SCHIZOPHRENIE SYSTEMATIK DER KINDER-UND JUGENDPSYCHIATRIE - Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und

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SCHIZOPHRENIE SYSTEMATIK DER KINDER-UND JUGENDPSYCHIATRIE - Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und
SCHIZOPHRENIE
SYST E MATI K DE R K I NDE R - UND J UG ENDP SY CH IATR IE

                             Oriana Clasen

       Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und
                               Psychotherapie
SCHIZOPHRENIE SYSTEMATIK DER KINDER-UND JUGENDPSYCHIATRIE - Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und
LERNZIELE

• Diagnosekriterien der Schizophrenie und Symptomunterschiede

• Ätiologie und Prävalenzen der Schizophrenie

• Psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung der Schizophrenie

                                                                        Edvard Munch: Der Schrei
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FALLBEISPIEL

• 16 Jahre alter Junge, der zum Zeitpunkt der Vorstellung bereits seit mindestens
  6 Monaten unter folgendem leide:
  • Undeutliches Geflüster höre
  • Stimmen, die seinen Namen rufen, ihn beschimpfen, aber auch Stimmen, die ihn
    auffordern sich etwas anzutun
  • Öfteren das Gefühl habe, dass man ihn an der Schulter anfassen würde oder aber am
    Fuß ziehen würde
  • seit über 6 Monaten zunehmend depressive Symptome
  • Stimmungsschwankungen, Konzentrations- sowie Leistungseinbußen
  • massive Ein- sowie Durchschlafstörungen
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FALLBEISPIEL

• Interessensverlust, eine ausgeprägte Lustlosigkeit sowie Appetitverlust mit
  Gewichtsabnahme
• sozialen Kontakten ziehe er sich zunehmend zurück
• Optische Halluzinationen werden verneint, lediglich im Augenwinkel habe er
  gelegentlich den Eindruck schemenhaft etwas zu erkennen
• Selbstverletzendes Verhalten in Form von Schnitten am linken Bein sowie
  Unterarm
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DEFINITION

• Grundsymptome:
  Störung des Denkens, der Affektivität, des Antriebs

• Akzessorisch, nicht obligat:
 Wahn, Halluzinationen, katatone Störungen

• verschiedene Manifestationsformen

• schwere Störung des Realitätsbezugs
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KLASSIFIKATION
                            ICD 10 UND DSM 5

Einteilung im Kindesalter nach Manifestationsalter
• Kindliche Schizophrenien (bis zum 10. Lebensjahr) (< 0,04%, Driver, D. I., Gogtay, N., & Rapoport, J.
  L. (2013). )

• Präadoleszente Schizophrenien (10.-14. Lebensjahr) (4% der Schizophrenien beginnen vor
  dem 15 LJ., Bleuler, 1972; Lutz, 1972)

• Adoleszente und erwachsene Form der Schizophrenie
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ICD 10                                            DSM 5
Mindestens 1 der unter 1. aufgelisteten           Mindestens 2 der folgenden Symptome, jedes
Symptome oder mindestens 2, der unter 2.          bestehend für einen erheblichen Teil einer
aufgelisteten Symptome                            einmonatigen Zeitspanne; mindestens eines
Mindestens innerhalb eines Monats                 dieser Symptome muss 1., 2. oder 3. sein
1.                                                    1. Wahn
     Gedankenlautwerden, -eingebung, -               2. Halluzination
        entzug, -ausbreitung                          3. Desorganisation
     Kontrollwahn, Beeinflussungswahn,               4. Grob desorganisiertes oder katatones
        Gefühl des Gemachten (deutlich                    Verhalten
        bezogen auf Körper- oder                      5. Negativsymptome
        Gliederbewegungen oder bestimmte
        Gedanken, Tätigkeiten oder                      Deutliche Einbußen in zentralen
        Empfindungen), Wahnwahrnehmungen                 Funktionsbereichen wie Arbeit,
     Kommentierende oder dialogische                    zwischenmenschlichen Beziehungen
        Stimmen, die über den Patienten reden,           oder Selbstfürsorge für eine erhebliche
        oder andere Stimmen, die aus                     Zeitspanne seit Beginn der Erkrankung
        bestimmten Körperteilen kommen                  Zeichen des Störungsbildes für
     Anhaltender kulturell unangemessener,              mindestens sechs Monate
        bizarrer Wahn, wie der, das Wetter
        kontrollieren zu können oder mit
        Außerirdischen in Verbindung zu stehen

2.

          Anhaltende Halluzination jeder                   Ausschluss einer schizoaffektiven
           Sinnesmodalität, tgl., während mind.              Störung oder einer depressiven bzw.
           1 Monat, begleitet von flüchtigen,                bipolaren Störung mit psychotischen
           oder undeutlich ausgebildeten                     Merkmalen
           Wahngedanken                                     Ausschluss von Substanzeinfluss
          Gedankenabreißen, oder -                          oder eines medizinischen
           einschiebungen, führt zu                          Krankheitsfaktors als Ursache
           Zerfahrenheit, Danebenreden,                     Bei Vorgeschichte einer Autismus-
           Neologismen                                       Spektrum-Störung Vergabe einer
          Katatone Symptome wie                             zusätzlichen Schizophreniediagnose
           Haltungsstereotypien oder                         nur im Falle ausgeprägter
           wächserne Biegsamkeit (Flexibilitas               Wahnphänomene oder
           cerea), Negativismus, Mutismus,                   Halluzinationen
           Stupor
          „Negative" Symptome wie Apathie,
           Sprachverarmung, verflachte oder
           inadäquate Affekte (NICHT durch
           Medikation oder Depression
           bedingt)
EPIDEMIOLOGIE

• Lebenszeitprävalenz für schizophrene Psychosen ca. 1%

• Aufgrund der Seltenheit des Auftretens im Kindes- und Jugendalter nur wenig
  epidemiologische Zahlen
• nur 4 % der Gesamterkrankungen an Schizophrenie beginnen vor dem 14.
  Lebensjahr
• nur 0,1-1 % der Gesamterkrankungen vor dem 10. Lebensjahr
• Jungen knapp 3 x häufiger betroffen als Mädchen
AUGUST NATTERER: DER
   WUNDERHIRTE

 Dieses und folgende Bilder sind aus der
 Sammlung Prinzhorn, einem Museum in
  Heidelberg für historische Werke aus
       psychiatrischen Anstalten.

August Natterer litt an Wahnvorstellungen
          und Halluzinationen.

                                            07.04.2021
KLINISCHES BILD

• Phasen
• Prodromale Phase
• Akute Phase (vorwiegend positive, produktive Symptome, deutlich
  eingeschränktes Funktionsniveau)
• Remissionsphase (produktive Symptome bilden sich unter Therapie und mit
  individueller Variation zurück)
• Residualphase (v. a. negative Symptome wie sozialer Rückzug, Antriebslosigkeit,
  Affektverflachung)
• (chronische Krankheit mit ungenügender Rückbildung trotz Therapie)
KLINISCHES BILD

Prodromalerscheinungen bei Kindern
• Bei ca. 50 % der erkrankten Kinder erkennbar
• flüchtige, kurz dauernde präpsychotische Reaktionen
• Verhaltensveränderungen, die mit dem Wesen und der bisherigen Entwicklung des
  Kindes unvereinbar erscheinen
• z. B. regressives Verhalten,Verstimmungszustände, plötzliche und unmotivierte
  dissoziale Handlungen, Aggressionsdurchbrüche, Angst, mutistische Reaktionen,
  Konzentrationsstörungen, motorische Unruhe

• Symptome wenig spezifisch, heben sich jedoch eindeutig von der bisherigen
  Persönlichkeitsentwicklung des Kindes ab
KLINISCHES BILD

Prodromalerscheinungen bei Jugendlichen
• Leistungseinbrüche in Schule / Lehre
• Konzentrationsstörungen
• Antriebsminderungen mit Interessensverlust
• Derealisationserlebnisse (Entfremdung ggb. der Umwelt)
• Phasenhaft ablaufende depressive Verstimmungen
KLINISCHES BILD

Zu Prodromalverlauf
• Symptome ungenügend spezifisch
• Häufig prämorbide Ähnlichkeit mit schizoider Persönlichkeitsstörung im Sinne
  von „sonderlinghaftem“, kontaktarmem und beziehungsgestörtem Verhalten;
  bestes Vorhersagemerkmal des Frühverlaufs
• Auslöser können belastende Lebensereignisse sein
• Familiäre Faktoren
KLINISCHES BILD

Psychopathologie bei kindlichen Schizophrenien

• weniger, bzw. kaum durch produktive Symptome gekennzeichnet
• Wahn und Halluzination kaum vor dem Alter von 10 Jahren
• Im Vordergrund steht vielmehr eine Störung des Antriebs, der Emotionalität,
  der Motorik und der Sprache
• Abkehrung von der Beziehungswelt mit autistischen Zügen
KLINISCHES BILD

Schizophreniesymptome bis etwa zum 10. Lebensjahr
• Zunehmende Kontaktlosigkeit (Verlust des Beziehungsbedürfnisses, fehlender
  Blickkontakt, Aversion gegen Körperkontakt, Interessen- und Spielverlust,
  Isolation)
• Störungen der Motorik (Stereotypien, Manierismen, Grimassieren,
  Schaukelbewegungen, Zehengang)
• Störungen der Wahrnehmung (z. B. Erfassung der Umwelt haptisch)
• Sprachabbau (Stereotypien, bizarre Wortneubildungen, Agrammatismus,
  Mutismus, Logorrhoe)
• Reduzierte intellektuelle Leistungen
KLINISCHES BILD

zu Schizophreniesymptome bis etwa zum 10. Lebensjahr

• Affektveränderungen (amorphe, gegenstandslose Ängste,Verstimmung,
  Reizbarkeit, Wut, dann Übergang in affektive Gleichgültigkeit und Verarmung)
• Antriebsveränderungen (Apathie oder dranghafte Impulse mit Aggressionen
  und Autoaggressionen)
KLINISCHES BILD

Schizophreniesymptome zwischen dem 10. und 14. Lebensjahr
• Störungen der Motorik (Gestik, Mimik, Steifigkeit, Eckigkeit, zunächst mit
  zwanghaftem Charakter, dann manieriert einschl. Sprache)
• Angstsymptome (konkreter, elementarer Charakter, z.B. Tod, Krankheit oder
  gegenstandslos mit depressiver Färbung, Ratlosigkeit, suizidalen Phantasien)
• Depersonalisationserscheinungen (Ich-Störung, z.B. Kinder sprechen von sich
  in der 3. Person, fühlen sich in Tiere verwandelt)
• Halluzinationen (eher optisch, mit Beziehung zur Märchenwelt, z.B. Hexe,
  Teufel, schwarzer Mann)
KLINISCHES BILD

zu Schizophreniesymptome zwischen 10. und 14. Lebensjahr
• Denkstörungen (Sprunghaftigkeit, Denkhemmung, Unkonzentriertheit; sowohl
  eigenständig, als auch durch Angstsymptome hervorgerufen)
• Wahnstimmung und Wahnsymptomatik (Zönästhesie, paranoide
  Wahnsymptome mit Vergiftungs-,Verfolgungs-, Beziehungs-, Beeinflussungsideen,
  evtl. religiöser oder sexueller Charakter, einschl. Selbstbeschuldigungsideen)
KLINISCHES BILD

Schizophreniesymptome im Jugendalter
• Zwangssymptomatik (Zwangsideen, -impulse, -handlungen, z.B. Waschzwang,
  Laufzwang, Grübeln, motorische Stereotypien, Rituale)
• Angstsymptome (verschieden, betreffen häufig eigene Gesundheit,
  Dysmorphophobie)
• Halluzinationen (optische, akustische, olfaktorische, haptische, häufig
  motorische Unruhe, unmotiviertes Weglaufen)
• Depersonalisationserscheinungen (Ich-Störung, Affektstörung, emotionale
  „Versandung“,Verschrobenheit, eigenbrötlerische Abkapselung und Rückzug
  von der Umwelt)
KLINISCHES BILD

zu Schizophreniesymptome im Jugendalter
• Derealisationserscheinungen (Einbeziehung der Außenwelt und Personen in
  Entfremdungssituation)
• Denkstörungen (Inkohärenz, Zerfahrenheit, Blockierung, Gefühl der Leere und
  Starrheit im Denken)
• Phantastische Wahnbildungen (Verfolgungs- und Beeinflussungsideen, z.B.
  „kosmische“ Inhalte, Größenwahn, religiöser Wahn, Selbstbeschuldigungswahn,
  Liebeswahn)
KLINISCHES BILD

Seltene Formen, die jedoch auch im Jugendalter auftreten

Hebephrenie (F20.1)
• Läppische Stimmung, affektive Verflachung, Enthemmung, soziale Distanzlosigkeit,
  Manierismen, Antriebsarmut

Schizophrenia simplex (Knick in der Lebenslinie) (F20.6)
• Äußerst selten
• Schleichender Beginn und Verlauf mit autistoidem Rückzug und Kontaktverlust,
  Antriebsarmut, chronischer Defektzustand
KLINISCHES BILD

zu seltene Formen, die jedoch auch im Jugendalter auftreten

Katatone Schizophrenie (F20.2)
• Wesentliche und beherrschende Merkmale sind psychomotorische Störungen
• Schwankung zwischen Extremen (Erregung bis Stupor)
• Zwangshaltungen und –stellungen möglich
• Selten in Industrieländern
AUGUST NATTERER
„MEINE AUGEN ZUR ZEIT DER
      ERSCHEINUNG“
DIAGNOSTIK UND
                DIFFERENTIALDIAGNOSE

Diagnosestellung durch
• Exploration der Patienten
• Verhaltensbeobachtung
• Psychopathologischer Befund
• Anamnese der Symptomentwicklung
• teilweise erst im Verlauf komplett möglich
• Psychologische Testverfahren
• Körperliche internistisch-neurologische Untersuchung, EEG
DIAGNOSTIK UND
               DIFFERENTIALDIAGNOSE

• Die Diagnose der äußerst seltenen Schizophrenien des Kindesalters kann
  weniger aufgrund der Produktivsymptomatik gestellt werden

• Tritt trotzdem eine produktive Symptomatik auf, sollte eher an eine exogene
  Genese durch eine Hirnstörung gedacht werden
DIAGNOSTIK UND
                DIFFERENTIALDIAGNOSE

Mögliche Ursachen hierfür
• Entzündungen
• Intoxikationen
• Kontusionen
• Tumoren
• Stoffwechselstörungen
• Epilepsien

• Sorgfältige organische Diagnostik
DIAGNOSTIK UND
                DIFFERENTIALDIAGNOSE

Klassische Differentialdiagnosen
• Schizotype Störung
• Akute vorübergehende psychotische Störung
• Induzierte wahnhafte Störung (folie à deux)
• Schizoaffektive Störung
• Affektive Störung mit psychotischen Symptomen
• Organisch bedingte psychotische Störung (Substanzmissbrauch!)
• Paranoide oder schizoide Persönlichkeitsstörung
• Emotional instabile Persönlichkeitsstörung
DIAGNOSTIK UND
                DIFFERENTIALDIAGNOSE

Andere Differentialdiagnosen:

• Autismus-Spektrum-Störungen
• Geistige Behinderung
• Neurodegenerative Erkrankungen mit desintegrativen Störungen
• Zwangsstörungen
DIAGNOSTIK UND
                DIFFERENTIALDIAGNOSE

Eindeutige klinische Hinweise für die Diagnose einer Schizophrenie
• Denkstörungen
• Katatonie
• Affektive Veränderungen
• Symptome ersten Ranges (nach Kurt Schneider): Gedankenlautwerden, Hören
  von Stimmen in Form von Rede und Gegenrede, kommentierende Stimmen,
  leibliche Beeinflussungserlebnisse, Gedankeneingebung, -entzug,-ausbreitung,
  Wahnwahrnehmungen, Beeinflussung des Fühlens und Willens durch andere
DIAGNOSTIK UND
                DIFFERENTIALDIAGNOSE

Wenn diese Symptome vorliegen und andererseits
• keine Bewusstseinsstörungen und
• keine amnestischen Symptome
vorliegen, ist die Diagnose einer Schizophrenie mit beträchtlicher
Wahrscheinlichkeit zu stellen.
AUGUST NATTERER

     „Hexe“

                  07.04.2021
ÄTIOLOGIE

• Noch nicht erfolgte allgemeingültige und vollständige Aufklärung
• Mehrfaktorielle Genese
• Viele Faktoren werden diskutiert
• Biologische Faktoren (hohe homologe familiäre Belastung)
• Verschiedene chromosomale Veränderungen
• Kandidatengene mit Bedeutung für die Funktion neuronaler Netzwerke und
  Signalübertragung (speziell dopaminerg und glutamaterg)
• Dysbindin-Gen (6p22.3), Neuregulin 1 (8p21), DISC1 (Chromosom 1), COMT
  (22q11)
ÄTIOLOGIE

Genetische Disposition (polygene Übertragung)
• Je näher der Verwandtschaftsgrad zu einem Erkrankten ist, desto größer ist das
  genetische Risiko selbst an einer Schizophrenie zu erkranken
• Elternteil 5-10 %
• Geschwister 8-10 %
• Eineiige Zwillinge 45 %; zweieiige Zwillinge 21 %
ÄTIOLOGIE

Neurotransmitterstörung
• Überaktivität des dopaminergen Systems
• Störung im Abbau, bzw. der Wiederaufnahme aus dem synaptischen Spalt
• Hypersensitivität, bzw.Vermehrung der Rezeptoren
• Positivsymptomatik
• Es könnten auch Hyper- und Hypofunktionen in verschiedenen Subsystemen
  gleichzeitig vorkommen
ÄTIOLOGIE

Hirnfunktionsstörungen

• Störung des Gleichgewichts der Wechselwirkung von Kortex und Subkortex

• Erhöhte Rate an Geburtskomplikationen, mögliche Rolle viraler Infektionen
  während der Schwangerschaft, neuromotorische Defizite in der Kindheit
ÄTIOLOGIE

Psychosoziale Faktoren
• Vernachlässigung
• Deprivation
• Störungen der familiären Interaktion
  High expressed emotions, double bind, negative Affektivität

• Belastende Lebensereignisse als Auslöser
• Tod, Trennung der Eltern, traumatische Erlebnisse, Migration
Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modell
AUGUST NATTERER
  „HEXENKOPF“
THERAPIE

Mehrdimensionales Konzept
• Pharmakotherapie
• Verhaltenstherapie
• Stützende Psychotherapie
• Heilpädagogik
• Musiktherapie
• Ergotherapie
• Beschäftigungstherapie
THERAPIE

• So früh wie möglich
• Stationär
• Erhöhtes Suizidrisiko (!)
• Einbezug der Familie (beratend, aufklärend und stützend)
• Schul- und Berufsberatung
• Häufig mündet die akute Behandlungsphase in eine längere Rehabilitation in
  speziellen Einrichtungen (je nach Verlauf)
THERAPIE

Psychopharmakotherapie
• Basis jeder Behandlung der Schizophrenie
• Neuroleptika
• wirken antipsychotisch auf Produktivsymptomatik
• beeinflussen Unruhe, Impulsivität, Aggressivität und Angst
• beeinflussen Hirnstoffwechsel der Neurotransmitter, hauptsächlich im
  limbischen System, thalamische und hypothalamische Strukturen
• stellen hypothetisch das Gleichgewicht sensorischer und motorischer
  Funktionen, sowie Emotionalität wieder her
THERAPIE

• Mittel der ersten Wahl atypische Neuroleptika der zweiten und dritten
  Generation (Olanzapin, Quetiapin, Aripiprazol, Risperidon)
• Anticholinergika (bei extrapyramidal-motorischen Nebenwirkungen)
• Benzodiazepine (bei Erregung, Angst, katatonen Symptomen, Schlafstörungen)
  nur vorübergehend, hohes Abhängigkeitspotenzial

• Erhaltungstherapie mit Neuroleptika über 1 – 2 Jahre
THERAPIE

Dopaminhypothese
• Überaktivität bestimmter dopaminerger Bereiche im Gehirn

• Neuroleptika hauptsächlich D2-Antagonisten
• Zusätzlich Auswirkungen auf das glutamaterge und serotonerge System
• Neuroleptika der 3. Generation (Aripiprazol (Abilify)) partieller Agonist am
  D2-Rezeptor
THERAPIE

Stützende Psychotherapie und stationäre Milieutherapie (Spiel, gestalterisch,
Gruppenaktivitäten)
• Reizabschirmung
• Befreiung von Pflichten
• Korrektur der Störung des Realitätsbezugs
• Abbau von Angst, sozialer Isolation und Defiziten der Verhaltenssteuerung
THERAPIE

Verhaltenstherapie

• Training von sozialen Fertigkeiten
• Bewältigung
• Problemlösefertigkeiten
• Warnsymptome
VERLAUF

• Vielfältig
• Beginn vor dem 14. Lebensjahr ungünstig
• Insgesamt langfristige Besserungsrate für Formen der Adoleszenz niedriger als
  im Erwachsenenalter
• mehrheitlich ungünstige Verläufe bei ca. 50 %
• ¼ gute Prognose; ¼ geringe Beeinträchtigung
VERLAUF

Kindliche Schizophrenien:
• - städtische Lebensumwelt, vorher aufgetretene Teilleistungsstörungen
• + prämorbide Persönlichkeitsmerkmale wie überdurchschnittliche
•      Intelligenz, Kontaktfähigkeit, freundliche Zugewandtheit
• + Zwangssymptome

Schizophrenien im Jugendalter:
• - familiäre Belastung, Hebephrenie, Schizophrenia simplex
• + hohe Intelligenz, normaler EEG-Befund, akuter Beginn, ausgeprägte
•      affektive Symptomatik, klar identifizierbare auslösende Faktoren
- = Umstände, die sich negativ auf den Verlauf auswirken; + = Umstände, die sich positiv auf den Verlauf auswirken
AUGUST NATTERER
  „HEXENKOPF“
NACHSCHLAGEMÖGLICHKEITEN

• Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 (WHO; H. Dilling,
  W. Mombour, M. H. Schmidt, Hrsg.; Huber Verlag)

• Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, DSM-5
  (American Psychiatric Association, Deutsche Ausgabe herausgegeben von P.
  Falkai, H.-U. Wittchen et al.; Hogrefe Verlag)

• Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen, Hans-Christoph
  Steinhausen (Elsevier Urban &Fischer Verlag)
NACHSCHLAGEMÖGLICHKEITEN

• Psychopathologisches Befund-System für Kinder und Jugendliche (CASCAP-D);
  M. Döpfner, W. Berner, H. Flechtner, G. Lehmkuhl und H.-C. Steinhausen
  (Hogrefe Verlag)

Betroffenenliteratur:
• Meine Schizophrenie; Klaus Gauger (Herder Verlag)
Vielen Dank für die
 Aufmerksamkeit!
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