Abu Brahma, Buddha, Jesus, Obelix, Tarzan und die Baumgeister - Mythomanisch grüngolden säuselnde Menschheitsmärchen.

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Abu Brahma, Buddha, Jesus, Obelix, Tarzan und die Baumgeister - Mythomanisch grüngolden säuselnde Menschheitsmärchen.
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                                          Ulrich Holbein

           Abu Brahma, Buddha, Jesus,
             Obelix, Tarzan und die
                  Baumgeister
                     Mythomanisch grüngolden säuselnde Menschheitsmärchen.

76   Hagia Chora 37/38 | 2012
Abu Brahma, Buddha, Jesus, Obelix, Tarzan und die Baumgeister - Mythomanisch grüngolden säuselnde Menschheitsmärchen.
f o k u s

                                                                              ma (ein Vorfahr von Abraham), der gutgebaute Onan, der unra-
Ulrich Holbein, vermutlich Dryade, jedenfalls                                 sierte Esau oder der damals noch ziemlich grünschäbelige und
                                                                              bartlose Methusalem zwischen Kameldorn und Sandviperskelett,
k a u z i g e r ­L i t e r a t a u s d e n d i c h t b e w a l d e t e n      oder Kabil, nicht ohne Kainsmal, verfolgt vom Geist des unsen-
                                                                              siblen Habil, zusätzlich malträtiert von Entitäten à la Sabazi-
B e r g e n d e s K n ü l l w a l d s, b e e h r t ­H a g i a C h o r a       us, Jiva, Jaganmata, Nahema, Naama, Namrael, Vasuki, Ophion,
                                                                              Kundalini, Kadru, Ninhursag, Samael, und Mittagshitze kitzelte
m i t e i n e r We l t - u n d R e l i g i o n s g­ e s c h i c h t e d e r   ihre Augenlider, und reuevoll schluchzten sie auf. In jeder fol-
                                                                              genden Generation jaulten wieder welche auf und sehnten sich
B a u m g e i s t e r.                                                        unauslöschlich und unstillbar zurück, in schwachen Stunden und
                                                                              verheimlichten Momenten und Minuten. Immer süßer und öfter

W
            ie der Baum von Babel gefällt wurde: – Tausend Jah-               träumten manche, und manchmal alle, von fortschrumpfenden
            re vor Eva und Adam lebte in einem vorirakischen,                 Traumoasen und Traumblasen, die sich an wachsende Wüsten
            vorgnostischen, vorbiblischen, fast vormesopota-                  klammerten. Immer berückender tasteten geträumte Mondgeister
mischen Dschungelgarten ein gutaussehendes Traumpärchen                       durchs Blattgefieder grüngolden schimmernden Lebensbaums in
namens Chawwa und Adapa alias: Awa und Adama bzw. Ava                         ungeschorener uferloser Mutter-Oase.
und Ada, so oder so: beide wunderbar nackt, drumrum alles hell
und schön. Halb aufgeschälte Bananen flogen einem von selber                                                -- ? ? ?--
in die unbehaarte Mundöffnung; alle Leute, Tiere, Blumen und
Pflanzengeister hatten zauberhaften Sex miteinander. Kaum aber                Wie sich Wüstensöhne ins grüne Paradies zurücksehnten: – In
schob Chawwa ihrem lieben Adapa die Dattel der Erkenntnis zwi-                anderen Textbruchstücken hieß es alsbald, Adapa bzw. sogar
schen die Lippen, begann dieser, analphabetische Piktogramme                  Jahi, ihr eigener Sohn, ein heruntergekommener Protzgott (spä-
in die herrliche Rinde zu ritzen, und der Feigenbaum des Lebens,              ter verballhornt zu Jachwe), hätte die Isis Multimammia, seine
der urmütterliche Yonibaum, botanischer gesagt: nicht etwa der                eigene Urmama und Gebärmutti gewaltsam „gehackt“ (verge-
gemeine Feigenbaum, sondern der hindustanische Banyanbaum,                    waltigt!?) (was spätere Umweltschützer lieber mit „verschandelt“
Ficus bengalensis, auf deutsch: Würgefeige, der älteste Welt- und             übersetzten) und habe sich so das prähistorische FKK-Paradies
Lebensbaum von Babel, die baumförmige Nabelschnur und ein-                    auf ewig verscherzt. Immerhin, Fata Morgana hungerte den ver-
zige lebendige Brücke zwischen Erde und Himmel, Eden und Ely-                 fluchten Gott und dessen hartgesottenes Volk nicht völlig aus:
sium, zuckte ein wenig zusammen. Dryaden schrien leise auf; aus               In die wachsenden Wüsten sprengte sie stellenweise Mini-Zitate
dem Baum brach, statt waldhonigfarbener flüssiger Bernstein-                  aus Paradiesgrün ein, sogenannte Oasen, voll mit Zisternen und
tränen oder Gummimilch, blutrotes Menschenblut! Und schon                     Dattelpalmen, und setzte Chawwa- und Adapa-Varianten hinein,
schwebte über den lichtflecküberrieselten Wonnen eine einzige                 Eva und Adam, deren Weltenbaum sich ziemlich verkürzte, kaum
sittliche Aufforderung, eigentlich leicht zu erfüllen: „Fällen dürft          noch in den transzendenten Himmel wuchs und also die Kir-
ihr allerlei Bäume in diesem Wald, aber den Baum von Babel, den               che im botanischen Dorf ließ, und deren Aufgabe, den Baum
müßt ihr stehnlassen! Sonst werdet ihr des Todes sterben!“ Alle               nicht abzuholzen, sich irreal ermäßigte zum Verbot, Obst zu es-
hielten sich dran, zumal der Baum von Babel als unfällbar galt.               sen. Denn das Götterknäuel, das zeitweise auf den Namen „Elo-
Wozu dann aber das Verbot? Im träumenden Adapa aber arbeite-                  him“ hörte, wollte alles selber essen; halt ein prähistorischer Res-
te es. Holzfällen war hierzulande ganz unbekannt. Holzäxte lie-               sourcenstreit. Elefanten, die alles Grüne überweideten, stampften
ßen sich im Waldesdunkel kaum herstellen, Steine für Steinäxte                alsbald durch Wüstenstaub; fast erübrigten sich Engel mit Flam-
im Moosgeflecht kaum freilegen. Hartholz drang in kaum weni-                  menschwert. Anthropologisch gesprochen: Kaum wurden Tiere
ger hartes Holz kaum ein. Kurz und ungut: Irgendwann gelang es                Menschen, setzten sie sich Tiermasken auf. Kaum schmolz im
Adapa, den Weltbaum zu fällen. So koppelte er sich, samt Welt,                Lauf der Menschwerdung das Fell des Homo sapiens hinweg, zu-
von seiner Urmutter ab, die zeitweise „Banjana“ hieß, zeitweise               gunsten nackter Affen, wurden Feigenblatt, Löwenfell und Ge-
„Maja“, zeitweise „Fata Morgana“. Adapa hatte Flora, die zeit-                sichtsschleier nötig. Abu Brahma trug als Milchkind grellrote
weise Pomona hieß, sehr wehgetan. Die fallende Weltesche riß                  Blättermasken, gegen Sonnenbrand und Pockendämonen.
kleinere Bäume mit sich. Wurzeln grabschten im Sand herum.                        Wolkenlose, regenfreie Regionen gebaren brennende Mytho-
Plötzlich saßen Chawwa und Adapa, statt im säuselnden Viel-                   logeme, wettergegerbt maskuline Gotteswut. Wolken- und nebel-
strom-Paradiesgarten, in erodiertem Brachland. Nirgendwo nette                verhangene Regionen produzierten Religionen vom entfernten,
Baumseelen, dafür aber rauhkörnige Sandsturmgeister namens                    unbekannten Gott, der nur blitzweise durch Wolkenwände
Samum, vor denen man sich – wie vor bösem Blick – mit Schlei-                 bricht und als ewiges Licht kurz ein vorübergehendes Jammer-
ern schützte, 2000 vor Muhammad. Medizinmänner auf Borneo                     tal begießt. Geschenküberladene, immer schlaffere Kamelbuckel
gingen verschleiert wie zoroastrische und ägyptische Priesterkö-              schmolzen auf dem Weg von Restgrün zu Schrumpfinsel, Abu
nige der 18. Dynastie. Und alles voll dubiöser Wüstendämonen                  Brahma und Methusalem immer vornweg, viel Sand in der San-
namens Nahuscha, Nehuschtan, Nachon, Kamosch, Kakodaimon,                     dale, Dornen im Zeh, Balken im Auge, viel Schweiß auf männlich
Beelzebub, Baal, Jahwe, Balifat, Balisat, Hubal, Allah und viele              fliehenden Stirnen, rüstig ausschreitend, doch nirgendwo weit
andere.                                                                       und breit die anvisierte, erlösend näherrückende, ultimative Oase.
    Die Wüste wuchs. Die hartherzig mit Geboten und Strafen                   Denn siehe, die Wüste war sehr groß. Außer einmal, da spielten
drangsalierten, hart bestraften, wettergegerbten Vorväter heu-                und schwappten und glühten über einer Mauer grüngolden die
tiger Israeli und Palästinenser schleppten sich durch hitzeflim-              schönsten Palmwipfel, Blütenwolken, herübermurmelnde Quel-
mernden Wüstenstaub. Sandwüsten, Staubwüsten, Steinwüsten,                    len, Vogelgetschilp, da aber löste sich alles flimmernd im Wüsten-
Trockenwüsten, Todeszonen hatten es eilig, auf Bauerwartungs-                 licht auf, man saß durstig zwischen Felskehlen, Gesteinsabschup-
land, Betonwüste und Kulturwüste hinauszulaufen, verfrühter als               pungen und Wüstenrinde, und alles war nur ein Stück Epithelium
nötig, Flächenfraß im öffentlichen Interesse. Oft saßen Abu Brah-             schönster Fata Morgana gewesen, versprengt aufglimmende, von

                                                                                                                            Hagia Chora 37/38 | 2012   77
Abu Brahma, Buddha, Jesus, Obelix, Tarzan und die Baumgeister - Mythomanisch grüngolden säuselnde Menschheitsmärchen.
Hitzedelirium grundierte Visionen. Religiös begabte Wüstensöh-      deiner leiblichen Versorgung mit lebenswichtigen Vitaminen …
ne wie Kusch, Jaakov, Henoch, König Nimrod oder auch Abu            jetzt weigert sich sogar der Schatten der Fächerpalme, den Kopf-
Brahma träumten von lichtumflossenen Himmelsleitern, die den        schmerz Christi zu kühlen … Bananen fallen vor Schreck runter,
Götterbaum mühselig rekonstruieren oder ersetzen sollten, und       wenn du nahst … unsere Dornen und Stacheln verlängern sich
statt den Baum von Babel nochmal zu setzen, zu hegen und zu         unbewusst … nicht dass du an einen toten Baum gehängt wirst …
gießen, bauten sie den Turm von Babel. Gärtner wurden Maurer.       welch Freveltat, fruchttragende Bäume grausam verdorren zu las-
Statt Gartenbaukunst – Baukunst. Kein „Zurück zur Natur“ kam        sen … auch wenn’s nur symbolisch gemeint war …“
in Sicht. Kein lebendig himmelstürmerisch sich rankender Baum          Falls damalige Baumgeister Termini wie „symbolisch“ und „Vi-
wuchs in den Himmel, sondern ein vorchristlicher Wolkenkratzer,     tamine“ draufhatten! Wüstensohn Jesus outete sich als gefühls-
dank staubtrockner Maurerskunst, Lehmziegel auf Lehmziegel,         arm vorauseilende Asphaltpflanze, identifiziert mit dem Angreifer
Stein auf Stein, wuchs seinem Einsturz entgegen, wie hochschie-     Wüste, und schlug der raunenden Urmutter das liebevoll gerei-
ßende Raketen ihrem Absturz. Wandervölker, kaum aufgestie-          chte Füllhorn und saftreiche Proviantpaket samt Blütenschmuck
gen in die kahlen Hochplateaus aufgenötig­ten Monotheismusses,      aggressiv aus der zartgegliederten Hand, Jesus als mutierter oder
tanzten bei erstbester Gelegenheit immer gleich wieder um Gol-      auch sublimierter Erysichthon, aber ohne dessen männlich ver-
dene Kälber. Und die wenigen Welteschen wurden auch noch            schwitzte Achselhöhlen – Jesus als aggressiver Zauberer, als ma-
fortgeholzt. Mytho-Unhold Erysichthon erneuerte die mesopo-         gischer Schreibtischtäter. Wie unökologisch, Lahme und Leichen
tamische Vergewaltigung der Großen Mutter, indem er brachial        wieder laufen zu lassen, aber lebendige Schweine in Abgründe
ein steinaltes Baumheiligtum fällte; geschildert in Ovidius Nasos   zu hetzen und Obstbäume kaputtzuhexen! Und schon nahte der
„Metamorphosen“. Wüste wuchs.                                       karmische Rückstoß in Gestalt der ewigen Vollzugs­beamten und
                                                                    schleppte den Pflanzenverflucher zur Schädelstätte. Der die grü-
                                -- ? ? ?--                          ne Welt der ewigen Mutter beleidigt hatte, bekam – statt diony-
                                                                    sisches Weinlaub oder Vorschusslorbeer – zur Strafe eine Dor-
Buddha & Jesus und der Feigenbaum: – Padmasambhava, Pars-           nenkrone aufgesetzt und wurde lebendig und durstig an totes
vanatha, Mankaliputta Gosala, Mahavira und Buddha, nachdem          Holz genagelt, mit Nägeln des Eisernen Zeitalters, fortgeweht die
sie 5 × 34 Inkarnationen als Baumgeister durchgemacht hat-          Laubmaske des geopferten Adonis, Attis, Osiris, Tammuz, Mel-
ten, mussten schwitzen und laufen, denn ein passender Erleuch-      chisedek oder Mithras, lichtjahrfern hindustanischer religiöser
tungsbaum stand keinesfalls Baum an Baum, und keine 30 Meter.       Feigenbäume. Statt unter indischem Bodhi-Baum zu erwachen,
Nur punktuell, unter günstigem Planetenstand, saß ein poten-        schloß er die Augen an indianischem Marterpfahl und teilte als
zieller Erleuchtungsträger unterm lebendig raschelnden Bodhi-       verdorrter Sohn das Los des wegen ihm verdorrten Fruchtbaums,
Baum, Ficus religiosis, streichelte dessen Luftwurzeln, träumte     neuzeitlicher gesagt: emotional verkümmert. Alles verwunderli-
vom Lumbini-Hain und vom Rosenapfelbäumchen seiner Kind-            cherweise nach dem Ritus altgermanischer Jurispudenz: Lang be-
heit, und die Paradiesschlange kam als Kobrakönigin Muktalinda,     vor Germanien missioniert und mosaisch infiltriert wurde, wurde
einer Abgesandten der Großen Mutter Maja bzw. Fata Morgana,         in heiligen Hainen jedem, der Äste abbrach, etwas anatomisch
herbeigeschlängelt und reichte ihm die hochprozentige Frucht der    Analoges abgebrochen. Und wer Rinde abschälte, wurde abge-
Erkenntnis ohne allen Freßneid, ohne wahnhafte Sündenbockzu-        schält, Baum um Baum und Ast um Ast.
weisung. Damals raunten noch keine Baumgeister aus Bäumen,             Das alles schlug seltsam zurück auf die Pflanzenwelt im Gar-
sondern 1800 v. Chr., aus dem Dornbusch des Moses, einer selbst-    ten Gethsemane und auf die unteren Himmelsschichten. Engel,
entzündlichen Gaspflanze oder Fraxinella (Dietamnus albus L.),      kaum noch aus dem Himmel gestoßen, stürzten immer seltener
ein männlicher Gott, und bei Eva und Adam, sowie 600 v. Chr. bei    Bäumen entgegen, die kaum noch in den Himmel wuchsen. Dem
Buddha, Schlangen -- ? --                                           Sündenfall der Engel folgte der Sündenfall der Pflanzen, die zu
   Der uralte Banyanbaum, unter dem fünftausend Krieger Ale-        Stinkbäumen wurden, zu Brennesseln, vom Blindmull unterwühl-
xanders des Großen Platz fanden, fing plötzlich an, zu raunen       ten Taubnesseln, und machten sich als fleischfressende Blumen
und übermenschliche Weisheit auszuspenden, warf nämlich dem         unbeliebter als sanfte Osterlämmchen und Osterhasen in Wohl-
Feldherrn Eroberungslust vor und prophezeite sein baldiges Ende,    fühl-Oasen. Quellen strullerten und pieselten nur noch halb so
wobei sich kaum die botanische Frage erhob, wie der Baum seine      lieblich, in sichtlich nochmal halbierter Oase. Wüste wuchs. Hat-
Sprechwerkzeuge eingespeichelt haben könnte.                        ten da vorn nicht bis vorhin noch Orchideen geblüht? Nur eini-
   Nebenan stand ein gelernter Holzfacharbeiter aus Bethlehem       ge Trockenbüsche blieben stehn. Abgebrochene Dornenzweige
im Garten Gethsemane, palmenumfächelt von warmer Nachtluft          wuchsen sofort nach; wohl um all jene Kakteen zu rächen, die
und dem sanften Schnarchton des kahlköpfigen Fischverarbeiters      von Jachwe, wenn dieser durch die Wüste brauste, geköpft wor-
Petrus, und erwies sich als wenig naturverbunden, floss keines-     den waren. So dampfte und darbte die Südhalbkugel als geolo-
wegs mystisch hinein ins pflanzliche Geraschel, taub und amu-       gische Glatze, ausgeliefert Sonnenwind und Sonnenbrand. Von
sisch und gefühlsblind für die Schlafgestalten der Blumenköpfe      der Holzklotzanbetung bis zur Kruzifixproduktion – keine Reli-
und die jammernden und drohenden Palm-, Busch- und Baum-            gionsgeschichte ohne Kahlschlag.
geister:
   „Dass du neulich – o weh – unseren Bruder, den heiligen Fei-                                  -- ? ? ?--
genbaum … wie konnte er nur … einerseits vom lebendigen Gott
reden … und dann den Baum des Lebens vernachlässigen … du           Der monotheistische Vandalismus des Sankt Bonifax: – Nur die
hast uns verflucht … wir haben dir … warum so unerleuchtet … ein    Nordhalbkugel lag noch äonenlang flächendeckend im Sumpf-
Schlag gegen die herz- bzw. feigenblattförmige Yoni der Maja …      wald, viel zu dunkel, um sich für Holzaxtproduktion zu veraus-
und das ganz ohne Axt … einfach nur durch ein Wort … ein Zau-       gaben. Und Steine für Steinäxte fanden sich im Moosgeflecht
berwort … bis heut haben wir uns nicht erholt … nicht nochmal       kaum. Urtümliche Gestalten à la Conan, der Barbar, manch ein
ausgetrieben … aber was hat dir der arme Feigenbaum getan, den      nordischer Erysichthon, jagten Waldlöwen im Löwenwald und
dir Fata Morgana darreichte, der dir kostenlos geschenkt ward zu    schossen ständig daneben und kamen kaum durch, durch ent-

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f o k u s

ulrich holbein

                                                                                     Bei einem Waldgang mit Dr. Waldgong Bauer klagte ich: „Oh je, ich habe
                 wurzelte Riesenfichten, Unterholz, Strunkwerk, Wurzelchaos,         schon Symptome – ich sehe überall im Wald Frauen an den Bäumen her­
                 unberührt des Nachts von Sternlicht und Mondlicht, unbeschie-       umhängen!“ Mein Therapeut belehrte mich: „Mein lieber Sohn, wisse, das
                 nen des Tags von Sonnenlicht. Kein Lichttröpfchen tropfte auf       sind keine Symptome. Im heiligen Hain ist das der Normalfall!“
                 den Waldboden durch. Man sah vor lauter Wald weder Bäume
                 noch Himmelslicht. Urwaldriesen verfilzten sich ungekämmt in-          Da legte er los, Sankt Bonifax: „Ach wirklich, du Trottel? Und
                 einander, fast noch unaufdröselbarer als Rapunzelzöpfe oder         warum hast du da eine Steinaxt in der Pfote? Ihr verehrt die
                 als ­methusalemische Rübezahlbärte, worin Zaunkönige hüpften        Dämonen nur hier, im scheinheiligen Hain. Und außerhalb und
                 und brüteten, lang bevor es Könige und Zäune gab. Bevor Früh-       drumherum?! Da holzt ihr gewaltig ab! Ich aber sage euch: Be-
                 gotik anfing, fand Pflanzengotik statt, fotosynthetisch inspi-      reits Gletschermensch Ötzi hat exzessiv Brandrodung betrieben!
                 rierter Lichtdurst als religiöse Hinauf- und Hinwärtsbewegung,      Falls ihr den kennt. Und ich sage euch: in wenigen Jahrhunderten
                 immer schön aufwärts und hinan. Nur standen sich die gottes-        wird eine dampfende Maschine ganz Europa retten, und ratet mal
                 wütigen Bäume wie angewurzelt gegenseitig auf den Wurzeln           wovor! Vor dem definitiven Kahlschlag, ihr Dussel!“
                 herum. Karl der Große fällte den Baum der Irminsul, die Säu-           „Ach so …“, murmelte Obelix undeutlich und trottelte mit sei-
                 le der Erde, Axis Mundi; Bengalenkönig Schaschanka machte           ner Axt wieder an seine Arbeit.
                 nebenan Buddhas tausendjährigen Bodhi-Baum nieder. Missi-              „Wetten, dass eure Götzen euch nicht beschützen, wenn ich
                 onsführer Sankt Ulphobertus bzw. Bonifax hätte beglückt, er-        das Ding hier umhaue!?“
                 leuchtet durch unbegrenztes Paradies laufen können, wanderte           Reigentanzende Baumfräulein, Moosmädels und Waldweib-
                 stattdessen durch wegelose, brückenlose, mückenverseuchte           lein, die nebenan in Hellas Dryaden und Nymphen hießen,
                 Sumpfwälder, um flachsblonden Dumpfis vom Herrn Petrus was          blitzten in goldgrüner Nacktheit auf und huschten von hinnen.
                 zu erzählen, der einem Soldaten ein Ohr abhaute; denn das be-       In einiger Höhe gabelten sich gewaltige Äste hinein in den Wald-
                 eindruckte Obelix & Company – germanische Inkarnationen alt-        Dom hochgelegener Luftwurzelsysteme. Den Stamm schmückten
                 bekannter Esau-, Onan- und Lea-Visagen! – weit mehr als die         Bänder, Kränze, Gedächtnistafeln, Denkzeichen erhörter Gelüb-
                 Memme Jesus, die immer nur die andere Backe hinhielt. Auch          de. Man fand eingeritzte Herzen, Embleme, Kürzel, ja sogar ver-
                 Sankt Bonifax hatte was gegen die Bäume der Fata Morgana mit        wachsene Hiebspuren, uralte Ansätze versunkener Holzfällerge-
                 gar nicht so verkehrter Argumentation: „Ihr Obelixe! Ihr seht ja    schlechter. Und Bonifax fällte 723 n. Chr. die schönste, älteste
                 vor lauter Wald den Himmel und die Sterne nicht! Ich schen-         Eiche, demonstrativ, mitten im heiligen Hain, unweit von Geis-
                 ke euch erstmals einen freien Ausblick, heraus aus diesem grü-      mar bei Fritzlar bei Wabern, hinter Homberg an der Efze. Nieder
                 nen Plunder, der euch alles verbaut, hinaus auf eine kleine Lich-   zur Erde musste der rauschende Wipfel! Doch leider beschützten
                 tungs-Oase mitten in der rauschenden Wüste tiefverschatteten        die zuständigen Baumgeister ihren Baum tatsächlich nicht – wa-
                 Urwalds.“                                                           rum eigentlich nicht? Bonifax hatte tückisch einen leicht be-
                    „Aber die heiligen Baumgeister!“ sagte Obelix zum Dolmet-        deckten Sonnentag gewählt, ohne jede Gewitterneigung, so dass
                 scher. „Die da – da oben … Baumgeister … die verehren wir im-       also Donar nicht im mindesten donnern konnte. Folglich war er
                 mer so … weil die so …“                                             nun also ab sofort vom Ausländergott besiegt worden. Missi-

                                                                                                                                   Hagia Chora 37/38 | 2012   79
onar contra Eiche; feministische Mythologinnen interpretierten        Spiritus ohnedies jederzeit als ziemlich anrüchige, allzu popu-
das später dann wieder als Knechtung des weiblichen Prinzips.         läre Derivate, Entitäten und Vulgärformen und Schwundformen
Germanen und Christen fällten um die Wette Bäume, 2000 Jahre          herum, so wenig ernstzunehmen wie Wattebart Sancta Claus ne-
bevor der Terminus „Naturbeherrschung“ aufkeimte. Historicus          ben ewigem Gottvater. Aufklärer widerlegten die Existenz von
Tacitus zeigte sich schockiert von verödeten Landstrichen in Ger-     Gespenstern genauso wie die von sämtlichen Göttern, von Oli-
manien. Zimmermann Jesus mutierte zur Möbelindustrie.                 fant und Vitzliputzli bis Gott. Aber Erfinder und Wissenschaft-
                                                                      ler entdeckten exakt in dem Moment, als unsichtbare Dämonen
                                -- ??? --                             wissenschaftlich abgeschafft wurden, unter Lupe und Mikroskop
                                                                      jede Menge unsichtbarer, plötzlich sichtbar zu machender Auf-
Global-Ernüchterung: schwere Zeiten für Baumgeister in Grünan-        gusstierchen, Spermien, Bakterien, die praktisch genauso nervös
lagen: – Auch die Nordhalbkugel wurde abgeschoren, abgefrüh-          herumwimmelten wie vorher alles dämonische Gelichter und alle
stückt, abgegrast. Fehlende Kettensägen und Vollernter hielten        paracelsischen Elementarwesen. Entweder wurde die freigewor-
die gesamteuropäische Abholzung kaum auf. Aus Bäumen wur-             dene Nische bloß blitzschnell neu besetzt, oder infektiöse Dämo-
den Pfahlbauten, Bauten, Möbel, Karren, Schiffe. Aus Buchen           nen und Einbläser wurden einfach in Krankheitskeime umge-
wurden Bücher, in denen immerhin manchmal zu lesen stand:             tauft, Succubus in Streptokokkus. Der gute, alte apotropäische
„Anno 1539, am 11. tage Aprilis war Dr. Martinus Luther in sei-       Schleier, auch Abwehrschleier genannt, wurde zum Mundschutz
nem Garten / vnd sahe die beume mit tieffen gedancken an / wie        von Chirurgen und Zahnärzten. Und die prähistorische Tiermaske
sie also schoen / vnd lieblich blueheten / knospeten und grue-        mutierte zur modernen Gasmaske. Dschungel domestizierte sich
neten / und verwunderte sich sehr darueber / und sprach / Gelobet     zu englischen Gärten. Französische Gärten ernüchterten sich zu
sey Gott der schoepfer / der aus todten verstorbenen Crea­turen       Golfplatz-Rasen. Blumenwiesen entfärbten sich zu Löwenzahn-
/ im Lentzen alles wieder lebendig machet.“ Auf Buchenholzba-         wiesen, Rasen, Nutzfläche. Entwurzeltes Stadtleben versuchte,
sis hätte Amerigo und Columbus weder Indien noch Kolumbien            sich an wachsblumenartig entwurzelter Schnittblumen-Industrie
noch Amerika entdecken können; Schiffahrt blieb von Anfang            zu erbauen. Aus Heiligen Hainen wurden großstädtische Grün-
an angewiesen auf die Gerbsäure im Eichenholz, die haltbare           anlagen und Behindertenparkplätze. Grünanlagen entfärbten sich
Konstruktionen erlaubte. Ohne Eichbäume kein Columbus, keine          zu vollgepinkelten Grauanlagen, Stadtbegrünung zum Straßen-
mittelalterliche Seefahrt, also keine Ausbreitung der Stubenflie-     begleitgrau. Denn Straßen sind Lebensadern unserer Wirtschaft.
ge durch die ganze Welt. Für ein Segelschiff wurden 2500 Eichen       Bäume wurden zu Verkehrshindernissen, angepinkelt von Hund
abgeholzt, für eine Werft noch x-mal mehr. Doch von den 2500          und Mann. Baumgeist und Pflanzenseele hatten für verwesende
Baumgeistern, die pro Schiff obdachlos wurden, etablierten sich       Holzverbraucher Sargbretter zu liefern. Waldbrände wurden zu-
auf jedem Schiff nicht 2500 Klabautermänner, sondern bloß ein         nehmend abhängig von Streichhölzern aus Holz, Holz contra
Klabautermann, im Höchstfall. Seeleute lagen seekrank im Halb-        Holz. Anfangs hatten Radio und Fernsehn hölzerne Gehäusever-
schlaf und hörten Holzwurm, Ratten und Klabautermann im Holz          schalungen. Die kaum noch säuselnde, kaum noch rauschende,
knuspern. Baumgeist-Experten blieben die Erklärung schuldig,          vermutlich leidende, unverdrossen austreibende Pflanzenseele
wie das Schicksal von 2499 überall obdachlos herumhuschenden          ergraute, staubte ein, erstickte in der Kübelpott-Krüppelkonife-
Baumgeistern pro Segelschiff weiterging.                              ren-Ästhetik der Floristik-Center, wie sie bereits auf Dostojewskis
   Elfen, Gnome, Sylphen hatten keine Chance, es unangenehm           Datschen trostlos grassierte. Friedrich Nietzsche krähte „Gott ist
zu finden, dass sie ohne eine Überportion Anthropomorphismus          tot!“ und „Die Wüste wächst!“ Walt Disney beteuerte: „Die Wüste
nicht extrem plausibel in Erscheinung treten, und oft auch gar        lebt!“ Salvation Army & Zeugen Jehovas beteuerten: „Jesus lebt!“
nicht, trotz Überdosis. Baumgeister teilten mit Gott das Schicksal    Gartenarchitekten kamen runter zu Einkaufsstraßendekorateuren.
allzu weitgehender Unsichtbarkeit. Aber ins strenge, später als       Kontrollinstanzen wie Parkwächter und Schutzmänner hatten alle
naturfeindlich verpönte Christentum schlichen sich kleine grüne       Hände voll zu tun, nudistisch engagierte Dryaden im Stadtpark
Inseln ein, und stille friedliche Waldkapellen, also heimliche Hei-   und Nixen im Stadtteich vernünftiger Tätigkeit zuzuführen. Al-
lige Haine, paradiesische Erinnerungszipfel, eingesprengt in den      leebäume sorgten für täglich sechs Baumtote statt Auto­tote. Und
grauen Stein gotischer Kathedralen, die fast schon die graue Be-      ganze Wälder hatten sich widerspruchslos flachzulegen für Bibel-
ton-Ästhetik späterer Jahrhunderte vorwegnahm, globale Versie-        zitate à la „Gott häuft Leichen auf!“ und BILD-Zeitungsschlagzei-
gelung, Zuasphaltierung, Verbunkerung, Verbauung, Bau-Boom.           len à la „Nonne beißt Hund!“ Vernünftige Forstwirtschaft hütete
   Denn schon seit längerem kam nüchtern-pragmatische,                Restwälder als Rohstoffquellen. Statt Baumgeist – pragmatischer
entzauberungssüchtige Neuzeit herangerollt, und zwar seit             Geist, Stangenholzplantagen, Fichtenmonokultur, militärisch in
600 v. Chr. Ein theoretischer Holzfäller, Empedokles’ Zeitgenos-      Reih und Glied, erntbare Lebendmasse mit schrumpfender Rest-
se Diogenes von Apollonia trat als Spielverderber und Aufklärer       standzeit. Statt Baumseele – Seelsorger und Seelenklempner.
auf und sprach den Pflanzen das Denken ab. Wie unspendabel!           Sechs Wochentage lang randalierten Naturbeherrscher, um sonn-
Wie unverzeihlich! In solch kaltherzig reduktionistischen, reali-     tags die beherrschte Natur mit Naturverbundenheit zu belästigen.
tätslastigen Theoremen röhrte von Anfang an die – sowieso un-         Avalon schimmerte kaum noch durch. Wer Industrie, Verstädte-
aufhaltsame – Baumsäge.                                               rung, Zersiedelung dafür schuldig sprach, dass Zwerge, Gnome,
   Magier Prospero zerbrach auf windgeistumstürmter Insel frei-       Nymphen sich nicht mehr zeigten, übersah, dass auch Tiere vor
willig seinen Zauberstab. Der hochbetagte Faust II. tat es ihm        technischen Welten nicht zurückschrecken und dass Elfen und
nach und entfernte alle Magie von seinem Pfad. Die Anatomie           Feen sich auch in guten, alten heimeligen Zeiten seit jeher nicht
der Engel erzeigte sich nicht mehr mit Darwin vereinbar; denn         jedem zeigten. Andere Erklärungsmodelle wurden erwogen: El-
Flügel enthüllten sich jetzt als umgebildete Vorderbeine; Engel       fen starben nur deshalb aus, weil keiner mehr im Wald onaniert,
konnten laut Evolutionstheorie keinesfalls Flügel und Arme zu-        sichtlich eine plausiblere Vermutung als die Technik-These. Au-
gleich tragen, sowenig wie Moses Hörner tragen durfte, trotz al-      ßerdem tendierten nicht nur fromme Mütterchen zum Elfenglau-
ler ikonographischer Gegenbeweise. Schlossgeist und Poltergeist       ben, eher Philosophen und Strafsenatsvorsitzende, und dies nicht
westen und wirkten und webten neben dem gloriosen Sanctus             nur in Irland und Finnland.

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f o k u s

sir joseph noel paton

                                                                                            Elfenwälder zu Shakespeares Zeiten: Die Hochzeit von Oberon und Titania
                                                     -- ??? --                              aus dem „Sommernachtstraum“. Gemälde von Sir Joseph Noel Paton: „Stu­
                                                                                            dy for The Quarrel of Oberon and Titania“, 1849.
                        Wie grüne Fee & Green Man am längeren Hebel sitzen: – Das ver-
                        lorene und wiedergefundene Paradies verschärfte sich zu einem          Umtost von globaler Holzwirtschaft, sah Humanist Johann
                        nie dagewesenen Paradies. Die traumhafte, immer schärfer wer-       Gottfried Herder die Pflanze auf dem Weg zu ihrer Humanisie-
                        dende Erinnerung daran ließ sich weder plattwalzen noch aus-        rung. Der überaus beseelte Pflanzenphilosoph Gustav Theodor
                        rupfen. Je mehr der grüngoldene Baum des Lebens neben grauer        Fechner ward vom Seelenleuchten der Blumen ergriffen. Selbst
                        Theorie im Grau in Grau nüchtern infizierter und imprägnierter      relativ trockene Systematiker und Rubrizierer wie Carl von Lin-
                        Welt verblasste, desto spärlicher und farbintensiver grünten be-    né hauchten der Pflanze ein Empfindungleben ein. Hochsensi-
                        drohte Lichtblicke. Je motorisierter, entseelter, zombiehafter,     ble Dichter wie Hölderlin (abgeleitet von Holunderbusch) sangen
                        TÜV-kompatibler, säurefester, streusalzresistenter, abgashärter     sympathetisch: „Wie gern würd ich zum Eichbaum.“ Zuspätro-
                        die Immanenz of modern world vorwärtsknatterte, desto glü-          mantiker wie Ludwig Tieck, Joseph von Eichendorff und Robert
                        hender schimmerten schönere Zeiten samt raunender Holunder-         Schumann schwärmten von über mir rauschender, schöner Wald­
                        mütter und Eschengeister durch den Smog der Ballungszentren.        einsamkeit, so als wollten sie den Deutschen deren Vorfreude
                        Paradiesische Erinnerungszipfel, Idyllen und Spitzweg-Garten-       auf das anrollende Industriezeitalter prophylaktisch vermiesen.
                        lauben überboten den lapidaren Paradiesmythos an sentimen-          Student Anselmus hörte Serpentia-Weisheit aus einem Holun-
                        talisch aufglimmender Tränenseligkeit. Urgermanischer, paga-        derbusch an der Elbe in Dresden wispern. Bruno Wille wurde ein
                        nischer, heidnischer Löwenzahn und Wegerich brachen durch die       Wacholderbaum zum Bodhibaum. Bächtold-Stäublis wunderbar
                        Risse im katholischen Straßenbelag. Resistentes Avalon meldete      uferloses „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“ blühte
                        sich und überrollte, seltsam verändert, die artfremden Intermezzi   auf und stellte Thomas von Aquins hartherzige „Summa theolo-
                        Jerusalem und Jericho mit Karneval, Osterspaziergang, zweitem       gica“ optimal in den Schatten, und siehe, Volksglauben vermoch-
                        und drittem Frühling, verspäteter Früh- und Spätromantik, mit       te Reicheres … +
                        „Le Sacre du Printemps“ und Greenpeace.
                           Tao Yuanming (365–427) dichtete: „Die Bäume scheinen mich        Mehr Lesevergnügen von Ulrich Holbein: Narratorium, Ammann Verlag • Ulrich
                        zu kennen und untereinander zu flüstern.“ Tang-Dynastie-Poeten      Holbeins Weltverschönerung, Zweitausendeins • Bitte umblättern! Einhundertelf
                        züchteten Chrysanthemen und liebten Blumenelfen inniger als ihr     Appetithäppchen, Elfenbein • Dies Meer hat keine Ufer: Klassische Sufi-Mystik:
                        Leben. John Milton schilderte in seinem „Lost Paradise“ den Pa-     Sufi-Weisheiten, marixverlag
                        radiesbaum als Banyanbaum. Barthold Heinrich Brockes besang
                        Krokusse schier inniger als deren Schöpfer. Jean-Jacques Rous-                     Ulrich Holbein studierte in Kassel Malerei und wurde als
                        seau genoß eine buddhaartige Erleuchtung unter einem Chaus-                        Schriftsteller durch seine Kolumnen in der „Zeit“, der Frank-
                        seebaum. Johnny Appleseed, Apfelbauer (1774–1845), von US-                         furter Allgemeinen oder der Süddeutschen Zeitung bekannt.
                        Umweltschützern als Pionier-Ökologe und Naturheiliger gefeiert,                    2011 wurde Ulrich Holbein mit dem „Kasseler Literaturpreis
                        lebte zeitweise in einem Platanenstumpf.                                           für grotesken Humor“ ausgezeichnet.

                                                                                                                                              Hagia Chora 37/38 | 2012   81
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