ERSTMAL ZU UNSERER STRATEGIE UND UNSEREN PROGRAMMEN? - Stiftung Mercator

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ERSTMAL ZU UNSERER STRATEGIE UND UNSEREN PROGRAMMEN? - Stiftung Mercator
ERSTMAL ZU UNSERER
STRATEGIE UND UNSEREN
        PROGRAMMEN?
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           WIR GESTALTEN

KULTURELLE
 BILDUNG
   Strategie und Programme

                                                         Menschen und Erfolge

                                                          KULTURELLE
                                                           BILDUNG
                                                                                GESTALTET UNS

                             ODER DIREKT WEITER
                             ZU DEN MENSCHEN
                             UND IHREN ERFOLGEN?
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ERSTMAL ZU UNSERER STRATEGIE UND UNSEREN PROGRAMMEN? - Stiftung Mercator
WIR GESTALTEN

KULTURELLE
 BILDUNG
   Strategie und Programme
ERSTMAL ZU UNSERER STRATEGIE UND UNSEREN PROGRAMMEN? - Stiftung Mercator
2 |     GRUSSWORT STIFTUNG MERCATOR

                          Impressum

                       HERAUSGEBER
              Stiftung Mercator GmbH
                       Huyssenallee 40
                           45128 Essen
                 Tel. +49 201 245 22-0
               Fax +49 201 245 22-44
            info@stiftung-mercator.de
            www.stiftung-mercator.de

                      Verantwortlich
                       Winfried Kneip

                      Projektleitung
      Dr. Tobias Diemer, Marisa Klasen,
                     Annika Pohlmann

        INHALTLICHE KONZEPTION
                  UND UMSETZUNG
        TEMPUS CORPORATE GMBH –
      Ein Unternehmen des Zeitverlags
      Helmut-Schmidt-Haus, Speersort 1
                     20095 Hamburg

                  Geschäftsführung:
            Jan Hawerkamp, Kai Wutte

                      Projektleitung:
                       Miriam Richter

                           Redaktion:
                     Maren Beck (Ltg.),
        Cornelia Heim, Natasa Ivakovic,
          Kristina Kara, Saskia Weneit,
          Sally Wilkens, Julien Wilkens

                              Layout:
                           Lisa Natrup

                       Bildredaktion:
                            Maja Metz

                                                                                                   COVER: THOMAS WITTE/ATELIER HURRA; FOTO: PETER GWIAZDA PHOTOGRAPHIE
                  Schlussredaktion:
                 Frauke Franckenstein
                                          Winfried Kneip, Geschäftsführer Stiftung Mercator, und
                                                      Dr. Tobias Diemer, Leiter Bereich Bildung

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  Das Magazin der Stiftung Mercator,
          www.aufruhr-magazin.de
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GRUSSWORT STIFTUNG MERCATOR              | 3

GRUSSWORT

  I
     n den vergangenen zehn Jahren hat sich die     licht uns, unsere begrenzten Mittel neuen
     Stiftung Mercator für ein großes Bildungs-     Herausforderungen und Zielen zu widmen.
     ziel eingesetzt: die Verankerung kultureller   Dabei können wir aus den Netzwerken und
  Bildung als Teil allgemeiner Bildung in Schu-     den Erkenntnissen der vergangenen zehn
  len. Der Wert von Kunst und Kultur für die        Jahre „Kulturelle Bildung“ schöpfen.
  Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung             Somit ist es nun, im Herbst 2020, an der
  von Kindern und Jugendlichen sollte neu er-       Zeit, zu danken und zu würdigen, was in zehn
  kannt und anerkannt werden. Gleichzeitig          Jahren kultureller Bildung durch viele Part-
  strebten wir an, dass dies für alle Kinder und    ner*innen und Personen in unzähligen Projek-
  Jugendlichen in allen Schulen erwirkt wird.       ten und Aktivitäten mit viel Engagement und
  Dabei hatten wir insbesondere die Schü-           Können geleistet wurde. Gleichzeitig geht
  ler*innen im Blick, die aufgrund von sozialen     es darum, mutig nach vorn zu schauen: nicht
  und ökonomischen Gründen weniger Zugän-           darauf, was war, sondern darauf, was ist und
  ge zu Kunst und Kultur erhalten. Um aus-          kommen wird. Denn in den vergangenen zehn
  nahmslos jedes Kind zu erreichen, setzten         Jahren ist vieles entstanden, auf das in den
  wir deshalb auf Länderebene an. Dort wer-         kommenden Jahren weiter aufgebaut wer-
  den die Qualitätsvorgaben für Schulen fest-       den kann und soll – in Praxis, Wissenschaft so-
  gelegt, und sie sollten um entsprechende          wie Politik und Verwaltung. Denn es sind nicht
  Kriterien kultureller Bildung erweitert wer-      nur Modelle entstanden, sondern auch nach-
  den. Auf diese Weise würden alle Schulen          haltige Strukturen. Welche das sind, möchten
  eine verbindliche Grundlage erhalten, sich        wir Ihnen auf den nächsten Seiten zeigen.
  mit Zeit, Personal und weiteren Ressourcen            Und diese Broschüre will noch etwas
  um die kulturelle Bildung ihrer Schüler*innen     mehr: Sie möchte ein kleines, aber feines
  zu kümmern.                                       Vermächtnis sein – und eine Anregung für
      Wir hatten uns vorgenommen, dieses            alle, die in Bildung und Kultur Verantwortung
  Vorhaben bis 2025 in allen 16 Bundesländern       tragen und Veränderungen gestalten, auf
  zu erreichen. Tatsächlich gelingt es uns          allen Ebenen. Denn kulturelle Bildung ist Teil
  bereits bis Ende des Jahres 2022. Zwei            einer Bildung für das 21. Jahrhundert, die in
  wesentliche Meilensteine auf diesem Weg           besonderer Weise wesentliche Kompetenzen
  waren die beiden großen Programme „Kul-           fördert, die in Zukunft immer wichtiger wer-
  turagenten für kreative Schulen“ (2011 bis        den: kritisches Denken, Kollaboration, Kom-
  2019) und „Kreativpotentiale“ (2013 bis           munikation und Kreativität.
  2022), mit denen wir alle 16 Bundesländer
  unterstützen. Jetzt, da wir wissen, dass wir      Eine gute Lektüre wünschen Ihnen
  unser ursprünglich gestecktes Ziel früher er-
  reichen konnten als geplant, haben wir als        Winfried Kneip		          Dr. Tobias Diemer
  flexible und lernende Stiftung entschieden,       Geschäftsführer 		        Leiter Bereich Bildung
  das Thema „Kulturelle Bildung“ nicht weiter-      Stiftung Mercator

  zuführen. Im Sinne unserer strategischen Ar-
  beitsweise ist das für uns eine folgerichtige
  und konsequente Entscheidung. Sie ermög-
ERSTMAL ZU UNSERER STRATEGIE UND UNSEREN PROGRAMMEN? - Stiftung Mercator
4 |   GRUSSWORT STEFANIE HUBIG

                                     Dr. Stefanie Hubig,
                                          Präsidentin der
                                 Kultusministerkonferenz
                                                            FOTO: PETER BAJER
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GRUSSWORT STEFANIE HUBIG    | 5

GRUSSWORT

  D
          ie Stiftung Mercator fördert seit mehr    Dabei fangen wir in der kulturellen Bildung
          als zehn Jahren kulturelle Bildung:       nicht bei null an – das zeigt und dokumen-
          mit einem großen finanziellen und         tiert insbesondere diese Broschüre. Mit dem
  ideellen Engagement, mit vielen guten Ideen       Programm „Kreativpotentiale“, dem Herz-
  und mit einem Anspruch, der auch uns als          stück der Stiftungsfördertätigkeit in deren
  politisch Verantwortliche fordert. Die Ihnen      Schwerpunkt „Kulturelle Bildung“, werden
  vorliegende Broschüre ist ein Dokument die-       Schulentwicklungsprozesse und kulturelle
  ses beachtlichen Engagements.                     Bildung wirkungsvoll miteinander verzahnt.
      Es gründet auf der Überzeugung, dass          Die Stiftung Mercator fördert jeweils eigene
  Kultur und Bildung untrennbar zusammenge-         Projekte der Länder, um die kulturelle Bildung
  hören. Für die Schulen ist die kulturelle Bil-    spezifisch und nachhaltig zu stärken.
  dung ein Grundauftrag. Sie leistet unverzicht-        Die Corona-Pandemie und die fortschrei-
  bare Beiträge zur emotionalen und sozialen        tende Digitalisierung unserer Gesellschaft
  und nicht zuletzt zur persönlichen Entwick-       stellen Kultur- und Bildungseinrichtungen
  lung. Sie wirkt integrierend, indem sie kultu-    vor eine große Herausforderung. Die Hy­
  relle Vielfalt erlebbar werden lässt, und sie     gienevorschriften zu wahren und dabei den
  trägt dazu bei, sozial bedingte Bildungsnach-     Bildungs- und Kulturauftrag zu erfüllen, ist
  teile auszugleichen. Kulturelle Bildung fördert   die wohl größte Aufgabe, vor der unser Bil-
  Kinder und Jugendliche darin, ihre kreativen      dungssystem und unser Kulturleben seit
  Potenziale entfalten zu können.                   Langem stehen. Analoge und digitale Lern-
      Noch immer lesenswert ist das Schwer-         formen intelligent zusammenzuführen, neue
  punktkapitel „Kulturelle/musisch-ästhetische      Formate zu entwickeln, die den Austausch,
  Bildung im Lebenslauf“ im Bericht „Bildung        die Begegnung und das Lernen erleichtern,
  in Deutschland 2012“. Dieser Bericht bestä-       sind eine Herausforderung, die aber auch
  tigt: Kulturelle Bildung verbessert die Bil-      kreative Chancen bietet.
  dungschancen von benachteiligten Kindern              Ich danke der Stiftung Mercator für ihr
  und Jugendlichen. Darauf aufbauend hat die        umfassendes Engagement im Bereich der
  Kultusministerkonferenz ihre „Empfehlun-          kulturellen Bildung und wünsche mir, dass
  gen zur kulturellen Kinder- und Jugendbil-        wir selbiges in Zukunft genauso engagiert
  dung“ aktualisiert. Darin kommt der Koope-        fortsetzen.
  ration von Schulen mit Kultureinrichtungen
  und außerschulischer Kinder- und Jugend-          Ihre
  bildung eine wesentliche Bedeutung zu. So
  werden Schulen selbst zu einem Kulturort          Dr. Stefanie Hubig
  und festen Bestandteil der kommunalen Bil-        Präsidentin der
  dungslandschaft.                                  Kultusministerkonferenz
ERSTMAL ZU UNSERER STRATEGIE UND UNSEREN PROGRAMMEN? - Stiftung Mercator
ILLUSTRATION: FREEPIK
                        6 |
                        GUT GESAGT
ERSTMAL ZU UNSERER STRATEGIE UND UNSEREN PROGRAMMEN? - Stiftung Mercator
GUT GESAGT   | 7

     „Wir Menschen können
  ethisch handeln, in komplexen
    Zusammenhängen denken,
Empathie und Neugier empfinden.
      Das sind die wichtigen
Fähigkeiten, die das Bildungssystem
       vermitteln muss. Da
   spielt kulturelle Bildung eine
      entscheidende Rolle.“

Prof. Dr. Andreas Schleicher, OECD-Bildungsdirektor
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8 |    STIFTUNG MERCATOR

      Mission

      KÜNSTE SCHAFFEN BILDUNG
      Über kulturelle Bildung werden Fähigkeiten vermittelt, die im 21. Jahr-
      hundert immer wichtiger werden. Damit alle Kinder und Jugendlichen
      die gleiche Chance darauf haben, setzte die Stiftung Mercator auf die
      Förderung kultureller Bildung in Schule. Ein Rückblick.

                                           D
                                                   ie Künste – also Musik, Tanz,   Denken, Kommunikation, Kollabora-
                                                   Theater, Literatur und bil­     tion und Kreativität beitragen, die im
                                                   dende Künste – haben einen      21. Jahrhundert in Gesellschaft und
                                           besonderen Bildungswert für Kinder      Arbeitswelt immer wichtiger wer-
                                           und Jugendliche. In ihnen können sie    den. Aus all diesen Gründen gehören
                                           die Welt und die eigene Person auf      kulturelle Bildung und die Künste
                                           eine Weise erfahren und verste-         zum Kern einer allgemeinen Bil-
                                           hen lernen, wie dies anders – zum       dung in Schule – dem Ort, an dem
                                           Beispiel durch Alltagsverstand oder     alle Kinder und Jugendlichen er-
          ZUKUNFTSPROJEKT                  Wissenschaften – nicht möglich ist.     reicht werden. Das waren für uns die
          „ZERTIFIKATSKURS“                Gleichzeitig können durch eigenes       Motive, als wir uns im Jahr 2009 für
      Unter Einbeziehung der Erkennt­      künstlerisches Gestalten lebens-        dieses Thema als eines der zentralen
           nisse aus den Programmen        wichtige Kompetenzen wie Selbst-        Handlungsfelder der Stiftung Merca-
      „Kunstlabore“ und „Kulturagen-       bewusstsein, Mut im Umgang mit          tor entschieden haben.
            ten“ wird an der Universität   dem Unwägbaren, dem Risiko des              Aber die beschriebenen Effekte
        Hildesheim ein Zertifikatskurs     Scheiterns und der Freude des Er-       passieren nicht per se, wenn Kinder
      „Kulturelle Bildung für Künstle-     folgs erworben und gestärkt werden.     malen, schreiben, tanzen oder sin-
         rinnen und Künstler“ mit den      Und nicht zuletzt kann kulturelle       gen. Es braucht eine Vermittlung
       dafür nötigen Qualitätsstandards    Bildung wesentlich zur Entwicklung      von hoher künstlerischer Qualität und
            entwickelt. Mehr auf S. 21.    von Kompetenzen wie kritischem          ein bundesweites System zivilgesell-
                                                                                   schaftlicher Unterstützung und staat-
                                                                                   licher Strukturen, um diese Qualität
                                                                                   möglichst allen Schulen dauerhaft zur
                                                                                   Verfügung zu stellen. Dieser Heraus-
Künstlerisches Gestalten wie
Theaterspielen fördert unter                                                       forderung versprach die Stiftung
anderem Mut.                                                                       Mercator im Jahr 2010 sich mit ih-
                                                                                   rer Strategie „Kulturelle Bildung“ zu
                                                                                   widmen und dazu beizutragen, dass
                                                                                   kulturelle Bildung bis 2025 zu einem
                                                                                   wesentlichen Bestandteil allgemeiner
                                                                                   Bildung in Schule für alle Kinder und
                                                                                   Jugendlichen wird.

                                                                                   EIN ZIEL ENTSTEHT

                                                                                   In einem föderalen Bildungssystem,
                                                                                   in dem die Hoheit über Bildung und
                                                                                   Kultur bei den Ländern liegt, sind
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STIFTUNG MERCATOR                | 9

                                                                  bundesweite Ziele nur zu realisieren,
                                                                  wenn man mit allen 16 Bundes­
                                                                  ländern kooperiert. Als Ansatz für
                                                                  unser Ziel eignete sich aus unserer
                                                                  Sicht besonders das Steuerungsins­
                                                                  trument der Qualitätsrahmen, das
                                                                  in allen Bundesländern etabliert ist.
                                                                  Die darin enthaltenen Vorgaben zur
                                                                  Unterrichts- und Schulentwicklung
                                                                  setzt jedes Schulministerium für sich
                                                                  fest. Wäre kulturelle Bildung darin
                                                                  festgeschrieben, würde sie zur Regel
                                                                  werden. Dies sollte daher unser
                                                                  zentrales Ziel werden: die Aufnahme                                                                     Kulturelle Bildung in der
                                                                  von Kriterien kultureller Bildung in                                                                Schule zu verankern, ist eine
                                                                                                                                                                          Gemeinschaftsaufgabe.
                                                                  den Qualitätsrahmen der Länder –
                                                                  bis 2015 in vier, bis 2025 in allen      Die „Systemische Verankerung“ zielte
                                                                  Bundesländern.                           auf das Kernvorhaben, kulturelle Bil-
                                                                      Dies allein reichte jedoch im Hin-   dung in die Qualitätsrahmen der Län-
                                                                  blick auf die praktische Umsetzung       der zu integrieren. Die Partner unseres
                                                                  nicht aus. Daher ergänzten wir un­       dafür entwickelten Rahmenprogramms
                                                                  sere Strategie um die Förderung der      „Kreativpotentiale“ waren die Minis-
                                                                  Entwicklung von Instrumenten und         terien. Diese zeigten sich offen für
                                                                  Modellen, die Lehrkräfte und Schul-      unsere Initiative, denn viele Länder
                                                                  leiter*innen darin unterstützen,         hatten sich bereits vorgenommen,
                                                                  qualitativ hochwertige Methoden          kulturelle Bildung in die Qualitäts­
                                                                  kultureller Bildung in ihrer Schule      entwicklung ihrer Schulen einzube-
                                                                  einzurichten. Eine Herausforderung       ziehen. Das im Jahr 2013 gestartete
                                                                  lag in der Dimension und in den ver-     Rahmenprogramm sah vor, dass die
                                                                  schiedenen Ebenen, auf die sich          einzelnen Ministerien eigenständig
FOTOS: SIMON BIERWALD, RALF SONDERMANN; ILLUSTRATIONEN: FREEPIK

                                                                  unser Engagement erstrecken muss-        Projekte entwickeln und durchführen,
                                                                  te. Immerhin wären in Deutschland        die durch die Stiftung begleitet und
                                                                  nicht weniger als 35.000 allgemein-      gefördert werden. Zwei verbindliche
                                                                  bildende Schulen, 750.000 Lehrkräfte     Kriterien setzte die Förderung voraus:
                                                                  und 8 Millionen Schüler*innen zu         die angestrebte Erweiterung des Qua-
                                                                  adressieren. Dies wäre, das war klar,    litätsrahmens sowie die Qualifizierung    ZUKUNFTSPROJEKT
                                                                  ohne Aktivierung von Politik, Minis-     des Schulpersonals für den Umgang         „PLATTFORM“
                                                                  terien und institutionellen Akteuren     mit kultureller Bildung.                  In der Kulturstiftung der Länder
                                                                  in den Ländern nicht zu schaffen.             Das Handlungsfeld „Praxis und        entsteht eine digital-analoge
                                                                                                           Transfer“ fokussierte Aktivitäten und     Plattform für kulturelle Bildung
                                                                  DREI HANDLUNGSFELDER,                    Projekte auf der Ebene der Schulen.       mit „Best Practices“, Arbeits­
                                                                  DREI LEUCHTTÜRME                         Hier sollten Methoden und Program-        hilfen, Infos über Strukturen,
                                                                                                           me entstehen, die sich andere Schu-       Inhalte und Akteure, gesammelt
                                                                  Um unsere strategischen Aktivitäten      len und Kommunen für die eigene           in zehn Jahren Engagement
                                                                  sinnvoll zu bündeln, etablierten wir     Praxis abgucken könnten. Die größte       und zugänglich für alle. Mehr
                                                                  drei Handlungsfelder.                    Herausforderung bestand darin,            auf S. 25.
10 |   STIFTUNG MERCATOR

   einen Weg zu finden, Kunst und Kul-
   tur buchstäblich in die Schulen zu
   tragen. Es brauchte eine Vermittlung
   zwischen außerschulischen Kultur­
   institutionen beziehungsweise Künst-
   ler*innen und den Schulen im
   Stadtteil. Im Modellprogramm „Kul-
   turagenten für kreative Schulen“ wur-
   de 2011 in Kooperation mit der Kul-
   turstiftung des Bundes dafür eine
   neue Profession geschaffen: Kultur-
   agent*in. Diese Vermittlerperson hat-
   te die Aufgabe, den Dialog zwischen
   den beteiligten Schulen und den re­
   gionalen Kulturpartnern zu fördern,
   um passende und qualitativ hochwer-
   tige Angebote kultureller Bildung zu
   initiieren. Das Ziel: Kunst und Kultur
   sollten zu einem selbstverständlichen
   Teil des Schulalltags werden. Durch
   Kooperation und inhaltliche Zusam-
   menarbeit waren hier wiederum auch
   die Ministerien einbezogen. Dadurch      tungen 2012 die Partnergesellschaft       relle Bildung“ in der neuen, auf fünf
   wurde das Projekt auf bildungspoli­      „Rat für Kulturelle Bildung e. V.“, ei-   Jahre angelegten Strategie kein
   tischer Ebene gestärkt und eine Wei-     nen 13-köpfigen Expertenrat, dessen       Schwerpunktthema mehr sein wird.
   terführung in staatlicher Trägerschaft   Mitglieder aus Wissenschaft und           Die Förderung der Programme und
   wahrscheinlicher.                        Kunst die verschiedenen Aspekte           Projekte in diesem Bereich endet
        Für das Handlungsfeld „Wissen-      und Felder kultureller Bildung reprä-     2022. Doch dieser Rückzug erfolgt
   schaftliche Beratung“ gründeten wir      sentieren. Als unabhängiger Rat war       aus gutem Grund: Wir haben unser
   zusammen mit sechs weiteren Stif-        und ist es seine Aufgabe, das Feld        formales Ziel erreicht. Bis 2022
                                            der kulturellen Bildung zu beobach-       werden alle 16 Bundesländer ihre
                                            ten, zu erforschen und Entschei-          Qualitätsvorgaben um Kriterien der
                                            dungsträger*innen auf allen Ebenen        kulturellen Bildung ergänzt und in
                                            zu beraten. Er liefert zudem Wissen       Lehrkräfteweiterbildung und Schul-
                                            und Argumente, die in die strategi-       entwicklungsmaßnahmen integriert
                                            schen Aktivitäten und Projekte der        haben. Als zivilgesellschaftlicher Ak-
                                            Stiftung einfließen. Seit 2015 er-        teur und unserem Selbstverständnis
                                            gänzt der „Forschungsfonds Kultu-         folgend haben wir damit alles getan,
                                            relle Bildung. Studien zu den Wir-        was wir unter Wahrung der staat­
                                            kungen Kultureller Bildung“ die           lichen Souveränität im Bildungs­
                                            Tätigkeit des Rats.                       bereich tun können und dürfen.
                                                                                      Die flächendeckende Stärkung kul-
                                            DAS ZIEL WIRD ERREICHT                    tureller Bildung in allen 35.000 Schu-
                                                                                      len, für alle 750.000 Lehrkräfte und
                                            Im Jahr 2020 verkündet die Stif-          alle 8 Millionen Schüler*innen kann
                                            tung Mercator offiziell, dass „Kultu-     nur Aufgabe der Länder sein. Mit
STIFTUNG MERCATOR            | 11

                                                                                                                                                                   ZUKUNFTSPROJEKT
                                                                                                                                                                   „MESSBARKEIT“
                                                                                                                                                                   Am DIPF | Leibniz-Institut für
                                                                                                                                                                   Bildungsforschung und
                                                                                                                                                                   Bildungs­information wird nach
                                                                                                                                                                   Wegen gesucht, kulturelle
                                                                                                                                                                   Bildung messbar zu machen.
                                                                                                                                                                   Auf diese Weise soll sie,
                                                                                                                                                                   systematisiert, in den Nationalen
                                                                                                                                                                   Bildungsbericht integriert
                                                                                                                                                                   werden. Mehr auf S. 29.

                                                                                          Digitalisierung und
                                                                                   kulturelle Bildung müssen                                      Über die Künste können Kinder und Jugendliche
                                                                                 zusammengedacht werden.                                          die Welt und sich selbst verstehen lernen.
                                                                                      Mehr dazu ab Seite 32.
FOTOS: RUPERT OBERHÄUSER, SANDRA WEMER, KAY OEZDEMIR ; ILLUSTRATIONEN: FREEPIK

                                                                                 unserem Engagement haben wir             So haben wir im Handlungsfeld „Pra-        Länder moderiert wird und mit ihren
                                                                                 dazu beigetragen,                        xis und Transfer“ die Erarbeitung          Aktivitäten zur kulturellen Bildung
                                                                                    • bundesweit in allen Ländern        eines transferfähigen Modells für die      verschmelzen soll.
                                                                                       Strukturen für die Umsetzung       Zer­tifizierung und Qualifizierung von         Diese drei Projekte sollen ge-
                                                                                       qualitativ hochwertiger kultu-     Künstler*innen beschlossen, an dem         währleisten, dass die während zehn
                                                                                       reller Bildung zu etablieren,      die Universität Hildesheim zusammen        Jahren gesammelten Erfahrungen
                                                                                    • nachhaltige Modelle für „Kultur-   mit der Bundesakademie Wolfenbüt­          und aufgebauten Strukturen im Feld
                                                                                       schulen“ in Kooperation mit au-    tel arbeiten wird.                         der kulturellen Bildung auch in Zu-
                                                                                       ßerschulischen Kulturpartnern          Im Handlungsfeld „Wissenschaft-        kunft aktiv genutzt und weiter wir-
                                                                                       zu entwickeln,                     liche Beratung“ arbeiten wir mit dem       ken werden.
                                                                                    • die Möglichkeiten und Grenzen      DIPF | Leibniz-Institut für Bildungs-          Dies ist der Stiftung Mercator ein
                                                                                       sowie Bedingungen und Quali-       forschung und Bildungsinformation          großes Anliegen, denn es ist klar:
                                                                                       täten kultureller Bildung neu zu   am Aufbau eines Monitoring-Modells         Kulturelle Bildung ist Teil einer Bil-
                                                                                       vermessen und aufzustellen.        im Nationalen Bildungsbericht.             dung für das 21. Jahrhundert, in
                                                                                                                              Und im Handlungsfeld „Syste­           dem das Leben nur mit Fähigkeiten
                                                                                 Bis zum Ende des Jahres 2022 sor-        mische Verankerung“ wurde ein              wie kritischem Denken, Kollabora­
                                                                                 gen wir darüber hinaus noch mit          Projekt zum Aufbau einer Plattform         tion, Kommunikation und Kreativität
                                                                                 drei großen Projektförderungen für       „Kulturelle Bildung“ auf den Weg ge-       zum Wohle aller gestaltet werden
                                                                                 die Nachhaltigkeit dieser Beiträge.      bracht, die von der Kulturstiftung der     kann.
12 |   KOOPERATION

                               Zusammenarbeit

                     DER EINE STRANG
           Ohne Kooperation bewegt sich in der kulturellen Bildung wenig.
                Die Zusammenarbeit zwischen Schule, Kommune und
          der Kunst bildet die notwendige Basis. Wie wirkt man gemeinsam?
                Aus Oberhausen berichten Kulturagent Jens Niemeier,
         Kulturdezernent Apostolos Tsalastras und die Kulturbeauftragte der
                 Gesamtschule Weierheide, Alischa Leutner-Peters.
KOOPERATION | 13

                             KULTURAGENT JENS NIEMEIER

                            I
                               m Scheinwerferlicht stehen wollte ich nie.     Schülerschaft bauten sie die Ausstellung auf.      „Auf allen Seiten
                               Lieber ziehe ich die Fäden im Hintergrund.     Um das Finanzielle müssen sich die Schulen         braucht es
                               Als Kulturagent mache ich im Prinzip           auch keine Sorgen machen. Als Kulturagent          Offenheit, Neugier,
                            nichts anderes. In erster Linie ermögliche        weiß ich genau, welche Töpfe es gibt und wie       Mut – und die
                            ich Kooperationen zwischen Künstler*innen,        viel welche Schule ausgeben darf. Gibt es ein      Freiheit, Sachen
                            Kultureinrichtungen und Schulen in Ober-          konkretes Vorhaben, suche ich den passen-          auch mal schief­
                            hausen. Ich liebe es, mit Menschen etwas          den Antrag für die Schule heraus und nehme         gehen zu lassen.“
                            Kreatives zu entwickeln – ob als Künstler,        den Lehrkräften so viel ab, wie ich kann.
                            Musiker oder eben jetzt Kulturagent. Bevor        Hilfreich ist auch, dass ich in Schulen in den
                            ich 2017 den Job im Rathaus annahm, war           Kulturfach-Konferenzen sitze. So bringe ich
                            ich 13 Jahre lang als freischaffender Künstler    Impulse ein oder mache auf Finanzierungs-
                            in drei der vier Kulturagenten-Schulen in         möglichkeiten aufmerksam.
                            Oberhausen tätig. Teilweise arbeite ich               Wir haben hier das Glück, dass die
                            auch noch heute als freier Künstler: als Leiter   Kommune seit 2013 ein Gesamtkonzept zur
                            des inklusiven ClaudiusTHEATERS Bochum            kulturellen Bildung hat und es stetig weiter-
                            und als Dozent für Improvisationstheater an       entwickelt. Dadurch sind die kulturellen Ein-
                            der clamotta ImproSchule in Köln.                 richtungen sehr offen, und es sind Budgets
                                Um gemeinsam erfolgreich kulturelle Bil-      da. Natürlich ist diese Offenheit von Schule
                            dung in Schulen zu etablieren, habe ich ge-       zu Schule unterschiedlich, doch ich als
                            lernt: Auf allen Seiten braucht es Offenheit,     Kulturagent bin sehr nah an ihnen dran und
                            Neugier, Mut – und die Freiheit, Sachen auch      kann Bedenken zerstreuen. Ich weiß ja, wel-
                            mal schiefgehen zu lassen. Ich bin froh, in den   che Welten aufeinanderprallen. Zu meinen
                            Schulen und kulturellen Einrichtungen immer       Aufgaben gehört auch, nachhaltige Konzep-
                            wieder auf so offene Ohren zu stoßen. Dank        te zu fördern. Wir finanzieren keinen Kon-
                            meiner Erfahrung weiß ich, wie es ist, als        sum, sondern wollen, dass die Schüler*innen
                            kreativer Mensch in einer Schule zu arbeiten.     künstlerisch aktiv werden.“
                            Gleichzeitig kenne ich die Strukturen in den
                            Schulen, die Hemmnisse und Bedürfnisse.
                            Meine Arbeit beschreibe ich so: Ich versuche,
                            die Schulen an so vielen Stellen wie mög-
                                                                                                                               Jens Niemeier
                            lich zu entlasten und dauerhafte Brücken                                                           ist seit 2017
                            zu Künstler*innen und Kultureinrichtungen                                                          Kulturagent in
                                                                                                                               Oberhausen.
                            zu bauen. Sobald ich weiß, was eine Schule
                            braucht, führe ich Vorgespräche mit den
                            Kunstschaffenden oder Kulturinstitutionen.
                            Ich unterstütze beim Stellen von Anträgen
                            und suche nach Fördermöglichkeiten.
                                Ein Lehrer erzählte mir mal von der Idee,
                            eine Ausstellung mit seinen Schüler*innen zu
                            machen, doch ihm fehlten Zeit und Know-
                            how für die Umsetzung. In solchen Fällen
                            komme ich ins Spiel. Ich organisierte die Aus-
                            stellungsfläche, sprach mit einer Ausstellungs­
FOTOS: COMPLIZE/PHOTOCASE

                            designerin und beantragte die entsprechen-
                            den Gelder. Natürlich profitiere ich dabei
                            von meinen Kontakten. Ich weiß, wen ich an-
                            sprechen kann und welche Künstler*innen zu
                            einem Projekt passen. Am Ende engagierte
                            die Schule die Künstlerin, und gemeinsam
                            mit den beteiligten Lehrkräften und der
14 |   KOOPERATION

       KULTURBEAUFTRAGTE ALISCHA LEUTNER-PETERS

                                                                                  weitergegeben wird. So hängt alles nicht nur
                                                                                  an mir als der Kulturbeauftragten oder an
                                                                                  einzelnen Lehrer*innen. Mit Erfolg: Kreati­
                                                                                  vität zieht sich durch alle Fächer, wir ziehen
                                                                                  alle an einem Strang. Kultur ist bei uns an der
                                                                                  Gesamtschule Weierheide kein Beiwerk, das
                                                                                  die Schüler*innen konsumieren. Sondern ein
                                                                                  Mittel, um Identität zu stiften, Verbindungen
                                                                                  herzustellen und die eigene Persönlichkeit
                                                                                  auszudrücken. Zweitens motiviert mich der
                                                                                  Einfluss, den kulturelle Bildung auf die Schü-
                                                                                  ler*innen hat. Es ist uns ein wesentliches An-
           Alischa Leutner-                                                       liegen, dass unsere Schüler*innen über das Er-
               Peters ist die
           kulturbeauftragte
                                                                                  leben von Kreativität selbst zu kreativem Den-
                 Lehrerin an                                                      ken gelangen. Ich kann die Entwicklung der
           der Gesamtschule                                                       Jugendlichen an ihrer Körpersprache ablesen.
                 Weierheide.
                                                                                  Ich sehe, wie ihr Selbstbewusstsein wächst.
                                                                                      Ab der achten Klasse können unsere

                                U
                                                                                  Schüler*innen das Ergänzungsfach ,KreSch‘
                                        nsere Schülerschaft hat von zu Hause      wählen. Statt Lernstoff zu konsumieren, ge-
                                        aus meist nicht den Zugang zu kultu-      stalten die Jugendlichen den Unterricht. Drei
                                        rellen Einrichtungen. Uns ist es ganz     Stunden die Woche dichten, trommeln, ma-
                                wichtig, dass wir da einen Fuß in die Tür krie-   len, filmen, stricken – Hauptsache, am Ende
                                gen. Als Kulturbeauftragte meiner Schule          steht ein gemeinsam erarbeitetes Projekt.
                                gebe ich Impulse und konkrete Bildungs­           So entstanden Theater- und Performance-
                                angebote an die Lehrkräfte weiter. Meiner         Auftritte, Ausstellungen, eine Hip-Hop-Revue,
                                Arbeit hilft es enorm, dass wir an der Ge-        Texte, Choreografien, Filme, sogar Flashmobs.
                                samtschule Weierheide einen verbindlichen         In den Kursen arbeiten wir eng mit Künst-
                                Kulturfahrplan aufgesetzt haben. Wir sind         ler*innen, dem Kulturagenten Jens Niemeier
                                Kulturschule und seit 2011 Teil des ,Kultur-      und den städtischen Kulturinstitutionen zu-
                                agenten‘-Programms. Zusammen mit dem              sammen.
                                Fach ,Kreative Schule‘, kurz ,KreSch‘, ist die        Es ist faszinierend, was für Talente dabei
                                kulturelle Bildung langfristig in unserem         zum Vorschein kommen, von denen man im
                                Schulkonzept verankert.                           normalen Unterricht nichts ahnt. Damit die
                                    Wir holen die Kunst nicht nur in die Schu-    Schüler*innen sich fallen lassen können,
                                le, sondern zeigen die Kunst der Kinder und       braucht es Vertrauen und Sicherheit. Was
                                Jugendlichen einem breiten Publikum. Dafür        viele vergessen: Schule ist ja auch ein Ort, an
    „Kultur ist bei uns         sind die Kooperationen mit Einrichtungen          dem man lebt. Hier wird man zu einer Per-
       an der Gesamt­           wie dem Industriemuseum und dem Theater           sönlichkeit, die sich in einer Gemeinschaft
   schule Weierheide            Oberhausen wichtig. Außerdem haben wir            behaupten muss. Unsere Schule ist so ein
     kein Beiwerk, das          einen superkompetenten Kulturagenten in           Ort, besonders im Fach ,KreSch‘ merke ich
    die Schüler*innen           unserer Stadt, der die freie Kunstszene, die      das immer wieder. Dazu gehört auch, dass
         konsumieren.           Kulturinstitutionen, die Fördertöpfe und die      wir die Jugendlichen keiner Prüfungssitua­
   Sondern ein Mittel,          Schule kennt. Das ist ein Geschenk für uns.       tion aussetzen. Leider ist das Bewerten auch
       um Identität zu          Jens Niemeier versorgt mich mit gebündel-         in diesem Fach ein Muss – also versuchen wir,
   stiften, Verbindun­          ten Informationen über Kulturprogramme.           das so transparent wie möglich zu vermitteln
     gen herzustellen               Mich motivieren zwei Dringe: erstens der      und prozessorientiert zu benoten. Wir wollen
        und die eigene          unverhandelbare Stellenwert kultureller Bil-      die positiven Erfahrungen, die die Schüler*in-
        Persönlichkeit          dung an unserer Schule. Es gibt einen Leitfa-     nen machen, nicht mit Druck kaputt machen.
       auszudrücken.“           den, der Konsens ist und an neue Lehrkräfte       Und das ist es, was sie so stärkt.“
KOOPERATION | 15

                                KULTURDEZERNENT APOSTOLOS TSALASTRAS

                               I
                                  ch bin auf die Menschen in Oberhausen          und entwickeln die kulturelle Bildung immer        „Wir haben uns
                                  angewiesen. Meine Vision für unsere            weiter. Ich kann auch sagen, dass ihr Engage-      schon lange von
                                  Stadt ist, kulturelle Bildung für alle zu-     ment von uns bestmöglich unterstützt wird.         der klassischen
                               gänglich zu machen. Das gelingt nur, wenn             Als ich als Kulturdezernent anfing, fragte     Projektförderung
                               alle Beteiligten erkennen, was für ein wich-      ich mich: Wie kommen wir an die Jugend­            verabschiedet.
                               tiger Erfolgsfaktor kulturelle Bildung ist: Sie   lichen ran? Wie entwickeln wir ein System,         Es geht uns um
                               stärkt die persönliche Entwicklung von Kin-       das den Schüler*innen Spaß macht? Denn             Nachhaltigkeit.“
                               dern und Jugendlichen, gibt ihnen Spaß an         nur dann ist es eine Win-win-Situation. Es
                               der Schule und verbessert ihre Zukunfts-          darf für niemanden eine Last sein – weder
                               perspektive. Wir haben hier eine hohe Kin-        für die Schüler*innen noch für die Lehrkräfte
                               derarmut, die Sozialstruktur in unserer           und Künstler*innen. Und das funktioniert nur,
                               Stadt ist schwierig. Doch als Gemeinschaft        wenn wir den Beteiligten Gehör schenken.
                               sind wir auf das kreative Potenzial unserer       Einmal im Jahr kommt unsere einzigartige
                               Schüler*innen angewiesen. Es stärkt nicht         Kultur-Netzwerklandschaft zusammen. Wir
                               nur sie, sondern auch das Zusammenleben           hören hin, was Künstler*innen und Schü-
                               in unserer Stadt.                                 ler*innen erlebt und geschaffen haben. Kul-
                                   Seit 15 Jahren bin ich Kulturdezernent in     turelle Bildung ist ein zentrales Element in
                               Oberhausen. Seither erlebe ich nahezu täg-        unserem Zusammenleben. Wir dürfen dieses
                               lich, wie engagiert und eng die Schulen, kul-     Konzept nicht erstarren lassen.“
                               turellen Einrichtungen und Künstler*innen
                               zusammenarbeiten. Das Engagement von
                               wenigen trägt dazu bei, dass wir kulturelle
                               Bildung in unseren Schulen und unserer
                                                                                                                                  Apostolos Tsalastras
                               Stadt verankern. Eine Sache ist dabei un-                                                          ist Kulturdezernent
                               glaublich wichtig: Wir haben uns schon lange                                                       in Oberhausen.
                               von der klassischen Projektförderung verab-
                               schiedet. Es geht uns um Nachhaltigkeit. Ich
                               erlebe, wie die Beteiligung in Kultureinrich-
                               tungen steigt. Dass es ein Potenzial gibt, das
                               ausgelebt werden will. In jedem Alter enga-
                               gieren sich Menschen.
                                   In Oberhausen sind alle Bildungsein­
                               richtungen an Bord, um den Kindern und
                               Jugendlichen kulturelle Bildung zu ermög­
                               lichen. Dabei hilft natürlich auch die Bemü-
                               hung der Stadt, die Schulen darin zu unter-
                               stützen. An jeder Schule haben wir Kultur-
                               beauftragte, die sich einmal im Jahr mit den
                               Lehrer*innen und Schulleiter*innen austau-
                               schen. So wissen wir, welchen Bedarf die
                               Schulen haben und was wir noch anbieten
                               können. Besonders mit den zehn Kultur­
                               schulen in Oberhausen stehen wir in engem
FOTOS: REGINE ALINGS, PRIVAT

                               Kontakt.
                                   Dabei möchte ich betonen, wie engagiert
                               die Kulturbeauftragten der Schulen sind. Sie
                               leisten einen unglaublich wichtigen Beitrag
16 |   KOOPERATION

   RuhrKunstNachbarn

   RAUS AUS DER SCHULE,
   REIN INS MUSEUM!
   Das Projekt „RuhrKunstNachbarn“ ermöglicht Kindern und
   Jugendlichen, Museen im eigenen Stadtraum zu erkunden. Doch
   wie gelingt der Zugang zu ästhetischer Bildung konkret?
   Darüber erzählen Regina Selter und Barbara Hlali vom Museum
   Ostwall im Dortmunder U.

                                                                Warum sollte jedes Kind Museen
                                                                kennen und für sich nutzen lernen?
                                                                    Regina Selter: Kunstmuseen sind
                                                                Orte des kulturellen Gedächtnisses
                                                                und zugleich Raum für Auseinander-
                                                                setzung mit der Gesellschaft und
                                                                unserem Alltag. Sie ermöglichen,
                                                                verschiedenste Arten künstlerischer
                                                                Gestaltung zu erfahren. Sie schaffen
                                                                Zugänge zu unterschiedlichsten Wahr-
                                                                nehmungsebenen und sensibilisieren
                                                                für unkonventionelle Formen ästhe-
                                                                tischen Ausdrucks. Dies ist ein kultu-
                                                                reller Schatz, der jedem Kind zugäng-
                                                                lich gemacht werden sollte. Bildung
                                                                und Kunstvermittlung können dazu
                                                                beitragen, dass alle Kinder, Jugend­
                                                                lichen und Erwachsenen aus diesen
                                                                Ressourcen schöpfen, um ihr Leben
                                                                kreativ und selbstbestimmt zu ge­
                                                                stalten – jenseits von normierenden
                                                                Beschränkungen.

                                                                Wie möchte das Projekt „Ruhr-
                                                                KunstNachbarn“ jungen Menschen
                                                                den Weg ins Museum ebnen?
                                                                   Selter: Durch das Einbeziehen
                                                                des städtischen Umfelds des jeweili-
                                                                gen Museums in speziell für das Pro-
                                                                jekt konzipierte Workshops lernen
                     Wie Museum und Stadt zusammenhängen,       Kinder und Jugendliche nicht nur die
                     erfahren Kinder und Jugendliche über das
                     eigene künstlerische Wirken.               einzelnen Sammlungen der Museen
                                                                kennen – sondern auch deren Ver­
                                                                ortung, Bedeutung und Stellenwert
KOOPERATION | 17
                                                                                                                Regina Selter
                                                                                                            und Barbara Hlali
                                                                                                          vom Museum Ostwall
                                                                                                             im Dortmunder U

                                                                                   innerhalb der Stadt. Das Kunstmu­
                                                                                   seum wird damit zum Ort der kulturel­
                                                                                   len Bildung, der auch für die Jugend-
                                                                                   lichen selbst ein möglicher Aktions-
                                                                                   raum ist. Durch die Vernetzung des
                                                                                   Heimatstadtmuseums mit einem Part-
                                                                                   nermuseum in einer benachbarten
                                                                                   Stadt lernen sie zudem, ihren eige-
                                                                                   nen Aktionsradius über Stadtviertel
                                                                                   und Stadtgrenzen hinweg zu erwei-
                                                                                   tern. Es wurden stets beide besucht.

                                                                                   Das Museum Ostwall                           einem für „RuhrKunstNachbarn“ ent-       Inwieweit kann dieses Projekt
                                                                                   im Dortmunder U macht bei                    wickelten Arbeits- und Skizzenheft –     das Interesse an Kunst und Kultur
                                                                                   „RuhrKunstNachbarn“ mit.                     als Notiz, Weg­ skizze, gezeichnete      tatsächlich wecken?
                                                                                   Was möchten Sie verändern?                   Tonspur. Im Museum werden Werke              Selter: Natürlich reicht ein einzel-
                                                                                       Selter: Der große U-Turm und die         darauf untersucht, wie Stadterfah-       nes Angebot nicht aus, aber es kann
                                                                                   bunten Videoinstallationen auf dem           rung mit der Erfahrung der Kunst         ein wichtiger Impuls sowohl für Schü-
                                                                                   Dach beeindrucken. Daher nutzen Ju-          verbunden werden kann. Fragen da-        ler*innen als auch für Lehrkräfte sein.
                                                                                   gendliche das Dortmunder U gern als          bei sind: Wie haben die Künstler*in-     Eine positive Erfahrung bei einem
                                                                                   Selfie-Hintergrund. Das Museum Ost-          nen unbekannte Räume dargestellt?        Workshop im musealen Kontext kann
                                                                                   wall im Inneren des Turms sollte als         Welche künstlerischen Vorgehens-         ein wichtiger Türöffner sein, weiter-
                                                                                   kultureller Ort für alle in dieser Außen­    weisen lassen sich auf die eigene        hin Angebote von Kunstmuseen zu
                                                                                   wahrnehmung noch sichtbarer werden.          Erforschung der Stadt anwenden?          nutzen. Und wenn Kinder von ihren
                                                                                   Hier spielen Angebote der ästheti-           Aspekte aus der Kunsterfahrung wer-      Erfahrungen im Museum positiv zu
                                                                                   schen Bildung eine wichtige Rolle.           den ins „StadtKunstBuch“ integriert.     Hause berichten, bestärkt dies Fami­
                                                                                   Unser Bildungsansatz ist darauf aus-         Im dritten Teil des Workshops ver-       lien, auch andere offene Angebote,
                                                                                   gelegt, allen Kindern und Jugendlichen       knüpfen die Jugendlichen beide Er-       wie beispielsweise den Familien­
                                                                                   Zugang zu den kulturellen Ressourcen         fahrungsebenen miteinander.              sonntag im Dortmunder U oder Kunst-
FOTOS: SARAH HÜBSCHER, MUSEUM OSTWALL IM DORTMUNDER U/ STEFANIE WEISSHORN-PONERT

                                                                                   unseres Museums zu ermöglichen –                                                      kurse, für sich zu nutzen.
                                                                                   unterstützt durch freien Eintritt. Aller-    Welche Methoden der Kunst­
                                                                                   dings reicht dieses Öffnen der Türen         vermittlung können dabei helfen,
                                                                                   nicht aus, damit Menschen das Mu­seum        dass junge Menschen sich
                                                                                   für sich entdecken. Mit „RuhrKunst-          für die Künste interessieren?
                                                                                                                                                                               „RUHRKUNST-
                                                                                   Nachbarn“ konnten wir Schulklas­sen              Hlali: Im Museum Ostwall setzen
                                                                                                                                                                               NACHBARN“
                                                                                   aktiv zu uns einladen. Die Schü-             wir digitale Medien wie Digicams oder
                                                                                   ler*innen lernen im Workshop das             iPads gezielt als künstlerisches Werk-         Das Projekt des Netzwerks
                                                                                   Museum kennen und finden Anknüp-             zeug ein. Besonders in der Verbin-             „RuhrKunstMuseen“ zielt darauf,
                                                                                   fungspunkte zu ihrem eigenen Alltag.         dung mit analogen Medien und hap­              den Ort Museum insbeson-
                                                                                                                                tischen Erfahrungen möchten wir                dere Kindern und Jugendlichen
                                                                                   Was lernen Kinder mit und über               eine Entschleunigung der Wahrneh-              nahezubringen, die, zum Bei-
                                                                                   Kunst – und über das Museum als              mung unterstützen, durch die die               spiel aufgrund ihres sozioökono-
                                                                                   Teil des städtischen Raums?                  Kinder und Jugendlichen ihre Fanta-            mischen Hintergrunds, mit
                                                                                      Barbara Hlali: Schon auf dem Er-          sie in einer künstlerischen Gestaltung         Kulturinstitutionen nicht vertraut
                                                                                   kundungsweg zum Museum werden                analog und digital zum Ausdruck brin-          sind. Langfristig will das Projekt
                                                                                   Kinder und Jugendliche durch unter-          gen. In unserem Konzept wenden wir             auch die Arbeit von Museen
                                                                                   schiedliche Wahrnehmungsübungen              neben Übungen zur Sinneswahr­                  öffnen und die Übergänge von
                                                                                   für die Erfahrung des Stadtraums             nehmung auch Methoden aus dem                  Räumen fließender gestalten,
                                                                                   sensibilisiert. Ihre Sinneseindrücke         Bereich des kreativen Schreibspiels            um mehr junge Menschen auf
                                                                                   halten sie im „StadtKunstBuch“ fest,         und motorische Übungen an.                     andere Art zu erreichen.
18 |   KÜNSTLERISCHE QUALITÄT

   Kunstlabore

   EXPERIMENT
   GEGLÜCKT
   Wie gelingt künstlerische Arbeit in Schulen?
   Und wie sichert man deren Qualität, damit
   Schüler*innen von ihr profitieren? Die „Kunstlabore“
   erarbeiteten Antworten und Formate.

  I
     n einem Labor wird geforscht,         Kunstprojekt im Chemieunterricht?
     getüftelt, geprobt – und oft alles    Na klar!
     wieder von vorn. Was am Ende he-          Über einen Zeitraum von drei
   rauskommen soll, sind sowohl va­lide    Jahren, von 2015 bis 2018, waren die
   Methoden als auch Ergebnisse. Ge-       „Kunstlabore“ aktiv, die eigens ge-
   nau darum kümmerte sich das Netz-       gründete Partnergesellschaft Mutik
   werk „Kunstlabore“ mit einer beson-     gGmbH gab dabei zusammen mit
   deren „Forschungsfrage“: Wie kann       der Stiftung Mercator den Rahmen
   man künstlerische Angebote in ho-       vor. Für jede der fünf Kunstsparten
   her Qualität an Schulen entwickeln      Tanz, Musik, Literatur, Theater und
   und umsetzen?                           bildende Kunst wurde ein eigenes
       Das übergeordnete Ziel dahinter:    Labor geschaffen, also ein Zusam-
   In Zeiten, in denen Algorithmen den     menschluss von Projektträgern,
   Alltag bestimmen und die Digitalisie-   Schulen und Künstler*innen, die in
   rung voranschreitet, sollen bei Schü-   dieser Sparte aktiv sind oder werden
   ler*innen Empathie und selbststän-      wollten. 25 Grund- und weiterfüh-
   diges Denken als zentrale Bausteine     rende Schulen erklärten sich zur
   moderner Schulbildung entwickelt
   werden. Das entsprechende Medi-
                                           Teilnahme bereit und wurden so zum
                                           Reallabor für „Kunstlabore“-Projekte.
                                                                                     „MAN FORSCHT,
   um dafür: die Kunst. Oder vielmehr:         Der Begriff „Kunstlabor” wurde        MAN VERWIRFT
   die Bruchstelle, wenn Kunst auf         dabei ganz bewusst gewählt. „Er             ETWAS, MAN
   Schule trifft und so etwas Neues ent-   steht für unsere Haltung“, erklärt
   stehen kann. Die Idee der Labore:       Julia Heisig, die das Projekt begleitet   ORIENTIERT SICH
   Freie Künstler*innen so in den          und gemeinsam mit ihrer Kollegin           AN SETTINGS.“
   Schulbetrieb zu integrieren, dass sie   Heide Schönfeld verantwortet hat.
   kreative Impulse einbringen können.     „Man forscht, man verwirft etwas,         Julia Heisig, Projektleitung
   Den Unterricht nach Lehrplan mit        man orientiert sich an Settings.“ An-            „Kunstlabore“
   neuen Ideen bereichern und in der       ders als im üblichen Schulkontext ist
   Zusammenarbeit mit Lehrer*innen         das Scheitern in den Kunstlaboren
   nicht nur Motivation entfachen, son-    erwünscht. Ein Kunstlabor-Projekt
   dern ungewohnte Erlebnis- und           wird als Prozess verstanden – es darf,
   Wahrnehmungsräume schaffen. Ein         nein, es soll improvisiert werden, das
KÜNSTLERISCHE QUALITÄT           | 19

                                                                                                                           Ausprobieren! Was für das
                                                                                                                           Projekt „Kunstlabore“ galt, gilt
                                                                                                                           heute auch für die Schulen,
                                                                                                                           die sich an den erarbeiteten
                                                                                                                           Materialien bedienen können.

                                                                                                                            WIE KÜNSTLERISCHE
                                                                                                                            QUALITÄT BEURTEILEN?

                                                                                                                            „Natürlich musste sich das erst
                                                                                                                            einruckeln“, erklärt Julia Heisig. Die
                                                                                                                            Künstler*innen hatten extreme Vor-
                                                                                                                            behalte gegenüber der Benotung
                                                                                                                            von Kunst im schulischen Kontext
                                                                                                                            und weigerten sich, „DIN-Normen“
                                                                                                                            vorzugeben. Allgemeiner Konsens:
                                                                                                                            Künstlerische Arbeit soll nicht dem
                                                                                                                            üblichen Bewertungskanon unterlie-
                                                                                                                            gen. Allerdings kommen Lehrer*in-
                                                                                                                            nen an einer Notengebung oft nicht
                                                                                                                            vorbei. Gerade wenn, wie im Labor
                                                                                                                            der bildenden Kunst, Ateliers ein­
                                                                                                                            gerichtet wurden, die als Leistungs-
                                                                                                                            kurs mit Künstler*innen stattfanden.
                                                                                                                            Zudem könnten zwei komplett iden­
                                                                                                                            tische Projekte, so schildert Julia
                                                                                                                            Heisig das Dilemma künstlerischer
                                                                                                                            Prozesse, an zwei Schulen zu völlig
                                                                                                                            verschiedenen Erfahrungen führen.
                                       Ergebnis ist nicht vor­gezeichnet, es     inklusive Resümee sowie die Veröf-         Kreativität validieren – wie also soll
                                       entwickelt sich im Zusammenspiel          fentlichung der Website und des bil-       das vernünftig geschehen?
                                       von Schüler*innen, Lehrer*innen und       dungstheoretischen Ratgebers „Kunst-           Die gemeinsamen Überlegungen
                                       Künstler*innen. Die Resonanz ist          labore: Für mehr Kunst in Schulen!“.       hierzu gingen in den Ratgeber ein, der
                                       durchweg positiv. Schüler*innen fin-          Den ersten Abschnitt bezeichnet        im März 2020 publiziert wurde. Statt
                                       den es großartig, dass sich Schule        Heisig salopp als „Trial and Error“. Im    von Qualität sprechen die drei Auto-
                                       mal nicht wie Schule anfühlt. Von         Herbst 2015 habe es bereits erste          rinnen Julia Heisig, Ivana Scharf und
                                       „Experimentierfreude“ und „Offen-         Fördervereinbarungen gegeben, di-          Heide Schönfeld darin lieber von „Er-
                                       heit“, so äußern sich Lehrer*innen,       verse Schulen und Labore haben ge-         fahrungspotenzialen“, die Künste
                                       profitieren alle.                         genseitig die Fühler ausgestreckt.         Schüler*innen bieten könnten. Fünf
FOTOS: STIFTUNG MERCATOR/KUNSTLABORE

                                                                                 Richtig los ging es im Februar 2016.       besonders relevante Qualitätsbe­
                                       „DESIGN THINKING“ UND                     „Wir sind sehr ergebnisoffen gestar-       reiche werden beschrieben: Im Zen­
                                       PROTOTYPEN                                tet“, erzählt sie. Das gesamte erste       trum des künstlerischen Schaffens
                                                                                 Jahr über habe sich ein Kernteam           steht die anleitende Person. Sie wird
                                       Kulturmanagerin und Literaturwissen­      von 15 bis 20 Personen einmal              auch als „Herz“ und damit wichtigstes
                                       schaftlerin Julia Heisig unterteilt das   monatlich zu Reflexionsgesprächen          Element betrachtet. Es folgt die
                                       Projekt rückblickend in drei Phasen:      getroffen und dabei Prototypen ge-         Verständigung über Inhalte und Ziele.
                                       Auf die Erprobungsphase folgte der        baut, um mit vielen Expert*innen aus       An dritter Stelle steht der eigent-
                                       Transfer an die kooperierenden Schu-      Kunst und Bildung neue Formate             liche künstlerische Prozess, in dem
                                       len und schließlich die Anwendung         und Herangehensweisen zu testen.           Stra­tegien transparent gemacht
20 |     KÜNSTLERISCHE QUALITÄT

                                                                                                                    Wenn Kunst auf
                                                                                                                Schule trifft, entsteht
                                                                                                                immer etwas Neues.

             „DER BEGRIFF ‚LABOR‘ STEHT
                  FÜR DIE HALTUNG,
              MIT DER WIR AN DIE SACHE
               HERANGEGANGEN SIND.“
                 Julia Heisig, Projektleitung „Kunstlabore“

                                                                                           giert. Allesamt hoch spezialisiert auf
                                                                                           künstlerischem Terrain oder im
                                                                                           Bildungssektor. „Aber keiner“, so
                                                                                           Heisig, „hatte Ahnung von digitalen
                                                                                           Narrativen.“ Entsprechend groß war
                                                                                           die anfängliche Skepsis, wie die
                                                                                           Künstlerpersönlichkeit bei cross­
                                                                                           medialer Erzählweise vermittelt wer-
                                                                                           den kann. „Da war harte Überzeu-
                                                                                           gungsarbeit vonnöten“, resümiert
Die kritische Prüfung                                                                      die Projektleiterin.
der Formate
glich einem „Arbeiten
am offenen Herz“.                                                                          ENDLICH SICHTBAR
                                                                                           MIT WEBSITE UND BUCH

                                                                                           Schließlich habe man eine Agentur
        werden. Und schließlich spielen auch    Kunstlabore in Schulen zu schaffen         gefunden, die sich nicht nur aufs Pro-
        die Beziehungen zwischen Lehrer*in-     und diese auf einer Plattform für alle     grammieren versteht, sondern auch
        nen und Schüler*innen sowie deren       frei zugänglich zu machen.                 mit den dezentralen Besonderheiten
        Verlässlichkeit und Dauer eine Rolle.       Positiv dabei: Die kooperierenden      klarkam – bei fünf Kunstlabor-Teams
        Ebenso wie, zu guter Letzt, auch der    Künstler*innen konnten auf viele           an diversen Standorten nicht ganz
        Raum, in dem Kunst sich entfaltet.      Jahre Schulerfahrung blicken. „TUSCH“      unwichtig. Im März 2019 wurde die
                                                aus Hamburg bringt Theater und             Plattform kunstlabore.de online ge-
        KUNST IM DIGITALEN MEDIUM               Schule zusammen. Die „Deutsche             stellt – mit mehr als 600 Seiten
                                                Kammerphilharmonie Bremen“ be-             Arbeitsmaterialien, Video-Tutorials,
                                                                                                                                          FOTOS: STIFTUNG MERCATOR/KUNSTLABORE

        In den Jahren 2017 und 2018             sticht mit einer Wohngemeinschaft          Erfahrungsberichten, Fotostrecken
        standen Entwicklungsprozess und         von Profimusiker*innen und Schü-           sowie praxisnahen Unterrichtsma­
        Transfer im Vordergrund. „Es war ein    ler*innen. „LesArt“ ist, wie „TanzZeit“,   terialien, Checklisten, Projektideen.
        Arbeiten am offenen Herzen“, be-        in Berlin ansässig, aber auch europa-      In der finalen dritten Phase wurden
        richtet Julia Heisig, ständig habe      weit als Literaturhaus für Kinder und      die Resultate des Miteinander-Rin-
        man nachjustieren müssen. Alle bis-     Jugendliche bekannt. Für die bil­          gens, der gemeinsamen Reflexion
        her erarbeiteten Formate mussten        dende Kunst wurden unter Leitung           und Arbeit somit für alle sicht-
        auf Verständlichkeit und Nutzbarkeit    der Alanus Hochschule für Kunst            und nachvollziehbar. Nun ist es an
        überprüft werden. Das Kriterium war     und Gesellschaft freie Künstler*in-        den Schulen, mit den Materialien zu
        schließlich, Modelle für künftige       nen aus Nordrhein-Westfalen enga-          experimentieren.
KÜNSTLERISCHE QUALITÄT           | 21

                                                                                       Ausblick

                                      ZERTIFIKATSKURS
                                   „KULTURELLE BILDUNG“
                                              Wie das Potenzial von Kunstschaffenden für Schulen
                                          besser nutzen? Die Universität Hildesheim entwickelt Kriterien
                                                     für modellgebende Qualitätsstandards.

                                                        An der Universität
                                                        Hildesheim entsteht der
                                                        Kurs „Kulturelle Bildung für
                                                        Künstlerinnen und Künstler“.

                                  A
                                           b September werden die gesammelten Mate-        Drei wichtige Punkte stehen vorab fest: Künstler*in-
                                           rialien aus den mehrjährigen Programmen         nen dürften im Betrieb Schule nicht zu Hilfs­
                                           „Kunstlabore“ und „Kulturagenten für kreati-    lehrer*innen degradiert werden. Und auch das
                                  ve Schulen“ an der Universität Hildesheim ausgewer-      Freiwilligkeitsprinzip aufseiten der Schüler*innen
                                  tet und für ein in die Zukunft wirkendes Projekt ge-     sowie der Verzicht auf Schulnoten müssten ge-
                                  nutzt. Die immense Menge an Erfahrungen und              währleistet werden.
                                  Wissen werde laut Projektleiterin Prof. Dr. Birgit          Der Bedarf im Nachmittagsangebot der Schulen
                                  Mandel dahingehend untersucht, welche Qualitäts-         sei groß, konstatiert Birgit Mandel. Noch fehlte
                                  standards sich daraus für künstlerisch basierte kultu-   indes eine übergreifende Ausbildung mit Qualitäts-
                                  relle Bildungsprozesse in Schulen und anderen Ein-       standards für Kunstschaffende in Bildungskon­
                                  richtungen ableiten lassen. Ziel ist die Entwicklung     texten, deren Besonderheit darin bestehe, dass
                                  eines Zertifikatskurses „Kulturelle Bildung für Künst-   „die eigene künstlerische Arbeit zum Ausgangs-
                                  lerinnen und Künstler“.                                  punkt für die Entwicklung von Vermittlungsan­
FOTO: AMÉLIE MOURICHON/UNSPLASH

                                      „Eine ergänzende Tätigkeit in der kulturellen Bil-   sätzen wird“.
                                  dung kann sehr sinnvoll sein“, weiß die Geschäftsfüh-       Das erste Zertifizierungsprogramm ist als Blau-
                                  rende Direktorin des Instituts für Kulturpolitik der     pause gedacht, das langfristige Ziel ist eine bun­
                                  Universität Hildesheim. Denn bis dato können ledig-      desweite Implementierung in der gesamten Breite
                                  lich 20 Prozent der Kulturschaffenden von ihrer          der Kulturlandschaft. Ab Frühjahr 2021 startet
                                  Kunst leben. Ihr Institut wird im Rahmen dieser For-     das Programm für etwa 30 Personen mit voraus-
                                  schungsarbeit ein Curriculum für einen Zertifikats-      sichtlich acht Modulen, die alle Kunstsparten
                                  kurs erarbeiten, der dem Potenzial der Künste im         umfassen: Musik, bildende Kunst, Tanz, Theater,
                                  Kontext kultureller Bildung gerecht werden soll.         Medienkunst und Creative Writing.
22 |   SYSTEMISCHE VERANKERUNG

   Strukturen & Prozesse

   „KULTURELLE BILDUNG
   IST EINE QUERSCHNITTS-
   AUFGABE“
   Die Stiftung Mercator setzt sich gezielt für die systemische
   Verankerung der kulturellen Bildung ein. Aber wie
   packt man das an? Wen holt man ins Boot? Marcus Kauer,
   Referatsleiter für Kulturelle Bildung im Hessischen
   Kultusministerium, und Pia Hegener, Referentin
   im Ministe­rium für Schule und Bildung NRW, erzählen.

                                           Herr Kauer, Schule ist ein System       Ihren Bundesländern Nordrhein-
                                           aus vielen Regeln. Vom vorge­           Westfalen und Hessen?
                                           gebenen Lösungsweg abzuweichen              Pia Hegener: Kulturelle Bildung
                                           wird oft nicht belohnt – auch           wird heute viel mehr mitgedacht bei
                                           wenn das Ergebnis stimmt. Kultu­        der Schulentwicklung. Es geht nicht
                                           relle Bildung arbeitet dagegen          mehr nur um das fachliche, inhaltliche
                                           prozessorientiert. Prallen da päd-      Lernen, sondern darum, welche wei-
                                           agogische Welten aufeinander?           teren Kompetenzen zum Leben und
                                               Marcus Kauer: Leider begegnet       Lernen in der Schule dazugehören. In
                                           einem das tatsächlich immer noch,       NRW haben wir durch eine Vielzahl
                                           ja. Dabei müssen wir die linearen       von Programmen und den Austausch
                                           Lernwege verlassen und den Kin-         zwischen Schul-, Kultur- und Jugend-
                                           dern das Werkzeug der Kreativität       ministerium viel getan, um kulturelle
                                           und des Freiraums wieder an die         Bildung strukturell zu verankern –
                                           Hand geben. Damit sie lernen, sich zu   auch durch die Zusammenarbeit mit
                                           erproben, zu entdecken und neue         außerschulischen Kulturpartnern. Es
                                           Lösungswege zu suchen. Nur so           braucht die verlässlichen Strukturen,
                                           bilden wir zukunftsfähige Menschen      aber auch immer wieder neue Expe­
                                           aus. Und das bedeutet, Kreativität zu   rimentierfreude. Das ist in vielen
                       Marcus Kauer,
                 Referent für Kulturelle
                                           schulen und die Suche nach neuen        Schulen mittlerweile gut verankert.
                       Bildung, Hessen     Wegen zuzulassen. Mit den Pro-          Wir können uns sicherlich noch nicht
                                           grammen zur kulturellen Bildung         zufrieden zurücklehnen. Aber das
                                           machen wir dafür unermüdlich Mut.       Bewusstsein für kulturelle Bildung
                                                                                   wächst deutlich.
                                           Sie beide sind in Ministerien aktiv.        Kauer: In Hessen stehen wir gut
                                           Wo steht die kulturelle Bildung in      da, kulturelle Bildung hat ein eigenes
SYSTEMISCHE VERANKERUNG                | 23

                                                                                                                                                                       Pia Hegener, Referentin
                                                                                                                                                                                im Ministerium
                                                                                                                                                                         für Schule und Bildung
                                                                                                                                                                          Nordrhein-Westfalen

                                                              Referat. Das zeigt die Ernsthaftigkeit    schnittsaufgabe. Wir sind immer
                                                              und den Willen, sie fest zu etablieren.   noch dabei, ein Bewusstsein dafür zu
                                                              Mittlerweile sind fast 550 Schulen in     schaffen. Und wir merken: Immer da,
                                                              diesem Programm. Die möchten              wo kulturelle Bildung als ernsthafter
                                                              weiter damit arbeiten, weil es sich so    Schulentwicklungsprozess verstan-        Hegener: Es gibt keinen allgemein-
                                                              lohnt – und zwar alle Schulformen.        den wird, ist es ein langwieriger Pro-   gültigen Fahrplan. Wir haben in NRW
                                                              Das motiviert das Kultusministerium,      zess. Das ist nichts, was man mit        mehr als 6.000 Schulen mit ver-
                                                              die systemische Verankerung weiter        zweijährigen Programmen mal eben         schiedenen Ausgangslagen. Auf je-
                                                              auszudehnen.                              absolvieren kann.                        den Fall braucht es die Schulleitung.
                                                                                                            Kauer: Auch die außerschulischen     Doch eine Person reicht nicht – man
                                                              Welche Strukturen wurden ge­              Akteure sind ganz relevant beim Eta-     muss das ganze Kollegium mitneh-
                                                              schaffen, um kulturelle Bildung im        blieren kultureller Bildung. Da sind     men! Was sich in NRW bewährt hat,
                                                              System Schule zu verankern?               Museen, Musikschulen, Hochschulen,       sind feste Ansprechpartner*innen in
                                                                  Hegener: Die Arbeitsstelle Kul­       die mittlerweile neue Bildungskon-       den Schulen und eine klare Struktur,
                                                              turelle Bildung NRW bietet dafür          zepte entwickeln und mit Schulen zu-     zum Beispiel in Form eines Kultur-
FOTOS: CORNELIA PICHT, PLAINPICTURE/LUKASZ CHROBOK, MSB NRW

                                                              die Hauptunterstützungsstruktur. Sie      sammenarbeiten wollen. Dank dieser       fahrplans. Damit das Thema auf der
                                                              wird getragen von den Ministerien         Kooperationen erkennen die Schulen       Agenda bleibt und sich weiterent­
                                                              Schule, Kultur und Jugend. Die res-       die Relevanz von kultureller Bildung     wickelt. Unbedingt muss man auch
                                                              sortübergreifende Zusammenarbeit          für die Persönlichkeitsentwicklung       die Schüler*innen, ihre Ideen und Be-
                                                              ist wichtig, da kulturelle Bildung nur    und Problemlösungskompetenz der          dürfnisse mit einbeziehen. Was mir
                                                              im Zusammenspiel der Institutionen        Schüler*innen. Und die Schulleitung      wichtig ist: Nicht alle Schulen sind
                                                              und Partner erfolgreich entfaltet         merkt: Sie ist nicht allein mit diesem   auf dem gleichen Stand – und das ist
                                                              werden kann. Der Auftrag der Ar-          Ansatz – und das ist gar nicht so        in Ordnung.
                                                              beitsstelle ist die Entwicklung und       unkonventionell. Es geht ja immer            Kauer: Wie in jedem Organisa­
                                                              Begleitung kultureller Gesamtkon-         wieder darum, Mut zu machen, Frei-       tionsentwicklungsprozess folgt nach
                                                              zepte in den Kommunen und die Be-         heiten und Kreativität zuzulassen.       einer kurzen Zeit der Euphorie meist
                                                              ratung der Akteure. Sie holt alle Be-                                              das Tal der Tränen. Zuerst
                                                              teiligten an einen Tisch, vernetzt und    Wie etabliert man kulturelle             machen alle plötzlich Musik in allen
                                                              begleitet. Es geht eben nicht alleine:    Bildung in Schulen, und wen holen        Fächern und sind begeistert. Und
                                                              Kulturelle Bildung ist eine Quer-         Sie dafür ins Boot?                      dann scheitert es daran, dass
24 |   SYSTEMISCHE VERANKERUNG

                                                                                     Klare Strukturen helfen
                                                                                     dabei, kulturelle Bildung
                                                                                     in der Schule dauer-
                                                                                     ­haft zu etablieren.

                                                                                      mir? Wie kann man sich der Kunst
                                                                                      nähern und etwas für sich entdecken?
                                                                                      Dazu kommen die vielen Partner*in-
                                                                                      nen von außerhalb der Schule. Die-
                                                                                      se Begegnungen begleiten wir mit
                                                                                      vielen Vorträgen. Für all das braucht
                                                                                      es ein Team, das dauerhaft operativ
                                                                                      begleitet und ansprechbar ist.

                                                                                      Die Stiftung Mercator hat
   man keine Theaterbühne oder Licht-       Lebensort wird. Das hat nicht nur         die kulturelle Bildung zehn Jahre
   anlage hat. All diese Strukturen sind    damit zu tun, dass die Flure schön        lang gefördert. Welche
   nicht etabliert. Ein anderer Punkt ist   gestaltet sind, sondern welche Kul-       Impulse nehmen Sie von der
   die Fehlerkultur: Das Erproben und       tur des Umgangs sich in einer Schule      Stiftung mit, und welche
   auch das Scheitern gehören zum           etabliert. Es verändert auch die Feh-     Ideen entwickeln Sie weiter?
   Lernprozess. Plötzlich trauen sich       lerkultur, wenn Schüler*innen sich             Hegener: Ein großer Mehrwert
   Kinder, zu tanzen, zu singen, stellen    trauen, eine Idee einfach auszupro-       entstand durch den Austausch mit
   ihre Produkte aus – und die werden       bieren. Vor allem dann, wenn die Lehr-    den anderen Bundesländern. So
   dann vielleicht zerstört, oder man       kräfte ihre eigene Kreativität aktiv      konnten wir voneinander lernen, Er-
   lacht darüber. Für die Schulen ist es    einbringen. Das Selbstbewusstsein         kenntnisse, Erfahrungen und erfolg-
   wichtig, eine Aufführungskultur ein-     der Schüler*innen wächst, weil sie        reiche Konzepte miteinander teilen.
   zuüben. Und die dritte große Hürde       selbst kreativ werden und Lösungen        Diesen Austausch will ich weiterhin
   ist die personelle Fluktuation. Da       für neue Fragestellungen finden –         verfolgen.
   verlassen Menschen die Schule, die       über alle Fächer hinaus.                       Kauer: Ein starker Aspekt ist die
   die Idee einer Kulturschule in sich          Kauer: Die meisten Schulen wollen     Fortbildung der Lehrkräfte. Indem
   tragen – immer wieder auch die neu-      gar nicht aussteigen. Dazu trägt auch     wir sie für kulturelle Bildung sensibi-
   en Kolleg*innen in diesen Prozess        die professionelle Prozessbegleitung      lisieren und ihnen Ressentiments
   einzubinden kostet Kraft.                bei – gerade in anstrengenden und         nehmen, binden wir die gesamte
                                                                                                                                FOTO: PLAINPICTURE/MIRA/MICHAEL LANDER

                                            konfliktbehafteten Situationen.           Schulgemeinde bei der Verankerung
   Warum bleiben die Schulen                                                          ein. Außerdem haben wir gelernt,
   trotzdem am Ball?                        Wie läuft diese                           wie wichtig die Evaluation unserer
      Hegener: Ich sage immer, man          Prozessbegleitung ab?                     Programme ist. Zusammen mit dem
   muss es live erleben. Wenn Kinder           Kauer: Die Bausteine sind Coa-         Ministerium in Niedersachsen haben
   und Jugendliche auf der Bühne            ching, permanente Fortbildung des         wir ein Tool entwickelt, mit dem kul-
   stehen, ein Theaterstück aufführen,      Kollegiums, auch in der Begegnung         turell aktive Schulen selbst prüfen
   miteinander musizieren oder durch        mit den Künsten. Vor allem skepti-        können, wo sie stehen. Generiert
   eine Ausstellung führen, sieht man,      sche Lehrkräfte profitieren von der       wurde das Werkzeug aus der Zu-
   wie Schule zu einem wunderbaren          Erfahrung: Was macht die Kunst mit        sammenarbeit mit der Stiftung.
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