"Die Grabenkämpfe sind vorbei" - Deutsches Studentenwerk

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"Die Grabenkämpfe sind vorbei" - Deutsches Studentenwerk
www.studentenwerke.de                                                                              4 /2014

Das Magazin des Deutschen Studentenwerks

                                                                                                             R
                                                                                          KALENDE

                                                                                          2015     ZUM
                                                                                              HER SN
                                                                                                 AU  E H M E N!

              „Die Grabenkämpfe
                   sind vorbei“
              Die KMK-Präsidentin Sylvia Löhrmann erklärt, warum Bund
                 und Länder eine neue Art der Zusammenarbeit finden müssen.

     Preiswürdig wohnen            Sturmerprobter Pädagoge              Barbara Hendricks
     Studentisches Leben in aus-   Der Vorsitzende des Wissenschafts-   Die Bundesbauministerin ist gegen
     gezeichneten Wohnheimen       rats Manfred Prenzel im Porträt      Denkschranken beim Wohnheimbau
"Die Grabenkämpfe sind vorbei" - Deutsches Studentenwerk
EDITORIAL

EIN KAHLER RAUM
SEIT TAGEN KEIN SCHLAF
MÜDE
KURZ VORM EINSCHLAFEN                                                       Pingpong
EIN SCHLAG INS GESICHT
                                                                                                 W
                                                                                                                       undern Sie sich        Kultushoheit lassen wir ihn nicht heran. Spannende Zukunftsaus-

MÜDE                                                                                                                   nicht, wenn Sie die-
                                                                                                                       ses Heft durchblät-
                                                                                                                       tern. Aber wahr-
                                                                                                                                              sichten für die Kooperation.
                                                                                                                                                  Apropos sozialer Rahmen: Beide betonen die Bedeutung der Stu-
                                                                                                                                              dentenwerke für den Hochschulbereich. Und beide verweisen auf

KURZ VORM EINSCHLAFEN                                                                                                  scheinlich irritiert
                                                                                                                       Sie nichts mehr,
                                                                                                 was das Zuständigkeitspingpong von
                                                                                                                                              die Zuständigkeit der Länder. Die KMK-Präsidentin sieht die Finan-
                                                                                                                                              zierung der Studentenwerke nicht als Thema für die KMK. Das war
                                                                                                                                              einmal anders, solange es den Unterausschuss für studentische An-

EIN SCHLAG INS GESICHT                                                                           Bund und Ländern betrifft. Im Interview
                                                                                                 fordert die amtierende Präsidentin der
                                                                                                 Kultusministerkonferenz (KMK), Sylvia
                                                                                                                                              gelegenheiten der KMK gab. Ist die Versorgung von 2,7 Millionen
                                                                                                                                              Studierenden wirklich kein Thema für die KMK, wenn sich der Bund
                                                                                                                                              nicht zuständig fühlt? Und ist es nicht doch ein Thema für den

EIN SCHLAG INS GESICHT                                                      »Ist die
                                                                            Versorgung
                                                                                                 Löhrmann, vom Bund, mehr soziale Ver-
                                                                                                 antwortung zu übernehmen. Die Bun-
                                                                                                 desministerin für Umwelt, Naturschutz,
                                                                                                                                              Bund, der sich mit immer neuen Hochschulpakten am Ausbau der
                                                                                                                                              Studienplätze beteiligt, jedoch nicht zur Kenntnis nehmen will,
                                                                                                                                              dass die Kapazitätserweiterung der Hochschulen zwangsläufig den

EIN SCHLAG INS GESICHT                                                      von 2,7
                                                                            Millionen
                                                                            Studierenden
                                                                                                 Bau und Reaktorsicherheit, Barbara
                                                                                                 Hendricks, sieht dagegen die Länder in
                                                                                                 der Verantwortung. Nun könnte man die
                                                                                                                                              Bedarf an Studentenwohnheimplätzen und Verpflegungsmöglich-
                                                                                                                                              keiten erhöht? Die Bundesbauministerin sieht die Länder beim
                                                                                                                                              Wohnheimbau in der Pflicht, aber sie will sich immerhin beim an-
                                                                                                 Gegensätzlichkeit der Aussagen darauf        gekündigten Zehn-Milliarden-Euro-Investitionsprogramm der Bun-
                                                                            wirklich kein        zurückführen, dass beide unterschiedli-      desregierung keine Denkschranken auferlegen. Vielleicht profitieren
                                                                            Thema für            che Ressorts vertreten. Ganz so einfach      dann diejenigen Studierenden, die dringend auf bezahlbaren Wohn-

BIS DU WAS DAGEGEN TUST.
                                                                            die KMK,             ist es aber nicht am Vorabend einer Ver-     raum angewiesen sind, doch endlich davon.
                                                                            wenn sich            fassungsänderung, die zu mehr Koopera-           Dieses Pingpong macht Sorge, auch im Hinblick auf die anste-
                                                                            der Bund             tion von Bund und Ländern im Hoch-           hende Neuordnung der föderalen Finanzbeziehungen, die eigent-

AUF AMNESTY.DE/STOPFOLTER                                                   nicht
                                                                            zuständig
                                                                            fühlt?«
                                                                                                 schulbereich führen soll, allerdings der
                                                                                                 Einstimmigkeit bedarf. Und die herzu-
                                                                                                 stellen kann dauern, wenn der wesentli-
                                                                                                                                              lich noch vor Jahresende abgeschlossen sein soll. Die Zuständig-
                                                                                                                                              keiten mögen künftig zwar eindeutiger verteilt sein, nur wer
                                                                                                                                              kommt dann für notwendige Infrastrukturinvestitionen im
                                                                                                 che, autonome Entscheidungsbereich           Zuständigkeitsloch auf ?
                                                                            Achim Meyer          der Länder unangetastet bleiben soll.
                                                                            auf der Heyde             Die KMK-Präsidentin hat Recht,          Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen
                                                                                                 wenn sie eine neue Form der Zusam-

                            FOTOS: KAY HERSCHELMANN (TITEL UND EDITORIAL)
                                                                                                 menarbeit zwischen Bund und Ländern
                                                                                                 für notwendig hält und in der Bildungs-
                                                                                                 politik andere Themen in den Vorder-
                                                                                                 grund drängen: sozialpolitische Fragen,
                                                                                                 Inklusion und soziale Disparitäten. Oder     Achim Meyer auf der Heyde
                                                                                                 wenn sie Schul- und Bildungspolitik da-      Generalsekretär des
                                                                                                 mit gleichzeitig zu Sozial-, Wirtschafts-,   Deutschen Studentenwerks
                                                                                                 Integrations- und Gesellschaftspolitik       » achim.meyeraufderheyde@
                                                                                                                                                studentenwerke.de
                                                                                                 erklärt und in dieser Logik den Bund in
                                                                                                 seiner Zuständigkeit für die Sozialgeset-
                                                                                                 ze als Finanzier in die Pflicht nehmen
                                                                                                 will. Ein bisschen klingt es aber danach:
                                                                                                 Der Bund ist für den sozialen Rahmen
                                                                                                 im Bildungsbereich zuständig, an die

                                                                            DSW JOURNAL 4/2014                                                                                                                      3
"Die Grabenkämpfe sind vorbei" - Deutsches Studentenwerk
INHALT
Das Magazin des Deutschen Studentenwerks
                                                                                                                            Heft 4
                                                                                                                     Dezember 2014

    POLITIK                                                                                  PRAXIS                            / 20-29
                                                                                                                                                                                                                                                                                                              PROFILE                                                        PERSPEKTIVE

                                                                                                                                          FOTOS (LINKS): KAY HERSCHELMANN, OLIVER HEISSNER/HAMBURG, NOT ONLY PIXEL, PAAVO BLÅFIELD; FOTOS (RECHTS): ROBERT MICHAEL/DPA, MICHAEL GOTTSCHALK/GETTY IMAGES;
                                                     Der Bund muss
                                                     mehr soziale
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Sturmerprobter
                                                     Verantwortung                                                                                                                                                                                                                                                 Pädagoge
                                                     übernehmen                                                                                                                                                                                                                                                    Er behält immer die Nerven, erst recht als Vorsitzender
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   des Wissenschaftsrats. Porträt des obersten deutschen
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Wissenschaftslobbyisten Manfred Prenzel.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Von Anja Kühne / 30

                                                                                             Preiswürdig wohnen                                                                                                                                                                                                                                                              Vorbild
                                                                                             Viele Studentenwohnheime sind mit                                                                                                                                                                                                                                               Fachhochschule
                                                                                             Preisen ausgezeichnet worden: für
                                                                                             ökologische und nachhaltige Bauweise,                                                                                                                                                                                                                                           Offiziell will sich noch niemand festle-
                                                                                             energieeffiziente Technik und die                                                                                                                                                                                                                                                 gen, aber offenbar steht China davor,
    Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen) zieht am Ende ihrer Amtszeit als Präsidentin     Verwendung besonderer Materialien.                                                                                                                                                                                                                                              viele seiner Universitäten in stärker
    der Kultusministerkonferenz ein Fazit. Interview mit Armin Himmelrath / 12               Von Cornelia Greve und                                                                                                                                                                                                                                                          praxisbezogene Fachhochschulen oder
                                                                                             Sabine Jawurek / 20                                                                                                                                                                                                                                                             Berufsfachschulen umzuwandeln.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             Von Jeannette Goddar / 34
    Wie weit ist die                              Bologna-Mythen
    „Hochschule für Alle“?                        15 Jahre Bologna-Reform ist Anlass genug
                                                                                             Einfach lecker!
                                                  für Anerkennung und Kritik. Eine           Die Marke mensaVital der
    Inklusion an Hochschulen: Die
                                                  kritische Analyse von Dieter Lenzens       Studentenwerke hat sich
    gesetzlichen Vorgaben sind klar.
                                                  Buch „Bildung statt Bologna!“              zu einem Gütesiegel
    Doch wie weit sind die Hochschulen und
                                                  Von Wolf Wagner / 18                       für gesundes Essen in
    Länder bei der Umsetzung?
    Von Wiebke Toebelmann / 16                                                               den deutschen
                                                                                             Mensen entwickelt.
                                                                                             Von Bettina Kracht / 26

                                                                                             Mut zur Lücke
    CAMPUS                                                                                   Studierende von 34 Hochschulen haben                                                                                                                                                                                                                                            13 FRAGEN AN ...
    Kurz, knapp und informativ:                                                              diese Lücke beim Fotowettbewerb der
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             … Barbara Hendricks,
    Zahlen, Daten und Fakten                                                                 Studentenwerke in Bildern festgehalten,
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             Bundesministerin für

                                                                                                                                          ILLUSTRATION: JACQUELINE URBAN
    aus der Bildungswelt / 6                                                                 um auf etwas Fehlendes hinzuweisen
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             Umwelt, Naturschutz,
                                                                                             oder um sie als Platz für Neues zu zeigen.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             Bau und Reaktor-
                                                                                             Von Anne Renner / 28
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             sicherheit / 36

            Teamwork                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              Ein Gedanke noch
            Die Zwei von                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Der DSW-Präsident hat das
            der WIZ / 11                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          letzte Wort / 38

4                                                                                                                    DSW JOURNAL 4/2014                                                                                                                                                                    DSW JOURNAL 4/2014                                                                                         5
"Die Grabenkämpfe sind vorbei" - Deutsches Studentenwerk
CAMPUS                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           CAMPUS

                                                                                                                                                                                                                                                                                         Ei ei ei,
                                                                                                                                                                                                                                                                                         Cottbus!
                                                                                                                                                                                                                                                                                         KABARETT Im Winter nach Cottbus,
                                                                                                                                                                                                                                                                                         im Januar in die Lausitz? Unbedingt!
                                                                                                                                                                                                                                                                                         Das Studentenwerk Frankfurt (Oder)
                                                                                                                                                                                                                                                                                         lädt nach Cottbus zu „Ei(n)fälle“, dem
                                                                                                                                                                                                                                                                                         bundesweiten Kabaretttreffen der
     CAMPUS
                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Studiosi. Es findet im
                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Januar 2015 zum 20. Mal
                                                                                                                                                                                                                                                                                                       statt, und wieder wird
                                                                                                                                                                                                                                                                                                       es ein „Best-of“ des stu-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                       dentischen Kabaretts:
                                                                                                                                                                                                                                                                                         „Zärtlichkeiten mit Freunden“ sind
                                                                                                                                                                                                                                                                                         dabei, der böse Tilman Lucke, der

                                                                                                                                                   FOTO: (LINKS): MP-A, WWW.CLAUDIA-DALBERT.DE/REINER KURZEDER; FOTOS (RECHTS): STUDENTENWERK POTSDAM; ILLUSTRATION: SAMUEL VON DÜFFEL
                                                                                                                                                                                                                                                                                         „Prolästerrat“ aus Magdeburg, „ROhr-
                                                                                                                                                                                                                                                                                         stOck“ aus Rostock. Es wird sauko-
                                                                                                                                                                                                                                                                                         misch, hintergründig, nonsensig –
                                                                                                                                                                                                                                                                                         und manchmal wird es auch weh tun.
                                                                                                                                                                                                                                                                                         Am 17.1.2015 geht’s los mit der satiri-
                                                                                                                                                                                                                                                                                         schen Kurzfilm-Nacht, es folgen
                                                                                                                                                                                                                                                                                         Science Slam (20.1.), die Eröffnungs-
                                                                                                                                                                                                                                                                                         gala im Staatstheater Cottbus (22.1.)
                             Die „Alte Mensa“ des Studentenwerks München wurde von 2009 bis 2012 nach neuesten Sicherheitsanforderungen saniert.                                                                                                                                         und der Lesebühnen-Brunch in der
                                                                                                                                                                                                                                                                                         Mensa am 25.1.2015. Karten sichern,
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                HEIKO SAKURAI

                             Neue Alte Mensa
                                                                                                                                                                                                                                                                                         hingehen! sg
                                                                                                                                                                                                                                                                                         » www.studentenkabarett.de

                             DENKMALPFLEGEPREIS Wie schön denkmalge-                    forderungen an Brandschutz, Energieverbrauch und

                                                                                                                                                                                                                                                                                         Der
                             schützte Gebäude aus den 1970er Jahren saniert werden      technischer Gebäudeausrüstung. Grund genug für um-

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   „Wie ge-wohnt“
                             können, ohne das traditionelle Erscheinungsbild zu         fassende Sanierungsmaßnahmen. Das Ergebnis über-

                                                                                                                                                                                                                                                                                         Potsdamer
                             zerstören, ist an diesem Bauwerk besonders gut zu se-      zeugte die Jury der Bayerischen Ingenieurkammer-Bau
                             hen: die Mensa Oberwiesenfeld des Studentenwerks           und des Landesamts für Denkmalpflege, die es mit
                             München. Ursprünglich wurde die „Alte Mensa“ an-           dem Bayerischen Denkmalpflegepreis 2014 in Silber in                                                                                                                                                                                        WETTBEWERB Nach „Was isst Du?“ und              schwierig ist, bezahlbaren Wohnraum zu
                             lässlich der Olympischen Spiele 1972 gebaut. Nach          der Kategorie „Öffentliche Bauwerke“ auszeichnete. ml                                                                                                                                            DER NEUE Seit dem 1. November             „Diversity? Ja bitte!“ geht der Plakatwettbe-   finden. Der Plakatwettbewerb findet zum
                             Jahrzehnten intensiver Nutzung entsprach sie Anfang        » www.bayika.de/de/denkmalpflegepreis                                                                                                                                                            2014 ist Peter Heiß neuer Geschäfts-      werb des Deutschen Studentenwerks mit           29. Mal statt und wird vom Bundesministe-
KURZ GESAGT
                             des neuen Jahrtausends nicht mehr den aktuellen An-        » www.stwm.de                                                                                                                                                                                    führer des Studentenwerks Potsdam.        dem Thema Wohnen in die nächste Runde.          rium für Bildung und Forschung gefördert.
                                                                                                                                                                                                                                                                                         Der gelernte und studierte Kaufmann       Unter dem Motto „Wie ge-wohnt“ ruft der         Kooperationspartner ist das Museum für
                                                                                                                                                                                                                                                                                         arbeitet seit 2011 im Studentenwerk,      Wettbewerb Studierende der Fächer Grafik-       Kommunikation Berlin. ar
                                                                                                                                                                                                                                                                                         bisher als Leiter der Zentralabteilung.   design, Kommunikationsdesign und Visu-          » www.studentenwerke.de/
                                                                                                                                                                                                                                                                                         Er freut sich auf seine neue Aufgabe:     elle Kommunikation dazu auf, ihre persön-         de/29plakatwettbewerb
                                                         …   82 % der Studierenden innerhalb der Vorlesungszeit im                                                                                                                                                                       „Ich wünsche mir, dass das Studen-        lichen Erfahrungen und individuelle
                              Wussten                           Laufe einer Woche eine Mensa oder Cafeteria nutzen?
                                                                                                                                                                                                                                                                                         tenwerk Potsdam weiterhin von den
                                                                                                                                                                                                                                                                                         Studierenden, den Hochschulen und
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Botschaft gestalterisch umzusetzen.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Die aktuelle 20. Sozialerhebung

»Studenten-
                              Sie schon,                     Im Durchschnitt suchen sie          3 x wöchentlich eine Mensa                                                                                                                                                              dem Land Brandenburg als kompe-           des DSW zeigt, dass studenti-

werke sind für                dass …                               oder Cafeteria auf. Studenten gehen häufiger als
                                                                                                                                                                                                                                                                                         tenter Ansprechpartner und
                                                                                                                                                                                                                                                                                         Dienstleister für die sozia-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   sche Wohnformen sehr viel-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   fältig sind. Fast 30 Prozent der
die Betreuung                                             Studentinnen dort essen: Studenten                3,6 x, Studentinnen                                                                                                                                                          len Rahmenbedingungen                     Studierenden leben in einer
der Studieren-
den ein Muss«
                                                           3 x pro Woche. Die Hauptgründe, die sporadische Nutzer                                                                                                                                                                        des Studiums wahrgenom-
                                                                                                                                                                                                                                                                                         men wird.“ Peter Heiß ist
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   WG, jeweils rund ein Fünftel
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   allein oder mit Partner/Partnerin.
                                                              vom Mensabesuch abhalten, sind Lehrveranstaltungen,                                                                                                                                                                        gebürtiger Potsdamer, er                  23 Prozent wohnen noch bei ihren
Claudia Dalbert,                                           die zeitlich ungünstig liegen      (48 %) und                                                                                                                                                                                 ist verheiratet und                       Eltern, 10 Prozent im Wohnheim.

                                                                                   genereller Zeitmangel (36 %).
wissenschafts- und hoch-                                                                                                                                                                                                                                                                 hat zwei Kinder. jaw                      Gleichzeitig machen viele Studie-
schulpolitische Sprecherin
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   rende gerade zum Beginn des Win-
der Landtagsfraktion
                                                                                                                                                   FOTOS

Bündnis 90/Die Grünen in                                                                                 » www.sozialerhebung.de                                                                                                                                                         » www.studenten-                          tersemesters in vielen Hochschul-
Sachsen-Anhalt                                                                                                                                                                                                                                                                             werk-potsdam.de                         städten die Erfahrung, dass es

6                                                                                                                             DSW JOURNAL 4/2014                                                                                                                                         DSW JOURNAL 4/2014                                                                                                                7
"Die Grabenkämpfe sind vorbei" - Deutsches Studentenwerk
CAMPUS                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 CAMPUS

    ZAHLENWERK Studentenwerke im Zahlenspiegel 2013/2014

    2,3 Mio.                 STUDIERENDE
                                                             1,58                                           Mrd. Euro
                                                                                                            Gesamteinnahmen,
                                                                                                            davon sind 16,4 %
                                                                                                            Semesterbeiträge.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               2 Männer, 2 Oscars
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               GV-MANAGER Michael Gradtke vom
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Studierendenwerk Hamburg (links)
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               und Gerd Schulte-Terhusen sind „GV-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Manager des Jahres 2014“. Das Fach-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               magazin „GVmanager“ ehrt damit seit
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               2009 Führungskräfte der Gemein-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Er ist verantwortlich für neun Mensen
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          und Cafeterien sowie ein Restaurant.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Die Studentenwerke zählen zu den
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          größten Gemeinschaftsverpflegern
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Deutschlands; sie bereiten im Jahr
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          rund 90 Millionen Essen zu. Rund
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   KOLUMNE
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Auf ein Wort

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Unerklärliche
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Phänomene

                                                                                                232                                                                                                                                                                                                                                                                                                U
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               schaftsverpflegung (GV). Erstmals           800 000 Studierende essen täglich in

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                                                                                                                                                                                                                                                                                                               ging der Preis gleich an zwei              einer Mensa der Studentenwerke. sg                ps – ist es etwa schon wieder so-

                                                                                                                                                           FOTOS (LINKS): STEFAN KAMINSKI, DIE LINKE, PRIVAT, NINA ALTMANN; FOTOS (RECHTS): GV-MANAGER; PLAKATE: NAM DO HOAI; ILLUSTRATION: DOMINIK HERRMANN
                                                           925 Mensen                                                                                                                                                                                                                                          Fachleute. Gradtke, Abtei-                 » dswurl.de/GVmanager2014                         weit? Das Weihnachtsgeld ist der,
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               lungsleiter Hochschulgas-                                                                    wenn auch sehr angenehme, doch
                                                           und Cafeterien                                                                                                                                                                                                                                      tronomie beim Studie-                                                               unverkennbare Indikator: Das Jahr geht zu
                                                           mit einem                                                                                                                                                                                                                                           rendenwerk Hamburg,
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               kreierte etwa einen Kli-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Ende. Wie immer, so kommt es auch in die-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   sem Jahr wieder ganz unerwartet und
               STUDENTEN-
                 WERKE
                                                           Gesamtumsatz                                                                                                                                                                                                                                        mateller und erweiter-                                                              plötzlich. Obwohl eine gewisse Erschöp-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               te für Hamburgs Stu-                                                                fung überall zu spüren ist, bemerke ich
                                                           von rund 415                                 KINDERBETREUUNGS-                                                                                                                                                                                      dierende das vegane                                                                 doch auch eine gewisse Vorfreude auf eini-
                                                                                                         EINRICHTUNGEN MIT
                                                           Mio. Euro, das                                                                                                                                                                                                                                      Angebot. Schulte-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Terhusen leitet
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   ge ruhige Tage zum Regenerieren, Gedan-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   ken ordnen, Abschließen von Projekten

    19 000                                                                                            8335
                                                           ist ein Umsatz-                                                                                                                                                                                                                                     beim Studenten-                                                                     sowie Sortieren und Wegheften der Papier-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               werk Essen-Duisburg                                                                 stapel, die sich in zwölf Monaten angesam-
                                                           plus von 3 %                                                                                                                                                                                                                                        die Hochschulgastronomie.                                                           melt haben und nun auf ihren Platz im Ar-
                                                           gegenüber                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               chiv warten. Wie jedes Jahr, wird insbeson-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   dere letzteres immer auf die ruhigere Zeit
           MITARBEITER/INNEN                               dem Vorjahr.                                BETREUUNGSPLÄTZEN.                                                                                                                                                                                      Ehrung (v. l.) Michael Gradtke,
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Studierendenwerk Hamburg,
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   um Weihnachten und Sylvester verscho-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   ben. Und wie ebenfalls jedes Jahr, ist der
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               und Gerd Schulte-Terhusen,
                                                                                                                QUELLE: DEUTSCHES STUDENTENWERK                                                                                                                                                                                                                                                    Stapel am Anfang des neuen Jahres nur un-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Studentenwerk Essen-Duisburg
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   wesentlich kleiner geworden. Das ist defi-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   nitiv ein zuverlässiges, immer wiederkeh-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   rendes Phänomen! Ich frage mich, woran
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   liegt das? Liegt es daran, dass allen immer
    EINE FRAGE ...                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 noch kurz vor Weihnachten wichtige Dinge
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   mit höchster Priorität einfallen, die es zu-
    Wo soll der Bund nach der GG-Änderung Akzente setzen?
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   erst zu erledigen gilt? Selbst die Grundge-
    Antworten von den Bildungsexperten der Bundestagsfraktionen
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   setzänderung und die BAföG-Reform gehen
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   noch kurz vor knapp, quasi auf den letzten
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   Drücker, in und hoffentlich auch durch
                  Kai Gehring MdB                       Nicole Gohlke                       Ernst Dieter                            Albert Rupprecht                                                                                                                                                                                                                                               den Bundesrat. Ich sehe es ja ein: Irgend-
                  Bündnis 90/Die                        MdB                                 Rossmann MdB                            MdB                                                                                                                                                                                                                                                            wann muss alles endlich zum Abschluss
                  Grünen                                Die Linke                           SPD                                     CDU/CSU
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   geführt werden.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Oder liegt es daran, dass diese Tätigkei-
    Aus den Wissenschaftspakten         Die völlig unzureichende Grund-      Der Bund soll die Hochschulen           Wir gewährleisten Nachhaltig-                                                                                                                                                                                                                                                 ten einfach nur lästig sind und deshalb ger-
    mit kurzen Laufzeiten muss ei-      gesetzänderung soll Planungs-        in der Breite unterstützen,             keit, die wir etwa mit dem Quali-                                                                                                                                                                                                                                             ne liegengelassen werden? Es muss doch
    ne dauerhafte und verlässliche      sicherheit wenigstens für die        zum Beispiel mit einer Versteti-        tätspakt Lehre oder der Exzel-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   schön sein, im Januar in ein aufgeräumtes
    Finanzierung für die Hochschu-      Hochschulen herstellen. Wenn         gung der Hochschulpakte, dau-           lenzinitiative angestoßen haben.
    len erwachsen. Ihre Grundfinan-     Frau Wanka es damit ernst            erhaft die Nachwuchswissen-             Dazu gehört auch die Förde-                                                                                                                                                                                                                                                   Büro zu kommen. Theoretisch zumindest,
    zierung und Ausstattung muss        meint, dann muss der Bund flä-       schaftler fördern und die               rung von Kooperationen. Insge-                                                                                                                                                                                                                                                denn praktisch kann ich da nicht mitre-

                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Händchenhalten für Diversity
    gesamtstaatlich stabilisiert und    chendeckend in die Grundfinan-       Zusammenarbeit von außeruni-            samt wollen wir die internatio-                                                                                                                                                                                                                                               den. Also, woran liegt’s, dass es in meinem
    gestärkt werden. Dazu gehören       zierung einsteigen. Die Spiel-       versitärer und Hochschulfor-            nale Sichtbarkeit exzellenter                                                                                                                                                                                                                                                 Büro im Januar immer noch genauso aus-
    ein zukunftsgerechter Hoch-         chen um den Hochschulpakt            schung erleichtern beziehungs-          Hochschulen erhöhen, um den
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   sieht wie im Dezember?
    schulbau und faire Wissen-          müssen beendet und die Exzel-        weise stärker unterstützen.             Innovationsstandort Deutsch-
    schaftskarrieren.                   lenzinitiative eingestellt werden.                                           land zu stärken.                                                                                                                                                                          PLAKATE Jetzt kostenlos bestellen: die Sieger-Plakatserie von Nam Do Hoai, Fach-
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    » www.kai-gehring.de                » www.nicole-gohlke.de               » www.ernst-dieter-rossmann.de          » www.albert-rupprecht.de                                                                                                                                                                 werks, Thema „Diversity? Ja bitte!“ – und viele weitere schöne, knallige Plakate.   » marijke.lass@studentenwerke.de
                                                                                                                                                                                                                                                                                                               » www.studentenwerke.de/de/content/plakatbestellung

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"Die Grabenkämpfe sind vorbei" - Deutsches Studentenwerk
CAMPUS                                                                                                                                                                                                                                                                                                      SERIE                                                                                             CAMPUS
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            TEAMWORK
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            im Studentenwerk

Auserchoren                                                                                                            KURZ UND KNAPP
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            9   10   11   12 13 14 15   16

                                                                                                                       E-Auto für alle                    Deutschland überhaupt
KLANGVOLL Chöre gibt es schon                                                                                                                             ein Windrad in Betrieb.
viele in Berlin, aber so einen gab                                                                                     Bochumer Studierende               Es befindet sich auf dem
es noch nie: den hochschulüber-                                                                                        haben es gut: Mit ihrem            Dach der Mensa der
greifenden Jazz-Pop Chor Unität                                                                                        Semester-Ticket kön-               Technischen Universität
des Studentenwerks Berlin. So-                                                                                         nen sie den Öffentli-              Hardenbergstraße, ne-
wohl Berliner Studierende ver-                                                                                         chen Nahverkehr kos-               ben den bereits instal-
schiedener Hochschulen als auch                                                                                        tenlos in ganz Nord-               lierten Solarstrom- und
Mitarbeiter des Studentenwerks                                                                                         rhein-Westfalen nut-               Solarthermieanlagen.
sind dort herzlich willkommen.                                                                                         zen. Um die Studis noch            Die damit gewonnene
Chorerfahrung wird gerne gese-                                                                                         mobiler zu machen, be-             Energie wird zur Strom-
hen, ist aber nicht zwingend not-                                                                                      sorgte das Akademische             und Warmwassererzeu-
wendig. Der Chorleiter, Student                                                                                        Förderungswerk                     gung der Mensa ge-
Sven Rätzel, kümmert sich zu-                                                                                          (AKAFÖ) für das Wohn-              nutzt. Studentenwerk
sammen mit einem Pianisten                                                                                             heim Stiepeler Straße              Berlin goes green! em
und einem Stimmbildner darum,                                                                                          71a ein Elektroauto                » www.studentenwerk-
dass alles harmonisch klingt.                                                                                          samt Ladestation und                 berlin.de
Man wird ihn bald auf Konzerten,                                                                                       stellt dort ein Car-Sha-
Flashmobs und Uni-Evens live                                                                                           ring zur Verfügung. Das
erleben können. ar                                                                                                     Anmieten kostet 3,25               20 Jahre
» www.studentenwerk-berlin.de                                                                                          Euro pro Stunde und im
                                                                                                                                                          TUSCULUM
                                                                                                                       Nachttarif (20.00–8.00
                                                                                                                       Uhr) nur 1,50 Euro. Die            Das Studentenwerk
                                                                                                                       ganze Nachbarschaft                Dresden hat die 1893 im

3000 Bio-Tüten für Studis
                                                                                                                       profitiert, denn das Pi-           spätklassizistischen Stil

                                                                                                                                                                                        FOTO (LINKS): STUDIERENDENWERK HEIDELBERG; PLAKAT: STUDENTENWERK BERLIN; FOTO (RECHTS): PAAVO BLÅFIELD
                                                                                                                       lotprojekt RUHRAUTOe               erbaute Villa „Tuscu-
                                                                                                                       mit dem Studentenra-               lum“ 1992 übernommen
KAMPAGNE Zum Be-                                                 beim Biostädte-Netzwerk.                              batt gilt auch für sie! em         und zu einem Studen-
ginn des Wintersemes-                                               Das Studierendenwerk Hei-                          » www.akafoe.de                    tenhaus umgebaut. Seit
ters 2014/2015 ver-                                                  delberg serviert schon lan-                       » www.ruhrautoe.de                 1994 ist es ein Zentrum
schenkten die Stadt                                                   ge Bio sowie ausschließ-                                                            studentischer Kultur.
und das Studieren-                                                     lich Fairtrade-Kaffee.                                                             Zum 20. Jubiläum
denwerk Heidelberg                                                     Inhalt der Bio-Tüten:                           Green Berlin                       organisierte das Stu-
gemeinsam 3 000                                                        ein Kochlöffel, ein Gastro-                                                        dentenwerk Dresden
Bio-Tüten an Stu-                                                     nomieführer, Gutscheine                          Das Studentenwerk Ber-             Anfang November 2014
dierende. Die Aktion                                                 und Biolebensmittel-                              lin beweist erneut seine           eine Festwoche. em
ist Teil des Projekts                                               Kostproben. em                                     umweltfreundliche Hal-             » www.studentenwerk-
„Bio in Heidelberg“; die                                        » www.stw.uni-heidelberg.de                            tung und nimmt als ers-              dresden.de/kultur/
Stadt macht auch mit                                         » dswurl.de/Heidelberg-Bio-Tueten                         tes Studentenwerk in                 tusculum

     IMPRESSUM
     DSW-Journal, Das Magazin des
     Deutschen Studentenwerks (DSW)
                                                  An dieser Ausgabe haben außerdem
                                                  mitgewirkt: Christian Füller, Jeannette
                                                                                                 www.claudia-dalbert.de/Reiner Kurzeder,
                                                                                                 Jens Weber/München
                                                                                                                                           Redaktionsanschrift:
                                                                                                                                           Deutsches Studentenwerk e.V.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            DIE ZWEI VON DER WIZ
     Ausgabe 4/2014                               Goddar, Armin Himmelrath, Dr. Anja Kühne,      Grafik: Einhorn Solutions GmbH            Redaktion DSW-Journal
                                                  Wiebke Toebelmann, Prof. Dr. Wolf Wagner       www.einhorn-solutions.de                  Monbijouplatz 11                                                                                                                                                 Das Team der Außenstelle Witzenhausen            allem zu den Themen Studienfinanzierung
     Das DSW-Journal erscheint viermal im Jahr.   Fotos: Nina Altmann, Olaf Bathke, Jonas        Karikatur: Heiko Sakurai                  10178 Berlin                                                                                                                                                     (WIZ) des Studentenwerks Kassel                  und Wohnen. Da sie auch für die Sachbear-
                                                  Berweck, Paavo Blåfield, Eva Brumme,           Illustrationen:                           Tel.: +49(0)30-29 77 27-43
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Kein Witz: Sie kennen alle ihre Studierenden     beitung zuständig sind, finden sie oft schnel-
     Herausgeber: Deutsches Studentenwerk         CSU-Landtag, Die Linke, Wolfgang Dürr, Mi-     Dominik Herrmann, Jacqueline Urban,       Fax: +49(0)30-29 77 27-99
     e.V., Monbijouplatz 11, 10178 Berlin         chael Gottschalk/Getty Images, GVmanager,      Samuel von Düffel                         E-Mail: dswjournal@studentenwerke.de                                                                                                                             persönlich – fast alle! Das Team in der Außen-   le und unkomplizierte Lösungen. So haben
     Verantwortlich: Achim Meyer auf der Heyde,   Oliver Heissner/Hamburg, Kay Herschel-         Druck: Henrich Druck + Medien GmbH        Internet: www.studentenwerke.de                                                                                                                                  stelle Witzenhausen des Studentenwerks           beide zu vielen Studierenden ein vertrauens-
     Generalsekretär                              mann, Udo Hesse, Stefan Kaminski, Sandra       www.henrich.de                                                                                                                                                                                             Kassel unterstützt die 900 Studierenden des      volles, fast familiäres Verhältnis aufgebaut:
     Chefredakteurin: Marijke Lass (ml)           Kühnapfel, Robert Michael/dpa, mp-a, not       Beratung: Helmut Ortner
     marijke.lass@studentenwerke.de               only pixel, Christoph Reichelt/Berlin, Tomas   www.ortner-concept.de                     Nachdruck und Wiedergabe von                                                                                                                                     Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaf-       „Direkt helfen zu können, das schätzen wir
     Redaktion: Cornelia Greve (cg),              Riehle/ARTUR IMAGES, Rolf Schulten, Si-        Anzeigen:                                 Beiträgen aus dem DSW-Journal sind                                                                                                                               ten der Universität Kassel. Harald Mentz (r.)    sehr, das motiviert uns täglich!“ Ach ja, die
     Stefan Grob (sg), Sabine Jawurek (jaw),      gurd Steinprinz, Nicole Stoitschew, Studen-    dswjournal-anzeigen@studentenwerke.de     nur mit ausdrücklicher Genehmigung                                                                                                                               ist der Leiter, die Rechtsanwalts- und Notar-    Cafeterien und die Mensa auf dem Campus
     Bettina Kracht (bk), Anne Renner (ar),       tenwerke Berlin, Heidelberg, Oberfranken,      Es gilt die Anzeigenpreisliste vom        der Redaktion erlaubt. Der Bezugspreis ist
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            fachangestellte Janin Artmann ist Sachbear-      managen sie übrigens auch noch. jaw
                                                                                                                                                                                                                                                                                                 FOTO:

     Emilia Wojtkowska (em)                       Potsdam; Tobias Teichmann, UHH/Dichant,        1. Januar 2014                            im Mitgliedsbeitrag enthalten.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            beiterin. Beide beraten ihre Studierenden vor    » www.studentenwerk-kassel.de

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"Die Grabenkämpfe sind vorbei" - Deutsches Studentenwerk
Der Bund muss
                                                       mehr soziale
                                                       Verantwortung
     POLITIK

                                                       übernehmen
                                                       SYLVIA LÖHRMANN   Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK)
                                                       zieht am Ende ihrer Amtszeit ein Fazit über BAföG, Studiengebühren
                                                       und den deutschen Bildungsföderalismus.
                                                       TEXT:     Armin Himmelrath      FOTOS:   Kay Herschelmann

                                                           DSW JOURNAL: Ab 2015 müssen die Bundesländer            dem zu einem – aus meiner Sicht sinnvollen –
                                                           nicht mehr für ihren BAföG-Anteil aufkommen.            Ergebnis gekommen. Das funktioniert also. Die
                                                           Das übernimmt dann der Bund. Im Gegenzug                Grundkonstruktion unseres Bildungsföderalismus
                                                           stimmen die Länder einer Grundgesetzänderung            finde ich nach wie vor richtig und gut – das zeigt
                                                           zu, mit der Bundeshilfe für den Hochschulbe-            sich an solchen Beispielen. Aus meiner Sicht stellt
                                                           reich erleichtert wird. Und vor ein paar Wochen         sich aber eine andere entscheidende Frage: Ist die
                                                           wurde in der Gemeinsamen Wissenschaftskonfe-            Form der Zusammenarbeit zwischen Bund und Län-
                                                           renz (GWK) beschlossen, dass die Bundesregie-           dern noch zeitgemäß? Oder sind nicht sozialpoliti-
                                                           rung weiter große Summen zu den Hochschul-              sche Fragen ins Zentrum gerückt, die man früher gar
                                                           pakten zuschießt. Täuscht der Eindruck, oder            nicht im Kopf hatte, wenn man über Bildungspolitik
                                                           geben die Länder derzeit Stück für Stück große          gesprochen hat – etwa beim Thema Inklusion oder
                                                           Teile ihrer Bildungshoheit ab?                          mit Blick auf soziale Disparitäten in Deutschland?
                                                           Löhrmann: Das sehe ich überhaupt nicht so. Zu-
                                                           nächst einmal muss man die verschiedenen Organe         Ihre Antwort liegt auf der Hand …
                                                           auseinanderhalten: Die Kultusministerkonferenz          Natürlich: Die Art der Zusammenarbeit ist nicht
                                                           (KMK) als Fachministerkonferenz ist ja kein Verfas-     mehr zeitgemäß. Weil sie aus einer völlig anderen
                                                           sungsorgan – und insofern verhandelt sie auch nicht     Zeit mit einem völlig anderen Bildungsverständnis
                                                           mit dem Bund. Das machen die Länder über den Bun-       stammt, etwa mit einer Halbtagsschule, die aus-
                                                           desrat. Und das zu Recht: Die Bundesländer tragen ja    schließlich von Lehrerinnen und Lehrern gestaltet
                                                           schließlich in Deutschland den Hauptteil der Bil-       wurde. Und für U3-Betreuung galt: Fehlanzeige.
                                                           dungsausgaben.                                          Heute haben wir eine Ganztagsschule, die mit au-
                                                                                                                   ßerschulischen Partnern arbeitet. Heute ist Schul-
                                                           Trotzdem wird immer wieder der Ruf nach stär-           und Bildungspolitik gleichzeitig auch Sozialpolitik,
                                                           kerer Zentralisierung laut.                             Wirtschaftspolitik, Integrationspolitik und Gesell-
                                                           Aber wofür soll das gut sein? Die Länder gestalten      schaftspolitik. Deswegen bringt sich die KMK ja
                                                           Bildungspolitik doch sehr effektiv. Ein Beispiel: Wir   auch in dieser Frage ein: Was ist mit der sozialen Di-
                                                           haben flächendeckend die Studiengebühren abge-           mension von Bildung? Die Sozialgesetze macht nun
                                                           schafft, obwohl es dafür nie im Leben einen einstim-    einmal der Bund – und wer die Musik bestellt, der
                                    FOTO:

                                                           migen KMK-Beschluss gegeben hätte. Wir sind trotz-      sollte sie auch bezahlen.

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"Die Grabenkämpfe sind vorbei" - Deutsches Studentenwerk
POLITIK                                                                                                                                                                                                                                                  POLITIK

                                                        weise im Koalitionsvertrag der großen Koalition gar      Die Finanzierung der Studierendenwerke ist in den                                            hängig davon, in welchem Fach, in welchem Land
                                                        keine Grundlage gibt. Man brauchte aber offenbar ir-     Bundesländern gesetzlich abgesichert – in einem                 ZUR PERSON                   und für welche Schulform sie ausgebildet werden.
                                                        gendetwas für die zusätzlichen sechs Milliarden, die     Umfang, den die Länder jeweils für sich entschie-               Sylvia Löhrmann, 57, in      Und auch die Sonderpädagogik muss sich anders de-
                                                        man für Bildung ausgeben wollte. Da wurde dann ge-       den haben. Dass die Studierendenwerke wichtig für               Essen geboren, ist seit      finieren als bisher. Die Grundsatzbeschlüsse sind ge-
                                                                                                                                                                                 Mitte Juli 2010 Ministerin
                                                        sagt: Wir schaffen die Mischfinanzierung beim            das Hochschulsystem sind und zur Bildungsgerech-                                             troffen – jetzt sind die Landesgesetzgeber gefordert,
                                                                                                                                                                                 für Schule und Weiterbil-
                                                        BAföG ab – das ist ja grundsätzlich auch sinnvoll. Die   tigkeit beitragen, ist uns allen bewusst. 2012 haben            dung sowie stellvertre-      und im Besonderen die Hochschulen, die Lehramts-
                                                        Erpressung liegt darin, dass es zusätzlich hieß: Liebe   die Länder dafür 145 Millionen Euro aufgebracht.                tende Ministerpräsiden-      studiengänge anbieten. Bildung ist ein dauerhafter
                                                        Länder, das bekommt ihr aber nur, wenn ihr im Ge-        Das ist schon ein ordentlicher Betrag – aber eben               tin des Landes Nord-         und komplexer Veränderungsprozess. Man kann am
                                                        genzug bei den Hochschulen einer Kooperations-Er-        kein Thema für die KMK.                                         rhein-Westfalen (NRW).       Beispiel der Inklusion besonders deutlich machen,
                                                                                                                                                                                 Noch bis Ende des Jahres
                                                        weiterung zustimmt, inklusive Verfassungsänderung.                                                                                                    dass Veränderungen ihre Zeit brauchen, da es in der
                                                                                                                                                                                 2014 ist sie die Präsiden-
                                                        Da hatten wir ja schlechte Karten, weil es um 1,17       Am 15. Januar 2015 übergeben Sie Ihre Amtsge-                   tin der Kultusminister-      Bildung keine „Lichtschaltautomatik“ gibt.
                                                        Milliarden Euro BAföG-Einsparungen für die Länder        schäfte als KMK-Präsidentin an Ihren Nachfol-                   konferenz (KMK), danach
                                                        geht – ein Land wie Bremen kann sich dann kaum           ger. Wie sieht Ihre Bilanz aus, was bleibt aus Ih-              wird sie turnusgemäß         Gab es weitere wichtige Themen in Ihrer
                                                        leisten, „Nein“ zu sagen. Und die Wissenschaftsmi-       rer Amtszeit?                                                   deren Vizepräsidentin.       Amtszeit?
                                                                                                                                                                                 Löhrmann studierte in
                                                        nister in allen Ländern wollten und wollen es natür-     Wissen Sie, die KMK ist schon ein sehr kollegiales Or-                                       Natürlich. Die Gesamtstrategie zum Bildungsmonito-
                                                                                                                                                                                 Essen an der Ruhr-Uni-
                                                        lich auch, unabhängig von ihrem Parteibuch. Aber ja,     gan. Da geht‘s nicht um persönliche Vermächtnisse.              versität Bochum Eng-         ring hat uns sehr beschäftigt. Die weitere Testung der
                                                        das ist Erpressung. Und trotzdem mussten wir prag-       Schon alleine deshalb, weil man dem Präsidium ins-              lisch und Deutsch auf        Schülerleistungen steht nicht zur Disposition, aber
                                                        matisch damit umgehen.                                   gesamt vier Jahre lang angehört. Ich werde also im              Lehramt. Von 1984 bis        wir wollen auch Gründe für die unterschiedlichen
                                                                                                                 nächsten Jahr wieder stellvertretende Präsidentin               1995 arbeitete sie als       Leistungen der Länder identifizieren. „Vom Wiegen
                                                                                                                                                                                 Lehrerin an der Städti-
                                                        Wie heftig wurde denn in der KMK darüber dis-            sein, so wie mein Vorgänger Stephan Dorgerloh in                                             wird die Sau nicht fett“, heißt es. Leistungs- und
                                                                                                                                                                                 schen Gesamtschule So-
                                                        kutiert, ob die frei werdenden BAföG-Mittel tat-         diesem Jahr einer meiner Stellvertreter war. Das                lingen. 1985 trat Sylvia     Kompetenzvergleiche können also kein Selbstzweck
                                                        sächlich im Hochschulbereich bleiben oder ob             bringt mit sich, dass wir unsere Themen gemein-                 Löhrmann den Grünen          sein. Deshalb war es in den vergangenen Monaten
                                                        sie auch zur allgemeinen Haushaltssanierung              schaftlich besprechen und mit großer Kontinuität                bei. Seit 1995 ist sie       eine sehr wichtige Frage, wie wir es schaffen, aus den
                                                        eingesetzt werden dürfen? Es soll da eine Ver-           behandeln. Nehmen Sie zum Beispiel die Inklusion –              Landtagsabgeordnete in       Ergebnissen des Monitorings bessere Umsetzungs-
                                                                                                                                                                                 Nordrhein-Westfalen,
                                                        einbarung zugunsten der Hochschulen gegeben              das ist eine riesige Herausforderung, die wird doch                                          strategien zu entwickeln. Der Diskurs zwischen Bil-
»Die eine oder andere Äußerung
                                                                                                                                                                                 von 1995 bis 2010 war
                                                        haben, die von einzelnen Ländern nicht einge-            nicht in einem Jahr bewältigt. In diesem Jahr haben             sie Fraktionsvorsitzende     dungspolitik und Bildungsforschung ist dabei ganz
                                                        halten wird.                                             wir in der Lehrerbildung erste Umsetzungsbeschlüs-              von Bündnis 90/Die Grü-      erheblich vorangekommen. Und lassen Sie mich
von Hochschulleitungen hat mich                         Zunächst einmal: Die KMK war mit diesem Thema            se gefasst: die Verständigung über Basiskompetenzen             nen in NRW. Löhrmann
                                                                                                                                                                                 lebt in Solingen.
                                                                                                                                                                                                              noch einen weiteren Punkt nennen, der mir wichtig

schon irritiert, weil das doch sehr                     nicht befasst, und die KMK-Präsidentin ist auch
                                                        nicht die Schiedsrichterin. Das müssen schon die je-
                                                                                                                 zur Inklusion für alle Lehrerinnen und Lehrer, unab-                                         ist: die Erinnerungskultur. Diesem Aspekt wollte ich
                                                                                                                                                                                                              als Präsidentin der KMK ein Gesicht geben und Ge-
nach Kirchturmdenken klang«                             weiligen Länder und die Kabinette entscheiden. Im
                                                        Koalitionsvertrag heißt es im Übrigen, dass die
                                                                                                                                                                                                              wicht verleihen: bei der Begleitung von Schülergrup-
                                                                                                                                                                                                              pen bei Besuchen etwa in Auschwitz oder Ypern,
                                                        Summen zur Entlastung der Länder bei ihren Bil-                                                                                                       durch Gespräche mit gesellschaftlichen Gruppen
                                                        dungsausgaben genutzt werden sollen. Es ist richtig,                                                                                                  und durch Veranstaltungen zur Demokratiepädago-
Das ist für Sie also kein Widerspruch, den Bund         dass die Länder hier in ihrem gesamten Bildungsbe-                                                                                                    gik sowie mit der Gedenkstättenarbeit. Zur Erinne-
finanziell immer wieder zu Hilfe zu rufen und           reich gestärkt werden. Ich halte überhaupt nichts                                                                                                     rungskultur als Beitrag historisch-politischer Bil-
die Bildungshoheit trotzdem bei den Ländern             davon, den frühkindlichen Bereich, die Schule und                                                                                                     dung werden wir in der KMK noch im Dezember 2014
zu belassen?                                            den Hochschulbereich gegeneinander auszuspielen.                                                                                                      Empfehlungen verabschieden, die über die vielen be-
Nein, weil wir dadurch eine breite Vielfalt haben und   Schon alleine deshalb, weil es rein formal ja auch                                                                                                    sonderen Gedenktage im Jahr 2014 hinausreichen.
weil sich manchmal auch einfach Optionen ergeben,       Schüler-BAföG gibt. Und wenn ich in die frühkindli-                                                                                                   Solche historischen Daten bleiben ja auch in Zukunft
die sie zentralistisch so nicht umsetzen könnten. Das   che Bildung investiere, profitieren davon auch die                                                                                                    wichtige Lernanlässe in Schule und Zivilgesellschaft.
beste Beispiel aus Sicht von Nordrhein-Westfalen ist    Schulen und Hochschulen. Da hat mich die eine
der Schulkonsens – zentral und auf Bundesebene hät-     oder andere Äußerung von Hochschulleitungen                                                                                                           Alles in allem – waren Sie gerne KMK-Präsidentin?
ten wir das niemals in so einem fairen Prozess hinbe-   schon irritiert, weil das doch sehr nach Kirchturm-                                                                                                   Ja, sehr gerne, denn man kann in diesem Amt fach-
kommen. Aber auch die schon genannte Abschaffung        denken klang. Wir sind in der Bildungspolitik doch                                                                                                    liche und gesellschaftliche Akzente setzen. Und die
der Studiengebühren ist so ein Beispiel.                längst viel weiter.                                                                                                                                   Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen
                                                                                                                                                                                                              hat mir Freude gemacht. Die alten Grabenkämpfe
Trotzdem haben Sie von „Erpressung“ gespro-             Der Ausbau der Hochschulen schreitet voran,                                                                                                           sind zum Glück vorbei, das tut der Sache gut. Auch
chen, als es um die Koppelung zwischen der              die Studentenwerke dagegen sind seit Jahren                                                                                                           die KMK ist eben, wie jede gute Schule, eine lernen-
BAföG-Reform und der Grundgesetzänderung                unterversorgt, weil die soziale Begleitung der                                                                                                        de Organisation – und das läuft in den vergangenen
ging …                                                  Studierenden nicht immer im Blick der Politik                                                                                                         Jahren schon sehr, sehr rund.
Ja, das bleibt auch richtig. Der Bund hat zwei Pro-     war. Könnte man von Seiten der KMK die frei              Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen) setzt sich als Ministerin für Schule und
zesse auf den Weg gebracht, für die es interessanter-   werdenden BAföG-Mittel nicht dafür einsetzen?            Weiterbildung in NRW insbesondere für Inklusion ein.                                         Das Interview führte Armin Himmelrath.

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"Die Grabenkämpfe sind vorbei" - Deutsches Studentenwerk
POLITIK                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               POLITIK

Wie weit ist die
                                                                                                                                                                                                                                                         Die UN-Behindertenrechtskonvention hat den                                           Die Universitäten in NRW haben die ZLV bisher
                                                                                                                                                                                                                                                     Beauftragten mehr Arbeit beschert. Sie sorgt aber                                    zwar nicht unterzeichnet, doch auch hier bewegt
                                                                                                                                                                                                                                                     auch für neue Impulse in den Ländern. Das Amt der                                    sich viel. An der Universität Duisburg-Essen wurde
                                                                                                                                                                                                                                                     Beauftragten wird zunehmend institutionalisiert,                                     etwa 2013 die Beratungsstelle zur Inklusion bei Be-
                                                                                                                                                                                                                                                     zum Beispiel in Berlin, mit der jüngsten Novelle                                     hinderung und chronischer Erkrankung verstetigt.

„Hochschule für Alle“?
                                                                                                                                                                                                                                                     des Hochschulgesetzes im Jahr 2011. Bildungssena-                                    Unter der Ägide der Prorektorin für Diversity-Ma-
                                                                                                                                                                                                                                                     torin Sandra Scheeres (SPD): „An allen Hochschu-       „Wir lassen uns einen         nagement, Ute Klammer, koordiniert die Behinder-
                                                                                                                                                                                                                                                     len sind mittlerweile Behindertenbeauftragte be-       ‚Ampelbericht‘ geben,         tenbeauftrage Daria Celle Küchenmeister seit 2012
                                                                                                                                                                                                                                                     stellt.“ Zudem arbeitet die Senatsverwaltung für       wie der Gebäudebe-            die Arbeitsgruppe Inklusive Hochschule. Deren Ziel:
                                                                                                                                                                                                                                                     Bildung, Jugend und Wissenschaft gemeinsam mit         stand sukzessive              Formulierung konkreter Arbeitsaufträge für den In-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            barrierefrei gestaltet
                                                                                                                                                                                                                                                     den Berliner Behindertenbeauftragten in einer Ar-      wird“
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          klusionsprozess sowie interne Vernetzung. „Die Sit-
                                                                                                                                                                                                                                                     beitsgruppe „Menschen mit Behinderung in Hoch-                                       zungen haben für alle eine stark motivierende Wir-
INKLUSION Hochschuldbildung für Menschen mit Behinderung oder chronischer
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Oliver Jörg (CSU),
                                                                                                                                                                                                                                                     schule und Wissenschaft“ zusammen; sie trifft sich     bayerischer Landtagsab-       kung“, freut sich die Beauftragte.
                                                                                                                                                                                                                                                     zweimal im Jahr.                                                                         Auch an der TU Dortmund ist Teilhabe von Behin-
Krankheit: Die gesetzlichen Vorgaben sind klar, die Umsetzung ist im Gange.                                                                                                                                                                                                                                 geordneter, stellvertreten-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            der Vorsitzender des Aus-     derten ein Thema. Ein sehr prominentes sogar, und
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            schusses für Wissenschaft
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          das nicht erst seit UN-Konvention und HRK-Empfeh-

                                                                                                                                                                                                                                                     A
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            und Kunst
TEXT:   Wiebke Toebelmann                                                                                                                                                                                                                                   uch in Bayern gibt es landesweite Treffen der                                 lung, sondern bereits seit 1977. Damals aus einem
                                                                                                                                                                                                                                                            Beauftragten, zu denen auch stets Landesver-                                  Lehrstuhl entstanden, gibt es heute das Dortmunder

D
                                                                                                                                                                                                                                                            treter erscheinen. „Wir lassen uns zudem                                      Zentrum Behinderung und Studium (DoBuS). Das An-
               en gleichberechtigten Zugang zur                                  unter einen Hut zu bekommen,“ sagt Christiane                                                                                                                       jährlich einen ‚Ampelbericht‘ geben, wie der Gebäu-                                  gebot reicht von Beratung über ein Schnupperstudi-
               Hochschulbildung zu gewähren –        »Infrastrukturen            Schindler, Leiterin der Informations- und Bera-                                                                                                                     debestand sukzessive barrierefrei gestaltet wird“,                                   um bis hin zu Fortbildungen für Lehr- und Verwal-

                                                                                                                                         FOTO (LINKS): ROLF SCHULTEN; FOTOS (RECHTS): CSU-LANDTAG, SANDRA KÜHNAPFEL, OLAF BATHKE, PRIVAT (AUTORIN)
               dazu verpflichtet die UN-Behinder-     und Lehre                   tungsstelle Studium und Behinderung (IBS) des                                                                                                                       sagt der bayerische Landtagsabgeordnete Oliver Jörg                                  tungspersonal. Das Zentrum begleitet Baumaßnah-
               tenrechtskonvention (UN-BRK) die                                  Deutschen Studentenwerks. Auch Anwesenheits-                                                                                                                        (CSU), stellvertretender Vorsitzender des Ausschus-                                  men, stellt Hilfsmittel zur Verfügung und bietet Bera-
               unterzeichnenden Staaten, also auch
                                                     teilhabegerecht             pflichten und die hohe Prüfungsdichte zum Ende                                                                                                                       ses für Wissenschaft und Kunst. Viele Beratungsan-                                   tung beim Übergang in den Beruf an. „Wir haben hier
               Deutschland. Mit ihrer Empfehlung     zu gestalten, ist           des Semesters können für Studierende mit Beein-                                                                                                                     gebote seien über Studiengebühren finanziert wor-                                    eine lange Tradition“, sagt Leiterin Birgt Rothenberg.
„Eine Hochschule für Alle“ von 2009 hat die Hoch-    ein anspruchs-              trächtigungen zu echten Barrieren werden. „Wo sie                                                                                                                   den. „Nach dem Wegfall war es wichtig, die Kom-        „An allen Hochschulen         Für ihr umfassendes Angebot wurde die TU Dortmund
schulrektorenkonferenz (HRK) auf die UN-BRK re-      voller Prozess,             früher vieles selbst regeln konnten, brauchen sie                                                                                                                   pensation der Beiträge politisch umzusetzen. Mit       sind mittlerweile Be-         gerade mit dem Arbeitgeberpreis für Bildung 2014
agiert und die Hochschulen in Deutschland zum        der mehr Zeit               jetzt die Unterstützung ihrer Hochschule“, so die                                                                                                                   dem anstehenden Doppelhaushalt 2015/16 wird der        hindertenbeauftragte          ausgezeichnet. Das Motto in diesem Jahr: „Bildung
weiteren Abbau von Barrieren und zur Verbesserung                                Expertin. Besonders viele Schwierigkeiten haben                                                                                                                     Kompensationsbetrag sogar nochmals leicht erhöht       bestellt“                     inklusiv – Potenziale entfalten durch Inklusion“.
                                                     braucht als wir                                                                                                                                                                                                                                        Sandra Scheeres (SPD),
ihrer Beratungs- und Unterstützungsangebote ver-                                 Studierende mit chronischen oder psychischen Er-                                                                                                                    werden können und geht über die letztmalig ange-                                         Fazit: Viel Engagement im deutschen Hochschul-
                                                     uns wünschen                                                                                                                                                                                                                                           Senatorin für Bildung,
anlasst. Ein ganz wichtiges Thema: die Gestaltung                                krankungen, deren Beeinträchtigungen zumeist                                                                                                                        fallenen Studienbeiträge hinaus“, so Jörg.                                           system – aber genauso viel ist noch zu tun, damit das
von individuellen Nachteilsausgleichen. Dazu gehö-
                                                     würden. Wichtig             nicht sichtbar sind. Hier ist Sensibilisierung gefor-                                                                                                                   Im nördlichsten Bundesland Schleswig-Holstein
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Jugend und Wissenschaft
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Leitbild einer „Hochschule für Alle“ mehr und mehr
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            des Landes Berlin
ren etwa Zeitverlängerungen bei Prüfungen, Aus-      ist, dass es heu-           dert – der Hochschulangehörigen ebenso wie der                                                                                                                      wird derzeit an der Universität Kiel in Zusammenar-                                  Wirklichkeit wird und sich auch wirklich alle Studi-
nahmen von der Anwesenheitspflicht oder längere       te fast überall             Mitarbeiter in den Studentenwerken.                                                                                                                                 beit mit dem Institut Mensch, Ethik und Wissen-                                      eninteressierten mit Behinderung oder chronischer
Leihfristen in der Bibliothek. Nachteilsausgleiche   Beauftragte für                 Wichtige Impulsgeber für mehr Inklusion an                                                                                                                      schaft ein Aktionsplan für die Hochschule erarbei-                                   Krankheit frei für den Studiengang ihrer Wahl an der
sind und bleiben notwendig, weil Studierende mit     die Belange der             Hochschulen sind die Beauftragten für behinderte                                                                                                                    tet, der die Vorgaben der UN-BRK in konkretes und                                    Hochschule ihrer Wahl entscheiden können.
Behinderungen oder chronischen Krankheiten im-       Studierenden                oder chronisch kranke Studierende, die es mittler-                                                                                                                  verbindliches Handeln umsetzen soll. Zudem soll
mer noch auf viele Hindernisse stoßen: Fahrstühle                                weile an fast allen Hochschulen oder Studentenwer-                                                                                                                  ein Leitfaden erstellt werden, der auch andere Hoch-
                                                     mit Beeinträch-                                                                                                                                                                                                                                                                      ZUM NACHLESEN:
fehlen, Lehrmaterialien sind nicht barrierefrei                                  ken gibt. Sie beraten Studierende, helfen bei der Be-                                                                                                               schulen bei der Erstellung von Aktionsplänen unter-
zugänglich, Studienpläne sind zu unflexibel.
                                                      tigung gibt«               antragung von Nachteilsausgleichen, initiieren                                                                                                                      stützt. Nicht ohne Stolz weist Wissenschaftsstaats-                                  Alles zu Studium mit Behinderung und chronischer
Deutliche Folgen dieser Schwierigkeiten: Be-                                     Schulungsveranstaltungen für Lehrende oder Maß-                                                                                                                     sekretär Karl-Rudolf Fischer (SPD) darauf hin, dass                                  Krankheit » www.studentenwerke.de
                                                      Horst Hippler, Präsident
einträchtigte Studierende brechen ihr Studi-          der Hochschulrektoren-     nahmen für mehr Barrierefreiheit. Ihr Arbeitsauf-                                                                                                                   das einjährige Projekt vom Land Schleswig-Holstein                                   Sonderpublikation „BEST – beeinträchtigt studieren“
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            „Das Projekt ‚Aktions-
um häufiger ab, wechseln öfter Fach oder                   konferenz (HRK)       wand ist in den vergangenen Jahren deutlich gestie-                                                                                                                 finanziert wird.                                                                     » www.best-umfrage.de/Gesamtdarstellung/
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            plan‘ wird vom Land
Hochschule und brauchen vielfach                                                 gen, wie eine IBS-Umfrage von 2013 ergab. Jürgen                                                                                                                        In Nordrhein-Westfalen nutzt das Wissen-           finanziert und soll           Empfehlungen der Kultusministerkonferenz
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Handlungsanleitungen          „Verbesserung der Ausbildung für Behinderte im Hoch-
länger bis zum Abschluss. Das ergab                                              Gündel, Leiter der Studienberatung und Behinder-                                                                                                                    schaftsministerium das Instrument der Ziel- und
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            erstellen, die von            schulbereich“ » www.kmk.org
die 20. Sozialerhebung des Deut-                                                 tenbeauftragter der Universität Erlangen-Nürnberg,                                                                                                                  Leistungsvereinbarungen (ZLV), um seine Hoch-          anderen Hochschulen           Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz
schen Studentenwerks.                                                            bestätigt: „Mit der Studierendenzahl ist auch mein                                                                                                                  schulen dazu zu verpflichten, „Konzepte zur voll-       genutzt werden                „Eine Hochschule für Alle“ » www.hrk.de
    „Das Bachelor- und Master-Stu-                                               Pensum gestiegen. Meine Stellvertreterin und ich                                                                                                                    ständigen Inklusion behinderter Studierender“ zu       können“
dium ist streng reguliert. Studie-                                               stoßen schon mal an unsere Grenzen, etwa, wenn es                                                                                                                   entwickeln. Die Vereinbarungen haben aber bisher       Karl-Rudolf Fischer (SPD),
renden mit Beeinträchtigungen                                                    um einen Nachteilsausgleich geht, bei dem besonde-                                                                                                                  nur die Fachhochschulen unterzeichnet. Über kon-       Staatssekretär im Ministe-                DIE AUTORIN
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            rium für Soziales, Gesund-
fehlen dadurch die Freiräume, die                                                re fachspezifische Aspekte berücksichtigt werden                                                                                                                    krete Umsetzungspläne müssen die Hochschulen                                                     Wiebke Toebelmann ist freie Journalistin in
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            heit, Wissenschaft und
sie brauchen, um zum Beispiel Stu-                                               müssten.“ Was sich Gündel wünscht: „Ein Budget                                                                                                                      der Regierung berichten – ein umstrittener Eingriff                                              Hamburg und schreibt unter anderem über
                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Gleichstellung des Landes
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      Bildungs- und Karrierethemen
dium, Arztbesuche und Therapien                                                  und personelle Verstärkung.“                                                                                                                                        in die Autonomie der Hochschulen.                      Schleswig-Holstein

16                                                                                                                  DSW JOURNAL 4/2014                                                                                                               DSW JOURNAL 4/2014                                                                                                                         17
"Die Grabenkämpfe sind vorbei" - Deutsches Studentenwerk
POLITIK                                                                                                                                                                                                                                                                                                         POLITIK

                                                                                                                                                                             Vereinheitlichung hat ein einzig-                                                        anzustrebenden Kompetenzen
                                                                                                                                                                            artiger Verschulungsprozess statt-       DIETER LENZEN                                    für jede Veranstaltung als „Lear-

          Bologna-Mythen
                                                                                                                                                                            gefunden, der im Wesentlichen            als überzeugter Kritiker des Bolog-              ning-Outcomes“ ist die koperni-
                                                                                                                                                                            durch die Adaption des Akkredi-          na-Prozesses bekannt, veröffentlichte            kanische Wende von der Lehre
                                                                                                                                                                                                                     im Frühjahr 2014 das Buch „Bildung
                                                                                                                                                                            tierungsprinzips aus den USA ver-                                                         zum selbstgesteuerten Lernen
                                                                                                                                                                                                                     statt Bologna!“. Darin versammelt er
                                                                                                                                                                            ursacht worden ist“ (S. 35).             noch einmal alle seine Kritikpunkte              als Mittelpunkt und Zweck des
                                                                                                                                                                                 Auch daran stimmt nichts:           an der Reform und will zum Nach-                 Systems. Kompetenzen sind au-
                                                                                                                                                                            Der Bologna-Prozess ist entstan-         denken über die „besinnungslose                  tonome Fähigkeiten.
                                                                                                                                                                            den aus den massiven Mobilitäts-         Umsetzung eines europäischen                         Man kann sie nur durch Pro-
                                                                                                                                                                                                                     Reformgedankens an den deutsch-
                                                                                                                                                                            hindernissen innerhalb Europas                                                            bieren und Üben erlangen und
          LOB UND KRITIK 15 Jahre nach der Bologna-Reform hat Dieter                                                                                                        durch die sehr unterschiedlichen
                                                                                                                                                                                                                     sprachigen Universitäten“ anregen.
                                                                                                                                                                                                                     Die Reform müsse in eine andere                  durch Anwenden unter Beweis
                                                                                                                                                                            Abschlüsse in gleichen Fachrich-                                                          stellen. Kompetenzen sind Bil-
          Lenzen in seinem Buch „Bildung statt Bologna!“ seine Kritik an ihr                                                                                                tungen. So musste ich in der Zeit
                                                                                                                                                                                                                     Richtung reformiert werden: Ein
                                                                                                                                                                                                                     Hochschulstudium müsse bilden –                  dung. Wissen um des Wissens
          zusammengefasst – und stößt damit nicht nur auf Zustimmung.                                                                                                       vor Bologna immer wieder auf-            den Menschen und seine Persön-
                                                                                                                                                                                                                     lichkeit – und darf nicht nur als rein
                                                                                                                                                                                                                                                                      willen und seine Präsentation in
                                                                                                                                                                            wendige Gutachten über meine                                                              Referaten oder Vorlesungen sind
                                                                                                                                                                                                                     formales Vergleichskriterium an
                                                                                                                                                                            Absolventinnen und Absolventen                                                            Erziehung, Quiz-Fähigkeit für
          TEXT:   Wolf Wagner                                                                                                                                                                                        den europäischen Hoch-
                                                                                                                                                                            schreiben, wenn sie sich im euro-        schulen dienen.                                  „Wer wird Millionär?“.
                                                                                                                                                                            päischen Ausland bewarben. Dar-          Dieter Lenzen ist Präsi-                             Mit der Betonung des aktiven
                                                                                                                                                                            um war es für die Verwirklichung         dent der Universität                             Lernens von Kompetenzen will
                                                                                                                                                                                                                     Hamburg und
                                                                                                                                                                            des höchsten Ziels der EU, die
                                                                                                                                                                                                                     Vizepräsident für
                                                                                                                                                                                                                                                                      ECTS für Studienqualität sorgen.     »Zum Trost
                                                                                                                                                                            Freizügigkeit und berufliche Mo-          Internationale                                   Die Credit-Points messen nur die     gibt er den
                                                                                                                                                                            bilität zu gewährleisten, eminent        Angelegen-                                       Zeit, die es im Durchschnitt pro
          Mythen sind Geschichten, die wegen ihrer emotionalen             Doch nichts davon hält einem kritischen Blick stand.                                             wichtig, diese Hindernisse aus           heiten der                                       Semester braucht, um sie zu er-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                           übermächti-
          Bedeutung immer wieder erzählt werden. Sie skandali-         Im Bologna-Prozess haben die USA nie eine Rolle gespielt.                                            dem Weg zu schaffen. Eine „Ver-          Hochschul-                                        werben. Sie haben mit Qualität      gen Ameri-
          sieren die Welt und geben ihr zugleich eine tröstende        Denn ein anglo-amerikanisches Hochschulsystem gibt es                                                einheitlichung“ war damit nie an-        rektorenkon-
                                                                                                                                                                                                                                                                         nichts zu tun, nur mit der Stu-   kanern und
                                                                                                                                                                                                                     ferenz.
          Rechtfertigung. Dieter Lenzen, langjähriger Präsident        nicht. Außer den Namen „Bachelor“ und „Master“ haben                                                 gestrebt. Im Gegenteil: Die Bolog-                                                            dierbarkeit des Studiums.        nicht den
          der Freien Universität Berlin und heutiger Präsident der     sie nichts gemein. Der US-amerikanische Bachelor dauert                                              na-Deklaration von 1999 erklärte,                                                                 Es gibt noch weitere My-     eigenen
          Universität Hamburg, hat in seinem Buch „Bildung statt       vier Jahre und ist in keiner Weise auf Berufsausbildung                                              dass der Prozess „unter uneinge-                                                             then in Lenzens Buch.             allein auf
          Bologna!“ (Ullstein, Berlin 2014) Reden und Aufsätze der     angelegt. Er soll nach dem Humboldtschen Vorbild allge-                                              schränkter Achtung der Vielfalt der Kulturen, der Spra-                                 Die Absicht hinter diesen gehäuf-
                                                                                                                                                                                                                                                                                                           abfragbares
          vergangenen Jahre zu einem Text zusammengefasst.             meine Menschenbildung vermitteln. Erst der anschlie-                                                 chen, der nationalen Bildungssysteme und der Autono-           ten Fehlwahrnehmungen ist edel. Dieter Lenzen will
          Weil in ihm die gängigsten deutschen Bologna-Mythen          ßende Master liefert in explizit „Schools“ genannten Ins-                                            mie der Universitäten“ erfolgen muss.                          zeigen, dass Bildung im Humboldtschen Sinne möglich
                                                                                                                                                                                                                                                                                                           Wissen
          versammelt sind, lohnt es, einige davon vorzuführen          titutionen Berufsausbildung. In England dauert der                                                        Andere Länder, zum Beispiel Schottland, Dänemark,         ist. Darum stellt er die Zeit vor Bologna als erfülltes Ideal   fixierten
          und zu analysieren.                                          Bachelor meist drei Jahre und ist tatsächlich eine wissen-                                           Irland, Schweden und die Niederlande haben diese Of-           dieser Humboldtschen Bildung dar und setzt diese proji-         Kolleginnen
                                                                       schaftliche Berufsausbildung.                                                                        fenheit genutzt und ihre traditionell auf selbstständi-        zierte Situation von einst in Kontrast zu einer skandali-       und Kollegen
                                                                                                                                                                                                                                                                                                           die Schuld«

          1
                                                                           Eigentlich weiß Lenzen das. Das zeigt er in dem                                                  ges, Problem lösendes Lernen ausgerichtete Bildungs-           sierten Situation heute. Zum Trost gibt er den über-
                    Mythos Nr. 1 steckt schon im Titel des Buchs:      Buch (S. 54f und 98), wenn er von den Liberal Arts Colle-                                            systeme im Bologna-Prozess nicht nur bewahrt, sondern          mächtigen Amerikanern und nicht den eigenen allein
                    Der Bologna-Prozess stehe im Widerspruch zur       ges und ihrem Bachelor schwärmt oder auf den Anteil                                                  ausgebaut. Das wird durch den Bologna-Monitor 2009             auf abfragbares Wissen fixierten Kolleginnen und Kolle-
                    deutschen Bildung im Humboldtschen Sinne.          der Liberal Arts im normalen Bachelor-Studium der USA                                                honoriert: Diese Länder stehen an der Spitze beim Ran-         gen die Schuld. Man müsse nur aufhören, sich nach
                    Als Grund wird im Text der durch Bologna auf-      hinweist. Warum dann das „Amerika-Bashing“ mit of-                                                   king um die Erfüllung der Bologna-Ziele. Deutschland           Amerika zu richten, und schon wäre das Humboldtsche
          oktroyierte Sieg des anglo-amerikanischen, allein auf        fensichtlichen Fehlinformationen?                                                                    liegt weit hinten. Die Verschulung in Deutschland ist          Paradies erreichbar. So schafft er das, was den Mythos
          Berufsausbildung ausgerichteten, Hochschulsystems                                                                                                                 hausgemacht und hat weder mit Bologna noch mit der             ausmacht: Skandalisierung und Trost zugleich.

                                                                       2                                                            FOTOS: UHH/DICHANT, UDO HESSE (AUTOR)
          benannt.                                                                                                                                                          Akkreditierung zu tun. Akkreditierung gibt es weltweit              Doch das ist unnötig. Er müsste nur nach Schott-
               Bei Lenzen liest sich das so: Der Bologna-Prozess               Mythos Nr. 2 Der Bologna-Prozess habe als Ziel                                               ohne die deutsche Verschulung.                                 land, Skandinavien, Irland und den Niederlanden, den
          „kann als einzigartiger ‚Sieg‘ der britisch-amerikanisch             die inhaltliche-kulturelle Einigung Europas                                                                                                                 Gewinnern im Bologna-Monitor 2009 schauen, um zu

                                                                                                                                                                            3
          akzentuierten Universitätsvorstellungen über das klas-               und zwinge darum den Universitäten inhaltli-                                                                                                                erkennen, dass alles, was er anstrebt, unter Bologna
          sische Universitätsideal deutscher Provenienz gelten.“               che Festlegungen auf, die sie ihrer Autonomie                                                          Mythos Nr. 3 Die durch das European Credit           möglich, ja erwünscht ist.
          (S. 9) Man habe verkannt, „dass in Amerika, aber auch in     beraubten und zu einer beispiellosen Verschulung des                                                           Transfer System (ECTS) geforderte Festlegung
          Großbritannien ein Hochschulsystem – anders als in           deutschen Hochschulstudiums geführt hätten.                                                                    auf „Kompetenzen“ und einer Berechnung der
          Deutschland – in erster Linie als Berufsausbildung ver-          Lenzen formuliert das so: „Der Verlust der universitä-                                                     „Workload“ stehe dem deutschen Bildungsge-
          standen wird.“ (S. 16) Dadurch werde die deutsche „Uni-      ren Autonomie – der Freiheit der Lehre – und die Exilati-                                            danken entgegen.                                                              DER AUTOR
          versität zur Berufsschule transformiert“ (S. 26), von Per-   on des Bildungsgedankens aus der Universität ver-                                                         Lenzen: „‚Workload‘ – was für ein Unsinn, Studien-                       Wolf Wagner ist Altrektor der Fachhochschule
          sonen, „die sich benehmen wie bewaffnete Vertreter           danken sich also einer Art Domino-Effekt“ (S. 28). Denn                                              qualität nach Arbeitszeit bemessen zu wollen“ (S. 35).                        Erfurt und Professor für Sozialwissenschaften
                                                                                                                                                                                                                                                          und Politische Systeme im Ruhestand
          amerikanischer Einwanderungsbehörden.“ (S. 20)               unter dem „Vorwand einer angeblich notwendigen                                                       Die im ECTS zwingend vorgeschriebene Definition von

18                                                                                                            DSW JOURNAL 4/2014                                            DSW JOURNAL 4/2014                                                                                                                        19
PRAXIS

              LÜBECK Studentenwerk                    FAKTEN
              Schleswig-Holstein, Interna-            Auszeichnung:
                                                      Deutscher Architek-
              tionales Studentenwohn-                 turpreis „Zukunft
              heim (ISW) Das Wohnheim                 Wohnen“, 2007
                                                      Architekt:
              steht mitten in der histori-            MAI Stadtplaner +
              schen Altstadt von Lübeck,              Architekt BDA, Lübeck
                                                      Fertigstellung: 2005
              neben der im 13. Jahrhundert            Wohnfläche:
              erbauten Marienkirche. Durch            2 800 Quadratmeter
              seine moderne Architektur und           Wohnplätze: 105
                                                      Wohnformen:
              die Farbe Rot bildet es einen
     PRAXIS

                                                      Einzel- und Mehr-
              spannenden Kontrast zu den              zimmerappartements,
                                                      WGs, 2 bedingt
              UNESCO-Welterbe-Stätten.                rollstuhlgerechte
              Seine Fassaden orientieren sich         Appartements
              an der Typologie der histori-           Adresse:
                                                      Alfstraße 5a/Fisch-
              schen Gebäude. Es stehen Ein-           straße 6a/b,
              und Mehrzimmerapparte-                  23552 Lübeck

              ments sowie Gemeinschafts-
              wohnungen zur Verfügung.

                                                                                                                                Preiswürdig
              Einige Appartements verfügen
              über eine Dachterrasse.

              »Das ISW bildet den Auftakt
              zur kritischen Rekonstruktion
              des Gründungsviertels in

                                                                                                                                wohnen
              der Lübecker Altstadt«
              Klaus Mai, MAI Stadtplaner + Architekt BDA

                                                                                                                                AUSGEZEICHNETE WOHNHEIME       Innovative
                                                                                                                                Neubauten und sanierte Altbauten: Bei ihren
                                                                                                                                Wohnheimen legen die Studentenwerke großen
                                                                                                                                Wert auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.
                                                                                                                                Die ökologische Bauweise, der Einsatz von
                                                                                                                                besonderen Materialien sowie die gestalterische
                                                                                                                                Leistung wurden in den vergangenen Jahren mit
                                                                                                                                zahlreichen renommierten Architekturpreisen
                                                                                                                                gewürdigt. Sieben Beispiele.
                                                                                                   FOTO:                        TEXT:   Cornelia Greve und Sabine Jawurek

20                                                                            DSW JOURNAL X/2014           DSW JOURNAL 4/2014                                                   21
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