Informationen für Patientinnen des Brustzentrums Innsbruck

Die Seite wird erstellt Lorenz Forster
 
WEITER LESEN
Informationen für Patientinnen des Brustzentrums Innsbruck
Universitätsklinik für Visceral-,
Transplantations- und Thoraxchirurgie
Direktor: Univ.-Prof. Dr. Johann Pratschke
A-6020 Innsbruck • Anichstraße 35
www.chirurgie-innsbruck.ac.at

Informationen für
Patientinnen
des Brustzentrums
Innsbruck
Informationen für Patientinnen des Brustzentrums Innsbruck
Inhaltsverzeichnis                                    1

                                                                                                     Brustzentrum Innsbruck................................................................................................................................... 2
                                                                                                     Was ist Brustkrebs?............................................................................................................................................... 4
                                                                                                     Die Rolle der ChirurgInnen............................................................................................................................ 6
                                                                                                     Die Aufgabe der Radiologie.......................................................................................................................... 8
                                                                                                     Die Aufgabe der Pathologie.......................................................................................................................... 10
                                                                                                     Die Rolle der StrahlentherapeutInnen............................................................................................... 14
                                                                                                     Die Aufgabe der Internistischen Onkologie (Innere Medizin I)................................ 16
                                                                                                     Die Rolle der NuklearmedizinerInnen................................................................................................ 18
                                                                                                     Die Rolle der Plastischen Chirurgie....................................................................................................... 20
                                                                                                     Die Rolle der OrthopädInnen...................................................................................................................... 22
                                                                                                     Psychosoziale Hilfe bei Diagnose Krebs........................................................................................... 24
                                                                                                     Die Rolle der Physikalischen Medizin und Rehabilitation. ............................................. 26
                                                                                                     Die Aufgabe der Humangenetik............................................................................................................... 28
                                                                                                     Lageplan........................................................................................................................................................................... 33

Hinweis:                         Sie erreichen das A.ö. Landeskrankenhaus – Universitätskliniken
                                 Innsbruck unter der Telefonnumer 050 504-DW (österreichweit
                                 zum Ortstarif) oder unter +43 (0)512 504-DW (aus dem Ausland)
Für den Inhalt verantwortlich:   Univ.-Prof. Dr. Johann Pratschke
                                 OÄ Dr.in Martina Dünser
                                 Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie
                                 A.ö. Landeskrankenhaus – Universitätskliniken Innsbruck
Konzeption, Text:                Monika Lerch, Mag.a Linda Partl
Aktualisierte Ausgabe:           Juli 2010
Herstellung:                     Druck-Management LKI, dtp.service@tilak.at
Informationen für Patientinnen des Brustzentrums Innsbruck
2                                                                                                                                                                                            Vorwort
                                                                                                                                                                                            Vorwort                                                                               33

    Brustzentrum Innsbruck

                      Sehr geehrte Patientinnen,                                      enger
                                                                                      WegenKooperation    mit den internistischen
                                                                                              der großen psychischen                 OnkologInnen
                                                                                                                       Belastung unserer             erfolgt
                                                                                                                                            Patientinnen     und kno-
                                                                                                                                                          gerade bei
                                                                                      chenchirurgische  Eingriffe von
                                                                                      einer Brustkrebserkrankung   wirdder
                                                                                                                        seitUniversitätsklinik
                                                                                                                             vielen Jahren einefür Orthopädie abge-
                                                                                                                                                psychoonkologische
                      Brustkrebs ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung        deckt werden.
                                                                                      Beratung  durchWegen   der großen psychischen
                                                                                                      die Universitätsklinik            Belastung
                                                                                                                             für Biologische       der Frauen
                                                                                                                                             Psychiatrie       gerade
                                                                                                                                                         angeboten.
                      der Frau. So erkranken allein in Tirol jährlich mehr als 400    durch den Brustkrebs wird seit vielen Jahren eine psychoonkologische
                      Frauen, was einer Rate von über 100 Neuerkrankungen pro         Beratung  durch dieunserer
                                                                                      Diese Neuauflage    Universitätsklinik für Psychiatrie
                                                                                                                 Broschüre möge     Ihnen alsangeboten.
                                                                                                                                              Information und Weg-
                      100.000 Frauen und damit dem österreichischen Durch-            weiser dienen und Ihnen die Kontaktaufnahme zu den einzelnen Abteilungen
                      schnitt entspricht. Österreichweit – inklusive Tirol – hat      unseresneu
                                                                                      Diese   Brustzentrums
                                                                                                  aufgelegte erleichtern.
                                                                                                              Broschüre möge den Frauen als Information und
                      die Inzidenz seit 1983 um 40 % zugenommen. Seit 2003 ist        Wegweiser dienen, wie sie am leichtesten Kontakt zu den einzelnen Abteilun-
                      die Erkrankungshäufigkeit jedoch erfreulicherweise nicht        gen des Brustzentrums aufnehmen können.
                      mehr weiter angestiegen, und wir können seit einigen Jah-
                      ren einen Rückgang der Sterblichkeit an dieser Tumorer-         Univ.-Prof. Dr. Raimund Margreiter
                      krankung beobachten.
                                                                                      Univ.-Prof. Dr. Johann Pratschke
    Das höchste Erkrankungsrisiko besteht nach wie vor für die Altersgruppe zwi-
    schen 55 und 64 Jahren. Breitere Akzeptanz der Vorsorgeuntersuchung und
    die Früherkennung der Erkrankung führen gemeinsam mit einer enormen Er-
    weiterung der Behandlungsmöglichkeiten während der vergangenen Jahre
    zur Verbesserung der Ergebnisse.

    Bereits im Jahr 1974 wurde an der Universitätsklinik für Chirurgie, an der tra-                                      Mammakarzinom-Inzidenz  inTirol
                                                                                                                         Mammakarzinom-Inzidenz in Tirol
    ditionellerweise schon seit jeher Brustchirurgie schwerpunktmäßig betrieben
    wurde, eine Spezialsprechstunde eingerichtet.                                            Zeitliche Entwicklung
                                                                                             Zeitliche Entwicklung
                                                                                      440
                                                                                      420
    Infolge der steten Bemühungen um eine Optimierung der Versorgungsquali-

                                                                                                                                                                                                                        Anmerkung: absolute Zahlen: Quelle: Tumorregister Tirol
    tät von Frauen mit gut- oder aber auch bösartigen Brustdrüsenerkrankungen
    – in etwa einem Prozent sind auch Männer betroffen – wurde in den ver-            420
                                                                                      400
    gangenen Jahrzehnten ein Netzwerk von kooperierenden Spezialabteilungen
    aufgebaut, das sich schon vor einiger Zeit als Brustzentrum vorgestellt hat.      400
                                                                                      380
    Diese langjährige Erfahrung und die intensive interdisziplinäre Auseinander-
    setzung mit der äußerst komplexen Problematik kommen unseren Patien­              380
    tinnen heute zugute.                                                              360
                                                                                      360
    Nachdem das bereits vor über einem Vierteljahrhundert etablierte Modell die
    lebenslange Nachsorge unserer Patientinnen vorsieht, werden diese auch im         340
                                                                                      340
    fortgeschrittenen (metastasierten) Stadium betreut, wobei die medikamen-
    töse Behandlung in enger Zusammenarbeit mit den onkologischen Kolleg­
    Innen erfolgt. Je nach Erfordernis können zusätzlich noch weitere Fachdiszi-      320
                                                                                      320
    plinen zur Optimierung der Behandlung eingebunden werden.
                                                                                                                      1995

                                                                                                                                    1996

                                                                                                                                                             1998

                                                                                                                                                                           1999

                                                                                                                                                                                         2000

                                                                                                                                                                                                       2001
                                                                                             1993

                                                                                                           1994

                                                                                                                                               1997

                                                                                                                                                                                                                 2002
                                                                                            1993

                                                                                                    1994

                                                                                                              1995

                                                                                                                     1996

                                                                                                                             1997

                                                                                                                                       1998

                                                                                                                                              1999

                                                                                                                                                      2000

                                                                                                                                                                    2001

                                                                                                                                                                           2002

                                                                                                                                                                                  2003

                                                                                                                                                                                                2004

                                                                                                                                                                                                       2005

                                                                                                                                                                                                              2006

                                                                                                                                                                                                                                  2007
                                                                                                                                                        Anmerkung: absolute Zahlen: Quelle: Tumorregister Tirol
Informationen für Patientinnen des Brustzentrums Innsbruck
4                                                                                                                                                     Einleitung
                                                                                                                                                      Einleitung      55

    Was ist Brustkrebs?                                                              Die Warnsignale
                                                                                     Es gibt Veränderungen der Brust, die völlig harmlose Ursachen haben können
    Brustkrebs ist die häufigste Tumorerkrankung der Frau. In einzelnen Alters-      Die Warnsignale
                                                                                     oder aber ernsthafte Symptome einer Krebserkrankung darstellen – daher ist
    gruppen beträgt der Anteil der betroffenen Frauen bis zu einem Drittel.          Es  gibt
                                                                                      ihre    Veränderungen
                                                                                           weitere  Abklärungder   Brust, die völlig harmlose Ursachen haben können
                                                                                                               wichtig:
                                                                                     oder aber ernsthafte Symptome einer Krebserkrankung darstellen – daher ist
                                                                                      33Tastbare
                                                                                     ihre  weitereund  sichtbare
                                                                                                    Abklärung    Knoten in der Brust
                                                                                                              wichtig:
    Was ist eigentlich ein Tumor?
                                                                                      33Neu aufgetretene Einziehung der Brustwarze
    Das Wort Tumor bedeutet „Schwellung“ und ist nicht gleichbedeutend mit           33tastbare   und sichtbare Knoten   in der Brust
    Bösartigkeit, denn es gibt auch gutartige Tumore. Bösartige Tumore zeichnen         3Plötzliche Veränderung   der Brustwarze
                                                                                     3 neu aufgetretene Einziehungen der Brustwarze
    sich durch ein unkontrolliertes Wachstum aus. Die „entarteten“ Zellen ver-        33Blutige oder wässrige Sekretion aus der Brustwarze
                                                                                     3 plötzliche Veränderungen der Brustgröße
    mehren sich schnell, wachsen in das umliegende Gewebe und zerstören es.             3Rötungoder
                                                                                                 der Brust ohneSekretion
                                                                                                                 erkennbare
                                                                                     33blutige        wässrige             ausUrsache
                                                                                                                               der Brustwarze
    Sie können in Blutbahnen und Lymphgefäße eindringen und so in andere Kör-
                                                                                     33Rötung    der Brust ohne  erkennbare
                                                                                        3Knoten in den Achselhöhlen           Ursache
    perregionen verschleppt werden. Siedeln sie sich dort an und vermehren sich
                                                                                     3 Knoten in den Achselhöhlen
    weiter, entstehen Tochtergeschwülste (Metastasen).

    Formen von Brustkrebs
    Der Brustkrebs geht meist von den Milchgängen aus und wird als duktales
    Karzinom bezeichnet. Sind die Drüsenläppchen betroffen, spricht man vom
    lobulären Karzinom. Hat der Krebs noch nicht die tiefer liegenden Gewebe
    befallen, sondern befindet sich innerhalb der Oberflächenschicht von Milch-                         Lokale Häufigkeitsverteilung von Brustkrebs
    gängen, liegt ein Carcinoma in situ (Krebs an Ort und Stelle) vor. Dieses Sta-
    dium hat die besten Heilungschancen, weil der Tumor noch keine Tochterzel-
    len ausstreut. Ist das Karzinom jedoch über die Trennungsschicht zum tiefer                           Lokale Häufigkeitsverteilung von Brustkrebs
    liegenden Gewebe vorgedrungen, nennt man das Wachstum invasiv.

    Was sind die Risikofaktoren?
    Es müssen viele Faktoren zusammenwirken, um aus einer gesunden Zelle
    eine Krebszelle werden zu lassen. Daher kann man nicht von der Krebsursache
    sprechen. Es gibt aber Einflüsse, die zur Auslösung einer Krebserkrankung
    beitragen können. Das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, hängt von Ernäh-
    rungs-, hormonellen und Erbfaktoren ab. Eine späte oder keine Schwanger-
    schaft spielen beim Entstehungsmechanismus ebenso eine Rolle wie ein frü-
    her Beginn der Regelblutung, der späte Eintritt der Wechseljahre oder
                                                                                                                                        15 %              55 %
    bestimmte Gewebsveränderungen (Präkanzerosen, Vorläuferläsionen). Das
    höchste Erkrankungsrisiko haben Frauen mit einer nachgewiesenen Verände-
    rung im Erbgut (Genmutation).
                                                                                                                                   5%
                                                                                                                                                    10 %
Informationen für Patientinnen des Brustzentrums Innsbruck
6   Univ.-Prof. Dr. Johann Pratschke, Direktor                                       Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie            7

    Die Rolle der ChirurgInnen                                                       Die Nachsorge
                                                                                     Nach der Primärtherapie steht die regelmäßige
    Die Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie      Nachsorge der Patientinnen im Mittelpunkt der
    versteht sich als Schaltstelle des Brustzentrums. Nach einem ausführlichen       Bemühungen. Um Absiedelungen zu verhin-
    Erstgespräch und einer klinischen Untersuchung werden die Patientinnen der       dern, wird in bestimmten Fällen eine strahlen-
    Universitätsklinik für Radiologie zur weiterführenden Diagnostik zugewiesen,     therapeutische und/oder medikamentöse Nach­
    wobei aus verdächtigen Bereichen kleine Gewebsproben entnommen wer-              behandlung durchgeführt. Sollte es dennoch
    den, die dann die Pathologin/der Pathologe untersucht. Innerhalb weniger         zum Wiederauftreten des Tumors kommen, so
    Stunden – der kürzest mögliche Zeitraum für eine verlässliche Diagnose –         kann dies frühzeitig erkannt und eine entspre-
    liegt der Abteilung das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung vor. Zum       chende Behandlung eingeleitet werden. Hier
    Festlegen des Tumorstadiums, des Behandlungsplanes insgesamt und auch            kommt den Innsbrucker ChirurgInnen ihre lang-
    des operativen Vorgehens werden außerdem Untersuchungen der Lunge, der           jährige Erfahrung zugute.
    Leber und der Knochen an der Universitätsklinik für Radiologie bzw. an der       In einer wöchentlich stattfindenden interdiszi-
    Universitätsklinik für Nuklearmedizin durchgeführt.                              plinären Tumorbesprechung wird – zusammen
                                                                                     mit den Internistischen OnkologInnen, Strah-
    Die Brustoperation                                                               lentherapeutInnen und je nach Situation wei-
    In zwei Dritteln der Fälle kann primär brusterhaltend operiert werden, bei ei-   teren Fachspezialisten – die für die jeweilige
    nigen Patientinnen gelingt dies jedoch erst nach medikamentöser Vorbe-           Patientin optimale Therapie festgelegt.
    handlung. Ist die Entfernung der gesamten Brustdrüse unumgänglich, so gibt
    es heute die Möglichkeit, diese in der gleichen Operation oder zu einem spä-
    teren Zeitpunkt wieder aufzubauen, wobei von der Universitätsklinik für Pla-
    stische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie dem körpereigenen Gewe-
    be gegenüber Kunststoff-Implantaten der Vorzug gegeben wird.

    Der Lymphknoten: Genauso wichtig wie der Tumor
    Für den Verlauf der Erkrankung ist es wichtig zu wissen, ob Krebszellen in das
    Lymphsystem vorgedrungen sind. Die Markierung und Entfernung des Wäch-
    ter-Lymphknotens, jenes Lymphknotens, der gegebenenfalls als erster Lymph-
    knoten besiedelt wird, gehört selbstverständlich zum chirurgischen Repertoire.
    Erweist sich dieser als nicht tumorbefallen, kann auf eine Entfernung aller                                       Ihre AnsprechpartnerInnen
    Achsellymphknoten verzichtet werden.
                                                                                     OÄ                     OÄ                      Dr.in Eva Schulze   Dr. Alexander
                                                                                     Dr.in Martina Dünser   Dr.in Claudia Hackl     DW -500 10          Perathoner
                                                                                     DW -500 10             DW -500 10                                  DW -500 10
Informationen für Patientinnen des Brustzentrums Innsbruck
8   Univ.-Prof. Dr. Werner Jaschke, Direktor                                                                                        Universitätsklinik für Radiologie         9

    Die Aufgabe der Radiologie                                                           Magnetresonanztomographie
                                                                                         Die MRT wird mittels Magnetfeldern (ohne Strahlenbelastung) durchgeführt. Dazu
    Neben der Brustselbstuntersuchung, der ärztlichen Anamnese und der kli-              werden elektronische Signale aufgenommen und in Bildinformationen umgerech-
    nischen Untersuchung stellen diverse radiologische Untersuchungs- und Ab-            net. Das Verfahren wird aufgrund seiner Genauigkeit zur exakten Größenbestim-
    klärungsmethoden die Säulen der Brustkrebsfrüherkennung dar. Nur mit radi-           mung eines Mammakarzinoms und zum Ausschluss weiterer Tumorherde in der
    ologischen Methoden kann Brustkrebs (Mammakarzinom) schon vor dem                    Operationsplanung eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete finden sich in der Ver-
    Auftreten von äußeren oder tastbaren Veränderungen nachgewiesen werden.              laufskontrolle unter Therapie, der Abklärung von unklaren Befunden, bei Hochrisi-
    Die Erfassung und entsprechende Zuordnung solcher Frühzeichen stellt eine            kopatientinnen und in der Beurteilung von Narben und Brust­implantaten.
    Hauptaufgabe der radiologischen Brustuntersuchungen dar.
    Zu diesen Frühzeichen gehören:                                                       Biopsie – Gewebeprobe
    33Nicht tastbare Knoten            3 Asymmetrische Verdichtungen                     Zur Therapieplanung ist die Entnahme von Gewebe aus einer verdäch­tigen
    33Architekturstörungen             3 Verdächtige Mikroverkalkungen                   Struktur in der Brust notwendig. Dies ist mittels perkutaner Biopsie möglich.
    33Veränderungen innerhalb von Milchgängen                                            Dazu wird unter Ultraschall-, Röntgen- oder MRT-Kontrolle eine Biopsienadel
                                                                                         über einen kleinen Einstich in der Haut in die Veränderung eingebracht und
    Bedeutung der Früherkennung                                                          mehrere kleine Gewebeproben entnommen. Die Biopsie wird ambulant in
                                                                                         Lokalanästhesie durchgeführt und dauert etwa eine halbe Stunde. Das we-
    Je früher Brustkrebs entdeckt wird, desto höher sind die Heilungschancen
                                                                                         sentliche Ziel der Biopsie ist es einerseits unnötige Opera­tionen zu vermei-
    und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine brusterhaltende Ope-
                                                                                         den, andererseits schon vor einer Operation die Wertigkeit des Tumors fest-
    ration durchgeführt werden kann. Für die Früherkennung stehen die Mammo-
                                                                                         zustellen. Dadurch kann die Art der Behandlung genau geplant werden.
    graphie und der Ultraschall zur Verfügung. Für spezielle Fragestellungen wird
    ergänzend die Magnetresonanztomographie (Kernspin, MRT) der Brust einge-
    setzt. Alle drei Methoden haben eine unterschiedliche Aussagekraft. Ist eine         Lymphknotendiagnostik
    Untersuchung mit mehreren radiologischen Verfahren notwendig, müssen sie             Die Lymphabflusswege können sonographisch oder MR-tomographisch beur-
    gemeinsam beurteilt werden, um eine hohe Sicherheit in der Brustkrebs-Früh-          teilt werden. Sind sie unauffällig, kann auf die vollständige Entfernung der
    erkennung zu gewährleisten. Ab dem 40. Lebensjahr sollte jede Frau eine regel-       axillären Lymphknoten zugunsten­der Entnahme eines oder mehrerer Wäch-
    mäßige Mammo- und bei Bedarf auch eine Sonographieuntersuchung der Brust             terLymphknoten verzichtet werden. Zum Auffinden des/der Wächter-Lymph-
    durchführen lassen.                                                                  knoten werden vor der Operation unter Ultra­schallkontrolle ein Radionuklid
                                                                                         und ein Farbstoff um das Mammakarzinom eingebracht.
    Mammographie
    Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust, die nach wie vor
    den ‚golden Standard‘ der Brustdiagnostik darstellt. RadiologInnen können damit                     Ihre Ansprechpartner
    Veränderungen in der Brust beurteilen. Eine wesentliche Aufgabe der Mammo-
    graphie ist der Nachweis von winzigen Verkalkungen (Mikroverkalkungen), die          Univ.-Prof. Dr. W. Jaschke   OA Dr. Martin Daniaux
                                                                                         DW -227 60                   DW -252 90
    auf das Vorhandensein einer Frühform von Brustkrebs hindeuten können. Mikro-
    verkalkungen sind nur in der Mammographie nachweisbar (Abb. 1).

    Sonographie
    Die Sonogaphie (Ultraschall) der Brust dient als Ergänzung zur Mam­mographie
    vor allem bei Frauen mit dichter Bust bzw. zur weiteren Abklärung auffälliger kli-
    nischer/mammographischer Befunde. Aufgrund der fehlenden Strahlenbelastung
    ist die Sonographie die Methode der ersten Wahl zur Untersuchung junger
    Frauen. Der Ultraschall kann eine regelmäßige Mammographie nicht ersetzen.                                                                                     (Abb. 1)
Informationen für Patientinnen des Brustzentrums Innsbruck
10   Univ.-Prof. Dr. Gregor Mikuz, Vorstand                                                                                                          Pathologie     11

     Die Aufgabe der Pathologie                                                      Für die Befunderstellung gelten folgende Publikationen als Richtlinien:
                                                                                     33World Health Organisation: Classification of Tumors, Pathology & Genetics:
     Die Pathologie nimmt eine zentrale Stellung in der multidisziplinären Gruppe      Tumors of the Breast and Female Genital Organs.
     der Brustkrebsmedizin ein. Die Aufgabe der Pathologie ist, aus dem Gewebe       33European Commission – European Guidelines for Quality Assurance in
     der klinisch und/oder radiologisch auffallenden Befunde eine Diagnose zu          Mammography Screening. American Society of Clinical Oncology/College
     erstellen.                                                                        of American Pathologists (ASCO/CAP): Guideline Recommendation for Hu-
     Jede entnommene Flüssigkeit und jede Art von Gewebe werden makro- und             man Epidermal Growth Factor Receptor 2 Testing in Breast Cancer.
     mikroskopisch untersucht:                                                       33Stufe-3-Leitlinie Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland.
     33Feinnadelaspirate (Flüssigkeiten) vorwiegend aus zystischen Verände-          33Richtlinien für die Mammapathologie der Österreichischen Gesellschaft für
       rungen                                                                          Pathologie
     33Saugbiopsien oder Stanzbiopsien
     33Operativ entnommene Gewebeproben (offene Biopsie)                             Wesentlicher Bestandteil der Tumorcharakteristik eines Mammakarzinoms
     33Entfernung von umschriebenen Läsionen (Tumorektomie)                          ist die Bestimmung des Hormonrezeptor- und HER2/neu Status mit den Me-
     33Entfernung der gesamten Brust (Mastektomie)                                   thoden der Immunhistochemie (Nachweis auf Eiweißebene mittels farbmar-
                                                                                     kierten Antikörpern an den Tumorzellen) und der in situ Hybridisierung
     33Entfernung jeder Tochtergeschwulst/Metastase (Lymphknoten, Leber, Lunge,      (Nachweis der HER2/neu Amplifikation auf Ebene der Erbinformation der Tu-
       Gehirn, Knochen, etc.).                                                       morzellen).
                                                                                     Alle unsere Patientinnen werden in multidisziplinären Besprechungen disku-
     Warum ist eine umfassende Analyse wichtig?
                                                                                     tiert und dort fällt die Entscheidung über die Therapie nach Anhörung aller
     Kleine Probenentnahmen wie Stanzzylinder und Saugbiopsate dienen der de-        Fachdisziplinen.
     finitiven Beurteilung und Zuordnung der klinisch auffälligen Befunde. Han-
                                                                                     Je nach Tumorgröße und Wachstumstyp eines Mammakarzinoms ent-
     delt es sich um einen gutartigen Befund, so ist mitunter keine weitere Thera-
                                                                                     scheiden die ChirurgInnen über das Ausmaß des operativen Eingriffes.
     pie notwendig. Handelt es sich um eine Vorläuferläsion, so ist eine Exzision
                                                                                     Falls möglich, wird die brusterhaltende Therapie (BET) angestrebt. Das
     des Herdes notwendig.
                                                                                     Prinzip beruht auf der Entfernung des Tumors unter Erhaltung eines Rest-
     Bei einem eindeutig bösartigen Befund (Brustkrebs = Mammakarzinom) un-          drüsenkörpers mit gutem kosmetischem Resultat. Diese Operationsprä-
     tersucht die Pathologin/der Pathologe das Gewebe auf Tumoreigenschaften,        parate werden von den ChirurgInnen einem Präparatröntgen unterzogen
     die die Prognose und Therapie beeinflussen, sowie Angriffspunkte gängiger       und dreidimensional mit Fäden markiert. Die krebsverdächtigen Brustge-
     medikamentöser Therapien (= Tumorcharakteristik). Die Tumorcharakteristik       webeanteile werden von der Pathologin/dem Pathologen makroskopisch
     ist neben den klinischen und bildgebenden Befunden ein wesentlicher Bau-        genau beschrieben, vollständig aufgearbeitet und unter dem Mikroskop
     stein für die Behandlung eines Mammakarzinoms.                                  untersucht. Besondere Aufmerksamkeit schenkt die Pathologie neben der
                                                                                     Diag­nosestellung der Beurteilung des gesamten Randes. Es gilt, den Ab-
     Wie erfolgt die Aufarbeitung?                                                   stand zwischen Tumorgewebe und dem Rand exakt zu bestimmen, um
     Die gesamte Aufarbeitung wird entsprechend den international gültigen           über das weitere Vorgehen entscheiden zu können (z.B. Notwendigkeit
     Richtlinien standardisiert durchgeführt. In nationalen und internationalen      einer Nachresektion). Zwischen Chirurgie und Pathologie wird beständig
     Richtlinien wird die perioperative Gefrierschnittdiagnostik insbesondere für    Rücksprache gehalten.
     Stanzzylinder nicht empfohlen. Stanzbiopsien aus tumorverdächtigen Läsi-
     onen werden so entnommen, dass eine Diagnose durch die Pathologin/den
     Pathologen am selben Tag erfolgen kann.
Informationen für Patientinnen des Brustzentrums Innsbruck
12   Univ.-Prof. Dr. Gregor Mikuz, Vorstand                                                                                                                       Pathologie   13

                                                                                              Der Wächter-Lymphknoten, auch Sentinel-Lymphknoten genannt, ist der er-
                                                                                              ste Lymphknoten im Abflussgebiet eines Mammakarzinoms. Er wird nach
                                                                                              einem Standardprotokoll (Richtlinien der Österreichischen Gesellschaft für
                                                                                              Pathologie) in aufwändigen Serienschnittstufen aufgearbeitet, wobei diese
                       Feinnadelaspirat:                                                      neben der Standardfärbung (Hämatoxylin & Eosin) auch mittels Immunhisto-
                       Es wird mit Hilfe der Feinnadelbiopsie aus                             chemie untersucht werden, was das Erkennen sehr kleiner Metastasen mög-
                       zystischen Veränderungen(Läsionen) der Brust
                       gewonnen.
                                                                                              lich macht. Können keine Tumorabsiedelungen nachgewiesen werden, kann
                                                                                              von einer Entfernung der Achsellymphknoten (Axilladissektion) Abstand ge-
                                                                                              nommen werden.

                       Mikrokalkherde:
                       Sie werden durch Saugbiopsien aus der Brust entfernt.

                       Stanzbiopsie:
                       Sie wird aus tastbaren sowie nicht tastbaren (soliden) Veränderungen
                       der Brust entnommen.

                                                                                                                              Ihre Ansprechpartnerinnen

                                                                                                                 Ao. Univ.-Prof.in             Priv.-Doz.in
                                                                                                                 Dr.in Bettina Zelger          Dr.in Andrea Brunner
                                                                                                                 0512 9003-713 11              0512 9003-713 06
Informationen für Patientinnen des Brustzentrums Innsbruck
14   o. Univ.-Prof. Dr. DI Peter Lukas, Direktor                                                  Universitätsklinik für Strahlentherapie – Radioonkologie                15

     Die Rolle der StrahlentherapeutInnen                                            Welche Nebenwirkungen können auftreten?
                                                                                     Hautreaktionen sind die häufigsten Nebenwirkungen einer Strahlentherapie.
     Die Strahlentherapie ist neben der Chirurgie eine der Hauptsäulen in der Be-    Sie machen sich meist 2 – 3 Wochen nach Beginn der Behandlung als Rötung
     handlung des Brustkrebs. Die ionisierenden Strahlen schädigen die Erbsub-       und als Schuppung bemerkbar. Nach Behandlungsende bilden sie sich wieder
     stanz der Tumorzellen und hindern sie damit an der Vermehrung. Tumorzellen      zurück. Als Spätwirkung kann sowohl eine vermehrte als auch eine vermin-
     reagieren darauf empfindlicher als gesunde Zellen und gehen deshalb schnel-     derte Pigmentierung des Bestrahlungsfeldes auftreten, die über Wochen und
     ler zugrunde.                                                                   Monate anhalten kann. Müssen Lymphknoten am Hals mitbestrahlt werden,
                                                                                     kann es zu vorübergehenden Schluckbeschwerden kommen. Entzündungen
     Warum ist eine Bestrahlung nötig?                                               der Lunge sind selten.
     Ziel der Strahlentherapie ist die Vernichtung mikroskopisch kleiner Tumor-
     reste, die nach einer Operation noch vorhanden sein können. Dadurch ver-
     mindert die Strahlentherapie das Risiko eines Rückfalles (Rezidives) erheb-
     lich. Nach einer brusterhaltenden Operation – die natürlich für die Patientin
     kosmetisch befriedigender ist – ist eine Nachbestrahlung immer nötig, ohne
     sie wäre die Gefahr eines Rückfalles zu groß.
     Auch beim fortgeschrittenen Brustkrebs, bei dem die Brust entfernt werden
     musste, ist oft trotz Operation und Chemotherapie eine Nachbestrahlung
     erforderlich. Dabei müssen häufig auch die Lymphabflusswege in das Bestrah-
     lungsfeld eingeschlossen werden.

     Wann wird bestrahlt und wie lange?
     Die Bestrahlung kann beginnen, sobald die Wundheilung abgeschlossen ist.        Bestrahlung mit dem Linearbeschleuniger:
     Das ist meist nach zwei Wochen der Fall. Die Strahlenbehandlung ist völlig      Das Bestrahlungsfeld wird im Durchleuchtungsgerät festgelegt und aufgezeichnet.
     schmerzlos und dauert nur wenige Minuten, daher ist es möglich, sie ambu-       Die Markierung bleibt auf der Haut.
     lant durchzuführen.
     Die Lagerung ist unter Umständen unbequem, doch es ist wichtig, dass sie bei
     jeder Bestrahlung exakt nachvollzogen werden kann. Auch die „technische
     Umgebung“ verunsichert zu Beginn viele Patientinnen, doch dieses Gefühl                                               Ihre Ansprechpartnerinnen
     legt sich nach den ersten Behandlungen schnell. Zwar ist die Patientin wäh-
     rend der Bestrahlung im Behandlungsraum allein, doch mag es zur Beruhi-                                 OÄ Dr.in Andrea Posch              OÄ Dr.in Judit Sztankay
     gung beitragen, dass sie über einen Monitor beobachtet wird und auch über                               DW -228 03                         DW -228 03
     die Gegensprechanlage jederzeit mit den BetreuerInnen in Kontakt treten
     kann.
     Zur besseren Verträglichkeit muss die Strahlendosis in kleine Einzeldosen
     aufgeteilt werden. Daher dauert die Therapie 5 – 6 Wochen, bei einer Bestrah-
     lung an jedem Wochentag. Diese „Portionierung“ ist erforderlich, damit sich
     das gesunde Gewebe wieder erholen kann.
Informationen für Patientinnen des Brustzentrums Innsbruck
16   o. Univ.-Prof. Dr. Josef Patsch, Direktor                                                                          Universitätsklinik für Innere Medizin I      17

     Die Aufgabe der Internistischen Onkologie                                          therapie wesentlich geringeren Nebenwirkungsrate. Als dritte Säule der me-
                                                                                        dikamentösen Therapie haben sich in den letzten Jahren sogenannte
     (Innere Medizin I)                                                                 „Zielgerichtete Therapien“ etabliert. Die Fortschritte der Grundlagenfor-
                                                                                        schung haben es dabei möglich gemacht, gezielt gegen krankhafte Stoffwech-
     Neben der Chirurgie und der Strahlentherapie stellt die medikamentöse Thera-       selvorgänge in den Tumorzellen pharmakologisch zu intervenieren. Diese
     pie die dritte wesentliche Säule der Behandlung von Tumorerkrankungen dar.         Substanzen werden oftmals als Ergänzung zu Chemo- oder Hormontherapie
     Der Vorteil der oral (in Tablettenform) oder parenteral (als intravenöse Infusi-   verabreicht und zeichnen sich zumeist durch eine gute Verträglichkeit aus.
     on) verabreichten pharmakologischen Therapie besteht dabei darin, dass sich
     der therapeutische Effekt im gesamten Körper der Patientinnen entfaltet (sy-       Bei allen Therapieentscheidungen sind naturgemäß individuelle Patientin-
     stemische Therapie). Im Gegensatz dazu stellen Operation und Bestrahlung           nenfaktoren wie Alter, Begleiterkrankungen und persönliche Therapiepräfe-
     lokale Verfahren dar, die auf bestimmte anatomische Areale beschränkt bleiben      renzen zu berücksichtigen. Dies, und die zunehmende Zahl an Behandlungs-
     (lokale Therapie). Somit können Tumorerkrankungen medikamentös auch dann           möglichkeiten, erhöht dementsprechend auch die Komplexität der
     noch sinnvoll behandelt werden, wenn eine mikroskopische oder bildgebend           Therapieplanung. Die internistische Onkologie, mit ihrem Know-How hin-
     nachweisbare Streuung (Metastasierung) in andere Organe stattgefunden hat.         sichtlich medikamentöser Therapien, internistischer Begleiterkrankungen
                                                                                        und Nebenwirkungsmanagement, stellt somit einen wichtigen und integralen
     Entsprechend dem Gesagten kann die medikamentöse Therapie in zwei kli-             Bestandteil eines interdisziplinären Behandlungsteams zur Therapie von
     nischen Situationen zum Einsatz kommen:                                            Brustkrebserkrankungen dar.
     1. Als Ergänzung zu Operation und Strahlentherapie bei Brustkrebserkran-
        kungen, die keine nachweisbaren Metastasen gesetzt haben. In be-
        stimmten Befundkonstellationen kann eine systemische Therapie hierbei
        das spätere Rückfallsrisiko verringern. Als Therapieziel gilt die definitive
        Heilung (kuratives Therapiekonzept). Je nach Ausgangssituation kann die
        medikamentöse Therapie hierbei vor (neoadjuvant) oder nach (adjuvant)
        einer Operation verabreicht werden.
     2. Bei Nachweis von Fernmetastasen ist eine definitive Heilung in der Regel
        nicht mehr zu erzielen. Die medikamentöse Therapie bietet jedoch in
        diesen Situationen die Möglichkeit, das Wachstum der Tumorherde zu
        verzögern bzw. vorhandene Tumormanifestationen zurückzudrängen. Die
        Therapieziele in diesen klinischen Situationen lauten Verbesserung der
        Lebensqualität (also Symptomlinderung) und Verlängerung des Überle-
        bens (palliatives Therapiekonzept).
                                                                                                                         Ihre Ansprechpartner

     Als Werkzeuge der medikamentösen Therapie stehen uns seit vielen Jahren                               Ao Univ.-Prof.               OA Dr. Georg Pall
     klassische Chemotherapeutika zur Verfügung. Dank der kontinuierlichen For-                            Dr. Wolfgang Eisterer        DW -233 33
     schung konnten dabei in den letzten Jahrzehnten Fortschritte sowohl hin-                              DW -233 33
     sichtlich Effektivität als auch Verträglichkeit gemacht werden. Als Besonder-
     heit der Brustkrebserkrankung ist zu erwähnen, dass einige dieser Tumore in
     ihrem Wachstum unter anderem von der Einwirkung weiblicher Sexualhor-
     mone (Östrogene, Progesterone) abhängig sind und daher oftmals durch
     anti­hormonelle, medikamentöse Therapien („Hormontherapie“) beeinfluss-
     bar sind. Der wesentliche Vorteil liegt dabei in einer gegenüber der Chemo-
18   o. Univ.-Prof.in Dr.in Irene Virgolini, Direktorin                                                                           Universitätsklinik für Nuklearmedizin            19

     Die Rolle der NuklearmedizinerInnen                                                         Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
                                                                                                 Diese Methode eignet sich für die Nachsorge von Patientinnen mit einem
     Der Einsatz der Nuklearmedizin erfolgt erst nach der Diagnosesicherung. Er ist              hohen Risiko für Metastasen oder für ein Rezidiv (Wiederauftreten eines Tu-
     den ChirurgInnen eine wichtige Hilfe in der Operationsplanung. Alle Untersu-                mors). Sie kann nur in Kliniken oder Krankenhäusern mit einer speziellen PET-
     chungsmethoden der Nuklearmedizin basieren auf der Verwendung von niedrig                   Kamera durchgeführt werden. Grundlage der Untersuchung ist die Darstel-
     dosierten, kurzlebigen, radioaktiven Stoffen. Sie ermöglichen eine bildliche Dar-           lung des Glukosestoffwechsels, der in bösartigen Zellen krankhaft erhöht ist.
     stellung des untersuchten Organs und werden kurze Zeit nach der Untersuchung                Da diese Methode auch aktives Tumorgewebe von Narbengewebe unter-
     wieder aus dem Körper ausgeschieden. Bis zur vollständigen Ausscheidung                     scheiden kann, ist sie bei unklaren Befunden hilfreich. Auch ausgeprägte ent-
     sollten die Patientinnen den Kontakt zu Schwangeren und Kindern meiden.                     zündliche oder reaktive Veränderungen können mit der PET dargestellt wer-
                                                                                                 den. Aus diesem Grund wird die Untersuchung erst sechs Wochen nach der
     Wächter-Lymphknoten-Markierung                                                              Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie durchgeführt.
     Mit dieser Methode können jene Lymphknoten sichtbar gemacht werden, die für                 Weil die Glukoseaufnahme der Zellen von einem niedrigen Zuckerspiegel ab-
     den Lymphabfluss aus dem Brustbereich zuständig sind, in welchem sich der Tu-               hängt, muss die Patientin für die PET nüchtern sein. Sie erhält ein kurzlebiges
     mor befindet. Zur Darstellung wird eine radioaktive Substanz gezielt in unmittel-           radioaktives Mittel gespritzt, das rund eine Stunde braucht, um sich im Körper
     bare Nähe des Knotens injiziert. Bereits nach wenigen Minuten beginnt der Ab-               zu verteilen. Die anschließende Untersuchung dauert eine weitere Stunde.
     transport der Substanz in den nächsten Lymphknoten. Dieser Prozess kann durch
     eine sanfte Massage der Applikationsstelle beschleunigt werden. Eine Stunde
     später erfolgen Aufnahmen der Brust in verschiedenen Lagen. Die dargestellten
     Lymphknoten werden mit einer Sonde aufgesucht und auf der Hautoberfläche
     markiert. Dies erleichtert, gemeinsam mit der Verabreichung eines Farbstoffes
     am Operationstag, den ChirurgInnen das Auffinden der Wächter-Lymphknoten.

     Skelettszintigraphie
     Diese nuklearmedizinische Untersuchungsme-
     thode beschränkt sich auf die Entdeckung
     krankhafter Veränderungen im Skelett. Sie wird
     nach der Diagnosestellung zur Bestimmung des
     Krankheitsstadiums durchgeführt und dient zur
     Nachsorge von Brustkrebs-Patientinnen. Das
     radioaktive Mittel für die Szintigraphie wird                                                                      Ihre Ansprechpartnerin/Ihr Ansprechpartner
     über eine Armvene verabreicht und braucht
     etwa 2 – 3 Stunden, bis es sich vollständig im                                                                  OÄ Dr.in Dorothea            OA Dr. Christian
     Skelett anreichert. Während dieser Zeit sollten                                                                 Kendler                      Uprimny
     die Patientinnen viel Flüssigkeit zu sich nehmen.                                                               DW -809 55                   DW -816 03
     Die Untersuchung dauert dann circa eine halbe
     Stunde.

                                                         Skelettszintigraphie:
                                                         Sie ermöglicht die Entdeckung
                                                         krankhafter Veränderungen im Skelett.
20             Univ.-Prof. Dr. Gerhard Pierer, Direktor                                                    Univ.-Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie         21

               Die Rolle der Plastischen Chirurgie                                                       wird. Das benötigte Gewebe (Haut, Unterhautfettgewebe, evtl. Muskel) kann
                                                                                                         von Rücken, Bauch, Gesäß oder Oberschenkel entnommen werden und wird
                                                                            Nach Entfernung einer        meist mit mikrochirurgischer Technik verpflanzt. Für kleinere Defekte und
                                                                            erkrankten Brust oder        Dellen besteht die neue Möglichkeit der Eigenfetttransplantation ohne Ge-
                                                                            eines Teiles davon kann      fäßanschluss (Lipofilling). Auch Kombinationen von Verfahren sind in beson-
                                                                            die Plastische Chirurgie     deren Fällen möglich.
                                                                            durch einen operativen       In einem zweiten – wesentlich kleineren – Eingriff erfolgt die Wiederherstel-
                                                                            Brustaufbau die fehlende     lung der Brustwarze und des Warzenhofkomplexes und falls erforderlich eine
                                                                            Brust ganz oder teilweise    angleichende Operation zur Herstellung der Symmetrie beider Brüste.
                                                                            ersetzen. Eine vollstän-
                                                                            dige Wiederherstellung       Krankenhausaufenthalt und Kosten
                                                                            dieses Organs mit sei-
                                                                                                         Krankenhausaufenthalt und Dauer des Krankenstandes nach der Operation
                                                                            nem besonderen Aufbau
                                                                                                         hängen wesentlich von der Methode der Rekonstruktion ab, welche in Auf-
                                                                            und seiner Funktion ist
                                                                                                         wand und Qualität von der einfachen Prothesenimplantation bis hin zur mi-
                                                                            nicht möglich, doch ge-
                                                                                                         krochirurgischen Eigengeweberekonstruktion zunimmt. Die Spitalsaufent-
                                                                            lingt in der Regel ein op-
                                                                                                         haltskosten und die Kosten für sämtliche Eingriffe zur Wiederherstellung der
                                                                            tisch und kosmetisch
                                                                                                         weiblichen Brust aufgrund von Brustkrebs werden von den Österreichischen
     Sensibles Organ: Die weibliche Brust besteht aus einem Hautmantel, der ansprechender Ersatz,
                                                                                                         Krankenkassen übernommen.
     eigentlichen Brustdrüse, der Brustwarze und dem Warzenhof.             bei dem jedoch zusätz-
                                                                            liche Narben akzeptiert
                                                                            werden müssen. Weiters
                 werden Strahlenspätschäden von Haut und Brustwand, Defekte, Deformi-
                 täten, Asymmetrien und Narbenfolgen behandelt. Im Rahmen von prophylak-
                 tischen Brustoperationen bei hohem Krebserkrankungsrisiko bestehen hohe
                 ästhetische Anforderungen, da dieser Eingriff ja bei gesunden Frauen durch-
                 geführt wird. Eine besonders wichtige Aufgabe ist die individuelle Beratung
                 der Patientin um die für sie beste Rekonstruktionsmethode und den idealen
                 Zeitpunkt zu finden, welche eine rasche Rehabilitation und ein weitgehend
                 normales Leben nach dem Brusteingriff gewährleistet.

               Plastischer Wiederaufbau der Brust                                                                              Ihre Ansprechpartner/Ihre Ansprechpartnerin
               Muss eine Brust aus onkologischen Gründen komplett entfernt werden, kann
               sie entweder direkt in derselben Operation im Sinne einer Sofortrekonstruk-               Univ.-Prof.                OA Dr. Thomas Bauer,         OÄ Dr.in Tanja Schütz
                                                                                                         Dr. Gerhard Pierer         GF OA, Leiter Brustteam      DW -227 40
               tion oder auch zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgebaut werden; beide                 DW -227 31                 DW -227 40
               Vorgehensweisen haben spezifische Vorteile. Die Möglichkeiten des Wieder-
               aufbaus sind vielfältig: Dafür kann aus einer großen Anzahl in den unter-
               schiedlichsten Formen, Größen und Füllungen verfügbarer Brustimplantate
               gewählt werden oder es wird eine Expanderprothese verwendet, welche
               nachträglich noch dehn- und füllbar ist. In den letzten Jahren entwickelte sich
               ein starker Trend hin zur Eigengeweberekonstruktion, bei der die ganze Brust
               ohne Verwendung von Fremdmaterial aus körpereigenem Gewebe geformt
22   Univ.-Prof. Dr. Martin Krismer, Direktor                                                                                          Universitätsklinik für Orthopädie   23

     Die Rolle der OrthopädInnen

     Die Behandlung von Patientinnen mit Knochenmetastasen ist ein Spezialge-
     biet der klassischen Orthopädie. An der Innsbrucker Universitätsklinik für
     Orthopädie wurden das Wirbelsäulen- und das Tumorteam mit dieser Aufga-
     be betraut. Ihr Ziel ist die Reduktion von Schmerzen und die Mobilisierung
     der Patientinnen. Der angegriffene Knochen wird vorsorglich mit wenig bela-
     stenden Operationen stabilisiert, sodass die Patientin möglichst lange mobil
     bleibt.

     Was sind Knochenmetastasen?
     Eine Knochenmetastase ist eine Fernabsiedelung eines bösartigen Primärtu-
     mors (z.B. eines Mammakarzinoms) in einen Knochen. Die Einlagerung stört
     das Gleichgewicht zwischen Knochenauf- und -abbau und führt zur Auflösung
     sowie zum Abbau von Knochensubstanz (Osteolyse) mit verschiedenen Fol-
     geerkrankungen.

     Wirbelsäulen-Team
     Patientinnen mit einem metastasierenden Mammakarzinom (Brustkrebs) im
     Bereich der Wirbelsäule werden von einem speziellen Team behandelt. Es be-
     urteilt die Wirbelsäule hinsichtlich ihrer Stabilität. Sollte die Gefahr eines   Instabile Knochen: Metastasen führen
     Wirbelbruches oder einer Querschnittlähmung bestehen, wird ein Korsett           oft zur Auflösung und zum Abbau von
     verordnet oder eine stabilisierende Operation durchgeführt. Je nach Notwen-      Knochensubstanz. Sind Knochen­
                                                                                      brüche die Folge, helfen die Orthopäd­
     digkeit kann hier eine Zementplombe (Vertebroplastie) oder eine Versteifung
                                                                                      Innen mit einer stabilisierenden
     mit oder ohne Wirbelentfernung angewendet werden. Das Wirbelsäulen-              Operation.
     Team behandelt auch eine drohende oder bereits aufgetretene Querschnitts-
     lähmung, die von Metastasen verursacht werden kann.

     Tumor-Team
                                                                                                                               Ihre Ansprechpartner
     Das Tumor-Team beschäftigt sich mit primären Knochentumoren und tumor­
     ähnlichen Knochenerkrankungen, aber auch mit sekundären Tumoren (Kno-
     chenmetastasen bösartiger Tumore) aller Knochen. Führt eine Strahlenthera-                                 Univ.-Doz. Dr. Franz           Dr. Rafal Rosiek
                                                                                                                Rachbauer, GF OA               DW -226 97
     pie nicht zur Festigung eines befallenen Knochens, muss dieser operativ                                    DW -226 96
     stabilisiert werden.
24   Ao. Univ.-Prof. Dr. W. W. Fleischhacker, Direktor                                                                    Univ.-Klinik für Biologische Psychiatrie                  25

     Psychosoziale Hilfe bei Diagnose Krebs

     Im Rahmen des Krankheits- und Therapieverlaufs jeder Krebserkrankung gibt
     es besonders belastende Momente. Eine psychologisch-psychotherapeu-
     tische Unterstützung kann zu deren Bewältigung hilfreich sein.
     Die Psychoonkologie beschäftigt sich mit den psychischen, familiären und
     sozialen Belastungsfaktoren, die im Rahmen einer Tumorerkrankung auftre-
     ten können, und bietet vielschichtige Hilfestellungen an – ganz besonders
     nach der Diagnosemitteilung, während belastender Therapieformen, bei Ver-
     änderungen oder bei Verschlechterungen im Krankheitsverlauf.

     Wem können wir Unterstützung bieten?
     33Tumorpatientinnen, die eine psychische Unterstützung wollen, um so ihre
       Probleme besser bewältigen und verarbeiten zu können.
     33Angehörigen, die durch die Krebserkrankung mit psychischen Belastungen
       konfrontiert sind und Unterstützung suchen.

                                                                                  Das Gespräch als Hilfe: Die Diagnose Brustkrebs löst bei den Betroffenen belastende Gefühle und
     Welche Unterstützung bieten wir an?                                          Ängste aus.
     Beratende Gespräche, allgemeine Informationen, Informationen über Bewäl-
     tigungshilfen, betreuende Begleitung im Krankheits- beziehungsweise Thera-
     pieverlauf, Entspannungsübungen, Psychotherapie, gezielte medikamentöse
     Behandlung in Belastungssituationen, Vermittlung psychoonkologischer Wei-
     terbetreuung.

     Wer übernimmt die Kosten der Beratung?
     Unsere Unterstützungsangebote an den Universitätskliniken in Innsbruck
     sind in jedem Fall durch die Sozialversicherung gedeckt.

     Arbeitsgruppe für Psychoonkologie                                                                                   Ihre AnsprechpartnerInnen

     Patientinnen oder deren Angehörige können sich entweder an unsere Ärzt­
                                                                                  Ao. Univ.-Prof.in Dr.in Barbara    FÄ Dr.in Elisabeth                  Univ.-Doz. Dr. DI
     Innen, an unser Pflegepersonal oder an unsere psychoonkologische Ambulanz    Sperner-Unterweger                 Ritter                              Bernhard Holzner
     wenden:                                                                      DW -236 91                         DW -236 91                          DW -236 91
     Telefon +43 (0)50 504-236 91
     Nach telefonischer Voranmeldung: Mo bis Fr 9.00 – 11.00 Uhr
     Ort: Frauen- und Kopfklinikgebäude, Eingangsbereich rechts
     E-Mail: ag.psychoonkologie@uki.at
     Site: http://www.i-med.ac.at/psychiatrie/biopsych/cl-vernetzungsbereich/
     index.html.de
26   Univ.-Prof. Dr. Johann Pratschke, Direktor                                                                    Physikalische Medizin und Rehabilitation   27

     Die Rolle der Physikalischen Medizin und Rehabilitation                          setzt werden. Auf Basis eines durch eine Fach-
                                                                                      ärztin/einen Facharzt individuell erstellten
     Die physikalische Rehabilitation stellt einen unverzichtbaren Bestandteil in     Behandlungsplanes wird diese Therapie in
     der Betreuung von Patientinnen nach Brustoperationen dar. Dieses Team            Form von Einzelbehandlungen durchgeführt.
     setzt sich aus FachärztInnen für physikalische und rehabilitative Medizin,       Patientinnen haben aber auch die Möglichkeit,
     PhysiotherapeutInnen, ErgotherapeutInnen, Medizinisch-Technischen Fach-          im Rahmen einer Gruppentherapie das ganz-
     kräften und MasseurInnen zusammen.                                               heitliche Körpertraining zu praktizieren.

     Professionelle Hilfe wird in den verschiedenen Stadien der Erkrankung wie
                                                                                      Lymphödem
     z.B. nach erfolgter Operation, nach beendeter Strahlentherapie und/oder
     Chemotherapie, nach Therapie eines Rezidives aber auch nach aufgetretener        Die Entwicklung des Lymphödems ist von ver-
     Metastasierung durch das erfahrene und engagierte medizinische und fach­         schiedenen Faktoren abhängig. Besondere
     therapeutische Team geleistet.                                                   Bedeutung kommt der Vorbeugung zu. Die
                                                                                      komplexe physikalische Entstauungstherapie
     Rehabilitationsziel                                                              (KPE) besteht aus manueller Lymphdrainage,
                                                                                      Kompressionstherapie, Bewegungstherapie,
     In allen Erkrankungsstadien können sich verschiedene körperliche Probleme        sowie hauthygienischen Maßnahmen.
     ergeben wie vor allem Schmerzen im Operations- und Bestrahlungsgebiet,
     eingeschränkte Beweglichkeit, Schwäche und Gefühlsstörungen des betrof-
     fenen Armes und das Lymphödem. Zusätzlich kann eine vermehrte Müdigkeit
     die Symptome verstärken.
     Diese Probleme können die Berufsfähigkeit, sowie die Aktivitäten des täg-
     lichen Lebens (Hausarbeit, Autofahren usw.) beeinflussen und in die soziale
     Isola­tion führen.
     Ziel der Rehabilitation ist es, die Lebensqualität der Patientinnen zu verbes-
     sern und die funktionellen Störungen zu beheben bzw. zu kompensieren.

     Unmittelbare postoperative Therapie
                                        Nach der durchgeführten Operation wird
                                        auf der Station mit Übungen des betref-
                                        fenden Schultergelenkes, Haltungsschu-                                       Ihre Ansprechpartnerinnen
                                        lung und richtiger Lagerung des Armes
                                        begonnen. Ergänzend werden Atem­                               Ass.-Prof.in                    Dr.in Katja
                                        übungen und Entspannungsmethoden                               Dr.in Marina Ninkovic           Rechenmacher
                                        angeboten. Unsere Patientinnen erhalten                        DW -225 53                      DW -807 62
                                        zudem mündliche und schriftliche Anwei-
                                        sungen für das Therapieprogramm.

                                        Ambulante Therapie
                                        Bei Bedarf können Bewegungs- und/oder
                                        Schmerztherapie auch ambulant fortge-
28   o. Univ.-Prof. Dr. Johannes Zschocke, Direktor                                                                                                Humangenetik          29

     Die Aufgabe der Humangenetik                                                    Was macht man bei Verdacht auf familiären Brust-/Eierstockkrebs?
                                                                                     Es ist die Aufgabe der genetischen Beratung, durch eine ausführliche Erhebung
     In Mitteleuropa erkranken ca. 10 % aller Frauen im Laufe des Lebens an Brust-   der Vorgeschichte und des Familienstammbaumes festzustellen, ob der Verdacht
     krebs. Brustkrebs ist damit die häufigste Krebserkrankung bei der Frau. Meist   auf eine familiäre Brustkrebserkrankung besteht und ob eine Indikation für eine
     handelt es sich dabei um eine nicht erbliche Form des Brustkrebses. Bei ca.     weitere genetische Abklärung gegeben ist. Falls sich in der genetischen Beratung
     5 – 10 % aller Erkrankungen gibt es weitere Betroffene in der Familie, die an   der Verdacht auf erblichen Brustkrebs erhärtet, kann eine molekulargenetische
     Brust- und/oder Eierstockkrebs erkrankt sind. Ein Teil dieser familiären Er-    Untersuchung der BRCA-Gene durchgeführt werden. Wenn möglich, sollte dabei
     krankungen ist auf angeborene Veränderungen (Mutationen) in bestimmten          grundsätzlich zunächst eine betroffene Person untersucht werden.
     Genen zurückzuführen. Personen, die eine krankheitsbedeutsame Mutation
     in einem dieser Gene tragen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe des   Was bedeutet ein molekulargenetischer Befund?
     Lebens an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken.
                                                                                     Bei einer molekulargenetischen Untersuchung wird anhand einer Blutprobe
     Die Humangenetik beschäftigt sich mit den genetischen Grundlagen von            nach Mutationen in den BRCA-Genen gesucht. Findet sich eine krankheits-
     erblichem Brust-/Eierstockkrebs, dem Erkennen von Risikofamilien und der        verursachende Mutation bei einer Person, die bereits Brust- oder Eierstock-
     Diagnostik der Erkrankung, sowie der prädiktiven Untersuchung nicht betrof-     krebs hat bzw. hatte, kann damit eindeutig die Diagnose eines erblichen
     fener Familienmitglieder.                                                       Brust-/Eierstockkrebses gestellt werden. Es besteht für die Betroffene ein er-
                                                                                     höhtes Risiko, dass im Laufe des Lebens – unabhängig von der ersten Erkran-
     Genetische Grundlagen                                                           kung – erneut Brust- oder Eierstockkrebs auftreten wird. Aufgrund dieses Ri-
     Etwa die Hälfte aller familiären Brustkrebserkrankungen wird durch Mutati-      sikos sind die Teilnahme an intensivierten Früh­erkennungs­programmen,
     onen in den Genen BRCA1 und BRCA2 verursacht. Mutationen in diesen Ge-          sowie ggf. vorbeugende Operationen möglich. Das weitere Vorgehen muss
     nen führen nicht nur zu einem erhöhten Risiko für Brustkrebs, sondern insbe-    im Einzelfall besprochen und auf die Bedürfnisse der Patientinnen abge-
     sondere auch zu einem erhöhten Risiko für Eierstockkrebs. Man spricht daher     stimmt werden. Ist bei einer Frau mit dringendem Verdacht auf eine familiäre
     auch von erblichem Brust- und Eierstockkrebs.                                   Form von Brust- oder Eierstockkrebs keine Mutation nachweisbar, so schließt
                                                                                     dies eine genetische Ursache nicht aus. Die weiteren Früherkennungsmaß-
     Mutationen in den BRCA-Genen werden nach einem autosomal dominanten             nahmen richten sich dann nach dem klinischen Befund, und es ist keine vor-
     Erbgang vererbt, d.h. eine betroffene Person gibt die Mutation mit einer        hersagende Diagnostik bei Familienangehörigen möglich.
     Wahrscheinlichkeit von 50 % an ein Kind weiter.
                                                                                     Vorhersagende Diagnostik bei bislang nicht betroffenen Familien-
     Wann muss man an familiären Brustkrebs denken?                                  mitgliedern
     Das Vorliegen einer erblichen Form des Brust-/Eierstockkrebses kann nicht
                                                                                     Verwandte von Personen, bei denen eine krankheitsauslösende Mutation in
     anhand des klinischen Bildes einer einzelnen Patientin festgestellt werden.
                                                                                     einem der BRCA-Gene nachgewiesen wurde, haben ein ggf. hohes Risiko, selber
     Wichtige Hinweise können sich aus der Vorgeschichte und dem Familien-
                                                                                     Krebs zu bekommen. Dies kann durch eine sogenannte prädiktive (vorhersa-
     stammbaum ergeben.
                                                                                     gende) Diagnostik genauer abgeklärt werden. Dabei wird gezielt auf die in der Fa-
     Mögliche Hinweise für eine erbliche Form sind unter anderem:                    milie nachgewiesene Mutation getestet. Ist die familiäre Mutation nachweisbar,
     33ein Erkrankungsalter vor dem 35. Lebensjahr                                   sind eine Teilnahme an den intensivierten Früh­erkennungs­programmen, sowie
                                                                                     ggf. vorbeugende Operationen möglich. Liegt die Mutation nicht vor, so ist das
     33Zweiterkrankungen wie beidseitiger Brustkrebs oder Brust- und Eierstock-      Krebsrisiko nicht wesentlich höher als im Bevölkerungsdurchschnitt, und es wer-
       krebs bei einer Betroffenen                                                   den nur die üblichen Früh­erkennungsprogramme empfohlen. Wegen der großen
     33mehrere von Brust- oder Eierstockkrebs Betroffene in einer Familie.           Bedeutung, die eine prädiktive Diagnostik nicht nur in Bezug auf das empfohlene
                                                                                     Vorsorgeprogramm sondern auch emotional, sozial und familiär haben kann, er-
                                                                                     folgt sie nur im Rahmen eines interdisziplinären Beratungsprogramms.
30        o. Univ.-Prof. Dr. Johannes Zschocke, Direktor                              Notizen   31

          Dazu gehören:
          33eine humangenetische Beratung zu den genetischen Hintergründen und
            den individuellen Erkrankungsrisiken
          33eine psychologische Beratung
          33eine fachärztliche Beratung zu den Möglichkeiten der Früherkennung bzw.
            der operativen Vorbeugung.
          Bei Verdacht auf familiären Brust- oder Eierstockkrebs kann eine Beratung
          und ggf. eine molekulargenetische Untersuchung in der Sprechstunde der
          humangenetischen Beratungsstelle der Medizinischen Universität Innsbruck
          erfolgen (Anmeldung unter +43 (0)512 9003-705 31).

                      Ihre Ansprechpartner/Ihre Ansprechpartnerin

     Univ.-Prof.                 OÄ Dr.in Dipl.-Biol.in       Dr. Peter Schütz
     Dr. Johannes Zschocke       Christine Fauth              Tel. 0512 9003-705 31
     Tel. 0512 9003-705 31       Tel. 0512 9003-705 31
32   Notizen                                                                                                                                                                                      Lageplan                                                 33

                                                                                                                                                                                                   Psychiatrische
                               Nord                                                                                                                                                                Tagesklinik

                                                                                                Gebäude Institut   HNO-Gebäude                                                                                                                                                       e
                                                                                                                                                                                                                                                          Anichstraß
                                                                                                für Sport-,
                                                                                                Alpinmedizin &                                                                                   Notfallaufnahme
                                                                                                                                                                                             ße« Allgemein
                                                                                                Gesundheitstourismus                                                          ahrt »Anichstra
                                                    Universität                                                                                                           Ausf
                                                                                           Vinzenzgebäude
                                                                                                                                                                          Medizinzentrum

                                                                                                    Du
                                                                                                                                                                          Anichstraße

                                                                                                      rch
                                                                                                         gan
                                                                         Blutbankgebäude

                                                                                                            g
                                                                                                            »In
                                                                                                               nra
                                                                                                                  in«

                                                                                                                                                                                                                               Gebäude Innere Medizin
                                                                    in                                                                        Verwaltungs-
                                                                  ra
                                                              Inn                            Pavillon                                         gebäude
                                                                                             Kinderklinik

                                                                                                                                                                                                                                                               Kaiser-Josef-Straße
                                                                                                                                                                       Frauen- und
                                                                                                                                                                       Kopfklinikgebäude

                          hn                                                                                                                  Kinderzentrum
                       ba
                    uto
                 rA
               zu
                            Zugang »Innerkoflerstraße« Notfallaufnahme                                       Notfallaufnahme
                                                                         Allg. Chirurgie                     Kinderklinik
                                                                                                                                                                          Ausfahrt »Maximilianstr.«                                                     zum Bahnhof

                                                                                                                                                                                                                              Bau und

                                             aße
                                                                                                                                                   Hautklinikgebäude                                                          Technik

                                            erstr
                                                    Brustzentrum

                                                                                                            Psychiatrie-
                                       rkofl
                                      Inne

                                                                                                            gebäude
                                                                                                                                                                                                   Marienheim
                                                                             Chirurgiegebäude

                                                                                                                                                        Pathologie

                                                                                      Zentrales
                                                                                      Versorgungs-

                                                                                                                                                                                                                                                              Speckbacherstraße
                                                                                                                                                                              Peter-Mayr-Straße
                                                                                      gebäude
                               Notfallaufnahme                                                                                                                                                        Eingang
                               Unfallchirurgie
                                                                                                                                                        Anatomie                                      Information
                                                                       Schöpfst
                                                                               raße

                                                                                                Ein-/Ausfahrt »Schöpfstraße«                                                                          Notfallaufnahme

                                                                                                                           Fritz-Pregl-Str.
                                                                                                                                                                                                      Patientenan-/abmeldung
                                                                                                                                              Humangenetik

                                                                                                                                                                                                    DTP-Service LKI • 07/10 • 12190
Sie können auch lesen