternehmen                                 der Produktion tätig. Die am häufigsten vertretenen
 befasst sich mit den Themen nachhaltiges Bauen                                     Dienstleistungsbereiche (bei Mehrfachnennung) sind
 beziehungsweise nachhaltige Mobilität (22 bzw. 21                                  Beratung (47 Prozent der Befragten) sowie Projekt-
 Prozent), 18 Prozent mit der Abfall-, Kreislauf- und                               entwicklung/Instandhaltung/Wartung (31 Prozent).
 Wasserwirtschaft.                                                                  16 Prozent sind in der Forschung und Entwicklung
                                                                                    tätig, 15 Prozent im Bereich IT-Dienstleistungen. Ein
 Im größten Teilmarkt Energieversorgung war eine                                    gleich hoher Anteil hat keine Spezifizierung angegeben
 weitere Ausdifferenzierung möglich. Am stärksten in                                beziehungsweise anderweitige Dienstleistungen wie
 diesem Teilmarkt vertreten sind die erneuerbaren Ener-                             zum Beispiel Marketing oder Personal. 13 Prozent sind
 gien, angeführt von der Windenergie mit 21 Prozent                                 im Bereich Investments/Finanzierung/Versicherungen
 der in der Energieversorgung tätigen Umfrageteil-                                  aktiv.
 nehmer. Auch die Sonnenenergie ist mit 19 Prozent

     Abbildung 5: Auf welchem der folgenden Gebiete im Bereich grüne Technologien ist Ihr Unternehmen aktiv?

       Angabe in Prozent (Mehrfachnennung möglich)

                                    Energieversorgung                                                                                      49,5
                                                                                                                                           4 %

                                       Energieeffizienz                                                           35,7 %

                                   nachhaltiges Bauen                                       21,8 %

                                  nachhaltige Mobilität                                    21,2 %

               Abfall-, Kreislauf- und Wasserwirtschaft                               18,2
                                                                                       8 %

                                         keine Angabe                     10,2 %

                                                          0          10               20              30               40                50

       Quelle: Umfrage Handelskammer Hamburg 2015; n= 325                                                                   © Handelskammer Hamburg 2016

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   Abbildung 6: Aktivitätsbereiche im Teilmarkt Energieversorgung

      Angabe in Prozent (Mehrfachnennung möglich)

                                       Windenergie                                                                                  21,1 %

                                     Sonnenenergie                                                                            19,3
                                                                                                                              1 %

                                         Bioenergie                                                            15,0 %

                                 Energiespeicherung                                              11,6 %

                           Energieverteilung/-handel                                    9,5 %

                                        Wasserkraft                        6,4 %

                                         Geoenergie             4,0 %

                                                       0         5                  10                    15                 20                 25

      Quelle: Umfrage Handelskammer Hamburg 2015; n= 161                                                                          © Handelskammer Hamburg 2016

   Abbildung 7: Welche Tätigkeiten übt Ihr Unternehmen im Bereich der grünen Technologien aus?

      Angabe in Prozent (Mehrfachnennung möglich)

                                         Produktion                           23,7 %

                          Dienstleistungen allgemein                                                                                            77,2 %

                                           Beratung                                                        47,1
                                                                                                           4 %

             Projektentwicklung/Installation/Wartung                                    30,5 %
                                                                                                                              Spezifizierung
                         Forschung und Entwicklung                   16,0
                                                                       , %
                                                                                                                                   der
                                 IT-Dienstleistungen             14,5 %
                                                                                                                             Dienstleistungen
                      Sonstiges/keine Spezifizierung             14,5 %

             Investments/Finanzierung/ Versicherung             12,6 %

                                       keine Angabe                     117,5 %

                                                       0   10         20           30            40        50           60          70          80

      Quelle: Umfrage Handelskammer Hamburg 2015; n= 325                                                                          © Handelskammer Hamburg 2016

Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
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 3.2 Gründungen und Anzahl                                                         Bereich grüne Technologien beantwortet. Bei diesen
     der Unternehmen in Hamburg                                                    Unternehmen wurde auf Basis ihres Anteils grüner
                                                                                   Technologien am Gesamtumsatz eine Unterscheidung
 Anhand der Beschäftigten- und der Umsatzzahlen                                    in drei Kategorien vorgenommen (Unternehmen mit
 lässt sich feststellen, ob die Unternehmen grüne Tech-                            grünem Kerngeschäft, Unternehmen mit grünem
 nologien als Kerngeschäft haben (100 Prozent Anteil                               Geschäftsanteil, keine Angabe zur Umsatzverteilung).
 der grünen Technologien am Umsatz bzw. an den                                     Anhand dieser Daten ergibt sich eine Übersicht der
 Beschäftigten) oder ob die grünen Technologien ledig-                             Gründungen/Aktivitätsstarts im Bereich grüne Tech-
 lich ein Geschäftszweig des Unternehmens sind:                                    nologien für diese drei Kategorien.
 34 Prozent der befragten Unternehmen haben dem-
 nach, gemessen am Umsatz, ein grünes Kerngeschäft,                                Demnach hat über die Hälfte der 186 Umfrageteilneh-
 40 Prozent haben grüne Geschäftszweige. Bei diesen                                mer ihre Aktivtäten im Bereich grüne Technologien
 Unternehmen liegt der Anteil der grünen Technologien                              nach 2007 begonnen. Zwischen 2007 und 2012 ist der
 am gesamten Umsatz durchschnittlich bei 16 Prozent.                               höchste Anstieg an Unternehmensgründungen zu ver-
 Nach eigener Einschätzung der Unternehmen wird sich                               zeichnen (Anstieg um 86 Prozent) Seitdem hat sich die
 dieser Anteil bis 2020 im Durchschnitt auf über 27 Pro-                           Gründungsdynamik etwas abgeschwächt. 23 Prozent
 zent erhöhen. 26 Prozent machten keine Angabe zu                                  der Unternehmen sind erst seit dem Jahr 2012 aktiv.
 ihrer Geschäftsaufteilung.                                                        Der Anteil der Unternehmen mit grünem Kerngeschäft
                                                                                   und derjenigen mit grünem Geschäftszweig halten
 Die grünen Technologien sind eine noch junge Branche                              sich dabei fast die Waage, grüne Geschäftszweige sind
 mit einer hohen Gründungsdynamik. 186 Unterneh-                                   etwas öfter vorhanden.
 men haben die Frage nach ihrem Aktivitätsstart im

     Abbildung 8: Aktivitätsstart der Unternehmen im Bereich grüne Technologien

       Anzahl kumuliert

           200

                                  Unternehmen mit grünem Kerngeschäft
                                                                                                                             63
           150                    Unternehmen mit grünem Geschäftszweig
                                  keine Angabe zur Umsatzverteilung
                                                                                                          47

           100
                                                                                                                             75
                                                                                                          63
                                                                                        25

            50                                                           18
                                                                                        36
                                                                         24                                                  48
                                                    11                                                    41
                              8                     10
                              7                                          15             20
                                                     6
              0               3

                          bis 1992                1997                  2002          2007               2012              2015

       Quelle: Umfrage Handelskammer Hamburg 2015; n= 186                                                                 © Handelskammer Hamburg 2016

                                                 Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
17

Die Hochrechnung auf Basis der Unternehmensbefra-                            3.3 Beschäftigungstrend und
gung aus dem Jahr 2012 ergab damals knapp 2 000                                  Umsatzprognose
GreenTech-Unternehmen in Hamburg. Geht man von
dieser Grundlage und von der oben genannten Wachs-                           Die Beschäftigtenentwicklung lässt auf eine positive
tumsrate 2012 bis 2015 von 23 Prozent aus, so sind                           Entwicklung der grünen Technologien schließen: Ins-
in Hamburg derzeit knapp 2 500 Unternehmen im                                gesamt ist die Mitarbeiterzahl der befragten Unterneh-
Bereich grüne Technologien tätig (Berechnung siehe                           men bei den grünen Technologien von 2012 bis 2015
Anhang 3). Aufgrund der vielfältigen Tätigkeitsbereiche                      um 60 Prozent gestiegen. Die Umfrageteilnehmer
und der unterschiedlichen Geschäftsausrichtung – also                        hatten im Jahr 2012 zusammengerechnet knapp 2 200
grünes Kerngeschäft versus nur einzelne grüne Ge-                            Beschäftigte im GreenTech-Bereich, 2015 knapp 3 500.
schäftszweige sowie Herstellung definitiver versus nur
potenzieller Umweltschutzgüter – ist eine abschlie-                          In der Umfrage aus dem Jahr 2012 wurde bis 2016
ßende Anzahl jedoch schwer zu ermitteln. Hinzu                               lediglich von einem Beschäftigtenzuwachs von 40 Pro-
kommt die Frage nach dem „Zugehörigkeitsgefühl“                              zent ausgegangen; das heißt dass die Branchen laut
zu der GreenTech-Branche, insbesondere wenn das                              aktueller Umfrage in den letzten Jahren in Bezug auf
Haupttätigkeitsfeld in einer anderen Branche liegt.                          die Beschäftigten deutlich stärker gewachsen ist als
                                                                             angenommen. Bis 2020 rechnen zudem 73 Prozent mit
                                                                             steigenden Beschäftigungszahlen, nur drei Unterneh-
                                                                             men erwarten sinkende Mitarbeiterzahlen. Insgesamt
                                                                             prognostizieren die Unternehmen bis 2020 ein weite-
                                                                             res Beschäftigungsplus von 40 Prozent.

   Abbildung 9: Wie viele Beschäftigte hat Ihr Unternehmen in Hamburg im Bereich grüne Technologien?
   Rückblick 2012 – Stand 2015 – Ausblick 2020

      Angabe in Prozent nach Beschäftigtengrößenklassen

          100              3,7 %                       5,2 %                                                 über 50 Mitarbeiter
                                                                                     9,6 %
                           9,1 %
                                                       14,1 %                                                10 bis 49 Mitarbeiter
           80                                                                                                0 bis 9 Mitarbeiter
                                                                                    27,0 %

           60

                          87,2 %
           40                                          80,7 %

                                                                                    63,5 %

           20

             0
                           2012                        2015                          2020
                         (n = 164)                   (n = 192)                     (n = 178)

      Quelle: Umfrage Handelskammer Hamburg 2015                                                                  © Handelskammer Hamburg 2016

Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
18

     Abbildung 10: Wie hoch ist der Umsatz Ihres Unternehmens?
     Rückblick 2012 – Stand 2015 – Ausblick 2020

       Angabe in Prozent nach Umsatzgrößenklassen

           100              1,4 %
                                                                                                                   über 50 Millionen Euro
                                                           8,0 %                         8,0 %
                            8,6 %
                                                           5,1 %                                                   10 Millionen bis 50 Millionen Euro
                                                                                        16,8 %
            80             21,4 %                                                                                  500 000 bis 10 Millionen Euro
                                                                                                                   bis 500 000 Euro
                                                          43,8 %
            60

                                                                                        55,8 %

            40
                           68,6 %

                                                          43,2 %
            20

                                                                                        19,5 %

              0
                           2012                            2015                          2020
                          (n = 70)                       (n = 176)                     (n = 113)

       Quelle: Umfrage Handelskammer Hamburg 2015                                                                       © Handelskammer Hamburg 2016

 Das Wachstum zeigt sich auch bei der Einteilung in                              Auch beim Gesamtumsatz zeigt sich ein positiver
 Beschäftigtengrößenklassen: Im Jahr 2012 hatten nur                             Trend: 2012 lag der Umsatz von 69 Prozent der Unter-
 12,8 Prozent der Befragten über neun Mitarbeiter im                             nehmen bei unter 500 000 Euro, 2015 waren nur noch
 Bereich der grünen Technologien, 2015 sind es bereits                           43 Prozent unter dieser Marke. Vier von fünf Unter-
 über 19 Prozent. Über 36 Prozent der Unternehmen                                nehmen (80 Prozent der Umfrageteilnehmer) gehen
 gehen davon aus, 2020 mehr als neun Mitarbeiter im                              davon aus, 2020 über eine halbe Million Euro Umsatz
 Bereich grüne Technologien zu beschäftigen.                                     zu haben. Ein Großteil der Unternehmen (56 Prozent)
                                                                                 rechnet in fünf Jahren mit einem Umsatz zwischen
 Im Branchenporträt „Grüne Technologien“ aus dem                                 500 000 Euro und 10 Millionen, knapp 25 Prozent mit
 Jahr 2012 wurden nach einer Hochrechnung 33 400                                 einem Umsatz von über 10 Millionen (jeweils Gesamt-
 Beschäftigte im GreenTech-Bereich ermittelt. Nimmt                              umsatz für alle Geschäftszweige).
 man diese Zahl sowie die sich aus der aktuellen
 Umfrage ergebende Wachstumsrate von 60 Prozent                                  Von denjenigen Unternehmen, die nur einen grünen
 als Basis für die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen                           Geschäftszweig haben (also keine 100 Prozent Umsatz
 von 2012 bis 2015, so sind heute in Hamburg etwa                                im Bereich grüne Technologien), rechnen 57 Prozent
 53 000 Menschen im GreenTech-Bereich tätig (Berech-                             mit einem höheren Anteil der grünen Technologien am
 nung siehe Anhang 3). Aufgrund der Schwierigkeit,                               Umsatz im Jahr 2020 gegenüber 2015, 14 Prozent
 GreenTech-Unternehmen und grüne Geschäftstätig-                                 rechnen mit weniger Umsatz.
 keiten insgesamt zu erfassen, ist jedoch auch hier –
 wie bei der Anzahl der GreenTech-Unternehmen – eine
 abschließende Aussage schwierig.

                                               Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
19

3.4 Wichtigkeit von und Zufriedenheit                                        Eher eine untergeordnete Rolle spielen für die grünen
    mit den Rahmenbedingungen in                                             Technologien in Hamburg das Angebot an Gewerbe-
    Hamburg                                                                  und Büroflächen (56 Prozent halten diese Rahmen-
                                                                             bedingung für unwichtig oder eher unwichtig). Bei der
Die wichtigsten Rahmenbedingungen für Hamburger                              verkehrsinfrastrukturellen Anbindung halten sich die
Unternehmen im Bereich grüne Technologien sind das                           Einschätzungen die Waage: 38 Prozent bewerten diese
Nachfragevolumen (80 Prozent der befragten Unter-                            als sehr wichtig oder wichtig, 40 Prozent als eher
nehmen halten dies für sehr wichtig oder wichtig), die                       unwichtig oder unwichtig.
Unterstützung durch die Politik sowie die Fachkräfte-
verfügbarkeit (jeweils 67 Prozent sehr wichtig bzw.                          Am zufriedensten sind die befragten Unternehmen mit
wichtig). Rund die Hälfte der Unternehmen schätzt                            der Nähe zu Kunden (61 Prozent sehr zufrieden oder
Netzwerke, Cluster, Verbände und Kooperationen als                           zufrieden) sowie mit der verkehrsinfrastrukturellen
wichtig ein (56 Prozent), 52 Prozent die Nähe zu Kun-                        Anbindung (47 Prozent). Auch bei dem Kontakt zu
den sowie Finanzierungsmöglichkeiten. Die Unterstüt-                         Hochschulen/Forschungseinrichtungen, Netzwerken,
zung der Handelskammer halten 45 Prozent für sehr                            Clustern, Verbänden und Kooperationen, dem Nach-
wichtig oder wichtig.                                                        fragevolumen, den Finanzierungsmöglichkeiten sowie

   Abbildung 11: Wichtigkeit von und Zufriedenheit mit den Rahmenbedingungen in Hamburg

      Durchschnittswerte in Schulnoten von 1 bis 5 ausgedrückt

                        5                                                                                    Nachfragevolumen
                                                                                                             Fachkräfteverfügbarkeit
                                                                                                             Netzwerke/Cluster/Verbände/
                                                                                                             Kooperationen
                                                                                                             verkehrsinfrastrukturelle Anbindung

                        4                                                                                    Angebot an Gewerbe-/Büroflächen
                                                                                                             Nähe zu Kunden
                                                                                                             Finanzierungsmöglichkeiten
                                                                                                             Kontakt zu Hochschulen/
                                                                                                             Forschungseinrichtungen
        Zufriedenheit

                                                                                                             Unterstützung durch die Politik
                        3
                                                                                                             Unterstützung durch
                                                                                                             die Handelskammer

                                                                                                             Zufriedenheit
                                                                                                             1 = sehr zufrieden
                                                                                                             5 = unzufrieden

                        2                                                                                    Wichtigkeit
                                                                                                             1 = sehr wichtig
                                                                                                             5 = unwichtig

                        1
                            1          2                       3             4                    5
                                                            Wichtigkeit

      Quelle: Umfrage Handelskammer Hamburg 2015; n = 264                                                         © Handelskammer Hamburg 2016

Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
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 dem Angebot an Büro- und Gewerbeflächen überwie-                                   In Schulnoten von eins bis fünf umgerechnet ergibt
 gen die positiven Bewertungen. Bei der Unterstützung                               sich für die Rahmenbedingungen eine Bewertungsma-
 durch die Handelskammer und der Fachkräftever-                                     trix (siehe Abbildung 11).
 fügbarkeit halten sich die Bewertungen die Waage:
 26 Prozent empfinden die Unterstützung der Handels-
 kammer als zufriedenstellend, 29 Prozent als „teils,                               3.5 Gewünschte Unterstützungs-
 teils“. 22 Prozent sind eher unzufrieden beziehungs-                               angebote durch die Handelskammer
 weise unzufrieden. Auch die Fachkräfteverfügbarkeit
 schätzen 33 Prozent als zufriedenstellend ein, genauso                             Als wichtigstes Unterstützungsangebot der Handels-
 viele gaben „teils, teils“ an.                                                     kammer sehen die Unternehmen im Bereich grüne
                                                                                    Technologien Informationsveranstaltungen (60 Pro-
 Die negativste Bewertung ergibt sich für die Unter-                                zent) sowie Netzwerktreffen (59 Prozent). Jeweils über
 stützung durch die Politik: 46 Prozent der Befragten                               40 Prozent der Befragten halten Seminare und Work-
 sind mit dieser Rahmenbedingung eher unzufrieden                                   shops sowie einen jährlichen Branchentreff für sinnvoll.
 beziehungsweise unzufrieden. Als zufriedenstellend                                 Knapp einem Drittel der Unternehmen helfen Informa-
 bewerten sie nur 34 Prozent. Bezüglich der Zufrieden-                              tionen auf der Handelskammer-Webseite, 19 Prozent
 heit mit den Rahmenbedingungen gibt es in den fünf                                 Flyer zur Branche. Unter „Sonstiges“ nannten einzelne
 Teilmärkten kaum Unterschiede.                                                     Unternehmen Wünsche wie beispielsweise die Ausrich-
                                                                                    tung einer Messe in der Handelskammer sowie eine
                                                                                    Publikation mit guten Beispielen aus der Branche.

     Abbildung 12: Welche Unterstützungsangebote im Bereich grüne Technologien wünschen Sie sich von der Handelskammer?

        Angabe in Prozent (Mehrfachnennung möglich)

                          Informationsveranstaltungen                                                                           60,0 %

                                      Netzwerktreffen                                                                       58,7 %
                                                                                                                            58

                             Seminare und Workshops                                                         44,9 %

                               jährlicher Branchentreff                                                  42,2 %

       Informationen auf der Handelskammer-Homepage                                     27,1
                                                                                         7 %

                                     Flyer zur Branche                         18,7 %

                                             Sonstiges               10,2 %

                                                          0     10            20        30         40             50       60            70

        Quelle: Umfrage Handelskammer Hamburg 2015; n= 225                                                                © Handelskammer Hamburg 2016

                                                 Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
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4 Einsatz grüner Technologien in Hamburg

Mit der Umfrage ergibt sich ein Bild, wo die Unter-                          4.1.1 Politische Rahmenbedingungen
nehmen aus der Branche der grünen Technologien in
Hamburg derzeit stehen und wie sie die Rahmen-                               Die Hamburger Energiepolitik wird wesentlich von den
bedingungen einschätzen. Darüber hinaus spielen die                          Zielvorgaben der Europäischen Union und der Bundes-
grünen Technologien auch für die Weiterentwicklung                           politik zum Ausbau der erneuerbaren Energien sowie
Hamburgs eine wichtige Rolle. Denn je ausgeprägter                           den zu diesem Zwecke eingeführten Instrumenten wie
sie eingesetzt werden, desto nachhaltiger wird die                           das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bestimmt.
Stadt. Vor diesem Hintergrund wird im nächsten Kapi-                         Auch im Wärmebereich gibt es seit einiger Zeit Vorga-
tel für die in der Umfrage abgefragten Teilmärkte ein                        ben, um den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen,
Überblick gegeben, wo Hamburg heute steht, durch                             insbesondere durch das Erneuerbare-Energien-Wär-
welche Vorgaben und Instrumente die Politik hierbei                          megesetz (EEWärmeG). Darüber hinaus hat Hamburg
geprägt wird und welche Projekte und Initiativen in                          seit einigen Jahren eigene Ansätze entwickelt, um
den Teilmärkten derzeit realisiert werden.                                   Klimaschutz und Energiewende voranzubringen: Das
                                                                             Klimaschutzgesetz aus dem Jahr 1997 legt die Leit-
                                                                             planken für die weitere Entwicklung der Energiever-
4.1 Energieversorgung                                                        sorgung fest. Das Gesetz sieht vor, dass Energie mit
                                                                             einem möglichst geringen Verbrauch an nicht erneu-
Der erste Teilmarkt umfasst die Bereiche Energiever-                         erbarer Energie oder durch erneuerbare Energie unter
sorgung, -speicherung, -verteilung und -handel. Bei der                      weitgehender Vermeidung von Emissionen erbracht
Energieversorgung spielen insbesondere die erneuer-                          wird. Die Wärmeversorgung soll vorrangig aus Kraft-
baren Energien eine zentrale Rolle, aber auch der um-                        Wärme-Kopplung, aus Abwärmenutzung oder aus
weltschonende Einsatz fossiler Energien, zum Beispiel                        erneuerbaren Energien erfolgen. Zudem wurden Maß-
in Blockheizkraftwerken, Gas- und Dampfturbinen-                             nahmen zum sparsamen Einsatz von Energie definiert.
kraftwerken oder im Rahmen der Abwärmenutzung aus
Industriebetrieben. Durch die schwankende Einspeisung                        Seit 2007 hat die Stadt mehrere Konzepte zum Thema
erneuerbarer Energien entsteht ein höherer Bedarf nach                       Klimaschutz erstellt (2007-2012: Klimaschutzkonzept,
Speichern, um die zeitlichen und räumlichen Unter-                           2013 bis 2015: Masterplan Klimaschutz). Seit Ende
schiede von Angebot und Nachfrage auszugleichen.                             2015 gilt der Hamburger Klimaplan, der erstmals Maß-
Durch den Ausbau erneuerbarer Energien wird zudem                            nahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den
die Energieverteilung vor neue Herausforderungen ge-                         Klimawandel (Mitigation und Adaptation) umfasst. Der
stellt: Die Stromnetzbetreiber müssen Spannung und                           Ausbau der erneuerbaren Energien ist hierbei ein zen-
Frequenz auch bei hoher Volatilität stabil halten. Dies                      traler Aspekt zur Reduzierung der CO2-Emissionen. Ziel
macht eine zunehmende Netz- beziehungsweise Sys-                             ist es, den Strombedarf Hamburgs bis im Jahr 2050
temsteuerung notwendig. Durch einen reibungslosen                            maßgeblich durch erneuerbare Energien zu decken,
Netzbetrieb lassen sich schließlich Effizienzverluste bei                    wobei es bislang kein gesamtstädtisches Ausbaukon-
der Übertragung vermindern. Netzbetreiber setzen hier-                       zept gibt.
zu Informations- und Kommunikationstechnologien,
Regelungstechnologien für Netz und Anlagen sowie
zunehmend auch Mess- und Verbrauchsysteme ein, um
eine intelligente Netzsteuerung zu erreichen. Zum Bereich
Energiehandel zählen insbesondere Ökostromanbieter.

Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
22

 Im Jahr 2013 wurde im Rahmen eines Volksentscheids                           4.1.2 Ausgangssituation in Hamburg
 der Rückkauf der Energienetze durch die Stadt be-                            und Entwicklungspotenziale
 schlossen. Seit 2014 befindet sich das Stromnetz voll-
 ständig in städtischer Hand und wird von der Strom-                          Bei der Stromerzeugung setzt Hamburg bislang vor-
 netz Hamburg GmbH betrieben. 2018 soll das Gasnetz                           wiegend auf fossile Energieträger. Über zwei Drittel
 und 2019 das größte Fernwärmesystem rekommuna-                               des Stroms wurden 2014 durch Kohle erzeugt, knapp
 lisiert werden. Durch den Rückkauf soll die Stadt aus                        15 Prozent durch Gas. Der Anteil erneuerbarer Ener-
 Sicht der Volksentscheid-Initiatoren energiepolitischen                      gien an der Stromerzeugung lag bei zwölf Prozent,
 Einfluss zurückgewinnen und einen größeren Gestal-                           Hamburg liegt damit unter dem bundesdeutschen
 tungsspielraum bei der Umsetzung der Hamburger                               Durchschnitt von 30 Prozent. Wichtigster regenerati-
 Energiewende erhalten. Während das Strom- und das                            ver Energieträger ist Biomasse (4 Prozent), gefolgt von
 Gasnetz über das Energiewirtschaftsgesetz einer strengen                     Wind (2,1 Prozent) und biogenen Abfällen (2,1 Pro-
 technischen und finanziellen Regulierung durch die                           zent). Während Deutschland seit Jahren mehr Strom
 Bundesnetzagentur unterliegen, gibt es im Bereich der                        exportiert als importiert, ist der Stromaustauschsaldo
 Fernwärme einen größeren Gestaltungsspielraum.                               in Hamburg positiv. Aufgrund des Status als Stadtstaat
 Wenngleich die Fernwärmeversorgung nur rund ein                              steht Hamburg aber auch nur ein begrenztes Flächen-
 Fünftel der gesamten Wärmeversorgung ausmacht, so                            potenzial für die Energieerzeugung zur Verfügung.
 steht sie daher aktuell im Fokus der politischen
 Diskussion. Von vielen Experten wird jedoch eher eine
 gesamtstädtische Wärmestrategie oder ein Wärme-
 konzept gefordert.

     Abbildung 13: Bruttostromerzeugung nach Energieträgern in Hamburg 2014

       Angabe in Prozent

                                   Mineralöle 0,4 %
                                              Gase 14,9 %

                                                      Abfälle (nicht biogen) 2,1 %
                                                       sonstige Energieträger 1,7 %            Biogas 1,7 %
                                                                                                                 Klärgas 1,6 %

                                                            erneuerbare
                                                                                      Biomasse 4,0 %
                                                            Energien 12,2 %                                         Abfälle (biogen) 2,1 %

         Kohle 68,8 %                                                                    Photovoltaik 0,7 %   Windenergie 2,1 %

       Quelle: Statistikamt Nord                                                                                 © Handelskammer Hamburg 2016

                                     Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
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   Abbildung 14: Anteil erneuerbarer Energien an der Bruttostromerzeugung in Hamburg

      Angabe in Prozent

            25

            20
                                                                               17,9 %
                                                            17,1 %
                                                                      16,1 %                                              16,5 %
                                                                                                                                   15,3 %
            15                                                                            13,8 %               13,6 %
                                                                                                    12,8 %
                                                                                                                                               12,2 %

                                                9,4%
            10                        8,6 %
                           7,7 %

             5

             0
                          2003        2004     2005         2006      2007     2008       2009      2010       2011       2012     2013        2014

      Quellen: Umweltökonomische Gesamtrechnungen der Länder, Band 1, Ausgabe 2015 sowie destatis                                           © Handelskammer Hamburg 2016

   Abbildung 15: Anteile der Energieträger an der Wärmeversorgung in Hamburg 2011

      Angabe in Prozent
                                                       erneuerbare Energien 4,2 %          Müll (fossiler Anteil) 3,2 %

                                                       Kohle 10,6 %

                                   Mineralöle 12,7 %

                                                                                                             Erdgas 69,2 %

      Quelle: Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, Drucksache 20/11772, 2014                                                     © Handelskammer Hamburg 2016

Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
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 Im Bereich der Wärmeversorgung liegt der Anteil der                             Auf dem Hamburger Stadtgebiet sind die Möglichkei-
 erneuerbaren Energien derzeit bei 4,2 Prozent. Wich-                            ten des Ausbaus erneuerbarer Energien aufgrund der
 tigste Energieträger sind Erdgas, Mineralöle und Kohle.                         hohen Flächenkonkurrenz nur gering. Begrenzte Po-
 Insbesondere die Fernwärmeversorgung in Hamburg                                 tenziale gibt es noch bei Biomasse, Windkraft und
 ist seit einigen Jahren Gegenstand der öffentlichen                             Solarenergie. Bei der Windkraft hat sich der Senat
 Diskussion. Kritisiert wird die bislang stark kohle-                            beispielsweise zum Ziel gesetzt, die derzeit installierte
 basierte Erzeugung in den Heizkraftwerken Tiefstack                             Gesamtleistung von 50 Megawatt zu verdoppeln.
 und Wedel. Neben einem Ersatz des Kraftwerks Wedel                              Erreicht werden kann dies durch weitere Flächenaus-
 bieten alternative Konzepte Ansatzpunkte für eine                               weisungen, den Ersatz bestehender durch leistungs-
 umwelt- und klimafreundliche Wärmeversorgung in                                 stärkere Anlagen (Repowering) und durch neue Einzel-
 Hamburg, wie beispielsweise eine Kombination aus                                anlagen im Hafen sowie auf Industrie- und Gewerbe-
 dezentralen Blockheizkraftwerken, der Abwärme-                                  anlagen. Für eine höhere Versorgung mit erneuerbarer
 nutzung aus Industriebetrieben und Wärmespeichern.                              Energie setzt Hamburg jedoch vorwiegend auf in den
                                                                                 anderen norddeutschen Bundesländern erzeugte Wind-
                                                                                 energie, beispielsweise im Rahmen des Projekts Nord-
                      UNTERNEHMENSBEISPIELE                                      deutsche Energiewende 4.0 (siehe Kap. 4.1.3). Auch im
                                                                                 Bereich Biomasse ist in Planung, die Erzeugungskapa-
           Traditionelle Energieversorger wie die Vattenfall                     zitäten für Strom und Wärme mit dem von der Stadt-
           Europe AG oder HanseWerk (ehemals E.ON Hanse)                         reinigung Hamburg geplanten neuen Zentrum für Res-
           engagieren sich seit Jahren zunehmend in der                          sourcen und Energie deutlich auszubauen.
           Erzeugung und im Vertrieb von erneuerbaren
           Energien, zum Beispiel im Bereich der Offshore-
           Windenergie, bei dem Betrieb von Blockheiz-                           4.1.3 Projekte, Netzwerke und Initiativen
           kraftwerken oder der Verstromung von Biogas.
           Die Lichtblick AG und die Rewe-Tochter Energie-                       Ein wesentlicher Aspekt der künftigen Energieversor-
           Handels-Gesellschaft (EHA) gehören zu den                             gung ist eine optimale Integration erneuerbarer Ener-
           größten Ökostrom-Anbietern Deutschlands, auch                         gien in das bestehende Energiesystem. Hierzu müssen
           die Greenpeace Energy eG ist auf diesem Gebiet                        Erneuerbare-Energien-Anlagen und konventionelle
           bundesweit aktiv. Als grüner Energieversorger                         Kraftwerke, Energienetze und Speicher sowie Haus-
           auf städtischer Seite ist Hamburg Energie aktiv.                      halte und Unternehmen intelligent vernetzt werden,
           Hamburg ist zudem ein wichtiger Standort für                          um einen effizienten Energieeinsatz zu gewährleisten.
           Unternehmen aus der Erneuerbare-Energien-                             Diese Gesamtsystemoptimierung wird derzeit in Ham-
           Branche. So haben beispielsweise die Windener-                        burg im Rahmen verschiedener Projekte erprobt:
           gie-Unternehmen Senvion GmbH, Siemens Wind
           Power, Notus Energy, Nordex SE und Dong Energy                        Das von Hamburg und Schleswig-Holstein initiierte
           Deutschland ihren Hauptsitz oder zentrale Ver-                        Großprojekt „Norddeutsche Energiewende (NEW) 4.0“
           waltungs- und auch Entwicklungseinheiten in                           soll die Energiewende mit finanzieller Förderung der
           Hamburg. Bei der Nutzung von Biomasse ist ins-                        Bundesregierung im Rahmen des Programms „Schau-
           besondere die Stadtreinigung Hamburg mit ihren                        fenster Intelligente Energie“ modellhaft im Norden
           Biogasanlagen aktiv.4                                                 umsetzen. Dies beinhaltet die weitgehende Integration
                                                                                 von erneuerbaren Energien in das Energiesystem.
                                                                                 Wichtige Komponenten sind hierbei zudem die flexible
 4   Hinweis: Die genannten Unternehmen sind bespielhaft. Es besteht kein
     Anspruch auf Vollständigkeit. Dies gilt auch für die in den folgenden
                                                                                 und intelligente Vernetzung von Erzeugung, Verteilung,
     Kapiteln genannten Unternehmen.                                             Speicherung und Verbrauch in der Praxis.

                                               Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
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Für das Projekt hat sich ein Konsortium aus über 50                          gieeffizienter Geräte. Dies betrifft beispielsweise eine
Unternehmen und Institutionen in der Region gebildet.                        energieeffiziente Beleuchtung und Unterhaltungs-
Ergänzt wird NEW 4.0 durch das Programm „Energie-                            elektronik, aber auch „Green IT“ und energieeffiziente
wende in Unternehmen“, in dem die Hamburger                                  Haushaltsgeräte. Darüber hinaus spielen branchenüber-
Behörde für Umwelt und Energie mit finanziellen                              greifende Komponenten wie die Mess-, Steuer- und
Mitteln aus dem Europäischen Fonds für Regionale                             Regelungstechnik, elektrische Antriebe, Pumpensys-
Entwicklung (EFRE) Maßnahmen zur Flexibilisierung                            teme, Ventilatoren, Kompressoren sowie Prozessleit-
des Energieverbrauchs unterstützt.                                           technik eine Rolle. Im Bereich Dienstleistungen ist ins-
                                                                             besondere die Energieberatung ein wachsender Markt.
„Smart Power Hamburg“ ist ein Forschungsprojekt, in
dem ein virtuelles Kraftwerk in der Stadt Hamburg
entwickelt und demonstriert wird. Energieerzeuger, Ver-                      4.2.1 Politische Rahmenbedingungen
braucher und Speicher sollen so intelligent aufeinander
abgestimmt werden. Projektpartner sind der städtische                        Energieeffizienz ist ein wesentlicher Baustein des Ener-
Energieversorger Hamburg Energie, die Hochschule für                         giekonzepts der Bundesregierung aus dem Jahr 2010.
Angewandte Wissenschaften Hamburg und die Rhei-                              Ziel ist es, pro Jahr eine Steigerung der Energieproduk-
nisch-Westfälisch Technische Hochschule Aachen.                              tivität um durchschnittlich 2,1 Prozent bezogen auf
                                                                             den Endenergieverbrauch zu erreichen. Bis 2020 soll
Im Jahr 2015 ist mit der Power-to-Gas-Anlage in                              sich der Energieverbrauch gegenüber 2008 um 20 Pro-
Reitbrook ein Pilotprojekt für den Einsatz moderner                          zent verringern. Auch auf europäischer Ebene ist das
Speichertechnologien gestartet. Energie aus regene-                          Thema Energieeffizienz in den letzten Jahren immer
rativ erzeugtem Strom wird dabei in Wasserstoff                              stärker in den Fokus gerückt. Das Ende 2014 verab-
umgewandelt und ins Erdgasnetz eingespeist. Das Gas                          schiedete Klimapaket der Europäischen Union sieht bis
kann von dort entweder weitertransportiert oder                              2030 Einsparungen von 27 Prozent beim Energie-
zwischengespeichert werden.                                                  verbrauch vor. Um diese Einsparverpflichtungen zu
                                                                             erreichen, hat die Bundesregierung im Dezember 2014
In Hamburg hat sich zudem ein breites Netzwerk an                            einen Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz be-
Unternehmen aus der Erneuerbaren-Energien-Branche                            schlossen. Energieeffizienz betrifft als Querschnitts-
etabliert. Als Windenergiehauptstadt des Nordens pro-                        thema verschiedenste Branchen und Bereiche. Von
fitiert Hamburg insbesondere von der Ansiedelung von                         besonderer Bedeutung ist neben dem Gebäude- und
Unternehmen aus der Windenergiebranche. Netzwerk-                            dem Verkehrsbereich die Wirtschaft, insbesondere
möglichkeiten bietet beispielsweise die Clusteragentur                       Industrie und Gewerbe.
Erneuerbare Energien Hamburg GmbH, der Bundes-
verband WindEnergie e. V., Regionalverband Hamburg                           Das Hamburgische Klimaschutzgesetz und der Ham-
oder die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie,                            burger Klimaplan (siehe Kap. 4.1.1) definieren eine
Landesverband Hamburg/Schleswig-Holstein.                                    breite Palette von Maßnahmen, mit denen ein sparsa-
                                                                             mer Einsatz von Energie erreicht werden soll. Die Stadt
                                                                             Hamburg setzt beim Thema Energieeffizienz zudem auf
4.2 Energieeffizienz                                                         die Kooperation mit der Wirtschaft und hat eine Reihe
                                                                             von Förderprogrammen ins Leben gerufen, die das
Der Teilmarkt Energieeffizienz umfasst alle Produkte,                        Angebot der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und
Verfahren und Dienstleistungen, die der Einsparung von                       des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
Energie dienen. Hierzu zählen insbesondere energieef-                        (BAFA) ergänzen. So können Unternehmen beispiels-
fiziente Produktionsverfahren und die Nutzung ener-                          weise über das Programm „Unternehmen für Ressour-

Grüne Technologien made in Hamburg: Wachstumsmotor für eine nachhaltige Stadt © Handelskammer Hamburg 2016
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