ÄLTER WERDEN, ZUKUNFT HABEN: Eine oberösterreichische Antwort auf die Herausforderungen des demografischen Wandels - WAGE-Netzwerk

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ÄLTER WERDEN, ZUKUNFT HABEN: Eine oberösterreichische Antwort auf die Herausforderungen des demografischen Wandels - WAGE-Netzwerk
ÄLTER WERDEN, ZUKUNFT HABEN:
Eine oberösterreichische
Antwort auf die
Herausforderungen des
demografischen Wandels

                    EUROPÄISCHE UNION
                   Europäischer Sozialfonds
       Innovative Maßnahmen nach Artikel 6
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GEMEINSAM AM
                           HAUS DER ARBEITSFÄHIGKEIT
Präsident AK OÖ
Johann Kalliauer           BAUEN
Wirtschafts-Landesrat OÖ
Viktor Sigl

WKOÖ-Präsident
Rudolf Trauner
ÄLTER WERDEN, ZUKUNFT HABEN: Eine oberösterreichische Antwort auf die Herausforderungen des demografischen Wandels - WAGE-Netzwerk
A
        uch mit zunehmendem Alter Lebensqualität                                                Ziel ist die Bewusstseins- und Verhaltensänderung bei
        haben – dieser Wunsch gehört wohl zu                                                    Arbeitgeber- und Arbeitnehmer/-innen. Die Zusammen-
        den ureigensten menschlichen Bedürfnissen.                                              arbeit mit Pilotbetrieben zeigte deutlich, dass jedes
Dass er Wirklichkeit werden kann und möglichst viele                                            Unternehmen individuelle Lösungen zum Thema Alters-
Menschen Oberösterreichs auch im fortgeschrittenen                                              management brauchen wird. Es gibt keine Patent-
Alter leistungsfähig sind und sich in der Arbeitswelt                                           rezepte, sondern eine Fülle von Modellen und Anregun-
wohlfühlen können, dafür setzen sich die oberöster-                                             gen, die auf den jeweiligen Firmenkontext abgestimmt
reichischen Sozialpartner und das Land OÖ ein.                                                  werden müssen. Altersmanagement in einem
Sie haben frühzeitig auf die Auswirkungen der                                                   Produktionsbetrieb braucht andere Maßnahmen als
demografischen Entwicklung reagiert und bauen in                                                im Dienstleistungssektor.
Zusammenarbeit mit oberösterreichischen Betrieben
im WAGE-Projekt an dem in Finnland entwickelten                                                 Dabei können die betrieblichen Maßnahmen sehr
„Haus der Arbeitsfähigkeit“.                                                                    vielseitig sein. Das Spektrum reicht vom Thema Arbeits-
                                                                                                zeit, Qualifikation, Jobrotation, Gesundheit bis hin zu
„WAGE – Winning Age, Getting futurE!“ ist ein auf die                                           Ergonomie am Arbeitsplatz. Wichtig ist, langfristig auf
Entwicklung und Erprobung neuer Modelle für Alters-                                             individuelle Bedürfnisse zu achten. Jede Altersgruppe
management und Informations- und Erfahrungsaus-                                                 hat ihre Stärken und diese sollten genutzt werden.
tausch mit transnationalen Projektpartner/-innen                                                Alter muss in Zukunft positiv gesehen werden –
ausgerichtetes Sozialpartnerprojekt.                                                            dieses Umdenken ist sowohl gesellschaftlich als auch
                                                                                                wirtschaftlich von Nutzen.

INHALT

IMPULSGEBER – ÜBERBLICK                                                                         BEREIT ZUR UMSETZUNG – EMPOWERMENT
„… mit 66 ist noch lange nicht Schluss!“ . . . . . . . . . . . . . . . 5                        Erhöhung der Beschäftigungsquoten
                                                                                                älterer Mitarbeiter/-innen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
Edith Konrad: „Flächendeckende Vision“ . . . . . . . . . . . . . 6
                                                                                                BFI OÖ –
Josef Moser: „Humanere Arbeitswelt sichern.“ . . . . . . . . 7
                                                                                                WAGE Beratungs- & Bildungsdrehscheibe . . . . . . . . . . . 28
Erhard Prugger: „Überzeugungsarbeit leisten“ . . . . . . . . 7
                                                                                                WIFI OÖ –
WAGE – Ergebnisse und Produkte im Überblick . . . . . . . 8                                     Neue didaktische Ansätze in der Weiterbildung. . . . . . 29
SORA: WAGE als regionales Innovationsprogramm . . . 10                                          ÖGB OÖ –
Juhani Ilmarinen / Rita Oldenbourg:                                                             Betriebsräte-Werkstätte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Es gibt in Finnland nicht nur Holzhäuser . . . . . . . . . . . . . 11                           AK OÖ –
                                                                                                Di@log mit älteren Arbeitnehmer/-innen. . . . . . . . . . . . 31
KREATIVITÄT, INNOVATION UND TATKRAFT –
                                                                                                AK OÖ –
BETRIEBSMODELLE                                                                                 Art & Work. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Das Sozialpartnermodell und WAGE. . . . . . . . . . . . . . . . . 15
                                                                                                AK OÖ –
BRP Rotax. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16   Betriebliche Gesundheitsförderung . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
Wurm & Partner Unternehmensservice . . . . . . . . . . . . . 17                                 Tourismus-Netzwerk. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
MAN Steyr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18    Impressum. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Energie Werk Wels AG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
E+E Elektronik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
KMU Verbundberatung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
AWARD minerva . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Pflegeprojekt / Klinikum Wels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Arbeitnehmerkammer Bremen:
Arbeiten und Altern im Land Bremen . . . . . . . . . . . . . . . 24
                                                                                                                                                                                               3
ÄLTER WERDEN, ZUKUNFT HABEN: Eine oberösterreichische Antwort auf die Herausforderungen des demografischen Wandels - WAGE-Netzwerk
ÜBERBLICK

    IMPULSGEBER
    „Die gemeinsame Idee war, einen Impuls für dauerhafte
    Veränderungen in der Wertehaltung und im Verhalten
    der Unternehmerinnen und Unternehmer,
    aber auch der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
    zu setzen. Genau das ist mit WAGE gelungen.“

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ÄLTER WERDEN, ZUKUNFT HABEN: Eine oberösterreichische Antwort auf die Herausforderungen des demografischen Wandels - WAGE-Netzwerk
Foto: B & Q
Foto: ADEG

                                             Foto: ???

             MEHR LEBENSQUALITÄT IM ALTER:
             „… mit 66 ist noch lange nicht Schluss!“

             „M
                       it 66 Jahren, da fängt das Leben an ...“, heißt es   Dass es in Zukunft wesentlich mehr Menschen mit dem
                       in einem Schlager des über den deutschen             Schlusssatz in Jürgens’ Song halten und von sich be-
                       Sprachraum hinaus bekannten österreichi-             haupten können, „dass mit 66 noch lange nicht Schluss
             schen Schlagersängers Udo Jürgens. Als er den Ohrwurm          ist“, dafür setzen sich die oberösterreichischen Sozial-
             vor Jahrzehnten komponierte, konnte der heute 72-Jähri-        partner und das Land Oberösterreich mit insgesamt
             ge nur erahnen, wie sein Leben mit 66 tatsächlich aus-         25 nationalen und internationalen Partner-
             sehen würde. Der Wunsch Udo Jürgens‘, im Alter noch fit        organisationen ein.
             und vital zu sein und mit beiden Beinen im Leben zu
             stehen, hat sich erfüllt, wie seine jüngsten nationalen        Dem Grundbedürfnis nach Lebensqualität und einem
             und internationalen Auftritte eindrücklich beweisen.           würdigen Leben nach Ausscheiden aus dem Arbeits-
                                                                            leben in ihrer politischen und gesellschaftlichen Verant-
             Im Gegensatz dazu schwindet für „Otto Normal-                  wortung Rechnung tragend, haben sie gemeinsam das
             verbraucher“ nicht selten die Lebensqualität mit fort-         Projekt „WAGE – Winning Age, Getting futurE“ umge-
             schreitendem Alter. Die Ursachen dafür sind unter              setzt. Entwickelt wurden neue Ansätze in der Wert-
             anderem im raschen technologischen Wandel, veränder-           schätzung älterer Menschen und innovative Betriebs-
             ten Beschäftigungs- und Arbeitsmärkten und neuen               modelle zur Förderung der Leistungsfähigkeit älterer
             Konstellationen von Familie, Arbeit und Bildung zu             Arbeitnehmer/-innen. Im Mittelpunkt des von der
             suchen. Dies sind maßgebliche Faktoren für wirtschaft-         Europäischen Kommission und dem Land Oberösterreich
             liche und soziale Erneuerung, die jedoch gerade für älter      geförderten Projektes stehen das Vermeiden von
             werdende Beschäftigte ein großes Risiko bergen.                Arbeitslosigkeit und die Schaffung eines neuen Problem-
                                                                            bewusstseins.
                                                                                                                                        5
Edith Konrad

    Edith Konrad
    EU-Projektbüro der AK OÖ und WAGE-Projektkoordinatorin:
    „Flächendeckende Vision“: Modelle zum Generationenmanagement in Oberösterreich

    2004 fiel der Startschuss für das Sozialpartnerprojekt        Weiterentwicklung sichergestellt werden können, müssen
    WAGE. Dabei stand mit dem zentralen Anliegen, den             wir unsere Erfahrungen und Produkte den Betrieben
    Auswirkungen des demografischen Wandels und der               zugänglich machen und gemeinsam mit möglichst vielen
    Beschäftigung mit dem Thema „Alter“, per se nicht             Interessierten neue betriebliche Handlungsoptionen erar-
    unbedingt ein populäres Thema im Mittelpunkt …                beiten. Nur so kann es gelingen, dass wir der Vision,
    Edith Konrad: Das ist richtig. Durch WAGE haben wir           Modelle für Age- bzw. Generationenmanagement in
    jedoch den längst überfälligen Wertewandel hin zu einer       Oberösterreich flächendeckend zu implementieren, ein
    positiven Wertschätzung Älterer in Gang setzen können.        gutes Stück näher kommen.
    Gelungen ist uns dies durch kontinuierliche Thema-
    tisierung und Sensibilisierung gegenüber einer breiten        Was bedeutet das konkret für die Arbeit der nächsten
    Öffentlichkeit. Erste Erfolge sind bereits sichtbar.          Jahre?
    Die vielen Anfragen nach Erfahrungen und Ergebnissen          Wir wollen uns gemeinsam mit interessierten Partnern,
    über die Grenzen Oberösterreichs hinaus, die das WAGE-        Betrieben sowie Expertinnen und Experten auch in
    Projektbüro erreichen, sind bester Beweis dafür:              Zukunft intensiv mit der Thematik auseinandersetzen und
    WAGE ist zum Vorzeigemodell geworden und hat sowohl           flächendeckend in Oberösterreich in Projekten zusammen-
    in Österreich als auch international den Ruf erworben,        arbeiten. Wir werden zudem auch weiterhin den
    ein Beispiel „guter Praxis“ zu sein.                          Erfahrungsaustausch unterstützen und regelmäßige
                                                                  Information zum Thema ermöglichen.
    Was waren aus Ihrer Sicht wesentliche Erfolgsfaktoren,
    die im Rahmen von WAGE die Entwicklung innovativer            Wie sieht Ihre Vision eines „idealen“ Generationen-
    Modelle für aktives Altersmanagement möglich                  managements aus?
    gemacht haben?                                                Sich mit Generationenmanagement zu beschäftigen,
    Ein Geheimnis des Erfolges ist sicherlich das intensive       heißt auch, sich mit der Gestaltung von Rahmen-
    Zusammenwirken der Sozialpartner und politischen Ver-         bedingungen für eine humanere Arbeitswelt auseinander-
    antwortlichen in Oberösterreich, unterstützt von vielen       zusetzen. Hier sind vor allem Verantwortliche und
    fachlichen Inputs der insgesamt 25 nationalen und trans-      Multiplikatorinnen und Multiplikatoren auf betrieblicher
    nationalen Partnerorganisationen. Vor allem unser finni-      Ebene, sowohl auf Arbeitgeber- als auch auf Arbeit-
    scher Partner, Juhani Ilmarinen vom Finnish Institute of      nehmerseite gefordert. Aktives Generationenmanage-
    Occupational Health, hat durch seine Unterstützung            ment sollte deshalb im Idealfall zukünftig nicht mehr
    wesentlich zum Gelingen des WAGE-Projekts beigetragen.        gesondert thematisiert werden müssen, sondern
                                                                  selbstverständlicher Bestandteil der Personalentwicklung
    Wie kann man gewährleisten, dass die durch WAGE               sein. Für mich persönlich bedeutet Generationen-
    gesetzten Impulse und erzielten Ergebnisse „weiter            management in erster Linie gegenseitige Wertschätzung
    wirken“?                                                      und das Engagement für gesellschaftliche, politische
    Die Ergebnisse von WAGE eröffnen Gestaltungsmöglich-          und betriebliche Rahmenbedingungen, die einem fairen
    keiten für innerbetriebliche Rahmenbedingungen hin-           Miteinander aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
    sichtlich alter(n)sgerechter Arbeitsplätze. Damit die nach-   dauerhaft den Weg ebnen.
    haltige Verankerung der Projektergebnisse und deren

                                                                  Kontakt:
                                                                  Arbeiterkammer OÖ
                                                                  Edith Konrad
                                                                  (0732) 6906-2449 // konrad.e@akooe.at

6
Josef Moser                                             Erhard Prugger

      Josef Moser
      Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung der AK OÖ und WAGE-Projektleiter:
      „Unternehmerischen Erfolg durch eine humanere Arbeitswelt
      und die Förderung älterer Arbeitnehmer/-innen sichern.“
      Wissenschafter sagen den westlichen Industrieländern               vermögen nicht mehr stimmt. Das heißt für Unter-
      gravierende Veränderungen in der Altersstruktur der                nehmen, Rahmenbedingungen zu gestalten, die eine
      Gesamtbevölkerung voraus: Gesamtwirtschaftlich sinkt               Balance zwischen persönlichen, körperlichen und
      die Quote der Erwerbstätigen, die Zahl der älteren                 geistigen Ressourcen und den Anforderungen der
      Arbeitnehmer/-innen steigt und es kommen weniger                   Arbeitswelt an den Einzelnen ermöglichen.
      Junge aus dem Bildungssystem auf den Arbeitsmarkt.
      Künftig wird somit die Erwerbsbevölkerung im Durch-                Faktum ist, dass Unternehmen in Zukunft mit einem
      schnitt immer älter, der Anteil jüngerer Arbeitnehmer/             höheren Anteil älterer Mitarbeiter/-innen und einer
      -innen geht zurück. In den Unternehmen wird derzeit                durchschnittlich älteren Belegschaft wettbewerbsfähig
      allerdings eine Personalpolitik betrieben, die fast aus-           und innovativ sein müssen. Die Förderung der
      schließlich auf jüngere Mitarbeiter/-innen setzt.                  Qualitäten älterer Arbeitnehmer/-innen wird zur Frage
                                                                         der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit. Die betriebliche
      Altern ist ein Veränderungsprozess, dem alle Menschen              Arbeitsorganisation ist längerfristig so zu ändern,
      unterliegen. Gewisse körperliche und psychische                    dass die Bedürfnisse älter werdender Arbeitnehmer/
      Leistungspotenziale nehmen ab, gleichzeitig erfolgt aber           -innen (und nicht nur der bereits älteren) verstärkt
      ein Zugewinn in der Entwicklung der Persönlichkeit und             berücksichtigt werden. Allgemein gilt es, verstärkt auf
      der geistigen Fähigkeiten. Studien zeigen, dass Ältere             die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit und Motivation älter
      mehr Verantwortungsbewusstsein, höhere soziale Kom-                werdender Arbeitnehmer/-innen durch Veränderung
      petenz, höhere Betriebstreue und ein besser geschultes             der innerbetrieblichen Abläufe und Aufgabenverteilung,
      Beurteilungsvermögen besitzen. Das „Altersproblem“                 durch Weiterbildung und Gesundheitsförderung
      entsteht erst, wenn das Verhältnis zwischen den Arbeits-           zu achten.
      anforderungen und dem persönlichen Leistungs-

      Erhard Prugger
      Leiter der sozialpolitischen Abteilung der WKOÖ und Mitglied im Projektmanagement-Team:
      „Überzeugungsarbeit bei Klein- und Mittelbetrieben verstärken.“

      Zwei Jahre sind vergangen, seitdem das Land Ober-                  und Gegensteuern ist deshalb notwendig.
      österreich, die Arbeiterkammer Oberösterreich und die              Als Wirtschaftskammer Oberösterreich waren und sind
      Wirtschaftskammer Oberösterreich das Projekt WAGE                  wir von der Sinnhaftigkeit dieses Projektes überzeugt.
      gestartet haben. Ein Rückblick auf diese beiden Projekt-           Auch in Zukunft wollen wir unsere Betriebe dabei unter-
      jahre zeigt, wie intensiv in den Betrieben gearbeitet              stützen, ihr Unternehmen schon jetzt „auf Schiene“ zu
      wurde und wie gut die Sensibilisierungsarbeit der                  bringen. Maßnahmen der betrieblichen Gesundheits-
      Bevölkerung zum Thema „Ältere Arbeitnehmer/-innen“                 förderung, Qualifizierungsangebote für Ältere sowie das
      gelungen ist. Es ist wichtig, dass Politik und Sozial-             Thema Altersmanagement stellen jene Bereiche dar,
      partner gemeinsam die Herausforderungen einer älter                wo angesetzt werden muss. In Fortführung des Themas
      werdenden Arbeitswelt in Angriff nehmen.                           „Ältere“ wird es im Anschluss an das WAGE-Projekt jetzt
      Die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten Jahren,            darum gehen, auch die vielen Klein- und Mittelbetriebe
      beziehungsweise Jahrzehnten, wird von der demo-                    „ins Boot zu holen“. Die Ergebnisse und Erfahrungs-
      grafischen Entwicklung mitbestimmt werden.                         berichte aus den WAGE-Pilotbetrieben werden dabei
      Szenarien zeigen, dass der Anteil der über 50-Jährigen             sehr hilfreich sein.
      in den Betrieben immer größer wird. Ab 2012 soll der
      Anteil der Arbeitnehmer/-innen, die älter sind als 45,
      die 40%-Marke überschreiten. Rechtzeitiges Handeln

                                                                                                                                   7
Foto: SIEMENS
    WAGE – ERGEBNISSE UND PRODUKTE
    im Überblick
    • Schwerpunkt
    „Betriebsindividuelle Maßnahmen“
    Zentrales Thema war die Schaffung von Arbeits-            • Verbundberatung für KMU: Beratung von fünf KMU
    bedingungen, die geeignet sind, Menschen länger im          aus dem Innviertel (Team 7, Wiesner und Hager, Tilo,
    Erwerbsleben zu halten. Entwickelt wurden Modelle für       Gruber und Schlager, Fischer Ski) zum Thema Alters-
    ein zielgruppenorientiertes Altersmanagement. Fragen        management im Firmenverbund
    nach Möglichkeiten alternativer Arbeitsregelungen           (formann.d@akooe.at).
    waren ebenso Thema wie Überlegungen, in welchen           • Betriebsindividuelle Maßnahmen: Umsetzung von
    Bereichen es sinnvoll und notwendig ist, in Human-          Pilotprojekten in fünf oberösterreichischen Betrieben
    ressourcen zu investieren.                                  (MAN Steyr, Wurm Unternehmensservice, E-Werke
    Analysen von Personalstruktur und Arbeitsbedingungen        Wels, E+E Elektronik, BRP Rotax) zum Thema Alters-
    in oberösterreichischen Betrieben haben gezeigt, dass       management durch Beratungstandems der AK und WK
    Unternehmen sehr individuelle Unterstützung bei der         (unternehmensberatung@taschil.at).
    Entwicklung und Implementierung von Maßnahmen für         • Pflegeprojekt: Pilotprojekt mit dem Klinikum Wels und
    ältere Arbeitnehmer/-innen brauchen. Die Einführung         einer österreich-weiten Experten/-innen-Gruppe zu
    von Experten/-innen-Karrieren, Altersmanagement-            Fragestellungen von Modellen für Altersmanagement
    Trainings für Führungskräfte, Innovations- und Ideen-       in Krankenanstalten
    management-Pools, Entwicklung von Anerkennungs-             (brigitta.noebauer@jku.at).
    gesprächen für ältere Mitarbeiter/-innen und die Schaf-   • Schulungsoffensive für Führungskräfte
    fung neuer Kommunikations- und Informationsstruk-           (MAN Steyr, ADEG, Energie AG) durch das WIFI OÖ
    turen standen genauso auf der Prioritätenliste bei der      zum Thema alter(n)sgerechtes Führen
    Maßnahmenentwicklung in den Pilotbetrieben wie              (reinhard.nagler@ooe.wifi.at).
    ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, lebensphasenbe-
    zogene Personalplanung und Wissensmanagement.

    • Schwerpunkt
    „Empowerment durch Weiterbildung“
    Motivation – Qualifikation – Gesundheit sind zentrale     • Beratungs- und Bildungsdrehscheibe für ältere
    Faktoren, die eine längere Verweildauer im Berufsleben      Beschäftigte des Berufsförderungsinstituts OÖ
    ermöglichen. Berufsförderungsinstitut OÖ (BFI OÖ),          (paul-wolfgang.gschwandtner@bfi-ooe.at).
    Wirtschaftsförderungsinstitut OÖ ( WIFI OÖ) und die       • Entwicklung einer alter(n)sgerechten Didaktik und
    Beratungsfirma HolliNetz analysierten die Istsituation      Methodik für Trainer/-innen durch das Wirtschafts-
    und entwickelten Ideen und Angebote, die Ältere in die      förderungsinstitut OÖ
    Lage versetzen und motivieren, länger als bisher in         (reinhard.nagler@ooe.wifi.at).
    Beschäftigung zu bleiben. Ziel war die Erweiterung von    • Tourismusnetzwerk – Analyse und Gestaltung von
    Perspektiven für ältere Beschäftigte im Arbeitsleben.       Arbeitsplätzen in der Tourismusbranche am Beispiel
    Konzipiert wurden alter(n)sgerechte didaktische und         des Salzkammerguts und Gründung eines
    methodische Weiterbildungsmodelle, mit denen gezielt        Experten/-innen-Netzwerks
    älter werdende Menschen zur Teilnahme an Weiter-            (e.aschenberger@hollinetz.org).
    bildung motiviert werden können, sowie ein
    Experten/-innen-Netzwerk für die Tourismusbranche,
    das sich mit der Arbeitsplatzsituation und -gestaltung
    für Tourismusbeschäftigte auseinandersetzt.
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Foto: Polyfelt

                                                              Foto: AK

                 • Schwerpunkt
                 „Sensibilisierung von Multiplikatoren/-innen“
                 Betriebsräte/rätinnen, Führungskräfte, und Personal-       • Zielgruppe Betriebsräte: Werkstätte für Betriebsräte
                 verantwortliche haben Schlüsselfunktionen in den             (sepp.wall-strasser@oegb.at)
                 Betrieben Oberösterreichs und wesentlichen Einfluss        • Zielgruppe Betriebe: Informationsveranstaltungen
                 auf die innerbetriebliche Gestaltung der Arbeitsplätze       für Unternehmen
                 und der Arbeitsumwelt. Mit zielgruppenspezifischen           (doris.lauber@iv.at,
                 Veranstaltungen wurden Mulitiplikatoren/-innen               unternehmensberatung@taschil.at)
                 sensibilisiert und aufmerksam gemacht, dass früher         • Zielgruppe Multiplikatoren/-innen im Gesundheits-
                 oder später alle Branchen und Betriebe von der demo-         bereich: Studientag und Lehrgangsentwicklung
                 grafischen Entwicklung betroffen sein werden und mit         zum Thema Gesundheitsförderung
                 einer immer älter werdenden Erwerbsbevölkerung leben         (breiner.g@akooe.at)
                 und arbeiten müssen. Schwerpunkt war das Sichtbar-         • Zielgruppe Vorarbeiter/-innen: Workshop zur
                 machen ihrer zentralen Rolle bei der Umsetzung               Information und Sensibilisierung von Vorarbeitern/
                 präventiver Maßnahmen im Bereich Gesundheit,                 -innen zum Thema Altersmanagement
                 Qualifikation und Motivation. (konrad.e@akooe.at)            (rita.frauenhuber@bfi-ooe.at)

                 • Schwerpunkt
                 „Älter werden, Zukunft haben“ – Wertewandel initiieren
                 Die Wanderausstellung „Älter werden – Zukunft haben“       Die Kulturinitiative „Älter werden, Zukunft haben“
                 skizziert die Fakten zum demografischen Wandel             eröffnet einen künstlerischen Zugang zum Thema.
                 unserer Gesellschaft, zeigt nationale und internationale   Die Möglichkeiten der künstlerischen Auseinander-
                 Maßnahmen und Erfahrungen bei der Bewältigung der          setzung reichen von Aktionen in Betrieben (Firma
                 prognostizierten Folgen dieses Wandels auf. Sie bietet     Siemens) mit älteren Arbeitnehmern/-innen bis hin zu
                 Beispiele für die Praxis, die für Arbeitgeber/-innen und   utopischen Ansätzen und Zukunftsmodellen
                 Arbeitnehmer/-innen positive Veränderungen gebracht        (Zusammenarbeit mit deutschen Künstlern/-innen
                 haben. Darüber hinaus liefert sie Anregungen zur           „walkscreen“) in der Arbeitswelt.
                 aktiven Auseinandersetzung mit dem eigenen beruf-          (sonnberger.e@akooe.at)
                 lichen Umfeld, ob als Arbeitgeber/-in oder als Arbeit-
                 nehmer/-in. Die Ausstellung tourte von September 2005      Im „Dialog mit älteren Arbeitnehmern/-innen“
                 bis November 2006 durch alle Bezirke Oberösterreichs.      wurde in Zusammenarbeit mit oberösterreichischen
                 (rippatha.e@akooe.at)                                      Schulen und Eltern der zentralen Frage nachgegangen,
                                                                            mit welchen unterschiedlichen Ressourcen junge und
                              Mit dem Award „minerva“ werden Betriebe       ältere Arbeitnehmer/-innen zukünftige Aufgaben
                              ausgezeichnet, die sich mit dem Thema         gemeinsam bewältigen können.
                              „aktives Altersmanagement“ auseinander        (stelzhammer.m@akooe.at)
                              setzen und bereits konkrete Maßnahmen
                              umsetzen.
                              (rippatha.e@akooe.at)

                                                                                                                                     9
Johann Kalliauer (AK OÖ), Viktor Sigl (Land OÖ),                    Doris Lauber (IV OÖ), Peter Scheinecker (WK OÖ),
                               Greiner Extrusionstechnik GmbH:                                     Reinhard Nagler (Wifi OÖ)
                               Joachim Haslinger (Produktionsleiter),
                               Helmut Leitenmair (Betriebsrat)

     SORA Institute for Social Research and Analysis, Wien
     WAGE als regionales Innovationsprogramm

     S
           teigende Lebenserwartung und sinkende Geburten-                        Unternehmen werden im Rahmen von WAGE konkrete
           zahlen werden die demografische Struktur der                           Beratungsangebote zur Verfügung gestellt mit dem Ziel,
           Bevölkerung verändern. Eine Veränderung, die                           die Beschäftigungsfähigkeit und Produktivität älterer
     zugleich mit einer Zunahme älterer Beschäftigter ein-                        Mitarbeiter/-innen zu erhalten. Für kleine und mittlere
     hergeht. Gerade diese Personengruppe muss sich                               Unternehmen, die nicht auf interne Ressourcen zur
     jedoch mit erheblichen Beschäftigungsrisiken und                             Personalentwicklung zurückgreifen können, werden
     -benachteiligungen auseinandersetzen, denn insbeson-                         externe Beratungsleistungen für alter(n)sgerechte
     dere in Sachen Leistungsbereitschaft und -fähigkeit                          Personalarbeit angeboten.
     geht man in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in erster                   WAGE zeigt Alternativen zu einer einseitig auf Jüngere
     Linie von einem defizitorientierten Altersbild aus.                          ausgerichteten Personalpolitik auf und ist Impulsgeber,
     Die niedrige Beschäftigungsquote älterer Arbeitskräfte                       wenn es um die Umgestaltung betrieblicher Praktiken
     und eine drohende Verschärfung der Arbeitsmarkt-                             geht. Dabei kommt nicht nur der alter(n)sgerechten
     probleme in dieser Gruppe durch Umstrukturierungen                           Arbeits(platz)gestaltung eine steigende Bedeutung zu,
     und Rationalisierungsprozesse machen deutlich,                               sondern auch einer langfristig vorausschauenden
     dass hier gesellschaftspolitischer und betrieblicher                         Personalpolitik. Denn wenn unterschiedliche, lebens-
     Handlungsbedarf dringend vonnöten ist.                                       zyklusbedingte Anforderungen an die Beschäftigten
     Die im Rahmen der oberösterreichischen Sozialpartner-                        berücksichtigt werden, wird es möglich, auch neue
     initiative WAGE (Winning Age. Getting FuturE!)                               Formen der Arbeitsbelastungen zu bearbeiten, um die
     durchgeführten Betriebs-, Vernetzungs- und                                   Berufsfähigkeit bzw. den Verbleib am Arbeitsplatz zu
     Sensibilisierungsprojekte reagieren auf den Bedarf                           sichern. Betriebe werden deshalb im richtigen Umgang
     an einer alters- und alternsgerechten Gestaltung                             mit berufsbedingten Erkrankungen und Beeinträchti-
     der Arbeitswelt. Ergänzend zu regulären arbeitsmarkt-                        gungen geschult sowie Projekte zur betrieblichen
     und unternehmenspolitischen Programmen in                                    Gesundheitsförderung durchgeführt.
     Oberösterreich, werden hier nicht nur neue Ansätze                           Die Attraktivität von Arbeitgebern/-innen für Beschäftigte
     und Modelle der betrieblichen Arbeitsorganisation und                        steigt durch Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität
     Gesundheitsförderung, sondern auch zur Qualifizierung                        von Arbeitsplätzen und ermöglicht langfristig, die
     von älteren bzw. alternden Beschäftigten entwickelt                          Weichen für Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit
     und erprobt.                                                                 regionaler bzw. lokaler Wirtschaftsstandorte zu stellen.
     Bewusstseinsbildende Maßnahmen, die für eine breite                          Die Gruppe der über 45-Jährigen stellt eine wachsende
     Öffentlichkeit und für Entscheidungsträger/-innen aus                        Kundengruppe für Bildungseinrichtungen mit eigenen
     Bereichen der Wirtschaft, Politik und Erwachsenenbil-                        Lern- und Qualifizierungsbedürfnissen dar. Deshalb
     dung durchgeführt werden, sind wichtig, um dem weit-                         stellt WAGE die Berücksichtigung individueller Bedarfs-
     verbreiteten Defizitbild von älteren Beschäftigten                           lagen und Bedürfnisse älterer bzw. alternder Arbeits-
     entgegenzuwirken. Die breite sozialpartnerschaftliche                        kräfte hinsichtlich Qualifizierung, Arbeitsorganisation
     Beteiligung, die Einbeziehung von Erwachsenen-                               und Führung in den Mittelpunkt.
     bildungseinrichtungen und des ORF gewährleisten, dass                        Durch diese breite politische Auseinandersetzung mit
     viele unterschiedliche Ebenen der Gesellschaft von den                       der Thematik des demografischen Wandels kommt
     entwickelten Konzepten und Modellen profitieren                              Oberösterreich eine Pionierrolle zu. Eine Pionierrolle,
     können. Die Stärke von WAGE liegt in der gezielten                           die über WAGE hinaus fortgesetzt werden muss und
     Information und Aufklärung sowie der Sensibilisierung                        nach weiteren arbeitsmarkt- und sozialpolitischen
     und Bewusstseinsbildung unterschiedlicher Ziel-                              Forderungen und Maßnahmen verlangt.
     gruppen. Dabei werden die Bedürfnisse, Ressourcen
     und Potenziale älterer Beschäftigter ins Zentrum einer –                     Kontakt:
     bislang von Kosteneinsparungsargumenten geprägten –                          SORA
     Auseinandersetzung gestellt.                                                 Verena Paul
                                                                                  (01) 5853344 // vp@sora.at

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Juhani Ilmarinen (FIOH), Edith Konrad (AK OÖ)                Barbara Reuhl (AK Bremen), Rita Oldenbourg (FIOH),
                                                                                    Juhani Ilmarinen (FIOH)

Juhani Ilmarinen, Rita Oldenbourg:
ES GIBT IN FINNLAND NICHT NUR HOLZHÄUSER
Das Haus der Arbeitsfähigkeit
Entstehung                                                             Neu an dem Konzept ist die Betonung der Wechsel-
Ende der 1990er-Jahre wurde vom „Finnish Institute of                  seitigkeit der Prozesse: Es liegt weder nur an den
Occupational Health“ (FIOH) ein neues Konzept der                      Arbeitenden noch nur an ihrer Arbeit oder Arbeits-
„Arbeitsfähigkeit“ vorgestellt. Es basiert teilweise auf den           umgebung, ob die Arbeit gut ausgeführt werden kann
Ergebnissen einer Längsschnittstudie, die über einen                   oder nicht – es geht um die Passung zwischen
Zeitraum von elf Jahren erstellt wurde und an der mehr                 Arbeitenden und Arbeit! Eine gute Arbeitsfähigkeit
als 6500 Arbeiter/-innen und Angestellte beteiligt waren.              bedeutet, dass die Menschen mit den ihnen zur
                                                                       Verfügung stehenden Ressourcen die gewünschte
In diesem Konzept wird hervorgehoben, dass die Arbeits-                Arbeit gut leisten können.
fähigkeit des Individuums auf der Wechselwirkung
zwischen menschlichen Ressourcen und Arbeitsanforde-                   Arbeitsfähigkeit setzt sich aus verschiedenen miteinan-
rungen beruht. Nur wenn die Anforderungen der Arbeit                   der verknüpften Bereichen zusammen. Das Haus der
und die Ressourcen der Arbeitenden zusammenpassen,                     Arbeitsfähigkeit will als Modell darstellen, welche
kann die Arbeit gut ausgeführt werden.                                 Faktoren beteiligt sind und wie sie aufeinander wirken.

                                            Arbeitsfähigkeit

                                        4. Arbeit
                          Arbeitsumgebung, Inhalte, Anforderungen,
                                  Management und Führung

                                              3. Werte
                                    Einstellungen und Motivation

                                            2. Kompetenz
                                      Kenntnisse und Fähigkeiten
                                                                                                    Quelle:
                                                                                                    Ilmarinen, J., Tempel, J.,
                                                                                                    Arbeitsfähigkeit 2010,
                                                1. Gesundheit
                                                                                                    Was können wir tun,
                                              Leistungsfähigkeit                                    damit Sie gesund bleiben?,
                                                                                                    Hamburg 2002, S. 339
                                                                                                                                         11
Foto: BMW

                                                                                  Juhani Ilmarinen (FIOH) mit Moderatorin Ingrid Schiller
                                                                                  bei der WAGE-Abschlusskonferenz

     Haus der Arbeitsfähigkeit                                   Im Stockwerk „Arbeit“ finden sich all die unterschied-
     Das Haus der Arbeitsfähigkeit besteht aus                   lichen Faktoren, die den eigenen Arbeitsplatz zu dem
     vier Stockwerken:                                           machen, was er ist: die Arbeitsaufgabe und die daraus
     Gesundheit, Qualifikation, Werte und Arbeit.                entstehenden Anforderungen, das soziale Umfeld mit
                                                                 Kollegen/-innen und Vorgesetzten, die Struktur der
     Beginnen wir mit dem untersten Stockwerk, das die           Organisation, in der man arbeitet, und die Arbeitsum-
     Grundlage für alle weiteren bildet: der physischen und      gebung in Form von z.B. Räumen, Lichtverhältnissen,
     psychischen Gesundheit. Veränderungen in der Leistungs-     Mobiliar. Dieses Stockwerk ist in seinem Aufbau sehr
     fähigkeit und der Gesundheit wirken unmittelbar auf         komplex, weil es sich aus vielen unterschiedlichen Aspek-
     die Arbeitsfähigkeit. Einschränkungen in der Gesundheit     ten zusammensetzt, die eng miteinander verwoben sind.
     und Leistungsfähigkeit bedrohen immer auch die
     Arbeitsfähigkeit – umgekehrt bietet die Förderung von       Die Vorgesetzten tragen in diesem Stockwerk eine große
     Gesundheit und Leistungsfähigkeit die Möglichkeit der       Verantwortung – sie sind für eine gute Arbeitsgestal-
     Förderung der Arbeitsfähigkeit. Eine gute Arbeitsfähig-     tung verantwortlich und haben aufgrund ihrer Position
     keit braucht ein stabiles Fundament – das bedeutet          auch die Möglichkeit, diese durchzusetzen. Gleichzeitig
     auch, dass es eine gute Arbeitsfähigkeit ohne Gesund-       kann eine gute Arbeitsfähigkeit nur dann entstehen,
     heit nicht geben kann.                                      wenn Vorgesetzte und Mitarbeiter/-innen zusammen-
                                                                 arbeiten. Keiner von ihnen kann allein eine gute Arbeits-
     Das zweite Stockwerk „Qualifikation“ beschreibt das         fähigkeit durchsetzen – möglich wird sie erst, wenn
     Wissen und Können eines Menschen. Hierunter fallen          beide dazu ihren Anteil leisten. Neben den Vorgesetzten
     sowohl fachliche Qualifikationen als auch Schlüssel-        wirken auch Kollegen/-innen auf die eigene Arbeitsfä-
     kompetenzen. Ebenso möglich ist eine andere Unter-          higkeit – im besten Falle unterstützend und fördernd.
     teilung, nämlich in Fertigkeiten und Fähigkeiten. Unter
     Fertigkeiten versteht man die Anteile des eigenen           Das Haus der Arbeitsfähigkeit steht nicht allein –
     Könnens, die schon ausgebildet sind, z.B. „Ich kann Fahr-   auch die Umgebung des Hauses beeinflusst
     rad fahren.“ Als Fähigkeiten werden die Anteile beschrie-   die Arbeitsfähigkeit.
     ben, die noch nicht erlernt, aber prinzipiell erlernbar     Arbeitsschutz und Betriebsärztlicher Dienst wirken
     sind, z.B. „Ich kann eine neue Sprache lernen“. Mit den     hierbei als gesetzlich verankerte Schutzmechanismen.
     angeeigneten vielfältigen Qualifikationen begegnet          Da Arbeit und Leben keine Gegensätze sind, wirkt auch
     man den beruflichen Herausforderungen – im fortlau-         der Teil des Lebens, der außerhalb der Arbeit stattfindet,
     fend sich verändernden Arbeitsalltag wird das lebens-       auf die eigene Arbeitsfähigkeit. Familie, Freunde und
     lange Weiterlernen dabei immer wichtiger.                   Bekannte spielen eine wichtige Rolle im eigenen
                                                                 Kräftehaushalt.
     Im dritten Stockwerk sind die „Werte“ untergebracht.
     Hier wird zwischen Einstellungen und Motivationen unter-    Wie bereits erwähnt, entsteht Arbeitsfähigkeit vor allem
     schieden. Einstellungen prägen unser gesamtes Verhal-       durch eine möglichst gute Passung zwischen den Anfor-
     ten und beeinflussen auch, welche Dinge uns motivie-        derungen der Arbeit und den Ressourcen der Menschen.
     ren. Für eine gute Arbeitsfähigkeit ist es daher wichtig,   Die Suche nach einem möglichst guten Gleichgewicht
     dass die eigenen Einstellungen und Motivationen im          zwischen Anforderungen und Ressourcen zieht sich
     Einklang mit der eigenen Arbeit stehen. Eine Arbeit, die    durch ein ganzes Menschenleben und wird in den ver-
     man vor sich selbst nicht gut vertreten kann, oder ein      schiedenen Lebensphasen unterschiedlich beantwortet.
     Chef, der mit Gehaltserhöhungen zu locken versucht,         Dabei verändern sich sowohl die Ressourcen der Men-
     obwohl man sich einen Freizeitausgleich wünscht –           schen als auch die Anforderungen der Arbeit. Das Stre-
     langfristig leidet die eigene Arbeitsfähigkeit darunter.    ben nach einer guten Arbeitsfähigkeit dauert also im
                                                                 Idealfall ein Leben lang an – indem es sich den verän-
     Das vierte Stockwerk des Hauses ist das größte und          dernden Gegebenheiten immer wieder neu anpasst.
     schwerste – es ist die Arbeit selbst. In den meisten
     Zeichnungen wird es aus diesem Grund auch doppelt so        Umsetzung – Förderung der Arbeitsfähigkeit
     groß dargestellt wie die anderen. Und weil es das oberste   Wie lässt sich nun die Arbeitsfähigkeit der Arbeitenden
     Stockwerk ist, drückt es mit seinem Gewicht auf alle dar-   fördern? Das Haus der Arbeitsfähigkeit zeigt die Vielfalt
     unter iegenden – alles, was hier passiert, hat deutliche    der verschiedenen Ansatzpunkte auf. Zugleich kann die
     Auswirkungen auf jedes der zuvor genannten Stockwerke.      Arbeitsfähigkeit nur dann wachsen, wenn alle vier

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Foto: KAV/Johannes Zinner
Künstlerin Marie-Theres Escribano
bei der WAGE Abschlusskonferenz

     Stockwerke gleichzeitig im Auge behalten                                  Ebene für eine bessere Beschäftigung aller
     werden. Es geht also um eine Integration der ver-                         Altersgruppen erforderlich sind.
     schiedenen Handlungsfelder. Wer sich nur auf die
     Zusammenarbeit unter Kollegen/-innen, nur auf                             Aktuelles aus Finnland
     eine möglichst gesunde Ernährung, nur auf die                             Ein Förderungskonzept aus Finnland, das sowohl
     Förderung von Bewegung konzentriert, kann die                             die Arbeitsfähigkeit als auch die Erwerbsfähigkeit
     Arbeitsfähigkeit nicht langfristig und bleibend                           berücksichtigte, wurde erst kürzlich mit dem
     verbessern. Dafür braucht es vielfältige, aber                            Bertelsmann-Preis 2006 ausgezeichnet. Das
     aufeinander abgestimmte Maßnahmen.                                        Nationale Reformprogramm „Älter werdende
                                                                               Arbeitnehmer“ wurde in den Jahren 1998 bis 2002
     Der Begriff Agemanagement führt diese mög-                                durchgeführt. Ziel war eine Erhöhung des
     lichen Maßnahmen unter einem Dach zusam-                                  effektiven Renteneintrittsalters um zwei bis drei
     men. Das grundlegende Konzept für die Förde-                              Jahre und eine Angleichung der Erwerbsquoten
     rung der Arbeitsfähigkeit ist für alle Altersgrup-                        Älterer an die der 35- bis 45-Jährigen. Durch eine
     pen gleich. Die notwendigen Anpassungen und                               konzertierte Aktion verschiedener Ministerien,
     Einzelmaßnahmen sind jedoch altersabhängig.                               der Sozialpartner und weiterer politischer und
     Agemanagement berücksichtigt diese verschiede-                            gesellschaftlicher Akteure wie des FIOH konnten
     nen alters- und alternsrelevanten Faktoren bei                            diese Ziele verwirklicht werden – sowohl Erwerbs-
     der Arbeitsgestaltung.                                                    quote als auch Renteneintrittsalter sind seitdem
                                                                               deutlich gestiegen.
     Messung der Arbeitsfähigkeit –
     Arbeitsbewältigungsindex                                                  Im „Finnish Institute of Occupational Health“
     Mit dem Arbeitsbewältigungsindex wurde ein                                wird die Arbeit derweil unter der Überschrift
     Instrument geschaffen, mit dem sich die Arbeits-                          „Life Course and Work“ weitergeführt. Ziel ist es,
     fähigkeit messen lässt. Es wurde im FIOH für die                          die Arbeitsfähigkeit in den unterschiedlichen
     eingangs genannte Längsschnittstudie über elf                             Lebensphasen angemessen zu fördern – wenn die
     Jahre entwickelt und hat sich in dieser und                               individuellen Lebenssituationen der Mitarbeiter/
     anderen Untersuchungen als Erhebungsmethode                               -innen berücksichtigt werden und jeder/jede die
     für die Arbeitsfähigkeit bewährt.                                         eigenen Stärken einbringen kann, erhöhen sich
     Die beiden unterschiedlichen Begriffe „Arbeits-                           Arbeits- und Lebensqualität aller Beteiligten.
     fähigkeit“ und „Arbeitsbewältigung“ haben ihre
     Ursache in unterschiedlichen Übersetzungen im                             Ansprechperson
     deutschsprachigen Raum – in Finnland wird für                             Rita Oldenbourg
     beides dasselbe Wort verwandt.                                            Life Course and Work-theme
                                                                               Finnish Institute of Occupational Health
     Erwerbsfähigkeit                                                          Topeliuksenkatu 41 a A, 00250 Helsinki, Finland
     Arbeitsfähigkeit ist zwar eine notwendige Grund-                          +358 (30) 474 2683
     lage für Beschäftigung, führt aber nicht automa-                          rita.oldenbourg@ttl.fi
     tisch zu einer Anstellung. Zwischen Arbeitsfähig-
     keit und Erwerbsarbeit liegt die Erwerbsfähigkeit.                        Quellen
     Mit diesem neuen Begriff werden Maßnahmen                                 • Bertelsmann Stiftung (Hg.). (2006).
     beschrieben, die notwendig sind, um die Beschäf-                          Älter werden – aktiv bleiben. Beschäftigung in
     tigungsrate zu verbessern. Dieser Begriff umfasst                         Wirtschaft und Gesellschaft. Carl-Bertelsmann-
     Beschäftigung, Ausbildung und Pensionierungs-                             Preis 2006. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.
     politik, umfangreiche Sozial- und Gesundheits-                            • Ilmarinen, J. (2006). Towards a Longer Worklife!
     dienstleistungen sowie beispielsweise die                                 Ageing and the quality of worklife in the Europe-
     allgemeine Prävention von Altersdiskriminierung.                          an Union. Finnish Institute of Occupational
     Das Konzept der Erwerbsfähigkeit ist noch nicht                           Health und Ministry of Social Affairs and Health
     ausgereift – es lässt sich derzeit hauptsächlich                          (Hg.). Jyväskylä: Gummerus.
     anhand wichtiger Eigenschaften und Infra-
     strukturen beschreiben, die auf gesellschaftlicher

                                                                                                                                    13
BETRIEBSMODELLE

     „KREATIVITÄT, INNOVATION UND TATKRAFT“
     „Spricht man von Wirtschaftsentwicklung und Standort-
     sicherung, wird man zukünftig nicht mehr an der Idee der
     ‚Drei-Generationen-Betriebe’ mit gut durchmischter Altersstruktur
     und passenden Rahmenbedingungen für alle Beschäftigten
     vorbeikommen. Hier sind für die erfolgreiche Implementierung
     Kreativität, Innovation und Tatkraft gefragt.“

14
Foto: Bezirksaltenheim Kremsmünster

                                                                     Foto: E+E Elektronik

                                                                                                         Foto: Fischer

                                      BETRIEBSINDIVIDUELLE MASSNAHMEN:
                                      Das Sozialpartnermodell und WAGE

                                      Z                                                               Ablauf:
                                            ur Einführung von Altersmanagement in Betrieben
                                            werden bereits bekannte fachliche Lösungsan-           1. Im Auftragsgespräch wird der Projektauftrag
                                            sätze/Good Practices unter Mitwirkung der Mitar-         präzisiert, die Teilnehmer/-innen der Steuerungs-
                                      beiter/-innen und mittels sozialpartnerschaftlichen            gruppe und ggf. auch der Projektgruppen (d.h. Work-
                                      Lösungsansätzen zu maßgeschneiderten Maßnahmen                 shops mit Mitarbeiter/-innen) benannt. Sowohl
                                      weiterentwickelt. Je ein/e Vertrauensberater/-in von           Projektauftrag als auch Besetzung der Steuerungs-
                                      Arbeitnehmer/-innen und ein/e Vertrauensberater/-in            gruppe und der Projektgruppen müssen sozial-
                                      von Arbeitgeberseite begleiten betriebsintern diesen           partnerschaftlich abgestimmt sein.
                                      Prozess und verkörpern so die Ausgewogenheit der
                                      Interessenslagen von Unternehmen und Beschäftigten.
                                                                                                   2. In der anschließenden Analysephase werden die
                                                                                                     im Rahmen des Projektauftrags zu erhebenden
                                      Wichtig ist: Der Berater/die Beraterin ist Prozesspartner,
                                                                                                     Daten festgelegt.
                                      d.h. unterstützt beispielsweise bei Erhebung der
                                      erforderlichen Daten, moderiert die Workshops der            3. Die Ergebnisse der Analyse bilden die Basis für die
                                      Projektgruppe(n) und gibt, neben professioneller Hilfe-        Festlegung der Handlungsfelder. Es werden Lösungs-
                                      stellung bei der Maßnahmenausarbeitung, auch                   ansätze in ausgewählten Handlungsfeldern als
                                      wichtigen fachlichen Input.                                    Vorschläge an die Steuergruppe entwickelt.
                                                                                                   4. Die Steuergruppe entscheidet sich für einen Vorschlag,
                                                                                                   5. welche der erarbeiteten Maßnahmen innerhalb eines
                                                                                                     Pilotprojekts in ausdifferenzierter Form Anwendung
                                                                                                     finden werden.

                                                                                                                                                               15
Foto: BRP Rotax
                              WAGE-Projektteam BRP Rotax (v.l.n.r.):
                              Julia Gal-Konwalinka (Personalentwicklung),
                              Michael Fürlinger (Montage), Veronika Hubner (AK-Consult),
                              Hans Nagl (Produktionsentwicklung),
                              Hermann Roither (Fertigung), Franz Anzengruber (Betriebsrat)

     BRP ROTAX
     Ein notwendiger Push

     „S
            obald man anfängt, sich mit den Auswirkungen des                    Anteil der über 55-Jährigen in diesen Bereichen verviel-
            demografischen Wandels zu beschäftigen,                             fachen. Die daraus resultierenden, drängendsten Frage-
            wird schnell deutlich, dass man etwas tun muss.“                    stellungen waren: Was tun, angesichts eines möglichen
     Diese klaren Worten eines Personalverantwortlichen von                     „geballten“ Know-how-Verlusts bei Pensionierung der
     BRP Rotax im Herbst 2006 zeigen nicht nur, was für                         Mitarbeiter/-innen? Und: Wie geht man mit dem
     wichtige Impulse WAGE innerhalb Oberösterreichs                            Belastungsgrad der Arbeitsplätze ab einem bestimmten
     gesetzt hat, sondern demonstrieren zugleich die Schub-                     Alter um? In „zwei tollen, altersgemischten Workshops“
     kraft, die die Beratungstätigkeit der AK- und WKO-                         (Hubner) wurde mit den Mitarbeitern/-innen deshalb
     Consultants innerhalb einzelner Unternehmen, die sich                      auch zum Thema „Wissensmanagement“ gearbeitet.
     zuvor noch nicht gezielt mit den Folgen des demografi-                     Ein Ergebnis: Wertschätzung ist sehr wichtig, um die
     schen Wandels auseinandergesetzt haben, haben kann                         uneingeschränkte Bereitschaft zur Wissensweitergabe
     oder – besser gesagt – haben muss. „Denn nicht nur ich                     zu sichern. Das „Haus der Arbeitsfähigkeit“ nach Juhani
     als Betreuerin muss ein Interesse an dem Thema haben                       Ilmarinen war Basis für einen anderen Arbeitsschritt:
     und dafür brennen, sondern ich muss auch auf der Gegen-                    Die „Gesundheit“ ist in Ilmarinens Haus das unterste
     seite auf jemanden treffen, der dafür brennt“, beschreibt                  Stockwerk, die Grundlage jeder Arbeitsfähigkeit.
     Veronika Hubner, die seitens AK-Consult den Prozess bei                    Konsequenz bei BRP Rotax war, die Arbeitsplätze von
     BRP Rotax begleitet hat, ihre Herangehensweise.                            „Montage“ und „Fertigung“ ergonomisch auszuwerten.
     „Das Thema ‚Alter’ muss sensibel aufbereitet werden,                       Die Erstellung einer Arbeitsplatzmatrix ermöglichte
     damit es tatsächlich zu einem Unternehmensthema                            zudem, Einflussfaktoren wie z.B. Stress mit einzubeziehen
     werden kann. Und man braucht beherzte Menschen für                         und damit die Arbeitsplätze und ihre möglichen gesund-
     die Umsetzung.“ Dies ist bei BRP Rotax ganz offensicht-                    heitlichen Auswirkungen grundlegend zu erfassen.
     lich gelungen. Nicht nur, dass innerhalb von WAGE eine
     Vielzahl an Maßnahmen erarbeitet und auf den Weg                           Folgende Handlungsfelder wurden bei BRP Rotax im
     gebracht werden konnten. Auch nach Abschluss der                           Rahmen von WAGE herausgearbeitet:
     Beratung wird von den „Rotaxlern“ weitergemacht, ein                       • Ergonomie – zB. Berücksichtigung altersspezifischer
     Strategiepapier ist in Arbeit: „Wir bei BRP Rotax sind                       Fähigkeiten, altersgemischte Teams
     dankbar für den notwendi-gen Push, der durch WAGE                          • Arbeitsorganisation und Führung – u.a. Etablierung
     ausgelöst worden ist – und der bei uns nun den nächsten                      von Wissensmanagement (nicht nur bei Pensionie-
     Push auslöst.“                                                               rung, sondern auch Weitergabe von technischem
                                                                                  Wissen, über das z.T. nur Jüngere verfügen, an ältere
     BRP Rotax in Gunskirchen ist ein Unternehmen der                             Mitarbeiter/-innen), Möglichkeiten für Jobrotation,
     Bombardier Recreational Products Inc. In den mehr als                        neue Arbeitszeit- und Schichtmodelle, Überprüfen der
     80 Jahren seit Unternehmensgründung hat sich der                             Kommunikations- und Informationsstruktur
     Standort Gunskirchen mit seinen rund 1300 Mit-                             • Motivation – z.B. lebensphasenbezogenes Mitarbeiter-
     arbeiter/-innen zum internationalen Marktführer in der                       gespräch, Schulung/Sensibilisierung der Führungs-
     Entwicklung und Herstellung moderner 2- und 4-Takt-                          kräfte in Agemanagement
     Motoren für motorisierte Freizeitgeräte entwickelt.                        • Gesundheit – firmeninterne Gesundheitsprogramme, Be-
     „Fertigung“ und „Montage“ sind die Kernbereiche in                           grenzung der Verweildauer an belastenden Arbeitsplätzen …
     Gunskirchen. Hier herrschen konstante Band- und Takt-
     betriebe. Die zu Beginn des Beratungsprozesses durch-                      Kontakt:
     geführte Analyse der Altersstruktur zeigte, auf das                        Arbeiterkammer OÖ
     gesamte Unternehmen bezogen, zunächst wenig Auf-                           Veronika Hubner
     fälligkeiten. Isolierte man jedoch in der Betrachtung                      (0732) 6906-2431 // hubner.v@akooe.at
     „Fertigung“ und „Montage“, fiel auf, dass bereits jetzt                    für die Wirtschaftskammer OÖ
     mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer/-innen zur                           Kurt Zaiser
     Generation 40+ gehören, bis zum Jahr 2013 wird sich der                    (07252) 54405 // kurt.zaiser@aon.at

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Foto: Wurm & Partner

                                                                            Foto: Wurm & Partner
                       Gemeinsame Arbeit im WAGE-Projektteam (v.l.n.r.):                           Derzeit im Bau: neues Unternehmensgebäude
                       Kurt Prandstetter, Heinrich Burgstaller,                                    von Wurm & Partner in Hagenberg
                       Sandra Wolkerstorfer, Johann Leinthaler
                       von Wurm & Partner

                             WURM & PARTNER UNTERNEHMENSSERVICE
                             Erfolgreich mit Personaleinsatzmatrix

                            S
                                 eit 1995 bietet Wurm & Partner Unternehmens-                                      Der nächste Schritt war, einen Katalog mit Anforde-
                                 service (vormals LIVUS) als Dienstleister individuelle                            rungsermittlungen (Komplexität, Neuartigkeit,
                                 Outsourcing-Lösungen im Finanz-, Rechnungs-                                       Handlungstätigkeit und Handlungsrahmen) für jede der
                             wesen und für den IT-Sektor. 2005 wurde das Unter-                                    Einzeltätigkeiten zu erstellen und darauf aufbauend zu
                             nehmen zur Gänze von Sabine und Maximilian Wurm                                       fragen: Wie könnte eine „Idealverteilung“ der Arbeit auf
                             übernommen. Derzeit entsteht ein eigenes Unter-                                       alle Mitarbeiter/-innen aussehen – unter besonderer
                             nehmensgebäude im Softwarepark Hagenberg mit                                          Berücksichtigung des Altersfokus’?
                             rund 1550 m2 Büro- und Nebenflächen.                                                  Diese „Idealverteilung“ wurde dann mit dem Istzustand
                                                                                                                   verglichen.
                             Gemeinsam mit dem Betriebsrat meldete sich
                             Maximilian Wurm bei der Arbeiterkammer für die Teil-                                  Nach abschließender Evaluierung wurde
                             nahme an WAGE. Das Interesse des Unternehmers                                         ein Handlungskatalog mit kurz-, mittel- und
                             für zukunftsorientierte Maßnahmen wie WAGE kommt                                      langfristigen Maßnahmen erstellt:
                             nicht von ungefähr, wurde doch bei Wurm & Partner
                             Unternehmensservice im Jahr 2004 bereits erfolgreich                                  kurzfristig: das lebensphasenbezogene Mitarbeiter-
                             das Audit „Familie und Beruf“ durchgeführt – ein                                        gespräch als Ergänzung des bereits existierenden,
                             Anliegen, für das sich das Unternehmen seit Jahren                                      „klassischen“ Mitarbeitergesprächs; zusätzliche
                             engagiert.                                                                              „Gesundheitsangebote“ wie Coaching, Supervision,
                                                                                                                     Gesundheitstage
                             Als Schnittstelle zu verschiedenen Unternehmens-                                      mittelfristig: Ableitung von Karriereverläufen aus der
                             bereichen wurde für WAGE ein Projektteam mit Mitar-                                     Personaleinsatzmatrix; Einführung eines Mentoring-
                             beitern/-innen aus den Bereichen Betriebswirtschaft                                     Systems; Überprüfen der Möglichkeiten für Turnus-
                             (gezielte Auswahl „älterer“ Mitarbeiter/-innen) und IT                                  und Rotationsmodelle bei belastenden Tätigkeiten,
                             (gemischte Altersstruktur), dem Betriebsrat sowie                                       bspw. bei Projekten mit häufigen Nachteinsätzen
                             Vertretern/-innen der Arbeitsgruppe „Familie & Beruf“                                 langfristig: Definition von Arbeitskarrieren, so dass
                             gebildet. Das zunächst definierte Ziel, eine Personal-                                  die Mitarbeiter/-innen im Idealfall bereits beim
                             strukturanalyse für ausgewählte Unternehmensberei-                                      Einstieg in das Unternehmen wissen, welche
                             che, ergab eine durchschnittliche Altersstruktur, die sich                              Entwicklungsmöglichkeiten existieren
                             zwischen 35 und 40 Jahren bewegt. Handlungsbedarf
                             wurde in Sachen Personalentwicklung, Stichwort
                             Karriereplanung, festgestellt. Für Wurm & Partner Unter-
                             nehmensservice wurde daher eine Personaleinsatz-
                             matrix entwickelt, die die langfristige Planbarkeit
                             beruflicher Perspektiven für die Mitarbeiter/-innen
                             ermöglicht, aber bspw. auch Auskunft über den
                             Belastungsgehalt von Arbeitsplätzen geben soll. Dafür
                             wurden zunächst die Arbeitsfelder „Betriebswirtschaft“
                             und „IT“ in je vier Aufgabenbereiche unterteilt, denen
                             dann jeweils konkrete Einzeltätigkeiten zugeordnet
                             werden konnten. Auf Basis dieser exakten Aufschlüsse-
                                                                                                                   Kontakt:
                             lung der Tätigkeitsfelder war es nicht nur möglich,
                                                                                                                   Arbeiterkammer OÖ
                             genau zu ermitteln, welche Mitarbeiter/-innen wie viele
                                                                                                                   Doris Formann
                             Stunden für welchen Aufgabenbereich tätig waren,
                                                                                                                   (0732) 6906-2421 // formann.d@akooe.at
                             sondern auch, in welchen Bereichen überwiegend
                                                                                                                   für die Wirtschaftskammer OÖ
                             jüngere bzw. ältere Arbeitnehmer/-innen eingesetzt
                                                                                                                   Johannes Blanker
                             werden, bzw. wo Defizite bestehen.
                                                                                                                   (07243) 58303// office@timing.co.at

                                                                                                                                                                              17
Foto: MAN Group

                                                                                              Foto: MAN Group
                                             Fahrerhausfertigung bei MAN Steyr                                  Rahmenmontage in Steyr, dem Kompetenzzentrum
                                             Nutzfahrzeuge Österreich                                           für Entwicklung und Fertigung leichter und
                                                                                                                mittelschwerer LKW

     MAN STEYR
     Lebensphasenbezogenes Arbeiten

     K
           Knapp 3000 Mitarbeiter/-innen sind am Pro-                            Kommunikation) erarbeitet und dem Gesamtsteuerkreis
           duktionsstandort Steyr der MAN Nutzfahrzeuge                          vorgelegt werden. Hier fiel die Entscheidung auf den
           Gruppe beschäftigt. Steyr ist Kompetenzzentrum                        Themenbereich „lebensphasenbezogene Personalpla-
     für die Entwicklung und Fertigung leichter und mittel-                      nung“ mit Integration der „Sozialstruktur in den Teams“.
     schwerer Lkw. Im Jahr 2005 liefen in Steyr knapp 20.000                     Die Projektgruppe wurde beauftragt, in zwei Pilot-
     Lkw vom Montageband.                                                        abteilungen Elemente der lebensphasenbezogenen
                                                                                 Personalplanung und des lebensphasenbezogenen
     Bei Serienfertigung und der Arbeit am Montageband ist                       Personaleinsatzes zu erarbeiten und zu etablieren.
     es wichtig, das Augenmerk auf für die Arbeitnehmer/                         Hierzu zählen:
     -innen mit zunehmendem Lebensalter belastende
     Arbeitsbedingungen wie Taktgebundenheit, Schicht-                           • Team/Gruppe
     arbeit, das Hantieren mit schweren Teilen und ungünsti-                     • Arbeitsplatzwechsel
     ge Arbeitshaltungen zu richten. Zusätzlich müssen auch                      • Arbeitseinsatz
     die Auswirkungen kontinuierlich komplexer werdender                         • Arbeitsplatzraster
     Produktionsprozesse (durch Variantenvielfalt, Reduktion                     • Entwicklung der Mitarbeiter/-innen
     der Losgrößen) und der Minimierung der Taktzeiten aus-                      • Berufs-/Joblaufbahnen
     reichend mit berücksichtigt werden.                                         • Bewusstseinsbildung

     MAN Steyr hat als eine der ersten Firmen Kontakt mit                        Zusätzlicher Wunsch war, dass die Arbeit der Projekt-
     der Arbeiterkammer OÖ aufgenommen und Bereitschaft                          gruppe auch für MAN Nutzfahrzeuge Österreich allge-
     zur Mitarbeit an WAGE signalisiert. Das WAGE-Projekt                        mein anwendbare Instrumente und Vorgangsweisen
     „lebensphasenbezogenes Arbeiten“ wurde hier in das                          liefern solle. Beide Pilotprojekte wurden gemeinsam mit
     gesamtbetriebliche Projekt „Fit for Future“ integriert.                     Führungskräften und Mitarbeitern/-innen von MAN
                                                                                 Steyr eingerichtet und haben mit ihrer Arbeit begonnen.
     Zum Projektstart im Jänner 2006 wurden von der                              Die kontinuierliche Begleitung erfolgt durch das
     Projektgruppe (zwei Mitarbeiter/-innen der Personal-                        bestehende Projektteam „lebensphasenbezogenes
     abteilung, eine Mitarbeiterin der Personalentwicklung,                      Arbeiten“.
     vier Meister, zwei Betriebsräte) folgende Zielsetzungen
     definiert:
     • Schaffung von Rahmenbedingungen, die die Bereit-
       schaft und Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer/
       -innen dauerhaft sichern.
     • Verringerung krankheitsbedingter Abwesenheiten,
       die durch Über-/Unterforderung in Bezug auf die
       lebensphasenbezogene Veränderung der Leistungs-
       fähigkeit und der Bedürfnisse der Arbeitnehmer/
       -innen entstehen.
     Im Rahmen von WAGE standen bei MAN Steyr die
     Betriebsteile Lackierwerk, Lkw-Montage, das Presswerk
     sowie zuarbeitende Bereiche im Mittelpunkt.
                                                                                 Kontakt:
     Zunächst wurde eine fundierte Altersstrukturanalyse                         Arbeiterkammer OÖ
     vorgenommen. Basierend auf den Ergebnissen dieser                           Harald Resch
     Analyse konnten fünf Handlungsfelder (lebensphasen-                         (0732) 6906-2420 / resch.h@akooe.at
     bezogene Personalplanung, Facharbeit, Arbeitsplatzge-                       für die Wirtschaftskammer OÖ
     staltung/Ergonomie, Sozialstruktur in den Teams,                            Kurt Strauss
                                                                                 (07262) 61665 // kurt_strauss@aon.at

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