Standort Deutschland weiter im Aufschwung?

Standort Deutschland weiter im Aufschwung?
Standort
     Deutschland
     weiter im
     Aufschwung?
     EY’s Attractiveness Survey
     Deutschland
     Juni 2018




The better the question. The better the answer.
The better the world works.
Standort Deutschland weiter im Aufschwung?
Standort Deutschland weiter im Aufschwung?
Inhalt
                                                                 www.ey.com/attractiveness




1   Seite 4
    Vorwort                      4                 Seite 48
                                                   Methodik




2                                5
    Seite 6                                        Seite 50
    Image und Wahr-                                Zum EY „Attractiveness
    nehmung                                        Program“




3                                6
    Seite 34
    Ausländische Investoren in                     Seite 51
    Deutschland und Europa                         Kontakt




                                     EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018   3
Standort Deutschland weiter im Aufschwung?
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Standort Deutschland weiter im Aufschwung?
www.ey.com/attractiveness



 Vorwort


Europas Wirtschaft kommt voran: Die Wirtschaftsleistung          Mit der europäischen Wirtschaft geht es nach einer
der EU stieg im vergangenen Jahr um 2,4 Prozent — das         längeren Durststrecke also endlich wieder aufwärts — und
stärkste Plus seit dem Jahr 2007. Zudem konnten die           auch der Investitionsstandort Europa profitiert davon.
EU-Staaten die Arbeitslosigkeit weiter abbauen: Sie sank      Die vorliegende Studie zeigt, dass Europa inmitten einer
um einen Prozentpunkt, gleichzeitig stieg die Beschäftigung   unübersichtlichen und von hoher Volatilität geprägten
um knapp zwei Prozent. Allein im vergangenen Jahr sind        Gemengelage weiterhin ein attraktiver Investitionsstandort
EU-weit 3,7 Millionen neue Stellen geschaffen worden.         ist — internationale Investoren halten Europa sogar für ein
                                                              lohnenderes Investitionsziel als China und die USA.
   Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich auf hohem
Niveau weiter gut — dank niedriger Zinsen, konsumfreu-           Deutschland und Europa sollten diesen Vertrauens-
diger Bürger und weltweit erfolgreicher Unternehmen.          vorschuss nutzen, sich auf die eigenen Stärken besinnen,
Sie ist allerdings nicht mehr der Wachstumsmotor Europas:     aber auch entschlossen in die eigene Zukunftsfähigkeit
Mit einem Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent belegte         investieren. Das bedeutet auch, die Einheit und Handlungs-
Deutschland im vergangenen Jahr nur Rang 23 unter den         fähigkeit zu bewahren — politische Stabilität und Berechen-
28 EU-Mitgliedstaaten. Gerade in den nördlichen und           barkeit sind in politisch wie wirtschaftlich volatilen Zeiten
östlichen Mitgliedsländern ist die wirtschaftliche Dynamik    ein wichtiges Gut. Zum anderen sollten jetzt die Weichen
derzeit noch etwas größer — vielfach allerdings aufgrund      gestellt werden für die Transformation der Wirtschaft, die
erheblicher Aufholeffekte nach schwachen Vorjahren.           zunehmend eine digitale Wirtschaft ist. Gerade Deutschland
                                                              steht hier vor der enormen Herausforderung, sich von
  Anderswo ziehen sich derweil Gewitterwolken zusammen:       einem weltweit führenden Industrie- und Hochtechnologie-
Geopolitische Spannungen nehmen zu, Sanktionen, neue          standort zu einem Digitalstandort zu entwickeln, der sich
Zollschranken und drohende Handelskriege bestimmen die        ebenfalls an der Weltspitze etablieren kann.
Schlagzeilen und führen zu einer Verunsicherung an den
Börsen und in den Chefetagen der Unternehmen.




 HUBERT BARTH                                                  BERNHARD LORENTZ
 ERNST & YOUNG GMBH                                            ERNST & YOUNG GMBH
 VORSITZENDER DER GESCHÄFTSFÜHRUNG EY DEUTSCHLAND              LEITER GOVERNMENT AND PUBLIC SECTOR




                                                                             EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018   5
Standort Deutschland weiter im Aufschwung?
Investoren loben
    Deutschland —
    sehen aber
    Nachholbedarf
    in Sachen
    Digitalisierung




6   EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
                                                        2
Standort Deutschland weiter im Aufschwung?
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Image und Wahrnehmung


                              Die attraktivsten
                              Standorte in Europa:
                              Deutschland weiter
                              auf dem ersten Platz
                              Deutschland ist aus Sicht aus-
                              ländischer Investoren weiter der
                              attraktivste Standort in Europa.

                              In der weltweiten Befragung, die für diese Studie durchge-
                              führt wurde, bezeichneten 66 von 100 Managern Deutsch-
                              land als einen der drei attraktivsten Investitionsstandorte
                              in Europa. Während das Ergebnis für Deutschland auf dem
                              Vorjahresniveau liegt, haben sich auf den folgenden Plätzen
                              deutliche Verschiebungen ergeben: Frankreich konnte deut-
                              lich Boden gutmachen und von 45 auf 56 Prozent zulegen,
                              während die Attraktivität Großbritanniens leicht gesunken
                              ist: von 55 auf 52 Prozent.

                                 Wie schon in den Vorjahren ist der Abstand der drei
                              führenden Investitionsstandorte zu den übrigen europäi-
                              schen Ländern sehr groß: Italien liegt mit einem Zustim-
  Die Attraktivität Groß-     mungswert von nur elf Prozent auf dem vierten Platz —
  britanniens ist leicht      angesichts der Größe und Bedeutung der italienischen
  gesunken, während           Volkswirtschaft ein schwaches Ergebnis. Knapp hinter
                              Italien liegen die Niederlande, Spanien und die Schweiz,
  Frankreich deutlich Boden   die jeweils eine geringere Zustimmung als im Vorjahr
  gutmachen konnte.           erreichen. Größere Veränderungen ergaben sich für Polen
                              und Finnland, die in der Gunst der Investoren zulegen
                              konnten, sowie für Irland, dessen Ergebnis deutlich unter
                              dem Vorjahreswert liegt.




                                             EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018   7
Standort Deutschland weiter im Aufschwung?
Die attraktivsten Länder Europas: Deutschland verteidigt Platz eins, Frankreich holt auf
„Welche drei Länder sind derzeit aus Ihrer Sicht die attraktivsten Investitionsstandorte in Europa?“


Deutschland



66 %
                                                          Frankreich


                                                          56 %
                                                                                                           Großbritannien

                                     (66)                                      (45)                        52 %               (55)


                                                                                    11 % Italien
                                                                                      9 % Niederlande
                                                                                      9 % Spanien
                                                                                      8 % Schweiz
                                                                                      7 % Finnland
                                                                                      6 % Polen
                                                                                      5 % Irland
                                                                                      5 % Norwegen



                                                                                     Angaben in Prozent; bis zu drei Nennungen möglich;
                                                                                     Grundgesamtheit: n = 505; 2017-Werte in Klammern




   In Summe kann Westeuropa — trotz einiger Verschie-             Auch Asien (ohne China) hat in diesem Jahr leichte Ein-
bungen im innereuropäischen Ranking — seine Attrak-            bußen zu verzeichnen — der Anteil der Nennungen sinkt
tivität auf Vorjahresniveau halten: Wie schon 2017             von 21 auf 18 Prozent. Dahinter platzieren sich mit jeweils
bezeichnen derzeit 53 Prozent aller befragten Investo-         13 Prozent Russland und Indien, wobei Russland leicht
ren Westeuropa in diesem Jahr als eine der drei Top-           hinzugewinnt, während Indien zwei Prozentpunkte abgibt.
Investitionsregionen weltweit. Damit belegt Westeuropa
den ersten Platz im Regionen-Ranking. Dahinter können
sich mit etwas Abstand China und Osteuropa platzieren,
die um fünf bzw. vier Prozentpunkte zulegen. Nord-
amerika rutscht in diesem Ranking vom zweiten auf
den vierten Platz: Nach 39 Prozent im Vorjahr bewerten
in diesem Jahr nur noch 34 Prozent der Unternehmen
Nordamerika als Top-Investitionsstandort.



8     EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
Standort Deutschland weiter im Aufschwung?
www.ey.com/attractiveness




Europa vor China attraktivstes Investitionsziel weltweit
„Welche drei Regionen sind derzeit aus Ihrer Sicht die attraktivsten Investitionsstandorte weltweit?“


Westeuropa



53 %
                                                        China


                                                        42 %
                                                                                                            Osteuropa

                               (53)                                            (37)                         41 %               (37)


                                                                                    34 % Nordamerika
                                                                                    18 % Asien (ohne China)
                                                                                    13 % Russland
                                                                                    13 % Indien
                                                                                    11 % Lateinamerika
                                                                                       9 % Nordafrika
                                                                                       9 % Mittlerer Osten
                                                                                       7 % Japan
                                                                                       6 % Brasilien

                                                                                      Angaben in Prozent; bis zu drei Nennungen möglich;
                                                                                      Grundgesamtheit: n = 505; 2017-Werte in Klammern




   Insgesamt bestätigt sich damit das Bild der Vor-
gängerstudien, wonach Westeuropa von internationalen
Investoren trotz aller politischen und wirtschaftlichen
Herausforderungen wieder als bemerkenswert attrak-
tiver Investitionsstandort wahrgenommen wird. Zum
Vergleich: Im „Eurokrisenjahr“ 2012 bezeichnete gerade
einmal jeder dritte befragte Investor Westeuropa als
Top-Standort, während 44 Prozent für China votierten.
Seitdem hat Westeuropa erheblich Boden gutgemacht.
Nordamerika mit dem wirtschaftlichen Kern USA konnte
hingegen den Aufwärtstrend der vergangenen Jahre
nicht fortsetzen, sondern verzeichnete erstmals seit dem
Jahr 2012 einen Rückgang der Attraktivität.



                                                                               EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018      9
Standort Deutschland weiter im Aufschwung?
Investitionsstandort USA fällt zurück
„Welche drei Regionen sind derzeit aus Ihrer Sicht die attraktivsten Investitionsstandorte weltweit?“
(Die Frage wurde 2016 nicht gestellt)

     60



     50                                                                                                 Westeuropa
                                                                                                        China
     40                                                                                                 Nordamerika


     30



     20



     10
                                                                                                  Angaben in Prozent;
                                                                                                  bis zu drei Nennungen möglich

     0
                  2012              2013             2014     2015       2017         2018




      METHODIK
Es wurde die „gefühlte“ Attraktivität Europas und                    einem unabhängigen Marktforschungsinstitut befragt.
Deutschlands für ausländische Investoren ermittelt, d. h.            Zusätzlich wurden zur Messung der Attraktivität Deutsch-
die Ansichten und Meinungen, die in der Umfrage unter                lands aus Sicht ausländischer Investoren in einer ge-
505 internationalen Entscheidungsträgern zur Attraktivität           sonderten Befragung weitere 210 Entscheidungsträger aus-
Europas geäußert wurden. Diese Führungskräfte — aus allen            ländischer Unternehmen zu ihrem Urteil über den Standort
Ländern, Branchen und Geschäftsmodellen — wurden von                 Deutschland befragt.




10        EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
www.ey.com/attractiveness




                                                                                  Unter den an Attraktivität
                                                                                  gewinnenden westlichen
                                                                                  Industrienationen kann
                                                                                  insbesondere Westeuropa
                                                                                  ein deutliches Plus an
                                                                                  Zustimmung verzeichnen.




Renaissance                                                    Wir sehen also insgesamt durchaus eine Renaissance
                                                            der etablierten westlichen Industrienationen, während die

der Industrieländer                                         Schwellenländer — abgesehen von China — insgesamt an
                                                            Attraktivität eingebüßt haben. Bemerkenswert an dieser


als Investitions-
                                                            Entwicklung ist vor allem das positive Abschneiden West-
                                                            europas, denn nach wie vor steht die Region vor erheb-
                                                            lichen politischen wie wirtschaftlichen Problemen, auch

standorte                                                   wenn diese derzeit nicht mehr die Schlagzeilen beherrschen.
                                                            So sind die Länder der Eurozone im vergangenen Jahr-
                                                            zehnt wirtschaftlich massiv auseinandergedriftet. Der zum
                                                            Teil drastische Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Ländern
Insgesamt konnten die westlichen                            im Süden Europas auf der einen Seite und die gute bis
Industrieländer im Lauf der vergan-                         sehr gute Entwicklung in einigen nördlichen Ländern haben
                                                            zu innenpolitischen Verwerfungen in den Krisenländern,
genen Jahre — trotz der aktuellen                           aber auch zu politischen Spannungen zwischen den
Schwäche Nordamerikas — kräftige                            Staaten geführt.

Zugewinne verbuchen.                                          Die kräftige wirtschaftliche Erholung auch in einigen der
                                                            besonders betroffenen Krisenländern hat in den vergange-
                                                            nen zwei Jahren zwar zu einer Entspannung der Lage
Die Attraktivität Westeuropas stieg seit 2012 um 20 Pro-    geführt, noch immer aber liegt die Arbeitslosigkeit in vielen
zentpunkte, Nordamerika verbesserte sich immerhin um        Ländern erheblich über dem Vorkrisenniveau. So betrug die
13 Prozentpunkte. Auch Osteuropa legte erheblich zu: Die    Erwerbslosenquote in Spanien im Vorkrisenjahr 2007 nur
Zustimmung stieg um 20 Prozentpunkte. Parallel dazu         8,2 Prozent — 2017 war sie mit 17,2 Prozent hingegen
verloren die sogenannten BRIC-Länder insgesamt stark an     mehr als doppelt so hoch. In Italien lag die Erwerbslosen-
Bedeutung: Während China etwa auf dem Niveau von 2012       quote 2017 bei 11,2 Prozent — 2007 hatte ihr Anteil nur
liegt, verliert Russland sechs, Indien acht und Brasilien   6,1 Prozent betragen.
sogar zwölf Prozentpunkte.



                                                                           EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018   11
der befragten Inves-
                                                                                        toren rechnen mit einer




                                                               50%
                                                                                        steigenden Attraktivität
                                                                                        Europas als Investitions-
                                                                                        ziel, 15 % mehr als
                                                                                        im Vorjahr.




   Obendrein bestehen nach wie vor Zweifel an der              elf Prozentpunkte stieg der Anteil der Investoren, die
Belastbarkeit sowohl der öffentlichen Finanzen als auch        Frankreich als eines der drei attraktivsten Investitions-
des Finanzsektors in einigen Ländern. Zusätzlich ver-          ziele in Europa bezeichnen.
schärft wurde die Situation durch die Entscheidung Groß-
britanniens, die EU zu verlassen, aber auch durch den             Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch der zuneh-
Schwenk zu autoritären Regierungssystemen gerade               mende Optimismus der Investoren in Bezug auf die zu-
im Osten Europas.                                              künftige Attraktivität Europas als Investitionsziel: Immerhin
                                                               50 Prozent rechnen mit einer steigenden Attraktivität — vor
   In den vergangenen Jahren gab Europa nach außen             einem Jahr lag der Anteil nur bei 35 Prozent. Gleichzeitig
also ein wenig geschlossenes Bild ab, politische Uneinigkeit   sinkt der Anteil der Befragten, die von einer nachlassenden
in wichtigen Fragen und das wirtschaftliche Auseinander-       Anziehungskraft Europas für Investoren ausgehen, von
driften der europäischen Länder ließen gerade in Bezug         22 auf 12 Prozent.
auf die Europäische Union erhebliche Zweifel am Konzept
der „ever closer union“ aufkommen — was durch die Brexit-
Entscheidung der Briten nochmals unterstrichen wurde.

   Zuletzt aber — und das zeigen die Befragungsergeb-
nisse deutlich — hat sich das Image des Kontinents verbes-
sert. Die konjunkturelle Erholung hat Fahrt aufgenommen,
die Arbeitslosigkeit sinkt deutlich, die Schuldenkrise ist
zumindest vorübergehend abgeflaut. Gerade Frankreich
konnte unter dem neuen Präsidenten Emmanuel Macron
wieder an Strahlkraft gewinnen — zumal auch die franzö-
sische Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs ist. Diese
neu gewonnene Attraktivität Frankreichs spiegelt sich
auch in den Befragungsergebnissen wider: Um immerhin



12    EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
www.ey.com/attractiveness




Unternehmen rechnen mit steigender Attraktivität Europas für Investoren
„Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die Attraktivität Europas als Investitionsziel im Laufe der kommenden
drei Jahre entwickeln?“ (Die Frage wurde 2016 nicht gestellt)




              38                                                       35                               verbessern
                            39
                                         54                                         50                  gleich bleiben
                                                       59
                                                                                                        verschlechtern
                                                                                                        keine Angabe

              38            37                                         41

                                                                                    36
                                         33
                                                       33

              22            23                                         22                         Angaben in Prozent;
                                         12                                         12            Grundgesamtheit: n = 502
              2             1             1             8               2           2
             2012          2013          2014          2015            2017       2018




   Mit der steigenden Attraktivität Europas geht eine zu-      sich 2018 in Europa anzusiedeln oder zusätzliche Gschäfts-
nehmende Bereitschaft zu tatsächlichen Investitionen           bereiche zu entwickeln, ist im Vergleich zum Vorjahr von
einher: Der Anteil der befragten Investoren, die vorhaben,     28 auf 35 Prozent gestiegen.

Geplante Investitionen in Europa: Negativtrend gestoppt
„Hat Ihr Unternehmen vor, sich im kommenden Jahr in Europa anzusiedeln oder zusätzliche Geschäftsbereiche
in Europa zu entwickeln?” (Die Frage wurde 2016 nicht gestellt)


   50



   40          38                                                                 35
                                  34
                                                32
   30                                                            28


   20
                                                                                                  Anteil „ja-“-Antworten


   10
                                                                                                  Angaben in Prozent;
                                                                                                  Grundgesamtheit: n = 502

    0
              2013                2014          2015            2017             2018


   Diese Ergebnisse zeigen: Die Attraktivität Europas als      titionen in Europa kommt. Denn offensichtlich sehen
Investitionsstandort nimmt zu, und die Chancen stehen gut,     Investoren aus aller Welt mittel- und langfristig doch mehr
dass in den kommenden Monaten zahlreiche Unternehmen           Chancen als Risiken in einem Engagement in Europa —
ihre Planungen in die Tat umsetzen und es zu neuen Inves-      gerade im Vergleich zu anderen Regionen weltweit.



                                                                              EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018   13
Der Standort Deutschland
                       im Detail: Nachholbedarf bei
                       digitaler Infrastruktur
                       Der Investitionsstandort Deutschland
                       genießt bei ausländischen Unternehmen
                       hohes Ansehen — das zeigt die detaillierte
                       Befragung von 210 Managern ausländi-
                       scher Unternehmen zu Stärken und
                       Schwächen des Standorts.



14   EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
www.ey.com/attractiveness




Mehr als sieben von zehn Unternehmen äußern sich derzeit             Allerdings ist im Vergleich zum Vorjahr die Zufrieden-
zustimmend zur deutschen Standortpolitik, jeder fünfte            heit gerade der bereits in Deutschland tätigen Investoren
Befragte bewertet sie sogar als uneingeschränkt investoren-       tendenziell gesunken: Der Anteil derer, die ein uneinge-
freundlich. Auffallend ist, dass Unternehmen, die in              schränkt positives Urteil fällen, ging von 32 auf 25 Prozent
Deutschland bereits engagiert sind — und deren Urteil somit       zurück, während gleichzeitig die eingeschränkt positiven
auf eigenen Erfahrungen basiert — ein deutlich positiveres        Bewertungen um fünf Prozentpunkte anstiegen. Hieraus
Deutschlandbild haben als solche, die nicht in der Bundes-        lässt sich also eine leichte Eintrübung der Attraktivität
republik aktiv sind: Während erstere Gruppe zu 77 Prozent         Deutschlands ableiten.
positiv über den Standort urteilt, liegt die Zustimmungs-
quote bei Unternehmen ohne Geschäftstätigkeit in Deutsch-           Immerhin: Der Anteil der Manager, die sich uneinge-
land gerade einmal bei 63 Prozent.                                schränkt positiv äußern, liegt derzeit mit 21 Prozent auf
                                                                  dem vierthöchsten Stand seit 2007 — nur in den Jahren
                                                                  2012, 2016 und 2017 lag er höher.




Mehrheit der Investoren lobt deutsche Standortpolitik
„Sind Sie der Ansicht, dass Deutschland heute eine für internationale Investoren
interessante Politik umsetzt?”


                                                                                    Unternehmen mit                 Unternehmen ohne
                                                                                    Geschäftsaktivität              Geschäftsaktivität
            Sicher nicht
                                                                                     in Deutschland                   in Deutschland
                                            Ja, sicher
Eher nein
                           6
                                                                                                                            9 (14)
                                   21
                                                                                          25 (32)
                  20

                                                                                                                           54 (43)

                                                                                          52 (47)



                                 53                                                                                        28 (24)
                                                                                          17 (18)
                                                                                           5 (3)                            9 (19)
                                          Eher ja



                                                Angaben in Prozent; ohne „Keine Angaben“; Grundgesamtheit: n = 210; Vorjahreswerte in Klammern




                                                                                     EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018     15
Zustimmung zur deutschen Standortpolitik weiter auf hohem Niveau
„Sind Sie der Ansicht, dass Deutschland heute eine für internationale Investoren
interessante Politik umsetzt?“ (Die Frage wurde 2009 nicht gestellt)


                     9                                           13
           14                 15        17                17            17
                                                  23                                          21
                                                                               27      25
                                                                                                           Ja, sicher
                                                                                                           Eher ja

                     51                                                                                    Eher nein
           52                                                    56
                                        52        42      55            51                                 Sicher nicht
                              60
                                                                                       45     53
                                                                               53




           27        37                 23        28                                   20             Angaben in Prozent;
                                                          21     26     30                    20
                              19                                               13                     ohne „Keine Angaben”;
                                                                                                      Grundgesamtheit: n = 210
            7        4         6         8        7        7      5      2      7      9       6

          2007      2008     2010      2011     2012      2013   2014   2015   2016   2017   2018




   Insgesamt zeigt sich, dass der Standort Deutschland —                   Tatsächlich liegt Deutschland bei der Breitbandversor-
trotz einer gewissen aktuellen Eintrübung — im Ausland                  gung im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld. Nach
einen außerordentlich guten Ruf genießt; die Imagewerte                 Zahlen des Statistischen Bundesamts verfügten im Jahr
sind seit Jahren auf einem hohen Niveau. Worauf gründet                 2017 lediglich 42 Prozent aller hiesigen Unternehmen mit
sich diese positive Einschätzung?                                       Zugang zum Internet und mindestens zehn Beschäftigten
                                                                        über einen festen Breitbandanschluss mit einer vertrag-
   Aus Investorensicht punktet der Standort Deutschland                 lich festgelegten Datenübertragungsrate von mindestens
vor allem mit seiner Verkehrsinfrastruktur und mit dem                  30 Megabit pro Sekunde. Das waren zwar vier Prozent-
Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte: Etwa vier von fünf              punkte mehr als 2016, trotz des Zuwachses liegt Deutsch-
Managern bewerten diese Standortfaktoren hierzulande                    land aber wie in den Vorjahren nur knapp über dem
als insgesamt attraktiv. Im Vergleich zum Vorjahr ist der               EU-Durchschnitt von 40 Prozent.
Grad der Zustimmung zur Infrastruktur sogar noch leicht
gestiegen, während die Qualifikation der Arbeitnehmer                      Die Spitzenplätze in der EU belegten im Jahr 2017 nord-
leicht schlechter beurteilt wird als 2017.                              europäische Länder: Dänemark kommt auf 73 Prozent,
                                                                        die Niederlande auf 65 Prozent und Schweden auf 64 Pro-
   Auf den Rängen 3 bis 6 mit Zustimmungsraten von jeweils              zent. Am wenigsten verbreitet war schnelles Internet bei
mehr als 70 Prozent liegen das soziale Klima in Deutschland,            Unternehmen in südeuropäischen Ländern: In Zypern und
die Stabilität des politischen und rechtlichen Umfelds, die             Griechenland verfügen gerade einmal 25 Prozent über eine
Attraktivität des Binnenmarktes sowie die Möglichkeit, hier-            Datenübertragungsrate von mindestens 30 Megabit pro
zulande die Produktivität zu erhöhen. Die Zustimmung zu                 Sekunde, in Italien sind es sogar nur 23 Prozent.
diesen Standortfaktoren bewegt sich jeweils etwa auf dem
Niveau des Vorjahres. Deutlich schlechter als 2017 wird                   Diese Zahlen zeigen, dass Deutschland zumindest bei
hingegen die Telekommunikationsinfrastruktur bewertet:                  der Versorgung mit schnellem Internet erheblichen Nach-
Hier sinkt die Zustimmung von 76 auf 66 Prozent — ein Rück-             holbedarf hat und weit entfernt von einem internationalen
gang, der zu denken geben sollte. Zum Vergleich: Im Jahr                Spitzenplatz ist. Für einen Hightech-Standort ist das zu
2016 rangierte die Telekommunikationsinfrastruktur mit                  wenig — zumal es bei der Glasfasertechnik für den Standort
84 Prozent sogar noch auf Platz eins der Standortfaktoren.              Deutschland noch schlechter aussieht.



16    EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
www.ey.com/attractiveness




   In dem massiven Rückgang der positiven Einschätzung                            fest steht: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht es
zum Standortfaktor „Telekommunikationsinfrastruktur“                              in Deutschland flächendeckend Internetanschlüsse mit aus-
dürfte daher eine zunehmende Skepsis hinsichtlich                                 reichender Bandbreite — dies ist eine der vordringlichsten
der Verbreitung der Glasfasertechnologie zum Ausdruck                             Aufgaben für die Bundespolitik.
kommen. Tatsächlich liegt Deutschland im Ranking der
Branchenorganisation FTTH Council europaweit nur auf
dem 29. Platz. Demnach waren bis September 2017 nur
2,3 Prozent der deutschen Haushalte an das Glasfasernetz
angeschlossen; in Schweden liegt der Anteil bei 43,4 Pro-
zent, in Russland bei fast 38 Prozent und im Nachbarland                                                               Aus Investorensicht punk-
Frankreich immerhin bei knapp 15 Prozent.                                                                              tet der Standort Deutsch-
                                                                                                                       land vor allem mit seiner
   Dass Deutschland bei dieser zukunftsfähigen Techno-
logie so weit abgeschlagen ist, könnte sich tatsächlich                                                                Verkehrsinfrastruktur und
mittelfristig zu einem eklatanten Standortnachteil entwi-                                                              mit dem Qualifikations-
ckeln — dann nämlich, wenn im Zuge der fortschreitenden
Digitalisierung der Bedarf an zusätzlicher Bandbreite wei-
                                                                                                                       niveau der Arbeitskräfte.
ter so stark steigt wie in den vergangenen Jahren. Denn


Die Stärken und Schwächen des Investitionsstandorts Deutschland
„Wie bewerten Sie Deutschland hinsichtlich folgender Standortfaktoren?”



                         Infrastruktur: Transport und Logistik                                   46             13,8                          36                   82 (80)


                    Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte                                  38                                       41                         79 (81)


                                                    Soziales Klima                          36                                      41                        77 (79)

   Stabilität und Transparenz des politischen, rechtlichen
                                                                                             44                                          32                   76 (76)
                        und ordnungspolitischen Umfelds

                             Attraktivität des Binnenmarktes                           31                                      43                         74 (74)


                          Potenzielle Produktivitätszuwächse                  21                                          53                              74 (70)


                            Infrastruktur: Telekommunikation                      24                                   42                           66 (76)


        Flexibilität der arbeitsrechtlichen Bestimmungen                     15                            35                   50 (43)

               Von der Regierung gewährtes Anreizpaket
                                                                         9                            39                       48 (37)
                                  und Vergünstigungen

                                  Unternehmensbesteuerung                8                       31                 39 (33)


                                     Personal-/Arbeitskosten             9                   24                 33 (35)


                                                                     0                      20                    40                     60                   80

        Sehr attraktiv             Eher attraktiv
                                                                                                                       Angaben in Prozent; Vorjahreswerte in Klammern;
                                                                                                                                              Grundgesamtheit: n = 210


                                                                                                            EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018                17
Während beim Thema Telekommunikation Deutschland               Insgesamt zeigt sich, dass der Standort Deutschland
deutlich an Zustimmung verliert, geht es an anderer Stelle     in Bezug auf kostenseitige Faktoren und die Flexibilität
aufwärts: Die Flexibilität des Arbeitsrechts — traditionell    arbeitsrechtlicher Bestimmungen eher kritisch bewertet
ein Faktor, bei dem Deutschland eher schwach abschneidet       wird: Hier lautet das Urteil vieler Investoren wie schon in
— wird in diesem Jahr von 50 Prozent der Befragten positiv     den Vorjahren in Kurzform: „Die Arbeitskraft ist zu teuer,
bewertet, das sind sieben Prozentpunkte mehr als im            die Unternehmensbesteuerung zu hoch, das Arbeitsrecht
Vorjahr. Ähnlich stark steigt die Zustimmung beim Thema        zu unflexibel.“ Bemerkenswert ist, dass die in Deutschland
Unternehmensbesteuerung: von 33 auf 39 Prozent.                aktiven Unternehmen sogar noch stärkere Kritik äußern:
Hier überwiegen allerdings nach wie vor die negativen          In dieser Gruppe liegt der Anteil derer, die die Arbeits-
Bewertungen.                                                   kosten kritisieren, bei 63 Prozent (gegenüber 56 Prozent
                                                               bei den nicht in Deutschland engagierten Unternehmen).
                                                               Die Unternehmensbesteuerung wird von 52 (versus 31)
                                                               Prozent kritisiert.




   Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass die Arbeitskosten      Unterm Strich liegen Deutschlands Vorteile weiterhin
in Deutschland im internationalen Vergleich tatsächlich        ganz klar im Bereich innovativer, zukunftsweisender Produk-
relativ hoch sind. Laut Eurostat lagen sie in Deutschland im   te und Dienstleistungen — dafür sprechen das hohe Quali-
vergangenen Jahr bei 34,10 Euro — der EU-Durchschnitt lag      fikationsniveau der Arbeitskräfte, Deutschlands weltweit
bei 26,80 Euro. Aufschlussreich ist der Vergleich zwischen     hervorragender Ruf als Premiumstandort sowie der enge
Deutschland und Großbritannien: Dort fielen nur 25,70 Euro     Verbund deutscher universitärer und außeruniversitärer
an — und während die Arbeitskosten in Großbritannien seit      Forschungseinrichtungen mit hier ansässigen, weltweit
2015 um 13 Prozent gesunken sind, legten sie in Deutsch-       agierenden Großkonzernen. Auf der anderen Seite: Beson-
land im gleichen Zeitraum um sechs Prozent zu.                 ders lohnintensive Bereiche, bei denen vor allem die Arbeits-
                                                               kosten ins Gewicht fallen und weniger die Qualifikation der
   Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die befragten     Beschäftigten, werden am Standort Deutschland tendenziell
Investoren das Bild von Deutschland als Premiumstandort        eine immer geringere Rolle spielen.
zwar erneut bestätigen, dass auf der anderen Seite aber
durchaus Handlungsbedarf besteht, wenn Deutschland
seine Position als Top-Standort verteidigen will. Gerade die
fortschreitende Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf
die Wirtschaftswelt dürfen nicht unterschätzt werden — und
hier sind die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen
noch längst nicht so gut, wie sie sein sollten.



18    EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
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Arbeitskosten pro Stunde in Euro in Unternehmen mit mindestens 10 Beschäftigten (2017);
ohne Landwirtschaft und öffentliche Verwaltung


            Dänemark                                                                                                   42,5

               Belgien                                                                                          39,6

            Schweden                                                                                          38,3

           Luxemburg                                                                                         37,6

            Frankreich                                                                                  36,0

          Niederlande                                                                                 34,8

         Deutschland                                                                                34,1

            Österreich                                                                              34,1

              Finnland                                                                         32,7

                    Irland                                                                   31,0

                   Italien                                                            28,2

      Ver. Königreich                                                          25,7

               Spanien                                                  21,2

            Slowenien                                           17,0

                   Zypern                                   16,0

        Griechenland                                     14,5

              Portugal                                   14,1

                    Malta                               13,8

               Estland                            11,7

       Tsch. Republik                            11,3

              Slowakei                           11,1

              Kroatien                         10,6

                    Polen                  9,4

                   Ungarn                 9,1

              Lettland                   8,1

               Litauen                 8,0

            Rumänien               6,3

             Bulgarien           4,9


                             0           10                        20                 30                       40                 50
Quelle: Eurostat




                                                                                                    EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018   19
Fortentwicklung
                                                                      Deutschlands zum
                                                                      Digitalstandort
                                                                      Internationale Investoren sehen
                                                                      Deutschland grundsätzlich auf
                                                                      einem guten Weg.

                                                                      Nach Meinung der Investoren wird sich die Standort-
                                                                      attraktivität in den kommenden Jahren weiter verbessern.
                                                                      44 Prozent der befragten Manager rechnen für die kom-
                                                                      menden drei Jahre mit einer Erhöhung der Attraktivität des
                                                                      Standortes Deutschland, gerade einmal sechs Prozent
                                                                      gehen von einer Verschlechterung aus. Damit bleibt das
                                                                      Stimmungsbild so positiv wie vor einem Jahr.




Weitere Verbesserung der Standortattraktivität erwartet
„Wie wird sich Ihrer Ansicht nach die Attraktivität des Standortes Deutschland
im Laufe der kommenden drei Jahre entwickeln?”


                              K. A.                       Deutlich verbessern
 Deutlich verschlechtern

 Leicht verschlechtern
                                                                                                      Ergebnisse 2017
                                      1     10       6
                                                                                                      Verbessern:             44 %
                                    5                                                                 Verschlechtern:          6%
                                                                       Leicht verbessern


                                                               38



                                  40
                                                                                                   Angaben in Prozent;
        Gleich bleiben                                                                             Grundgesamtheit: n = 210




20    EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
www.ey.com/attractiveness




   Gut jedes vierte befragte Unternehmen (28 Prozent)                      im Vorjahr lag der Anteil mit 37 Prozent etwas niedriger.
plant, sich in diesem Jahr in Deutschland anzusiedeln oder                 Neuinvestitionen von Unternehmen, die bislang nicht in
hier zusätzliche Geschäftsbereiche zu entwickeln. Dabei                    Deutschland aktiv sind, sind hingegen nur in geringem
erweisen sich naturgemäß die Unternehmen, die bereits in                   Umfang zu erwarten: Nur sieben Prozent der Unternehmen
Deutschland engagiert sind, als deutlich investitionsfreudi-               ohne Geschäftstätigkeit in Deutschland planen eine Investi-
ger als solche, die bislang nicht in Deutschland aktiv sind:               tion — vor einem Jahr lag der Anteil bei drei Prozent. Der
Von den Unternehmen mit Geschäftstätigkeit in Deutsch-                     Schwerpunkt der Investitionen soll dabei auf Projekten in den
land planen 39 Prozent, weitere Investitionen zu tätigen —                 Bereichen Vertrieb und Marketing sowie Produktion liegen.


Gut jedes vierte ausländische Unternehmen will 2018 in Deutschland investieren
„Hat Ihr Unternehmen vor, sich im kommenden Jahr in Deutschland anzusiedeln oder zusätzliche
Geschäftsbereiche in Deutschland zu entwickeln?”

                                                                                     Wenn Ja: „Welche Art von Projekt ist geplant?“

                                                  K. A.
                                                                                     Vertrieb und Marketing                                   41
      Nein                             11                    Ja
                                      (11)                                                        Produktion                             32

                    61                           28                                               Logistik/
                                                                                                                         8
                   (65)                         (24)                                     Beschaffungskette
                                                                                                          F&E           7

                                                                                               Investitionen           6

                                                                                                   Hauptsitz        4

                                                                                          Schulungszentrum         2

                                                                                                   Backoffice      2


Angaben in Prozent; Grundgesamtheit: n = 210; Vorjahreswerte in Klammern




                                                                                              39 %
                          Investitionswillige                                                                                       7%
                          Unternehmen
                                                                                                                                    3%
                          Anteil im Vergleich                                                 37 %
                          zum Vorjahr
                                                                                        Unternehmen mit                      Unternehmen ohne
                                                                                        Geschäftsaktivität                   Geschäftsaktivität
                                                                                        in Deutschland                       in Deutschland




                                                                                          EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018   21
Für 2018 ist also mit weiter reger Investitionstätigkeit in         Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich eine etwas gerin-
Deutschland zu rechnen — vor allem weil der Anteil derer,           gere Verlagerungsbereitschaft — 2017 planten 14 Prozent,
die neue Investitionen hierzulande anstoßen wollen, deut-           Teile der Geschäftstätigkeit aus Deutschland abzuziehen.
lich höher liegt als der Anteil derjenigen, die Teile ihrer         Ob sich daraus allerdings tatsächlich ein Trend zu höherer
Geschäftstätigkeit von Deutschland ins Ausland verlagern            Standorttreue ableiten lässt, bleibt abzuwarten: Auch in den
wollen: Von den in Deutschland bereits engagierten Unter-           Vorjahren schwankte der Anteil der verlagerungswilligen
nehmen planen nur elf Prozent, Teile der Geschäftstätigkeit         Unternehmen jeweils um die 11-Prozent-Marke.
aus Deutschland ins Ausland zu verlagern, während wie
oben beschrieben 39 Prozent der hier bereits tätigen
Unternehmen vorhaben, zusätzliche Geschäftsbereiche in
Deutschland anzusiedeln.




                                                                             Die Zufriedenheit mit dem Standort
                                                                             ist hoch, viele Unternehmen planen
                                                                             Folgeinvestitionen.




Jedes siebte Unternehmen plant Verlagerungen ins Ausland
„Hat Ihr Unternehmen generell vor, einen Teil seiner Tätigkeit aus Deutschland
in ein anderes Land zu verlagern?“


                                   K. A.
                                                               Ja

                                                                                                     Ergebnisse 2017
                                               7          11
                                                                                                     Ja:                      14 %
                                                                                                     Nein:                    80 %




                                                                                                  Angaben in Prozent;
                                    82
                                                                                                  Grundgesamtheit: n = 140;
                                                                                                  (Unternehmen mit Geschäftsaktivitäten
                    Nein                                                                          in Deutschland)




22    EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
www.ey.com/attractiveness




Standorttreue nimmt tendenziell zu — Verlagerungen auf niedrigem Niveau
„Hat Ihre Gruppe generell vor, einen Teil ihrer Tätigkeit aus Deutschland in ein anderes Land zu verlagern?“
(Anteil „Ja“ in Prozent)


  28



                             19                                                               20
                    18
                                                                                                                               14
           13                                                          14
                                      11         11         11                    11                     12                                  11
                                                                                                                     8



  2005     2006    2007     2008     2009       2010       2011       2012       2013        2014       2015       2016       2017       2018

                                         Angaben in Prozent; Grundgesamtheit 2018: n = 140 (Unternehmen mit Geschäftsaktivitäten in Deutschland)




   Die insgesamt relativ ausgeprägte Standorttreue der in
Deutschland aktiven ausländischen Unternehmen und die
hohe Bereitschaft, Folgeinvestitionen zu tätigen, sprechen
insgesamt für eine hohe Standortzufriedenheit. Und es zeigt
sich: Obwohl die fortschreitende Globalisierung den Stand-
ortwettbewerb immer weiter verschärft und Unternehmen
dazu veranlasst, ihre Internationalisierungsstrategien und
ihre globalen Wertschöpfungsketten immer wieder neu zu
überprüfen, kann sich Deutschland — offenbar aufgrund
seiner spezifischen Stärken — weiter als attraktiver Standort
behaupten. Die Befragungsergebnisse legen nahe, dass der
Standort Deutschland derzeit gut zu den Investitionsstrate-
gien relativ vieler Investoren passt.




                                                                                         EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018        23
Investoren erwarten von
                                                                                   Deutschland eine hervorragende
                                                                                   Infrastruktur und Zugang zu
                                                                                   neuen Technologien.




   Das zeigen auch die folgenden Ergebnisse: So spielt für               Deutschlands Rolle als großer Absatzmarkt und als
ausländische Investoren bei ihrem Deutschland-Engagement              Tor zum noch erheblich größeren europäischen Binnen-
der Zugang zur Infrastruktur eine besonders große Rolle —             markt steht ebenfalls im Fokus der Investitionsstrategien
91 Prozent messen diesem Aspekt eine mittlere bis hohe                vieler ausländischer Unternehmen: Für jeweils 85 Pro-
Bedeutung zu. Ähnlich bedeutsam ist der Zugang zu Techno-             zent der befragten Unternehmen haben diese Aspekte
logien (90 Prozent). Allerdings droht hier eine Erwartungs-           eine mittlere bis große Bedeutung im Rahmen ihrer
lücke zu entstehen: Denn wie bereits dargestellt sinkt die            Deutschland-Investitionen.
Attraktivität Deutschlands in Bezug auf die Telekommunika-
tionsinfrastruktur — hier lässt sich ein klarer Negativtrend
feststellen, dem dringend begegnet werden sollte.




Zielsetzungen der Investoren bei Investitionen am Standort Deutschland
„Welche Ziele verfolgt Ihr Unternehmen bei Investitionen in Deutschland, welche Aspekte
sind dabei von Bedeutung?”



                                   Zugang zu Infrastruktur                    49                                 42                     91 (92)

                         Zugang zu Technologien bzw. zu                       50                                 40                    90 (87)
                          technologieorientierten Firmen
                       Exportorientierung der Wirtschaft                           58                               30               88 (75)


                            Zugang zum EU-Binnenmarkt                              60                               25             85 (82)
                                                                                               49
          Zugang zum großen deutschen Binnenmarkt                             49                               36                  85 (80)

               Sehr offene Gesellschaft mit zahlreichen
                                                                 24                            49                        73 (69)
                                  integrierten Kulturen

                                                             0           20             40               60                80                100

                                                                                                Angaben in Prozent; Vorjahreswerte in Klammern;
       Hohe Relevanz             Mittlere Relevanz                Grundgesamtheit: n = 140 (Unternehmen mit Geschäftsaktivitäten in Deutschland)




24    EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
www.ey.com/attractiveness




Die Autoindustrie
bleibt Deutsch-
lands wichtigste
Wachstumsbranche
Deutschlands Vorzeigebranche
Nummer eins bleibt aus Sicht der
befragten Investoren die Auto-
mobilindustrie.

42 Prozent der befragten Manager bezeichnen die Auto-
industrie als wesentlichen Treiber für Wachstum in Deutsch-
land — im Vorjahr lag der Anteil mit 39 Prozent noch etwas
niedriger. Auf Rang 2 folgt die digitale Wirtschaft, die wie
2017 von 29 Prozent der Manager genannt wird. Rang 3
belegt mit 24 Prozent der Nennungen die Umwelttechnik,
vor der Pharma- bzw. Biotech-Branche.




                                                               EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018   25
Transport- und Automobilindustrie weiter mit größtem Wachstumspotenzial in Deutschland
„Welche der nachfolgenden Branchen halten Sie in den kommenden Jahren für die wesentlichen Treiber
für ein Wachstum …“

                                                     … in Deutschland


        Transport- und Automobilindustrie                                                                                     42

                           Digitale Wirtschaft                                                                 29

                               Umwelttechnik                                                             24

      Pharmaindustrie und Biotechnologie                                                            22

                              Energie/Utilities                                      16

                                 Konsumgüter                                    14

  B2B-Dienstleistungen (außer Finanzen)                                    12

                    Banken/Versicherungen                                 11

               Logistik und Vertriebskanäle                           9

                  Immobilien und Bauwesen                             9


                                                    0               10                    20                  30         40        50




                                                     … in Europa

                            Digitale Wirtschaft                                                                     34

                                 Umwelttechnik                                                           24

       Pharmaindustrie und Biotechnologie                                                      20

                               Energie/Utilities                                          18

                     Banken/Versicherungen                                                18

         Transport- und Automobilindustrie                                            17

     B2B-Dienstleistungen (außer Finanzen)                                            17

                Logistik und Vertriebskanäle                                          17

                                  Konsumgüter                              12

                   Immobilien und Bauwesen                            9


                                                    0               10                    20                  30         40        50



Angaben in Prozent; bis zu zwei Nennungen möglich; Grundgesamtheit Deutschland n = 210 bzw. Europa n = 502




26      EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
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   Das relativ starke Abschneiden der IT-basierten Geschäfts-      Aufschlussreich ist es an dieser Stelle, die Befragungs-
modelle im Urteil der Manager ist angesichts der zunehmen-      ergebnisse zu Deutschland und zu Europa einander
den Bedeutung des Megatrends Digitalisierung erfreulich,        gegenüberzustellen: Auf die Frage nach den wesentlichen
andererseits aber auch auf den ersten Blick erstaunlich, ist    Wachstumsbranchen in Europa nannten die Investoren
doch die Bedeutung der deutschen IT-Branche im internatio-      zu 34 Prozent die digitale Wirtschaft, die damit europaweit
nalen Vergleich und vor allem gegenüber den US-amerika-         als der wichtigste Wachstumstreiber identifiziert wurde,
nischen Technologiegiganten überschaubar.                       während in Bezug auf Deutschland „nur“ 29 Prozent der
                                                                Investoren die digitale Wirtschaft als Motor der wirtschaft-
  Tatsächlich wird derzeit mehr denn je das Ranking der         lichen Entwicklung sehen. Umgekehrt spielt die Transport-
umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands von Unterneh-          und Automobilbranche europaweit eine deutlich weniger
men aus klassischen Industriezweigen dominiert: Insgesamt       bedeutende Rolle als am Standort Deutschland: Sie landet
57 der deutschen Top-100-Unternehmen kamen zum                  mit 17 Prozent der Nennungen europaweit nur auf dem
Jahresende 2017 aus Branchen wie dem Maschinen- und             sechsten Platz des Branchenvergleichs.
Automobilbau oder Bergbau, Chemie und Energieversor-
gung — ein Jahr zuvor lag ihre Zahl noch bei 55. Die IT-Bran-
che war hingegen wie im Vorjahr gerade einmal mit fünf
Unternehmen im Ranking vertreten, die Zahl der Medien-
unternehmen im Ranking sank sogar von vier auf drei,
während die Zahl der Telekommunikationsunternehmen
von zwei auf drei stieg.




                                                                57%
                                                                                        der deutschen
   Zum Vergleich: In den USA waren unter den 100 um-
satzstärksten Unternehmen gleich 20 Technologie- und                                    Top-100-Unternehmen
Medienunternehmen — also fast doppelt so viele wie in                                   stammen aus klassischen
Deutschland. Und die Zahl der Unternehmen aus klassi-
schen Industriezweigen lag mit ebenfalls 20 erheblich
                                                                                        Industriebranchen.
niedriger als in Deutschland.



                                                                               EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018   27
Deutschlands Attrak-
     tivität als Investitions-
     standort hängt da-
     von ab, ob die hiesige                               Herausforderungen
     Wirtschaft die digi-
     tale Transformation                                  für den Standort
     mitgestalten und                                     Deutschland
     ihre Wettbewerbs-                                    Die Strategie für Deutschland läuft —
     fähigkeit im digitalen                               basierend auf den vorliegenden
     Zeitalter behaupten                                  Befragungsergebnissen — auf den
     kann.                                                Ausbau der spezifischen Stärken
                                                          als Premiumstandort mit hoher
                                                          Innovationskraft auch im digitalen
                                                          Bereich hinaus.




28    EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
www.ey.com/attractiveness




Skepsis bei Investoren zum Digitalstandort Deutschland
„Gehen Sie davon aus, dass neue digitale Geschäftsmodelle in Deutschland leicht vorangetrieben werden können?“



              Nein, sicherlich nicht
                                                        Ja, sicherlich

           Nein, wahr-
                                        7
        scheinlich nicht                        15
                                       (5)
                                               (28)
                              25
                             (25)




                                                      53 (42)

                                                                                                    Angaben in Prozent;
                                                                                                    Grundgesamtheit: n = 210;
                                                                 Ja, wahrscheinlich                 Vorjahreswerte in Klammern




Gerade in Bezug auf die bestehenden und zukünftigen Ange-          herausgehobene Stellung hat. Allerdings sollte man nicht
bote und Fähigkeiten Deutschlands im Bereich der digitalen         den Fehler begehen, die (zahlreichen) deutschen Player im
Technologien und Geschäftsmodelle bestehen aber erheb-             Bereich Automobil- und Maschinenbau zu unterschätzen.
liche Herausforderungen, wie dieses Kapitel zeigt.
                                                                      Tatsächlich könnte sich gerade die Automobilindustrie
   Die Branchenstruktur in Deutschland ist derzeit durch           für Deutschland zu einem Beschleuniger auf dem Weg
die Dominanz des Automobil- und Maschinenbaus geprägt              hin zu einer stärker von digitalen Technologien geprägten
— und gerade die Produkte und Geschäftsmodelle in diesen           Wirtschaftsstruktur entwickeln — erste Anzeichen dafür
Branchen stehen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten             gibt es. So treiben die großen Autokonzerne und die in
voraussichtlich vor dramatischen Umwälzungen, angetrie-            Deutschland ansässigen großen Zulieferunternehmen mit
ben unter anderem von der Digitalisierung und dem bevor-           Hochdruck den Umbau ihrer Geschäftsmodelle und die
stehenden Durchbruch der Elektromobilität. Es steht die            Weiterentwicklung neuer Technologien voran. Dank der
Frage im Raum, ob und wie die deutschen Konzerne diesen            derzeit boomenden Autokonjunktur haben sie zudem die
Wandel bewältigen werden — und welche Auswirkungen                 Mittel, auch hohe Summen in diese beiden Bereiche zu
dies auf den Standort Deutschland haben wird.                      investieren. Sie verlassen mit ihren neuen Aktivitäten
                                                                   längst ausgetretene Pfade: So haben etwa die großen
   Vielfach wird die Sorge geäußert, Deutschland drohe sich        deutschen Autokonzerne zahlreiche Unternehmen aus
allzu sehr auf die aktuellen Erfolge traditioneller Industrie-     den Bereichen Ladelösungen, Mitfahrdienst, Taxivermitt-
zweige zu verlassen und bei Zukunftsbranchen an Boden              lung, Fahrzeugleasing und elektronische Zahlungsdienst-
zu verlieren — und die Befragungsergebnisse sprechen tat-          leistungen übernommen. Sie kooperieren untereinander
sächlich dafür, dass in Deutschland der Automobilbau als           und mit branchenfremden Akteuren, um eigene Platt-
derzeit noch eher traditioneller Industriezweig eine sehr          formen für ortsbezogene Dienste und präzise Karten zu




                                                                                  EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018   29
etablieren und ein europäisches Schnellladesystem für           Und wie beurteilen ausländische Unternehmen die
Elektroautos aufzubauen. Insgesamt gibt es derzeit viele     Möglichkeiten, am Standort Deutschland digitale Geschäfts-
Anzeichen für einen rasanten Wandel sowohl des Selbst-       modelle voranzutreiben? Zwar äußern sich hier immerhin
verständnisses der Unternehmen als auch der jeweiligen       68 Prozent der befragten Manager grundsätzlich positiv —
Geschäftsmodelle. Deutschlands Vorzeigeindustrie be-         im Vorjahr lag der Anteil mit 70 Prozent ähnlich hoch —,
findet sich in einem tief greifenden Wandel und hat die      jedoch sind nur gerade einmal 15 Prozent uneingeschränkt
Herausforderungen längst erkannt. Dieser Wandel könnte       überzeugt. Im Vorjahr lag deren Anteil mit 28 Prozent
auf andere Branchen ausstrahlen — ohnehin sind die Ver-      noch erheblich höher. Es besteht also einerseits durchaus
bindungen etwa zwischen Autoindustrie, Chipindustrie,        eine Erwartungshaltung, dass Deutschland nicht nur als
Softwareanbietern und Telekommunikationsunternehmen          Industrie-, sondern auch als Digitalstandort weltweit zur
längst sehr eng — und sie werden immer enger.                Spitzengruppe gehören sollte; auf der anderen Seite sehen
                                                             wir aber auch eine zunehmende Skepsis, ob Deutschland
   Womöglich trügt also der Eindruck, dass Deutschland       derzeit tatsächlich den hochgesteckten Erwartungen
bei digitalen Technologien und Kompetenzen abgehängt         entsprechen kann.
zu werden droht? Fest steht: Um weiterhin wettbewerbs-
fähig zu bleiben, wird es entscheidend sein, dass Deutsch-
land als Hochtechnologie- und Innovationsstandort eine
starke Digitalkompetenz aufbaut und Vorreiter bei Themen
wie Industrie 4.0 und 3-D-Druck wird. Außerdem sollte
                                                                             Die deutsche Autoindustrie
es eine größere Rolle bei der Entwicklung neuer Technolo-
gien und neuer Geschäftsmodelle spielen — nicht zuletzt                      befindet sich in einem radika-
deshalb, weil auch ausländische Investoren eine solche                       len Wandel — der auch auf
Entwicklung einfordern, erhoffen sie sich doch von ihren
Aktivitäten in Deutschland auch einen besseren Zugang
                                                                             andere Branchen ausstrahlt.
zu neuen Technologien.




30    EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
www.ey.com/attractiveness




   Unter Experten besteht Einigkeit darüber, dass Deutsch-      die deutschen Premiumanbieter, die mit dem Qualitätssiegel
lands zukünftiger Wohlstand, die Attraktivität als Investi-     „Made in Germany“ weltweit punkten können, werden alles
tionsstandort und auch die künftige Beschäftigungslage          daran setzen, einen möglichst großen Teil der Produktion
davon abhängen, ob die hiesige Wirtschaft — und vor allem       und Entwicklung in Deutschland zu halten, was nur möglich
die deutschen Leitbranchen, der Automobil- und der Maschi-      ist, wenn sich Flexibilität, Produktivität und Auslastung auf
nenbau, — die digitale Transformation an führender Stelle       höchstem Niveau befinden. Dies wiederum kann vor allem
mitgestalten und ihre Wettbewerbsfähigkeit auch im digita-      durch eine stärkere Digitalisierung der Produktion gelingen.
len Zeitalter behaupten kann.                                   Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und gleichzeitig
                                                                die führenden Unternehmen die richtigen Weichen stellen,
   Grundsätzlich stehen die Chancen für Deutschland gut:        kann Deutschland zeigen, wie sich das Zusammenspiel
So bietet vor allem die vernetzte Produktion — Stichwort        zwischen „Old“ und „New Economy“, zwischen klassischen
Industrie 4.0 — am Standort Deutschland enorme Chancen.         Industriezweigen und dem IT-Sektor — basierend auf hervor-
Es dürfte nur wenige andere Standorte weltweit geben,           ragend ausgebildeten Fachkräften — zu einem Erfolgsmodell
an denen der Druck auf die Unternehmen, jede erdenkliche        entwickeln kann.
Maßnahme zur Steigerung der Effizienz zu ergreifen, der-
art hoch ist wie am Hochlohnstandort Deutschland. Und
gerade dieser Druck, der aus einem bestehenden (Kosten-)
Nachteil resultiert, könnte die Entwicklung hin zu vernetzten
Fabriken hierzulande deutlich beschleunigen. Insbesondere




                                                                               EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018   31
Das sehen offenbar auch die befragten Manager aus-
 ländischer Unternehmen so: Auf die Frage, worauf sich
 Deutschland konzentrieren solle, um seine Wettbewerbs-
 fähigkeit zu erhalten, nennen 39 Prozent die Förderung
 von Hightech-Branchen und Innovationen und knapp jeder
 Dritte die Förderung der Aus- und Weiterbildung.

    Kostenaspekte spielen in diesem Zusammenhang
 allerdings auch eine große, aber keine dominierende Rolle:
 30 Prozent der Befragten (und 28 Prozent der in Deutsch-
 land aktiven Unternehmen) wünschen sich eine Reduzierung
 der Arbeitskosten, etwa jeder vierte hält eine Reduzierung
 der Steuerlast für nötig.




 Top-Priorität aus Sicht der Investoren: Förderung von Hightech und Innovation
 „Worauf sollte sich Deutschland Ihrer Ansicht nach konzentrieren, um seine Wettbewerbsfähigkeit
 in der globalen Wirtschaft zu behalten bzw. auszubauen?“


                      Förderung von Hightech-Branchen und Innovationen                                                         39

                                       Förderung von Aus- und Weiterbildung                                              31

                                               Reduzierung der Arbeitskosten                                            30

                                                 Reduzierung der Besteuerung                                  26

                                                  Förderung des Mittelstandes                                25

 Investitionen in größere Infrastruktur- und Stadtentwicklungsprojekte                                  22

Förderung umweltpolitischer Maßnahmen/umweltbewussten Verhaltens                                   19

           Anpassung der Regulierung an technologische Entwicklungen                         13

                                        Entschärfung der Wettbewerbsregeln               9

                          Vereinfachungen des Zugangs zu Finanzierungen             7


                                                                                0       10        20               30         40
      Angaben in Prozent; Grundgesamtheit: n = 210;




 32      EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
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           FAZIT
Der Standort Deutschland wird insgesamt weiterhin als      Dass die digitale Infrastruktur in Deutschland in diesem
stark eingeschätzt — nicht nur heute, sondern auch in      Jahr erneut schlechter bewertet wird als im Vorjahr, sollte
Zukunft. Zwar ist er derzeit noch in hohem Maße von        daher zu denken geben. Hier ist eine Investitionsoffensive
Unternehmen aus klassischen Industriezweigen geprägt.      nötig, sodass Deutschland tatsächlich erstklassige Rahmen-
Und auch das international hervorragende Image des         bedingungen für eine zunehmend digitale Wirtschaft bietet.
Standorts Deutschland dürfte stark auf den weltweiten
Erfolg und die Strahlkraft deutscher Marken aus diesen
Branchen zurückzuführen sein. Gleichzeitig aber steckt
in einer verstärkten Vernetzung mit der IT-Branche,
die von den Investoren als zweitwichtigster Wachstums-
motor Deutschlands angesehen wird, großes Potenzial —
sowohl in Bezug auf Produktivitätssteigerungen als auch                          An der Schnittstelle
im Hinblick auf neue Geschäftsmodelle. Dieses Potenzial                          zwischen Old und New
wird noch nicht in ausreichendem Maß genutzt, aber es
                                                                                 Economy liegen für
gibt bereits vielversprechende Ansätze. An der Schnitt-
stelle von Old und New Economy liegen für Deutschland                            Deutschland die größten
heute die größten Herausforderungen und gleichzeitig                             Herausforderungen —
die größten Chancen: Es gilt, die derzeitige Stärke der
deutschen Industrie zu unterstützen und gleichzeitig die
                                                                                 und Chancen.
Weichen weiter in Richtung Digitalisierung zu stellen.




                                                                          EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018   33
2017:
     Neue Rekorde
     bei Investitionen
     in Deutschland
     und Europa




34    EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
                                                          3
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  Ausländische Investoren in
  Deutschland und Europa

Zahl der Investitions-
projekte auf Rekordniveau
Europa konnte im vergangenen Jahr
erneut eine Rekordzahl an Investitions-
projekten anziehen.

Die Zahl der von ausländischen Unternehmen angekündig-                       ein neuer Höchststand erreicht wurde. Und: Die Zahl der
ten Investitionen stieg 2017 um zehn Prozent auf mehr                        Investitionsprojekte lag 2017 mehr als doppelt so hoch
als 6.600. Damit war 2017 das fünfte Jahr in Folge, in dem                   wie im Krisenjahr 2009.




Auslands-Direktinvestitionen in Europa ...
Zahl der Projekte


  8000
                                                                                                           6.653
                                                                                                  6.041
  6000
                                                                                         5.083
                                                                                 4.448
            3.531   3.712   3.721             3.757   3.906    3.797    3.957
  4000                               3.303
                                                                                                       +10 %
  2000



      0
            2006    2007    2008     2009     2010      2011   2012      2013     2014    2015     2016     2017



... und in Deutschland

Zahl der Projekte


  1200                                                                                                     1.124
                                                                                                  1.063
                                                                                         946
                                                                                870
   900
                                                                       701
                                                 597       624
   600                                  560
                              418                                                                     +6 %
                     390
             305
   300
                                                                                                                     Quellen: IBM database, 2017 —
                                                                                                                     EY European Investment Monitor, 2016

      0
             2007    2008     2009     2010      2011      2012       2013      2014     2015     2016      2017




                                                                                                 EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018    35
Wie in den Vorjahren konnte auch 2017 Großbritan-          Einen massiven Anstieg verzeichnete aber vor allem
nien das Ranking der Top-Investitionsstandorte anführen    Frankreich: Die Zahl der Investitionen stieg um fast ein
— trotz der Brexit-Entscheidung und trotz der hohen Un-    Drittel auf 1.019. Somit liegen inzwischen die drei Top-
sicherheit in Bezug auf die zukünftigen Beziehungen        Standorte Europas zumindest in Bezug auf die Zahl der
zwischen der EU und Großbritannien. Deutschland belegt     Investitionsprojekte auf einem ähnlich hohen Niveau.
wie schon im Vorjahr den zweiten Rang: Die Zahl der
Investitionen in Deutschland kletterte um sechs Prozent
auf 1.124. Bemerkenswert ist dabei, dass die Zahl der
Investitionen in Deutschland seit dem Jahr 2004 konti-
nuierlich gestiegen ist — sogar im Jahr 2009.




                                                          18%
                                                                                  aller Investitionsprojekte
                                                                                  in Europa wurden in Groß-
                                                                                  britannien durchgeführt
                                                                                  — 17 % in Deutschland.




Die Top-Investitionsstandorte in Europa
Zahl der Investitionsprojekte

                            2016                          2017                                   Entwicklung
  Großbritannien            1.138                         1.205                                          +6 %
  Deutschland               1.063                         1.124                                          +6 %
  Frankreich                779                           1.019                                         +31 %
  Niederlande               409                           339                                            –17 %
  Russland                  205                           238                                           +16 %
  Spanien                   308                           237                                            –23 %
  Türkei                    138                           229                                           +66 %
  Belgien                   200                           215                                            +7 %
  Polen                     256                           197                                            –23 %
  Finnland                  133                           191                                           +44 %




36    EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
www.ey.com/attractiveness




                                                                   Die meisten
                                                                   Arbeitsplätze
                                                                   entstehen in
                                                                   Großbritannien
                                                                   Bei der Zahl der Arbeitsplätze, die
                                                                   durch die angekündigten Investi-
                                                                   tionen entstehen sollen, liegt nach
                                                                   wie vor Großbritannien weit vorn.

                                                                   Gut 50.000 neue Stellen sind mit den Investitionen in
                                                                   Großbritannien verbunden — Deutschland liegt in diesem
                                                                   Ranking mit gut 31.000 Arbeitsplätzen auf dem zweiten
                                                                   Platz. Insgesamt sollen europaweit durch Projekte
                                                                   ausländischer Investoren etwa 353.500 neue Arbeits-
                                                                   plätze entstehen. Aufgrund einer Änderung in der
                                                                   Datenerhebung ist ein Vergleich mit den Vorjahren an
                                                                   dieser Stelle nicht möglich.


Die meisten Stellen in Großbritannien
Zahl der angekündigten neuen Stellen im Jahr 2017


  Großbritannien                                                                               50.196

    Deutschland                                                    31.037

       Russland                                           25.788

      Frankreich                                          25.126

          Polen                                       24.000

        Serbien                                  20.103

         Ungarn                         17.017

      Rumänien                          16.490

        Spanien                     13.685
                                                                                                     Quellen: IBM database, 2017 —
          Türkei                   13.078                                                            EY European Investment Monitor, 2016


                   0         10             20                30            40            50




                                                                                 EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018    37
Während Deutschland bei den geschaffenen Arbeits-                       stelligen Bereich zulegten, ist der starke Anstieg der
plätzen nur den zweiten Platz im Europa-Ranking belegt,                    Investitionen britischer Unternehmen um gut ein Drittel
erweisen sich deutsche Unternehmen einmal mehr als die                     besonders bemerkenswert. Aber auch japanische Unterneh-
mit Abstand größten europäischen Investoren in Europa.                     men steigerten ihr Engagement in Europa deutlich —
Immerhin jeder sechste durch einen ausländischen Inves-                    um ein Fünftel.
tor geschaffene oder angekündigte Arbeitsplatz in Europa
geht auf das Konto eines deutschen Unternehmens. Mehr
Arbeitsplätze wurden nur von US-Konzernen geschaffen.
Insgesamt sorgen die Investitionen der deutschen Unter-
nehmen für fast 55.700 neue Stellen, während es bei den
US-Konzernen insgesamt fast 80.000 sind.                                                      Investitionen deutscher
                                                                                              Unternehmen in Europa
    Auch hinsichtlich der Zahl der Investitionsprojekte
                                                                                              sorgen für fast 55.700
liegen deutsche Unternehmen hinter US-Firmen auf dem
zweiten Rang im Investorenranking: Insgesamt 664 Inves-                                       neue Stellen — mehr
titionen führten deutsche Unternehmen im vergangenen                                          erreichen nur US-Konzerne
Jahr im europäischen Ausland durch, US-Unternehmen
investierten 1.381-mal in Europa. Während die Aktivitäten
                                                                                              mit ca. 80.000 Stellen.
deutscher und US-amerikanischer Unternehmen im ein-




Die größten Investoren in Europa
nach Zahl der Projekte im Jahr 2017 (in Klammern: Entwicklung im Vergleich zu 2016)


                USA                                                                          1.381 (+8 %)

       Deutschland                                            664 (+1 %)

     Großbritannien                                  464 (+35 %)

               China                          341 (+0 %)

              Japan                          327 (+24 %)

            Schweiz                          326 (+10 %)

         Frankreich                         297 (−11 %)

       Niederlande                        260 (+46 %)

         Schweden                      215 (+34 %)
                                                                                                            Quellen: IBM database, 2017 —
              Italien                  209 (+8 %)                                                           EY European Investment Monitor, 2016


                        0                           500                    1000                1500




38     EY’s Attractiveness Survey Deutschland − Mai 2018
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