Digitalisierungsbericht - AUDIO - Medienanstalten

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Digitalisierungsbericht - AUDIO - Medienanstalten
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Digitalisierungsbericht

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Digitalisierungsbericht - AUDIO - Medienanstalten
Digitalisierungsbericht 2021
Audio
Digitalisierungsbericht - AUDIO - Medienanstalten
Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Publikation in der
Regel das generische Maskulinum verwendet. Die Angaben beziehen
sich immer auf Angehörige aller Geschlechter.

Herausgeberin
die medienanstalten — ALM GbR
Friedrichstraße 60
10117 Berlin

Tel: + 49 30 206 46 90 - 0
Fax: + 49 30 206 46 90 - 99

E-Mail: info@die-medienanstalten.de
Website: https://www.die-medienanstalten.de

Verantwortlich
Dr. Wolfgang Kreißig – Vorsitzender der Direktorenkonferenz
der Landesmedienanstalten (DLM)
Thomas Fuchs – Koordinator des Fachausschusses Netze,
Technik, Konvergenz der ZAK/DLM

Redaktion
Uwe Haaß
Gemeinsame Geschäftsstelle der Medienanstalten, Berlin

Copyright © 2021 by
die medienanstalten – ALM GbR

Bildnachweise
Illustrationen: © Rosendahl Borngräber GmbH, Damien Cauzard
S. 4, Foto Dr. Wolfgang Kreißig: Landesanstalt für Kommunikation
S. 4, Foto Thomas Fuchs: Achim Multhaupt
S. 62, Foto Dr. Simon Berghofer: Jens Jeske
S. 62, Foto Ruth Meyer: Margarethe Singer
S. 63, Foto Regina Deck: Andreas Grzesiak
S. 63, Foto Siegfried Schneider: C- Hag Gabriele Hartmann
S. 64, Foto Dr. Kristian Kunow: Falk Weiß
S. 64, Foto Helmut G. Bauer: Jörg Wagner

Stand: September 2021
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-948350-06-2

Design, Bildkonzept, Illustrationen und Satz
Rosendahl Borngräber GmbH
Website: www.rosendahl-berlin.de

Druck
PIEREG Druckcenter Berlin GmbH
Digitalisierungsbericht - AUDIO - Medienanstalten
Digitalisierungsbericht 2021
Audio

herausgegeben von
die medienanstalten – ALM GbR
Digitalisierungsbericht - AUDIO - Medienanstalten
Vorwort

                          Dr. Wolfgang Kreißig
                                                                                         Thomas Fuchs
                          Vorsitzender der Direktorenkonfe-
                          renz der Landesmedienanstalten                                 Fachausschuss Netze, Technik,
                          (DLM)                                                          Konvergenz der ZAK / DLM

Als vor 10 Jahren der erste bundesweite DAB+-Mul-             sich die Digitalisierung im Hörfunk , die damit zu-
tiplex mit den Angeboten des Deutschlandradios                nehmend an Bedeutung gewinnt. In seinem Gast-
und 10 privaten Programmen gestartet wurde, war               beitrag blickt Helmut G. Bauer auf die letzten
dies aus heutiger Sicht ein mutiger Schritt. Inno-            10 Jahre zurück und gibt einen Ausblick auf die
vative Programme wie 90elf hatten erstmals die                Weiterentwicklung der Hörfunklandschaft. Daran
Chance, vom Sendebeginn an in vielen Städten                  anknüpfend, analysiert Ruth Meyer in ihrem Essay
gleichzeitig einen terrestrischen Radioverbrei-               das Revival der Hörmedien in der Gesellschaft, fo-
tungsweg zu bekommen. Insgesamt, aber auch                    kussiert auf das auditive Erlebnis an sich und da-
wegen der sich parallel entwickelnden Hörfunk-                durch losgelöst von Systemen oder Geräten.
Apps auf Smartphones, stiegen die Geräteausstat-
tung und Nutzung des digitalen Hörfunkempfangs                Durch die Einführung der Digitalradiopflicht seit
jenseits des analogen UKW-Radios stetig an. Mit               Januar 2021 und die starke Nachfrage bei Geräten
dem Ausbau in der Fläche, den ergänzenden regi-               der Heimelektronik stieg der Absatz digitaler Radios
onalen Multiplexen der öffentlich-rechtlichen und             innerhalb eines Jahres um mehr als 5 Millionen auf
privaten Veranstalter sowie dem im letzten Jahr               fast 22 Millionen. Dies und weitere Ergebnisse stellt
gestarteten zweiten bundesweiten Multiplex nah-               Dr. Simon Berghofer aus dem dies­jährigen For-
men und nehmen die Digitalisierung und parallel               schungsbericht zur Digitalisierung des Hörfunks in
die Programmvielfalt kontinuierlich zu. Nicht revo-           Deutschland dar.
lutionär, sondern kontinuierlich linear, entwickelt

4
Bereits zum vierten Mal wurde in diesem Jahr der    der Landesmedienanstalten in Bezug auf die Hör-
Online Audio Monitor erhoben. Die Ergebnisse wer-   funkregulierung. Die Einordnung von neuen Gerä-
den von Regina Deck und Dr. Kristian Kunow erläu-   teklassen wie z. B. Smart Speaker sowie die Einhal-
tert. Die Online-Audio-Nutzung von Webradio und     tung der Diskriminierungsfreiheit und Chancen-
Podcasts hat dabei durch die anhaltende Pande-      gleichheit auf diesen Systemen stellen uns vor
mie-Situation einen zusätzlichen Schub erfahren,    neue Herausforderungen. Zudem wurde die Zulas-
immer stärker auch bei älteren Zielgruppen. Auch    sungspflicht für private Veranstalter in einigen Fäl-
Smart Speaker gewinnen als Online-Audio-Abspiel-    len aufgehoben. Dies alles sind zeitgemäße Anpas-
geräte zunehmend an Relevanz, weil sie in immer     sungen der Regulierung an eine sich verändernde
mehr Haushalten in immer größerer Zahl genutzt      Hörfunkwelt, die auch im kommenden Jahr weiter
werden. Den in diesem Bereich zu erwartenden        voranschreiten wird.
Weiterentwicklungen widmet sich Siegfried
Schneider in seinem Update zu seinem letztjähri-
gen Beitrag zum Thema Auffindbarkeit bei Smart
Speakern.

Aber auch bei der Regulierung sind Veränderungen
zu verzeichnen. Mit dem neuen Medienstaatsver-
trag ändern und erweitern sich auch die Aufgaben

                                                                                                       5
6
Inhalt

10 Jahre bundesweiter privater Hörfunk                                  9
Bilanz und Ausblick
Helmut G. Bauer

Diversität im Audiomarkt oder warum Audio Zukunft hat                   16
Ruth Meyer

Smart Speaker: ohne Umwege zum Privatradio?                             20
Update 2021
Siegfried Schneider

Daten & Fakten zur Digitalisierung in Deutschland

Stand und Entwicklung der Digitalisierung des Hörfunks in Deutschland   24
September 2021
Dr. Simon Berghofer

Methodik                                                                36

Kein Ende von Sturm und Drang – Online-Audio wird erwachsen             38
Ergebnisse des Online-Audio-Monitors 2021
Regina Deck / Dr. Kristian Kunow

Die Aufgaben der Landesmedienanstalten im Hörfunk                       59

Autoren                                                                 62

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10 Jahre bundesweiter
privater Hörfunk
Bilanz und Ausblick
Helmut G. Bauer

Die Hörfunklandschaft hat sich in den letzten 10 Jah-   Am 5. Oktober 2020 startete der zweite bundes-
ren stärker verändert als in den vorausgegange-         weite DAB+-Multiplex mit aktuell 14 Programmen
nen 28 Jahren seit der Einführung des privaten Hör-     privater Anbieter. Für die meisten Hörerinnen und
funks im Jahr 1984. Die Zahl der ausgestrahlten Ra-     Hörer sind die bundesweiten Angebote neu, weil
dioprogramme hat sprunghaft zugenommen. Viele           die Programme extra für die bundesweite Verbrei-
Veranstalter und neue Anbieter verbreiten inzwi-        tung entwickelt wurden oder in ihren Regionen
schen ihre UKW- und neue Programme über DAB+.           bislang nicht empfangen werden konnten.
Gleichzeitig werben Audio-Angebote wie Webradios,
Podcasts und Musikstreamingdienste um die Auf-          Der Start des zweiten bundesweiten DAB+-Multi-
merksamkeit der Hörerinnen und Hörer. Smart Spea-       plex (Bundesmux) hatte sich verzögert, weil gleich
ker ermöglichen dazu einen einfachen Zugang. Viele      3 Unternehmen die Plattform betreiben wollten.
Beobachter haben einen „Audio-Boom“ ausgemacht.         Nach einem Rechtsstreit eines unterlegenen Be-
Trotz der zunehmenden Konkurrenz dominiert der          werbers mit der Sächsischen Landesmedienan-
klassische Hörfunk mit großem Abstand die Audio-        stalt, die für alle Landesmedienanstalten das bun-
nutzung.                                                desweite Verfahren durchgeführt hatte, wurde
                                                        nach einer außergerichtlichen Einigung Antenne
                                                        Deutschland lizenziert, ein Gemeinschaftsunter-
Bundesweite Programme: ein Schub                        nehmen von Media Broadcast und Absolut Digital.
für die DAB+-Entwicklung                                Mit der Akquisition der Programme wurde das neu
Am 1. August 2011 startete in Regensburg der ers-       gegründete Unternehmen National German Radio
te bundesweite DAB+-Multiplex mit 9 Program-            beauftragt.
men privater Veranstalter und 4 des Deutschland-
radios. Die Programme wurden zum Start über 27          Das Vertrauen in den Erfolg von DAB+ ist groß. Alle
Sender in Ballungsräumen ausgestrahlt. Inzwi-           privaten Veranstalter auf dem ersten Bundesmux
schen können sie über 140 Senderstandorte nahe-         haben von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihre
zu überall in Deutschland empfangen werden.             Zuweisungen und die Verträge mit der Media

                                                                                                         9
10 Jahre bundesweiter privater Hörfunk

Broadcast um 10 Jahre bis 2031 zu verlängern. Die                      ten. Sie strahlen nicht nur ihre 56 UKW-Programme
Veranstalter Absolut, Energy und REGIOCAST, die                        simulcast terrestrisch digital aus, sondern im Rah-
bereits Programme auf dem ersten Multiplex ver-                        men der jeweiligen landesgesetzlichen Ermächti-
breiten, sind auch beim zweiten Bundesmux en-                          gungen auch 17 neue Programme. Spitzenreiter ist
gagiert. Absolut ist an der Plattform beteiligt und                    der Norddeutsche Rundfunk mit 11 DAB+-Program-
mit den Programmen Absolut HOT, Absolut Bella,                         men. Da die Multiplexe der Rundfunkanstalten
Absolut TOP und Absolut Oldie vertreten, die REGI-                     nicht überall mit ihren Programmen ausgefüllt
OCAST mit dem Programm 80s80s und Energy mit                           sind, verbreiten sie in mehreren Ländern auch Pro-
Nostalgie.                                                             gramme privater Anbieter. Bis auf Mecklenburg-
                                                                       Vorpommern und Niedersachsen gibt es in allen
                                                                       anderen Ländern zudem DAB+-Multiplexe privater
DAB+-Ausbau in den Ländern                                             Veranstalter. In NRW, Thüringen und dem Saarland
Gestützt wird die bundesweite Entwicklung durch                        werden die ersten im Laufe des Jahres starten. In
den Ausbau von DAB+ in den Bundesländern. Die                          den Ballungsräumen Berlin und Hamburg ist die
Landesrundfunkanstalten haben ihre DAB+-Sen-
dernetze aufgebaut, die sie schrittweise verdich-

Tab. 1

Hörfunkprogrammstatistik 2021
Länder                          UKW       UKW         DAB+    DAB+      gesamt   ARD-Anstalten            UKW     DAB+      gesamt
                              landes-     lokal     landes-    lokal                                    landes-
                                 weit                  weit                                                weit

Baden-Württemberg                   1       19          13        0        20    BR (BY)                     5      10         10
Bayern                              1       64           6       75        88    hr (HE)                     6       6          6
Berlin-Brandenburg                21          6         30        0        41    MDR (SN, ST, TH)            7      10         10
Bremen                              5        2           9        0        12    NDR (HH, MV, SH, NI)        8      11         11
Hamburg SH                        10         6      18/33*       11        18    RB (HB)                     5       6          4
Hessen                              5        3          10        0         9    rbb (BE, BB)                7      13          6
Mecklenburg-Vorpommern              2        5           0     0/1*         2    SR (SL)                     4       6          5
Niedersachsen                       3        8           0        0        11    SWR (BW, RP)                8       8          8
NRW                                 1       44       0/16*        0        44    WDR (NRW)                   6       9          9
Rheinland-Pfalz                     3       17           3        8        27
Saarland                            3        6           0        0         9
Sachsen                             4       22           1       25        37
Sachsen-Anhalt                     4         2           6        0         6
Thüringen                           3         1      0/10*        0         4
Terrestrisch in den Ländern verbreitete Programme                         315    gesamt                                        70

                                          UKW        DAB+               gesamt                           UKW      DAB+      gesamt

Bundesweite Programme                                   23                 23    Deutschlandradio            2       4          4
Private gesamt                                                            338    Ö-R gesamt                                    74

Landesweit oder lokal über den jeweiligen Verbreitungsweg empfangbare Programme; Summen jeweils bereinigt um Doppelungen,
z. B. Multicastausstrahlungen über UKW und DAB+. In mehreren Ländern verbreitete Programme zählen in der Summe einfach.
* Zuweisung oder Betriebsstart im Herbst 2021 geplant, Quelle: Landesmedienanstalten, Stand: Juni 2021.

10
10 Jahre bundesweiter privater Hörfunk

Nachfrage nach DAB+- Übertragungskapazitäten            me empfangbar. Der Wegfall der Frequenzknapp-
so groß, dass gleich zwei Multiplexe mit Program-       heit hat viele neue Programmformate ermöglicht.
men privater Veranstalter belegt werden können.         In der Startphase war das Fußballradio 90elf, das
                                                        bis 2013 die Spiele der Fußballbundesliga der Her-
Die Möglichkeit der digitalen terrestrischen Ver-       ren in voller Länge live und zusätzlich im Rahmen
breitung nutzen neue oder UKW-Radioveranstalter         einer Konferenz übertragen hat, ein programmli-
für Programme, die wegen fehlender UKW-Fre-             ches Highlight.
quenzen nicht terrestrisch verbreitet werden konn-
ten. Bei der Belegung der Multiplexe kommt es im-       Inzwischen gibt es bundesweite und länderüber-
mer wieder zu Veränderungen, entweder weil ein          greifende Spartenprogramme wie die Kinderradios
Veranstalter den Sendebetrieb wegen wirtschaft-         TOGGO Radio und Radio Teddy, Schlagerformate
licher Schwierigkeiten einstellt oder weil er auf ei-   wie Schlagerparadies und Schlagerradio, Rockfor-
nen anderen Multiplex mit einem größeren Sen-           mate wie Radio Bob! und Rock Antenne, ein Sport-
dernetz wechselt.                                       radio Deutschland, ein Programm eigens für Frau-
                                                        en, ein Programm mit Filmmusik oder christliche
Mit der steigenden Anzahl an DAB+-Programmen            Radioprogramme.
wächst der Druck auf alle privaten UKW-Veranstal-
ter, ihre Programme über DAB+ anzubieten, um
keine Wettbewerbsnachteile zu erleiden. Am wei-         Erste UKW-Frequenzen abgeschaltet
testen fortgeschritten ist die DAB+-Entwicklung in      Ob wie in Norwegen 2017 oder wie in der Schweiz
Bayern. Dort sind mit finanzieller Unterstützung        2024 geplant, UKW abgeschaltet wird, ist zurzeit
der BLM seit 1. April 2021 alle lokalen UKW-Pro-        nicht in der Diskussion. Das im Telekommunikati-
gramme in ihrer Region über DAB+ zu empfangen.          onsgesetz für Ende 2015 bestimmte Abschaltda-
Da die Zahl der DAB+-Radiogeräte kontinuierlich         tum wurde 2011 ersatzlos gestrichen. Politik und
wächst, können sich Hörerwanderungen zu digi-           Veranstalter stimmten darin überein, dass jeder
talen Programmen von Konkurrenten spürbar auf           Veranstalter selbst entscheiden soll, ob und wann
die Reichweiten und damit auf die Werbeeinah-           er seine UKW-Verbreitung einstellt.
men auswirken.
                                                        Unter besonderem Druck stehen die ARD-Anstal-
                                                        ten und das Deutschlandradio. Die KEF hat die Auf-
Vielfältiges Programmangebot                            wendungen für die Programmverbreitung über
In Deutschland werden zurzeit 412 Hörfunkpro-           UKW und DAB+ zusammengefasst und gedeckelt.
gramme terrestrisch ausgestrahlt, 312 davon auch        Die öffentlich-rechtlichen Veranstalter werden mit-
über DAB+. Die Anzahl der in den einzelnen Regi-        telfristig nicht mehr in der Lage sein, beide terres-
onen verfügbaren Programme zeigt die sog. Heat-         trischen Verbreitungswege zu finanzieren. 2018 hat
map (siehe Abb. 1). Schwerpunkte sind Berlin, Bay-      Deutschlandradio begonnen, schrittweise einzel-
ern, das Rhein-Main-Gebiet und der Raum Leipzig-        ne UKW-Sender abzuschalten, wenn die Gebiete
Halle. Aber auch in den Teilen Deutschlands, in de-     mit DAB+ versorgt waren. Auch Klassik-Radio und
nen das private DAB+-Sendernetz noch nicht              FFH haben bereits leistungsschwächere UKW-­
überall ausgebaut ist, sind mindestens 30 Program-      Sender zugunsten von DAB+ abgeschaltet. Zum

                                                                                                                11
10 Jahre bundesweiter privater Hörfunk

Abb. 1

Anzahl der verfügbaren DAB+-Programme

   bis 8 Programme      bis 29 Programme       bis 37 Programme   bis 43 Programme   bis 59 Programme   mehr als 59 Programme

Quelle: Institut für Rundfunktechnik, Stand: Januar 2021.

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10 Jahre bundesweiter privater Hörfunk

30. Juni 2021 wurden in Mittenwald die UKW-Sen-       Landesmedienanstalt genügend Radioveranstalter
der für insgesamt 7 Programme von Antenne Bay-        zur Belegung der Programmplätze finden. Dass
ern, Radio Oberland und des Bayerischen Rundfunks     dies kein Selbstläufer ist, zeigt das Saarland. Dort
abgeschaltet.                                         konnte ein Plattformbetreiber nicht genügend Ra-
                                                      dioveranstalter gewinnen und hat die Zuweisung
Ungeklärt ist, wie mit freigewordenen UKW-Fre-        zurückgegeben. Nach erneuter Ausschreibung und
quenzen umgegangen wird. Nach den Landesme-           Zuweisung beginnt nun ein anderer Plattformbe-
diengesetzen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Hes-      treiber mit dem Aufbau der Plattform.
sen werden sie grundsätzlich nicht mehr neu ver-
geben. Vergleichbares haben der Bayerische Rund-      Bei der Entscheidung über Einzel- oder Plattform-
funk und die BLM vereinbart. Auf der Ebene des        zuweisungen gibt es in den Ländern kein einheit-
Telekommunikationsgesetzes kann nach der No-          liches Bild. Bei der Einzelzuweisung entscheidet die
vellierung im Jahr 2021 in der Frequenzverordnung     Medienanstalt über jeden Programmplatz. Die Ent-
geregelt werden, wie „mit freiwerdenden Frequen-      scheidung über den Netzbetreiber treffen dann
zen für den analogen Hörfunk auf Ultrakurzwelle       nach Inkrafttreten des novellierten TKG die Veran-
zu verfahren ist“ (§ 89 TKG).                         stalter auf dem Multiplex gemeinsam oder, wenn
                                                      keine Einigung erzielt wird, die Bundesnetzagentur.
                                                      Bei der Plattformzuweisung wählt der Plattform-
Konkurrenz im Netz- und Plattformbetrieb              betreiber die Veranstalter und den Netzbetreiber
Nicht nur auf der Seite der Programme hat sich seit   aus. Beim ersten bundesweiten Multiplex haben
dem Start des ersten Bundesmuxes eine Angebots-       sich die Medienanstalten für Einzelzuweisungen,
und Anbietervielfalt entwickelt. Inzwischen gibt es   beim zweiten Bundesmux für einen Plattformbe-
neben der lange den Markt dominierenden Media         treiber entschieden.
Broadcast zahlreiche neue Netzbetreiber für den
Aufbau und Betrieb von UKW- und DAB+-Sender-
netzen. Auslöser für diese Entwicklung waren Ent-     Erfolge bei der Geräteausstattung und bei
scheidungen der Bundesnetzagentur zur Preisge-        der digitalen Radionutzung
staltung der Media Broadcast bei ihren UKW-Sen-       Über den Erfolg von DAB+ entscheiden die Höre-
dern. Sie haben dazu geführt, dass die Media Broad-   rinnen und Hörer. Voraussetzung ist der Besitz ei-
cast ihre UKW-Antennen verkauft hat. Neue             nes DAB+-Radiogeräts. Seit dem Start des ersten
Netzbetreiber haben die Möglichkeit genutzt, den      Bundesmultiplexes ist die Zahl der DAB+ Radioge-
Veranstaltern ihre Dienstleistungen für die analo-    räte in den Haushalten und den Pkw kontinuierlich
ge und digitale terrestrische Hörfunkverbreitung      angestiegen. Mit einer noch stärkeren Zunahme
anzubieten.                                           ist in den kommenden Jahren zu rechnen, nachdem
                                                      eine EU-Richtlinie vorgegeben hat ,,dass Autoradi-
Von den Netzbetreibern sind die Plattformbetrei-      os in neuen Pkw mit DAB+ ausgestattet sein müs-
ber zu unterscheiden, auch wenn ein Unternehmen       sen. In Deutschland gilt das seit dem 21. Dezem-
oft beide Funktionen übernimmt. Der Plattformbe-      ber 2020. Zusätzlich wurde bestimmt, dass in
treiber trägt die wirtschaftliche Verantwortung für
das Sendernetz und muss in Abstimmung mit der

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10 Jahre bundesweiter privater Hörfunk

­ ukunft alle haushaltsüblichen Radiogeräte eine
Z                                                        rechtzeitig Regelungen notwendig, damit die Ver-
Möglichkeit für den digitalen Radioempfang haben         anstalter Planungssicherheit haben. Die UKW-Fre-
müssen. (siehe S. 25 Abbildung 1)                        quenzen sollen nicht mehr für neue Angebote ver-
                                                         geben werden. „Wir waren uns aber einig, dass frei-
Die digitale Radionutzung über DAB+ und Internet         gewordene UKW-Frequenzen in Ausnahmefällen
hat sich in den vergangenen 10 Jahren ebenfalls          im Einvernehmen mit dem abgebenden Veranstal-
weiterentwickelt. Vergleicht man dies mit den Ent-       ter und den Bedarfsträgern zur Optimierung be-
wicklungen in Norwegen, Großbritannien und der           stehender UKW-Versorgung genutzt werden kön-
Schweiz, ist davon auszugehen, dass in rund 5 Jah-       nen“, so Rainer Poelmann. Dr. Ulrich Liebenow hebt
ren die Radionutzung über UKW weniger als 50             hervor, dass der Übergang nur gelingt, wenn er
Prozent betragen wird.                                   vom öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk
                                                         gemeinsam geplant und umgesetzt werde.

Rahmenbedingungen für die Migration                      Ein Hindernis beim DAB+-Engagement privater
Unter Leitung der Staatsministerin Dorothee Bär          Veranstalter sind die doppelten Verbreitungskos-
(Bundeskanzleramt) und der Staatssekretärin H   ­ eike   ten, ohne zugleich höhere Werbeeinahmen erzie-
Raab (Staatskanzlei Rheinland-Pfalz) hatte               len zu können. Angesichts des Einbruchs der Hör-
sich 2017 das Digitalradio Board aus Vertretern der      funkwerbung während der Coronapandemie zögern
Radioveranstalter und der Landesmedienanstalten          viele, in DAB+ zu investieren oder überlegen, die
auf den „Aktionsplan für die Transformation der          DAB+-Verbreitung zeitweise einzustellen. Um mit
Hörfunkverbreitung in das digitale Zeitalter“ ver-       den Rundfunkanstalten gleichziehen zu können,
ständigt. Wichtigster Punkt war die Einführung der       fordern Marco Meier (FFH) und Siegfried Schneider
Digitalradiopflicht, die es jetzt seit Dezember 2020     (BLM) die finanzielle Förderung der DAB+-Verbrei-
gibt.                                                    tung. Sie haben die DAB+-Verbreitungskosten für
                                                         den privaten Hörfunk aufgrund von Branchenan-
Zur Vorbereitung weiterer Entscheidungen wur-            gaben auf 60 Millionen Euro geschätzt. Der Bund
de 2020 eine Sondierungsgruppe ins Leben geru-           und die Länder seien gefordert, Mittel bereitzustel-
fen. Ihre Mitglieder setzen sich aus Entscheidern        len. Der neue Medienstaatsvertrag hat dazu die
privater und öffentlich-rechtlicher Veranstalter und     Möglichkeit geschaffen, weil die Befristung zur För-
der Landesmedienanstalten zusammen. In 4 Teams           derung der technischen Infrastruktur aufgehoben
mit jeweils einem Vertreter des öffentlich-rechtli-      wurde.
chen und des Privatfunks haben sie konkrete Vor-
schläge entwickelt. Dabei waren sie sich einig, dass     Wann für einen Veranstalter das Abschalten von
für die Transformation klare Rahmenbedingungen           UKW sinnvoll und möglich ist, hängt davon ab, wie
notwendig seien. Dazu gehöre eine Entscheidung,          viele Hörerinnen und Hörer Radio über einen digi-
wie mit UKW-Frequenzen verfahren wird, die ein           talen Verbreitungsweg hören. Voraussetzung sind
Veranstalter aufgeben will. Nach Auffassung der          dazu verlässliche Daten. Die Geräteausstattung
Autoren Rainer Poelmann (REGIOCAST) und Dr.              wird im Rahmen des jährlichen Digitalisierungs-
­Ulrich Liebenow (MDR) seien dazu in allen Landes-       berichts ermittelt. Die ma Audio liefert zwar zurzeit
 mediengesetzen und in der Frequenzverordnung            noch nicht alle notwendigen Kennziffern zur digi-

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10 Jahre bundesweiter privater Hörfunk

talen Radionutzung, nach Auffassung von Regina
Deck (BLM) und Olaf Hopp (Energy) sei man mitt-
lerweile aber auf einem guten Weg, unter dem
Dach der agma kurz- bis mittelfristig allgemein
anerkannte Nutzungsdaten bereitstellen zu kön-
nen.

Der Erfolg der digitalen Weiterentwicklung des
Hörfunks hängt neben den technischen und poli-
tischen Rahmenbedingungen auch davon ab, wie
gut der digital-terrestrische Standard DAB+ den
Markt durchdringt und von der Bevölkerung ange-
nommen wird. Deshalb sehen Stephan ­Schmitter
(RTL) und Stefan Raue (Deutschlandradio) alle Ra-
dioveranstalter in der Pflicht, gemeinsam und auf-
einander abgestimmt für DAB+ zu werben. Das
Digitalradio Büro Deutschland sei dafür eine geeig-
nete Plattform, die schon in der Vergangenheit er-
folgreich übergreifende Aktionen konzipiert und
organisiert hat.

Im nächsten Schritt werden Bund, Länder, Landes-
medienanstalten, ARD, Deutschlandradio und die
Verbände prüfen, ob und wie die vorgeschlagenen
Maßnahmen umgesetzt werden, um die Transfor-
mation von der analogen zur digitalen Radiowelt
zu gestalten und welchen Beitrag sie dazu leisten
können.

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Diversität im Audiomarkt oder
warum Audio Zukunft hat
Ruth Meyer

War noch in den 2010ern Video der Trendsetter, gibt   auditive Wahrnehmung. Mit dem Hören von Ge-
es längst ein spannendes Revival und neues Wachs-     schichten, Märchen oder Hörspielen in der Kindheit
tum im Audiosektor. Woher kommt dieser Trend,         bleiben intensive Gefühls- und Vorstellungswelten
wohin kann er führen und wie können wir diesen        verbunden.
vielfaltsrelevanten Zukunftsmarkt fördern?
                                                      Zuhören ist eine aktive kognitive Leistung. Zuhö-
                                                      rend erfasste Informationen erreichen unser Be-
Vom Hören                                             wusstsein schnell und intensiv und lassen parallel
Hören und Sehen, die beiden zentralen Sinnes-         Bilder entstehen, die – mal von eigener Erfahrung,
wahrnehmungen, bestimmen unsere Erfassung             mal von eigener Phantasie geprägt – zusammen
der Welt. Dem Hören kommt dabei schon entwick-        mit dem Audioeindruck oder der Textinformation
lungspsychologisch eine besondere Bedeutung zu:       oft besonders eindringlich und stimmig sind. Wer
Beim Embryo ist das Ohr das erste Wahrneh-            sich mit der Nutzung von Medien auseinander-
mungsorgan, welches sich entwickelt, und die ers-     setzt, kommt also kaum um eine Beschäftigung
ten Reaktionen Ungeborener offenbaren sich,           mit dem Hörsinn herum. Es sind genau diese per-
wenn ihre Eltern zu ihnen sprechen. Über den drei-    zeptiven Besonderheiten des Hörens, die Radio und
dimensionalen Hörsinn interpretieren wir nicht nur    Audiotonträger mit all ihren Genres ausmachen.
Geräusche, Stimmen und Laute, sondern auch Fre-
quenzen und Schwingungen. Dadurch vermitteln
sich existenzielle Orientierungspunkte, etwa un-      Bilderfluten
sere Lage im Raum genauso wie emotionale Sicher-      Im Zuge der Verbreitung des Fernsehens, weit mehr
heit.                                                 aber noch mit der rasanten Entwicklung der digi-
                                                      talen Medien, getrieben durch die Verfügbarkeit
Innerhalb der kindlichen Entwicklung ist das Hören    mobiler Endgeräte, ging zunächst die Bespielung
von zentraler Bedeutung für die kognitive Entwick-    der Displays einher. Medien kommen seither vor
lung insgesamt und den Spracherwerb im Beson-         allem visuell daher. Grafik, Brillanz, Schnitttechnik
deren: Längst, bevor wir lernen, uns lesend Texte     oder Animationen erzeugen beeindruckende Video­
zu erschließen, gelingt uns dies bereits über die

16
Diversität im Audiomarkt oder warum Audio Zukunft hat

welten und visuelle Feuerwerke – gelegentlich recht     Revival der Hörmedien
losgelöst davon, was der Audiokanal parallel be-        Mit modernen Medien wird die eingangs beschrie-
reits an Fülle liefert.                                 bene Eindringlichkeit des Hörens wieder verstärkt,
                                                        denn der Fokus liegt auf dem Auditiven. Hörbücher,
Im optimalen Fall ergänzen sich diese Inputs und        Podcasts, Social Audio und Audio Influencing,
führen zu einem vertieften Gesamteindruck oder          Smart Speaker, In Ears, …: Audio-Angebote und
besseren Verständnis des Inhalts – allzu oft benö-      -endgeräte überbieten sich an Menge, Funktiona-
tigen informative oder unterhaltende Hörein­            lität und Coolness. Kontemplativer, persönlicher
drücke diese reichhaltige Bebilderung jedoch gar        und tiefgehender wirken diese Formate und bergen
nicht oder werden hiervon sogar nachteilig über-        damit auch spezifische Chancen und Risiken hin-
lagert. Die TV-Nachrichtenforschung der 2000er          sichtlich Beeinflussbarkeit, inhaltlicher Qualität,
etwa hat den damals vor allem in privaten Sendern       Marktentwicklung, Regulierung oder Medienkom-
gepflegten effekthascherischen Formaten – wer           petenz.
sich erinnert: komplexe Inhalte, schnell artikuliert,
mit Musikteppich hinterlegt, dazu vielfältige Bild­     In den folgenden vier Thesen werden mögliche Ur-
elemente – jedenfalls attestiert, dass Anstrengun-      sachen dieses Revivals der Hörmedien skizziert:
gen, die Sender im Kampf um Bilder betrieben,
zwar hohen Aufwand, kaum jedoch einen wirkli-           • Social Audio kompensiert Come-together: Das
chen Mehrwert für die Zuschauer bedeuteten.               gesprächshafte „Miteinander“ verlagert sich zu-
Fraglos gelingt die Synthese von Text und Bild heu-       nehmend auf die virtuelle Ebene – diese Entwick-
te insgesamt deutlich besser, wenn es z. B. darum         lung wurde zusätzlich gepusht durch Corona.
geht, komplexe Informationen kompakt zu vermit-         • Neue Werbemärkte durch Audio Influencing:
teln. Hilfreich ist hierfür aber auch, dass der Zeit-     Marken nutzen auditive Community-Plattfor-
punkt der Informations­aufnahme zunehmend                 men, da durch sprechend-zuhörende Interaktion
selbst gewählt werden kann – Wiederholungen               die Markenbindung gesteigert werden kann.
eingeschlossen – und dass dank Crossmedialität          • Hören ist das neue Lesen: Auditive Podcasts und
auf ergänzende oder vertiefende Informationen             Hörbücher florieren, weil sie dank mobiler End-
auf die Homepages der Sender verwiesen werden             geräte parallel zu einer Vielzahl von Alltagstä-
kann.                                                     tigkeiten konsumiert werden können.
                                                        • Qualitativ hochwertiger Bildjournalismus hat
Zugegeben: Diese Analysen entstammen vorwie-              seinen Preis: Die Produktion von Bildmaterial ist
gend der Einschätzung von Baby Boomern oder der           grundsätzlich kostspielig.
Generation X, spätestens die Digtal Natives der Ge-
neration Z sind mit den multiplen Seh- und Hörein-
                                                        What’s next?
drücken der Multimediawelt groß geworden und
                                                        Vieles spricht für ein weiteres Aufleben von #Voice.
bringen völlig andere Erwartungen an die mediale
                                                        Medienhäuser entwickeln hierfür derzeit dezidier-
Gestaltung mit. Offensichtlich sind aber gerade sie
                                                        te Ansätze und auch in der Werbung hält der Voice-
heute dennoch – oder vielleicht sogar gerade des-
                                                        Trend wahrnehmbar Einzug. Ob dies gleichzeitig
halb – von „Audio pur“ fasziniert.
                                                        auch mehr Vielfalt bedeutet, bleibt abzuwarten.

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Diversität im Audiomarkt oder warum Audio Zukunft hat

Konnektivität über soziale Interaktion und gemein-      Es wäre lohnenswert, sich seitens der Landesme-
samen Genuss sowie der allgegenwärtige Zugang           dienanstalten diesen Phänomenen und Zusam-
zum mobilen Internet sind aktuell die zentralen         menhängen breiter zu widmen. Vielleicht als
Treiber für mobilen Audiokonsum. Hinzu kommt            Schwerpunktthema im nächsten Digitalisierungs-
der steigende Bedarf nach Individualisierung, der       bericht.
durch Mass Customization im Produktbereich und
Targeting im Servicebereich auch in Audio weiter
Raum greifen wird. Somit wachsen Nischenmärk-
te für das Besondere, aber auch neue Handlungs-
felder für die Medienaufsicht.

Medienregulierung Audio
Die Bedeutung von Empfehlungen durch Algorith-
men wird auch den Audiomarkt durchdringen und
deswegen aufmerksam zu analysieren sein. Trans-
parenz und Sorgfaltspflichten als wichtige Pfeiler
einer zukunftsorientierten Medienregulierung
werden gebraucht, um Vielfalt abzusichern. Unter
dem Stichwort „Human Recommendations“ setzen
bereits 2021 viele Medienunternehmen auf alter-
native Empfehlungsmethoden, um User aus ihrer
Bubble zu holen.

Zurzeit dreht sich die Diskussion in Deutschland
im Themenbereich Desinformation viel um sog.
„Deepfakes“. Audio-Manipulationen und Sprach-
synthese sollten dabei nicht unterschätzt werden:
Sprache transportiert oft einen Großteil der Infor-
mation und bietet daher zahlreiche Angriffsmög-
lichkeiten. Neben den oft diskutierten Deepfakes
auf Basis von Sprachsynthese spielen aber auch
„Shallowfakes“ eine wichtige Rolle. Sie sind einfach
zu erstellen und dennoch oft schwer zu erkennen.
Sowohl regulativ als auch durch die kontinuierliche
Vermittlung aktueller Medienkompetenz müssen
daher die Weichen gestellt werden, damit die öf-
fentliche Meinungsbildung nicht durch derart ma-
nipulierte Inhalte Schaden nimmt.

18
19
Smart Speaker: ohne Umwege
zum Privatradio?
Update 2021
Siegfried Schneider

Audio-Content über Sprachassistenten wächst ra-       Deutschen Telekom. Vor allem die Gespräche mit
sant. Auch die lokalen Radios liefern immer mehr      Amazon waren im vergangenen Jahr so positiv ver-
Inhalte, die über Smart Speaker abgerufen werden      laufen, dass die TKLM bereits 2021 auf einen Durch-
können. Ein Angebot, das ankommt und genutzt          bruch für mehr lokale und kulturelle Vielfalt durch
werden will: Smart Speaker spielen beim Radiohö-      eine verbesserte Auffindbarkeit von Radiosendern
ren also eine immer wichtigere Rolle. Das sind kurz   auf Smart Speakern gehofft hatte (vgl. Schneider,
zusammengefasst die wesentlichen Trends zum           Siegfried: „Auffindbarkeit über Smart Speaker –
Thema Sprachsteuerung aus dem neuen Online-           vertraue ich meinem Sprachassistenten?“, Digita-
Audio-Monitor der Medienanstalten.                    lisierungsbericht Audio 2020, Berlin 2020).

Doch sind alle Radioangebote, selbst Lokalradios,     Doch leider hat sich die Umsetzung, via Smart
auch ohne Umweg über sprachgesteuerte Systeme         Speaker ohne Umwege zum lokalen Lieblingssen-
zu finden? Bilden Smart Speaker die große lokale      der zu gelangen, verzögert. Wie ist aktuell der
und kulturelle Vielfalt auf dem deutschen Radio-      Stand? Wie geht es weiter? Ein Update.
markt wirklich ab? Oder gibt es technische Hürden
bei Sprachassistenten, die dem gleichberechtigten
Auffinden und der Ansteuerbarkeit von Hörfunk-        Radio Skills Kit weiter in der Testphase
programmen entgegenstehen?                            Viel Hoffnung hatte die TKLM in das von Amazon
                                                      entwickelte Radio Skills Kit als zusätzliches Werk-
Wir würden diese Fragen nicht stellen, wenn sie       zeug gesteckt, das seit 2018 mit der ARD Audiothek
bereits geklärt wären. Sie zu beantworten, bleibt     und RTL Radio getestet wurde. Nach Auskunft des
die große Herausforderung.                            Unternehmens soll es Radioveranstaltern eine ver-
                                                      besserte Interaktion mit den Endnutzern ermögli-
Die AG Smart Speaker der Technischen Konferenz        chen. Bislang sind viele Radioveranstalter auf eine
der Medienanstalten (TKLM) leistet ihren Beitrag      Integration über fremde Aggregatoren angewiesen
dazu. So befassen wir uns intensiv mit den techni-    (siehe Kasten).
schen Funktionen von Smart Speakern. Dazu ste-
hen wir in intensivem Austausch vor allem mit dem     Doch der hohe Individualisierungsgrad der Inte­
Marktführer Amazon, aber auch mit weiteren            gration von Hörfunkprogrammen macht die Sache
Marktteilnehmern wie Apple, Google oder der           schwierig, so das Fazit der ersten Testphase. Basie-

20
Smart Speaker: ohne Umwege zum Privatradio?

   Exkurs Aggregatoren

   Häufig verwenden Smart-Speaker-Anbieter zur Integration von Hörfunkprogrammen sogenann-
   te „Aggregatoren“. Das sind in der Regel weltweit tätige Unternehmen, die die Audio-Streams bei
   den Hörfunkveranstaltern „einsammeln“ und dann über ihre Plattform zur Verfügung stellen. Der
   Aggregator TuneIn bündelt die meisten – aber eben nicht alle – deutschen Radioangebote. Ist ein
   Hörfunk-Programm bei TuneIn vertreten, kann es auf Amazon Echo ohne Zutun der Nutzenden
   durch Aufrufen gestartet werden. Einerseits ist das ein sehr günstiger und komfortabler Vorgang
   für Anbieter von Audioinhalten – auf der anderen Seite birgt er aber auch Risiken. So sind zum
   Beispiel regional begrenzte Streamingrechte für deutsche Anbieter in der Regel nicht mit den
   Anforderungen eines global agierenden Unternehmens in Einklang zu bringen. Einschränkungen
   gegenüber der Bereitstellung von Streams auf eigenen Servern gibt es beispielsweise auch bei
   der Analyse der Nutzungszahlen oder der Vermarktung.

rend auf dieser Erkenntnis, wurde im Frühsom-         Das Ergebnis: In den meisten Fällen gibt es weder
mer 2021 ein erneuter Test durchgeführt, dessen       eine zeitliche noch eine örtliche noch eine auf in-
Ergebnis bei Redaktionsschluss noch nicht vorlag.     dividuelle Nutzungspräferenzen basierende unter-
                                                      schiedliche Auskunft bei der Beantwortung der ge-
Ziel ist es, den sogenannten „Onboarding-Prozess“,    stellten Testfragen. Häufig wird jedoch – auch auf
also die Aufnahme des Programms in die Routine        Nachfrage – keine Quelle zu abgefragten Informa-
des Smart Speakers, auch für kleine und mittelgro-    tionen angegeben. Auch ist die Benennung des Zu-
ße Hörfunkveranstalter zu erleichtern. Die Erkennt-   stellungsbevollmächtigten nicht in allen Fällen ge-
nisse aus dem zweiten Testbetrieb sollen dann voll    geben. Grund genug, diese Voruntersuchung in den
umfänglich allen Hörfunkanbietern zugutekom-          nächsten Monaten mit einem erweiterten Fragen-
men. Das sollte erhebliche Erleichterungen für die    katalog zu vertiefen.
Radioveranstalter mit sich bringen.
                                                      Die DLM untersucht aktuell die Rolle von Smart
Neben Gesprächen mit den Anbietern von Smart          Speakern mit Blick auf ihre Einordnung als Medien­
Speakern, die jeweils die Auffindbarkeit und Dar-     plattform, Medienintermediär oder Benutzerober-
stellung der Inhalte von privaten Hörfunkanbietern    fläche. Intensiv werden wir uns vor allem mit den
in Deutschland im Fokus hatten, beschäftigte sich     Punkten „diskriminierungsfreier Zugang und Auf-
die TKLM zudem mit weiteren Fragen zum Thema.         findbarkeit“ sowie „Transparenz und Verantwor-
                                                      tung (Ansprechpartner)“ befassen.

Stand der Regulierung                                 Ziel ist und bleibt, dass alle Angebote auch über
Im Rahmen einer Ad-hoc-AG der Landesmedien­           sprachgesteuerte Systeme direkt und ohne Umwe-
anstalten, bestehend aus Mitgliedern der TKLM         ge aufgefunden werden können und Plattformen
unter Leitung von Cornelia Holsten (brema) als The-   transparente Empfehlungssysteme nutzen. Für
menbeauftragte, wurde eine Voruntersuchung zu         mehr lokale Vielfalt im Sinne der Hörerinnen und
der Fragestellung „Welche Quellen nutzen Smart        Hörer.
Speaker, wie?“ initiiert.

                                                                                                            21
22
Daten & Fakten
zur Digitalisierung
in Deutschland

                      23
Stand und Entwicklung der
Digitalisierung des Hörfunks
in Deutschland
September 2021
Dr. Simon Berghofer

Die Digitalisierung der Hörfunkübertragung hat im       der Gesamtschau zwar weiterhin der am weitesten
letzten Jahr wieder einen Sprung nach vorne ge-         verbreitete Übertragungsweg für den Hörfunk, muss
macht. Sowohl DAB+ als auch Webradio spielen da-        aber bei der Haushaltsausstattung, der Zahl der Ra-
mit eine immer größere Rolle für den Radioempfang       diogeräte und beim meistgenutzten Empfangsweg
in Deutschland. UKW bleibt dominant, ist aber wei-      weitere Anteile an die digitale Radioübertragung
ter klar rückläufig. Das zeigen die Ergebnisse der im   abgeben.
Auftrag der Medienanstalten, ARD, Deutschland­
radio, Media Broadcast und Vodafone durch Kantar        Den kompletten Forschungsbericht zur Studie finden
durchgeführten bevölkerungsrepräsentativen Befra-       Sie hier: https://www.die-medienanstalten.de/
gung zur Hörfunkausstattung und -nutzung. Insge-        themen/forschung
samt finden sich in Deutschland mittlerweile mehr
als 20 Millionen DAB+-Empfänger, das sind gut
5 Millionen mehr als im Vorjahr. Damit hat die Zahl     Fast die Hälfte der Haushalte hat ein Radio­
der DAB+-Haushalte die Marke von 11 Millionen ge-       gerät mit digitalem Empfang
knackt, sodass im bundesweiten Durchschnitt mehr        Radioprogramme können in digitaler Qualität so-
als jeder 4. Haushalt über mindestens einen DAB+-       wohl über den terrestrischen Digitalstandard DAB+,
Empfänger verfügt. Neben DAB+ haben auch die            über Satellit und Breitbandkabel als auch über das
anderen digitalen Hörfunkübertragungswege im            Internet bzw. das IP-Protokoll empfangen werden.
Vergleich zum Vorjahr deutlich zugelegt. Mehr           Dafür werden digitale Empfangsgeräte wie DAB+-
als 46 Millionen Menschen in Deutschland empfan-        oder IP-Radios oder ein an das digitale Kabel oder
gen ihr Radioprogramm auch digital oder hören           Satellit angeschlossenes Empfangsgerät benötigt.
Webradio. Die Netto-Digitalisierungsquote steigt        Die Zahl der Haushalte in Deutschland mit min-
damit auf 66 Prozent. Das analoge UKW bleibt in         destens einem digitalen Radio­empfänger liegt bei

24
Stand und Entwicklung der Digitalisierung des Hörfunks in Deutschland

Abb. 1

Haushaltsausstattung mit Radiogeräten im Trend

Mind. eine Empfangsmöglichkeit
                                                                                                                             92,0
                                                                                                                                94,3
                                                                                                                                94,7
                                                                                                                                94,3
                                                                                                                                94,3

Digitalradio DAB+
                                         27,0
                                      24,3
                                 22,7
                        17,0
                   15,1

IP-Radio
                        16,8
                  14,3
             12,3
           10,9
           9,7

TV-Kabel/SAT
                                 22,1
                                  23,2
                                  22,9
                                  22,8
                                             27,7

UKW/analog
                                                                                                                      88,9
                                                                                                                         91,2
                                                                                                                             92,0
                                                                                                                             92,2
                                                                                                                              92,9

0%                                       25 %                        50 %                             75 %                             100 %

   2021          2020          2019          2018   2017

Jeweils mindestens ein Radiogerät der Empfangsart im Haushalt;
Basis: 39,672 / 40,219 / 40,350 / 40,684 / 40,768 Mio. Haushalte in Deutschland; n = 7.507 (2021).

                                                                                                                                        25
Stand und Entwicklung der Digitalisierung des Hörfunks in Deutschland

gut 18 Millionen, das entspricht 45 Prozent aller                       Ausstattung mit analogen Radiogeräten
Haushalte in Deutschland.1 Den größten Teil davon                       weiter rückläufig
machen Haushalte mit einem DAB+-Empfänger                               Im Zuge der Digitalisierung der Kabelnetze wurde
aus. Über 11 Millionen Haushalte verfügen über                          mittlerweile auch die analoge Hörfunkübertra-
mindestens ein Radio mit dem terrestrischen Di-                         gung im Kabel in weiten Teilen Deutschlands ein-
gitalstandard. Das sind gut 1,1 Millionen mehr als                      gestellt. Noch etwa 2 Prozent der Haushalte emp-
im Vorjahr und entspricht 27 Prozent aller Haushal-                     fangen ihr Radioprogramm analog über das Ka-
te in Deutschland. Die Zahl der DAB+-Haushalte                          belnetz. Im Rahmen der Vereinheitlichung ihrer
ist damit um gut 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr                       Kabelnetzstrukturen hat Vodafone bereits ange-
gestiegen und weiterhin auf einem soliden Wachs-                        kündigt, die analoge Radioverbreitung über Kabel
tumskurs.                                                               auch in den letzten verbleibenden Regionen vor-
                                                                        aussichtlich bis 2023 einzustellen.2
Auch die Ausstattung mit IP-Radiogeräten, also Ra-
dios, die das Programm über das Internet empfan-                        Dominanter analoger Empfangsweg bleibt, trotz
gen, hat weiter zugelegt. Knapp 6,9 Millionen                           Rückläufigkeit, nach wie vor die UKW-Übertra-
Haushalte bzw. 17 Prozent aller Haushalte in                            gung. Weiterhin verfügen knapp 89 Prozent der
Deutschland verfügen über ein solches Gerät. So-                        Haushalte in Deutschland über mindestens ein
wohl bei der Ausstattung mit DAB+ als auch bei                          UKW-Radio im Haushalt. Das sind gut 2 Prozent-
den IP-Radiogeräten sind 4,8 Millionen sogenann-                        punkte weniger als im Vorjahr, womit sich der rück-
ter Hybridgeräte berücksichtigt, die beide Emp-                         läufige Trend der letzten Jahre weiter bestätigt.
fangstechnologien beherrschen.                                          Dabei gilt es zu bedenken, dass in jedem Haushalt
                                                                        in Deutschland im Durchschnitt 4 Radiogeräte ste-
Der digitale Radioempfang über Kabel oder Satellit                      hen. Solange sich auch noch nur ein analoges
liegt weiterhin auf einem ähnlichen Niveau wie in                       Dusch- oder Küchenradio im Haushalt befindet,
den Vorjahren. In etwa jedem 9. Haushalt (11 Pro-                       wird dieser (auch) als UKW-Haushalt mitgezählt.
zent) steht ein Gerät mit digitalem Satellitenan-                       Die genauere Betrachtung zeigt aber, dass immer
schluss, über das Radioprogramme empfangen                              mehr analoge Radiogeräte in den Haushalten
werden. Ebenfalls 11 Prozent haben ihren Radio-                         durch digitale Empfänger ersetzt werden (siehe
empfänger mit einem digitalen Kabelanschluss                            hierzu auch die Analyse zu den Gerätezahlen wei-
verbunden. In beiden Fällen wird häufig das TV-                         ter unten).
Gerät für den Empfang von Radioprogrammen ver-
wendet, in einigen Haushalten wird auch die hei-
mische Stereo- oder Surroundanlage direkt mit                           DAB+-Haushalte nach Bundesländern:
dem digitalen Kabel- oder Satellitenanschluss ver-                      Bayern und Sachsen-Anhalt an der Spitze,
bunden.                                                                 Baden-­Württemberg geht in die Aufholjagd
                                                                        Die Haushaltsausstattung mit DAB+-Geräten va-
                                                                        riiert regional. In Relation zur Gesamtzahl der
                                                                        Haushalte im Bundesland betrachtet, nehmen
1 In der Haushaltsausstattung nicht berücksichtigt sind konvergente
  Endgeräte, z. B. Smartphones oder Tablets. Auf die Nutzung von
  Webradioprogrammen an solchen Geräten wird weiter unten und
  im Rahmen der Ausweisung der Netto-Digitalisierungsquote              2 Vgl. https://www.infosat.de/radio/vodafone-will-analoges-
  eingegangen.                                                            kabelradio-abschalten (05.08.2021).

26
Stand und Entwicklung der Digitalisierung des Hörfunks in Deutschland

Abb. 2

DAB+-Haushaltsausstattung nach Bundesland im Trend

Alle                                                                                    Niedersachsen, Bremen
                                       27,0                            11,018 Mio.                                    24,1                          1,027 Mio.
                                24,3                                                                                  23,9
                           22,7                                                                                  21,9

Brandenburg
                                                                                        Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein,
                               23,2 +13                                 0,293 Mio.      Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern
                         20,5                                                                                        23,2                           1,738 Mio.
                 16,4                                                                                                22,6

Berlin                                                                                                          21,0
                        20,3 +10                                        0,405 Mio.      Nordrhein-Westfalen
                   18,5                                                                                                24,3 +10                     2,094 Mio.
                  17,4                                                                                           22,0

Baden-Württemberg                                                                                                22,0
                                          29,5 +22                      1,541 Mio.      Rheinland-Pfalz, Saarland
                                24,1                                                                                        25,7                    0,620 Mio.
                                23,9                                                                                   24,1

Bayern                                                                                                          21,3
                                                     34,8 +12           2,199 Mio.      Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen
                                              31,0                                                                      25,3 +16                    1,367 Mio.
                                          29,7                                                                   21,9

Hamburg, Schleswig-Holstein                                                                                   19,5
                          21,6                                          0,521 Mio.      Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
                         20,5                                                                                                        31,2           1,371 Mio.
                        19,8                                                                                                  28,9

Niedersachsen                                                                                                        24,1
                                24,0                                    0,937 Mio.      0%         10 %             20 %              30 %   40 %        50 %
                                23,9
                          21,8                                                            2021     2020      2019      absoluter Wert (in Mio.)
                                                                                          Veränderung im Vergleich zum Vorjahr (in Prozent)
0%        10 %             20 %                30 %             40 %         50 %
                                                                                        Einige Bundesländer fallzahlbedingt nur zusammengefasst darstell-
                                                                                        bar; Basis: 40,350 / 40,684 / 40,768 Mio. Haushalte in Deutschland;
                                                                                        n = 7.507 (2021).

Bayern und Sachsen-Anhalt die Spitzenpositionen                                         eine überdurchschnittlich hohe DAB+-Haushalts-
bei der DAB+-Haushaltsausstattung ein. In beiden                                        ausstattung von rund 30 Prozent auf. Etwa jeder
Bundesländern verfügt mehr als ein Drittel der                                          4. Haushalt in Brandenburg, Bremen, Niedersach-
Haushalte über mindestens ein DAB+-Radiogerät.                                          sen und Nordrhein-Westfalen hat Zugriff auf min-
Auch Baden-Württemberg und Sachsen weisen                                               destens ein Gerät mit digitalem terrestrischen

                                                                                                                                                          27
Stand und Entwicklung der Digitalisierung des Hörfunks in Deutschland

Empfang. In Berlin, Hamburg/Schleswig-Holstein                          liegen bei 16,7 Millionen Geräte in Deutschland.
und Mecklenburg-Vorpommern gilt dies für etwa                           Während die Zahl digitaler Radiogeräte immer wei-
jeden 5. Haushalt.                                                      ter wächst, ist die Menge der analogen UKW-Emp-
                                                                        fänger in deutschen Haushalten um weite-
Im Vergleich zum Vorjahr hat Baden-Württemberg                          re 3,4 Millionen Geräte auf 121,8 Millionen gesun-
den deutlichsten Wachstumsschub bei der DAB+-                           ken.
Ausstattung gemacht (+22 Prozent). Ebenfalls zwei-
stellig zugelegt haben Rheinland-Pfalz, das Saar-                       DAB+ konnte scheinbar deutlich von der hohen
land und Hessen (+16 Prozent in der Ländergruppe)                       Nachfrage nach Unterhaltungselektronik im
sowie Brandenburg (+13 Prozent), Bayern (+12 Pro-                       Jahr 2020 profitieren und auch im ersten Quar-
zent), Berlin und Nordrhein-Westfalen ( jeweils                         tal 2021 stieg der Absatz von DAB+-Radios laut
+10 Prozent). In absoluten Zahlen betrachtet, fin-                      Home Electronics Market Index (HEMIX) in
den sich die meisten DAB+-Haushalte in den bevöl-                       Deutschland auf Rekordniveau.3 Gestiegen ist auch
kerungsreichen Flächenländern Bayern (2,2 Millio-                       die Mehrfachausstattung mit DAB+-Geräten – im
nen), Nordrhein-Westfalen (2,1 Millionen) und Ba-                       Vorjahr standen jedem DAB+-Haushalt im statis-
den-Württemberg (1,5 Millionen).                                        tischen Durchschnitt 1,7 DAB-Geräte zur Verfü-
                                                                        gung, in diesem Jahr sind es bereits durchschnitt-
                                                                        lich 2 Digitalradioempfänger pro Haushalt. Eine
Mehr als 5 Millionen neue DAB+-Geräte                                   wichtige Rolle für den Absatz von DAB+-Geräten
Die meisten Haushalte verfügen üblicherweise                            spielt die mit der letzten Novelle des Telekommu-
über deutlich mehr als ein Radiogerät. Um besser                        nikationsgesetzes im Dezember 2020 eingeführte
zu verstehen, wie sich der digitale Radioempfang                        Digitalradiopflicht. Sie sieht vor, dass Radios neben
entwickelt, ist daher der Blick auf die Entwicklung                     dem analogen Empfang zusätzlich mindestens ei-
der Gerätezahlen insgesamt hilfreich.                                   nen digitalen Empfangsweg unterstützen müssen.
                                                                        Ausnahmen sind nur in sehr wenigen Fällen vor-
Die Gesamtzahl der Radios in deutschen Haushal-                         gesehen. Dies gilt sowohl für Radios in Neuwagen
ten ist im letzten Jahr deutlich auf insgesamt mehr                     als auch für stationäre Geräte.
als 149 Millionen Radioempfänger gewachsen. Das
Wachstum geht dabei im Wesentlichen auf die
steigende Ausstattung mit digitalen Geräten zu-                         DAB+ legt inhouse und im Auto kräftig zu
rück. Die Zahl der DAB+-Radios hat um mehr                              Die Zahl der DAB+-Radios, die im Haus oder der
als 5 Millionen zugenommen und liegt nunmehr                            Wohnung genutzt werden, hat im Vergleich zum
bei knapp 21,7 Millionen. Mitberücksichtigt sind                        Vorjahr zugelegt. Ihre Zahl ist um mehr als 3 Milli-
hier auch 4,9 Millionen sogenannte Hybridgeräte,                        onen auf über 13 Millionen Geräte gestiegen
also Digitalradioempfänger, die sowohl über DAB+                        (+33 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Das verwun-
als auch über das Internet Radioprogramme emp-                          dert nicht weiter, ist doch mittlerweile der über-
fangen können. Die Zahl der Radiogeräte, die digi-                      wiegende Teil der im Einzelhandel verfügbaren Ra-
talen Hörfunk ausschließlich über das Internet-                         diogeräte mit DAB+ ausgestattet. Die Zahl der
Protokoll empfangen, liegt bei knapp 6,2 Millionen
Geräten. Radios, die digital nur DAB+ empfangen,
                                                                        3 Vgl. https://gfu.de/dab-setzt-sich-durch; https://www.teltarif.de/
                                                                          digitalradio-dab-plus-rekord-radio/news/83678.html (06.08.2021).

28
Stand und Entwicklung der Digitalisierung des Hörfunks in Deutschland

Abb. 3

Anzahl der DAB+-Geräte in der Wohnung/im Auto/gesamt (in Mio.)

Mind. 1 DAB+-Radiogerät gesamt
                                                                                                                        21,672 +30
                                                                                           16,623
                                                                                 14,635
                                                               11,835
                                                       9,91

DAB+-Radiogeräte in der Wohnung
                                                                        13,129 +33
                                                      9,855
                                          8,037
                                       7,428                                                                             Jedem
                              6,201                                                                                DAB+-­Haushalt
                                                                                                                      ­stehen im
DAB+-Radiogerät im Auto                                                                                         ­Durchschnitt 2 DAB+-­
                                               8,542 +26                                                              Geräte zur
                                  6,768                                                                               Verfügung
                                 6,598
                    4,407
               3,709

0                                  6                                    12                               18                               24

    2021     2020      2019      2018          2017    Wachstum

Angaben in Mio. Geräte, einschließlich Hybridgeräte;
Basis: 39,672 / 40,219 / 40,350 / 40,684 / 40,768 Mio. Haushalte in Deutschland; n = 7.507 (2021).

DAB+-Autoradios ist ebenfalls um weitere 1,8 Mil-                            bei 43,2 Millionen. Knapp ein Fünftel (19,8 Prozent)
lionen auf 8,5 Millionen Geräte gestiegen (+26 Pro-                          dieser Geräte empfangen DAB+, das entspricht ei-
zent).                                                                       nem Wachstum von fast 30 Prozent gegenüber
                                                                             dem Vorjahr. Hybridgeräte und Autoradios mit nur
                                                                             IP-Digitalempfang fristen ein Nischendasein mit
Ein Fünftel der Autoradios empfängt DAB+                                     einem Gesamtanteil von 1,6 Prozent. Die meisten
So gut wie jedes Auto ist serienmäßig mit einem                              Autoradios empfangen ihr Programm nach wie vor
Radioempfänger ausgestattet und ein Großteil der                             analog über UKW. Ihr Anteil ist allein im letzten
deutschen Autofahrer schaltet im Auto das Radio                              Jahr jedoch um mehr als 5 Prozentpunkte zurück-
ein.4 Die Zahl der Autoradios in Deutschland liegt                           gegangen und liegt nun bei 79 Prozent aller Auto-
                                                                             radios. Vor dem Hintergrund der Digitalradiopflicht
4 Vgl. https://www.horizont.net/medien/nachrichten/ass-studie-wie-           für Neuwagen ist zu erwarten, dass die Digitalisie-
  radio-und-auto-auch-in-zukunft-ein-dreamteam-bilden-171143
  (06.08.2021).

                                                                                                                                         29
Stand und Entwicklung der Digitalisierung des Hörfunks in Deutschland

rung des Hörfunkempfangs im Auto in den kom-                                Smart Speaker. Genutzt werden dabei sowohl die
menden Jahren weiter an Fahrt aufnehmen und                                 Streamingangebote etablierter Sender als auch
vor allem DAB+ davon profitieren wird.                                      eine Vielzahl an ausschließlich über das Web ver-
                                                                            breiteter Radioprogramme (vgl. hierzu auch die
                                                                            Ergebnisse des Online-Audio-Monitors ab S. 38). So
Fast jeder Zweite hört zumindest                                            gut wie jeder verfügt heutzutage über die nötige
gelegentlich auch Webradio                                                  technische Ausstattung, um Webradio zu nutzen
Digitales Radio wird heute nicht nur klassisch am                           und tatsächlich hört fast die Hälfte (49 Prozent)
Radiogerät oder im Auto gehört, sondern auch an                             der Personen in Deutschland zumindest gelegent-
Geräten wie Smartphones, Laptops oder über                                  lich Webradio. Die Webradionutzung hat damit

Abb. 4

Webradionutzung nach Geräten

Smartphone                                                                  Tablet
                                  25,5                                                 8,2
                                  25,9                                               7,3
                                 24,6                                                7,7

Laptop                                                                      IP-Radio zu Hause
                   13,2                                                            6,5
               11,1                                                                6,5
               11,3                                                                6,9

PC                                                                          Smart Speaker
                  12,0                                                               8,0
            10,3                                                                 6,0
             9,9                                                                 6,0

IP-Radio im Auto*                                                           Smartwatch
            10,3                                                             0,3
         8,0                                                                 0,5
            8,7                                                              0,7

Smart-TV-Gerät                                                              Netto
            9,2                                                                                                                 48,9
         7,8                                                                                                             44,8
      6,1                                                                                                         41,5

0%                10 %     20 %                30 %          40 %    50 %   0%               10 %   20 %   30 %   40 %            50 %

     2021          2020   2019          2021          2020    2019

Basis: 70,445 / 70,598 / 70,635 Mio. Personen ab 14 Jahre in Deutschland; n = 7.507 (2021).
* über Smartphone, Tablet oder fest installiertes IP-Radiogerät im Auto

30
Stand und Entwicklung der Digitalisierung des Hörfunks in Deutschland

um 4 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr an-                                DAB+ und Webradio gehen bei Digitalisierung
gezogen. Etwa jede 4. Person in Deutschland greift                          Hand in Hand
dafür auf ihr Smartphone zurück, jeder 8. hört Ra-                          Eine genauere Betrachtung zeigt, dass sich die Nut-
dio am Laptop oder PC und jeder 10. nutzt Webra-                            zung von Web- und Digitalradio über DAB+ ergän-
dio im Auto5. Jeder 11. verwendet einen Smart TV                            zen. Gut 40 Prozent derjenigen, die zumindest ge-
zum Hören von Webradioprogrammen und 8 Pro-                                 legentlich Radioprogramme über das Internet hö-
zent greifen dafür auf einen Smart Speaker zurück.                          ren, verfügen über einen DAB+-Empfänger im ei-
                                                                            genen Haushalt. Umgekehrt nutzen auch zwei
                                                                            Drittel der Personen mit DAB+-Gerät im Haushalt
                                                                            zumindest gelegentlich Webradio. Das zeigt, dass
                                                                            die digitalen Übertragungswege für viele Nutzer
5 Erfasst werden hier sowohl die Nutzung über ein IP-Autoradio als
  auch die Nutzung von Webradio über ein mit dem Autoradio                  wenig miteinander konkurrieren. Vielmehr greifen
  verbundenes Smartphone oder Tablet.

Abb. 5

Digitalisierungsquote Radio (Netto)

Digitalradio DAB+
                                          30,4
                                   25,3
                                 23,9

Radio über Satellit                                                                                                                      80 %
                 12,2                                                                                                             65,7
                                                                                                                         63,1
                 12,3                                                                                            58,1                    60 %
                 11,8

Radio über digitales Kabel                                                                                                               40 %
           10,4
           10,2                                                                                                                          20 %
           9,0
                                                                                                                                             0%

Webradio                                                                                                      Netto Digitalisierungsquote*
                                                                         48,9
                                                                  44,8
                                                           41,5

0%                      15 %                30 %                     45 %                60 %

   2021          2020     2019

Webradio definiert als: nutzt Webradio zumindest gelegentlich an irgendeinem Gerät;
Basis: 70,445 / 70,598 / 70,635 Mio. Personen ab 14 Jahre in Deutschland; n = 7.507 (2021).
* mind. 1 digitales Radiogerät im Haushalt oder nutzt Internetradio

                                                                                                                                             31
Stand und Entwicklung der Digitalisierung des Hörfunks in Deutschland

Abb. 6

Meistgenutzte Radioempfangsart 2021

                                                                                                                            2,0
2021                                                                    57,9            12,5                    16,6              5,7    5,3    30,9 %
                                                                                                                             3,1
2020                                                                           63,8            10,4                 14,0           4,7 4,0      27,0 %
                                                                                                                            3,5
2019                                                                                  68,7        7,2           11,0               5,7 4,1      21,3 %
                                                                                                                      3,6
2018                                                                                  68,8      5,7           9,6                  8,1 4,2      18,7 %

2017                                                                                   69,8      5,0         7,7 4,2              8,5    4,8    15,3 %

         0%                        25 %                         50 %                                  75 %                              100 %

  UKW/analog       DAB+      Webradio     Kabel/Sat
  Keine meistgenutzte Empfangsmöglichkeit    (Nutze) keine Empfangsmöglichkeit               Digitaler Radioempfang

Die Angaben zur am häufigsten genutzten Radioempfangsart beziehen sich auf die zum Haushalt gehörenden Radiogeräte
(in der Wohnung oder im Auto); nicht berücksichtigt ist die „Außer Haus“-Nutzung an fremden Geräten;
Basis: 69,563 / 70,094 / 70,445 / 70,598 / 70,635 Mio. Personen ab 14 Jahre in Deutschland; n = 7.507 (2021).

die Hörer vermutlich situativ auf den am besten                         Meistgenutzte Empfangsart: ein Drittel
geeigneten Übertragungsweg zurück. So kann es                           bevorzugt digitalen Radioempfang
sein, dass beispielsweise im Wohnzimmer oder in                         Nach der am häufigsten genutzten Radioemp-
der Küche ein DAB+-Empfänger steht, der Nutzer                          fangsart gefragt, nennt jeder Dritte (31 Prozent)
aber z. B. unterwegs oder im Garten sein Lieblings-                     einen digitalen Empfangsweg. Damit steigt die
radioprogramm auch über sein Smartphone oder                            Zahl derjenigen, die ihr Radioprogramm vorzugs-
Tablet hört.                                                            weise digital hören, auf knapp 22 Millionen Perso-
                                                                        nen in Deutschland – das entspricht einer Ver-
Unabhängig vom Empfangsweg zeigt sich, dass der                         doppelung innerhalb von 5 Jahren. Nach Übertra-
Hörfunkempfang insgesamt immer digitaler wird.                          gunsweg unterschieden, haben sowohl DAB+ als
Die Netto-Digitalisierungsquote, also die Zahl der-                     auch die Webradionutzung jeweils gegenüber dem
jenigen, die mindestens eine digitale Radioemp-                         Vorjahr zugelegt. Der digitale Kabel- und Satelli-
fangsmöglichkeit haben oder Webradio nutzen,                            tenempfang ist hingegen leicht rückläufig, was
liegt bei 66 Prozent. Das entspricht 46,4 Millionen                     auch mit der Haushaltsausstattung korrespon-
Personen ab 14 Jahren in Deutschland.                                   diert. Auch die Nutzung des analogen UKW-Radios
                                                                        ist deutlich rückläufig. Noch knapp 58 Prozent der

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