Der Gletscherschwund in den Alpen - Alexander Meixner Seminararbeit am Rudolf-Diesel-Gymnasium Augsburg, Jahrgang 2017/19 - DAV Sektion Augsburg

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Der Gletscherschwund in den Alpen - Alexander Meixner Seminararbeit am Rudolf-Diesel-Gymnasium Augsburg, Jahrgang 2017/19 - DAV Sektion Augsburg
Der Gletscherschwund in den Alpen
                                                                       Alexander Meixner
                      Seminararbeit am Rudolf-Diesel-Gymnasium Augsburg, Jahrgang 2017/19

Bildquelle:   https://www.bergwelten.com/a/die-8-letzten-grossen-gletscher-der-alpen
Der Gletscherschwund in den Alpen - Alexander Meixner Seminararbeit am Rudolf-Diesel-Gymnasium Augsburg, Jahrgang 2017/19 - DAV Sektion Augsburg
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Inhaltsverzeichnis

1.    Vorwort…………………………………………………………………… 3

2.    Entstehung, Aufbau und Geschichte …………………………………….. 3

      2.1    Die Entstehung von Gletschern…………………………………... 4

      2.2    Aufbau eines Gletschers…………………………………………...6

      2.3    Alpengletscher in der heutigen Zeit………………………………. 8

3.    Veränderungen im Laufe der letzten Jahrhunderte………………………. 9

      3.1    Gründe für das Abschmelzen der Gletscher….……………............10

      3.2    Regionale Unterschiede im Alpenraum…………………………... 12

      3.3    Fotovergleiche von Gletschern früher-heute ……………………... 13

4.    Risiko- und Chancenbetrachtung …………………….…………………...15

      4.1    Veränderung des Wasserhaushalts durch das Abschmelzen der
             Alpengletscher……………………………………………………..15

      4.2    Auswirkungen auf Flora und Fauna …………………………….. 16

      4.3    Auswirkungen auf Infrastruktur und Tourismus im Bereich der
             Alpen……………………………………………………………… 18

5.    Gegenmaßnahmen zum Erhalt der Gletscher…………………………….. 21

6.    Ausblick…………………………………………………………………... 24
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1. Vorwort

Die Alpengletscher faszinieren den Menschen seit jeher. Die ersten Aufzeichnungen
und Beobachtungen gehen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück 1. Gletscher sind sensible
Ökosysteme, Orte unberührter Natur, der Beständigkeit und des Wandels zugleich.
Aufgrund des langen Beobachtungszeitraums sind sie wichtige Klimazeugen für uns im
21. Jahrhundert. Sie gelten als Mahnmale und Opfer des globalen Klimasystems, das
durch den Ausstoß von Treibhausgasen aufgrund menschlicher Aktivitäten zunehmend
erwärmt wird. Nicht nur in den Alpen, sondern überall auf der Erde ist zu beobachten,
dass die Gletscher abschmelzen und sich in größere Höhen zurückziehen, da sie auf die
globalen Klimaveränderungen reagieren. Die Aufgabe des Menschen ist es nun, die
Alpengletscher vor dieser großen
Bedrohung zu schützen, um uns so
vor zahlreichen Gefahren im alpinen
Raum, die als natürliche Folgen des
Gletscherschwundes auftreten, zu
bewahren. Gerade deshalb ist der
Schutz der Gletscher in der heutigen
Zeit ein besonders wichtiges Thema, Abbildung 1: Pitztaler Gletscher in den Ötztaler Alpen
                                           (https://www.bergwelten.com/files/article/images/mauritius-
das unsere ganze Aufmerksamkeit            Pitztaler-Gletscher_0.jpg?output-format=jpg&output-
                                           quality=60&crop=3000px:1687.5px;0,156.25&downsize=670px:
und Zuwendung verdient.                    376px)

2. Entstehung, Aufbau und Geschichte

In der Erdgeschichte gab es schon immer einen Wechsel zwischen Warm- und
Kaltzeiten, die sich durch natürlich bedingte Klimaänderungen erklären lassen 2.
Dementsprechend sind auch die Gletscher in den Eiszeiten immer weiter vorgedrungen
und in wärmeren Phasen haben sie sich wieder zurückgezogen. Während der letzten
Eiszeit im Alpenraum, der Würmeiszeit, die vor ca. 110.000 Jahren begann und vor
rund 10.000 Jahren endete, waren die Alpen nahezu vollständig vergletschert und die
Eispanzer waren dabei teilweise mehrere Kilometer dick 3. Die Alpengletscher, in der
Form wie wir sie heute kennen, sind die Ausläufer dieser Zeit.

1
  http://geo.badw.de/arbeitsgebiete/alpen.html, 04.08.2018, 10.00 Uhr
2
  Geographie Bayern 11, S. 152-153
3
  https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%BCrm-Kaltzeit, 06.08.2018 10.30 Uhr
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2.1 Die Entstehung von Gletschern

Ob und wo ein Gletscher wächst oder abschmilzt kann mit Hilfe seiner Massenbilanz
und der Gleichgewichtslinie beschrieben werden. Grundsätzlich gilt: Fällt im
Gletschergebiet          im     Jahresverlauf   mehr   Niederschlag     in   Form     von    Schnee
(Akkumulation) als im gleichen Zeitraum verdunstet oder abschmilzt (Ablation), so
gewinnt der Gletscher an Masse. Diese Gebiete nennt man Nährgebiete eines Gletschers
und sie befinden sich über der Gleichgewichtslinie. Wenn genau das Gegenteil der Fall
ist, also die Ablation größer als die Akkumulation, bezeichnet man diese Gebiete als
Zehrgebiete, der Gletscher verliert an Masse und sie liegen unterhalb der
Gleichgewichtslinie 4. Ein Gletscher lässt sich also in zwei verschiedene Bereiche
gliedern und diese Grenze zwischen Nähr- und Zehrgebiet nennt man, wie bereits
erwähnt, die Gleichgewichtslinie. Hier schmilzt genauso viel Eis ab, wie durch
Schneefall wieder hinzukommt. Steigen die Temperaturen, so verschiebt sich die
Gleichgewichtslinie in größere Höhen und die Gletscher ziehen sich allmählich zurück.

        Abbildung 2: Längsschnitt durch einen Gletscher zeigt die Aufteilung in
        Akkumulations- und Ablationsgebiet
        (Gletscher der Alpen, 40)

4
    https://www.raonline.ch/pages/edu/pdf/Gletscher_Arbeitstext.pdf, 09.08.2018, 11.00 Uhr
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Doch wie bildet sich nun aus dem weichen Neuschnee solch ein kompaktes und festes
Gletschereis wie in den Alpen?
Den gesamten Verwandlungsprozess von Schnee zu Gletschereis bezeichnet man als
Metamorphose 5. Zunächst liegen die frischen Schneekristalle locker nebeneinander und
schließen dabei ein großes Luftporenvolumen von bis zu 95 % ein. Dadurch ergibt sich
eine geringe Dichte von ca. 0,1 g/cm³. Da bei Sonneneinstrahlung als erstes die Spitzen
der sternförmigen Kristalle schmelzen, wird der Schnee durch partielles Schmelzen und
erneutem Gefrieren körniger und gleichzeitig fester. Fällt nun weiterer Neuschnee auf
die mittlerweile etwas ältere, körnigere Schneeschicht, erhöht sich der Druck darauf und
sie entwickelt sich zu einer noch festeren Schicht, deren Dichte bereits nach einigen
Wochen bei etwa 0,4 g/cm³ liegt. Diese Schneeform nennt man Altschnee. Überdauert
der Altschnee sogar den darauffolgenden Sommer, so nennt man ihn fortan Firn. Er
weist eine spezifische Dichte von 0,5 g/cm³ auf. Schließlich bildet sich daraus festes
Gletschereis, da der Druck in den unteren Schneelagen immer weiter zunimmt. Bei den
endgültigen Gletschereismassen liegt die Dichte dann mit 0,8 bis 0,9 g/cm³ nur knapp
unter dem Dichtewert von Wasser 6.
Um etwas mehr als 1 m Gletschereis zu bilden, werden bis zu 10 m Neuschnee
benötigt 7. Der Prozess hierfür dauert dementsprechend auch mehrere Jahre.

Abbildung 3: Metamorphose von Neuschnee zu Gletschereis
(Gletscher der Alpen, 35)

5
  https://www.wissen.de/gletscher, 09.08.2018, 12.00 Uhr
6
  Gletscher der Alpen, S. 35-38
7
  https://de.wikipedia.org/wiki/Gletscher, 09.08.2018, 12.30 Uhr
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6

2.2 Aufbau eines Gletschers

Wie bereits im vorherigen Kapitel erklärt wurde, besteht ein Gletscher aus
verschiedenen Schichten. Schnee und Firn bilden die obersten beiden davon. Erst
darunter folgt dann das Gletschereis.
Erreichen die Eismassen eine Dicke von ca. 20 bis 30 m, wandert der Gletscher
aufgrund seines Eigengewichtes und infolge der Schwerkraft, talabwärts. Ein dünner
Schmelzwasserfilm an der Sohle des Gletschers erleichtert das Gleiten auf dem festen
Untergrund. Die Größe der Eismassen und das Gefälle bestimmen dabei die
Fließgeschwindigkeit. Die Alpengletscher legen jährlich eine Strecke von etwa 30 bis
150 m zurück, während die Gletscher im Himalaya-Gebirge sogar zwischen 500 bis
1500 m erreichen können. Ebenfalls zu beobachten ist, dass die Fließgeschwindigkeit
inmitten der Gletscherzunge am höchsten ist und zum Rande hin abnimmt, wodurch
gefährliche Randspalten an der Oberfläche der Gletscher aufreißen können. Auch durch
Dehnung in Längsrichtung der Gletscher oder Unebenheiten am Boden können bei der
Bewegung ins Tal Risse an der Gletscheroberfläche quer zur Fließrichtung entstehen 8.

Seit jeher haben Gletscher einen
großen        Einfluss        auf         das
Landschaftsbild, denn sie formten die
Täler so, wie wir sie heute aus dem
Alpenraum        kennen.        Ins       Eis
eingeschlossene Steine wirken beim
Abgang eines Gletschers wie grobes
Sandpapier. Sie schleifen an den

Rändern und am Untergrund des Abbildung 4: Lauterbrunnental: Ein typisches
Gletschers Gestein ab, das von den Trogtal, das durch die Gletscher geformt wurde.
                                                (https://de.wikipedia.org/wiki/Trogtal#/media/File:Lauterbrun
                                      9
Eismassen abtransportiert wird . Den            nental.2008.jpg, 27.10.2018, 13.00 Uhr )

mitgeführten Ton, Sand und das Gestein bezeichnet man allgemein als Moränen. Dieses
Material bleibt auf dem Weg nach unten an den Rändern (Seitenmoräne) und am Ende
der Gletscherzunge (End- oder Stirnmoräne) als Geröllhügel bzw. Schuttwall liegen und
bildet einen wichtigen Bestandteil von Gletschern. Vereinigen sich zwei Gletscher, so
8
 https://www.planet-wissen.de/video-gletscher---das-ende-vom-ewigen-eis-100.html, 12.08.2018,
09.00 Uhr
9
  https://www.planet-schule.de/mm/die
erde/Barrierefrei/pages/Gletscher_gestalten_die_Landschaft.html, 12.08.2018, 10.30 Uhr
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entsteht aus den jeweiligen Seitenmoränen eine gemeinsame Mittelmoräne, die jedoch
erst im Zehrgebiet freigelegt und sichtbar wird 10.

Charakteristisch für die Gletscheroberfläche im
Ablationsgebiet            sind          die            vielen
Schmelzwasserbäche.             Sie      erzeugen          oft
schlangenlinienförmige Vertiefungen im Eis, die
durch das Mäandrieren der Bäche entstehen. Weiter
gletscherabwärts, zum Ende der Gletscherzunge hin,
verschwinden diese Schmelzwasserbäche meist in
der sogenannten Gletschermühle.
Durch diese schachtartige Vertiefung im Eis fließt
das Wasser nun weiterhin subglazial (unter der
Eisdecke) ab und gelangt erst am Ende der Zunge
wieder ans Tageslicht 11. Am Gletschertor, an der
unteren     Öffnung       der     Eisfront,    fließt     das
Schmelzwasser „wie aus einer blutenden Wunde“ 12
                                                                 Abbildung 5: Mäandrierender
ab und bildet einen Gletscherbach. Da sich das Gletscherbach
                                                                 (Gletscher der Alpen, 39)
Wasser dort mit Gesteinsmehl vermischt und sich
weiß-grau verfärbt, bezeichnet man es auch als Gletschermilch. Bei größeren
Wassermengen bildet sich aus dem Gletscherbach ein Fluss und sammelt sich das
Wasser in einer Mulde, so entsteht ein Gletschersee.

                                                         Abbildung 6: Gletschertor am Ende der
                                                         Gletscherzunge
                                                         (Gletscher der Alpen, 41)

10
   https://gletscherg2h.wordpress.com/gruppe-2-2/, 12.08.2018, 12.00 Uhr
11
   Gletscher der Alpen, S.40-41
12
   http://www.die-klimaschutz-baustelle.de/gletschertor.html, 12.08.2018, 15.00 Uhr
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2.3 Alpengletscher in der heutigen Zeit

Die Alpengletscher bestehen aus ca. 5000 einzelnen Gletschern, die sich über mehrere
Nationen erstrecken. Der größte Anteil der alpinen Vergletscherung, nämlich 43 %, die
eine Fläche von über 1000 km² bedecken, befinden sich in der Schweiz. Mit 23 % oder
einer in etwa halb so großen vergletscherten Fläche folgt Italien. Österreich 19 %,
gefolgt von Frankreich 14 % stehen an dritter und vierter Stelle, während die gesamte in
Deutschland befindliche Gletscherfläche gerade einmal 1 m² beträgt. Die beiden noch
fehlenden Länder im Alpenraum, Lichtenstein und Slowenien können hingegen keine
Gletschergebiete vorweisen 13.

In der Schweiz findet man nicht nur die meisten, sondern auch den flächenmäßig
größten und längsten Alpengletscher, den Aletschgletscher in den Berner Alpen. Der
über 80 km² große und ca. 23 km lange Talgletscher entwässert über die Massa in die
Rhone 14. Nicht umsonst werden die Gletscher der Alpen auch als „Wassertürme
Europas“ bezeichnet, da sie die Hauptquellorte für sämtliche europäische Flüsse sind,
z.B. für die Donau, den Rhein oder die Rhone.

Abbildung 7: Aletschgletscher in der Schweiz
(https://www.aletscharena.ch/naturphaenomen/grosser-aletschgletscher/aletschgletscher-fisheye-sommer-aletsch-
arena-christian-ruegg-s.jpg, 27.10.2018, 13.30 Uhr)

Nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sind die Alpengletscher von höchster
Bedeutung. Eine ganze Bandbreite an Freizeitangeboten locken jährlich etwa 100 bis
140 Millionen Touristen in den Erholungsraum Alpen, wozu auch die Gletschergebiete
ihren Anteil beitragen 15. Das Besondere dabei ist, die Alpenregionen begeistern alle

13
   Gletscher der Alpen, S. 20
14
   https://www.bergwelten.com/a/die-8-letzten-grossen-gletscher-der-alpen, 16.08.2018, 09.00 Uhr
15
   https://www.naturfreunde-bayern.de/cipra, 16.08.2018, 10.00 Uhr
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Altersgruppen von jung bis alt. Der regelrechten Abhängigkeit mancher Regionen vom
Alpentourismus stehen sehr empfindliche Naturräume gegenüber, die sensibel auf
menschliche     Eingriffe    reagieren.    Umweltschützer       kritisieren   immer     wieder
beispielsweise den Ausbau von Verkehrswegen oder die Erschließung neuer Skigebiete.
Der sanfte oder nachhaltige Tourismus gewinnt hierbei immer mehr an Bedeutung.
Dieser soll sowohl die Interessen der Touristen, als auch die Rücksicht auf die Umwelt
in Einklang bringen, sodass die Natur geschont wird 16.

3. Veränderungen im Laufe der letzten Jahrhunderte

In der Zeit zwischen 1500 und 1850 war das Klima in Mitteleuropa von kühlen
Sommern geprägt. Das führte dazu, dass die Alpengletscher an Fläche zunahmen.
Teilweise wurden sie sogar, wegen ihres stetigen Vordringens in tiefergelegene Gebiete,
von den Menschen gefürchtet. Um das Jahr 1850 haben die Alpengletscher ihre
maximale Ausdehnung seit der letzten Eiszeit erreicht 17.

Ab der Industrialisierung und der damit verbundenen zunehmenden Lufttemperatur,
hauptsächlich verursacht durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, begannen die
Gletscher allmählich abzuschmelzen. Einflussfaktoren auf die Entwicklung von
Gletschern ist die Lufttemperatur sowie die Menge, Art und Häufigkeit von
Niederschlägen. In einem Beitrag verschiedener Geografen und Glaziologen zum
Thema Gletscherveränderungen in den europäischen Alpen heißt es, dass sich, innerhalb
der letzten 150 Jahren bis hin zum Jahr 2000, der Schwund alpiner Gletscherflächen auf
die Hälfte und der Verlust des alpinen Eisvolumens auf zwei Drittel beläuft 18. Auch in
Zukunft wird sich an diesem Trend nichts ändern, sondern er wird weiterhin Fahrt
aufnehmen und sich verstärken. Gletscherforscher rechnen mit dem fast vollständigen
Abschmelzen der Alpengletscher noch in diesem Jahrhundert.

16
   https://www.bmu.de/themen/wirtschaft-produkte-ressourcen-tourismus/tourismus-
sport/nachhaltiger-tourismus/, 16.08.2018, 11.30 Uhr
17
  https://geo.badw.de/fileadmin/user_upload/Files/GLAZ/pdf/Bayerische_Gletscher_im_Klimawandel_
2012.pdf, 18.08.2018, 09.00 Uhr
18
   http://www.geo.uzh.ch/~mzemp/Docs/Zemp_etal_JahrbuchOekologie08_2007.pdf, 18.08.2018,
10.00 Uhr
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10

3.1     Gründe für das Abschmelzen der Gletscher

Gletscher ziehen sich zurück, wenn im Zehrgebiet mehr Schnee und Eis abtaut oder
verloren geht, als im Nährgebiet im gleichen Zeitraum hinzukommt (Vgl. 2.1
Entstehung der Gletscher). Gründe dafür können nicht ausreichende Niederschläge im
Winter in Form von Schnee oder zu hohe Temperaturen, beispielsweise in
strahlungsintensiven Frühlings- und Sommermonaten, sein. Als Hauptursache hierfür
wird der Klimawandel, der neben internen und externen natürlichen Einflüssen auch
durch den anthropogenen Treibhauseffekt entsteht, verantwortlich gemacht. Der
Treibhauseffekt ermöglicht uns aber erst das Leben auf der Erde. Ohne ihn läge die
durchschnittliche Lufttemperatur bei -18 Grad Celsius. Langwellige Wärmestrahlung
wird von der Erde abgegeben
und    von     den        sogenannten
Treibhausgasen       in     der    Luft
absorbiert und wieder zurück
zur Erde emittiert. Dadurch
bleibt die Strahlung in der

Atmosphäre und entweicht nicht Abbildung 8: Der natürliche Treibhauseffekt
                                           (https://slideplayer.org/slide/1310035/3/images/5/Der+nat%C3%BCr
ins Weltall 19. Diese Gase, wie            liche+Treibhauseffekt.jpg, 27.10.2018, 14.00 Uhr)

Kohlenstoffdioxid                 (CO2),
Methan (CH4) oder Distickstoffoxid (N2O) sind in gewissen Mengen natürlich
vorhanden. Durch menschliche Aktivitäten werden sie jedoch vermehrt ausgestoßen und
verstärken den natürlichen Treibhauseffekt. Klimaänderungen sind die Folge.
Auch wenn sich Deutschland für die Reduzierung der Treibhausemissionen einsetzt und
mit einer Einsparung von knapp 30 % gegenüber dem Jahre 1990 Erfolge erzielt, die
weltweite Bilanz ist weiterhin steigend 20.

19
   https://www.greenpeace.de/themen/klimawandel/was-ist-der-treibhauseffekt, 19.08.2018, 11.00
Uhr
20
   https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-
deutschland/treibhausgas-emissionen/die-treibhausgase, 19.08.2018, 12.00 Uhr
11

Abbildung 9: Jährliche Treibhausgasemission in Deutschland
(https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimaschutz-energiepolitik-in-deutschland/treibhausgas-
emissionen/die-treibhausgase, 27.10.2018, 14.00 Uhr)

Auch die globale Durchschnittstemperatur lag 2017 ungefähr 0,54 Grad Celsius über
dem langjährigen Mittelwert von 1961 bis 1990 21. Hinzu kommt, dass der Alpenraum
von einem überdurchschnittlichen Lufttemperaturanstieg betroffen ist. Dieser liegt in
etwa bei 1,5 Grad Celsius und ist somit deutlich größer, als der globale Vergleichswert.

Abbildung 10: Abweichung der globalen Lufttemperatur vom Durchschnitt 1961 bis 1990
(https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/2_abb_abw-globale-lufttemp_2018-05-
09_0.png, 27.10.2018, 14.00 Uhr )

21
 https://www.umweltbundesamt.de/indikator-globale-lufttemperatur#textpart-2, 19.08.2018, 12.30
Uhr
12

Abbildung 11: Abweichung der Lufttemperatur vom Durchschnitt 1961 bis 1990 in der Schweiz
(https://www.uibk.ac.at/geographie/personal/steiger/awt_bbgr_klimabericht2013.pdf, 27.10.2018, 14.00 Uhr)

Ein weiteres Problem stellt die Luftverschmutzung dar. Schmutzpartikel in der Luft, vor
allem Feinstaub und Ruß, können den Gletscherschwund verstärken, indem sie sich an
der Gletscheroberfläche ablagern und diese dunkler färben 22. Dadurch wird die Albedo,
das Verhältnis von reflektierter Strahlung zur gesamten einfallenden Strahlung, gesenkt.
Weiße Oberflächen können mehr Strahlung reflektieren, schwarze hingegen mehr
absorbieren und diese in Wärme umwandeln 23. Der gleiche Vorgang ist zu beobachten,
wenn die hellen Eismassen abschmelzen und darunter dunklerer Gesteinsschutt
hervortritt, der mehr Sonnenwärme aufnimmt. Dieser Teufelskreis verstärkt somit den
Abschmelzprozess.

3.2 Regionale Unterschiede im Alpenraum

Grundsätzlich gibt es im Alpenraum topografische und klimatische Unterschiede. Die
westlichen Alpen sind beispielsweise höher als die östlichen und gleichzeitig vom
feuchten, milden, ozeanischen Klima geprägt, während im östlichen Teil eher
kontinentale Luftmassen für die Temperatur und eine geringere Niederschlagsmenge
verantwortlich sind 24. Diese regionalen Unterschiede sind unter anderem der Grund für
die nicht gleichmäßige Bildung und Verbreitung der Gletscherflächen.
Dennoch ist durch den starken Temperaturanstieg im gesamten Alpenraum über die
letzten Jahrzehnte hinweg nur ein Trend zu beobachten und das ist der großflächige

22
   http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/russ-aus-industrialisierung-startete-schmelzen-der-
gletscher-in-alpen-a-920069.html, 19.08.2018, 13.00 Uhr
23
   Geographie 11 Bayern, S. 170
24
   http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Gletscher_in_den_Alpen, 19.08.2018, 13.30
13

Rückzug der Alpengletscher. Natürlich gibt es auch hier wenige Ausnahmen, bei denen
eine besondere Lage des Gletschers oder sonstige Effekte zu einer Massenzunahme
führen.

     Abbildung 10: Längenänderung verschiedener Gletscher in der Schweiz
     (http://swiss-glaciers.glaciology.ethz.ch/live/messnetz/lc_cum_de.png, 28.10.2018, 11.00 Uhr)

3.3 Fotovergleiche von Gletschern früher-heute

Dieses Kapitel soll anhand von verschiedenen Fotoaufnahmen ausgewählter
Alpengletscher verdeutlichen, dass der Prozess des Gletscherschwundes in den Alpen
bereits in vollem Gange ist. Als Indikator hierfür wird die räumliche Ausdehnung der
Gletscherzunge betrachtet.

                                                                                               Abbildung 13:
                                                                                               Der
                                                                                               Morteratsch-
                                                                                               gletscher in der
                                                                                               Bernina-
                                                                                               Gruppe
                                                                                               (Schweiz) 1911
                                                                                               / 2000 / 2011 /
                                                                                               2015
                                                                                               (http://www.gletsc
                                                                                               herarchiv.de/files/
                                                                                               11-304018-
                                                                                               morteratsch-
                                                                                               2015.jpg,
                                                                                               28.10.2018, 12.00
                                                                                               Uhr)
14

Abbildung 14: Steingletscher und Steinsee im Berner Oberland (Schweiz) 1947 / 2017 / 2018
(http://www.gletscherarchiv.de/files/330606-stein-2018-1.jpg, 28.10.2018, 12.30 Uhr)

       Abbildung 11: Die Pasterze in den Hohen Tauern ( Österreich) 1938 / 2000 / 2007 /
       2011 / 2013 / 2016
       (http://www.gletscherarchiv.de/files/11-202063-pasterze-2016.jpg, 28.10.2018, 13.00 Uhr)
15

4. Risiko- und Chancenbetrachtung

Die mit der Zeit immer rasanter werdenden regionalen Veränderungen im Alpenraum
bleiben selbstverständlich nicht ohne Folgen. Es entstehen verheerende Auswirkungen,
sowohl für uns Menschen, als auch für die Natur und die Umwelt. Im Bereich
Wirtschaft und Tourismus in den Alpen gibt es jedoch auch die eine oder andere
positive Erkenntnis zum Thema Gletscherschwund, die den überwiegend negativen
Aspekten jedoch klar unterzuordnen ist.

4.1 Veränderung des Wasserhaushaltes durch Abschmelzen der Alpengletscher

Die Alpengletscher sind für die Wasserversorgung in Mitteleuropa von sehr großer
Bedeutung. Sie dienen als saisonale Speicher, die den Niederschlag im Winter in Form
von Schnee und Eis speichern und ihn im Sommer als Schmelzwasser in die
Hochgebirgsflüsse speisen. Somit wird der Fortbestand dieser Flüsse durch das
Abschmelzen der Eisreserven in der Vegetationsperiode gesichert 25. Klimamodelle
sagen voraus, dass der Sommerniederschlag in Zukunft abnehmen und es vermehrt zu
längeren Trockenperioden im Hochsommer kommen wird. Diese Ereignisse wären
vergleichbar mit der großen Hitzewelle in Europa im Jahr 2003, aber auch die
diesjährige Hitzeperiode in Deutschland ist ein Beleg dafür. Während dieser Dürrephase
im vergangenen Sommer 2018 sanken die Pegelstände der großen Flüsse soweit, dass
viele Frachtschiffe sogar nur noch einen Teil der sonst üblichen Ladung transportieren
konnten 26. Im Jahr 2003 wurde das Problem der Wasserknappheit von vielen Menschen
nicht realisiert, da die Flüsse dank der Gletscherspende weiterhin wasserführend waren.
Laut Veröffentlichungen des Nationalen Forschungsprogramms (NFP 61) in der
Schweiz, deren Ziel ein nachhaltiger Umgang mit den Wasserressourcen im 21.
Jahrhundert ist, führt der Rhein bei Basel in normalen Jahren rund 9 %
Gletscherschmelzwasser. Im Jahr 2003 waren es dagegen 23 %.
Für die Rhone bei der Schweizer Gemeinde Chancy wurde zu dieser Zeit sogar ein
Anteil von 75 % Gletscherschmelzwasser im Abfluss berechnet 27. Dieser enorme Wert

25
   https://www.planet-wissen.de/video-gletscher---das-ende-vom-ewigen-eis-100.html, 22.08.2018,
09.00 Uhr
26
   https://www.zdf.de/nachrichten/heute/wassermangel-in-grossen-fluessen-bremst-frachtverkehr-
100.html, 22.08.2018, 09.00 Uhr
27
   https://www.umweltnetz-schweiz.ch/themen/klima/2031-nfp-61-sommertrockenheit-und-
niedrigwasser.html, 22.08.2018, 10.00 Uhr
16

lässt sich durch ihr stark vergletschertes Einzugsgebiet erklären. Allgemein ist
festzustellen, dass die Gletscher am gesamten Wasserabfluss nur in geringem Maße
beteiligt sind. Sie liefern jedoch dann verlässlich Wasser, wenn es besonders benötigt
wird.

Neben den Gefahren in trockenen Sommermonaten wird es im Winter zunehmend zu
Hochwasser kommen, da der Niederschlag aufgrund der globalen Erderwärmung nicht
wie gewohnt als Schnee fällt, der in den Bergen zurückgehalten wird, sondern als
Regen, der sofort abfließt 28. Bereits jetzt führt der Klimawandel in den Alpen zu einem
Anstieg der Schneegrenze um 250 bis 300 m. Die wichtige Rolle der Alpengletscher als
saisonale Speicher wird die Menschen in Zukunft vor große Herausforderungen stellen,
da sich der Gletscherschwund und die steigende Schneegrenze direkt auf den
Jahresabfluss von Gletschern auswirken. Die Abflüsse werden zunächst in den
kommenden Jahrzehnten, aufgrund der Gletscherschmelze, zunehmen, aber gegen Ende
dieses Jahrhunderts werden sie, als Folge der schwindenden Eisreserven, in vielen
Alpentälern kaum noch von Gletschern beeinflusst. Gerade in Zeiten zunehmender
Klimaextreme wären sie jedoch sehr bedeutsam.

4.2 Auswirkungen auf Flora und Fauna

Im Alpengebiet zählt man rund 30.000 Tier- und ca. 13.000 Pflanzenarten 29. Unter den
Pflanzenarten im Alpenraum gibt es etwa 400 endemische, also nur hier vorkommende
Arten. Einige von ihnen sind vom Aussterben bedroht. Doch um zu verstehen wie es
dazu kommt, zunächst noch etwas Allgemeines zur Vegetation in den Alpen. Abhängig
von sinkenden Temperaturen und steigenden Niederschlägen mit zunehmender Höhe
verändert sich diese grundlegend vom Tal bis zum Gipfel. Es bilden sich
Vegetationszonen, welche als Höhenstufen bezeichnet werden. Diese vertikal
gestaffelten Naturräume reichen vom Talboden über die Bergwaldstufe bis zu felsigen
Gipfelbereichen mit vereinzelten Pionierpflanzen.
Die Klimaerwärmung führt zu einer Verlagerung der Vegetationszonen bergaufwärts.
Pro 100 Höhenmeter nimmt die Temperatur um ca. 0,5 Grad Celsius ab. Damit die
Pflanzen nun in Folge der steigenden Temperaturen ihren gewohnten Lebensraum, an

28
     http://www.gletscherarchiv.de/die_folgen/, 22.08.2018, 10.30 Uhr
29
     https://www.bund-naturschutz.de/alpen/bedeutung/naturschutz.html, 24.08.2018, 11.00 Uhr
17

den sie sich optimal angepasst haben, besiedeln können, müssen sie Stück für Stück
nach oben ausweichen, bis schließlich die Bewohner des oberen Stockwerks komplett
verdrängt werden. Große Zuzügler von unten nehmen ihnen das Licht 30.

Ein erwähnenswerter positiver Aspekt ist, dass
der         vom             Gletschereis      freigelegte
Gesteinsschutt,                    das       sogenannte
Gletschervorfeld,            zur     Entwicklung    neuer
Pflanzengesellschaften beiträgt. Durch den
Gletscherschwund wurden innerhalb von rund
150 Jahren in den Schweizer Alpen etwa 750
km² vom Eis freigelegt. Schon nach wenigen Abbildung 12: Gletscher – Hahnenfuß
                                               (https://www.naturpark-
Jahren verwandelte sich die tote Landschaft in oetztal.at/fileadmin/_processed_/3/1/csm_Gletscher
eine lebendige Artenvielfalt. Aufgrund der                   hahnenfuss_schwarzkogel_naturpark_oetztal_a6806
                                                             1fd7f.jpg, 29.10.2018, 11.00 Uhr)
eingeschränkten Lebensbedingungen in diesen
Höhenlagen und wegen des steinigen Untergrundes, siedeln dort zunächst nur
Pionierpflanzen, die an diese Umgebung perfekt angepasst sind.                           Eine schnelle
Ausbreitung und Vermehrung, sowie eine hohe Wachstumsrate ermöglichen
beispielsweise dem Kriechenden Nelkenwurz oder dem Gletscher - Hahnenfuß das
Überleben in instabilem Gelände 31.
                                            Auch für einige Tierarten ist das Alpengebiet ein
                                            geeigneter Lebensraum. Bekannte Tierarten rund um
                                            die Gletscher sind z.B. der Steinbock, der Steinadler,
                                            Gämsen, Murmeltiere oder der Alpensalamander.
                                            Auch    Murmeltiere        reagieren     empfindlich       auf
                                            Temperaturveränderungen und suchen sich neue
                                            Lebensräume in höheren Lagen. Doch für sie reicht
                                            dort,   im      Gegensatz      zu     den    spezialisierten
                                            Pflanzenarten, irgendwann die Humusschicht nicht
                                            mehr aus, um Höhlen für ihren Winterschlaf zu
                                            graben. Somit wird ihnen ihr Lebensraum entzogen
Abbildung 13: Ein Murmeltier neben
einem Gletscher                             und auch sie sind vom Aussterben bedroht.
(Gletscher der Alpen, 86)

30
   https://www.br.de/klimawandel/klimawandel-alpen-berge-auswirkungen-100.html, 24.08.2018,
13.00 Uhr
31
   Gletscher der Alpen, S. 74-76
18

4.3     Auswirkungen auf Infrastruktur und Tourismus im Bereich der Alpen

Die Veränderung der Landschaftszonen im Alpenraum haben auch aus wirtschaftlicher
Sicht immense Auswirkungen, die bereits seit Jahren präsent sind. Ein Beispiel hierfür
ist der Permafrostboden, der vor allem für die Sicherheit und Stabilität von großer
Bedeutung ist.
Der Begriff Permafrostboden bezeichnet ständig gefrorene Böden und Felswände, die
nur in den Sommermonaten oberflächlich etwas auftauen. In den Alpen, in denen es
flächenmäßig mehr Permafrostböden als Gletscher gibt, kommen sie hauptsächlich ab
Höhen von 2.500 bis 3.000 m vor 32. Die sogenannten „Kleber der Alpen“, wie sie auch
genannt werden, bieten besonders in Felswänden und steilen Hängen die nötige
Stabilität für die gesamte Infrastruktur in höheren Lagen. Durch die klimatischen
Veränderungen dringt nun zunehmend Wärme in die Felsspalten ein und dadurch
können sich Gesteinsmassen lockern. Felsstürze, Hangbewegungen und Murgänge (in
Kombination mit Zunahme der Starkniederschläge im Sommer) sind mögliche Folgen
dieser Entwicklung. Dies stellt besonders für Bergstationen, Gondelbahnen oder auch
Liftstützen und Seilbahnverankerungen, eine Gefahr dar, da sie mit der Zeit auf immer
instabilerem Grund verankert sind 33.

Ein weiteres Beispiel, das die Folgen des Klimawandels und des Gletscherschwundes
aufzeigt sind die zahlreichen Gletscherseen, die sich in den letzten Jahren vermehrt
gebildet haben. Sie bilden sich in Hohlformen, die durch die einst fließenden
Bewegungen der Gletscherzungen geformt wurden. Ablagerungen und Moränen haben
den Boden im Laufe der Jahre abgedichtet. Wenn das Eis schmilzt, sammelt sich das
Wasser in diesen Becken und bleibt, durch den Zufluss von Regen- und Schmelzwasser
aus höheren Lagen, erhalten 34. Gerade für Wanderer, die nicht die höchsten Gipfel
erklimmen wollen, sind diese Landschaftsbilder zu einer beliebten Touristenattraktion
geworden.

32
   https://www.alpenverein.de/natur/naturschutzverband/die-alpen/alpiner-permafrost-klimazeiger-
und-klebstoff-der-alpen_aid_28517.html, 26.08.2018, 09.00 Uhr
33
   https://www.planet-wissen.de/video-gletscher---das-ende-vom-ewigen-eis-100.html, 12.08.2018,
09.00 Uhr
34
   https://gletscherg2g.wordpress.com/gruppe5-gletscherg2b_g5/, 26.08.2018, 09.30 Uhr
19

     Abbildung 14: Gletschersee in den Alpen
     (Gletscher der Alpen, 183)

Gletscherseen können jedoch auch zur Gefahr werden, da nur die angehäuften Moränen
als Dämme dienen und somit ein unerwartetes Ausbrechen der Seen möglich ist. Fließt
immer mehr Schmelzwasser in den See, so ist der Hohlraum irgendwann ausgelastet,
das Wasser durchbricht dann den instabilen Damm und strömt talabwärts. Hochwasser
und Überschwemmungen nahegelegener Siedlungen im Tal sind die Folgen, wie man
am Beispiel Grindelwald sehen kann. Das kleine Dorf in der Schweiz geriet im Jahr
2008 durch ein solches Unglück in die Medien. Ein Jahr nach dem Ausbruch des
Gletschersees wurde ein 2 km langer Abflussstollen in einen Berg gesprengt, der als
künstlicher Ablauf für das Wasser dient und das Dorf somit vor weiteren Katastrophen
schützen soll. Durch Messsonden im See konnte die Siedlung bei dem Ausbruch
vorzeitig gewarnt und der Schaden dadurch begrenzt werden 35.

                                       Manche Gletscherseen eignen sich jedoch auch für
                                       die Stromproduktion durch Wasserkraftanlagen. Mit
                                       Hilfe     massiver        Staudämme   werden    enorme
                                       Wassermassen aufgestaut, die nach und nach ins Tal
                                       abfließen und dabei Turbinen antreiben 36. Wilfried
                                       Haeberli von der Universität Zürich meint dazu:

                                        Abbildung 15: Staudamm zur Stromproduktion
                                        (Gletscher der Alpen, 225)

35
   https://www.bernerzeitung.ch/region/thun/Wie-der-Gletschersee-gezaehmt-wurde/story/29667822,
26.08.2018, 10.00 Uhr
36
   https://www.cipra.org/de/dossiers/2/76_de/inline-download, 26.08.2018, 10.30 Uhr
20

„Vielleicht      könnte     der     Nutzen   über        den    Verlust     der     weißen      Landschaft
hinwegtrösten.“ 37.
Auch Wintersportler bleiben von den Folgen des Klimawandels nicht verschont. Die
Schneesicherheit der Gletscher nimmt im Laufe der Jahre immer weiter ab, wobei
gerade dies als das wichtigste Werbeargument für Wintersportgebiete gilt. In der Zeit
von 1961 bis 2011 haben sowohl die Zahl der Frosttage, als auch die
Neuschneesummen deutlich abgenommen 38. Schneearme Winter haben negative
Auswirkungen auf die Saisondauer und somit auf den wirtschaftlichen Erfolg der
betroffenen Gebiete. In einer Studie der OECD, die den Zusammenhang der
Klimaänderung und der Schneesicherheit verdeutlicht, wurden im Jahr 2006 90 % der
Skigebiete in den Alpen als schneesicher bezeichnet. Bei einem Anstieg der
durchschnittlichen, regionalen Jahrestemperatur um +1 Grad Celsius würde dieser Wert
auf 75 % sinken, bei +2 Grad auf einen Wert von 61 % und bei +4 Grad sogar auf nur
noch 30 % 39.

Generell ist mit einem Rückgang des
Wintertourismus im Alpenraum zu rechnen,
obwohl gerade dieser einen wichtigen
Wirtschaftsfaktor          darstellt.   Besonders
Gletscherüberquerungen und Hochtouren
werden in Zukunft für die Touristen
risikoreicher,        da          aufgrund     der
Klimaerwärmung, auf den Wegen bis zu
                                                         Abbildung 16: Gefährliche Spalten an der
30 m tiefe Spalten im Eis entstehen können,              Oberfläche des Gletschereises
                                                         (https://www.alpenverein.at/portal_wAssets/docs/n
die oftmals mit Schnee bedeckt und somit                 atur-umwelt/aktuell/3_Alpine-
                                                         Raumordnung/Gletscherschutz/ARO-27.pdf,
nicht sofort erkennbar sind. In einem                    29.10.2018, 12.00 Uhr)

Erfahrungsbericht,            der       in     der
Sektionszeitschrift des Deutschen Alpenvereins Sektion Augsburg erschienen ist,
werden die unterschiedlichsten Bedrohungen beschrieben. Demnach ist es keine
Seltenheit, dass bestimmte Bergrouten für die Touristen gesperrt werden und nicht mehr

37
   http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/gletscher-schmelze-im-hochgebirge-in-den-alpen-
entstehen-neuen-seen-a-894629.html, 26.08.2018, 11.00 Uhr
38
   https://www.uibk.ac.at/geographie/personal/steiger/awt_bbgr_klimabericht2013.pdf, 26.08.2018,
12.00 Uhr
39
   http://www.oecd.org/general/oecd-
berechnungenzudenauswirkungendesklimawandelsaufdieskiregionenindenalpen.htm, 26.08.2018,
13.00 Uhr
21

begehbar sind, da die Eismassen abschmelzen und das Berggelände ständigen
Veränderungen unterliegt 40.

5. Gegenmaßnahmen zum Erhalt der Gletscher

Obwohl das Problem des Gletscherschwundes in den Alpen schon seit der
Industrialisierung bekannt ist, wurden anfangs kaum Gegenmaßnahmen, die den
aktuellen Abschmelzvorgang verhindern oder begrenzen sollen, ergriffen. Hinzu kommt
eine Verzögerungs- oder Reaktionszeit bei allen Gletschern. Sie ist dafür
verantwortlich, dass sich die getroffenen Maßnahmen und einer damit bezweckten
positiven Massenbilanz durch reichlich Schnee und geringerer Ablation nicht sofort in
den Messdaten bezüglich der Längenausdehnung der Gletscher niederschlagen. Sie
kann je nach Lage, Größe und den lokalen klimatischen Bedingungen am Gletscher
zwischen wenigen Jahren und einigen Dekaden betragen. Diese Verzögerungszeit
entsteht dadurch, dass sich die zusätzlichen Schneereserven (eine positive Massenbilanz
vorausgesetzt) zunächst im Akkumulationsgebiet ansammeln und erst nach einiger Zeit,
durch die natürliche Gletscherbewegung talabwärts, die Gletscherausdehnung aktiv
beeinflussen 41. Allgemein bedeutet das, dass die heutigen Veränderungen im
Alpenraum auf die Klimaverhältnisse des letzten Jahrhunderts zurückzuführen sind und
nicht die heutigen Klimabedingungen wiederspiegeln.

Noch bevor die ersten Gegenmaßnahmen für den Erhalt der Alpengletscher genannt
wurden, hat der eine oder andere bereits tragisch festgestellt, dass sich diese
Maßnahmen erst in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts bemerkbar machen werden
und bis dahin große Teile der Gletscher verschwunden sein werden. Ob das nun die
weltweite Reduzierung der Treibhausgase, welche als Hauptverursacher der globalen
Klimaerwärmung gelten oder spezielle Methoden zum Schutz des Gletschereises in der
Alpenregion sind, ist grundsätzlich egal. Sicherlich wäre das Wirkungsvollste, den
anthropogenen Einfluss auf den Klimawandel zu verringern oder ihn sogar zu stoppen.
Hierzu kann sich jeder Mensch selbst Gedanken bezüglich seines eigenen ökologischen
Fußabdrucks machen und dementsprechend seine täglichen Konsumentscheidungen
hinterfragen. Jedoch ist diese Maßnahme keine, die nur mit Sicht auf den
40
   https://www.dav-augsburg.de/aav/alpenblick-magazine/261-alpenblick-ausgabe-2018-1, S.15-18,
26.08.2018, 14.00 Uhr
41
   Gletscher der Alpen, S.61
22

Gletscherschwund in den Alpen vollzogen werden sollte, sondern als Lösung für
sämtliche Probleme auf der ganzen Welt dienen könnte. Die Frage, die uns jedoch
immer im Hinterkopf bleibt, wird sein, ob nicht jeder mögliche Rettungsversuch für die
Gletscher schon zu spät kommt.

                                         Dennoch möchte ich im Folgenden auf zwei
                                         mögliche Gegenmaßnahmen genauer eingehen.
                                         Eine Möglichkeit zum Schutz der Alpengletscher
                                         könnte das Abdecken des Gletschereises mit
                                         weißen Folien sein. Diese Folien bestehen aus
                                         einem     wasserdurchlässigen     Vlies,   das   vor
                                         Wärme schützen und nebenbei eine hohe Albedo
                                         schaffen soll 42. Somit soll möglichst viel
                                         Sonnenlicht reflektiert werden (Vgl. Kapitel 3.1
                                         Aktuelle Gründe). Kritiker bemängeln hierbei
                                         aber den künstlichen Eingriff in die Natur, da es
                                         keine      natürliche     Herangehensweise       ist.
                                         Außerdem ist diese Möglichkeit aufgrund des
                                         Ausmaßes an Gletscheroberflächen, die bedeckt
                                         werden müssten um optimalen Schutz zu
Abbildung 17: Gletscherabdeckungen im    gewährleisten, begrenzt.
Bereich der Skiliftanlagen
(Gletscher der Alpen, 250)

Die zweite Möglichkeit, dem Gletscherschwund in den Alpen entgegenzuwirken, ist
hauptsächlich auch aus wirtschaftlicher Sicht interessant. In Gletschergebieten kommen
immer mehr künstliche Beschneiungsanlagen zum Einsatz, mit deren Hilfe der
Skitourismus aufrechterhalten werden soll, da sie die fehlenden Schneemengen liefern.
In Zeiten abnehmender Schneesicherheit gewinnen sie zunehmend an Bedeutung.
Dennoch werden diese künstlichen Beschneiungsanlagen nicht von allen als
Problemlöser für den Klimawandel in den Skiregionen angesehen. Pro Hektar
Grundbeschneiung, was einer Schneedecke von 30 cm entspricht, werden je nach
Hanglage rund 2 bis 6 Millionen Liter Wasser und ca. 20.000 kWh elektrische Energie

42
  https://www.snowplaza.de/weblog/9715-neue-methode-soll-gletscherschmelze-verhindern/,
31.08.2018, 10.00 Uhr
23

benötigt 43. Zum Vergleich: Ein 4-Personen Haushalt verbraucht jährlich in etwa
4.000 kWh Strom. Angesichts der Unmengen an Energie, die dafür aufgebracht werden
müssen und auf welche Art und Weise diese Energie produziert wird, stellt sich die
Frage, ob dies eine nachhaltige Lösung für den Skitourismus sowie den Schutz der
Alpengletscher ist. Zudem sind die Möglichkeiten der künstlichen Beschneiung
begrenzt, denn hierfür muss das Tagesminimum der Temperaturen negativ sein. Bei
einer     Temperaturerhöhung             von      einem       Grad      Celsius,       reduziert   sich   die
Beschneiungsmöglichkeit um 5 bis 10 % 44. Umweltschützer kritisieren außerdem den
Ausbau von Skigebieten mit Schneekanonen angesichts ihrer kurzfristigen Wirkung und
der hohen Belastung für Flora und Fauna, unter anderem wegen der Lärmbelästigung
für Wildtiere 45. Dennoch ist positiv zu bewerten, dass es Ansätze und Ideen gibt,
überhaupt gegen den Gletscherschwund in den Alpen vorzugehen, um das Eis so lange
wie möglich für uns Menschen zu erhalten.

Abbildung 18: Schneekanone bei St. Moritz im Einsatz
(https://files.newsnetz.ch/story/1/0/7/10782591/9/topelement.jpg, 29.10.2018, 13.00 Uhr)

43
   https://www.bund-
naturschutz.de/fileadmin/Bilder_und_Dokumente/Themen/Alpen/Aktuelles/Der_gekaufte_Winter_-
_8.12.2015.pdf, 31.08.2018, 11.00 Uhr
44
   Geographie Bayern 11, S. 147
45
   https://www.umwelt-im-unterricht.de/hintergrund/wintersport-mit-folgen-das-oekosystem-alpen/,
31.08.2018, 13.00 Uhr
24

6. Ausblick

Der Gletscherschwund ist keineswegs ein Phänomen, das nur die Alpenregion betrifft,
sondern vielmehr ein weltweites, klimabedingtes Abschmelzen der Eismassen
hauptsächlich in Bergregionen. Ob im Kaukasus oder im Himalaya-Gebirge, überall ist
zu beobachten, dass die Gletscherflächen schrumpfen. Auch in Peru, in den Tälern der
Cordilliera Blanca leiden die Menschen unter den Folgen des Klimawandels, der für den
Gletscherrückgang verantwortlich ist. Die Cordilliera Blanca in den nördlichen Anden
Perus, ist die höchste Gebirgskette des amerikanischen Kontinents. Die Peruaner, die an
deren fruchtbaren Hängen siedeln, sind abhängig vom Schmelzwasser der Gletscher,
das sie für die Bewässerung ihrer Felder nutzen und damit ihren Lebensunterhalt
sichern. In den letzten Jahren klagen sie ohnehin schon                      über ausgedehnte
Trockenzeiten und fehlende Niederschlagsperioden, jetzt kommt noch hinzu, dass sich
die Wasserzufuhr aus den Bergen ebenfalls in den letzten Jahren um 30 % verringert
hat 46. Der Grund für den Rückgang sind die kleiner werdenden Eisvorräte an den
Spitzen. Somit ist es nahezu unmöglich, dass die landwirtschaftliche Produktion in
diesen Gebieten aufrechterhalten wird. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie kleinere
Bevölkerungsgruppen auf der Erde, die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren
bekommen.

Wir können die aktuelle Entwicklung, die in Gang gesetzt worden ist, aufgrund der
Verzögerungszeit nicht einfach stoppen. Selbst wenn jetzt sämtliche Ursachen, die für
den Schmelzprozess verantwortlich sind, beseitigt werden, käme für die Alpengletscher
wahrscheinlich jede Rettung zu spät. Große Teile der Eismassen wären bereits
verschwunden. Dennoch ist es unsere Aufgabe, die Geschwindigkeit dieser
Entwicklung zu verlangsamen. Eine erfolgreiche Anpassung an die Veränderungen und
Folgen des Gletscherschwundes ist abhängig von der Zeit, die uns dafür bleibt.
Anderenfalls können wir den nachfolgenden Generationen nur noch anhand von Bildern
und Geschichtsbüchern über die einst existierenden Gletscher berichten.

46
  https://www.planet-wissen.de/video-gletscher---das-ende-vom-ewigen-eis-100.html, 12.08.2018,
09.00 Uhr
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