Venedigreise zum Kongress 2019 - wagner.forum.graz

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Venedigreise zum Kongress 2019 - wagner.forum.graz
Venedigreise zum R W V I - Kongress 2019
Mitte November und Acqua Alta in          Vorsitzenden durch den Besuch und          Wir BegleiterInnen des Präsidenten
Venedig – die Nachrichten über das        vor allem die lange Dauer der Dele-        konnten uns demgegenüber dem
Hochwasser machten uns Teilneh-           giertenversammlung verborgen. War          Rahmenprogramm des Kongresses
merInnen an der Venedigreise nervös.      diese schon auf nahezu vier Stunden        widmen. Am ersten Abend gab es ein
Der RWVI-Kongress wird doch nicht         anberaumt, rächte sich der Versuch,        Konzert mit jungen SängerInnen, alles
abgesagt werden? Doch das Wasser          vorerst fast alle Tagesordnungspunkte      StipendiatInnen der lokalen Wagner-
ging langsam zurück und wir stiegen       abzuhalten, dann umfassende Wahlen         gesellschaft, im Teatro La Fenice:
zuversichtlich in den Flixbus, der uns    zu veranstalten und nach langwieri-        Ausschnitte aus „Tristan und Isolde“
über Marburg, Laibach und Triest in die   gem Auszählen noch weitere Tages-          und anderes mehr.
Lagunenstadt brachte. Letzte Zweifel      ordnungspunkte erledigen zu wollen.
am Gelingen der Reise wurden mit          Mit Vierdreiviertelstunden Dauer erin-     Am nächsten Vormittag stand die
einer Runde Prosecco zerstreut. Der       nerte die Delegiertenversammlung           Führung „Auf den Spuren Richard
Pegelstand in Venedig war tatsäch-        letztlich an ein durchaus langatmiges      Wagners“ am Programm. Wir fanden
lich schon so weit zurückgegangen,        Dirigat des „Parsifal“, wie es zwischen-   das Lieblingsbankerl Wagners, Hotels
dass nur noch der Markusplatz bei Flut    durch in den 80er Jahren – sohin in        und Paläste, in denen er Quartier
etwa 10 cm unter Wasser stand, auch       Abkehr zu Pierre Boulez, wenngleich        nahm, wo er sich von der Welt zurück-
nicht harmlos, wie sich noch heraus-      nicht so eindrucksvoll und erhebend        zog und die Eindrücke Venedigs in
stellen sollte.                           wie bei Hans Knappertsbusch – durch-       Musik verwandelte.
                                          aus zu erleben war.
Die Teilnahme an der Wahl des neuen                                                  Ein absolutes Highlight war erwar-
Vorsitzenden des RWVI war Sache           Der entscheidende Punkte der Dele-         tungsgemäß Helga Bernharts Führung
unseres Präsidenten Alexander Singer,     giertenversammlung war freilich, dass      abseits der touristischen Trampel-
hier seine Zusammenfassung:               in der Kampfabstimmung zwischen            pfade: Drehorte zur Serie Commissario
                                          dem Vorsitzenden des Richard Wagner        Brunetti nach den Romanvorlagen von
„Wäre das Acqua Alta nicht in den         Verbandes Berlin, Rainer Fineske, und      Donna Leon, darunter auch die origi-
letzten zwei Wochen vor unserem           dem Vorsitzenden des Richard Wagner        nale und echte „Osteria da Alberto“,
Eintreffen nachhaltig zurückgegan-        Verbandes München, Karl Russwurm,          in der wir gut bewirtet wurden. Außer
gen, hätte sich Anlass zur Verwen-        sich letztlich mit doch deutlicher         uns speisten dort nur Einheimische -
dung des von meinem älteren Sohn          Mehrheit Rainer Fineske, der nahezu        ein echter Geheimtipp! Danach noch
Maximilian geprägten Bonmots „Der         60 % der Stimmen auf sich vereinigen       ein kurzer Besuch in einem Steh-
Kongress schwimmt“ gegeben. Der           konnte, durchsetzte.“                      beisl mit gutem Wein, Grappa und
höchste Wasserstand blieb dem                                                        musikalischer Begleitung, die uns
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von der Gasse ins Lokal gefolgt war      stand hinweggetröstet hatten, dass          durch Myung-Whun Chung und die
und die Reisegruppe zum Tanzen           im Teatro La Fenice keine Aufführung        SängerInnenleistungen: von Piero
brachte!                                 von Richard Wagner, sondern ein Verdi       Pretti (Don Carlo), Julian Kim (Posa)
                                         präsentiert wird, fand am Samstag           und vor allem Maria Agresta als Elisa-
Vergessen war ein kleines Missge-        als zentraler Programmpunkt eine in         betta (diese war in Graz bereits bei
schick am Beginn der Führung nach        jeglicher Hinsicht interessante Vorstel-    einer konzertanten Aufführung der
dem eindrucksvollen Besuch der           lung des „Don Carlo“ statt.                 „Giovanni d‘Arco“ im Stefaniensaal zu
Sonntagsmesse im Markusdom: Die                                                      hören).
Gruppe wurde durch ansteigendes          Bemerkenswert ist die Regie von
Wasser auf dem Markusplatz getrennt      Robert Carsen, die sich spätestens am       Das Schlussdiner des Kongresses in
und die Nachzüglerinnen mussten ihre     Ende des vorletzten Aktes insofern          morbider Eleganz und bei freundlicher
nassen Schuhe und Strümpfe in unse-      zuspitzt, als der Marquis Posa nach         Bewirtung im Palazzo Pisani fiel leider
rem zum Glück nahegelegenen Hotel        seiner Liquidierung vom Großinquisi-        etwas sparsam aus, was aber unsere
Casanova wechseln.                       tor mit Handschlag wieder zum Leben         Stimmung nicht trüben konnte.
                                         erweckt wird. Völlig unkonventionell
Als Abschluss besuchten wir den          zeigt sich der Schluss des letzten Aktes,   Der Abschied von Venedig erfolgte
Fondaco dei Tedeschi, die mittelal-      in dem nicht nur Carlos erschossen          bei leichtem Regen mit einer Fahrt im
terliche Niederlassung deutscher         wird, sondern gleich darauf auch sein       Vaporetto entlang des Canal Grande,
Kaufleute, heute ein moderner            Vater Philipp, woraufhin der Marquis        vorbei am Palazzo Vendramin mit der
Einkaufstempel, eine bemerkenswer-       Posa im gekrönten Ornat des Kaiser          Gedenktafel für den hier verstorbenen
te Ansammlung von Luxusboutiquen.        Karl V. erscheint und dem Stück damit       Riccardo Wagner.
Der Blick von der Dachterrasse auf die   ein ungewohntes Ende gibt, welches          Grazie Venezia!
Stadt war überwältigend.                 zweifellos zum Nachdenken anregte.          Wir werden uns sicher wiedersehen!
Nachdem sich alle versammelten           Hervorzuheben sind auch das ein-            Manfred Oberreither und
Kongressteilnehmer über den Um-          drucksvolle und partiturlose (!) Dirigat    Alexander Singer

                                                                                     v. links oben nach rechts unten: Fondaco dei Tedeschi
                                                                                     – ein moderner Einkaufstempel und unsere WFG
                                                                                     Reisegruppe auf dessen Dachterrasse, Führung
2                                                                                    Dogenpalast und Markusdom, Im Stehbeisl, Wagner-
                                                                                     Gedenktafel im Caffe Lavena © Privat
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Ohne Bayreuth undenkbar:
Engelbert Humperdincks „Königskinder“
Wiewohl der am 1. September 1854         imponiert Wagner so sehr, dass er             Dann will er eigentlich weg von den
im rheinländischen Siegburg gebo-        dem jungen Komponisten die Gunst              Märchenstoffen, lehnt Dutzende
rene Engelbert Humperdinck von           einer halbstündigen Unterredung               Märchenlibretti, die ihm zugesandt
seinem Vater, einem Gymnasiallehrer,     gewährt: „Die halbe Stunde, die ich           werden, ab, bis Ernst Porges sich
eigentlich für den Beruf des Archi-      mich mit dem Meister über wichtige            seines ehemaligen Kollegen aus
tekten vorgesehen ist, gibt doch die     Angelegenheiten der Kunst, nament-            Bayreuth erinnert und diesen ersucht,
Musikbegeisterung seiner Mutter          lich der seinigen, unterhalten habe,          doch für seine Tochter Elsa die
den weiteren Lebensweg vor. Seine        darf ich wohl für einen der anregends-        Komposition einer Schauspielmusik
Eltern anerkennen seine musikalische     ten und erhebendsten Momente                  zu übernehmen. Elsa Porges hat einst
Begabung und erlauben ihm schließ-       meines Lebens halten“, fasst Humper-          im Kindesalter im Uraufführungs-
lich das Studium am Konservatori-        dinck die Begegnung zusammen.                 jahr des „Rings des Nibelungen“ den
um in Köln. Dort erhält er Unterricht                                                  gesamten Zyklus erlebt und ist sogar
bei Friedrich Hiller, und dank des       Sie bleibt nicht folgenlos, denn              Wagner als jüngste Festspielbesuche-
Mozart-Preises der Stadt Frankfurt       Wagner bietet ihm am 8. Mai 1880 an,          rin vorgestellt worden.
ist es ihm möglich, sein Studium in      sein Assistent in Bayreuth zu werden,
München bei Joseph Rheinberger           wo Humperdinck in die Vorbereitung            Nach einem anfänglichen und wenig
und Franz Lachner fortzusetzen.          zur Uraufführung des „Parsifal“ invol-        erfolgreichen Versuch in der Schau-
                                         viert ist. Mit Genehmigung Wagners            spielerei findet sie ihre Bestimmung
Dort kommt es zur entscheiden-           darf Humperdinck, um einen Umbau              in der Dichtung und schreibt u. a. ein
den Begegnung mit dem Schaffen           zu überbrücken, sogar eine kleine             Schauspiel mit dem Titel „Königskin-
Richard    Wagners.     Humperdinck      Übergangsmusik schreiben, die aller-          der“. Davon ist Humperdinck ange-
studiert nicht nur dessen Schriften,     dings nur im Uraufführungsjahr 1882           tan, hier findet er sich wieder, und
sondern er verkehrt auch im Kreis von    gespielt wird.                                hierzu schreibt er die Bühnenmu-
Wagner-Adepten, die sich schlicht                                                      sik, die 1897 in München als Melo-
„Orden vom Gral“ nennen. In der          Wieder kommt es zu einer entschei-            dram aufgeführt wird. Hier zeigt sich
Münchener Hofoper gibt es die erste      denden Begegnung: In Bayreuth                 Humperdincks enormes kreatives
außerhalb von Bayreuth stattfinden-      lernt Humperdinck den als Chorleiter          Potenzial, denn er ist es, der den
de zyklische Aufführung des „Rings       verpflichteten Ernst Porges kennen,           Sprechgesang konsequent einsetzt
des Nibelungen“, die Humperdinck         über den sich hartnäckig das – nie            und dafür auch eine eigene Form
selbstverständlich besucht. Als er den   verifizierte, aber auch nie widerlegte        der Notation erfindet, die später
Ersten Preis der Mendelssohn-Stif-       – Gerücht hält, er sei ein natürlicher        beispielsweise von Arnold Schönberg
tung gewinnt, ist ihm 1879 ein einjäh-   Sohn von Franz Liszt und also Halb-           in dessen „Pierrot lunaire“ aufgenom-
riger Studienaufenthalt in Italien       bruder von Cosima Wagner. Nach                men wird. Doch die Schauspieler sind
möglich.                                 dem Tode Richard Wagners im Jahre             davon überfordert, die Sänger unter-
                                         1883 sucht Humperdinck, wie etliche           fordert. Wenngleich die „Königskin-
Hier kommt es wieder zu einer            andere Komponisten seiner Genera-             der“ in der melodramatischen Version
entscheidenden Begegnung, denn           tion, nach seiner eigenen künstleri-          etliche Male nachgespielt werden,
am 9. März 1880 lässt Humperdinck        schen Position und überwindet seine           entscheidet sich Humperdinck Jahre
nichts unversucht, bis er endlich in     Sinnkrise mehr oder weniger zufäl-            später, nachdem er mit Folgewerken
Neapel zu Wagner vorgelassen wird.       lig erst durch die Komposition der            nur bedingt erfolgreich ist und auch
Dass Humperdinck auf seine Visi-         Märchenoper „Hänsel und Gretel“.              keinen Zugang zu einem heiteren
tenkarte „Orden vom Gral“ schreibt,                                                    Stoff findet, zu den „Königskindern“
                                                                                       zurückzukehren und sie als abendfül-
                                                                                       lende Oper umzuarbeiten.
                                                                                       Das spricht sich bis nach New York
                                                                                       herum, wo die Opernfassung am 28.
                                                                                       Dezember 1910 in glänzender Beset-
                                                                                       zung, prächtiger Ausstattung und
                                                                                       sogar mit lebenden Gänsen auf der
                                                                                       Bühne uraufgeführt werden. Die euro-
                                                                                       päische Erstaufführung findet Anfang
                                                                                       1911 in Berlin unter der Leitung von
                                                                                       Humperdincks Kompositionsschüler
                                                                                       Leo Blech statt, und in den folgen-
                                                                                       den Jahrzehnten zählen die „Königs-
                                                                                       kindern“ zum Repertoire der großen
                                                                                       und auch mittleren Opernhäusern im
                                                                                       deutschen Sprachraum. Im zweiten
                                                                                       Weltkrieg allerdings kommt es in der
                                                                                       Rezeption zu einem Einschnitt, denn
                                                                                       der Name der jüdischen Librettistin
                                                                                       wird erst von den Besetzungszetteln
                                                                                       getilgt, bis schließlich das Werk an
                                                     Königskinder © Werner Kmetitsch                                       3
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sich nicht mehr aufgeführt wird.         und den „Meistersingern von Nürn-         überwindet: Anders als Wagner, der
                                         berg“ seine große Wagner-Affinität        seinen Figuren die Transzendenz
An der Oper Graz hat einst im Dezem-     in gefeierten Inszenierungen unter        gestattet, sterben die Gänsemagd
ber 1939 die junge Ljuba Welitsch die    Beweis gestellt hat, wurde für diese      und der Königssohn einen Tod in
Gänsemagd verkörpert, bevor ihre         quasi Wiederentdeckung als Regis-         völliger Isolation. Der Spielmann hat
große internationale Karriere sie aus    seur verpflichtet. Gemeinsam mit          das letzte Wort und richtet ein flam-
Graz weggeführt hat. Nach dem zwei-      dem musikalischen Leiter Marius           mendes Plädoyer ans Publikum als,
ten Weltkrieg gibt es in ganz Öster-     Burkert und den Solisten – stellver-      so meint Regisseur Frank Hilbrich,
reich keine einzige Neuproduktion der    tretend seien Polina Pastirchak als       Humperdincks „letzte Aufforderung
„Königskinder“, bis sie am 14. Dezem-    Gänsemagd, Maximilian Schmitt als         an uns, niemals das Besondere, das
ber 2019 an der Oper Graz erneut zur     Königssohn und Markus Butter als          Wertvolle am Menschen aus den
Diskussion gestellt werden. Frank        Spielmann angeführt – ergründet           Augen zu verlieren, die Zivilisation
Hilbrich, der in Deutschland bereits     er das Spezifische an Humperdinck         niemals aufzugeben“.
mit dem gesamten „Ring des Nibelun-      und zeigt auf, wie Humperdinck
gen“ und „Lohengrin“, mit „Parsifal“     durch seine Märchenoper Wagner            Bernd Krispin

Bayreuther Premierenwoche 2019 – ein
Aufenthalt wie in alten Studentenzeiten
ALEXANDER SINGER                         Programm. Ein szenisch erfrischender      am Festspielhaus lehnend wieder,
                                         Zugang war von Anfang an gegeben.         ebenso das Transparent mit den
                                         Schon das Vorspiel zum 1. Akt, in         Worten: „Frei im Wollen, frei im Thun,
In diesem Jahr war es ein besonders      dem uns ein Überflug über das Wart-       frei im Genießen“.
langer Bayreuth-Aufenthalt, der nicht    burg-Gelände schließlich zu einer
mit der heiß erwarteten Premiere des     Busfahrt in einem Citroën der um          Im 3. Akt gelingt Wolfram das, was
„Tannhäuser“, sondern sogar noch         Tannhäuser und Venus versammelten         ihm ansonsten nicht gelingt und was
einen Tag vorher mit dem Gedenk-         Clique bringt, enthält eine unterhalt-    er „in anständigen Inszenierungen“
konzert anlässlich des 100. Geburts-     same Anspielung auf die zum Glück         auch gar nicht zu wollen wagt. Er darf
tages von Wolfgang Wagner begann.        eingemottete Vorgängersinszenie-          sich Elisabeth mehr als üblich nähern;
                                         rung des „Tannhäuser“ in der Biogas-      allerdings sein Versuch, dies als
Das Erfreuliche an diesem Konzert        anlage.                                   Wolfram und nicht im Clownsge-
war, dass sich Künstler aus bzw. schon                                             wand des Tannhäuser zu tun, wird
vor den Anfängen der Bayreuth-Be-        Nach Überfahren eines Polizisten reißt    von Elisabeth jäh unterbunden.
suche des Verfassers dieser Zeilen       sich Tannhäuser aus seiner Künstler-      Danach wählt Elisabeth den Weg in
ebenso einfanden wie heutige Künst-      kolonie mit Le Gateau Chocolat, einer     den Tod. Nachdem Elisabeth uns im
ler. So sollen z.B. Gwyneth Jones,       Drag Queen, und dem Blechtrommler         Anfang des 2. Aktes schon als Persön-
Donald McIntyre, Heinz Zednik oder       Oskar Matzerath (Manni Laudenbach)        lichkeit begegnet ist, die sich selbst
auch Klaus Florian Vogt, die sich in     los, um in die Festspielgesellschaft      verstümmelt, oder – um es zeitgeis-
die Gästeschar mischten, angeführt       zurückzukehren. Freilich missfällt dies   tig zu sagen – sich „ritzt“, können wir
werden. Die von Thielemann gebo-         Frau Venus, die am Ende des 1. Aktes      darüber mutmaßen, ob es letztlich
tenen musikalischen Darbietungen         den Citroënbus gegen die Absper-          diese geschlechtliche Begegnung
führten darüber hinaus drei Sänger       rung vor dem Festspielhaus lenkt.         mit Wolfram war, die ihren Wunsch
auf die Bühne, die ebenfalls einen                                                 nach dem Ableben noch bestärkte.
Bogen zur jüngeren Vergangenheit         Im 2. Akt kommt es durch raffinier-       Im Übrigen löst sich die Künstlerkolo-
spannten. Waltraud Meier trat mit        te Videogestaltung dazu, dass die         nie auf, Le Gateau Chocolat hat eine
„Isoldes Liebestod“ auf, Stephen         Hinterbühne ins Spiel einbezogen          Form des künstlerischen Ausdruckes
Gould nahm seinen Tannhäuser der         wird, was an sich die Darbietung          bzw. der Kommerzialisierung durch
Eröffnungspremiere mit der „Romer-       eines sehr kommerziellen Sängerkrie-      Bewerbung von Uhren gefunden,
zählung“ vorweg, Günther Groiss-         ges mit dem netten Regieeinfall einer     Oskar Matzerath landet in der Gosse.
böck ließ mit „Wotans Abschied“          fixen Harfe auf der Bühne ermög-          Tannhäuser darf die tote Elisabeth in
aufhorchen, was die Vorfreude auf        licht. Venus, Le Gateau Chocolat und      einer Schlussapotheose im Citroën-
den „Ring“ im nächsten Jahr, in dem      Oskar Matzerath verschaffen sich          bus in Händen halten.
er den Göttervater geben wird, noch      Zutritt zum Sängerkrieg (Venus unter
bestärkte.                               Ausschaltung einer Choristin, die         Der Verfasser dieser Zeilen blieb in
                                         einen Edelknaben mimt). Der Einstieg      Bayreuth mit seiner Meinung keines-
Christian Thielemann hielt eine beein-   ins Festspielhaus erfolgte über eine      falls allein, dass es sich um eine in
druckende Rede. Am Tag danach            Leiter am Balkon, was letztlich Katha-    vieler Hinsicht geglückte Inszenie-
wurde verständlich, warum er davon       rina Wagner nach Information durch        rung handelt, die uns einen sehr span-
sprach, dass er an dieser Stätte als     den Inspizienten veranlasst, die Poli-    nenden Zugang zum Werk bot. Mehr
Dirigent immer spezielle „Bayreuth-      zei zu einem Noteinsatz herbeizuho-       noch: Aus natürlichem Reflex vorher
Ohren“ aufsetzt: Am nächsten Tag         len, die schließlich auch Tannhäusers     als Provokation abgelehnte Aspek-
stand nämlich der mit Spannung           habhaft wird. Am Ende des 2. Aktes        te, wie die Bespielung des grünen
erwartete „Tannhäuser“ auf dem           findet das Pausenpublikum die Leiter      Hügels am Ende des 1. Aktes durch Le
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Gateau Chocolat, Oskar Matzerath          hüten, ungerecht zu sein: Bei ihm          war es schon phänomenal – das Diri-
und Venus, erwiesen sich als schlüssig.   entstand fast der Eindruck, dass eine      gat von Christian Thielemann.
Das, was bei der Vorgängerinszenie-       solche Stimme zwei Tage hintereinan-
rung mit dem Öffnen des Festspiel-        der für den Tannhäuser fast zu schwer      Nach diesem Inszenierungsdurchhän-
hauses nur als sinnlose Provokation       wäre und er gern einen jugendliche-        ger schlossen sich die „Meistersinger“
verpuffte, hatte hier mit dem Bespie-     ren Tannhäuser gehört hätte (dieser        an, die auch nach zweijähriger Pause
len des Gartens während der Pause         Wunsch wurde ihm erst im Oktober           durchaus sowohl hinsichtlich der
des 1. Aktes durchaus seinen Sinn.        in Klagenfurt erfüllt). Umgekehrt ist      musikalischen als auch der inszena-
                                          die Gegenfrage berechtigt: Wieviel         torischen Seite überzeugen konnten.
Der Blick in den unsichtbaren Graben      Sänger gibt es wirklich, die einen         Neben so hervorragenden Solisten
(eine Unlogik für sich) machte es         Tannhäuser und einen Tristan – und         wie Michael Volle, Johannes Martin
verständlich, warum Christian Thiele-     dies noch dazu innerhalb weniger           Kränzle, Günther Groissböck, Camilla
mann am Vortag von den aufgesetz-         Tage – singen können?                      Nylund und Klaus Florian Vogt sowie
ten Bayreuth-Ohren sprach. Valery                                                    Daniel Behle (als David) trug das Diri-
Gergiev, der Vielbeschäftigte, hatte      An den „Tannhäuser“ schloss sich der       gat des uns Grazern keinesfalls unbe-
nämlich diese leider nicht, und so        „Lohengrin“ an, wobei über dieses          kannten Philippe Jordan hierzu sehr
kam es zu einigen Ungenauigkeiten.        Werk aus Inszenierungsgründen nicht        viel bei.
Hervorzuheben ist zweifellos Lise         allzu viele Worte verloren werden
Davidsen als Elisabeth. Eine interes-     müssen. Stimmlich bewegt man sich          Danach gönnte sich der Autor eine
sante, schon bald auf das Hochdrama-      mit Klaus Florian Vogt und Camilla         zweitägige     Bayreuth-Pause,   die
tische zusteuernde Stimme, die uns        Nylund durchaus auf dem Niveau der         dem Besuch von Verwandten seiner
auch im „Ring“ als Sieglinde weitere      vorherigen Premierenbesetzung Piotr        Frau im Sauerland gewidmet war.
Kostproben ihres Könnens geben            Beczała und Anja Harteros, sodass der      Auf dem Rückweg nach Graz übte
wird. Schauspielerisch großartig und      Verfasser dieser Zeilen die vielfältigen   der grüne Hügel aber nochmals
auch stimmlich die Wünsche erfüllend      Absagen von Alagna als Lohengrin,          seine magische Anziehung aus. Es
war die Venus von Elena Zhidkova,         Stoyanova und Netrebko als Elsa nicht      ist durchaus etwas Schönes, einen
der kurzfristigen Einspringerin. Bei      als schlimm empfand. Vielleicht noch       Bayreuth-Aufenthalt mit „Parsifal“
Stephen Gould muss sich der Autor         großartiger als im Vorjahr – und da        abzuschließen, wenn auch das
                                                                                     mehrmalige Sehen der Inszenie-
                                                                                     rung nichts zum Erkenntnisgewinn
                                                                                     und dem Gefühl, dass sich hier fest-
                                                                                     spielwürdige Qualität präsentiert,
                                                                                     beiträgt. Diese hohe Qualität zeigte
                                                                                     sich aber durchaus im Musikalischen,
                                                                                     wenn auch der sehr geschätzte
                                                                                     Sänger des Parsifal, Andreas Scha-
                                                                                     ger, manchmal durch erstaunlich
                                                                                     gesteigerte Lautstärke auffiel.
                                                                                     Eine Erklärung dafür mag sein, dass
                                                                                     Schager nach dem „Jonas Kauf-
                                                                                     mann-Eklat“ in der Elbphilharmonie,
                                                                                     wo dieser von Teilen des Publikums
                                                                                     für zu leise gehalten wurde, ein Gast-
                                                                                     spiel gab. Aus Hamburger Quelle
                                                                                     erfuhr der Autor, dass Andreas Scha-
                                                                                     ger seitdem offenbar unbewusst
                                                                                     an Lautstärke zulegt. Hervorragend
                                                                                     wiederum Günther Groissböck, aber
                                                                                     auch die in Graz keinesfalls unbe-
                                                                                     kannte und an der Kunstuniversität
                                                                                     lehrende Elena Pankratova als Kundry.
                                                                                     Auch das Dirigat von Semyon Bych-
                                                                                     kov kann als Glücksfall bezeichnet
                                                                                     werden, wenn es sich auch sehr vom
                                                                                     Dirigat des Premierendirigenten 2016
                                                                                     Hartmut Haenchen unterscheiden
                                                                                     mochte.
                                                                                     Gestärkt von den vielfältigen Ein-
                                                                                     drücken dieses langen Aufenthaltes
                                                                                     in Bayreuth trat der Verfasser dieser
                                                                                     Zeilen die Rückreise nach Graz an,
                                                                                     dies verbunden mit der Hoffnung,
                                                                                     zum „Ring“ 2020 wiederzukehren,
                                                                                     zumal der heute schon mehrfach
                                                                                     angesprochene      Grazbezug     sich
                                                                                     dort in den Personen des Regisseurs
                                                                                     Valentin Schwarz und des Bühnen-
                                                                                     bildners Andrea Cozzi als Gewinner
                                                                                     des letzten Ring Award 2017 wieder
                                                                                     stark zeigen wird.

                                                                                                                          5
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Eine kleine Geschichte einer Bayreuth-
Stipendiatin
CORINA KOLLER                            Dr. Stefan Specht ging es (ENDLICH!)        Tag! Tannhäuser war die „leichteste
                                         in das Festspielhaus zu einer Führung.      Kost“ der ausgewählten drei Richard
                                         Einerseits ist es wunderschön, dass         Wagner-Opern, aber die beeindru-
Was davor geschah … Die eigentliche      man das besondere Gebäude sofort            ckendste für alle Stipendiaten! Der
Frage ist MEISTENS: Was ziehe ich denn   sehr gut kennenlernt, andererseits          allgemeine Jubeltenor der „Baby-Wag-
an, besonders wenn man am grünen         hätte ich lieber zuerst eine Vorstellung    nerianer“ wurde sogar an die Chefin
Hügel, dem Mekka der Wagnerianer,        gehört und gesehen, bevor mir der           Wagner weitergeleitet. Besonders für
in Bayreuth in die Oper geht?            Orchestergraben und die Besonder-           mich ist dieser „skandalöse“ Tannhäu-
Vor der Abreise gibt es wirklich         heiten so genau erklärt werden.             ser ein Gesamtkunstwerk, wie es sich
haufenweise Dinge zu bedenken.                                                       Richard Wagner nicht schöner hätte
                                         Tadellos vorbereitet gingen wir – wir       vorstellen können. Ich bin davon über-
Natürlich möchte man dem „Meister“       waren uns alle im Klaren, was uns am
elegant entgegentreten. Aber so eine                                                 zeugt, dass der Regisseur und auch die
                                         Nachmittag erwarten würde – in die          Darsteller nur in seinem Sinne handel-
Oper dauert doch Stunden und man         erste Vorstellung, Parsifal. Trotzdem
hörte schon die eine oder andere                                                     ten.
                                         wurden wir ALLE doch noch über-
Gruselgeschichte von der unglaublich     rascht, und ich war so überwältigt von      Wenn man ganz ehrlich ist, staubt
unbequemen Bestuhlung. Man betritt       der Akustik und dem Ereignis an sich,       es ein bisschen, wenn man Richtung
die Oper um 16.00 Uhr nachmittags        dass ich mir meine Freudentränen            Bayreuth bläst, aber dieser Tann-
und verlässt sie spät abends, dazwi-     nicht verkneifen konnte. Ehrlicherwei-      häuser hat mit einem weißen Hand-
schen dauern die Pausen aber jeweils     se muss man sagen, dass Parsifal nicht      schuhwisch alles weggefegt. Ich
eine Stunde. Große Taschen sind aus      zur „leichten Wagner-Kost“ gehört,          möchte nicht sagen, dass von nun
Sicherheitsgründen verboten; ebenso      aber für ein Debüt kann es gar nichts       an alles anders gemacht werden soll-
der obligate (zuvor aber empfohle-       Schöneres geben.                            te, aber hin und wieder schadet ein
ne!) Sitzpolster, und… und… und…
                                                                                     frischer Wind auch den Wagnerianern
UND! Um es gleich vorweg zu sagen,       Täglich grüßt das Murmeltier – von nun      nicht.
im Endeffekt ist es vollkommen egal.     an fuhren wir jeden Tag mindestens
Man sieht Menschen in langen elegan-     zwei Mal zum Festspielhügel, doch es        Vergleichbar      ist  dieses     ganze
ten Roben, ebenso legere Blazer–Jeans    wurde niemals langweilig. Das jewei-        Bayreuth-Abenteuer auf jeden Fall
Kombinationen. Ich habe mich für die     lige Tagesoutfit wurde immer mehr-          mit meiner Konzertreise nach Jerusa-
Sommerkleid-Variante entschieden         mals auf Fotos festgehalten, Souvenirs      lem. Man muss kein gläubiger Christ
und meine Auswahl nicht bereut. Mit      wurden gekauft. (Ich bin besonders          sein, um zu verstehen, dass dieser
einem riesengroßen vollgestopften        stolz darauf, einen Richard-Wag-            Ort geschichtsträchtig ist und Aura
Koffer ging das Abenteuer „Bayreuth“     ner-Keksausstecher erworben zu              hat, ebenso muss man kein strenger
dann los!                                haben, ebenso einen Fächer und ein          Wagnerianer sein, um die Richard
                                         Fan-Shirt mit dem Aufdruck „Dich,           Wagner-Festspiele beeindruckend zu
Meine Anreise mit dem Zug verlief        teure Halle, grüß‘ ich wieder, froh         finden, sie zu lieben und ihre Einzigar-
problemlos, aber voller Herzklopfen.     grüß‘ ich dich, geliebter Raum!“ – WIE      tigkeit zu sehen!
Am Bahnhof BAYREUTH angelangt            PASSEND!)
erkennt man die anderen „Auserwähl-                                                  Ich selbst freue mich, verkünden zu
ten“ sofort an den hilflosen Blicken,    Besonders zu erwähnen ist, dass wir         dürfen, nun offiziell „Baby-Wagneria-
aber den vor Vorfreude gefärbten         in jeder Vorstellung eine andere Kate-      ner“ zu sein und hoffentlich bald mein
roten Bäckchen. Eine solche war          gorie von Tickets bekamen und ich           sängerisches Wagner-Debüt geben zu
auch ich, fand Gott sei Dank sofort      aufgrund meiner jetzigen Erfahrung          dürfen. Zeitnah steht aber Sylva Vares-
Anschluss und konnte mein Quar-          sagen kann, dass die besten Plätze          cu in Kálmáns Die Csárdásfürstin, Frau
tier in Rekordzeit beziehen. Der erste   die „billigen“ auf der Galerie sind!        Fluth, ein lustiges Weib aus Windsor,
Programmpunkt nannte sich „Fränki-       (Achtung: INSIDERTIPP)                      von Otto Nicolai und die Micaëla in
scher Abend“ und war ein spannendes                                                  Carmen an. Auch nicht schlecht!
Kennenlernen der (240!!) Stipendiaten    Scherz beiseite! Der dritte Tag war
bei Frankenwein, Freibier und Brat-      ebenso ein toller wie der vorherige,        Ich bedanke mich von ganzem Herzen
würstel.                                 und die Einführungen des Direktors          für diese einzigartige Bayreuther
                                         des Richard-Wagner-Museums, Dr.             Möglichkeit der Horizonterweiterung
Tag zwei begann für einen Großteil       Sven Friedrich, sind wirklich char-         und die Gelegenheit, neue Freund-
von uns mit einem Katerfrühstück         mant (Zitat: „Im Festspielhaus darf         schaften und Bekanntschaften zu
und literweise Kaffee. Im Anschluss      auch gelacht werden.“ Zitat-Ende) und       schließen.
durften wir ENDLICH den grünen           von ganzem Herzen zu empfehlen.
Hügel besuchen und wurden dazu mit       (Achtung: INSIDERTIPP)                      Schlussendlich werde ich nun mit
Bussen einmal quer durch die Stadt                                                   einem Augenzwinkern ein Gerücht
chauffiert. Ich muss ehrlich sagen,      Der Besuch von Tristan und Isolde (in       aus der Welt schaffen: Die Bestuhlung
dass es nicht nur Einbildung war, dass   der Inszenierung der Bayreuth-Chefin        ist wirklich keinesfalls so unbequem,
wir alle ehrfürchtig, sprachlos und      persönlich) war wunderschön; aber           wie ALLE sagen, wahrscheinlich wurde
total beeindruckt waren (trotz Regen-    man kann sich vorstellen, dass er den       dieses Gerücht von jenen Wagneria-
wetter!). Nach einer Begrüßung bei       Debüt-Abend, den ersten Besuch im           nern verbreitet, welche den grünen
Bio-Freisäften (an der Verpflegung,      Haus, nicht übertreffen konnte.             Hügel für sich alleine beanspruchen
besonders flüssiger Natur, wird nicht                                                wollen!
gespart) durch Katharina Wagner und      Es wurde finster – es wurde hell: vierter
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Venedigreise zum Kongress 2019 - wagner.forum.graz
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Venedigreise zum Kongress 2019 - wagner.forum.graz
Unvergessene Begegnungen – Zofia
Posmysz, Mieczysław Weinberg und ihre
„Passagierin“
EIN DIENSTAGABEND MIT MARLENE HAHN                                                  Zofia Posmysz war bei der Urauffüh-
                                                                                    rung anwesend und kam gemeinsam
AM 8. OKTOBER 2019                                                                  mit der Darstellerin der Marta auf
                                                                                    die Bühne. Während Marta das KZ
Schon ungewohnt früh in der noch          Das Werk wurde nach seiner Fertig-        überlebt (Zofia Posmysz beschreibt
jungen Saison 2019/2020 fand ein          stellung nicht in Polen und auch nicht    zu einem nicht unwesentlichen Teil
Dienstagabend zur Vorbereitung auf        in den im Banne des Kommunismus           autobiographisch ihre Erlebnisse,
das Gedenkjahr 2020 und die auf dem       stehenden Staaten uraufgeführt. Zu        schweigt sich aber über die Zeit nach
Spielplan der Oper Graz erst im März      sehr erinnerte die Anhaltesituation der   der Befreiung aus dem KZ Auschwitz,
auf dem Programm stehende Premie-         Marta an den Gulag.                       in der ihr auch zweifellos kein leich-
re „Die Passagierin“ von Mieczysław                                                 tes Schicksal beschieden war, aus),
Weinberg statt.                           So kam es erst 2006 in Moskau zu einer    endet das Werk für ihren geliebten
                                          konzertanten Aufführung und sogar         Thaddäus letal.
Unsere vormalige Stipendiatin und         erst 2010 zu der szenischen Urauffüh-
Stückdramaturgin Marlene Hahn bot         rung bei den Bregenzer Festspielen.       Dieser Musiker soll auf Geheiß dem
uns einen Ausblick auf dieses wohl        Nicht nur der Komponist Weinberg,         Kommandanten       sein    Lieblings-
nicht zufällig am Spielplan stehende      sondern auch der Librettist konn-         stück, einen Walzer, vorspielen,
Werk, welches von der Begegnung           ten dieser Uraufführung nicht mehr        spielt aber als Zeichen des Protes-
einer Auschwitz-Überlebenden mit          beiwohnen. Weinberg verstarb – wie        tes auch noch Bachs Chaconne aus
einer ehemaligen Aufseherin auf der       erwähnt – 1996 und zur Zeit der Urauf-    der Partita in d-Moll. Dies wird er
Überfahrt von Europa über den Atlan-      führung lag der Librettist Alexan-        nicht überleben.
tik nach Südamerika handelt.              der Medwedew bereits im Sterben.
                                          Fünf Tage nach der Uraufführung           Die Oper wechselt zwischen dem
Die literarische Vorlage stammt von       verstarb er.                              Schiff und Rückblenden aus Auschwitz
Zofia Posmysz, selbst einer Überle-                                                 hin und her und kulminiert letztlich
benden des Konzentrationslagers                                                     darin, dass die Passagierin der Kapelle
Auschwitz, die, als Katholikin der                                                  auf dem Schiff einen Zettel überreicht
vermeintlichen polnischen Elite zuge-                                               – einen Zettel mit einem speziellen
hörig, verhaftet wurde und letztlich in                                             Musikwunsch: dem Lieblingswalzer
Auschwitz landete.                                                                  des KZ Kommandanten.
Im Stück handelt es sich bei der                                                    Zweifellos handelt es sich bei dieser
„Passagierin“ um Marta. Ihre ehema-                                                 Oper um ein Werk gegen das Verges-
lige Aufseherin ist Anneliese Franz.                                                sen, herausfordernd insofern, als es
Die historische Vorlage der Anneliese                                               die Frage stellt, wie man das Grauen
Franz hätte Zofia Posmysz nicht mehr                                                von Auschwitz auf die Bühne bringen
begegnen können, weil sie bereits in                                                kann.
den 50er Jahren verstarb. Zu diesem
Thema gibt es im Übrigen auch ein                                                   Marlene Hahn hat Zofia Posmysz
Hörspiel, „Die Passagierin aus Kabine                                               mehrfach, zuletzt in Warschau, getrof-
45“.                                                                                fen. Es darf mit Spannung die Grazer
                                                                                    Premiere des Werkes am 14. März 2020
Dmitri Schostakowitsch hat Mieczy-                                                  erwartet werden.
sław Weinberg (geb. 1919, verstorben
1996) zur Komposition seiner Oper
bestärkt, die 1968 in zwei Akten, acht                                              Alexander Singer
Bildern und einem Epilog fertiggestellt
wurde und sieben Sprachen in dem
Werk vereinigt. Während der Roman
von Zofia Posmysz sich vorrangig in
die Täterinnenperspektive versetzt,
wird diese Relation in der Oper etwas
verschoben.

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Der König hat geweint!
ZUSAMMENFASSUNG DES VORTRAGS ÜBER ASPEKTE DES                                            fürchterlich betreten, denn es ist ein
                                                                                         schrecklich starrer und strenger König.
„DON CARLOS“-STOFFES                                                                     Aber man begreift es so gut, daß er
                                                                                         geweint hat, und mir tut er eigentlich
Anlässlich der Eröffnungspremiere der      die Deutschen sagen ‚Goethe und               mehr leid als der Prinz und der Marquis
Saison 2019/2020 an der Oper Graz          Schiller‘ – ich fürchte sie sagen ‚Schiller   zusammengenommen. Er ist immer so
galten meine Ausführungen rezep-           und Goethe‘.“                                 ganz allein und ohne Liebe, und nun
tionsgeschichtlichen       Wandlungen                                                    glaubt er einen Menschen gefunden
des „Don Carlos“-Stoffes. In seinem        Vollkommen unberührt von diesen               zu haben, und der verrät ihn …“
dramatischen Gedicht „Don Carlos“          innerdeutschen Auseinandersetzun-
(1787) zeichnete der Dichter und           gen hatte Giuseppe Verdi für Paris 1868       Ein kurzer Exkurs über den Zusam-
Historiker Friedrich Schiller die histo-   seinen „Don Carlos“ komponiert, der           menhang von menschlichen Tränen,
rische Person des Sohnes von König         ja mehr Musik enthält als „Rigoletto“         Wasser, Taufe und erlösendem Heilsge-
Philipp II. (er war bekanntlich der        und „Troubadour“ zusammen. Insge-             schehen, wie er sich in exemplarischer
Onkel unseres Grazer Erzherzogs Karl       samt fertigte Verdi fünf verschiedene         Dichte in der großen Arie der Elisabeth
II. von Innerösterreich) nicht als einen   Fassungen des Werkes an und zeigte
                                                                                         im fünften „Don Carlos“-Akt und, noch
geistesschwach-perversen Sadisten,         sich bezüglich der wertenden Charak-
                                                                                         deutlicher, in der Taufszene Kund-
der er historisch gesehen gewesen          terisierungen durchaus ausgewogen:
                                                                                         rys im dritten Aufzug des „Parsifal“
war, sondern als einen Freiheitskämp-
fer im Sinn der Aufklärung des 18.
Jahrhunderts. An seiner Seite kämpft
der von Schiller frei erfundene Rodri-
go, Marquis von Posa, um die Freiheit
Flanderns, und sein „Sire, geben Sie
Gedankenfreiheit!“ aus dem Gespräch
mit dem autoritär-katholischen König
wurde in weiterer Folge zu DEM
Schlachtruf des liberalen 19. Jahrhun-
derts in Deutschland.
Im Zuge der Feier des 100. Geburts-
tages von Schiller im Jahr 1859 kam
es zu einem triumphalen Amalgam
von Freiheitspathos und deutschem
Nationalismus, sein schwungvoller,
geschichtsphilosophisch wetterfester
Optimismus machte Schiller zu einer
Art Lehrer der deutschen Nation.
                                                                                                        Don Carlo © Werner Kmetitsch
So hätte es weitergehen können,
                                           So bekommt der seinem eigenen                 manifestiert („Auch deine Träne ward
ging es aber nicht. Denn bereits in
                                           Gefühl nach nie geliebte König Philipp        zum Segenstaue – du weinest, siehe es
den (zeitlebens ja unveröffentlicht
                                           bekanntlich eine der ergreifendsten           lacht die Aue!“) leitete über zur Coda
gebliebenen) Tagebüchern von Franz
                                           Szenen der gesamten Opernliteratur,           des Vortrags, die der soeben erfolg-
Grillparzer finden sich durchwegs kriti-
                                           die rein negativen Aspekte der Hand-          ten Zuerkennung des Nobelpreises
sche, bisweilen sogar ironisch-feind-
                                           lung repräsentieren die Mönche,               an Peter Handke geschuldet war: Im
selige Invektiven des pessimistischen
                                           der Großinquisitor und natürlich das          21. Kapitel seines 2002 erschienenen
katholischen Dichters gegenüber dem
                                           Autodafé. Das Freiheitsduett zwischen         Romans „Der Bildverlust oder Durch
seiner Meinung nach vollkommen irre-
                                           Carlos und Posa ist in seinem unwider-        die Sierra de Gredos“ erscheint Kaiser
al-illusorischen Idealismus des Protes-
                                           stehlich virilen Elan hingegen unge-          Karl V., dessen Stimme ja die Oper
tanten Schiller. Grillparzer konzipierte
                                           trübt positiv komponiert und blieb bis        Verdis beschließt, auf seinem Weg
seine skeptischen Dramen, so kann
                                           heute unangefochten der „Schlager“            nach seiner Abdankung in Richtung
man es durchaus sagen, als eine
                                           des verdischen Historiendramas.               des Klosters St. Yuste, seinem Exil bis
konsequente Opposition zum rezep-
                                                                                         zu seinem Tod 1558 – es ist eine der
tionsgeschichtlich übermächtig schei-
                                           Bereits im 20. Jahrhundert rückte             überaus seltenen Stellen im gesam-
nenden Bühnenwerk Schillers.
                                           der 27-jährige Nietzsche-Enthusiast           ten Schaffen Handkes, wo historische
Einen Schritt weiter sollte dann           Thomas Mann in seine Künstler-                Persönlichkeiten oder Schauplätze in
Friedrich Nietzsche gehen, den die         novelle „Tonio Kröger” (1902) eine            Erscheinung treten: In einem länge-
deutschnationale       Vereinnahmung       subtil gebrochene Beleuchtung des             ren inneren Monolog gibt der resi-
Schillers durch das preußische Kaiser-     schillerschen Freiheitspathos ein,            gnierte Imperator seiner Hoffnung
reich ab 1871 nicht weniger als anwi-      wenn der Protagonist seinem weni-             nach Frieden bündigen Ausdruck:
derte. Er bezeichnet Schiller als den      ger belesenen als pferdeliebenden             „Und keine Schlachten mehr, weder
„Moraltrompeter von Säckingen“,            Freund Hans Hansen die Lektüre des            in Tunis noch in Mühldorf noch in
einen „Theater-Maestro“, „Attitü-          „Don Carlos“ empfehlen will. „Und             Pavia, weder zu Wasser noch zu Land.“
den-Helden“ und resümiert seine            nun kommt aus dem Kabinett in das
eingefleischte Schiller-Skepsis folgen-    Vorzimmer die Nachricht, daß der
                                           König geweint hat. ‚Geweint?‘ ‚Der            Harald Haslmayr
dermaßen: „Das andere, was ich nicht
hören mag, ist ein berüchtigtes ‚und‘:     König geweint?‘ Alle Hofmänner sind
                                                                                                                                  9
Venedigreise zum Kongress 2019 - wagner.forum.graz
Heiteres und Köpferauchen
beim Sommerevent
IM GASTHOF DI GALLO

10
RING AWARD 20 Finale
                                                                       am Samstag 27. und Sonntag 28. Juni 2020
                                                                       im Schauspielhaus Graz, HAUS 1

                                                                       Die Finale-Teams (in alphabetischer Reihenfolge):

                                                                       Team Alicia Geugelin (DEU) / Christin Schumann (DEU) /
          9. Internationaler Musiktheaterwettbewerb                    Pia Preuß (DEU) / Elise Schobeß (DEU)
    9. Internationaler    Musiktheaterwettbewerb
       für Regie & Bühnengestaltung in Graz, Österreich
 für Regie & Bühnengestaltung in Graz, Österreich
                                                                       Team Krystian Lada (POL) / Didzis Jaunzems (LVA) /
                                                                       Natalia Kitamikado (POL)

        Wettbewerbsoper: W.A. Mozarts „Don Giovanni“
                                                                       Team Anika Rutkofsky (DEU) / Eleni Konstantatou (GRC) /
     SA 27. & SO 28. JUNI 2020                                         Johanna Danhauser (DEU)
          SCHAUSPIELHAUS GRAZ
 Wettbewerbsoper: W.A. Mozarts „Don Giovanni“
SA 27. & SO 28. JUNI 2020                                              3 Mal „Don Giovanni“ in 24 Stunden
          SCHAUSPIELHAUS GRAZ
                                                                       mit Gesangsteams der Oper Graz, des Theater an der
                                                                       Wien und der Deutschen Oper Berlin

                                                                       www.ringaward.com

              www.ringaward.com

          www.ringaward.com

                                                                                                           IMPRESSUM

                                                                                                           Herausgeber: wagner.forum.graz
                                                                                                           www.wfg.at
                                                                                                           Redaktion: Dr. Andrea Engassner
                                                                                                           a.engassner@aon.at
                                                                                              Was zählt,   Layout: Antje Veit, www.antjeveit.at
                                                                                     sind die Menschen.    Redaktionsschluss: 15/01/2020
                                                                                                           Vereinssitz: Brockmanngasse 91/1
                                                                                                           A-8010 Graz / ZVR: 113660921
Kultur ist sinnlich.                                                                                       Vorsitzender: Dr. Alexander Singer
                                                                                                           wagner-forum-graz@wfg.at
Kulturförderung ist sinnvoll. Deswegen kümmern wir uns nicht nur um Ihr Geldleben, sondern unterstützen
auch ausgewählte kulturelle Projekte.
steiermaerkische.at                                                                                        Die nächste Ausgabe erscheint
                                                                                                           im Sommer 2020.

                                                                                                                                                  11
WFG - REISEN                        WFG - VERANSTALTUNGEN                       RING AWARD-TEILNEHMER
             01.-04. Mai 2020                  14.01.20: Dienstagabend im GAST-           18.01.20 „Manon“; Staatstheater
                                               HOF PFLEGER, 19:00 Uhr: „Was ist nur       Nürnberg; Tatjana Gürbaca (Finale
                                               Don Giovannis Geheimnis?“ In dem           2000)
         Busreise nach Mailand                 Vortrag von Marlene Hahn dreht sich
            mit Besuch des                                                                28.02.20 „Die Banditen“; Staatsope-
                                               alles um die aktuelle Produktion an        rette Dresden; Valentin Schwarz (R),
               „Tannhäuser“                    der Grazer Oper und die Frage: Wie         Andrea Cozzi (B+K) (RING AWARD
                                               nah ist uns Don Giovanni? Wie aktuell      2017)
           im Teatro alla Scala                ist die Suche nach Abenteuer im Kor-
                                               sett der gesellschaftlichen Erwartun-      01.03.20 „Fidelio“; Royal Opera House;
Dirigent: Adam Fischer; Regie: Carlus          gen und Bilder?                            Tobias Kratzer (R), Rainer Sellmaier
Padrissa / La Fura dels Baus; Tann-                                                       (B+K) (RING AWARD 2008)
häuser: Peter Seiffert; Wolfram von            06.02.20: Dienstagabend im NEXT            06.03.20 „Lucrezia Borgia“; Teatro
Eschenbach: Christian Gerhaher; Eli-           LIBERTY, 17:30 Uhr: „Auf der Suche         Comunale Alighieri di Ravenna;
sabeth: Krassimira Stoyanova; Venus:           nach dem Zauberwort“. Intendant            Andrea Bernard (R), Alberto Beltrame
Daniela Sindram                                Michael Schilhan ermöglicht uns den        (B), Elena Beccaro (K) (Semifinale 2017)
                                               Besuch einer Probe der Kinderoper          08.03.20 „Salome“; Teatro alla Scala;
     Diese Reise ist ausgebucht!               „Kalif Storch“ im Next Liberty.            Damiano Michieletto (Semifinale
                                                                                          2005)
                                               14.02.20: Generalversammlung &
                                               25-Jahr-Feier Wagner Forum Graz,           15.03.20 „Falstaff“; Opéra National de
                                               18:00 Uhr in der Orangerie.                Montpellier; David Hermann (RING
              IN PLANUNG                                                                  AWARD 2000)
                                               10.03.20: Dienstagabend in der             27.03.20 „Peter Grimes“; Theater Ba-
             16. – 17. Juli 2020               OPER GRAZ, 17:30 Uhr: Wir besuchen         sel; Leslie Travers (B+K) (Finale 2005)
                                               die Kostprobe „Die Passagierin“ und        01.04.20: „Mignon“; Bayrische Staats-
    Kurzreise nach Gars am Kamp                werden unsere Eindrücke anschlie-          oper; Christiane Lutz (R), Natascha
                                               ßend im Restaurant BRANDHOF dis-           Maraval (K)(Finale 2014)
zur Premiere der „Carmen“ mit unse-            kutieren können.
rer Bayreuthstipendiatin 2019 Corina                                                      03.04.20 „Die Macht des Schicksals“;
Koller in der Rolle der Micaela.               14.04.20: Dienstagabend im GAST-           Theater Dessau; Tobias Ribitzki (R)
                                               HOF PFLEGER, 19:00 Uhr: „Welches           (Semifinale 2014)
Anmeldungen und Auskünfte:                     Band ist stärker, das der Liebe oder das   04.04.20 „Don Carlo“; Osterfestspiele
Sabine Oberreither unter                       der Freundschaft?“ Der Dramaturg           Salzburg; Vera Nemirova (Finale 2000)
office@sotc.at oder 0664/2522880               Jörg Rieker gibt einen Vorgeschmack        08.04.20 „La Damnation de Faust“;
                                               auf die bevorstehende Premiere „Die        Teatro Regio di Torino; Damiano Mi-
                                               Perlenfischer“ in der Oper Graz.           chieletto (Semifinale 2005)
                                               ACHTUNG! TERMINÄNDERUNG!                   14.06.20 „Tristan und Isolde“; National-
                                               19.05.20: Dienstagabend im GAST-           theater Mannheim; Luise Kautz (Fina-
                                               HOF PFLEGER, 19:00 Uhr: „Der Mas-          le 2017)
                                               termind hinter den Kulissen“. Zu Gast      03.05.20 „Cosi fan tutte“; Opéra Nati-
                                               ist Michael Barobeck, der Betriebs-        onal du Rhin; David Hermann (RING
                                               direktor der Oper Graz. Er wird uns        AWARD 2000)
                                               spannende Einblicke in die „Schalt-        21.06.20 „Otello“; Theater Regens-
                                               zentrale“ der Oper geben.                  burg; Verena Stoiber (R), Sophia
                                                                                          Schneider (B+K) (RING AWARD 2014)
                                               09.06.20: Dienstagabend im GAST-           26.06.20 „Pariser Leben“; Landes-
                                               HOF PFLEGER, 19:00 Uhr: Programm           theater Mecklenburg; Orpha Phealan
                                               in Ausarbeitung                            (Finale 2005)
                                               27. und 28.06.20:                          26.06.20 „Dark Spring“; Nationalthea-
                                               Finale RING AWARD 2020                     ter Mannheim; Barbora Horakova Joly
Carmen © Royal Danish Opera Camilla Winther    Die drei Finale-Teams verwirklichen        (Finale 2017)
                                               ihre Konzepte für Teile des Schluss-       27.07.20 „Ring des Nibelungen“; Bay-
                                               aktes der Wettbewerbsoper „Don             reuther Festspiele; Valentin Schwarz (R),
                                               Giovanni“ von Wolfgang Amadeus             Andrea Cozzi (B+K) (RING AWARD 2017)
                                               Mozart auf der Bühne des Schauspiel-
                                               haus Graz (Infos siehe Seite 11)
                                               10.07.20: ACHTUNG! 5. Wagner Fo-
                                               rum Graz SOMMER-EVENT:
                                               Ein spielerischer, vergnüglicher Streif-
                                               zug durch die Welt der Kultur mit tol-
                                               len Preisen. Ort: Gasthof Di Gallo um
                                               17:30 Uhr. Dauer ca. 2 Stunden. An-
                                               schließend gemütlicher Ausklang mit
                                               Abendessen.
                                                Gäste sind herzlich willkommen!

                                                 www.wfg.at
Turandot © Nils Heck/Staatstheater Darmstadt                                              La Traviata © Komische Oper Berlin, Iko Freese
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