ÖH-WAHL PROGRAMM 2015 . MAI

 
ÖH-WAHL
PROGRAMM
2015

              A H L
           W
    Ö H- 1. M A I
      9 . – 2
    1
2   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH –

                                        ÖH-WAHL
                                        PROGRAMM
                                        2015
PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN 3

                                                           JUNOS
                                                           ÖH-Wahlprogramm
INHALTSVERZEICHNIS
                                                           2015
ÖH-WAHLPROGRAMM               STÄRKUNG
2015           3             STUDENTISCHER                BILDUNGSSTÄTTEN DER ZUKUNFT
                              INITIATIVEN 	          18
BILDUNGSSTÄTTEN                                            Österreichs Hochschulen sind chronisch unterfinanziert. Schlechte
DER ZUKUNFT	             3                                Betreuungsverhältnisse, zu wenige Lehrveranstaltungen, veraltete
                              VIELFALT IM                  Arbeitsutensilien und eine überforderte Verwaltung sind die Folge
ABSTURZ IM INTERNATIONALEN    HOCHSCHULSEKTOR19           davon. Die Hochschulen endlich aus zu finanzieren ist unser zentrales
VERGLEICH 	              3                                Ziel. Dazu haben wir ein sinnvolles, umfassendes und vor allem
                              PÄDAGOGISCHE                 machbares Konzept erstellt.
                              HOCHSCHULEN	19
HOCHSCHULFINANZIERUNG     3
                                                           ABSTURZ IM INTERNATIONALEN VERGLEICH
FAIRE ZUGANGS-                FACHHOCHSCHULEN	       19
BESCHRÄNKUNGEN	          6                                Wir JUNOS sehen Bildung als das höchste Gut einer Gesellschaft. Besonders
                                                           in einem Innovationsland wie Österreich spielt Bildung und Forschung
                              PRIVATUNIVERSITÄTEN	   22   eine wichtige Rolle, dennoch sind Österreichs Hochschulen chronisch
GRENZENLOS LERNEN	       7                                unterfinanziert und verlieren im internationalen Vergleich weiter an Boden.
                                                           So schaffen wir es als eines der reichsten Länder der Welt nicht einmal, eine
                                                           einzige Universität unter den Top100 der Welt zu platzieren. 2014 rutschten
MODERNE ÖH –                                               unsere Universitäten im internationalen Vergleich sogar noch weiter ab.
EIN NEUSTART	           10                                Wenn wir uns dieser Problematik nicht jetzt annehmen, sehen wir JUNOS
                                                           den Wissenschaftsstandort Österreich mittelfristig gefährdet. Nur durch
STUDENTISCHES                                              eine erhebliche Verbesserung der Studienbedingungen sowie der Qualität
LEBEN	                  15                                der Lehre, einer Stärkung des Forschungssektors und einer attraktiveren
                                                           Gestaltung des Wissenschaftsstandort Österreich für Nachwuchsforscher
AUSBAU DES STIPENDIEN-                                     kann der aktuellen Situation entgegengewirkt werden. Zusätzlich darf
UND BEIHILFENSYSTEMS    15                                Österreichs Partizipation an internationalen Forschungsprojekten (z.B. CERN,
                                                           ESO, ESA etc.) auf keinen Fall verringert werden. Sie sollte sogar ausgebaut
                                                           werden, denn nur so können die akademischen Entwicklungsmöglichkeiten
                                                           in der Spitzenforschung für die Studierenden offen gehalten werden.

                                                           HOCHSCHULFINANZIERUNG
                                                           Auch wenn es der derzeitigen Bundesregierung nicht an der Zielsetzung zur
                                                           Verbesserung der Finanzierung fehlt, lässt die Umsetzung zu wünschen übrig.
                                                           So betrug die von Wissenschaftsminister Mitterlehner versprochene „Uni-
                                                           Milliarde“ für den Zeitraum 2016-2018 am Ende nur noch 615 Mio. Euro. Geld
4                                PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN 5

das ohnehin dringend für die Aufrechterhaltung des Hochschulbetriebes           3. Beitrag der Studierenden
benötigt wurde. Eine nachhaltige Investition in die Zukunft unseres
Standortes sieht anders aus. Auch das Ziel bis 2020 2% des BIPs dem tertiären   Studierende, die aufgrund ihrer tertiären Ausbildung profitieren und dadurch
Sektor zu Verfügung zu stellen, scheint angesichts der derzeitigen budgetären   im weiteren Leben mehr verdienen, sollen einen angemessen Beitrag für ihre
Notlage und der Tatsache, dass das Bildungsbudget für 2% des BIPs jährlich      Ausbildung beitragen. Ein gebührenfreies Hochschulstudium, wie es derzeit
um 6.8% wachsen müsste eher unrealistisch. Wir JUNOS sind der Meinung,          in Österreich der Fall ist, gleicht einer Umverteilung von unten nach oben
dass es höchste Zeit ist neue Wege zu gehen. Wir fordern ein 3 Punkte Konzept   und kommt tendenziell Kindern aus gut bemittelten Familien zugute. Um
um die Finanzierung der österreichischen Hochschulen zu verbessern und          dieser Umverteilung entgegenzuwirken, soll es Hochschulen in Zukunft frei
damit endlich auf internationalem Top-Niveau anzukommen:                        stehen autonom Studiengebühren bis zu einem Maximalbetrag von 500€ pro
                                                                                Semester einzuheben. Die Möglichkeit keine Studiengebühren einzufordern
                                                                                steht ihnen auch weiterhin zur Verfügung. Da wir der Meinung sind, dass es
1. Verstärkte Investition in Bildung                                            jedem frei stehen sollte ein Studium zu absolvieren, auch wenn dafür nicht
                                                                                die nötigen finanziellen Mitteln zur Verfügung stehen, sollen Studierende bis
Die finanzielle Grundlage moderner Hochschulen hat nach wie vor der             zu ihrem 40. Lebensjahr vom Staat ein bedingungsloses, zinsfreies jedoch
Staat zu erbringen. Eine echte „Uni-Milliarde“ und ein tertiäres Bildungs-      inflationsangepasstes Bildungsdarlehen in der Höhe der Studiengebühren
budget von 2% des BIPs ist längst überfällig. Um öffentliche Gelder an          bekommen. Dieses ist unabhängig von der Einkommenssituation der
Österreichs Hochschulen künftig zu verteilen, schlagen wir JUNOS eine           Eltern und wird direkt an die Universität ausbezahlt. Die Rückzahlung
kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung vor, die sich an den             dieses Bildungsdarlehens setzt erst ein, wenn man in einem
wirklich anfallenden Kosten pro Studienplatz orientieren soll. Für jede         Beschäftigungsverhältnis steht und eine Entlohnung über dem Freibetrag
Studienrichtung sollen exakt die Bedürfnisse für eine qualitätsvolle Bildung    von jährlich 11.000€ netto überschreitet. Dabei erfolgt die Rückzahlung in
definiert werden und somit eine optimale Betreuungsrelation Wissenschaftler     zinsfreien Raten in Höhe von 8% des Nettoeinkommens, das den Freibetrag
zu Studierenden sowie die notwendige technische und räumliche Ausstattung       überschreitet. Die Rückzahlung erfolgt dabei über das Finanzministerium
berechnet werden. Hochschulen bekommen ihr Ausbildungsbudget in Zukunft         und dauert bis zur vollständigen Tilgung des Darlehens, jedoch nicht länger
auf Grundlage der aktiven Studierenden pro Studiengang, statt wie bisher        als 30 Jahre. Nach 30 Jahren setzt eine staatliche Ausfallhaftung ein und das
aufgrund von intransparenten und komplizierten Leistungsvereinbarungen          Darlehen ist restlos getilgt.
zwischen Hochschule und Wissenschaftsministerium.
                                                                                Studierende, die ein Doppelstudium belegen, zahlen Studiengebühren nur
Durch dieses Modell gelingt es Hochschulen in Zukunft wieder ihren              einmal und diese für den teureren Studiengang, die Einnahmen werden
Studierenden eine qualitativ hochwertige Leistung zu bieten. Zusätzlich         anschließend aliquot auf die Universitäten aufgeteilt. Für den Fall, dass
werden Hochschulen wieder vermehrt auf die Bedürfnisse ihrer Studierenden       Studierende nach dem Studium abwandern oder Ihren Lebensmittelpunkt ins
eingehen und das Weiterkommen dieser im Studium unterstützen.                   Ausland verlegen, wandelt sich das staatliche Darlehen in ein herkömmliches,
                                                                                verzinstes Annuitätendarlehen um. Dieses Bildungsdarlehen steht auch
                                                                                Studierenden aus EU-Staaten und Drittstaaten zur Verfügung.
2. Steigerung der Drittmittel
                                                                                Zusätzlich soll Teilzeitstudierenden, die neben ihrem Studium noch weiteren
Gut ausgebildete Absolventen sind im derzeitigen globalen Wettbewerb stark      Pflichten nachkommen und dadurch nur eine begrenzte Anzahl an ECTS im
gefragt, daher sind Unternehmen und Private stets an der Förderung von          Semester erreichen, durch ein flexibles Finanzierungsmodell kein finanzieller
Bildung interessiert. Im OECD Durchschnitt stammen 32% der Ausgaben             Nachteil entstehen.
für den Tertiärbereich aus privaten Quellen, in Österreich liegt der Anteil
privater bei nur 12%. Um den Anteil privater Mittel zu erhöhen, ist die         Um sicher zu stellen, dass Studiengebühren nicht einfach im Budget der
Bundesregierung dazu angehalten bürokratische Hürden bei der Gründung           Hochschulen verschwinden, sondern sicher der Ausbildung der Studierenden
von gemeinnützigen Stiftungen abzubauen und verbesserte steuerliche             zu Gute kommen, sollen Studierende selbst über die Verwendung entscheiden.
Rahmenbedingungen für die Spendenabsetzbarkeit und die Gemeinnützigkeit         Hierfür wird am Ende jedes Semesters eine Umfrage unter allen Studierenden
zu schaffen, um so Investitionen in den Wissenschafts-                          zur Verwendung der Beiträge durchgeführt. Das Ergebnis dieser Abstimmung
und Forschungsbereich zu vereinfachen.                                          ist für die Hochschulen bindend. Damit Studierende auch nachvollziehen
6                                PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN 7

können ob ihre Beiträge in ihrem Ermessen verwendet wurden, soll die            50% aus Studierenden, sowie Lehrenden und nicht stimmberechtigten
genaue Verwendung der Beiträge für das Semester davor gleichzeitig mit der      Experten besteht. Wir JUNOS regen dabei an nicht nur auf punktuelle
Abstimmung digital für jeden einsehbar sein.                                    Einzeltestergebnisse oder einen Numerus Clausus zu setzten, sondern
                                                                                Studierende aufgrund unterschiedlicher studienrelevanter Kriterien
                                                                                zu reihen. Aufnahmeverfahren sollen im Anschluss jedes Jahr durch
FAIRE ZUGANGSBESCHRÄNKUNGEN                                                     Studierende, die dieses Verfahren durchlaufen haben sowie der zuständigen
                                                                                Kommission evaluiert werden. Zusätzlich sollen alle Teilnehmer eines
Im Wintersemester 2011/12 wurde für alle Studiengänge, die bis dato keine       Aufnahmeverfahrens das Recht bekommen in ihre Beurteilungsunterlagen
Zugangsbeschränkungen hatten, die Studieneingangs und Orientierungsphase        und Prüfungsprotokolle Einsicht zu nehmen.
(STEOP) eingeführt. Auch wenn diese, wie im Universitätsgesetz beschrieben,
explizit nicht als Zugangsbeschränkung verwendet werden darf, ist dies
heute in vielen Studiengängen der Fall. Wir JUNOS sprechen uns entschieden      GRENZENLOS LERNEN
gegen versteckte Zugangsbeschränkungen wie Knock-Out-Prüfungen,
semesterlanges Warten auf Laborplätze oder Diplomarbeitsbetreuer aus            Mit dem Ziel einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu
und lehnen daher auch eine gesetzlich verpflichtende Eingangsorientierungs-     kreieren und dabei Studiengänge und -abschlüsse zu harmonisieren,
phase ab. Wir sehen diese Methoden nur als Verschwendung von                    sowie die internationale Mobilität Studierender zu erhöhen, kam es 1999
kostbarer Lebenszeit junger Menschen. Studierende sind für uns reife            zum Bologna Prozess. Dabei wurden die bisherigen Diplomstudiengänge
eigenverantwortliche Menschen, die selbstständig das für sie richtige           schrittweise durch das Bachelorstudium und das darauf aufbauende
Studium wählen können. Hier sehen wir JUNOS besonders Schulen in der            Masterstudium ersetzt, sowie das ECTS-Kreditsystem eingeführt. Ein
Pflicht ihren Schülern in Zukunft mehr Freiräume zu verschaffen, in denen       Prozess der es Studierenden ermöglichen sollte ohne Hindernisse ihre
diese sich über ihre Zukunft Gedanken machen können und sich einen              Studienfächer sowie ihren Studienstandort im In und Ausland zu wechseln
Überblick über Hochschulen sowie andere Bildungs- und Ausbildungswege           und dadurch die Talententwicklung zu fördern. Ein Prozess den wir JUNOS
verschaffen sollten.                                                            in Zeiten der Globalisierung als wichtig sehen. Dennoch gibt es einige
                                                                                Punkte, die unseren Hochschulen fehlen, um in internationalen
Bis zur Einführung unseres Studienplatzfinanzierungsmodelles, bei dem jede      Wettbewerb mithalten zu können und somit zu hochwertigen Bildungs-
Hochschule ihre budgetären Mittel aufgrund der aktiven Studierendenzahl         stätten der Zukunft zu werde.
zugewiesen bekommt, steht Österreichs Hochschulen jährlich nur ein
unzureichendes Budget für alle Studierenden eines Studienganges zur
Verfügung. Hochschulen müssen derzeit oftmals mehr Studienanfänger              • Studentische Wahlfreiheit erhöhen
zum Studium zulassen als Studienplätze zur Verfügung stehen. Dies führt
zu überfüllten Hörsälen, zu wenig Laborplätzen und einem schlechten             Viele Studiengänge nutzten die Umstellung von Diplomstudiengängen
Betreuungsverhältnis von Lehrenden zu Studierenden oder jahrelangem             auf das Bachelor- Masterstudium um Curricula mit weiteren
Warten auf einen Diplomarbeitsbetreuer. Umstände die wir JUNOS nicht als        Pflichtlehrveranstaltungen zu füllen. Dies führte zu einer starken
fair gegenüber den Studierenden erachten. Daher wollen wir den Hochschulen      Verschulung von Studiengängen, da eine Verminderung der durch
das Recht zusprechen autonom Aufnahmeverfahren einzuführen.                     Studierenden frei wählbaren Lehrveranstaltungen zu Gunsten von
Diese Aufnahmeverfahren sollen dazu dienen die begrenzte Anzahl von             Pflichtfächern stattfand. Wir JUNOS sehen die Wichtigkeit von
Studienplätzen fair zu verteilen und für jeden Studiengang mindestens einmal    frei wählbaren Lehrveranstaltungen, da zum einen selbstbestimmtes
vor dem Sommersemester sowie dem Wintersemester stattfinden, damit es           Studieren, wie auch der Erwerb von interdisziplinären als auch sozialen
Studierende frei entscheiden können wann sie ihr Studium beginnen wollen.       Kompetenzen ein wichtiger Teil einer modernen Hochschulbildung
                                                                                ist. Daher fordern wir, dass Studiengänge zu mindestens 15% aus
Da Aufnahmeverfahren derzeit vom Rektorat beschlossen werden, fordern           Wahllehrveranstaltungen bestehen.
wir die vermehrte Einbindung von Studierenden, da diese zusammen mit
ihren Lehrenden oftmals besser Bescheid wissen, welche Kriterien ein
Studienanfänger mitbringen sollte. Daher sollen Aufnahmeverfahren in
Zukunft durch eine Kommission beschlossen werden, welche zu mindestens
8                               PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN 9

• Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht verringern                       • Rot Weiß Rot Karte reformieren

Durch die Umstellung auf Bachelor und Masterstudiengänge erhöhte sich          Mit Hilfe der Rot Weiß Rot Karte sollten Fach- und Spitzenkräfte nach
in vielen Studiengängen auch die Anzahl an Lehrveranstaltungen mit             Österreich geholt werden und Studierende aus dem Ausland, die in
Anwesenheitspflichten. Um Studierenden ein selbstbestimmtes Studium            Österreich eine Hochschulbildung genossen haben, eine Möglichkeit geben
und den Erwerb von interdisziplinären als auch sozialen Kompetenzen            weiterhin im Land zu bleiben. Dennoch bleibt nur jeder fünfte Absolvent
zu ermöglichen halten wir JUNOS eine Verringerung der Anzahl an                aus einem Drittstaatenland in Österreich, da die Voraussetzungen für eine
Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht für nötig.                         Aufenthaltsgenehmigung zu restriktiv sind. Da Studierende aus Drittstaaten
                                                                               größtenteils auf Kosten des Steuerzahlers ausgebildet wurden, entsteht so ein
                                                                               volkswirtschaftlicher Schaden. Um mehr Nicht-EU-Studierende in Österreich
• Studienwechsel vereinfachen                                                  zu halten, erfordert es daher einer Reform der Rot Weiß Rot Karte. Hierfür
                                                                               muss das Abschließen eines Bachelorstudiums anerkannt werden, die Frist
Der Bologna Prozess sollte Studiengänge und –abschlüsse harmonisieren          zur Arbeitssuche von sechs auf 12 Monate ausgedehnt werden, eine flexiblere
und so die Mobilität der Studierenden im In- und Ausland erhöhen. Dennoch      Berechnung der Einkommensgrenze verwendet werden und ein Abbau des
erweist sich die Anrechenbarkeit von Lehrveranstaltungen bei einem             Bürokratieaufwandes stattfinden.
Hochschulwechsel während eines Studiums, wie auch das Inskribieren in
einen aufbauenden Studiengang als schwierig. Daher soll ein bundesweites
Online-Register erstellt werden, welches einzelne Studiengänge und             • Modernes Lernen erleichtern
Lehrveranstaltungen miteinander vergleicht und die Anrechenbarkeit
untereinander darstellt. In Zukunft soll der Wechsel zwischen Hochschulen      Im Gegensatz zum angloamerikanischen Raum setzen Österreichs
vereinfacht und ohne bürokratischen Aufwand möglich werden.                    Hochschulen nur bedingt auf moderne Technik bei der Wissensvermittlung.
                                                                               Doch durch Verwendung von modernen E-Learning Plattformen, Livestream-
                                                                               Übertragungen sowie Online-Aufnahmen wäre es Hochschulen bereits jetzt
• Internationale Mobilität erhöhen                                             möglich berufsbegleitende Studierende - wie auch allen anderen Studierenden
                                                                               - ein räumlich und zeitlich flexibles Lernen, sowie ein eigenverantwortliches
Der Erwerb von internationaler Erfahrung trägt viel zur                        und selbstbestimmtes Lernen zu ermöglichen. Eine weitere Möglichkeit
Persönlichkeitsentwicklung und der fachlichen Kompetenz eines                  zeitlich und ortsunabhängig Wissen zu vermitteln, wovon vor allem auch
Studierenden bei. Auch wenn viele Studierende am Anfang ihres Studiums         berufsbegleitende Studierende profitieren, bieten Massive Open Online
ein Auslandssemester anstreben, fehlt ihnen Mitten im Studium plötzlich        Courses (MOOC). Diese Online-Kurse nutzen bereits heute viele Top-
die Zeit dafür. Hochschulen sind daher angehalten in den Curricula ihrer       Universitäten, um ihr Wissen kostengünstig und für jeden frei zugänglich
Studiengänge Zeit und Raum für Auslandssemester zu schaffen, sowie die         zu machen. Wir JUNOS sind daher der Meinung, dass auch Österreichs
Teilnahme an Studienaustauschprogrammen zu erhöhen.                            Hochschulen sich aktiver bei der Errichtung von MOOCs beteiligen sollten.

• Bachelorabschluss aufwerten

Bachelorabsolventen, die kein weiterführendes Masterstudium absolvieren,
finden einen Beruf meist nur unter ihren Qualifikationen, da Hochschulen
das Bachelorstudium zur Vermittlung von Grundwissen verwenden und
dabei keinerlei Wert auf Praxisnähe legen. Wir JUNOS sind hingegen der
Meinung, dass Absolventen einer dreijährigen Ausbildung nicht nur über
theoretische Grundlagen ihres Studiums verfügen sollten. Daher fordern wir
Lehrveranstaltungen mit mehr Praxisbezug.
10                                PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN 11

Moderne ÖH –                                                                     • Postenschacherei beenden

ein Neustart                                                                     ÖH-Arbeit geschieht zu einem großen Teil in Referaten. Diese werden meist
                                                                                 mit Personen der Exekutiv-Fraktionen besetzt. Wir JUNOS sind allerdings
                                                                                 der Meinung, dass Funktionen lieber aufgrund von Kompetenzen anstatt
Die Österreichische HochschülerInnen und Hochschülerschaft                       von Fraktionsangehörigkeit vergeben werden sollten. Daher sollen in
ist die gesetzliche Vertretung der Studierenden in Österreich.                   Zukunft alle durch Aufwandsentschädigung bezahlten Posten durch ein
Die Mitgliedschaft in der ÖH ist eine Pflichtmitgliedschaft, daher               klares Aufgabenprofil definiert und öffentlich ausgeschrieben werden. Alle
sind alle Studierenden Österreichs automatisch Teil dieser und                   Bewerbungen für eine Funktion sollen mindestens zwei Wochen vor dem
haben einen Mitgliedsbeitrag von 18.7€ pro Semester zu bezahlen.                 öffentlichen Hearing für alle Studierenden online zugänglich sein. Zusätzlich
Dadurch steht der ÖH ein jährliches Budget von über 13 Millionen                 soll am Ende jedes Semesters evaluiert werden ob das Aufgabenprofil erfüllt
Euro zur Verfügung. 85% dieses Geldes gehen an die lokalen                       wurde. Da es sich bei Aufwandsentschädigungen um Gelder der Studierenden
HochschülerInnenschaften der jeweiligen Hochschulen, die                         handelt, wollen wir weiters, dass öffentliche Datenbank eingerichtet werden,
restlichen 15% gehen an die ÖH-Bundesvertretung. Studierende                     in der für jeden ersichtlich ist, wie viel Aufwandsentschädigung eine Person
haben kein Recht sich über die gewissenhafte Nutzung ihrer                       durch seine ÖH-Tätigkeit erhalten hat.
Beiträge zu informieren.

Kernaufgabe der ÖH ist die Vertretungsarbeit der Studierenden gegenüber          • Transparenz der ÖH garantieren
dem Gesetzgeber und der Service gegenüber ihren Mitgliedern. Seit der
Gründung der ÖH 1946 ist die Wahlbeteiligung bei ÖH-Wahlen von 77% auf           Wir JUNOS fordern eine transparentere ÖH, wobei jeder Studierende ohne
28% im Jahr 2013 gesunken. Ein eindeutiger Indikator dafür, dass die ÖH          bürokratischen Aufwand das Recht zusteht, alle Informationen seiner
ihre Kernaufgaben seit Jahren vernachlässigt und Studierende sich daher          Hochschülerschaft zu erhalten. Da das Einblicksrecht in die Finanzen
nicht mehr mit ihr identifizieren.                                               der ÖH derzeit nur Mandataren der ÖH-Organe vorbehalten ist und
                                                                                 Pflichtmitglieder kein Recht haben, sich über die gewissenhafte Nutzung
Die seit Jahren falsche Entwicklung der ÖH wollen wir JUNOS durch einen          ihrer Beiträge zu informieren, fordern wir das Einblicksrecht in alle
Neustart von Innen heraus beenden, dabei haben wir folgende Ziele:               Finanzen für jeden Studierenden. Jahresvoranschlag und Jahresabschluss
                                                                                 der ÖH-Körperschaften, sowie Beteiligungen an GmbHs, Stiftungen
• Ideologische Grabenkämpfe beenden                                              und ähnlichem, wie auch die derzeitige Höhe von Rücklagen sollen zur
                                                                                 Vereinfachung online bereitgestellt werden und sämtliche weitere Daten der
Die ÖH vertritt längst nicht mehr die Interessen der Studierenden.               Öffentlichkeit mit Hilfe von Open Data zur Verfügung gestellt werden. Da
Gefangen zwischen links-ideologischen Utopien und und ideenloser                 sich derzeit viele ÖH-Exekutiven bei der Offenlegung ihrer Unterlagen auf die
Servicepolitik, ist das Sprachrohr der Studierenden in Österreich                Amtsverschwiegenheit berufen, fordern wir die Informationsfreiheit für ihre
beschämend leise. Ohne die Unterstützung der Studierenden und ohne               Mitglieder. Weiters sind wir der Meinung, dass Studierende auch das Recht
sinnvolle Konzepte zur Reform des Hochschulsektors kann die ÖH seit              haben zu erfahren, wie viel Aufwandsentschädigung beauftragte Personen
Jahrzehnten keine Impulse für umfassende Reformen setzen. Das wollen             der ÖH erhalten. Daher soll eine öffentliche Datenbank angelegt werden, in
wir ändern. Wir stellen die Studierenden in den Mittelpunkt unserer              der alle Aufwandsentschädigungen aufgezeichnet werden.
Politik. Unser Anliegen ist es gezielte Studierendenpolitik zu leisten indem
wir das allgemeinpolitische Mandat der ÖH dazu nutzen die Interessen der         Die wichtigsten Entscheidungen der ÖH werden meist in der Bundes-
Studierenden innerhalb der Österreichischen Gesellschaft zu vertreten.           vertretung oder der Hochschulvertretungen beschlossen. Daher fordern wir
Das umfasst die Hochschulen, ebenso wie Fragen der staatlichen Beihilfen         die Live-Übertragungen dieser Sitzungen ab 1000 inskribierten Studierenden
oder Wohn- und Mobilitätsangelegenheiten. Die globale Weltrevolution             der jeweiligen Universität mittels Stream. Damit Anliegen der Studierenden
überlassen wir anderen.                                                          in Sitzungen der Universitätsvertretung auch mehr Gehör verschafft wird, soll
                                                                                 in Zukunft jedem Studierenden das Rederecht zustehen. Beschlussprotokolle
                                                                                 von Sitzungen der ÖH-Organe sollen in Zukunft bereits verpflichtend 3 Tage
12                               PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN 13

nach einer Sitzung online auffindbar sein. Zusätzlich fordern wir auch          • Vertretungsarbeit stärken
Fakultäts- und Studienvertretungen dazu auf ihre Sitzungen öffentlich für
alle Studierenden zugänglich abzuhalten und besser über ihre Arbeit zu          Wir JUNOS sehen die Kernaufgabe der ÖH in ihrer Vertretungsarbeit.
informieren.                                                                    Eine Aufgabe die in den letzten Jahren auch durch den Gesetzesgeber
                                                                                mit Hilfe von Reformen im Hochschülerschaftsgesetz mehr und mehr
                                                                                eingeschränkt wurde. Aus diesem Grund fordern wir eine Aufwertung der
• Mitbestimmung stärken                                                         Studierendenkurieren in den Organen der Universität, wie dem Senat und all
                                                                                seinen Unterkommissionen. Dabei soll der Kurie der Studierenden in Zukunft
Studierende, die nicht aktiv als Studienvertreter tätig sind, haben keinerlei   wieder ein Drittel der Stimmen zustehen.
Möglichkeit in die Geschehnisse der ÖH einzugreifen. Daher wollen wir
Studierenden eine einfache Partizipation auch zwischen den Wahlen
ermöglichen. Auf jeder lokalen Hochschule sowie auf Bundesebene soll dafür      • Zwangsmitgliedschaft beenden
eine online Partizipations-Plattform(z.B: Liquid Feedback) zur Verfügung
gestellt werden. Auf dieser sind alle Studierenden stimmberechtigt, die ihren   Wir JUNOS sind der Meinung, dass eine starke Interessenvertretung keinen
ÖH-Beitrag für das laufende Semester eingezahlt haben. Jeder Studierende        Zwang benötigt, da sie durch ihre Leistung überzeugt. Studierende, die
hat auf dieser Plattform das Recht eigene Ideen einzubringen und die Ideen      Service und Vorteile der ÖH nutzen, werden daher auch auf freiwilliger
anderer zu bewerten. Positiv abgestimmte Ideen dieser Plattform müssen          Basis Mitglieder bleiben. Aus diesem Grund fordern wir die schrittweise
von der Hochschulvertretung behandelt werden und der Konsens dieser             Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft. Als ersten Schritt in diese Richtung
online für alle Studierende frei zugänglich veröffentlicht werden.              wollen wir allen Studierenden nach dem ersten Semester die Möglichkeit
                                                                                geben die Mitgliedschaft in der ÖH abzulegen. Studierenden ist es so möglich
Da Studierende auch nicht entscheiden können, wofür die ÖH ihren                die Vorteile der ÖH ein Semester aktiv kennenzulernen und danach frei zu
Pflichtbeitrag ausgibt, wollen wir die Möglichkeit schaffen, den ÖH-Beitrag     entscheiden ob sie diesen Service weiter nutzen wollen. Studierende die Ihre
unkompliziert für Projekte zu widmen. Dadurch können sich Studierende           Mitgliedschaft beendet haben, steht es natürlich frei jederzeit wieder Mitglied
über die gewissenhafte Nutzung ihres Beitrages sicher sein und so auch aktiv    zu werden. Eine laufende Evaluierung soll sicherstellen zu welchem Zeitpunkt
bestimmen welchen Fokus die ÖH mit ihren Geldern setzt.                         und wie die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft vollständig umgesetzt
                                                                                werden soll.
Studierende sollen in Zukunft auch leichter eine Urabstimmung einzufordern
können. Diese soll durch 5% der Wahlberechtigen des jeweiligen Organs
möglich sein. In Zukunft soll die Aufhebung dieser nur noch durch eine          • Verschwendung verhindern
erneute Urabstimmung und nicht mehr durch die eine 2/3 Mehrheit des
zuständigen Organs, wie der Bundesvertretung oder der Hochschulvertretung       Wir JUNOS sind der Meinung, dass Mitgliedsbeiträge der Studierenden
möglich sein.                                                                   stets rücksichtsvoll und nur für Anliegen der Studierenden verwendet
                                                                                werden sollten. Viele der derzeitigen ÖH-Exekutiven betreiben jedoch
Die Durchführung einer Urabstimmung soll in ÖH-Organen in Zukunft bereits       Misswirtschaften mit diesen Beiträgen indem sie z.B. immense Rücklagen
durch eine einfache Mehrheit statt einer 2/3 Mehrheit zu beschließen sein.      aufbauen und diese auf Sparkonten durch die Inflation entwerten lassen,
                                                                                statt sie für Studierende zu verwenden oder nicht studienrelevante Projekte
                                                                                fördern. Wir JUNOS wollen, dass Studierende selbst durch eine Abstimmung,
• ÖH evaluieren                                                                 über die Verwendung von mindestens einem Drittel des ÖH-Budgets
                                                                                entscheiden können.
Wir fordern eine verpflichtende jährliche Evaluierung der ÖH-Arbeit mit
Hilfe von online Feedbackbögen unter allen Studierenden. Die Ergebnisse
dieser Evaluierung sollen der ÖH als Feedback dienen, genauer auf die
Bedürfnisse ihrer Mitglieder einzugehenden. Weiters müssen die Ergebnisse
für alle Studierende frei zugänglich online veröffentlicht werden.
14                               PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN 15

• ÖH digitalisieren                                                             Studentisches
Die bundesweite Österreichische HochschülerInnenschaft sowie ihre lokalen       Leben
Körperschaften verschwenden jährlich durch den Druck von Zeitschriften,
Flyer und Broschüren eine Unsumme an Geld und Papier. Wir Junos sind            AUSBAU DES STIPENDIEN- UND BEIHILFENSYSTEMS
der Meinung, dass eine moderne HochschülerInnenschaft im Zeitalter von
Smartphones, Tablets und Notebooks der Umwelt zu liebe nachhaltiger             Österreichs Beihilfensystem basiert auf dem Subsidiaritätsprinzip,
agieren müsste. Daher wollen wir, dass die ÖH in Zukunft Papier einspart und    wonach staatliche Beihilfen erst ausbezahlt werden, wenn
ihre Informationen den Studierenden digital zur Verfügung stellt. Dies würde    Studierende sich nicht selbst erhalten können und von ihrer Familie
zu Einsparungen von über einer Millionen Euro führen.                           nicht ausreichend finanziell unterstützt werden können.

                                                                                Dadurch erhielten im Jahr 2011 22% der Bildungsinländer eine
                                                                                Studienbeihilfe. Darunter fallen 15% mit konventioneller Studienbeihilfe, 7%
                                                                                mit Selbsterhalterstipendium und 0,2%, die ein Studienabschluss-Stipendium.
                                                                                Neben den Studienbeihilfen steht Studierenden bis zur Vollendung des 24
                                                                                Lebensjahres auch die Familienbeihilfe zur Verfügung, welche allerdings den
                                                                                Maximalauszahlungsbetrag der Studienbeihilfen verringert. In den letzten
                                                                                Jahren verabsäumte die Österreichische Bundesregierung einige Reformen,
                                                                                was zur einer Verschlechterung des Lebensstandards von Studierenden
                                                                                führte. Da wir der Meinung sind, dass erfolgreiches Studieren von der
                                                                                persönlichen Leistung abhängen sollte und nicht von den zur Verfügung
                                                                                stehenden finanziellen Mitteln, fordern wir:

                                                                                • Beihilfe und Stipendien reformieren

                                                                                In Österreich beträgt die bedarfsorientierte Mindestsicherung, welche den
                                                                                notwendigen monatlichen Bedarf an Nahrung, Kleidung, Körperpflege,
                                                                                Beheizung und Strom abdeckt 827,82 Euro pro Monat. Der maximale
                                                                                Höchstbetrag für die Studienbeihilfe Selbsterhalter-Stipendiums beträgt
                                                                                hingehen nur 679€ pro Monat. Da wir JUNOS der Meinung sind, dass
                                                                                Studierende nicht unter den Bedingungen der Mindestsicherung leben sollten,
                                                                                wollen wir den Höchstbetrag der Studienbeihilfe und des Selbsterhalte-
                                                                                Stipendiums auf 827,82€ angleichen. Wie bei der Mindestsicherung enthält
                                                                                dieser Betrag bereits einen Anteil von 25% für Wohnkosten, welcher bei
                                                                                niedrigen oder keinen Wohnkosten gekürzt werden kann. Im Gegensatz dazu
                                                                                erhalten Studierende in Zukunft keine Verringerung der Studienbeihilfe,
                                                                                wenn ihr Studienort mit dem Wohnsitz ihrer Eltern übereinstimmt.

                                                                                • Anspruchsalter Familienbeihilfe erhöhen

                                                                                Das durchschnittliche Alter eines Studierenden bei seinem Master-
                                                                                Studienabschuss betrug 2013 26,8. Dennoch beschloss die Bundesregierung
                                                                                2011 das Anspruchsalter der Familienbeihilfe auf die Vollendung des
16                                PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN 17

24 Lebensjahres zu kürzen. Da sich dadurch die soziale Situation der             Studierender erst nach 3 Semestern sein Studium wechseln, kommt es zur so
Studierenden merklich verschlechterte, fordern wir die Rücknahme dieser          genannten „Stehzeit“ und er verliert den Anspruch auf Studienbeihilfen und
Kürzung und damit die Erhöhung des Anspruchsalter der Familienbeihilfe bis       Familienbeihilfe für 3 Semester. Diese Rechtslage führt neben dem Verlust der
zum vollenden 26 Lebensjahr.                                                     Beihilfe für eine lange Periode auch zur Rechtsunsicherheit der Studierenden
                                                                                 und einen hohen Verwaltungsaufwand der Studienbehilhilfenbehörde
                                                                                 bei der Prüfung der anzuerkennenden Leistung. Wir JUNOS fordern
• Beihilfen an Inflation anpassen                                                daher, dass Studierende den Anspruch auf Beihilfen haben solange sie ein
                                                                                 Bachelorstudium betreiben (derzeit sieben Semester) und die gewünschte
Durch Inflation wird der Betrag den Studierende erhalten und der Kreis           Leistung erbringen. Anzahl und Zeitpunkt der Studienwechsel innerhalb
an Studierenden, die Studienbeihilfe beziehen, von Jahr zu Jahr kleiner.         der Bachelorstudien soll daher keine Rolle mehr spielen.
Daher fordern wir eine automatische Inflationsanpassung des maximalen
Auszahlungsbetrages, sowie der Bezugsanlagen aller Beihilfen.
                                                                                 • Unterhalt vorschießen

• Toleranzsemester anpassen                                                      Studierende, die ihren gesetzlich zustehenden Unterhalt nicht erhalten
                                                                                 und ihn einklagen müssen, soll dies erleichtert werden, ohne dass
Derzeit müssen Studierende erst Studiengebühren zahlen wenn sie ihre             zahlungsunwillige Eltern von ihrer Unterhaltspflicht entlastet werden. Bis
Regelstudienzeit + 2 Toleranzsemester überschreiten. Studienbeihilfen            zum Urteil sollen Studierende daher die von der Studienbeihilfenbehörde
steht Studierenden allerdings nur für die Regelzeit + 1 Toleranzsemester         berechnete Unterhaltsleistung der Eltern von der Förderstelle ausbezahlt
zu. Wir fordern daher die Toleranzsemester für Studienbeihilfen                  bekommen. Nach dem Urteil hat eine Rückzahlung zu erfolgen. Als Vorbild
den Toleranzsemester von Studiengebühren auf 2 Toleranzsemester                  für dieses Modell dient das Unterhaltsvorschussgesetz für Minderjährige.
gleichzusetzten.

                                                                                 • Bürokratie für Drittstaatenangehörige abbauen
• Bildungsdarlehen ausbauen
                                                                                 Studierende aus Drittstaaten, die in Österreich um eine
Studierende sollen zum Abdecken ihres Lebensunterhaltes die Möglichkeit          Aufenthaltsbewilligung ansuchen, um hier studieren zu können müssen
bekommen ein monatlich ausbezahltes bedingungsloses niedrig verzinstes           bis zum 24. Lebensjahr 481,75 € für jeden Aufenthaltsmonat nachweisen
Darlehen aufnehmen zu können. Die Rückzahlung dieses Darlehens geschieht         können. Ab dem 24. Lebensjahr erhöht sich dieser Betrag auf 872,31 € für
erst wenn Studierende im Berufsleben stehen und ist abhängig von der             jedes Aufenthaltsmonat. Da wir JUNOS der Meinung sind, dass sich der
Einkommenshöhe.                                                                  Lebensstandard eines Studierenden nicht von einem aufs nächste Jahr
                                                                                 verdoppelt, fordern wir die Senkung des Betrages ab dem 24. Lebensjahr
                                                                                 auf 481,75 €.
• Übergangsfristen ausbauen

Beim Beenden eines Bachelor-Studiums muss binnen 24 Monaten ein Master           • Studentische Mobilität erhöhen
Studium inskribiert werden, um weiterhin Beihilfen zu erhalten. Personen,
die nach ihrem Bachelor kurzzeitig einen Beruf nachgehen, haben daher oft        In den letzten Jahren entwickelten sich besonders die Kosten für öffentliche
keinen Anspruch mehr auf Beihilfen. Deshalb fordern wir die Ausweitung der       Mobilität für Studierende als zusätzliche Belastung. Als bundesweite
Übergangsfristen auf 30 Monate.                                                  Interessenvertretung aller Studierenden sehen wir JUNOS hier die ÖH in der
                                                                                 Pflicht sich für einen kostengünstigen österreichweiten öffentlichen Verkehr
• Studienwechsel erleichtern                                                     für Studierende einzusetzen.

Derzeit sind maximal 2 Studienwechsel während eines Studiums zulässig,
solange diese jeweils nach höchstens 2 Semestern stattfinden. Sollte ein
18                              PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN 19

Stärkung studentischer                                                         Vielfalt im
Initiativen                                                                    Hochschulsektor
Hochschulen sind nicht nur ein Ort an dem Studierende fachspezifisches         Einer der Kernwerte von uns JUNOS ist die Vielfalt – dies lässt sich
Wissen erlernen, sondern auch neue Bekanntschaften schließen, soziale          auch auf den Hochschulbereich anwenden. Wir JUNOS sind davon
Kompetenzen erlernen und ihre Horizont erweitern wollen. Daher ist es keine    überzeugt, dass unterschiedlichste Hochschultypen nicht nur ihre
Seltenheit, dass eine Gruppe von Studierenden mit denselben Interessen         Berechtigung im tertiären Bildungssektor haben, sondern diesen
einen Club oder eine Initiative gründet. Wir JUNOS befürworten Initiativen,    auch aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausrichtungen bereichern.
in denen Studierende weitere Kompetenzen erlernen und wollen, dass
Hochschulen wie auch die ÖH diese vermehrt durch ihre Ressourcen, wie
Seminarräume, Sportplätze oder finanziell unterstützen. Vorbildwirkung         PÄDAGOGISCHE HOCHSCHULEN
für uns hat hier Australien, indem studentische Sport oder beispielsweise
Debattierclubs bereits landesweit Wettbewerbe bestreiten und Initiativen       Das Vermitteln von Wissen an eine jüngere Generation gehört zu einer der
zur Förderung des Gemeinwohls keine Seltenheit sind.                           anspruchsvollsten wie auch wichtigsten Berufe unserer Gesellschaft. Nur
                                                                               gut ausgebildete Lehrende sind auch in der Lage ihr Wissen ansprechend
                                                                               weiterzugeben. Dafür müssen Lehrende nicht nur über genug Wissen in
                                                                               ihrem Fach verfügen, sondern auch im Umgang mit Schülern erprobt sein und
                                                                               erziehungswissenschaftlich geschult sein. Eigenschaften auf die Pädagogische
                                                                               Hochschulen einen besonderen Wert legen und daher aus unserer
                                                                               Gesellschaft nicht wegzudenken sind. Damit Pädagogische Hochschulen
                                                                               die Ausbildung unserer Lehrerinnen und Lehrer noch weiter vorantreiben
                                                                               können, benötigt es endlich eine vollständigen Aufwertung der Institutionen
                                                                               als Einrichtungen des tertiären Bildungssektors. Damit dies gelingt
                                                                               müssen Pädagogische Hochschulen zum einen vom Bundesministerium
                                                                               für Bildung und Frauen in das Bundesministerium für Wissenschaft,
                                                                               Forschung und Wirtschaft übergeführt werden und außerdem die Autonomie
                                                                               dieser gestärkt werden, um auf einer Augenhöhe mit Universitäten und
                                                                               Fachhochschulen zu sein. Zusätzlich müssen Pädagogischen Hochschulen
                                                                               auch die Möglichkeit bekommen eigene Forschung durchzuführen, um die
                                                                               PädagogInnenausbildung voranzutreiben.

                                                                               FACHHOCHSCHULEN
                                                                               In den letzten Jahren zeichnete sich ein Trend ab, bei dem Universitäten den
                                                                               Fachhochschulen durch ein „verschultes System“ immer ähnlicher wurden,
                                                                               aber auch umgekehrt Fachhochulen sich im Bereich der Forschung verstärkt
                                                                               an den Universitäten orientierten. Wir JUNOS sind davon überzeugt, dass
                                                                               diese Entwicklung nicht positiv für das Hochschulsystem ist. Die einzelnen
                                                                               Bereiche sollten sich auf ihre Stärken konzentrieren – praxisnahe und
                                                                               -orientierte Ausbildung an den Fachhochschulen, wissenschaftlich-fundierte
                                                                               Ausbildung auf den Universitäten – und nicht zwanghaft die Vorteile des
                                                                               anderen Typs kopieren.
20                               PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN 21

Diese Entwicklung ist sicherlich auch dadurch bedingt, dass in Österreich       • Forschung an Fachhochschulen
kein zentraler Hochschulplan existiert, der die strategische Richtung
des Hochschulsektors definiert. Hier fordern wir das Ministerium unter          Die Forschung an Fachhochschulen ist ein Bereich, der von der Politik
größtmöglicher Einbingung von relevanten Interessensgruppen dazu auf,           stiefmütterlich behandelt wird. Laut Fachhochschulstudiengesetz gibt es eine
einen Plan auszuarbeiten anhand dessen die zukünftige Entwicklung des           Verpflichtung der Fachhochschulen, Forschung durchzuführen. Gleichzeitig
gesamten Hochschulbereichs gesteuert werden kann.                               erhalten sie für diese jedoch keine zusätzlichen finanziellen Mittel vom Bund
                                                                                für diese Forschung. Wir JUNOS fordern deshalb eine Basisabgeltung für
                                                                                die Durchführung von angewandter Forschung an den Fachhochschulen –
• Weiterer Ausbau des FH Sektors                                                Grundlagenforschung soll jedoch weiterhin im Universitätssektor verbleiben.

Aufgrund der jedes Jahr steigenden Bewerberzahlen an den Fachhochschulen
kann man klar erkennen, dass die Nachfrage nach Fachhochschul-                  • Gleiche Rechte für alle Studierenden
Studienplätzen weit größer ist als das aktuelle Angebot.
                                                                                Die rechtliche Situation von Studierenden an Fachhochschulen hat sich in
Im internationalen Vergleich mit sehr ähnlichen Hochschulräumen wie             den letzten Jahren im Vergleich zu Universitätsstudierenden zwar verbessert,
Deutschland und der Schweiz, in denen auch schon länger Fachhochschulen         doch gibt es nach wie vor einige Bereiche, in denen Studierende von
existieren, kann man erkennen, dass es langfristig auf ein Verhältnis der       Fachhochschulen schlechter behandelt werden als Universitätsstudierende –
Studierenden von etwa 40:60 hinauslaufen sollte (Fachhochschulen und            dies ist natürlich abzulehnen!
Pädagogische Hochschulen verglichen zu Universitäten) – dieses Ziel wird
auch durch renommierte Studien gefordert.                                       Die Benachteiligung von Fachhochschulstudierenden betrifft
                                                                                unterschiedlichste Bereiche – hier werden drei exemplarisch aufgeführt:
Momentan sind nur rund 15 % aller Studierenden in Österreich an
Fachhochschulen. Um das ambitionierte Ziel von 40 % erreichen zu können,        Bei einigen Fachhochschulen müssen die Studierenden Studienverträge
fordern wir JUNOS eine aktivere Gestaltung der Zukunft der Fachhochschulen      unterzeichnen, die sie dazu zwingen das intellektuelle Eigentum an
und einen stärkeren Ausbau von Studienplätzen.                                  Projektergebnissen, Bachelor- oder Masterarbeiten an die jeweilige
                                                                                Fachhochschule abzutreten. Dies ist aus unserer Perspektive unerhört und
                                                                                gehört dringend reformiert.
• Doktorat an Fachhochschulen
                                                                                Weiters gibt es für Fachhochschulen ein eigenes Matrikelnummernsystem.
Wir JUNOS sind der Meinung, dass der Aufbau eigener Doktoratsprogramme          Dies führt bei Doppelstudien an Fachhochschulen und Universitäten
an Fachhochschulen nicht zielführend ist. Einerseits sind die notwendigen       immer wieder zu Problemen oder erschwert zumindest administrative
Ressourcen hierfür an Fachhochschulen nicht ausreichend vorhanden,              Tätigkeiten. Außerdem führt dies bei externen Dienstleistern wie den
andererseits gibt es auch Fachhochschulen, die den angemessenen                 Wiener Linien zu Schwierigkeiten, da diese die Studierendenausweise der
wissenschaftlichen Qualitätslevel eines Doktoratsstudiums kaum erreichen        Fachhochschulstudierenden nicht akzeptieren und diese daher eine eigene
würden.                                                                         „Berechtigungskarte“ anfordern müssen um das Studententicket nutzen zu
                                                                                können.
Wenn es sich jedoch um Partnerprogramme zwischen einer Fachhochschule
und einer Universität handelt, wo sich der jeweilige Hochschultyp mit seinen    Diese und viele andere Benachteiligungen sind historisch gewachsen, jedoch
Stärken einbringt, ist dies zu unterstützen – ein positives Paradebeispiel      ohne nachvollziehbaren Grund. Wir JUNOS fordern eine bessere rechtliche
hierfür ist die FH Burgenland mit ihrem kürzlich gestarteten „Joint PhD         Stellung von FH-Studierenden und eine dementsprechende Reform des
Programm“.                                                                      FH-Gesetzes.
22                               PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN 23

• Studienjahrwiederholungen

Von Seiten der ÖH sind vor allem die Genehmigungen von Studienjahr-
wiederholungen an Fachhochschulen oft sehr fragwürdig geregelt, da
die Entscheidung der Genehmigung zumeist von einer einzigen Person
– dem Studiengangsleiter – abhängt. Dieses System führt zu Willkür die
eingedämmt werden muss. Über die (letztinstanzliche) Entscheidung muss
auf jeden Fall ein unabhängiges Gremium mit studentischer Mitbestimmung
– das Kollegium – entscheiden. Wir fordern weiters die Einrichtung einer
unabhängigen Ombudsstelle an Fachhochschulen, die die Studierenden in
diesen Härtefällen über die Rechte, Pflichten und Fristen informieren soll.

• Zahlungsfrist der Studiengebühren

Studiengebühren auf der FH werden in Ausbildungsverträgen geregelt,
wobei die Erhalter der FH eine Frist im eigenen Ermessen festsetzen dürfen.
Es ist deshalb nicht durchsichtig ab wann diese Gebühren eingehoben
werden. Wir fordern eine klare Festsetzung eines Zahlungszeitraumes,
mit vier wöchiger Frist, welche die Planung des niedrigen Einkommens
der Studierenden erleichtert.

PRIVATUNIVERSITÄTEN

Österreichs Privatuniversitäten tragen seit Jahren einen wichtigen Teil
zu einem diversen Hochschulsystem bei und erfreuen sich einer stetig
steigenden Studierendenzahl. Die hohe Nachfrage zeigt, dass viele
Studierende bereit dazu sind, einen Beitrag zu ihrem Studium zu leisten,
wenn sie dafür eine qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten und das
Service an dem Studierenden im Vordergrund steht.
24   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN   PLÄNE FÜR EIN NEUES ÖSTERREICH – GRUNDLAGEN 25

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