Dynamisches, soziales Krisenmonitoring - Hannover.de

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Dynamisches, soziales Krisenmonitoring
                                       (Stand 09.12.2020)

Einleitung
Mit der Informationsdrucksache 1302/2020 wurde den Ratsgremien der Landeshauptstadt Hannover im
Juni 2020 das dynamische, soziale Krisenmonitoring vorgestellt. Kapitel II dieser Drucksache ist die
Grundlage für eine monatliche Fortschreibung und die Weiterentwicklung eines Indikatorensets, das ge-
eignet ist, die aktuelle und sich wandelnde soziale Lage der Bevölkerung in Hannover zu beschreiben.
Vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie sind innerhalb sehr kurzer Zeit viele Menschen in finanzi-
elle Schwierigkeiten geraten. Wie lange diese andauern und wie viele nun nach dem Ende des Lockdowns
finanziell wieder unabhängig werden, ist ungewiss. Die Beobachtung, Messung und Kommunikation der
finanziellen und sozialen Lage der Bevölkerung infolge der Pandemie ist Ziel des sozialen Krisenmonito-
rings. Das Monitoring ist eine monatlich aktualisierte, faktenbasierte Grundlage für Planung und Steue-
rung der kommunalen Maßnahmen für die Bewohner*innen Hannovers.

Vorgehensweise
1. Indikatoren: Es wurden Indikatoren ausgewählt, die soziale, finanzielle Auswirkungen der Krise ver-
   deutlichen. Das soziale Krisenmonitoring umfasst die Indikatoren aus den Themenfeldern Arbeitslo-
   sigkeit, Kurzarbeit, Leistungsbeziehende im SGB II und SGB XII, Wohngeld, Schulden, Kinderzu-
   schlag und Mietwohnungsinserate und Angebotsmieten.
2. Aktualität und Genauigkeit: Kennzeichnend für die Corona-Krise ist deren Dynamik im Verlauf sowie
   die Dynamik der Gesetzgebung, der Erlasse und Sofortmaßnahmen. Um dieser Dynamik annähernd
   gerecht zu werden und diese zeitnah beobachten zu können, ist Aktualität erforderlich. Diese Aktu-
   alität geschieht teilweise auf Kosten der Genauigkeit, weil zum Beispiel auch vorläufige oder noch
   nicht final revidierte Daten verwendet werden müssen.
3. Kleinräumigkeit: Relevante und zugleich monatlich oder quartalsweise verfügbare Daten liegen nicht
   auf Stadtteilebene vor, teilweise nicht mal auf Ebene des Stadtgebiets. In diesem Fall werden Daten
   für das Gebiet der Region Hannover und Niedersachsen insgesamt herangezogen.
4. Gender: Zur Differenzierung nach Geschlecht sind ausschließlich im Themenfeld Arbeitslosigkeit un-
   terjährige Daten verfügbar. Mit Veröffentlichung der Daten der anderen Themenfelder zum Jahres-
   ende sind weitere Differenzierungen nach Geschlecht, Alter, Nationalität möglich. Die Beobachtung,
   dass sich Rollenmuster infolge der Coronakrise retraditionalisieren, kann durch die klassischen und
   derzeit lokal verfügbaren Indikatoren nicht abgebildet werden. Auch für Arbeitsteilungsmuster bei
   der Care- und Familientätigkeit stehen leider keine (kleinräumigen) Quellen zur Verfügung. Die hier
   verwendeten Indikatoren zielen primär auf die monetären Auswirkungen der Coronakrise auf die
   hannoversche Bevölkerung und werden - wann immer es möglich ist – nach Geschlecht differenziert.
5. Turnus: Das Monitoring erscheint jeweils Mitte des Monats
           Download auf der Intranetseite der Koordinationsstelle Sozialplanung
           Internet unter www.hannover.de/soziales-krisenmonitoring.
6. Dynamik: Je nach Verfügbarkeit werden neue relevante Themenfelder dargestellt, ab Oktober erst-
   malig die „realisierte Kurzarbeit in der Region Hannover“ (Kapitel A) und der Bezug von „Kinderzu-
   schlag in Niedersachsen“ (Kapitel F). Mietwohnungsinserate und Angebotsmieten ab Dezember 2020
   (Kapitel G). Verbraucherinsolvenzen werden ab November nicht weiter im Monitoring dargestellt.
   Die Entwicklung ist nicht coronabedingt und nicht Ausdruck sozialer Lagen, sondern Abbild der Er-
   wartung einer neuen gesetzlichen Regelung (s.u.).

                                                  1
A. Kurzarbeit
Durch Kurzarbeit sollen Arbeitslosigkeit vermieden und Arbeitsplätze erhalten werden. Der Indikator
zeigt, wie viele Betriebe und Personen wirtschaftliche Einbußen verzeichnen, die zu einer finanziellen und
sozialen Notlage führen können.
Methodik – Was wird dargestellt?
Angezeigte Kurzarbeit: Betriebe müssen vor Beginn der Kurzarbeit eine Anzeige erstatten. Statistische
Daten zu eingegangenen Anzeigen beinhalten die Angaben eines Betriebes mit der Anzahl der von Kurz-
arbeit voraussichtlich betroffenen Personen und stehen im Folgemonat zur Verfügung.
Erst seit Oktober kann die Statistik der realisierten Kurzarbeit in das Monitoring einbezogen werden. Sie
basiert auf Angaben in Abrechnungslisten zu den Anträgen auf Kurzarbeitergeld.

                                 Angezeigte Kurzarbeit in der Region Hannover
            140.000                                       124.605
            120.000
            100.000
  Anzahl

             80.000
             60.000                          43.980
                                                                                                                                          9.285
             40.000                                                  15.424
                           134        195                                          4.585    2.059 3.692               807       2.916
             20.000                                   8.295                                                                              824
                      13         24         2.653                   927        462      206     142     99                118
                 0
                      Jan 20     Feb 20     Mrz 20    Apr 20        Mai 20     Juni 20    Juli 20   Aug 20 Sept 20 Okt 20           Nov. 20

                                             Anzeigen von Betrieben               Personen in Anzeigen

                                                                                                               Quelle: Bundesagentur für Arbeit

                                  Realiserte Kurzarbeit in der Region Hannover
            120.000                                                                                     103.567
                                                                                                                                  93.526
            100.000
             80.000
   Anzahl

             60.000                                                               50.579

             40.000
             20.000                                                           4.856                 8.643                   7.569
                           37 1.420                  40    944
                  0
                            Jan 20                   Feb 20                     Mrz 20                Apr 20                    Mai 20

                                                              Betriebe         Personen
                                                                                                            Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Zusammenfassung
Angezeigte Kurzarbeit in der Region Hannover ist in den Monaten März und April 2020 in Zeiten des
Lockdowns massiv und sprunghaft angestiegen. Dies gilt sowohl für die Anzahl der Betriebe, die Kurzar-
beit angezeigt haben als auch für die voraussichtlich von Kurzarbeit betroffenen Personen. In den Mo-
naten ab Mai ist die Anzahl der Betriebe und Personen im Zuge des „Restarts“ unter das Niveau im März
gesunken. Im November stieg die Zahl der Betriebe und die Zahl der Personen im Zuge des „Lockdown
light“ wieder deutlich an. Die realisierte Kurzarbeit vollzieht im April, dem derzeit aktuellen Datenstand,
eine vergleichbare Entwicklung wie ihrerzeit die angezeigte Kurzarbeit und sank im Mai wieder leicht.

                                                                          2
B. Arbeitslosigkeit
Arbeitslosigkeit bedeutet Einbußen beim Einkommen und den Konsummöglichkeiten und kann, wenn sie
länger andauert, zum Verlust sozialer Kontakte, Selbstwert und sozialer Akzeptanz führen. Phasen glo-
baler Finanz- und Wirtschaftskrisen führten schon in früheren Jahren zu teils langanhaltender Arbeitslo-
sigkeit, weit über die Dauer der eigentlichen Krise hinaus (z.B. Finanzkrise).

Methodik – Was wird dargestellt?
Arbeitslos sind Personen, die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, eine versi-
cherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei der Vermittlung durch die Agentur für Arbeit zu Ver-
fügung stehen und sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.
Wer arbeitslos wird, erhält in der Regel Arbeitslosengeld (ALG I nach dem SGB III). Sollte dieses auf-
grund eines geringen vorherigen Einkommens nicht existenzsichernd sein, erhalten Arbeitslose ergän-
zend Leistungen nach dem SGB II (ALG II, „Hartz IV“). Dieses gilt auch, wenn die Arbeitslosigkeit bereits
so lange dauert, dass nach persönlichen Voraussetzungen kein ALG I mehr gezahlt wird. Arbeitslose im
Rechtskreis des SGB II sind damit in einer besonders prekären sozialen Lage.
Für die Landeshauptstadt Hannover lassen sich Entwicklungen anhand von monatlichen Arbeitslosen-
zahlen darstellen. Differenziertere Angaben, wie zur Zugehörigkeit der Regelkreise SGB II und SGB III
und nach Geschlecht, Alter und Nationalität sind darüber hinaus für die Region Hannover insgesamt
verfügbar.

                                     Arbeitslose in der Stadt Hannover
                                                                                      9,7          9,9      9,6
                                                                    9,2      9,5                                     9,4      9,2
            32.000                                       8,8                                                                           10,0
                         8,0        7,9                                                                                                9,0
                                                                                                                                              Quote Erwerbspersonen
            28.000                            7,8
                                                                                                                                       8,0
            24.000
                                                                                                                                       7,0
            20.000                                                                                                                     6,0
   Anzahl

                                                                                                   30.058
                                                                                      29.586

                                                                                                            29.287
                                                                             28.859

                                                                                                                     28.542
                                                                    27.898

                                                                                                                              27.833

            16.000                                                                                                                     5,0
                                                          26.227

                                                                                                                                                                            Steigerung
                          23.829

                                     23.739

                                              23.418

            12.000                                                                                                                     4,0
                                                                                                                                                                          März – Nov. 2020
                                                                                                                                       3,0
                8.000
                                                                                                                                       2,0
                4.000                                                                                                                  1,0                                        18,9 %
                   0                                                                                                                   0,0
                        Jan 20 Feb 20 Mrz 20 Apr 20 Mai 20 Jun 20 Jul 20 Aug 20 Sep 20 Okt 20 Nov 20
                             absolut                    Quote bez. auf alle Erwerbspersonen

                                   Arbeitslose in der Region Hannover
                                           nach Rechtskreisen
60.000                                                                                                                                                                      Steigerung
                                                                                 51.277 52.504 50.862 49.562
                                                                   48.549 49.986                             48.270                                                       März – Nov. 2020
50.000                                                 45.457
                 41.548 41.324 40.671
40.000                                                                                                                                                                Insgesamt       18,7 %
                                             32.684 33.443 33.604 33.961 33.519 33.007 32.356
                 29.201 28.852 28.588 30.860
30.000
                                                                     16.543 17.673
                                                                                   18.543 17.343
                                                                                                 16.555 15.914                                                                        31,7 %
20.000                                                 14.597 15.865                                                                                                  SGB III
                 12.347 12.472 12.083

10.000
                                                                                                                                                                       SGB II          13,2 %
            -
                 Jan 20 Feb 20 Mrz 20 Apr 20 Mai 20 Jun 20                               Jul 20 Aug 20 Sep 20 Okt 20 Nov 20

                    Insgesamt                   Rechtskreis SGB III                            Rechtskreis SGB II

                                                                                               3
Arbeitslose in der Region nach Nationalität, Alter und Geschlecht

                                        Deutsche - Ausländer*innen
            35.000
            30.000
            25.000
   Anzahl

            20.000

                                                                                                 32.126
                                                                                   31.318

                                                                                                              30.909
                                                                  30.460

                                                                                                                           30.183
                                                  29.835

                                                                                                                                         29.695
                                     28.135
                        25.124

            15.000

                                                                                             20.123
                                                                               19.722

                                                                                                          19.705
                                                              19.293

                                                                                                                       19.142

                                                                                                                                     18.583
                                              18.481
                                 17.108
                     15.348

            10.000
                                                                                                                                                    Steigerung
             5.000
                                                                                                                                                  März – Nov. 2020
                 -
                     Mrz 20      Apr 20       Mai 20         Jun 20           Jul 20        Aug 20        Sep 20       Okt 20       Nov 20
                                                                                                                                                   Ausländer*innen
                                                 Deutsche                  Ausländer*innen
                                                                                                                                                        21,1 %

                                                           U 25 - 55 plus                                                                             Deutsche
            10.000                                                                                                                                      18,2 %
             8.000
                                                                                                                                                       55plus
   Anzahl

             6.000

                                                                                                                            9.033
                                                                                                8.998

                                                                                                              8.963

                                                                                                                                         8.955
                                                                                  8.848
                                                                  8.705
                                                   8.523
                                     8.175
                        7.640

             4.000
                                                                                             5.850

                                                                                                           5.469
                                                                               5.320
                                                              4.988
                                               4.861

                                                                                                                        4.867

                                                                                                                                     4.544
                                                                                                                                                        17,2 %
                                 4.367
                     3.741

             2.000
                 -                                                                                                                                      U25
                     Mrz 20      Apr 20       Mai 20         Jun 20           Jul 20        Aug 20        Sep 20       Okt 20       Nov 20
                                                                                                                                                        21,5 %
                                                             U 25           55 plus
                                                                                                                                                       Frauen
                                               Männer - Frauen
                                                                                                                                                        20,3 %
            40.000
            30.000                                                                                                                                     Männer
   Anzahl

                                                                                              29.650

            20.000
                                                                                29.041

                                                                                                            28.853
                                                               28.387

                                                                                                                         28.029
                                                27.629

                                                                                                                                      27.299
                                   25.838
                      23.240

                                                                                                                                                        17,5 %
                                                                                             22.854
                                                                               22.236

                                                                                                           22.009
                      17.431

                                  19.619

                                               20.920

                                                              21.599

                                                                                                                        21.533

                                                                                                                                     20.971

            10.000
                 -
                     Mrz 20      Apr 20       Mai 20         Jun 20           Jul 20        Aug 20        Sep 20       Okt 20       Nov 20

                                                            Männer            Frauen
                                                                                              Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Zusammenfassung
In der Stadt Hannover waren die Zahl der Arbeitslosen und deren Quote an den Erwerbspersonen zu
Beginn des Jahres leicht rückläufig. Von März bis November erfolgte ein Anstieg der Arbeitslosigkeit von
insgesamt um 18,9 Prozent. Seit dem Höchststand im August ist ein Rückgang von insgesamt 2.225
Arbeitslosen zu verzeichnen.
In der Region Hannover beträgt die Steigerung von März bis November (+18,7 Prozent). Der Anstieg
basiert primär auf der Zunahme von Arbeitslosen mit ALG I im Rechtskreis des SGB III von plus 31,7
Prozent, weniger durch die Zunahme von Arbeitslosen im SGB II (plus 13,2 Prozent). Der Anstieg der
Arbeitslosigkeit trifft Frauen häufiger als Männer und Ausländer*innen häufiger als Deutsche. In den
letzten Monaten besonders stark betroffen war die Gruppe der unter 25-Jährigen. Inzwischen liegt deren
Betroffenheit zwar noch über dem Durchschnitt (plus 21,5 Prozent), aber nicht mehr auf dem hohen
Niveau der Vormonate. Seltener vom Anstieg betroffen sind die 55-Jährigen und älteren (plus 17,2 Pro-
zent).
                                                   4
C. Leistungen nach dem SGB II und SGB XII
Das Sozialstaatsprinzip garantiert Menschen, dass im Fall einer längeren Zeit ohne Erwerbstätigkeit oder
bei Erwerbsunfähigkeit für das Existenzminimum gesorgt ist. Dieses meint, dass die Wohnung bezahlt
wird und alles, was zum täglichen Leben gehört. Abhängig davon, ob jemand bei Hilfebedürftigkeit er-
werbsfähig ist oder nicht, besteht Anspruch auf Leistungen nach dem SGB II („Hartz IV“) oder nach dem
SGB XII (hier: Hilfe zum Lebensunterhalt sowie Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung).

Methodik - Was wird dargestellt?
Für die Landeshauptstadt Hannover stehen SGB II-Daten mit einer zeitlichen Verzögerung von ungefähr
vier Monaten zur Verfügung. Aktuell kann bis auf den Monat Mai zurückgeblickt werden. Für die Region
Hannover insgesamt werden Daten der Bundesagentur für Arbeit monatsaktuell veröffentlicht.
Leistungen nach dem SGB XII (hier: Hilfe zum Lebensunterhalt sowie Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderung) werden durch die Landeshauptstadt Hannover gewährt und ausgezahlt. Jeweils zum
Monatsende ist bekannt, um wie viele Personen es sich handelt. Bis zur Veröffentlichung mit einem ti-
melag von rund vier Monaten sind diese Daten als vorläufig zu betrachten.

                       SGB II-Empfänger*innen in der Region Hannover
             122.000

             120.000
                                                                                                                                                                                            Entwicklung
             118.000                                                                                                                                                                     Mrz. bis Nov. 2020

             116.000                                                                                                                                                                          1,8 %
    Anzahl

                                                                                                     121.277

                                                                                                                121.072
                                                                                       120.992

                                                                                                                                    120.562
                                                                    119.220

                                                                                                                                               119.147

             114.000
                                                                                                                                                          117.337

                                                                                                                                                                               117.092
                                                          115.007

             112.000
                          113.524

                                     113.442

             110.000

             108.000
                        Jan 20 Feb 20 Mrz 20 Apr 20 Mai 20 Jun 20 Jul 20 Aug 20 Sep 20 Okt 20 Nov 20

                                                                                                                                   Quelle: Bundesagentur für Arbeit

                       SGB II-Empfänger*innen* in der Stadt Hannover
             70.000
             69.000
             68.000
                                                                                                                                                                                             Entwicklung
             67.000                                                                                                                                                                         Mrz. –Jul 2020
    Anzahl

                                                                                                                                                 69.163

             66.000
                                                                                                                          68.944

                                                                                                                                                                      68.943
                                                                                                   67.914

                                                                                                                                                                                                 5,4 %
             65.000
                                                                              65.391

             64.000
                            64.531

                                                 64.398

             63.000
             62.000
                         Jan 20                Feb 20               Mrz 20                       Apr 20             Mai 20                    Jun 20                Jul 20
                                                                                                                                   Quelle: Bundesagentur für Arbeit

                                                                                                            5
SGB XII - Hilfe zum Lebensunterhalt und Grundsicherung
               im Alter und bei Erwerbsminderung in der Stadt Hannover
           13.800

           13.000

           12.200
  Anzahl

                                                                                                                                        Entwicklung

                                                                                13.539

                                                                                         13.524
                                                                   13.510

                                                                                                  13.509

                                                                                                           13.494
                                                          13.493

                                                                                                                    13.447
                                                 13.439
                                        13.329

                                                                                                                             13404
                               13.305
                      13.211

           11.400                                                                                                                    März bis Nov. 2020
           10.600
                                                                                                                                           -0,3 %
            9.800

            9.000
                    Dez 19 Jan 20 Feb 20 Mrz 20 Apr 20 Mai 20 Jun 20 Jul 20 Aug 20 Sep 20 Okt 20 Nov 20

                                                                   Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Soziales

Zusammenfassung
Für die Stadt Hannover liegen Daten der SGB II-Empfänger*innen im Pandemiezeitraum bis Juli vor.
Von Februar bis März stieg deren Anzahl um 993 Personen an. Das entspricht fast zwei Drittel des An-
stiegs in der Region Hannover insgesamt. Von März bis Juli wurde ein Anstieg um rund 3.550 Personen
(+5,4 Prozent) verzeichnet.
Die Anzahl der SGB XII Empfänger*innen in der Stadt Hannover stieg im März, dem Beginn des Lock-
downs, um 110 Personen an, erreichte im Juni mit 13.539 Personen ein vorläufiges Maximum, um im
November auf 13.404 zu sinken.
Im März 2020 war in der Region Hannover bereits ein Anstieg der Empfänger*innen von SGB II-Leistun-
gen von 1.565 Personen und im April von 4.213 Personen zu verzeichnen. Seit Juli sinkt die Anzahl der
SGB II-Empfänger*innen wieder und liegt Ende November bei 117.092. Trotz“ Lockdown light“ ist auch
im November die Anzahl leicht zurückgegangen (-245 im Vergleich zum Vormonat).

                                                                            6
D. Wohngeld
Wohngeld ist nach dem Wohngeldgesetz (WoGG) ein staatlicher Zuschuss für Mieter*innen von Wohn-
raum sowie Eigentümer*innen selbst genutzten Wohnraums. Wohngeld wird an Personen gezahlt, die
keine Transferleistungen, wie z. B. Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter und bei Er-
werbsminderung, beziehen. Ziel des Wohngeldes ist es, einkommensschwachen Haushalten, deren Le-
bensunterhalt durch eigene Mittel bestritten wird, bei der Finanzierung ihrer Wohnkosten zu unterstüt-
zen, ohne dazu weitergehende soziale Leistungen in Anspruch nehmen zu müssen.

Methodik - Was wird dargestellt
Wohngeldempfänger*innen: Wohngeld wird durch die Landeshauptstadt Hannover gewährt und ausge-
zahlt. Dargestellt werden Wohngeldzahlungen des jeweils laufenden Monats.
Anträge auf Wohngeld: Der Fachbereich Soziales prüft, ob Anspruch auf Wohngeld besteht. Die Anzahl
der Anträge gibt Auskunft darüber, wie viele Personen aufgrund finanzieller Engpässe ihre Ansprüche
(über)prüfen lassen. Die Anträge enthalten keine Gründe für die Antragstellung. Hinweise darauf können
die Sachbearbeiter*innen liefern: aktuell ist eine Zunahme von Anträgen wegen Kurzarbeitergeld, ALG I
oder Wegfall von Einkommen bei Studierenden zu verzeichnen. Die Antragszahlen können sich für die
Vormonate noch verändern, da auch rückwirkend Anträge erfasst werden können.

                      Wohngeldempfänger*innen in der Stadt Hannover
             5.500

             5.000
                                                                                                                                                     Steigerung
                                                                                                                                                  März bis Nov. 2020

             4.500
    Anzahl

                                                                                                                                                        15,5 %
                                                                                                                      5.181

                                                                                                                                          5.176
                                                                                                            5.165

                                                                                                                                5.097
                                                                                                  5.039
                                                                                        4.923
                                                                              4.776

             4.000
                                                                    4.594
                                                          4.480
                                                4.310
                          4.201

                                      3.909

             3.500

             3.000
                     Dez. 19 Jan. 20 Feb. 20 Mrz. 20 Apr. 20 Mai. 20 Jun. 20 Jul. 20 Aug. 20 Sep. 20 Okt. 20 Nov. 20

                                                                            Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Soziales

                     Anträge auf Wohngeld in der Stadt Hannover
             2000
                                                                                                                                                  Im Dezember werden
             1600                                                                                                                                 noch Anträge aus dem
                                                                                                                                                  Monat November er-
             1200
                                                                                                                                                  fasst. Die Antragszahlen
    Anzahl

                                                                                                                                                  werden sich deshalb
                                                                                                                                                  noch erhöhen. Revision
                                     1.641

                                                                                                                                         1.419

              800                                                                                                                                 im Januar.
                                                                   1.362
                                                         1.320

                                                                                                 1.292
                                                                                       1.169

                                                                                                                               1.162
                                               1.153

                                                                                                                     1.139
                                                                             1.105

                                                                                                           997
                         984

                                                                                                                                                  Die Daten wurden im Ok-
              400                                                                                                                                 tober rückwirkend seit
                                                                                                                                                  Januar 2020 revidiert.
                0
                     Durchschnitt   Jan 20    Feb 20    Mrz 20    Apr 20    Mai 20    Jun 20    Jul 20    Aug 20    Sep 20    Okt 20    Nov 20
                        2019

                                                                            Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Soziales

                                                                                      7
Zusammenfassung
Seit Januar 2020 steigt die Anzahl der Wohngeldempfänger*innen in der Stadt Hannover an. Nach
Kenntnis des zuständigen Bereichs ist der Anstieg im Januar auf die Wohngeldreform vom 01.01.20 zu-
rückzuführen. Mehr Haushalte haben seitdem Anspruch auf Wohngeld. Die Steigerung der Antragszahlen
ab März gehen nach Kenntnis der Sachbearbeitung auf coronabedingte Einkommensausfälle (z.B. Kurz-
arbeit, ALG I und Einkommensausfälle Studierender) zurück. Vor allem im November ist ein deutlicher
Anstieg festzustellen (+ 257). Auch wenn in den Vorjahren für diesen Monat Steigerungen festgestellt
wurden, fielen diese aber wesentlich geringer aus. Die aktuelle Steigerung ist damit vermutlich auf die
Corona-Pandemie zurückzuführen.

                                                  8
E. Schulden und Verbraucherinsolvenzen
Die Coronakrise führt unter Umständen dazu, dass Einkommen ausfallen und Vermögen aufgebraucht
werden müssen. Schnell entstehen in solchen Situationen Schulden. Grundsätzlich ist das Risiko, sich zu
verschulden oder sogar zu überschulden, für Haushalte mit einem niedrigen Einkommen und geringer
Qualifikation höher (vgl. Sozialbericht 2018, Seite 72 ff). Private Haushalte sind überschuldet, wenn sie
ihre Schulden, nach Abzug aller Lebenshaltungskosten, nicht fristgerecht tilgen können (relative Über-
schuldung). Wenn Einkommen und Vermögen der Schuldner*innen nicht mehr ausreichen, um beste-
hende Verbindlichkeiten zu decken, liegt eine absolute Überschuldung (Insolvenz, Vermögensauskunft)
vor.
Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen sind meist die ersten Instanzen, die sich mit der Situation der
Schuldner*innen professionell befassen, auch im Falle einer angestrebten Verbraucherinsolvenz ist eine
Schuldnerberatung vorgelagert.
Der Indikator Verbraucherinsolvenzen wird seit November 2020 nicht mehr im Monitoring dargestellt.
Er sollte anhand der monatlichen Anzahl der eröffneten verbraucherinsolvenzverfahren mittel- oder lang-
fristigen Auswirkung der Pandemie darstellen. Aufgrund einer vom Bundesjustizministerium im Juli an-
gekündigten Gesetzesänderung verliert der Indikator an Aussagekraft. Die Gesetzesänderung beinhaltet,
dass eine Restschuldbefreiung bereits nach drei Jahren und nicht wie derzeit sechs Jahren erfolgen wird.
Die Beantragung von Verbraucherinsolvenzen wird von den Betroffenen nun soweit wie möglich verzö-
gert, um in den Genuss der neuen Regelung zu kommen. Die Entwicklung ist somit nicht coronabedingt
und nicht Ausdruck sozialer Lagen, sondern Abbild der Erwartung einer neuen gesetzlichen Regelung.
Methodik - Was wird dargestellt?
Erstkontakte via Telefonsprechstunde: Bei der sogenannten „Telefon-Sprechstunde“ der städtischen
Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle handelt es sich um Erstkontakte. Deren Anzahl und Entwicklung
werden monatlich dargestellt. Die Daten der städtischen Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle wer-
den zum Auftakt des Monitorings stellvertretend für die Beratungsstellen in der Stadt Hannover heran-
gezogen.

                 Schuldnerberatung der Stadt Hannover -Erstkontakte via
                                 Telefonsprechstunde
            90
            80
            70
            60
   Anzahl

            50
            40    82
                           68                                                                        65                    62
            30                      59                55                       59         57
                                                                   51
            20                                                                                                  44
                                             35
            10
            0
                 Jan 20   Feb 20   Mrz 20   Apr 20   Mai 20       Jun 20      Jul 20    Aug 20     Sep 20     Okt 20    Nov 20

                                                                           Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Soziales

Zusammenfassung
Erstkontakte via Telefonsprechstunde: Seit Januar 2020 sind die telefonischen Erstkontakte zur städti-
schen Schuldnerberatung zunächst rückläufig gewesen. Mit einem Ausreißer nach unten im Oktober be-
wegt sich das Kontaktgeschehen seit Mai auf ähnlichem, leicht steigendem Niveau.

                                                              9
F. Kinderzuschlag (KIZ) und „Notfall-KIZ“
KIZ: Kinderzuschlag bekommen Familien mit einem niedrigen Einkommen, das nur knapp über dem
„Hartz-IV-Niveau“ liegt. Abhängig von der finanziellen Bedürftigkeit, die sich individuell berechnet, gibt
es bis zu 185 Euro pro Kind und Monat. Durch gesetzliche Neuregelungen im Rahmen des sogenannten
Starke-Familien-Gesetzes zum 1. Januar 2020 erweiterte sich der Kreis der Anspruchsberechtigten. Das
Bundesfamilienministerium erwartet im Jahr 2020 eine Verdopplung der Anzahl der Kinder, die den Zu-
schlag erhalten.
Notfall-KIZ: Familien, bei denen sich coronabedingt das Einkommen durch Kurzarbeit, Arbeitslosengeld
oder geringere Einnahmen reduziert hat, erhalten in der Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 2020 einen
leichteren Zugang zum Kinderzuschlag („Notfall-KIZ“). Die Bundesagentur für Arbeit prüfte vorüberge-
hend nur das Einkommen des vergangenen Monats und nicht aus den vergangenen sechs Monaten. Au-
ßerdem wurde die Vermögensprüfung ausgesetzt. Für Familien, die im ablaufenden Bewilligungszeit-
raum den höchstmöglichen Gesamtkinderzuschlag bezogen hatten, erfolgte ohne erneute Einkommens-
prüfung eine einmalige Verlängerung des Kinderzuschlags um sechs Monate. So konnten die Leistungen
ohne Unterbrechung gewährt werden.
Methodik - Was wird dargestellt?
Statistische Informationen zum Kinderzuschlag stellen die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (Fa-
milienkasse der BA) zur Verfügung. Als kleinste räumliche Ebene werden die Bundesländer ausgewiesen.
Es ist somit nicht möglich für die Stadt Hannover oder die Region Hannover Daten auszuwerten.
Dargestellt wird die monatliche Entwicklung der Anzahl der Kinder in Niedersachsen, die einen Kinder-
zuschlag erhielten. In der Annahme, dass sich die lokale Entwicklung nicht grundsätzlich vom Geschehen
in Niedersachsen unterscheidet, kann die Grafik Auskunft über die Entwicklung dieser Leistung für Fami-
lien geben.

                                         Kinderzuschlag in Niedersachsen
                  100.000                                 Mit „Notfall-KIZ“ ab
                                                          1.4.20
                   80.000                                                                                                           Entwicklung
  Anzahl Kinder

                                                                                                                                 März bis Nov. 2020
                   60.000
                                                                                    96.490

                                                                                                               93.204
                                                                                                      91.413
                                                                           90.389

                                                                                             89.903

                                                                                                                        86.651
                                                                  75.728
                                                         64.330

                   40.000                                                                                                              90,1 %
                                                45.572
                                       37.975
                              34.159

                   20.000

                       0
                            Jan. 20 Feb. 20 Mrz. 20 Apr. 20 Mai. 20 Jun. 20 Jul. 20 Aug. 20 Sep. 20 Okt. 20 Nov. 20
                                                                                             Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Zusammenfassung
Bereits seit Januar 2020 also vor der Coronakrise, ist die Zahl der Kinder, die in Niedersachsen einen
Kinderzuschlag erhielten, deutlich angestiegen. Dieses ist auf die oben erwähnte gesetzliche Neurege-
lung zurückzuführen. Mit der Einführung des „Notfall-KIZ“ kam es zu einem sprunghalten Anstieg der
Empfänger*innen. Es lässt sich anhand der dargestellten Daten nicht unterscheiden, welche Entwicklung
dem „Notfall-KIZ“ und welche der Gesetzesänderung zuzuordnen ist. Geht man aber von der vom Bun-
desfamilienministerium (coronaunabhängig) erwarteten Verdopplung der Empfänger*innenzahlen aus
(hier rd. 68.000), müssten zum Beispiel im Juli rund 28.500 der insgesamt über 96.000 Empfänger*innen
nach den Regeln des Notfall-KIZ den Zuschlag erhalten haben. Seit Juli hat sich die Anzahl der Leis-
tungsempfänger*innen auf hohem ungefähr gleichbleibendem Niveau eingependelt. Das Absinken im
November entspricht einer bundesweiten Entwicklung für die aktuelle keine Erklärung angeboten werden
kann.
                                                    10
G. Auswirkungen auf den Mietwohnungsmarkt
Im Durchschnitt wendete die Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2019 rund 26 Prozent ihres verfügba-
ren Haushaltseinkommens für Miete und Nebenkosten beziehungsweise für den Unterhalt ihres Wohn-
eigentums auf (Wohnkostenbelastungsquote)1. Vor dem Hintergrund zunehmender Kurzarbeit und stei-
gender Arbeitslosigkeit in Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie ist anzunehmen, dass die Wohn-
kostenbelastungsquote für Miet- und Eigentumshaushalte steigt. Zu dieser Einschätzung kommt eine
Studie des Sachverständigenrates für Verbraucherfragen im Mai 20202.
Hohe Wohnkosten führen dazu, dass Haushalte in ihren übrigen Konsumentscheidungen eingeschränkt
werden. Eine Überbelastung durch Wohnkosten liegt vor, wenn ein Haushalt mehr als 40 Prozent seines
verfügbaren Einkommens für Wohnen ausgibt – unabhängig davon, ob die Betroffenen zur Miete oder in
den eigenen vier Wänden leben. 2019 traf dies für 14 Prozent der Haushalte in Deutschland zu. Dabei
sind es insbesondere alleinlebende, alleinerziehende und armutsgefährdete Haushalte, die eine über-
durchschnittlich hohe Wohnkostenbelastung aufweisen. Dies sind Haushaltstypen, die vor allem in Groß-
städten wie Hannover leben3.
Die Wohnkostenbelastung ist nur bundesweit abbildbar. Um die Situation auf dem Wohnungsmarkt in
der Stadt Hannover näherungsweise abzubilden, wertet die Verwaltung seit Sommer 2020 in einem mo-
natlichen Rhythmus das vorhandene Angebot auf dem freien Wohnungsmarkt aus. Dabei lassen sich
Angebotsmieten aus Mietwohnungsinseraten ermitteln und es zeigt sich, zu welchem Mietpreis die je-
weils verfügbaren Wohnungen Wohnungssuchenden auf dem lokalen Wohnungsmarkt in der Stadt Han-
nover angeboten werden. Sie sind ein guter Spiegel der aktuellen Marktlage und illustrieren die Versor-
gungschancen von Haushalten, die aktuell umziehen (müssen).
Aus den Angebotsmieten lässt sich nicht ableiten, wie hoch die mittlere Wohnkostenbelastung in der
Landeshauptstadt ist, jedoch ist anzunehmen, dass aufgrund steigender Angebotsmieten auch die Wohn-
kostenbelastung insgesamt zunimmt.

Methodik – Was wird dargestellt?
Grundlage der Angebotserfassung und des Indikators „Angebotsmiete“ sind inserierte Mietwohnungen
in der Stadt Hannover mit Angaben zur Nettokaltmiete je Quadratmeter. Die Stadt Hannover greift hierzu
auf die vom Institut empirica angebotene Datenbank zurück, die die Angebote verschiedener Online-
Immobilienportale (Immoscout24, Immonet, Immowelt usw.) sowie der Webportale größerer lokaler
Tageszeitungen sammelt. Die Angebotsmiete ergibt sich aus den erfassten Mietwohnungsangebote im
jeweiligen Monat. Dabei wird die mittlere Angebotsmiete als Median ausgegeben. Der Median teilt die
monatlich erfassten Inserate in zwei gleich große Gruppen auf: 50 Prozent der inserierten Angebotsmie-
ten sind geringer und 50 Prozent fallen höher aus. Der Median hat im Unterschied zum arithmetischen
Mittelwert den Vorteil, dass er weniger anfällig auf Ausreißermieten (besonders hohe/niedrige Ange-
botsmieten) reagiert.

1   Quelle: www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen / 2020/10/PD20_428_639.html
2 Quelle: Groß, C., Göbler, K. & Wagner, G. G. (2020). Corona-Pandemie: Auch ein Stresstest für den Wohnungsmarkt. Veröf-
fentlichungen des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen, Berlin Mai 2020

3Quelle: www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Wohnen/Tabellen/eurostat-anteil-wohnkosten-haushaltsein-
kommen-silc.html
                                                           11
Mietwohnungsinserate und Angebotsmieten* inserierter Mietwohnungen
                                               in der Stadt Hannover seit Januar 2018
                         2.000                                                                                                                  9,80
                         1.800                                                                                                                  9,60
                         1.600                                                                                                                  9,40
     Inserate* absolut

                         1.400                                                                                                                  9,20

                                                                                                                                                       in Euro/m²
                         1.200
                                                                                                                                                9,00
                         1.000
                                                                    Durchschnitt 1.320 Inserate / Monat                                         8,80
                           800
                           600                                                                                                                  8,60
                           400                                                                                                                  8,40
                           200                                                                                                                  8,20
                             0                                                                                                                  8,00
                                  Jan Mrz Mai        Jul Sep Nov Jan Mrz Mai               Jul Sep Nov Jan Mrz Mai                  Jul Sep
                                  18 18 18           18 18 18 19 19 19                     19 19 19 20 20 20                        20 20
                                 Inserate* absolut         in Euro/m²                                     Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Bereich
                                                                                                          Stadtentwicklung/ empirica Preisdatendatenbank

* Hierbei erfasst sind: alle inserierten Mietwohnungen (Bestand und Neubau) ohne weitere Filterung.

Die Abbildung zeigt die Zahl inserierter Mietwohnungen sowie die Angebotsmiete des jeweiligen Monats.
Durchschnittlich werden im langjährigen Mittel rund 1.320 Mietwohnungsinserate pro Monat erfasst.
Generell werden im Dezember und Januar weniger Inserate geschaltet.

Zusammenfassung
Die Zahl inserierter Mietwohnungen war in den Monaten März 2020 bis Juni 2020 deutlich reduziert. Im
März betrug der Rückgang der Inserate 4 Prozent gegenüber dem Mittelwert. Weniger Wohnungsange-
bote bedeuten weniger Auswahloptionen bei möglicherweise anstehender Wohnungssuche. Zudem sind
auch während der Pandemie die Angebotsmieten gestiegen beziehungsweise die monatlichen Angebots-
mieten halten seit März 2020 ihr hohes Niveau. Wie viele Haushalte sich am Ende der Corona-Pandemie
in einer Überlastungssituation befinden werden, ist noch nicht absehbar. Die zu Beginn der Pandemie
ergriffene Maßnahme, dass Mieter*innen, denen pandemiebedingt die Einnahmen fehlten, ihre Miete
stunden konnten, ist Ende Juni ausgelaufen. Der Kündigungsschutz hat mögliche Geldsorgen demnach
nur bis in den Herbst verschoben.

Dies ist ein inhaltlicher und redaktioneller Beitrag des Bereichs Stadtentwicklung (OE 61.5) der Landes-
hauptstadt Hannover.

                                                                                12
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