HANDELN FÜR DIE BLAU-GRÜNE REGION - Gemeinsam für unsere Städte.
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HANDELN FÜR
DIE BLAU-GRÜNE
REGION
Gemeinsam für unsere Städte.
Bochum Bottrop Castrop-Rauxel Dinslaken Dortmund Duisburg Essen Gelsenkirchen Gladbeck Herne Herten Holzwickede Mülheim Oberhausen Recklinghausen Witten
an der RuhrVorwort /3
Inhalt Gemeinsam für
unsere Städte
Vorwort 3
Vorwort der Stadtkoordinator:innen 5
Ausgangspunkt
Der Klimawandel und seine Folgen für die Städte
8
Vision und Ziele
Der Weg zu einer klimaresilienten Region
10
Visionäres Projekt in Herten
Grünes Wohnzimmer unter Bäumen
12
18
lange Phasen der Trockenheit, in denen Stadtbäume Dafür gibt es ein Konzept, für dessen Umsetzung wir
Zusammenarbeit des Netzwerks verdorren. Heftiger Starkregen, der S traßen überflutet Mitstreiter:innen in den Verwaltungen und der Politik,
Gemeinsam für nachhaltige Stadtentwicklung oder Schlimmeres anrichtet: Die F olgen des Klima- aber auch bei Unternehmen brauchen: Stadtplanung
Karte der Zukunftsinitiative
Das Netzwerk für den blau-grünen Umbau
20 wandels sind mittlerweile u nübersehbar. Es ist Kon-
sens in der Klimaforschung, dass solche Wetterextreme
und Städtebau müssen dem Prinzip der Schwamm-
stadt folgen. Regenwasser muss vor Ort zurückge-
künftig noch zunehmen w erden. Wie können wir also halten werden, versickern oder verdunsten können.
Köpfe der Zukunftsinitiative
Beweggründe für mehr Engagement
22 solche Ereignisse a bfedern, wie können wir die Le-
bensqualität für die Menschen in den Städten des
Dann kann es der Bewässerung und der Kühlung
dienen und so können Kanalnetze entlastet und die
Ruhrgebiets e rhalten und verbessern? Natur gestärkt werden.
Serviceorganisation der
Zukunftsinitiative
Agiler Partner für regionale Klimaresilienzprojekte
24 Für Emschergenossenschaft und Lippeverband ist Befestigte Flächen entsiegeln, Dächer begrünen,
die Hochwasservorsorge eine Kernaufgabe, die Rückhaltemöglichkeiten schaffen: Wie die Schwamm-
Projektbeispiel Dinslaken
Starkregenmulde gegen Überflutungen
28 wir im Dienste der Region erfüllen. Mit Blick auf den
Klimawandel reichen die bisherigen Bemessungs-
stadt entstehen kann, beschreibt diese Broschüre.
Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung setzt die
maßstäbe nicht mehr aus. Gemeinsam mit den Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“
Projektbeispiel Oberhausen
Dach- und Fassadenbegrünungen
30 Städten m üssen wir unsere Anstrengungen inten
sivieren, die Region an Emscher, Lippe und Ruhr
von Städten und Emschergenossenschaft (EG) seit
2014 um. 2020 ist das Engagement mit dem Ruhrkonfe-
Projektbeispiel Bochum
Multifunktionale Fläche „Am Hausacker“
32 klimafest aufzustellen und blau-grün umzubauen. renz-Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler
Strahlkraft“ auf andere Kommunen und Wasser
verbände in der Region ausgeweitet worden.
Fördermöglichkeiten 34 Das daraus entstandene leistungsfähige Netzwerk
Kontakt & Impressum 36 aus Städten und EG hat nun einen neuen Namen:
„Zukunftsinitiative Klima.Werk – Gemeinsam für
unsere Städte“. Unter diesem Dach gehen wir die
Herausforderungen an und stemmen das Projekt der
blau-grünen Transformation der Region gemeinsam.
Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von
Emschergenossenschaft und LippeverbandVorwort Kommunen /5
Interkommunale Netzwerke
D er fortschreitende Klimawandel und seine lokalen
sowie weitreichenden weltweiten Auswirkungen
betreffen die Menschen in unseren Städten unmittel-
mscherstädte haben sich in der Zukunftsinitiative
E
„Wasser in der Stadt von morgen“ zusammenge-
schlossen, um den blau-grünen Umbau der Region
bar. Die Zeit des Redens ist vorbei, wir müssen auf voranzutreiben. Die Stadtkoordinator:innen über
allen Ebenen handeln. Motor dieses Handelns sind nehmen Verantwortung für das T hema und tragen
neben vielen weiteren Akteur:innen aus Politik, Wirt- es in ihre Stadtverwaltungen.
schaft und Stadtgesellschaft die Fachleute in den
Rathäusern. Unser Auftrag ist im Rahmen der Daseins Dieses interkommunale Handeln ist keineswegs
fürsorge für die Bürger:innen und mit Blick auf den selbstverständlich, vielmehr ist es ein Vorbild für
Klimawandel die wasserbewusste Stadtentwicklung. die Städte-region auf anderen Aufgabenfeldern. In
wenigen Jahren ist es uns gelungen, Spielregeln
Eine große, langfristige Aufgabe, die nur Erfolg und Arbeitsweisen für eine fachbereichs- und städte-
zeigen kann, wenn wir uns über Stadtgrenzen hinweg übergreifende Zusammenarbeit zu entwickeln
zusammenschließen. Denn heftige Niederschläge und erfolgreich umzusetzen.
oder Hitzeperioden als Folge des Klimawandels sind
in a llen Städten des Ruhrgebiets spürbar. Um g emein- Ende 2019 ist mit dem Ruhrkonferenz-Projekt „Klima-
sam L ösungen zu erarbeiten, voneinander zu lernen resiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ die
und Projekte für die Schwammstadt Emscherregion Gebietskulisse auf die Region und andere Wasser
umzusetzen, haben wir seit 2014 mit der Emscher verbände ausgeweitet worden. Das ist gut so! Die
genossenschaft ein starkes Netzwerk aufgebaut: neuen Mitstreiter:innen können beim Aufbau ihrer Zu-
Kolleg:innen aus Tiefbau- und Umwelt- bzw. Grün kunftsinitiative von unseren Erfahrungen profitieren.
flächenämtern, aus Entwässerungsbetrieben oder Und alle gemeinsam handeln wir jetzt als die „Zukunfts
Fachbereichen für Stadt- und Raumplanung der initiative Klima.Werk – Gemeinsam für unsere Städte“.
Dr. Marko Siekmann Frank Restemeyer Michael Werner
Stadtkoordinator Stadtkoordinator Stadtkoordinator
Bochum Gladbeck Castrop-Rauxel
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.Werk/7
Expertennetzwerk
Kommunikation
Heimat neu erleben: Durch Ent
siegelungen, Begrünungen oder
das Anlegen offener Wasser
flächen werden Städte klimafest
und bleiben lebenswert.
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.WerkAusgangspunkt /9
Ausgangspunkt
DER KLIMAWANDEL
UND SEINE F OLGEN
FÜR DIE STÄDTE
Hitze, Extremniederschläge und Trockenheit das urbane Ökosystem aus – vor allem wenn Frisch-
gehören zu den schwerwiegenden Folgen des luftschneisen fehlen. Die dichte Bebauung verhindert
Klimawandels, denen sich auch unsere Region an in diesen F ällen, dass kühle Luft aus dem Umland bis
Ruhr, Emscher und Lippe jetzt stellen muss. ins Stadtzentrum vordringen kann. Folglich sitzt die
überhitzte Luft über Tage in den betroffenen Stadt
Die Folgen des Klimawandels sind auch bei teilen fest – ein Problem, mit dem viele Kommunen in
uns deutlich zu spüren – vor allem in den der Region zu kämpfen haben. Zusammenhängende
Ballungsräumen. Anhaltende Hitzeperioden mit Gebiete mit besonderer Hitzeempfindlichkeit finden
Rekordtemperaturen werden für die hier lebenden sich im Ruhrgebiet vor allem in den Großstädten
Menschen zu einer immer größeren gesundheitlichen Duisburg, Oberhausen, Mülheim an der Ruhr, Essen,
Belastung. In städtischen Gebieten mit hoher Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund.
Bevölkerungs- und Bebauungsdichte liegen die
durchschnittlichen Temperaturen bis zu zehn Grad Starkregen und Trockenphasen
Celsius höher als im unbebauten Umland. Auch
sind die Auswirkungen von Starkregenereignissen Neben der Hitze gibt es in den Ballungszentren
in Stadtquartieren mit überwiegend versiegelten noch eine andere große Herausforderung: Nieder-
Flächen oftmals gravierender als in ländlichen schlag wird zum Problem, wenn große Regenmengen Intensität von Starkregenereignissen wird dies in des Klimawandels einstellen. Dabei sind sie den
Gebieten, wie z. B. das NRW-Umweltministerium in kurzer Zeit auf einen hohen Anteil versiegelter Zukunft häufiger eintreten. Naturgewalten jedoch keineswegs hilflos ausgeliefert:
im „Handbuch Stadtklima“ ausführt. Flächen t reffen. Von einem Starkregenereignis spricht Mit den richtigen Maßnahmen können Kommunen
man, wenn innerhalb kurzer Zeit große Niederschlags Das andere Extrem sind fehlende Niederschläge. die Anfälligkeit von Mensch und Umwelt gegenüber
Hitzebelastung im Herzen der Stadt mengen anfallen. Ob ein Starkregen Schaden ver Sie führen zu Wassermangel im urbanen Wasser den Folgen des Klimawandels verringern und ihre
ursacht, ist dabei von den Bedingungen vor Ort kreislauf und bei längerer Dauer zu sogenanntem Klimaresilienz (Widerstandsfähigkeit) verbessern.
Das Stadtklima kann sich negativ auf die dort leben- abhängig – z. B. vom Fassungsvermögen der Kana Trockenstress. Das belastet die Vegetation in den Welche Handlungsmöglichkeiten und Maßnahmen
den Menschen und Tiere sowie die dort wachsenden lisation. Das wird bemessen auf der statistischen Städten, insbesondere die Bäume an Straßen und in es gibt, um die Lebensqualität zu erhalten und zu
Pflanzen auswirken. Gründe dafür sind die dichte Grundlage zurückliegender Regenereignisse. Grünanlagen. Deren Funktion für die Luft- und verbessern und den Ballungsraum in eine klimafeste,
Bebauung, die starke Flächenversiegelung, geringe Aus wirtschaftlichen und teils konstruktiven sowie Lebensqualität in den S
tädten ist aber immens. blau-grüne Zukunftsregion zu verwandeln, lesen
Vegetation und nicht zuletzt eine Vielzahl unter baulichen Gründen kann die Kanalisation nicht Sie auf den nächsten Seiten.
schiedlicher Emittenten (Verkehr und Industrie). so dimensioniert werden, dass jedes erdenkliche Anpassung an die Folgen
Städtische Wärmeinseln werden in heißen Sommer- Niederschlagsereignis abgeleitet werden kann. des Klimawandels
nächten vor allem in dicht bebauten, urbanen Berei- Bei (seltenen) Starkregen wird daher eine Über
chen zunehmend zum Problem. Dann beeinflusst stauung in Kauf genommen. In diesen Fällen kann Dieser kurze Überblick zeigt, wie groß der Hand-
die fehlende Abkühlung nicht nur die menschliche das oberirdisch a
bfließende Regenwasser zum Teil lungsdruck ist: Städte und Ballungszentren müssen
Gesundheit negativ, sondern wirkt sich auch auf große Schäden anrichten. Durch die zunehmende reagieren und sich zwangsläufig auf die Folgen
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.WerkVision und Ziele / 11
Vision und Ziele Die Schwammstadt verwirklichen
Die städtebaulichen Maßnahmen der Zukunftsinitiative
DER WEG ZU EINER
folgen dem Prinzip der Schwammstadt: Sauberes
Regenwasser soll vor Ort versickern und so ins Grund
wasser übergehen, es soll verdunsten oder in Gewäs-
KLIMARESILIENTEN
ser abgeleitet werden, statt in der Mischkanalisation
und damit in Kläranlagen zu landen. So kann das Die Entstehungsgeschichte
Wasser in den Stadtquartieren der Bewässerung und der Zukunftsinitiative
REGION
Kühlung dienen. Außerdem können durch den Aus- 2014 – Die Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt
bau einer solchen d ezentralen Regenwasserbewirt- von morgen“ entsteht.
schaftung mit Blick auf Kanalnetze und Kläranlagen 2019 – D
as Leitbild der „Klimaresilienten Region mit inter-
langfristig Kosten g
esenkt werden. nationaler Strahlkraft“ wird entwickelt und in das
Themenforum „Grüne Infrastruktur“ der Ruhrkon-
ferenz des Landes NRW eingebracht und als Pro-
Es ist das Ziel der Zukunftsinitiative, regionale Stan- jekt verabschiedet.
dards für ein wasserbewusstes, gesundheitsförder
2020 – D
ie Serviceorganisation wird eingerichtet
Mit einer Reihe von Maßnahmen will die Zukunftsinitiative Klima.Werk liches und nachhaltiges Planen und Bauen zu etablieren. und das Projekt „Klimaresiliente Region mit
die Anfälligkeit von Ballungszentren gegenüber den Folgen des Klima- Mit entsprechenden Maßnahmen sollen bis 2040 die internationaler Strahlkraft“ initiiert.
Gefahren durch die Folgen des Klimawandels für die
wandels verbessern und damit die Lebensqualität der Menschen erhöhen. 2021 – Die bisherige Zukunftsinitiative
Menschen in den Städten minimiert werden. entwickelt sich zur Zukunftsinitiative
Klima.Werk!
Die Zukunft liegt in lebenswerten Städten mit nachhaltiger Zukunftsstrategien, die Erarbeitung von
attraktiven und multifunktionalen blau-grünen Produkten und Dienstleistungen für ein vernetztes
Infrastrukturen. Die Anpassung an die Folgen des und kooperatives Verwaltungshandeln in der Region
Klimawandels stellt die Kommunen vor besondere sowie die Gestaltung von Plattformen für den Wis-
Herausforderungen, eröffnet aber gleichzeitig auch sens- und Erfahrungsaustausch.
Chancen, Stadträume gesundheitsförderlich und
Fassaden- und
nachhaltig zu gestalten. Erforderlich ist ein gemein Dachbegrünung
sames Handeln. Im Zentrum stehen die Entwicklung Photosynthese
Verdunstung
(= Kühlungseffekt)
O2 CO2
Verdunstung
(= Kühlungseffekt)
Baumrigolen Versickerung
Regenrückhaltebecken Neubildung von GrundwasserVisionäres Projekt / 13
An der südlichen Ewaldstraße sind
multifunktionale Flächen mit zahlreichen
Bäumen, h eimischen Stauden und
Sitzelementen geplant. Anwohner:innen
können so den öffentlichen Raum vor
ihren Häusern nutzen, um miteinander
ins Gespräch kommen.
„Der Park kommt in die Stadt“ ist der Titel eines
Projekts, bei dem Herten zeigt, wie blau-grüner
Wandel gelingen kann: Im Rahmen vielfältiger
Klimaanpassungsmaßnahmen wird die südliche
Innenstadt ab dem Jahr 2022 umfassend umge
staltet und mit vielen blau-grünen Maßnahmen für
Anwohner:innen als „begrüntes Wohnzimmer“
völlig neu erschlossen.
Hitze, Trockenheit und Starkregen sind die
drei drängendsten Probleme, mit denen sich
Visionäres Projekt in Herten Kommunen durch den Klimawandel konfrontiert
sehen. Auch die Innenstadt von Herten gilt als Hitze-
insel, zudem gibt es kaum öffentliche Orte, an denen
GRÜNES WOHNZIMMER
sich Anwohner:innen außerhalb ihrer Wohnungen
aufhalten können. Doch das soll sich nun ändern:
Das Projekt „Der Park kommt in die Stadt“ soll den
UNTER BÄUMEN
angrenzenden Schlosspark in die Innenstadt inte
grieren und die Lebensqualität der Menschen vor
Ort langfristig sichern.
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.WerkVisionäres Projekt / 15
Blau-grüner Stadtwandel statt lace d’Arras und dem Bramhügel großflächig ent
P
graue Betonwüste siegelt, begrünt und bepflanzt werden sollen. Ein Kennzahlen:
derart umfassendes städtebauliches Gesamtkonzept
Bauphase (südliche Ewaldstraße, Place
Die Stadtverwaltung hat gemeinsam mit der Zukunfts- ist einzigartig in der Region. „Gespannt bin ich auf d‘Arras und Bramhügel): 2022 bis 2023.
initiative und in engem Austausch mit der Bürger- die Reaktionen der Menschen auf die neu gestaltete Gesamtvolumen: rund 4,2 Millionen Euro
schaft eine wassersensible Gestaltung auf den Weg Innenstadt und wie sie diesen Wandel erleben“, so (3,5 Millionen Euro plus rund 700.000
gebracht, mit der rund die Hälfte der hitzegeplagten, Sarah Loch, Stadtplanerin und Projektleitung INSEK Euro Regenwassermanagement/Zisterne).
Davon sind 2,8 Millionen Euro Städte
innenstädtischen Flächen Hertens ein völlig neues, „Neustart Innenstadt“ mit dem Konzept „Der Park
baufördermittel des Bundes und des
grünes Gesicht e rhalten sollen. kommt in die Stadt“. Landes NRW.
Die Kosten für die Umgestaltung der
Ilka Koelsch, Landschaftsplanerin und Stadtkoordi Durch die langjährige Zusammenarbeit zwischen den südlichen Innenstadt inklusive der
1. STATUS 2020: Hochversiegelte Fläche, die mit natorin, führt aus: „Der integrale Ansatz der Zukunfts- Kommunen und der Emschergenossenschaft habe Umgestaltung des Antoniuskirchplatzes
Beton und Steinen gepflastert ist. Anwohner:innen belaufen sich insgesamt auf rund
initiative ermöglicht es Kommunen, wesentliche Ver- sich ein familiäres Klima der gegenseitigen Unterstützung
empfinden das Areal als unübersichtlich und 7 Millionen Euro.
besserungen für die Menschen vor Ort zu erreichen.“ entwickelt. „Die Zukunftsinitiative hat die kommunalen
unangenehm.
Kirchtürme niedergelegt und denkt das Ruhrgebiet als
Von der Vision zur Wirklichkeit einheitliche, klimaresiliente Region mit internationaler
Strahlkraft!“, sagt Ralf Terpoorten, Stadtplaner und
3. VISION: Der Park ist in der Stadt angekommen:
Im Frühjahr 2022 starten die Bauarbeiten, durch die Stadtkoordinator für die Stadt Herten. hellere, lebenswertere und grünere Gesamtgestal-
drei zentrale Abschnitte an der Ewaldstraße, dem tung inklusive multifunktionaler Überflutungsmulde
mit Baumstämmen und Natursteinen, die zum Klet-
tern und Spielen einladen.
2. PLANUNG: Mehr Übersichtlichkeit durch klare
Wegeführung. Rückbau der Betonflächen und
neue wassersensible Elemente, z. B. eine große
Retentionsfläche zur Speicherung von Regenwasser.
(Skizze: Planungsbüro DTP/Essen)
Wass
errin
e ß
ss Stra
ne
or-Heu
Baumhain
Theod
Sitzelement
Naturspiel
Sickerfläche
bestehender extensiv+nahrstoffarm
Baum
breite
Überwege
breite
Überwege
Klima für Herten September 2019
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative KLIMA.WERK/ 17
Expertennetzwerk
Kommunikation
Mittagspause im Grünen: Durch
die Maßnahmen zur Klimaresilienz
wird die Lebensqualität in den
Städten erhöht.
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.WerkZusammenarbeit des Netzwerks / 19
Zusammenarbeit des Netzwerks Kooperationen nutzen,
Synergien schaffen
auch die P lanungs-, Bau- und Umweltdezernent:innen
der Städte zusammen, um mit dem Vorstand der
Emschergenossenschaft über das stadtübergreifende
GEMEINSAM FÜR
Die Stadtkoordinator:innen treffen sich regelmäßig, Handeln zu sprechen und weitere Ziele zu definieren.
um das weitere strategische Vorgehen, konkrete Oberste Arbeitsprinzipien sind dabei die Selbstbe
Fragen und Arbeitsweisen zu klären. An diesen auftragung und das Gegenstromprinzip.
NACHHALTIGE STADT-
Treffen nehmen auch die Mitarbeiter:innen der
Serviceorganisation teil. Regelmäßig tagt zudem die Um das gesteckte Ziel zu erreichen, agiert die
kommunale Prozesssteuerung der Zukunftsinitiative. Zukunftsinitiative Klima.Werk darüber hinaus in einem
ENTWICKLUNG
Darin organisiert sind einzelne Stadtkoordinator:innen komplexen Stakeholder-Umfeld, in dem Wissen, Er-
sowie Vertreter:innen aus der Serviceorganisation. fahrungen und Ressourcen ausgetauscht und geteilt
Als Erfahrungs- und Wissensbörse mit konkreten Bei- werden. Dazu gehören die kommunalen Verwaltun-
spielen für Maßnahmen und Good Practices in Form gen, die Dezernent:innen, die Serviceorganisation,
einer „Leistungsshow“ und als Plattform für neue EGLV-Vorstände, das Umweltministerium, das Städte-
Impulse gilt das Expertenforum, das einmal im Jahr bauministerium, andere Wasserverbände (Ruhrver-
stattfindet und an dem neben den Fachleuten aus den band, Linksniederrheinische Entwässerungs-Genos-
Nur gemeinsam lassen sich die Herausforderungen des Klimawandels jeweiligen Rathäusern auch die Dezernent:innen und senschaft, Niersverband), der Regionalverband Ruhr
meistern. Deshalb arbeiten in der Zukunftsinitiative Klima.Werk eine Mitstreiter:innen aus Wissenschaft und Forschung sowie Hochschulen, privatwirtschaftliche Unter
teilnehmen. Darüber hinaus kommen in jedem Jahr nehmen und Naturschutzverbände.
Vielzahl von Partnern interdisziplinär und auf Augenhöhe zusammen.
Die Kommunen der Emscherregion sind die Basis werken, kümmern sich dort um spezielle Aspekte aus Die 6 Säulen der Zukunftsinitiative Klima.Werk
der Zukunftsinitiative. Neben den 16 Emscher- dem Themenfeld und tauschen sich aus.
städten kommen kontinuierlich weitere Kommunen
aus dem RVR-Raum hinzu. Im Gebiet des Lippever- Die Expertennetzwerke
bands soll parallel ein eigenes Netzwerk entstehen,
das durch Städtepat:innen aus dem bisherigen Kreis Die Expertennetzwerke sind ein wichtiges Instrument,
begleitet und unterstützt wird. Eines der Organisati- um die Zusammenarbeit im Netzwerk zu organisieren
onsprinzipien in der Zukunftsinitiative: In den jewei und Aufgaben gemeinsam anzugehen. Aktuell gibt
ligen Kommunen fungieren Stadtkoordinator:innen es Netzwerke z. B. zu den Themen Betrachtungs
als interne und externe Ansprechpersonen für räume, agile Verwaltung, Financial Engineering, Stark-
die Themen der Zukunftsinitiative Klima.Werk. Sie regenvorsorge, Umweltbildung oder wassersensible
arbeiten in Fachdisziplinen wie Umweltschutz oder Gebührensatzungen. Die Expertennetzwerke treffen
Stadtentwässerung und agieren in ihren jeweiligen sich regelmäßig zur Bearbeitung ihrer selbstge
Verwaltungen auch als Multiplikator:innen für die ent- wählten Aufgabenstellungen. Die Arbeitsergebnisse
Stadtkoordinator:innen
sprechenden Themen. Die Stadtkoordinator:innen können und sollen von allen Kommunen im Netzwerk
Dezernenten-Treffen
Spiegelorganisation
Serviceorganisation
Expertennetzwerke
organisieren sich in verschiedenen Expertennetz genutzt werden.
Expertenforum
Prozesssteuerung
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.WerkKarte der Zukunftsinitiative / 21
DAS NETZWERK FÜR
DEN BLAU-GRÜNEN
UMBAU
Haltern
Hamminkeln Lip
pe
Rh e
in Dorsten
e
KREIS pp
Schermbeck
Li
Oer-
Erken- Werne
RECKLINGHAUSEN
Wesel Selm
schwick Datteln
Rh e i n
Xanten Marl
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Lip
p
Hünxe Waltrop Berg-
Sonsbeck kamen
Lünen
Voerde Herten Reckling- Bünen
Alpen
R h e in
hausen
KREIS WESEL Dins-
Glad- Castrop-
Kamen
KREIS
laken
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Rheinberg Unna
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n Bottrop Gelsen- Dortmund
hausen
Kamp- kirchen
Lintfort Em
scher Holz- Fröndenberg
wickede
Duisburg
Essen
Neu- Moers hr Bochum
R uh
r
Ru
kirchen- Witten
Vluyn Ru Schwerte Die 16 Emscherkommunen engagieren sich
hr
Mül- Herdecke seit vielen Jahren in der Zukunftsinitiative für
heim
R hein
a. d. einen nachhaltigen Umgang mit der lebenswichtigen
Ruh
Ruhr Ressource Wasser. In den jeweiligen Städten gibt
Hattingen Wetter
r
Hagen es Stadtkoordinator:innen, die intern und extern als
Sprock-
hövel
ENNEPE- Ansprechpartner:innen für die Themen der Zukunfts-
Gevels-
berg RUHR- initiative fungieren und auch in ihren Verwaltungen
KREIS Multiplikator:innen sind. Der Erfolg des Netzwerks
basiert auf langjähriger Kooperation, dem Wissens-
Schwelm
Ennepe- austausch und der gemeinsamen Umsetzung viel
tal
Brecker- fältiger Klimaanpassungsmaßnahmen. Ziel der Initiative
feld
ist es, die Region klimafest zu machen, beim blau-
grünen Stadtwandel mit gutem Beispiel voranzu
gehen und auch andere Regionen, Städte und Men-
schen zum Mitmachen anzuregen.
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.WerkKöpfe der Zukunftsinitiative / 23
Die Köpfe der Zukunftsinitiative Ich engagiere mich in der Zu
kunftsinitiative, weil ich bereits bei
Zusammenarbeit
im Kernteam
BEWEGGRÜNDE FÜR
der Gestaltung der Umweltzone des
Um die Arbeit der Zukunfts
Ruhrgebiets den Mehrwert von inter
initiative vor Ort so effektiv wie
kommunalem Handeln erlebt habe. möglich zu gestalten, wurde
MEHR ENGAGEMENT
In der Zukunftsinitiative werden Vor im November 2020 in Gelsen-
haben manchmal nur möglich, weil kirchen das Kernteam gegrün-
det, das sich in regelmäßigen
Dr. Thomas es mutige Vorbilder in greifbarer Nähe
Abständen – mindestens
Griebe gibt. Außerdem lassen sich innovative einmal im Quartal – trifft.
Stadtkoordinator
Duisburg Vorgehensweisen durch kollegiale
Unterstützung einfacher übertragen.“ „Hier werden die aktuellen
Projektstände ausgetauscht,
neue Ideen und Anliegen ein-
Warum ist das Netzwerk für die Akteure vor Ort von Nutzen? Die Die immer häufiger auftretenden
gebracht, priorisiert, disku-
tiert und das weitere Vorge-
Stadtkoordinator:innen sind sich einig: Ihnen hilft bei der Umsetzung Extremwetterereignisse zeigen die hen abgestimmt. Bei Bedarf
des klimafesten Umbaus der kollegiale Austausch von Wissen und dringenden Herausforderungen für werden themenspezifisch
Teilnehmer:innen hinzugela-
Erfahrung in der Zukunftsinitiative. Darin sehen sie die Stärke des die Stadtentwicklungspraxis. Es ist
den“, berichtet Tobias Unter-
höchste Zeit zu handeln. Ich möchte
Netzwerks. Hier einige Stimmen aus den Kommunen. unsere Städte – sowohl im Bestand
bäumer, Stadtkoordinator
in Gelsenkirchen.
als auch neu geschaffene Quartiere –
nachhaltig gestalten und an die Folgen Zahlreiche Themen, die das
Marcus Beck Kernteam anspricht, werden
des Klimawandels anpassen. In der
Stadtkoordinator anschließend in kleineren
Zukunftsinitiative kommen Menschen Dinslaken Arbeitsgruppen weiter ausge-
Am Ende meines Bewerbungsgesprächs zusammen, die das gleiche arbeitet und die Ergebnisse
für den Fachbereich Stadtentwicklung wurde Ziel verfolgen.“ an das Kernteam zurückge-
spielt. „Um die komplexen,
ich gefragt, ob ich bereit sei, auch den Aufgaben
fachübergreifenden Anliegen
bereich des Tiefbaus mit zu übernehmen. Nach beziehungsweise Aufgaben-
anfänglichem Bauchgrummeln und dem Erfor In Bottrop bin ich zuständig stellungen zielführend bear-
dernis, mich in viele neue rechtliche und tech für Klimaanpassung mit den Schwer beiten zu können, erfolgt
die Kommunikation innerhalb,
nische Sachverhalte einzuarbeiten, änderte punkten Wasser, Hitze und mensch
Ralf aber auch aus dem Kernteam
sich mein Bild von der Stadtwässerung mit der liche Gesundheit. Das sind Themen, heraus auf direktem Wege.
Terpoorten
Zeit grundlegend. Vom weitgehend unbekannten die jede Stadt ein Stück weit selbst in
Stadtkoordinator
Instrument zum Sammeln und Ableiten von die Hand nehmen muss. Insbesondere Es liegt in der Zuständigkeit
Herten
der Mitglieder des Kernteams,
Schmutz- und Regenwasser wurde über die in einer Metropole wie dem Ruhrge
Henrike Informationen in der eigenen
Jahre der Motor der Stadtentwicklung. Wasser biet kann Klimaanpassung aber nur Fachdienststelle oder an
Abromeit
wirtschaft integral zu denken und das Gewässer gemeinsam wirklich gelingen, denn Vorgesetzte zu kommuni
Stadtkoordinatorin
netz als Skelett der Freiraum- und räumlichen weder Hitze noch Starkregen machen zieren“, erklärt Tobias Unter-
Bottrop
bäumer beispielhaft für die
Stadtentwicklung zu betrachten, bot ein enor an den Stadtgrenzen Halt. Die Zu
Stadt Gelsenkirchen. Solche
mes Potenzial für eine nachhaltige Stadtent kunftsinitiative ist für mich dabei eines Teams oder Spiegelorgani
wicklung. Heute ist die integral gedachte und der effektivsten und produktivsten sationen sollen in allen
interdisziplinär umgesetzte Stadtentwicklung Netzwerke in der Emscherregion. Dort Städten entstehen.
das geeignete Instrument, den Folgen des Klima stehen nicht nur der fachliche und
wandels entgegenzutreten. Genau hierfür persönliche Austausch auf der Agenda,
steht die Zukunftsinitiative!“ sondern insbesondere auch ein gemein
sames Ziel, für das wir alle mit an
packen und aktiv werden. Das motiviert
mich ungemein bei meiner alltäglichen
Arbeit und hilft mir auch, das große
Ganze im Blick zu behalten.“
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.WerkDie Serviceorganisation der Zukunftsinitiative / 25
Die Serviceorganisation der Zukunftsinitiative Die Bausteine der Serviceorganisation
im Überblick
AGILER PARTNER FÜR
REGIONALE KLIMA
Beratung und Begleitung
ab Phase null
Die kommunalen Klimaschutz- und Klimaanpassungs-
RESILIENZ PROJEKTE
projekte werden von Beginn an durch eine:n Projekt
mitarbeiter:in der Serviceorganisation begleitet.
Verzahnung von Emscher-
genossenschaft und Kommunen
Die Projektmitarbeiter:innen der Serviceorganisation
sind initiierende Prozessgestalter:innen im engen
Die Zukunftsinitiative ist ein lebendiges Netzwerk, das durch engagierte Austausch mit ihren städtischen Partner:innen.
Akteur:innen aus verschiedenen Institutionen getragen wird. Die Emscher
genossenschaft hat 2020 die Serviceorganisation (SO) eingerichtet, Plattform und Hub
für das Netzwerk bieten
die die Kommunen und andere Partner bei der Umsetzung der Klima Die Serviceorganisation koordiniert die Treffen der
anpassungsmaßnahmen unterstützt. Stadtkoordinator:innen, stellt die nötige Infrastruktur
bereit und bringt als verbindendes Element im
Innerhalb der Zukunftsinitiative Klima.Werk ner:innen auf kommunaler Seite gestaltet. Sie s tehen Netzwerk alle Fäden zusammen.
arbeiten Emschergenossenschaft und Lippe als erste Ansprechpartner:innen für alle Fragen inner-
verband sowie die anderen regionalen Wasserver- halb der Kommune b ereit. Die Mitarbeiter:innen der Beratung zu Förderungen
bände und die Städte gemeinsam an einer wasser Serviceorganisation kooperieren eng verzahnt mit den Die Mitarbeiter:innen der Serviceorganisation identi
bewussten Stadt- und Raumentwicklung. Die jeweiligen Stadtkoordinator:innen und arbeiten teil- fizieren die richtigen Fördertöpfe und helfen gemeinsam
Serviceorganisation bei der Emschergenossenschaft weise direkt in den städtischen Verwaltungen vor Ort. mit weiteren Expert:innen der EGLV bei der
unterstützt die Städte bei der Planung und Umsetzung Beantragung der Förderungen beim Land NRW.
der kommunalen Anpassungsmaßnahmen an den Für den klimaresilienten Umbau der Städte in den
Klimawandel. Dabei verstehen sich die Mitarbeiter:innen Grenzen des Ruhrgebiets (RVR) stehen bis 2030 im
der Serviceorganisation unter der Leitung von Andreas Rahmen des Ruhrkonferenz-Projektes „Klimaresiliente
Giga als vertrauensvolle Partner:innen, Unterstüt- Region mit internationaler Strahlkraft“ rund 250 Millio-
zer:innen und Dienstleister:innen. Jedem Projekt wird nen Euro zur Verfügung. Andere Förderprogramme
innerhalb der Serviceorganisation ein fester Projekt- kommen ergänzend dazu. Stadterneuerung, Quartiers
manager oder eine feste Projektmanagerin zugeordnet, umbau, Wasserwirtschaft und Stadtnatur sind die
der oder die den Prozess g emeinsam mit den Part- Arbeitsfelder der Serviceorganisation.
Unser gemein
sames Ziel ist
eine nachhaltige,
wasserbewusste
Stadtentwicklung,
die die negativen
Folgen des Klima
Andreas Giga
wandels merklich
Leiter der Service-
reduzieren soll.“
organisation der
Zukunftsinitiative
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.Werk/ 27
Expertennetzwerk
Kommunikation
Familienleben von morgen: Städte
wirken den negativen Folgen des
Klimawandels entgegen und
schützen so die Lebensgrundlage
aller Generationen.
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.WerkProjektbeispiel Dinslaken / 29
Gemeinsam haben die Stadt Starkregenereignisse werden in Folge des
Dinslaken und die Zukunfts- Klimawandels zunehmen. Der nachhaltige und
initiative an der Kreuzung vorausschauende Umgang mit Regenwasser ist
Hünxer Straße/Gerhard-Malina- auch für uns in Dinslaken ein wichtiger Schritt,
Straße eine Überflutungsfläche um die Folgen des Klimawandels zu mindern.“
mit einem Rückhaltevolumen
von rund 265 Kubikmetern
geschaffen, um die Folgen Uwe
von Starkregenereignissen in Blankenburg
Zukunft effektiv abzumildern. Stadtkoordinator
Dinslaken
Die Initialzündung
In Folge des Starkregenereignisses von
Starkregenmulde in Dinslaken historischem Ausmaß, das am 30. Mai Die Kreuzung – eine zentrale, städtische Verkehrs- geprüft, anschließend die Mulde ausgehoben und
2016 in Dinslaken auftrat, stieg das Was- ader – wurde durch das Wasser zum großen Unmut entsprechend bepflanzt.
EFFEKTIVER ser an der Kreuzung Hünxer Straße/Ge-
rhard-Malina-Straße immer höher.
der örtlichen Rettungskräfte unpassierbar. Die Stadt
Dinslaken beschloss, geeignete Maßnahmen zu initi- Das Ergebnis
SCHUTZ VOR ieren, um ihre Bürger:innen effektiver vor künftigen
Extremwetterereignissen zu schützen. Das Tiefbau- Die Starkregenmulde mit einer Tiefe von 2,45 Metern
ÜBERFLUTUNGEN
amt der Stadt verfolgte die Idee, ein Areal in unmittel- ist heute komplett mit Gras bewachsen. Ein Zaun
barer Nähe zum Kreuzungsbereich in Zukunft gezielt schützt Passant:innen. „Die Baumaßnahme trägt
als Überflutungsfläche zu nutzen. Genau an dieser dazu bei, Regenwasser zu speichern und zu bewirt-
Stelle war der Wasserstand im Mai 2016 am höchsten. schaften. Dadurch erhöht das Projekt die Klimaresili-
Die Stadt nahm Kontakt zum Eigentümer der Fläche enz der Stadt. Bei einem Starkregen, der statistisch
auf und einigte sich mit ihm auf eine Nutzung als gesehen alle 20 Jahre auftritt, können sich dort über-
Überflutungsmulde. Durch die Vernetzung mit der schüssige Regenmengen sammeln und nach und
Zukunftsinitiative konnte erfolgreich ein Förderantrag nach versickern oder verdunsten“, sagt Marcus Beck,
bei der Bezirksregierung gestellt werden und der Stadtplaner bei der lokalen Stadtverwaltung und
Bau der Mulde Ende Januar 2021 beginnen. Zuvor gemeinsam mit Uwe Blankenburg Stadtkoordinator
wurde der Boden auf seine Versickerungsfähigkeit für die Stadt Dinslaken.
Kennzahlen:
Bauphase: Januar – Februar 2021
Gesamtvolumen der Baumaßnahme: 73.000 Euro,
davon rund 55.000 Euro gefördert durch das Um-
weltministerium NRW und die Emschergenossen-
schaft
Fläche der Starkregenmulde:
335 Quadratmeter
Wasserrückhaltevolumen der Mulde:
rund 265 Kubikmeter
Die Starkregenmulde an der Kreuzung Hünxer Straße/Gerhard-
Malina-Straße in Dinslaken trägt dazu bei, Regenwasser
zu speichern und aktiv zu bewirtschaften.
Gemeinsam für unsere Städte. Zukunftsinitiative Klima.WerkProjektbeispiel Oberhausen / 31
Die engagierte Zusammen- freundliche Pflanzen bewässert, die klimaschädliches
arbeit der Partner der Gemein- CO2 abbauen und Sauerstoff produzieren. Das Regen
schafts-Müllverbrennungs- wasser verdunstet langsam und kühlt dabei die
anlage Niederrhein (GMVA) Umgebung. Darüber hinaus macht eine Begrünung
in Oberhausen und der Zu- Flachdächer länger haltbar und isoliert effektiv, was
kunftsinitiative ermöglichte in Heizkosten deutlich mindern kann.
kürzester Zeit die Begrünung
mehrerer Flachdächer und Das Ergebnis
zweier Kühlturm-Fassaden.
Dr. Angela Sabac-el-Cher ist zufrieden. Die Fassade
des Kühlturms verschwindet langsam unter den
Die Initialzündung grünen Ranken des immergrünen Geißblattes, das
Biodiversität stärken: Die Dächer wurden mit einer insekten- Regenwasser speichert, es an heißen Tagen ver
Die Idee für die Maßnahme kommt von freundlichen Sedum-Art begrünt und zudem Nistkästen für dunstet und somit das Mikroklima vor Ort verbessert.
gefährdete Bienenarten aufgestellt.
Dr. Angela Sabac-el-Cher, Geschäfts Mehrere Flachdächer der GMVA sind vollständig
Dachbegrünungen in Oberhausen führerin der GMVA in Oberhausen. mit insektenfreundlichen Sedum-Pflanzen begrünt,
Von ihrem Bürofenster aus blickt sie Die umweltbewusste Geschäftsfrau fängt an zu die ebenfalls als Wasserspeicher dienen und die
BIENENWIESE täglich auf die trostlose Kühlturmfassade
der Müllverbrennungsanlage. Die Idee:
recherchieren und nimmt kurzerhand Kontakt mit dem
örtlichen Umweltamt auf, um sich nach möglichen
Biodiversität vor Ort fördern.
AN DER MÜLL-
Über eine Fassaden- und Dachbe Fördermitteln zu erkundigen.
grünung soll das Gelände verschönert
Kennzahlen:
VERBRENNUNG
und dabei ein positiver Impuls für die Schnell entsteht der Kontakt zur Zukunftsinitiative
Umwelt gesetzt werden. und ihren Stadtkoordinator:innen für Oberhausen.
Bauphase: Mai – November 2020
Eine intensive Zusammenarbeit zwischen Dr. Sabac-
Gesamtvolumen: 246.000 Euro, davon rund
el-Cher, der Stadt Oberhausen und der Zukunfts 240.000 Euro gefördert durch das NRW-Umwelt-
initiative Klima.Werk beginnt, externe Dienstleister ministerium und die Emschergenossenschaft
wie ein Statiker und eine Dachdeckerfirma werden Begrünte Flächen (Dächer und Fassaden):
beauftragt und die gemeinsame Vision nimmt circa 3.300 Quadratmeter
Gestalt an. Bepflanzung: Sedum auf den Dächern, Geißblatt
mit Rankgittern an den Fassaden
Die Vorteile der Dachbegrünung Besonders: Die GMVA-Dachbegrünung ist die erste
Maßnahme, die im Rahmen des Ruhrkonferenz-
Projekts „Klimaresiliente Region mit internationa-
Der Klimawandel bringt immer intensivere Hitze- und ler Strahlkraft“ des Landes NRW umgesetzt wurde
Trockenperioden sowie Starkregenereignisse mit sich.
Die Begrünung städtischer Flächen hilft in mehrfacher
Hinsicht dabei, Regionen klimafest zu machen: So
werden Flächen entsiegelt, wodurch Regen nicht mehr
ins Kanalnetz abfließen muss, sondern im Untergrund
versickern kann. Durch diesen Schwammeffekt lässt
sich die Regenwassergebühr abkoppeln und stark
reduzieren. Mit dem Regenwasser werden insekten-
Maik
Eine fachmännische Dach- Ballmann
begrünung liefert einen wichtigen Stadtkoordinator
Beitrag zur Artenvielfalt und zur Oberhausen
Klimaresilienz unserer Städte.“
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.WerkProjektbeispiel Bochum / 33
Freizeitfläche „Am Haus- Die Maßnahmen zur Klimaanpassung, die hier umgesetzt
acker“: Ein brachliegender wurden, sind vorbildlich für das Prinzip der Schwammstadt: Re
Ascheplatz wurde in Bochum genwasser wird unterirdisch gespeichert und zur Bewässerung
komplett umgestaltet – zu der Bäume genutzt – ein wichtiger Baustein, um die Folgen des
einem grünen Treffpunkt für Klimawandels wie Hitzestau und Dürreperioden abzumildern
Jung und Alt mit vielfältigen und die Lebensqualität in den Städten zu sichern.“
Bewegungsangeboten und
einem wegweisenden Rigolen- Dr. Marko
System zur unterirdischen Siekmann
Speicherung von Regenwasser. Stadtkoordinator
Bochum
Die Initialzündung
Bisher fehlte es im Viertel an Naherho-
Multifunktionale Fläche in Bochum lungsmöglichkeiten und einer Quartiers
mitte. Der Ascheplatz heizte sich in der
INNOVATIVE Sonne auf, während Regenwasser durch
den kleinkörnigen Bodenbelag schwer
RIGOLEN TROTZEN versickerte. Als das Areal nicht länger
genutzt wurde, hatte das städtische Das Ergebnis
STARKREGEN
Referat Sport und Bewegung die Vision,
den Platz zu einer grünen Freizeitfläche In 17 Monaten hat sich das Areal in eine grüne,
umzugestalten. multifunktionale Sport- und Freizeitanlage für Men-
schen a ller Altersklassen verwandelt. Neben einer Neu gepflanzte Bäume mit einer großflächigen, unterirdischen
Rigolen-Konstruktion speichern überschüssiges Regenwasser
Freilufthalle finden sich Spielplätze mit barrierefreien
und fördern die Neubildung von Grundwasser.
Geräten und Trampolinen, eine Calisthenics-Anlage,
Geräte für den Seniorensport und vieles mehr.
Darüber hinaus ließ die Stadt Bochum zwei flache
Versickerungsmulden mit darunter liegenden, groß
Kennzahlen:
flächigen Rigolen-Körpern von 50 bis 100 Zentimetern
Tiefe installieren. Als Rigolen (von französisch rigole = Bauphase: November 2019 – März 2021
‚Rinne‘) bezeichnet man unterirdische Speicherräume Von der ehemaligen Sportplatzfläche abgekoppelt
worden sind: 9.824 m2
für Regenwasser, die vor Überflutung schützen und
Klimaanpassungsmaßnahmen: Installation
die Neubildung von Grundwasser fördern, indem sie
zweier weitläufiger Überflutungsmulden mit
das Wasser nach und nach abgeben. großflächigen Baum-Rigolen
Regenwassermenge, die dort jährlich
Bei einem Starkregenereignis im Sommer 2021 versickern oder verdunsten kann: 6.506 m3
stellten die Mulden und Rigolen ihre Wirksamkeit Weitere Maßnahmen: Baumpflanzungen, Wild
unter Beweis: Das Regenwasser sammelte sich blumenwiese zur Stärkung der Artenvielfalt
ausschließlich in den dafür vorgesehenen Bereichen Gesamtvolumen sämtlicher Baumaßnahmen
„Am Hausacker“: rund 1,8 Millionen Euro,
und war nach 24 Stunden restlos verschwunden.
gefördert durch Bundesmittel, das NRW-Städte-
Die wegweisende RigolenKonstruktion lockt seitdem bauministerium und die Emschergenossenschaft
immer wieder Interessierte aus ganz Deutschland • Kosten für die Starkregenmulden und Baum
nach Bochum. Die Serviceorganisation der Zukunfts- Rigolen: rund 254.000 Euro
initiative Klima.Werk unterstützt bei der Beantragung
von Projektmitteln für solche und ähnliche wasser
bewusste Maßnahmen.
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.WerkFörderung / 35
Fördermöglichkeiten Bis Ende 2023 müssen die Städte, die eine Förderung
in Anspruch nehmen wollen, Betrachtungsräume
definieren, innerhalb derer die Maßnahmen umge-
grünung; Fassadenbegrünung mit Versorgung über
Niederschlagswasserzisterne; Niederschlagswasser-
zuführung zum Gewässer.
setzt werden sollen. Vor allem Projekte innerhalb
Um das Prinzip der Schwammstadt in allen Kommunen der dieser festgelegten Gebiete sind förderfähig. Durch Andere Fördertöpfe:
die Konzentration von Maßnahmen in einem Quartier
Region umzusetzen und eine wasserbewusste Stadtplanung zu soll eine spürbare Wirkung und Verbesserung für Neben diesen Förderbausteinen gibt es zahlreiche
etablieren, sind Investitionen in Millionenhöhe notwendig. Die die Lebensqualität erzielt werden. Maßnahmenträger andere Programme von unterschiedlichen Trägern,
Kommunen sind dabei meist auf Förderprogramme angewiesen. können die Städte sein, aber auch Private: Unter die Projekte zum Klimaschutz und für Klimafolgen
Die Zukunftsinitiative Klima.Werk realisiert Maßnahmen und nehmen und Bürger:innen. anpassung finanziell unterstützen. Eine Aufgabe der
Serviceorganisation wird sein, diese Förderlandschaft
Projekte zum Beispiel mit den folgenden Programmen:
Förderfähig sind folgende Maßnahmen: Flächen zu beobachten und die Kommunen entsprechend
entsiegelung; Niederschlagswasserversickerung zu beraten, um sinnvolle Ergänzungen zu den ZVR-
(Mulden-, Flächen-Mulden-Rigolen- sowie Rigolen- und KRIS-Mitteln zu erschließen.
Versickerung); Baum-Rigolen; extensive Dachbe
Zukunftsvereinbarung Klimaresiliente Region mit
Regenwasser (ZVR): internationaler Strahlkraft (KRIS):
Mitte der 2000er-Jahre hat die Emschergenossen- Mit dem Ruhrkonferenz-Projekt „Klimaresiliente
schaft den Fördertopf „Zukunftsvereinbarung Regen- Region mit internationaler Strahlkraft“ hat die NRW-
wasser“ aufgelegt. Als selbstverwaltete Körperschaft Landesregierung 2020 einen Fördertopf für Maß
des öffentlichen Rechts wird die Emschergenossen- nahmen zur Klimafolgenanpassung aufgelegt. Rund
schaft durch ihre Mitglieder – Städte, Wirtschaft und 250 Millionen Euro stehen bis 2030 dafür zur Verfü-
Bergbau – getragen und finanziert, zu einem Teil auch gung. Gefördert werden Maßnahmen in allen Kom
aus den Abwassergebühren der Emscherkommunen. munen des Regionalverbandes Ruhr (RVR), teilneh-
mende Kommunen verpflichten sich, bis 2040 rund
Die Emschergenossenschaft stellt ein Budget für 25 Prozent der befestigten Flächen in ausgewiesenen
Maßnahmen zur Abkopplung von Regenwasser bereit Betrachtungsräumen abzukoppeln und die Ver
(Zukunftsvereinbarung Regenwasser, ZVR). Mit dem dunstungsrate um zehn P rozentpunkte zu steigern.
Ziel: Regenwasser soll, wo immer es möglich ist, vor
Ort versickern und gespeichert werden und nicht Für geförderte Maßnahmen werden 60 Prozent der
mehr in die Mischwasserkanalisation abfließen. Das Kosten vom Land übernommen. Den Eigenanteil
entlastet die Kanalnetze, verringert den Betriebsauf- stocken Emschergenossenschaft und Lippeverband
wand in der Stadtentwässerung, schützt und stärkt in ihren Einzugsgebieten auf, sodass für die Kommu-
die Gewässer und mildert die Folgen des Klima nen eine Förderung von bis zu 100 Prozent möglich
wandels in den Stadtquartieren ab (Kühlung, Be ist. Der Antrag zur Förderung erfolgt im gesamten
wässerung). Ein Budget von rund 70 Millionen Euro RVR-Raum über die Serviceorganisation bei der
ist bis 2015 dafür verausgabt worden, derzeit stehen Emschergenossenschaft für die jeweilige Kommune.
rund 30 Millionen Euro für weitere Investitionen Das Team berät gerne jeden Antragsberechtigten
zur Verfügung. Antragsberechtigt sind die Emscher auch über Möglichkeiten und Prozedere.
kommunen für ihre Bauvorhaben. Die Service
organisation berät potenzielle Antragsteller auch
hinsichtlich der ZVR-Mittel.
Gemeinsam für unsere Städte Zukunftsinitiative Klima.WerkKontakt
Treten Sie online in Kontakt mit
der Zukunftsinitiative Klima.Werk:
www.klima-werk.de
Mail: hallo@klima-werk.de
Impressum
Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist eine
Körperschaft des öffentlichen Rechts.
Vertreten durch den Vorstand
Prof. Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender)
Dr. Emanuel Grün
Vorsitzender des Genossenschaftsrates
Dr. Frank Dudda
Umsatzsteuer-ID-Nummer
Emschergenossenschaft
DE 119 823 752
Verantwortlich im Sinne des deutschen
Presserechts für die Redaktion:
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