Jura in Sheffield (Großbritannien)

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Jura in Sheffield (Großbritannien)
"Thanks, luv"

Mein Auslandssemester an der University of Sheffield, Großbritannien verbrachte ich dank des
Erasmusprogramms von September 2001 bis März 2002, also größtenteils im Winter. So furchtbar
regnerisch und kalt, wie es sich vielleicht anhört, war es aber nicht, denn das winterliche Klima in
South Yorkshire ist milder als bei uns in Greifswald. Da der Bericht umfangreich ist, hier erstmal alles
Nützliche und Unverzichtbare in Kürze:

A. Kurzer Überblick

1. Checkliste:

- Reisepaß oder Ausweis
- Bankkarte (am besten Deutsche Bank, da Verbund mit Barclays)
- genug Geld auf dem Konto
- mind. 50 Pfund für die erste Zeit
- ca. 6 Paßphotos (für U-Card, Rabattkarten Bus/Zug, Registration Form, etc.)
(Tip: Paßphotos einfach farbkopieren und zurechtschneiden, ist viel billiger und reicht allemal)
- Wörterbuch
- Fachwörterbuch
- Fotoapparat UND Filme (teuer in GB)

- Broschüren von der Uni Sheffield
- Zusage Wohnheimplatz, Studienplatz
- DAAD-Unterlagen
- Fotokopien wichtiger Dokumente wie z.B. Paß
- Versicherungspapiere (Auslandskrankenversicherung)
- Führerschein (es genügt ein nationaler)
- Impfausweis (eine Meningitis-Impfung wäre nicht schlecht, wird aber auch kostenlos vom NHS
angeboten)
- internationaler Studentenausweis ISIC (Studentenrabatt bei Fluggesellschaften, ansonsten reicht
auch die U-Card, die man in Sheffield bekommt)
- Kreditkarte (man kommt aber auch ohne aus)
- Youth Hostel Ausweis (bekommt man aber auf umsonst auf der Fresher's Fair)
- Adressenliste

- Schlafsack
- Wärmeflasche oder Heizkissen (es kann ziemlich zugig und kühl in englischen Häusern sein)
- Bettwäsche, Laken (kann man aber auch nachschicken lassen)
- Handtuch
- Schreibtischlampe, weil die Wohnheime damit nicht ausgestattet sind
- Besteck, Teller, Dosenöffner (Topf, Pfanne lieber vor Ort kaufen und mit Mitbewohnern teilen;
Tassen kriegt man in UK auch preiswert)
- Feuerzeug (oft zum Anzünden von Gasherdplatten nötig)

- schicke Klamotten zum Ausgehen (1 Paar Schuhe, die keine Turnschuhe sind, kann nämlich
Probleme bei manchen Pubs/Discos geben)
- warme, wetterfeste Kleidung
- nicht zu viele, aber strapazierfähige Klamotten
- Regenjacke
- Mini-Schirm (gibt's aber auch in UK)
- feste Schuhe/Wanderschuhe
- Badelatschen

- Lonely Planet Britain (inklusive Schottland und Wales)
- wenig Bücher (sonst erreicht man schnell Übergepäckgrenzen)
- Laptop, falls vorhanden
- kleines Radio
- Musik-CD's oder Kassetten
- Fotos von Familie und Freunden
- Adapter (gibts aber auch vor Ort)

- Vitamintabletten

- keine Rollerblades oder ähnliches (Sheffield ist sehr bergig)
- Raucher: Zigaretten, Tabak, Filter (sehr teuer in England, es wird aber mehr geraucht)
- bei Bedarf: Kondome (auch teuer in England)
- Kaffeetrinker: Kaffee mitnehmen oder nachschicken lassen (englischer Kaffee soll scheußlich
schmecken, in der Coffee Revolution in der Student's Union kann man aber eine nette Tasse Kaffee
trinken)

- ruhig bleiben, Erwartungen runterschrauben (es klärt sich alles vor Ort)
- Lust haben, neue Menschen kennenzulernen

Was noch zu tun ist:

- Wohnheimbewerbung zum Housing Service abschicken
- Anreise organisieren, Flug, Bus buchen
- Wohnung kündigen, Nachmieter oder Mitwohner suchen
- Post umleiten lassen
- Zeitschriftenabos kündigen/ändern
- wegen Auslands-BaföG erkundigen
- Geld aufs Girokonto und falls doch kein Konto bei der Deutschen Bank so weit wie es geht Euro-
Überweisungsformular ausfüllen und es einem vertrauenswürdigen Menschen geben, der dann die
fehlenden Daten nachträgt, wenn man dann ein englisches Konto hat
- etwas Geld tauschen
- Urlaubssemester beantragen
- Zum Zahnarzt gehen
- Reiseapotheke anlegen (vor allem Grippemedikamente)
- mit Zigaretten und Kondomen bevorraten
- Shampoo und Duschgel-Vorrat mitnehmen, auch teuer
- Paßbilder machen lassen
- Fotos zu Mitnehmen von lieben Menschen raussuchen
- deutsche Billigvorwahlen für England raussuchen
- Verabschieden

Für Mädels:

- zum Frauenarzt
- mit Pille bevorraten

2. Allgemeines

Semesterzeiten:
- Ende September bis Anfang Februar (Autumn Semester)
- Anfang Februar bis Mitte Juni (Spring Semester)

Orientation Week für ausländische Studenten vor Semesterbeginn
(derzeit 85 Pfund, 1 Woche Unterkunft, Frühstück, Abendessen, Informationen und Aktivitäten um
Stadt, Land & neue Leute kennenzulernen)

Intro Week zu Beginn des Semester mit Registrierung, Ausgabe des Studentenausweises (U-Card),
Registrierung National Health Service und Informationsveranstaltungen (Nicht verpassen!)

3. Studium
- 60 ECTS-Punkte pro Semester (entspricht in den meisten Fällen drei Vorlesungen mit
dazugehörigen Seminaren, Essays und schriftlicher Abschlußprüfung)
- Eintragung aller Kurse in Registration Form, muß vom Tutor abgezeichnet werden
- Wechsel von Kursen in den ersten Wochen möglich, Add & Drop Form
- in den Vorlesungen wird meistens verständliches Englisch gesprochen
- in den Seminaren ist das Englisch nicht ganz so klar, weil auch viel auf Mitarbeit von Studenten
gesetzt wird, die aus den verschiedensten Ecken Großbritanniens kommen
- gute Betreuung, da dichtes Netzwerk von Betreuungspersonal, zugeteilter Tutor vom Lehrpersonal,
Student's Information Desk, International Office, Möglichkeit betreuenden Mentor aus der
Studentenschaft zu bekommen, telefonische Help und Info Line, sehr ausführliche und nützliche
Broschüren
- Niveau der Lehrveranstaltungen und vor allem der Seminare oft nicht so herausragend
- kostenlose Sprachkurse, Tandem-Projekt (englische Konversation)
- vorbildliche Union of Students (Unigebäude mit Studienmöglichkeiten, Kino und Vorlesungssaal,
Cafés und Bar, Fast Food Stand, Bank, Reisebüro, Copyshop, Shop für Studenten, Loxley's Food
Court usw.)
- großes Netz von Computerzentren, darunter auch das 24-Stunden-Zentrum in der Mappin Hall

4. Wohnen

- der Housing Service der University of Sheffield ist Dir bei der Wohnungssuche behilflich; es werden
Plätze in Wohnheimen (Halls), Zimmer in WG's für Selbstversorger (self-catering-Flats) und private
Unterkünfte vermittelt (Housing Services, The University of Sheffield, 12 Claremont Crescent,
Sheffield S10 2 TA, Tel: 0044 114 222 6039, Fax: 0044 114 222 0290,
http://www.shef.ac.uk/uni/service/hous/index.html)
- Empfehlung self-catering flat (ca. 50 Pfund pro Woche)
- garantierter Platz für Erasmus-Studenten bei Einhaltung des Bewerbungsschlusses
- außerdem kann man sich auf dem privaten Wohnungsmarkt auch etwas suchen, häufig mit
niedrigerem Standard, aber etwas preiswerter

5. Tips

- Sachen, die noch fehlen, nicht per Post sondern mit dem DPD nachschicken lassen
- Anrufen lassen über Billig-Vorwahlen und falls man doch mal anrufen muß, sogenannte Charge-
Karten kaufen und von jedem Telefon abtelefonieren (bei 20 Pfund gibt's 5 Pfund oben drauf)
- gratis innerhalb der unieigenen Unterkünfte telefonieren
- durch die Uni (Global Span) organisierte Städtetouren per Bus machen, da preiswert
- Man kann auch sein Auto mitnehmen (per Fähre kann man viel mehr Gepäck mitnehmen, ist vor Ort
mobiler und es gibt nicht so viele Probleme mit dem Linksverkehr, wie man zuerst denkt; allerdings
wurde einem deutschen Austauschstudenten in Sheffield das Auto geklaut)
- Flug für Weihnachten (22.12.) und auch Rückflug zum Ferienende rechtzeitig buchen (besser von
Deutschland aus, da meistens billiger), falls man nicht viel Gepäck hat: mit Billigfluglinien fliegen z.B.
Ryan Air nach London Stansted, danach weiter mit dem Bus
- Rabattkarte für Bus so früh wie möglich kaufen (9 Pfund), um bei Busreisen nach London und
Manchester etc. ca. 30% zu sparen
- Konto bei der Deutschen Bank eröffnen und ohne Gebühren bei Automaten der Barclays Bank, die
in Sheffield ein weit verbreitetes Automaten-Netz hat, Geld abheben
- Kontoeröffnung bei einer britischen Bank UND Auslandsüberweisungen meiden, da teuer, lieber bei
der Barclays mit der Deutschen Bankcard kostenlos Geld abheben und dann auf britischer Bank
einzahlen
- bei Fresher's Fair Gutscheine, Rabattkarten einsacken (ganz früh hingehen!); auf Buy 1 Get 1 free-
Angebote achten und mit Mitbewohnern teilen, falls doch nicht so viel Bedarf
- Das kostenlose Angebot des Modern Language Teaching Centre's im Arts Tower nutzen und
englischsprachigen Tandempartner suchen, der von Dir deutsche und von dem Du englische
Konversation lernst. (Auch auf Credits möglich.) Unbedingt machen, weil man so nette Engländer
kennenlernt sowie sein Englisch praktiziert und verbessert. (Man kann auch mehr als einen
Tandempartner haben.)
- Kostenlose Sprachkurse des Englisch Language Teaching Centre's nutzen, pro Semester 2 Kurse
möglich: Oral Skills, Academic Writing, ...
- In eine der vielen Societies oder einen Sportclub eintreten, um Engländer kennenzulernen und aktiv
zu sein.
- Bewerbungsfristen einhalten! Engländer lieben Formalien.
- Peak District besuchen, wandern, das riesige schöne Naturschutzgebiet ist nur eine halbe Stunde
mit dem Linienbus entfernt
- Reisen: Edinburgh, Schottland, York, London, Cambridge, Oxford, Stratford-upon-Avon, Manchester,
Leeds, Liverpool, Bristol, Wales, ....
- Tickets für Discopartys, Veranstaltungen, Konzerte im voraus an der Vorverkaufskasse in der Union
of Students kaufen (Box Office bis 24 Uhr geöffnet)
- für Studentinnen: vom Portier im Firth Court (gegenüber der Union) kostenlos Taxi rufen lassen oder
mit dem Women's Mini Bus fahren
- Für Jurastudenten: Kostenloser Kurs English for Lawyers am Law Department.

B. Ausführlicher Erfahrungsbericht

1. Allgemeines zu Auslandssemestern

Auf jeden Fall war mein Auslandssemester eine wertvolle Erfahrung, der ich eine "Eichung" und
"Überprüfung" meines Lebens und Studiums hier in Deutschland zu verdanken habe.
Als erstes sollte man sich klarmachen, daß sich das Leben dort einfach anders gestaltet, als man es
zu Hause gewohnt ist und mit diesem Wissen im Hintergrund fällt es leichter, Unterschiedliches zu
akzeptieren, aufzunehmen und mit dem Vertrauten zu vergleichen. Ich denke, das ist auch der Sinn
eines Auslandssemesters, nämlich sich neu zu polen, seinen Horizont zu erweitern, andere
Sichtweisen kennenzulernen und natürlich Kenntnisse der Landessprache zu verbessern, denn das
bleibt nicht aus. Die Chance relativ preiswert und noch dazu durch das Erasmusprogramm gefördert
an einer ausländischen Uni zu studieren, sollte man unbedingt nutzen, denn wer weiß, wann sich
jemals wieder die Gelegenheit für ein oder ein halbes Jahr Auszeit bietet, um Sprachkenntnisse oder
sogar neues hilfreiches Wissen auf seinem Fachgebiet zu erwerben.

2. Vorbereitungen

Jedenfalls sollte man unbedingt mindestens ein Jahr vor dem geplanten Abflug mit den
Vorbereitungen beginnen, um die Bewerbungsfristen einzuhalten.

a. Sprache
aa) Sprachkurse
Sprachkurse mußte man nicht vorweisen, ich mußte lediglich selbst meine Englisch-Kenntnisse
einschätzen. Sofern man seinem Englisch aber nicht so traut, ist es natürlich jedem selbst überlassen
schon weit im voraus universitäre kostenlose Sprachkurse zu belegen oder im Vorfeld eine
Sprachreise zu machen oder eben kostenpflichtige Sprachkurse an VHS oder Sprachschulen zu
besuchen.

Der TOEFL-Test (Test Of English as a Foreign Language) oder dem englischen Pendant Cambridge
Certificate Advanced English mußte jedenfalls für Sheffield für Erasmusstudenten nicht erbracht
werden. Dieser TOEFL-Test ist aber für alle, die in die USA wollen, meines Wissens so gut wie Pflicht,
leider auch nicht gerade preiswert und eine zeitige Bewerbung ist ebenso vorausgesetzt. Zudem ist
das nächstgelegene Test-Zentrum in Berlin. (Da sich durch computerisierte Testmethoden die Zahl
der Test-Center reduziert hat, sind längere Anfahrtswege in Kauf zu nehmen.) Auch ein Sprachtest
vor Ort fand nicht statt.

bb) Fachsprache
Es gibt die Möglichkeit, an der Heimuni Fachsprache-Kurse zu belegen. Diese Option habe ich nicht
wahrgenommen, es ist auch nicht unbedingt notwendig, wenn man an einer englischen Universität mit
englischen Studienanfängern zu studiert. Für alle Studenten, auch die einheimischen, ist das
Vokabular ebenfalls neu und so wird daher ausführlich erklärt, was hinter dem Begriff steckt.
Für Rechtsenglisch kann ich das grüne "PONS Fachwörterbuch Recht" aus dem Klett Verlag
empfehlen, Stuttgart, 1998 (2. Auflage), ISBN: 3-12-517951-3. (Hinweis: Dieses Buch ist ein Helfer,
um Fachtexte zu verstehen und Essays zu verfassen, es darf jedoch nicht mit in die Klausuren
genommen werden. Dort sind nur allgemeine, zweisprachige Wörterbücher erlaubt, die man vor den
Prüfungen auch extra registrieren lassen muß).
cc) Lücken im Englischen
Mir ist aufgefallen, daß die meisten ausländischen Studenten im Verständnis von schriftlichem
Englisch und auch im Schreiben recht gut waren, es hat aber oft am Hörverständnis und am Sprechen
gefehlt. Man sollte sich klarmachen, daß die Leute in Sheffield kein glasklares Cambridge-Englisch
sprechen, wie auch in keiner anderen Gegend außer Cambridge, und daß man sich an die lokalen
Besonderheiten erst anpassen muß.
Um sein Hörverständnis zu schulen, ist es daher wirklich ratsam, englischsprachige
Nachrichtensender wie CNN oder NBC zu sehen oder englische Radiosender z.B. BBC via Internet zu
hören. Außerdem ist mir aufgefallen, daß man von englischer Belletristik gut profitieren kann, um ein
wenig vom Alltagsenglisch mitzubekommen, denn das akademische Englisch hilft einem im normalen
Gespräch nicht unbedingt weiter (gutes Beispiel: "Inconceivable" von Ben Elton). Mittlerweile gibt es
auch Hörbücher auf Englisch, mit denen man ja auch trainieren kann, gesprochenes Englisch zu
verstehen.
Das Sprechen gestaltet sich schon schwerer, auf jeden Fall kann man sich angewöhnen, ein paar
Minuten täglich bewußt auf Englisch zu denken und die Sätze im Kopf auszuformulieren. Alles weitere
kommt dann vor Ort, zumal man dort auch kostenlose Sprachkurse belegen kann. Nur nicht
ungeduldig werden, bei den meisten Auslandsstudenten geht es zu Beginn genauso schleppend im
Vergleich zu Muttersprachlern.

b) Bewerbung
aa) Allgemeines
Das Bewerben für ein Auslandssemester lief relativ unproblematisch, da das AAA mir schnell
weiterhalf, als ich mein Anliegen dort vorgetragen habe. Hier mal ein Lob für die geringe Bürokratie.
Der zuständige Tutor meines Fachbereiches nahm sich dann meiner an und da wurde nach einiger
Wartezeit auch koordiniert, wer wohin entsandt werden wollte und sollte.
Ich habe dort auch erfahren, daß es im "für Englischlernwillige attraktiven" Ausland, Großbritannien,
USA und Kanada immer weniger Studienplätze gibt, weil es als Austauschprogramm angelegt ist und
Leute aus anderen Ländern nicht so viel nach Greifswald zieht und es somit für die ausländischen
Unis zu einem Verlust von Studiengebühren führt, wenn sie zwar Greifswalder Studenten finanzieren,
aber niemanden im Gegenzug nach Greifswald schicken können. Das liegt unter anderem an der
mangelnden Bekanntheit der Stadt Greifswald und daran, daß ausländische Studenten dann doch
lieber nach Heidelberg, Berlin, Hamburg, München streben, weil diese Städte ihnen ein Begriff sind.
Ich brauchte zwar keine Referenzen und Scheine vorzulegen, jedoch wird in der Bewerbung um eine
kurze Begründung gebeten, warum man das Auslandssemester antreten möchte. Außerdem wurde
eine Festlegung verlangt, welche Kurse man denn belegen möchte. Wozu das gut sein soll, weiß ich
bis heute nicht, denn ich habe mir die Kursnummern und -bezeichnungen aus einem alten
Vorlesungsverzeichnis für Sheffield, das im AAA auslag, genommen. Der neue Vorlesungsplan war
nämlich im Internet zu diesem Zeitpunkt nicht zu bekommen. Die Festlegung ist nicht bindend und
kann in der Einführungswoche und auch in den ersten Wochen des Semesters per "Add & Drop"
Formular gewechselt werden. In jeden Fall muß man pro Semester 60 ECTS-Punkte erbringen, was in
den allermeisten Fällen mit drei Vorlesungen inklusive Seminaren gleichzusetzen ist. Von der
Bearbeiterin im Auslandsamt wurde mir zwar gesagt, die 60 ECTS-Punkte würden pro Jahr gelten.
Diese Information ist jedoch falsch. Auch wenn in Deutschland 60 ECTS-Punkte vom Zeitaufwand
wohl nicht zu schaffen sein sollen, rechnet man in Great Britain anscheinend anders.

Jedenfalls wurde mir der Studienplatz in Sheffield zugewiesen, auch wenn ich bis dato keine
Rückmeldung dieser Uni hatte. Ich habe mich dann für das Auslandssemester beurlauben lassen und
bekam den Semesterbeitrag erlassen.

bb) Rein persönliche Erfahrung
Jetzt kommt etwas, was ein Ausnahmefall gewesen ist, da beiden anderen Erasmus-Studenten alles
gut geklappt hat, außer mir ist das aber wohl noch zwei weiteren deutschen Mädels passiert.
Zwei Monate nach meiner rechtzeitigen Bewerbung fragte ich dann im Akademischen Auslandsamt
nach, ob ich denn nicht schon etwas gehört haben müßte. Dort wurde ich vertröstet und ich solle doch
Geduld haben. Die hatte ich auch, aber als es dann schon August wurde, hatte ich dann doch
Bedenken, ich wollte ja auch den Flug buchen und Vorbereitungen treffen, denn Mitte September
sollte es ja nun schon losgehen. Die zuständige Mitarbeiterin war aber gerade im Urlaub und so
haben sich zum Glück andere Damen des Auslandsamtes um mein Anliegen gekümmert. Tatsache
war, daß man mich in Sheffield vergessen hatte. Jedenfalls hatten die zwar meine Bewerbung
vorliegen und das ginge auch alles klar, nur sämtliche Bewerbungsbögen für die Unterkunft und für
die Orientation Week sowie sämtliche Broschüren waren mir nicht geschickt worden.
So kam dann plötzlich nach und nach alles eingetrudelt, beinahe jeden Tag etwas anderes.
Schön zu wissen, daß Erasmus-Studenten einen Platz in einem universitären Wohnheim oder Haus
garantiert bekommen, aber nur wenn man den Bewerbungsschluß beachtet. Dieser war aber schon
längst ins Land gegangen. Den Bewerbungsbogen des Housing Service habe ich natürlich dennoch
ausgefüllt und gleich per Fax geschickt.
Für die "Orientation und Introduction Week", in der man die Uni, Sheffield und die Umgebung gezeigt
bekommt, Anschluß an andere ausländische Studenten findet und sich Eingewöhnen kann, gibt es
auch einen Bewerbungsschluß. Den habe ich natürlich auch nicht mehr nachkommen können und es
gab trotz Nachfragen auch keinerlei Möglichkeit, dort noch einen Platz zu ergattern.
Also habe ich einen Flug für den 20.September 2001 nach Manchester gebucht und dann per Post
eine Woche vor Abflug Bescheid bekommen, daß für mich keinerlei Unterkunft zur Verfügung steht.
Von der Dame im AAA erhielt ich die Aussage, daß bis jetzt jeder ein Quartier gefunden hätte, was ich
auch nicht besonders hilfreich fand.

Auf E-Mail-Anfragen beim Housing Service, beim Law Department und beim International Office
wurde mir gesagt, ich möge doch erstmal herkommen, dann würde sich schon alles klären. Man hatte
mir eine Liste von ein paar Bed & Breakfasts mitgeschickt, mit denen ich mich dann gleich in Kontakt
gesetzt habe.
Die Familie Lennox, die ein Bed & Breakfast betreibt, war so freundlich, mir das Zimmer ihrer Tochter
zu vermieten, die auch ab September in einer anderen Stadt studierte. Eine Jugendherberge gibt es in
Sheffield nämlich nicht mehr (auch nicht YMCA) und außerdem sind zu Beginn des Semesters alle
Bed & Breakfasts mehr als ausgebucht, weil viele Eltern ihre 17 bis 18-jährigen Sprößlinge zu deren
Uni bringen. Glück gehabt! Billig war's trotzdem nicht.

Beim Housing Service wurde mir dann vor Ort tatsächlich gleich weitergeholfen und man hat mir die
Adresse eines privaten Vermieters gegeben, der ein Zimmer in seinem Haus frei hatte. Grundsätzlich
ist es dem Housing Service lieber, die Leute in Halls und Flats zu packen, wenn Studenten ein ganzes
Jahr bleiben und diese werden anscheinend dann auch bevorzugt.
Lange Rede, kurzer Sinn. Ich bin dann bei einem englischen Pärchen mit eingezogen, die außer an
mich, auch noch an zwei weitere englische Frauen vermietet haben und so war ich die einzige
Studentin im Haus. Dieses war für englische Verhältnisse sehr hübsch eingerichtet und sonst auch in
ganz gutem Zustand. Auf der Karte hatte es gar nicht so weit zur Uni ausgesehen, aber da es in
Sheffield unheimlich bergig ist, Luftlinien auf Stadtkarten und auch Bussysteme tückisch sind, war die
Distanz nur in einer Stunde Fußmarsch bergauf bzw. einer halben Stunde Bus & Straßenbahn (außen
rum) zu bewältigen. Egal, es war trotzdem ganz schön mit echten Engländern zusammenzuwohnen,
auch wenn der Weg zur Uni und in die Stadt (und zurück) sehr weit war.

TIP:
1. Unbedingt nachfragen, wenn die Antwort auf sich warten lassen, mindestens zwei Monate vorher
sollte man was gehört haben und kann auch damit rechnen.
2. Bewerbungsfristen einhalten!
3. Nichts für selbstverständlich halten und sich auf nichts blind verlassen.

cc) Zusage
Die Zusage erfolgte in meinem Fall, ohne daß ich direkt was von der Uni erfahren habe, aber was der
Normalfall ist, weiß ich nicht. Dann sendet man so schnell wie möglich erhaltene Formulare zurück,
bewirbt sich für die Unterkunft, für die kostenpflichtige Orientation Week und/oder für die
kostenpflichtige Abholung vom Flughafen per Bus (Meet & Greet Scheme). Außerdem bekommt man
alle Informationen durch mehrere Broschüren, wo wirklich alles drin steht und worin auch
Bewerbungsformulare für Orientation Week und Meet & Greet sind: "Information for New International
Students", "The International Student`s Guide", "Home from Home"-Prospekt über Unterkünfte,
"Socrates/E.C.T.S Information Package" und "E.C.T.S. Information Booklet" sowie verschiedene
Informationsblätter und eine Stadtkarte. Vorbildlich!

dd) Wohnungssuche
(1) Allgemeines
Die Mietpreise sind in England im Allgemeinen recht hoch, obwohl Sheffield im Vergleich zu anderen
Universitätsstädten in GB im allgemeinen preiswert ist und noch recht akzeptable Mieten hat.
Dennoch muß man sich um die Finanzierung rechtzeitig Gedanken machen.
(2) Unieigene Unterkunft
Zu allererst würde ich empfehlen, sich für einen Platz in einer sogenannten Self-Catering-Flat der
Universität zu bewerben. Man teilt sich also mit sechs oder mehr Mitbewohnern eine Küche, ein oder
zwei Bäder und hat Kühlschrank, Mikrowelle, Herd und Backofen zu Verfügung. Der Vorteil zur Hall
ist, daß man nicht auf das oftmals nicht so gute, wenig abwechslungsreiche Essen in den Halls
angewiesen ist, eigenverantwortlich essen kann, ohne an feste Zeiten und Speisepläne gebunden zu
sein sowie Geld sparen kann.
Es gibt Self-Catering-Flats in Wohnkomplexen wie den relativ zentralen Wolfson Flats oder den
schönen Endcliffe Vale Flats. Dann gibt es aber auch noch Häuser, die der Universität gehören und
die oft sogar zusätzlich noch ein Wohnzimmer haben. Meistens sind die Self-Catering-Unterkünfte en-
suite, das heißt, mit Waschbecken und daher teurer. Trotzdem ist das die Sache wert.

Außerdem sollte man daran denken, daß das Durchschnittsalter von den meist englischen Hall-
Bewohnern so um die 18 ist und englische Studienanfänger ihre Freiheit erst ausleben müssen, so ist
es oft laut und geht ziemlich wild her (bekotzte Flure, viele Partys, viel Alkohol). Meistens hat man in
den Halls zwar auch einen Kühlschrank und eine Mikrowelle zur Verfügung, eine Kochgelegenheit gibt
es jedoch selten.
Trotzdem haben Halls auch Vorteile, man ist morgens und abends versorgt, sofern man rechtzeitig
zum Essen da ist, man lernt schnell neue Leute kennen und trifft sie auch immer wieder, spart sich
Abwasch und Kochen und steht immer früh auf.

Alle universitären Unterkünfte sind mit Telefon ausgestattet, mit denen man universitätsintern
kostenlos telefonieren kann. Allerdings muß man sich im allgemeinen auch auf kleine Zimmer,
häßliche Tapeten und niedrigeren Standard als in Deutschland gefaßt machen.

(3) Privater Sektor
Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, in eine Wohnung oder eine WG zu ziehen. Sheffield besteht
nämlich größtenteils aus Reihenhäusern und es gibt viele Häuser, an denen steht, das sie extra für
Studenten sind. Dann sollte man sich aber ein paar Wochen vor Studienantritt nach Sheffield
begeben, um die Wohnungen vor Ort anzuschauen. In den Sommerferien ist es möglich, recht
preiswert in den Wohnheimen zu schlafen, wenn man sich beim Housing Service meldet (um die 8
Pfund pro Tag).

Es lohnt sich außerdem generell, für die Wohnungssuche im Housing Service vorbeizugehen, weil die
dort angebotenen Wohnungen größtenteils vom Housing Service auf ihre Seriosität und Sicherheit
überprüft worden sind. Außerdem kann man auch in die lokalen Zeitungen (Sheffield Star, Sheffield
Telegraph) schauen, muß sich aber auf viele Anrufe und viele Besichtigungen gefaßt machen.
Meistens sind die Mietkosten etwas billiger als in der Hall.

Im großen und ganzen ist der Zustand der meisten Häuser recht dürftig, wenn man deutsche
Maßstäbe anlegt. Zugige Fenster, die nahezu immer beschlagen, schlechte und unzuverlässige
Heizungen, feuchte Wände, die Möblierung ist meist einfach, die Betten oft durchgelegen und
meistens sehen die Häuser von außen ziemlich grau-braun und nicht so vertrauenserweckend aus.

Weiterhin gibt es noch die Möglichkeit des möblierten Zimmers, also mit dem Eigentümer Küche und
Bad zu teilen. Der Vorteil ist, daß man oft keine weiteren Extrakosten hat, also nicht für die ziemlich
teure TV-License zahlen muß, keine Grundgebühren für Telefon und die Nebenkosten oft inbegriffen
sind, außerdem kann man meist die Waschmaschine mitnutzen. Das hängt natürlich von der
Persönlichkeit des Vermieters oder der Vermieterin ab. Der Nachteil ist, daß man sich auf seinen
Mitbewohner einstellen und sicherlich auch zurückstecken muß, weil man Regeln oder beispielsweise
die andere Einstellung zur Ordnung akzeptieren muß. Der Vorteil ist, daß man sich wirklich ein Bild
von wahren Engländern machen kann und nicht nur seine Zeit mit ausländischen Studenten verbringt.
Auf jeden Fall muß man in seine Kalkulation die Fahrtkosten einbeziehen, da nicht jedes Haus, das
sogenannte "Lodger's" aufnimmt, gleich um die Ecke liegt.

(4) Weitere Möglichkeiten zur Wohnungssuche
Es gibt ein sogenanntes "Accommodation Noticeboard" links im Foyer der Union of Students,
außerdem sind ähnliche Gesuche in einigen Wohnheimen, kleinen Shops und der Post angeschlagen.
Darüber hinaus gibt es "Accommodation Agencies" und "Estate Agents". Meistens basieren diese auf
Erfolgshonorar und eine Liste dieser Makler ist im "Advice Center" der Uni zu erhalten. Ob sich das für
die kurze Zeit lohnt oder nötig ist, wage ich zu bezweifeln.
Das Internet ist natürlich auch eine Variante. Einen Anruf beim Vermieter kann man sich aber
dennoch nicht sparen, um einen Besichtigungstermin zu vereinbaren.

(5) Kosten
Die Kosten für private Unterkünfte liegen meist bei 40 bis 50 Pfund pro Woche. Auf jeden Fall muß
man darauf achten, welche Extrakosten auf einen zukommen, sei es Telefon, dessen Grundgebühr
recht teuer ist, Gas und Wasser, Elektrizität oder die schon erwähnte TV-License.
Die Mieten für die unieigenen Mieten werden auf einen Schlag einmal pro Semester gezahlt. Die
Kosten varieren von Hall zu Hall und je nach Ausstattung, genauere Angaben findet man im Prospekt
"Home from Home" oder unter www.shef.ac.uk/housing. Meistens zahlt man auch für die Ferien mit
bzw. muß für die Zeit komplett ausziehen, wenn man nicht für diese Zeit zahlt.

(6) Empfehlungen
Wolfson Flats - die beiden Zweigeschosser bewohnen insgesamt nur 52 Leute, pro Wohnung gibt es
zwei Toiletten und einen Showerroom mit einer Dusche, kleine Zimmer mit eigenem Waschbecken,
große Küche (Kosten 2001/2002 pro Semester: 1.731,66 Pfund), ca. 15 Minuten zu Fuß zur Union, 10
Minuten zum Law Department

Crookesmoor House - ehemalige Kirche, Riesenzimmer (gut beheizt) mit eigenem Waschbecken und
eigenem Telefon, Badezimmer, große Küche, (leeres) Eß-/Wohnzimmer, (Kosten 2001/2002 pro
Semester: 1.904,56 Pfund) 12 Minuten zur Union, 2 Minuten Law Department

Endcliffe Vale Flats (alias Woodvale Flats) - relativ neuangelegte WG-Komplex, der bei weitem nicht
so hoch ist, wie das angrenzende häßliche Wohnheim Sorby Hall, relativ kleine Zimmer mit eigenem
Waschbecken, hat zum Teil sogar Balkons und angeblich auch einen Architektenpreis gewonnen
(Kosten 2001/2002 pro Semester: 1.731,66 Pfund), nicht ganz so zentral gelegen, Broomhill, ca. 20
Minuten zu Fuß zur Union, 12 Minuten zum Law Department

Stephenson Hall - Die schönste Hall mit eigener Bar, in direkter Nachbarschaft zu den Wolfson Flats.
Die Zimmer sind recht klein. Das Essen soll ganz gut eßbar sein. (Kosten 2001/2002 pro Semester -
31 Wochen: 2.430,40 Pfund ohne eigenes Waschbecken), ca. 15 Minuten zu Fuß zur Union, 12
Minuten zum Law Department

Ansonsten sollen die Crewe Flats noch sehr nett sein, aber das ist ein Blindzitat, denn ich war nie drin.
Im übrigen ist es eigentlich egal, wo man wohnt, denn ohne umfangreichen Fußmarsch kommt man
sowieso nicht aus, egal ob zur Union oder zum Supermarkt.
Ganz besonders die Earnshaw Hall liegt sehr weit ab vom Schuß und ich als Mädel fand den Weg zur
Sorby Hall und Ranmoor House nachts ganz schön dunkel (Endcliffe Vale Flats eigentlich auch, denn
die liegen gleich dahinter). Man sollte aber nicht vergessen, daß man in den WG's immer Leute sind,
die nachts auch unterwegs sind und mit denen man gemeinsam gehen kann.

3. Ankunft
a) Anreise
aa) Manchester Airport
Am besten nach Manchester Airport fliegen, von dort aus gehen sowohl Zug (www.thetrainline.co.uk)
als auch Busverbindungen (www.gobycoach.com) direkt zum Sheffield Interchange. Man sollte
nämlich nicht vergessen, daß man ziemlich viel Gepäck beim Hinflug hat und da eine
unproblematische Anreise im Vordergrund stehen sollte. Es besteht ja außerdem noch die Möglichkeit
an Meet & Greet teilzunehmen, dann ist es völlig unkompliziert. Wenn man statt von Berlin Tegel von
Hamburg fliegt, spart man meistens und als Student sowieso. British Airways Gepäckgrenzen lagen
bei 21 Kilo zzgl. 6 Kilo Handgepäck. Zeitig buchen, dann gibts auch noch billigere Flüge
(www.statravel.de)

TIP: Kein Übergepäck zahlen lieber per DPD nachschicken lassen, mit dem Handgepäck schummeln
oder beten, daß man einen gnädigen Mitarbeiter beim Einchecken erwischt.

bb) Sheffield Airport
Sheffield hat auch einen Flughafen, man kann aber nur mit British Airways über Belfast oder mit Aer
Arann über Dublin fliegen. Wie man von dort aus weiter kommt, weiß ich leider nicht.

cc) Flugzeug London Stansted, Heathrow
Nach London kann man natürlich auch billig fliegen, vor allem mit Ryan Air von Lübeck und Frankfurt
a.M./Hahn (10 Kilo Reisegepäck zzgl. Handgepäck), Buzz oder anderen Billigfluglinien. Die fliegen
aber, soweit ich weiß, nur London Stansted an. Von den Flughäfen Londons verkehren mehrmals
täglich Busse von National Express nach Sheffield, das dauert mindestens 5 Stunden und man muß
umsteigen. Von London Victoria ist man ca. 4 Stunden nach Sheffield (Sheffield Interchange, nicht:
Meadowhall) mit dem Bus unterwegs.

TIP: Bus-Tickets im voraus buchen, weil die Sitzplätze reserviert und die Buslinien gut ausgelastet
sind. Es besteht die Möglichkeit, seine Tickets online zu buchen (www.gobycoach.com), per
Kreditkarte zu zahlen und sie sich zuschicken zu lassen bzw. sie sich bei Ankunft am Flughafen
abzuholen (Klappt!).

dd) Reisebus
Natürlich gibts auch die Möglichkeit, sich viele, viele Stunden in einen Bus zu setzen und nach
Sheffield zu kommen. Diese Strapaze haben auch so einige gemacht und man spart richtig Geld. Im
Reisebüro nachfragen oder mal bei www.google.de nach einem Busunternehmen auf die Suche
gehen.

ee) Auto
Außerdem kann man erwägen, mit dem Auto nach Sheffield zu fahren, weil man da ja unheimlich viel
Gepäck unter bekommt und keinen Gepäckgrenzen unterliegt. Dann also Fähre oder Tunnel. Sheffield
hat eine Autobahnanbindung (M1). Vorsicht Linksverkehr, aber damit kommen die meisten schnell
klar. Parkplätze vor der Unterkunft können meistens bei der Uni gemietet werden, tagsüber in der
Vorlesungszeit braucht man das Auto aber nicht, weil man eh keinen Parkplatz findet, nachts sieht's
schon besser aus. Allerdings sollte man vielleicht nicht so an seinem Auto hängen, es kann schon
passieren, daß es demoliert oder gar geklaut wird.

TIP: Man kann sich natürlich auch von einem Autobesitzer (verwandt, verschwägert, befreundet)
hinbringen lassen.

ff) In Sheffield
In Sheffield verkehren überall Taxis, die schwarzen Taxis warten am Bahnhof und am Busbahnhof
sowie vor der Union. Falls keins da steht, keins zum Ranwinken vorbei fährt oder man es nicht so eilig
hat: Mercury Cars: Tel. 2662662; Tel. Eagle Cars 2660066.

b) Procedere
aa) Orientation Week
Die "Orientation and Induction Week" findet normalerweise eine Woche vor der Woche statt, in der
man sich einschreiben muß (Intro Week). Im September 2001 war sie vom 17. bis 22. September.
Wenn man 85 Pfund für eine Woche (inklusive Unterkunft in einer Hall, Frühstück, Abendessen und
allen möglichen Aktivitäten) opfern kann und sich früh genug bewirbt, bekommt man einen guten
Einblick und lernt gleich ein paar neue Menschen kennen.
bb) Meet & Greet Scheme
Meet & Greet ist ein Service der Uni Sheffield, der nur während der Orientation Week angeboten wird.
Man wird willkommen geheißen und vom Flughafen Manchester (10 Pfund bei Ankunft am Flughafen)
oder Sheffield Airport mit dem Bus nach Sheffield zur Hall of Residence (Wohnheim) oder zum
Housing Service gefahren. Die Busse verkehren nur zwischen 8 Uhr morgens und 17 Uhr abends,
deswegen sollte man seine Ankunft möglichst in diese Zeit legen. Der Service ist teurer als mit dem
Coach (Busunternehmen) und billiger als mit dem Zug. Ich kann ihn empfehlen, weil man sich dann
bei Ankunft nicht so verloren vorkommt und man eine erste Orientierung erhält und erste Fragen
loswerden kann.
Allerdings sind während der Orientation Week auch Leute von der Uni an der Coach Station und am
Bahnhof (von 10:30 bis 18:30), um internationale Studenten mit dem Minibus zum Wohnheim, dem
Mappin Hall Reception Center oder dem Housing Service zu bringen.
cc) Intro Week
Die Intro Week ist sehr wichtig, weil in dieser Zeit alle Registrierungen, Informations- und
Einführungsveranstaltungen stattfinden. Die Informationen über die Termine sollte man sich noch zu
Hause sorgfältig aus den Broschüren rausschreiben, weil es keinen Terminplan gibt, wo alles an
einem Stück steht. So gibt es Veranstaltungen extra für Erasmus-Studenten, für Law-Studenten,
gesonderte Registrierung für ausländische Studenten an der Uni mit U-Card-Ausgabe, Registrierung
beim National Health Service (NHS) und Einführungs-Vorlesungen, in den auch die Skripten
ausgegeben wurden.
Man bekommt also unter anderem seine U-Card (Studentenausweis in Kreditkartenform), die sehr
wichtig ist, um abends in die Union zu gehen zu können, um Bücher in der Bibliothek auszuleihen,
verbilligt Eintrittskarten zu kaufen und andere Rabatte zu bekommen. Dazu sollte man ein in den
Bewerbungsunterlagen, die man mit den Broschüren bekommt, etwas verstecktes U-Card-Formular
ausfüllen und ein Bild mitschicken, um eine U-Card zu erhalten. Nachholbar ist das aber auch, dann
dauert es nur etwas länger und man muß Zeit mitbringen. Weiterhin wird auch die Kennung und
Paßwort für die zahlreichen Computerräume ausgegeben, was ja wichtig ist, um mit den Leuten
daheim Kontakt zu halten. Man sollte aber erst nach offizieller Freischaltung ins Internet gehen, sonst
ist man so traurig wie ich, daß man noch keine Post lesen kann.

Außerdem erhält man in der Intro Week den Schlüssel für seine Self-Catering-Flat (universitäre
Wohnungen für Selbstversorger) und kann sich für die kostenlosen Sprachkurse der Uni anmelden.
Die universitäre Unterkunft zahlt man per Scheck und somit muß man ein Konto bei einer englischen
Bank eröffnen. Dazu hat man bei den zahlreichen Infoständen aber genug Gelegenheit. Manchmal
gibt es sogar bei Eröffnung eines Accounts noch einen Bonus oben drauf. Ich habe kein Konto
eröffnet, weswegen ich mich dazu nicht weiter dazu äußern kann.

Eine polizeiliche Anmeldung ist für deutsche Studenten nicht notwendig.

4. Vor Ort
a) Finanzen
Im allgemeinen ist Großbritannien teurer als Deutschland. Der größte Budgetkiller ist natürlich die
Miete und danach kommt gleich das Ausgehen sowie das Essen. Alkohol ist sehr teurer, obwohl es in
der Students Union meistens preiswerter ist (ein Pint, also ca. 0,5l, kostet um die 3 Euro). Außerdem
zahlt man in den Clubs überall Eintritt (selten unter 3 Euro, meistens teurer), auch in den
Studentendiscos der Union. Mit Zigaretten (und Kondomen) bevorratet, ist übrigens ein wesentlicher
Kostenkiller schon weg von der Liste. Dann bleibt noch das Wäschewaschen.

Nicht zu vergessen, sind die vielen Vergünstigungen, die man bekommen kann, z.B. Discount für
Studenten im Kino, Gutscheinhefte, die zu Semesterbeginn ausgeteilt werden z.B. The Sheffield
Students Directory, Rabattkarten z.B. vom Pub "Varsity" oder dem riesigen Einkaufszentrum
Meadowhall, Clubkarte des Supermarktes Tesco oder der Drogerie Boots, Special Offers in den
Supermärkten (Buy one get one free etc.) und deshalb muß man gerade in den ersten Wochen des
Semesters alles sammeln, was man so in die Hand bekommt, vor allem zur Fresher's Fair gehen und
die Augen offen halten. Es gibt in der Union immer wieder Poster-, Buch- und Musikverkäufe, vor
allem zu Anfang des Semesters. Außerdem ist fast immer irgendwo Sale, kurz nach Weihnachten wird
übrigens fast überall reduziert, aber da sind die meisten Erasmus-Studenten ja zu Hause.
CD's sind viel teurer als in Deutschland (außer bei www.cdwow.co.uk) und Klamotten sind ebenfalls in
England viel teurer, auch wenn die Auswahl größer ist.

In Sheffield gibt es keine Mensa, man muß sich also selber was machen, also kochen lernen oder sich
sehr viel enger als gewöhnlich mit dem wabbligen Toastbrot anfreunden. Außerdem gibt es noch die
Möglichkeit in der Union zu essen, ob nun Nudeln im Café Interval oder Pommes genannt Chips bei
Bar One to go, ein wabbliges Sandwich von der Sandwichbar, oder mittags bei Loxley's Foodcourt, wo
es gut aber mit mind. 4,50 Euro etwas teuer ist. Das geht natürlich sehr ins Geld.

Die Anfangskosten sind natürlich enorm, weil man sich in unieigenen Unterkünften meistens alles
selbst kaufen oder mitbringen muß, z.B. Töpfe, Tassen, Besteck, Wanddeko (Am besten in den WG's
absprechen, wer was kauft). Außerdem geht sehr viel für die teuren Lehrbücher drauf, von denen man
versuchen kann, sie Second Hand zu kriegen, wenn man sich eher als alle anderen bemüht. Die
Bibliothek ist nämlich sehr karg ausgestattet, trotzdem muß man nicht jeder Bücherliste glauben
schenken und kommt oft auch zurecht, wenn man sich kein Buch zulegt sondern kopiert oder in der
Bibliothek liest. Im übrigen sind die Kosten für Sightseeing und Parties am Semesteranfang nicht zu
unterschätzen, also großzügig planen, mindestens 500 Euro für die Anfangszeit.
Die University of Sheffield empfiehlt ein monatliches Budget von ca. 850 Euro pro Monat, ohne Dinge
wie Telefon, Nightlife, Anreise und Sightseeing. Studiengebühren werden ja nicht für Erasmus-
Studenten fällig und sind in der veranschlagten Summe von 850 Euro auch nicht enthalten. Ansonsten
kommt es ja ganz auf den persönlichen Lebenstil an, wieviel Geld man benötigt. Für ausländische
Studenten gibt es auch dank der Zweisprachigkeit die Möglichkeit in Call-Centern zu arbeiten, andere
Jobs sind eher selten, weil die Konkurrenz groß ist.

b) Einkaufen
aa) Lebensmittel
Die meisten Studenten kaufen in Broomhill bei Somerfield ein, der ein mittelgroßes Angebot hat, nicht
ganz billig, aber dennoch recht preiswert ist und von allen Wohnunterkünften zu Fuß zu erreichen ist.
Um zum Tesco in der Eccleshall Road zu kommen, muß man durch den Botanischen Garten laufen,
dennoch ist der Weg ziemlich weit und am besten ist es, wenn man ein Auto hat. Pizza Hut ist gleich
daneben.
Hinter dem Arts Tower gibt es einen Late Shop und außerdem in der Crookes Road sowie einen Netto
in der Verlängerung der Barber Road (langer Fußmarsch). Übrigens gibt es im Stadtzentrum am Ende
der Division Street einen 24-Hour-SPAR, der klein aber nicht sehr teuer ist.

Ansonsten gibt es Supermärkte wie Safeways im Stadtzentrum und den riesigen, preiswerten
Morrissons (mit der Tram Blue Line Richtung Malin Bridge und Hillsborough aussteigen) und viele
kleine Shops, die auch außerhalb der normalen Ladenöffnungszeiten offen sind.

TIP: In der Durham Road, schräg gegenüber vom Computerzentrum, ist ein preiswerter Super-
Sandwich-Shop, der nur bis 14 Uhr offen hat. Scott's Pantry hat ausgezeichnete Sandwichs
(sogenannte Breadcakes), die nicht so wabbelig sind wie übliche Sandwichs und auch frisch nach
Kundenwünschen zubereitet werden.

bb) Sonstiges
Die meisten Läden und Banken öffnen 9 Uhr und schließen 17:30 Uhr, Marks & Spencer's und kleine
unabhängige Shops haben zum Beispiel oft länger auf und die Meadowhall, als angeblich größter
Einkaufskomplex Englands mit Kinos, Food Court, Bowlingbahn und vielen, vielen Shops und
Kaufhausketten, ist sogar meistens bis 22 Uhr geöffnet, allerdings kommt man dahin nur mit dem Bus
oder der Tram (Besser! 2 Pfund Dayrider-Ticket kaufen. Tram Green Line Richtung Meadowhall).

Sonntags dagegen haben vor allem in der Innenstadt auch viele Shops offen, meistens aber auch
bloß bis 16 Uhr. Das differiert jedoch sehr stark.
Auf jeden Fall sollte man erwägen, möglichst viel von seinem Bedarf im Union Shop zu decken, der
neben Snacks eben auch Dinge wie Zeitungen, Stifte, Blöcke, Postkarten führt.

c) Ausgehen
So gut wie alle Pubs schließen um 23 Uhr, dann werden alle noch vorhandenen Alkoholika auf den
Tischen weggeschüttet und die Gäste rausgeschmissen. Eigentlich hat jedes Pub Türsteher, mit
denen nicht unbedingt zu spaßen ist und wenn nur vor um 11. Etwas vor um 11 wird die Glocke zur
Last Order geläutet, aber dann muß man auch zügig trinken, weil man kurz nach 23 Uhr auch wirklich
draußen sein muß.
Es gibt ein paar wenige Late Bars, an denen dann aber auch angestanden wird. Beliebt ist das Forum
und auch eine andere Bar in der gleichen Straße (Division Street). Da fällt dann aber auch gegen 2
Uhr morgens der Hammer. So sieht es auch mit den kommerziellen Partys und Discos aus, um 2 Uhr,
spätestens aber um 3 Uhr morgens ist dort Schluß.

Trotzdem ist das Nightlife in Sheffield rege, denn es gibt viele Pubs und eine gute Auswahl an Clubs,
die immer gerammelt voll sind. In der Union ist fast jede Nacht Disco angesagt, immer
unterschiedliche Themen, z.B. Donnerstags der "Fuzz Club", alternativ und Metal, Freitags "Love
Shack" - Charts oder Samstags "Pop Tarts" 70'er, 80'er Revival.
Es wird sehr viel gesoffen (getrunken wäre zu harmlos) und nicht selten sieht man mit Sägemehl
getarntes Erbrochenes und Schnapsleichen (die aber ohne Sägemehl) rumliegen.

Pubs sind einfach überall und da ist es Geschmackssache, wohin man geht. Beliebt sind unter
anderem das Fox & Duck in Broomhill, die Bar One in der Union und die Pubs in der West Street.
Möglichst niemals zum Essen ausgehen, erst recht nicht Abendessen, denn das ist unheimlich teuer.
Das Casablanca in der Division Street ist aber sehr nett und hat eine gute Küche. Wer nachts noch
Hunger hat, kann sich an den vielen Imbissen unter anderem eine Tüte Chips (Pommes!!!) holen,
verbreitet sind die Chips übrigens auch mit Essig, die Crisps (= Chips) übrigens auch. Die Broomhill
Friery macht übrigens ziemlich gute Pommes und hat auch einen Auszeichnung bekommen (Die
Engländer vergeben ja sogar Auszeichnungen für das Beste Klo).

d) Telefonieren
Am besten ist es, sich anrufen zu lassen, weil es in UK keine Call-by-Call-Anbieter gibt und
Auslandsgespräche vergleichsweise teuer sind. Stattdessen kann man überall, so auch im Union
Shop, eine Prepaid-Karte eines Anbieters kaufen und unter einer kostenlosen Zugangsnummer sein
Guthaben abtelefonieren. Das ist immer noch viel billiger als über die British Telecom. Es wird
übrigens eine höhere Gebühr abgezogen, wenn man von einer Telefonzelle telefoniert.
Man kann natürlich auch sein deutsches Handy mitnehmen und Roaming nutzen oder in England ein
Pay-as-you-go-Telefon kaufen. Das lohnt sich aber nur, wenn man für zwei Semester bleibt.

e) Internet/Computer
Es gibt zahlreiche Computerräume der Uni, z.B. in "The Source" der Union sowie gleich hinter dem
Octagon-Center hat man Zugang zu einem großen Computerraum. Außerdem hat jedes Department
eigene PC-Pools, eine Liste hängt meistens in den PC-Räumen aus. Interessant ist außerdem das
(natürlich kostenlose) 24-Hour-Computer-Access-Center in der Mappin Hall.

Sofern man ein dementsprechendes Kabel hat, gibt es auch die Möglichkeit seinen Laptop in den
Computerräumen ans Netz anzuschließen und außerdem kann man von seiner Unterkunft aus
ebenfalls ins Netz gehen.

Im übrigen stehen überall Drucker bereit, für die man jedoch eigenes Papier mitbringen muß und es
ist möglich, seine Arbeiten im Computerzentrum hinter dem Octagon Centre auszudrucken und pro
Seite zu bezahlen.

TIP: Immer in die Mailbox Deines Uni-Accounts gucken, oftmals finden sich dort sehr wichtige
Informationen (Ausfall von Vorlesungen, Infos über Abgabetermine, fehlende Unterlagen), da nahezu
die gesamte Korrespondenz mit der Uni über E-Mail läuft.

f) Taxi
Manche Clubs liegen etwas weiter weg vom Campus, so daß viele der leichtbekleideten Studentinnen
mit dem Taxi fahren, weil der Fußmarsch einfach zu lang wäre. Aber möglichst nicht allein mit den
schwarzen, offiziellen Taxis fahren, weil die etwas teurer sind als die der vielen privaten
Taxiunternehmen, die auch Taxameter haben.
Mit etwas mehr Leuten lohnen sich die schwarzen Taxis, weil gut 5 Leute reinpassen.
Ansonsten: Mercury Cars: Tel. 2662662; Tel. Eagle Cars 2660066. Oder eins der vielen anderen
Taxiunternehmen.

5. Die Uni
Sheffield hat zwei Universitäten, Hallam University und University of Sheffield, was diese alte
Industriestadt, erbaut auf sieben Bergen, natürlich wahnsinnig belebt.
Der "Campus" der Uni Sheffield liegt 20 Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum entfernt. Dort findet man
die Hauptgebäude, also die Union, die das absolute Zentrum bildet, das rote Hauptgebäude Firth
Court mit einem 24-Stunden-Portier, der einem auch mal nachts kostenlos ein Taxi ruft und sonst
auch immer hilfsbereit ist, sowie Arts Tower mit Paternoster, Hicks Building und Octagon Centre. Es
handelt sich meistens nicht um altehrwürdige Gebäude sondern um unschöne Bauten im
funktionsorientierten Stil der 70'er. Departments sind relativ verstreut und man findet eigentlich überall
ein Gebäude, das zur Uni gehört. Das Law Department ist beispielsweise 12 Minuten Fußmarsch
bergauf von der Union entfernt.

6. Das Studium
Auch wenn nicht alles so positiv klingt, sollte das niemanden abschrecken, bessere Erfahrungen zu
machen und seinen Horizont selbst zu erweitern. Selbst wenn ich mit dem Studium des englischen
Rechts nicht so zufrieden war, hat es mein Denken doch bereichert und mir den Vergleich
unterschiedlicher Kulturen erleichtert.
a) Allgemeines
Das Lehrangebot ist umfangreich und für Erasmusstudenten frei wählbar, solange man sich an die
Vorgabe der 60 ECTS-Punkte hält. Das entspricht ca. 3 Vorlesungen. Allerdings werden einige
Vorlesungen nur im Zwei-Semester-Takt angeboten.

Was Vorlesungen für Erstsemester betraf, schien mir der Standard niedriger als in Deutschland. Bei
Anwesenheit in den Vorlesungen und Seminaren UND der Prüfung dürfte das Bestehen der
schriftlichen Prüfung kein Problem sein. So durften wir für ein Fach sogar eine sogenannte "Seen
essay question" bearbeiten, d.h. wir haben die identische Frage vorher ausgearbeitet und dann nur
noch in der Klausur aus dem Kopf heruntergeschrieben. Hinzu kam in dieser Prüfung aber auch noch
ein "Unseen-Teil". Multiple Choice Tests sind ebenfalls an der Tagesordnung. Oftmals hat man für die
Seminare schon ähnliche Fragen vorbereitet, so daß die Aufgaben nicht völlig fremd sind.

Den Vorlesungen für die Erstsemester ist einfach zu folgen und auch sonst ist das angebotene
Skriptmaterial und die Einbeziehung von Technik vorbildlich (Slide Show, fehlende
Vorlesungsmaterialien per E-Mail oder Download).
Außerdem ist es üblich während des Semesters pro Fach mindestens einen Aufsatz über eine
Fragestellung zu schreiben. In Law wurde dieser Aufsatz zwar nicht bewertet, war jedoch Pflicht.
Daher ist es nützlich, einen Computer mitzuhaben.

Die Professoren sprechen größtenteils deutlich, drücken sich verständlich aus und lassen sich mit
Vornamen ansprechen. In den Seminaren, die übrigens das gleiche wie "Tutorials" sind, kann es aber
in Hinblick auf die Sprache schon anders aussehen, da dort englische Studenten von überall her
zusammengewürfelt werden, die nicht gerade reines Cambridge Englisch sprechen.

Viele deutsche Jurastudenten zeigten sich enttäuscht vom Standard des Lehrangebots, was aber mit
Sicherheit auch an den großen Unterschieden vom englischen Case-Law zu deutschem Recht liegt.
Auch andere Studenten aus anderen Fachbereichen z.B. Bauingenieurwesen, waren frustriert über
die Lehrmethoden. So wurden Sachverhalte nicht im Gefüge dargestellt, sondern losgelöst und sich
bietende weitere Fragen ignoriert oder nicht weiter beachtet. Meiner Ansicht nach ist das Angebot für
Studenten der Linguistik und der englischen Sprache aber sehr groß und es bieten sich vielfältige
Möglichkeiten.

So kann man einen Tandem-Kurs beim Modern Language Teaching Centre belegen, also
Konversation mit einem Engländer betreiben, der wiederum Deutsch lernt (Man kann das auch auf
Credits machen und muß dann eine Prüfung ablegen, ansonsten ist es aber freiwillig und vor allem
interessant).

Es gibt kostenlose Englischkurse des English Language Teaching Centre, die Kurse allgemeiner Art
wie z.B. "Academic Writing" oder "Oral Skills" angeboten haben und auch fachspezifische wie English
for Law. Man darf zwei allgemeine Kurse belegen und hat dann einmal pro Woche 2 Stunden pro
Fach Unterricht, "English for Law" war also in meinem Fall der zusätzliche dritte Kurs. Allerdings
fanden die meisten Studenten die Kurse zu einfach und der vermittelte Standard hat von dem
tatsächlich Verlangten sehr abgewichen.
Außerdem bekommt man einen persönlichen Tutor zugewiesen, es handelt sich dabei um jemanden
aus dem Lehrpersonal und war in meinem Fall Head of the Department. Der war natürlich immer sehr
beschäftigt, hat sich aber immer Zeit genommen, wenn man persönlich in seiner Sprechstunde dort
aufgekreuzt ist.
Weiterhin gibt es die Idee des Mentors, hierbei handelt es sich um einen Studenten der eigenen
Fachrichtung, der einem ausländischen Studenten bei seinen Problemen helfen soll. Ich habe zwar
einen Mentor zugeteilt bekommen, dieser ist aber genauso wie viele anderen der englischen
Studenten beim Treffen der Mentoren nicht erschienen. Auf eine Mail hatte er nicht reagiert und hat
sich dann drei Wochen vor den Prüfungen erstmals gemeldet und mich gefragt, wobei er mir denn
(jetzt noch) helfen könne. Er sei ja so beschäftigt gewesen. Auf die versprochenen Mitschriften warte
ich heute noch. Solche oder ähnliche Erfahrungen haben auch andere gemacht, obwohl ich nicht
denke, daß man die gleiche Einstellung zu Hilfsbereitschaft, die nur pro forma existiert, allen Mentoren
zuschreiben kann.

b) englisches Recht
Im englischen Recht gibt es eine andere Zitierweise als im deutschen Recht. Mir schien, als ob das
Erlernen dieser Zitierweise viel ernster genommen wurde, als die Vermittlung des eigentlichen Stoffes.
So gibt es die Möglichkeit für 20 ECTS-Punkte einen Kurs mit Vorlesungen und Seminaren zu
machen, wie man juristische Quellen findet und richtig zitiert sowie Computer zur Recherche benutzt,
wo zum Teil das Rad erklärt wurde. Dieser Kurs ist für alle englischen Studenten im ersten Semester
Pflicht.

Der Jurabibliothek fehlt eine klare Struktur, Bücher werden ausgeliehen, obwohl nur wenige
Exemplare für mehr als hundert Studenten vorhanden sind und kein Belegexemplar zurückbleibt. Die
wenigen vorhandenen Büchern verteilen sich auf die vielen Tische, an denen die Studenten arbeiten,
die sich die oftmals sehr teuren Lehrbücher nicht leisten können. Desöfteren sucht man bestimmte
Bücher vergebens, vor allem vor Seminaren, wo für alle Studenten eines Fachs die gleichen,
umfangreichen Leselisten ausgegeben werden. Es wird auch erwartet, daß man die entsprechenden
Kapitel gelesen hat. Die Bücher werden nicht immer an den richtigen Standort zurückgebracht, aber
das scheint ja ein allgemeines Problem der Spezies Student zu sein.

Sowieso scheint man jedenfalls im englischen Recht viel Wert auf pures, stumpfes Auswendiglernen
zu legen. Gesetze, obwohl vorhanden, werden kaum genutzt, alles wird mehr oder weniger
freischwebend erklärt und anhand von Case-Law belegt. So muß man viele Fälle auswendig können,
inklusive Namen, Leitidee. und möglichst noch mit Hergang. Sich die Fälle zu besorgen, nimmt viel
Zeit in Anspruch, man kann aber auch eine der vielen umfangreichen, kostenlos bereitgestellten
Datenbanken für Urteile im Volltext im Internet benutzen, was sehr nachahmenswert ist.

Die Fallbesprechungen in den Seminaren kamen nicht immer zu einem Ergebnis, weil angeblich viel
Wert auf eigenes Denken gelegt wird und Seminare doch nur dazu da seien, zu diskutieren und
sozusagen seinen Horizont zu erweitern. Man wolle niemandem eine Lösung vorschreiben und so
bleibt der Bewertungsmaßstab und der erwartete Standard bis zum ersten geschriebenen Essay im
Geheimen. Ich fand, daß es oft an einem roten Faden mangelte, die Struktur in den Fallösungen fehlte
und Argumente lose in den Raum geworfen wurden. Außerdem ist die eigentliche Fallbesprechung oft
zu kurz gekommen, weil Seminarleiter (=Tutor des Seminars) vom Thema losgelöste Ausführungen
machten und vom roten Faden völlig abkamen. Nach den Seminaren war nie Zeit für meine Fragen,
weil die Tutoren dann sofort weg waren und die Fälle blieben unbesprochen oder ungelöst.
Im Gespräch mit meinem persönlichen Tutor habe ich mir dann erklären lassen, daß die Seminarleiter
auch keine Vorschriften über Musterlösungen bekämen und man den Studenten nichts in den Mund
legen wolle. Außerdem habe er auch erst im dritten Jahr verstanden, worum es bei Law überhaupt
ginge. Im Prinzip lief es bei mir dann darauf hinaus, daß ich frustriert die Seminare abgesessen und
die Lust verloren habe. Ich habe mich mit Case-Law bekannt gemacht, denn der Sinn meines
Aufenthaltes war, einen Einblick in das englische Case-Law zu erhalten. Die historischen
Hintergründe, warum England dieses Rechtssystem hat und aus welchem Grund sie davon nicht
abrücken werden und können, habe ich nachvollziehen können. Mir hat aber die Art und Weise des
englischen Lehrbetriebs nicht gefallen, obwohl die soziale Komponente sehr beispielhaft ist mit dem
System der Betreuung durch persönliche Tutoren, Societies, Seelsorge und der bewundernswerten
Institution der Union of Students.

7. Das Private
In Sheffield habe ich viele nette Menschen unterschiedlicher Kulturen kennengelernt, was auch auf
Dauer nicht schwer fällt, ob auf den Wohnheim-Partys von Erasmus-Studenten, in den Sprachkursen
oder an der Uni. Die Erasmusstudenten finden sich magischerweise zusammen, während englische
Studenten eher selten in den Reihen der ausländischen Studenten zu finden sind oder umgekehrt.
Deshalb ist das Tandem-Projekt und auch das Globe Café (Treffen von ausländischen Studenten mit
Engländern) eine schöne Bereicherung.

Noch habe ich mit vielen meiner dort gewonnenen Freunde Kontakt und bin wirklich froh, auch andere
Ansichten und Lebensweisen kennengelernt zu haben. Im direkten Kontakt merkt man ja eigentlich
erst mal, daß wir zwar verschieden aber doch alle irgendwie ähnlich sind. Profitiert habe ich auch
davon, daß ich mit echten Engländern zusammengewohnt habe, die mich freundlich aufgenommen
haben und so den englischen Way of Life hautnah mitbekam.

Alles in allem hatte ich eine schöne Zeit und war viel unterwegs und habe viel Neues gesehen.

8. Allerlei
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