ProjektSkizzen 22 - Wie die Digitalisierung den Verkehr verändert - Planersocietät

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ProjektSkizzen 22 - Wie die Digitalisierung den Verkehr verändert - Planersocietät
ProjektSkizzen 22
  Informationen zu Planungen und Projekten der Planersocietät Sommer 2019

Wie die Digitalisierung
den Verkehr verändert
ProjektSkizzen 22 - Wie die Digitalisierung den Verkehr verändert - Planersocietät
2                                                                                                                      ProjektSkizzen 22

   Inhalt                                      Wir sind gespannt ...
   02 Die Revolution beginnt im Kleinen        Über Digitalisierung wird derzeit viel diskutiert, nicht nur in der Fachwelt, sondern
   04 Digitale Helfer für die Logistik         auch in Politik und Gesellschaft. Doch was verbirgt sich dahinter, insbesondere im Ver-
   05 Ridesharing: Wie ein König durch         kehrsbereich? Wo sind Chancen, wo aber auch Risiken damit verbunden? Wie kann die
      Berlin fahren                            Digitalisierung gewinnbringend für eine `echte´ Verkehrswende eingesetzt werden
   06 Digital Rad fahren                       und wo müssen Kommunen regulierend eingreifen? Wir bringen uns gleich mit mehre-
   07 Wo Mobilität 4.0 schon                   ren Projekten, Studien und Modellvorhaben in Zukunftsprojekte ein. Ein Grund dafür,
      umgesetzt ist
                                               dass wir dieses Themenheft konzipiert und zudem eine bürointerne Arbeitsgruppe zur
   08 Masterpläne für eine saubere Luft
                                               Digitalisierung gegründet haben. Wir freuen uns auf die digitalen Herausforderungen
   09 Konzepte für den Stadtverkehr der
      Zukunft                                  der Zukunft.
   		 Vorträge und Veröffentlichungen          Genau wie wir uns in der Gründungsphase des Büros auf die damaligen Herausforde-
   10 25 Jahre jung - Interview mit den        rungen gefreut haben. Inzwischen ist es 25 Jahre her, dass unser Büro mit dem
      Geschäftsführern                         Anspruch einer integrierten Stadt- und Verkehrsplanung gegründet wurde. Auch mit
   12 Eine Auswahl neuer Projekte              etwas Stolz blicken wir auf diese 25 Jahre zurück. Wir freuen uns, dass wir mit unserer
   13 Mobilität im Quartier als Reallabor      Leidenschaft und Motivation, aber auch mit der Qualität unserer Projekte überzeu-
   14 Lieblingsorte in der Stadt –             gend sind und heute mit drei Bürostandorten und dem fast 50-köpfigen Team eines der
      Portraits aus dem Team, Teil 3
                                               führenden Verkehrsplanungsbüros in Deutschland geworden sind. Trotzdem begrei-
   16 Über den Dächern von Dortmund
      wird gefeiert                            fen wir uns im Denken immer noch als Start-up, allerdings mit 25 Jahren Erfahrung.
      Neues und Kontakte                       Gründe genug dies zu feiern. Wir freuen uns, viele unserer Kunden, Partner und Weg-
      Impressum                                begleiterinnen und Wegbegleiter auf unserer Feier am 27. September begrüßen zu
                                               können. Seien Sie gespannt, wir haben uns was Schönes ausgedacht und organisiert.

                                               Wir wünschen viel Spaß beim Lesen des Doppelheftes 22/23
                                               Das Team der Planersocietät

Die Revolution beginnt im Kleinen
Wie die Digitalisierung den Verkehr verändern könnte: ein Ausblick.
Die Kommunen müssen handeln – sonst wächst der Autoverkehr
Digitalisierung gilt als Megatrend – gerade in der Mobilität. Die intelligente
Vernetzung verschiedener Fahrzeuge und Verkehrsträger wird die Art, wie wir uns
fortbewegen, nachhaltig verändern. Die Hoffnung ist, dass der Verkehr dadurch
nicht nur effizienter und wirtschaftlicher gestaltet wird, sondern auch sicherer
und komfortabler, nicht zuletzt ressourcenschonender und klimafreundlicher.

Die Idee ist: Wir sitzen seltener allein im    bahnen fließt flüssiger als bislang – intelli-   ­ avi(-App) in unbekannte Gegenden, sei
                                                                                                N
(Elektro-)Auto und fahren dafür häufiger       genter Verkehrssteuerung sei Dank. Der           es mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß.
Rad, nehmen den Bus oder die Bahn, die         Paketbote, der, in zweiter Reihe in der en-
wir vielleicht mit öffentlich zugänglichen,    gen Wohnstraße haltend, auch im zweiten          Autonomes Fahren braucht Zeit
elektrisch betriebenen Kleinstfahrzeugen       Anlauf die Ware nicht an den Mann oder           Das assistierte oder teilautomatisierte
wie einem E-Roller kombinieren. Oder wir       die Frau bringen kann, gehört dann der           Fahren, die ersten beiden (von fünf) Stufen
steigen zusammen mit zwei, drei weiteren       Vergangenheit an.                                auf dem Weg zum selbstfahrenden Auto,
Personen in ein autonom fahrendes Auto-                                                         zählen auch in Deutschland immer häufi-
mobil, ein Auto übrigens, das keine Fahr-      Noch stehen wir erst am Anfang, aber             ger zur Serienausstattung, etwa der Tem-
fehler macht, nie zu schnell und nie bei Rot   längst gibt es sichtbare Veränderungen,          pomat, automatische Spurhalteassisten-
über die Ampel fährt - das also die Ver-       manches ist gar selbstverständlicher Teil        ten (jeweils Level 1) oder aber digitale Ein-
kehrssicherheit entscheidend erhöhen           des Alltags. Bahnfahrende informieren            parkhilfen und Überholassistenten (Level
kann.                                          sich selbst per App über Ausfälle und Ver-       2). Der Staupilot des Audi A8 erfüllt bereits
                                               spätungen, intermodale Mobilitäts-Apps           die Anforderungen an hochautomatisier-
Zudem wird der Güterverkehr endlich in-        sind im Kommen, Fahrdienst-Vermittler            tes Fahren, das entspricht Level 3 (das
telligent und effizient gesteuert: E-Lasten-   wie Uber versuchen, in Europa und in             Fahrzeug fährt in bestimmten Verkehrssi-
räder schnurren durch die Straßen, das         Deutschland Fuß zu fassen – treffen dabei        tuationen komplett selbstständig): Bei
Paket wird bei Bedarf kurzfristig auch zur     aber auf massiven Widerstand aus der Ta-         Stau und auf der Autobahn soll er den Wa-
Arbeit statt ins gerade verwaiste Heim ge-     xibranche und auf hohe juristische Hürden.       gen ohne Zutun des Fahrers bis zu einer
bracht und der Lkw-Verkehr auf den Auto-       Kaum jemand begibt sich noch ohne                Geschwindigkeit von 60 km/h steuern.
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Sommer 2019                                                                                                                                 3

Nur klappt das in turbulenten Situationen        te auch zur Folge haben, dass wir häufiger       Kosten für den Fahrer fallen beim autono-
noch nicht immer, diese Funktion ist in          ins Auto steigen, weil die Vernetzung            men Taxi erst gar nicht an – das dürfte die
Deutschland noch nicht zugelassen, das           Staus vermeidet und das Fahren im eige-          Fahrtkosten noch einmal senken. Dass au-
System deshalb ab Werk deaktiviert.              nen, selbstfahrenden Pkw ­– übrigens auch        tonomes Fahren zu weniger Autos in den
Auch jenseits des Autos tut sich etwas:          für Senioren eine Option, die selbst gar         Städten führt, ist also nicht selbstver-
Busse und Bahnen sollen demnächst eben-          nicht mehr fahren könnten – einfach die          ständlich.
falls autonom fahren, in ersten Testgebie-       bequemste, angenehmste Möglichkeit der
ten sind sie bereits unterwegs. Digital un-      Fortbewegung ist.                                Das Potenzial aber ist da. So hat die Lissa-
terstützte Sharing-Modelle breiten sich                                                           bon-Studie der OECD schon vor knapp
aus, für Autos, klar, viel mehr aber noch für    Fahrdienst statt Fahrrad                         zwei Jahren ergeben, dass bei einer Kom-
Fahrräder und neue, elektrische Klein- und       Dies gilt jedenfalls solange, wie die vor-       plett-Umstellung auf Carsharing mit auto-
Kleinstfahrzeuge. Und Fahrräder oder Feu-        handene auto-zentrierte Infrastruktur be-        nomen Fahrzeugen (Level 5) der Fahrzeug-
erwehrautos können sich über Funksignale         stehen bleibt und nicht zugunsten anderer,       bestand in der portugiesischen Hauptstadt
an Ampeln eine grüne Welle schalten.             verträglicherer Verkehrsarten zurück- und        um 90 Prozent zurückgehen könnte; die
                                                 umgebaut wird. Schließlich steigert intelli-     CO2-Emissionen würden um fast zwei
Die Revolution beginnt im Kleinen, kommt         gente Verkehrsbeeinflussung die Leis-            Drittel sinken.
auf leisen Sohlen daher, anfangs nur lang-       tungsfähigkeit von Straßen: es könnten
sam, irgendwann beginnt sie zu rasen. Ist        also mehr Autos fahren, in den Städten wie       Kommunen müssen handeln
dieser Punkt bereits erreicht? Was das           auf den Autobahnen. Forscher der Univer-         Auch die Forscher der TU Berlin sagen,
automatisierte Fahren betrifft, ist etwa
­                                                sity of Kentucky haben gerade herausge-          Staus wie der Uber-induzierte Stillstand in
Prognos skeptisch: Zwar sollen nach einer        funden, dass Fahrdienstvermittler wie            San Francisco ließen sich verhindern – vor
Studie des Wirtschaftsforschungsunter-           Uber den Verkehr in den Städten (konkret         allem über den Preis. Wird für On-De-
nehmens für den ADAC bis 2050 etwa die           nachgewiesen für San Francisco) nicht            mand-Sharing Modelle wie den BerlKönig
Hälfte der Fahrzeuge über eine Automati-         mindern, sondern erhöhen ­– weil vor allem       in Berlin (siehe Seite 5) zum Beispiel eine
sierungsfunktion verfügen. In den meisten        Radfahrende und zu Fuß Gehende den di-           Grundgebühr erhoben (beim BerlKönig: 4
Fällen wird diese jedoch nur auf Autobah-        gitalen Service nutzen; private Fahrten          Euro), gehen viele Leute auf kurzen Stre-
nen nutzbar sein, auf Landstraßen könn-          hingegen würden deutlich weniger als er-         cken lieber zu Fuß oder nutzen ein Rad
ten Prognos zufolge selbst im Jahr 2050          hofft ersetzt.                                   (evtl. auch ein Sharing-Bike). Stau-anfälli-
nur 4 Prozent der Fahrleistung automati-         Wissenschaftlern der TU Berlin (TUB) kom-        ge Strecken könne man bepreisen, etwa
siert erbracht werden.                           men in Verkehrsmodellen für die deutsche         über zeitabhängige Gebühren. Und natür-
                                                 Hauptstadt zu ähnliche Ergebnissen wie           lich können die Städte und Gemeinden all
Mehr oder weniger Verkehr?                       die Kollegen aus Kentucky. Auslöser der          die anderen Methoden der Verkehrspla-
Führt die Digitalisierung zu weniger Ver-        Entwicklung ist den TUB-Forschern zufol-         nung anwenden, die den Umweltverbund
kehr? Sicher ist das nicht. In einem auto-       ge der Preis: Ein Uber-Auto ist meist güns-      stärken und das Autofahren weniger at-
nom fahrenden Auto können natürlich vier         tiger als ein Taxi, weil eine Privatperson am    traktiv machen und damit zurückdrängen
Personen sitzen – aber auch, so wie heute,       Steuer sitzt.                                    sollen. Entscheidend ist: die Kommunen
eine, oder sogar gar keine, weil sich das                                                         müssen handeln. Wer die Verkehrswende
Fahrzeug gerade allein auf die digitale          Digitale Fahrdienstservices gelten als Brü-      will, muss etwas dafür tun; das Warten auf
Parkplatzsuche begibt und dabei auf ein          cke zum autonomen Fahren. In beiden Fäl-         die Digitalisierung reicht dafür nicht aus.
gar nicht so nahes Wohnviertel zusteuert.        len wird ein Auto geordert, einmal mit           Es braucht den Willen, die Entwicklung in
Eine intelligente Verkehrssteuerung könn-        Uber-Fahrer, im anderen Fall eben ohne.          die gewünschte Richtung zu lenken.

                                                                                                  Die Vernetzung und Weiterentwicklung di-
                                                                                                  gitaler Anwendungen im Verkehr wird zu
                                                                                                  einem Quantensprung unserer Mobilität
                                                                                                  führen. Und bietet neben Risiken viele
                                                                                                  Chancen. Die Effizienzsteigerung durch
                                                                                                  die Digitalisierung macht – einerseits –
                                                                                                  mehr Mobilität möglich und damit auch
                                                                                                  mehr Auto-Verkehr. Oder aber sie schafft –
                                                                                                  andererseits, bei zurückgehender, weil zu-
                                                                                                  rückgedrängter Automobilität – neue Frei-
                                                                                                  räume für Städte und Gemeinden. Denn
                                                                                                  weniger Autos benötigen weniger Flächen,
                                                                                                  deshalb könnten Straßen und Plätze neu
                                                                                                  gestaltet werden, sich wieder zu Aufent-
                                                                                                  halts- und Lebensräumen wandeln – was
                                                                                                  sie vor der automobilen Revolution ja
                                                                                                  schon einmal waren.

                                                                                                  Aufhalten, soviel scheint sicher, lässt sich
Autoverkehr der Zukunft? Ein selbstfahrendes Auto der Google-Tochter Waymo - auf leerer Straße.   die Digitalisierung im Verkehr nicht. Ge-
                                                                                   Foto: Waymo    stalten schon.
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Digitale Helfer für die Logistik
Innenstädte leiden unter wachsendem Lieferverkehr. Die Digitalisierung
könnte Abhilfe schaffen. Erste Konzepte sind im Einsatz
Die positive Wirtschaftsentwicklung, der      Lieferzeitpunkt nicht zu Hause sind. Dazu     bzw. „Same-­Hour-­­Delivery“. In der Ent-
steigende Konsum und der wachsende            sind eine digitale Echtzeit-Sendungsver-      wicklung deutlich weiter sind neue Adress-
Onlinehandel sind im innerstädtischen         folgung sowie eine schnelle Kommunika-        zustellungsmodelle, die dem Zustellenden
Verkehr und auch im Hinblick auf dortige      tionsmöglichkeit zwischen Bestellenden        die Öffnung des Hausflurs ermöglichen,
Verkehrsplanungsprozesse immer stärker        und dem KEP-Dienstleister erforderlich.       etwa durch ein Modul, das die eigene
zu berücksichtigen. Die innerstädtischen      Einen ersten Ansatzpunkt zu Paketstatio-      Gegensprechanlage mit dem Internet ver-
Straßen, in vielen Städten bereits über-      nen bietet die Initiative „Parcellock“ ver-   bindet.
lastet, werden durch die Lieferverkehre       schiedener KEP-Dienstleister.
zusätzlich belastet. Der Trend zur Liefe-                                                   Mikro-Depots
rung nach Hause führt zu immer kleintei-      Zum anderen können Unternehmen                Konzepte zu einer alternativen Ausge-
ligeren Zustellungsmustern und auch die       durch das Angebot einer Paketstation auf      staltung der Citylogistik sind insbeson-
mehrmalige Belieferung von Einzelhänd-        dem Firmengelände bzw. einer eigenen          dere vor dem Hintergrund der vielen
lern in den Innenstädten bewirkt steigen-     Paketannahmestelle dafür sorgen, dass         verschiedenen KEP-Dienstleister in der
den Verkehrsaufwand.                          ihre Angestellten durch die Lieferung         Diskussion. Um zu verhindern, dass etli-
                                              zum Unternehmen unnötige Wege sowie           che innerstädtische Fahrten mit leichten
Viele Konflikte                               zusätzliche Wege der KEP-Dienstleister        Nutz­ fahrzeugen gemacht werden, wird
Durch die hohen innerstädtischen Ver-         einsparen. Je nach Größe des Unterneh-        über gebündelte Fahrten einiger weniger
kehrsbelastungen leidet zum einen die         mens sind hier beachtliche Effekte zu         Lkw zu so genannten Mikro-Depots nach-
wirtschaftliche Effizienz der Kurier-,        erwarten. Ein aktuelles Digitalisierungs-     gedacht. Diese funktionieren als dienst-
Express & Paketdienstleister (KEP-­Dienst­    beispiel hierzu bietet die Produktinitia-     leisterübergreifende Zwischenlager, von
leister), zum anderen verursachen die Lie-    tive „Pakadoo“, die durch ein schlüssello-    denen aus die Lieferungen, möglichst mit
ferfahrzeuge durch ihre vielen kurzen Hal-    ses elektronisches Autorisierungsverfah-      emissionsfreien Fahrzeugen feinverteilt
tevorgänge immer wieder Konflikte mit         ren die Bedienung der einzelnen Schrank-      werden (z.B. per Lastenrad). Des Weite-
anderen Verkehrsteilnehmern. Dadurch          fächer möglich macht. Die Information         ren gibt es Pilotprojekte, die neben fle-
wird nicht nur der Verkehrsfluss, son-        über die Paketzustellung erfolgt über         xiblen Containern im öffentlichen Raum
dern auch die Verkehrssicherheit negativ      eine App oder per E-Mail mit Zugangs-         (z.B. in München: Test flexibler Mikro-De-
beeinflusst. Hinzu kommt die Schadstoff-      daten zum richtigen Fach. Erprobt wird        pots im Rahmen des EU-Projektes Civitas
belastung. Aus verkehrsplanerischer Sicht     derzeit auch, ob der Pkw-Koffer­raum sich     Eccentric) auch freie Stellplätze in innen-
kritisch sind besonders die erfolglosen       als Umschlagplatz für Lieferungen eignet.     stadtnahen Parkhäusern als Mikro-Depot
Zustellversuche der KEP-Dienstleister.        Übermittlung des Pkw-Standorts und Kof-       nutzen (z.B. in Stuttgart).
Denn durch zweite oder gar dritte Zustell-    ferraum-Öffnung erfolgen per App.
versuche, die Rückführung in zentrale                                                       Fazit
Lager oder zum Händler sowie die Abho-        Hilfe von Robotern und Drohnen                Die Entwicklungen der Digitalisierung für
lung der Sendungen entstehen zusätzli-        Neue Adresszustellungsmodelle sind z.B.       das Thema der innerstädtischen Logistik
che Wege, welche die Verkehrsinfrastruk-      die zurzeit in Pilotphasen steckenden Ent-    können vor allem dazu genutzt werden,
tur weiter belasten und die genannten         wicklungen hinsichtlich der Zustellung        bisher auftretenden zusätzlichen Verkehr
Probleme verstärken.                          durch autonome Roboter oder Drohnen.          durch wiederholte Zustellversuche bzw.
                                              Roboter könnten zukünftig in bestimm-         weiteren Abholverkehr der Bestellenden
Alternative Modelle                           ten Radien die Zustellung von Lieferungen     zu vermeiden. Darüber hinaus bestehen
Wie kann die Digitalisierung dazu beitra-     übernehmen und von den Bestellenden           erste Ansätze autonomer Lieferfahrzeuge
gen, die innerstädtische Logistik effizien-   durch Echtzeit-Übermittlung des Stand-        sowie Konzepte, welche die innerstädti-
ter, verträglicher und für alle Beteiligten   orts via App, die auch die Öffnung des        sche Logistik effizienter und verträglicher
zufriedenstellender zu gestalten? Die         abschließbaren Packsystems der Robo-          strukturieren sollen.
Entwicklungen in diesem Zusammenhang          ter ermöglicht, punktgenau in Empfang         Ein Einbezug der durch die Digitalisierung
sind zumindest vielfältig und klingen viel-   genommen werden. Autonome Drohnen             entstehenden Möglichkeiten sollte daher
versprechend; sie lassen sich thematisch      hingegen könnten in einer ersten Entwick-     auch für die kommunale Verkehrsplanung
wie folgt unterscheiden:                      lungsstufe den Transport gewisser Liefe-      genutzt werden. Dazu ist es für die Kom-
• Alternativen zur Adresszustellung           rungen vom Händler zum KEP-Dienstleis-        munen wichtig ihre Einflussmöglichkeiten
• Neue Adresszustellungsmodelle               ter übernehmen. Die Auslieferung wird         zu nutzen; etwa im Zusammenhang mit
• Erprobung alternativer Konzepte für         von Zustellfahrzeugen abgewickelt, auf        Standorten für Mikro-Hubs und Ladezo-
      die Citylogistik                        deren Dächern Landeplattformen einge-         nen. Darüber hinaus ist eine Zusammen-
Unter Alternativen zur Adresszustellung       richtet sind, welche die Drohnen autonom      arbeit mit den KEP-Diensten anzustreben,
sind zum einen dienstleisterübergrei-         anfliegen können. Dadurch wird ein effi-      um Entwicklungsanreize setzen zu können
fende Paketstationen und -shops zu ver-       zienter und schneller Zustellungsprozess      und zu vermitteln.
stehen, in die Bestellende ihre Lieferun-     möglich; dies bedient die stärker in den
gen senden lassen können, wenn sie zum        Fokus rückenden Themen „Same-Day-“            Ansprechpartner: Christof Tielker
ProjektSkizzen 22 - Wie die Digitalisierung den Verkehr verändert - Planersocietät
Sommer 2019                                                                                                                                          5

Ridesharing: Wie ein König                                                                              Kleine Linksammlung

durch Berlin fahren                                                                                    Weitere Informationen finden Sie hier:
                                                                                                       •   ViaVan
                                                                                                           Wo? Berlin (BerlKönig)
On-Demand-Ridesharing-Angebote wie der BerlKönig der BVG
                                                                                                           mehr Info: viavan.com
(Berliner Verkehrsbetriebe) werden aktuell in mehreren deutschen                                       • Clevershuttle
Städten getestet. Die Taxi-Branche fürchtet neue Konkurrenz, die                                           Wo? Berlin, Hamburg, München, Köln,
Politik ist teils skeptisch, die Fahrgäste aber nehmen das Angebot an.                                     Frankfurt, Stuttgart, Leipzig, Dresden,
Auch wenn die ersten Projekte vor allem in Großstädten entstehen                                           Kiel
- im ländlichen Raum kann das Konzept ebenfalls Vorteile bieten.                                           mehr Info: clevershuttle.de
                                                                                                       • Door2Door
Dienstag, 4 Uhr morgens, Berlin-Kreuzberg.         Elektro-Fahrzeugen unterwegs (Allygator hat             Wo? Duisburg (myBus), Freyung
Charlotte (27) und Mahmud (25) warten an           den Betrieb Ende März eingestellt). Weitere             (freYfahrt), München (IsarTiger)
der Ecke Oranienstraße/Adalbertstraße.             Unternehmen, in der Regel Start-ups in Ver-             mehr Info: door2door.io
Keine zwei Minuten später fährt ein nagel-         bindung mit der Automobil- (Moia, VW) oder          • Ioki
neuer, verdunkelter Van vor, getönte Schei-        Bahnbranche (Ioki, DB) stoßen in den Markt.             Wo? Wittlich (Wittlich Shuttle), Ham-
ben, das typische Berliner U-Bahn-Sitzmuster       Es ist davon auszugehen, dass künftig auch              burg (ioki Hamburg)
ziert einen Teil des schwarzen Wagens. Berl-       Verkehrsunternehmen des kommunalen                      mehr Info: ioki.com
König steht darauf in BVG-Farben geschrie-         ÖPNV in Großstädten weitere eigene Versu-           • Moovel (jetzt: Reach now)
ben. Maxi, der freundliche Fahrer, begrüßt die     che starten (Duisburg, mybus).                          Wo? u.a. Stuttgart (SSB Flex)
beiden und bringt sie sicher nach Hause in                                                                 mehr Info: moovel.com
den Schillerkiez. Auf dieser Fahrt sollte keine    Erste Projekte in Großstädten                       • Moia
weitere Person mehr einsteigen, im Schnitt         Pilotprojekte gibt es aktuell vorwiegend im             Wo? Hamburg, Hannover
passiert dies jedoch auf zwei von drei Touren.     hochverdichteten städtischen Raum – dort,               mehr Info: moia.io
BerlKönig ist das On-Demand-Ridesha-               wo man meinen könnte, dass das reguläre
ring-Angebot der Berliner Verkehrsbetriebe,        ÖPNV-Angebot bereits die höchste Qualität
die dabei mit ViaVan zusammenarbeiten,             aufweist. Erste Einschätzungen lauten, dass in     sche Erprobung neuer Verkehrsarten“ auf vier
einem Joint Venture von Mercedes Benz und          den Randzeiten, in denen der Betrieb derzeit       Jahre. Sollte sich das Angebot etablieren,
dem amerikanischen Startup Via. Via hat            erfolgt, eine gewisse Dichte benötigt wird,        besteht in diesem Feld Handlungsbedarf.
eines der ersten Betriebssysteme für On-De-        um entsprechend Fahrten zu teilen. Untersu-
mand-Ridesharing entwickelt, ihre Technik          chungen vom BerlKönig zeigen, dass dort            Ein Ausblick
wird in vielen Städten weltweit eingesetzt.        mittlerweile etwa 70 Prozent der Fahrten tat-      Charlotte und Mahmud nutzen den BerlKönig
                                                   sächlich geteilt werden. Nichtsdestotrotz          mit seinen Vorteilen öfter. Etwa, wenn unter
Unterschied zum Taxi ist klein                     wird mit dem Forschungsprojekt EcoBus in           der Woche nachts die U-Bahn nicht fährt,
Das Prinzip ist einfach – in der BerlKönig-App     Südniedersachsen derzeit der Einsatz im länd-      oder manchmal auch einfach aus Bequemlich-
wird Start und Ziel im Bedienungsgebiet            lichen Bereich erprobt, wo ein On-Demand-          keit. Für sie stellt das Angebot eine moderne
angegeben, sodann werden Fahrpreis, Stand-         Ridesharing-Service durchaus als digitale Wei-     Ergänzung zum normalen BVG-Angebot dar.
ort und Ankunft in Echtzeit des nächsten Berl-     terentwicklung bestehender Bedarfsverkehre         Auch wenn die beiden sowieso kein Auto
Königs angezeigt. In meist nur wenigen Minu-       wie Anrufsammeltaxis gesehen werden kann.          besitzen – ein BerlKönig ist im Schnitt mit
ten trifft das Fahrzeug am definierten Abhol-                                                         mehr Personen besetzt als ein Pkw. Auf dem
punkt ein. Hier liegt der kleine Unterschied       Derzeit existiert noch keine allgemeinver-         Land kann ein vergleichbares System künftig
zur Haustür-zu-Haustür-Bedienung, die per-         bindliche rechtliche Normierung des Prinzips       eine Versorgungslücke schließen. Ob das Sys-
sonenbeförderungsrechtlich weiterhin dem           Ridesharing. Daher behelfen sich die Anbieter      tem dort zu einem effizienteren Betrieb bei-
Taxi vorbehalten ist. Dennoch wird das neue        entweder mit einem Betrieb als Mietwagen-          tragen kann und ein tatsächliches Ridesharing
Angebot naturgemäß im Taxigewerbe als              gewerbe (§49 (4) PBefG) oder nutzen die            auch stattfindet, gilt es noch zu erproben.
neue Konkurrenz kritisch gesehen.                  Experimentierklausel des Personenbeförde-
Wird die Fahrt nun zum verbindlichen Fixpreis      rungsgesetzes. Diese beschränkt die „prakti-       Ansprechpartner: David Madden
gebucht, kann es passieren, dass unterwegs
weitere Fahrgäste zu- oder aussteigen, die
Fahrt also geteilt wird. Systemseitig wird die
effizienteste Fahrstrecke berechnet.
Angebote dieser Art werden in unterschiedli-
chen Städten bzw. Räumen in Deutschland
derzeit getestet. In Berlin gibt es mittlerweile
mehrere Ridesharing-Anbieter: auch Clever-
shuttle, ein Angebot der Deutschen Bahn in
Kooperation mit lokalen Franchise-Partnern,
und Allygator Shuttle, ein Angebot eines Kon-
sortiums aus ADAC und Door2Door, sind in
der Berliner Innenstadt überwiegend mit            Ein BerlKönig in Berlin. Foto: Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)
ProjektSkizzen 22 - Wie die Digitalisierung den Verkehr verändert - Planersocietät
6                                                                                                                    ProjektSkizzen 22

Digital Rad fahren
„Dieselgate“, Klimaschutz, Verkehrswende, Gesundheitsförderung – das
Fahrrad als klimafreundliches Verkehrsmittel steigt in der öffentlichen
Wahrnehmung. Der Radverkehr stellt einen wichtigen und zuletzt wachsenden
Anteil am Verkehrsaufkommen dar. Die Digitalisierung kann diesen Trend
fördern und unterstützen und eröffnet den Planenden neue Möglichkeiten.

Die Digitalisierung erreicht auch den Radver-
kehr. Planende sowie Fahrende können von
der Digitalisierung im Radverkehr profitieren.

Für uns Planende ergeben sich nahezu unge-
ahnte Möglichkeiten. Lange Zeit war die
Radverkehrsplanung nahezu eine Black-Box.
Wohin fahren die meisten Menschen mit dem
Fahrrad? Welches sind die beliebtesten Pend-
lerstrecken? Wann fahren die Menschen? Wie
lang sind die Strecken, die sie zurücklegen?
All diese Fragen konnten nur über Umwege
durch Befragungen oder Zählstellen abge-
bildet werden. Das ist nicht nur teuer, in den
meisten Fällen sind diese Daten zudem nur
eingeschränkt (zeitlich oder räumlich) nutz-
bar. Die Digitalisierung hilft hier und macht                                                                    Quelle: Eigene Darstellung
es möglich abzubilden, wie und wo sich Rad-
fahrende in den Städten bewegen. Am offen-        Sport- und Freizeitradlern genutzte Apps      Autonome Fahrzeuge können Radfahrende
sichtlichsten und öffentlichkeitswirksamsten      haben eine eingeschränkte Aussagekraft für    (und auch zu Fuß Gehende) damit noch bes-
ist hierbei das sogenannte „Crowdsourcing“        den Alltagsradverkehr. Es ist daher wichtig   ser erkennen. Neben bzw. nach dem „Abbie-
mittels App. Dabei sammeln Smartphone-­           sich der Problempunkte und Grenzen dieser     geassistenten“ (vor allem im Lkw) können
Apps die Bewegungsmuster ihrer Nutzer.            neuen Möglichkeiten bewusst zu sein, und      damit vor allem in den kommenden Stufen
                                                  diese entsprechend anzuwenden.                des automatisierten Fahrens (Abbiege-)
Heatmaps für die Planung                                                                        Unfälle vermieden werden.
Mit den gewonnenen Daten können unter         Auch Radfahrende können von der Digitalisie-
anderem sogenannte „Heatmaps“ erstellt        rung profitieren. So bestehen bereits Projekte, Nicht allein der fließende, auch der ruhende
werden. Mit Hilfe dieser Karten kann festge-  in denen der Radverkehr mittels Smartpho- Radverkehr wird von der Digitalisierung pro-
stellt werden, welche Routen bzw. Strecken    ne-App beschleunigt wird. Hat eine radfah- fitieren. Fahrradschlösser, die mit dem Smart-
am häufigsten gewählt werden. Je nach App     rende Person eine bestimmte App auf dem phone ver- und entriegelt werden und im
können außerdem weitere Informationen         Smartphone installiert, wird mittels GPS die Falle eines Diebstahls Alarmsignale abgeben
wie Wege- und Stehzeiten, Start-Ziel-Mat-     Position, Geschwindigkeit und Fahrt­richtung und diese dem Besitzer melden, sind bereits
rizen oder die Entwicklung über den Tag als   erkannt. Passiert diese Person einen der virtu- am Markt angekommen. Das Ausleihen her-
Zeitraffer abgebildet werden. Im Endeffekt    ellen Auslösepunkte vor einer Ampel, meldet kömmlicher Leihfahrräder wird über entspre-
bietet sich hiermit eine ganze Reihe an kon-  die App dies an die Verkehrszentrale. Diese chende Apps vereinfacht. Schließlich sind
kreten Anwendungsmöglichkeiten, wie eine      wiederum gibt einen Befehl an die Ampel- Mobil­funkanbieter inzwischen auf den Markt
Netzplanung, Anlagenplanung, Priorisierung    steuerung. Nähert sich die radfahrende Per- „Radverkehr“ aufmerksam geworden und bie-
von Maßnahmen oder auch eine Nutzung der      son also einer Kreuzung mit einer solchen ten in Kooperation mit Fahrradherstellern
Daten im Rahmen von Evaluation und Moni-      Ampel, schaltet diese automatisch auf grün. Pakete zur Absicherung der Räder an. Dabei
toring. Spannend ist dies auch im Rahmen des  Der Vorteil für Radfahrende: weniger Halte wird eine Sim-Karte in das Fahrrad verbaut,
Stadtradelns. Im Projekt „Movebis“ leitet die und verkürzte Reisezeiten.                      um im Falle der Entfernung des Fahrrads aus
TU Dresden Erkenntnisse wie Geschwindig-                                                      einem vorher definierten Bereich Alarm zu
keiten oder Verzögerungen aus den getrack-    Mehr Sicherheit durch Vernetzung                schlagen und dem Besitzer über sein Smart-
ten Kilometern ab und stellt diese den teilneh-
                                              Die Sicherheit im Radverkehr könnte sich phone die Ortung des Rads ermöglicht.
menden Kommunen zur Verfügung.                durch die Digitalisierung erhöhen. Radfah­
                                              ren­de und das Fahrrad werden Teil des Die Digitalisierung verändert alle Bereiche
Allerdings haben diese neuen Tools noch ihre „Inter­net of things“ (IoT) und damit auch der und Belange der Gesellschaft, ebenso wie
Grenzen. So haben die verschiedenen auf Car2x-Kommunikation. Mit Hilfe von Smart- alle Bereiche der Mobilität. Die Zukunft der
dem Markt befindlichen Apps auch unter- phones oder sogenannten Ortungstags vernetzten Welt hat begonnen und der Rad-
schiedliche Zielgruppen. Es kommt daher stehen das Fahrrad und die Fahrenden im verkehr ist ein Teil davon.
vor, dass bestimmte Nutzergruppen über- ständigem Austausch mit der digitalisierten
repräsentiert sind. Denn hauptsächlich von Umwelt und insbesondere dem Kfz-Verkehr. Ansprechpartner: Dennis Stocksmeier
ProjektSkizzen 22 - Wie die Digitalisierung den Verkehr verändert - Planersocietät
Sommer 2019                                                                                                                                7

Wo Mobilität 4.0 schon umgesetzt ist
Freie Parkplätze, das richtige U-Bahn-Ticket und Mobilfunkdaten für die
Verkehrsplanung – die Digitalisierung ist in der Gegenwart angekommen
Mobilität 4.0, Digitalisierung, automatisiertes bzw. autonomes Fahren – diese Begriffe
begleiten die Verkehrsplanung seit einigen Jahren. Viele Themenfelder im Handlungsfeld
Digitalisierung werden derzeit vor allem durch die technische Perspektive untersucht
und getestet. Andere Themen hingegen sind für kurz- bis mittelfristige Umsetzungen
von integrierten Mobilitätskonzepten in Städten, Gemeinden und Regionen relevant.
Parken                                            kehrsmanagementsysteme diskutiert und         denen durch ein digitales Ticketing auch
Im Parkraummanagement sind bereits                unter dem Begriff des umweltsensitiven        ein neues, kilometerabhängiges Tarifsys-
viele Projekte in alltagstauglicher Umset-        Verkehrsmanagements vermarktet. Der           tem eingeführt wird. Andere Ansätze set-
zung. Diese betreffen v. a. die digitale          Vorteil dieser Systeme ist eine komplexe,     zen ein Check-In/Be-Out (App starten
Erfassung der Stellplatzbelegung mit              verkehrsnachfrageabhängige Steuerung          beim Einstieg und einfach Aussteigen) in
Implementierung von Echtzeitinformation           von Ampelanlagen, außerdem die Mög-           bestehenden Tarifstrukturen um.
sowie Buchung und Bezahlung von Parkge-           lichkeit für dynamische Routen und Park-
                                                                                                •   VRR: NextTicket
bühren per App. So können Autofahrer              leitrouten. Auch diese Systeme haben das
                                                                                                •   VRN: eTarif
direkt zu freien Parkständen navigiert wer-       Ziel, die effiziente und verträgliche
                                                                                                •   FAIRTIQ-App: App zur Digitalisierung
den. Weiterhin existieren Ansätze, die            Abwicklung des Autoverkehrs zu fördern.
                                                                                                    des Vertriebs in bestehenden
auch private Parkhäuser und Tiefgaragen           Wesentliche Grundlage hierfür ist ein Ver-
                                                                                                    Tarifsystemen
öffentlich nutzbar machen. Insgesamt tra-         kehrsrechner mit entsprechendem Funkti-
gen die digitalen Ansätze im Bereich Par-         onsumfang. Beispiele hierfür sind:
                                                                                                Digitale Planungstools
ken vor allem zu einer verträglichen und
                                                                                                Neben dem Einsatz von digitalen Ansätzen
effizienten Abwicklung des Pkw-Verkehrs           •    Siemens AG, Sitraffic
                                                                                                bei der Projektumsetzung hilft die Digitali-
bei. Beispiele hierfür sind:                           (Verkehrsrechner für intermodales,
                                                                                                sierung auch bei der Gestaltung von Pla-
                                                       umweltsensitives Verkehrsmange-
                                                                                                nungsprozessen. Mit interaktiven Web-
•    T-Systems, Park and Joy                           ment)
                                                                                                plattformen für den Bürgerdialog, Einsatz
•    ParkNow GmbH, ParkNow-App                    •    AVT Stoye, Verkehrsrechnersysteme
                                                                                                von interaktiven Beteiligungsformaten in
•    ParkU, Sesam-Technologie
                                                                                                Veranstaltungen mit Livekommentaren
•    Siemens, Sensor-Technologien zur             Digitales Ticketing im ÖPNV
                                                                                                bestehen hier Möglichkeiten, Planungs-
     Parkraum-Erfassung                           Einen wesentlichen Beitrag leistet die
                                                                                                prozesse digital zu gestalten. Datengrund-
                                                  Digitalisierung zum Abbau von Nutzungs-
                                                                                                lagen für die Planung lassen sich durch die
Umweltsensitives/-orientiertes                    hürden für das Tarifsystem des ÖPNV. So
                                                                                                Nutzung digitaler Endgeräte leichter
Verkehrsmanagement                                muss ein potenzieller Fahrgast sich vor
                                                                                                erzeugen. So lassen sich aus Mobilfunkda-
In Bezug auf eine flüssigere Verkehrsab-          Antritt der Fahrt nicht mehr damit beschäf-
                                                                                                ten umfassende Informationen zu Ver-
wicklung des Autoverkehrs werden aktuell          tigen, welches Ticket für die Fahrt das
                                                                                                kehrsverflechtungen ableiten. Einige Bei-
vor allem leistungsfähige, integrierte Ver-       Richtige ist. Hier gibt es Ansätze, mit
                                                                                                spiele:

                                                                                                •   Online-Dialog zum Mobilitätsplan D
                                                                                                •   Mentimeter: Interaktive Präsentatio-
                                                                                                    nen mit Livekommentaren per Smart-
                                                                                                    phone
                                                                                                •   Telefónica Next: Mobilfunkdaten für
                                                                                                    Verkehrsplanungsprozesse
                                                                                                •   Stadtradeln-App: Planungsdaten aus
                                                                                                    Stadtradeln-Aktion zu Routen und
                                                                                                    Verkehrsablauf im Radverkehr

                                                                                                Viele digitale Lösungen sind bereits heute
                                                                                                Realität. Neue Projekte werden in Kürze
                                                                                                auf dem Markt kommen. Weitere Informa-
                                                                                                tionen und Einzelfallberatungen zum
                                                                                                Thema greifen wir im Spätsommer in
                                                                                                einem Seminar zur Digitalisierung auf. Bei
                                                                                                Interesse melden Sie sich.

                                                                                                      Ansprechpartner: Dennis Stocksmeier
Die Park-and-Joy-App im Einsatz . Quelle: Park and Joy/Deutsche Telekom
ProjektSkizzen 22 - Wie die Digitalisierung den Verkehr verändert - Planersocietät
8                                                                                                                         ProjektSkizzen 22

Masterpläne für eine saubere Luft
Drohende Fahrverbote in den Städten: Was passiert mit den Fördergeldern?
Fahrverbote für Diesel? Kaum ein Thema beschäftigte Städte, Kom-
                                                                                                   Dortmund, Fulda, Gelsenkirchen, Kiel und
munen sowie Bürgerinnen und Bürger im vergangenen Jahr mehr.                                       Limburg beauftragten uns mit der Erstel-
Zahlreiche Städte entwickelten durch vom Bund geförderte so ge-                                    lung eines Plans. Für unser Büro war dies
nannte Green-City-Masterpläne Strategien, um dies zu verhin-                                       zunächst eine Herausforderung, denn der
dern und ihre Städte sauberer und lebenswerter zu machen.                                          ganze Prozess sah einen straffen Zeitplan
                                                                                                   vor und letztlich sollten natürlich auch
Der mediale Aufschrei Anfang des Jahres            gesetzlichen Grenzwerte nach wie vor. Ei-       passende Ergebnisse erzielt werden. Es
2018 war unüberhörbar: Fahrverbote für             ner der Hauptverursacher ist dabei der          wurde in einem gemischten Team aus
Diesel-Fahrzeuge und unabsehbare Folgen            Kraftfahrzeugverkehr.                           Dortmund und Bremen eine Task-Force ins
für Städte und Fahrzeughersteller domi-                                                            Leben gerufen, um sich mit den – teils auch
nierten die Nachrichten. Grund war die             Besondere Rolle für Digitalisierung             für uns neuen – Anforderungen an die Plä-
Bestätigung zweier Urteile gegen die Städ-         Durch Fördergelder aus dem im Nachgang          ne zu befassen. Insbesondere das Hand-
te Stuttgart und Düsseldorf durch das Bun-         des Dieselskandals 2017 aufgestellten So-       lungsfeld Digitalisierung kommunaler Ver-
desverwaltungsgericht in Leipzig. Die-             fortprogramms „Saubere Luft 2017-2020“          kehrssysteme versprach dabei eine Her-
sel-Fahrverbote als grundsätzlich anwend-          der Bundesregierung, welches mit bis zu         ausforderung       zu   werden.     Dieses
bares, wenn verhältnismäßiges Mittel, um           einer Milliarde Euro zusätzlicher Mittel        Handlungsfeld war durch die gleichnamige
die Schadstoffbelastung der Luft in unse-          ausgestattet ist, bot sich für mittlerweile     Förderrichtlinie des BMVI gesetzt und be-
ren Städten zu reduzieren, waren fortan            insgesamt 64 Städte 2017/2018 die Mög-          inhaltete vielfältige Maßnahmenbereiche,
möglich und werden z.B. in Hamburg be-             lichkeit, neue und innovative Ideen aufzu-      wie etwa die Erhebung, Bereitstellung und
reits umgesetzt.                                   greifen und weiterzuführen, um eine effek-      Nutzung von Mobilitäts-, Umwelt- und
                                                   tive Schadstoffreduzierung zu erreichen.        Meteorologie-Daten, Verkehrsplanung/
Dass unsere Städte unter teils massiven            Eine Voraussetzung für die Inanspruch-          -management oder Automation sowie Ko-
Schadstoffbelastungen leiden und Gefähr-           nahme einiger dieser Fördergelder ist ein       operation und Vernetzung. Darüber hinaus
dungen für unseren Lebensraum entstan-             Green City Masterplan.                          ist im Weiteren eine Förderrichtlinie für
den sind, war dabei sicher für die Wenigs-         Die Pläne dienen den Städten als Grundla-       intelligente Verkehrssteuerung des Bun-
ten eine neue Nachricht. Die Ursachen und          ge für Förderanträge sowie die Umsetzung        desministeriums für Umwelt, Naturschutz
Folgen des Verkehrsaufkommens in den               der emissionsreduzierenden Maßnahmen            und nukleare Sicherheit (BMU) geplant,
Städten rückten durch diverse Urteilssprü-         und dem Fördermittelgeber als spätere           die das Handlungsfeld erweitern wird.
che stark ins mediale Interesse und ins Be-        Grundlage für die Förderentscheidungen.
wusstsein vieler Menschen – nicht nur aus          Der Digitalisierung kommt dabei eine be-        Anwendbare Alltags-Lösungen
Angst vor Fahrverboten. Dabei tun sehr             sondere Relevanz zu, denn Maßnahmen             Im August vergangenen Jahres wurden im
viele Städte bereits seit langer Zeit etwas        zur Digitalisierung im Verkehrs- und Mobi-      Rahmen einer von Dr. Frehn moderierten
gegen die örtlichen Verkehrsprobleme und           litätssektor sind ein Schwerpunkt bei der       SRL-Veranstaltung die Erfahrungen zu den
für die Aufenthaltsqualitäten in ihren             Förderung aus dem Bundesprogramm.               Planungsprozessen zusammengetragen.
Städten und Kommunen – in verschiede-              Weitere Handlungsfelder sind die Elektrifi-     Das BMVI hat inzwischen gemeinsam mit
nen Tiefen und mit unterschiedlichem Er-           zierung, ÖPNV & Vernetzung, urbane Lo-          Unterstützern (u.a. dem Deutschen Städ-
folg. Einig sind sich aber so gut wie alle         gistik sowie die Förderung des Radver-          tetag) das Nationale Kompetenzzentrum
handelnden Personen, dass gute und sau-            kehrs.                                          für nachhaltige urbane Mobilität (NaKo-
bere Luft ein wichtiger Bestimmungsfak-                                                            Mo) gegründet. Dadurch sollen Städte und
tor für die Lebensqualität in einer Stadt ist,     Die Planersocietät durfte sogar sechs           Kommunen kontinuierlich über die beste-
doch insbesondere bei den Stickstoffoxi-           Kommunen bei der Erstellung der Green           henden Fördermöglichkeiten zur Reduzie-
den überschreiten zahlreiche Städte die            City Masterpläne untertützen: Bremen,           rung der Stickoxidbelastungen unterstützt
                                                                                                   und aktive Hilfestellungen bei der prakti-
                                                                                                   schen Umsetzung geleistet werden. Zu-
                                                                                                   dem sollen auch die Kommunen miteinan-
                                                                                                   der in den Dialog treten.
                                                                                                   Wir freuen uns, dass wir die Städte in die-
                                                                                                   sem auch für uns spannenden Prozess un-
                                                                                                   terstützen konnten. Denn was es braucht
                                                                                                   sind echte, im Alltag durch die Bevölke-
                                                                                                   rung anwendbare Alternativen zum Auto
                                                                                                   sowie innovative Maßnahmen für eine tat-
                                                                                                   sächliche Verkehrswende in den Städten.

                                                                                                   Ansprechpartner: Kevin Hillen,
Ein Anlass für zu hohe Stick­oxid-Werte: Stau auf der B1 in Dortmund. Quelle: Eigene Darstellung   Sebastian Schröder-Dickreuter
ProjektSkizzen 22 - Wie die Digitalisierung den Verkehr verändert - Planersocietät
Sommer 2019                                                                                                                                 9

Konzepte für den Stadtverkehr der Zukunft
ExWoSt-Studie befasst sich mit Umsetzung nachhaltiger Mobilitätskonzepte
Die Stärkung der nachhaltigen Mobilität        Zuge der Analyse abgeleiteten Erkenntnis-       alog zwischen den drei Ebenen sowie eine
und die Integration von Verkehrsentwick-       se konnten im Rahmen eines Workshops            integrierte Sichtweise in der Gestaltung
lung und Stadtplanung ist eine Herausfor-      mit verschiedenen Expertinnen und Exper-        von Finanz- und Fördermitteln bzw. des
derung für die Kommunen. Die Erfolge ins-      ten aus der Wissenschaft, Spitzenverbän-        Rechtsrahmens sind zentrale Forderungen
besondere bei der Umsetzung fallen bisher      den und den Kommunen reflektiert und va-        der Städte und Gemeinden. Eine erste Kon-
sehr unterschiedlich aus. Die Planersocietät   lidiert werden.                                 sequenz ist die Gründung des Nationalen
hat im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-,                                                   Kompetenznetzwerks für nachhaltige urba-
Stadt- und Raumforschung (BBSR) unter-         Im Ergebnis zeigt sich, dass Städte und Ge-     ne Mobilität (Nakomo) durch Bundesver-
sucht, wie Städte und Gemeinden mit die-       meinden ihre Verkehrsplanungskonzepte           kehrsministerium, Länder und den Deut-
ser Herausforderung umgehen. Im Rahmen         häufig aus den Zielen der Stadtentwick-         schen Städtetag. Wir sind gespannt, was
des Forschungsprojekts „Konzepte für den       lungsplanung ableiten und diese immer           sich daraus entwickelt.
Stadtverkehr der Zukunft“ wurden beste-        mehr als kontinuierliche Pläne verstehen,
hende Verkehrs- und Mobilitätskonzepte         die regelmäßig aktualisiert und ergänzt         Für die Transformation des Stadtverkehrs
systematisch analysiert. Konkret wurde der     werden. Als Grundlage für diese stufenwei-      ist ein breiter politischer und gesellschaftli-
Frage nachgegang­en, ob und wie der Um-        se und integrierte Vorgehensweise sind po-      cher Konsens nötig. Die Vermittlung der
und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu        litisch beschlossene Ziele unabdingbar, an      Notwendigkeit, aber auch der Chancen die-
höheren Aufenthaltsqualitäten führen.          denen sich die lokale Verkehrspolitik auch      ses Wandels gelingt insbesondere, wenn al-
                                               messen lässt. Als Hürden werden in vielen       le Formen der Kommunikation eingesetzt
Basierend auf einer umfassenden Beispiel-      Städten der Mangel an Personal und Wis-         werden – von Marketing- und Aufklärungs-
recherche und Literaturanalyse zu guten        sen, aber auch der fehlende politische Wille,   kampagnen über einen regelmäßigen Erfah-
Beispielen wurde eine Datenbank erstellt       die fehlende Konsequenz sowie der beste-        rungsaustausch bis hin zu Reallaboren. Die-
und zusammen mit dem Auftraggeber viel-        hende finanzielle und rechtliche Hand-          se „weichen“ Maßnahmen entscheiden
versprechende Konzepte für eine Detailbe-      lungsrahmen beschrieben.                        darüber, ob Push- und Pull-Maßnahmen Ak-
trachtung ausgewählt. Zu 20 Beispielen                                                         zeptanz finden und Debatten über den
wurde eine Dokumentenanalyse durchge-          Bund und Länder sind wichtig                    Stadtverkehr der Zukunft ausgewogen
führt. Die daraus resultierenden acht aus-     So verwundert es nicht, dass die Ausgestal-     stattfinden können.
gewählten Fallstudien Erfurt, Göttingen,       tung des Stadtverkehrs der Zukunft nicht        Der Bericht zur ExWoSt-Studie ist als
Kiel, Leipzig, Rudersberg, Stuttgart sowie     allein in der Hand von Städten und Gemein-      BBSR-Online-Publikation 08/2019 erschie-
Graz und London wurden durch Interviews        den liegen kann. Bund und Ländern kommt         nen und online abrufbar (bbsr.bund.de).
und Begehungen vertieft betrachtet. Die im     ebenfalls eine wichtige Funktion zu. Der Di-              Ansprechpartner: Dr. Michael Frehn

Vorträge und Veröffentlichungen
  •   Mellendorf, 26.03.2019: Vortrag von       •   Köln, Augsburg, Darmstadt, Berlin,          •   Der Nahverkehr, Heft 5/2019: „Das
      Christian Bexen: „Straßen und Plät-           Nov./Dez. 2018: Vortrag von Christi-            Projekt Wunderlinie. Ein Beispiel für
      ze neu denken – mehr Raum für                 an Bexen: „Umbau von Hauptver-                  die Verbesserung des grenzüber-
      eine aktive Mobilität und neue Mo-            kehrsstraßen anhand von Beispielen              schreitenden      Schienenverkehrs
      bilitätsdienstleistungen“ auf dem             in Leverkusen und Bielefeld“ im Rah-            Deutschland-Niederlande; Aufsatz
      VSVI-Seminar „Entwurf und Gestal-             men der Difu-Seminarreihe „Sicher               von Rolf Alexander, Martijn Ebben,
      tung von Straßenverkehrsanlagen“              zu Fuß und mit dem Rad“                         Jans Zwiers

  •   Chemnitz, 15.03.2019: Vortrag von         •   Kassel, 7.11.2018: Vortrag von Dr. Mi-      •   „Konzepte für den Stadtverkehr der
      Gernot Steinberg: „Nahmobilitäts-             chael Frehn: „Umsetzungserfahrun-               Zukunft“. Online-Publikation zur Stu-
      förderung am Beispiel Göttingen“              gen mit Verkehrsentwicklungsplänen              die der Planersocietät des Bundesins-
      auf der Impuls-Konferenz: Stadt –             in Deutschland – ein Überblick“ auf             tituts für Bau-, Stadt- und Raumfor-
      CHEMNITZ – Fluss: Akzente für                 dem 2. Nationalen Workshop im Rah-              schung (BBSR); Bonn 2019
      eine lebenswerte Stadt                        men des CIVITAS PROSPERITY-Pro-
                                                    jects                                       •   Geht doch! – Grundzüge einer bun-
  •   Frankfurt a. M., 26.02.2019: Vortrag                                                          desweiten Fußverkehrsstrategie; Un-
      von Dennis Stocksmeier: „Kommu-           •   Berlin, 11.10.2018: Vortrag von Philipp         terstützung des Difu durch die Pla-
      nale Rahmenbedingungen für mik-               Hölderich: „Fußverkehrs-Checks als              nersocietät bei der Erarbeitung der
      romobile Mobilität“ auf dem Work-             partizipatives Instrument der Fußver-           Veröffentlichung im Auftrag des Um-
      shop „Zukunftsfeld Mikromobile“               kehrsförderung“ auf dem 2. Deut-                weltbundesamtes,     Dessau-Roßlau
      des ivm und Fraunhofer IML                    scher Fußverkehrskongress in Berlin             2018
ProjektSkizzen 22 - Wie die Digitalisierung den Verkehr verändert - Planersocietät
10                                                                                                                               ProjektSkizzen 22

            25 Jahre jung
            Ein Vierteljahrhundert Verkehrsplanung: Planersocietät feiert Geburtstag
            Die Geschichte der Planersocietät reicht bis in das Jahr 1994 zurück. Dr. Michael
            Frehn zählte zu den Gründern des Büros, Gernot Steinberg stieß wenige Jahre
            später dazu. Im Gespräch blicken die beiden Geschäftsführer nicht nur auf eine
            Erfolgsgeschichte zurück, sie schauen auch mit Optimismus in die Zukunft.

            25 Jahre Planersocietät, Herr Dr. Frehn,           und den besten Lösungen für unsere Kun-                 Raum oder auch viele Einzelprojekte im
            wie waren die Anfänge des Büros?                   den ist.                                                Kleinen dazu. Insgesamt managt unser
            Michael Frehn: Gestartet sind wir mit                                                                      Team jährlich über 100 Projekte.
            einer Handvoll motivierter, kreativer              Herr Steinberg, wie haben sich die The-
            Köpfe in einem kleinen Büro im Dortmun-            men in diesen Jahren entwickelt?                         Haben Sie Projekte, die Ihnen besonders
            der Union-Gewerbehof, einem ökologi-               Gernot Steinberg: In der ersten Phase der                am Herzen liegen?
            schen Gründerzentrum. 10 Jahre später -            Gründung haben wir vor allem auf Quer-                   Steinberg: Mir fällt da sofort der Rad-
            als es dort zu eng wurde - sind wir mit eini-      schnittsthemen, Wettbewerbe und For-                     schnellweg RS1 im Ruhrgebiet ein. Auch,
            gen Leuten mehr in die Chemnitzer Straße           schungsprojekte gesetzt. Ab dem Jahr                     weil wir hier mit vielen Kommunen im
            in die südliche Innenstadt von Dortmund            2000 haben wir uns weiter auf integrierte                Revier zusammenarbeiten konnten.
            umgezogen. Die 2000er-Jahre waren auf-             Verkehrsprojekte, die strategische Ver­                  Frehn: Puh..., es gab und gibt so viele span-
            grund der Finanzsituation der Kommunen             kehrs­­entwicklungsplanung sowie auf die                 nende Projekte... Sehr schön im letzten
            die schwierigste Phase des Büros. Aber             Förderung des Radverkehrs und des ÖPNV                   Jahr war beispielsweise die Organisation
            auch am neuen Standort wurde es bald zu            konzentriert. Neue Themen wie Shared                     des 2. Deutschen Fußverkehrskongresses
            eng, so sind wir 2009 um die Ecke in unser         Space, Klimaschutzkonzepte, Betriebli-                   in Berlin.
            heutiges Büro in die Gutenbergstraße wei-          ches Mobilitätsmanagement, Radschnell-
            tergezogen. Dort haben wir das Glück,              wege, Nahmobilität und Fußverkehrsför-                   Wie hat sich das Team entwickelt?
            dass Dank der Flexibilität unseres Vermie-         derung kamen hinzu. Wir hatten das Glück,                Frehn: Natürlich gab es auch personell
            ters unsere wachsenden Expansionswün-              mit unseren Projekten immer mit an der                   eine enorme Weiterentwicklung. Angefan-
            sche erfüllt werden können. Ab 2012 kam            Spitze gewesen zu sein. Unsere Projekte                  gen haben wir mit drei Leuten. Heute sind
            die erste Niederlassung in Bremen und              haben sich gewandelt, sind anspruchsvol-                 wir ein Team von fast 50 Mitarbeiterinnen
            2016 eine zweite in Karls­ruhe dazu. Heute         ler geworden. Heute gehören Mobilitäts-                  und Mitarbeitern, die an drei Standorten
            verstehen wir uns trotz unserer Größe              konzepte für eine Metropole Hamburg                      deutschlandweit mit ihren Projekten auf
            noch als Start-Up mit 25 Jahren Erfahrung,         oder die Metropole Ruhr auf der einen                    eine nachhaltige Stadt- und Verkehrspla-
            das immer auf der Suche nach neuen Ideen           Seite und Konzepte für den ländlichen                    nung hinarbeiten. Nach und nach wurde

             elektrisch                  Dieselmotor                 das Zeitalter der mobi-                                                         Start-Stopp-
             angetriebene                wird                        len Endgeräte beginnt              Segways                                           System
             Fahrräder                   attraktiver                                                                                                   beim Auto

                                                       erste                         USB-Sticks
                                                       ISS

                                                                                     diverse Fahrerassistenzsysteme
                     Integrierte                                                     beim Auto
                  Siedlungs- und         Innenstadtver-                                                                Innenstadt-                              VEP der
                 Verkehrsentwick-        kehrskonzepte                               Navigationssysteme               revitalisierung                        2. Generation
                   lungsplanung                                                      werden erschwinglich

   Regionale Ver-             Nahverkehrs-                            Digitalisierung                 Nachhaltiger                              Mobilitäts-
 kehrsentwicklungs-             pläne der                           im Freizeitverkehr             Einkaufs- und Frei-                         management
      planung                 1. Generation                                                            zeitverkehr

    Gründung            erster               erstes                                         erste Aus-                              Umzug 2.
    des Büro‘s        Internet-           Sommerfest                                         gabe der                              Bürostandort
                                          der Planer-                                     ProjektSkizzen
    Dortmund          anschluss                                                                                                     Dortmund
                                            societät

>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
    1994                                                              2000                                                                        2005
Sommer 2019                                                                                                                                     11

         die Verantwortung für den Büroerfolg
         immer mehr Mitgliedern unseres wachsen-
         den Teams in die Hände gelegt. Wir haben
         Strukturen eingezogen, uns kontinuierlich
         weiterentwickelt und professionalisiert.
         Das interdisziplinäre Team setzt sich heute
         aus sehr unterschiedlichen Berufen zusam-
         men: Bei uns arbeiten Expertinnen und
         Experten aus Raumplanung, Verkehrspla-
         nung, Stadtplanung, Bauingenieurwesen
         und Geographie sowie Kommunikation
         projektspezifisch miteinander. 25 Jahre
         Planersocietät, das sind 25 Jahre Aufbau
         einer Planungs- und Bürokultur, deren Eck-          Dr. Michael Frehn (links) und Gernot Steinberg im Gespräch.
         pfeiler seit Anbeginn die gleichen sind:
         Offenheit für Neues, flache Hierarchien,            Verantwortung, diese Umbruchsituation             ansätze auch für die herkömmlichen Pro-
         Leidenschaft und Qualität, Vertrauen und            auch für eine richtige Verkehrswende zu           jekte zu gewinnen. Die Planersocietät ist
         Verantwortung.                                      nutzen.                                           jetzt 25 Jahre jung. Ich bin sehr zuversicht-
         Steinberg: Prägend war auch immer die               Steinberg: Auch die digitale Revolution           lich, dass uns dies mit unserer Innovations-
         Zusammenarbeit mit anderen Büros. Wir               wird deutliche Konsequenzen für den Ver-          kraft und Erfahrung, unserem motivierten
         haben auch von den Kooperationen profi-             kehrsbereich haben. Digitalisierungsan-           Team kombiniert mit der Leidenschaft für
         tiert – und diese sicher auch von uns.              sätze lassen traditionelle Nutzungshemm-          eine nachhaltige Verkehrspolitik gelingen
                                                             nisse für die Verkehrsmittel des Umwelt-          wird.
         Stichworte Digitalisierung und Ver-                 verbundes verschwinden. Die Digitalisie-
         kehrswende: Was kommt in Zukunft auf                rung stellt uns vor neue Heraus­forderungen.      Wenn Sie das mal kurz zusammenfassen,
         die Stadt- und Verkehrsplanung zu?                  Daher sind „Leitplanken“, die die Kommu-          was bringt uns die Zukunft? Und wie ist
         Frehn: Die Themen und Aufgaben werden               nen bei dem Thema setzen müssen, umso             Ihre Einstellung?
         komplexer. Wir befinden uns derzeit mit-            wichtiger. Hier unterstützen wir gerne.           Steinberg: Die Zukunft wird uns noch
         ten in einer weitreichenden Umbruch-                                                                  viele spannende Herausforderungen brin-
         phase. Mobilität verändert sich. Das wol-           Wie reagieren Sie auf darauf?                     gen, die wir mit Interesse und Sorgfalt
         len wir aktiv mitgestalten. Gleichzeitig            Frehn: Wir setzen uns mit diesen Themen           beobachten. Wir beschäftigen uns mit den
         freut uns, dass Themen, die wir schon vor           systematisch auseinander. Wo liegen Risi-         für uns, unsere Kunden und den Kommu-
         20 Jahren bearbeitet haben und die damals           ken, wo können uns Digitalisierungsan-            nen relevanten Themen. Wir freuen uns,
         Nischenthemen waren, inzwischen bei                 sätze die Verkehrswende unterstützen?             mit den daraus resultierenden Impulsen
         Politik, Verwaltung sowie Bürgerinnen und           Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe arbei-       unsere Regionen, Städte und die Mobilität
         Bürgern angekommen sind. Wir haben die              tet permanent daran, daraus Innovations-          gestalten zu können.

             3D-Drucker sind auch für                   Free-Floating                Google: Erprobung          Hoverboards sind
                    den Heimbedarf                      Carsharing                   des autonomen              für Privatpersonen        Drohnen     UBER
                            erhältlich                                               Fahrens                    erschwinglich

                                                        Brennstoffzellen-
                                                        Technologie startet                                                            Ride-Sharing
                                                        durch
                                                                                                                    Lastenräder                           Zulassung von
                                                                                                                                                         Elektroscootern

      Begegnungs-                 Vergnügungs-          Radschnellwege                                                                GreenCity
        zonen in                 stättenkonzepte        in Deutschland                                                               Masterpläne
      Deutschland

                  Bike-Sharing-
                     Modelle                                                                                                         2. Deutscher
                                                                                                                Aktive Mobilität     Fußverkehrs-        Micro-Hubs
                                              Klimaschutz-                            Mobilstationen              im Quartier          kongress          im Quartier
                                                konzepte
                  1. Nationaler
                  Radverkehrs-                                                                                                        Regionale
                    kongress                                                                                                          Mobiliäts-
                                                                                                                                      konzepte

                   Umzug 3.                               Gründung                       Umzug                     Gründung                               Umzug
                  Bürostandort                          Niederlassung                 Niederlassung              Niederlassung                         Niederlassung
                   Dortmund                                Bremen                        Bremen                    Karlsruhe                             Karlsruhe

>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
                                    2010                                                                 2015                                            2019 +
12                                                                                                                  ProjektSkizzen 22

Eine Auswahl neuer Projekte
• Strategisches Handlungskonzept der Ver-      • Mobilitätserhebung für den Landkreis        • Radverkehrskonzept für die Stadt Kempen:
     kehrsentwicklungsplanung Hamburg; in         Augsburg: Haushaltsbefragung von ca.           Problemanalyse und Netzkonzeption,
     ARGE mit ARGUS/ Urbanista; Auftrag-          11.000 Haushalten zum Mobilitätsver-           Bewertung Multimodalität, Potenzial-
     geber: Freie und Hansestadt Hamburg          halten; Auftraggeber: LK Augsburg              analyse mit Definition von Qualitäts-
                                                                                                 standards sowie Zielsetzung, Energie-
• Masterplan Mobilität Dortmund Stufe 2:       • 1.000 Zebrastreifen für Baden-Württem-          und THG-Bilanz, Unfallanalyse; in Arge
    Teilkonzepte für die Bereiche Fußver-           berg – Aktionsprogramm: landesweite          mit VIA, Auftraggeber: Stadt Kempen
    kehr & Barrierefreiheit, Radverkehr &           Maßnahmen und Begleitung von 6 Mo-
    Verkehrssicherheit, Ruhender Verkehr &          dellkommunen; Auftraggeber: Verkehrs-    • Nahverkehrsplan Schwalm-Eder-Kreis:
    Öffentlicher Raum; Auftraggeber: Stadt          ministerium Baden-Württemberg/               Fortschreibung des Nahverkehrsplans;
    Dortmund                                        NVBW                                         Auftraggeber: Schwalm-Eder-Kreis

• Mobilitätsplan D – Phase 1: Erarbeitung      • Fußverkehrs-Checks für NRW: Begleitung      • Studie S28 – Westverlängerung: Aufberei-
   eines Zielkonzeptes inkl. Evaluation zu-        und Betreuung eines partizipativen Ver-        tung und Argumentationslinien für eine
   sammen mit Politik und einer Fachgrup-          fahrens zur Fußverkehrsförderung in 5          Verlängerung einer S-Bahn in einer Bro-
   pe Mobilität (inkl. Verkehrsforen und           Kommunen; Auftraggeber: Zukunfts-              schüre; Auftraggeber: Kreis Viersen
   Online-Dialog); Auftraggeber: Landes-           netz Mobilität NRW, VRS
   hauptstadt Düsseldorf                                                                     • Umsetzungskonzept Mobilstationen Land-
                                               • Fußverkehrs-Checks für Baden-Württem-           kreis Bamberg: Darstellung von Modu-
• VEP Lahr mit ÖPNV Konzept: verkehrsträ-          berg; 5. Runde der Fußverkehrs-Checks         len und Dienstleistungen; Auftraggeber:
    gerübergreifendes Konzept mit beson-           als landesweite Maßnahme sowie zur            Landkreis Bamberg
    derem Fokus auf den ÖPNV; breite Öf-           Unterstützung von 10 Kommunen; Auf-
    fentlichkeitsarbeit; Auftraggeber: Stadt       traggeber: Verkehrsministerium Ba-        • Mobilstation Hauptbahnhof Hamm: Wei-
    Lahr (Schwarzwald)                             den-Württemberg/NVBW                         terentwicklung der Mobilitätsangebote
                                                                                                zu einer integrierten Mobilstation;
• Integriertes Mobilitätskonzept Paderborn:    • Nahmobilitätskonzept Castrop-Rauxel:           Auftraggeber: Stadt Hamm
     gesamtstädtischer VEP inkl. Planungsdi-       Analysen und Maßnahmen; Vorberei-
     alog; Auftraggeber: Stadt Paderborn           tung der AGFS-Bewerbung; in ARGE mit      • Rahmenplan Diepholz: Erstellung eines
                                                   VIA; Auftraggeber: Stadt Castrop-             städtebaulichen Rahmenplans für die
• Mobilitätskonzept Bretten: Verkehrsmit-          Rauxel                                        Innenstadt; in ARGE mit BPW, Ho-
   telübergreifende Grundlagenermitt-                                                            reis+Blatt; Auftraggeber: Stadt Diepholz
   lung; Haushalts- und Unternehmensbe-        • Studie Radschnellwege in Deutschland:
   fragung; Maßnahmenentwicklung und                Zusammenfassung von Projekten und        • Vergnügungsstättenkonzept Alfeld: Analy-
   Umsetzungskonzept; Bürgerbeteili-                Projektvorhaben; Aufbereitung von Ar-        se und Konzeption zur Steuerung von
   gung; Auftraggeber: Stadt Bretten,               gumenten; Auftraggeber: Bündnis 90/          Vergnügungsstätten; Auftraggeber:
   2019-2020                                        Die Grünen Bundestagsfraktion                Stadt Alfeld

• Regionales Mobilitätsentwicklungskon-        • Machbarkeitsstudien für drei Radschnell-    • Mobilitätskonzept für das Holsten-Areal in
    zept für die Metropole Ruhr: Entwick-          verbindungen in München: Varianten-          Hamburg-Altona; Mobilitätskonzept im
    lung übergreifender Strategien und Pro-        bewertung, Maßnahmenentwicklung; in          Rahmen eines Neubauquartiers; Auf-
    jekte; Auftraggeber: Regionalverband           ARGE mit VIA; Auftraggeber: Landes-          traggeber: SG Development GmbH
    Ruhr                                           hauptstadt München
                                                                                             • Verkehrsgutachten Emscherland 2020:
• Mobilitätskonzept für das Saarland: Be-      • Potenzial- und Machbarkeitsanalyse zu           Maßnahmen zur Optimierung des Ver-
   standsaufnahme, Analyse und Bewer-              einer Radschnellverbindung zwischen           kehrs für einen Natur- und Wassererleb-
   tung der bestehenden Verkehrssyste-             Halle (Saale) und Leipzig: Quantitative       nispark; Auftraggeber: Emschergenos-
   me; Erstellung von Szenarien, Zielen,           Potenzialermittlung im Korridor; Ent-         senschaft
   Handlungsansätzen und Leitlinien der            wicklung und Bewertung von Trassenva-
   zukünftigen Verkehrsentwicklung, Erar-          rianten; Konzeption der Vorzugstrasse;    • Stellplatzsatzung Leverkusen: Erarbeitung
   beitung von Modellprojekten; Auftrag-           in ARGE mit VIA eG; Auftraggeber: Me-          eines Vorschlags zur Neufassung der
   geber: Ministerium für Wirtschaft, Ar-          tropolregion Mitteldeutschland Ma-             Stellplatzsatzung; Auftraggeber: Stadt
   beit, Energie und Verkehr                       nagement GmbH                                  Leverkusen

• Verkehrskonzept für den Bielefelder Wes-     • Fortschreibung Radkonzept Kreis Unna:       • Verkehrsuntersuchung St.-Joseph-Stift Bre-
    ten: Entwicklung eines Quartierskon-           Unfallanalysen, Radwegenetz, Netz-            men: Standortanalysen, Erhebungen,
    zeptes mit Planungsspaziergängen; Auf-         analyse, Maßnahmenentwicklung; Auf-           Prognosen, Maßnahmen; Auftraggeber:
    traggeber: Stadt Bielefeld                     traggeber: Kreis Unna                         Freie Hansestadt Bremen
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