Terrestrisches Fernsehen und Free-TV in Metropolen - ein internationaler Vergleich - Medienanstalt ...

 
Terrestrisches Fernsehen und Free-TV in Metropolen - ein internationaler Vergleich - Medienanstalt ...
Terrestrisches Fernsehen und Free-TV
in Metropolen –
ein internationaler Vergleich

theinformationsociety.org
Hamburg – Kiel – Wien

Christian Möller
Yuliya Kolesnikova

Juni 2013

                            www.theinformationsociety.org
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Terrestrisches Fernsehen und Free-TV in Metropolen - ein internationaler Vergleich - Medienanstalt ...
Abstract
             The switchover to digital terrestrial television (DTT) has been completed in many countries,
             often experiencing great technical and regulatory challenges. Most remaining countries will
             follow suit in due time. But even after the analogue switch-off (ASO) of terrestrial television,
             DTT is not necessarily a success story. This study – commissioned by the Berlin-
             Brandenburg media regulatory authority mabb and convened by the research group
             theinformationsociety.org – looks at the DTT situation in metropolitan areas worldwide,
             including Rio de Janeiro, New York City, London, Paris and Moscow.

             Two main factors have been identified for the success of DTT in urban areas: firstly the
             share of analogue terrestrial television platform and the satellite and cable penetration
             before the ASO, and secondly the number and quality of DTT channels after the ASO,
             namely features such as HD, PVR and pay TV on DTT platforms. Higher costs for cable,
             satellite or IPTV reception, though, do not seem to increase DTT take-up.

             Research shows that DTT faces problems in many urban regions, amplified by growing
             competition by HD channels on cable, satellite and IPTV and a shrinking advertisement
             market that is rendering DTT more and more unattractive to commercial broadcasters,
             especially in areas where DTT is not the primary TV platform and thus has a smaller
             audience share.

             IPTV and WebTV, which might offer future alternatives for DTT as the platform for free TV
             reception, does not yet reach a relevant audience share in most areas worldwide, maybe
             with the exception of France.

             As DTT is often used by more vulnerable parts of society, this development poses regulatory
             challenges and might result in a paradigm shift for regulatory authorities from licensing
             frequencies as a scarce resource to guaranteeing a basic TV service obligation for all parts of
             society.

Möller, Christian/Kolesnikova, Yuliya (2013) Terrestrisches Fernsehen und
Free-TV in Metropolen – ein internationaler Vergleich. Juni 2013.
theinformationsociety.org. Hamburg.

Im Auftrag der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb).

                                                                                                     2
Terrestrisches Fernsehen und Free-TV in Metropolen - ein internationaler Vergleich - Medienanstalt ...
Inhalt
Abstract ................................................................................................................................................... 2
Key Findings ............................................................................................................................................ 5
1.     Einführung....................................................................................................................................... 6
     1.1       Studie ...................................................................................................................................... 7
2.     Terrestrisches Fernsehen und Free-TV in Metropolen................................................................... 9
     2.1       Rio de Janeiro .......................................................................................................................... 9
     2.2       New York City ....................................................................................................................... 12
     2.3       London .................................................................................................................................. 15
     2.4       Paris ....................................................................................................................................... 18
     2.5       Kiew ....................................................................................................................................... 23
     2.6       Moskau .................................................................................................................................. 28
     2.7       Singapur ................................................................................................................................ 32
3.     Ergebnisse ..................................................................................................................................... 34
     3.1       Verbreitungswege & Sendervielfalt ..................................................................................... 34
     3.2       Technik & Regulierung .......................................................................................................... 40
4      Fazit ............................................................................................................................................... 43
5      Annex ............................................................................................................................................ 45
     5.1       Abbildungsverzeichnis .......................................................................................................... 46
     5.2       Glossar ................................................................................................................................... 47
     5.3       Liste der Interviewpartner .................................................................................................... 48
     5.4       Übersicht der DTT-Sender in den einzelnen Städten .......................................................... 49
     5.5       Literaturverzeichnis .............................................................................................................. 58

                                                                                                                                                    3
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Key Findings
              Auch nach dem Analogue Switch-off (ASO) sieht sich digitales terrestrisches
               Fernsehen (DTT) in vielen Metropolen weltweit einer Reihe von Problemen gegenüber,
               die oftmals multi-faktoriell, sich gegenseitig verstärkend und miteinander verknüpft
               sind.

              Vor allem in Regionen, in denen die terrestrische Verbreitung vor dem Switchover
               nicht die primäre Empfangs-Plattform war, ist der Erfolg von DTT nicht garantiert. Die
               Wirtschafts- und Werbekrise führt dort zusammen mit der geringen Reichweite von
               DTT in der werberelevanten Zielgruppe zu einem sich selbst verstärkenden Prozess,
               der zu einem abnehmenden Interesse der kommerziellen Rundfunkanbieter an DTT
               führt.

              Der Wettbewerbsvorteil durch die Kostenersparnis von DTT gegenüber dem TV-
               Empfang über Kabel, Satellit oder IPTV ist für viele Nutzer nicht ausschlaggebend.
               Inwiefern die Ausnutzung aller technischen Möglichkeiten, die DTT bieten kann (HD,
               On-demand-Dienste, PVRs, HbbTV-Hybridmodelle), den Wettbewerbsnachteil
               gegenüber anderen Plattformen aufwiegen kann, ist unklar. Diskussionen um die
               Nutzung des 700 und 800 MHz-Bandes tragen nicht zur Planungssicherheit unter den
               Anbietern bei.

              Insgesamt deutet sich ein Paradigmenwechsel in der Regulierung weg von einer
               Vergabe und Lizenzierung der Frequenzen als knappes Gut hin zu einer Sicherstellung
               der Grundversorgung mit frei empfangbarem Fernsehen für alle Teile der Bevölkerung
               – insbesondere der sozial schwächeren und technikferneren Bevölkerungsteile, die
               besonders auf den kostengünstigen DTT-Empfang angewiesen sind – an.

              Schlüssige regulatorische Antworten auf ein mögliches Marktversagen von DTT gibt es
               in keiner der untersuchten Metropolen. Vielmehr ist die Frage, ob und wie Regulierung
               vor dem Hintergrund der technischen und ökonomischen Gegebenheiten wirkmächtig
               eingesetzt werden kann.

              Die Substituierung von DTT durch IPTV oder WebTV (OTT) zur Sicherstellung einer
               kostenfreien Grundversorgung mit frei empfangbarem Fernsehen in Metropolen wird
               mittelfristig kaum gesehen. Außerhalb von Ballungsräumen stellt sich die Situation
               aufgrund einer oftmals schlechteren Breitbandpenetration noch verschärft dar.

                                                                                               5
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1. Einführung
        Digitales Antennenfernsehen, DVB-T oder DTT (Digital Terrestrial Broadcasting), ersetzt
        weltweit nach und nach die analoge terrestrische Fernsehausstrahlung. Der Übergang ist
        dabei verschieden weit fortgeschritten. In einigen Ländern ist die Umstellung und die
        vorübergehende gleichzeitige Ausstrahlung von analogen und digitalen Programmen
        (Simulcast) bereits abgeschlossen, in anderen Ländern ist die Abschaltung der analogen
        Ausstrahlung (ASO – analogue switchoff) in den nächsten Jahren geplant.

        In Europa ist die Umstellung weitgehen abgeschlossen. In Deutschland erfolgte der ASO
        bereits 2008, in Frankreich 2011, in Großbritannien 2012. In den USA wurde die Mehrheit
        der analogen Sender 2011 eingestellt. In weiteren Ländern ist die terrestrische
        Analogabschaltung in den kommenden Jahren geplant, verzögert sich jedoch oftmals.

        Abb. 1: Zeitpunkt des abgeschlossenen Switchovers in verschiedenen Ländern (Ofcom 2012)

        Insgesamt ist die Umstellung von analogem Fernsehen zu DTT (Switchover) ein komplexer
        technischer und regulatorischer Vorgang. Die Einführung wird meist von umfangreichen
        Kampagnen begleitet, die von allen Stakeholdern getragen werden (Sendern,
        Infrastrukturbetreibern, Regulierungsbehörden etc.) und die neben der öffentlichen
        Information auch die Unterstützung von schwächeren Bevölkerungsgruppen bei der
        Umstellung durch Sachmittel oder Dienstleistungen beinhalten.

        Doch auch nach abgeschlossenem Switchover ist DTT in vielen Städten und Ländern nicht
        unbedingt eine Erfolgsgeschichte. Die Untersuchung ergab, dass der Erfolg von digital-
        terrestrischem Fernsehen vor allem von zwei Faktoren abhängig ist:

          1. den traditionellen und etablierten Verbreitungswegen (neben terrestrisch vor allem
             Kabel und Satellit);

                                                                                                  6
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2. dem Mehrwert, den DTT gegenüber diesen Verbreitungswegen bietet und den
                 Inhalten, die zu empfangen sind.

         In Deutschland gibt es im internationalen Vergleich eine große Zahl frei empfangbarer,
         qualitativ hochwertiger Fernseh-Angebote. Ein derzeit stattfindender Rückzug der privaten
         Programmanbieter aus der DVB-T-Verbreitung würde für die meisten Haushalte in Berlin
         einen Wechsel zu den Abonnementmodellen von Kabel und IPTV notwendig machen, um
         diese Sender weiter zu empfangen.1 Der Wegfall eines konkurrierenden
         Übertragungsweges könnte auch zu Preissteigerungen für die Verbraucher führen. Vor dem
         Hintergrund dieser Entwicklungen und sich verändernden Rahmenbedingungen von DVB-T
         in Deutschland erschien ein internationaler Vergleich geboten.

         Die Studie hat gezeigt, dass DTT in vielen Städten und Regionen weltweit vor Problemen
         steht. In der Konsequenz könnte dies zu einem Paradigmenwechsel der Medienregulierung
         von der Lizenzierung von Frequenzen als einem knappen Gut hin zur Sicherstellung der
         Grundversorgung von allen Bevölkerungsteilen als öffentliche Aufgabe führen.

         Die Entwicklung und Bedeutung von IPTV und WebTV (OTT) wird in dieser Studie nur am
         Rande betrachtet, da dies Gegenstand eigener Betrachtungen und Forschungsvorhaben
         wären.

1.1   Studie
         Im Folgenden wird die Situation der Free TV-Verbreitung in einigen Städten, die für diese
         Studie exemplarisch ausgewählt wurden, beschrieben. Grundlage für die Analyse sind
         verfügbare Studien und Literatur, Angaben von Regulierungsbehörden sowie qualitative
         persönliche, Telefon- und Email-Interviews, die als Hintergrundinformationen in die
         Ergebnisse eingeflossen sind. Die vorliegende Studie wurde im Zeitraum von April bis Juni
         2013 durch theinformationsociety.org für die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb)
         erstellt.

         Es wurde unter anderem untersucht, wie die wichtigsten privaten werbefinanzierten
         Fernsehprogramme üblicherweise in diesen Metropolen verbreitet werden und in welchem
         Verhältnis die verschiedenen Übertragungswege in diesen Ballungsräumen zueinander
         stehen sowie eine mögliche Grundverschlüsselung. Auch die Akzeptanz durch die Nutzer
         und die Position der Anbieter wurden im Rahmen der Möglichkeiten mit abgefragt. Aus den
         beobachteten Gegebenheiten und den Expertenbefragungen wurden allgemeine Trends
         und Entwicklungen deduziert.

         1
             DigiTAG (17.01.2013)
                                                                                               7
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Bei aller Sorgfalt in der Zusammenstellung kann diese Studie nur einen ersten Überblick
über Entwicklungen und Trends in den genannten Metropolen beschreiben – für eine
detaillierte diachrone oder synchrone Analyse wäre schon alleine aufgrund der Dynamik des
Untersuchungsgegenstandes eine erweiterte Studie mit einem längeren
Untersuchungszeitraum sowie vertiefende Interviews notwendig. Die vorliegende
Untersuchung stellt also eher den Beginn einer längerfristigen Forschung über die Situation
von DTT in Metropolen nach dem ASO dar als eine letztgültige Ergebnissammlung.

Zu den untersuchten Städten, die in Absprache mit dem Auftraggeber exemplarisch
ausgewählt wurden, gehörten Rio de Janeiro, New York City, London, Paris, Kiew, Moskau
und Singapur. Diese Städte weisen bewusst unterschiedliche Fernsehlandschaften und
Regulierungsmodelle auf, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten der DTT-Situation
weltweit zu betrachten. Darüber hinaus wurden exemplarisch noch weitere Städte und
Länder herangezogen, um Entwicklungen und Trends zu verdeutlichen. Aktuelle
Entwicklungen in weiteren Ländern wie Österreich oder Japan konnten in der vorliegenden
Studie nicht berücksichtigt werden; diese seien hiermit jedoch am Rande erwähnt.2

Abb. 2: DTT-Standards weltweit und untersuchte Metropolen (WikiCommons, eigene Bearbeitung)

2
    Mouyal (2013)
                                                                                              8
2.    Terrestrisches Fernsehen und Free-TV in Metropolen

2.1   Rio de Janeiro

             Land:                             Brasilien
                                    3
             Einwohner Brasilien:              192 Millionen (2011)

             Einwohner Rio de Janeiro:         6,3 Millionen (2010)

             Sprache:                          Portugiesisch

             Press Freedom Index 2013:         Platz 108 (von 179)

             Regulierungsbehörde:              Agência Nacional de Telecomunicações (Anatel)
                                               www.anatel.gov.br
                              4
             Fernsehempfang:                   46 % Satellit
                                               44 % Terrestrisch
                                               10 % Kabel

         Rio de Janeiro ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens und Hauptstadt des gleichnamigen
         Bundesstaates. Bis 1960 war Rio de Janeiro die Hauptstadt Brasiliens und trat danach diese
         Funktion an Brasília ab, bleibt aber nach São Paulo bedeutendstes Handels- und
         Finanzzentrum des Landes. Im administrativen Stadtgebiet leben rund 6,3 Millionen
         Menschen. Die Metropolregion hat 11,9 Millionen Einwohner.

         Fernsehen spielt im brasilianischen Alltag eine große Rolle. Der größte Free-TV-Sender des
         Landes, Globo TV, erreicht Marktanteile von bis zu 50 Prozent. Der Sender gehört zum
         Medienkonzern Organizações Globo, der seinen Hauptsitz in Rio hat und zu dem neben
         zahlreichen Zeitungen wie O Globo und anderen Publikationen auch Rede Globo, das
         drittgrößte Fernsehnetzwerk der Welt gehört. Auch unter den Pay-TV-Abonnenten spielt
         der Free-TV-Sender Globo TV eine große Rolle. Die traditionelle 21-Uhr-Telenovela auf
         Globo TV ist häufig Stadtgespräch. Rede Globo gilt als das größte TV-Netzwerk Südamerikas
         und versorgt alleine in Brasilien 80 Millionen Menschen. Die terrestrische Ausstrahlung. ist
         traditionell von großer Bedeutung in Brasilien, vor allem für sozial schwächere Haushalte.

         Derzeit werden in Brasilien noch analoge und digitale terrestrische Angebote ausgestrahlt
         (Simulcast). Die Abschaltung der analogen Ausstrahlung ist für einzelne Städte für Ende
         2015 geplant, landesweit wird die Abschaltung jedoch nicht vor 2018 stattfinden5.

         3
           Estimativas da populacao residente no Brasil 2011
         4 Ofcom (2012)
         5
           NexTVLatam (27.04.2013)
                                                                                                9
In der Region Rio de Janeiro gibt es sieben Free-TV-Sender, wobei TV Globo Spitzenreiter
ist. Das öffentlich-rechtliche TV Brasil erreicht einen Marktanteil von nicht mehr als 2
Prozent. Daneben gibt es mit NET (Kabel) und Sky (Satellit) zwei Pay-TV-Anbieter sowie
eine Reihe von kleineren Pay-TV-Anbietern (Oi, GVT, Claro TV, Telmex), die ihr Angebot
über Kabel oder Satellit verbreiten. Die Kabel- und Satellitenausstrahlung wurde bereits
weitgehend durch die Unternehmen digitalisiert. Vor allem in Favelas gibt es trotz der
Bemühungen seitens der Regierung illegale Kabelnetzbetreiber (Gatonet), die die
Infrastruktur betreiben und unlizenziert das Programm des Kabelanbieters NET gegen
Entgelt weiter verbreiten.

In Brasilien wird seit Juni 2006 – wie in weiten Teilen Südamerikas – eine modifizierte
Version des japanischen ISD-B-T Standards (H.264/MPEG-4 AVC) unter dem Namen ISDB-
Tb (bzw. SBTVD) genutzt. Als Betriebssystem kommt die brasilianische Entwicklung Ginga
zum Einsatz. ISDB-T wurde vor allem gewählt, da es sich gut für den mobilen Empfang
eignet. Set Top-Boxen für die brasilianische Version (SBTVD) dieses japanischen Standards
sind seit November 2007 im Handel. Die Akzeptanz von DVB-T unter der Bevölkerung ist
groß, die Migration verläuft jedoch langsamer als geplant.

Die digitale terrestrische Ausstrahlung begann offiziell am 2. Dezember 2007 in São Paulo.
Im September 2009 wurden unter anderem die Ballungsräume São Paulo, Rio de Janeiro,
Belo Horizonte und Brasilia mit DVB-T versorgt. 2013 soll das digitale Signal im gesamten
Land empfangbar sein, die Abschaltung des analogen Signales war für den 30. Juni 2016
geplant, verzögert sich jedoch offenbar bis 2018. Grund hierfür sind technische
Schwierigkeiten, unter anderem in Rio de Janeiro, Campinas und Belo Horizonte. Zudem
sind die Preise für Set Top-Boxen oder Fernseher mit DVB-T Receiver für Teile der
Bevölkerung offenbar zu hoch.6 Anders als in der Ukraine scheint auch die kommende
Fußballweltmeisterschaft keinen Entwicklungssprung bei der Verbreitung von DTT
ausgelöst zu haben.

Nach Medienberichten waren im August 2012 lediglich 16 Millionen der 160 Millionen
brasilianischen Fernsehgeräte für den DVB-T-Empfang geeignet. Einige
Rundfunkveranstalter forderten daher eine Verschiebung der Abschaltung des digitalen
Signals um mehrere Jahre.7

Die Regierung hat daraufhin im April 2013 zugesichert, dass es keine Abschaltung des
analogen Signales geben wird, solange nicht sichergestellt sei, dass die gesamte
Bevölkerung die Möglichkeit hat, DVB-T zu empfangen. Das brasilianische

6 dvb.org (2013) Brazil
7
  telecompaper.com (31.08.2013)
                                                                                           10
Kommunikationsministerium hat daher angekündigt, die Anschaffung von Set Top-Boxen
für die Empfänger staatlicher Sozialleistungen (BolsaFamiliar) zu subventionieren.8 Die
Mittel hierfür könnten aus dem Verkauf des 700 MHz-Bandes für die Mobilfunknutzung
genutzt werden, der für das erste Quartal 2014 geplant ist.

Wie überall nimmt auch in Rio de Janeiro das Internet einen zunehmend größeren
Stellenwert in der Versorgung der Bevölkerung mit Inhalten ein. Vor allem die jüngere
Generation legt Wert auf zeitunabhängige Ausstrahlung und Video-on-Demand. Dennoch
werden Satellitenempfang sowie digitales terrestrisches Free-TV nach Expertenmeinung
auch auf absehbare Zeit Spitzenreiter in der Mediennutzung in Rio de Janeiro bleiben. IPTV
spielt in Brasilien derzeit noch keine Rolle. Smart TV-Endgeräte sind nicht weit verbreitet.
Allerdings gibt es eine Reihe kleinerer Web-TV Angebote, beispielsweise Porta dos Fundos,
die jedoch eher episodenhafte Formate und kein Vollprogramm anbieten.

Die lokale Regierung betreibt in Rio de Janeiro einige öffentliche Hotspots an touristischen
Orten und in einigen ärmeren Stadtteilen. Die Zahl und Abdeckung seien jedoch nach
Expertenangaben im Vergleich zur Größe der Stadt in der Betrachtung zu vernachlässigen.

Perspektivisch wird DTT in Rio de Janeiro einen bedeutenden Stellenwert einnehmen und
zusammen mit der Satellitenverbreitung der wichtigste Empfangsweg bleiben. Momentan
verläuft die weitere Digitalisierung allerdings schleppend.

8
    NexTVLatam (11.05.2013)
                                                                                       11
2.2   New York City

          Land:                         Vereinigte Staaten von Amerika (USA)
                              9
          Einwohner USA:                316 Millionen (2012)

          Einwohner New York City:      8,2 Millionen (2011)
                                        Metropolregion: 18,9 Millionen (2010)

          Sprache:                      Englisch

          Press Freedom Index 2013:     Platz 32 (von 179)

          Regulierungsbehörde:          Federal Communications Commission (FCC)
                                        www.fcc.gov
                                  10
          Fernsehempfang:               51 % Kabel
                                        31 % Satellit
                                        11 % Terrestrisch
                                        7 % IPTV

         New York City liegt an der Ostküste der Vereinigten Staaten im Bundesstaat New York. Mit
         mehr als 8 Millionen Einwohnern ist sie die bevölkerungsreichste Stadt der USA. Das
         Stadtgebiet hat eine Landfläche von 785,6 km² (Berlin 891,85 km²), die gesamte
         Metropolregion, in die die Stadt nahtlos übergeht ist wesentlich größer. Die Stadt erstreckt
         sich über mehrere Inseln am Hudson River und entlang der New York Bight und besteht aus
         fünf Verwaltungsbezirken (Manhattan, Brooklyn, Queens, The Bronx und Staten Island) und
         grenzt an Jersey City. New York ist die Medienhauptstadt der USA und Sitz einer Vielzahl
         globaler Medienkonzerne wie Time Warner oder Viacom sowie großer Fernseh- und
         Radionetzwerke (ABC, CBS, FOX, NBC). Die USA sind der weltgrößte Fernsehmarkt.

         Die USA haben eines der liberalsten Mediensysteme weltweit, das vor allem durch
         kommerzielle, werbefinanzierte Medien gekennzeichnet ist. Die Freiheit der Medien wird
         im Ersten Verfassungszusatz der USA weitestgehend garantiert. Tageszeitungen und
         Printmedien befinden sich in den USA seit einigen Jahren in einer tiefen Krise. Neben der
         Finanzierung durch Abo-Verkäufe, Werbeeinnahmen und Mitgliedsbeiträge spielt in den
         USA zunehmend die Unterstützung von Medien durch gemeinnützige Stiftungen
         (beispielsweise durch die Knight Foundation oder die Sandler Foundation) eine Rolle.
         Gleichzeitig sind die USA nach wie vor von einer hohen Innovationskraft im Bereich Internet
         und digitale Medien geprägt.

         9 Population Clock
         10 Ofcom (2012)
                                                                                               12
Das System des Public Broadcasting Service (PBS) in den USA ist nur bedingt mit den
Modellen der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland oder der britischen BBC
vergleichbar und finanziert sich nicht durch Rundfunkgebühren. Zwar erhalten PBS und
NPR (National Public Radio) Unterstützung der Regierung, finanzieren sich jedoch
hauptsächlich durch Sponsoring und Spenden von Privatleuten und Stiftungen.

In den USA herrscht seit jeher eine hohe Verbreitung von Kabelempfang (51 %) vor, gefolgt
von Satellitenempfang (31 %). Nur 11 % der Haushalte empfangen ihr Fernsehsignal
terrestrisch.11 Der ASO für die meisten Fernsehsender erfolgte am 12. Juni 2009, für die
verbliebenen 2011. Im Zuge der Digitalisierung wurde der NTSC-Standard durch ATSC (also
einen anderen Standard als DVB-T) abgelöst. Eine Weiterentwicklung und Verbesserung
dieses Standards ist derzeit ausgeschrieben.12 Seit Februar 2013 gibt es jedoch in Baltimore
erste Versuchsprojekte zur Einführung von DVB-T2.13

In den USA gibt es zudem eine starke Lobby von Kabelnetzbetreibern, Mobilfunkanbietern
und anderen Akteuren, die DTT gegenüber zögerlich bis ablehnend eingestellt sind.
Kabelnetzbetreiber bewerben aggressiv die größere Sendervielfalt gegenüber DTT;
Mobilfunkanbieter setzen sich für eine Vergabe des 700 Mhz-Bandes für 3G- und 4G-Dienste
ein; Google fordert mit der Kampagne „Free the Airwaves“, die digitale Dividende für die
freie Nutzung – etwa für WiFi – freizugeben. Technische Probleme, Verzögerungen bei der
Vergabe von Coupons für sozial Schwächere für die Umstellung auf DTT sowie mangelnde
Vorbereitung der Nutzer führten zu einer wiederholten Verschiebung des ASO, unter
anderem durch den DTV Delay Act, der 2009 von Senat und Kongress verabschiedet
wurde.14

In New York City gibt es 16 frei und unverschlüsselt empfangbare kommerzielle und Public
Service Sender über DTT (siehe Annex). Der Empfang ist in Teilen der Stadt aufgrund der
Abschattung durch Gebäude und innerhalb von Gebäuden oftmals ungenügend. ATSC neigt
– bei einer theoretisch besseren Verbreitung in ländlichen Gegenden – in der Stadt offenbar
eher zu Interferenzen als DVB-T.

Jüngst hat DTT in New York City darüber hinaus Konkurrenz durch einen neuen Anbieter,
Aero, bekommen, der terrestrische Free-to-Air Programme im Internet streamed – gegen
den Widerstand der Rundfunkanbieter.15 Inwieweit sich dies als ein erfolgreiches
Geschäftsmodell erweist und gegen Klagen behaupten kann, wird sich zeigen. Die

11
   Ofcom (2012)
12
   DigiTAG (26.03.2013)
13
   DigiTAG (19.02.2013)
14 DTV Delay Act (2009)
15 Stelter (2013)
                                                                                      13
monatliche Gebühr in Höhe von USD 8, die Aero erhebt, gibt jedoch einen weiteren Hinweis
auf die geringe Attraktivität der kostenfreien DTT-Ausstrahlung in New York.

Neben der traditionell starken Verbreitung von Kabel- und Satellitenempfang mit einer
großen Vielzahl von Sendern stellen die seit Jahren stetig steigende Kabelgebühren
offenbar keinen Push-Faktor hin zu DTT dar. Höhere Kosten für den Kabelempfang werden
offenbar für eine größere Sendervielfalt und HD-Qualität von weiten Teilen der
Bevölkerung in Kauf genommen.

Zudem ist Expertenangaben zufolge DTT in großen Teilen der Bevölkerung weitgehend
unbekannt oder wird als veraltete Technologie wahrgenommen. Insgesamt fristet DTT in
den USA und vor allem New York eher ein Nischendasein.

                                                                                     14
2.3   London

         Land:                                     Großbritannien

         Einwohner                                 63,8 Millionen ( 2013)
                           16
         (Großbritannien):
                                                                             17
         Einwohner (London)                        8,1 Millionen (Stadt, 2011)
                                                                                         18
                                                   Metropolregion: 13,3 Millionen (2013)

         Sprachen:                                 Englisch

         Press Freedom Index 2013                  Platz 29 (von 179)

         Regulierungsbehörde:                      Office of Communications (Ofcom)
                                                   www.ofcom.org.uk
                              19
         Fernsehempfang:                           44% S
                                                   39% T
                                                   15% C
                                                   1% IPTV

        In der Hauptstadt des Vereinigten Königreiches leben mehr als 8 Millionen Menschen.
        London ist damit die bevölkerungsreichste Stadt der Europäischen Union und mit knapp
        14 Millionen Einwohnern – neben Moskau und Istanbul – die größte Metropolregion
        Europas. London ist eines der wichtigsten Kultur-, Finanz- und Handelszentren der Welt mit
        zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Theatern und Museen von Weltrang. Im Jahr 2012
        war London Austragungsort der olympischen Sommerspiele.

        Alle wichtigen Tages- und Wochenzeitungen Englands haben ihren Sitz in London. Die Fleet
        Street im Zentrum von London ist seit dem 18. Jahrhundert traditionell die Heimat der
        britischen Presse. Historisch gingen von London und England wichtige Impulse für die
        Entwicklung einer freien Presselandschaft aus. Mit Reuters hat eine der weltweit größten
        Nachrichtenagenturen ihren Sitz in der Hauptstadt. London ist Hauptsitz der 1922
        gegründeten öffentlich-rechtlichen BBC und weiterer großer Fernsehstationen wir ITV,
        Channel 4, Five und BSkyB.

        Die Transition zu digitalem terrestrischen Fernsehen (Switchover) wurde am 24. Oktober
        2012 abgeschlossen. In London und der umliegenden Region mit insgesamt beinahe
        12 Millionen Zuschauern erfolgte die Abschaltung des analogen Signales am 18. April 2012
        rechtzeitig vor den Olympischen Sommerspielen 2012.

        16 Statista
        17 Office for National Statistics (2012)
        18 Statista
        19
           Ofcom (2012)
                                                                                              15
In England wird das DVB-T-Angebot unverschlüsselt unter dem Label Freeview verbreitet.
Freeview bietet bis zu 50 Free TV-Kanäle, Digitalradio und interaktive Dienste, zudem HD-
Programme von BBC, ITV und Channel 4. Freeview+ ist die Bezeichnung für die Möglichkeit
mit Hilfe von Set Top-Boxen, Sendungen aufzunehmen und zeitversetzt zu sehen.

Das Unternehmen Freeview wurde im Oktober 2002 gegründet und übernimmt die zentrale
Verbreitung und Vermarktung des digitalen terrestrischen frei empfangbaren Fernsehens in
England. Daneben gibt es mit Top Up TV oder BT Vision terrestrische Pay TV-Anbieter mit
Kanälen wie Sky Sports oder ESPN. Technischer Dienstleister für das Betreiben des
Sendenetzes ist die Firma Arqiva. Die Einführung von DVB-T in England begann am 15.
November 1998. Insgesamt wurden sechs Multiplexe (1, 2, A, B, C und D) lizenziert. Jeder
Inhaber einer analogen terrestrischen Frequenz erhielt ein Anrecht auf die Hälfte der
Kapazität eines dieser Multiplexe: Multiplex 1 erhielt die BBC, ITV und Channel 4 teilten sich
Multiplex 2 und Channel 5 und S4C Multiplex A. Die Multiplexe B, C und D wurden in der
Folge versteigert. Nach einigen Marktkonsolidierungen, vor allem im Bereich terrestrischer
Pay TV-Angebote, gründete sich das Konsortium Freeview, das heute von BBC, BSkyB,
Channel 4, ITV und Arqiva getragen wird. Damit einher ging zum damaligen Zeitpunkt die
Maßgabe der Regulierungsbehörde Ofcom, dass alle DVB-T-Programme „free to air“ sein
müssen. Da sich nach Ansicht der Ofcom die Situation seit 2002 jedoch grundlegend
geändert hat, sind heute auch wieder Pay-TV-Angebote über DVB-T zulässig.

Für den Transitionsprozess haben die öffentlich-rechtliche BBC sowie die kommerziellen
Anbieter ITV, und Channel 4 sowie der Betreiber der Multiplexe im Jahr 2005 die
unabhängige Non-Profit Institution Digital UK gegründet. Mit dem Switchover Help Scheme
der BBC gab es für Teile der Bevölkerung, u.a. Personen über 75 Jahre oder Sehbehinderte,
Unterstützung bei der Anschaffung der Hardware sowie praktische Hilfe bei der Installation
und der Einrichtung der Technik zu Hause.

In England wird der DVB-T Standard genutzt. Ein Multiplex wurde in der Zwischenzeit auf
DVB-T2 (MPEG-4) und HD-Ausstrahlung (FreeviewHD) umgestellt, weitere könnten folgen.
Das FreeviewHD-Paket umfasst die fünf Sender BBC One HD, BBC Two HD, ITV HD und
Channel 4 HD.

Während die Freeview-Allianz in den letzten zehn Jahren seit 2002 einen beträchtlichen
Erfolg mit ihrem DVB-T-Angebot verbuchen konnte, mehren sich auch in London in
jüngerer Vergangenheit trotz des attraktiven DVB-T-Angebotes die Probleme. Der DVB-T
Pay TV-Anbieter Top Up TV wird unbestätigten Berichten zufolge den Sendebetrieb im
Sommer 2013 einstellen. Im Juli 2013 hat Top Up TV bereits ein Sportrechtepaket nicht
erneuern können, die weitere Zukunft des Senders ist unklar. Auch der sechste Sendeplatz
                                                                                        16
im HD-Multiplex konnte mangels Interesse seitens kommerzieller Anbieter nicht gefüllt
werden und wir zurzeit von BBC Red Button genutzt.

Nach einem anfänglichen Scheitern als Pay TV-Modell führte der Zusammenschluss aller
Stakeholder unter dem Dach Freeview zu einem Erfolg von DVB-T in England zu einem
erfolgreichen Start. Die Marken Freeview+ und FreeviewHD sowie ein vielfältiges
Programmangebot zusammen mit sukzessive eingeführten Zusatzdiensten (HD, PVR etc.)
machten DVB-T zu einem attraktiven Produkt.

Zunehmend sorgen jedoch auch in London nach Expertenangaben die Konkurrenz anderer
Verbreitungswege sowie die Werbe- und Wirtschaftskrise zu einem sinkenden Interesse der
Programmanbieter an DVB-T als primärer Empfangsplattform und die weitere Entwicklung
des Programmangebotes in London bleibt abzuwarten.

                                                                                  17
2.4   Paris

          Land:                        Frankreich
                                                            20
          Einwohner (Frankreich)       63,7 Millionen (2013)
                                                            21
          Einwohner (Paris)            2,2 Millionen (2010)
                                                                           22
                                       Ballungsraum: 10,6 Millionen (2013)

          Sprachen:                    Französisch

          Press Freedom Index 2013     Platz 37 (von 179)

          Regulierungsbehörde:         Conseil supérieur de l'audiovisuel (CSA)
                                       www.csa.fr

                                       Autorité de régulation des communications électroniques et des
                                       postes (ARCEP)
                                       www.arcep.fr
                              23
          Fernsehempfang               30% T
                                       28% IPTV
                                       24% S
                                       11% C

         Paris ist die Hauptstadt und mit über zwei Millionen Einwohnern die größte Stadt sowie
         kulturelles, wirtschaftliches und politisches Zentrum des zentralisiert organisierten
         Frankreich. Mit drei Flughäfen sowie sechs Fernbahnhöfen ist Paris der größte
         Verkehrsknotenpunkt des Landes. Paris ist Sitz zahlreicher internationaler Organisationen,
         unter Ihnen UNESCO, OECD oder der internationalen Handelskammer ICC sowie der NGO
         Reporter ohne Grenzen (Reporters sans frontières).

         In der gesamten Metropolregion leben über 12 Millionen Menschen. Die Seine teilt die Stadt
         in einen nördlichen Teil (Rive Droite) und einen südlichen Teil (Rive Gauche). Administrativ
         ist Paris in 20 Stadtbezirke (Arrondissements) unterteilt. Die Vororte (Banlieus), die in den
         vergangen Jahren unter anderem durch soziale Spannungen in die Schlagzeilen gerieten,
         gehören verwaltungsrechtlich nicht zu Paris, sondern zu den umliegenden Départements.

         DVB-T wird im Französischen als „télévision numérique terrestre“ oder TNT bezeichnet. Die
         Einführung begann nach einer kurzen Testphase am 31.05.2005. Die Abschaltung des
         analogen Signales begann in Frankreich im Jahr 2009 und wurde am 30. November 2011
         abgeschlossen. DVB-T erreicht damit 97,3 % der Bevölkerung.24 In Paris fand die

         20 Statista
         21 Statista
         22 Statista
         23 Ofcom (2012)
         24
            L’Express (29.11.2011)
                                                                                                        18
Umstellung am 8. März 2011 statt. Der Switchover-Prozess wurde vom Interessenverband
France Télé Numérique begleitet, der je zur Hälfte durch den Staat und die Fernsehsender
finanziert wurde und technische Unterstützung in den Haushalten sowie per Telefon bot.

Der Pay TV-Anbieter Canal+ hat sein analoges Signal bereits im November 2010
abgeschaltet. Von den ehemalig analog-terrestrischen Abonnenten des Senders haben sich
74% für DVB-T entschieden, 15% für Satellitenempfang, 7% für IPTV und 4% für Kabel.
Insgesamt hatte Canal+ im Jahr 2010 eine Million DVB-T Zahlkunden.25

Es wurden bis heute acht Multiplexe (R1-R8) eingerichtet: fünf strahlen Free TV-Sender in
SD aus (R1, R2, R4, R6, R8), zwei sind für die Ausstrahlung von nunmehr 11 HD-Sendern
vorgesehen (R5, R7) und einer wird vom Pay TV-Anbieter Canal+ (R3) genutzt. Die SD-
Programme werden im MPEG 2-Standard ausgestrahlt, die HD-Programme als MPEG-4.
Seit Dezember 2012 müssen alle verkauften Endgeräte MPEG-4 empfangen können.

Im Oktober 2008 begann die Ausstrahlung von fünf HD-Programmen (TF1 HD, France 2 HD,
Arte HD, M6 HD und Canal+ HD).26 Im Dezember 2012 sind mit Inbetriebnahme des achten
Multiplexes sechs weitere HD-Kanäle (D1, L’Equipe 21, 6ter, Numéro 23, RMC Découverte und
Chérie 25) hinzu gekommen.27 2012 haben Veranstalter darüber hinaus begonnen, Catch up-
und On demand-Dienste über das Internet im HbbTV-Standard anzubieten.28

Momentan bietet DVB-T 19 Free TV-Sender und 8 Pay TV-Dienste mit einer Abdeckung von
97,3 Prozent der Bevölkerung. 61 Prozent der französischen Haushalte nutzen DVB-T für ihr
primäres Fernsehgerät.29

In Paris sind über DVB-T 18 nationale und 4 regionale Free TV-Programme zu empfangen,
davon zunächst vier Programme in HD (TF1, F2, M6 und Arte) sowie die Pay TV-Kanäle
Canal+, Canal+ Sport, Canal+ Cinéma.30 Die 18 kostenlosen TNT-Sender sind gleichzeitig
über Satellit in den Paketen TNTSAT und FRANSAT zu empfangen, wofür jeweils eine
eigene CI-Smartcard notwendig ist. Die DTT-Ausstrahlung der Free TV-Programme erfolgt
unverschlüsselt.

Zum Erfolg von DVB-T in Frankreich haben neben dem attraktiven Angebot über DVB-T
auch die geringe Penetration von Kabelnetzen sowie ein Verbot des Anbringens von
Parabolantennen an Gebäuden in Ballungsgebieten („Schüsselverbot“) geführt. Darüber

25
   Broadband TV News (23.11.2010)
26
   Mouyal (2012)
27
   Tele Satellite Numerique (2013)
28
   Mouyal (2012)
29
   Mouyal (2012)
30
   Le Figaro (06.03.2011)
                                                                                    19
hinaus ist im Vergleich zu DVB-T die Zahl der empfangbaren Sender über das frei
empfangbare Kabel nicht entscheidend höher.

Nichtsdestotrotz gibt es auch in Frankreich wirtschaftliche Probleme unter den Anbietern
von DVB-T, vor allem im Pay-Bereich. Von den ursprünglich gestarteten Pay TV-Anbietern
haben bereits vier Anbieter (Canal J, AB1, CFoot und TPS Star) ihre DVB-T-Lizenz
zurückgegeben und zwei weitere (LCI und Paris Première) beantragt, ihre Pay TV-Lizenz in
eine Free TV-Lizenz zu ändern, was jedoch vom CSA abschlägig beschieden wurde. DVB-T
Pay TV-Dienste werden momentan von Canal+ und TV Numéric angeboten. Während
Canal+ mit geschätzten 1 Million Abonnenten erfolgreich ist, überlegt TV Numéric offenbar
den Ausstieg aus dem linearen Sendeangebot hin zu einem On-demand-Angebot.31

Am 18. September 2012 hat Canal+ die Genehmigung der Regulierungsbehörden für die
Übernahme der Free TV-Programme Direct 8 und Direct Star erhalten, wobei der Einstieg
von Canal+ in den Free TV-Sektor von vielen Free TV-Anbietern mit Sorge beobachtet wird.
Um diesen Bedenken Rechnung zu tragen, hat der CSA einige Bedingungen an die
Übernahme geknüpft. Unter anderem muss Canal+ eine klare Trennung zwischen seinem
Pay- und Free TV-Angebot wahren, ist begrenzt in der Verwertung von Eigenproduktionen
und Sportrechten im Free TV und ist verpflichtet in französische Produktionen zu
investieren.32

Darüber hinaus geht in Frankreich, das zusammen mit China (Hongkong) als
Weltmarktführer in IPTV gilt, eine starke Konkurrenz für DVB-T von IPTV-Anbietern aus, die
Kooperationen mit den Satellitenanbietern eingehen und von der Bekanntheit und Qualität
der Satellitenbouquets profitieren konnten.

Abb. 3: IPTV-Wachstum in Ländern mit min. 4 Prozentpunkten Steigerung 2010-2011 (Ofcom 2012)

31 Mouyal (2012)
32 Mouyal (2012)
                                                                                               20
Frankreich ist mit einer Penetration von 27 % IPTV-Empfang weltweit führend in der IPTV-
Verbreitung mit einem starken Wachstum in den letzten Jahren. Die meisten Internet
Service Provider in Frankreich bieten ein IPTV-Angebot. Die IPTV-Nutzung in Frankreich ist
in den vergangenen Jahren stark gestiegen (siehe Abbildung) und liegt nunmehr an zweiter
Stelle hinter dem terrestrischen Empfang.

    30%

    25%

    20%

    15%

    10%

     5%

     0%
               Terrestrisch              IPTV                 Satellit              Kabel

Abb. 4: Verteilung der verschiedenen Plattformen des Fernsehempfanges in Frankreich 2011
(Quelle: Ofcom 2012, eigene Bearbeitung)

Die Gründe für den Erfolg von IPTV in Paris sind zum einen dieselben wie für den Erfolg von
DVB-T (niedrige S- und C-Penetration), zum anderen die gute Erschließung mit
Breitbandanschlüssen in der Stadt und der Wettbewerb unter den ISPs, von denen viele
Triple Play-Pakete anbieten. Im Vergleich zu DVB-T bietet IPTV jedoch noch einmal eine
größere Vielfalt an Sendern in hoher Qualität bei vertretbaren Kosten. Während im direkten
Vergleich des analogen und digitalen terrestrischen Angebotes letzteres deutlich attraktiver
war und vor dem Hintergrund des in jedem Fall stattfindenden terrestrischen ASO in
Kombination mit der geringen Verbreitung von Kabelanschlüssen und den restriktiven
Bestimmungen zur Montage von Satellitenschüsseln im Ballungsraum Paris erklärt sich der
Erfolg von DTT in Paris.

Nach dem ASO und bei einer wachsenden Breitbandpenetration und Konnektivität bei einer
gleichzeitig unveränderten Situation bei den Plattformen Kabel und Satellit erscheint
nunmehr offenbar vielen Nutzern IPTV mit einer höheren Zahl an (HD-) Kanälen und
weiteren Zusatzdiensten (PVRs, On-demand-Dienste etc.) als die attraktivere Plattform im

                                                                                            21
Vergleich zu DTT. Etwaige höhere Kosten für den IPTV-Empfang im Vergleich zu DVB-T
scheinen – ähnlich wie für den Kabelanschluss in den USA – kein Hindernis für eine Abkehr
von DVB-T zu sein.

„TNT“ ist in Paris aus den geschilderten Gründen eine Erfolgsgeschichte, die sich durch
technische Weiterentwicklungen und eine ständige Erweiterung des Programmbouquets
auszeichnet. In jüngster Zeit erfährt DVB-T jedoch eine starke Konkurrenz durch IPTV, das
in Paris eine weltweite Spitzenstellung in der Nutzung einnimmt. Dabei geht das IPTV-
Wachstum im Ballungsraum Paris vor allem zu Lasten der DVB-T-Nutzung.

                                                                                    22
2.5   Kiew

         Land:                       Ukraine
                                                             33
         Einwohner (Ukraine):        45,6 Millionen (2011)
                                                            34
         Einwohner (Kiew):           2,8 Millionen (2012)

         Sprachen:                   Ukrainisch, Russisch

         Press Freedom Index 2013:   Platz 126 (von 179)

         Regulierungsbehörde:        Nationaler Rat für Fernseh- und Radiosendungen (NRADA)
                                     www.nrada.gov.ua

         Fernsehempfang:             69 % Terrestrisch
                                     26 % Kabel
                                     14 % Satellit

        Die Ukraine hat knapp 46 Millionen Einwohner, von denen rund 2,8 Millionen in der
        Hauptstadt Kiew leben. Die Agglomeration um Kiew umfasst etwas über 4 Millionen
        Einwohner. Kiew (ukrainisch Київ ) gilt als wichtiger Bildungs- und Industriestandort und
        bildet darüber hinaus den wichtigsten Verkehrsknotenpunkt des Landes. Die Stadt liegt am
        bis hierhin für kleinere Seeschiffe befahrbaren Fluss Dnepr. Aufgrund ihrer historischen
        Bedeutung als Mittelpunkt der Kiewer Rus trägt die Stadt oft den Beinamen Mutter aller
        russischen Städte. Wegen der vielen Kirchen und Klöster und seiner Bedeutung für die
        orthodoxe Christenheit wird Kiew seit dem Mittelalter außerdem als Jerusalem des Ostens
        bezeichnet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt Kiew die Auszeichnung einer
        „Heldenstadt“.

        Landessprachen sind Ukrainisch und – vor allem in den östlichen Landesteilen – Russisch.
        Seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 und der orangenen Revolution 2004 ist das Land von
        Transitionsprozessen und innenpolitischen Spannungen geprägt. Die Situation der Medien
        im Land ist angespannt, wiederholt werden Vorwürfe wegen einer mangelnden
        Unabhängigkeit der Medien sowie Gängelung und Behinderung durch Justiz und
        Staatsapparat geäußert.35

        In der Ukraine sind 94,6 % (rund 17,8 Millionen) aller Haushalte Fernsehhaushalte.
        Traditionell ist der analoge terrestrische Empfang die Hauptplattform in der Ukraine. Durch
        die wachsende Konkurrenz durch Satellit und Kabel ist der Anteil jedoch stetig gesunken,
        von noch 75 % im Jahr 2007 auf 63 % im ersten Halbjahr 2009. Alle terrestrischen Angebote

        33 Statista
        34 Statista
        35
           Kosmehl/Oliinyk (2012)
                                                                                              23
sind Free-to-Air.36 Die Ausstrahlung erfolgt zurzeit unverschlüsselt, dem Plattformbetreiber
steht es jedoch frei, eine Verschlüsselung einzuführen.37

An Kabelnetze sind rund 30 % der Fernsehhaushalte angeschlossen, allerdings nehmen
nicht alle den kostenpflichtigen Kabelanschluss in Anspruch. Eine Satellitenschüssel haben
rund 14 % der Fernsehhaushalte (2007 noch 8%); lediglich 4 % nutzen S-Pay-TV.Der
terrestrische Anteil liegt je nach Schätzung bei 63 bis 69 % (analog und digital).38 Die
meisten Haushalte, die terrestrisches Fernsehen nutzen, befinden sich in den Dörfern und
kleinen Städten. Der Markt für Pay-TV ist bisher aus wirtschaftlichen Gründen
überschaubar: Bisher gibt es einen einzigen Anbieter für digitale Pay-TV-Dienste (Volja-
Kabel). Doch auch manche Kabelnetzbetreiber können generell als Anbieter von Pay-TV-
Diensten betrachtet werden: diese liefern ein Grundpaket an Programmen kostenlos, für
das Zusatzpaket muss man bezahlen.39 In der ersten Hälfte des Jahres 2010 hat das Niveau
der Digitalisierung des TV in der Ukraine 20% erreicht. Diese Zahl berücksichtigt alle
möglichen digitalen Plattformen, also Satelliten-, Kabel-und terrestrischen TV-Empfang.

Insgesamt gab es 2011 in der Ukraine nach Angabe der Regulierungsbehörde NRADA 1704
Rundfunkanbieter (Hörfunk und Fernsehen), davon 1225 private, 374 kommunale und 37
staatliche. Die hohe Zahl von kommunalen regionalen und lokalen Fernsehsendern stellte
sich als Problem für die mit der DVB-T-Umstellung verbundene Einführung von
landesweiten Single Frequency Networks (SFN) heraus.

Abb. 5: Dominanz privater Sender/Provider und Ausbau des digitalen Fernsehens in der Ukraine
(Quelle: NRADA)

36
    Omelianiuk(2009)
37 DigiTAG (17.10.2011)
38
   IP Television (2003); Omelianiuk (2009)
39
   CIT Publications Limited (Hrsg.): Country Profile: Ukraine, in: The Media Map Data file 2001, May 2000, S. UKR_A1-G1
                                                                                                                 24
Auf der analogen terrestrischen Plattform wurden 2009 13 nationale, 34 regionale und
647 lokale Fernsehsender verbreitet.40 Die bedeutendsten Sender sind die staatlichen
Sender UT-1 und HolosUkrainy sowie die kommerziellen Sender 1+1, Inter, ICTV, STV und
Novij Kanal. Nennenswerte Pay TV-Kanäle sind Eurokino, Kino+, Disney, NTV-MIR, KiKo,
Kultura, Malyatko TV, Menu TV, Novyny und OK. Es gibt in der Ukraine keinen öffentlich-
rechtlichen Rundfunk.

Der DSO-Prozess ist in der Ukraine noch nicht abgeschlossen. Ein erstes DVB-T-Pilotprojekt
mit einem Multiplex wurde 2002 in Kiew durchgeführt, ein Pilotprojekt mit 4 Multiplexen
(DVB-T MPEG-4 AVC) folgte 2006.

Das staatliche Programm zur Umstellung auf DVB-T begann 2009, jedoch mit
Verzögerungen. Der ASO ist für 2014-2015 geplant. Nachdem die DTT-Einführung zunächst
im DVB-T-Standard begann, erfolgt seit 2012 die weitere Umstellung unmittelbar auf den
DVB-T2-Standard. Dieser Entscheidung zu Gute kam die geringe bisherige DVB-T-
Penetration. Aufgrund des extrem geringen Anteils der DVB-T-Haushalte, seien die
ukrainischen TV-Sender zudem lange Zeit nicht an der Zusammenarbeit mit dem Betreiber
der DVB-T-Plattformbetreiber interessiert gewesen, so ein Ergebnis der
Experteninterviews.

Grundlage für den Umstellungsprozess ist das „Staatliche Programm zur Einführung
digitalen Fernsehens und Hörfunks“, das per Verordnung Nr. 1085 des Ministerkabinetts
vom 26. November 2008 genehmigt wurde. Bereits einen Monat nach der Verabschiedung
des Staatlichen Programms durch das Kabinett wurde es per Erlass des Präsidenten der
Ukraine vorläufig außer Kraft gesetzt. Das ukrainische Verfassungsgericht entschied jedoch
am 3. März 2009, das Staatliche Programm verstoße nicht gegen die Verfassung und
machte damit den Weg für die Einführung von DVB-T frei. Das Programm sieht
insbesondere vor, „in Übereinstimmung mit dem Regionalplan im Hinblick auf
Digitalfernsehvereinbarungen (GE06) 81 Teilgebiete für Digitalrundfunk einzurichten, die
den MPEG-4-Standard nutzen, wodurch die Übertragung von bis zu zehn Fernsehkanälen in
einem einzigen Frequenzband möglich wird.“ Ziel des Programmes ist unter anderem die
Verfügbarkeit von ebenso vielen Fernseh- und Hörfunkprogrammen wie in den Ländern
Westeuropas, eine höhere Attraktivität des Rundfunksektors für Investoren, sowie bessere
Wettbewerbsbedingungen im Telekommunikationsbereich.41

40
     Omelianiuk (2009)
41
     Omelianiuk (2009)
                                                                                   25
Lizenzen für die DVB-T-Ausstrahlung werden auf Grundlage von Artikel 23 des ukrainischen
Rundfunkgesetzes kompetitiv vergeben. Dabei sollen vorrangig regionale Anbieter sowie
Anbieter mit einer Analog-Lizenz, die mindestens 50 Prozent der Bevölkerung erreichen
und rund um die Uhr senden, bevorzugt berücksichtigt werden.

Am 8. Dezember 2010 lizenzierte die ukrainische Medienregulierungsbehörde NRADA
(National Council on Television and Radio Broadcasting) Zeonbud als Plattformbetreiber
der vier nationalen Multiplexe (MX-1, 2, 3 und 5). Damit wurde eine frühere Entscheidung
revidiert, nach der ursprünglich auch verschlüsselte DVB-T-Angebote möglich gewesen
wären. Umstrittene, widersprüchliche und intransparente Lizenzierungs-Entscheidungen
sowie die geplante Einführung eines öffentlich-rechtlichen Senders tragen zur Rechts- und
Planungsunsicherheit bei der DVB-T-Einführung bei.42

Über einen Kabelanschluss sind heute nach Expertenangaben bis 450 Sender empfangbar,
über Satellit 500-600 und über DVB-T 32 Free TV-Sender. Bei den Marktanteilen liegt
derzeit Inter an erster Stelle gefolgt von 1+1.

In Kiew haben 90,9 Prozent der Haushalte einen digitalen Kabelanschluss, Satelliten- und
vor allem terrestrisches Fernsehen werden kaum genutzt.43 In Kiew gibt es derzeit vier DVB-
T2 Multiplexe mit jeweils acht unverschlüsselt empfangbaren Free-TV-Sendern in DVB-T2
(siehe Anhang).

Die Nachfrage nach digitalem terrestrischen TV in der Ukraine war noch im Jahr 2010 sehr
gering, auch im Vergleich zu Kabel- und Satelliten-Empfang. Laut Expertenbefragung ist die
Digitalisierung zudem bisher nur in einigen Regionen abgeschlossen, darunter Odessa, Kiew
und einige andere größere Städte mit insgesamt drei Millionen Einwohnern. Trotz
wachsender Umsätze mit DVT-T tauglichen Fernsehern, betrug der Anteil der Haushalte
mit digitalem terrestrischem Fernsehen 2009 noch unter 1 %.44 Die wesentlichen Gründe für
die schwache Nachfrage lagen danach

         am Mangel an Informationen und Marketing-Aktivitäten, um das Interesse des
          Publikums an DVB-T zu wecken;
         der geringen Vielfalt von DVB-T im Vergleich zu konkurrierenden Plattformen
          (C und S) und
         dem nur langsam voranschreitenden Switchover-Prozess hin zu DVB-T.

42
   Rozkladaj(2011)
43
   Bericht GfK Ukraine. Es wurden die Haupt-TV im Haushalt betrachtet. Auch die Studie von Expert & Consulting ist auf
gleiche Ergebnisse gekommen.
44
   Omelianiuk (2009)
                                                                                                             26
Allerdings habe sich dies in den letzten Jahren durch die Umstellung auf DVB-T2 geändert
und das Interesse der Sender an DTT sei deutlich gestiegen.45 Zudem hat die Austragung
der Fußball-Europameisterschaft 2012 zu einem forcierten Ausbau der Sendekapazitäten
geführt, sodass nach Angaben der NRADA Anfang 2012 bereits 95 % der ukrainischen
Bevölkerung mit DVB-T2 versorgt waren. Zudem erhielten 2012 800.000 Haushalte
subventionierte Set Top-Boxen (STB), 700.000 weitere Haushalte sollten 2013 folgen.46

Im GfK Digitalisierungs-Report für die Ukraine gaben drei Experten ihre Prognosen für die
TV-Vertriebsplattformen in der Ukraine für das Jahr 2015 ab. Die Experten sind sich einig,
dass die Anteile der Satellit-TV und Pay-Kabel TV in der Ukraine wachsen werden. Ihren
Schätzungen zufolge wird sich der Anteil des Satelliten-Empfangs innerhalb von fünf Jahren
von 20% auf 30% erhöhen, der Kabel-Empfang von 30% auf 55%. Für die DVB-T-Nutzung
gehen die Expertenschätzung weit auseinander. Ein Wettbewerbsvorteil von DVB-T
gegenüber DVB-T wird in der Kostenfreiheit gesehen.47

Seit 2012 werden IPTV-Lizenzen durch die Nationale Kommission für staatliche Regulierung
im Bereich Kommunikation und Informationswesen (NKRZI) ausgegeben, bisher gibt es
jedoch keine Zahlen zur Nutzung der Angebote, aber das Interesse an IPTV unter der
ukrainischen Kundschaft wächst. Führende Kommunikationsbetreiber (Ukrtelecom und
Kyivstar) bemühen sich um Lizenzprogramme von Inhalteanbietern, um IPTV-Dienste
anzubieten.48

Auch perspektivisch wird DVB-T in Kiew keine große Rolle spielen, nicht zuletzt durch die
hohe Kabel- und Satellitenpenetration im Ballungsraum (im Gegensatz zu ländlichen
Räumen). Trotz eines starken Wachstums in jüngster Zeit behindern eine geringe
Marktdurchdringung mit geeigneten Empfangsgeräten sowie widersprüchliche und
offenbar politisch beeinflusste Regulierungsentscheidungen das schnelle Wachstum von
DVB-T.

45
   GfK Ukraine
46
   Digital TV Europe (2012)
47
   GfK Ukraine
48
   GfK Ukraine
                                                                                     27
2.6   Moskau

         Land:                        Russische Föderation (GUS)
                                                         49
         Einwohner:(Russland):        141,9 Mio. (2012)
                                                      50
         Einwohner (Moskau):          11,6 Mio. (2012)

         Sprachen:                    Russisch

         Press Freedom Index 2013     Platz 148 (von 179)

         Regulierungsbehörde:         Roskomnadsor (Staatsbehörde für Telekommunikation und
                                      Informationstechnologie)
                                      www.rsoc.ru

         Fernsehempfang in Moskau:    10-30 %Terrestrisch
                                      70-90 % Kabel
                                      5-25 % Satellit

        Die Russische Föderation hat 142 Millionen Einwohner, von denen knapp 12 Millionen in der
        Hauptstadt Moskau (russisch         в ) wohnen. Der Ballungsraum gehört mit über 15
        Millionen Einwohnern zu den größten Metropolregionen Europas. Moskau ist das politische,
        wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Der Kreml und der Rote Platz im
        Zentrum Moskaus sind seit 1990 UNESCO-Weltkulturerbe. Mit acht Fernbahnhöfen, drei
        internationalen Flughäfen sowie drei Binnenhäfen ist die Stadt wichtigster Verkehrsknoten
        Russlands. Die regionalen Unterschiede innerhalb der Russischen Föderation sowie
        zwischen städtischen und ländlichen Räumen sind groß.

        Die beiden staatlichen landesweit ausgestrahlten Fernsehsender Perwy kanal (Erstes
        Programm) und Rossija haben genau wie der Gazprom-Sender NTW ihren Hauptsitz in
        Moskau. Unter den Printmedien gilt Iswestija als anerkannte Informationsquelle. Die
        Nowaja Gaseta ist für einen regierungskritischen und investigativen Journalismus bekannt.

        Seit der Perestroika Mitte der 1980er Jahre und der einsetzenden Privatisierung der Medien
        Anfang der 1991 gibt es eine große Anzahl an elektronischen Medien und Printmedien in
        Russland. Gemäß der russischen Verfassung, Kapitel 2, Artikel 29 ist die Freiheit der
        Meinung und des Wortes garantiert, so auch die Medienfreiheit. Dennoch unterliegt die
        Pressefreiheit in Russland verschiedenen Berichten zufolge zahlreichen Einschränkungen
        mit einem hohen Grad an staatlicher Kontrolle über die Medien. Zudem besteht eine hohe
        Medienkonzentration in der Hand der Gazprom-Media, einer Tochterfirma des sich
        mehrheitlich in Staatsbesitz befindenden Konzerns Gazprom. Vor allem das Fernsehen steht

        49 Statista
        50 Statista
                                                                                                28
heute weitgehend unter staatlicher Kontrolle. Es gibt beispielsweise keinen landesweit
ausstrahlenden Sender, der staatsunabhängig ist und regierungskritisch berichtet.

Die Aufsichtsbehörde für Massenmedien, Kommunikation und den Schutz des kulturellen
Erbes (Roskomnadsor) ist dem Ministerpräsidenten unterstellt, vergibt Lizenzen und
kontrolliert alle Medien und Kommunikationsmittel, darunter auch das Internet und die
Telekommunikation mitsamt ihrem Inhalt. Laut der Behörde sind im Jahr 2011 in Russland
66.032 Medien gelistet. Darunter finden sich 5.254 TV-Sender, 3.769 Radiosender, 28.449
Zeitungen und 21.572 Zeitschriften.51

Aufgrund seiner geographischen Situation mit 11 Zeitzonen und einer Bevölkerungsstruktur
mit großen Gegenden mit geringer Bevölkerungszahl hat Russland ein elaboriertes
Fernsehsystem, besonders im Bereich des regionalen Rundfunks.52

Nach Angaben des russischen Meinungsforschungsinstituts WZIOM betrachten 95 Prozent
der befragten Russen das Fernsehen als Informationsquelle Nummer Eins, nur fünf Prozent
bevorzugen Zeitungen. Das unabhängige Lewada-Zentrum in Moskau fand heraus, dass
etwa 30 Prozent der russischen Bevölkerung das Internet nutzen.53

Während auf dem Lande außerhalb der städtischen Ballungsgebiete terrestrisches
Fernsehen von großer Bedeutung ist (ca. 30% Kabelempfang und 70% terrestrischer
Empfang) ist es in der Hauptstadt umgekehrt: In Moskau nutzt die Mehrheit (nach
Expertenangaben zwischen 70-90%) der Haushalte Kabel über die privaten
Kabelnetzbetreiber NCC, MTS, Acad oder Beeline oder Satellitenempfang (Tricolor TV, NTV-
Plus). Viele dieser Anbieter senden bereits digital.54

Die TV-Landschaft der russischen Hauptstadt ist sehr vielfältig: insgesamt sind rund 20 Free
TV-Sender und bis zu 200 weitere in- und ausländische Programme verfügbar, terrestrisch,
per Kabel oder Satellit. Der Fernsehsender Perwyj Kanal (Erster Kanal), mehrheitlich in
staatlicher Hand, erreicht laut mediaatlas.ru die größte Reichweite, gefolgt von Rossija und
NTW (Inhaber: Gazprom).55

Laut dem Plan der Regierung zur Entwicklung des Rundfunks in Russland von 2009 wird die
Umstellung des Antennenfernsehens von Analog- auf Digitaltechnik (nach DVB-T Standard)
im Jahr 2015 komplett beendet sein. Der erste DVB-T-Betrieb wurde 2011 in der Region
Volgograd begonnen.56 Es gibt keine staatliche Unterstützung für den Kauf von DVB-T-

51
   Bundeszentrale für Politische Bildung (2011)
52
   European Audiovisual Observatory (2011)
53
   Bundeszentrale für Politische Bildung (2011)
54
   European Audiovisual Observatory (2008)
55
   Bundeszentrale für Politische Bildung (2011)
56
   telecompaper (2011)
                                                                                     29
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