NABU Fachgespräch "Meeresschutzgebiete in der Ostsee" - Dieter Boedeker und Nina Schröder

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NABU Fachgespräch "Meeresschutzgebiete in der Ostsee" - Dieter Boedeker und Nina Schröder
NABU Fachgespräch
„Meeresschutzgebiete in der Ostsee“

       Dieter Boedeker und Nina Schröder

  Abt. Meeresnaturschutz, Bundesamt für Naturschutz
NABU Fachgespräch "Meeresschutzgebiete in der Ostsee" - Dieter Boedeker und Nina Schröder
Gliederung

1. Entwicklung des HELCOM Netzwerkes von „Marine and Coastal
   Baltic Sea Protected Areas“

2. Nationale Unterschutzstellung der HELCOM MPAs in der deutschen
   AWZ
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HELCOM Empfehlung 15/5 (BSPA) in 1994

                  HELCOM Empfehlung 15/5 für ein
                  System von „Coastal and Marine Baltic
                  Sea Protected Areas“
                  62 BSPAs werden vorläufig benannt
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Schutzziele

                                                   Biotope sowie
     Arten und ihre Habitate                        Meeres- und
 einschließlich Migrationsrouten                    Küstenland-
        sowie Laich- und                              schaften
        Aufwachsgebiete

                                   Ökologische Prozesse
AWZ, Territorial-,
 Innere Gewäser
                     Mindestgröße:       Guidelines designation 1995
                      10/30 km²          Guidelines management 1996
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Umsetzungsstand der Empfehlung 15/5 in 2001
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2003: HELCOM/OSPAR MPA-Arbeitsprogramm

Erste gemeinsame Kommissionssitzung von HELCOM und OSPAR in
Bremen auf Ministerebene:
    Arbeitsprogramm zur Errichtung eines gemeinsamen ökologisch
    kohärenten und gut gemanagten MPA Netzwerks bis 2010

• bis 2006 den Stand der MPA-Vorschläge bewerten
• Entwicklung von Leitlinien für das Management von MPAs
• Entwicklung von Leitlinien für die Bewertung der Wirksamkeit des
  Managements
• Sicherstellung der ökologischen Kohärenz des Netzwerks
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2006: Deutsche BSPA-Meldung an HELCOM
Das BMU meldet alle Natura 2000-Ostseegebiete aus S-H und aus der deutschen
AWZ sowie die Nationalparke Jasmund und Vorpommersche Bodenlandschaft
aus M-V endgültig für das BSPA-Netzwerk an HELCOM.
Die 1994 vorläufig benannten großen Gebiete in den Bereichen Greifswalder
Bodden/Oderhaff sowie Wismarer Bucht sind nunmehr nicht mehr HELCOM
BSPAs, aber Natura 2000-Gebiete.
                                                   “…EU Member States to
                                                   designate when feasible all
                                                   appropriate Natura 2000 sites
                                                   as HELCOM MPAs.”
                                                   Mit der Meldung von Natura
                                                   2000-Gebieten als HELCOM
                                                   MPAs ergeben sich keine
                                                   über Natura 2000
                                                   hinausgehenden
                                                   Schutzerfordernisse.
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2007: Baltic Sea Action Plan (BSAP)

            HELCOM Ministersitzung 2007 in Krakau, es
            wurde u. a. beschlossen:
            • bis 2009 bereits eingerichtete geeignete
              marine Natura-2000-Gebiete in das HELCOM
              BSPA-Netzwerk zu integrieren und bis 2010
              insbesondere im Offshore-Bereich außerhalb
              der Hoheitsgewässer weitere BSPAs
              auszuweisen
            • die Schutzeffizienz des BSPA-Netzes bis 2010
              durch Fertigstellung und - soweit
              möglich - Umsetzung von Managementplänen
              zu verbessern.
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2010: Erster BSPA-Bewertungsbericht

Positiv: die Ostsee ist global die
erste Meeresregion die das Ziel der
CBD, bis 2012 zumindest 10 Prozent
aller Ökoregionen der Welt effektiv
zu schützen, anteilig erreicht hatte,
Weniger positiv: das Netzwerk ist
gemäß einer umfassenden
wissenschaftlichen HELCOM Studie
weder komplett noch kohärent.
2010: HELCOM Ministertreffen in Moskau

• begrüßt, dass die Zahl der BSPAs seit 2003 von 78 auf 159
  zugenommen hat und derzeit 10,3% der Ostsee gegenüber 3,9% im
  Jahr 2004 umfasst
• begrüßt insbesondere die anteilige Erreichung des 10 %-Ziels für MPAs,
  wie es von der UN CBD COP7 für regionale Meere festgelegt wurde
• beschloss in Kenntnis, dass das Netzwerk weder komplett noch
  kohärent ist, weitere, insbesondere Offshore-BSPAs auszuweisen und
  zu gewährleisten, dass die Kriterien der ökologischen Kohärenz
  (Repräsentativität, Replikation, Angemessenheit und Konnektivität)
  erfüllt werden.
2013: HELCOM Ministertreffen Kopenhagen

Es sind verstärkte Maßnahmen erforderlich, um bis 2020 ein ökologisch
kohärentes Netz von effektiv geschützten BSPAs zu schaffen, welches
zugleich gefährdete Lebensräume und Arten der HELCOM Roten Listen
schützt und somit zu einem guten ökologischen Zustand der Meeresumwelt
beiträgt
2014: HELCOM Empfehlung 35/1 HELCOM MPAs

Eine aktualisierte HELCOM Empfehlung 35/1 ersetzt die 15/5 und die
Kurzform „BSPA“ wird durch „HELCOM MPA“ ersetzt, u. a. wird
empfohlen:
• dass das 10 % Ziel nicht nur für die gesamte Ostsee gilt, sondern auch
   auf alle einzelnen Regionen (Becken) ausgedehnt wird
• wenn ökologisch sinnvoll, neue HELCOM MPAs einzurichten
• wenn machbar, alle geeigneten Natura 2000-Gebiete auch als
   HELCOM MPAs zu übernehmen
• bis 2015 bzw. spätestens fünf Jahre nach ihrer Einrichtung
   Managementpläne für die MPAs zu erstellen und deren Wirksamkeit
   regelmäßig zu überprüfen.
2016: Zweiter BSPA-Bewertungsbericht

                                                            Replikation:
            Repräsentativität:                       Gibt es genügend
        Enthalten die MPAs                           Wiederholungen der
        genügend Schutzgüter?                        Schutzgüter? Für fast
         Ja, für die Ostsee, nein                    alle, nur nicht für zwei
           für einzelne Becken                       Biotopkomplexe.

                                          Konnektivität:
                                    Bietet das Netzwerk
  Angemessenheit:                   ausreichende Möglich-
Sind die einzelnen                  keiten für Migration und
MPAs groß genug?                    Verdriftung (z. B. Larven)
Insgesamt nicht!                    zwischen MPAs?
                                               Nein!
MPA-database

       Number of
Date               Coverage in %
         MPAs
2018     176            12
2010     159           10,4
2007     104            7
Ausweisungsprozess der HELCOM MPAs i. d. AWZ
•   2004: Meldung von 10 Natura 2000 Gebieten in der AWZ an EU -Komm
•   2006: Meldung der Gebiete an HELCOM
•   2007: Anerkennung durch EU – Komm
•   2017: nat. Unterschutzstellung als Naturschutzgebiete (NSG)
Verbote in NSG-Verordnungen der AWZ

KEINE……

• Errichtung künstlicher Inseln, Anlagen & Bauwerke

• Einbringung von Baggergut

• Einrichtung und Betrieb mariner Aquakulturen

• Ausbringung von Tieren und Pflanzen gebietsfremder Arten

• Freizeitfischerei in bestimmten Zonen

        Alle anderen Pläne und Projekte nur vorbehaltlich
       einer Genehmigung (meist FFH VP)
Stand Gebietsmanagementpläne (GMP) AWZ

•   Entwürfe der Nordsee Managementpläne im
    Beteiligungsverfahren  anschließend
    Versendung Entwürfe Ostsee GMP (noch 2019)

•   Erstellung nach BfN-Methodik
    (Zum Download auf BfN-Homepage verfügbar)

•   Basieren auf ausführlicher vorangestellter Gebietsanalyse
Zusammenfassende Bewertung

HELCOM und die Vertragsstaaten haben sehr gute Fortschritte hinsichtlich
Anzahl und flächenmäßigem Anteil von HELCOM MPAs in der Ostsee gemacht,
so umfassten 2018 176 MPAs 12 % der Meeresfläche. Somit ist das Aichi Ziel Nr.
11 bereits erfüllt.
Allerdings hat die Bewertung der Kohärenz von 2016 gezeigt, dass das Netzwerk
weder ökologisch kohärent noch komplett ist.
Nicht alle geeigneten Natura 2000 Gebiete sind HELCOM MPAs.
Insbesondere der Offshore-Bereich ist in einzelnen Becken noch
unterrepräsentiert.
Es gibt deutliche Mängel hinsichtlich Gebietsmanagement und beim Monitoring
der Schutzgüter.
Es gibt noch keinen Ansatz zur Bewertung der Managementeffektivität .
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
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