ST.GALLEN IM NOTFALL? - Grüne Thurgau
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N
18
NR. 2, JULI 20
OST G R Ü ANTONE SG, TG, GL UND
GR
OSTSCHWEIZ
RK
BULLETIN DE
> VERHÜLLUNGSVERBOT: MEHRWERT FÜR FRAUENRECHTE? SEITE 4
> OBERTHURGAU: DREI NEUE ORTSPARTEIEN SEITE 7
> GLARUS: WAHLERFOLG BEI DEN LANDRATSWAHLEN SEITE 11
P L A N U N G
SPITAL T FA L L ?
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02 OSTGRÜN 02 / 2018Editorial
DIE IDEALE WELT
NUR AUF PAPIER?
Liebe Grüne
Ich habe mich in den letzten Jahren ein paar Mal exponiert, wenn ich schrieb,
Schriftsteller sollten sich – nicht als Bürger, sondern in ihrer Funktion als Schrift-
steller – mit politischen Äusserungen zurückhalten. Weil sie zum einen nicht
kompetenter sind als irgendwer, weil sie sich – von Henry David Thoreau über Knut
Hamsun bis zu Stefan Zweig und Peter Handke – nur allzuoft fatal geirrt haben,
vor allem aber, weil sie damit ihrem Werk schaden, das immer politisch ist auf
eine viel tiefgründigere Art als jede politische Stellungnahme. Die Inhalte meiner
Bücher sind nicht «grün», aber ich denke, sie vermitteln Werte und eine Weltsicht,
die mir wichtig sind und die auch der Grund dafür sind, dass ich seit bald fünfund-
dreissig Jahren Mitglied der Grünen Partei bin.
Das Lesen an sich ist eine der grünsten
Beschäftigungen überhaupt.
Ein bisschen grün sind meine Bücher aber doch, nicht nur, weil sie auf Papier «aus
verantwortungsvollen Quellen» gedruckt und lokal – in Deutschland – hergestellt
werden, nicht nur, weil ich neunzig Prozent meiner Lesereisen mit dem Zug un-
ternehme. Das Lesen an sich ist eine der grünsten Beschäftigungen überhaupt.
Fast jede andere Freizeitaktivität verbraucht mehr Energie, sogar Radfahren, weil
man dabei Gummi verbraucht und davon Hunger kriegt, den man nicht immer mit
Biolebensmitteln stillt. Lesestunden sind Stunden der Passivität, im Geist erlebt
man Abenteuer, reist um die Welt, fliegt zu den Sternen. Aber die Flugzeuge und
Autos und Raketen in Büchern verbrauchen nur fiktiven Treibstoff und geschriebe-
ne Atomkraftwerke produzieren keinen radioaktiven Abfall.
Eine ideale Welt wäre vielleicht eine, die nur auf dem Papier stehen würde, eine
Welt als endloses Buch, als unendliche Geschichte. Aber natürlich müsste es in OSTGRÜN NR. 2/2018
Bulletin der GRÜNEN Ostschweiz
diesem Buch auch eine fiktive Grüne Partei geben, die gegen fiktive Atomkraftwer- c/o Thomas Schwager
ke und den fiktiven motorisierten Verkehr kämpfen würde. Und natürlich würde Cunzstr. 19, 9016 St.Gallen
mein fiktives Ich Mitglied in dieser fiktiven Partei und würde ein fiktives Editorial Juli 2018
für das fiktive Bulletin Ostgrün schreiben. Erscheint 4 Mal jährlich
Auflage: 1400 Exemplare
Redaktion: Kurt Egger (TG), Thomas
Schwager (SG), Priska Müller Wahl (GL),
Peter Stamm, Schriftsteller Rolf Marugg (GR)
Träger des Solothurner Literaturpreises 2018,
Titelbild: Thomas Schwager
seit bald 35 Jahren Mitglied der GRÜNEN
Gestaltung: Joël Roth/Thomas Schwager
Druck: Druckerei Walpen, Gossau
OSTGRÜN 02 / 2018 03Referendum
MEHR FRAUENRECHTE
DANK VERHÜLLUNGSVERBOT?
Ob sie nun Burkaverbot oder wie im Kanton St. Gallen Gesichtsverhüllungsverbot
genannt werden: Für eine erfolgreiche Integration, die Frauenrechte und die
Partizipation bieten solche Verbote keinen Mehrwert – im Gegenteil.
Die Burkadebatte ist in Europa seit et- braucht es das Burkaverbot also nicht. die Gleichstellung, die gesellschaftli-
lichen Jahren hoch im Kurs und auch in Bleibt das Argument, dass man mit che Partizipation und Integration der
der Schweiz immer wieder ein Thema, einem Burkaverbot ein Zeichen gegen Frauen haben können. Die aktuelle
auf kantonaler als die Unterdrückung Debatte ist aber in erster Linie Stim-
auch auf nationaler «Ein Verbot ist der Frau und gegen mungsmache. Und sie lenkt von den
Ebene. Der Kanton ein patriarchalisches realen Defiziten ab, die im Bereich der
St. Gallen hat im
für Gleichstellung, Weltbild setzen müs- Gleichstellung und der Integration in
vergangenen Jahr ein Selbstbestimmung se. Auch dieses Argu- der Schweiz noch immer bestehen.
Gesichtsverhüllungs- und Integration ment überzeugt nicht, Wir fordern, dass die Energie, die seit
verbot beschlossen, nicht förderlich.» denn es zeichnet ein Jahren für die Burkafrage aufgewendet
der Bundesrat Anfang pauschales und ein- wird, für den interkulturellen Dialog,
Juni einen indirekten Gegenvorschlag seitiges Bild des Islam. Und es zeugt die soziale und berufliche Integration
zur Initiative «Ja zum Burkaverbot» von einer Stellvertreterdebatte, die und die Förderung der Gleichstellung
lanciert. sich gegen den Islam in unserer Gesell- auf nationaler und kantonaler Ebene
schaft richtet und Stimmungsmache eingesetzt wird. Zum Wohl der Frauen
Wie gross ist das Problem? im Namen der Frauenrechte betreibt. und unserer ganzen Gesellschaft.
All die politischen Diskussionen und
Medienartikel zum Thema wecken den Diskussion ernst nehmen, Die Jungen Grünen reichten im Januar
gemeinsam mit den Jglp und den JUSO das
Eindruck, als sei die Burka eines der reale Defizite bekämpfen Referendum gegen das St.Galler Verhüllungs-
drängendsten Probleme unserer Zeit. Gesetzliche Kleidervorschriften und verbot ein. Im September kommt es zur Ab-
Doch das ist eine Fehlannahme. Denn Bussen bei Nichtbeachtung sind kein stimmung. Sibel wird am 22.9. an der Demo
zum Weltfriedenstag sprechen. Siehe Agenda.
auch wenn die Burka die Gemüter be- Instrument zur Förderung der Integra-
wegt und das Thema ernst genommen tion, der Selbstbestimmung oder der
werden muss, ist sie hierzulande ein Gleichstellung. Denn sie haben zur Fol-
verschwindend kleines Phänomen, das ge, dass Frauen, die eine Burka tragen
hauptsächlich im Tourismus anzutref- wollen oder müssen, in die Illegalität
fen ist. Das Schweizer Strafgesetz hält gedrängt werden und sich im schlimms-
zudem mit dem Verbot der Nötigung ten Fall sozial isolieren.
bereits heute fest, dass niemand zum
Tragen bestimmter Kleidungsstücke Für uns Grüne ist klar: Die Burka-Dis-
gezwungen werden darf. Um Frauen kussion muss ernstgenommen werden Sibel Arslan
vor einem Burkazwang zu schützen, wie alle Themen, die einen Einfluss auf Nationalrätin GRÜNE Basel-Stadt
04 OSTGRÜN 02 / 2018Vaterschaftsurlaub
JA ZUR FAMILIENFÖRDERUNG
AUS DIESEM JAHRHUNDERT
Der Bundesrat bleibt in Familienfragen im letzten Jahrhundert stecken: Er empfiehlt
die Initiative für einen Vaterschaftsurlaub ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung.
Die Grüne Fraktion wird deswegen ihrerseits einen Gegenvorschlag lancieren.
Im Juli 2017 hat der Verein «Vater- tere vierzehn Wochen betragen und wie weit weg von der Gesellschaft er
schaftsurlaub jetzt!» die Initiative «Für innerhalb eines Jahres nach der Geburt politisiert. Denn der gesellschaftliche
einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub bezogen werden können. Acht Wochen Wandel ist bereits erfolgt – nur mit den
– zum Nutzen der ganzen Familie» für Rahmenbedingungen hinken wir hin-
einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub «Bürgerliche Männer terher. Die Volksabstimmung wird dem
eingereicht. Die parlamentarische Bundesrat also die Richtung weisen
im Bundesrat haben der müssen.
Debatte dazu wird noch dieses Jahr im
Nationalrat gestartet. Initiative eine
Abfuhr erteilt.» Für die GRÜNEN ist schon lange klar:
Die erste (Nicht-)Überraschung kam Eine anständige Elternzeit ist für die
aus dem Bundesrat: Die bürgerlichen davon wären vom Vater oder der Part- Schweiz sowohl ein gesellschaftlicher
Männer im Bundesrat haben der Ini- nerin der Mutter zu beziehen, sechs als auch ein wirtschaftlicher Gewinn.
tiative eine Abfuhr erteilt und somit Wochen flexibel aufteilbar. Denn die Vereinbarkeit von Beruf und
gezeigt, dass die Vereinbarkeit von Familie fördert die Gleichstellung und
Beruf und Familie für sie keine Priorität Der grüne Gegenvorschlag ist umso stärkt die Volkswirtschaft – wie es das
hat. Die Grüne Fraktion hat deshalb nötiger, als dass auch die Gegenvor- Beispiel Skandinavien zeigt.
entschieden, ihrerseits einen Gegen- schläge von CVP und FDP die Schweiz
vorschlag zu unterbreiten. in Familienfragen nicht weiterbringen:
Der Gegenvorschlag von der CVP for-
GRÜNE fordern Elternzeit dert nur zwei Wochen Vaterschaftsur-
von 14 Wochen laub. Die FDP hingegen nimmt mit
Der Gegenvorschlag der Grünen ihrem Vorschlag (16 statt 14 Wochen,
Fraktion orientiert sich am gesunden nach der achten Woche aufteilbar auf
Menschenverstand – und am erfolg- beide Eltern) sogar eine Kürzung des
reichen skandinavischen Modell. Er Mutterschaftsurlaubs in Kauf.
fordert zusätzlich zum 14-wöchigen Aline Trede
Mutterschaftsurlaub eine Elternzeit, Dem Bundesrat die Richtung weisen Nationalrätin GRÜNE Bern
die zwischen beiden Eltern, Mann und Dass der Bundesrat nicht einmal die
Frau, Mann und Mann, Frau und Frau, moderate Initiative für einen Vater-
aufteilbar ist. Die Elternzeit soll wei- schaftsurlaub annehmen will, zeigt,
OSTGRÜN 02 / 2018 05Junge Grüne
ZERSIEDELUNG STOPPEN:
JETZT GILT ES ERNST!
Die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen kommt vier Jahre nach ihrer
Lancierung bald zur Abstimmung. Mit der Hilfe aller grünen Kräfte lässt
sich das Vorhaben zum Erfolg führen.
Fast vier Jahre ist es her, dass die Jun- schaftlicher Qualität kompensiert wer- Die Zersiedelungsinitiative ist eine
gen Grünen die Volksinitiative «Zersie- den. Ausserhalb der Bauzonen soll nur einmalige Chance für die Grünen und
delung stoppen – für eine nachhaltige gebaut werden, was standortgebun- Jungen Grünen. Wir haben reale Chan-
Siedlungsentwicklung» lancierten. den und entweder von öffentlichem cen, das Umweltproblem Nummer eins
An ihrer Dringlich- Interesse ist oder für der Schweiz in den Griff zu bekommen.
keit hat sich in der die bodenabhängige Neben den linken und grünen Kräften
Zwischenzeit leider «Für die Klimawende Landwirtschaft be- stören sich auch ausgesprochen kon-
nichts geändert: braucht es auch den nötigt wird. Die Re- servative Leute an der Zersiedelung
Nach wie vor wird Zersiedelungsstopp.» serven im bestehen- – man höre sich nur einmal die Unter-
jede Sekunde fast den Siedlungsgebiet haltungen im Zug an!
ein Quadratmeter sind gross genug,
Grünfläche überbaut. Wenn das so auch wenn die Bevölkerung stark wach- Mit einer breit abgestützte Kampa-
weitergeht, wird bis 2050 noch einmal sen sollte. Damit sie besser ausgenutzt gne ist der Abstimmungskampf zu
eine Fläche von der Grösse des Kantons werden, fördert die Initiative nachhal- gewinnen. Wir freuen uns, wenn sich
Neuenburg überbaut sein. tige Quartiere. Diese nutzen den Boden möglichst viele in unseren kantonalen
effizient und sind funktional durch- Komitees engagieren und uns auch
Die Zersiedelung sorgt für Mehrverkehr mischt mit dem Ziel, dass Wohnen, Ar- finanziell unterstützen.
Die Zersiedelung ist verheerend für die beiten und Freizeit in Zukunft wieder
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Landschaft, die Artenvielfalt und die näher zusammenrücken. Verein für eine nachhaltige
regionale Landwirtschaft. Zusätzlich Siedlungsentwicklung, 3011 Bern
führt sie zu längeren Distanzen und Abstimmung in wenigen Monaten PC-Konto 61-486474-0
damit zu mehr Verkehr. Ein Anstieg der Wir werden Anfang 2019 über die Zer-
Abgase und des Energieverbrauchs um siedelungsinitiative abstimmen und
Faktoren sind die langfristige Folge. sind bereits mitten in den Vorbereitun-
Wenn wir die Klima- und Energiewende gen. Wir haben die Kampagnenstruk-
schaffen wollen, müssen wir die Zersie- tur erstellt, ein Abstimmungskomitee
delung stoppen. gebildet, ein Sekretariat eingerichtet
und werden nun die kantonalen Ko-
Die Zersiedelungsinitiative verlangt, mitees aufbauen. Ebenso analysieren
dass in Zukunft Neueinzonungen von wir unsere Argumente sowie jene der
Bauland durch Rückzonungen von min- Gegner, um unsere exakte Kommunika- Basil Oberholzer
destens gleicher Fläche und landwirt- tionslinie zu erarbeiten. Kantonsrat St.Gallen
06 OSTGRÜN 02 / 2018Kanton Thurgau
DREI NEUE ORTSPARTEIEN
IM OBERTHURGAU
Die Grünen sind auch im Oberthurgau im Aufwind: In Arbon, Amriswil und Romanshorn
wurden drei neue Ortparteien gegründet. Damit hat sich die Zahl der grünen Thurgauer
Ortsparteien glatt auf sechs verdoppelt.
KEG. Die drei neuen Ortsgruppen Romanshorn: Vom Forum zur Partei Amriswil: Freie Gruppe wird Partei
ergänzen Eschlikon (2003), Fischingen Seit 1990 politisiert das Grüne Forum Seit dreissig Jahren politisiert die
(2014) und Münchwilen (2017). Die Romanshorn als lose Gruppierung. Das Freie Gruppe als lose Gruppierung
GRÜNEN Thurgau gratulieren und Forum setzte sich gegen den Ausbau in Amriswil. Sie haben in dieser Zeit
freuen sich über die verbreiterte Basis von Strassen, für das Energiestadt-La- einige Erfolge erzielt, vor allem in den
für die politische Arbeit. bel, gegen landfressende Bauten der Bereichen erneuerbare Energien und
Detailhändler und für mehr städtische Langsamverkehr. Sie war auch stets
Arbon: Regula Rytz zu Besuch Grünräume ein. Der Klimawandel ist im Stadtrat vertreten. In kleinem Kreis
Die Parteipräsidentin Regula Rytz ein Dauerthema. Bereits anfangs die- aus künftigen Parteimitgliedern und
persönlich stattete der neuen Grünen ses Jahrhunderts regte das Forum die Gästen ist nun die GRÜNEN Amriswil
Ortspartei Arbon einen Besuch ab. Sie Schaffung eines Parlamentes an. Seit aus der Taufe gehoben worden. Erste
bestärkte die neue Gruppierung für sieben Jahren sitzt Urs Oberholzer als Präsidentin wird Sandra Reinhart.
lustvolles und ökologisch nachhaltiges grüner Vertreter im Stadtrat, aktuell Vorstandsmitglieder sind Joe Bräg-
Politisieren. «Wer wagt, gewinnt. Es als Vizestadtpräsident. Im Frühling ger und Felix Engeler. Glückwünsche
sind gerade solche kleinen Gruppen, wurde das Forum zur Grünen Ortspar- überbrachten Kurt Egger, Präsident
welche die Welt verändern», so Rytz. tei. «Wertstoffkreisläufe neu denken» der GRÜNEN Thurgau, Didi Feuerle,
ist gemäss dem Präsidenten Markus Bezirkspräsident sowie der Stadtprä-
Der neue Ortsparteipräsident Didi Bösch das Jahresthema. Daneben sident Martin Salvisberg. Die GRÜNEN
Feuerle beschrieb die Ziele folgender- stehen die lokale Energiepolitik und die Amriswil werden sich auch künftig für
massen: «Wir wollen eine Partei sein, ökologische Nutzung von öffentlichen eine ökologische Stadt einsetzen und
die etwas kreiert, nämlich spannende und privaten Grünflächen im Zentrum für weitere Ämter kandidieren.
und lustige Projekte. Wir wollen anpa- der Aktivitäten.
cken und nicht nur motzen wie andere
Parteien». An der Gründungsversamm- Bild oben: Vorstand GRÜNE Amriswil mit
lung traf sich eine illustre Schar von Joe Brägger, Vizepräsident und Kantons-
zwei Dutzend Personen. Neben der rat, Ruth Baratto, Kassierin, Sandra Rein-
hart, Präsidentin und Felix Engeler.
nationalen Parteipräsidentin Rytz und
neuen Parteimitgliedern Kurt Egger als Gründungsversammlung GRÜNE Arbon
Präsident der Grünen Thurgau, mehre- mit Regula Rytz und Kurt Egger sowie
den Vorstandsmitgliedern Nicola Franco,
re Kantonsräte, Alt-Parteipräsidenten
Cornelia Wetzel und Heidi Heine sowie
und Alt-Nationalrat Peter Schmid. Didi Feuerle, Kantonsrat und
Präsident GRÜNE Arbon.
OSTGRÜN 02 / 2018Kanton St.Gallen
DIE ST.GALLER SPITALPLANUNG
IM SPANNUNGSFELD DER POLITIK
Es wird viel gestritten um die Ausrichtung der St.Galler Gesundheitspolitik, seit der
Bericht des Verwaltungsrates der Spitalverbunde vorliegt. Von Seiten der Politik mit wenig
Glaubwürdigkeit, findet die ehemalige grüne Nationalrätin Yvonne Gilli.
Der Bericht des Verwaltungsrates weist der vier damaligen Spitalregionen den Milliardenkredit für Spitalinves-
viele Schwächen auf. So fokussiert verunmöglichte zusammen mit dem titionen, dem die Bevölkerung 2014
er unter Auslassung einer gut abge- vorherrschenden Zeitgeist die Spital- zustimmte. Diese Zustimmung ist aber
stützten und transparenten Analyse schliessungen. So übernahm Heidi wesentlich dem unheiligen Pakt zwi-
einseitig auf strukturelle Probleme Hanselmann das Gesundheitsdepar- schen der damaligen FDP-geführten
und einen ökonomischen Blickwinkel. tement mit einem grossen Scherben- Baudirektion und der Gesundheitsdi-
Zudem instrumentalisieren bürgerli- haufen. Dass bei dieser Ausgangslage rektion unter SP-Führung zu verdan-
che Parteien diesen eine Reorganisation ken. Umso stossender heute, dass
Bericht, um eine «PolitikerInnen nicht auf Spital- gerade die FDP die SP-Gesundheitsdi-
personenzentrierte rektorin frontal angreift.
Attacke auf das
verteidigen opportunis- schliessung beruhen
durfte, erscheint
amtierende SP-Re- tisch das Regionalspital verständlich. Auch Bevölkerung braucht Informationen
gierungsmitglied ihres Wahlkreises.» kein bürgerliches Es geht jetzt weniger um die Zukunft
Heidi Hanselmann Regierungsmitglied einzelner Regionalspitäler als um die
zu lancieren, was zu einer reflexartigen hätte das riskiert. Aus demokratischer Qualität der zukünftigen Gesundheits-
Solidarisierung von Links-Grün führte. Sicht wären Spitalschliessungen auch versorgung insgesamt. Im Fall einer
Das Resultat ist eine weitgehend undif- einem Affront gegenüber dem Bevölke- Erkrankung möchte jeder und jede von
ferenzierte Polemik: Kantonale Politi- rungswillen gleichgekommen. uns die optimale ambulante oder sta-
kerInnen positionieren sich in der Regel tionäre Behandlung. Keine Regierung
opportunistisch und rechtfertigen das 2018 ist nicht wie 2004 ist um diese Planung zu beneiden. Die
Regionalspital ihres Wahlkreises. Vierzehn Jahre später aber hat sich die Bevölkerung ist darauf angewiesen,
Situation verändert. Die Konsequen- mit den notwendigen Informationen
Der tiefe Fall von Anton Grüninger zen einer demografischen Überalte- versorgt zu werden, um mitentschei-
Die Debatte ist nicht neu und schien rung, die prekäre Grundversorgung in den zu können.
ihren unseligen Anfang zu nehmen mit den ländlichen Regionen, die Zunahme
der Abwahl des CVP-Regierungsrats komplexer und teurer Behandlungen Es ist korrekt, dass der Kantonsrat
Anton Grüninger im Jahr 2004. Die von chronischen Erkrankungen und wegen der Governance-Problematik die
geplanten Spitalschliessungen wurden die Verlagerung von der stationären strategische Führung der Spitäler von
ihm zum Verhängnis. Fehlendes Fin- zur ambulanten Medizin machen eine der regierungspolitischen Aufgabe ent-
gerspitzengefühl und eine qualitativ neue Standortbestimmung nötig. Sie koppelt hat. Auch wenn die Trennung
mangelhafte Führung der Kooperation kommt spät, vor allem mit Blick auf schmerzhaft ist, sind die Interessen-
08 OSTGRÜN 02 / 2018Gesundheitspolitik
konflikte evident. Der Kanton kann mit klaren Verantwortlichkeiten so- unattraktiven beruflichen Rahmenbe-
nicht in Personalunion Spitalplaner, wie die gemeinsame Bereitschaft für dingungen. Ob an Spitäler angeglieder-
Spitalbesitzer und Spitalbetreiber sein. Konsensuslösungen. Es wird Aufgabe te Ambulatorien dieses Problem helfen
Und das ist ja noch nicht alles, erstellt der Regierung sein, die Spitalplanung können zu lösen, ist noch offen. Ab-
er daneben doch auch die Spitallisten in einen gesamtpolitischen Kontext gesehen von den Kosten gibt es neue
und vergibt Leistungsaufträge, finan- zu betten, in dem das Spital unter Konflikte, weil das Spitalambulatorium
ziert Spitalleistungen mit Steuergel- anderem auch als kantonaler Stand- in der Regel als Zuweisungsportal für
dern und hat auch noch Entscheidungs- ortfaktor, Arbeitgeber und Ausbildner das eigene Spital dient. Der Patient
gewalt bei der Tarifierung. gewürdigt wird. Es möchte aber Gewiss-
wird eine gemein- «Es geht nicht um heit haben, im Spital
Gewaltentrennung liess schon lange same Aufgabe sein, mit der für seine
bestehende Konflikte aufbrechen die zukunftsfähige
Regionalspitäler, sondern Erkrankung besten
Die jetzige Einschätzung des Verwal- Versorgungsstruk- um die Qualität der Expertise behandelt
tungsrates zur Leistungs- und Struk- tur und die Qualität Gesundheitsversorgung.» zu werden.
turentwicklung des Spitalverbundes der Dienstleistung
dürfte nicht zuletzt durch diese Ge- in der Versorgungskette in den Mittel- Mit der zunehmenden Spezialisierung
waltentrennung möglich geworden punkt ihrer Tätigkeit zu stellen, und und betriebswirtschaftlichen Orientie-
sein. Mit dem Bericht wurde ein schon dies ohne Diktat durch betriebs- oder rung der Spitäler scheint eine Trennung
lange schwelender Konflikt an die volkswirtschaftliche ökonomische zwischen zuweisendem Arzt und finan-
Oberfläche gebracht. Ein Konflikt, wel- Vorgaben. zierendem Spitalträger prüfenswert.
cher die Realität in der Gesundheits-
versorgung an der Front und die Angst Qualität für die Zukunft sichern Die St.Galler Gesundheitspolitik steht
der politischen Trägerschaft spiegelt. Die Qualität in der Spitalversorgung vor einer grossen Herausforderung, um
Letztere sind in ihrer Funktion direkt ist hoch, für die Zukunft aber nicht die Qualität der Gesundheitsversor-
der Volkswahl unterstellt. gesichert. Kleine Landspitäler können gung zu sichern.
hochqualifizierten KaderärztInnen
Es besteht die Gefahr, dass es durch wegen dem beschränkten Spektrum
die Spezialkommission des Kantons- an Krankheitsfällen und Behand-
rates und den Lenkungsausschuss lungsmöglichkeiten keine attraktiven
mit VertreterInnen aus Regierung Arbeitsbedingungen bieten. Sie sind im
und Verwaltungsrat erneut zu einer besten Fall noch ein zeitlich befristetes
politischen Blockade kommt. Für die Sprungbrett für Fachkräfte aus dem
Spezialkommission des Kantonsrates Ausland oder für ÄrztInnen zu Beginn
dürfte es schwierig bis unmöglich sein, ihrer Karriere. Das führt zu einer hohen
sich die notwendige Expertise in dieser Personalfluktuation und damit verbun-
komplexen Problematik zu verschaf- den zu Qualitätseinbussen. In diesem
fen. Der Lenkungsausschuss steht vor Teufelskreis befinden sich kleine Spitä-
der Herausforderung, die konflikthafte ler bereits heute.
Verbindung zwischen politischer Ver-
antwortung und Leistungserbringung Im ambulanten Sektor ist die Qualität Yvonne Gilli war von 2007 bis 2015 Grüne
konstruktiv zu bewältigen. Dazu der Versorgung in ländlichen Regionen Nationalrätin Kanton St.Gallen und führt
eine Praxis als Fachärtzin für Allgemeine
braucht es externe Expertise, das Be- durch die Überalterung der Ärzteschaft Innere Medizin. Sie ist heute Mitglied des
wusstsein für eine Gewaltentrennung gefährdet. HausärztInnen leiden an FMH-Zentralvorstands.
OSTGRÜN 02 / 2018 09Kanton Graubünden
WAHLEN IM KANTON GRAUBÜNDEN:
KNAPP DEN ERSTEN GRÜNEN SITZ VERPASST
Die GRÜNEN Graubünden haben die angestrebte kleine Sensation
nicht ganz geschafft: Es gelang Ihnen nicht, den ersten
Grossratssitz überhaupt zu erreichen.
Mit 540 Stimmen und grosser Unter- Die fehlenden Stimmen hätte Kaspar bisherigen SP-Vertreter ein. Nicht
stützung der SP hat Kaspar Schuler aus Schuler nicht im eigenen Dorf holen verwunderlich ist, dass der durch den
Malans zwar das nötige absolute Mehr müssen, da er dort der bestgewählte Bauskandal stark angeschlagene bis-
von 490 Stimmen in seinem Wahlkreis Kandidat von allen fünf war. Sie fehl- herige BDP-Regierungsrat Jon Domenic
in der Bündner Herrschaft bei weitem ten ihm in den benachbarten Dörfern. Parolini nur ganz knapp wiedergewählt
hinter sich gelassen. Doch als fünfter Selbstkritisch merkt er an: «Das zeigt, wurde, 60 Stimmen vor einem neu
von vier Grossräten – Frauen kandi- wie wichtig es gewesen wäre, weit über angetretenen SVP-Vertreter, der über-
dierten leider nicht –fehlten ihm am den Wahlspaziergang mit Regula Rytz, zählig ausschied. Es profitierte die CVP,
10. Juni 60 Stimmen auf den Nächst- die Verteilung von Rosen & Wahlflyer die nach 20 Jahren erneut mit zwei Ver-
platzierten, den BDP-Winzer Martin und alle anderen Aktivitäten hinaus tretern in der Bündner Regierung sitzt,
Tanner. noch viel stärker in diesen Dörfern prä- dem bisherigen Mario Cavigelli und
sent zu sein.» dem neuen Marcus Caduff. Abgeschla-
gen unterhalb des absoluten Mehrs
Ohrfeige für BDP-Regierungsrat auf Platz sieben lag der Liedermacher
Am gleichen Sonntag fanden auch die Linard Bardill.
Bündner Regierungsratswahlen statt.
SP-Kandidat Peter Peyer, Gewerkschaf- So setzt sich die Bündner Regierung in
ter und einst erster Kindergärtner den nächsten vier Jahren zusammen:
Graubündens, zieht als Ersatz für den Zwei CVP, ein BDP, ein FDP und ein SP.
Gesellige Runden in der Bündner Herrschaft
während des Wahlkampfs mit Besuch von
Regula Rytz.
Kaspar Schuler wird CIPRA-Geschäftsleiter
Am Tag nach den Wahlen hat er seine
neue Stelle als Geschäftsleiter bei der
CIPRA International in Schaan angetreten. Er
wird also erst recht Kämpfer für die Alpen, für
nachhaltige Entwicklungen und den
Klimaschutz im ganzen Alpenbogen. Wenn er
etwas dazu in der Ostschweiz beitragen kann,
so wird ihm das von Schaan aus besser denn je
möglich sein.
www.cipra.org
10 OSTGRÜN 02 / 2018Kanton Glarus
GRÜNER WAHLERFOLG
BEI DEN LANDRATSWAHLEN
Für mehr Weitsicht warben die GRÜNEN Glarus im Wahlkampf für den Landrat – und
das mit grossem Erfolg: Mit 16.6% Wähleranteil holten sie im Wahlkreis Glarus Süd
eines der schweizweit besten grünen Resultate.
«Wir können sehr zufrieden sein und er unkumuliert ein besseres Resultat büro. Priska Müller Wahl wird in den
werden den Sieg nun feiern», sagten als der amtierende FDP-Ständerat und nächsten vier Jahren die Kommission
die beiden Co-Präsidentinnen Priska frühere Gemeindepräsident gemacht. Bildung, Kultur & Volkswirtschaft und
Müller und Regula N. Keller am 10. Juni Inneres präsidieren. Auch aus grüner
2018 beim Wahlapero. Denn die Glar- Zopfi freut sich auf die kommende Sicht warten dort einige wichtige Vor-
ner GRÜNEN haben mit 11.5 Stimmen- Legislatur mit seinen sechs Landrats- lagen.
prozenten nochmals um 0.7% zulegen kollegInnen. Denn gewonnen haben
können und haben damit wie schon im Glarnerland sowohl das linke wie Wechsel im Fraktionspräsidium
2014 und 2010 erneut sieben der 60 das grüne Lager auf Kosten von SVP, Und noch eine Neuigkeit vor der Som-
Sitze erobert. BDP und FDP. Die GRÜNEN bleiben merpause: Karl Stadler übergibt nach
weiterhin um einen Sitz grösser als die sechs erfolgreichen Jahren sein Amt als
Grün-Links gewinnt CVP-Fraktion. Die GLP konnten von Fraktionspräsident in jüngere Hände,
auf Kosten der Bürgerlichen zwei auf vier Sitze zulegen. nämlich in jene von Mathias Zopfi.
«Im Wahlkreis Glarus Süd vermochten
die GRÜNEN mit glanzvollen 16.6 % ei- Frauen konnten leicht zulegen Weitsichtig: So sind die Glarner Grünen
nes der schweizweit besten Resultate Der Frauenanteil im Rat verbesserte eben.
zu erreichen», erklärte der erste Grüne sich von 16.7 auf 21.7 Prozent. In der
Landratspräsident Mathias Zopfi strah- grünen Fraktion liegt er weiterhin bei Die alte und neue Grüne Landratsfraktion
lend. Er hat den erfolgreichen Wahl- 42.8%. Mit Regula N. Keller stellen die (v.l.n.r.): Marius Grossenbacher, Andreas
kampf geleitet und selbst ein Glanz- GRÜNEN seit dem 27. Juni auch die ein- Schlittler, Priska Müller Wahl, Regula N. Keller,
Mathias Zopfi, Ann-Kristin Peterson und Karl
resultat erreicht. Beispielsweise hat zige Frau im siebenköpfigen Landrats-
Stadler.
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GRÜNE LINTH:
START IN EINE NEUE ÄRA
Vor über 20 Jahren haben sich Grüne aus Uznach und Schmerikon und der LdU Rapperswil-Jona für
gemeinsame grüne Politik zusammengeschlossen: Gegen AKW, für den Schutz von Grünflächen
oder für nachhaltige Verkehrskonzepte. Mit einem Namenswechsel beginnt nun eine neue Ära.
1996 kandidierten Grüne und Mitglie- Die Stadtpartei von Rapperswil-Jona mann ist das Kurt Gnehm, der sich seit
der des LdU gemeinsam für den Kan- behält den Namen UGS vorerst bei. über zwei Jahrzehnten für erneuerbare
tonsrat unter dem Kürzel «UGSB»: U Energien engagiert, in der Arbeitsgrup-
für unabhängig, G für Grün, S für Sozial Mit dem neuen Namen entsteht auch pe der Energiestadt Aadorf (TG) arbei-
und B für Bewegung. Daraus bildete ein neues politisches Bewusstsein. Die tet und dort die Solargenossenschaft
sich im Verlauf der Jahre die UGS Linth regionale Sammelbewegung bekennt leitet.
und die UGS Rapperswil-Jona. unmissverständlich Farbe und gehört
damit eindeutig zu den GRÜNEN GRÜNE Linth wollen Vertretung
UGS: Grünes Sammel- und Nährbecken St.Gallen als Mutterpartei und damit in den Parlamenten stärken
Von Anfang an war die UGS sowohl im auch zu den GRÜNEN Schweiz. Die GRÜNEN Linth wollen nun ihr
Kantonsrat wie auch im Stadtrat Rap- politisches Profil schärfen. Die thema-
perswil-Jona vertreten. Von 2006 bis Neues Co-Präsidium tischen Schwerpunkte bilden nach-
2008 stellte sie mit Urs Bernardsgrüt- Der neu zusammengestellte Vorstand haltige Verkehrskonzepte (Nein zur
ter sogar einen Nationalrat. der GRÜNEN Linth ist gut durchmischt Umfahrung Uznach), Grünraum-Schutz
bezüglich Alter, Berufsfeldern und (Unterstützung der Zersiedelungsini-
Aus der Bewegung herausgewachsen Erfahrungen in Politik und grünem tiative), Biodiversität und die erneuer-
ist Pro Velo Rapperswil-Jona und Engagement. Beispielhaft steht dafür bare Energie (Wind- und Solarkraft im
auch die Solargenossenschaft Linth. das neue Co-Präsidium mit Moritz Linthgebiet).
Die UGS verstand sich darum immer Pachmann (Jg 1988). Moritz ist Jurist
als politische Sammelbewegung der und doktoriert zurzeit an der Univer- Die GRÜNEN Linth wollen in der Region
grünsozialen Kräfte und Gruppierun- sität Luzern am Lehrstuhl für öffent- als stärkste politische Kraft für grüne
gen aus dem Linthgebiet. Eigentlich liches Recht, Recht der nachhaltigen Anliegen wahrgenommen werden. In
wollte man keine Partei im engeren Wirtschaft und Rechtsphilosophie. Der den kommenden Kantonsratswahlen
Sinne sein. zweite Co-Präsident Urs Bernhards- soll ein zweiter Sitz erreicht werden.
grütter (Jg 1962) verfügt als ehemaliger Und davor will die alte neue grüne
2018 beginnt eine neue Zeitrechnung. Kantons- und Nationalrat über breite Kreispartei dazu beitragen, dass die
Anfang Jahr hat sich die UGS Linth politische Erfahrung und arbeitet als GRÜNEN St.Gallen wieder einen Sitz
in GRÜNE Linth umbenannt und den Diakon bei der Katholischen Kirche im Nationalrat gewinnen.
Vorstand ergänzt. Im Mai wählte die Rapperswil-Jona.
Mitgliederversammlung auch ein neues Der neue Vorstand (v.l.n.r.): Valentin Faust,
Silvia Kündig, Kurt Gnehm, Moritz Pachmann,
Co-Präsidium. Die Verhandlungen zur Der Vorstand wurde mit zwei neuen Marco Fäh, Urs Bernhardsgrütter und Cornelia
Namensänderung waren nicht einfach. Mitgliedern verstärkt. Neben Pach- Meier.
12 OSTGRÜN 02 / 2018Kanton Thurgau
GROSSER STABWECHSEL
IM KANTONSRAT
Joe Brägger tritt aus dem Kantonsrat zurück und wird von Karin Bétrisey ersetzt,
während Kantonsrätin Marion Theler als neue Fraktionspräsidentin Joe‘s
bisherige Funktion übernimmt.
KEG. Mit Bétrisey verstärkt eine dritte in grünem Sinne beeinflusst. Nebst
Frau die neunköpfige Grüne Fraktion. Bildungsthemen lancierte Brägger
Die Grüne Fraktion heisst Karin Bétri- auch diverse Vorstösse zur Mobilität,
sey herzlich willkommen zum Naturschutz und zur öffentlichen
Beschaffung.
Die 47-jährige Raumplanerin lebt mit
ihrem Mann und ihrer Tochter seit zehn In den letzten beiden Jahren führte Joe
Jahren in Kesswil. Bétrisey ist Mitinha- Brägger die Fraktion mit grosser Um-
berin des Raumplanungsbüros Stritt- sicht. Dabei eignete sich Brägger auch GRATULATION AN
matter + Partner AG in St. Gallen. Ihre grosses Wissen in der Finanzpolitik an.
Hobbies sind die Natur (Schwimmen, GINA RÜETSCHI
Segeln, Paddeln) und Musik (Klavier Mit Joe Brägger verliert die Fraktion Kantonsrätin Gina Rüetschi kandidier-
und Saxophon). «Eine nachhaltige, nebst bildungspolitischem Know-how te als Ersatzrichterin für das Frauen-
innovative Raumplanung, eine gute auch einen grossen Schaffer. Die Grü- felder Bezirksgericht. Mit 45% der
Baukultur, der Schutz von Natur- und nen danken Joe für seine wertvollen Stimmen gegen eine FDP-Frau erreich-
Kulturobjekten und Gewässern sowie Arbeiten zugunsten der Grünen Sache. te sie ein sehr gutes Resultat. In der
die Erhöhung der Biodiversität sind die Den GRÜNEN bleibt Joe als Vorstands- Stadt Frauenfeld betrug der Stimmen-
Anliegen, die ich im Kantonsrat einbrin- mitglied des Bezirks und der Ortspartei anteil stolze 58%.
gen will», so Bétrisey. Amriswil erhalten.
Wir gratulieren Gina für ihren Mut
Dank an einen grossen Schaffer Marion Theler aus Bottighofen über- und wünschen uns noch mehr Grüne,
Der Amriswiler Sekundarlehrer Joe nimmt neu das Fraktionspräsidium. die für solche Ämter kandidieren. An
Brägger verlässt nach acht Jahren den Marion ist seit 2004 im Kantonsrat. den fünf Bezirksgerichten gibt es 35
Kantonsrat. Joe war der bildungspo- LaienrichterInnen. Davon trägt kein
litische Experte in der Fraktion. Mit Einziger das Grüne Parteibuch.
seinen pointierten und fachkundigen v.l.n.r: Die neue Fraktionschefin Marion Theler, Gemäss Wahlproporz müssten die
der scheidende Kantonrat und Fraktionsprä-
Voten sowie seiner Mitwirkung in sident Joe Brägger und die neue Kantonsrätin GRÜNEN zwei bis drei Sitze besetzen.
diversen Kommissionen hat sich Joe Karin Bétrisey. Bei den Gesamterneuerungswahlen
Brägger bei allen Fraktionen grossen 2020 werden wir in mehreren Bezirken
Respekt verschafft und viele Vorlagen kandidieren.
Kurt Egger
Präsident GRÜNE TG
OSTGRÜN 02 / 2018 13Fluglärm
©People‘s / Tino Dietsche
FLUGVERKEHR REDUZIEREN
UND LEBENSQUALITÄT ERHALTEN
Der Schutzverband Aktion gegen Fluglärm Altenrhein (AgF) fordert Behörden und Politiker der
Schweiz und Österreichs auf, an den Betriebszeiten in Altenrhein festzuhalten. Dem Druck aus
Wirtschaftskreisen nachzugeben hiesse, die Lebensqualität einer ganzen Region zu gefährden.
Kürzlich präsentierten Rheintaler und setzung für wirtschaftlichen Erfolg ge- Der Flugverkehr muss reduziert wer-
Vorarlberger Wirtschaftsverbände Er- fordert. Dabei zeigen die präsentierten den, denn er ist ein Hauptverursacher
gebnisse einer Studie zur wirtschaftli- Zahlen doch eindrücklich, dass sich mit der Klimaerwärmung. Erinnert sei
chen Bedeutung des Altenrheiner Flug- den aktuellen Rahmenbedingungen an das Pariser Weltklimaabkommen
betriebs und legten beeindruckende von 2015, in welchem sich die Weltge-
Zahlen zu Wertschöpfung und Arbeits- meinschaft verpflichtet hat, die vom
«Der Flugverkehr als ein
plätzen in der Region vor. Gleichzeitig Menschen verursachte Erderwärmung
forderten sie die Ausdehnung der in
Hauptverursacher der auf unter zwei Grad zu begrenzen. Der
Altenrhein geltenden Öffnungszeiten. Klimaerwärmung muss weltweite Ausstoss von Treibhaus-
Dabei werde «eine Angleichung an die reduziert werden.» gasen ist darum möglichst schnell
Betriebszeiten anderer Schweizer Flug- entscheidend zu senken. Die konkrete
häfen» angestrebt, konkretisierte ein erfolgreich wirtschaften lässt. Eine Än- Umsetzung aber klemmt wie in diesem
Vertreter der Airport Altenrhein AG. derung drängt sich darum gar nicht auf. konkreten Fall an Einzelinteressen.
Altenrhein ist nur privates Flugfeld Fluglärm macht krank Ein grenzüberschreitendes Problem
Offensichtlich scheinen die Wirt- Die Nachteile einer Ausweitung der Für die AnwohnerInnen Altenrheins
schaftsvertreter noch immer nicht Öffnungszeiten in Altenrhein wögen hat sich in den letzten Jahren die Lärm-
akzeptiert zu haben, dass nach eidge- schwer. Die Bevölkerung einer ganzen und Abgasbelästigung mit der starken
nössischem Luftfahrtgesetz Alten- Region würde bis weit in die Nacht hin- Zunahme der Helikopterflüge massiv
rhein nur ein ‘privates Flugfeld‘ ist. Ein ein durch zusätzlichen Fluglärm beläs- erhöht. Nach wie vor ungelöst ist das
Vergleich mit konzessionierten Flug- tigt. Die Nachtruhezeiten verkürzten Problem der Standläufe in unmittel-
plätzen und Flughäfen der Schweiz ist sich wie in Zürich auf einen Bruchteil barer Nähe der Wohngebiete. Es muss
daher unzulässig. Die Konzessionie- der heutigen noch akzeptablen Dauer. alles unternommen werden, um die
rung Altenrheins zum Regionalflug- Die Ruhe- und Erholungszeiten der Be- bedrohte Lebensqualität einer ganzen
platz wurde vom Bundesrat erst 2011 völkerung würden stark eingeschränkt. Region dies- und jenseits des Rheins zu
abgelehnt, was sich in absehbarer Zeit Immer mehr Studien belegen die schäd- erhalten.
nicht ändern wird. lichen Auswirkungen von Lärm auf die
Gesundheit. So steigt das Risiko für
Die Ausweitung der Betriebszeiten auf Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Krank- Der Autor Heinz Grob ist Präsident des Schutz-
verbands Aktion gegen Fluglärm Altenrhein.
6 Uhr bis 23 Uhr mit Streichung der heiten und Diabetes. Dauer-Lärm kann Grob sass für den LdU von 1989 bis 1997 im
Mittagspause von 12 bis 13.30 Uhr wird das psychische Wohlbefinden der Be- St.Galler Kantonsrat.
immer wieder als notwendige Voraus- völkerung beeinträchtigen. www.agf-altenrhein.ch
14 OSTGRÜN 02 / 2018Kiosk
ANDERS REISEN:
SCHWEIZ-PALÄSTINA AUF DEM LAND- UND SEEWEG
Dass man für spannende Ferien nicht schinen. Die Reisegeschwindigkeit lag
zwingend fliegen muss, zeigt Thomas um die 16 Knoten, also rund 30 km/h.
Schwager, St.Galler Kantonsrat und In 24 Stunden kommen so immerhin
Vize-Präsident der GRÜNEN Schweiz. über 700 km zusammen. Treibstoffver-
Nur in Ausnahmefällen nimmt er das brauch: 32 Tonnen Schweröl pro Tag!
Flugzeug und versucht auch bei gros-
sen Distanzen zumindest einen Weg Den gegen 3000 km langen Rückflug
klimafreundlicher zurückzulegen. hat Schwager dann auf dem Luftweg
angetreten. In 40 Minuten legte der HERZLICHEN DANK,
Mit 30 km/h nach Haifa Flieger die Strecke zurück, für die das
Dieses Jahr reiste Schwager mit dem Schiff auf der Hinfahrt einen ganzen
SUSANNE HOARE!
Zug in die Nähe von Trieste, um dann Tag brauchte. Nach vielen Jahren als Präsidentin
mit dem Fahrzeugtransporter ‚Grande an der Spitze der GRÜNEN Stadt
Detroit‘ via Kupar/Kroatien, Venedig Wer mehr wissen möchte über Schwa- St.Gallen hat sich Susanne Hoare aus
und Limassol nach Haifa in Israel zu rei- gers Erlebnisse auf dem Wasser und in der aktiven Politik zurückgezogen.
sen. An Bord des 176 m langen und 31 m Palästina findet auf Facebook einen Susanne hatte sich schon in den 90er
breiten Schiffs waren über 2000 neue frei zugänglichen Reiseblog: Jahren im LdU engagiert und wurde
Autos, schweres Arbeitsgerät und Ma- facebook.com/thomas.schwager.sg im Jahr 2004 für die GRÜNEN in den
Kantonsrat gewählt. Vor der Verklei-
nerung des Rats im Jahr 2008 von 180
auf 120 Mitglieder war sie Präsidentin
Der VCS macht grüne Verkehrspolitik der GRÜNE/EVP/GLP-Fraktion. Zum
Töngi hat Ende Juni nur ganz knapp die Ende der letzten Legislatur im Februar
Wahl zum nationalen VCS-Präsidenten 2016 beendete Susanne ihre 12jährige
verpasst. Ganze drei Stimmen gaben parlamentarische Arbeit.
den Ausschlag zugunsten des St.Galler
SP-Kantonsrats Ruedi Blumer. Michael Susanne hat in ihrem langen partei-
Töngi nimmt nun Einsitz im 11-köpfigen politisch aktiven Leben in vielen Po-
Zentralvorstand, der sich inklusive Prä- sitionen ein grosses Arbeitspensum
NR MICHAEL TÖNGI: sident aus sieben Grünen und vier Ver- absolviert. Wurde sie gerufen, hat sie
treterInnen der SP zusammensetzt. kaum je Nein gesagt und dies oder
LUZERN BESUCHT ST.GALLEN
jenes halt auch noch gemacht. Aktuell
Am 12. März rückte Michael Töngi aus Michael Töngi wird an der Mitglieder- ist sie eine von sieben Delegierten an
Kriens in den Nationalrat nach. Er über- versammlung der St.Galler Grünen am den DV‘s der GRÜNEN Schweiz.
nahm den Sitz von Louis Schelbert, der 21. August in Wattwil Gast sein und
zwölf Jahre lang im Berner Bundeshaus zwei Abstimmungsvorlagen präsen- Für Deinen grossen Einsatz für unsere
engagierte grüne Politik gemacht tieren: Den Bundesbeschluss über die grüne Sache ganz herzlichen Dank,
hat. Sein Nachfolger gilt als versierter Velowege und Fuss- und Wanderwege liebe Susanne!
Thomas Schwager,
Finanz- und Verkehrspoliker, der seit sowie die Fair-Food-Initiative. Präsident GRÜNE SG
2014 den VCS Luzern präsidert. www.michael-toengi.ch
OSTGRÜN 02 / 2018 15Agenda / Kontakte
AGENDA OSTGRÜN
Details siehe Webseiten Kantonalparteien.
Glarus
www.gruene-gl.ch
Mittwoch, 29.8. 19:00 Uhr MV, Parolen
Eidg. Vorlagen, Stadthof Glarus
Freitag, 21.9. GRÜNE Glarus Nord, Vorbe-
reitung a.o. Gemeindeversammlung
Samstag, 20.10. Velotour GRÜNE Glarus
Nord und GRÜNE Linth, Infos zum
Windpark Linthgebiet
Sonntag, 7.10. 19:30 Uhr GRÜNE Glarus
Frauen organisieren eine Führung bei
FAIR-FOOD-KAMPAGNENTAG
den Kraftwerken Linth-Limmern für alle
SAMSTAG, 11. AUGUST IN OLTEN interessierten Männer und Frauen
St.Gallen
Im September stimmen wir über die www.gruene-sg.ch
Fair-Food-Initiative ab. Diese will Mittwoch, 8.8. ab 20:00 Uhr Grüne Fee,
Stammtisch JGrüne, Schwarzer Engel
Lebensmittel aus einer naturnahen,
Freitag, 10. bis Sonntag, 12.8. GRÜNE
umwelt- und tierfreundlichen Land- Fischbeiz, Seenachtsfest Rapperswil
wirtschaft mit fairen Arbeitsbedingun- Samstag, 18.8. ab 20:00 Uhr Grüne Fee,
gen fördern. Stammtisch JGrüne, Schwarzer Engel
Dienstag, 21.8. ab 19:00 Uhr MV GRÜNE
SG, Abstimmungsparolen, Thurpark
Am Kampagnentag mit Balthasar den Abstimmungssonntag hinaus Wir- Wattwil
Glättli (Nationalrat und Fraktions- kung erzielen soll. Wie punkte ich auf Mittwoch, 5.9. ab 20:00 Uhr Grüne Fee,
präsident) und dem Kampagnenteam einem Podium? Mit welchen Tipps und Stammtisch JGrüne, Schwarzer Engel
Tricks kann ich die Fair-Food-Initiative Samstag, 20.10. Velotour GRÜNE Linth
für ein #FairFoodJa vermitteln die
und GRÜNE Glarus Nord, Infos zum
GRÜNEN am 11. August in der Fach- auch auf Twitter und Facebook bekann- Windpark Linthgebiet
hochschule Nordwestschweiz von 9.15 ter machen und als MultiplikatorIn Samstag, 17.11. Natureinsatz der
bis 16:15 Uhr zur Einstimmung auf die agieren? Wie spreche ich PassantInnen GRÜNEN Linth im Kaltbrunner Riet
heisse Abstimmungsphase inhaltliche erfolgreich an?
Thurgau
Grundlagen zur Fair-Food-Initiative Weitere Infos/Anmeldung unter www.gruene-tg.ch
und Kampagnen-Knowhow, das über www.fair-food.ch/anmeldung11august Mittwoch, 15.8. 19:30 Uhr Sitzung GRÜNE
Romanshorn im Johannestreff
Samstag, 18.8. 10:00 bis 16:00 Uhr
Tag der offenen Gärten, Münchwilen
Montag, 20.8. 19:15 Uhr MV GRÜNE TG
im Restaurant Frohsinn, Weinfelden
Freitag, 24.8. 19:30 Uhr Renaturierung
OSTGRÜNE: Bachlauf, Ziegeleiweiher Eschlikon
Samstag, 15.9. 9.30 Uhr Besichtigung
ANSCHLUSS FINDEN InnoRecycling Eschlikon
Mittwoch, 3.10. 19:30 Uhr Sitzung GRÜNE
Kantonalparteien
Romanshorn im Johannestreff
GRÜNE Glarus GRÜNE Thurgau
Mittwoch, 24.10. 19:15 Uhr MV GRÜNE TG
Ennetbühlerstr. 3 Barbara Imholz, Aspenstr. 6
8755 Ennenda 8580 Sommeri in Frauenfeld
www.gruene-gl.ch 071 410 06 01
sekretariat@gruene-gl.ch www.gruene-tg.ch Ostschweiz
sekretariat@gruene-tg.ch Samstag, 22.9. ab 14:00 Uhr Demon-
VERDA Graubünden stration zum UNO-Weltfriedenstag,
Rolf Marugg, Prättigauerstr. 14 Leonhardspärkli St.Gallen beim HB.
7265 Davos Wolfgang OSTGRÜN, Redaktion und Inserate Ansprachen unter anderem von Sibel
079 415 62 57 Kurt Egger, Präsident GRÜNE TG Arslan, NR GRÜNE Basel
www.gruene-graubuenden.ch 079 207 84 37
pedercapeder@yahoo.de kurt.egger@gruene-tg.ch
GRÜNE St.Gallen Thomas Schwager, Präsident GRÜNE SG
Postfach 207 076 456 25 15
9004 St.Gallen thomas.schwager@gruene-sg.ch
071 577 16 64
www.gruene-sg.ch Redaktionsschluss Ausgabe 3/18
info@gruene-sg.ch 7. September 2018
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