JAGD - MONITORING Umstellung der Gamswildzählung GAMSWILD Situation in Vorarlberg HISTORIE Adlerjagd RECHT Jagd- und Wildschäden
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VORARLBERGER
JAGD
MAGAZIN DER VORARLBERGER JÄGERSCHAFT
JULI & AUGUST 2020
MONITORING Umstellung der Gamswildzählung
GAMSWILD Situation in Vorarlberg
HISTORIE Adlerjagd
RECHT Jagd- und WildschädenSEITE 2 JULI & AUGUST 2020 VORARLBERGER JAGD
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Wettbewerbsrecht2020 – BEREITS JETZT EIN
EREIGNISREICHES JAHR!
LIEBE JÄGERINNEN UND JÄGER!
D
ie Ausnahmesituation anläss- wild. Bereits im Zuge der diesjährigen
lich Covid-19 hat in nahezu al- Oberländer Jägertage wurde die Ent-
len Lebensbereichen zu Heraus- wicklung der Gamsbestände näher be-
forderungen geführt beziehungsweise leuchtet. Landeswildbiologe DI Hubert
ihre Spuren hinterlassen. Durch die Schatz hat nun einen fundierten Über-
Absage sämtlicher Veranstaltungen blick der Situation zu Papier gebracht
war auch die Abwicklung der jährlich und einen Ausblick auf die kommen-
stattfindenden Bezirksversammlun- den Jahre gewagt (S. 6).
gen davon betroffen. Die Bezirksver- Festzuhalten ist, dass wir Jägerinnen
sammlungen der Bezirksgruppen Bre- und Jäger eine hohe Verantwortung Impressum
genz und Feldkirch konnten nicht auf für das Wohlergehen der heimischen Titelbild: adobe stock
die gewohnte Art und Weise durchge- Wildtiere tragen. Um ihnen den nöti- Redaktion:
führt werden. Die Funktionsperiode gen Schutz gewährleisten zu können, Chefredakteur Gernot Heigl MSc
gernot.heigl@vjagd.at
der gewählten Organe endete jedoch ist es von wesentlicher Bedeutung,
mit Ablauf des 31.03.2020. Somit war dass wir durch regelmäßiges Moni- Bezirk Bregenz: Johannes Kaufmann
johannes.kaufmann@vjagd.at
die Durchführung einer schriftlichen toring Datenmaterial generieren, wel-
Bezirk Dornbirn: HM Bruno Metzler
Bezirksversammlung und Wahl un- ches auch einer kritischen, objektiven bruno.metzler@vjagd.at
umgänglich um die rechtmäßige Ver- Betrachtung standhält. Nur dadurch
Bezirk Feldkirch: Andrea Kerbleder
tretungsbefugnis aufrecht zu erhalten. wird es uns auch in Zukunft möglich andrea.kerbleder@vjagd.at
Alle Mitglieder dieser beiden Be- sein, die Jagd als profunden Ansprech- Bezirk Bludenz: Doris Burtscher
zirksgruppen erhielten die entspre- partner für in Bezug auf Wildtiere und doris.burtscher@vjagd.at
chenden Unterlagen per Post zugestellt deren Lebensräume zu festigen und Medieninhaber und Herausgeber:
und sind nun bis 06. Juli aufgerufen diese zu sichern. Vorarlberger Jägerschaft, Bäumler Park
Markus-Sittikus-Straße 20, 6845 Hohenems
ihre Stimme per Briefwahl abzugeben. Dieses Ziel verfolgt auch unser neues- Tel 05576 74633, Fax 05576 74677
Für die Mitwirkung und Unter- tes Projekt welches sich mit dem hei- info@vjagd.at, www.vjagd.at
stützung möchte ich mich bereits im mischen Rotwild befasst. Unter dem Öffnungszeiten der Geschäftsstelle:
Vorfeld bei den Mitgliedern bedanken! Titel „Zukunft und Lebensraum für Montag bis Freitag: 8 bis 12 Uhr
Abseits des historischen Lock- das Rotwild in Vorarlberg“ sollen un- Erscheinungsweise: 6x jährlich
Downs brachte und bringt das Jahr ter hochkarätiger wissenschaftlicher Anzeigenmarketing:
Media Team GesmbH, Interpark FOCUS 3
2020 weitere, wesentliche Änderun- Begleitung jene Rahmenbedingungen 6832 Röthis , Tel 05523 52392-0
gen und Projekte mit sich. So wurde geschaffen werden, welche mittelfris- office@media-team.at
die Festlegung der Abschusspläne tig eine nachhaltige Bewirtschaftung Hersteller:
erstmals für eine Planungsperiode von von Rotwild in Vorarlberg mit weid- BULU - Buchdruckerei Lustenau GmbH
Millennium Park 10, A-6890 Lustenau
zwei Jahren durchgeführt. Nun gilt es gerechten Methoden ermöglichen und
die positive, aber auch negative Aspek- sicherstellen. Genauere Informationen PEFC zertifiziert – dieses Produkt stammt aus
nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und
te dieser Umstellung zu verfolgen, um folgen in der nächsten Ausgabe der kontrollierten Quellen.
im Zuge einer Evaluierung eine praxis- Jagdzeitung.
orientierte Nachschärfung durchfüh-
ren zu können. Mit Weidmannsgruß,
Ein wesentlicher Schwerpunkt dieser
Ausgabe liegt auf der Charakterwild- Gernot Heigl MSc
art unserer Bergreviere, dem Gams- Geschäftsführer www.pefc.atSEITE 4 JULI & AUGUST 2020 VORARLBERGER JAGD
VORARLBERGER
6
JAGD
MAGAZIN DER VORARLBERGER JÄGERSCHAFT
JULI & AUGUST 2020
INHALT
Alles auf einen Blick!
18
AKTUELL
Wie geht es dem Gams in Vorarlberg Seite 6
Neues Gamswildmonitoring Seite 12
Naturwacht Vorarlberg Seite 26
RUBRIKEN
Gewinner-Schnappschuss Seite 4
Jagd & Recht: Ersatz von Jagd- und Wildschäden Seite 14
Kinder & Natur: Der Fasan Seite 16
Aus vergangenen Zeiten – Adlergeschichten Seite 18
Rezept: Geschmorte Hirschschulter Seite 23
Nachgedacht Seite 27
Schusszeiten Seite 29
JAGD
Abwurfstangenschau Schönenbach Seite 22
JÄGERSCHULE
Exkursion in den Glockenwald Seite 20
23
JÄGERINNEN & JÄGER
Geburtstage Seite 24
Kindergarten Oberau Seite 25
Nachruf Prof. DDr. Herbert Batliner Seite 27
Nachruf Josef Beck Seite 28
Nachruf Adolf Rädler Seite 28
Nachruf Martin Domig Seite 29
GEWINNER FOTO
JSO Peter Ladstätter, Klösterle
26 GEWINNER DES LETZTEN KINDERRÄTSELS
Mario Jantsch, DalaasVORARLBERGER JAGD JULI & AUGUST 2020 SEITE 5
Die Ringeltaube ist die größte
heimische Wildtaube. Dieses Foto von
Alt- und Jungvogel (sicher ansprechbar
anhand des fehlenden Halsrings)
gelang Peter Ladstätter am Arlberg.
GESUCHT:
SCHNAPPSCHÜSSE
Die LeserInnen der „Vorarlberger Jagdzeitung“ sind
eingeladen, ihre besten Fototrophäen an die Redaktion
(info@vjagd.at) zu senden.
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ie Aufnahme sollte ein interes- schließlich per E-Mail. Die Teilnahme
santes, lustiges, schönes oder ist kostenlos. Als Gewinn winkt
seltenes Motiv aus der Natur ab- Die Teilnehmer/-innen gewährleis-
bilden. Eine kurze Erklärung zur Person ten, dass sie an den übermittelten Fo- ein Victorinox
des Fotografen/der Fotografin, dem Auf-
nahmeort und den näheren Umständen
tos sämtliche Rechte uneingeschränkt
besitzen und keine Rechte Dritter be-
HUNTER
der Aufnahme wäre wünschenswert. rühren. Taschenmesser mit
Die Teilnahme erfolgt durch Über- Die Bilder sollten eine Auflösung in V-Jagd-Logo.
sendung eines oder mehrerer Fotos aus- Druckqualität haben.SEITE 6 JULI & AUGUST 2020 VORARLBERGER JAGD
WIE GEHT ES
DEM GAMS-
WILD IN
VORARLBERG?
S
eit ein paar Jahren wird aus vie-
len Ländern des Alpenraumes
über einen Bestandesrückgang
des Gamswildes berichtet. Klare und
eindeutige Gründe dafür können bis-
lang nicht genannt werden, mit großer
Wahrscheinlichkeit ist es eine Mi-
schung aus verschiedenen Einflussfak-
toren. Nicht selten dürfte dabei aber die
Jagd, ob gewollt oder ungewollt, eine
gewichtige Rolle spielen. Das Gams-
wild stand auch bei den 15. Oberlän-
der-Jägertagen im März 2020 im Fokus
der weit über die Grenzen des Landes
hinaus bekannten Jagdfachveranstal- sammengefasste Aussagen jedoch mit oder Frutzschlucht, nach wie vor Gams
tung der Vorarlberger Jägerschaft. Im entsprechender Vorsicht zu genießen. vor. Trotz der behördlichen Anordnung
Zuge einer Vortragsreihe zum Thema Als Beurteilungskriterien wurden ver- zahlreicher Abschussaufträge in Ver-
Gamswild wurde u.a. auch die Frage ab- schiedene Parameter herangezogen, gangenheit und Gegenwart sowie der
gehandelt: „Wie geht es dem Gamswild die im Folgenden vorarlbergspezifisch in Jägerkreisen anfangs sehr gefürch-
in Vorarlberg?“ Landeswildökologe Hu- abgehandelt werden. Um Entwicklun- teten Ausweisungen von Freihaltun-
bert Schatz versuchte fachlich fundier- gen sowie allfällige Veränderungen zu gen ist es im Land in den vergangenen
te Antworten zu liefern. Doch wie so erkennen bzw. aufzuzeigen, werden Jahrzehnten zu keiner nennenswerten
oft haben sich zu den Antworten neue soweit möglich Vergleiche bis in die Verkleinerung des Gamswildareals ge-
Fragen bzw. Forderungen aufgetan, die 1970er Jahre zurück durchgeführt. kommen.
es in Zukunft zu lösen gilt.
Die Beantwortung der Frage „Wie VERBREITUNG DES GAMSWILDES GAMSWILDDICHTE:
geht es dem Gamswild in Vorarlberg“ IN VORARLBERG:
beruht nicht auf Ergebnissen wissen- Bei diesem Kriterium geht es we-
schaftlicher Analysen, sondern ledig- Mit Hilfe eines langjährigen Ver- niger um die Feststellung von absolu-
lich auf einer fachlichen Einschätzung gleiches der getätigten Gamsabschüs- ten Bestandesgrößen als vielmehr um
der Situation. Neben den langjährigen se in den einzelnen Revieren kann die Einschätzung eines langjährigen
Bestandes- und Abschusszahlen liefern zumindest ein grober Überblick über Bestandestrends. Wie in Abbildung 1
dazu v.a. Gespräche mit erfahrenen die Entwicklung der geographischen ersichtlich, ist beim Vergleich des jähr-
Gebietskennern, wie z.B. Berufsjäger Gamswildverbreitung im Land erstellt lichen Gamswildabganges (Abschuss-
und Jagdschutzorgane, Hegeobmänner, werden. Diese Analyse zeigt, dass in und Fallwild) zwischen den 1970/80er
Jagdnutzungs- und Jagdverfügungs- Vorarlberg in den vergangenen 30 Jah- Jahren mit jenen des neuen Jahrtau-
berechtigte sowie Älpler und Wald- ren kaum Veränderungen in der räum- sends eine deutliche Abnahme zu er-
aufseher, aber auch die persönlichen lichen Verteilung des Gamswildes kennen, die trotz verschiedener Intensi-
Erkenntnisse aus den vergangenen 25 stattgefunden haben. Unabhängig von onen und Maßnahmen in der jagdlichen
Dienstjahren die wesentlichen Grund- der Gamsdichte kommen heute selbst Behandlung des Gamswildes, wie z.B.
lagen. Nachdem das Land in 13 ver- in den Gams-Randgebieten, wie z.B. Zurücknahme der Abschussfreigaben,
schiedene Gamswildräume mit teils im Vorderen Bregenzerwald sowie in auf einen tatsächlichen Rückgang des
unterschiedlichen Biotopsituationen vielen tiefergelegenen Waldgebieten, Bestandes schließen lässt. Nach den La-
untergliedert ist, sind landesweit zu- wie beispielsweise in der Bregenzerach- winenwintern 1998/99 und 1999/2000VORARLBERGER JAGD JULI & AUGUST 2020 SEITE 7
Abb. 2: Entwicklung der
Altersklassenverteilung von
Gamsböcken in Vorarlberg
Waldes dar. Dazu ist jedoch anzumer- die statistische Auswertung der getätigten
ken, dass selbst bei reduzierten Wild- Abschüsse bei den Gamsböcken für das
beständen immer noch ein untragbarer gesamte Land zusammengefasst noch kei-
Wildeinfluss zutage treten kann, weil nen Einbruch in der Altersentwicklung
v.a. in den Bergwaldregionen Wild- erkennen lässt, ist aufgrund des enormen
schäden nicht ausschließlich von der Anstiegs der Abschüsse in der Jugendklas-
Höhe des Wildbestandes, sondern viel se mit markanten Auswirkungen auf die
mehr vom Zeitpunkt und der Dauer des Altersverteilung der männlichen Tiere in
Wildaufenthalts im Wald sowie von der Zukunft zu rechnen. Denn der Abschuss-
Schadensanfälligkeit des Jungwuchses anteil von Böcken Klasse III (1-3 Jahre) hat
abhängig sind. Z.B. ist die Weißtanne in den vergangenen 6 Jahren um 72% ge-
in hochmontanen Waldgesellschaf- genüber der Vergleichsperiode 2000-2006
ten besonders verbissgefährdet, sodass zugenommen. In den Altersklassen II (4-7
manchmal schon wenige Gams ausrei- Jahre) und I (>8 Jahre) ist hingegen noch
chen, um zumindest lokal Wildschäden eine stabile Entwicklung gegeben (Abb. 2).
zu verursachen. Bei den Geißen ist die Altersklassenvertei-
lung in den letzten 20 Jahren weitgehend
POPULATIONSSTRUKTUR: gleichgeblieben, ein verstärkter Eingriff in
die Jugendklasse ist hier nicht ersichtlich.
Bezüglich Geschlechterverhältnis An dieser Stelle sei noch auf einen weiteren
haben sich die Gamsbestände im und Altersverteilung wird aus vielen bemerkenswerten Unterschied, zwischen
Laufe der Jahre wieder erholt und Hochlagenrevieren des Landes sowohl erlegten Böcken und Geissen hingewie-
folglich auf einem geringeren Dich- über eine sukzessive Verschiebung des sen: Während bei den weiblichen Stücken
teniveau eingependelt. Aufgrund Geschlechterverhältnisses zu Unguns- alljährlich noch ein erheblicher Anteil im
der landesweit grassierenden Gams- ten der männlichen Tiere als auch eine Alter von 13 bis 18 Jahren erlegt wird, wer-
blindheit in den vergangenen 2 deutliche Abnahme von reifen Gams- den Böcke bereits ab 13 Jahren zur Rarität –
Jahren, teilweise gepaart mit hohen böcken im Bestand berichtet. Diese ein Unterschied der weniger biologisch als
Schneelagen, sind jedoch wieder Entwicklung kann anhand der eigenen jagdlich begründet ist. Auch wenn ein er-
deutliche Rückgänge, gebietsweise Beobachtungen in verschiedenen Gams- legter Gamsbock im Alter von 8 Jahren der
sogar bis zu 50% des Gamsbestan- räumen des Landes bestätigt werden Altersklasse I angehört, ist ein solcher Bock
des, zu vermuten. In den Waldrevie- und ist mit großer Wahrscheinlichkeit biologisch betrachtet noch um einige Jahre
ren ist dieser Rückgang scheinbar auf die anhaltend hohen Abschusszah- zu jung, um ihn bereits aus der Populati-
weniger stark ausgeprägt, denn aus len von Gamsböcken in Waldproblem- on zu entnehmen. Nachdem in Vorarlberg
forstlicher Sicht stellt der Gams in gebieten, in manchen Gamsräumen kaum Böcke mit einem Alter von mehr als
vielen Schutzwaldgebieten nach aber auch allgemein auf einen zu ho- 13 Jahren erlegt werden, ist zu schließen,
wie vor ein großes Problem für die hen Eingriff in den Altersklassen I dass in vielen Populationsräumen des Lan-
standortgerechte Verjüngung des und II zurückzuführen. Selbst wenn des zu viele Böcke der Altersklassen I und II
entnommen werden. Leider ist es mangels
statistischer Unterlagen nicht möglich, Ver-
gleiche zu früher zu ziehen. Ob im vergan-
Abb. 1: Entwicklung des genen Jahrhundert tatsächlich mehr und
Gamswildabganges im
wesentlich ältere Gamsböcke zur Strecke
Bundesland Vorarlberg
kamen als heute, kann daher nicht beant-
wortet werden. Bei der Betrachtung der
Gamskrucken in den Jägerstuben älterer
Jäger sowie in Jagdhütten kommt jedenfalls
berechtigter Zweifel darüber auf, denn dort
sind, von Ausnahmen abgesehen, meistens
gute, aber keineswegs von Jahrringen über-
säte Bockkrucken zu sehen.SEITE 8 JULI & AUGUST 2020 VORARLBERGER JAGD
WARUM WERDEN SO VIELE BÖCKE
Abb. 3: Entwicklung des Geschlechter-
IN DER JUGENDKLASSE ERLEGT?
verhältnisses getätigter Gamsabschüsse in
in Vorarlberg
Die seit einigen Jahren auffallende
Zunahme von Bockabschüssen in der
AKL III ist v.a. auf die Intensivierung
der Gamsbejagung in Schutzwaldgebie-
ten zurückzuführen. Immerhin werden
bereits 60% der erlegten Jugendklasse-
böcke als Abschüsse in Freihaltungen
sowie als Abschussaufträge gemeldet.
Dass es sich dabei überwiegend um 2-
und 3-jährige Stücke handelt, dürfte mit liche als männliche Gams erlegt wur- tionsstruktur mit einem deutlichen
dem Wanderverhalten junger Böcke den und mit Abstand der höchste An- Überhang von weiblichen Tieren und
sowie das Abschussverhalten der Jäger teil an Böcken der AKL I erzielt wurde, immer jüngeren Gamsböcken im Be-
zusammenhängen. Gamsböcke dieses werden seit 2009 jedes Jahr viel mehr stand ist damit vorprogrammiert.
Alters lösen sich vom Rudel und vaga- Böcke als Geißen zur Strecke gebracht
bundieren. Dabei gelangen sie auch in (Abb. 3). Auch diese für die Populati- KONKURRENZSITUATION
den Schutzwald, was für so manchen onsdynamik der Gamsbestände äußerst
zur tödlichen Falle wird. Auf der ande- schlechte Entnahmeverteilung ist v.a. Raum- und v.a. Nahrungskonkur-
ren Seite werden unerfahrene Gams- auf die Intensivierung der Abschüsse in renz kann die Lebensbedingungen und
jünglinge natürlich auch leichter zur Waldgebieten zurückzuführen, wo in damit Entwicklung eines Tierbestandes
Beute des Schutzwaldjägers, der sich den vergangenen Jahren alljährlich ca. stark beeinflussen. Die Höhe des artei-
nach dem Ansprechen eines Bockes doppelt so viele Böcke als Geißen erlegt genen Bestandes (interspezifische Kon-
keine Gedanken über hochbeschlagen wurden. In einigen Schutzwaldrevieren kurrenz) sowie das Vorkommen und
oder führend machen muss und sich mit Freihaltungen oder Abschussauf- die Dichte anderer Arten mit ähnlichen
daher rasch zum Abschuss entschei- trägen werden sogar sechs- bis sieben- Lebensraum- und Äsungsansprüchen
det. Dieses Verhalten ist weidmännisch mal mehr Böcke als Geißen erlegt. Bei (intraspezifische Konkurrenz) sind da-
zwar verständlich, letztendlich aber einem Anhalten dieses Abschusstrends her von besonderer Bedeutung. Wäh-
auch ein maßgebender Grund für das sind gebietsweise massive negative rend in Vorarlberg sich das Gamswild
unausgeglichene Abschussverhältnis Auswirkungen auf die betroffenen Po- seinen Lebensraum gebietsweise mit
beim Gamswild in Schwerpunktbeja- pulationsstrukturen und damit auch Rotwild sowie Weidevieh schon län-
gungsgebieten. auf die Gesundheit des Gamswildes zu ger teilt, kam das Steinwild erst in den
befürchten. Denn ein starker Überhang vergangenen Jahrzehnten als allfälliger
KATASTROPHALE ENTWICKLUNG von weiblichen Tieren im Bestand führt Nahrungskonkurrent dazu. Wie groß
DER GESCHLECHTERVERTEILUNG: bekannterweise zu langen Brunftzei- der Einfluss des Steinwildes auf das
ten, verzögerten Setzterminen sowie Gamswild bei uns tatsächlich ist, kann
Während im Zeitraum 2000 bis 2008 körperlich geschwächten Tieren. Die so einfach nicht beantwortet werden,
in Vorarlberg jährlich etwas mehr weib- Spirale einer stark gestörten Popula- sondern bedarf genauer Untersuchun-VORARLBERGER JAGD JULI & AUGUST 2020 SEITE 9
gen. Dem Eindruck nach unterschei- der an natürliche, eher stickstoffarme heute die Ausgangspunkte für viele
den sich aber die Entwicklungen der aber vielfältige Pflanzen angepasst ist. Sportarten und Freizeitaktivitäten, aber
Gamsbestände in Gebieten mit Stein- Eine zu stickstoffreiche Äsung tut dem auch für die Ausübung der Jagd im Berg-
wildvorkommen kaum von jenen ohne Gamswild mit Sicherheit nicht gut, au- land darstellen. Nicht zu vergessen sind
Steinwild. Auf der anderen Seite darf ßerdem ist nicht auszuschließen, dass aber auch die zahlreichen Lawinen-
der heute ca. 1.500 Stück hohe Stein- über die Nahrung aufgenommene Kei- schutzbauten und Schutzwaldbewirt-
wildbestand in Vorarlberg sicherlich me zu gesundheitlichen Schäden bei schaftungsprojekte zum Schutze der
nicht gänzlich unberücksichtigt blei- den Wildtieren führen. Tourismusorte, Tourismuseinrichtun-
ben, wenn es um die Situation und die gen sowie Zufahrtsstraßen vor Natur-
Zukunft des Gamswildes im Land geht. TOURISMUS UND FREIZEIT gefahren. Einige dieser Maßnahmen
Beispielsweise haben wissenschaftliche werden mitten im Wohnraum der
Untersuchungen im Schweizer Natio- Viele ehemals abgelegene Orte in Wildtiere umgesetzt, wodurch der
nalpark gezeigt, dass mit zunehmenden Vorarlberg haben sich in den vergange- Gams mancherorts zum Problemtier
Bestandesdichten des Rotwildes beim nen Jahrzehnten zu bekannten Touris- in seinem angestammten Lebensraum
Gams das Längenwachstum der Schläu- musdestinationen entwickelt. Betrug gemacht wird, weil er beispielswei-
che, welches als Indikator für die Kon- die Transportkapazität der Seilbahnen se dem Geschmack oder Geruch ihm
stitution junger Gams herangezogen und Lifte in den 1970er Jahren noch ca. bislang nicht bekannter Zirbenauffor-
werden kann, abgenommen hat. 40 Mio. Personenhöhenmeter, so sind es stungen nicht widerstehen kann. Auf
Wenn es um Konkurrenzsituationen gegenwärtig ca. 120 Millionen. Mit ei- der anderen Seite bringen stets neue
geht, darf natürlich auch das Weidevieh ner Förderleistung von ca. 400.000 Men- Erfindungen und Ideen im Sport- und
und dabei der Trend einer vermehrten schen pro Stunde liegen Vorarlbergs Erholungsbereich das Gamswild in den
Schaf- und Ziegenhaltung im Land Seilbahnbetriebe an der Weltspitze. Hochlagen immer mehr in Bedrängnis.
nicht vergessen werden. Um Konflikte Mittlerweile sind fast alle Bergbahnen Ein Ausweichen in den schutzbieten-
bzw. Konkurrenz zwischen Gamswild des Landes auch im Sommer und Herbst den Bergwald ist nicht „ratsam“, denn
und Nutztieren zu vermeiden, sollten in Betrieb und Tausende von Menschen dort wird aus schutzwaldtechnischen
Schafhalter bzw. Hirten und Jäger einen werden ohne jegliche Kraftanstren- Gründen eine verstärkte, oft ganzjäh-
engen Kontakt miteinander pflegen. gung in die Wohnung des Gamswildes rige Jagdausübung gefordert. Das Wild
Mit Hilfe einer durchdachten und das transportiert, um dort nach Lust und gerät somit immer mehr in die Position
freilebende Wild berücksichtigenden Laune auszuströmen oder um umlie- des Zwischenstückes von Hammer und
Weideführung könnten viele Probleme gende Berggipfel zu erklimmen. Mit Amboss – Tendenz steigend! Das Aufzei-
von vornherein vermieden bzw. mini- speziellen Einrichtungen am Berg, wie gen dieser Entwicklungen soll nun aber
miert werden. Schlussendlich sei be- z.B. Klettersteige, Rundwege mit Aus- nicht dazu verwendet werden, um die
züglich Äsungsqualität auch noch das sichts-Pattformen versuchen die Seil- Existenzberechtigung des Gamswildes
Thema Gülleausbringung im Bergland bahnbetriebe noch mehr Menschen in Frage zu stellen, sondern viel mehr
angesprochen. Mit der Gülle können in luftige Höhen zu bringen. In einem als Aufruf für mehr Rücksicht auf die al-
pathogene und resistente Keime auf die noch größeren Maße dürfte sich in den pinen Wildtiere und für ein bewusstes
Böden und somit in den Nahrungskreis- vergangenen Jahrzehnten der Erschlie- Zurücknehmen des Menschen aus sen-
lauf gelangen. Gerade das Gamswild ßungsgrad von Alpen mit Kfz-taugli- siblen Wildlebensräumen verstanden
verfügt über einen Wiederkäuermagen, chen Straßen entwickelt haben, welche werden.SEITE 10 JULI & AUGUST 2020 VORARLBERGER JAGD
KLIMAENTWICKLUNG – BIOTOP-
VERÄNDERUNGEN:
Die seit einigen Jahren für Mensch
und Tier deutlich spürbare Erwärmung
des Klimas mit langen Wärmeperio-
den und anhaltenden Trockenphasen,
noch nie dagewesenen Hitzerekorden,
gehäuften Starkniederschlags- und
Sturmereignissen sowie verzögerten
und eher schneeärmeren Winter ha-
ben deutliche Auswirkungen auf die
Lebensbedingungen der Wildtiere in
subalpinen und alpinen Höhenstufen.
Beispielsweise ist bereits gegenwär-
tig in manchen Regionen des Landes
eine Verschiebung der tannenreichen
Waldgesellschaften in höhere Lage
festzustellen, wodurch auch die Wild-
schadensanfälligkeit in diesen Höhen-
stufen steigt. Anderseits sieht man, wie
der Gams an Herbst-, teilweise auch
schon an Wintertagen vermehrt die
Schattenlagen aufsucht, um mit sei-
nem warmen dunklen Winterkleid der
ungewohnten Wärme zu entfliehen. rend Meister Petz und Isegrim bei uns sowohl für das Wild als auch für den
Hitze und Trockenheit beeinträchtigen bislang keine besondere Rolle spielen, Jäger eine neue Herausforderung dar,
das Wachstum der Pflanzen und damit ist lokal der Einfluss des Luchses auf be- die v.a. für die Abschussplanung von
auch die Nahrungsqualität. Mit großer stimmte Schalenwildarten deutlich zu Bedeutung ist. Der Nahrungsbedarf
Wahrscheinlichkeit fördern die lan- spüren. Pinselohr hat sich in den letz- eines Luchses ist durch zahlreiche Un-
ganhaltenden Wärmeperioden sowie ten 10 Jahren nach erfolgreichem Ab- tersuchungen gut dokumentiert. Dem-
die milden Winter auch die Entwick- schluss des Luchswiederansiedelungs- nach benötigt ein ausgewachsenes Tier
lung von Parasiten. Am Beispiel Kli- projektes LUNO in der benachbarten pro Woche ca. 1 Reh oder 1 Gams. Diese
maentwicklung ist ersichtlich, dass auf Ostschweiz sukzessive auf Vorarlberg Menge ist auf das Territorium des Luch-
unser Berg- und Gebirgswild durchaus ausgebreitet. Heute kommt die Groß- ses umzulegen und bei der Festlegung
schwierige Zeiten zukommen könn- katze im Rätikon sowie um den Ho- der jährlichen Abschusszahlen in den
ten. Aus diesem Grund muss es unser hen Freschen wieder regelmäßig vor. betroffenen Revieren entsprechend zu
aller Ansinnen sein, die Jagd künftig Inzwischen wurden bereits mehrmals berücksichtigen.
so zu betreiben, dass nicht möglichst Reproduktionen des Luchses im Land
hohe oder niedrige Bestandesdichten, nachgewiesen und der Trend einer wei- AUSBLICK:
sondern gut strukturierte Bestände teren Ausbreitung ist offensichtlich. Ei-
mit weitgehend ausgeglichenem Ge- gene Erfahrungen im Land bestätigen Trotz zahlreicher negativer Ent-
schlechterverhältnis und Altersklas- die Untersuchungsergebnisse aus der wicklungen verfügt Vorarlberg teil-
senverteilung unsere Gamspopulatio- Schweiz, wonach der Luchs durchaus weise noch über gute Gamsgebiete mit
nen prägen. einen regulierenden Einfluss auf seine recht zufriedenstellenden Bestandes-
Hauptbeutetiere Reh- und Gamswild strukturen. Rapide Veränderungen in
GROSSRAUBWILD UND GAMS: hat. Der Luchs als sogenannter Spit- jüngster Zeit, insbesondere in der Be-
zenregulator des Schalenwildes ist eine jagung, Klimaentwicklung sowie Nut-
Bär, Wolf und Luchs sind in letzter große Bereicherung für die heimische zung des Gamslebensraumes, lassen
Zeit stark ins Gerede gekommen. Wäh- Biodiversität, stellt aber gleichzeitig jedoch die Zukunft des Gamswildes mitVORARLBERGER JAGD JULI & AUGUST 2020 SEITE 11 einem großen Fragezeichen versehen. einheitliche Vorgaben zur Überwa- stand als werterhaltenden Beitrag für Dasselbe trifft aus ökologischer und chung der körperlichen Entwicklung ihr Eigentum einzusetzen und diesen forstlicher Sicht in vielen Regionen des des Gamswildes erarbeitet werden, um auch entsprechend zu verteidigen. Landes auch für die Baumart Weisstan- auf allfällige Veränderungen bzw. Ver- Aufgrund der besonderen Ausgangssi- ne in höheren Lagen zu. Umso wich- schlechterungen frühzeitig reagieren tuation Vorarlbergs mit wunderbaren tiger wäre es, dass Jäger, Förster und zu können. Gamsbiotopen einerseits, aber schwie- Grundeigentümer einen wesentlich Der Gams ist eine äußerst dankba- rigen Schutzwaldbedingungen und engeren Schulterschluss betreiben und re Wildart, die mit Ausnahme von ein ausgeprägten Tourismus andererseits mit Hilfe raumplanerischer Überlegun- paar Salzsteinen und die regelmäßige müssen wir in unserem Land aber ei- gen räumlich differenzierte Maßnah- Überwachung der Bestände durch fer- nen eigenständigen Weg im Umgang men zur Förderung von Wald und Wild me Gamswildjäger vergleichsweise und in der jagdlichen Handhabung setzen. Die bisher gepflogenen Modali- geringe Kosten verursacht. Auf der bzw. Bewirtschaftung des Gamswildes täten in der Abschussfreigabe im Zuge anderen Seite ist der Alpengams unter gehen. Eine taugliche Basis für diesen der Abschussplanungen sollten einer Jägern eine besonders begehrte Wild- gemeinsamen Weg könnte eine spezi- fachlichen Prüfung unterzogen wer- art, weil sie geographisch betrachtet ell für das Gamswild erarbeitete Raum- den, ob sie den heutigen Anforderun- auf die Bergregionen des Alpenraumes planung auf Ebene der bereits vorhan- gen und Situationen überhaupt noch beschränkt ist, beide Geschlechter tro- denen Gamswildräume sein. Auf dieser entsprechen. Die Hegegemeinschaften phäentragend sind, überwiegend tag- Grundlage könnten klare räumlich dif- müssen sich in Zukunft wieder mehr aktiv und meistens in beeindrucken- ferenzierte Regeln im Umgang mit dem um qualitativ gute und glaubhafte Er- den Landschaften bejagt wird. Umso Gamswild, aber auch Maßnahmen zur hebungen der Gamsbestände sowie um mehr sollte es auch ein Anliegen der Erhaltung seines Lebensraumes sowie die Fortführung einer genauen, lücken- Grundeigentümer sein, sich in sonst er- auch zur Verbesserung des Schutzwal- losen und allenfalls erweiterten Erfas- tragsschwachen Grundbesitzeinheiten des geschaffen werden. sung der Abschussstrukturen bemü- wie Alp- und Felsregionen für einen hen. Letztendlich sollten in Zukunft gesunden, gut strukturierten Gamsbe- DI Hubert Schatz
SEITE 12 JULI & AUGUST 2020 VORARLBERGER JAGD
NEUES GAMSWILD-
MONITORING
Die Bestandeserhebung in
Vorarlberg wird umgestellt.
O
bjektive Zahlen und Daten sind
aber nicht nur als Grundlage
für die Abschussplanung un-
ersetzlich, sondern sind auch für die
Umsetzung von notwendigen Rück-
zugsräumen oberster Priorität. Es muss
daher im Interesse aller Vorarlberger
Jägerinnen und Jäger liegen, eine hohe
Qualität der Zählergebnisse sicherzu-
stellen und die Verantwortung für diese
Charakterart der heimischen Bergrevie-
re zu übernehmen und sich für sie ein-
zusetzen.
Der Gamswildausschuss der Vorarl-
berger Jägerschaft hat sich im vergange-
nen Herbst intensiv mit der Thematik
der Gamswildzählung beschäftigt und
nach dem Erfahrungsaustausch mit
Experten eine Empfehlung für die zu-
künftige Durchführung der Bestandes-
erhebung des Gamswildes in Vorarlberg HAUPTREFERENZGEBIETE
ausgearbeitet.
Der Fokus liegt dabei im Erfassen Ein Hauptreferenzgebiet muss fol- In Hauptreferenzgebieten wird ein-
von Bestandesentwicklungen auf gende Anforderungen erfüllen, um mal jährlich eine Bestandeserfassung
räumlicher Ebene der dreizehn Gams- aussagekräftige Ergebnisse liefern zu im Oktober durchgeführt. Die Festle-
wildräume (siehe Karte). In jedem können: gung von Referenzgebieten richtet sich
Gamswildraum werden zukünftig in dabei ausschließlich nach topografi-
mindestens einem Hauptreferenz- so- • 5 0 Stück Mindestbestand von Gams- schen sowie wildökologischen Fakto-
wie mehreren Nebenreferenzgebieten wild im Oktober ren. Ein Referenzgebiet kann sich somit
jährliche Zählungen durchgeführt. •M indestfläche von rund 500 Hektar auch über mehrere Jagdreviergrenzen
Um die Aussagekraft der erhobenen •m öglichst störungsarmes Gebiet (z.B. erstrecken. Für jeden Gamswildraum
Daten zu erhöhen sowie mögliche ne- Tourismus, etc.) wird zumindest ein Hauptreferenzge-
gative oder auch positive Trends besser • g ut abgrenzbares Gebiet biet eingerichtet.
interpretieren zu können, soll zusätz- • g ut einsehbar, ohne das Wild zu beun-
lich ein Bericht über die Lebensraum- ruhigen
situation, vergangene Abschusszahlen, •B eobachtungsplätze müssen auch bei
Krankheiten sowie weitere Einflussfak- schlechten Witterungsbedingungen
toren erstellt und ausgewertet werden. gefahrlos erreichbar seinVORARLBERGER JAGD JULI & AUGUST 2020 SEITE 13
NEBENREFERENZGEBIETE: ABLAUF DER ZÄHLUNGEN
•k leinräumige Gebiete (einzelne Kare/ Die Koordinierung des Monitorings
Kessel – zirka 200 Hektar) in den Gebieten wird durch den jewei-
• g eringerer Gamswildbestand als in ligen Gamswildraumsprecher über-
Hauptreferenzgebieten nommen. Die Terminauswahl erfolgt in
• erfassbar durch ein bis zwei Personen jedem Referenzgebiet eigenständig. Die
Durchführung der Zählungen sollte
In solchen kleinräumigen Neben- durch die zuständigen Jagdschutzorga-
referenzgebieten werden jeweils im ne sowie die Jagdnutzungsberechtigten
Juni und Oktober eines jeden Jahres übernommen werden, da diese über
Bestandeszählungen durchgeführt. die beste Revierkenntnis verfügen. Pro
Diese Ergebnisse dienen der Ergänzung Zählteam sollte im Idealfall eine exter-
und Absicherung der Daten aus den ne Person (z.B. AusbildungsjägerIn) hin-
Hauptreferenzgebieten. Somit können zugezogen werden.
Trends und Entwicklungen auf ihre Neben der erhobenen Stückzahl
Gültigkeit für den gesamten Gamswild- soll im Zuge der Zählung jeweils nach
raum hin überprüft werden. Böcken, Gaißen und Kitzen unterschie-
den werden – wenn möglich, wäre auch
die Feststellung des Jährlinganteils von
Vorteil, um Rückschlüsse auf die Win-
Legende
tersterblichkeit ziehen zu können.
Landesweite Zählungen, wie bisher
Gamsfreiheit-Spullers-Tannberg
Walserkamm
Kanisfluh-Hoher Freschen
Zitterklapfen
Feuerstätter
Winterstaude
durchgeführt, werden zukünftig in ei-
Diedamskopf-Ifer-Widderstein
Davenna-Eisentäler nem zeitlichen Abstand von fünf Jah-
Verwall
Silvretta
Vallula-Ibau
ren abgehalten. Natürlich sind alle Jäge-
rinnen und Jäger auch weiterhin dazu
Rhätikon
Gamperdona
Reviere
Feuerstätter
aufgerufen, die Bestandesentwicklung
in ihren Revieren zu verfolgen und zu
Winterstaude
dokumentieren.
Aktuell befindet sich die Umstel-
lung des Monitoringsystems in der
letzten Phase. Mehrere Referenzgebiete
konnten bereits festgelegt werden. In
Diedamskopf-Ifer-Widderstein
Kanisfluh-Hoher Freschen
den kommenden Wochen sollen weite-
Zitterklapfen
re folgen, um noch dieses Jahr mit ers-
ten Bestandeserhebungen beginnen zu
Walserkamm
können.
Gamsfreiheit-Spullers-Tannberg
Gamperdona
Davenna-Eisentäler
Rhätikon
Verwall
Vallüla-Ibau
Die dreizehn Gamswild-räume stellen die
Silvretta Bewirtschaftungsgrundlage dar.
Gamswildräume
in Vorarlberg
www.vorarlberg.at\forstwesen
Druckdatum: 21.02.2020 Maßstab: 1:73.000
Bearbeitung: Abt. Vc - Forstwesen
Quellen: Land Vorarlberg, BEV DKM-Stand: 01.10.2019SEITE 14 JULI & AUGUST 2020 VORARLBERGER JAGD
JAGD & RECHT
ERSATZ VON
JAGD- UND
WILDSCHÄDEN
I
n den vergangenen Jahren wurden früchten verursachte Schaden wird
die Gerichte immer häufiger mit hingegen als Wildschaden bezeichnet.
der Geltendmachung von Ersat- Wildschäden in Gemüse- und Ziergär-
zansprüchen für Jagd- und Wildschä- ten sowie in Baumschulen und derglei-
den konfrontiert. Neben der Einhal- chen sind nur dann ersatzfähig, wenn
tung der formellen Erfordernisse zur die Schädigung erfolgte, obwohl vom
Geltendmachung von Jagd- und Wild- Geschädigten übliche Vorkehrungen
schäden sind insbesondere die mate- zum Schutz von Wildschäden für der-
riellen Voraussetzungen nach dem artige Anpflanzungen vorgenommen
Vorarlberger Jagdgesetz die zentralen wurden. die Bereitstellung von Futterplätzen
Fragen derartiger Auseinandersetzun- und Einstandsgebieten für Rotwild auf
gen. Das Vorarlberger Jagdgesetz regelt GESETZLICHE AUSNAHMEN VON einen allfälligen Ersatzanspruch für
den Ersatz von Jagd- und Wildschaden DER ERSATZPFLICHT Schäden durch Rotwild anzurechnen.
im 8. Abschnitt (§§ 59 f JagdG). Gemäß
§ 59 Abs 1 JagdG hat der Jagdnutzungs- Nach § 59 Abs 3 JagdG kann der PROZESS ALS ULTIMA RATIO –
berechtigte dem Eigentümer oder Nut- Grundeigentümer oder Nutzungsbe- ZWINGENDES SCHLICHTUNGS-
zungsberechtigten des betroffenen rechtigte vom Jagdschutzberechtigten VERFAHREN
Grundstücks, soweit zwischen ihnen für bestimmte Grundstücke mit beson-
nichts anderes vereinbart ist, den Jagd- ders gefährdetem forstlichen Bewuchs Der Geschädigte hat innerhalb
und Wildschaden zu ersetzen. die Beistellung (nicht die Anbringung!) von drei Monaten, nachdem dieser
geeigneter Mittel zum Schutz einzelner vom Eintritt des Schadens Kenntnis
WAS WIRD UNTER JAGD- UND Pflanzen verlangen. Kommt der Jagd- erlangt hat, die Schadenersatzansprü-
WILDSCHADEN VERSTANDEN? nutzungsberechtigte einem solchen che gemäß § 59 JagdG gegenüber dem
Verlangen nach, so ist er vom Schaden- Jagdnutzungsberechtigten schriftlich
Ein Jagdschaden ist der bei der Aus- ersatz befreit, wenn die bereitgestellten geltend zu machen. Kommt eine ein-
übung der Jagd vom Jagdnutzungsbe- Mittel nicht oder nicht fachgerecht vernehmliche Lösung nicht zustande,
rechtigten selbst, seinen Hilfskräften, angebracht worden sind. Weiters sind ist vom Geschädigten ein sogenanntes
den Jagdgästen oder von Jagdhunden Wildschäden nicht zu ersetzen, wenn Schlichtungsverfahren zu beantra-
an den Grundstücken, den noch nicht der Geschädigte die vom Jagdnut- gen. Das Schlichtungsverfahren muss
eingebrachten Früchten sowie an zungsberechtigten zur Abwehr von vom Geschädigten innerhalb von vier
Haustieren verursachte Schaden. Der Wildschäden rechtmäßig getroffenen Monaten nachdem er vom Eintritt des
durch das Schalenwild am Bewuchs so- Maßnahmen unwirksam macht. Zu- Schadens Kenntnis erlangt hat, bei der
wie durch Hasen und Dachse an Feld- dem sind Leistungen zur Abgeltung für Behörde schriftlich beantragt werden.VORARLBERGER JAGD JULI & AUGUST 2020 SEITE 15
Ausmaß wie Sachverständige im ge-
richtlichen Verfahren). Die Gebühren
des Schlichters sind grundsätzlich zur
Gänze vom Jagdnutzungsberechtigten
zu tragen (§ 10 Abs 5 JagdG). Die Ge-
bühren werden nur dann je zur Hälfte
zwischen dem Jagdnutzungsberechtig-
ten und dem Geschädigten aufgeteilt,
wenn der Schlichter zum Ergebnis
gelangt dass die Voraussetzungen der
In diesem Stadium ist daher der Weg gestellten schriftlichen Gutachten des Schadenersatzpflicht gemäß § 59 JagdG
ans Gericht (noch) unzulässig. Schlichters nicht einverstanden, sind nicht vorliegen oder wenn der Scha-
Den Antrag des Geschädigten hat sie verpflichtet dies innerhalb eines denersatzbetrag nicht höher ist, als der
die Behörde unverzüglich einem so- Monats mitzuteilen. Ohne ablehnende vom Jagdnutzungsberechtigten dem
genannten Schlichter zuzuweisen, der Mitteilung wird die Zustimmung zum Geschädigten zuvor schriftlich angebo-
im Hinblick auf die Schadensart und Vergleich auf Grundlage des Gutach- tenen Betrag. Erforderlichenfalls sind
den Schadensort fachlich geeignet tens angenommen. Der Schlichter hat die Gebühren von der Behörde mit Be-
und vertrauenswürdig sein muss. Der die Parteien schriftlich über das Zustan- scheid vorzuschreiben.
Schlichter ist in der Folge verpflichtet, dekommen des Vergleiches zu infor- Erst wenn der Schlichter eine Scha-
ein schriftliches Gutachten darüber zu mieren. Der Jagdnutzungsberechtigte denersatzpflicht gemäß § 59 JagdG ver-
erstellen, ob die Voraussetzungen für ist verpflichtet, den im Vergleichswege neint, im Schlichtungsverfahren kein
eine Schadenersatzpflicht gemäß § 59 vereinbarten Schadenersatz innerhalb Vergleich zustande gekommen ist, oder
JagdG vorliegen und gegebenenfalls eines Monats an den Geschädigten zu das Gutachten des Schlichters nicht
wie hoch der Schaden tatsächlich ist. bezahlen. Wesentlich ist, dass ein über innerhalb von neun Monaten vorliegt,
Der Schlichter hat den Jagdnutzungs- das Schlichtungsverfahren zustande kann der Geschädigte Schadenersat-
berechtigten und den Geschädigten zur gekommener Vergleich die Wirkung zansprüche aufgrund von Jagd- und
Teilnahme an den Besichtigungen des eines gerichtlichen Vergleichs entfaltet Wildschaden als Ultima Ratio auf dem
behaupteten Jagd- und Wildschadens und rechtlich bereits als Exekutionsti- ordentlichen Rechtsweg (vor den Ge-
einzuladen und ihnen Gelegenheit zu tel im Sinne der Exekutionsordnung zu richten) geltend machen.
geben, sich über die Schadensursache qualifizieren ist.
und Schadenshöhe zu äußern. Für die Abwicklung des Schlich-
Sind der Jagdnutzungsberechtigten tungsverfahrens hat der Schlichter
oder der Geschädigte mit dem ihnen zu- Anspruch auf Gebühren (im gleichen MMag. Dr. Tobias GisingerSEITE 16 JULI & AUGUST 2020 VORARLBERGER JAGD
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Bildnachweis: Adobe Stock
De
EDLES GEFIEDER r Fasan
Fasane fallen besonders durch ihr prächtiges,
schimmerndes und buntes Gefieder auf.
Mit ihren langen Schwanzfedern und ihrem
stolzen Gang wirken sie sehr edel und königlich.
Beachtlich sind vor allem der weiße Halsring
und die roten Hautschwülste um die Augen.
Im Gegensatz zu den Männchen tragen die
Weibchen ein braunes schlichtes Federkleid.
Der Fasan lebt gerne in Gebieten mit
Äckern, Wiesen, an Waldrändern, in lichten
Auwäldern oder Weingärten. Auch bei uns
in Vorarlberg ist er beheimatet. Er stammt
ursprünglich aus Asien und wurde vor langer
Zeit bei uns angesiedelt. Ein erwachsener
Fasan wiegt ungefähr ein Kilogramm.
BUNTER SPEISEPLAN
Der erwachsene Fasan ernährt sich
gerne pflanzlich, zum Beispiel von Samen,
Haselnüssen, Eicheln, Beeren, kleinen
Zwiebeln, Sprossen und Blättern. Die Küken
lieben aber Insekten, Regenwürmer und
Schnecken, also tierische Nahrung.VORARLBERGER JAGD JULI & AUGUST 2020 SEITE 17
TARNKLEID
Die Henne legt in ein einfaches Nest am
Boden rund 10 Eier. Normalerweise brütet
sie nur einmal pro Jahr. Schnappt sich
jedoch ein Räuber die Eier, macht sie
nochmal ein Nachgelege. Nach 3 Wochen
schlüpfen die Küken, die ein braunes
Tarnkleid tragen. Schon 2 Wochen später
sind sie flugfähig, das ist auch wichtig,
denn die Jungen haben viele Feinde. Wiesel,
Marder, Iltis, Fuchs, Katze und Habicht
haben die Küken zum Fressen gerne. Ihre
Schlafplätze suchen sie deshalb meist auf JÄGERSPRACHE
Bäumen. Für ausgewachsene Fasane können
der Fuchs und der Marder sowie der Habicht Beine = Ständer
zur Gefahr werden. Flügel = Schwingen
zu Fuß laufender Hahn = Infanterist
Dorn an der Hinterseite der Beine = Sporn
Henne und Küken zusammen = Gesperre
sehen mit den Augen = äugen
Schwanz = Spiel
fressen = äsen
HAHNENKÄMPFE
Hennen und Hahn leben im Winter getrennt
in Wintertrupps. Im Frühjahr besetzen die
Hähne wieder die Gebiete und die Hennen
schließen sich einem Hahn an. Die Balz – also
FINDE DAS LÖSUNGSWORT: das Werben um Weibchen – dauert von März
Einen zu Fuß laufenden Hahn nennt man? bis Mai. Die Fasanenhähne verteidigen ihr
Revier durch Hahnenkämpfe. Sie können
1
sich schon ordentlich in die Federn kriegen
Wie nennt man den Dorn an der Bein-Rückseite? und laut aufflattern, um so ihr Revier zu
verteidigen. Der heisere und gockende
2
Ruf ist weit zu hören. Der Gewinner der
Wie nennt man in der Jägersprache: Henne Hahnenkämpfe darf bleiben. Die Verlierer
und Kücken zusammen? bleiben ohne Revier und haben keine Chance,
sich fortzupflanzen.
3
Wie verteidigt der Fasan sein Revier?
4
Wie nennt man die rote Haut um die Augen
der Fasanenmännchen?
1 2 3 4
Sende deine Lösung an: info@vjagd.at und mach mit bei der Verlosung
von einem tollen Kinderbuch. Die Lösung findest du in der nächsten
Jagdzeitung. Ausgabe Mai / Juni 2020: CHITINSEITE 18 JULI & AUGUST 2020 VORARLBERGER JAGD
AUS VERGANGENEN ZEITEN
ADLERGESCHICHTEN
Gnadenlose Jagd auf den
König der Lüfte
A
n der östlichsten Ecke des Bun-
deslandes Vorarlberg, – an der
Schnittstelle zwischen den All-
gäuer und Lechtaler Alpen sowie den
höchsten Bergen des Bregenzerwaldes, Festumzug in Hindelang im
also zwischen dem Hohen Ifen, Widder- Frühjahr 1891 zu Ehren des
„Helden“ Adlerkönig Leo
stein, Biberkopf, Mädelegabel, Höfats
Dorn
und dem Oberstdorfer Nebelhorn, er-
eigneten sich vor mehr als einhundert
Jahren – aus heutiger Sicht betrachtet
– unvorstellbare Szenen der Steinadler-
bekämpfung.
Das überreichliche Wildvorkom- der Bevölkerung wie Volkshelden gefei- Unwesen stellte und manche sogar bis
men in der zweiten Hälfte des 19. Jahr- ert wurden. ins Tirol verfolgte. Dabei kam es des
hunderts im hinteren Bregenzerwald, Öfteren auch zu gefährlichen Schuss-
Kleinwalsertal, Stillach-, Trettach-, „ADLERKÖNIG“ LEO DORN wechseln, leider auch zu solchen mit
Rappenal -, Oy- und Lechtal, sowie die tödlichem Ausgang. Als Leo Dorn am
in diesen Hochalpgebieten weidenden Ein besonderes Beispiel dafür ist der 10. Nov. 1890 seinen 50. Adler erlegte,
tausenden von Schafen, Jungrindern legendäre „Adlerkönig“ Leo Dorn aus ernannte der bayerische Prinzregent
und Ziegen, stellten naturgemäß ein Oberstdorf, Ober- u. Leibjäger seiner Luitpold seinen Leibjäger Leo Dorn per
großes Nahrungsangebot für die in Königlichen Hoheit Prinzregent Luit- Urkunde und Dekret zum „Adlerkönig“
diesem Gebiet horstenden zahlreichen pold von Bayern, der schon als 15-jähri- und veranstaltete im darauffolgenden
Steinadler dar. Viele Lämmer ( „Huder- ger Bursche am 4. Juli 1851 im Oberst- Frühjahr zu Ehren Dorns ein großes Jä-
lein“ ), Gams- und Rehkitze, Murmeltie- dorfer Oytal in Anwesenheit von ca. gerfest mit Festumzug in Hindelang.
re, Füchse, Spiel- und Auerhahnen und 1.500 Menschen und im Rahmen eines Sein fanatischer Jagdtrieb auf Adler
dergleichen mehr, landeten somit als Volksfestes mit Musik und Wurstbu- ging sogar so weit, dass er so manches
Beute in den Felshorsten, um dort ge- den, an einem Seil hängend, in einer geschossene Gämslein als Adlerluder
kröpft zu werden. gefährlichen Aktion und unter lauten verwendete, anstatt es der ärmlichen Be-
Als Wild- und Beutegreifer war der Beifallsbekundungen und Jubel, die völkerung zu spendieren, wie es Prinz-
Steinadler ein „Jagdkonkurrent“ und Jungvögel aus einem bekannten Adler- regent Luitpold eigentlich vorgesehen
somit in den Kreisen der Hirten, Älpler horst ausnahm. Brandgefährlich wurde hatte. Als einträglichen Nebenerwerb
und vor allem der Jäger ein verhasster diese Aushebung, als plötzlich die bei- veräußerte Dorn die begehrten Adler-
Greif und Schädling, der schonungslos den Altvögel den wagemutigen Dorn at- federn, den Adlerflaum und die Fänge
und mit allen Mitteln verfolgt wurde. tackierten, worauf die Jagdgehilfen von (80 – 100 DM) Sogar dem dt. Reichs-
Mit Fangeisen, Giftködern, Schlagfal- einem erhöhten Felsvorsprung aus mit kanzler Bismarck soll Dorn Schreibfe-
len, Horst- u. Brutaushebungen, aber heruntergeworfenen Steinen und Ästen dern aus dem Gefieder der Greifvögel
vor allem mit der oft langwierigen An- die Angreifer verscheuchen konnten. geliefert haben. Seinen letzten, den 79.
sitzjagd zu jeder Jahreszeit an ausgeleg- Der Königliche Oberjäger Leo Dorn Adler, schoss Leo Dorn im Winter 1912
ten Luderköderstücken, versuchte man war aber nicht nur ein fanatischer auf einem Misthaufen in Hindelang.
den Steinadler regelrecht auszurotten. Adlerjäger sowie ein verwegener und Sogar der Schriftsteller und Zeitgenosse
Zudem galt es als Stolz und jägeri- furchtloser Alpinist, sondern auch ein von Dorn, Ludwig Ganghofer, verherr-
sche Ehre, nach erfolgreicher Jagd mit grobschlächtiger, gefürchteter und lichte das Tun und Wirken Dorns und
einem erlegten Steinadler ins Dorf zu- kompromissloser Wildererbekämpfer, vor allem die markige Jägerpersön-
rückzukehren, wobei manche Jäger von der nachweislich 41 Wilderer bei ihrem lichkeit in seinen Schriften. Auch derVORARLBERGER JAGD JULI & AUGUST 2020 SEITE 19
AUS VERGANGENEN ZEITEN
Schutz gestellt wurde. ADLERJAGD AUCH IM HINTEREN
Ebenfalls in denselben Jahren hatte BREGENZERWALD
ein Besitzer einer großen Schafherde
im Rohrmoosertal innerhalb von zwei „Dio Luderviechor holen nit lei
Jahren alle neugeborenen Lämmlein dio Lamplen und Mankeis, sondern a
(Huderlein ) an die Adler verloren, dio gonzen Gamskitzln“, schrieb der
sodass der Jagdherr Graf Max von Ar- Maund’sche Oberjäger Franz Brugger
co-Zinneberg persönlich eingriff. Er aus dem Zillertal, der in der Jagdvilla
nahm in einer waghalsigen Aktion, Maund in Hopfreben als einer von vier
unter den begeisterten Anfeuerungs- Berufsjägern in Jagddiensten reicher
rufen der Volksmenge, im Jahre 1860 Engländer stand, in seinem Jagdtage-
und später im Jahre 1871 unter einem buch aus dem Jahre 1908/09. Tatsäch-
überhängenden Felsvorsprung an der lich haben sowohl er und seine Jäger
Roten Wand mittels mehrerer zusam- als auch die illustren Jagdgäste aus al-
mengebundener Holzleitern einen ler Welt, wie z.B. seine Kaiserliche Ho-
Adlerhorst aus. Insgesamt erlegte er heit, der deutsche Kronprinz Wilhelm
während seiner langjährigen Zeit als von Hohenzollern, im Bereich der Zit-
Jagdherr insgesamt 48 Steinadler im terklapfen, Künzelspitze, Schadona,
Gebiet Rohrmoosertal/Hoher Ifen Braunarl – und Juppenspitze so man-
(Vlbg.) Eine im Jahre 1886 auf einer chen prächtigen „König der Lüfte“ zur
Jungviehalpe im Gebiet des Hohen Strecke gebracht, wobei sich die Zahl
Ifen stattgefundene „Kindesentfüh- der nachweislich erlegten Adler so zwi-
rung“ eines zweijährigen Mädchens schen 35 und 40 bewegt.
durch einen Adler – die Eltern hatten Es war vielfach auch der Stolz eines
ihr Kind beim Beerenpflücken kurz Bergjägers, einen präparierten Steinad-
Nachfolger von Dorn, Oberjäger Anton im Beerenkraut abgelegt – verschärfte ler im Jagdzimmer hängen zu haben,
Kleis, brachte es immerhin auf 41 erleg- die Abneigung und kurbelte die gna- der zwangsläufig dazu führte, dass die-
te Steinadler ! denlose Verfolgung der Steinadler aufs ser stolze Vogel beinahe ausgerottet
Neue an. wurde. Tatsache ist, dass obwohl im
OBERJÄGER MAX SPEISER Wenn man die nachweislichen Jahre 1959 und später im Jahre 1965
Erlegungen von Steinadlern in der die teilweise strengen Schutzbestim-
Zur gleichen Zeit war auch Oberjä- eingangs erwähnten Region – getä- mungen in Kraft traten, immer wieder
ger Max Speiser verantwortlicher Jäger tigt in einer Zeitspanne von 1855 bis in Fangeisen oder durch Köder vergif-
im Dienste von Baron Freiherr v. Heyl 1923 – addiert und noch eine sehr tete und qualvoll verendete Adler auf-
im 12.000 ha großen Revier des an das wahrscheinlich berechtigte zehnpro- gefunden wurden. Erst im Jahre 1973
Tiroler Lechtal und Hochtannberggebiet zentige Dunkelziffer (Fangeisen, Gift- wurde in Vorarlberg das ausnahmslose
angrenzenden Trettach- und Rappenalp- köder u.Ä.) dazurechnet, so kommt Bejagungsverbot und die behördliche
tals. Oberjäger Max Speiser war ebenfalls man auf weit über vierhundert erlegte Unterschutzstellung verfügt. Seit dieser
ein durch und durch fanatischer Jäger Steinadler innerhalb einer Zeitspanne Zeit ist auch der Adlerbestand im Länd-
und ein besonderer Beschützer und He- von ca. 70 Jahren, was dann wohl auch le wieder konstant stabil und der König
ger seiner ihm anvertrauten Wildtiere, tatsächlich zu viel war und schließlich der Lüfte kann wieder frei und gefahr-
und so kam es, dass auch er im Laufe die totale Unterschutzstellung und los seine Kreise ziehen.
seiner langjährigen Dienstzeit insge- ganzjährige Schonung der verbliebe-
samt 59 Steinadler erlegte. Im Winter nen Steinadlerpopulation erforderte. Beitrag von Alt-BJM Stv. OSR Roland Moos
1919 erlegte Max Speiser am Ortsrand
von Oberstdorf einen Seeadler mit 2,47
m „Flugweite“, der neben einem Bauern-
häusl einen verendeten Fuchs kröpfte.
Es gab auch Tage, an denen Speiser zwei
und mehr Adler erlegte. (Buch: „Erleb-
nisse eines Bergjägers“ v. OJ Max Speiser
1933 – aus den Jagdtagebüchern) Seinen
letzten, den 59. Adler erlegte Oberjä-
ger Max Speiser im Jahre 1922 an einer Eingangshalle Jagdvilla
Rotwildfütterung, ebenfalls in Talnähe Maund mit „Overhead“
Steinadlerpräparat
von Oberstdorf, bis schließlich 1923
der Steinadler im Allgäu unter völligenSEITE 20 JULI & AUGUST 2020 VORARLBERGER JAGD
EXKURSION DER AUSBILDUNGSJÄGER
IN DEN GLOCKENWALD (GJ ÜBERSAXEN)
A
uf Initiative von Jörg Gers- wobei der gesamte forstliche Bestand an Fichten, Tannen, Ahorn, vereinzelt
tendörfer trafen sich die Aus- geerntet wurde und dadurch eine Buchen, Himbeeren und Brombeeren
bildungsjäger des Jahrganges Kahlfläche von ca. 2.000 m2 entstand. vor.
2019/2020 am Samstag, den 6. Juni Die Holzernte wurde mittels einer Seil- Geologisch gesehen befinden wir
2020 zu einer Abschlussveranstaltung bahn effizient durchgeführt. Damals uns in der helvetischen Zone der Sän-
in der Genossenschaftsjagd Übersaxen. konnte ein guter Ertrag aus der einge- tis-Decke. Ein humusreicher Unter-
Ziel war eine forstliche Begehung des brachten Holzernte erwirtschaftet wer- grund (kalkreiche Braunerden) mit
Glockenwaldes im Revier von Jagd- den. ausgeglichenem Wasserhaushalt und
pächter Willi Reisegger. Auf einer Höhe von ca. 1.250 m, einem guten Naturanflug begünstigt
Problemstellung: Vor 10 Jahren montane Lage, mit einer Nord-West-Ex- ein kräftiges Wachstum eines klassi-
wurde in dieser Waldparzelle von der position finden wir in einer steilen schen Bergmischwaldes.
Agrar-Genossenschaft Übersaxen eine Hanglage eine klassische Waldgesell- Jedoch ist diese Kahlfläche nun
größere Holznutzung durchgeführt, schaft mit einem kräftigen Jungwuchs auch, wie nicht anders zu erwarten, zu
einem attraktiven Einstand für Rot-,
Gams- und Rehwild geworden. Ein star-
ker Verbissdruck kann beobachtet wer-
den. Die Tannen sind stark verbissen.
Ältere Losung von Rot- und Rehwild
ist zu finden. Vor zwei Jahren, immer
noch sichtbar, wurde von den Jägern
gemeinsam mit der Agrar einmalig ein
Verbissschutz mit Trico ausgebracht.
Leider wurde diese Maßnahme nicht
weiterverfolgt und regelmäßig durch-
geführt. Oft ist der neue Terminaltrieb
bis auf die Höhe der mit Trico behan-
delten Zweige verbissen.
Wernfried Lins als zuständiges
Jagdschutzorgan gemeinsam mit demSie können auch lesen