Die Sonderausgabe zum 40. Jubiläum - 40 Jahre Öko-Institut Sonderheft zum Jubiläum - Öko-Institut

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Die Sonderausgabe zum 40. Jubiläum - 40 Jahre Öko-Institut Sonderheft zum Jubiläum - Öko-Institut
40 Jahre Öko-Institut

         Sonderheft
         zum Jubiläum

Die Sonderausgabe
zum 40. Jubiläum
Die Sonderausgabe zum 40. Jubiläum - 40 Jahre Öko-Institut Sonderheft zum Jubiläum - Öko-Institut
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                                                                                                      5. November 1977
                                                                                                      Gründung des Öko-Instituts
                                                                                                      Die Umweltbewegung benötigt drin-

    Ein Blick
                                                                                                      gend unabhängige wissenschaftliche
                                                                                                      Beratung und fundierte Gutachten
                                                                                                      – das zeigen die Erfahrungen aus
                                                                                                      dem Wyhl-Prozess. In der Gründungs-

    zurück                                                                                            erklärung heißt es: „Wir wissen: Die
                                                                                                      Forschung von heute entscheidet mit
                                                                                                      über die künftigen Lebensbedingun-
                                                                                                      gen. Wir dürfen diese Forschung nicht
    Im Jahr 2017 feiert das Öko-Institut sein 40-jähriges Beste-                                      länger nur Staat und Industrie über-
    hen. Auf den folgenden Seiten werfen wir einen Blick zurück                                       lassen. Wir wollen deshalb selbst Al-
    auf diese Zeit. Stellen bahnbrechende Studien des Instituts                                       ternativen für die Zukunft erforschen.“
    vor, wichtige Meilensteine unserer Geschichte und zentrale                                        Die 27 Gründungsmitglieder sind
    Veränderungen unserer Strukturen. Dabei lassen wir nicht                                          unter anderem Rechtsanwälte der
    außer Acht, was in diesen 40 Jahren in Deutschland und der                                        Anti-Atomkraftbewegung, Mitglieder
    Welt geschah, welche Entscheidungen, Ereignisse und leider                                        verschiedener Umweltbewegungen,
    auch Katastrophen unsere Arbeit geprägt und begleitet ha-                                         Volkswirte sowie Vertreterinnen und
    ben. Gleichzeitig lassen wir zahlreiche Wegbegleiterinnen                                         Vertreter der evangelischen Kirche.
    und Wegbegleiter zu Wort kommen, sie kommentieren wich-
    tige Arbeiten und Projekte ebenso wie die Entwicklung des
    Instituts in seiner abwechslungsreichen Geschichte.

    In den vergangenen 40 Jahren hat das Öko-Institut viel er-                          » Aber das Öko-Institut ragt natürlich schon etwas he­
    reicht, ist von einem Wissenschaftsrebellen zur anerkannten                         raus, allein von der Namensgebung. Es ist schon genial,
    Institution, zum wichtigen Ratgeber für Politik, Wirtschaft                         Öko-Institut zu sagen und nicht gleich etwas Kompli-
    und Gesellschaft geworden. Doch wir sind noch lange nicht                           ziertes. Man wusste gleich, wo es hingeht. «
    fertig. Erfahren Sie deshalb ab Seite 11, wie es für uns weiter-                                                 Joachim Wille, Journalist
    geht.

    Die 1960er und 1970er Jahre: Der Weg zur Gründung
                                                                                    22. April 1970            1970
                                                                                       Erster Earth Day       Beginn der Proteste gegen das
                                                                                Etwa 20 Millionen Men-        geplante AKW Wyhl
                                                                                  schen demons­trieren        Er gilt als Geburtsstunde der
                                                                                   in den USA für mehr        Anti-AKW-Bewegung in der BRD:
                                                                                         Umweltschutz.        der gewaltfreie und erfolgreiche
                                                                                                              Protest gegen das Kernkraftwerk
                                                                                                              im südbadischen Wyhl nahe
                                                                                                              Freiburg. Gleichzeitig sind die
                                                                                                              Proteste Ausgangspunkt für die
                                                                                                              Gründung des Öko-Instituts.
    1960
    Das erste Atomkraftwerk                                  1969
    in Deutschland                                           Gründung von Friends
    Im unterfränkischen                                      of the Earth
    Großwelzheim geht das                                    Die erste internationale
    Versuchsatomkraftwerk                                    Umweltorganisation
    Kahl in Betrieb.                                         wird in den Anfangsjah-
                                                             ren des Öko-Instituts
                                                             ein wichtiger Koopera-
                                                             tionspartner.
                         1968                                                                   1970
                         Erste Anti-AKW-Proteste in          1969                               Das erste Europäische Naturschutzjahr
                         Deutschland                         National Environmental             Der Europarat führt damit die erste europa-
                         Ziel des Protestes ist der Bau      Policy Act (NEPA)                  weite Umweltkampagne in seinen Mitglieds-
                         des Reaktors Würgassen in           Ein Meilenstein für die            staaten durch. Der innereuropäische Umwelt-
                         Hessen Oberweser. Die Aus-          Umweltgesetzgebung                 diskurs beginnt.
                         einandersetzung vor Gericht         und Vorbild für weite-
                         führt 1972 zum sogenannten          re Länder: In den USA              1970
                         Würgassen-Urteil und damit          wird ein „Gesetz über              Bayern richtet Umweltministerium ein
                         zu einer Kehrtwende in der          nationale Umweltpolitik“           Es ist das erste Ministerium dieser Art in
                         Kernkraft-Rechtsprechung.           beschlossen.                       Europa.
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                         1978
                         Erste Ausgabe der Öko-Mitteilungen
                         In den ersten Jahren wird das Öko-
                         Institut zum größten Teil von seinen             » Die Konflikte um das Atomkraftwerk Wyhl waren der An-
                         Mitgliedern getragen. Die erste                  stoß für die Gründung des Öko-Instituts, weil die Bürger­
                         Ausgabe der Mitgliederzeitschrift hat            initiativen der Auffassung waren, dass die Gutachter, auf
                         eine Auflage von 2.000 Exemplaren.               die sich die staatliche Verwaltung verließ, voreingenom-
                         Sie erscheint vierteljährlich und stellt         men waren und vorgaben, eine objektive Wahrheit zu ver-
                         Projektarbeiten vor.                             künden, aber in Wahrheit doch eine Perspektive hatten,
                                                                          die nicht der Problemlage entsprach. «
                                                                                                     Prof. Dr. Eckhard Rehbinder,
                                                                                                            emeritierter Professor
                                  1978                                                          für Umwelt- und Wirtschaftsrecht
                                  Prof. Dr. Günter Altner
                                  in Enquete-Kommission
                                  Der Mitgründer des Öko-Instituts
                                  wird auf Initiative der SPD für
                                      die Jahre 1979 bis 1982 in
                                         die Enquete-Kommission
                                           „Zukünftige Kernenergie-
                                            Politik“ des Bundestags                           1979
                                            berufen.                                          Buch „Der Gorleben-Report“
                                                                                              erscheint

                                                                            1979
                                                                            Mitgliederzahl steigt
                                                                            Bis Mitte 1979 treten
                                                                            dem Öko-Institut
                                                                            1.500 Mitglieder bei.

                                                                                      28. März 1979
                                                                                      Atomunfall in Harrisburg (USA)
                                                                                      Der schwere Atomunfall im Kernkraftwerk
                                                                                      Three Mile Island mit partieller Kernschmelze
                                                                                      führt die USA an den Rand einer nuklearen
                                 1972                                                 Katastrophe.
                                 Erste UN-Umweltkonferenz
                                 (Stockholm)

1971
Neue Umweltgesetze in
der BRD
Das Fluglärmgesetz (1971)
startet eine Reihe von
neuen Umweltgesetzen für
Deutschland. Es folgen das
Abfallbeseitigungsgesetz
(1972), das DDT- und das                                              1973-74
Blei-Benzin-Gesetz sowie         1972                                 Ölkrise
das Bundesimmissions-            Die Grenzen des Wachstums            Ein Erdöl-Embargo der OPEC
schutzgesetz (alle 1974).        Die vom Club of Rome ver-            und eine damit zusam-
                                 öffentlichte Umwelt-Studie           menhängende massive
                                 von Dennis Meadows sowie             Erhöhung der Rohölpreise
                                 zahlreicher weiterer Autorin-        bringen die Weltwirtschaft
                                 nen und Autoren verdeutlicht         ins Wanken.
                                 die Endlichkeit natürlicher
                                 Ressourcen. Sie gilt als
                                 Meilenstein für das moderne
                                 Umweltbewusstsein.
Die Sonderausgabe zum 40. Jubiläum - 40 Jahre Öko-Institut Sonderheft zum Jubiläum - Öko-Institut
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                                                                                         » Ich hätte nie gedacht, dass Bücher wie
                                                                                         der Öko-Knigge so eine Wirkung haben
                                                                                         können und über die Informationsver-
     » Mit der Energiewende-Studie wurden die                                            mittlung hinaus einfach prägend für
     Grundlagen für eigentlich alles gelegt, was                                         Grundsatzentscheidungen von Vielen
     später dann nach und nach erkämpft werden                                           waren. «
     musste. «
                                                                                                 Prof. Dr. Rainer Grießhammer,
                                 Erika Romberg,                                             Mitglied der Geschäftsführung des
                    Politikerin und ehemaliges                                                                     Öko-Instituts
            Vorstandsmitglied des Öko-Instituts

     1980                                          1981
     Energiewende-Studie                           Studien zu Schadstoffbelastungen
     Die bahnbrechende Analyse des Öko-In-         Mit der Trinkwasserstudie ver-          1984
     stituts zeigt, wie ein sofortiger Atomaus-    deutlichen die Wissenschaftler des      Der Öko-Knigge erscheint
     stieg und bis 2030 der Verzicht auf Erdöl     Öko-Instituts: Sauberes Trinkwasser     Der Ratgeber für umweltbewusstes
     ohne eine Gefährdung von Wirtschafts-         wird in Deutschland zur Mangel-         Verhalten von Rainer Grießhammer
     wachstum und Wohlstand umgesetzt              ware. In der so genannten Mutter-       bleibt weit über ein Jahr in der
     werden können.                                milchstudie berichten sie über die      SPIEGEL-Bestsellerliste und wurde
                                                   Belastung von Muttermilch durch         über 250.000-mal verkauft.
                                                   Umweltgifte.
     1980
     Reaktorsicherheitsstudie                                                              1984
     Im Auftrag des Bundesforschungsminis-                                                 Start des Informationsdienstes
     teriums untersucht das Öko-Institut das                       1982                    Chemie und Umwelt (ICU)
     „Restrisiko“ von Leichtwasserreaktoren.                       Zahl der Mitglieder     Der ICU wird vom Öko-Institut zu-
                                                                   des Öko-Instituts       sammen mit dem BUND und dem
                                                                   steigt auf über         BBU bis 1997 monatlich herausge-
     1980                                                          4.000                   geben und berichtet über die Ge-
     Gründung des Öko-Instituts-                                                           fahren des Chemikalieneinsatzes
     Büros in Darmstadt                                                                    sowie chemiepolitische Lösungen.

    Die 1980er Jahre: Ein Wissenschaftsrebell etabliert sich

                                                                                           1984
    1980                                                                                   Gift-Katastrophe in Bhopal
    Global 2000 (USA)                                                                      In Folge eines katastrophalen
    Der wissenschaftliche                                                                  Chemieunfalls im indischen
    Zukunftsbericht zeigt die                                                              Bhopal sterben bis zu 25.000
    globalen Auswirkungen                                                                  Menschen.
    von Umweltzerstörung,
    Ressourcenknappheit und
    Bevölkerungswachstum.
                                                                            1983
                                                      Die Grünen ziehen erstmals
                                                            in den Bundestag ein
                                     1981
                           Die Entdeckung
                         des Waldsterbens
              Nach dem Spiegel-Titel „Der
           Wald stirbt“ beginnt in Deutsch-
               land eine breite öffentliche
            Debatte über das Waldsterben.
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                                               » Unser Telefon am Öko-Institut hat nach der Katastrophe von
                                               Tschernobyl permanent geläutet bis in die Nachtstunden hinein.
                                               Wir mussten dann Notdienste einrichten, um einigermaßen die
                                               Anrufe zu kanalisieren. Wir wollten die Leute ja informieren, aber
                                               es war damals eben sehr schwierig. «
                                                                                            Stephan Kohler,
                                                                           bis Ende 2014 Geschäftsführer der
                                                                           Deutschen Energie-Agentur (dena)
1985
Zweite Energiewende-Studie                                                                       1987
Die Analyse zeigt, wie die Energie-                                                              Studie „Gentechnik und biologi-
wende umgesetzt werden kann und
                                                 1986                                            sche Schädlingsbekämpfung“
                                                 Einrichtung des Bereichs Gen-                   Im Fokus der Analyse stehen die
fordert eine Rekommunalisierung der
                                                 technik am Öko-Institut                         Risiken der Gentechnik in der
Energiewirtschaft.
                                                                                                 Landwirtschaft.

1985                                             1986
Öko-Institut beschließt Einführung               Aufruf für Energiewende-                        1987
                                                 Komitees                                        Entwicklung der Produktlinien-
einer Bereichsstruktur für die inter-
                                                 Das Öko-Institut ruft nach Tscher-              analyse
ne Organisation
                                                 nobyl dazu auf, lokale Energie-                 Mit dieser Methode können
                                                 wende-Komitees zu gründen                       die ökologischen, sozialen und
                                                 – eine Erfolgsgeschichte: Rund                  ökonomischen Wirkungen eines
                                                 400 solcher Komitees bilden sich,               Produktes entlang seines gesam-
                                                 arbeiten über Jahrzehnte weiter                 ten Lebenswegs analysiert werden.
                                                 und bringen die Energiewende                    Ein Meilenstein bereits fünf Jahre
                                                 erheblich voran.                                vor der Umweltkonferenz in Rio de
                                                                                                 Janeiro, deren Abschlusserklärung
                                                                                                 den Abbau von nicht nachhaltigen
                                                                                                 Produktionsweisen fordert.

                                                                      17. Dezember 1987
                                                                      Schwerer Zwischenfall
                                                                      im AKW Biblis
                                                                      Ein offenstehendes Ventil und das
1985                                                                  Fehlverhalten der Bedienmann-
Ozonloch über
                                                                      schaft lösen beinahe eine Kern-
der Antarktis
                                                                      schmelze im Reaktor Biblis A aus.
wird nachge-
wiesen
                        26. April 1986                                1987
                       Atomkatastrophe in                             Brundtland-Bericht erscheint
                              Tschernobyl                             Wie ist eine umweltschonende
                      Im ukrainischen AKW                             Entwicklung bei Deckung der
                 Tschernobyl kommt es zur                             Grundbedürfnisse weltweit
                 Kernschmelze, große Men-                             möglich? Dieser Frage widmet
                 gen Radioaktivität werden                            sich die UN-Weltkommission
                       über Europa verteilt.                          für Umwelt und Entwicklung
                                                                      (WCED).

                                                                                                       24. März 1989
                                                   1986                                                Ölkatastrophe Exxon Valdez
                                                   Gründung des Bundes-                                Ein vor Alaska auf Grund ge-
                                                   umweltministeriums                                  laufener Ölfrachter verursacht
                                                                                                       die bis dahin größte Ölpest
                                                                                                       der Geschichte.
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                                                    » Ich habe manchmal gedacht, ich müsste noch
                                                    mal weggehen. Aber es gibt einfach wenige Plät-
                                                    ze, wo die Arbeit interessanter ist und wo schon
      1990                                          auch die Einbettung, also die arbeitstägliche,        1995
      AKW Greifswald: Studie des Runden                                                                   Erste Beteiligung an einer
                                                    freundschaftliche und freundliche Dimension, so
      Tischs führt zur Stilllegung
                                                    gut ist. «                                            Weltklimakonferenz
      Unter Beteiligung des Öko-Instituts prüft                                                           Seitdem berät das Öko-Institut
      die Kommission des zentralen Runden                                    Dr. Felix Chr. Matthes,      kontinuierlich die EU-Kommis-
      Tischs die Sicherheit des AKW Greifswald.              Forschungskoordinator Energie- und           sion und das Bundesumweltmi-
      Danach werden in der ehemaligen DDR              Klimapolitik am Öko-Institut, verantwortlich       nisterium in unterschiedlichen
      alle AKW stillgelegt und alle AKW-Bau-                  für die Gründung des Berliner Büros         Verhandlungsbereichen.
      projekte gestoppt.
                                                                                                          Ab 1995
                                                                                                          Verhandlungen zum
                                                                                                          Biosafety-Protokoll
                                                                                                          Zwischen 1995 und 2000 ist
                                                                                                          Dr. Beatrix Tappeser, Leiterin
                                                    1991                                                  des Gentechnikbereichs des
                                                    Eröffnung des                                         Öko-Instituts, an den UN-Ver-
                                                    Berliner Büros                                        handlungen zu einer internatio-
                                                    des Öko-Ins-                                          nalen Kontrolle der Gentechnik
                                                    tituts                                                beteiligt. Das Öko-Institut lehnt
                                                                                                          die Agro-Gentechnik aus wis-
      1990                                                                                                senschaftlicher Sicht ab.
      Das Öko-Institut hat nun
      mehr als 5.000 Mitglieder
                                                                      1992
                                                                      Prof. Dr. Rainer Grießhammer wird
                                                                      Mitglied der Enquete-Kommission
                                                                      des Bundestags „Schutz des Men-
                                                                      schen und der Umwelt“.

    Die 1990er Jahre: Von Konflikten zur Kooperation

                                                                                                               1994
                                                                                                               Biosafety-Protokoll
                                                  1991                                                         Die UN-Verhandlungen
                                                  Bundesregierung beschließt                                   über eine internationale
                                                  Maßnahmen zur Förderung                                      Kontrolle der Gentechnik
                                                  regenerativer Energien                                       beginnen. Erst Anfang
                                                  Das Stromeinspeisegesetz tritt in                            2000 wird jedoch das
    1990                                          Kraft. Es sieht unter anderem eine                           Biosafety-Protokoll be-
    Gründung des Grünen Punk-                                                                                  schlossen.
                                                  Abnahmegarantie für erneuer-
    tes und des Dualen Systems
                                                  baren Strom sowie eine feste
    Deutschland
                                                  Einspeisevergütung vor. Mit dem
    Mit dem Logo zeigen an diesem                                                          1992
                                                  1000-Dächer-Programm wird zu-
    Wiederverwertungssystem                                                                UN-Umweltkonferenz in Rio de
                                                  dem die Installation von Photovol-
    beteiligte Hersteller, dass ihre                                                       Janeiro
                                                  taikanlagen gefördert.
    Verpackungen über gelbe Säcke                                                          Die Teilnehmer unterschreiben die
    oder Tonnen eingesammelt                                                               UN-Klimarahmenkonvention und
    und recycelt werden. Schnell                                                           verabschieden die wegweisende
    gerät das Recyclingsystem in         1990                                              Deklaration für eine Nachhaltige
    die Kritik. Seit seiner Einführung   Erster Bericht des                                Entwicklung.
    begleitet das Öko-Institut den       Weltklimarates
    Grünen Punkt immer wieder            (IPCC)
    mit kritischen Studien, macht        Das UN-Wissen-
    Änderungs- und Verbesserungs-        schaftsgremium
    vorschläge.                          bestätigt den
                                         Klimawandel
                                         offiziell.
Die Sonderausgabe zum 40. Jubiläum - 40 Jahre Öko-Institut Sonderheft zum Jubiläum - Öko-Institut
7

 Ab Ende 1996                                              1997                                      1999
 Der Castor-Konflikt                                       Veröffentlichung der Studie               Studie „Globalisierung in der
 Der Leiter des Bereichs                                   HoechstNachhaltig                         Speisekammer“
 Reaktorsicherheit am                                      1995 beginnt die intern und
 Öko-Institut, Michael Sailer,                             extern kontrovers diskutierte
                                                           Zusammenarbeit mit dem
                                                                                                     1999
 kritisiert öffentlich die                                                                           Studie zum
 Blockaden der Castor-Trans-                               Chemieunternehmen: Das
                                                                                                     Atomtransport-Skandal
 porte als kontraproduktiv.                                Öko-Institut entwickelt ein
                                                                                                     Das Öko-Institut und die Gesell-
 Der folgende Streit mit der                               Managementtool für eine
                                                                                                     schaft für Anlagen- und Reaktor­
 Anti-Atombewegung reicht                                  nachhaltige Konzernstrate-
                                                                                                     sicherheit (GRS) zeigen, dass das
 bis in das Institut hinein                                gie.
                                                                                                     Begleitpersonal und die allgemei-
 und hat Austritte von Mit-                                                                          ne Bevölkerung von kontaminier-
 gliedern zur Folge.                1997                                                             ten Atommülltransporten gefähr-
                                    Veröffentlichung der                                             det werden können.
                                    Produktlinienanalyse
                                    „Waschen und Wasch-
                                                                       Ab 1998                       1999
                                    mittel“ im Auftrag des
                                                                       Wissenschaftliche             Gründung der Stiftung
                                    Umweltbundesamtes
                                                                       Begleitung des Me-            Zukunftserbe
                                                                       diationsverfahrens
                                                                       zum Ausbau                    1999
                                                                       des Flughafens                Michael Sailer und Lothar Hahn
                                                                       Frankfurt / Main              werden in die Reaktorsicherheits-
                                                                                                     kommission (RSK) berufen

                                                                        1998                         1999
                                                                        Erste Website                Christian Küppers wird Mitglied
                                                                        des Öko-Instituts            der Strahlenschutzkommission
                                                                        geht online

                                                                        1998
                                                                        Liberalisierung des
                                 1997                                   Strommarktes
                                 Weltklimagipfel beschließt             In der Folge steigt die Zahl der
1995
                                 Kyoto-Protokoll                        Ökostromanbieter und -kunden.
Erste UN-Klimakonferenz
                                 In Japan einigt sich die Staa-
in Berlin
                                 tengemeinschaft erstmals
Deutschland kündigt an,
                                 auf eine Begrenzung der
seine CO2-Emissionen bis
                                 Treibhausgasemissionen.
2005 um 25 Prozent zu
                                 Die Kyoto-Vereinbarung
verringern (im Vergleich
                                 tritt aber erst 2005 in Kraft,
zu 1990).
                                 nachdem sie schließlich
                                 auch von Russland ratifiziert
                                 wurde.

                                                                      » Im Grunde ist es ein gewisser Paradigmenwechsel ge-
                                                                      wesen und zwar war man vorher – so könnte man das
                                                                      vergleichen – mit Umweltpolitik in Nachsorge und da hat
                                                                      man den Schritt zur Vorsorge gemacht. Ganz so platt ist es
                                                                      natürlich nicht, aber man könnte es darauf verkürzen. Und
                                                                      so ein Paradigmenwechsel – das dauert immer. «
                                                                                                       Christiane Friedrich,
                                                                               ehemalige Geschäftsführerin des Öko-Instituts
Die Sonderausgabe zum 40. Jubiläum - 40 Jahre Öko-Institut Sonderheft zum Jubiläum - Öko-Institut
8

                                                                                          2005
                                                                                          Start der Verbraucherplattform
    2000                                                                                  EcoTopTen
    Studie „Energiewende 2020“                                                            Hier empfiehlt das Öko-Institut
    Das Öko-Institut zeigt gemeinsam mit                                                  besonders energieeffiziente und
    der Heinrich-Böll-Stiftung, wie der                                                   ökologische Massenprodukte.
    Atomausstieg gelingen kann.                         2002
                                                        Michael Sailer wird               2005
                                                        Vorsitzender der                  Studie „Deutsche Abfallwirtschaft
                                                        Reaktorsicherheits-               ist Vorreiter beim Klimaschutz“
                                                        kommission (RSK)

                                                                                          2005
                                                                                          Abschluss des Projekts
                                                                                          „Ernährungswende“
                                                                                          Das Öko-Institut zeigt
                                                                                          die Wege zu einer nach-
                                                                                          haltigen Ernährung.

                                 2001
                                 Studie „Umwelt
                                 und Tourismus“                                    2003
                                 Erste Studie des                                  Studie „Grüne
                                 Öko-Instituts zum                                 Gentechnik und
                                 weltweit stark                                    ökologische Landwirtschaft“
                                 wachsenden                                        Das Öko-Institut zeigt damit:
                                 Wirtschaftssektor                                 Der Einsatz von Gentechnik in
                                 Tourismus.                                        der Landwirtschaft gefährdet
                                                                                   den Anbau von Bioprodukten.

    Die 2000er Jahre: Öko-Institut goes international

     2000
     Atomausstieg
     Rot-grüne Bundesregierung lei-                                                           2001
     tet den Ausstieg in die Wege, der                                                        EU-Richtlinie zur Förderung
     2002 im Atomgesetz verankert
                                               Ab 2000
                                               Beratungen zum Treibhausgas-                   erneuerbarer Energien
     wird.                                                                                    Bis 2010 sollen 14 Prozent des Strom-
                                               Emissionshandel
                                               Hierbei berät auch das Öko-                    aufkommens der EU aus regenerativen
                                               Institut die Bundesregierung und               Quellen stammen.
                                               die EU bei der Vorbereitung und
                                               später auch bei der weiteren Aus-
                                               gestaltung des Emissionshandels.

     2000
     Verabschiedung des Erneuerbare-
     Energien-Gesetzes

      » Beim Atomausstiegsgesetz waren wir an der Ausarbeitung betei-
      ligt. Dort, wo es insbesondere um viele Detailregelungen ging, die
      man klären und richtig formulieren musste. «
                                                     Michael Sailer,
                     Mitglied der Geschäftsführung des Öko-Instituts
9
2006
Erste Ausgabe der eco@work
erscheint                                                2009
Die neue Mitgliederzeitschrift ersetzt                   Ausweitung des Blauen Engels
die bisher veröffentlichten Öko-                         auf das Thema Klimaschutz
Mitteilungen und erscheint auch als                      Hierfür entwickelt das Öko-Institut
E-Paper.                                                 Vergabekriterien für 100 klimarele-
                                                         vante Produktgruppen.

                                                                                    » Ich finde gut, dass wir weit in die
                                                                                    Zukunft blicken und Szenarien von
                                                                                    hinten rechnen und schauen, was
                                                                                    passieren muss, wenn wir dahin
                                                                                    kommen wollen. Und dass wir am
                                                                                    Institut neue Instrumente entwickelt
                                                                                    haben, die hilfreich sind. «

                                         2008                                          Dorothea Michaelsen-Friedlieb,
                                         Michael Sailer wird                           seit 1996 Vorstandsmitglied des
2006                                     Vorsitzender der Entsor-                                        Öko-Instituts
Studie „Soziale Auswirkungen der         gungskommission (ESK)
Produktion von Notebooks“
Die Analyse zeigt, dass Notebooks in
China unter bedenklichen sozialen        2008
und ökologischen Bedingungen             Pilotprojekt zur Ermitt-             2009
                                         lung des CO2-Fußab-                  Start der Studienreihe
produziert werden – und dass faire
                                         drucks, gemeinsames                  „Renewbility“
Notebooks nicht wesentlich teurer
                                         Memorandum mit dem                   Im Fokus des Projektes stehen
sein müssen. Gleichzeitig beeinflusst
                                         Bundesumweltministe-                 Klimaschutzstrategien für den
die Studie stark die Diskussion über
                                         rium und dem Umwelt-                 Verkehrssektor, es werden Stake-
sozialverträgliche Produktion.
                                         bundesamt                            holder einbezogen.

                                                              2007
                                                              EU-Chemikalienverordnung REACH
2005                                                          Mehr Transparenz und Sicherheit im Umgang
EU-Ökodesign-Richtlinie                                       mit Chemikalien sind das Ziel der Verordnung.
tritt in Kraft                                                Das Öko-Institut begleitet die Nachhaltig-
Sie dient der umwelt-                                         keitsbewertung von Chemikalien intensiv.
und klimafreundlichen
Produktgestaltung.

2005
Beginn des
EU-Emissionshandels

                                                                     » Ich glaube, wir brauchen wieder größere Entwürfe.
                                                                     Wir brauchen Entwürfe zur Frage der Mobilität, wir
                                                                     brauchen Entwürfe, wie sich Städte entwickeln können
                                                                     und sollen, wir brauchen Entwürfe, wie wir mit unse-
                                                                     rem Konsum zurechtkommen. «
                                                                                                Prof. Dr. Gerd Michelsen,
                                                                                          Mitbegründer des Öko-Instituts
10

                                                            2015
                           2010                             Models of Change
                           Umweltpreis                      Die Studie zeigt, wie Transformationen
                           der Deutschen                    und Systeminnovationen in Richtung
                           Bundesstiftung                   Nachhaltigkeit erfolgreich sein können.
                           Umwelt (DBU)
                           Prof. Dr. Rainer                 2015
                           Grießhammer
                           erhält den
                           höchstdotierten
                           europäischen                     Das Öko-Institut fragt: Wo stehen wir bei
                                                                                                              2016
                                                                                                              Obsoleszenz-Studie
                           Umweltpreis.                     der Umsetzung der Energiewende –
                                                                                                              des Öko-Instituts
                                                            35 Jahre nach Veröffentlichung der ersten
                                                                                                              Im Fokus steht die
     2010                                                   Energiewendestudie, 35 Jahre vor dem
                                                                                                              verkürzte Lebens-
     Öko-Institut goes Social Media                         klimaschutzbezogenen Zieljahr 2050?
                                                                                                              dauer von Elektro-
                                                                                                              und Elektronikge-
                                                                                                              räten.
                                                      2013
               2011                                   Ergebnisse des
               Gründung von Ecornet                                                                           2016
                                                      Forschungsprojekts
               Im Ecological Research Network         IMPACT
               sind acht außeruniversitäre,           Analysiert wurden
               gemeinnützige Umwelt- und              die Potenziale von
               Nachhaltigkeitsforschungsinsti-                                                                Das Eigenprojekt ent-
                                                      Corporate Social                                        wirft einen Fahrplan
               tute zusammengeschlossen.              Responsibility (CSR)                                    zum nachhaltigen
                                                      in Unternehmen.                                         Umgang mit Roh­
                                                                                                              stoffen.

     Die 2010er Jahre bis heute: Die Zukunft hat begonnen
                                                                                                              2016
                                                                                                              Abschlussbericht der
                                                                                                              Endlagerkommission
                                                                                                              Michael Sailer war 2014
                                                                                                              in die Kommission
                                                                                                              berufen worden.

     2010
     Kabinett Merkel
     kippt den                11. März 2011
     Atomausstieg             Atomkatastrophe von Fukushima              2015
     Beschlossen wird         In drei Reaktorblöcken kommt es            UN-Klimagipfel in Paris
     eine Verlänge-           nach einem Erdbeben und einem              Die Mitgliedsstaaten einigen
     rung der Lauf-           Tsunami zur Kernschmelze. Das              sich auf einen neuen Weltkli-
     zeiten deutscher         Öko-Institut informiert intensiv           mavertrag.
     Atomkraftwerke.          über Gefahren, Risiken und Hinter-
                              gründe des Reaktorunfalls.
                                                                         2015
                                                                         UN-Mitgliedsstaaten beschließen
                                                                         Sustainable Development Goals (SDGs)
                                                                         Die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung
                              2011                                       sollen bis 2030 umgesetzt werden.
                              Kehrtwende: Bundesregierung
                              beschließt Atomausstieg und
                              Energiewende
                              Bis 2022 sollen die deutschen
                              AKW abgeschaltet werden.                       » Heute würde ich sagen, das Öko-Institut ist eine aner-
                                                                             kannte wissenschaftliche Einrichtung geworden. Das fin-
                                                                             de ich schön, Respekt. «
                                                                                 Siegfried de Witt, Mitbegründer des Öko-Instituts
11

2017

                                                                » Also die Probleme sind so gewaltig, die Arbeit reicht dazu nicht
                                                                aus. Es kommen immer wieder auch neue Fragen hinein oder
                                                                Fragen, die man immer hatte, werden jetzt neu justiert und neu
                                                                eingeschätzt. «
                                                                                                                   Udo Simonis,
                                                                                       emeritierter Professor für Umweltpolitik

Unsere Zukunft
Der Blick nach vorne
Eine lange Geschichte liegt hinter uns. Vier spannende Jahr-    auf die Notwendigkeit einer Suffizienzpolitik oder das unbe-
zehnte. Unzählige herausragende Ereignisse. Mehrere tau-        queme Endlagersuchverfahren und die damit verbundenen
send spannende Projekte. Etliche inspirierende Begegnun-        Entscheidungen bis zum Jahr 2031.
gen. Wir sind stolz auf unsere Geschichte, auf das Erreichte,
auf die Impulse, die wir für eine nachhaltige Entwicklung ge-   Auch auf den kommenden Seiten wollen wir daher in die Zu-
ben konnten.                                                    kunft blicken. Wir befassen uns mit den zentralen Ereignissen
                                                                der kommenden Jahrzehnte, aber auch den Entwicklungen,
Doch wir wären nicht das Öko-Institut, wenn wir an dieser       die für unsere Arbeit relevant sein werden. Im Doppelge-
Stelle nur zurückblicken würden. Es hat uns schon immer aus-    spräch mit Michael Sailer, Sprecher der Geschäftsführung
gezeichnet, dass wir nach vorne schauen. Bei der ersten Ener-   des Öko-Instituts, und Dr. Wiebke Zimmer, stellvertretende
giewende-Studie und der Entwicklung einer nachhaltigen          Leiterin des Bereichs Ressourcen & Mobilität, erfahren Sie
Konzernstrategie für die Hoechst AG ebenso wie bei der Erar-    mehr über die Arbeitsweisen des Öko-Instituts – und ihre He-
beitung von Handlungsempfehlungen für umweltgerechtere          rausforderungen. Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Großveranstaltungen. Der Blick nach vorne gehört selbstver-     zeigen unter der Überschrift „Was wir uns wünschen“, welche
ständlich zu unserer Arbeit, sei es bei der Formulierung von    Ideen und Gedanken sie für eine nachhaltige Zukunft haben.
Szenarien für die Entwicklung des Verkehrssektors, mit Blick
12

     Die nächsten Jahrzehnte
              Bis 2017
              sollen drei Prozent des EU-Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung
              genutzt werden.

              Ab 2020
              rechnet die Internationale Energieagentur (IEA) mit stark steigenden Ölpreisen.

              Bis 2021
              führt die Europäische Kommission eine Überprüfung der Richtlinie zur
     2020     Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro-
              und Elektronikgeräten (RoHS-Richtlinie) durch.

              Bis 2022
     2030     soll das letzte Atomkraftwerk in Deutschland abgeschaltet werden.

              Bis 2030
              sollen die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) erfüllt sein, dazu gehören
     2040     unter anderem die Abschaffung von Armut und Hunger sowie
              Geschlechtergerechtigkeit und bezahlbare, saubere Energie.

     2050     Ab 2030
              fordern die Bundesländer ein Verbot von Verbrennungsmotoren.

              Bis 2031
     2060     soll das Endlagersuchverfahren abgeschlossen sein.

              Bis 2049
              kann nach einer aktuellen Analyse des Öko-Instituts die Rohstoffwende in
     2070     Deutschland umgesetzt sein.

              Bis 2050
              wohnen und arbeiten zwei Drittel der Menschen in Städten – das erwartet die
     2080     Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

              Bis 2050
              könnte laut der Ellen-MacArthur-Stiftung in den Weltmeeren mehr Plastikmüll
     2090     als Fisch schwimmen.

              Bis 2050
              will Deutschland seine Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent
     2100     (im Vergleich zu 1990) mindern.

              Bis 2050
              soll der Anteil regenerativer Energien an der einheimischen Stromversorgung
              bei gut 80 Prozent liegen.

              Bis 2100
              werden nach Schätzungen der Uno 11,2 Milliarden Menschen auf der Erde leben.
13

Wichtige Entwicklungen für unsere Zukunft
Die Welt wird sich verändern in den           manche werden uns überraschen,              Drei Beispiele zeigen, wie sich unser
nächsten Jahren, Jahrzehnten und              manch erwartetes Ereignis wird aber         Alltag in Zukunft weiter verändern
Jahrhunderten. Manche Entwicklun-             vielleicht auch nicht oder anders ein-      kann.
gen können wir schon heute absehen,           treten als wir das heute denken.

           Digitalisierung                           Autonomes Fahren                           Erneuerbare Energien

Sie hat schon heute unsere Welt auf           Gerade noch von vielen als versponne-       Wir können nicht genug von ihnen
den Kopf gestellt: die Digitalisierung.       ne Zukunftsphantasie verlacht, macht        bekommen: Sonne und Wind. Kurz ge-
Vor nicht allzu langer Zeit in kaum ei-       sich das autonome Fahren auf den Weg,       sagt: erneuerbaren Energien. Wir wün-
nem Haushalt vorhanden, können wir            eine greifbare Mobilitätsvision zu wer-     schen uns eine Energieversorgung, die
uns heute ein Leben ohne Computer             den. Das autonome Fahren bietet eine        vollständig auf ihnen basiert. Wie wird
und Smartphone kaum noch vorstel-             große Zahl von Optionen für ein nach-       das gelingen? Welche Anforderungen
len. Egal, ob es um die Archivierung der      haltiges und komfortables Leben – sei       stellt der Ausbau von Sonne, Wind & Co.
Urlaubsbilder, die Kommunikation mit          es mit Blick auf eine Zunahme von Car-      an die Gestaltung des Energiemarktes
unseren Freunden oder das Bezahlen            sharing und den Rückbau von Parkplät-       und das Agieren seiner Teilnehmer? Wie
eines U-Bahn-Tickets geht. Diese Ent-         zen in der Stadt oder auch in Hinsicht      werden Energienutzung und -speiche-
wicklung ist unter anderem eng mit ne-        auf eine bessere Anbindung des ländli-      rung koordiniert? Diese und weitere
gativen Konsequenzen für Mensch und           chen Raums sowie eine höhere Effizienz      Fragen müssen beantwortet werden.
Umwelt verbunden – so mit Blick auf           des Verkehrs. Allerdings könnte autono-     Nicht nur mit Blick auf Deutschland,
den Abbau der erforderlichen Rohstoffe        mes Fahren auch zu einer Zunahme des        sondern auch in Hinsicht auf einen eu-
und mangelhaftes Recycling. Informa-          Verkehrs und der Emissionen führen.         ropäischen Strommarkt.
tions- und Kommunikationstechnolo-            Werden wir in wenigen Jahren oder
gien (IKT) müssen länger genutzt wer-         Jahrzehnten tatsächlich nicht mehr          Das Öko-Institut beschäftigt sich in unter-
den, um diese Auswirkungen zu be-             selbst lenken? Welcher regulatorische       schiedlichen Projekten mit erneuerbaren
grenzen. Aber auch Fragen der Daten-          Rahmen ist notwendig, damit mögliche        Energien. Ihre Potenziale bestmöglich
sicherheit und soziale Aspekte spielen        Potenziale des autonomen Fahrens für        zu unterstützen ist ein zentrales Anliegen
beim Thema Digitalisierung eine zen-          mehr Nachhaltigkeit genutzt werden?         der Wissenschaftlerinnen und Wissen-
trale Rolle: Werden sich die Menschen                                                     schaftler aus allen Institutsbereichen.
zunehmend voneinander entfremden              Mit den Auswirkungen des autonomen
oder werden wir uns mit Hilfe der digi-       Fahrens auf die Zukunft der Mobilität be-
talen Medien stärker miteinander ver-         schäftigt sich der Bereich Ressourcen &
netzen, lokal und international? Und          Mobilität des Öko-Instituts.
wie kann die Digitalisierung zur Einspa-
rung von Energie, Rohstoffen und zu
mehr Umweltschutz führen?

Digitalisierung und Umwelt – ein wichti-
ges Thema für das Öko-Institut, bei dem
Strategien für eine nachhaltige IKT-Politik
entwickelt werden.
14

     Was wir uns wünschen
     Die Mitarbeiterinnen
     und Mitarbeiter
     des Öko-Instituts
     blicken in die
     Zukunft.

                                                                               Ich habe mir vorgestellt, wie wun-
                                          In meinen Projekten merke ich oft,   derbar es wäre, wenn auf unseren
                                          dass ich erst dann etwas bewirke,    Straßen in naher Zukunft nur
                                          wenn ich mir die Zeit nehme, mit     noch Elektroautos fahren würden.
                                          den Menschen zu reden, die von       Was würden wir alles wieder hö-
                                          Entwicklungen betroffen sind und     ren, wie würde sich wohl unsere
                                          etwas verändern wollen. Mehr         Aufmerksamkeit verändern, wenn
                                          Zeit zu haben, mit ihnen in Kon-     der andauernde Straßenlärm
                                          takt kommen, ist mir sehr wichtig.   wegfällt…?

                                          Daniel Bleher,                       Kathrin Graulich,
                                          Senior Researcher                    Stellvertretende Leiterin des Bereichs
                                          (Ressourcen & Mobilität)             Produkte & Stoffströme

                                                                               Ich wünsche mir, dass Deutsch-
                                          Für die Zukunft würde ich mir        land im Ausland als Vorbild wirkt,
     Es muss nicht jedes Land die glei-   wünschen, dass noch mehr Un-         weitere Industrienationen aus der
     chen Fehler wiederholen. Gesetze,    ternehmen Nachhaltigkeit nicht       Kernenergie aussteigen und die
     Systemlösungen, gute Beispiele.      nur als Kommunikationsaufgabe        grenznahen Anlagen vom Netz
     Man kann voneinander lernen.         wahrnehmen, sondern nachhalti-       gehen. Und die Endlagerfrage
     Das ist zwar optimistisch gedacht,   ges Wirtschaften als tiefgehende     muss gelöst werden. Diese The-
     aber möglich.                        Gestaltungsaufgabe sehen.            men bleiben aktuell.

     Dr. Izabela Kosińska,                Carl-Otto Gensch,                    Christian Küppers,
     Wissenschaftliche Mitarbeiterin      Leiter des Bereichs                  Stellvertretender Leiter des Bereichs
     (Ressourcen & Mobilität)             Produkte & Stoffströme               Nukleartechnik & Anlagensicherheit
15

Ich bin auch persönlich neugierig,
wie sich das Verfahren zur Aus-
wahl eines Endlagerstandorts in       Wenn in 20 Jahren keine Kohle        Ich bin mir sicher, dass die Energie-
der Praxis bewährt und wie sich       mehr verbrannt werden soll und       wende langfristig nur als europäi-
die Beteiligungsprozesse kon-         in 30 Jahren keine Pkw mit Diesel-   sches Projekt funktionieren wird.
kret gestalten. Wichtig ist, dass     und Benzinmotoren mehr auf un-       Wenn der Wind mal bei uns nicht
das Thema weiterhin weit oben         seren Straßen fahren sollen, dann    weht, ist die Chance groß, dass die
auf der politischen Agenda bleibt     müssen wir uns heute mit dem         Sonne in Spanien scheint oder in
und zielorientiert daran gearbei-     Übergang beschäftigen. Das The-      Finnland Windenergie eingespeist
tet wird, denn die derzeitige Zwi-    ma zu umgehen oder auf über-         wird. Gerade in der aktuellen Zeit
schenlagerung der Abfälle bietet      morgen zu verschieben, ist keine     brauchen wir eine positive Vision
keine langfristige Sicherheit.        Lösung.                              für Europa.

Beate Kallenbach-Herbert,             Dirk Arne Heyen,                     Hauke Hermann,
Leiterin des Bereichs                 Senior Researcher                    Senior Researcher
Nukleartechnik & Anlagensicherheit    (Umweltrecht & Governance)           (Energie & Klimaschutz)

Ziele sind zumindest auf dem
Papier leicht zu definieren: Emis-
sionen stark reduzieren, Lieferket-   Wissen schaffen ist das eine.
ten besser kontrollieren, bessere     Wissen weitergeben das andere.       Die gegenseitige Wertschätzung
Luft in den Städten usw. Bei den      Doch gehört beides unwiderruf-       gehört für mich genauso zum
Instrumenten hingegen liegt           lich zusammen. Schließlich kann      Thema Nachhaltigkeit wie die
der Teufel im Detail. Mit welchen     ich nur das bewahren, was ich        wissenschaftliche Arbeit. Freund-
gelingt es am besten, diese Ziele     verstehe und wertschätze. Und        lich und achtsam sein, sich recht-
zu erreichen – und wie setzt man      ich kann nur dann etwas verän-       zeitig mitteilen, bei Problemen
diese um? Das ist die Schraube,       dern, wenn ich begriffen habe,       offen miteinander reden. Das
an der ich mit drehen möchte.         warum ich etwas verändern sollte.    gelingt uns sehr gut.

Verena Graichen,                      Alexa Hännicke,                      Marianne Burchard-Huber,
Senior Researcher                     Assistentin                          Mitarbeiterin im Institutssekretariat
(Energie & Klimaschutz)               (Öffentlichkeit & Kommunikation)     (Geschäftsstelle Freiburg)
16

     Wir fördern Nachhaltigkeit. Zeigen wissenschaftlich begründete
     und praktisch umsetzbare Lösungen.

     Das ist notwendig. Und das geht.
     Ein Gespräch mit Michael Sailer und Dr. Wiebke Zimmer

     Der Blick in die Zukunft gehört seit 40     ich mir sehr oft sicher, weil wir da viel   Manchmal denke ich aber auch, dass
     Jahren zum Öko-Institut – sei es bei der    Erfahrung haben. Aber wie es sich dann      wir Fakten oder Ergebnisse nicht ausrei-
     Frage nach einer nachhaltigen Energie-      im Detail entwickeln wird, das weiß ich     chend hervorheben, so dass sie bei Po-
     versorgung oder eines sicheren Atom-        auch nicht. Am Beispiel Fukushima: Es       litikern und Öffentlichkeit auch wirklich
     müll-Endlagers. Doch wie arbeiten           war völlig klar, dass irgendwann wie-       ankommen.
     die Wissenschaftlerinnen und Wissen-        der ein Unglück in einem Kernreaktor
     schaftler konkret für eine nachhaltige      passieren wird und dass es in einem In-     Zum Beispiel?
     Zukunft? Welche Herausforderungen           dustrieland passieren wird, weil dort die
     müssen sie überwinden? Darüber ha-          meisten stehen.                             Sailer: Wir hätten viel früher darüber
     ben wir mit Michael Sailer, Sprecher der                                                sprechen müssen, welche großen wirt-
     Geschäftsführung des Öko-Instituts,         Wie geht man mit so einer Unglücks­         schaftlichen Herausforderungen die
     und Dr. Wiebke Zimmer, stellvertreten-      situation am besten um?                     Hinwendung zu erneuerbaren Energi-
     de Leiterin des Bereichs Ressourcen &                                                   en mit sich bringt. Beim Thema Emissi-
     Mobilität gesprochen.                       Sailer: Wir stellen uns nicht gerne hin     onshandel hätten wir deutlicher sagen
                                                 und sagen: Wir haben es doch gewusst.       müssen, dass CO2-Zertifikate nur dann
     Michael Sailer, wie sicher sind Sie sich,   Außerdem muss man auf die eigene            sinnvoll sind, wenn sie teuer sind.
     wenn Sie Prognosen aufstellen?              Glaubwürdigkeit aufpassen. Mir war
                                                 schnell klar, dass die Aufräumarbeiten      Wiebke Zimmer, wie ist es in Ihrem
     Michael Sailer: Das kommt darauf an,        Jahrzehnte dauern würden. Aber hätte        Fachgebiet, dem Verkehrssektor? Ha-
     ob wir über die Grundlinien oder De-        ich das eine Woche nach dem Unglück         ben Sie auch das Gefühl, dass Sie nicht
     tails sprechen. Bei den Grundlinien bin     gesagt, hätte mir keiner geglaubt.          genug auf Dinge hinweisen?
17

Wiebke Zimmer: Eigentlich nicht. So         Sailer: Auch die Energiewende war            das immer wieder in den Vordergrund
weisen wir zum Beispiel schon sehr lan-     schlussendlich nur so gut möglich, weil      zu rücken?
ge darauf hin, dass hier einfach nicht      es entsprechende Bewegungen schon
genug passiert. Wir zeigen immer wie-       für Jahrzehnte in der Bevölkerung gab.       Zimmer: Ich denke, wir müssen immer
der, dass wir so ziemlich alle Nachhal-                                                  wieder zeigen, welche Ziele mit Nach-
tigkeitsziele verfehlen werden, wenn        Zimmer: Wir fragen uns im Bereich oft,       haltigkeit verbunden sind – weniger
wir so weitermachen wie bisher.             wo man konkret ansetzen kann. Vor            Emissionen, weniger Lärm, weniger Res-
                                            zwei Jahren hätte ich noch gesagt:           sourcenverbrauch zum Beispiel – und
Wenn Sie sehr ambitionierte Szena­          Man muss am großen Rad drehen. In-           dann die richtigen Rahmenbedingun-
rien entwickeln – für wie realistisch       zwischen denke ich: Wenn man eine            gen setzen. Das heißt auch: Die noch im-
halten Sie deren Eintreten?                 sichtbare Akzeptanz in der Bevölkerung       mer bestehende Lücke zwischen dem,
                                            will, muss man die Vision einer lebens-      was die Menschen wichtig finden – zum
Zimmer: Ich denke schon, dass es realis-    werten Stadt erlebbar machen. Muss           Beispiel den Klimaschutz – und dem,
tisch ist, dass der Verkehr nachhaltiger    den Menschen zeigen, dass es wirklich        was sie dann auch bereit sind, dafür zu
wird. Doch dafür muss sich das Mobili-      ein Mehr an Lebensqualität bedeutet,         tun, zu schließen. Zum Glück ist in vielen
tätsverhalten grundsätzlich ändern und      wenn weniger Autos unterwegs oder            Sektoren in punkto Klimaschutz schon
ob die Menschen ihre Einstellung zum        geparkt sind und es dadurch mehr             sehr viel passiert. Davon brauchen wir
Auto ändern werden, lässt sich leider       Raum für andere Dinge gibt. Dann traut       mehr, getragen von ökonomischen An-
nur schwer vorhersehen. Wir müssen          sich die Politik vielleicht auch, Verände-   reizen und auch Verboten.
wegkommen vom autozentrierten Sys-          rungen herbeizuführen.
tem. Die Politik scheut sich aber, stren-
ge Vorgaben für Pkw zu machen oder          Was kann das Öko-Institut tun, damit
die Pkw-Nutzung zu verteuern, weil sie      diese Vision Realität wird?
um Wählerstimmen fürchtet. In der In-
dustrie bewegt sich inzwischen etwas,       Zimmer: Das Spannende ist doch: Da,
weil andere Länder vorangehen, aber         wo wirklich etwas passiert, wo es heute
der notwendige umfassende Struktur-         schon tolle Vorzeigeprojekte gibt, sitzt
wandel stößt immer noch auf Wider-          immer jemand in der Verwaltung, der
stand.                                      aus eigenem Antrieb versucht, diese
                                            Vision Wirklichkeit werden zu lassen.
                                            So zum Beispiel in Bremen, wo dadurch
                                            das Thema Carsharing einen enormen
                                            Schub bekommen hat.

                                            Sailer: Unsere Rolle ist es, genau solche
                                            Bewegungen zu stabilisieren. Wir sind
                                            uns dessen bestimmt oft gar nicht so
                                            bewusst, aber wir helfen diesen Men-
                                            schen dadurch, dass sie sagen können:
                                            Das ist alles wissenschaftlich erwiesen.     Sailer: Verbote gelingen allerdings nur
                                            Das ist notwendig. Und das geht.             in einem Klima, in dem sie auch politisch
                                                                                         durchsetzbar sind. Zu diesem Klima hat
                                            Zimmer: Wichtig ist auch, dass wir in        das Öko-Institut oft beigetragen. Man
                                            viele Bereiche gute Kontakte haben, in       darf sich niemals dem Pessimismus hin-
                                            die Industrie und die Politik, aber auch     geben zu sagen: Die Welt ist schrecklich
                                            in Verbände, Verwaltung und Zivilge-         und war schon immer schrecklich und
                                            sellschaft. Dadurch übernehmen wir zu-       ich kann nichts dagegen tun.
                                            sätzlich zu unserer wissenschaftlichen
                                            Kompetenz eine Vernetzungsrolle.             Wie schafft man es, diesem Pessimis-
Wie lässt sich dann etwas verändern?                                                     mus zu begegnen?
                                            Sailer: Ja, wir bringen Menschen aus un-
Zimmer: Mir machen vor allem Dinge          terschiedlichen Ecken zusammen, zum          Sailer: Man muss ihn sich bewusst ma-
auf lokaler Ebene Mut, die aus der Zi-      Beispiel bei der Jahrestagung zum The-       chen, darüber diskutieren. Aber vor al-
vilgesellschaft kommen – so etwa der        ma Ressourcen. Diese Plattformrolle ist      lem auch die positiven Dinge hervorhe-
Volksentscheid Fahrrad, der in Berlin in    sehr zentral für uns. In dem Sinne, dass     ben. Unsere 40-Jahres-Feier ist ein gutes
Sachen Radverkehr wirklich was auf die      sich Menschen bei uns miteinander un-        Beispiel dafür. Wir blicken im Jubiläums-
Beine gestellt hat und der Politik zeigt,   terhalten können. Und das bekommen           jahr zurück auf das Erreichte und sehen:
dass man nicht alle Wähler verlieren        wir schon seit 30, 35 Jahren sehr gut hin.   Wir sind ein toller Laden. Ich glaube, das
muss, wenn man die Privilegierung des                                                    macht sehr viel aus, auch für die Jünge-
Pkw reduziert.                              Sie haben sich dem Thema Nachhal-            ren, in einem Institut zu sein, das schon
                                            tigkeit verschrieben. Wie gelingt es,        so viel im Sinne der Umwelt bewegt hat.
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     Grußwort

     Im Internetangebot des Öko-Instituts findet sich eine Studie      dem Institut wollen wir Bürgern helfen, wissenschaftliche Un-
     des Sozialwissenschaftlers Jochen Roose zum 25-jährigen Ju-       terstützung für ihre Verfahren zu gewinnen, indem wir Gut-
     biläum des Öko-Instituts. Ich kann den Text nur zur Lektüre       achten liefern und Sachverständige vermitteln“, so heißt es in
     empfehlen. Aus heutiger Sicht, zum 40-jährigen Jubiläum, ist      der Gründungserklärung des Öko-Instituts.
     das letzte Kapitel interessant, in dem Roose im Jahr 2002 „in
     die Glaskugel“ blickt und dort Szenarien zur Zukunft des Öko-     Wissenschaftliche Gegenöffentlichkeit für mehr Umwelt-
     Instituts entwirft. Heute können wir das „Niedergangs-“ und       schutz – das mag damals vielen blauäugig vorgekommen
     „Radikalisierungsszenario“ Gott sei Dank verwerfen. Der Wirk-     sein. Aber es erwies sich als erfolgreicher Weg, übrigens auch
     lichkeit am nächsten kommt das „Normalisierungsszenario“ –        außerhalb der Atomdebatte.
     und es ist nicht das schlechteste. In der Tat: Das Öko-Institut
     hat heute einen wichtigen Platz gefunden, es prägt die Um-        Das Gelände des AKW Wyhl ist heute ein Naturschutzgebiet,
     weltdebatte mit und setzt sehr wichtige Impulse.                  der Ausstieg aus der Atomenergie ist beschlossen. Im März
                                                                       dieses Jahres hat die Bundesregierung einen Entwurf zur No-
     Dieser Erfolg war vor 40 Jahren nicht abzusehen. Das Öko-In-      vellierung des Standortauswahl-Gesetzes für die Atommüll-
     stitut hat, wie übrigens auch das Bundesumweltministerium,        Lagerung vorgelegt. Damit sind wir dem Ziel einen großen
     seine Wurzeln in der Debatte um die Atomkraft. Es ging aus        Schritt näher gekommen, einen politischen Großkonflikt zu
     dem Widerstand gegen den Bau des Kernkraftwerks Wyhl im           beenden, der unser Land für Jahrzehnte in Atem gehalten hat.
     Breisgau hervor. Der Widerstand gegen Wyhl war innerhalb          Das Öko-Institut wird uns Politikerinnen und Politiker weiter
     der Anti-Atom-Bewegung ein besonderer, nicht nur wegen            dabei kritisch begleiten, auch bei den anderen für unsere Zu-
     seines schlussendlichen Erfolges. Er war geprägt von einer        kunft so wichtigen Umweltthemen, vom Klimaschutz bis zum
     klaren Strategie der Gewaltlosigkeit und einer außergewöhn-       nachhaltigen Konsum.
     lichen Verankerung in der Bevölkerung vor Ort. Trotz erster
     Erfolge vor Gericht zeigte sich damals, dass es die Bürger­       Dr. Barbara Hendricks
     initiativen mit einer geschlossenen Abwehrfront aus Exper-        Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und
     ten aus Verwaltung und Industrie aufnehmen mussten. „Mit          Reaktorsicherheit
19

Das Öko-Institut in Zahlen
                 An
                      3     Standorten ist das Öko-Institut 2017 vertreten.

                               169             sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeiten insgesamt am Öko-Institut.

               118         Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen für das Institut.

                                 74            Männer und
                                                             95              Frauen sind für das Öko-Institut tätig.

In Freiburg gibt es
                      63      , in Darmstadt
                                                 50          und in Berlin
                                                                                56           Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

                                         382             Projekte wurden 2016 bearbeitet.

                      40     Studien und Veröffentlichungen wurden seit 2000 von der Stiftung Zukunftserbe finanziert.

                                    Knapp eine     1
                                                      /2        Million Euro wurden dafür seit 2000 aufgebracht.

                                 Die größte Mitgliederzahl wurde 1993 erreicht:
                                                                                       5.139

                                        16,95                 Millionen Euro Umsatz machte das Öko-Institut im Jahr 2016.
eco@work – Juni 2017 – ISSN 1863-2009 – Herausgeber: Öko-Institut e.V.
Redaktion: Mandy Schoßig (mas), Christiane Weihe (cw), Prof. Dr. Rainer Grießhammer –
Verantwortlich: Michael Sailer
Druckauflage: 2.800; digitale Verbreitung: rund 7.000 Abonnenten – Im Internet verfüg-
bar unter: www.oeko.de/epaper
Gestaltung/Layout: Tobias Binnig, www.gestalter.de – Technische Umsetzung: Markus
Werz – Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier
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