Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie - PricewaterhouseCoopers. Die Vorausdenker.
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PricewaterhouseCoopers. Die Vorausdenker.
Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit?
Die Auswirkungen auf Handel und
Konsumgüterindustrie
Pwcpwc Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie Herausgegeben von PricewaterhouseCoopers AG WPG Von Gerd Bovensiepen, Denitza Hadjinikolova, Dr. Stephanie Rumpff, Dr. Christian Wulff Unter Mitarbeit von Sebastian Schaubeck
Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie Herausgegeben von PricewaterhouseCoopers AG, Frankfurt am Main Von Gerd Bovensiepen, Denitza Hadjinikolova, Dr. Stephanie Rumpff, Dr. Christian Wulff Unter Mitarbeit von Sebastian Schaubeck Juli 2008, 40 Seiten, 4 Abbildungen, Softcover © 2008 PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigungen, Mikroverfilmung, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Medien sind ohne Zustimmung des Verlags nicht gestattet. PricewaterhouseCoopers bezeichnet die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und die anderen selbstständigen und rechtlich unabhängigen Mitgliedsfirmen der PricewaterhouseCoopers International Limited. Printed in Germany PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist in Deutschland mit 8.390 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen von 1,35 Milliarden Euro eine der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften. An 28 Standorten arbeiten Experten für nationale und internationale Mandanten jeder Größe. PricewaterhouseCoopers bietet Dienstleistungen an in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen (Assurance), Steuerberatung (Tax) sowie in den Bereichen Transaktions-, Prozess- und Krisenberatung (Advisory).
Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Executive Summary
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie
Executive Summary
Ziel der Studie
Die vorliegende Studie hat zum Ziel, die Auswirkungen des Klimawandels auf Handels-
und Konsumgüterunternehmen systematisch zu untersuchen und die wesentlichen
klimabedingten Chancen und Risiken für diese Branchen zu ermitteln. Die Untersuchung
basiert auf Interviews mit Führungskräften aus Unternehmen, die in wichtigen Sub-
sektoren dieser Branchen eine marktführende Stellung in Deutschland haben. Wir haben
die Ergebnisse der Befragungen analytisch aufbereitet und mit Erkenntnissen aus unserer
Beratungspraxis verknüpft.
Der Klimawandel birgt für Handel und Konsumgüterindustrie zahlreiche Risiken entlang
der gesamten Wertschöpfungskette
Die Unternehmen sind sowohl direkt als auch indirekt vom Klimawandel betroffen. Die
direkten Auswirkungen ergeben sich aus der Änderung der klimatischen Bedingungen und
betreffen Beschaffung, Produktion und Absatz gleichermaßen:
● Extreme Wetterereignisse wie Orkane oder Überschwemmungen können zu
Beeinträchtigungen der Rohstoffverfügbarkeit, Produktionsstörungen bzw. -ausfällen
und Transportverzögerungen führen.
● Bei zunehmenden Wetterschwankungen wird die Nachfrage nach wetter- und
saisonabhängiger Ware – von Speiseeis bis zu Wintersportartikeln – volatiler.
Indirekt wirkt sich der Klimawandel im Wesentlichen über drei Effekte aus:
● Zunahme und Verschärfung der klimabezogenen Regulierung;
● Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise;
● Änderung im Nachfrageverhalten von Konsumenten hin zu Produkten, Unternehmen
oder Einkaufsstätten, die als klimafreundlich wahrgenommen werden.
Insbesondere börsennotierte Handels- und Konsumgüterunternehmen werden über kurz
oder lang nicht umhin können, sich mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen und
relevante Informationen wie ihren CO2-Ausstoß offenzulegen. Es ist vorstellbar, dass
Klimaaspekte und -daten mittelfristig auch bei der Kreditvergabe an nicht börsennotierte
Unternehmen eine Rolle spielen werden.
Im Ergebnis führen die meisten der genannten Effekte zu steigenden Kosten, die nicht
selbstverständlich an die Konsumenten weitergegeben werden können. In den
Subsektoren, die ohnehin durch hohe Wettbewerbsintensität und niedrige Margen
gekennzeichnet sind, dürfte der Konsolidierungsdruck erheblich steigen.
Der Klimawandel eröffnet Handel und Konsumgüterindustrie aber auch neue Chancen
Der Klimawandel eröffnet Handels- und Konsumgüterunternehmen die Chance, ihre
Marktposition durch klimabewusste Produkt- und Dienstleistungsinnovationen zu
verbessern und sich dadurch zusätzliche Ertragspotenziale zu erschließen. Mit der
zunehmenden Sensibilisierung der Verbraucher für den Klimawandel dürfte die Nachfrage
nach klimaverträglichen Produkten weiter steigen. Voraussetzung dafür ist, dass ein
Maßstab für die Klimaverträglichkeit von Produkten bzw. für produktbezogene CO2-
Emissionen etabliert wird und die Verbraucher entsprechend informiert werden. Es ist
anzunehmen, dass klimaverträgliches Verhalten und Wirtschaften der Unternehmen von
der Öffentlichkeit, abgesehen vielleicht von einer Startphase, nicht als Unterscheidungs-
merkmal im Wettbewerb, sondern als ein absolutes Muss angesehen werden wird. Wer
nicht dabei ist, verliert den Anschluss und damit Marktanteile und Umsatz.
Gewinner und Verlierer des Klimawandels
Ausgehend von den erwarteten direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels
haben wir im Rahmen einer qualitativen Analyse die potenziellen Gewinner und Verlierer
unter den Subsektoren der Handels- und Konsumgüterbranche ermittelt. Zu den
3Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Executive Summary
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie
Gewinnern des Klimawandels zählen Unternehmen der Subbranchen Wasch- und
Reinigungsmittel sowie Elektro- und Elektronikgeräte, denen es gelingt, durch innovative
Angebote den Trend zum Kauf ressourcenschonender und energieeffizienter Produkte zu
nutzen. Auf der Verliererseite dürften hingegen in erster Linie Lebensmittel- und
Getränkehersteller stehen, die von wetter- und klimabedingter Ressourcenverknappung
und dem daraus resultierenden Anstieg von Rohstoffpreisen besonders stark betroffen
sind. Starke Marken werden sich dieser Entwicklung am ehesten entziehen können.
Handels- und Konsumgüterunternehmen ergreifen bereits klimabezogene Maßnahmen,
aber es fehlt vielen noch an einer Gesamtstrategie
In Rahmen unserer Unternehmensbefragung haben die Unternehmen die folgenden drei
Hauptmotive für klimabezogene Aktivitäten genannt:
● Kosteneffizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette, insbesondere Maßnahmen
zur Reduzierung der Energiekosten sowie der Logistik- und Transportkosten;
● Nachhaltigkeit als Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung, insbesondere Maß-
nahmen zur Reduzierung des „Carbon Footprint“ und zur Verbesserung der klima-
bezogenen Berichterstattung. Diese Maßnahmen stehen teilweise im Spannungs-
verhältnis zur Kosteneffizienz und können damit zu Zielkonflikten führen;
● Differenzierung im Wettbewerb, insbesondere durch Produkt- und Dienstleistungs-
innovationen.
Obwohl Umweltschutzmaßnahmen seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der gängigen
Unternehmenspraxis sind, scheinen die Unternehmen im Hinblick auf Wetterrisiken und
Klimawandel bislang nur mit Einzelmaßnahmen zu experimentieren. Eine konsistente
klima- und wetterbezogene Gesamtstrategie ist bei der Mehrzahl der Unternehmen nicht
ersichtlich.
Handels- und Konsumgüterunternehmen können und müssen handeln
Die direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels können nicht mehr ignoriert
werden. Handels- und Konsumgüterunternehmen sollten diese Auswirkungen bereits
heute in ihrer Gesamtstrategie berücksichtigen und ihr Geschäftsmodell entsprechend auf
den Prüfstand stellen. Der eigene Wettbewerbsvorteil und das Risiko des eigenen
Produktportfolios müssen in Bezug auf den Klimawandel überprüft und gegebenenfalls
angepasst werden. Mithilfe von Innovationen, Akquisitionen oder Desinvestitionen kann
die eigene Wettbewerbsposition gestärkt werden.
Die zunehmende Volatilität der Nachfrage in einzelnen Bereichen erhöht zudem die
Notwendigkeit, die Prozesse in den Unternehmen effizienter und effektiver zu planen und
die Produktion flexibler zu gestalten. Unternehmen in wetterabhängigen Branchen-
segmenten sollten verstärkt Wetterdaten analysieren und diese in ihren Produktions-,
Absatz- und Business-Plänen berücksichtigen. Daneben wird das Kommunizieren des
„Carbon Footprint“ des Unternehmens bzw. der Produkte sowohl gegenüber dem
Verbraucher als auch gegenüber dem Kapitalmarkt künftig immer mehr an Bedeutung
gewinnen. Handels- und Konsumgüterunternehmen müssen daher in der Lage sein,
zuverlässig und lückenlos produkt- und unternehmensspezifische Klimadaten zu erheben,
aufzubereiten und nach außen zu kommunizieren.
4Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Inhaltsverzeichnis
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie
Inhaltsverzeichnis
Executive Summary ..............................................................................................................3
Abbildungsverzeichnis ..........................................................................................................6
Abkürzungsverzeichnis ......................................................................................................... 7
A Einleitung .......................................................................................................................... 9
B Klimawandel: Der aktuelle Stand der Forschung ........................................................... 11
C Der Einfluss des Klimawandels auf die Handels- und Konsumgüterbranche ................ 14
1 Systematisierung klimabezogener Einflussfaktoren ....................................................... 14
2 Branchenrelevante Auswirkungen des Klimawandels im Überblick ............................... 15
3 Gewinner und Verlierer des Klimawandels: Analyse ausgewählter Subsektoren .......... 18
D Klimabezogene Maßnahmen der Unternehmen in Handel und
Konsumgüterindustrie ......................................................................................................... 22
1 Kosteneffizienzgetriebene Maßnahmen ......................................................................... 22
1.1 Rohstoffkosten ............................................................................................................. 22
1.2 Energiekosten .............................................................................................................. 23
1.3 Logistik- und Transportkosten...................................................................................... 23
2 Nachhaltigkeitsgetriebene Maßnahmen ......................................................................... 24
2.1 Reduzierung des „Carbon Footprint“ ........................................................................... 24
2.2 Klimabezogene Berichterstattung ................................................................................ 26
2.3 Realisierung des monetären Wertes von CO2 ............................................................. 26
2.4 Kapitalmarktbezogene Maßnahmen ............................................................................ 26
3 Wettbewerbsgetriebene Maßnahmen............................................................................. 26
E Handlungsempfehlungen................................................................................................ 29
Literatur- und Quellenverzeichnis ....................................................................................... 30
Ansprechpartner.................................................................................................................. 34
5Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Abbildungsverzeichnis
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre (1794 – 2005)........................... 11
Abb. 2 Klimabezogene Einflussfaktoren im Überblick .................................................... 14
Abb. 3 Wichtige Gesetze zum Klimaschutz .................................................................... 16
Abb. 4 Gewinner und Verlierer des Klimawandels.......................................................... 20
6Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Abkürzungsverzeichnis
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie
Abkürzungsverzeichnis
Abk. Abkürzungstext
AG Aktiengesellschaft
bzw. beziehungsweise
C Celsius
ca. circa
CDP Carbon Disclosure Project
CO2 Kohlendioxid
EU Europäische Union
FKW Fluorkohlenwasserstoffe
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GRI Global Reporting Initiative
kWh Kilowattstunde
MWh Megawattstunde
Lkw Lastkraftwagen
Mio. Million
Mrd. Milliarde
ppm parts per million (Teile pro Million)
rd. rund
s. siehe
s. u. siehe unten
sog. so genannte
UN United Nations
US United States
u. U. unter Umständen
WWF World Wide Fund For Nature
z.B. zum Beispiel
7Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Abkürzungsverzeichnis
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie
8Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Einleitung
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie
A Einleitung
Motivation Der Klimawandel beschäftigt die Menschen weltweit. Nahezu täglich wird das Thema in
wissenschaftlichen Publikationen, Medien und Kongressen aufgegriffen. Handel und
Konsumgüterindustrie stehen wegen ihrer vergleichsweise geringen Energieintensität
bislang nicht im Mittelpunkt der Klimadiskussion. Aber auch diese Branchen sind durchaus
vom Klimawandel betroffen. Zum einen sind Rohstoffverfügbarkeit und Produktabsatz zum
Teil stark klima- und wetterabhängig. Zum anderen führt der klimabedingte Anstieg von
Energie- und Rohstoffkosten zu einem weiteren Margendruck in einer bereits jetzt
wettbewerbsintensiven Branche.
Ziele Diese Studie hat zum Ziel, die Auswirkungen des Klimawandels auf Handels- und
Konsumgüterunternehmen systematisch zu untersuchen und die wesentlichen
klimabedingten Chancen und Risiken für diese Branchen zu ermitteln. Die folgenden vier
Fragen stehen im Mittelpunkt der Untersuchung:
● Wie beeinflussen der Klimawandel und die Wetterrisiken den Umsatz und die Kosten
von Handels- und Konsumgüterunternehmen?
● Welche Konsequenzen ergeben sich für die Geschäftsmodelle der Handels- und
Konsumgüterunternehmen aus dem Klimawandel?
● Welche Subbranchen sind per saldo Gewinner bzw. Verlierer des Klimawandels?
● Wie müssen die Unternehmen in Handel und Konsumgüterindustrie agieren, um
einerseits negative Auswirkungen des Klimawandels auf ihren Unternehmenserfolg zu
begrenzen und andererseits die aus dem Klimawandel resultierenden Chancen zu
nutzen?
Die Studie soll sowohl den klimarelevanten Status quo der Handels- und
Konsumgüterunternehmen darstellen als auch zur Diskussion über strategisch notwendige
Veränderungen anregen.
Methodisches Vorgehen Basis der Studie sind Interviews mit Führungskräften aus den Bereichen Umwelt,
Sustainability und Corporate Responsibility ausgewählter, in Deutschland tätiger Handels-
und Konsumgüterunternehmen. Die Gesprächspartner repräsentieren verschiedene
Subsektoren der Handels- und Konsumgüterbranche. Alle teilnehmenden Unternehmen
sind Marktführer in ihrem jeweiligen Segment. Darüber hinaus wurden Vertreter von
Branchenverbänden und Behörden interviewt. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse der
Befragungen analytisch aufbereitet und mit Erkenntnissen aus unserer Beratungspraxis in
der Handels- und Konsumgüterbranche verknüpft.
Alle Gespräche wurden von Experten des Competence Center Retail & Consumer von
PricewaterhouseCoopers geführt. Die qualitative Erhebung schafft die Grundlage dafür,
Trends, Beweggründe und Maßnahmen der Branche detailliert zu beschreiben. Die Form
der Befragung gewährleistet ein bestmögliches und individuelles Eingehen auf die
thematischen Schwerpunkte der einzelnen Unternehmen und ermöglicht so, die
Klimathematik aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.
9Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Einleitung
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie
10Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Klimawandel: Der aktuelle Stand
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie der Forschung
B Klimawandel: Der aktuelle Stand der Forschung
Der aktuelle Bericht des UN-Weltklimarats lässt keinen Zweifel, dass sich das Klima
ändert: In den letzten 100 Jahren ist die globale Temperatur im Mittel um rd. 0,7°C
gestiegen. Elf der zwölf wärmsten Jahre seit Beginn der Beobachtungen lagen im
Zeitraum 1995 bis 2006. Der Anstieg der Meeresspiegel sowie das Abschmelzen der
Gletscher und Eiskappen haben sich infolgedessen beschleunigt. Ferner sind extreme
Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren und heftige Niederschläge häufiger geworden
und die Intensität tropischer Stürme hat sich erhöht.
Vom Menschen verursachte Es gilt inzwischen als gesicherte Erkenntnis, dass durch menschliche Aktivitäten erzeugte
Treibhausgasemissionen Treibhausgasemissionen in hohem Maße zu dieser Klimaänderung beigetragen haben.
tragen wesentlich zur Treibhausgase – hauptsächlich Kohlendioxid (CO2) und Methan – sorgen in ihrer
Erhöhung der weltweiten natürlichen Konzentration in der Atmosphäre dafür, dass auf der Erde eine durch-
Durchschnittstemperatur bei schnittliche Temperatur von 15°C herrscht und sich Leben entwickeln kann (sog.
natürlicher Treibhauseffekt). Seit Beginn der Industrialisierung ist die Treibhausgas-
konzentration jedoch stark angestiegen. Wichtigste Ursache dafür ist der Einsatz fossiler
Brennstoffe wie Öl, Kohle und Gas zur Energiegewinnung. Das dabei freigesetzte
Kohlendioxid macht rd. 72 % der weltweiten anthropogenen Treibhausgasemissionen aus.
400
CO2 Anteil in Atmosphäre
375
350
325
300
275
250
94
96
25
45
91
99
05
26
29
36
39
48
54
59
60
65
70
75
80
85
90
95
00
03
05
17
17
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18
18
18
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19
19
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19
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19
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19
19
19
20
20
20
Quelle: Law Dome / Mauna Loa Observatory
Abb. 1 Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre (1794 – 2005)
Erwartet werden Abhängig vom Niveau künftiger Treibhausgasemissionen erwarten Klimaforscher, dass
gravierende ökologische die weltweite Durchschnittstemperatur in diesem Jahrhundert um einen Wert zwischen
und ökonomische 1,1°C und 6,4°C zunehmen wird. Des Weiteren ist mit einem höheren Risiko extremer
Auswirkungen lokaler Wetterereignisse (wie z.B. Hitzeperioden, Wirbelstürme und sintflutartige
Regenfälle) mit entsprechend negativen Folgen wie Sturmschäden an Gebäuden und
Infrastruktur, Ernteausfällen und häufigeren Waldbränden zu rechnen. Ferner halten
Wissenschaftler bei einem weiteren Temperaturanstieg die Artenvielfalt auf der Erde für
bedroht.
Die Auswirkungen der Klimaänderung sollen je nach Region unterschiedlich ausfallen.
Besonders betroffen sind nach aktuellen Forschungsergebnissen die am Äquator
gelegenen Länder. Für Deutschland lassen Klimaprognosen des Umweltbundesamtes bis
zum Jahr 2100 einen Anstieg der durchschnittlichen Temperatur um etwa 2°C gegenüber
dem Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990 erwarten. Weniger Frosttagen stehen nach
dieser Simulation immer mehr Sommertage gegenüber. Die Niederschläge sollen im
Sommer um durchschnittlich rd. 20 % sinken und in den Wintermonaten um 20 bis 30 %
steigen. Schnee im Winter soll seltener werden, während im Sommer Starkregen
wahrscheinlicher sind.
Der Klimawandel ist mit gravierenden volkswirtschaftlichen Kosten verbunden.
Expertenschätzungen zufolge belaufen sich die Schäden für die Weltwirtschaft bis 2050
auf 30 bis 40 Billionen Euro. Allein für Deutschland werden diese vom Deutschen Institut
11Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Klimawandel: Der aktuelle Stand
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie der Forschung
für Wirtschaftsforschung auf bis zu 800 Mrd. Euro in den nächsten 50 Jahren beziffert.
Davon entfallen ca. 330 Mrd. Euro auf direkte Schäden wie Ernteausfälle. Hinzu kommen
ca. 170 Mrd. Euro für die Anpassung an die veränderten Klimabedingungen. Steigende
Energiepreise belasten die Volkswirtschaft zusätzlich mit rd. 300 Mrd. Euro.
Beim Klimaschutz kommt In Wissenschaft und Politik besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass zur Vermeidung
dem Unternehmenssektor bzw. Abmilderung der prognostizierten Folgen der Klimaänderung der Treibhausgas- und
als einem der größten vor allem der Kohlendioxidausstoß deutlich gesenkt werden muss. Den Unternehmen, die
Kohlendioxidemittenten eine für mehr als zwei Drittel der Kohlendioxidemissionen in Deutschland verantwortlich sind,
besondere Bedeutung zu kommt dabei eine bedeutende Rolle zu. Die Bedrohung von Klima und Umwelt durch den
Menschen sowie die Reaktion der Politik auf den Klimawandel werden die
Rahmenbedingungen wirtschaftlichen Handelns nachhaltig verändern. Um den daraus
resultierenden Risiken adäquat zu begegnen sowie sich mögliche damit einhergehende
Chancen zu erschließen, müssen sich die Unternehmen mit den Ursachen und
potenziellen Folgen der Klimaänderung für ihre Branche sowie ihr Geschäftsmodell
auseinandersetzen.
12Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Klimawandel: Der aktuelle Stand
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie der Forschung
13Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Der Einfluss des Klimawandels auf
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie die Handels- und
Konsumgüterbranche
C Der Einfluss des Klimawandels auf die Handels- und
Konsumgüterbranche
1 Systematisierung klimabezogener Einflussfaktoren
Der Klimawandel Die Unternehmen werden zum einen direkt von den sich ändernden klimatischen
beeinflusst die Bedingungen beeinflusst. So können extreme Wetterereignisse wie Orkane oder
Unternehmen direkt und Überschwemmungen Schäden an Gebäuden und Infrastruktur verursachen und zu
indirekt Produktionsstörungen bzw. -ausfällen führen. Zudem sind mittel- und langfristig in
Deutschland Nachfrageverschiebungen bei saisonabhängigen Produkten und
Dienstleistungen möglich. Beispielsweise ist mit einem Rückgang des Wintertourismus zu
rechnen, während der Sommertourismus an der Nord- und Ostsee an Bedeutung
gewinnen könnte. Zu den indirekten Einflussfaktoren zählen im Wesentlichen die
klimabezogene Regulierung, der die Unternehmen und ihre Stakeholder unterliegen,
klimabedingte Angebots-, Nachfrage- und daraus resultierende Preisänderungen auf den
Rohstoffmärkten sowie die Reaktionen von Kunden und Wettbewerbern auf den
Klimawandel.
Direkte Einflussfaktoren: Indirekte Einflussfaktoren:
Klima- und Wetteränderung Veränderte Anforderungen von
Stakeholdern und
Wettbewerbern
Wettbewerb
Unternehmen
Assets
Zulieferer Organisation Kunden
Prozesse
Kapitalmarkt
Abb. 2 Klimabezogene Einflussfaktoren im Überblick
Die Auswirkungen sind Die Auswirkungen des Klimawandels fallen je nach Branche unterschiedlich aus.
branchenabhängig Maßgeblich dafür sind neben der direkten Wetter- und Klimaabhängigkeit der
branchenspezifischen Rohstoffe und Produkte insbesondere auch die Energieintensität
der Branche sowie der Einfluss staatlicher Klimaschutzmaßnahmen. Des Weiteren spielen
die Wettbewerbssituation sowie die Möglichkeit der Unternehmen, Kostensteigerungen an
ihre Kunden weiterzugeben, eine Rolle.
14Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Der Einfluss des Klimawandels auf
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie die Handels- und
Konsumgüterbranche
2 Branchenrelevante Auswirkungen des Klimawandels
im Überblick
Schwieriges Marktumfeld In Deutschland agieren Handels- und Konsumgüterunternehmen in einem schwierigen
für Handels- und Marktumfeld. Trotz konjunkturellen Aufschwungs stagniert das durchschnittliche Pro-Kopf-
Konsumgüterbranche Einkommen. Die Einkommensspreizung nimmt zu. Der Anteil der einzelhandelsrelevanten
Nachfrage an den Gesamtausgaben der Verbraucher ist seit Jahren rückläufig. Bei
Einkaufsentscheidungen spielt der Preis in allen Einkommensgruppen eine zentrale Rolle.
Die schwierigen Marktbedingungen und ein Überangebot an Verkaufsfläche haben zu
einer hohen Konzentration im deutschen Einzelhandel geführt. Die Verhandlungsmacht
des Handels gegenüber der nach wie vor relativ stark fragmentierten Industrie ist deutlich
gestiegen. Verlierer dieser Entwicklung sind insbesondere Hersteller schwächerer Marken,
die sich nicht in ausreichendem Maße vom Wettbewerb abheben können. Dies spiegelt
sich in einem zunehmenden Anteil von Handelsmarken am Einzelhandelsumsatz wider.
Premiummarken konnten im Vergleich zu den Handelsmarken ihren Umsatzanteil nur in
einem wesentlich geringeren Umfang erhöhen.
Um sich dem Preiswettbewerb zu entziehen, spielen Differenzierungsstrategien eine
wichtige Rolle. Derzeit bieten insbesondere die Themen Biolebensmittel und Nach-
haltigkeit Abgrenzungspotenzial.
Die Handels- und Konsumgüterbranche ist sehr heterogen: das Produktspektrum reicht
von Lebensmitteln bis hin zu Sportartikeln. Es existiert eine Vielzahl von Vertriebskanälen
und -formaten.
Nachfolgend werden zunächst die Auswirkungen des Klimawandels, die weitgehend für
die Gesamtbranche relevant sind, dargestellt. Im anschließenden Abschnitt 3 wird auf die
klimabedingten Chancen und Risiken ausgewählter Subsektoren eingegangen.
Intensivierung der Seit 1999 wurde in Deutschland eine Reihe von Gesetzen erlassen, die primär auf den
branchenrelevanten Klimaschutz abzielen (s. nachfolgende Abbildung 3). Diese sollen vorrangig durch die
Klimaschutzregulierung zu Verteuerung von Kraft- und Heizstoffen sowie Strom und CO2-Emissionen den Energie-
erwarten verbrauch von Privathaushalten und Unternehmen senken.
Handels- und Konsumgüterunternehmen sind insgesamt weniger energieintensiv als
andere Branchen – z.B. die Energiewirtschaft, die Auto-, Stahl- und Papierindustrie. Auch
sind sie größtenteils vom EU-Emissionshandel ausgenommen. Auf Grund der hohen
Wettbewerbsintensität der Branche können sie jedoch die aus der Regulierung
resultierenden höheren Energiepreise nur begrenzt an die Verbraucher weitergeben. Der
Druck auf die ohnehin knappen Margen der Branche nimmt daher tendenziell zu.
Es ist davon auszugehen, dass die staatlichen Klimaschutzmaßnahmen intensiviert
werden. Mittelfristig werden voraussichtlich die Handels- und Konsumgüterunternehmen in
den CO2-Emissionshandel einbezogen.
Die steigenden Energiepreise dürften die Nachfrage nach energieeffizienten Konsum-
gütern erhöhen. Zugleich können auch Handels- und Konsumgüterunternehmen von der
staatlichen Förderung erneuerbarer Energien profitieren, so z.B. Lebensmittelhersteller,
die ihre Produktionsabfälle als Biomasse verwerten können.
15Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Der Einfluss des Klimawandels auf
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie die Handels- und
Konsumgüterbranche
Gesetze Ziele und Inhalte der Gesetze
Ökologische Steuerreform 1999 wurde das erste von drei Gesetzen der ökologischen Steuerreform
(„Ökosteuer“) verabschiedet. Zum einen hat das Gesetz eine Stromsteuer eingeführt, von der
allerdings Strom aus regenerativen Energiequellen ausgenommen ist. Im
produzierenden Gewerbe und bei industriellen Großverbrauchern gilt ein
verminderter Steuersatz. Der Handel unterliegt dem vollen Regelsteuersatz
von 20,50 €/MWh. Zum anderen ist die Mineralölsteuer nach ökologischen
Gesichtspunkten gestaffelt und schrittweise um 3,07 (1999) bis 15,3 (2003)
Eurocent für einen Liter Kraftstoff angehoben worden. 2006 wurde die
Mineralölsteuer in Energiesteuer umbenannt.
Gesetz für die Erhaltung, Ziel dieses 2002 beschlossenen Gesetzes ist es, durch die Nutzung von Kraft-
die Modernisierung und Wärme-Kopplung (KWK) die Kohlendioxidemissionen bis 2010 um bis zu 23
den Ausbau der Kraft- Mio. Tonnen, mindestens aber um 20 Mio. Tonnen, zu vermindern (Basis:
Wärme-Kopplung (KWK- 1998). Um Investitionen in KWK-Anlagen zu fördern, erhalten die Betreiber für
Gesetz) jede in das öffentliche Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde (kWh) einen
Preiszuschlag. Die Höhe dieses Bonus ist nach dem Zustand und der Größe
der jeweiligen Anlage gestaffelt.
Außerdem fällt für Erdgas, Heizöl und Flüssiggas, das in KWK-Anlagen
(Jahresnutzungsgrad >70 %) eingesetzt wird, keine Energiesteuer an.
Gesetz für den Vorrang Im Jahr 2000 ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Kraft getreten.
Erneuerbarer Energien Ziel des Gesetzes ist die Verringerung der Abhängigkeit Deutschlands von
(EEG) fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas.
Das EEG setzt die Einspeisevergütungen für Strom aus erneuerbaren Energie-
quellen fest. 2008 erhalten Erzeuger z.B. für Strom aus Solaranlagen auf einer
freien Fläche gut 35 Eurocent pro kWh. Zu den erneuerbaren Energien
gehören u.a. Wasserkraft, Wind- und Solarenergie sowie Biomasse. Da die
Nutzung von erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung generell teurer ist
als die konventionelle Energieerzeugung, hat der Gesetzgeber die
Energieversorgungsunternehmen zur Abnahme des Stromes aus geförderten
EEG-Anlagen verpflichtet. Die entstehenden Mehrkosten werden durch die
EEG-Abgabe direkt vom Kunden getragen, welcher damit automatisch die
Förderung der Stromerzeugung aus regenerativen Energien unterstützt.
EU Emissionshandelsricht- Durch den CO2-Emissionshandel sollen die EU-weiten CO2-Emissionen bis
linie (2003/87/EG) und 2020 um 30 % im Vergleich zum Basisjahr 1990 gesenkt werden
Treibhausgas- In Deutschland unterliegen 1.665 energieintensive Industrieanlagen (u.a.
Emissionshandelsgesetz Feuerungsanlagen und Kraftwerke) dem Emissionshandel. Sie sind für rd.
55 % der deutschen CO2-Emissionen verantwortlich. Diese Industrieanlagen
dürfen nur eine vorher festgelegte Menge an CO2 emittieren. Wird diese
überschritten, müssen die Betreiber zusätzliche Emissionsrechte erwerben.
Bei einer Unterschreitung dagegen können sie ihre überschüssigen CO2-
Zertifikate veräußern und zusätzliche Einnahmen generieren. Um weitere
Anreize für die Senkung von CO2-Emissionen zu setzen, wird die Summe aller
Emissionszertifikate für CO2 jährlich reduziert. Seit Anfang 2008 wird in
Deutschland die ursprünglich kostenlose Zuteilung der Emissionszertifikate
begrenzt.
Abb. 3 Wichtige Gesetze zum Klimaschutz
Einfluss des Klimawandels Der Klimawandel wirkt sich unmittelbar auf den Absatz wetter- und saisonabhängiger
auf die Wertschöpfungs- Konsumgüter aus. So hat der ungewöhnlich milde Winter 2007/2008 zu einem
kette: Absatz und Marketing Absatzeinbruch bei Saisonware wie Winterbekleidung und Wintersportartikeln geführt.
Hohe Lagerbestände, ein hoher Abschreibungsbedarf und rückläufige Renditen bei
Handel und Herstellern waren die Folge. Auf Grund zunehmender Wetterschwankungen
ist künftig mit einer volatileren Nachfrage nach wetter- und saisonabhängiger Ware zu
rechnen. Durch die Verwendung von Wetterprognosedaten lassen sich damit zusammen-
hängende Planungsschwierigkeiten reduzieren. Eine Flexibilisierung der Lieferkette z.B.
durch einen verstärkten lokalen Warenbezug kann negativen Renditeeffekten entgegen-
wirken. Des Weiteren können sich Unternehmen mit Hilfe von Wetterderivaten gegen
abnorme Wettereffekte absichern. Produktinnovationen wie saisonneutrale Bekleidung
wirken möglicherweise Absatz steigernd.
Den Branchenabsatz beeinflussen auch Einstellungen der Verbraucher zum Klimaschutz.
Wie aktuelle Umfragen belegen, ist die Mehrheit der Deutschen besorgt über die Klima-
änderung. Neben negativen Folgen für Wetter und Umwelt befürchten die Verbraucher,
dass die globale Erderwärmung die Lebensmittelversorgung beeinträchtigen und die
Gesundheit ihrer Kinder und Enkel gefährden könnte. Der überwiegende Teil der
Konsumenten ist daher bereit, durch klimabewusstes Verhalten selbst einen Beitrag zum
Klimaschutz zu leisten. Dies spiegelt sich bereits im Einkaufsverhalten der Deutschen
16Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Der Einfluss des Klimawandels auf
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie die Handels- und
Konsumgüterbranche
wider. So achten 84 % der Konsumenten beim Kauf von Elektrogeräten auf den Energie-
verbrauch. Die Verbraucher akzeptieren für energieeffiziente Geräte auch höhere Preise.
Mit der zunehmenden Sensibilisierung der Verbraucher für den Klimawandel dürfte die
Nachfrage nach klimaverträglichen Produkten weiter steigen. Voraussetzung dafür ist,
dass ein Maßstab für die Klimaverträglichkeit von Produkten bzw. für produktbezogene
CO2-Emissionen etabliert wird und die Verbraucher entsprechend informiert werden. Vom
steigenden Klimabewusstsein könnten kurz- bis mittelfristig lokale Produkte profitieren, bei
denen auf Grund kürzerer Transportwege die Verbraucher eine günstigere Klimabilanz
vermuten. Die Klimabilanz bei lokaler Beschaffung muss allerdings im Einzelfall betrachtet
werden (s.u. D 1.3).
Beschaffung und Einkauf Infolge des Klimawandels müssen Handel und Konsumgüterunternehmen tendenziell mit
höheren Beschaffungsrisiken rechnen. Ursächlich dafür ist zum einen die Abhängigkeit
der Branche von klima- und wettersensiblen Ressourcen wie Wasser sowie land- und
forstwirtschaftlichen Rohstoffen, zum anderen der teilweise hohe Anteil der Importe aus
stark vom Klimawandel gefährdeten Regionen. Um die Ressourcenversorgung zu sichern,
dürften nachhaltige Beschaffungsstrategien an Bedeutung gewinnen. Es ist denkbar, dass
Unternehmen verstärkt auf Lieferanten in risikoärmeren Regionen zurückgreifen, um
klimabedingte Lieferengpässe zu vermeiden. Bei der Lieferantenauswahl dürften Klima-
aspekte künftig eine größere Rolle spielen. Die Durchsetzung eines Einfuhrverbots für
CO2-intensive Konsumgüter, das derzeit in der EU diskutiert wird, würde diese Tendenz
verstärken. Die Unternehmen müssen darüber hinaus mit stärkeren Preisschwankungen
und insgesamt steigenden Rohstoffkosten rechnen.
Produktion und Logistik Die auch von den Unternehmen erwartete Verschärfung des Klimaschutzes durch den
Gesetzgeber wird den Anstieg der Energiepreise weiter fördern. Die Anreize, in
energieeffiziente bzw. CO2-arme Produktions- und Logistikprozesse zu investieren,
werden zunehmen. So erscheint ein verstärkter Übergang zu absatznaher Produktion
geeignet, um Transportkosten einzusparen und zugleich Kohlendioxidemissionen zu
senken. Um den direkten Klimarisiken entgegenzuwirken, sind Standortverlagerungen in
risikoärmere Regionen wahrscheinlich.
Wettbewerb Die Handels- und Konsumgüterbranche steht unter Konsolidierungsdruck. Der Klima-
wandel und die daraus resultierenden höheren Rohstoff- und Energiekosten dürften
diesen weiter verstärken und mittelfristig zu einer Zunahme der Unternehmens-
übernahmen und -zusammenschlüsse führen. Zugleich eröffnet der Klimawandel den
Unternehmen die Chance, ihre Marktposition durch klimabewusste Produkt- und
Dienstleistungsinnovationen zu verbessern und sich dadurch zusätzliche Ertrags-
potenziale zu erschließen.
Kapitalmarkt Der Kapitalmarkt hat die Tragweite des Klimawandels für das wirtschaftliche Erfolgs-
potenzial und damit für den Unternehmenswert frühzeitig erkannt. Um die klimabedingten
Chancen und Risiken börsennotierter Unternehmen transparenter zu machen, haben
institutionelle Anleger bereits im Jahr 2000 das sog. Carbon Disclosure Project (CDP) ins
Leben gerufen. Neben CO2-Emissionen erhebt das CDP auf freiwilliger Basis eine Reihe
weiterer klimabezogener Unternehmensinformationen, die zunehmend in die Investitions-
entscheidungen der Anleger einfließen. Der Druck auf die börsennotierten Handels- und
Konsumgüterunternehmen, sich mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen und relevante
Informationen wie ihren CO2-Ausstoß offenzulegen, nimmt zu. Es ist vorstellbar, dass
Klimaaspekte und -daten mittelfristig auch bei der Kreditvergabe an nicht börsennotierte
Unternehmen eine Rolle spielen werden.
17Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Der Einfluss des Klimawandels auf
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie die Handels- und
Konsumgüterbranche
3 Gewinner und Verlierer des Klimawandels: Analyse
ausgewählter Subsektoren
Subsektoren sind in Subsektoren der Handels- und Konsumgüterbranche sind in unterschiedlichem Maße vom
unterschiedlichem Maße Klimawandel betroffen. Im Folgenden werden die direkten und indirekten Auswirkungen
vom Klimawandel betroffen des Klimawandels auf ausgewählte Subsektoren analysiert. Auf Grund der vielen
Unsicherheiten, die mit dem Klimawandel verbunden sind, beschränkt sich die Analyse auf
eine qualitative Darstellung und Beurteilung der verschiedenen Effekte. Darauf aufbauend
wird eine grobe Einteilung der Subsektoren in Gewinner und Verlierer vorgenommen. Als
Gewinner sind dabei die Subsektoren definiert, die sowohl direkt als auch indirekt vom
Klimawandel überwiegend profitieren. Die Verlierer müssen dagegen voraussichtlich mit
per saldo negativen direkten und indirekten Konsequenzen rechnen.
Getränkehersteller Getränkehersteller berührt der Klimawandel auf vielfältige Art und Weise. Zum einen
führt die Erderwärmung langfristig zu einer Verknappung von Wasser als ihrem
wichtigsten Rohstoff. Zum anderen ist eine wachsende Nachfrage insbesondere nach
Erfrischungsgetränken zu erwarten. Der Absatz alkoholischer Getränke dagegen könnte
durch den Temperaturanstieg beeinträchtigt werden. Insgesamt dürfte die Planungs-
sicherheit auf Grund zunehmender Wetterschwankungen zurückgehen. Wegen ihrer im
Branchenvergleich höheren Energieintensität sind vor allem die Brauereien von den
steigenden Energiepreisen betroffen. Aus Kostengründen könnten die Verbraucher
vermehrt Mineralwasser und andere alkoholfreie Getränke durch Leitungswasser
substituieren. Von diesem Trend könnten Hersteller von Wasseraufbereitungs- und
-filtersystemen ebenso profitieren wie Hersteller von Aromen in Sirup- oder Pulverform zur
geschmacklichen Anreicherung des Leitungswassers. Ein steigendes Klimabewusstsein
könnte diese Entwicklung beschleunigen. In Ländern wie Großbritannien und Frankreich,
in denen traditionell Leitungswasser getrunken wird, ist der Substitutionsanteil bereits
heute signifikant hoch.
Lebensmittelhersteller Die Lebensmittelhersteller spüren die wetter- und klimabedingten Beschaffungsrisiken
besonders stark. Wetterextreme wie anhaltende Hitze- bzw. Dürreperioden im Sommer
können zu Ernteausfällen und einer temporären Verknappung landwirtschaftlicher
Rohstoffe führen. Langfristig können veränderte klimatische Bedingungen die Verfüg-
barkeit einzelner landwirtschaftlicher Erzeugnisse nachhaltig einschränken. So ist ein
Schrumpfen der für den Kaffeeanbau geeigneten Fläche, des sog. Kaffeegürtels, infolge
des Klimawandels möglich. Für den Unternehmenserfolg der Kaffeehersteller gewinnt die
Sicherung der Rohstoffversorgung im Rahmen nachhaltiger Beschaffungsstrategien – z.B.
Kooperationen mit Kaffeebauern – an Bedeutung. Auf Grund der Rohstoffverknappung
werden die Preise landwirtschaftlicher Erzeugnisse künftig deutlich steigen. Positive
Nachfrageeffekte auf Grund der weltweiten Bevölkerungsentwicklung sowie der
vermehrten Nutzung von Pflanzen wie Mais und Weizen für die Energiegewinnung stützen
diesen Trend ebenfalls. Nach einer aktuellen Studie gehen z.B. 75 % der Preis-
erhöhungen für Mais auf den Einsatz in Bioethanolanlagen zurück. Wegen ihrer geringen
Verhandlungsmacht werden es die Lebensmittelhersteller schwer haben, die höheren
Rohstoffkosten über Preissteigerungen auf den Handel bzw. die Verbraucher abzuwälzen.
Ceteris paribus würden die Unternehmensgewinne zurückgehen. Hersteller starker
Marken dürften sich dem am ehesten entziehen können.
Textil- und Die Textil- und Bekleidungshersteller betrifft der Klimawandel in hohem Maße und
Bekleidungshersteller unmittelbar. So geht der Bekleidungsabsatz deutlich zurück, wenn die angebotene Ware
nicht zum aktuellen bzw. erwarteten Wetter passt. Insbesondere die Hersteller hoch-
modischer Bekleidung sind angesichts zunehmender Wetterschwankungen mit einer
höheren Komplexität bei Absatz- und Produktionsplanung konfrontiert. Um flexibler auf
Wetteränderungen reagieren zu können, sind längerfristig Rückverlagerungen der
Produktion aus Asien nach Europa denkbar. Die Produktionskosten würden dadurch
ansteigen. Vertikal integrierte Anbieter dürften eher in der Lage sein, den Heraus-
forderungen des Klimawandels zu begegnen. Durch Sortimentsanpassungen, z.B. die
Ausweitung des Outdoor-Bekleidungssegments, können Bekleidungshersteller u. U.
positive Absatzeffekte erzielen. Textilhersteller könnten möglicherweise durch die
18Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Der Einfluss des Klimawandels auf
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie die Handels- und
Konsumgüterbranche
Entwicklung hochwertiger technischer Textilien wie saisonneutraler Stoffe den Trend zu
jahreszeitenunabhängiger Mode aufgreifen und so vom Klimawandel profitieren.
Möbelhersteller Für die Möbelhersteller gehört Holz zu den wichtigsten Inputfaktoren. Der Klimawandel
kann zu einer Verknappung von Holz und damit zu steigenden Einstandspreisen für
diesen Rohstoff führen. Auf Grund der hohen Marktmacht des Möbeleinzelhandels dürften
die Hersteller diese Preissteigerungen nur begrenzt an die Kunden weitergeben können.
Eine rückläufige Rendite wäre die Folge. In einzelnen Produktbereichen – z. B bei
Outdoor-Möbeln – könnte die Nachfrage infolge des Klimawandels steigen. Darüber
hinaus dürfte das steigende Klimabewusstsein der Konsumenten den Absatz von
Holzmöbeln aus nachhaltigem Anbau fördern.
Kosmetik-, Wasch- und Bei den Kosmetikherstellern dürfte der erwartete Temperaturanstieg zu einem
Reinigungsmittelhersteller veränderten Produktmix führen. Spezielle Produkte für den Sommer bzw. die Sonne (z.B.
Sonnenschutz, Schutz gegen Hautalterung) könnten an Bedeutung gewinnen. Positive
Nachfrageeffekte sind auch bei Kosmetika aus nachwachsenden Rohstoffen zu erwarten.
Im Wasch- und Reinigungsmittelbereich könnten sich Energie und Ressourcen
sparende Produkte und Produktinnovationen Absatz steigernd auswirken. Insofern ist mit
einer wachsenden Nachfrage nach Nachfüllpackungen bei Kosmetik, Wasch- und
Reinigungsmitteln zu rechnen. Der Subsektor zeichnet sich durch eine vergleichsweise
hohe Konzentration aus. Dadurch dürften die Unternehmen eher in der Lage sein,
klimabedingte Steigerungen ihrer Rohstoff- und Produktionskosten an den Handel bzw.
die Verbraucher weiterzugeben.
Elektrogeräte- und Bei den Elektrogeräte- und Elektronikherstellern wirkt der Klimawandel vor allem auf
Elektronikhersteller die Absatzseite. Energieeffiziente und recyclingfähige Elektrogeräte werden weiter an
Bedeutung gewinnen. Auf der einen Seite werden die Verbraucher ihre alten Geräte
zunehmend durch energieeffiziente Neugeräte ersetzen, um auf diese Weise Energie-
kosten zu sparen. Auf der anderen Seite werden Verbraucher unter Umständen künftig
vermehrt Reparaturdienstleistungen für Elektrogeräte und Elektronikprodukte im höher-
preisigen Produktsegment in Anspruch nehmen, um Abfall zu vermeiden. Mittelfristig
könnte der Temperaturanstieg zu einer höheren Nachfrage nach verbrauchsarmen bzw.
CO2-effizienten Klimaanlagen und Kühlgeräten führen. Aus Gründen des Klimaschutzes
könnte der Gesetzgeber vermehrt in die Produktspezifikationen der Hersteller eingreifen.
Beispielsweise ist ein Verbot der Stand-by-Funktion von Elektronikprodukten denkbar.
Einzelhandel Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Einzelhandel variieren je nach Produkt-
schwerpunkt: Die Einflüsse, denen z.B. Lebensmittelhersteller unterliegen, spielen in der
Regel auch für den Lebensmitteleinzelhandel eine wichtige Rolle. Hier wie dort ist auf
Grund von häufigeren Wetterextremen mit stärkeren Preisschwankungen und höheren
Preisen zu rechnen. Der Sortimentsschwerpunkt bestimmt auch die Energieintensität
eines Einzelhandelsunternehmens: Lebensmittelhändler, die durchschnittlich 30 bis 40 %
ihrer Produkte gekühlt transportieren und lagern müssen, haben relativ zum Umsatz
höhere Energiekosten als Non-Food-Einzelhändler. Damit spielen die steigenden
Energiepreise für den Lebensmittelhandel eine größere Rolle, in besonderem Maße für
Handelsunternehmen mit eigenem Fuhrpark. Auf Grund der knappen Margen der Händler
wird Energieeffizienz mehr und mehr zu einem Wettbewerbsvorteil für die Unternehmen.
Energieeffizienz der Produkte z.B. im Elektro- oder „Do it yourself“-Einzelhandel wird in
der Werbung und im Verbraucherbewusstsein weiter an Bedeutung gewinnen. Der DIY-
Handel könnte auch von staatlich geförderten Baumaßnahmen zur Verbesserung der
Energieeffizienz von Häusern und Wohnungen profitieren. Auf Grund der steigenden
Treibstoffpreise könnte das Internet als Vertriebskanal wichtiger werden. Angesichts des
Trends zum nachhaltigen Konsum kann eine klimabewusste Ausrichtung zum
Erfolgsfaktor für den Einzelhandel werden.
19Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Der Einfluss des Klimawandels auf
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie die Handels- und
Konsumgüterbranche
Die Auswirkungen des Klimawandels auf die betrachteten Subsektoren lassen sich
danach wie folgt zusammenfassen:
Gewinner
positiv
Elektronik-
hersteller
Kosmetik-
Reinigungsmittel-
hersteller
Direkte Handel
Möbel-
Einflussfaktoren Getränke- hersteller
hersteller Textilien-
hersteller
Lebensmittel-
hersteller
negativ
Verlierer
negativ Indirekte positiv
Einflussfaktoren
Abb. 4 Gewinner und Verlierer des Klimawandels
20Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Der Einfluss des Klimawandels auf
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie die Handels- und
Konsumgüterbranche
21Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Klimabezogene Maßnahmen der
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie Unternehmen in Handel und
Konsumgüterindustrie
D Klimabezogene Maßnahmen der Unternehmen in
Handel und Konsumgüterindustrie
Status quo Die Interviews haben gezeigt, dass in der Branche derzeit Unsicherheit im Hinblick auf die
weitere Entwicklung der klimabezogenen Regulierung und die Auswirkungen der
öffentlichen Diskussion zum Klimawandel auf das Konsumverhalten der Verbraucher
herrscht. Die Unternehmen in Handel und Konsumgüterindustrie nähern sich dem Thema
Klimawandel in erster Linie in unternehmensübergreifenden Netzwerken (z.B. im Pilot-
projekt Product Carbon Footprint, s.u. D 2.1) und in der projektbezogenen Zusammen-
arbeit mit Ministerien, etablierten Umweltorganisationen und Wissenschaftlern.
Obwohl Maßnahmen zum Schutz der Umwelt seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der
gängigen Unternehmenspraxis in Handel und Konsumgüterindustrie sind, scheinen die
Unternehmen im Hinblick auf Wetterrisiken und Klimawandel bislang nur mit Einzel-
maßnahmen zu experimentieren. Eine konsistente klima- und wetterbezogene Gesamt-
strategie ist bei der Mehrzahl der Unternehmen nicht ersichtlich. Die aktuellen Aktivitäten
sind teilweise losgelöst vom eigentlichen Kerngeschäft. Dies hängt möglicherweise damit
zusammen, dass das Thema Klimawandel organisatorisch meist bei den Umwelt- und
Nachhaltigkeitsverantwortlichen und nicht in der obersten Führungsebene angesiedelt ist.
Motive für klimabezogene In Rahmen unserer Unternehmensbefragung haben die Unternehmen die folgenden drei
Maßnahmen Hauptmotive für klimabezogene Aktivitäten genannt:
„Green and Lean” ● Kosteneffizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist das mit Abstand
wichtigste Motiv für Handels- und Konsumgüterunternehmen. Alle Unternehmen haben
klar herausgestellt, dass umweltbezogene Maßnahmen kein Selbstzweck sind. Getätigte
Investitionen in diesem Bereich sollen sich kurz- bis mittelfristig amortisieren.
Nachhaltigkeit ist ● Nachhaltigkeit als Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung spielt insbesondere bei
Verantwortung Familienunternehmen eine wichtige Rolle. Aber auch hier gilt, dass sich eine ökologisch
verträgliche Ausrichtung mittelfristig auszahlen soll. Angestrebt wird eine Balance
zwischen Ökonomie und Ökologie.
Wettbewerbsvorteil durch ● Vor allem Markenhersteller sehen die Möglichkeit, sich über das proaktive Aufgreifen
Innovation von klimabezogenen Themen und eine entsprechende Ausrichtung von ihren
Wettbewerbern abzuheben. Als entscheidendes Differenzierungsmerkmal betrachten die
Unternehmen in diesem Zusammenhang die Innovationskraft ihres Unternehmens.
1 Kosteneffizienzgetriebene Maßnahmen
Die von den Unternehmen in Handel und Konsumgüterindustrie ergriffenen Maßnahmen
zur Steigerung der Kosteneffizienz betreffen die gesamte Wertschöpfungskette von der
Rohstoffbeschaffung über die Produktion bis zum Transport.
1.1 Rohstoffkosten
Maßnahmen zur Sicherung Der Anstieg der Rohstoffkosten ist insbesondere für die Lebensmittelhersteller von hoher
der Rohstoffbeschaffung Relevanz, da bis zu 75 % der Produktionskosten in der Ernährungsindustrie auf die
und zur Kostenbegrenzung Rohstoffe entfallen. In der Regel können die Lebensmittelhersteller den Kostenanstieg
im Fokus nicht vollständig an den Handel und damit in letzter Konsequenz an den Verbraucher
weitergeben. Die Hersteller setzen daher sowohl auf Maßnahmen zur nachhaltigen
Sicherung der Rohstoffbeschaffung als auch auf Maßnahmen zur Kostenbegrenzung.
Üblich sind neben der Beschaffung aus risikoarmen Klimazonen und der produktions-
ortnahen Beschaffung langfristige Beschaffungsverträge mit Lieferanten sowie intensive
Schulungen von Lieferanten insbesondere im landwirtschaftlichen Bereich. Auf Grund der
noch geringen Akzeptanz der Verbraucher und der strengen gesetzlichen Auflagen sind
deutsche Unternehmen bislang mit der Verarbeitung genveränderter oder synthetischer
Rohstoffe noch zurückhaltend. Bei knapper werdenden Rohstoffen wird die sog. „grüne
Gentechnologie“ künftig aber an Bedeutung gewinnen.
22Klimawandel: Schlagwort oder Wirklichkeit? Klimabezogene Maßnahmen der
Die Auswirkungen auf Handel und Konsumgüterindustrie Unternehmen in Handel und
Konsumgüterindustrie
1.2 Energiekosten
Maßnahmen zur Der Anstieg der Energiekosten trifft Handel und Konsumgüterindustrie erheblich. Bei
Energieeinsparung haben Handelsunternehmen stellen die Energiekosten inzwischen den drittgrößten Kostenfaktor
hohe Priorität dar. Die Realisierung von Einsparpotenzialen hat daher eine hohe Priorität bei den
Unternehmen. Die von den Unternehmen ergriffenen Maßnahmen betreffen insbesondere
die Produktion und die Kühlung, wobei insgesamt ein Trend zur Eigenversorgung mit
Energie deutlich wird.
● Zahlreiche Lebensmittelhersteller, aber auch Unternehmen des Lebensmitteleinzel-
handels nutzen ihre organischen Abfälle zur Kraftwerksbefeuerung oder zur Herstellung
von Biogas, das anschließend zur Stromerzeugung genutzt wird. Die Unternehmen
gehen davon aus, dass sie hierdurch ihre Energiekosten um bis zu 30 % senken
können.
● Einige Konsumgüterhersteller investieren in eigene Energieerzeugung und werden
dadurch nicht nur Selbstversorger, sondern auch Energielieferanten. Anlagen zur
Nutzung regenerativer Energien stehen dabei im Vordergrund. Manche Unternehmen
sichern sich durch den Zukauf größerer landwirtschaftlich bewirtschafteter Flächen an
ihren Produktionsstandorten den Zugriff auf die für die Energieerzeugung notwendigen
nachwachsenden Rohstoffe. Die Einspeisung der auf diese Weise erzeugten
überschüssigen Energie in das Stromnetz generiert für die Unternehmen, wenn auch in
geringem Umfang, zusätzliche Umsätze.
● Auch Einzelhandelsunternehmen haben die Energieerzeugung als zusätzliche
Einnahmequelle entdeckt. Durch die Verpachtung der Dachflächen seiner
Logistikzentren in Deutschland und Spanien für die Installation von Solaranlagen
erzielen beispielsweise ALDI Süd und ALDI Nord Einnahmen in Höhe von insgesamt
8 Mio. Euro.
● Lebensmitteleinzelhändler stellen zudem mehr und mehr auf eine energiearme und
FKW-freie Tief- und Normalkühlung um. Allein der Einbau von Schiebetüren in
Tiefkühltruhen reduzierte bei der METRO Group den Stromverbrauch um 15 %. Die
Einführung von standardisierten Serienlösungen für eine Normal- und Tiefkühlung auf
CO2-Basis steht unmittelbar bevor.
● Auch einfache Maßnahmen führen zu erheblichen Energieeinsparungen. So kann der
Einbau von Fenstern in Lagerhallen, der Einsatz effizienterer Beleuchtungssysteme in
Lagern, Verkaufsstellen und Büros sowie die Umstellung auf energiearme
Speichermedien zu einer unmittelbaren Senkung der Stromkosten um bis zu 70 %
führen.
1.3 Logistik- und Transportkosten
Klimabezogene Die gestiegenen Treibstoffpreise sowie Mautgebühren haben den Transport der Handels-
Optimierung der und Konsumgüterunternehmen bereits erheblich verteuert. Rund 35 % der Logistikkosten
Transportprozesse senkt eines Handelsunternehmens entfallen auf den Transport. Zugleich ist der transport-
Kosten und CO2-Ausstoß bedingte CO2-Ausstoß ein wesentlicher Einflussfaktor des Klimawandels. Mit Investitionen
in das Transportsystem und einer klimabezogenen Optimierung der Transportprozesse
können Unternehmen sowohl ihre Transportkosten als auch ihren transportbedingten CO2-
Ausstoß nachhaltig senken.
● Einige Händler und Hersteller haben begonnen, ihre Lkw-Flotten vollständig
auszutauschen und auf energieeffizientere Fahrzeuge umzustellen. Durch diese
Umstellung werden nicht nur Treibstoffkosten, sondern auf Grund der geringeren
Schadstoffbelastung auch Mautgebühren und künftig gegebenenfalls Kfz-Steuern
reduziert. Allein die Reduktion der Treibstoffkosten durch die Flottenumstellung beziffern
die Unternehmen auf bis zu 15 %.
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