2012 Wirtschaftsbericht - Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt - Kanton Basel-Stadt

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2012 Wirtschaftsbericht - Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt - Kanton Basel-Stadt
Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt

                       2012
                       Wirtschaftsbericht
2012 Wirtschaftsbericht - Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt - Kanton Basel-Stadt
2012 Wirtschaftsbericht - Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt - Kanton Basel-Stadt
Wirtschaftsbericht 2012
2012 Wirtschaftsbericht - Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt - Kanton Basel-Stadt
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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Zusammenfassung

1     Zahlen und Fakten 2008–2011                                                 1

2     Ziele und Aufgabenbereiche der Standortförderung                            4

3     Standortförderung 2008–2011                                                 8
      3.1 Projekte zur Stärkung wichtiger Standortfaktoren                         8
          3.1.1 Arbeitsmarkt                                                       8
          3.1.2 Regulatives Umfeld                                                10
          3.1.3 Steuerliche Attraktivität                                         12
          3.1.4 Erreichbarkeit                                                    12
          3.1.5 Infrastruktur                                                     14
          3.1.6 Flächen und Geschäftsräume                                        15
          3.1.7 Bildung und Forschung                                             16

      3.2 Programme und Projekte der Wirtschaftsförderung und -entwicklung        17
          3.2.1 Rechtliche und finanzielle Grundlagen                             17
          3.2.2 Dienstleistungen für Unternehmen                                  17
          3.2.3 Kommunikation und Promotion                                       19
          3.2.4 Branchenprogramme und Innovationsförderung                        23

4     Herausforderungen: Schwerpunkte der Wirtschaftsförderung                    28
      und -entwicklung 2012–2015
      Herausforderung 1
      Marktanteil Basels in der weltweiten Life-Sciences-Industrie halten         31
      Herausforderung 2
      Attraktive Flächen für die Wirtschaft sichern                               32
      Herausforderung 3
      Gründungsdynamik und Innovationen im Hochtechnologiebereich beschleunigen   35
      Herausforderung 4
      Wirkung der Standortpromotion verstärken                                    36
      Herausforderung 5
      Bestandespflege weiterentwickeln                                            39
      Herausforderung 6
      Markterschliessung erleichtern                                              40
      Herausforderung 7
      Rahmenbedingungen anderer Standorte kennen                                  40
      Herausforderung 8
      Wertschöpfung aus Kongressen steigern                                       41
      Herausforderung 9
      Sozialpartnerschaft als Standortfaktor erhalten                             43

                                               I
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Abkürzungsverzeichnis

Abb.            Abbildung
AG              Aktiengesellschaft
ASIM            Academy of Swiss Insurance Medicine
ASTAG           Schweizerischer Nutzfahrzeugverband
AWA             Amt für Wirtschaft und Arbeit
BG              Bürgschaftsgenossenschaft
BIP             Bruttoinlandsprodukt
BRIC-Staaten    BRIC steht für die Anfangsbuchstaben der Länder Brasilien,
                Russland, Indien und China
BTG             Bürgschaftsgenossenschaft beider Basel
BVD             Bau- und Verkehrsdepartement
CCB             Congress Center Basel
CPIT            Council for the Promotion of International Trade
CMS             Christoph Merian Stiftung
EFTA            European Free Trade Association
EU              Europäische Union
EUICC           European Innovation and Creativity Center
FABI            Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur
FHA             Freihandelsabkommen
FHNW            Fachhochschule Nordwestschweiz
FTTH            Fiber to the Home
GAV             Gesamtarbeitsvertrag
HKBB            Handelskammer beider Basel
ICE             Intercity-Express
IKB             Initiative Kreativwirtschaft Basel
IKT             Informations- und Kommunikationstechnologie
IWB             Industrielle Werke Basel
KMU             Kleine und mittlere Unternehmen
MCH             Messe Schweiz
MIT             Massachusetts Institute of Technology
NRP             Neue Regionalpolitik
OLMA            Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung
OSEC            Aussenwirtschaftsförderung der Schweiz
p.a.            per annum
RFA             Regulierungsfolgenabschätzung
SAFFA           Bürgschaftsgenossenschaft (Schweizerische Ausstellung Für
                FrauenArbeit)
SECO            Staatssekretariat für Wirtschaft
SRH             Schweizerische Rheinhäfen
TER             Transport Express Régional
TPH             Swiss Tropical and Public Health Institute
UEFA            Union of European Football Associations
USA             Vereinigte Staaten von Amerika
VBSL            Verband Basler Speditions-Logistiker
WSU             Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt
WWZ             Wirtschaftswissenschaftliches Zentrum der Universität Basel

                                III
2012 Wirtschaftsbericht - Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt - Kanton Basel-Stadt
2012 Wirtschaftsbericht - Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt - Kanton Basel-Stadt
Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Relative Kantonspositionierung 2012                                         3

Abb. 2: Rolle der Wirtschaftsförderung und -entwicklung im Kanton Basel-Stadt       7

Abb. 3: Ergebnisse der Unternehmensbefragung zu Zufriedenheit und Wichtigkeit der   11
        Standortbedingungen im Kanton Basel-Stadt

Abb. 4: Über die BaselArea erfolgte Firmengründungen in den Kantonen Basel-Stadt    20
        und Basel-Landschaft

Abb. 5: Konzentration und Produktivität der Branchen im Kanton Basel-Stadt 2010     29

Abb. 6: Ausgewählte Schwerpunktgebiete mit starkem Wirtschaftsbezug                 34

Abb. 7: Neugründungsdynamik im kantonalen Vergleich                                 35

                                              V
2012 Wirtschaftsbericht - Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt - Kanton Basel-Stadt
Vorwort                                                 Der vorliegende Wirtschaftsbericht, den der
                                                        Regierungsrat alle vier Jahre an den Grossen
                                                        Rat richtet, fokussiert auf Strategien, Konzepte
Chancen wahrnehmen!
                                                        und Massnahmen im Bereich Wirtschaft. Dazu
Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieses            gehört ganz wesentlich die Förderung der Life-
Berichts im Juni 2012 sind die wirtschaftlichen         Sciences-Industrie auf allen politischen Ebe-
Aussichten unsicher. Die Überschuldung der              nen. Der Regierungsrat will, basierend auf
meisten EU-Staaten und der USA und die da-              dem bewährten Konzept der Zielbranchen,
mit einhergehende Frankenstärke haben viele             aber auch gezielt neue Akzente setzen, unaus-
Unternehmen der Exportwirtschaft in eine                geschöpfte Potenziale erschliessen und teilwei-
schwierige Lage gebracht. Gedrückte Margen              se neue Wege gehen. Dazu gehören der Aufbau
sind Realität, schwindende Umsätze aufgrund             neuer Dienstleistungen für exportorientierte
einer drohenden Rezession zeichnen sich ab.             KMU, eine verstärkte Innovationsförderung in
Der Druck, angesichts der öffentlichen Ver-             der Nordwestschweiz – und dadurch die indi-
schuldung auch im Gesundheitswesen zu spa-              rekte Stärkung der Standortpromotion – sowie
ren, ist gross. Dies trifft die für die Region          die Entwicklung einer Kongressstrategie.
Basel wichtige Life-Sciences-Industrie.
                                                        Bei vielen Massnahmen spielen die kantons-
Auch die Arbeitslosigkeit in der Schweiz                übergreifenden und die internationalen Bezie-
nimmt, auf einem im internationalen Vergleich           hungen eine zunehmend wichtige Rolle. Dies
tiefen Niveau, wieder zu. Hinzu kommt, dass             ist für den Kanton jedoch nur dann vorteilhaft,
das Verhältnis der Schweiz zur EU, dem wich-            wenn die "harten" Standortfaktoren im Stadt-
tigsten Handelspartner der Schweiz, nicht ge-           kanton selber weiter verbessert werden. Dazu
klärt ist. Der Steuerstreit mit der EU kann, je         gehören der Ausbau des Technologieparks
nach Lösung, die Steuererträge der wirtschaft-          Basel, die Sicherung von Arealen für indus-
lich starken Zentren, zu denen auch Basel-              trielle und generell wirtschaftliche Tätigkeiten
Stadt gehört, massiv beeinträchtigen. Der aus-          und die Verbesserung der steuerlichen
ländische Druck auf den Finanzsektor – in               Attraktivität für Unternehmen.
Basel-Stadt punkto Wertschöpfung immerhin
die zweitwichtigste Branche – ist unverändert           Der Regierungsrat ist überzeugt, dass der
hoch. Der Schweiz droht der Verlust eines               Kanton Basel-Stadt bestehenden wie sich neu
Teils ihrer Wettbewerbsvorteile. Trotz der im           ansiedelnden Unternehmen auch in Zukunft
Herbst 2011 von der Schweizerischen Natio-              hervorragende Bedingungen bieten kann. Er
nalbank und vom Bundesrat ergriffenen Mass-             zählt bei der Umsetzung der Massnahmen auf
nahmen bleiben die wirtschaftlichen Risiken             die Unterstützung des Grossen Rates, der
hoch.                                                   Bevölkerung und der Wirtschaft, an die sich
                                                        die Massnahmen in diesem Bericht in erster
Was ist in Basel-Stadt zu tun, damit die                Linie richten.
Wohlstandsgewinne der letzten Jahre auch in
Zukunft anfallen, damit Wertschöpfung und
Beschäftigung hoch bleiben oder dort, wo Ein-           Departement für Wirtschaft, Soziales und
                                                        Umwelt des Kantons Basel-Stadt
schnitte erfolgten, in den kommenden Jahren
wieder zunehmen? Der Regierungsrat ist über-
zeugt, dass der Kanton Basel-Stadt über genü-
gend Substanz verfügt, um den Unternehmen
und den Beschäftigten eine attraktive Zukunft
zu ermöglichen. Mit dem Legislaturplan 2009–
2013 zeigt der Regierungsrat auf, wo er die
politischen Schwerpunkte setzen will.

                                                  VII
Zusammenfassung                                        Kantonsebene wurden daher Massnahmen zur
                                                       Konjunkturstützung und zur Abfederung der
                                                       negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Zahlen und Fakten 2008–2011                            eingeführt.
Die weltweite konjunkturelle Lage wurde in
den vergangenen vier Jahren geprägt von der            Die Liberalisierung der Personenfreizügigkeit
Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Schweizer            hat im Kanton Basel-Stadt ganz wesentlich
Wirtschaft meisterte diese jedoch vergleichs-          zum Wirtschaftswachstum der letzten Jahre
weise erfolgreich und auch die Wirtschaft im           beigetragen, da Firmen die erforderlichen
Kanton Basel-Stadt entwickelte sich trotz des          Fachkräfte ungehindert auf dem europäischen
schwierigen Umfeldes überwiegend positiv. So           Markt rekrutieren konnten. Der inländische
wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP)             und der europäische Arbeitsmarkt vermögen
zwischen 2008 und 2010 um durchschnittlich             jedoch in einigen Branchen den Bedarf der
1,5% p.a. und auch die reale Wirtschaftsleis-          Unternehmen nach hochqualifizierten Fach-
tung pro Kopf konnte im gleichen Zeitraum              kräften nicht zu decken, so dass die Anzahl
um 1,2% p.a. auf rund 160'000 Franken im               Gesuche nach kontingentierten Arbeitsbewilli-
Jahr 2010 zulegen.                                     gungen für Drittstaatsangehörige in den letzten
                                                       Jahren kontinuierlich stieg.
Die Branchenstruktur im Stadtkanton ist
gekennzeichnet durch einen hohen Anteil an             Seit dem Jahr 2005 bildet die Senkung der
Unternehmen in innovativen, globalisierten             Jugendarbeitslosigkeit ein politisches Schwer-
Branchen, so dass die Zahl der Erwerbstätigen          gewicht des Regierungsrates. Unter der Koor-
zwischen 2008 und 2010 leicht um 0,5% p.a.             dination einer interdepartementalen Strategie-
stieg. Die Arbeitslosigkeit hingegen hat sich          gruppe wurden Massnahmen zur Senkung der
auch im Kanton Basel-Stadt als Folge der               Jugendarbeitslosigkeit evaluiert und umgesetzt.
Wirtschaftskrise erhöht.
                                                       Der im Jahr 2006 initiierte Round Table
Im Rahmen seiner Wirtschaftsförderung und              "Familienfreundliche Wirtschaftsregion Basel"
-entwicklung arbeitet der Kanton Basel-Stadt           hat seine Tätigkeit zur Vereinbarkeit von Beruf
sowohl mit dem Bund als auch mit seinen                und Familie fortgesetzt. Die aus Unternehmen,
Nachbarkantonen eng zusammen. Basierend                Verbänden und Verwaltungsstellen zusam-
auf dem im Legislaturplan 2009–2013 postu-             mengesetzte Public-private-Partnership enga-
lierten Ziel der Steigerung der internationalen        giert sich für geeignete Rahmenbedingungen
Wettbewerbsfähigkeit des Kantons sowie in              und für die Positionierung Basels als familien-
Anlehnung an die Systematik des Bundes, ist            freundliche Wirtschaftsregion.
die Wirtschaftsförderung und -entwicklung im
Kanton Basel-Stadt ein spezifischer Beitrag zu         Im Jahr 2011 wurde im Kanton Basel-Stadt die
mehr Wertschöpfung und Beschäftigung in                sogenannte Regulierungsfolgenabschätzung
Kanton und Region. Dies soll durch die Beein-          (RFA) eingeführt. Die RFA ist ein Instrument
flussung von Standortfaktoren sowie mittels            zur Verbesserung der Rechtssetzung, das die
eigener Programme und Projekte erreicht wer-           Erlasstexte vorgängig ihrer Verabschiedung
den.                                                   einer Analyse der wirtschaftlichen Auswirkun-
                                                       gen unterzieht und zur Entlastung der Wirt-
                                                       schaft beitragen soll.
Projekte zur Stärkung wichtiger Standort-
faktoren
                                                       In den Jahren 2008 bis 2010 schloss der Kan-
Wirtschaft und Arbeitsmarkt wurden nach                ton die laufende Rechnung jeweils mit einem
einer längeren Phase des Aufschwungs Ende              Überschuss ab. Der nachhaltige Kurs in der
2008 von der weltweiten Finanz- und Kon-               Finanzpolitik wurde somit in den vergange-
junkturkrise hart getroffen. Auf Bundes- und           nen Jahren konsequent fortgeführt. Mit den

                                                  IX
Steuerpaketen 2008 und 2010 wurden die Ein-           Basel in Kooperation mit Swisscom innerhalb
kommenssteuern um 150 Mio. und die Unter-             der nächsten sieben Jahre ein flächendecken-
nehmenssteuern um 100 Mio. Franken gesenkt.           des Glasfasernetz aufzubauen.
Der Regierungsrat hat zudem im Jahr 2011
eine Vorlage verabschiedet, welche eine weite-        Das Projekt des Hallenneubaus der Messe
re, schrittweise und an Bedingungen gekoppel-         Basel (Messezentrum Basel 2012) ist in den
te Senkung des maximalen Gewinnsteuersatzes           Jahren 2008 bis 2011 von der politischen Ent-
auf 18% vorsieht. Nach der Zustimmung durch           scheidung des Grossen Rates und der Stimm-
den Grossen Rat stimmte das Stimmvolk im              bevölkerung bis zum Abschluss der ersten von
Juni 2012 jedoch knapp gegen den Entscheid.           zwei Hauptbauetappen fortgeschritten. Nach-
                                                      dem der Regierungsrat im September 2007
Die Region Basel ist ein Drehkreuz des inter-         seine Anträge betreffend das Neubauprojekt
nationalen Personen- und Güterverkehrs. In            zuhanden des Grossen Rats verabschiedet hat-
den vergangenen Jahren haben einige Projekte          te, stimmte dieser im März 2008 mit grossem
dazu geführt, dass Basel diesem Anspruch              Mehr dem Überbauungsplan und den Investi-
auch weiterhin gerecht wird. Die Vorlage des          tionsbeihilfen des Kantons zu. Im Juni 2008
Bundes zu Finanzierung und Ausbau der Bahn-           hiess zudem die Stimmbevölkerung des Kan-
infrastruktur wird darüber hinaus entscheiden-        tons mit 61,4% Ja-Stimmen den Grossratsbe-
de Weichen für die künftige Entwicklung des           schluss gut.
Schweizer Bahnnetzes stellen.
                                                      Die Nachfrage nach neuen Gewerbe- und
Mit der wirtschaftlichen Erholung im Laufe            Industrieflächen ist im Kanton Basel-Stadt
von 2010 besserte sich auch die Lage am               höher als das bestehende Angebot. Aufgrund
EuroAirport. Wurden Ende 2010 knapp                   der wegen der Verknappung zunehmenden
4,2 Mio. Passagiere gezählt, waren es im Jahr         Bedeutung dieses Standortfaktors für die Wirt-
2011 etwas über 5 Mio. Auch die Frachttonna-          schaft hat das Departement für Wirtschaft,
gen liegen weiter auf hohem Niveau, allerdings        Soziales und Umwelt (WSU) in diesem Be-
gegenüber 2010 mit zuletzt sinkendender Ten-          reich seit 2008 verstärkt Wissen aufgebaut und
denz.                                                 bei zahlreichen Arealentwicklungen, der Total-
                                                      revision des Richtplans und in Stellungnahmen
2007 startete die schrittweise Liberalisierung        die Interessen der Wirtschaft in die Planung
des Schweizer Strommarktes. Damit die ener-           eingebracht.
giepolitischen Ziele des Kantons auch inner-
halb dieser neuen Rahmenbedingungen                   Nach einem mehrjährigen politischen Prozess
erreicht werden können, wurden seither die            hat der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt im
gesetzlichen Rahmenbedingungen auf kantona-           Mai 2010 entschieden, den Konkordaten
ler Ebene angepasst. Mit dem neuen IWB-               HarmoS und Sonderpädagogik beizutreten
Gesetz, das der Grosse Rat im Februar 2009            und das Schulsystem auf zwei Jahre Kinder-
verabschiedete, wurde das Unternehmen per             garten, sechs Jahre Primarschule, drei Jahre
Anfang 2010 von einer Verwaltungseinheit in           Sekundarschule und vier Jahre Gymnasium
eine öffentlich-rechtliche Anstalt umgewandelt        umzustellen. Im September 2010 taten es ihm
und erhielt den notwendigen zusätzlichen              der Landrat und der Souverän des Kantons
unternehmerischen Spielraum.                          Basel-Landschaft gleich, so dass die beiden
                                                      Kantone künftig identische Schulstrukturen
Ein wichtiges Ziel der Standortpolitik des Re-        aufweisen.
gierungsrates ist es, frühzeitig gute Rahmenbe-
dingungen für Innovation und wirtschaftliches         Angesichts der Wissensbasiertheit der Schweiz
Wachstum zu schaffen. Daher unterstützt der           sind die Hochschulen ein bedeutender Faktor
Regierungsrat das 2009 von den IWB unter              der Standortförderung in urbanen Zentren. Der
dem Titel FTTH-BS lancierte Vorhaben, in              Regierungsrat hat daher in den letzten zehn

                                                  X
Jahren das regionale Hochschulwesen konse-                   ten beantragen. Das Ziel der Mietzinserleich-
quent ausgebaut und weiterentwickelt, was                    terung ist, die Region für junge Hochtechno-
sich in einem deutlichen Wachstumserfolg der                 logieunternehmen, namentlich solche, die aus
beiden Hochschulen niederschlägt.                            Hochschulen heraus entstehen, wettbewerbsfä-
                                                             higer zu machen. Von 2008 bis einschliesslich
                                                             2011 wurden Gelder in Höhe von insgesamt
Programme und Projekte der Wirtschafts-                      rund 235'000 Franken gesprochen.
förderung und -entwicklung
Mit dem Basel Inkubator erhalten Forsche-                    Im Sinne einer KMU-freundlichen Politik ist
rinnen und Forscher seit dem Jahr 2009 die                   der Kanton Basel-Stadt bestrebt, das gewerbli-
Möglichkeit, ein vielversprechendes For-                     che Bürgschaftswesen als Finanzierungsin-
schungsergebnis unter professioneller Beglei-                strument für KMU zu stärken. Für die Jahre
tung weiterzuverfolgen und in eine Start-up-                 2010 und 2011 sind daher mit den beiden für
Firma zu überführen. Das Angebot richtet sich                das Kantonsgebiet zuständigen Bürgschaftsge-
in erster Linie an Ausgründungen aus der Uni-                nossenschaften BG Mitte und SAFFA Leis-
versität Basel und der Fachhochschule Nord-                  tungsvereinbarungen abgeschlossen worden.
westschweiz (FHNW) mit einem technologi-                     Darüber hinaus wurde für die Jahre 2011 bis
schen Hintergrund. Ende 2011 nutzten bereits                 2013 eine Leistungsvereinbarung mit der BTG
elf Firmen aus den Bereichen Life-Sciences1,                 Mezzfin AG unterzeichnet. Zweck der Institu-
Informatik, Umweltanalytik und Nanotechno-                   tion ist die Gewährung von Bürgschaften für
logie das Angebot.                                           Mezzanine-Finanzierungen an KMU im Zu-
                                                             sammenhang mit Nachfolgeregelungen und
Im Jahr 2011 wurde in Basel Kleinhüningen                    Unternehmenserweiterungen im Raum Nord-
der Technologiepark Basel eröffnet. Dieser ist               westschweiz.
ein Kernelement der kantonalen Strategie,
Unternehmertum und die Verwertung von                        Die für die Standortpromotion im Ausland
Hochtechnologie zu fördern. Der Technologie-                 zuständige BaselArea konnte im Zeitraum
park Basel bietet jungen Unternehmen Büro-                   2007 bis 2011 die Gründung von 375 Firmen
und Laborflächen sowie Räume und Infra-                      in der Wirtschaftsregion Basel begleiten. Seit
strukturen zur gemeinschaftlichen Nutzung.                   2010 wird aufgrund eines Koopera-
Zielgruppe des Technologieparks sind Jung-                   tionsmodells auch der Kanton Jura unter der
unternehmen in Technologiebranchen.                          Marke BaselArea vermarktet. Die Zusammen-
                                                             arbeit ist vorerst auf vier Jahre festgelegt.
Seit dem Jahr 2006 bietet das KMU-Desk im
Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons                    In den letzten zehn Jahren hat sich der Tou-
Basel-Stadt (AWA) allen in Basel-Stadt ansäs-                rismus, dank des Einsatzes von Basel Touris-
sigen kleinen und mittelgrossen Unternehmen                  mus, im Stadtkanton äusserst positiv entwi-
(KMU) bei Fragen und Unklarheiten bezüglich                  ckelt. Die touristischen Frequenzen haben stark
der öffentlichen Verwaltung eine zentrale An-                zugenommen. Alleine zwischen den Jahren
laufstelle. Den Unternehmen werden dabei                     2002 und 2007 konnten die Logiernächte um
Ansprechpartner für ihr Anliegen genannt                     50% auf 944'000 erhöht werden. Im Jahr 2008
und/oder Lösungswege aufgezeigt.                             wurde zum ersten Mal die Marke von
                                                             1 Mio. Logiernächten überschritten.
Neu gegründete Hochschul-Spin-offs mit Sitz
im Kanton Basel-Stadt können beim Kanton                     Die MCH Group, welche im Jahr 2009 aus
seit dem Jahr 2004 Zuschüsse an ihre Mietkos-                der ehemaligen Messe Schweiz hervorgegan-
                                                             gen ist, hat in den Jahren 2008 bis 2011 einen
1
 Hierunter versteht man die Teilbranchen pharmazeuti-        durchschnittlichen Betriebsertrag von 327,3
sche Industrie, Agro-Sciences und Medizinaltechnik           Mio. Franken und einen durchschnittlichen
sowie die Forschungs- und Entwicklungsunternehmen in         Gewinn von 26,2 Mio. Franken erwirtschaftet
diesen drei Branchen.

                                                        XI
und war im Jahr 2010 umsatzmässig die acht-              reits die dritte in Folge und befasst sich nebst
grösste Messegesellschaft in Europa. Die Un-             der Generierung von Wachstum im Bereich
ternehmensgruppe hat sich damit im wirt-                 Life-Sciences schwerpunktmässig mit der
schaftlich schwierigen Umfeld gut behauptet              Stärkung der klinischen Forschung.
und ihre Marktposition gegenüber ihren Kon-
kurrenten gestärkt. Die beiden Weltmessen                Um die Rahmenbedingungen im Bereich Lo-
BASELWORLD und Art Basel konnten ihre                    gistik gezielt zu optimieren, wurde 2009 von
weltweit führende Position behaupten und                 der Handelskammer beider Basel zusammen
teilweise sogar ausbauen.                                mit den hier ansässigen Logistikunternehmen,
                                                         Verbänden und den beiden Kantonen Basel-
In Kooperation mit den verschiedenen Marke-              Stadt und Basel-Landschaft der Logistik-
tingakteuren in den Bereichen Tourismus,                 cluster Basel ins Leben gerufen. Dabei wird
Standortpromotion, Kultur und Bildung kon-               das Ziel verfolgt, die volkswirtschaftliche Be-
zentrierten sich die Marketinganstrengungen              deutung der Logistik für die Wirtschaftsregion
des Kantons in den vergangenen Jahren auf                Basel aufzuzeigen, die künftigen Herausforde-
die Länder Deutschland, USA, Russland und                rungen in der Logistik zu beurteilen sowie
China. Nach einer mehrjährigen Werbeoffen-               konkrete Massnahmen zur Stärkung und Ent-
sive in Hamburg (2007–2011) und einem                    wicklung des Logistikstandortes Basel zu defi-
Grossauftritt an der Worldexpo 2010 in                   nieren.
Shanghai folgte im Jahr 2011 ein Marketing-
auftritt in Moskau, der im Jahr 2012 seine               Die Stiftung Finanzplatz Basel wurde im Jahr
Fortsetzung finden wird. In den vergangenen              1997 im Zusammenhang mit der Liquidation
Jahren wurden zudem Projekte in der Schweiz              der Börsenkammer des Kantons Basel-Stadt
realisiert, um das Image des Standortes Basel            errichtet. Ihr Zweck ist die Förderung des Fi-
in der Schweiz zu verbessern und partner-                nanz- und Wirtschaftsplatzes Basel. In Verfol-
schaftliche Projekte mit den Nachbarkantonen             gung dieses Zweckes hat die Stiftung auch in
zu realisieren.                                          den Jahren 2008 bis 2011 zahlreiche Projekte
                                                         und Initiativen, wie eine Studie zu Bedeutung
Seit Beginn der 1990er Jahre betreibt der Kan-           und Zukunftsaussichten des Bankenplatzes
ton aktive Beziehungspflege. So finden durch-            Basel und verschiedene Marketingauftritte des
schnittlich achtmal pro Jahr vertiefte Gesprä-           Kantons in Hamburg, Shanghai und Moskau,
che des Regierungsrates mit grossen Unter-               unterstützt.
nehmen und wichtigen Arbeitgebern im Kan-
ton statt. Zusätzlich führt die Regierungsrätli-         Der Regierungsrat hat im November 2010
che Delegation für Wirtschaftsfragen zweimal             beschlossen, die fünfte kantonale Zielbranche,
jährlich je ein Gespräch mit den Spitzen der             die Kreativwirtschaft, in den Jahren 2011 bis
Wirtschaftsverbände respektive der Arbeit-               2013 mit rund einer Million Franken zu för-
nehmerorganisationen. Auch das Amt für                   dern. Im Jahr 2011 hat die Initiative Kreativ-
Wirtschaft und Arbeit führt gezielte Gespräche           wirtschaft Basel (IKB) ihre Arbeit aufgenom-
mit für den Kanton wichtigen KMU.                        men. Es wurden erste Grundlagen für den Er-
                                                         folg der Initiative gelegt und erste Massnah-
Seit 2005 ist die Handelskammer beider Basel             men umgesetzt.
(HKBB) von den beiden Kantonen Basel-
Landschaft und Basel-Stadt für die Standort-             Im Jahr 2008 wurde i-net BASEL um zwei
entwicklung im Bereich Life-Sciences manda-              zukunftsfähige Technologiefelder ausgedehnt.
tiert. In diesem Zusammenhang erarbeitet die             Neben dem Technologiefeld IKT (Informa-
Handelskammer in Zusammenarbeit mit den                  tions- und Kommunikationstechnologie) agiert
beiden Basler Kantonen in regelmässigen Ab-              die kantonale Innovationsförderung heute auch
ständen eine Life-Sciences-Strategie. Die im             in den Feldern Nanotechnologie und Cleantech
Jahr 2011 von beiden Regierungen und der                 (Energie- und Umwelttechnologien). Als Platt-
Handelskammer beschlossene Version ist be-               form für Innovationen leistet i-net innovation
                                                   XII
networks, die Nachfolgeorganisation des Pro-             der MCH Group sowie die regelmässige und
gramms i-net BASEL, einen wesentlichen                   substanzielle Beteiligung an Ausbauten des
Beitrag zur Vernetzung von Forschung und                 Messestandortes (Messezentrum Basel 2012).
Industrie.
                                                         Der Regierungsrat will die hervorragende
BioValley, die trinationale Life-Sciences-               Ausgangslage von Basel und der Schweiz nut-
Clusterinitiative im Dreiländereck Schweiz-              zen, um den Wirtschaftsstandort gezielt wei-
Deutschland-Frankreich wird bereits seit 1998            terzuentwickeln. Angesichts der stark wach-
über das EU-Programm INTERREG sowie                      senden wirtschaftlichen, wissenschaftlichen
durch Bund und Kantone unterstützt. In den               und kulturellen Bedeutung Chinas und weiterer
vergangenen Jahren lag der Fokus dabei auf               Schwellenländer sowie der unverändert hohen
der Förderung des grenzüberschreitenden                  Qualität vieler US-amerikanischer Hochschu-
Technologietransfers.                                    len in Lehre und Forschung sieht sich jedoch
                                                         auch ein führender europäischer Standort wie
                                                         Basel in Zukunft vor grosse Herausforderun-
Ausblick
                                                         gen gestellt. Zu den wichtigsten Herausforde-
Auch in den Jahren 2012 bis 2015 verfolgt der            rungen, die der Kanton mit seiner Wirtschafts-
Regierungsrat das Konzept der Zielbranchen.              förderung und -entwicklung direkt beeinflus-
Zu diesen zählen neben den Life-Sciences, der            sen kann, zählen dabei folgende:
Chemischen Industrie und den Finanzdienst-
leistungen auch die Logistik und die Kreativ-            1. Marktanteil Basels in der weltweiten Life-
wirtschaft. Den Zielbranchen sollen auch wei-               Sciences-Industrie halten;
terhin überdurchschnittliche Standortbedin-              2. Attraktive Flächen für die Wirtschaft
gungen geboten werden. Wo sinnvoll und                      sichern;
möglich, trägt der Kanton mit eigenen Pro-               3. Gründungsdynamik und Innovationen im
grammen oder mit der Unterstützung von Pro-                 Hochtechnologiebereich beschleunigen;
grammen Dritter zu einer Stärkung dieser
Branchen bei.                                            4. Wirkung der Standortpromotion verstär-
                                                            ken;
Auch bei der Beziehungspflege sollen keine               5. Bestandespflege weiterentwickeln;
Änderungen vorgenommen werden. Der Re-
                                                         6. Markterschliessung erleichtern;
gierungsrat und der Vorsteher des Departe-
ments für Wirtschaft, Soziales und Umwelt                7. Rahmenbedingungen anderer Standorte
pflegen auch in Zukunft einen aktiven Dialog                kennen;
mit den Grossunternehmen der Zielbranchen,               8. Wertschöpfung aus Kongressen steigern;
den übrigen grossen Arbeitgebern sowie mit
den im Kanton aktiven Wirtschaftsverbänden.              9. Sozialpartnerschaft als Standortfaktor er-
                                                            halten.
Die Beziehungen zu kleinen und mittleren
Unternehmen aus den Zielbranchen und den
von i-net innovation networks abgedeckten
Technologiefeldern werden auch weiterhin
primär vom Amt für Wirtschaft und Arbeit
gepflegt.

Der Kanton Basel-Stadt verfolgt weiterhin eine
aktive Tourismusförderung, indem der Kan-
ton Basel Tourismus substanziell unterstützt
und sich im Rahmen dieser Organisation an
der touristischen Strategiebildung beteiligt.
Der wichtigste tourismusspezifische Beitrag
des Kantons ist dabei die Kapitalbeteiligung an
                                                  XIII
1           Zahlen und Fakten 2008–2011

Die weltweite konjunkturelle Lage wurde in                  Bei der Betrachtung des Wachstums der realen
den vergangenen vier Jahren geprägt von der                 Wertschöpfung nach Branchen verzeichnete
Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Schweizer                 vor allem die Life-Sciences-Industrie in den
Wirtschaft meisterte diese jedoch vergleichs-               Jahren 2008 bis 2010 ein starkes Wachstum
weise erfolgreich, und auch die Wirtschaft im               (+5,7% p.a.). Ebenfalls gewachsen sind die
Kanton Basel-Stadt entwickelte sich trotz des               Branchen Unterhaltung, Kultur und Sport
schwierigen Umfeldes überwiegend positiv.                   (+1,1% p.a.) sowie Gesundheits- und Sozial-
                                                            wesen (+1% p.a.). Um je 0,7% p.a. wuchs die
Der Kanton Basel-Stadt ist heute ein sehr er-               Wertschöpfung in den Branchen Informatik
folgreicher Wirtschaftsstandort: Das reale                  und Detailhandel. Negativ war das Wachstum
Bruttoinlandsprodukt wuchs zwischen 2008                    hingegen insbesondere in den Branchen Che-
und 20102 um durchschnittlich 1,5% p.a., das                mische Industrie (–2,3% p.a.), Bau (–1,9%
der Schweiz nur um 0,3%.3 Auch die reale                    p.a.) und Finanzdienstleistungen (–0,6% p.a.).
Wirtschaftsleistung pro Kopf konnte in Basel-
Stadt im gleichen Zeitraum um 1,2% p.a. auf                 Die Zahl der Erwerbstätigen4 ist im Kanton
rund 160'000 Franken im Jahr 2010 zulegen                   Basel-Stadt zwischen 2008 und 2010 leicht um
(höchster Wert der Schweiz). Im Gesamt-                     0,5% p.a. gestiegen. Im Gesamtschweizer
schweizer Durchschnitt hingegen sank das BIP                Durchschnitt stieg die Zahl der Erwerbstätigen
pro Kopf um jährlich 0,7%.
                                                            4
                                                             Erwerbstätige haben gemäss der Definition von BAK
2
  Zahlen für das Jahr 2011 liegen noch nicht vor.           Basel Economics ihren Arbeitsplatz im Kanton Basel-
3
  Sofern nicht anders vermerkt, stammen die Daten von       Stadt, können jedoch auch ausserhalb der Kantonsgren-
BAK Basel Economics.                                        zen wohnen.

                                                        1
im gleichen Zeitraum um durchschnittlich                Bezieht man zusätzlich die Produktivität mit
0,6% p.a.                                               ein, konnte der Kanton Basel-Stadt im Be-
                                                        trachtungszeitraum eine überdurchschnittliche
Bezüglich des Erwerbstätigenanteils blieb die           Steigerung verbuchen. Gemäss einigen Wachs-
Life-Sciences-Industrie im Jahr 2010 mit ei-            tumstheorien ist denn auch das Wirtschafts-
nem Anteil von 9,7% an der Gesamtzahl der               wachstum umso höher, je grösser der Anteil
Erwerbstätigen die wichtigste Branche des               der im Forschungssektor beschäftigten
baselstädtischen Industriesektors. Im Bereich           Arbeitskräfte ist. Wachstum kann also sowohl
des tertiären Sektors ist der Anteil der Erwerbs-       durch ein Mehr an Produktion und eingesetzten
tätigen im Bereich Gesundheits- und Sozial-             Faktoren wie Kapital oder Arbeit erreicht wer-
wesen sowie Unternehmensdienstleistungen mit            den, aber ebenso durch die Steigerung der Pro-
14,4% respektive 12,2% am höchsten.                     duktivität.

In den Branchen Immobilienwesen (+5,6%                  Die schweizweit einzigartige Branchenstruk-
p.a.), Life-Sciences (+2,8% p.a.), öffentliche          tur im Kanton Basel-Stadt ist gekennzeichnet
Verwaltung (+2,4% p.a.), Gesundheits- und               durch einen hohen Anteil an Unternehmen in
Sozialwesen (+2,1% p.a.), Informatik (+1,8%             innovativen, zukunftsträchtigen und globali-
p.a.)    und     Unternehmensdienstleistungen           sierten Branchen (vgl. Abb. 1). Diese Unter-
(+1,2% p.a.) ist die Zahl der Erwerbstätigen            nehmen stehen (noch stärker als andere) im
zwischen 2008 und 2010 überdurchschnittlich             internationalen Wettbewerb. Dies führt zur
gewachsen. Hingegen ist deren Zahl in den               zweiten möglichen Schlussfolgerung: Die
Branchen Chemische Industrie (–9,5% p.a.)               Steigerung der Produktivität (zulasten der Stei-
und Finanzdienstleistungen (–0,4% p.a.) zum             gerung des Arbeitsplatzwachstums) erhöhte die
Teil deutlich zurückgegangen.                           Wettbewerbsfähigkeit der Basler Unternehmen
                                                        und trägt somit mittel- bis langfristig zum Ar-
Betrachtet man jedoch die Periode 1995 bis              beitsplatzerhalt bei.
2008, zeigt sich, dass die Zahl der Erwerbstäti-
gen in Basel-Stadt stark unterdurchschnittlich          Dennoch muss eine nachhaltige Wirtschaftspo-
zugenommen hat, nämlich lediglich um knapp              litik – flankierend zur Steigerung von Produk-
2%, verglichen mit rund 14% in der Gesamt-              tivität und Wirtschaftsleistung – auch die
schweiz (Kanton Genf: 24%, Kanton Basel-                Beschäftigung im Auge behalten, d.h. einen
Landschaft: 12%,       Kanton Zürich: 16%).             Beitrag zu Erhalt und Schaffung von Arbeits-
Demgegenüber ist im selben Zeitraum das                 plätzen leisten. In Kapitel 4 dieses Berichtes
reale BIP in Basel-Stadt um rund 48% gestie-            wird aufgezeigt, mit welchen Massnahmen
gen, verglichen mit lediglich 29% in der Ge-            sowohl die Wirtschaftsleistung wie die Be-
samtschweiz (Genf: 39%, Basel-Landschaft:               schäftigung positiv beeinflusst werden sollen.
26%, Kanton Zürich: 22%).
                                                        Die Hochtechnologieregion Nordwestschweiz
Die starke Steigerung der Wirtschaftsleistung           verfügt über wichtige Trümpfe, die sie gegen-
konnte also vor allem in der zweiten Hälfte der         über anderen führenden Regionen in den USA
neunziger Jahre nur zu einem kleinen Teil in            und in Asien auszeichnet. Ein vom Amt für
neue Arbeitsplätze transformiert werden. Dies           Wirtschaft und Arbeit 2011 in Auftrag gegebe-
gelang seit Anfang dieses Jahrhunderts besser,          ner qualitativer Vergleich mit den Partnerstaa-
allerdings relativ einseitig abgestützt auf den         ten bzw. -städten Massachusetts (USA) und
Erfolg der Pharma- und übrigen Life-Sciences-           Shanghai (China) zeigt, dass das Alleinstel-
Industrie. Diese ist in der jüngeren Vergangen-         lungsmerkmal der Region Basel die vollstän-
heit nicht nur stark gewachsen, sondern hat             dige Wertschöpfungskette in Verbindung mit
auch neue Arbeitsplätze geschaffen. Die attrak-         der Existenz von Headquarterfunktionen bildet
tiven Rahmenbedingungen am Standort                     (vgl. Kasten S. 42).
Basel/Schweiz haben diese Entwicklung be-
günstigt.
                                                    2
Gemäss dem 2012 von der Grossbank UBS                 Über die letzten zehn Jahre betrachtet, haben
erstmals publizierten Bericht zum „Kantona-           die inflationsbereinigten Steuererträge im
len Wettbewerbsindikator“ lag der Kanton              Kanton Basel-Stadt um rund 23% zugenom-
Basel-Stadt im Jahr 2012 auf Platz 2, knapp           men. Insbesondere zwischen 2004 und 2008
hinter dem Kanton Zürich, aber vor den Kan-           entwickelten sich die Steuererträge ausseror-
tonen Zug, Aargau und Basel-Landschaft. Die           dentlich gut. Die Finanz- und Wirtschaftskrise
Stärken von Basel-Stadt liegen vor allem in der       hatte, mit einem realen Steuerertragsrückgang
wirtschaftlichen Dynamik, der hervorragenden          von rund 13%, jedoch Einfluss auf das Rech-
Erreichbarkeit und der grossen Innovations-           nungsjahr 2009. Vor allem die Gewinn- und
kraft. In diesen Bereichen ist Basel-Stadt füh-       Kapitalsteuern von Unternehmen nahmen in
rend. Relative Schwächen wurden in den Be-            dieser Zeit markant um mehr als 20% ab. Im
reichen Finanzspielraum (Spielraum, die fi-           Jahr 2010 stiegen die Steuererträge jedoch
nanzpolitischen Rahmenbedingungen weiter zu           wieder um 11,1% auf rund 2,4 Mia. Franken.
verbessern und so die Grundlage für weiteres
Wirtschaftswachstum zu schaffen) und Ar-
beitsmarkt ausgemacht, wobei die Gründe für
letzteres insbesondere in der demografischen
Struktur des Kantons liegen.

Die Arbeitslosigkeit hat sich im Kanton
Basel-Stadt als Folge der Wirtschaftskrise seit
August 2008 kontinuierlich erhöht. Der Höhe-
punkt wurde im Januar 2010 erreicht, als 4'416
Personen arbeitslos gemeldet waren, was einer
Arbeitslosenquote von 4,5% entsprach. Im
Dezember 2011 betrug die Arbeitslosenquote
3,5%.

Abb. 1: Relative Kantonspositionierung 2012
Kantone im Feld rechts oben verfügen über Unternehmen in Branchen, die gegenüber dem Durch-
schnitt aller Branchen der Schweiz eine starke Wettbewerbsposition haben und in attraktiven
Zukunftsmärkten aktiv sind.
Basierend auf der langfristigen Branchenpositionierung 2011

 Quelle: Bundesamt für Statistik, BAK Basel Economics, UBS Wealth Management Research

                                                  3
2          Ziele und Aufgabenbereiche der
           Standortförderung

Gemeinsame Aufgabe von Bund                            aussen sichtbar zu machen. Zusätzliche Mass-
und Kantonen                                           nahmen im Bereich Standortförderung bauen
                                                       daher sinnvollerweise auf diesen bewährten
Die Standortförderung ist in der Schweiz               Instrumenten der Schweizer Wirtschaftspolitik
eine gemeinsame Aufgabe von Bund und Kan-              auf.
tonen. Idealerweise greifen die Strategien,
Instrumente und Massnahmen eng ineinander,             Der zunehmende internationale Standortwett-
um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.             bewerb und besonders der wirtschaftliche,
                                                       technologische und soziale Aufstieg vieler
Die aktive Förderung von Unternehmen spielt            Schwellenländer beinhalten für einen stark
in der Schweiz traditionell eine subsidiäre Rol-       international ausgerichteten Standort wie Basel
le. Innovation, wirtschaftlicher Erfolg und            sowohl Chancen als auch Risiken. Chancen
Beschäftigung sind im Schweizer Verständnis            entstehen, weil international tätige Schweizer
weniger das Ergebnis staatlicher Förderung, als        Unternehmen neue oder stark wachsende Ab-
das Resultat des wirtschaftlichen Prozesses in         satzmärkte im Ausland vorfinden, deren Er-
den rund 313'000 (Stand: Betriebszählung               schliessung allerdings oft anspruchsvoll und
2008) Unternehmen der Schweiz.                         risikobehaftet ist. Andererseits ist die Schweiz
                                                       stark gefordert, die Standortqualität hoch zu
Primäre Aufgaben des Staates sind, vorteilhaf-         halten, ihre spezifischen Stärken zu wahren
te Rahmenbedingungen zu setzen, vorhande-              und damit der Bevölkerung ein ökologisch und
ne Stärken zu stärken und den Standort nach            sozial verträgliches wirtschaftliches Wachstum
                                                   4
zu ermöglichen. Eine richtig ausgestaltete            Wirtschaftsförderung und
Standortförderung leistet einen Beitrag zur           -entwicklung auf Kantonsebene
Erhöhung der Chancen und der Reduktion der
Risiken – wenn immer möglich, ohne direkt in
                                                      Perimeter
den Marktmechanismus einzugreifen.
                                                      Der Kanton Basel-Stadt arbeitet im Rahmen
                                                      seiner Wirtschaftsförderung und Wirtschafts-
                                                      entwicklung mit dem Bund zusammen und ist
Standortförderung auf
                                                      Partner bei verschiedenen Programmen und
Bundesebene                                           Instrumenten. Beispiele hierfür sind die Beein-
Der Bundesrat hat mit seiner „Botschaft über          flussung der Standortfaktoren, die Neue Regio-
die Standortförderung 2012-2015“ erstmals             nalpolitik (NRP), die Standortpromotion sowie
eine Gesamtschau vorgelegt. Dabei definiert er        die Tourismus- und Innovationsförderung.
Standortförderung wie folgt:
                                                      Basel-Stadt hat jedoch, wie die meisten ande-
„Unter Standortförderung versteht man gemein-         ren Kantone auch, eigene Instrumente entwi-
hin die Massnahmen, welche die Gebietskörper-         ckelt, die ihm erlauben, die ansässigen Unter-
schaften ergänzend zu einer guten Wirtschafts-        nehmen zu unterstützen und neue Unterneh-
und Finanzpolitik einsetzen, um ihre jeweiligen       men anzusiedeln respektive Gäste und Besu-
Standorte als Lebens- und Wirtschaftsraum zu          cher für den Standort zu gewinnen. Bei diesen
stärken und bekannt zu machen. Die Standort-
                                                      Massnahmen kommen, je nach Aufgabe, un-
förderung hat zum Ziel, den Standort zu entwi-
                                                      terschiedliche geografische Perimeter zur An-
ckeln ('Förderung der Standortentwicklung'),
das bestehende Unternehmertum zu pflegen und          wendung. Einerseits will der Regierungsrat die
die Nutzung von Geschäftsmöglichkeiten zu             Voraussetzungen für Wachstum und Beschäf-
fördern ('Förderung der Standortnutzer') sowie        tigung im Kanton Basel-Stadt weiter verbes-
den Standort zu bewerben ('Förderung der              sern. Zu diesem Zweck pflegt er die für die
Standortnachfrage').“                                 Unternehmen wichtigen Standortfaktoren und
                                                      bietet seinen Unternehmen auf der Basis der
Die Standortförderung des Bundes umfasst die          oben erwähnten Merkmale der Politik gezielt
Instrumente der Exportförderung, der Stand-           Dienstleistungen an, um deren Wachstum zu
ortpromotion, der Tourismuspolitik, der KMU-          unterstützen. Auch die Pflege der Beziehung
Politik und der Regionalpolitik. Der Begriff          mit den Unternehmen wird kantonal wahrge-
der Standortförderung bezieht sich auf Bun-           nommen.
desebene damit bei den Instrumenten sehr stark
auf die Zielgruppe der Unternehmen. Daher             Andererseits ist der funktionale Wirtschafts-
wird in diesem Bericht das Begriffspaar „Wirt-        raum wesentlich grösser als der Kanton. Für
schaftsförderung und -entwicklung“ verwen-            die Unternehmen spielen Kantonsgrenzen
det, um dieses Handlungsfeld von allen übri-          meist eine untergeordnete Rolle. Weder Mitar-
gen staatlichen Tätigkeiten abzugrenzen, die          beiter, Kunden, Lieferanten noch Know-how-
dem Standort insgesamt zugute kommen und              Partner stammen ausschliesslich aus demjeni-
die im Kanton Basel-Stadt Gegenstand des              gen Kanton, in welchem ein Unternehmen
Legislaturplanes des Regierungsrates sind.            ansässig ist. Dies gilt für kleine, lokal tätige,
                                                      erst recht aber für global ausgerichtete KMU
                                                      und Grossunternehmen. Massnahmen zur
                                                      Markterschliessung oder Dienstleistungen im
                                                      Bereich Netzwerkbildung müssen daher kan-
                                                      tonsübergreifend oder international konzipiert
                                                      werden. Dasselbe gilt für die internationale
                                                      Promotion des Standortes.

                                                  5
In der Praxis führt dies dazu, dass Basel-Stadt         •   Mit spezifischen Dienstleistungen unter-
mit seinen Nachbarkantonen mehr und mehr                    stützt der Kanton bestehende Unterneh-
zusammenarbeitet und für diese Kooperationen                men. Diese umfassen z.B. die Vermittlung
zweckmässige Organisationsformen sucht.                     oder das Anbieten von Arealen und
Bezüglich der kantonal definierten Angebote                 Geschäftsflächen, Mietzinserleichterungen
bleibt er jedoch autonom und in Konkurrenz zu               für Hochschulausgründungen, Beratungs-
seinen Nachbarn. Einen hohen Nutzen aus                     dienstleistungen bei Ansiedlung und
kantonsübergreifenden Programmen zieht der                  Geschäftsaufbau sowie die Vermittlung
Kanton zudem nur dann, wenn die Standort-                   von Bürgschaften für KMU (vgl. Kapitel
faktoren innerhalb des Kantons für die ange-                3.2.2).
sprochenen, von den Partnerkantonen ebenfalls
                                                        •   Die Kommunikation und Promotion
umworbenen Unternehmen attraktiv sind. Mit
                                                            beinhaltet die aktive Beziehungspflege
anderen Worten: Die kantonale und die kan-
                                                            zwischen Regierungsrat respektive Ver-
tonsübergreifende Wirtschaftsförderung müs-
                                                            waltung und Unternehmen, die Unterstüt-
sen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.
                                                            zung lokaler Plattformen wie Messen und
Investitionen in letztere verschärfen tendenziell
                                                            Kongresse, die Standortpromotion im Aus-
den Konkurrenzkampf zwischen den Kanto-
                                                            land sowie – als Spezialfall – die touristi-
nen, was aus Sicht der Unternehmen – und
                                                            sche Werbung (vgl. Kapitel 3.2.3).
diese stehen bei der Wirtschaftsförderung im
Mittelpunkt – meist positiv ist.                        •   Die Bestandespflege umfasst die systema-
                                                            tische Beziehungspflege mit im Kanton
                                                            ansässigen Unternehmen, die Unterstüt-
Ziele und Aufgabenbereiche
                                                            zung dieser Unternehmen beim Wachstum
Basierend auf dem im Legislaturplan 2009 bis                am Standort sowie das Einbringen der
2013 postulierten Ziel der Steigerung der                   durch diese Kontakte erhaltenen Informa-
internationalen Wettbewerbsfähigkeit des                    tionen in die Gestaltung der Standortfakto-
Kantons sowie in Anlehnung an die Systematik                ren (vgl. S. 22).
des Bundes, ist die Wirtschaftsförderung und
-entwicklung im Kanton Basel-Stadt ein spezi-           Eine Wirtschaftsförderung, die sich auf diese
fischer Beitrag zu mehr Wertschöpfung und               „klassischen“ Gebiete beschränkt, wird den
Beschäftigung in Kanton und Region (vgl.                heutigen und künftigen Anforderungen der
Abb. 2). Dies versucht sie auf zwei Arten zu            Standortkonkurrenz jedoch nicht mehr gerecht.
erreichen:                                              Viele Standorte, so auch Basel-Stadt, haben
                                                        daher integrierte Programme konzipiert und
•   Durch die Beeinflussung von Standort-               initiiert, die inhaltlich stark fokussiert sind
    faktoren sowie                                      (z.B. auf bestimmte Branchen oder auf Innova-
•   Mit eigenen Programmen und Projekten.               tion in bestimmten Technologiefeldern).
                                                        Innerhalb dieses inhaltlichen Fokus umfassen
Zu den Standortfaktoren zählen dabei u.a. die           diese Programme jedoch eine Mehrzahl von
Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften,        Instrumenten, nämlich einerseits Dienstleis-
die verkehrstechnische Erreichbarkeit, das regu-        tungen und Promotionselemente. Andererseits
lative Umfeld, die Steuerbelastung, das Vor-            nehmen sie auf die Ausgestaltung von Stand-
handensein von attraktivem Wohnraum und ein             ortfaktoren Einfluss und damit auf das Produkt
attraktives Kultur- und Freizeitangebot.                „Wirtschaftsstandort Basel“.

Neben der laufenden Verbesserung der Quali-             Beispiele für Branchenprogramme sind die
tät der Standortfaktoren konzipiert Basel-Stadt,        Life-Sciences-Strategie der Handelskammer
teilweise in Kooperation mit öffentlichen und           beider Basel und der beiden Basler Kantone,
privaten Partnern, spezifische, auf bestimmte           die vom Kanton Basel-Stadt unterstützte Initia-
Zielgruppen zugeschnittene Programme und                tive Logistikcluster Basel der Handelskammer
Projekte und setzt diese um:                            beider Basel oder die vom Kanton initiierte und
                                                    6
finanzierte Initiative Kreativwirtschaft Basel
(IKB). Ein Beispiel für den Technologieansatz
ist i-net innovation networks, die vom Kanton
Basel-Stadt initiierte und entwickelte Innovati-
onsförderung, die im April 2012 auf weitere
Nordwestschweizer Kantone ausgedehnt und
verstärkt wurde.

Abb. 2: Rolle der Wirtschaftsförderung und -entwicklung im Kanton Basel-Stadt

Quelle: Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Basel-Stadt

                                                      7
3         Standortförderung 2008–2011

3.1 Projekte zur Stärkung                            gesehene Projekte vorgezogen, die Fördermit-
    wichtiger Standortfaktoren                       tel zum Einsparen von Energie erhöht und
                                                     Impulse für neue Technologien und junge
                                                     Unternehmen geschaffen. Zur Abfederung der
3.1.1 Arbeitsmarkt
                                                     negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Konjunkturprogramm                                   wurden zudem die Instrumente der Arbeitslo-
                                                     senversicherung, insbesondere die Kurzarbeit,
Wirtschaft und Arbeitsmarkt wurden – wie in          intensiv genutzt. Zusammen mit einer erstaun-
Kapitel 1 erwähnt – nach einer längeren Phase        lichen Robustheit der hier ansässigen Unter-
des Aufschwungs Ende 2008 von der weltwei-           nehmen sowie einiger weiterer Massnahmen
ten Finanz- und Konjunkturkrise hart getrof-         führte dies dazu, dass die Wirtschaft im Kan-
fen. Auf Bundes- und Kantonsebene wurden             ton Basel-Stadt im Vergleich mit anderen Re-
daher Massnahmen zur Konjunkturstützung              gionen der Schweiz sowie dem übrigen Europa
und zur Abfederung der negativen Auswirkun-          etwas weniger stark getroffen wurde. Die kon-
gen auf den Arbeitsmarkt eingeführt.                 junkturresistente Life-Sciences-Industrie wirk-
                                                     te hierbei dämpfend. Der konjunkturelle Ein-
Im Kanton Basel-Stadt wirkte sich die bereits        bruch war zudem deutlich kürzer und weniger
beschlossene Steuerreform ab dem Jahr 2009           schwerwiegend als erwartet, so dass sich die
positiv aus. Neben weiterhin hohen öffentli-         Konjunktur bereits Anfang 2009 und der
chen Investitionen wurden für die Zukunft vor-       Arbeitsmarkt Anfang 2010 deutlich erholen
                                                     konnten.
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Personenfreizügigkeit und Kontingente für             Im Juni 2010 erhöhte der Bundesrat die Kon-
Drittstaatsangehörige                                 tingente wieder auf die ursprüngliche Zahl.
Das Freizügigkeitsabkommen zwischen der
EU und der Schweiz wurde im Jahr 2002 in              Die dem Kanton Basel-Stadt pro Jahr zugeteil-
Kraft gesetzt und nach der Volksabstimmung            ten Kontingente vermögen jedoch bei Weitem
im Jahr 2006 auf die zehn osteuropäischen             nicht den Bedarf nach hochqualifizierten
Staaten, welche im Jahr 2004 der EU beigetre-         Fachkräften zu decken. Es müssen daher
ten sind, ausgedehnt. Die weitere Ausdehnung          mehrmals pro Jahr weitere Kontingente aus der
auf die Länder Bulgarien und Rumänien wurde           Bundesreserve beantragt werden. Der Regie-
2009 vom Volk genehmigt und wird seither              rungsrat geht davon aus, dass die basel-
umgesetzt. Mit der Umsetzung des Freizügig-           städtischen Schlüsselbranchen auch weiterhin
keitsabkommens fand eine deutliche Verlage-           einen grossen Bedarf an Fachkräften haben. Er
rung der Zuwanderung von Drittstaatsangehö-           wird sich daher weiterhin auf nationaler Ebene
rigen hin zur Zuwanderung aus dem                     dafür einsetzen, dass dem Wirtschafts- und
EU/EFTA-Raum statt.                                   Forschungsstandort Basel die erforderlichen
                                                      Spezialisten zur Verfügung stehen.
Die Liberalisierung der Personenfreizügigkeit
hat dabei im Kanton Basel-Stadt wesentlich
zum Wirtschaftswachstum der letzten Jahre             Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit
beigetragen. Die Firmen konnten und können            Seit dem Jahr 2005 bildet die Senkung der
die erforderlichen Fachkräfte ungehindert auf         Jugendarbeitslosigkeit    einen    politischen
dem europäischen Markt rekrutieren. Auch              Schwerpunkt des Regierungsrates, da bis ins
nutzen viele EU-Betriebe (Handwerksbetriebe,          Jahr 2004 die Arbeitslosenquote Jugendlicher
Beratungs- und IT-Firmen) die Möglichkeit,            mehr als doppelt so hoch war wie diejenige der
während 90 Tagen pro Jahr ihre Dienstleistun-         übrigen Alterskategorien.
gen bewilligungsfrei in der Schweiz zu erbrin-
gen.                                                  Unter der Koordination einer interdepartemen-
                                                      talen Strategiegruppe wurden rasch Massnah-
Der inländische und europäische Arbeitsmarkt          men zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit
vermag jedoch in einigen Branchen den Bedarf          evaluiert und umgesetzt. Bis Ende 2011 ent-
der Unternehmen an hochqualifizierten Fach-           standen 62 Massnahmen, wovon derer 55 um-
kräften nicht zu decken, so dass die Zahl der         gesetzt oder mittlerweile gar abgeschlossen
Gesuche nach kontingentierten Arbeitsbewilli-         werden konnten. Gearbeitet wurde in drei
gungen für Drittstaatsangehörige in den letzten       hauptsächlichen Handlungsfeldern: Vorschule
Jahren kontinuierlich stieg.                          und Schule, Übergang von Schule zu Be-
                                                      ruf/Arbeitsmarkt sowie Wiederintegration in
Aufgrund der Wirtschaftskrise sowie eines             den Arbeitsmarkt. Als Beispiele von Mass-
befürchteten Anstiegs der Arbeitslosenzahlen          nahmen seien Tagesstrukturen im Vorschul-
halbierte der Bundesrat im Dezember 2009 die          alter, Casemanagement für den Übergang von
Kontingente für Dauer- und Kurzaufenthalts-           der Schule zur Ausbildung, Schaffen von
bewilligungen für Drittstaatsangehörige. Diese        zusätzlichen Ausbildungsplätzen, auch für
Massnahme stiess sowohl beim Regierungsrat            geringer Qualifizierte, und Teillohnmodelle
als auch bei den Unternehmen auf Unverständ-          zur Arbeitsmarktintegration genannt.
nis. Um die Wettbewerbsfähigkeit der im Kan-
ton Basel-Stadt ansässigen Unternehmen im             Die Anzahl der Ausbildungsplätze im Kanton
internationalen und immer stärker globalisier-        Basel-Stadt konnte durch die Vielzahl der
ten Umfeld nicht zu gefährden, setzte sich der        Massnahmen auf rekordhohem Niveau gehal-
Regierungsrat in der Folge stark für die Wie-         ten werden. Die Arbeitslosigkeit Jugendlicher
dererhöhung der Kontingente ein – mit Erfolg.         liegt nun im Bereich der übrigen Arbeitslosen

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und hat sich im Vergleich zur Gesamtschweiz           3.1.2 Regulatives Umfeld
verringert.
                                                      Administrative Entlastung von
Diese Ergebnisse sind sehr erfreulich. Aller-         Unternehmen
dings sind Jugendliche im Kanton Basel-Stadt
noch immer stärker von Arbeitslosigkeit und           Regulierungsfolgenabschätzung (RFA)
Sozialhilfeabhängigkeit betroffen als in ande-
                                                      Regulierungen sind für das Funktionieren der
ren Schweizer Städten. Der eingeschlagene
                                                      Wirtschaft unerlässlich. Sie bieten Sicherheit
Weg ist daher weiterzugehen.
                                                      für die Marktakteure, schränken dabei jedoch
                                                      zwangsläufig den Handlungsspielraum betrof-
                                                      fener Unternehmen ein und verursachen Kos-
Familienfreundlichkeit
                                                      ten.
Mit geeigneten Strukturen zur Vereinbarkeit
von Beruf und Familie schafft sich die Region         Zur Reduktion der administrativen Belastung
Vorteile im Wettbewerb um Fachkräfte. Im              von Unternehmen gibt es zahlreiche Bestre-
Jahr 2006 formierte sich der Round Table              bungen. Neben verschiedenen Massnahmen
„Familienfreundliche Wirtschaftsregion Ba-            auf Bundesebene hat auch der Kanton Basel-
sel“, der von der Abteilung Gleichstellung von        Stadt Anstrengungen unternommen. Hierzu
Frauen und Männern im Präsidialdepartement            zählen unter anderem die Reduktion und die
des Kantons Basel-Stadt koordiniert wird. Die         Vereinfachung von Bewilligungen sowie der
aus Unternehmen, Verbänden und Verwal-                Ausbau des E-Governments. Seit dem 1. Janu-
tungsstellen zusammengesetzte Public-private-         ar 2011 gibt es zudem die sogenannte Regulie-
Partnership engagiert sich für geeignete Rah-         rungsfolgenabschätzung, kurz RFA. Es handelt
menbedingungen und für die Positionierung             sich dabei um ein Instrument zur Verbesserung
Basels als familienfreundliche Wirtschaftsre-         der Rechtssetzung, das Erlasse vor ihrer Ver-
gion. Dies geschieht durch Vernetzung, geziel-        abschiedung einer Analyse der wirtschaftlichen
te Projekte und einen Best-Practice-Austausch.        Auswirkungen unterzieht.

Seit 2007 führt der Round Table speziell auf          Im Kanton Basel-Stadt wurde die Regulie-
Arbeitgeber zugeschnittene Impulstagungen,            rungsfolgenabschätzung mit dem neuen
Workshops und Veranstaltungen zu verschie-            § 2a des Standortförderungsgesetzes einge-
denen Aspekten der Vereinbarkeit von Beruf            führt. Alle Entwürfe zu neuen Gesetzen und
und Familie durch. Die aktive Teilnahme von           Verordnungen sowie Änderungen bestehender
Unternehmen ermöglicht eine stetige Erweite-          Erlasse, von denen Unternehmen im Allgemei-
rung des Netzwerkes der Promotoren/-innen             nen und KMU im Besonderen betroffen sind,
„Familienfreundliche Wirtschaftsregion Ba-            sind seither einer RFA zu unterziehen. Sie
sel“.                                                 werden dabei durch die ausarbeitende Dienst-
                                                      stelle auf die Notwendigkeit der Regulierung,
Im Projekt „Benchmarking Familienfreund-              den volkswirtschaftlichen Nutzen sowie die
lichkeit“ zwischen den Kantonen Basel-Stadt           administrativen und kostenmässigen Auswir-
und Zürich werden zudem relevante Bereiche            kungen auf die Unternehmen hin überprüft.
verglichen, Handlungsfelder eruiert und Lö-           Der Regierungsrat respektive der Grosse Rat
sungsansätze aufgezeigt. Bisher liegen Unter-         wird über die Ergebnisse der Analyse in
suchungsergebnisse zu „Familienfreundlichkeit         Kenntnis gesetzt und fällt darauf basierend
von Unternehmen“ (2010) und „Familie- und             seinen Entscheid.
schulergänzende Kinderbetreuung“ (2011) vor.
Mit Kampagnen wie „Beruf und Familie unter
einen Hut bringen!“ (2008/2010) wird darüber
hinaus die breite Bevölkerung angesprochen.

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Befragung von KMU zu den Standortbedingungen im Kanton Basel-Stadt

Im Herbst 2010 hat das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Basel-Stadt erstmals eine
Umfrage unter baselstädtischen KMU zu den Standortbedingungen durchgeführt. Dabei wurden
gezielt 52 Unternehmen aus den Zielbranchen Life-Sciences, Finanzwirtschaft und Logistik befragt
(Rücklaufquote: 71%).

Laut der Befragung gehören das Angebot des öffentlichen Verkehrs und das breite Spektrum an
kulturellen Angeboten zu den Stärken des Stadtkantons. Zufrieden sind die Unternehmen zudem mit
der Verfügbarkeit von Büroräumlichkeiten sowie dem umfangreichen und vielfältigen Ausbildungs-
angebot. Aus Sicht der Unternehmen besteht jedoch bei der Steuerbelastung natürlicher und juristi-
scher Personen, bei der Parkplatzsituation sowie der Gebührenhöhe ein dringender Handlungs-
bedarf.

Gesamthaft bleibt jedoch festzuhalten, dass der Kanton Basel-Stadt nicht nur als Standort mit guter
Infrastruktur und optimalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wahrgenommen wird, sondern
auch punkto Kultur und Ausbildung zufriedenstellt.

Die Unternehmensbefragung gehört neben den regelmässigen Unternehmensbesuchen zur aktiven
Bestandespflege. Ziel ist, möglichst viele Rückmeldungen zu den Standortbedingungen im Kanton
zu erhalten, da diese eine wichtige Grundlage für die gezielte Impulssetzung zur Optimierung der
Standortqualität darstellen. Weitere Umfragen werden in regelmässigen Abständen erfolgen und
auch Unternehmen aus weiteren Branchen umfassen.

Abb. 3: Ergebnisse der Unternehmensbefragung zu Zufriedenheit und Wichtigkeit der
        Standortbedingungen im Kanton Basel-Stadt

Quelle: Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Basel-Stadt, Statistisches Amt des Kantons Basel-Stadt

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