Förderung adipöser Jugendliche durch erlebnispädagogische Elemente im Unterrichtsfach Bewegung und Sport

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Förderung adipöser Jugendliche durch erlebnispädagogische Elemente im Unterrichtsfach Bewegung und Sport
Förderung adipöser Jugendliche
  durch erlebnispädagogische
  Elemente im Unterrichtsfach
     Bewegung und Sport
                 Masterarbeit

   zur Erlangung des akademischen Grades
             Master of Education

                 vorgelegt von:
              Linda Peischl

         am Institut für Sportwissenschaften

                     Betreuer:
           Mag. Dr.phil. Gerald Payer

                    Graz, 2020
Förderung adipöser Jugendliche durch erlebnispädagogische Elemente im Unterrichtsfach Bewegung und Sport
Danksagung

Ein Studium, sowie das Verfassen einer Masterarbeit braucht nicht nur Zeit, sondern
auch Menschen, die einem dabei unterstützen und in unterschiedlichen Bereichen zur
Seite stehen. Ich möchte mich an dieser Stelle diesen besonderen Menschen danken,
die mich sowohl bei der Erstellung als auch während meines gesamten Studiums
unterstützt und inspiriert haben.

Einen großen Dank möchte ich an Herrn Mag. Dr. phil. Gerald Payer aussprechen, der
mich bei dieser Arbeit begleitet und unterstützt hat und auf dessen Rat und Hilfe ich
mich immer verlassen konnte. Auch möchte ich ihm dafür danken, dass er mich
während meines Studiums bereits mit seiner motivierten und offenen Art inspiriert hat
und ich sehr vieles von ihm für meine Zeit als Lehrperson mitnehmen werde.

Besonders bedanken möchte ich mich aber vor allem bei meinen wundervollen Eltern,
denen ich die Möglichkeit meines Studiums überhaupt erst zu verdanken habe, die
immer an mich geglaubt haben und immer für mich da sind.

Danke, Fabian, dass du mein ganzen Studium lang, in Höhen und Tiefen, an meiner
Seite gestanden bist und immer wieder motivierende Worte gefunden und mich in
vielerlei Hinsicht unterstützt hast.

Das gilt auch für meine Schwester Verena und ihren Freund Tommy, die mich inspiriert
haben und die immer ein großes Vorbild für mich waren.
Mama, Papa, Verena, Tommy, Fabian – Danke, dass ihr bei meinem Studium in vielen
verschiedenen Hinsichten begleitet habt.

Ein großer Dank gilt auch meinen Studienkolleginnen, die mein Studium in vielerlei
Hinsicht bereichert und verschönert haben und die Studienzeit zu einer
unvergesslichen Zeit gemacht haben.

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Förderung adipöser Jugendliche durch erlebnispädagogische Elemente im Unterrichtsfach Bewegung und Sport
Vorwort

Aufbauend auf meine Bachelorarbeit zum Thema „Übergewicht und Adipositas im
Sportunterricht“ lege ich in meiner Masterarbeit ein Hauptaugenmerk auf die
Förderung     adipöser     Jugendliche     im   Schulsport        bei    erlebnispädagogischen
Schwerpunkten. Vor allem wird der Bereich Schulsportwochen zur Integration
adipöser Jugendliche und zur Förderung der Klassengemeinschaft ein wichtiges
Element darstellen.

Aufgrund des Faktums, dass ich am Beginn meiner Tätigkeit als Lehrperson die
Dynamik von      erlebnispädagogischen          Elementen auf           einer Schulsportwoche
beobachten konnte, entschied ich mich für dieses Thema als Masterarbeitsthema. In
dieser Woche gab es viele verschiedene Programmpunkte basierend auf
erlebnispädagogischen Elementen. Anhand dieser konnte ich mit meiner Gruppe, in
der sich ein adipöser Jugendlicher befand, den Persönlichkeitsfortschritt, sowie den
wachsenden Zusammenhalt der Klassengemeinschaft im Laufe der Woche sehr gut
beobachten.

Ich konnte sehr gut mitverfolgen, dass der adipöse Jugendliche im Laufe der Woche
an Selbstvertrauen dazugewinnen und sich besser in die Gruppe eingliedern konnte.
Er startete mit Unsicherheit und Selbstzweifel in die Sommersportwoche und war auch
dem Sportprogramm gegenüber etwas ängstlich und zurückhaltend. Aber im Laufe der
Woche wuchs er über sich hinaus und wurde immer mutiger und selbstbewusster, was
sehr   schön     zu      beobachten      war.    Nach       der      Absolvierung   bestimmter
erlebnispädagogischer Programmpunkte mit Hilfestellung von Klassenkameraden, wie
beispielsweise    ein       „Slackline-Parkour“,      der     viel      Körperspannung    und
Gleichgewichtssinn       erfordert,   konnte    ich   den    Stolz      und   das   gewonnene
Selbstbewusstsein des Jugendlichen beobachten. Unter anderem bekam ich auch die
sehr gute Klassengemeinschaft dadurch zu spüren, da ihn Mitschülerinnen und
Mitschüler Mut zu sprachen, ihn anfeuerten und bei Bedarf auch mit Hilfe unterstützen
und somit viel Mitgefühl zeigten.

Aufgrund dieser einschneidenden Beobachtungen und Erlebnisse entschied ich mich
für mein Masterarbeitsthema, um diese Materie weiter zu bearbeiten und in meinen
Unterricht integrieren zu können. Die Gestaltung eines erlebnispädagogischen
Projekts soll adipösen Kindern- und Jugendlichen einen anderen Zugang zum

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Förderung adipöser Jugendliche durch erlebnispädagogische Elemente im Unterrichtsfach Bewegung und Sport
Unterrichtsfach Bewegung- und Sport bieten und lässt sich auch sehr gut in den
Schulalltag integrieren. Der Bereich Erlebnispädagogik kann nämlich, gerade für
adipöse Jugendliche, eine andere Einstellung gegenüber Bewegung und Sport, sowie
mehr Motivation hervorrufen und ist auch für Mitschülerinnen und Mitschüler ein sehr
attraktiver Bereich.

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Förderung adipöser Jugendliche durch erlebnispädagogische Elemente im Unterrichtsfach Bewegung und Sport
Inhaltsverzeichnis

Danksagung...................................................................................................................................................... 2

Vorwort............................................................................................................................................................ 3

1.      Einleitung ................................................................................................................................................ 8

2.      Die Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen in Österreich ................................................. 11

     2.1.        Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ....................................................................................... 11
        2.1.1.       Familie und Umfeld ....................................................................................................................... 11
        2.1.2.       Schule und Arbeit .......................................................................................................................... 12
        2.1.3.       Pubertät ........................................................................................................................................ 12

3.      Adipositas ............................................................................................................................................. 15

     3.1.        Definition von Adipositas ................................................................................................................... 15

     3.2.        Bestimmung von Adipositas im Kindes- und Jugendalter .................................................................. 17

     3.3.        Adipositas als Gesellschaftsproblem .................................................................................................. 19

     3.4.        Ursachen von Adipositas .................................................................................................................... 21

     3.5.        Folgen von Adipositas im Kindes- und Jugendalter ............................................................................ 24
        3.5.1.       Physische Folgen ........................................................................................................................... 24
        3.5.2.       Psychosoziale Folgen ..................................................................................................................... 27
        3.5.3.       Folgen für das Gesundheitssystem ............................................................................................... 28

4.      Gesundheitsförderung adipöser Kinder und Jugendliche ...................................................................... 29

     4.1.        Ansatzpunkte ..................................................................................................................................... 29
        4.1.1.       Bewegung und Sport ..................................................................................................................... 30
        4.1.2.       Ernährungsverhalten ..................................................................................................................... 31
        4.1.3.       Positives Selbstbild ........................................................................................................................ 31
        4.1.4.       Klassengemeinschaft ..................................................................................................................... 32

     4.2.        Effekte körperlicher Aktivität bei Adipositas ...................................................................................... 33
        4.2.1.       Verminderung des Körpergewichts ............................................................................................... 33
        4.2.2.       Positive Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit und Bewegungsapparat ....................................... 33
        4.2.3.       Steigerung des Selbstwertgefühls ................................................................................................. 34

5.      Erlebnispädagogik ................................................................................................................................. 36

     5.1.        Definition Erlebnispädagogik ............................................................................................................. 36

     5.2.        Historischer Rückblick ........................................................................................................................ 39

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Förderung adipöser Jugendliche durch erlebnispädagogische Elemente im Unterrichtsfach Bewegung und Sport
5.3.        Methodische Prinzipien der Erlebnispädagogik ................................................................................. 41

     5.4.        Merkmale der Erlebnispädagogik ...................................................................................................... 45

     5.5.        Lern- und Wirkungsmodelle in der Erlebnispädagogik ....................................................................... 46
        5.5.1.       „The Mountains Speak for Themselves“- Modell .......................................................................... 47
        5.5.2.       „Outward Bound Plus“- Modell ..................................................................................................... 48
        5.5.3.       „Metaphorisches Modell“ ............................................................................................................. 48

     5.6.        Ziele der Erlebnispädagogik ............................................................................................................... 50

     5.7.        Aufgaben der Lehrperson in erlebnispädagogischen Übungen .......................................................... 52
        5.7.1.       Verständnis der Teamentwicklung ................................................................................................ 52
        5.7.2.       Hilfestellung bei Transferprozess .................................................................................................. 54
        5.7.3.       Sicherheitsaspekt .......................................................................................................................... 55

6.      Empirische Ergebnisse zu Erlebnispädagogik als Interventionsmaßnahme ............................................ 57

     6.1.        Studie 1 .............................................................................................................................................. 57

     6.2.        Studie 2 .............................................................................................................................................. 59

     6.3.        Studie 3 .............................................................................................................................................. 61

     6.4.        Conclusio der ausgewählten Studien ................................................................................................. 61

7.      Erlebnispädagogik als Instrument zur Förderung adipöser Kinder- und Jugendliche im Unterrichtsfach
Bewegung und Sport ...................................................................................................................................... 62

     7.1.        Förderung allgemeiner Lebenskompetenzen ..................................................................................... 63
        7.1.1.       Selbstvertrauen, Selbstwert .......................................................................................................... 63
        7.1.2.       Frustrationstoleranz ...................................................................................................................... 63
        7.1.3.       Flucht in Esssucht .......................................................................................................................... 64

     7.2.        Körper- und Selbsterfahrung .............................................................................................................. 65

     7.3.        Jugendgerechte Motivation zur Bewegung ........................................................................................ 66

8.      Praktische Umsetzung von erlebnispädagogischen Settings .................................................................. 68

     8.1.        Projekttage nach dem Prinzip „Outward Bound“ ............................................................................... 68
        8.1.1.       Trainingsphase .............................................................................................................................. 69
        8.1.2.       Expedition ..................................................................................................................................... 69
        8.1.3.       Solo ................................................................................................................................................ 70
        8.1.4.       Abschlussexpedition ...................................................................................................................... 70
        8.1.5.       Abschlussphase ............................................................................................................................. 71

     8.2.        Erlebnispädagogische Projekttage unter Berücksichtigung adipöser Kinder und Jugendliche .......... 72
        8.2.1.       Kurstag 1........................................................................................................................................ 74

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Förderung adipöser Jugendliche durch erlebnispädagogische Elemente im Unterrichtsfach Bewegung und Sport
8.2.2.        Kurstag 2........................................................................................................................................ 80
         ..................................................................................................................................................................... 81
         8.2.3.        Kurstag 3........................................................................................................................................ 83

9.       Fazit ...................................................................................................................................................... 87

Quellenverzeichnis ......................................................................................................................................... 89

     Literaturquellen ................................................................................................................................................ 89

     Internetquellen ................................................................................................................................................. 93

     Quellen ............................................................................................................................................................. 94

     Abbildungsverzeichnis ...................................................................................................................................... 96

     Tabellenverzeichnis .......................................................................................................................................... 98

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Förderung adipöser Jugendliche durch erlebnispädagogische Elemente im Unterrichtsfach Bewegung und Sport
1. Einleitung

Diese Masterarbeit beschäftigt sich mit Konzepten zur Förderung adipöser
Jugendlicher im Sportunterricht, um diesen einen anderen Zugang zum Thema
Bewegung und Sport zu ermöglichen. Ziel einer Lehrperson im Unterrichtsfach
Bewegung und Sport sollte sein, Jugendliche zum Sport zu motivieren und zu
begeistern, sodass diese ein positives Gefühl während und nach dem Sport
bekommen.

Vor allem aber bei adipösen Jugendlichen ist es wichtig, ihnen eine positive Einstellung
gegenüber Bewegung zu geben, damit sie nicht nur im Sportunterricht, sondern auch
in ihrer Freizeit Freude an der Bewegung finden. Dies kann eine Reduktion des
Körpergewichts mit sich bringen, was sich wiederum positiv auf Körper, genauer
gesagt Organsysteme und Gelenke auswirkt. In meiner Bachelorarbeit „Adipositas im
Sportunterricht“ bin ich auf die große Anzahl an adipösen Kindern (und Erwachsenen)
weltweit eingegangen. Die Zahl der an Adipositas erkrankten Personen steigt
kontinuierlich, mit den Hauptgründen des Bewegungsmangels und der Fehlernährung.
Diese Komponenten kommen durch die Digitalisierung und das Nahrungsüberangebot
zustande. Ein sehr nennenswerter Punkt ist, dass 50% der übergewichtigen
Jugendlichen auch im Erwachsenenalter an Adipositas leiden, was einige Krankheiten
mit sich bringt. Seit 1975 ist der Anteil übergewichtiger Kinder in Österreich, um mehr
als das Doppelte, der Anteil an adipösen Kindern um das Dreifache gestiegen. Diese
Zahlen sind erschreckend.

Nun ist es wichtig, für diese adipösen Jugendlichen ein Sportangebot zu finden, an
dem sie auch gut teilnehmen können und somit auch Freude am Sport haben. Es muss
bedacht werden, dass die Kinder ohnehin schon täglich mehr Gewicht am Körper
herumtragen und somit schon das Gehen eine große Anstrengung sein kann. Wird
nun im Sportunterricht auch noch gelaufen oder gesprungen, stellt dies für adipöse
Kinder eine noch höhere Anstrengung dar als für normalgewichtige Kinder. Die Folge
darauf ist in vielen Fällen der Verlust an Motivation und die Findung von Ausreden, um
nicht am Unterricht teilnehmen zu müssen. Dabei ist es genau für diese Gruppe von
Jugendlichen am wichtigsten, am Sportunterricht teilzunehmen. Somit muss ein

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Förderung adipöser Jugendliche durch erlebnispädagogische Elemente im Unterrichtsfach Bewegung und Sport
Bewegungsangebot gefunden werden, welches auch für die Zielgruppe attraktiv ist.
Hier eignet sich die Erlebnispädagogik sehr gut, die Motivation mit sich bringt. Die
Jugendlichen werden dazu aufgefordert sich einzubinden, sich selbst und ihren
Mitschülerinnen und Mitschülern zu vertrauen, Aufgaben zu erledigen, sowie über ihre
Ängste hinauszuwachsen. Die körperliche Betätigung soll eine Steigerung des
Selbstwertgefühles, sowie eine Steigerung der Lebensqualität mit sich bringen.

Ein weiterer Bereich in der Schule, bei der das Gewicht adipösen Jugendlichen oft im
Wege steht, sind Schulsportwochen. Schulsportwochen stellen eigentlich sowohl für
die Klassengemeinschaft als auch für die Individuen eine sehr wichtige Erfahrung in
der Schulzeit der Schülerinnen und Schüler dar. Adipöse Jugendlichen stehen
Schulsportwochen in vielen Fällen sehr kritisch gegenüber und wollen vielleicht sogar
nicht teilnehmen. Alle Bereiche bei Schulsportwochen stellen für sie eine Anstrengung
dar: Wandern, Sport, Ausflüge, eventuell vielleicht sogar Hochseilelemente etc. Ihre
Furcht ist nicht mithalten zu können, Angst vor bestimmten Elementen vor den
Schülerinnen und Schülern preisgeben zu müssen, ausgeschlossen zu werden etc.
Dabei ist eine Schulsportwoche gerade für adipöse Schülerinnen und Schüler von
großer Wichtigkeit, da sie im Laufe der Woche ihre Komfortzone verlassen müssen,
bei bestimmten Aufgaben über sich hinauswachsen müssen und auch ein wichtiger
Teil der Klassengemeinschaft werden, was nicht passieren kann, wenn sie von der
Sportwoche fern bleiben. Im Laufe der Woche gewinnen sie an Selbstvertrauen dazu
und finden Spaß an Dingen, die sie sonst möglicherweise nie ausprobiert hätten.

Ein sehr wichtiger Punkt ist es, das Programm vorab mit den Schülerinnen und
Schülern zu besprechen und auf die Gegebenheiten abzustimmen, um somit allen eine
erlebnisreiche   Woche    zu   gewährleisten.   Für   adipöse   Jugendliche      bieten
erlebnispädagogische Schwerpunkte eine gute Möglichkeit, da diese einen anderen
Zugang zur Bewegung haben und einen positiven Effekt, sowohl auf den einzelnen
Schüler, die einzelne Schülerin, als auch die gesamte Klassengemeinschaft haben.
Bei adipösen Jugendlichen stellt auch oft die Persönlichkeitsbildung ein Problem dar,
worauf ein erlebnispädagogisches Programm ebenfalls einen positiven Einfluss haben
kann.

Im ersten Kapitel wird die Gesundheitssituation von Kindern- und Jugendlichen in
Österreich beschrieben. Zum besseren Verständnis des in dieser Masterarbeit
behandelten Themas, werden in Kapitel zwei die wichtigsten Fakten über die immer
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Förderung adipöser Jugendliche durch erlebnispädagogische Elemente im Unterrichtsfach Bewegung und Sport
häufiger vorkommende Krankheit Adipositas und der Begriff der Erlebnispädagogik
erläutert. Anschließend werde ich auf erlebnispädagogische Konzepte und ihre
Auswirkungen näher eingehen, sowie Studien zum behandelten Thema besprechen.
Zu guter Letzt wird ein Bewegungsangebt zur Gestaltung von erlebnispädagogischen
Tagen, sowie Stundenbilder meine Arbeit abrunden.

                                                                             10
2. Die Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen in
       Österreich

Der österreichische Kinder- und Jugendgesundheitsbericht zeigt, dass Übergewicht
und    Adipositas   weltweit,   aber   auch   in   Österreich   ein   weitverbreitetes
Gesundheitsproblem darstellen. Der Anteil überwichtiger bzw. adipöser Kinder und
Jugendlicher hat deutlich zugenommen und beträgt je nach Altersgruppe zwischen 13
und 18 Prozent. In diesem Kapitel werde ich die gesundheitliche Situation von Kindern
und Jugendlichen in Österreich, sowie deren Einflüsse und Entwicklung näher
darstellen. (Österreichischer Kinder- und Jugendgesundheitsbericht, 2015)

   2.1. Entwicklung von Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche sind verschiedenen Einflussfaktoren ausgesetzt, wie Familie
und Umfeld, Schule, sowie die Pubertät. Diese Einflussfaktoren wirken sich auf das
Verhalten und die Angewohnheiten der Kinder und Jugendlichen aus.

   2.1.1. Familie und Umfeld

Die Familie hat den größten Einfluss auf den Lebensstil von Kindern und Jugendlichen.
Dies zeigt beispielsweise auch die KiGGS Studie 2007 des Robert Koch Instituts in
Berlin in Deutschland. So steht in ihren Ergebnissen, dass der BMI der Mutter mit der
Häufigkeit von Adipositas der Kinder korreliert. Darüber hinaus hat auch der
Sozialstatus einen großen Einfluss auf das Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen.
In Abbildung 1 ist dieser Einfluss des Sozialstatus auf das Übergewicht dargestellt.
Der bräunliche Balken zeigt hier die Häufigkeit an Adipositas erkrankten Kinder und
Jugendlichen mit einem niedrigen Sozialstatus. Dieser ist deutlich höher als der Anteil
an adipösen Kinder- und Jugendlichen einer hohen Sozialschicht, die in blau
dargestellt wird.
Somit ist sichtbar, dass Kinder aus Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen
Status eine höhere Chance an Adipositas zu erkranken als Kinder und Jugendliche
aus einer privilegierten Familie. (Lampert und Kurth, 2007; Brettenschneider, Naul,
Bünemann und Hofmann, 2006 )

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Abb.1: Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen nach Sozialstatus in Prozent

   2.1.2. Schule und Arbeit

Adipöse Kinder- und Jugendliche sind ständig der Verachtung und auch Mobbing der
Mitschülerinnen und Mitschülern aufgrund des übermäßigen Körpergewichts
ausgesetzt. Dadurch entwickelt sich bei adipösen Kindern- und Jugendlichen oft eine
schlechte Lebensqualität. Diese geringe Lebensqualität kann sich zusammensetzen
aus psychischen Störungen, einem geringen Selbstwertgefühl, sowie einem negativen
Körperbild. In der Schule kann dies vor allem im Unterrichtsfach Bewegung- und Sport
sehr gut beobachtet werden, da hier ein Augenmerk auf den Körper gelegt wird. Das
Körperbild und die Bewegungshandlungen sind geprägt von Unbeweglichkeit und
Turnkleidung, in der sich die Kinder- und Jugendlichen nicht wohlfühlen. Die Abnahme
von übermäßigem Gewicht würde diesem Unwohlsein entgegenwirken, die
Betroffenen werden jedoch durch Hemmungen vom Sport treiben abgehalten und
trauen sich auch sehr wenig zu. (Herpertz u.a., 2008)

   2.1.3. Pubertät

                                                                                 12
Jugendliche sind in ihrer Entwicklung, vor allem in der Phase der Pubertät
verschiedenen Einflussfaktoren ausgesetzt, die ihrer Gesundheit nicht immer zu Gute
kommt. Die Pubertät ist geprägt von vielen Veränderung, sei es körperlich, geistig-
seelisch oder sozial. Von den Kindern wird erwartet zu Erwachsenen zu werden und
die verschiedenen Entwicklungsaufgaben, die auf sie einwirken, bewältigen zu
können. In der Pubertät wird darüber hinaus auch eine Identität entwickelt, sowie ein
Selbstbild und Selbstbewusstsein aufgebaut, was bei adipösen Kindern- und
Jugendlichen oft zum Problem werden kann.

     2.1.3.1.   Körperliche Veränderungen

In    der    Pubertät    erfolgt   die   Ausbildung   der    primären   und    sekundären
Geschlechtsmerkmale, was auch oft mit einer Gewichtszunahme zusammenhängt und
somit Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper bei den Pubertierenden auslöst.
Aufgrund der Unzufriedenheit mit dem Körperbild durch Veränderungen in der
Pubertät kann eine Störung des Essverhaltens hervorgerufen werden. Nicht nur
Magersucht, sondern auch die Erkrankung an Adipositas kann dadurch entstehen. Die
Pubertät stellt jedoch eine sehr wichtige Lebensphase dar, da hier die Regulierung des
Appetits bzw. des Essverhaltens und auch die Fettverteilung ausgebildet wird.
Zusätzlich      zu      den    Veränderungen       aufgrund     der     Ausbildung     von
Geschlechtsmerkmalen und einer Gewichtszunahme erfolgt in der Pubertät auch ein
ausgeprägtes Längenwachstum. Dies führt bei Jugendlichen oft zu motorischen
Schwierigkeiten und somit zu Unsicherheiten bei Bewegungshandlungen. (Hensler,
2006)

     2.1.3.2.   Geistig-seelische Veränderungen

Neben den körperlichen Veränderungen kommt es in der Pubertät auch zu einer
geistig-seelischen Veränderung. Eine erhöhte Sensibilität in der Phase der Pubertät
kann zu Verunsicherung führen, was sich oft in Stimmungsschwankungen äußert.
Auch das Selbstwertgefühl kann unter dieser Verunsicherung leiden und zu einem
negativen Selbstbild führen. Darüber hinaus werden Jugendliche in dieser Phase des
Erwachsenwerdens         mit   der   eigenen   Identität,   Regeln    und   Verboten   und

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gesellschaftlichen Strukturen konfrontiert. Dieses Verhalten ist oft das Ergebnis aus
physiologischen und hormonellen Veränderungen. (Langenfelder, 2020)

   2.1.3.3.   Soziale Veränderungen

In der Pubertät wandelt sich vor allem das soziale Umfeld der Jugendlichen. Sie
bevorzugen es, alleine zu sein oder Dinge mit ihren Freunden zu unternehmen,
kapseln sich von den Eltern ab und beginnen auch selbstständiger zu werden.
Zusätzlich erfolgt auch die Bildung einer eigenen Meinung und der Wille diese
durchzusetzen, was öfter zu Konflikten führen kann. Die Jugendlichen halten sich
meistens in ihrem Freundeskreis auf, in denen auch Probleme besprochen werden.
Dieses soziale Umfeld trägt auch sehr viel zum Selbstfindungsprozess der
Jugendlichen bei. (Langenfelder, 2020)

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3. Adipositas

Adipositas ist ein weit verbreitetes Problem, dass auch immer mehr unter Kindern und
Jugendlichen auftritt. In diesem Alter gibt es jedoch noch die Möglichkeit Kindern
andere Denk- und Handlungsmuster, sowie einen anderen Lebensstil anzulernen. In
diesem Kapitel wird aufgezeigt, warum es wichtig ist, gegen Adipositas vorzugehen
und zu handeln, sowie die Risikofaktoren und Folgeerkrankungen aufgezeigt.

   3.1. Definition von Adipositas

Adipositas und Übergewicht werden oft als Synonym verwendet, was im entfernten
Sinn auch stimmt. Adipöse Personen leiden an extremem Übergewicht und je nach
BMI- Wert kann dieses Übergewicht in verschiedene Arten eingestuft werden. Der BMI
steht für „Body-Mass-Index“ und wird mit folgender Formel berechnet:

       Körpergewicht in kg
BMI= (Körpergröße in m)^2

                                     Tabelle 1: BMI Einstufung

Der BMI wird, wie an der Formel erkennbar ist, aus den Parametern Körpergewicht
und Körpergröße berechnet. Mithilfe des Ergebniswertes wird der BMI eingegliedert
und somit kann eine Einstufung von Untergewicht, Normalgewicht oder Adipositas
bestimmt werden, siehe Tabelle 1. Der BMI wird international zur Beurteilung des
Körpergewichts eingesetzt.

                                                                                 15
An Tabelle 1 ist erkennbar, dass Übergewicht nicht gleich Adipositas ist, und man von
Adipositas ab einem bestimmten Wert des BMI spricht. Bei Übergewicht ist im
Unterschied zu Adipositas der Körperfettanteil an der Gesamtkörpermasse noch nicht
pathologisch erhöht. (Schienkiewitz, Brettschneider, Damerow, & Schaffrath Rosario,
2018)

                                                                                  16
3.2. Bestimmung von Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Aufgrund dessen, dass Kinder mit zunehmendem Alter kontinuierlich wachsen, kann
hier keine verallgemeinerte Tabelle für Kinder als Grundlage dienen, sondern eine an
das Alter der Kinder- und Jugendlichen angepasste Tabelle. Auch wird der Einfluss
der unterschiedlichen Entwicklung von Mädchen und Jungen, vor allem in der
Pubertät, wird hier miteinbezogen. Da sich Kinder- und Jugendliche aber auch sehr
unterschiedlich entwickeln und somit altersabhängige Schwankungen die Folge sind,
sind hier keine fixen Werte, sondern Referenzwerte festgelegt. Mithilfe dieser
Referenzwerte ist eine individuelle Beurteilung des Gewichts von Kindern mithilfe des
BMI und durch alters- und geschlechtsspezifische Perzentile möglich und die
Schwankungen        durch     wachstumsphysiologische           Veränderungen      und   sich
verändernde Verhältnisse von Muskel- und Knochenmasse zu Fettmasse können
miteinbezogen werden.
Ein Perzentil lässt sich wie folgt beschreiben:
Die folgenden Abbildungen zeigen die Perzentilkurven von Mädchen (Abbildung 2)
und Jungen (Abbildung 3) im Alter von 0-18 Jahren.

        Abbildung 2: Perzentilkurve für den Body Mass Index (Mädchen 0-18 Jahre)

                                                                                          17
Abbildung 3: Perzentilkurve für den Body Mass Index (Jungen 0-18 Jahre)

Diese Perzentile wurden von der WHO festgelegt und dienen zur allgemeinen
Bestimmung von Untergewicht und Übergewicht von Kindern und Jugendlichen. Die
„Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter“, kurz AGA, hat folgende
Definition für Perzentile des BMI bei Kindern- und Jugendlichen veröffentlicht: „Liegt
der BMI über der 90. Perzentile, ist dies als Übergewicht definiert. Liegt der BMI über
der 97. Perzentile, ist dies als Adipositas definiert.
Zum besseren Verständnis ein Beispiel: Übergewicht liegt vor, wenn der BMI eines
Jungen oder eines Mädchens im Alter von neun Jahren bei über 20, also über der 90.
Perzentile liegt. Dies sagt aus, dass 90 von 100 Kindern in diesem Altern einen BMI
unter 20 haben. (Kronmeyer-Hausschild et al. 2001)

                                                                                    18
3.3. Adipositas als Gesellschaftsproblem

Übergewicht - und in weiterer Folge die chronische Krankheit Adipositas - ist in unserer
Gesellschaft ein immer häufiger diskutiertes Problem.

Die Hauptgründe der steigenden Anzahl an adipösen Jugendlichen stellen die
Vernachlässigung der Bewegung aufgrund von digitalen Medien, sowie ein
Nahrungsüberangebot dar. Erschreckende Zahlen sind der Anstieg an adipösen
Kindern in Österreich um das Dreifache seit dem Jahr 1975. Dies zeigt folgende Grafik
1 von APA. Diese Grafik zeigt einen Anstieg adipöser Mädchen von 1,6 auf 6,1 Prozent
in nur 41 Jahren. Bei den Buben zeigt sich hier ein Anstieg von 2,8 auf 11,3 Prozent.
Dabei handelt es sich um diagnostizierte Adipositas. Hier sollte aber auch der Anstieg
an übergewichtigen Kindern nicht unvergessen bleiben, bei dem es sich um einen
Anstieg um etwa das Doppelte handelt. (APA, 2017)

Der HBSC-Survey zeigt den Gewichtsstatus 11-, 13- und 15- jähriger Schülerinnen
und Schüler in Österreich nach Geschlecht auf. Abbildung 4 zeigt, dass rund 14
Prozent der österreichischen Schülerinnen und Schüler im Alter von 11-, 13- und 15-
Jahren übergewichtig, also prä-adipös oder adipös, sind, wobei die Prozentzahl bei
Burschen höher ist, als bei Mädchen. Wird dieser Wert international verglichen, so
befindet sich Österreich bei den 11- und 13-Jährigen im mittleren Drittel und bei den
15-Jährigen     im    schlechtesten     Drittel.   (Österreichischer    Kinder-     und
Jugendgesundheitsbericht, 2015)

                                                                                     19
Abbildung 4: Gewichtsstatus 11-, 13- und 15- jähriger Schülerinnen und Schüler in Österreich nach
Geschlecht, 2014

Der Österreichische Ernährungsbericht 2012 zeigt ähnliche Ergebnisse. Die
Stichprobe der Studie waren 387 Kinder im Alter von 7-14 Jahren in Österreich. Das
Ergebnis der Studie wird in Abbildung 5 dargestellt und zeigt einen Wert von rund 24
Prozent übergewichtigen Kindern (prä-adipös oder adipös), wobei Burschen, gleich
wie bei der HBSC-Studie häufiger übergewichtig sind als Mädchen.
(Österreichischer Kinder- und Jugendgesundheitsbericht, 2015)

Abbildung 5: Gewichtsstatus 7- bis 14-jähriger Schulkinder nach Geschlecht, 2010/12

                                                                                              20
3.4. Ursachen von Adipositas

Adipositas induzierte Einfluss- bzw. Risikofaktoren stellen Bewegungsmangel und zu
hohe    Energiezufuhr,     falsche   Ernährung,     Genetische     Ursachen,       sowie
sozioökonomische Aspekte dar.
Der Wandel unserer Gesellschaft aufgrund der Mediatisierung bringt einen immer
geringer werdenden Anteil körperlicher Aktivität mit sich.

„Der Spielplatz findet heute in einem viereckigen Kastl statt.“ Felix Neureuther

Die Ski-Legende Felix Neureuther zeigt einen der größten Faktoren des Problems
übergewichtiger und adipöser Kinder in Österreich auf. Das gemeinsame Spielen und
Treffen in der Natur und damit verbundene Bewegung in der Freizeit wandelt sich
immer mehr zu Videospielen und einer virtuellen Realität, was Bewegungsmangel
unter Kindern- und Jugendlichen mit sich bringt. Bedingt durch diese verminderte
körperliche Aktivität ist auch der Energieverbrauch niedriger, siehe Abbildung 6, links.
Wird dieser Bewegungsmangel mit erhöhter Energieaufnahme gekoppelt, hat dies
eine Zunahme an Gewicht zur Folge und ist somit sehr wahrscheinlich an Adipositas
zu erkranken.

                                                                                      21
Abb.6: Gegenüberstellung: Positive Energiebilanz – negative Energiebilanz

Ein   Körper     verbraucht     aufgrund      von    Grundumsatz,       Alter,   Geschlecht,
Wärmeproduktion, Muskelmasse etc. unterschiedlich viel Energie. Von diesen
Parametern ist die körperliche Aktivität der am besten zu beeinflussende Faktor, was
bedeutet, dass das Körpergewicht durch körperliche Betätigung, durch vermehrten
Energieverbrauch gesenkt werden kann, siehe Abbildung 6, rechts. Ist diese
Bewegung nicht vorhanden, kann die Energie, die durch die Nahrung aufgenommen
wird, nicht verbraucht werden und wird im Körper in Form von Fett gespeichert. Daran
kann man sehr gut erkennen, dass die Mediatisierung mit verminderter körperlicher
Betätigung der Kinder- und Jugendlichen ein sehr großer Faktor der steigenden Anzahl
an Adipositaserkrankungen ist. (Herpertz, de Zwaan, & Zipfel, 2008, S. 246)

Zusätzlich zu einer vermehrten Energiezufuhr sind auch versteckte Zucker in
Fertiggerichten, übergroße Portionen von kalorienreichen Lebensmitteln, fettiges
Essen in Fast Food Restaurants, Süßigkeiten und übermäßiger Konsum gesüßter
Getränke, etc. ein zusätzlicher negativer Faktor.

                                                                                         22
Neben den zwei Problemen unserer Gesellschaft               (Bewegungsmangel und
Nahrungsüberangebot) kann eine Erkrankung an Adipositas auch durch genetische
Ursachen   und   den   sozioökonomischen      Status   bedingt     sein.   Wobei    der
sozioökonomische    Status   laut   Brettenschneider   et   al.   (2006)   wieder   mit
Bewegungsmangel und erhöhter Nahrungsaufnahme aufgrund von seelisch-
psychischen Belastungen korreliert. (Brettenschneider, Naul, Bünemann, & Hoffmann,
2006)

                                                                                    23
3.5. Folgen von Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Nicht nur der aktuelle Gesundheitszustand und das überwiegende Gewicht adipöser
Kinder- und Jugendlicher stellt ein großes Problem dar, sondern die chronische
Erkrankung Adipositas kann auch einige Begleiterkrankungen mit sich bringen.
Mit zunehmendem Gewicht steigt auch das Risiko für Begleiterkrankungen durch die
Auswirkungen auf Körper und Psyche der Betroffenen. Darüber hinaus entsteht auch
ein extremer Einfluss auf das gesamte Gesundheitssystem durch Behandlungen etc.
.

    3.5.1. Physische Folgen

Sehr häufig bringt Adipositas physische Folgen mit sich, vor allem die Erkrankung an
Diabetes Mellitus Typ 2, ist oftmals eine Folgeerkrankung. Auch bekannt als
„Altersdiabetes“, verrät der Name, dass früher eher ältere Menschen daran erkrankt
sind. Dies hat sich zur heutigen Zeit jedoch sehr gewandelt und das Erkrankungsalter
verschiebt sich immer mehr nach vorne. Im Gegensatz zum angeborenen Diabetes
Typ-1, bei dem der Körper kein Insulin produzieren und somit den Zuckerhaushalt des
Körpers nicht selbstständig regeln kann, ist der ist der Diabetes Mellitus Typ 2 induziert
durch einen übermäßigen Zuckerzufuhr. Durch Zuckerübermaß auf lange Zeit reagiert
der Körper nicht mehr und produziert nicht mehr genügend Insulin, um den
Zuckerhaushalt regeln zu können. Die ÖDG (Österreichische Diabetesgesellschaft)
zeigt auf, dass die Zahl der Diabetiker weltweit zunimmt und zeigt auch eine
Hochrechnung mit einer weiteren Zunahme, siehe Abbildung 7. Im Jahr 2011 waren
weltweit rund 366 Millionen Menschen an Diabetes mellitus erkrankt und die die Zahlen
steigen kontinuierlich. (Schienkiewitz, Brettschneider, Damerow, & Schaffrath Rosario;
Schatz, 2006)

                                                                                       24
Abbildung 7: Anzahl der Erkrankungen an Diabetes Mellitus weltweit

Auch die Neuerkrankung bei Kindern in Österreich steigt drastisch, wie der
Österreichische Diabetesbericht 2013 zeigt. Der Anteil an Diabetikern im Alter von 0-
14 Jahren in Österreich liegt bei rund 0,1%, was einer Zahl von ca. 1.300 bis 1.500
Kindern entspricht, siehe Abbildung 8.

Abbildung 8: Jährliche Inzidenzrate (Neuerkrankungen pro 100.000 EW) für Typ-1- und Typ-2-
Diabetes bei 0- bis 14-jährigen Kindern in Österreich in den Jahren 1999 bis 2007

                                                                                       25
Darüber hinaus sind an Adipositas erkrankte Kinder- und Jugendliche gefährdet, im
Alter an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden. Beispiele dafür sind erhöhter
Blutdruck oder auch Fettstoffwechselstörungen. Dies kann fatale Folgen haben, denn
laut der WHO (Weltgesundheitsorganisation) Europa ist die häufigste Ursache für
einen vorzeitigen Tod eine Erkrankung der Herzkranzgefäße. Auch die Grafik der
Statistik Austria zeigt, dass auch in Österreich die häufigste Todesursache in
Österreich eine Herz-Kreislauferkrankung darstellt, siehe Abbildung 9.

Abbildung 9: Häufige Todesursachen in Österreich (Bundesministerium für Gesundheit, 2013)

Doch nicht nur im Alter zeigen sich Adipositas induzierte Folgeerkrankungen, sondern
Adipositas geht laut dem österreichischen Kinder- und Jugendgesundheitsbericht
bereits im Kindes- und Jugendalter mit vielen Erkrankungen einher. Beispiele dafür
sind Asthma, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Hyperglykämie/Typ-2-
Diabetes, Leberverfettung, Gelenksschäden, nächtliche Atmungsstörungen, sowie
Verkalkung der Arterien. (Kinder- und Jugendgesundheitsbericht, 2015)

Neben     organmedizinischen      Folgen    können     auch    Haltungsschäden,       sowie
Schädigungen der Gelenke, der Wirbelsäule, sowie Fußverformungen durch
Überbelastung aufgrund von zu viel Gewicht durch Adipositas induziert werden.

                                                                                            26
Darüber hinaus ist auch die Koordination, genauer gesagt Schnelligkeit, Beweglichkeit
und Reaktionsfähigkeit im Alltag, vor allem aber beim Sport durch übermäßiges
Gewicht beeinträchtigt.

   3.5.2. Psychosoziale Folgen

Neben Folgeerkrankungen und gesundheitlichen Problemen sind an Adipositas
erkrankte Personen auch ständig psychosozialen Faktoren ausgesetzt. Vor allem
induziert durch das Schönheitsideal, dem wir auf Plakaten, in Zeitschriften etc. immer
wieder begegnen, das von schlanken und „perfekt“ aussehenden Models geprägt wird,
sind adipöse Kinder- und Jugendliche, als auch Erwachsene, in unserer Gesellschaft
verachtet. Diese Ausgrenzung beginnt schon im Kindesalter, da Kinder beispielsweise
eher mit einem behinderten Kind befreundet sein möchten, als mit einem
Übergewichtigen, so Benecke und Vogel (2005). Grund dafür ist, dass Übergewicht oft
mit Faulheit und Dummheit assoziiert wird.

Aufgrund ihres Übergewichtes haben adipöse Kinder- und Jugendliche in der Schule
öfter mit Mobbing zu kämpfen als Normalgewichtige, was Studien bestätigen.
Studien in den USA bestätigen diese Ausgrenzungen adipöser Personen mit dem
Ergebnis, dass Übergewicht sowohl ein Hindernis für Ehe als auch den sozialen
Aufstieg und erhöhtes Einkommen ist. Darüber hinaus leiden Menschen mit einem BMI
über 30 auch doppelt so oft an Depressionen oder Angststörungen. Dies korreliert
wiederum mit dem Mortalitätsrisiko, umso höher der BMI, umso größer das
Mortalitätsrisiko. Bedingt ist dies durch die ständige Verurteilung der Außenwelt
aufgrund des Körpergewichts. Dadurch fühlen sich die Betroffenen unsicher und
sowohl ihr Selbstwertgefühl als auch die Selbstakzeptanz leiden darunter. Betroffene
Kinder- und Jugendliche schämen sich oft für ihren Körper und fühlen sich nicht wohl
in ihrem Umfeld. Vor allem im Unterrichtsfach Bewegung und Sport kann dies
beobachtet werden, da übergewichtige Kinder auch oft dazu neigen auszusetzen oder
sich für ihre Bewegungshandlungen schämen, was dem Gewichtsverlust negativ
entgegenwirkt. (Benecke & Vogel, 2005)

                                                                                   27
3.5.3. Folgen für das Gesundheitssystem

Durch die Zunahme an Adipositas erkrankten Kindern- und Jugendlichen leiden nicht
nur die Betroffenen, sondern auch das Gesundheitssystem und somit auch der Staat,
da wie im Unterkapitel „Physische Folgen“ von Adipositas, adipöse Kinder- und
Jugendliche im Alter sehr oft an Folgeerkrankungen leiden. Dies kann immense
Auswirkungen auf das Gesundheitssystem haben, da es sehr viele Kosten mit sich
bringt, wobei sowohl direkte Kosten für Prävention, Diagnostik, Therapie und
Rehabilitation, als auch indirekte Kosten, wie Krankschreibungen und Früh-Invalidität
betrachtet werden müssen.

Der Standard zeigt mit einer Summe von 1,5 Mrd. Euro pro Jahr (5% der
Gesamtausgaben) für an Diabetes Mellitus Erkrankte, einen sehr hohen Wert auf.
Dabei sollte bedacht werden, dass an Diabetes Mellitus Typ 2 erkrankte Personen
sehr häufig davor schon an Adipositas leiden. Darüber hinaus schreibt die WHO
(2000), dass zwei bis sieben Prozent der Gesamten Gesundheitskosten für Adipositas
Erkrankte aufgebracht werden. Zusätzlich wird geschätzt, dass adipöse Personen pro
Jahr gesamt 18 Mio. Krankheitstage benötigen, was somit wiederum zu enormen
Kosten des Staates führt. (Hackl, Halla, Hummer & Pruckner, 2010; Liebermeister,
2002)

„Der Bewegungsmangel kostet dem Gesundheitssystem 2,4 Milliarden Euro. Wenn ich
das als Politiker weiß, muss ich jeden Euro in den Sport investieren“, so spricht sich
der      österreichische   Beachvolleyballprofi    Clemens     Doppler   über     den
Bewegungsmangel der Kinder und Jugendlichen in Österreich aus und appelliert um
mehr              Aufmerksamkeit             auf             dieses           Thema.

                                                                                   28
4. Gesundheitsförderung adipöser Kinder und Jugendliche

Gesund zu leben bzw. gesund zu werden ist sehr wichtig, in manchen Fällen fehlt es
aber hier an Unterstützung. Adipöse Kinder- und Jugendliche können in dem Sinne
unterstützt werden, indem ihnen Möglichkeiten zur Gesundheitsförderung aufgezeigt
werden, sei es in Form von Bewegung und Sport oder auch Ernährungstipps.
Gesundheitsförderung wird laut der Ottawa Charta, dem Dokument der ersten
Gesundheitsförderungskonferenz der WHO, wie folgt definiert: „Gesundheitsförderung
zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über
ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu
befähigen.“ Ziel der Gesundheitsförderung ist es also, die Lebensverhältnisse in eine
positive Richtung zu verändern bzw. zu fördern und Personen somit in ihrer
Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu unterstützen.

   4.1. Ansatzpunkte

Da Verhaltensweisen vor allem im Kindes- und Jugendalter gelernt bzw. geprägt
werden, ist es sehr wichtig ihnen bereits in diesem Alter die Wichtigkeit von Bewegung
und Sport, sowie gesunder Ernährung aufzuzeigen und ihnen Möglichkeiten zur
Verwirklichung dieser darzubieten. Bestenfalls können in diesem Fall Krankheiten
vorgebeugt werden und gar nicht erst entstehen. Liegt jedoch bereits eine Erkrankung,
wie beispielsweise Adipositas, vor, gilt es diese bestmöglich zu reduzieren und
Folgeerkrankungen zu vermeiden. Wichtig ist also, den Kindern- und Jugendlichen
darzustellen, was für ihre Gesundheit förderlich ist, was nicht und wie dies im
Zusammenhang miteinander steht. Vor allem sollte dabei auf die Wichtigkeit zur
Beibehaltung eines gesundheitlichen Handelns aufmerksam gemacht werden.

                                                                                   29
4.1.1. Bewegung und Sport

Ein sehr wichtiger Punkt ist vor allem adipösen Kindern- und Jugendlichen einen
anderen Zugang zu Bewegung und Sport zu vermitteln. Da sich diese vor allem im
Sportunterricht, aufgrund von Turnkleidung, unkoordinierten Bewegungshandlungen
oder Nicht-gewählt werden bei Spielen, nicht wohl fühlen. Im Unterrichtsfach
Bewegung und Sport sollte auf eine positive, motivierende Umgebung geachtet
werden, um allen Schülerinnen und Schülern eine aktive Beteiligung ohne
Hemmungen zu ermöglichen. Vor allem adipöse Kinder- und Jugendliche weisen im
Sportunterricht Hemmungen auf, die beseitigt werden sollten, um ihnen eine
Möglichkeit zur Bewegung zu schaffen. Bleiben diese Hemmungen bestehen, kann
dies dazu führen, dass die Inaktivität der Schülerinnen und Schüler steigt, die
Leistungsfähigkeit sinkt und somit das Sport treiben auch zu Misserfolgserlebnissen
führt. Diese Abwärtsspirale sollte auf jeden Fall vermieden werden, da diese zu einer
weiteren Gewichtszunahme führen kann.

Ein sehr wichtiges Ziel des Unterrichtsfaches Bewegung und Sport ist allen
Schülerinnen und Schülern, vor allem aber adipösen Kindern- und Jugendlichen ein
positives Bild von Bewegung und Sport zu vermitteln, damit sie Spaß am Sport
gewinnen und diesen bestenfalls auch in ihrer Freizeit betreiben. Dies kann mithilfe
von Erfolgserlebnissen, oder auch Taktikspielen, bei denen das Übergewicht als
taktischer Vorteil angesehen werden kann, hervorgerufen werden.

Darüber hinaus sollten diese neben ihren normalgewichtigen Mitschülerinnen und
Mitschülern nicht vernachlässigt werden. So gilt es die Planung des Sportunterrichts
für alle Beteiligten schaffbar und motivationsfördernd zu gestalten. Ein Beispiel wäre
dafür, bei der Planung gleiche Ausgangsbedingungen für alle Schülerinnen und
Schüler zu schaffen, wie beispielsweise die Minimierung des Spielfeldes, um die
Laufwege einzuschränken.

Bei der Auswahl der Bewegungsangebote gilt es auch darauf zu achten, Angebote
auszuwählen, die nicht zusätzliche Belastungen der Gelenke bzw. Beschwerden
hervorrufen. (Bjarnson-Wehrens und Dordel, 2005; Herpertz u.a., 2008, S. 258; Stoev,
2009)

                                                                                   30
Die Erlebnispädagogik stellt einen Bereich dar, der viele der angeführten Inhalte und
Anpassungen mit sich bringt.

   4.1.2. Ernährungsverhalten

Da eine Fehlernährung neben Bewegungsmangel einer der Hauptfaktoren bei der
Entstehung von Adipositas ist, sollt auch das Ernährungsverhalten und das Thema
„gesunde      Ernährung“      thematisiert   werden.   Hierbei   sollten   die   Parameter
Energieaufnahme und Energieverbrauch verstanden werden, um somit das Prinzip
einer negativen Energiebilanz zur Gewichtsreduktion zu verstehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Nahrungskomponenten Kohlenhydrate, Fette und
Eiweiße, sowie auch der Unterschied zwischen gesunden und ungesunden Fetten. In
der Industriegesellschaft wird zu viel Fett konsumiert, laut Kasper und Schlenk liegt
dieser     Fettkonsum   bei     40%    der   Gesamtenergieaufnahme.        Zusätzlich    zum
übermäßigem Fettkonsum stellt auch der Zuckerkonsum in Form von versteckten
Zuckern in Fertigprodukten, aber auch Softdrinks etc. eine große Bedrohung dar. Das
Obstjoghurts nicht gesund sind und viele andere Mythen und Ernährungsweisen,
sowie ungesundes Essverhalten gilt es die Schülerinnen und Schüler aufzuklären und
ihnen eine gesunde Ernährung nahe zu legen. (Kasper und Schlenk, 2003)

   4.1.3. Positives Selbstbild

Neben einem angemessenen Ernährungs- Bewegungs- und Freizeitverhalten gibt es
auch andere Parameter, die zu beachten sind. Wichtige Punkte sind dabei den
Kindern- und Jugendlichen ein positives Selbstbild zu vermitteln und ihr
Selbstbewusstsein zu stärken, um somit Krisen und einwirkende Stresssituationen,
wie beispielsweise Mobbing, besser bewältigen zu können. Der Umgang mit Angst,
Problemlösung, Entscheidungen, Frustration, sowie Kommunikationsfähigkeit und die
Fähigkeit zum Aufbau von Beziehungen sollten dabei ebenfalls gelehrt werden. Dies
sind     wichtige   Kompetenzen,      die    Kinder und   Jugendliche      sowohl   in   den

                                                                                          31
Entwicklungsphasen als auch im späteren Leben brauchen. (Hurrelmann, 1994; Icks
und Rathmann, 2004; Muntean, 2000)

   4.1.4. Klassengemeinschaft

Eine weitere wichtige Kompetenz, die im Erwachsenenalter, als auch in der Schule
wichtig sind, sind Teamfähigkeit, Kooperationsfreudigkeit, sowie Vertrauen. In einer
guten Klassengemeinschaft sind diese Kompetenzen vorhanden und spürbar und vor
allem für adipöse Kinder und Jugendliche wichtig. Befinden sich diese in einer guten
Klassengemeinschaft, ist ein positives Setting vorhanden, in dem gearbeitet werden,
ohne dass beispielsweise im Sportunterricht Gefühle von Scham und Peinlichkeit
vorhanden sind.
Bei einer Klassengemeinschaft sind nach Hattie (2015) vor allem drei Komponenten
sehr wichtig: Zielorientierung, positive interpersonelle Beziehungen und soziale
Unterstützung. Diese drei Komponenten lassen sich mit erlebnispädagogischen
Elementen sehr gut erarbeiten und tragen somit zur Bildung einer optimalen
Klassengemeinschaft bei. (Slamanig, 2012, Hattie, 2015)

                                                                                 32
4.2. Effekte körperlicher Aktivität bei Adipositas

Bewegung und Sport bringt, sowohl bei Normalgewichtigen als auch bei adipösen
Personen viele positive Effekte mit sich. Körperliche Aktivität gekoppelt mit einer
kalorienreduzierten Ernährung soll Studien zufolge die beste Möglichkeit zu einer
Gewichtsreduktion    sein.   Mithilfe   einer   negativen   Energiebilanz,   also   mehr
Energieverbrauch durch Bewegung und Sport als Energieaufnahme durch Nahrung,
wird schnell ein positives Ergebnis in der Gewichtsreduktion erzielt. Darüber hinaus ist
Bewegung und Sport für die Gesamtentwicklung von Kindern sehr wichtig.

   4.2.1. Verminderung des Körpergewichts

Zur Reduktion von Körpergewicht stellt Bewegung und Sport in Kombination mit einer
gesunden    Ernährung die      beste Möglichkeit dar. Im Gegensatz zu               einer
ausschließlichen Kalorienreduktion ohne Bewegung und Sport, bei der neben
Fettmasse auch Muskelmasse abgebaut wird, da der Körper oft so handelt als wäre
er in einer „Notsituation“ da er zu wenig Energie bekommt. Beim Treiben von Sport
wird jedoch Fett abgebaut bzw. auch in Muskelmasse umgewandelt und so der
Grundumsatz der Person erhöht. Eine Erhöhung des Grundumsatzes bedeutet, das
am Tag mehr Kalorien verbraucht werden, da die Muskulatur etc. mehr Energie
benötigt und trägt somit ebenfalls zur Gewichtsreduktion bei. (Herpertz, de Zwaan und
Zipfel, 2008)

   4.2.2. Positive Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit und Bewegungsapparat

Da Adipositas auch Haltungsschäden und Schädigungen der Gelenke mit sich bringt
wirkt sich eine Gewichtsreduktion und der Aufbau einer stützenden Muskulatur positiv
auf die Körperhaltung aus. Findet diese Ausbildung einer stützenden Muskulatur nicht
im Kindes- und Jugendalter statt, ist es sehr wahrscheinlich dass die adipösen
Erwachsenen im späteren oder auch früheren Leben sehr mit Haltungs- und
Gelenksproblemen zu kämpfen haben.
Wichtig ist auch ein Ausgleich einer schlechten Beinstellung, die aufgrund von
Übergewicht oft vorhanden ist und dadurch eine Abnützung der Beingelenke und auch
eine größere Belastung der Knie- und Fußgelenke bedingt. Laut durchgeführten

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Studien wirkt das übermäßige Gewicht auf die Gelenke nicht nur beim Gehen, Laufen,
Treppensteigen und Bücken ein, sondern bedingt durch die Scherkräfte auch bei
Drehbewegungen. Dies kann ebenfalls durch Bewegung und Sport beglichen werden
und somit einer schnellen Abnützung der Gelenke, sowie einer Fehlstellung
entgegenwirken. (Hebestreit u.a., 2002; Wirth und Hauner, 2008)

Zusätzlich zum positiven Effekt der Gewichtsreduktion hat die körperliche Aktivität
auch eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem und die aerobe
Leistungsfähigkeit.   Eine     verbesserte    Leistungsfähigkeit       bedingt   auch   eine
Verbesserung der Stimmungslage und somit können auch Depressionen vorgebeugt
werden.   Bei   Kindern        und    Jugendlichen     kann     eine    Verbesserung    der
Leistungsfähigkeit zu einem Gefühl der Zugehörigkeit führen.                     Sie haben
Erfolgserlebnisse und können mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern sowohl im
Sportunterricht, als auch in den Pausen, mithalten. (Herpetz u.a., 2008)

   4.2.3. Steigerung des Selbstwertgefühls

Zusätzlich zu einem Gefühl der Zugehörigkeit, wenn man bei Spielen und Übungen
einen Beitrag leistet kann gibt es auch längerfristige Auswirkungen auf die
Persönlichkeit von adipösen Kindern und Jugendlichen bei körperlichen Aktivitäten.
Vor allem bei erlebnispädagogischen Elementen, die nicht auf Leistungsdruck und
Können basieren, ist eine Steigerung des Selbstbewusstseins und Wohlbefindens
möglich. (Bös und Brehm, 1998)

Studien zeigen, dass erlebnispädagogische Projektwochen nicht nur einen positiven
Einfluss auf den Gruppenzusammenhalt und das Selbstvertrauen haben, sondern
auch positive Effekte der Einstellung zur der Schule und den dazugehörigen
Verhaltensintentionen.      Weitere    Studien     zeigen      eine    Verbesserung     des
Selbstwertgefühls     und    der   sozialen   Befindlichkeit   nach     Projektwochen    mit
erlebnispädagogischen Schwerpunkten. Daraus ergibt sich eine ganzheitliche
Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen bei erlebnispädagogischen

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