Kräuter, Wickel & Pillen - Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbehandlung - Gesundheitsnetz ...
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Kräuter, Wickel & Pillen – Möglichkeiten und Grenzen der
Selbstbehandlung
Gesundheitskonferenz Ostalbkreis am 08.10.2018
Dr. med. C. Löffler, Uniklinikum Würzburg, Komplementäre Onkologie Integrativ
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Direktor: Prof. Dr. H. EinseleNaturheilkunde und Spitzenmedizin – passt das zusammen?
In Zeiten, in denen sich die Medizin
rasant weiter-entwickelt und die
Idee von der maßgeschneiderten
Therapie immer greifbarer wird,
stellt sich die Frage: Welche
Daseinsberechtigung haben
komplementäre Therapieansätze in
der Medizin?Naturheilkunde und Spitzenmedizin – passt das zusammen? Was wollen wir für unsere Patienten erreichen? Definition der WHO für Gesundheit: Gesundheit ist ein Zustand des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen. Die Entwicklung ganzheitlicher Therapiekonzepte kann die Versorgung unserer Patienten maßgeblich verbessern. In der Medizin, aber (insbesondere in der Onkologie) sollte es unser Ziel sein unsere Patienten nicht nur zu behandeln, sondern bei der Verarbeitung der Diagnose und der Krankheitsbewältigung zu begleiten Von High-Tech zu High-Touch?* * John Naisbitt
Naturheilkunde und Spitzenmedizin – passt das zusammen?
Eine schwere Erkrankung verändert schlagartig das
ganze Leben
Sorglosigkeit, Spontanität und Zukunftspläne werden
durch Angst, Ratlosigkeit und Ungewissheit verdrängt.
Dies gilt insbesondere für Krebserkrankungen:
Appetitlosigkeit Schlafstörungen
Übelkeit
Ängste Fatigue
Depression Obstipation
PNP/Schmerz
Trophische Störungen Soziale Aspekte
Haut/Haare/Nägel
* John NaisbittDas Geschäft mit der Angst • Auf der Suche nach Unterstützung stellt das Internet eine ideale Plattform dar, um sich zu informieren. • Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel, Phytopharmaka und individualisierte alternative Therapiekonzepte ist jedoch unüberschaubar groß. • Die wertwollen Informationen von den nicht empfehlenswerten Möglichkeiten zu unterscheiden ist für den Laien kaum möglich. • Kräutermischungen werden abseits jeglicher Qualitätsstandards produziert, als nebenwirkungsfrei angepriesen und teuer verkauft.
Wie viele Patienten nutzen Komplementärmedizin?
• 73% der Bundesbürger geben an regelmäßig Naturheilverfahren anzuwenden
(Allensbach, 2007)
• Bis zu 70% der an Krebs erkrankten Patienten nutzen regelmäßig Naturheilverfahren,
davon wurden durchschnittlich nur 9% ärztlich verordnet
• Bei Brustkrebs sind es bis zu 90% der Patientinnen (Deutsche Krebshilfe)
• 61% der Bundesbürger wünschen sich eine Kombination von konventioneller Medizin
und Naturheilverfahren (Allensbach, 2005)
Komplementärmedizin als wichtiger Bestandteil der Therapie für unsere PatientenAlternativmedizin
Alternativmedizin (auch: alternative Medizin) und
Komplementärmedizin (auch: komplementäre Medizin) sind
Sammelbezeichnungen für unterschiedliche Behandlungsmethoden
und diagnostische Konzepte, die sich als Alternative oder Ergänzung
zu wissenschaftlich begründeten Behandlungsmethoden verstehen,
wie sie im Medizin- und Psychologiestudium gelehrt werden. Sie
werden in Abgrenzung zum Begriff „Schulmedizin“ gebraucht. Zu den
alternativ- und komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden
gehören Naturheilverfahren, Körpertherapieverfahren, einige
Entspannungsverfahren und Behandlungsmethoden wie
anthroposophische Medizin, Homöopathie, Osteopathie und
Akupunktur. Die Wirkungen vieler alternativmedizinischer Therapien,
sofern nachweisbar, beruhen teilweise auf Placeboeffekten.[1]
Die Abgrenzung Komplementäronkologischer Verfahren von
Alternativmedizin ist essentiell und implementiert bereits das
Therapieziel!
www.wikipedia.orgDie 5 Säulen der klassischen Naturheilverfahren
• Zubereitungen aus Arzneipflanzen als
Mehr- und Vielstoffgemische zur
inneren und äußeren Anwendung
• Summe der Maßnahmen zur geordneten
Lebensführung, gesunderhaltender
Ernährungstherapie
Bewegungstherapie
Lebensstil
Ordnungstherapie
Hydrotherapie
•
Phytotherapie
Gesunde, naturbelassene und dem
jeweiligen Zustand angepasste
Ernährung einschließlich
therapeutischen Fastens
• Aktive und passive Bewegungen
einschließlich Massage und Manuelle
Therapie
• Anwendungen von Wasser in
unterschiedlichen Temperaturen und
Erweiterte Verfahren Formen (Güsse, Bäder, Wickel,
Kompressen)
Nach Vogler, Brinkhaus, Kursbuch Naturheilverfahren •Und was sind erweiterte Verfahren?
Ernährungstherapie
Bewegungstherapie
Ordnungstherapie
Hydrotherapie
Phytotherapie
• Methoden, die in Nachahmung
natürlicher Prozesse Heilungsprozesse in
Gang setzen
Erweiterte Verfahren
Nach Vogler, Brinkhaus, Kursbuch NaturheilverfahrenIntegrative Medizin = Schulmedizin + anerkannte
komplementärmedizinische Verfahren
Komplementärmedizin
Unkonventionelle
Klassische Eigenständige diagnostische und
Naturheilverfahren Medizinsysteme therapeutische
Einzelverfahren, z.B.:
Traditionelle • Homöopathie • Irisdiangostik
europäische Medizin • Anthroposoph. • Bioresonanz
(TEM) Medizin • Kinesiologie
+ • Ethnomedizin • Biochemie nach
Erweiterte Verfahren (TCM, TIM) Schüssler
• Ozontherapie
Akzeptanz
Nach Vogler, Brinkhaus, Kursbuch NaturheilverfahrenKeine Evidenz = keine Empfehlung? • Seit 08/15 gibt es erste Empfehlungen/Leitlinien der Fachgesellschaften zum Thema komplementäre Onkologie bzw. eine zunehmende Integration in die regulären Leitlinien )z.B. Leitlinie für Morbus Crohn oder auch für chronischen unspezifischen Rückenschmerz). • Um eine positive Empfehlung in einer Leitlinie zu bekommen werden 2 große randomisierte kontrollierte Studien gefordert. • Dies kann nicht für alle gängigen Komplementärverfahren so festgestellt werden, obwohl in der alltäglichen Praxis sehr positive Erfahrungen gemacht werden und die Effekte auch in kleineren Studien schon aufgezeigt werden konnten. • Wie kann ich mich also entscheiden, welches Verfahren für meinen Patienten sinnvoll und gefahrlos ist?
Keine Evidenz = keine Empfehlung?
Zu erwartender Therapieerfolg
Kann
Abwägen
durchgeführt
Risiko/Nutzen
werden
Abwägen Nicht
Risiko/Nutzen durchführen
Therapieassoziiertes mögliches RisikoInformationsquellen
Informationsquellen im Internet • https://www.mskcc.org/cancer-care/integrative-medicine/herbs • https://www.drugbank.ca/drugs • https://www.onkopedia.com/de • http://www.cam-cancer.org/The-Summaries • http://www.cam-quest.org/ • https://nccih.nih.gov/ • https://www.carstens-stiftung.de/ • https://www.ago-online.de/
Wie verhalte ich mich richtig?
Wann ist Skepsis angebracht? • Wenn angebotene Verfahren als Alternative zur konventionellen Therapie angepriesen werden. • Wenn „Wunderheilungen“ auch „in aussichtlosen Fällen“ versprochen werden. • Wenn die beworbene Therapie exorbitant teuer ist. • Wenn die Substanz als nebenwirkungsfrei angepriesen wird • Wenn die Substanz nachgewiesenermaßen schaden kann (Negativbeispiel Aprikosenkerne: Amygdalein/Vitamin B17: Gefahr der Nerven- und Hirnschädigung; Biochanin A, Hydrazinsulfat, Importe mit partiell Schwermetall- und Pestizidbelastung) • Speziell in der Onkologie: Auf Grund von möglichen Wirkverstärkungen, aber auch Abschwächungen der Chemotherapie, sollte vor Einsatz komplementärer Therapieverfahren immer der betreuende Onkologe zu Rate gezogen werden.
Wie verhalte ich mich richtig? • Nahezu jedes pflanzliche Arzneimittel hat das Potential mit der schulmedizinischen Therapie wechselzuwirken • Auch Nahrungsergänzungsmittel aus der Drogerie sind in diesem Zusammenhang zu nennen (v.a. Vitamine, aber auch Algen/Weizengras /OPC o.Ä.) • Kräutertees können je nach aufgenommener Menge ebenfalls wechselwirken • Homöopathische Zubereitungen sind ab Potenz D6 aufwärts hinsichtlich Wechselwirkungen unbedenklich • Im Zweifel Einnahme pausieren und Rücksprache halten
„Auch wenn wir nicht hinsehen findet es trotzdem statt“ Komplementäre Therapieverfahren können unsere hochtechnisierte Spitzenmedizin bereichern und die Versorgung unserer Patienten maßgeblich verbessern. Ihre Wirksamkeit im Rahmen von Studien zu untersuchen und ihre Einsatzmöglichkeiten zu optimieren stellt die Medizin vor eine weitere Herausforderung, der wir uns für unsere Patienten stellen sollten
Geschafft….vielen Dank für Ihr Interesse
Projekt komplementäre Onkologie
und integrative Medizin – Unser Team
Dr. med. Claudia Löffler Dr. phil. Elisabeth Jentschke M. Sc. Lisa Schiffmann
FÄ Innere Medizin, Hämatologie und Psychoonkologin, Seminarleiterin für Ernährungswissenschaftlerin und
Onkologie, Palliativmedizin, Progressive Muskelentspannung, geprüfte Fitnesstrainerin
Naturheilkunde. Autogenes Training,
TCM nach DGTCM Heidelberg, Hypnosetherapie und Yogatherapie,
Curriculum Klostermedizin der SHG
Forschergruppe Klostermedizin
NHK Verfahren Mind-Body-Verfahren Ernährung und Sport
ProjektkoordinationProjekt komplementäre Onkologie
und integrative Medizin – Pfade
Anmeldung ambulanter Patienten über
das CCC Portal 201-35350Projekt komplementäre Onkologie und integrative Medizin – Angebot
Projektkomplementäre Onkologie
und integrative Medizin – Angebot
Ab 2018: Blog komplementäre Onkologie für
Patienten (Wissenswertes zu aktuellen Themen,
Kochrezepte, Entspannungs-Minis etc.)Projekt komplementäre Onkologie
und integrative Medizin – Ressourcentraining 2017/18
• Angelehnt an das MBM Programm des Lehrstuhls für Naturheilkunde in Essen (Prof.
Dobos), das sich am MBSR Programm von Jon Kabat-Zinn (Havard Medical School,
Benson-Henry Institute for MBM) entwickeln wir seit 2017 ein Ressourcentraining für
onkologische Patienten.
• Es geht darum die Selbstwirksamkeit zu stärken (Stressbewältigung, Umgang mit
Nebenwirkungen, Erhalt und Aufbau der körperlichen Fitness durch Ernährung und
Bewegung).
• Das Programm soll zunächst 4 Grundmodule anbieten, die in 2018 noch weiter
ausgebaut werden.Komplementäre Onkologie - Ressourcentraining
Modul 1: Ernährung 4 Module: Modul 2: Bewegung
„Mit Genuss Körper und Seele stärken” in Theorie + “ Beweg Dich – mit Sport die Therapie unterstützen”
Praxis
Seit. 2. HJ 2017
Seit. 1.HJ 2018 L. Schiffmann
Modul 3: Mind-Body Medicine Modul 4: NHK
„Rest your mind - mit Entspannung unterstützen“ “Naturheilkundliche Selbsthilfestrategien“
E. Jentschke
Start. 2. HJ 2018 Start. 2. HJ 2018
C. LöfflerSie können auch lesen