In Gottes Namen Berufe in Kirche und Schule - INFORMATION
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Vorwort
Liebe Schülerinnen und Schüler,
Ihre Schulzeit geht dem Ende entgegen und sicherlich denken Sie zur
Zeit verstärkt über Ihre zukünftigen Berufsperspektiven nach. Haben
Sie bereits einen Ausbildungsgang für sich ins Auge gefasst oder sind
Sie noch auf der Suche nach interessanten Möglichkeiten?
Welche Wahl auch immer Sie treffen werden, es wird eine entschei-
dende Weichenstellung für Ihren weiteren Lebensweg sein.
Sollten Sie besondere Interessen in den Bereichen Religion, Theologie
und Kirche haben, dann ist dieses Heft Ihrer Evangelischen Kirche im
Rheinland genau das Richtige für Sie. Kurzgefasst stellt es Ihnen
unterschiedliche Berufe in Theologie, Kirche und Schule vor. Es ent-
hält aktuelle Informationen und Überblicke sowie Adressen von
Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern für die unterschied-
lichen Bereiche:
• Mit einem Theologiestudium beispielsweise können Sie evange-
lische Pfarrerin oder evangelischer Pfarrer werden.
• Kombiniert mit einem zweiten Fach steht Ihnen der Weg als
Religionslehrerin oder Religionslehrer an einer Schule offen.
• Weitere Berufsfelder in unserer Kirche neben dem Pfarramt sind
Gemeindepädagogik, Kirchenmusik und die kirchliche Verwaltung.
Was sich hinter all diesen Berufen verbirgt und wie die entsprechen-
den Ausbildungen aussehen, erfahren Sie in der vorliegenden Broschüre.
Unsere Kirche braucht junge Menschen mit neuen Ideen. Wir würden
uns daher sehr freuen, Sie ein wenig neugierig machen und eventuell
für den einen oder anderen Ausbildungsgang gewinnen zu können.
Für Ihre Überlegungen wünschen wir Ihnen, dass Sie Ihren persönli-
chen Weg finden. Wichtig ist, dass Sie Ihre besonderen Interessen,
Gaben und Fähigkeit entdecken, denn je mehr wir das werden, was
wir wirklich sind, wird uns unser berufliches Tun erfüllen.
Welchen Weg Sie auch immer angehen werden: Gott möge Ihnen
helfen, die richtige Entscheidung zu finden und Sie begleiten.
Mit herzlichem Gruß
Ihr
Nikolaus Schneider
Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland
Düsseldorf, im Juni 2003
2Inhaltsverzeichnis
Vorwort 2
Pfarramt
• Theologie studieren – mehr als nur ein Job 4
• Studienfächer und Studienverlauf 6
• Testen Sie Ihren TQ! 11
• Vikariat und Beratung 12
Lehramt
• „Reli“ kann so spannend sein 14
• Studienfächer und Studienverlauf 16
• Studienorte und Beratung 19
Pädagogische Arbeit in der Gemeinde
• … ein Beruf fürs Leben! 20
• Porträt: Dabei bleiben heißt Entwicklung 22
und Mitwirkung
• Ausbildungsstätten und Beratung 23
Verwaltung
• Dienstleistung und Kundenorientierung – 20
auch in der Kirche
• Statements von Auszubildenden: 26
Verwaltung und Kirche – das passt!
Kirchenmusik
• (Nicht nur) mit Pauken und Trompeten … 28
• Statements: Klangmenschen kommen zu Wort 30
• Musikhochschuladressen 31
3Theologie studieren…
Auf Theologiestudierende wartet ein attraktiver
und spannender Beruf. Wer Theologie studiert,
wird in der Regel Pfarrerin, Pfarrer oder
Religionslehrerin, Religionslehrer.
Der Pfarrberuf ist ein abwechslungs- Neben den Sonntagsgottesdiensten
reicher Beruf, in dem unterschiedliche gewinnen Andachten und liturgische
Begabungen zum Zuge kommen. Das Feiern zu besonderen Anlässen (z. B.
Spektrum der Tätigkeiten ist vielfältig. Friedens- oder Fürbittgottesdienste,
Dazu gehört das Gestalten und Feiern meditative oder musikalische Feiern)
von Gottesdiensten. zunehmend an Bedeutung.
Phantasievoll und lebensnah zu predigen
ist eine schöne und zugleich anspruchs-
volle Aufgabe. Abendmahlsfeiern und
Taufgottesdienste sorgsam und liebe-
voll zu gestalten, macht Freude und
erfüllt die Beteiligten mit bleibendem
Gewinn.
4Der weitere Horizont Die Vielfalt der Kontakte
von Kirche und Öffentlichkeit In der Gemeinde engagieren sich nicht
Über die Grenzen der Ortsgemeinde nur hauptberufliche, sondern auch viele
hinaus bietet der christliche Auftrag ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und
ein weites gesellschaftsdiakonisches Mitarbeiter. Pfarrerinnen und Pfarrer
und ökumenisches Verantwortungs- von heute sind teamfähig und pfle-
feld. Pfarrerinnen und Pfarrer bekleiden gen einen kooperativen Führungsstil.
ein öffentliches Amt, das gefragt und
geschätzt ist. Die Kirche braucht Men-
schen, die sich den reichhaltigen He-
rausforderungen dieses Berufs stellen.
Die Beteiligung an Bildung Das seelsorgliche Gespräch
Im Religionsunterricht der Schule und Menschen erwarten an entscheidenden
im Konfirmationsunterricht werden Wendepunkten ihres Lebens theolo-
Kinder und Jugendliche in die Grund- gisch kundige und seelsorgerlich ein-
lagen des christlichen Glaubens ein- fühlsame Begleitung – nach der Geburt
geführt und erhalten entscheidende eines Kindes, bei der Heirat, beim Tod
Anstöße für ihr eigenes Leben. Auch eines nahen Angehörigen oder in be-
Erwachsene nehmen gerne Angebote sonderen Lebenskrisen.
zur geistigen Auseinandersetzung und
Orientierung wahr. Das gemeinsame
Gespräch hilft, den eigenen Stand-
punkt zu finden und das Leben ver-
antwortlich zu gestalten.
... mehr als
nur ein Job„Verstehst du auch, was du liest?“ Beispiel des äthiopischen Schatzmeisters:
Nachdem er mit der Hilfe von Philippus ein
Diese Frage stellt der Apostel Philippus dem äthio- neues Verständnis des Textes gewonnen
pischen Schatzmeister, der auf dem Weg durch die hatte, ließ er sich taufen.
judäische Wüste von Jerusalem nach Gaza über
Altes und Neues Testament
eine Stelle im Buch des Propheten Jesaja nach- Im Theologiestudium geht es zunächst um
denkt (Apostelgeschichte Kap. 8 Verse 26-40). die biblischen Bücher, d.h. die Schriften des
Alten und Neuen Testamentes. In beiden
Fächern lässt sich eine eher historisch von
einer eher theologisch arbeitenden Frage-
stellung unterscheiden. In historischer Rich-
tung kann man z.B. fragen: Wer waren die
Verfasser der biblischen Bücher, in welcher
Situation haben sie ihre Schriften verfasst
und welche Bedeutung haben ihre Texte in
der Folgezeit ihrer Überlieferung jeweils er-
langt? In theologischer Richtung kann man
z.B. fragen: Welche bleibende Bedeutung
haben die biblischen Texte für den christli-
chen Glauben entfaltet und welche gegen-
wärtige Verbindlichkeit besitzen sie für
christliche Kirche und Theologie?
Historische und theologische Fragerichtung
gehören zusammen und dürfen nicht aus-
einander gerissen werden.
Die Kirchengeschichte
In der Kirchengeschichte (auch: Historische
Theologie) versucht man, die 2000jährige
Geschichte der christlichen Kirchen und Theo-
logie in ihren Grundzügen zu untersuchen.
Üblich ist die Einteilung in fünf Epochen:
Alte Kirchengeschichte, Mittelalter, Refor-
Studienfächer der mationszeitalter, Neuere Kirchengeschichte
und Kirchliche Zeitgeschichte. Um der Gefahr
eines zu engen Begriffs von Kirche zu wehren,
Evangelischen Theologie wird nicht nur nach der kirchlichen, sondern
auch nach der außerkirchlichen Wirkungs-
geschichte des Christentums gefragt, um
Anhand dieser Frage möchten wir Sie mit auch kritische Formen christlicher Religiosität
dem Studium der Evangelischen Theologie, in den Blick zu nehmen.
seinen Fächern und Inhalten bekannt
machen. Die Dogmatik
Die Frage des Philippus zielt auf Verstehen, Greift man die Frage des Philippus wieder
d. h. Auslegen und Verständnis von Texten. auf und richtet sie auf den Glauben („Ver-
Dabei handelt es sich nicht so sehr um bloße stehst du auch, was du glaubst?“), so kommt
Informationsweitergabe, sondern vielmehr man zur Dogmatik. Sie ist eine Unterdisziplin
darum, dass Sinn und Bedeutung eines Textes der Systematischen Theologie, d. h. hier
für die Leserinnen und Leser auf dem Hinter- geht es darum, die Lehre des christlichen
grund ihrer eigenen Situation erkennbar Glaubens in ihrem Zusammenhang darzu-
werden. Auf diese Weise lassen sich neue stellen und begreifbar zu machen. Dabei ist
Einsichten gewinnen. Dass dieser Prozess die Philosophie eine unentbehrliche Ge-
nicht nur im Theoretischen verbleibt, sondern sprächspartnerin. Die Aussagen des christli-
auch ganz praktisch zu neuen Orientierungen chen Glaubens, die in den Bekenntnissen
im Leben führen kann, zeigt wiederum das nebeneinander stehen, sollen zueinander
6ins Verhältnis gerückt werden. Dabei
stellt sich die Aufgabe, nach der mög-
lichen Vereinbarkeit scheinbar wider-
sprüchlicher Glaubensaussagen zu
fragen, ohne damit schon jede Span-
nung ausgleichen zu wollen: Wenn Gott
„allmächtig“ ist, wie konnte er dann
zulassen, dass sein Sohn Jesus Christus
gekreuzigt wurde? Wenn Gott mich ge-
schaffen hat, warum muss ich ihn dann
um die Vergebung meiner Sünden bit-
ten? Wie kommt es eigentlich, dass es
so verschiedene Religionen unter den
Menschen gibt? Hat nur eine recht
oder steckt in jeder Religion ein „Körn-
chen Wahrheit“? Mit der letzten Frage
öffnet sich ein Blickfeld, das für christ-
liche Dogmatik zunehmend an Bedeu-
tung gewinnt: der Dialog zwischen den
christlichen Konfessionen und zwischen
den Weltreligionen (Ökumene; Religions-
und Missionswissenschaft).
Die Ethik
Die Ethik als die zweite Subdisziplin der
Systematischen Theologie fragt nach
dem guten und richtigen Handeln.
Welche Handlungsorientierungen folgen
eigentlich aus dem christlichen Glau-
ben? Was heißt z.B. „Gerechtigkeit“,
„Verantwortung“, „Gewissen“ oder
auch „Liebe“? Die Ethik versucht, diese
großen Begriffe aus der christlichen
Tradition mit Leben zu füllen, indem
sie sich den ethischen Problemen ge-
genwärtiger Lebensführung zuwendet.
Als Sozialethik lässt sie gesellschaftliche,
politische und rechtliche Aspekte ge-
genwärtiger Problemlagen in die Ur-
teilsbildung einfließen.
Die Praktische Theologie
Die Begegnung mit Philippus führte bei kommen, führt die Praktische Theolo- tungsstrukturen für die Praktische
dem äthiopischen Schatzmeister zu dem gie einen Dialog mit den sogenannten Theologie zunehmend an Bedeutung.
Wunsch, sich taufen zu lassen. Mit der Humanwissenschaften, vor allem mit (Gemeindeaufbau, Kirchentheorie,
Taufe kommt ein Stück kirchlichen Le- der Psychologie, Pädagogik und Sozio- Kybernetik).
bens in den Blick. Sicherlich ist die Theo- logie. Sie versucht, die aus diesem Dia-
logie als Ganze auf Praxis ausgerichtet, log gewonnenen Einsichten fruchtbar
weil sie sich auf die Praxis des Glaubens zu machen für eine theologische Lehre
bezieht, der ihr vorausgeht und über vom Gottesdienst, von der Predigt, von
den sie nachdenkt. Die Praktische Theo- der Seelsorge und vom Unterricht.
logie fragt in besonderer Weise nach Weil Gemeinde aber mehr ist als die
der kirchlichen und der religiösen Praxis Summe der pastoralen Handlungsfelder,
in Kirche und Gesellschaft. Um zu einem gewinnt das Verständnis von Gemeinde
tieferen Verständnis menschlichen und Kirche als Organisationen mit
Verhaltens in religiöser Perspektive zu komplexen Kommunikations- und Lei-
7Das Grundstudium
Im Grundstudium arbeiten sich die
Studierenden in die Kerndisziplinen
ein und erwerben eine Grundorient-
ierung. Der Besuch von Vorlesungen
Studienverlauf führt zum Erwerb von Überblickswissen.
Proseminare vermitteln die für die je-
weilige Disziplin erforderlichen Metho-
Evangelische Theologie den. Eine gute Kenntnis der biblischen
Schriften ist für das Theologiestudium
unentbehrlich (Bibelkunde). Das Grund-
studium wird mit der Zwischenprüfung
abgeschlossen.
Das Hauptstudium
Im Hauptstudium geht es darum, die
erworbenen Kenntnisse zu vertiefen
und eigene Studienschwerpunkte zu
setzen. Die eigenständige theologische
Urteilsbildung auf der Grundlage me-
thodischen Könnens und kritischen
Verständnisses ist das Ziel des ganzen
Studiums. Vorlesungen und Seminare
widmen sich speziellen Fragestellungen
in den einzelnen Disziplinen. In dem
Versuch, das eigene Wissen in den
fächerübergreifenden Zusammenhang
der ganzen Theologie zu rücken, be-
steht die eigentliche Herausforderung
der zweiten Hälfte des Theologiestu-
diums. Selbstorganisierte Formen des
Lernens, z. B. in Arbeitsgruppen und
zur Examensvorbereitung, ergänzen
das Lehr- und Studienangebot. Über
die Zulassungsvoraussetzungen zum
Examen informieren die jeweiligen
staatlichen oder kirchlichen Prüfungs-
ordnungen. Das Studium wird mit der
Ersten Theologischen Prüfung/Diplom-
prüfung abgeschlossen. Die durch-
schnittliche Studiendauer beträgt sechs
bis sieben Jahre, je nach Sprachen-
voraussetzungen.
Die Praktika
Wichtiger Bestandteil des Studiums
sind Praktika in Kirchengemeinden
oder in kirchlichen Handlungsfeldern,
wie z.B. in einer diakonischen Einrich-
tung, in Bereichen der Seemannsmission,
Gefängnisseelsorge oder Krankenhaus-
seelsorge sowie des Journalismus oder
der Wirtschaft. Es entsteht ein Schatz
an gesammelten Erfahrungen und die
Entdeckung von vorher ungeahnten
Fähigkeiten. Ziel ist es, erworbenes
Wissen in die Praxis umzusetzen, die
eigenen Perspektiven für den späteren
Beruf zu eröffnen und neue Impulse
für das Studium zu gewinnen.
8Der eigene Glaube
Das Theologiestudium ist eine Herausforderung Das wissenschaftliche Studium schafft
für die eigene Person und ihre Einstellung zur Welt eine zunächst ungewohnte Distanz zur
Praxis des Glaubens. Dennoch sollte
und zu Gott. Es fragt nach und verändert. der eigene Glaube nicht zu kurz kom-
men. Denn Theologie und die eigene
Biographie sind eng miteinander ver-
knüpft. Selbstreflexion gehört zum
Studium dazu, ebenso wie die Bereit-
schaft, sich auf andere einzulassen.
Es gibt viele Möglichkeiten, das wissen-
schaftliche Studium mit dem persönli-
chen Glauben zu verbinden. Studieren-
dengemeinden, Universitätsgottes-
dienste, Seminare, Studienfahrten oder
christlich geprägte Wohnheime bieten
Gelegenheiten, den eigenen Glauben
in der christlichen Gemeinschaft zu
leben, zu gestalten und zu prägen.
Glaube und
Spiritualität
9Theologie studieren –
heißt nicht nur, sich mit Traditionen auseinander zu setzen,
sondern auch neue, überraschende Einsichten zu gewinnen,
heißt nicht nur Texte zu lesen,
sondern auch Menschen (besser) zu verstehen,
heißt nicht nur fachliche,
sondern auch personale Kompetenz zu erwerben.
Kiel
Rostock Greifswald
Hamburg
Berlin
Bielefeld Bethel
Das Studium der Münster
Evangelischen Theologie
mit dem Berufsziel Pfarr-
amt ist in Deutschland Göttingen Halle
an 22 Universitäten und Bochum
Kirchlichen Hochschulen Leipzig
Wuppertal
möglich. Darüber hinaus
besteht die Chance eines Jena
ein- oder zweisemestrigen Marburg
Studienaufenthaltes im Bonn
Ausland.
Frankfurt
Dort lernen die Studie- Mainz
renden ganz andere Erlangen
Formen der Theologie
und Spritualität kennen. Heidelberg
In einer fremden Kultur Neuendettelsau
zu leben, öffnet den Blick
für andere Denkweisen –
eine große Chance, auch
sich selbst und die eigenen Tübingen
Wurzeln besser kennen München
zu lernen.
10Testen Sie Ihren TQ
(Theologie-Quotienten)!
NEIN JA 0-3 x JA:
1. Die Botschaft der Bibel ist für mich heute aktuell. Vermutlich liegen Ihre Interessen eher
auf anderen Gebieten als im Studium
2. Der Glaube an Gott prägt mein Leben, der Theologie.
– ich möchte ihn gerne weitergeben.
3. Die Sache mit Gott lässt mich nicht los. 4-9 x JA:
Theologie könnte durchaus für Sie als
4. Religiöse und philosophische Themen Studien- und Berufswahl in Frage
machen mir im Schulunterricht Spass. kommen.
5. Ich bringe Erfahrungen aus der Gemeindearbeit mit,
z. B. Kindergottesdienst oder Konfirmandenunterricht. 10-15 x JA:
Theologie kann für Sie das ideale
6. Ich lese gern. Studienfach sein. Für den Beruf einer
Pastorin oder eines Pastors bringen
7. Ich bin neugierig auf fremde Sprachen und Kulturen. Sie gute Voraussetzungen mit.
8. Ich interessiere mich für Geschichte und Literatur.
9. Ich schreibe meine Gedanken gerne auf,
z. B. in Briefen oder Aufsätzen.
10. Mich reizt ein Studium, das mich mit verschiedenen
Wissenschaften ins Gespräch bringt.
11. Mich interessieren Menschen.
Ich bin neugierig auf ihr Leben.
12. Ich möchte Menschen begleiten und ihnen helfen.
13. Ich möchte mit dem, was ich kann und bin, Verantwortung
in einer Gemeinde übernehmen.
14. Mit flexiblen Arbeitszeiten kann ich gut umgehen.
15. Ich arbeite gern mit anderen im Team zusammen
Wer Theologie studiert,
- spannt einen Bogen zwischen - erlebt die vielfältige Bedeutung
Glaube und Wissenschaft, von Theologie und Religion,
- denkt über Aufgabe und Gestalt - setzt eigene Studienschwer-
der Institution Kirche in der punkte,
Gesellschaft nach, - eröffnet sich verschiedene
- blickt über den Tellerrand der Möglichkeiten der Berufswahl.
Theologie hinaus auf andere
Wissenschaften (Philosophie,
Psychologie, Pädagogik),
das Richtige
für mich?In der Regel schließt sich an das Studium das Vikariat
an, vergleichbar mit dem Referendariat in der Juristen-
und Lehrerausbildung. Das Vikariat ist die praktisch-
theologische Ausbildung für den Beruf der Pfarrerin
oder des Pfarrers. Der praktische Vorbereitungsdienst
dauert in den verschiedenen Landeskirchen im Durch-
schnitt 2,5 Jahre. Gottesdienst, Seelsorge, Unterricht
und Gemeindeleitung sind die zentralen Inhalte der
Ausbildung.
Das Vikariat Vikarinnen und Vikare lernen unter der
Anleitung erfahrener Mentorinnen und
Mentoren
Ein Teil der Ausbildung findet im Theo-
logischen (oder Prediger-) Seminar statt.
Dort werden Lernprozesse angestoßen
und reflektiert. In Gruppenarbeit be-
- die pfarramtliche Praxis kennen, sprechen die Vikarinnen und Vikare
- Gottesdienste gemeinsam mit der ihre Praxiserfahrungen und werten sie
Gemeinde zu feiern, gemeinsam aus. Die praktisch-theolo-
- Religions- und Konfirmandinnen gische Ausbildung endet mit der
bzw. Konfirmandenunterricht zu Zweiten Theologischen Prüfung.
erteilen,
- bei Haus- und Krankenbesuchen Theologinnen und Theologen können
sowie bei Gesprächen „über den auch in Berufen außerhalb von Kirche
Gartenzaun“ Menschen im Alltag arbeiten, z. B.
ihres Lebens, aber auch in Krisen-
situationen zu begleiten, - im diakonisch-sozialen Bereich,
- Verantwortung in Leitung und - im Medienbereich,
Mitarbeiterinnen- und Mitarbeiter- - in der Personal- und Organisations-
führung zu übernehmen. entwicklung von Profit- und Non-
profit-Unternehmen.
- Manche machen sich selbstständig
Ziel der Ausbildung ist es, (z. B. als Personalberaterin/-berater).
- Einige schlagen die wissenschaftliche
- die Freude am Beruf zu wecken, Laufbahn ein.
- sich selbst in verschiedenen
Handlungsfeldern zu erproben,
- eine persönliche und pastorale
Identität zu entwickeln.
12Hochschulen im Bereich der Ansprechpartner:
Evangelischen Kirche im Rheinland: Landeskirchenamt der
- Kirchliche Hochschule Wuppertal Evangelischen Kirche im Rheinland
www.kiho.uni-wuppertal.de Ausbildungsdezernat/Abteilung I
- Universität Bonn Dr. Volker Lehnert
www.uni-bonn.de (theologischer Dezernent),
- Universität Mainz Henning Boecker
www.uni-mainz.de (juristischer Dezernent)
Büro: Holger Rösner
Weitere Infos erhalten Sie Telefon: 02 11-45 62-232
im Internet unter: Fax: 02 11-45 62-559
www.ekir.de E-Mail: holger.roesner@ekir-lka.de
www.ekir.de/theologiestudium
www.ev-theologiestudium.de
www.theologiestudium.info
13„Reli“ kann so spannend sein! Das haben Sie vielleicht selbst im Religionsunterricht erlebt. Wenn Lebensfragen auf den Tisch kommen und man sich die Köpfe heiß redet, ist eine Unterrichtsstunde oft viel zu schnell vorbei. Als Religionslehrerin oder Religionslehrer tragen Sie dazu bei, dass sich Kinder und Jugendliche auch in der heutigen Zeit auf christliche Werte verlassen können. Gute Grund- lagen dafür sollten Sie schon mitbringen, zum Beispiel Freude an den biblischen Geschichten, Aufgeschlossen- heit und Lernbereitschaft, aber vor allem Einfühlungs- vermögen und Verständnis für junge Menschen. Das Lehramt Wie wird man eine ‚gute’ Religions- lehrerin, ein ‚guter’ Religionslehrer? Macht es Ihnen Spaß, mit Gruppen umzugehen? Haben Sie schon einmal eine Gruppe geleitet? Dann könnte „Reli“ ein Beruf für Sie sein… Das Wichtigste ist: gesprächsbereit sein, Fragen stellen, gemeinsam nach Ant- worten suchen. Nicht schon alles im Vorhinein wissen. Eigene Zweifel nicht beiseite schieben. Lehrerinnen und Lehrer, die das können, lassen andere Meinung gelten. Sie setzen nicht vor- aus, dass jede Schülerin und jeder Schüler vom christlichen Glauben überzeugt ist, sondern zeigen behut- sam neue Denkwege auf. Manchmal reicht es, klarzumachen: Die Bibel und die Menschen, die in ihr zu Wort kom- men, können genauso ernst genom- men werden wie man selbst ernst genommen werden möchte. In der Bibel geht es nicht um antiquierte Geschich- ten und Gedanken, sondern um unse- re Probleme, unsere Hoffnungen, unsere Klagen und Gefühle. 14
(Was) muss ich selber glauben, wenn möchte, muss Mitglied in einer Kirche Welche Fächer studiere ich?
ich „Reli“ unterrichte? sein, die der Arbeitsgemeinschaft Die theologischen Disziplinen gehören
Das Wichtigste ist: keine abstrakten Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) auch zu Ihrem Lehramtsstudium: Altes
Formeln abspulen. Als Religionslehrerin angehört. Wer zu Beginn des Studiums und Neues Testament, Kirchenge-
und Religionslehrer werden Sie be- nicht der Kirche angehört, kann sich schichte, Dogmatik und Ethik (siehe
stimmt auch einmal gefragt: „Und was in einer Kirchengemeinde des Heimat- Seite 6f.). Dazu kommt die Religions-
glauben Sie denn eigentlich?“ Hier sind oder des Studienortes umsehen und pädagogik. Sie ist ein Teilgebiet der
keine vorgefertigten Antworten gefragt, dort das kirchliche Leben kennen lernen. Praktischen Theologie, die sich – im
sondern ehrliche Auskünfte darüber, In die Kirche aufgenommen wird man Dialog mit anderen Humanwissen-
was Ihr Glaube mit Ihrem Leben zu durch die Taufe. schaften – mit den Zielen, Formen und
tun hat. Die Flucht ins Unverbindliche Arbeitsweisen der Kirche befasst. Die
gilt nicht. Brauche ich besondere Religionspädagogik ist zuständig für
Wer für sich selbst befriedigende Ant- Voraussetzungen? alle Praxisfelder, die mit religiösen Bil-
worten gefunden hat, ist glaubwürdig, Nein. Wer in seiner Schulzeit an Religi- dungs- und Erziehungsprozessen zu
wenn’s konkret wird. Dann sind auch onskursen oder an Kursen der Fächer- tun haben. Daher arbeitet sie schwer-
persönliche Zweifel willkommen, die gruppe Religion-Ethik teilgenommen punktmäßig auch auf dem Gebiet der
zum christlichen Glauben dazu gehören. hat, benötigt keine zusätzlichen Kennt- Didaktik des Religionsunterrichts und
nisse. Von Vorteil ist es, wenn Sie in Ihrer aller anderen Handlungsfelder christ-
Muss ich Mitglied in der (evangelischen) Kirchengemeinde schon Erfahrungen licher Bildungsarbeit.
Kirche sein, um Religionslehre zu mit Jugend- oder Gemeindegruppen Wichtig ist: Religionspädagogik kann
studieren? gesammelt haben. Als Religionslehrerin man nur sinnvoll im Gespräch mit an-
Für das Studium ist die Mitgliedschaft oder Religionslehrer müssen Sie über deren Disziplinen der Theologie, den
in der Kirche noch nicht notwendig. gründliche Kenntnisse biblischer Texte Humanwissenschaften wie der Allge-
Jeder kann das Fach studieren – wie verfügen. Aber wenn der Religionsun- meinen Pädagogik und Didaktik, mit
jedes andere Fach an der Universität terricht an Ihrer Schule nur verkürzt Soziologie und Psychologie und mit
oder Hochschule. Wer aber das Berufs- oder gar nicht stattgefunden hat, den Religionswissenschaften betreiben.
ziel „Lehramt“ anstrebt und evangeli- können Sie das im Laufe des Studiums
schen Religionsunterricht erteilen ausgleichen.
15Was muss ich lernen, wenn ich Reli- kommentierten Vorlesungsverzeichnis sprache war seit dem Römischen Reich
gionslehrer oder Religionslehrerin zu erfahren. Im Übrigen: Fahren Sie bis zum 19. Jahrhundert das Lateinische.
werden will? vor Beginn des Studiums zu der von Sie verstehen die Welt der Kirchenge-
Als Religionslehrerin oder Religions- Ihnen ausgewählten Hochschule und schichte und der Bibel besser, wenn
lehrer sind Sie keine Fachwissenschaft- erkundigen Sie sich vor Ort. Sie diese Sprachen kennen. Für einige
lerin bzw. kein Fachwissenschaftler. Studiengänge (Grundschule, Haupt-
Sie brauchen vor allem „religionspäda- Für welche Lehrämter kann ich und Realschule) werden die Inhalte im
gogische Kompetenz“. Das ist zunächst Theologie studieren? Theologiestudium so aufbereitet,
die Fähigkeit, sich in die Lebenswirk- Im föderalen Deutschland sind auch dass eine Kenntnis der alten Sprachen
lichkeit der Schülerinnen und Schüler die Bezeichnungen und Zuordnungen zwar wünschenswert, aber keine un-
hinein zu versetzen, mit ihnen in ein der Lehrämter verschieden. Im Wesent- abdingbare Voraussetzung ist. Die
Gespräch über Glauben und Leben ein- lichen lassen sich unterscheiden: Sprachanforderungen sind je nach
zutreten und ihnen biblisch-theologi- • Lehramt für die Grundschule Bundesland und auch von Universität
sche Perspektiven zu erschließen – • Lehramt für die Hauptschule zu Universität unterschiedlich gere-
theologisch sachgemäß und schüler- • Lehramt für die Realschule gelt, aber in der Regel sind Latein und
orientiert. Ganz praktisch: Denken Sie • Lehramt für die Gesamtschule Griechisch für das gymnasiale Lehr-
an einen Lehrer oder eine Lehrerin, der • Lehramt für das Gymnasium amt bzw. das Lehramt für die Sekun-
oder die Sie selbst einmal besonders • Lehramt für die berufsbildenden darstufe II obligatorisch.
überzeugt hat, und zwar auf der per- Schulen
sönlichen, auf der sachlichen und auf • Lehramt für die Sonderpädagogik. Wie beginnen – was soll ich im
der kommunikativen Ebene. Manchmal werden auch die Schulstu- Grundstudium studieren?
fen genannt, z.B.die Primarstufe, die Im Grundstudium sollen die Studie-
Wo kann ich studieren? Sekundarstufe I oder II, oder es wird renden Einblicke in fundamentale Fra-
Evangelische Theolgie für das Lehramt ausgebildet für das „Amt der Lehrerin gestellungen und Problemfelder der
können Sie an vielen Universitäten und bzw. des Lehrers 1. – 10. Schuljahr, mit Theologie bzw. der Religionspädagogik
Hochschulen studieren. Lassen Sie sich Schwerpunkt Grundschule oder Haupt- erlangen und deren Arbeitsweisen
nicht durch unterschiedliche Bezeich- und Realschule“. Für jedes Lehramt kennen lernen. Außerdem ist es wichtig,
nungen irritieren: An den alten Uni- gelten besondere Studienbedingungen die Fähigkeit zu erwerben, das Studium
versitäten heißen die Fachabteilungen und Prüfungsordnungen. selbstständig zu organisieren. Zum
meist „Fakultäten“, aber daneben gibt Grundstudium gehören, je nach Lehr-
es auch die Bezeichnungen Fachbereich, Welche Sprachen muss ich kennen? amt, die ersten drei oder vier Semester.
Abteilung, Seminar oder auch Lehrstuhl. Ursprünglich ist das Alte Testament in Wenn zusätzlich Sprachen erlernt
Welche Veranstaltungen angeboten hebräischer Sprache, das Neue Testa- werden müssen, sollten Sie das Grund-
werden, ist meist auf den Internetseiten ment in griechischer Sprache geschrie- studium nach dem 5. oder 6. Semester
der Fakultäten bzw. Fachbereiche im ben. Die Verkehrs- und Wissenschafts- beendet haben. In einigen Studien-
16Religionslehrerinnen
und -lehrer sind immer …
gängen wird das Grundstudium mit
einer Zwischenprüfung abgeschlossen. … im Gespräch mit Kindern
Folgende Veranstaltungen sollten In der Grundschule geht’s um erste Schritte in eine neue Welt. Still sitzen kön-
zum Grundstudium unbedingt dazu nen. Nicht durcheinander reden. Lesen, Schreiben, Rechnen. Aber es gibt noch
gehören: mehr: Feste feiern, Lieder singen. Fragen. Biblische Geschichten. Was ist beten?
• ein Grundkurs „Einführung in die Warum hängt Jesus am Kreuz? Warum hat Aishe ein Kopftuch, geht in die
Theologie“ Moschee? Gemeinsame Fragen, gemeinsam die Welt entdecken …
• ein bibelkundlicher Grundkurs
• ein bibelwissenschaftlicher … im Gespräch mit Jugendlichen
Grundkurs mit methodischem Mitten in der Pubertät ist man widerspenstig. Eigenwillig. Wo ist der eigene
Schwerpunkt Weg? Sind denn alle gegen mich? Was ist mir wirklich wichtig? Was kann ich
• weitere Grundkurse im Bereich der alles ausprobieren? Und die Bibel, ist die nicht out? Aber wenn’s ums ganze
Religionspädagogik, der Systemati- Leben geht, muss man darüber reden. Offen sein. Sich aneinander reiben.
schen Theologie und der Kirchenge- Orientierungen finden, Lichter am Horizont …
schichte, in denen Sie lernen, mit
den Methoden der jeweiligen Dis- … im Gespräch mit jungen Erwachsenen
ziplin umzugehen. Ich kann was, ich gehe schon in den Betrieb. Verdiene mein eigenes Geld und
Darüber hinaus sollten Sie weitere Ver- rede mit. So vieles ist wichtig, aber was zählt wirklich? Politik, Pluralismus,
anstaltungen belegen, die Ihnen Ein- Menschenwürde – was ist das eigentlich für mich? Religion – fremd, interes-
blicke in die grundlegenden Fragestel- sant. Sinn suchen, überall …
lungen Ihres zweiten Faches bieten.
… im Gespräch mit Eltern
Welches zweite Fach kann ich studieren? Religion ist gut – für die Moral. 10 Gebote für mein Kind, aber auch Freiheit,
Studierende für das Lehramt studieren Selbstbestimmung. Unser Kind soll sich selbst entscheiden. Mit „Kirche“
ein zweites Fach. Daher können Sie haben nicht alle was zu tun. Wie soll man an einem Strang ziehen?
schon vom Umfang her nicht so viele Anwältin bzw. Anwalt für die Kinder sein, zuhause und in der Schule …
Veranstaltungen im Bereich der Theo-
logie belegen wie das die Studierenden … im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen
für das Pfarramt tun. Aber es ist auch „Reli“ an der Schule. Ist Mathe nicht wichtiger fürs Leben? Für die Leistung?
von Vorteil, ganz andere Disziplinen zu Anderer Meinung sein – mit Profil, aber manchmal auch augenzwinkernd.
kennen – vorausgesetzt, man bringt „Reli“ ist schließlich auch für die Lehrerinnen und Lehrer da …
die Inhalte, Methoden und Perspektiven
beider Fächer unter einen Hut. Es ist
wünschenswert, beide Fächer mit der-
selben Energie zu studieren.
17Wer kann mich beraten?
Weitere Tipps zur Auswahl des zweiten
Fachs gibt Ihnen die zuständige Studien-
beratung, über die alle Universitäten
verfügen. Viele Fakultäten bieten auch
für Erstsemester besondere Einfüh-
rungsveranstaltungen an, in die man
hinein schnuppern sollte. Persönliche
Kontakte zu anderen Studierenden, zum
eigenen Religionslehrer oder zu den
Ausbildungsreferentinnen und -refe-
renten der Landeskirche können eben-
falls ratsam sein.
Und nach dem Studium – wie sieht
der Vorbereitungsdienst aus?
Das sogenannte Referendariat nach
dem Studium dauert in der Regel zwei
Jahre. Ziel des Vorbereitungsdienstes
ist es, Sie auf den „Ernstfall Unterricht“
vorzubereiten und Sie mit den vielfäl-
tigen Anforderungen an gute Lehre-
rinnen und Lehrer vertraut zu machen.
Das Referendariat ist keine leichte
Stufe im Prozess der beruflichen Aus-
bildung, aber eine unentbehrliche
Phase: Was Sie im Studium gelernt
haben, sollte sich nun in der Praxis
bewähren...
18Wo kann ich für das Lehramt in Ansprechpartner: Beratungsangebote:
Religionslehre studieren? Informationen gibt es in Mainz von Auch im Landeskirchenamt der
Das Kirchengebiet der rheinischen der Evangelisch-theologischen Fakul- Evangelischen Kirche im Rheinland
Kirche ist groß – es erstreckt sich über tät, in Koblenz und Landau von der erhalten Sie nähere Informationen –
vier Bundesländer. Wer Religions- Abteilung für Evangelische Theologie je nachdem, welche Schwerpunkte
lehrerin oder Religionslehrer werden /Religionspädagogik. Sie bevorzugen.
möchte, kann unter vielen interes-
santen Studienorten auswählen. Für das Lehramt in Grundschulen
Im Saarland: und in Hauptschulen berät Sie
Studium an der Universität in Saar- Schuldirektor Winfried Walter,
Nordrhein-Westfalen: brücken, Abteilung Evangelische Theo- Telefon: 0211 – 45 62 - 637
Studium an den Universitäten in logie/Religionspädagogik möglich.
Aachen, Bielefeld, Bochum, Bonn, Für das Lehramt in Realschulen,
Dortmund, Duisburg , Essen, Köln, Gesamtschulen und Gymnasien
Münster, Paderborn, Siegen und In Hessen: berät Sie Landespfarrer Eckhard
Wuppertal möglich. Studium an den Universitäten in Langner, Telefon: 0211 - 45 62 - 629
Darmstadt, Frankfurt/Main, Gießen,
Ansprechpartner: Kassel und Marburg möglich. Für das Lehramt in Berufskollegs
Informationen erhalten Sie an den und Berufsbildenden Schulen
Universitäten in Bochum, Bonn, Ansprechpartner: berät Sie Landeskirchenrat Dieter
Münster von der Evangelisch-theolo- Informationen bietet in Marburg die Boge, Telefon: 0211 - 45 62 – 626
gischen Fakultät, an den anderen Evangelisch-theologische Fakultät, in
Hochschulen von der Abteilung für Gießen, Frankfurt/Main und Kassel Informationen gibt’s auch im
Evangelische Theologie/Religionspä- die Abteilung für Evangelische Theo- Internet unter:
dagogik. logie/Religionspädagogik. www.religion-studieren.de
In Darmstadt kann man am Institut
für Theologie und Sozialethik nur für
In Rheinland-Pfalz: das Lehramt an beruflichen Schulen
Studium an den Universitäten in studieren.
Koblenz-Landau und Mainz möglich.
19Sie arbeiten gerne mit Kindern, egal ob firmandenunterricht. Es gibt aber auch
am Kicker oder im Kindergottesdienst? andere Formen, in denen es mehr darum
Sie verstehen sich gut mit Jugendlichen geht, Räume für soziale, persönliche
und möchten sie ein Stück weit beglei- und politische Erfahrungen zu schaffen.
ten? Dann gibt es für Sie viel zu tun in Genauso wichtig ist es, mit professio-
der Kirche. Bei Freizeiten und Heim- nellem Handwerkszeug an Konzepti-
spielen oder in der Disco, beim Sport onen und Infrastrukturen zu arbeiten,
und Kulturprogramm, beim Chatten, um die Bedingungen fürs Aufwachsen
beim Beten und Diskutieren – überall und Erwachsenwerden zu verbessern.
kann man gemeinsam Neues entdecken,
Wissen vertiefen und vieles mehr. Wie kann man das lernen?
Alles, was für Kinder und Jugendliche Bei vielen entsteht der Berufswunsch
attraktiv ist, ist auch in der kirchlichen „Jugendleiter“ oder „Jugendleiterin“
Jugendarbeit „dran“. durch die ehrenamtliche Mitarbeit in
der Gemeinde oder in einem Praktikum.
Pädagogische Arbeit Eins ist klar: Ohne Praxis kann man es
nicht lernen. Der normale Weg in den
Beruf ist das Studium der Sozialpäda-
in der Gemeinde – gogik oder Sozialarbeit an einer Fach-
hochschule. Dieser Weg setzt das Fach-
abitur voraus. Das Studium bietet mit
ein Beruf fürs Leben Fächern wie Pädagogik, Soziologie und
Psychologie, Didaktik und Methodik,
Politik, Recht und Medienkunde den
In all diesen Aktivitäten steckt ein ganz theoretischen Hintergrund für Bezie-
wichtiger Kern: die Beziehung. Kinder hungsarbeit und Gruppenleitung, für
und Jugendliche brauchen Ansprech- passgenaue Erarbeitung von Konzepten,
partnerinnen und -partner, denen sie Team- und Lobbyarbeit. Das Studium
vertrauen können – weil sie sie an- bietet auch Einblick in verschiedene
nehmen, wie sie sind und ihre Kompe- Praxisfelder, weit über das Gebiet „Ju-
tenzen fördern, aber auch mal mit ihnen gendarbeit“ hinaus.
streiten.
Wenn man langfristig in der evangeli-
In einer so verlässlichen Beziehung schen Kirche arbeiten will, lohnt sich –
kommt auch an, was einem persönlich nach dem Abschluss in Sozialpädagogik
wichtig ist und woran man glaubt. Es oder Sozialarbeit – der Zusatzstudien-
gibt Formen von Jugendarbeit, die den gang „Religions- und Gemeindepäda-
christlichen Glauben direkt religions- gogik“. Da geht es speziell um die
pädagogisch vermitteln, z. B. im Kon- kirchlichen Inhalte, um theologische
20Fragen und ihre pädagogische Umset- keiten fördern, die zu Beginn der Be-
zung. Da werden z. B. Unterrichtsein- rufstätigkeit noch nicht einmal zu ah-
heiten und Jugendgottesdienste ent- nen waren. Manche entdecken in der
worfen, Fragen von Seelsorge und Begleitung von „schwierigen“ Jugend-
Beratung, von Gemeindeaufbau und lichen ihre therapeutische Begabung
Gemeindeleitung diskutiert. Bei aller und bilden sie aus. Andere bauen die
kritischen Reflexion der kirchlichen Erfahrungen in politischen Gremien
Praxis bieten sich dabei auch gute Ge- oder in der Öffentlichkeitsarbeit aus,
legenheiten, den eigenen Glauben zu wieder andere gründen eine Band oder
durchdenken und zu vertiefen. bauen Theaterarbeit auf. Öffentlich-
keitsarbeit, Kulturarbeit und andere
Geht es auch ohne Studium? Schwerpunkte entwickeln sich häufig
Auch das ist möglich. Für diejenigen, die generationsübergreifend und eröffnen
nicht unbedingt studieren wollen, gibt andere Arbeitsfelder. Manche beginnen
es in der rheinischen Kirche auch an- auch schon direkt nach der Ausbildung
dere Wege in die hauptamtliche Mit- die Arbeit mit Erwachsenen, z. B. mit
arbeit: die Ausbildung als Diakonin oder Seniorinnen und Senioren.
Diakon. Man beginnt mit einem Sozial-
beruf, z. B. mit einer Erzieher- oder Pfle- Das alles zeigt: Gemeindepädagogik
geausbildung, und setzt dann später, ist ein Beruf, aus dem sich vieles ent-
berufsbegleitend in zwei Jahren, die wickeln kann – ein Beruf fürs Leben.
diakonisch-theologische Ausbildung
darauf.
Jugendarbeit – und was daraus
(er)wachsen kann
Wer über mehrere Jahre in der Kinder-
und Jugendarbeit einer Gemeinde
steckt, wird erleben, dass nicht nur die
Kids immer größer werden, auch die
Arbeit wächst. Die Arbeit mit Kindern
zieht die Arbeit mit Eltern und Familien
nach sich – vielleicht genau in den Jah-
ren, in denen man selbst Kinder hat.
Die Gemeinde kann auf diese Weise
ein Lebensraum sein, der mitwächst.
Für die eigene Person entfalten sich
neue Perspektiven. So kann die Arbeit
mit Jugendlichen Interessen und Fähig-
21Dabei bleiben
heißt Entwicklung
und Mitwirkung
Von der ehrenamtlichen zur
hauptamtlichen Jugendarbeit
Lutz Zemke, Jahrgang 1953,
Synodaljugendreferent im Kirchenkreis Moers
Meine Geschichte mit „Kirche“ ist eine Beziehungsgeschichte. Ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen, die sich in ihrer
Sie fing an mit Beziehungen zu Gleichaltrigen im Kinder- Arbeit für die Kinder und Jugendlichen verschlissen haben
gottesdienst und in der Jungschar. Es war eine gute und und sich nicht wahrgenommen fühlen. Oft stimmte dieses
prägende Zeit, die Lust auf mehr, auf Mitmachen bereitete. Gefühl sogar. Ich habe mich davon nicht irre machen lassen.
Ich wurde sogar gefragt, ob ich Lust hätte, mitzumachen Denn die Grundlage unserer Arbeit, jenseits von Lob und
und bin dann ein ehrenamtlicher Mitarbeiter geworden. Anerkennung, ist die gute Nachricht von dem unbedingten
Dass ich dann noch im Fach Religionslehre ein „Sehr gut“ Gewolltsein und Geliebtsein jedes Menschen als Geschöpf
hatte, führte dazu, dass alle meinten, ich würde bestimmt Gottes.
Pfarrer werden. Für eine „selbsterfüllende Prophezeiung“ Mit dieser Gewissheit und mit einem deutlichen Bewusst-
reichte die Intensität dieser Impulse zwar nicht aus. Aber sein davon, dass alles Planen und Handeln, Organisieren
irgendwie faszinierte mich der „Laden“ Kirche. und Konzipieren nur ein „Vorletztes“ ist und dass Kirche
Über ein Theologiestudium – ohne Abschluss – und ein eben mehr ist, als nur Institution, bin ich – trotz mancher
Studium der Religions- und Gemeindepädagogik bin ich schmerzlichen Erfahrungen – dabei geblieben. Ich habe
schließlich als „Professioneller“ in die gemeindliche Jugend- über die Jahre lediglich die Qualität meiner Wahrnehmung
arbeit und nach vier Jahren in die kreiskirchliche Jugendar- verbessert. Sehr hilfreich war dabei übrigens meine Ausbil-
beit hineingewachsen – hinein-„erwachsen“ und inzwischen dung in Supervision. Und ich habe mir nicht die Freiheit
„hineingealtert“. nehmen lassen, zu träumen und Vorstellungen davon zu
Ich habe in den 20 Berufsjahren die Kinder- und Jugendarbeit entwickeln, wie so genannte „Dienstgemeinschaft“ in der
unserer Kirche in vielen Facetten kennengelernt: Als offene Kirche weiter verwirklicht werden kann. „Dabei bleiben“
Jugendarbeit in einem sozialen Brennpunkt, als Gruppen- heißt für mich „Entwicklung“ und „Mitwirkung“. Dafür
arbeit mit braven Kindern in dörflichen Strukturen, im kirch- bietet die kirchliche Jugendarbeit gute Chancen. Ich bin
lichen Unterricht in der Stadt und in ländlicher Diaspora- fest davon überzeugt, dass die über Jahre gewonnene Er-
situation – und noch in vielen anderen Arbeitsformen, mit fahrung mit Kindern und Jugendlichen, dazu die Erfahrung
unterschiedlichen Arbeitsbedingungen von Jugendarbeit. mit der Institution Kirche und ihren Gremien, dazu die durch
Ich weiß von dem Bemühen und der Mühsal, Kindern und regelmäßige Fort- und Weiterbildung erworbenen Fähig-
Jugendlichen „Kirche“ als interessanten Lebens- und Begeg- keiten insgesamt eine hohe Qualifikation darstellen, eine
nungsraum schmackhaft zu machen. Ich weiß von so man- wertvolle Ressource für die Kirche, um die Herausforderungen
chen redlichen – aber auch manchmal unredlich vorge- der Zukunft anzunehmen.
schobenen – Konzeptionsdebatten um die „offene Jugend-
arbeit“ und die Frage, was daran „evangelisch“, bzw.
„christlich“ sei.
22Nähere Information zur Ausbildung Diakonenausbildungsstätten:
und zu den Berufschancen erhalten
Sie bei: Diakonisch-Theologische
Ausbildungsstätte
Landespfarrerin Renate Biebrach Theodor Fliedner Stiftung
Beauftragte für Mitarbeiterinnen Kölner Straße 292
und Mitarbeiter 45481 Mülheim an der Ruhr
Evangelische Kirche im Rheinland Telefon: 02 08-48 43-136
Landeskirchenamt Telefax: 02 08-48 43-136
Hans-Böckler-Straße 7 E-Mail: martha.vahrenkamp
40476 Düsseldorf @ausbildung.fliedner.de
Telefon: 02 11-45 62-310 www.ausbildung.fliedner.de
Telefax: 02 11-45 62-503
E-Mail: renate.biebrach@ekir-lka.de Diakonenausbildungsstätte des
Neukirchener Erziehungsvereins
Landespfarrer Rüdiger Breer Heckenrathstraße 24
Amt für Jugendarbeit der Telefon: 02 845-392-479
Evangelische Kirche im Rheinland Telefax: 02 845-392-406
Rochusstraße 44 www.neukirchener.de
40479 Düsseldorf
Telefon: 02 11-36 10-296 Diakonenschule Paulinum
Telefax: 02 11-36 10-444 Bösgrunder Weg 12
E-Mail: breer@jugend.ekir.de 555 Bad Kreuznach
Telefon: 06 71-60 53-266
Telefax: 06 71-60 53-271
Ausbildungsstätten: E-Mail: stahlmi@diakonenschule.de
www.diakonenschule.de
Fachhochschule
Evangelische Fachhochschule Diakonenausbildung
Rheinland-Westfalen-Lippe Evangelische Stiftung Tannenhof
Immanuel Kant Straße 18-20 Remscheider Straße 76
44803 Bochum 42899 Remscheid-Lüttringhausen
Telefon: 02 34-369 01-0 Telefon: 02 191-12 11 01
Telefax: 02 34-369 01-100 Telefax: 02 191-12 11 02
E-Mail: efh@efh-bochum.de E-Mail: martin.wolf
www.efh-bochum.de @stiftung-tannenhof.de
www.stiftung-tannenhof.de
23Wer in der Kirche arbeitet, ist nicht nur im Pfarramt, in
der Schule oder in den vielen Aufgabenfeldern der Ge-
meinden, Ämtern und Einrichtungen zu finden, sondern
in jedem Fall auch in der kirchlichen Verwaltung. Mit
ihren persönlichen Fragen und Wünschen sind die Ge-
meindemitglieder hier oft an genau der richtigen Stelle,
denn nicht immer geht es um Seelsorge oder Amtshand-
lungen. Wenn z. B Informationen über die Presbyteriums-
wahlen, die richtigen Ansprechpartner, die richtigen
Öffnungszeiten gebraucht werden, wissen die kirchlichen
Verwaltungsangestellten den richtigen Rat.
Auch in der Evangelischen Kirche im
Rheinland arbeiten viele Verwaltungs-
angestellte in den Ortsgemeinden,
den Kirchenkreisen oder der Landes-
kirche.
Nach abgeschlossener Berufsausbildung
finden Verwaltungsfachangestellte Aus-
übungsmöglichkeiten in allen oben ge-
nannten Verwaltungsbereichen.
Darüber hinaus arbeiten Verwaltungs-
fachangestellte in privatrechtlichen
Einrichtungen. Das berufliche Spektrum
ist groß. Wer zur Kirche kommt, ent-
scheidet sich ganz bewusst für ein
besonderes Umfeld.
Dienstleistung und Was sollte man mitbringen?
Wer gern selbstständig arbeitet und
Kundenorientierung – Freude an Teamarbeit hat, Verantwor-
tung übernehmen und zielorientiert
arbeiten kann, hat interessante Berufs-
auch in der Kirche chancen. Voraussetzungen sind eine
gute Allgemeinbildung, ein hohes Maß
an Zuverlässigkeit und Sorgfältigkeit
sowie die Fähigkeit zum logischen
Was ist das für ein Beruf ? Denken und ein gutes Ausdrucksver-
Der Beruf der Verwaltungsfachange- mögen in Wort und Schrift. Verwaltung-
stellten oder des Verwaltungsfachan- sangestellte sind Dialogpartnerinnen
gestellten ist ein anerkannter Aus- und -partner, und das ist in der Kirche
bildungsberuf und grundsätzlich in besonders wichtig. Schließlich gilt hier
fünf Fachrichtungen möglich: der Grundsatz, dass alle gemeinsam an
• Bundesverwaltung der Gestalt der Kirche mitwirken, jede
• Landesverwaltung und jeder nach seinen Gaben und Auf-
• Kommunalverwaltung gaben. Die Verwaltungsangestellten
• Handwerksorganisationen und müssen die Rechtsvorschriften ihrer
Industrie- und Handelskammern Gemeinde, ihrer Kirche kennen und
und auch in der diese problemgerecht anwenden kön-
• Kirchenverwaltung aller Glied- nen. Dabei ist es von großer Wichtig-
kirchen der Evangelischen Kirche in keit, kundenorientiert vorzugehen.
Deutschland (EKD). Wenn Menschen ein Anliegen haben,
24sind Vorschriften dazu da, ihre Bedürf- Gibt es auch theoretischen Welche Prüfungen muss
nisse zu erfüllen oder Probleme zu Unterricht? man bestehen?
lösen – nicht etwa umgekehrt. Oft In der Berufsschule und in kirchlichen In einer Zwischenprüfung werden u. a.
hängt es vom zuvorkommenden Um- Lehrgängen gibt es viele Gelegenheiten, Klausuren in den Prüfungsbereichen
gangston der Verwaltungsangestellten das Erlebte zu überdenken und das Wirtschafts- und Sozialkunde, Haus-
ab, ob dieser Grundsatz auch gewahrt Verwaltungsgeschehen im staatlichen haltswesen und Beschaffung, Arbeits-
wird. Kirchliche Verwaltungsangestellte und kirchlichen Zusammenhang zu organisation und bürowirtschaftliche
müssen deshalb ein gutes Gespür und verstehen. Kenntnisse über kirchliche Abläufe geschrieben. In der Abschluss-
Verständnis für die Besonderheiten im Strukturen, ihren Aufbau und ihre Be- prüfung geht es um schriftliche Prü-
kirchlichen Leben mitbringen. sonderheiten und über das kirchliche fungen in den Bereichen Wirtschafts-
Recht werden hier ebenfalls vermittelt. und Sozialkunde, Verwaltungsrecht
Welche Qualifikationen erlernt man Nicht zu vergessen: Wichtig ist es auch, und Verwaltungsverfahren, Personal-
in der praktischen Ausbildung? die eigene Berufsausbildung aktiv zu wesen und Verwaltungsbetriebswirt-
Die Ausbildung umfasst einen prakti- planen und mitzugestalten, und last schaft. Im Prüfungsbereich „Fallbezo-
schen Teil, in dem z.B. die nötige Bera- but not least erfolgt die nötige Vorbe- gene Rechtsanwendung“ hat der Prüf-
tungskompetenz direkt im Umgang mit reitung auf die umfangreichen Prü- ling nach einer kurzen Vorbereitungs-
den Gemeindemitgliedern erworben fungen. zeit Gelegenheit, den freien Umgang
wird. Auch die richtige, d.h. dienstleis- mit einer berufstypischen Problem-
tungsgerechte und kundenorientierte Wie lange dauert die Ausbildung? stellung zu demonstrieren. Dabei
Erledigung von Verwaltungsaufgaben Insgesamt dauert die Ausbildung drei kommt es auf die fachliche, aber auch
lernt man in der Praxis. Dabei ist es oft Jahre. Danach besteht durch weitere auf die soziale und kommunikative
nötig, mit anderen internen oder exter- Lehrgänge die Möglichkeit zur Ver- Kompetenz an.
nen Dienststellen zu kooperieren. Wer beamtung im mittleren und gehobenen
einen Antrag auf Wiedereintritt in die Dienst. ... und was sagen Auszubildende, die
evangelische Kirche auf den Schreibtisch sich für diesen Beruf entschieden
bekommt, muss z. B. rasch ermitteln, Während der praktischen Ausbildung haben?
welche Unterlagen dafür erforderlich in den Verwaltungsämtern der Gemein-
und wem sie vorzulegen sind. Auch den, Kirchenkreise und der Landeskirche
Materialbeschaffung und -bewirtschaf- erfolgt der Besuch der Berufsschule
tung gehören zu den Aufgaben der im Block- oder Tagemodell – je nach
Verwaltungsangestellten, z. B. die örtlichen Erfordernissen. Gleichzeitig
Kalkulatiom der Büroausstattung für finden 14 kirchenspezifische Lehrgänge
den reibungslosen Arbeitsablauf. in Wochenblockform statt.
Kirchenspezifischer Unterrichtsstoff,
Bei Personalangelegenheiten sind die wie z. B. Kirchensteuerrecht oder
Verwaltungsangestellten unentbehrlich: kirchliches Verfassungsrecht, werden
Sie nehmen die Gehaltsabrechnungen hier vermittelt.
vor und begleiten die Einstellungsver-
fahren. Sie erledigen die Buchführung
und wickeln den Zahlungsverkehr ab.
25Verwaltung
und Kirche –
das passt!
Kristof Niklasch:
Vom Schreibtisch aus den Menschen helfen
„Der Beruf, den ich einmal ausüben
wollte, sollte etwas mit ‚Kirche‘ zu tun
haben. Ich wollte einen Beruf ergreifen,
mit dem ich anderen Menschen helfen
kann. Ich fühlte mich aber nicht zum
Marcus Flagmeyer: Pfarrer oder Sozialarbeiter berufen. Mir
Berufswunsch und Kirche miteinander verbinden persönlich lag schon immer mehr die
„So fing es an: Als die Schulzeit langsam Verwaltung. Ich wollte einen Job an
zu Ende ging, musste ich mir überlegen, einem Schreibtisch und trotzdem in
ob ich weiter zur Schule gehe oder eine der Lage sein, den Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen.
Ausbildung anfange. Von Bekannten Ich helfe zwar nicht direkt, in dem ich z. B. Menschen in
und aus Informationsmaterial habe ich schwierigen Lebenslagen berate, aber ich helfe mit, die dia-
erfahren, welche Aufgabenbereiche Ver- konische und seelsorgliche Arbeit weiter zu führen. Ich denke,
waltungsfachangestellte haben und diesen Beruf habe ich in der evangelischen Kirche gefunden.
dass es verschiedene Arten von Verwal- Zudem habe ich schon eine gewisse ‚Vorbelastung‘, da ich
tungsfachangestellten gibt. Nach vie- meinen Zivildienst in einer Kirchengemeinde abgeleistet
lem Nachdenken habe ich mich entschieden, eine solche habe und so einen gewissen Einblick in die Verwaltung einer
Ausbildung zu beginnen. Was mich bewogen hat, kirchlicher Kirchengemeinde erhalten habe.
Verwaltungsfachangestellter zu werden? Vor meiner Aus- Ein weiterer Grund, warum ich mich für die Kirche als Aus-
bildung war ich freizeitmäßig ehrenamtlicher Mitarbeiter bildungsstätte entschieden habe: Ich bin ehrenamtliches
in meiner Kirchengemeinde. Ich habe dort eine Jungen- Mitglied in verschiedenen Ausschüssen meiner Gemeinde.
jungschar und eine „Kinder OT (offene Tür)“ mitgeleitet, wo Auch auf Gemeindefesten helfe ich immer noch gerne, und
Kinder neben ihrem Schulalltag eine gewisse Freizeitmög- ich betreue Freizeiten für Konfirmanden und Jugendliche.
lichkeit haben wie z. B. Tanzen, Spielen und Basteln. Also Viel Aufwand ist nötig, um Gemeinde und Kirche auch
habe ich mir gedacht, warum soll ich nicht meinen Berufs- heute noch aufrecht zu erhalten. Dazu, denke ich, braucht
wunsch und die Kirche in Verbindung bringen? Nach diesem die Kirche, speziell in der kirchlichen Verwaltung, junge
Entschluss habe ich mich informiert, wo und wer kirchliche Menschen, die genau wissen, wie es auch vor Ort in der
Verwaltungsfachangestellte ausbildet. Nachdem ich dieses Gemeinde aussieht und wie man dort arbeitet. Genau an
herausgefunden hatte, setzte ich mich an meinem Schreib- diesem Punkt möchte ich ansetzen, um zu gewährleisten,
tisch und fing an, Bewerbungen zu schreiben. Nun habe ich dass auch noch meine Kinder die Kirche so erleben, wie ich
meine Ausbildung begonnen und es macht mir Freude, die es konnte.“
Kirche und meinen Berufswunsch so verbunden zu haben.
Zusammengefasst betrachtet meine ich, dass ich mit dem
Ausbildungsberuf kirchlicher Verwaltungsfachangestellter
eine sehr gute Entscheidung für die Zukunft getroffen habe.“
26Sandra Vosgerau:
Kontakt mit anderen Menschen haben
„Bevor ich diese Ausbildung begann,
ging ich auf eine Realschule in Velbert.
Ab der neunten Klasse kam dann das
Arbeitsamt regelmäßig zu uns in die
Klasse und sprach mit uns über unsere
Berufsvorstellungen. Die meisten von
uns wollten weiter zur Schule gehen,
aber für mich war klar, dass ich eine Sebastian Köhler:
Ausbildung anfangen wollte. Ich wußte Andere Wertmaßstäbe haben und anderen helfen
nur noch nicht, was. Da meine Tante mir öfter von ihrer Tä- „Wir haben in unserer Gemeinde mit
tigkeit als Verwaltungsangestellte bei der Stadt erzählt Pfarrer Großarth einen Seelsorger, der
hatte, erkundigte ich mich bei ihr nach diesem Beruf. Sie sich sehr stark für die Jugendarbeit in
erzählte mir, dass es verschiedene Abteilungen gibt, die man der Gemeinde eingesetzt hat. So habe
in der Ausbildung durchlaufen muss und dass daher die ich schon als Kind an vielen der ange-
Arbeit sehr abwechslungsreich sei. botenen Jugendfreizeitaktivitäten teil-
genommen. Dabei habe ich im Laufe
Ein wichtiger Punkt für mich war auch, dass man Kontakt der Zeit auch einen Einblick in die Auf-
mit anderen Menschen hat. Also schrieb ich verschiedene gaben und Tätigkeiten der Kirche ge-
Bewerbungen an verschiedene Städte in der Umgebung. wonnen und erkannt, wie breit gefächert und wichtig das
Aber es kamen nur Absagen zurück. Also stand ich wieder Angebot der kirchlichen Einrichtungen ist (z. B. Kindergärten,
da und wusste nicht weiter. Ich wandte mich wieder an das Schulen, Diakonie, Seelsorge). Gerade, wenn es darum geht,
Arbeitsamt, doch von denen bekam ich nur die Auskunft, anderen Menschen zu helfen, steht die Kirche an vorderster
dass ich mir etwas Neues überlegen sollte. Nur durch Zu- Stelle. Als ich dann auf das Abitur zuging, las ich im evan-
fall bekam ich mit, dass es die Ausbildung zur Verwaltungs- gelischen Sonntagsblatt „Der Weg“, dass das Landeskirchen-
fachangestellten auch bei der Kirche gibt. Ich ging noch- amt der Evangelische Kirche im Rheinland Auszubildende
mals zum Arbeitsamt und fragte nach dieser Ausbildung. für den Beruf des Verwaltungsfachangestellten, Fachrich-
So bekam ich die Adresse der evangelischen Kirchenge- tung Kirchenverwaltung, sucht. Ich beschloss, mich dort zu
meinde in Velbert und bewarb mich dort um die Ausbildung bewerben und erhielt zum Glück auch eine Zusage. Warum
zur kirchlichen Verwaltungsfachangestellten. Nun bin ich habe ich mich gerade bei der Kirche beworben? Unsere
seit August letzten Jahres in dieser Kirchengemeinde und heutige Zeit ist außergewöhnlich materiell eingestellt. Un-
denke, dass ich mich mit dieser Berufswahl richtig ent- ternehmer und Manager sind nur noch an Umsatz- und
schieden habe.“ Gewinnsteigerungen interessiert. In so einer Berufswelt
möchte ich nicht leben. Ich denke, dass die Kirche aufgrund
der christlichen Wurzeln andere Wertmaßstäbe hat und in
Interessiert? dem Mitarbeiter in erster Linie den Menschen sieht, von
Nähere Informationen erhalten Sie beim: dem sie zwar Leistungsbereitschaft erwartet, dem gegen-
Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland über sie sich aber auch verantwortlich fühlt. Ich denke, dass
Abteilung II ich durch meine Tätigkeit in der Verwaltung Anteil an der
Dr. Ullrich Wimmer (theologischer Dezernent) Erfüllung der kirchlichen Aufgaben habe und auf diesem
Dr. Götz Klostermann ( juristischer Dezernent) Weg anderen Menschen helfe. Auf jeden Fall kann ich sagen,
Büro: Alexandra Diehl dass ich die richtige Wahl getroffen habe.“
Telefon: 0211 - 45 62 - 222
Telefon: 0211 - 45 62 - 560
E-Mail: alexandra.diehl@ekir-lka.de
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