KUNSTSTOFF XTRA - OST - Ostschweizer ...

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KUNSTSTOFF XTRA - OST - Ostschweizer ...
KUNSTSTOFF XTRA

                                                                        SONDER-
                                                                        DRUCK
OFFIZIELLES ORGAN VON SWISS PLASTICS

DIE FACHZEITSCHRIFT FÜR WERKSTOFFE – VERARBEITUNG – ANWENDUNG

                    Entwicklungsprojekte 2019 / 2020
                    IWK Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung
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INHALTSVERZEICHNIS                                                KUNSTSTOFF XTRA

                                                                     V E
                                                                   SA E
                                                                    TH E
                                                                       AT
                                                                     D

Geplante Veranstaltungen 2021

CAS Auslegung und Herstellung von Kunststoffbauteilen
Start Februar 2021, OST Ostschweizer Fachhochschule, Rapperswil

Bauteilauslegung und Schadensanalyse
Voraussichtlich April 2021, OST Ostschweizer Fachhochschule, Rapperswil

RIBF 2021 - 2nd Rapperswil International Bonding Forum
27th - 28th Mai 2021, OST Ostschweizer Fachhochschule, Rapperswil

16. Rapperswiler Kunststoff-Forum
2. September 2021, OST Ostschweizer Fachhochschule, Rapperswil

Alle Informationen zu unseren Veranstaltungen finden Sie unter:
www.iwk.hsr.ch/events

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IHRE ANSPRECHPARTNER AM IWK

                         Prof. Dr. Frank Ehrig                                                                 Prof. Daniel Schwendemann

                         Institutsleiter IWK                                                                   stv. Institutsleiter, Leiter Fachbereich
                                                                                                               Compoundierung / Extrusion
                         T +41 (0)55 222 49 05                                                                 T +41 (0)55 222 49 16

                         frank.ehrig@ost.ch                                                                    daniel.schwendemann@ost.ch

                         Prof. Dr. Gion A. Barandun                                                            Prof. Dr. Pierre Jousset

                         Leiter Fachbereich                                                                    Leiter Fachbereich
                         Faserverbundtechnik / Leichtbau                                                       Verbindungstechnik

                         T +41(0)55 222 47 79                                                                  T +41 (0)55 222 40 53

                         gionandrea.barandun@ost.ch                                                            pierre.jousset@ost.ch

                         Prof. Dr. Mohammad Rabiey                                                             Prof. Dr. Markus Henne

                         Leiter Fachbereich                                                                    Leiter Fachbereich
                         Fertigungstechnik Metall                                                              Mechanische Systeme

                         T +41 (0)55 222 40 58                                                                 T +41 (0)55 222 49 03

                         mohammad.rabiey@ost.ch                                                                markus.henne@ost.ch

                         Prof. Ulrich Büse                                                                     Curdin Wick

                         Leiter Fachbereich                                                                    Leiter Fachbereich
                         3D-Druck / Additive Manufacturing                                                     Spritzgiessen / PUR
                         T +41 (0)55 222 47 62
                                                                                                               T +41 (0)55 222 47 70
                         ulrich.buese@ost.ch                                                                   curdin.wick@ost.ch

IWK Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung . Eichwiesstrasse 18b . 8645 Rapperswil-Jona . Tel. +41 (0)55 222 47 70 . rj-iwk@ost.ch . www.iwk.hsr.ch

                                                                                                                                                                        3
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ÜBER UNS

Angewandte Forschung und                                   Kompetenzen aus einer Hand
Entwicklung in der Kunststofftechnik
                                                           . Werkstoffanalyse und Compoundierung
Das IWK ist mit seinen sieben Fachbereichen das            Werkstoffcharakterisierung und -prüfung, Werkstoff-
schweizweit grösste Kunststoffinstitut und versteht        auswahl, -entwicklung und -herstellung, Schadens-
sich als Bindeglied zwischen der Hochschule und den        analyse, Werkstoffverbunde, Biowerkstoffe, Klebstoffe
Unternehmen im regionalen sowie überregionalen Be-
reich. Die Aus- und Weiterbildung von Studierenden         . Bauteilentwicklung
und Mitarbeitern stellt den direkten Wissenstransfer       Gestaltung und Auslegung von Kunststoff- und Ver-
zwischen Lehre und Praxis sicher.                          bundkonstruktionen, Leichtbau, Strukturanalyse, Pro-
                                                           zesssimulation, Recyclingkonzepte, 3D-Druck
Auch mit innovativen und professionellen Beiträgen
zur anwendungsorientierten Forschung und Entwick-          . Produktionstechnik
lung unterstützt das IWK seine Kunden entlang der          Nahezu alle Kunststoffverarbeitungsverfahren für
gesamten Wertschöpfungskette – von der Idee bis            Thermoplaste und Composites; Werkzeug- und
zum fertigen Produkt. Hierbei greift das Institut stets    Prozesstechnik, Funktions- und Prozessintegration,
aktuelle Themen auf, wie z. B. die Funktions- und          Additive Manufacturing, Verbindungstechnik Kleben
Prozessintegration, die Digitalisierung in der Fertigung   und Schweissen; Metallbearbeitung, Oberflächenmo-
oder Recyclingthemen.                                      difizierung durch Laser-Metal-Deposition

Die moderne Infrastruktur des Instituts im Techpark ge-    . Smart Factory
währleistet die effiziente und praxisnahe Abwicklung       PDM, Big Data, Datenanalyse, Machine Learning,
von Projekten entsprechend dem aktuellen Stand der         Prozessoptimierung, Instandhaltung
Technik.

Aufbau des neuen Techparks

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NEUIGKEITEN

Aus Drei wird Eins.
Ab 1. September 2020 wird aus der FHS St.Gallen, der HSR Rapperswil und der NTB Buchs die OST -
Ostschweizer Fachhochschule mit je einem Campus in Buchs, Rapperswil und St. Gallen.

Neue E-Mail-Adresse per sofort: vorname.nachname@ost.ch

                                                                                                  5
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INHALTSVERZEICHNIS                                KUNSTSTOFF XTRA

        7   CIRCULAR ECONOMY               30   CIRCULAR ECONOMY
            Im Spannungsfeld                    Im Spannungsfeld
            der Kreislaufwirtschaft             der Kreislaufwirtschaft

       10   VERARBEITUNG
            Optimierung des                20   FÜGETECHNIK
            Entformungsvorgangs
                                                Ein Leitfaden für die Praxis

       12   MESSEN/PRÜFEN/QS
            Dynamisch-mechanische
            Analyse am Glasübergang
                                           24   VERARBEITUNG
                                                Thermoplast-
                                                Schaumspritzgiessen
       14   VERARBEITUNG
            Reduktion des
            CO2-Fussabdruck

                                           26   MATERIAL­
                                                OPTIMIERUNG
       16   COMPOSITES
                                                Entwicklung von
            Alternative zu Glasfaser,           reiboptimierten Kabelzügen
            Öl und Chemie

       18   MESSEN/PRÜFEN/QS               26   VERARBEITUNG
            Polymeranalytik vom Feinsten        Nachschrumpf reduziert, Pro-
                                                duktion gesteigert

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KUNSTSTOFF XTRA                                                                             CIRCULAR ECONOMY

   Kunststoffverarbeitung

Im Spannungsfeld der Kreislaufwirtschaft
Die aktuellen Diskussionen und Probleme zum Klimawandel und der Verschmutzung der Umwelt durch Kunst-
stoffabfälle bewegen die Gesellschaft. Derzeit laufen etliche Kampagnen zur Kunststoffreduktion und in vielen
Ländern werden Kunststoffeinwegartikel verbannt. Beispielhaft hierfür ist das Verbot von Kunststoffeinwegar-
tikeln in der Europäischen Union [1]. Weltweit landen jährlich 5 bis 13 Millionen Tonnen Kunststoffe (1,5 bis 4 %
der weltweiten Kunststoffproduktion) im Meer [2].

   Prof. Daniel Schwendemann ¹

Neben der Entwicklung neuartiger bioab-
baubarer Materialien und der Verwendung
von natürlichen, nachwachsenden Roh-
stoffen gilt das Augenmerk vorrangig dem
Übergang der Kunststoffindustrie in die
Kreislaufwirtschaft.
Für die Kunststoffindustrie bedeutet dies
eine besondere Herausforderung, da die
Materialien in der Aufbereitung nicht ein-
fach in einzelne Atome zerlegt und wieder
zusammengebaut werden können, wie
beispielsweise Metalle.
Grundsätzlich kann das Kunststoffrecycling

                                                                                                                                            Grafik: IWK
in 4 Gruppen eingeteilt werden, die Wie-
derverwendung, das stoffliche Recycling,
das chemische Recycling und das thermi-       Bild 1: Möglichkeiten der Kunststoffwiederverwendung und des Kunststoffrecyclings.
sche Recycling (Bild 1).
Diese 4 Grundtypen spielen für den Ein-       Das Müllmanagement ist ausgefeilt und          OKI und VBSA sowie der Dachverband
stieg in die Kreislaufwirtschaft der Kunst-   funktioniert sehr gut. Es gilt ein Deponie-    Swiss Recycling in ihren bisherigen Emp-
stoffe eine wichtige Rolle. Im Jahr 2018      rungsverbot. Neben dem PET Recycling           fehlungen bestätigt: Es sollen in der
wurden 350 Millionen Tonnen Kunststoff        werden in der Schweiz fast alle Kunststoff-    Schweiz weiterhin nur recyclingfähige Ma-
hergestellt, von denen etwa 40 % Verpa-       abfälle verbrannt. Insgesamt erreicht die      terialien gesammelt werden und zwar se-
ckungen sind, was wiederum 140 Millio-        Schweiz somit eine Verwertungsquote von        parat [4].
nen Tonnen entspricht [3]. Verpackungs-       nahezu 100 %, die sich aus etwa 25 %           Etwas anders sieht es in der Europäischen
materialien stellen die grösste Gruppe der    stofflichem Recycling und 75 % thermi-         Union aus, auch hier funktioniert das Müll-
Kunststoffanwendungen dar und haben           schem Recycling zusammensetzt. Das Pro-        management und es gibt in einigen Län-
einen sehr kurzen Produktlebenszyklus,        jekt Kunststoff Recycling und Verwertung       dern bereits ein Deponierungsverbot [3].
d.h. sie gelangen sehr schnell in die Ent-    (KuRVe), das die Firma Carbotech AG und        Mittels Gesetz wird eine stoffliche Recy-
sorgung.                                      das Hochschulinstitut Umtec im Auftrag         clingquote von 50 % bis 2025 und von
Für eine weitere Betrachtung müssen ver-      von 8 Kantonen, verschiedenen Verbän-          55 % bis 2030 vorgegeben [5]. Die aktu-
schiedene Aspekte beachtet werden. Zum        den und dem Bundesamt für Umwelt               elle Situation der verschiedenen Länder ist
einen gibt es die Situation in der Schweiz:   (Bafu) durchgeführt hat, untersuchte die       in einem Vergleich in Bild 2 dargestellt.
Wie in keinem anderen Land auf der Erde       Verwertungs- und Entsorgungswege von           Ganz extrem ist jedoch das Problem in
sind fl ächendeckend Kehrichtverbren-         Kunststoffverpackungen aus Schweizer           vielen anderen Ländern der Erde, die kein
nungsanlagen installiert und in Betrieb.      Haushalten. Diese Studie lieferte die Er-      Müllmanagementsystem haben und den
                                              kenntnis, dass die gemischte Sammlung          Müll sehr häufig auf wilden Deponien, an
                                              von Kunststoffabfällen bei hohen Kosten        bzw. in Flüssen oder im Meer entsorgen
¹ Prof. Daniel Schwendemann, Dipl.-
                                              nur einen geringen ökologischen Nutzen         [2].
Ing., Stv. Institutsleiter IWK, Fachbe-
reich Aufbereitung/Extrusion, Dozent          hat. Daher sehen sich die nationalen Ver-      Werden nun diese einzelnen Gruppen be-
für Maschinentechnik                          bände der kommunalen Abfallwirtschaft          trachtet, so wäre aus ökologischer Sicht

12/2019                                                                                                                              3 71
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CIRCULAR ECONOMY                                                                                        KUNSTSTOFF XTRA

                          die Wiederverwendung der Idealfall, dies
                          ist in vielen Fällen auf Grund der Trans-
                          portdistanzen und der Verschmutzung
                          nicht realisierbar. Auch die Reparatur mit
                          Wiedereinsatz ist sehr positiv, wenn auch
                          bei Kunststoffbauteilen sehr schwierig, da
                          oft ganze Bereiche aus- oder abgebrochen
                          sind und nicht mehr repariert werden kön-
                          nen. Hier wäre evtl. die Additive Fertigung
                          in Zukunft eine Lösung, da mit ihrer Hilfe

                                                                                                                                                                      Grafik: PET Recycling Schweiz
                          auch komplexe Einzelteile gefertigt wer-
                          den können [6].
                          Das stoffliche Recycling von Kunststoffen,
                          wie es die EU fordert, setzt für eine Aufbe-
                          reitung eine sortenreine Trennung voraus.
                          Im Falle von PET gelingt dies sehr gut, da
                          die Anwendung für Flaschen sehr homo-          Bild 3: Stoffströme des PET-Recycling Schweiz im Jahr 2018 [7].
                          gen ist. Des Weiteren gibt es für geschä-
                          digtes PET die Möglichkeit, die Molekülket-    Recyclingprodukte hergestellt, die als         Zwei Beispiele aus der Praxis
                          ten durch Aufkondensation zu verlängern        Downcycling bezeichnet werden. So wur-
                          und somit die Viskosität zu erhöhen. Dies      den aus PE-Abfällen z. B. Verkleidungen für    Im Skischuhrecycling werden die Schuhe
                          erlaubt die Verwendung des Materials           Lärmschutzwände an Autobahnen oder             manuell in der Behindertenwerkstätte
                          «von der Wiege zur Wiege», in dem aus          andere dickwandige Bauteile gefertigt.         Argo in Davos zerlegt und mit einem Infra-
                          alten Flaschen wieder neue Flaschen her-       Dies hat sich oft als Stand der Technik eta-   rotspektrometer der Kunststofftyp ermit-
                          gestellt werden, wie es das PET-Recycling      bliert. Jedoch hat sich in den vergangenen     telt. Anschliessend wird das sortenreine
                          Schweiz par excellence demonstriert. Die       Jahren sehr viel in der Sortiertechnik getan   und nach Farben sortierte Mahlgut auf ei-
                          Stoffströme für 2018 sind in Bild 3 darge-     und auch in der Schweiz gibt es einige         nem Compounder aufbereitet, die
                          stellt.                                        Nutzer von mehreren tausend Tonnen             Schmelze fi ltriert und zu einem 3D-
                          Bei anderen Materialien wird die Aufberei-     Kunststoffregranulat pro Jahr. Dieses Ma-      Druckerfilament extrudiert. Dies ermög-
                          tung schwieriger, da das Material nicht so     terial muss momentan meist aus dem eu-         licht den Einsatz in ganz anderen Anwen-
                          homogen eingesetzt und dadurch eine            ropäischen Ausland eingeführt werden.          dungen und kann ebenfalls für die
                          sortenreine Sammlung schwieriger wird.         Als Beispiel für das Upcycling von Kunst-      Reparatur verwendet werden. So wurden
                          Teilweise treten auch grössere und kri-        stoffabfällen werden exemplarisch zwei         aus alten Skischuhen schon Luftfilter von
                          tischere Verschmutzungen auf. In den           Projekte des Instituts für Werkstofftechnik    Oldtimermotorädern hergestellt [8].
                          letzten Jahrzehnten wurden daher oft           und Kunststoffverarbeitung erläutert.          Ein weiteres Projekt – Tide Ocean Mate-
                                                                                                                        rials – befasst sich mit Abfällen aus Län-
                                                                                                                        dern ohne Müllmanagement. Hierbei geht
                                                                                                                        es vor allem darum, dem Abfall einen Wert
                                                                                                                        zu geben, damit dieser eingesammelt und
                                                                                                                        dadurch eine Verdienstmöglichkeit ge-
                                                                                                                        schaffen wird. Somit wird mittel- und lang-
                                                                                                                        fristig gesehen der Kunststoff nicht mehr
                                                                                                                        auf dem Land oder im Meer entsorgt, da
                                                                                                                        er zu einem finanziellen Wertstoff gewor-
                                                                                                                        den ist. Dies ist einer der entscheidenden
                                                                                                                        Punkte, das Kunststoffproblem im Meer
                                                                                                                        stark zu vermindern. Der Abfall wird der-
                                                                                                                        zeit in Asien und in der Karibik gesammelt,
                                                                                                                        sortiert, gemahlen und anschliessend in
Grafik: Plastics Europe

                                                                                                                        die Schweiz transportiert. Hier wird das
                                                                                                                        Material auf die Anwendung hin aufberei-
                                                                                                                        tet. Im Projekt wurden Teile für die
                                                                                                                        Uhrenindus trie, wie Gehäuse aber auch
                                                                                                                        Fasern hergestellt (siehe auch S. 37). Das
                          Bild 2: Vergleich der Entsorgung und Verwertung von Kunststoffabfällen aus dem Endkonsu-      Projekt wurde im Oktober 2019 von der
                          mentenbereich in der EU sowie der Schweiz und Norwegen [3].                                   Expo München mit dem deutschen Tech-

                          382                                                                                                                          12/2019
KUNSTSTOFF XTRA - OST - Ostschweizer ...
KUNSTSTOFF XTRA                                                                                             CIRCULAR ECONOMY

    nologie- und Designpreis Materialica aus-              rules on single-use plastics to reduce marine         [6] Umweltbundesamt. Die Zukunft im Blick: 3D-
    gezeichnet.                                            plastic litter. Directive on the reduction of the        Druck Trendbericht zur Abschätzung der Um-
    Als Fazit kann zusammengefasst werden,                 impact of certain plastic products on the envi-          weltwirkungen [online], 2018. Verfügbar
    dass aktuell äusserst viele unterschiedliche           ronment. Brussels, 21 Mai 2019.                          unter: www.umweltbundesamt.de/publika-
    Ansätze und Forschungsarbeiten im Be-               [2] Jambeck, J.R., R. Geyer, C. Wilcox, T.R. Siegler,       tionen
    reich des Kunststoffrecyclings erarbeitet              M. Perryman, A. Andrady, R. Narayan und K.L.          [7] PET Recycling Schweiz. Stoffstrom 2018 PET
    werden. Auf Grund der Dringlichkeit müs-               Law. Marine pollution. Plastic waste inputs              Recycling Schweiz [online], 2019. Verfügbar
    sen alle sinnvollen Ansätze weitergeführt              from land into the ocean [online]. Science               unter: https://www.petrecycling.ch/de/wis-
    werden. Dabei dürfen die regionalen Un-                (New York, N.Y.), 2015, 347(6223), 768-771.              sen/zahlen-fakten/stoffstrom
    terschiede in der Qualität des Müll-                   Ver fügbar     unter:   doi:10.1126/science.          [8] Unternährer, J. 3D-Druck Oldtimer-Ersatztei-
    managements nicht unberücksichtigt blei-               1260352                                                  le. Ersatzteile aus Kunststoff durch Additive
    ben und individuelle Lösungen gefunden              [3] Plastics Europe. Plastics – the Facts 2018              Fertigungsverfahren für Zweirad-Oldtimer,
    werden. Generell kann das Problem in den               [online]. An analysis of European plastics               2017.
    ärmeren Ländern kurz- und mittelfristig                production, demand and waste data, 2018.
    nur behoben werden, wenn der Kunst-                    Verfügbar unter: https://www.plasticseurope.
    stoffabfall für die Menschen vor Ort einen             org/application/files/6315/4510/9658/Plas-
    Wert erhält.                                           tics_the_facts_2018_AF_web.pdf                        Kontakt
    Abgesehen davon sollte solange noch                 [4] Verband der Betreiber Schweizerischer Abfall-        Hochschule für Technik Rapperswil
    Wärme durch Verbrennen von Öl erzeugt                  verwertungsanlagen VBSA, Organisation                 IWK Institut für Werkstofftechnik und
    wird, die letzte Stufe der Kunststoffnut-              Kommunale Infrastruktur OKI, Swiss Recy-              Kunststoffverarbeitung
    zung die thermische bzw. energetische                  cling. Kunststoffsammlung: Nationales Sam-            Prof. Daniel Schwendemann
    Verwertung sein.                                       melsystem für Plastikfl aschen aufbauen,              Oberseestr. 10, CH-8640 Rapperswil
                                                           13. Juli 2017.                                        +41 222 4916
    Literatur                                           [5] European Commission. Eine europäische                daniel.schwendemann@hsr.ch
    [1] European Commission. Circular Economy: Com-        Strategie für Kunststoffe in der Kreislaufwirt-       www.hsr.ch
       mission welcomes Council final adoption of new      schaft. Brussels, 16.01.208.                          Halle 1 / C 1070                             ■

Exkursion bei EMS-CHEMIE AG

                                                           Das Studium mit starkem Praxisbezug

                                                           MASCHINENTECHNIK | INNOVATION
                                                           MIT VERTIEFUNG KUNSTSTOFFTECHNIK

    12/2019                                                Kontakt: frank.ehrig@ost.ch                                                                       393
KUNSTSTOFF XTRA - OST - Ostschweizer ...
VERARBEITUNG                                                                                         KUNSTSTOFF XTRA

                     Bestimmen der Entformungskraft beim Spritzgiessen

              Optimierung des Entformungsvorgangs
              Den Abschluss des Spritzgiessprozesses bildet das Auswerfen des Bauteils aus dem Werkzeug (Entformen).
              Dieser Entformungsprozess kann bei einer unzureichenden Auslegung zu Bauteil- und Werkzeugbeschädigungen
              führen. Die Ursache für die Entformungsprobleme liegt meist in der Schwindung des Kunststoffs beim Abkühlen.
              Durch ein am IWK entwickeltes Werkzeug lassen sich die durch die Entformung entstehenden Kräfte messen
              und quantifizieren. Systematisch können verschiedene Einflüsse untersucht und der Entformungsvorgang
              optimiert werden.

                     Prof. Dr. Frank Ehrig, Ramon Iten,                                                   Entschärfung der Geometrie, spezielle
                     Thomas Duss, Manuel Suarez 1                                                         Kühlungen, Beschichtungen, zusätzliche
                                                                                                          Werkzeugwechseleinsätze oder längere
              Die Entformung des Bauteils ist der letzte                                                  Zykluszeiten.
              Arbeitsschritt im zyklischen Spritzgiesspro-
              zess. Dieser Entformungsprozess darf bei
              der Bauteil- und Werkzeugauslegung nicht
                                                                                                          Spitzgiesswerkzeug zur Mes-
              vernachlässigt werden, da im schlimmsten                                                    sung der Entformungskraft
              Fall das Bauteil zerstört (Oberflächenrie-                                                  Am IWK wurde ein Spritzgiesswerkzeug
              fen, Risse, Bauteilbruch, Bauteil wird vom                                                  mit Einsätzen für drei unterschiedliche
              Auswerfer durchstossen, Bauteilverzug,                                                      Formteile entwickelt. Dieses kann mit ei-
                                                             Bild 2: Typischer Verlauf der Entformungs-
              …) oder das Werkzeug beschädigt wird           kraft mit Berücksichtigung der mechani-      ner integrierten Kraftmessung die Entfor-
              (Auswerfer bricht, Auswerfer verkantet,        schen Grundreibung.                          mungskräfte messen (Bild 1) und die
              nicht ausgestossene Teile zerstören die                                                     Einflüsse von Bauteilgeometrie (z. B. Ent-
              Trennebene). Die Ursache für die Entfor-       Rippenstrukturen, Oberflächenstrukturen      formungsschrägen, Rippenhöhe, …),
              mungsprobleme liegt meist in der Volu-         etc. aufschwindet. Je nach Materialpaa-      Oberflächentextur, Oberflächenbeschich-
              menverkleinerung des Kunststoffs durch         rung (Kunststoff/Metall), Oberflächentex-    tung und Materialpaarung quantifizieren.
              die Abkühlung, wodurch das Bauteil oder        tur des Werkzeugs und den gewählten          Dabei wurden die Einsätze so aufgebaut,
              nur ein Bauteilbereich auf Werkzeugkerne,      Prozessparametern ist nun mehr oder we-      dass betroffene Formpartien schnell und
                                                             niger Kraft notwendig, um den Kunststoff     verhältnismässig kostengünstig ausge-
                                                             von diesen Werkzeugstrukturen abzulösen.     tauscht werden können.
              1
               Prof. Dr. Frank Ehrig, Leiter des IWK
              an der HSR, BSc. Ramon Iten,                   Treten bei einem Bauteil Entformungs-        Für die Auswertung der Druck-, Weg- und
              BSc. Thomas Duss, Manuel Suarez,               schwierigkeiten auf, so werden in der Re-    Kraftsignale wurde eine Messkette aufge-
              alle am IWK                                    gel individuelle Lösungen gesucht, wie die   baut. Diese beinhaltet die Sensorik und
                                                                                                          den Aufbau einer computerunterstützen
                                                                                                          Auswertung der gewonnenen Daten. Da-
                                                                                                          bei werden die Sensoren über Mess- oder
                                                                                                          Ladungsverstärker mit einem DAQ-Gerät
                                                                                                          (Data Acquisition) in einem LabView Pro-
                                                                                                          gramm ausgewertet. Aufgezeichnet wer-
                                                                                                          den Kraft- und Druckverläufe über dem
                                                                                                          Weg. Ein integrierter Werkzeuginnendruck-
                                                                                                          sensor ermöglicht die Berechnung des
                                                                                                          Reibungskoeffizienten. Das ganze System
                                                                                                          des Auswerferpaketes weist eine mecha-
                                                                                                          nische Grundreibung auf, was den Kraft-
                                                                                                          aufwand vom Entformungsvorgang für das
                                                                                                          jeweilige Formteil verfälscht. Daher wurde
Bilder: IWK

                                                                                                          beim Erstellen der Messkette definiert,
                                                                                                          dass nach dem Entformungsvorgang noch
              Bild 1: Spritzgiesswerkzeug mit integrierter Entformungskraft- und Wegmessung.              ein Leerhub gefahren werden muss, bei

              16 0                                                                                                                        9/2019
KUNSTSTOFF XTRA                                                                                      VERARBEITUNG

                                                                                             Bestimmung der Entformungskraft durch-
                                                                                             geführt. Aktuell handelt es sich hierbei um
                                                                                             einen Ansatz, welcher Teile einer Kopp-
                                                                                             lung von rheologischer und struktureller
                                                                                             Simulation beinhaltet. Eine solche Kopp-
                                                                                             lung wurde bereits in einem einfachen
                                                                                             Rahmen auf kleine Bauteile angewendet,
                                                                                             so beispielsweise auf einen Spielbaustein
                                                                                             (Bild 4). In einem ersten Ansatz wurden
                                                                                             hier die Flächenpressungen mithilfe der
                                                                                             Schwindungsdeformationen aufgebracht
                                                                                             und mit passenden Reibungskoeffizienten
                                                                                             der Entformungsvorgang nachgestellt. In
                                                                                             weiteren Schritten sollen weitere relevan-
                                                                                             te Einflüsse ermittelt und ebenfalls berück-
                                                                                             sichtigt werden. Dies beinhaltet unter an-
Bild 3: Auswertung Entformungskraft an einem quaderförmigen Bauteil aus ABS.                 derem auch thermische Aspekte und
                                                                                             Eigenspannungen. Eine grosse Schwierig-
welchem auch diese Daten aufgezeichnet        iert. Mithilfe der Anwendung der statisti-     keit der korrekten Abbildung des Entfor-
werden. Damit kann über die Differenz der     schen Versuchsplanung wurden jeweils           mungsvorganges liegt aber hauptsächlich
beiden Datenverläufe der wahre Kraftauf-      Versuchsreihen erstellt. Die Auswertung für    in den vorliegenden Reibungsverhältnis-
wand berechnet werden. Mit diesem Vor-        beispielsweise ABS zeigte, dass rein durch     sen, welche genau beschrieben werden
gehen können auch Änderungen am Zu-           Ändern der Parametereinstellungen die          müssen. Hierzu sind am IWK zurzeit wei-
stand des Werkzeuges berücksichtigt und       Entformungskraft zum Teil deutlich beein-      tere Untersuchungen zur praxisnahen Be-
herausgefiltert werden (Bild 2).              flusst wird (Bild 3). Den grössten Einfluss    stimmung des Reibungskoeffizienten vor-
Im Rahmen einer experimentellen Arbeit        hat dabei die Erhöhung der Werkzeugtem-        gesehen.
sind die vorgängig entwickelten Werkzeuge     peratur. Die restlichen Parameter teilen
in Betrieb genommen worden. Mit ver-          sich einen kleineren Einfluss. Bei jedem
schiedenen Materialien und Prozesspara-       Material und getesteten Formteil sind die
                                                                                             Ausblick
metern wurde deren Auswirkung auf die         prozentualen Einflüsse jedoch wieder an-       Aktuell ist am IWK ein weiteres Projekt ge-
Entformungskraft untersucht. Als Testmate-    ders verteilt. Eine generelle Aussage lässt    plant, in welchem die Einflüsse der ver-
rial wurden PP Purell HP570R, ABS Terlu-      sich daher aktuell noch nicht machen.          schiedenen Parameter, Oberflächen und
ran GP-22 und POM Hostaform C13021                                                           Materialkombinationen genauer unter-
ausgewählt. Jedes Material wurde auf al-                                                     sucht werden sollen. Ein Ziel davon ist, die
len drei Werkzeugen bei verschiedenen
                                              Entformungssimulation                          Zusammenhänge der verschiedenen Ein-
Parametereinstellungen getestet und aus-      Neben den rein experimentellen Untersu-        flussgrössen auf den Entformungsprozess
gewertet. Bei den Parametern wurden die       chungen wurden am IWK auch Untersu-            besser zu verstehen und beschreiben zu
Massen- und Werkzeugtemperatur, die           chungen in Bezug auf die Simulation des        können, um jeweils optimale Lösungen
Restkühlzeit und die Nachdruckhöhe vari-      Entformungsvorganges und somit auch zur        bereitstellen zu können. Ebenfalls geplant
                                                                                             ist die genauere rechnergestützte Abbil-
                                                                                             dung des gesamten Entformungsvorgan-
                                                                                             ges, um in der Lage zu sein, bereits lange
                                                                                             vor einer Werkzeugfertigung problemati-
                                                                                             sche Bereiche quantitativ zu beurteilen
                                                                                             und entsprechend frühzeitig passende
                                                                                             Massnahmen zu ergreifen

                                                                                             Kontakt
                                                                                             IWK Institut für Werkstofftechnik
                                                                                             und Kunststoffverarbeitung
                                                                                             Prof. Dr. Frank Ehrig
                                                                                             Oberseestrasse 10
                                                                                             CH-8640 Rapperswil
                                                                                             +41 55 222 4905
Bild 4: Entformungssimulation eines Spielbausteins vom Kern (Darstellung: maximale positi-   frank.ehrig@hsr.ch
ve Hauptdehnungen).                                                                          www.iwk.hsr.ch                            ■

9/2019                                                                                                                                1 17
MESSEN/PRÜFEN/QS                                                                                         KUNSTSTOFF XTRA

        Thermomechanisches Verhalten von PA 12

Dynamisch-mechanische Analyse am Glasübergang
Das gleichzeitige Einwirken von thermischer und mechanischer Belastung auf ein mechanisches Bauteil respektive
System erschwert dessen Entwicklungsprozess massgeblich. Hauptgrund ist die komplexe Wechselwirkung
beider Einflussfaktoren. Nachfolgend wird das thermomechanische Verhalten von PA 12 am Glasübergang
aufgezeigt.

    Claudio Corbisieri ¹,
                                                Bilder: IWK

    Prof. Dr. Pierre Jousset ²

Die dynamisch-mechanische Analyse DMA                                                                                                   [2]
ermöglicht die Untersuchung der komple-
xen Wechselwirkung von thermischer und                                                         Bei der DMA spricht man vom Speicher-
mechanischer Belastung. Nachfolgend wird                                                       und Verlustmodul. Der Speichermodul E’
der Messaufbau der DMA bei Dual Cantile-                                                       [3] entspricht dem Realteil des komplexen
ver Biegebelastung vorgestellt (Bild 1),                                                       Elastizitätsmoduls und der Verlustmodul
welcher zur Ermittlung der umfangreichen                                                       E’’ [4] dessen Imaginärteil.
Messdaten, wie diese nur selten in Daten-
banken verfügbar sind, verwendet wurde.
Die mit (a) gekennzeichnete Einspannung
leitet eine harmonisch schwingende De-                                                                                                  [3]
formation zentral in dargestellter Pfeilrich-
tung auf den Probekörper ein. Die Defor-
mationsamplitude ist so zu wählen, dass                                                                                                 [4]
näherungsweise linear-viskoelastisches
Verhalten vorliegt. Die mit (b) gekenn-                                                        Bild 3 zeigt das Antwortverhalten des line-
zeichneten Einspannungen sind statisch.                                                        ar-viskoelastischen Modells bei harmo-
Die Einspannungen schränken neben den           Bild 1: Aufbau der DMA mit Deformationsart     nisch schwingender Dehnbelastung.
Verschiebungs- auch Rotationsfreiheitsgra-      Dual Cantilever Biegung.                       Das linear-viskoelastische Modell ist in der
de ein. Aus diesem Grund ist bedingt                                                           Lage, die zeitabhängigen Eigenschaften
durch die Einspannung eine komplexe             physikalischen Grundlagen erläutert. Dazu      eines Kunststoffes bei harmonisch schwin-
Überlagerung von Schub-, Zug- und Druck-        wird das Standardmodell (Bild 2) der line-     gender Dehnbelastung wie folgt zu be-
spannungen zu erwarten. Die Einspan-            aren Viskoelastizitätstheorie verwendet.       schreiben:
nungsvorrichtung und der Probekörper            Aus dem Modell ergibt sich bei harmo-          – Der Speichermodul konvergiert bei ho-
werden in einer Kammer des Messgerätes          nisch schwingender Dehnbelastung die              hen Frequenzen gegen einen endlichen
temperiert. Wenn eine möglichst homoge-         Differentialgleichung [1]. Die Variable           Grenzwert.
ne Temperaturverteilung erreicht ist, wird      entspricht der Dehnung des Dämpfers.
die harmonisch schwingende Deformation
bei definierter Frequenz eingeleitet.
                                                                                         [1]

Der frequenzabhängige                           Die Lösung der Differentialgleichung mit
Speicher- und Verlustmodul                      entsprechenden Randbedingungen kann
Damit die Resultate der DMA interpretiert       in einen dynamischen Anteil und einen
werden können, werden nachfolgend die           Langzeitanteil unterteilt werden. Zur Inter-
                                                pretation der Messresultate der DMA ist
¹ Claudio Corbisieri, B.Sc. FH, ist Mas-        der dynamische Anteil         relevant. [2]
terstudent, Projektleiter am IWK und
                                                zeigt, dass es sich beim resultierenden
unterrichtet Technische Mechanik
² Prof. Dr. Pierre Jousset leitet den Fach-     Elastizitätsmodul E* um eine komplexe          Bild 2: Feder-Dämpfer-Element der phäno-
bereich Verbindungstechnik am IWK               Zahl handelt.                                  menologischen Rheologie.

14 24                                                                                                                         10/2019
KUNSTSTOFF XTRA                                                                              MESSEN/PRÜFEN/QS

Bild 4: Frequenz- und temperaturabhängiger Speichermodul von PA 12.

– Der in Bild 3 abgebildete Kurvenverlauf     bei Frequenzen < 0,1 Hz bedingt durch           turabhängigkeit. Die folgenden typischen
   des Speichermoduls ist charakteristisch    die eingeschränkte Reproduzierbarkeit der       Eigenschaften des temperaturabhängigen
   s-förmig.                                  Messresultate kann der Speichermodul            Speichermoduls sind feststellbar:
– Aus dem linear-viskoelastischen Modell      lediglich mit Hilfe des Standardmodells der     – Im Bereich des Glasübergangs ist eine
   kann ein Ansatz für das Verhalten bei      linearen Viskoelastizitätstheorie extrapo-         stufenartige Abnahme des tempera-
   sehr tiefen oder hohen Frequenzen abge-    liert werden. Die folgende ausgeprägte             turabhängigen Speichermoduls fest-
   leitet werden, wenn diese bedingt durch    Frequenzabhängigkeit des Speichermoduls            stellbar.
   den Messaufbau nicht zugänglich sind.      ist bei Temperatur nahe dem Glasüber-           – Unterhalb der Glasübergangstempera-
Der Verlustmodul ist ein Mass für die Irre-   gang feststellbar:                                 tur nähert sich der temperaturabhängi-
versibilität der Zustandsänderung. Da zur     – Der frequenzabhängige Speichermodul              ge Speichermodul im untersuchten
Auslegung eines mechanischen Bauteils             nimmt im untersuchten Temperaturbe-            Frequenzbereich näherungsweise ei-
oder Systems der Speichermodul das                reich bei zunehmender Temperatur ab.           nem gemeinsamen Grenzwert.
Werkstoffverhalten in der Regel dominiert,    – Der frequenzabhängige Speichermodul           – Oberhalb der Glasübergangstemperatur
werden die nachfolgenden Untersuchun-             fällt abhängig von der Temperatur bei          nähert sich der temperaturabhängige
gen auf den Speichermodul eingegrenzt.            tiefen Frequenzen unterschiedlich              Speichermodul im untersuchten Fre-
                                                  schnell ab. Aufgrund der Messdaten             quenzbereich näherungsweise einem
                                                  kann nicht beurteilt werden, ob sich der       gemeinsamen Grenzwert.
Diskussion der                                    Speichermodul bei tiefen Frequenzen
Messresultate                                      0 annähert.
                                                                                              Schlussfolgerung
turabhängigen Speichermodul des unter-        – Der frequenzabhängige Speichermodul           Die Messdaten des temperaturabhängigen
suchten PA 12.                                    nähert sich bei hohen Frequenzen ei-        Speichermoduls geben einen Einblick in
Der gemessene Frequenzbereich wurde               nem endlichen, temperaturabhängigen         die komplexe Wechselwirkung der Ein-
auf 0,1 bis 150 Hz und der gemessene              Grenzwert.                                  flussfaktoren Zeit und Temperatur. Mit Hil-
Temperaturbereich auf –10 bis 100 °C          Das Standardmodell der linearen Visko-          fe dieser und weiterer Messdaten werden
festgelegt. Aufgrund der fehlenden Daten      elastizitätstheorie besitzt keine Tempera-      neue Ansätze erforscht, wie dieses Zusam-
                                                                                              menspiel modelliert werden kann. Solche
                                                                                              Modelle ermöglichen neben der Steifig-
                                                                                              keitsauslegung die Berechnung von Span-
                                                                                              nungen und Dehnungen bei verschiede-
                                                                                              nen Belastungszeiten und Temperaturen.

                                                                                              Kontakt
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                                                                                              Prof. Dr. Pierre Jousset
                                                                                              Fachbereich Verbindungstechnik
                                                                                              Oberseestrasse 10
                                                                                              CH-8640 Rapperswil
                                                                                              +41 55 222 40 53
Bild 3: Darstellung des frequenzabhängigen Speicher- und Verlustmoduls der linearen Visko-    pierre.jousset@hsr.ch
elastizitätstheorie.                                                                          www.iwk.hsr.ch                           ■

10/2019                                                                                                                               41 35
VERARBEITUNG                                                                                        KUNSTSTOFF XTRA

                     Material- und Prozessentwicklung für Kunststoff-Automatenbecher

              Reduktion des CO²-Fussabdruck
              Die aktuellen Diskussionen und Probleme bezüglich Meeresverschmutzung durch Kunststoffe stellen weitere
              Ansprüche an die Verpackungsindustrie. Neben dem Schutz des Gutes kommen Forderungen wie biologische
              Abbaubarkeit und eine Reduktion des Carbon Footprints hinzu. Vor allem Kaffeebecher werden hier immer
              wieder beispielhaft genannt. Im Rahmen eines Innosuisse (vormals KTI) Projektes entwickelte das IWK mit dem
              Industriepartner der SwissPrimePack AG neuartige Lösungsansätze.

                     Prof. Daniel Schwendemann,
                     Daniel Vetter, Alex Ramsauer ¹,
                     Jana Walker, Beat Wick ²

              Die Verpackungsindustrie verbraucht heu-
              te weltweit circa 40 % der verarbeiteten
              Kunststoffmenge [1]. Auf Grund der aktu-
              ellen Problematik verschmutzter Meere,
              des «Littering-Problems» an Land und den
              Mikrokunststoffpartikeln in Seen und Flüs-
              sen, setzt die Gesellschaft die Industrie
              massiv unter Druck, nachhaltigere Produk-
              te zu entwickeln. Ein Beispiel ist der Bann

                                                                                                                                                       Quelle: SwissPrimePack
              von Wegwerfartikeln des Europäischen
              Parlamentes [2]. Kaffee wird in sehr gros-
              sen Mengen konsumiert. Die Einwegbe-
              cher stehen in vielen Diskussionen exem-
              plarisch für die hohe Abfallmenge. Aus
              diesem Grund starteten das IWK und die        Vergleich des CO2-Fussabdrucks verschiedener 180-ml-Automatenbecher.
              SwissPrimePack AG bereits 2016 ihr Pro-
              jekt mit dem Ziel, den CO2-Fussabdruck        Papierbecher, der häufig von Konsumen-       mehr gestapelte Becher im Automaten
              für Automatenbecher zu reduzieren. Die        ten als die ökologischere Alternative be-    unterbringen und es kommt zu weniger
              Alternative zum Kunststoffbecher ist der      trachtet wird. Daher wurden im Entwick-      Störfällen im Betrieb, da sich diese Becher
                                                            lungsprojekt Ökobilanzen durch externe       leichter entstapeln lassen.
                                                            Firmen erstellt, um die entwickelten Vari-   Das Tiefziehverhältnis und die Produk-
              1
                Prof. Daniel Schwendemann, Daniel
                                                            anten zu prüfen. Der Kunststoffbecher hat    tionsgeschwindigkeiten sind als zwei der
              Vetter, Alex Ramsauer, alle IWK
              2
                Jana Walker, Beat Wick, beide               funktional deutliche Vorteile bei seinem     grössten Herausforderungen zu nennen.
              SwissPrimePack AG                             Einsatz im Automaten. So lassen sich         Die zu entwickelnden Automatenbecher
                                                                                                         sollten alle geforderten Eigenschaften,
                                                                                                         wie Heisswasserbeständigkeit, enge Di-
                                                                                                         mensionstoleranzen für den problemlo-
                                                                                                         sen Einsatz im Automaten sowie die Ge-
                                                                                                         schmacksneutralität, erfüllen. Es wurden
                                                                                                         daher keine Abstriche an der Spezifikation
                                                                                                         gemacht.
                                                                                                         Das Projekt war zweigliedrig und es wurde
                                                                                                         in zwei Richtungen entwickelt. Zum einen
                                                                                                         wurden auf Basis des aktuell eingesetzten
                                                                                                         Polymers Möglichkeiten zum Einsatz von
Bilder: IWK

                                                                                                         nachwachsenden Rohstoffen bzw. Rest-
                                                                                                         stoffen der Lebensmittelindustrie als Füll-
              Extrusion von Folienmustern auf der 3-Schicht-Flachfolienanlage am IWK.                    und Verstärkungsmittel untersucht. Zum

              16 4                                                                                                                      11/2019
KUNSTSTOFF XTRA                                                                                       VERARBEITUNG

                                                                                                                                                Bilder: SwissPrimePack
Produktion auf der inline Extrusionsanlage mit einem 54-Fach-Werkzeug.                       Neuentwickelter Kaffeebecher Woodcup.

anderen wurden diverse Möglichkeiten          Neben der materialtechnischen Entwick-         Literatur
biologisch abbaubarer Materialien als Ma-     lung wurde auch das Augenmerk auf die          [1] Plastics Europe. Plastics – the Facts 2018
trixwerkstoff untersucht.                     Ökobilanz der verschiedenen Kunststoffbe-      [online]. An analysis of European plastics pro-
Eine grosse Palette von Füllstoff-Varianten   cher und des vergleichbaren Papierbechers      duction, demand and waste data, 2018. Verfüg-
wurde evaluiert. Neben verschiedenen          gelegt. Die Studie wurde von der Carbotech     bar unter: https://www.plasticseurope.org/appli-
Füllstoffen auf Holzbasis, wurde ein gros-    AG im Auftrag der SwissPrimePack AG            catication/files/6315/4510/9658/Plastics_the_
ses Augenmerk auf Roststoffe der Lebens-      durchgeführt. Hier zeigte sich, dass das Re-   facts_2018_AF_web.pdf
mittelproduktion gelegt, so wurden unter      cycling von Kunststoffbechern einen sehr       [2] European Parliament. Parliament seals ban
anderem Reste der Mehlproduktion als          grossen Einfluss auf den CO2-Fussabdruck       on throwaway plastics by 2021. Strasbourg,
auch Kaffeesatz auf deren Eignung unter-      hat. So weist ein Kunststoffbecher mit 20%     27. März 2019.
sucht.                                        Holzfüllung und 60% Rezyklatanteil den
Die Versuche wurden mehrstufig durchge-       geringsten CO2-Fussabdruck auf.
führt, zuerst wurden auf der Compoun-         Die Produktionsversuche mit bioabbauba-
dieranlage kleinere Versuchsmustermen-        ren Polymeren und naturbasierten Füllstof-
gen hergestellt, die anschliessend auf der    fen sind sehr vielversprechend. Der Be-
3-Schichtflachfolienanlage am IWK zu Fo-      cherherstellungsprozess muss für diese
lien mit einer Stärke vom 0,8 mm und          Rezepturen noch weiter optimiert und
etwa 300 mm Breite extrudiert wurden.         angepasst werden, da sich die Abkühlzei-       Kontakte
Mit Hilfe dieser Folien konnten bei der       ten ändern. Dies ist auf einer Produktions-    Hochschule für Technik Rapperswil
SwissPrimePack AG auf einer kleinen Ther-     anlage, die über 100 000 Becher pro Stun-      IWK Institut für Werkstofftechnik und
moformanlage Musterbecher gefertigt           de produziert noch eine Herausforderung.       Kunststoffverarbeitung
werden. Die so produzierten Prototypen        Derzeit laufen weitere Versuche und Ab-        Prof. Daniel Schwendemann
wurden im Labor analysiert und auf ihre       musterungen.                                   Oberseestrasse 10
Eignung ausgewertet. In einem weiteren        In einem ersten Schritt wurde von der          CH-8640 Rapperswil
Schritt wurden dann mit den Rezepturen,       SwissPrimePack AG der Becher mit Holz-         +41 55 222 49 16
die die Spezifikation erfüllten, Mustermen-   füllung im Markt eingeführt. Sowohl die        daniel.schwendemann@hsr.ch
gen von 300 kg hergestellt. Diese Min-        Haptik als auch die Optik der neuentwi-        www.iwk.hsr.ch
destmenge war notwendig, um die Um-           ckelten Becher, die auf dem aktuell einge-
setzung auf der Produktionsanlage zu          setzten Kunststoff basieren, treffen die       SwissPrimePack AG
prüfen.                                       heutigen Konsumentenwünsche. Der Be-           Jana Walker
Insgesamt wurden dazu über 50 Material-       cher ist auf eine äusserst positive Reso-      Oberrieterstrasse 53
mischungen am IWK ausgearbeitet, com-         nanz gestossen. Bis zum Projektende wur-       CH-9450 Altstätten
poundiert und anschliessend auf die je-       den bereits über 100 Millionen Becher          Jana.walker@swissprimepack.com
weiligen Eigenschaften getestet.              produziert.                                    www.swissprimepack.com                       ■

11/2019                                                                                                                                  1 75
COMPOSITES                                                                                                KUNSTSTOFF XTRA

       Rinde und Flachs

Alternative zu Glasfaser, Öl und Chemie
Die Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie steht unter Druck, umweltfreundlicher zu werden. Deshalb gibt es unter
anderem Bedarf für ökologische Kunststoffalternativen. Forschung und Industrie arbeiten derzeit an feuerfesten
Leichtbauteilen, die aus Holzresten und Flachs bestehen. Bei vergleichbaren Kosten und Produktionsaufwand
sollen sie mindestens 30 Prozent CO2-Emissionen einsparen.

       Prof. Dr. Gion Andrea Barandun ¹

Ein Hauptargument für den Einsatz von
Faserverbundkunststoffen ist ihr exzellen-
tes Verhältnis von Steifigkeit oder Festig-
keit und Dichte. Damit lassen sich Struktu-
ren realisieren, die hohe Beanspruchungen
ertragen, aber trotzdem ein niedriges Ge-

                                                                                                                                                Bild: Faserplast Composites
wicht aufweisen. Nicht selten ist auch die
eingesparte Energie – dank des geringen
Gewichts – ein Grund, auf Composites zu
setzen. Wird diese Energieeinsparung nun
durch ein CO2-Äquivalent oder Global War-
ming Potential (GWP) ausgedrückt, muss
natürlich der gesamte Lebenszyklus der        Bild 1: Die neuartigen biobasierten Composites sollen u.a. künftig auch im Schienenverkehr
verwendeten Materialien mit einberechnet      zum Einsatz kommen, wie hier im Interieur in einer Metro.
werden. Häufig wird dadurch die eigentlich
sehr gute Bilanz während der Einsatzzeit      Auch die Entsorgung oder – falls umsetz-          beteiligt sind die Berner Fachhochschule
getrübt – die Erzeugung und Verarbeitung      bar – Aufbereitung und Weiterverwendung           BFH (Institut für Werkstoffe und Holztech-
der Materialien ist mit hohem Energieauf-     von Composite-Bauteilen an deren Le-              nologie IWH) sowie die Unternehmen Gre-
wand verbunden, und insbesondere die          bensdauerende muss für eine gesamtheit-           molith, Bcomp, Faserplast Composites,
Matrixsysteme basieren fast ausschliess-      liche Betrachtung mit einbezogen werden.          Swiss CMT AG und Zeochem. Interessant
lich auf Petrochemie.                                                                           sind in diesem Fall neben den ohnehin an-
Der Ersatz von konventionellen Matrix-                                                          gestrebten guten mechanischen Eigen-
und Harzsystemen durch biobasierte Pro-
                                              Ein überraschend einfaches                        schaften vor allem die Möglichkeiten im
dukte lohnt sich deshalb aus Umweltsicht      Konzept                                           Hinblick auf den Brandschutz. Wo heute
in jedem Fall – die Erwartung ist, dass das   Das Rezept für die biobasierten Bauteile          unter anderem phenolbasierte Systeme
hier untersuchte neue Material bei der        aus faserverstärkten Kunststoffen ist über-       zum Einsatz kommen, sollen die neuartigen
Produktion mindestens 30 Prozent weni-        raschend simpel: Die Baumrinde, aus der           Composites in Zukunft eine echte bioba-
ger CO2-Emissionen verursacht, als die        das Tannin für das Harzsystem gewonnen            sierte Alternative dazu bieten. Dies eröffnet
bisher üblichen Faserverbundwerkstoffe.       wird, fällt in der Holzindustrie als Abfall an.   Anwendungen beispielsweise in der Schie-
Andererseits müssen diese neuartigen          Flachsfasern als Verstärkung bieten eine          nenindustrie (Bild 1), wo sehr strenge Vor-
Systeme immer noch die gleichen Anfor-        nachwachsende Alternative zu Glasfasern,          schriften bezüglich der Materialeigenschaf-
derungen wie die substituierten Werkstof-     mit sehr ähnlichen Steifigkeitseigenschaf-        ten im Brandfall herrschen, gleichzeitig aber
fe erfüllen. Dies betrifft nicht nur mecha-   ten bei niedrigerer Dichte.                       auch leichte Strukturbauteile gesucht sind.
nische oder andere Anforderungen ans          Zusammen mit Projektpartnern aus Indus-
Bauteil, sondern auch die Verarbeitung in     trie und Forschung arbeitet das IWK Institut
möglichst verbreiteten und bekannten Pro-     für Werkstofftechnik und Kunststoffverar-
                                                                                                Erfolgreiche Vorversuche
zessen.                                       beitung daran, die beiden natürlichen Roh-        Das Know-how zur Herstellung, Aufberei-
                                              stoffe in hoch belastbare, feuerfeste Kom-        tung und Verarbeitung des neuen Harzsys-
                                              ponenten zu verwandeln. Das Projekt wird          tems wurde schrittweise erarbeitet. Aus
1
 Prof. Dr. Gion Andrea Barandun,
Fachbereich Faserverbundtechnik /             durch die Schweizerische Agentur für Inno-        einer Zusammenarbeit zwischen IWH und
Leichtbau, IWK, HSR Rapperswil                vationsförderung Innosuisse unterstützt –         IWK im Rahmen mehrere Studienarbeiten

1 86                                                                                                                          1–2/2020
KUNSTSTOFF XTRA                                                                                                    COMPOSITES
Bild: IWK

            Bild 2: Prozessversuch                                                     Bild 3: Test-Platten

            an beiden Standorten entstanden Materi-          res Ersatzprodukt mit potentiell besseren           wurden teilweise schon in Vorversuchen
            alrezepturen, Verarbeitungsrichtlinien und       Eigenschaften entsteht.                             ermittelt und gestatten einen robusten
            Erkenntnisse zu den Eigenschaften der                                                                und reproduzierbaren Herstellungsprozess.
            hergestellten Verbundmaterialien (Bild 2).                                                           Damit das Produkt für die Zulieferer der
            Diese Resultate weckten das Interesse der
                                                             Neue Materialien, unverän-                          Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie eine ech-
            Industrie, sodass schliesslich ein breit ab-     derte Produktionsverfahren                          te Alternative wird, soll das Faser-Harz-
            gestütztes Innosuisse-Forschungsprojekt          Das Harzsystem ist der innovative Kern              System zudem ohne Änderungen am Ma-
            gestartet werden konnte.                         des Projektes. Statt herkömmlichen, erdöl-          schinenpark oder an Prozessen verarbeitet
            Die nun durchgeführten ersten Versuche           basierten Harzen wird Tannin (aus Holzrin-          werden können. Im Hinblick auf eine spä-
            mit den neuen Materialien sind vielver-          de) zusammen mit speziellen Alkoholen               tere Serienfertigung stellt dies eine zentra-
            sprechend, aktuell erprobt das Team des          auf pflanzlicher Basis kombiniert. Im Ver-          le Forderung der Industrie dar.
            IWK verschiedene Rezepturen und Pro-             bund mit den Flachsfasern entsteht so ein           Das Projekt wurde im Sommer 2019 ge-
            duktionsprozesse. Bisher sind das lediglich      fast vollständig aus nachwachsenden Roh-            startet, die gemeinsamen Forschungs- und
            kleine Test-Platten (Bild 3) für mechani-        stoffen bestehender, faserverstärkter               Entwicklungsarbeiten sollen im Sommer
            sche und andere Belastungstests. Zu ei-          Kunststoff. Zum Vergleich: Aktuelle bioba-          2022 abgeschlossen sein.
            nem späteren Zeitpunkt erfolgt dann die          sierte Alternativen kommen – immer noch
            Umsetzung erster Realbauteile im Rahmen          selten - auf maximal ca. 50 Prozent Anteil          Kontakt
            industrieüblicher Produktionsprozesse. Ziel      an nachwachsenden Rohstoffen.                       IWK Institut für Werkstofftechnik und
            ist es, ein möglichst serienfertiges Faser-      Die Bauteile können in unterschiedlichen,           Kunststoffverarbeitung
            Harz-System anbieten zu können. Mittels          industriell verbreiteten Verfahren wie Infu-        Oberseestrasse 10
            verschiedener Bauteilprüfungen wird zu-          sion, Injektion oder – für kleine Serien –          CH-8640 Rapperswil
            dem während der Entwicklung darauf ge-           Handlaminieren hergestellt werden. Die              +41 55 222 47 70
            achtet, dass ein gleichwertig produzierba-       entsprechenden Verarbeitungsparameter               iwk@hsr.ch, www.hsr.ch                     ■

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                                        Menschen mit Behinderung in Graubünden

            1–2/2020                                                                                                                                      1 79
MESSEN/PRÜFEN/QS                                                                                        KUNSTSTOFF XTRA

     Kunststoffe verstehen

Polymeranalytik vom Feinsten
Zur Ergänzung der bisherigen Schwerpunkte Bauteilauslegung, Werkzeugtechnik und Produktionstechnik wurde
am IWK der Bereich um die Werkstoff- und Bauteilprüfung um einige polymeranalytische Methoden erweitert.
Ziel ist es, den Kooperationspartnern die Möglichkeit zu wesentlich umfangreicheren Prüfmöglichkeiten zu geben,
die ihnen erlauben, auf einfache bis komplexe Fragestellungen rund um Werkstoff, Bauteil und Verarbeitung eine
Antwort zu erhalten.

     Prof. Dr. Samuel Affolter ¹

Instrumentelle polymeranalytische Metho-
den öffnen den Weg, um Zusammenhän-
ge zwischen physikalisch-mechanischem
Verhalten und chemischer Zusammenset-
zung besser zu verstehen. Dies ist zum
Beispiel bei Schadensanalysen relevant,
wo insbesondere Ursachen für Schäden
ermittelt werden sollten. Auch lassen sich

                                                                                                                                             Bilder: IWK
Aussagen zum Langzeitverhalten machen,
obwohl unter Umständen visuell noch gar
kein Effekt erkennbar ist. In diesem Beitrag    Bild 1: Gefügebild eines Querschnitts durch ein spritzgegossenes POM-Bauteil;
werden die verfügbaren Methoden kurz            A gescherte Randzone, B Bauteilseele
erläutert und anhand einiger Anwendungs-
beispiele deren Nützlichkeit aufgezeigt.          Werkzeugtemperatur beim Spritzgies-            ven Röntgendetektor EDX gekoppelt ist.
                                                  sen hinweisen.                                 Bei der FTIR-Mikroskopie werden insbe-
                                                – Zur 3D-Visualisierung wird die Compu-          sondere organische Strukturelemente
Methoden                                          tertomografie CT eingesetzt. Hiermit           durch Absorption von Infrarotlicht iden-
Wie in einem forensischen Labor werden            können Materialkontraste durch Fasern          tifiziert, wie sie in Makromolekülen und
anhand hochsensitiver Methoden Materi-            (Visualisierung der Faserrichtung), Lö-        vielen Additiven vorkommen. FTIR-
alien quasi bis auf ihre Grundbausteine hin       cher (Gasblasen, Schwundvakuolen,              Spektren von Probeteilen können im
«seziert». Die Polymeranalytik setzt Metho-       Schaumstrukturen) und Einschlüsse              Anschluss anhand verfügbarer Daten-
den zur Visualisierung (Mikroskopie, Com-         (Fremdmaterial) im Bauteil ohne Zer-           banken gecheckt werden; oft können
putertomografie, Mikroanalytik) und zur           störung gefunden werden. Die lokale            so auch komplexere Mischungen, z.B.
chemischen Analyse (Spektrometrie, Ther-          Auflösung beträgt einige µm und hängt          Polymerblends oder additivierte Werk-
moanalyse) ein. Im Folgenden sind die             stark von der Probengrösse ab. Auch            stoffe hinsichtlich der wichtigsten Kom-
wichtigsten Systeme kurz erläutert:               eignet sich die Methode zur geometri-          ponenten identifiziert werden.
– Anhand geeigneter Präparate (Dünn-              schen Ausmessung, um z.B. Soll-Ist-            Das REM selber erlaubt Bildaufnahmen
    schnitte, Dünnschliffe) lassen sich unter     Vergleiche machen zu können. Bild 2            mit unübertroffener Tiefenschärfe (Se-
    dem Transmissions-Lichtmikroskop mit          visualisiert einen Ausschnitt eines ge-        kundärelektronendetektor) oder mit
    Polarisations-Kontrastierung Informatio-      schäumten Faserverbundwerkstoffs, bei          Materialkontrast (Rückstreudetektor);
    nen zum Gefüge ableiten, die Hinweise         welchem anschliessend durch Bildver-           der zusätzliche EDX-Detektor erlaubt
    auf Material-, Konstruktions- oder Verar-     arbeitung Fasern und Poren aufgetrennt         die lokal aufgelöste Analyse von fast
    beitungsfehler geben. Bild 1 zeigt bei-       wurden.                                        allen Elementen des Periodensystems
    spielhaft eine dicke Spritzhaut mit aus-    – Um die chemischen Bestandteile von             (ab Ordnungszahl 6, Kohlenstoff); hier-
    geprägter Scherzone (nicht, bzw. nur          Werkstoffen in lokaler Auflösung bis zu        mit lassen sich insbesondere die anor-
    teilweise ausgebildete Sphärolithe an         wenigen µm z.B. bei Einschlüssen zu            ganischen Bestandteile (insb. Füllstoffe,
    der Oberfläche), die auf eine zu kalte        analysieren, verwendet man mikroanaly-         anorganische Fasern, Flammschutzmit-
                                                  tische Methoden wie die FTIR-Mikrosko-         tel u.a.m.) von Polymerwerkstoffen
¹ Prof. Dr. Samuel Affolter, Leiter Poly-         pie oder die Rasterelektronenmikrosko-         identifizieren und halbquantitativ be-
merchemie am IWK, HSR Rapperswil                  pie REM, die mit einem energiedispersi-        stimmen.

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KUNSTSTOFF XTRA                                                                                   MESSEN/PRÜFEN/QS

                                                                                                       gar medienwirksame oder nur um un-
                                                                                                       bedeutende Vorfälle handelt. Zuerst gilt
                                                                                                       es, Ursachen für das Versagen anhand
                                                                                                       stichhaltiger Messbelege zu finden und
                                                                                                       je nach Schwere des Falles Verantwort-
                                                                                                       lichkeiten zu definieren. Sind einmal die
                                                                                                       Ursachen eines Schadens klar, so wer-
                                                                                                       den oft nicht nur kurzfristige Massnah-
                                                 Bildbearbeitung zur Visualisierung:                   men und Handlungen abgeleitet. Die
 Rohdaten-Schnitt aus CT                         Poren dunkelblau; Fasern gelb; Matrix türkis          gewonnenen Erkenntnisse fliessen viel-
Bild 2: Schaum- und Faserverteilung in geschäumtem Faserverbund-Kunststoff                             fach in längerfristige Entwicklungs- und
                                                                                                       Optimierungsprojekte ein.
  Beide Methoden eignen sich für Punkt-              bei der Zersetzung durch Reaktion mit         – Effekte durch Alterung: Oft sind Verän-
  und Flächenmessungen bei geeigneten                Sauerstoff) bestimmen.                            derungen durch den Einsatz visuell
  Präparaten. Dadurch lassen sich neben              Anhand der TGA können durch einen                 nicht erkennbar. Anhand analytischer
  Einschlüssen auch Verteilungsbilder                kontrollierten Aufheizprozess grobe An-           Methoden erhält man einen guten Ein-
  von Copolymeren oder Additiven anfer-              gaben zur prozentualen Zusammenset-               blick in den Zustand. Hat einmal ein
  tigen. Bild 3 zeigt ein REM-EDX-Map-               zung von Compounds gemacht werden.                Bauteil aufgrund von Wärme, UV-Licht
  ping eines präparierten Materialquer-              So werden u.a. Weichmacher-, Poly-                oder Kontakt mit Chemikalien versagt,
  schnittes, in welchem lokal die                    mer-, Russ- und Füllstoffanteil bereits an        lassen sich meist auch die Ursachen
  Glasfasern (rot) und das Flammschutz-              sehr kleinen Probemengen bestimmt.                hierzu ermitteln.
  mittel (elementarer Phosphor, grün)                Zusammen mit der FTIR-Spektrometrie           – Benchmarkanalysen: Wer möchte
  lokalisiert werden können. Es ist auch             sind die DSC und TGA die wohl wichtig-            schon nicht wissen, warum die Konkur-
  erkennbar, dass die Phosphorpartikel               sten Methoden zur Identifikation und              renz ein «besseres» Produkt hat. Oder
  relativ gross sind und nicht an der Ma-            groben Quantifizierung von Polymer-               halten sich Geschäftspartner nicht an
  trix haften, was im Einsatz des Bauteils           compounds.                                        Abmachungen, was die Qualität des
  zu geringerer Festigkeit dessen führte                                                               Materials beeinflussen kann? Die Er-
  (nicht haftende Teile wirken wie Lö-                                                                 mittlung der Zusammensetzung von
  cher).
                                                 Anwendungen                                           Werkstoffen klärt derartige Fragen.
– Das thermische Verhalten von sehr klei-        Die neben vielen weiteren Untersuchungs-          – Dienstleistungen: Vielleicht sind auch
  nen Kunststoffproben (einige mg) kann          methoden verfügbaren instrumentellen                  nur Kennwerte wie eine Glasüber-
  auch mit Thermoanalyse charakterisiert         Techniken erlauben den Einsatz zur Lö-                gangstemperatur gefragt. Oder ein Ver-
  werden. Hierzu eignet sich die dyna-           sung unterschiedlicher Fragestellungen,               gleich zwischen zwei Materiallieferun-
  misch differenzielle Kalorimetrie DSC          die am Institut IWK in mannigfaltiger Art             gen. Erhaltene Messergebnisse werden
  und die Thermogravimetrie TGA.                 immer wieder auftauchen. Die Kür ist, die             immer auch mit einer Messunsicher-
  Anhand der DSC kann der Wärmehaus-             Methoden richtig zu kombinieren; eine                 heitsangabe versehen.
  halt einer Probe charakterisiert werden;       Methode alleine reicht meist nicht aus, um        Ein kleines, langjährig erfahrenes Spezia-
  typischerweise lassen sich so Phasen-          ausreichende Antworten zu liefern. Kunst-         listenteam im IWK kennt sich mit den
  übergänge (Glasübergangstemperatur             stoffe verstehen heisst, das verfügbare           oben beschriebenen Methoden gut aus
  Tg, Kristallitschmelztemperatur Ts), Kris-     (und vielleicht noch weiteres) Methoden-          und unterstützt die Kunden entlang der
  tallisationsgrad (bei teilkristallien Kunst-   arsenal in den folgenden Segmenten sinn-          gesamten Wertschöpfungskette, indem sie
  stoffen) oder auch chemische Reaktio-          voll einzusetzen:                                 helfen, die Kunststoffe zu verstehen. Poly-
  nen (Exothermie bei der Aushärtung             – Angewandte Forschung und Entwick-               meranalytik ist und bleibt spannend und
  von Giessharzen oder Klebstoffen oder             lung: Schwerpunkt hier ist, im Rahmen          faszinierend, da man Kunststoffe in ihrem
                                                    von Werkstoffentwicklungen das erhal-          Verhalten besser verstehen kann und man
                                                    tene funktionelle Eigenschaftsprofi l          fast immer mehrere Methoden kombinie-
                                                    durch Polymeranalytik besser zu verste-        ren muss, um zu Lösungen zu kommen.
                                                    hen. Die richtigen Schlüsse gezogen
                                                    führt dies zur effizienteren Entwicklung       Kontakt
                                                    des Endprodukts.                               IWK Institut für Werkstofftechnik und
                                                 – Schadensanalysen als Quelle des Fort-           Kunststoffverarbeitung
                                                    schritts: Ein Ausfall eines schadhaften        Oberseestrasse 10
                                                    Bauteils während seines Einsatzes ist          CH-8640 Rapperswil
Bild 3: Additivverteilung eines PA6-GF-FR im
                                                    immer mit Ärger, Umtrieben und                 +41 55 222 47 70
Bauteil mit REM-EDX-Mapping; rot = Si (von
Glasfasern); grün = Phosphor (von Flamm-            schliesslich auch mit Kosten verbunden,        iwk@hsr.ch
schutzmittel); Hintergrund = Matrix                 egal ob es sich dabei um spektakuläre,         www.hsr.ch                                 ■

3/2020                                                                                                                                      19
FÜGETECHNIK                                                                                               KUNSTSTOFF XTRA

        Fünf Schritte für eine erfolgreiche Anwendung der Klebtechnologie

Ein Leitfaden für die Praxis
Das Kleben ist eine der ältesten und wichtigsten Verbindungstechniken der Menschheit. Der älteste von Menschen
eingesetzte Kleb- und Dichtstoff ist vermutlich die tonhaltige Erde, die für den Bau von Hütten verwendet wurde.
Später kamen Asphalt (Erdpech), Baumharz und Holzteer (Bild 1) dazu, die vor allem für den Bau von Waffen
und Werkzeugen ihre Anwendung fanden.

    Prof. Dr. Pierre Jousset ¹
    Prof. Dr. Markus Henne ²
    Prof. Dr. Niedermeier ³

Ca. 1500 vor Chr. gewannen die Ägypter
aus einem Sud aus Sehnen, Knorpel und
anderen tierischen Abfällen einen Kleb-
stoff für furnierte Schreinerarbeiten. Seit

                                                                                                                                                 Bilder: IWK
der Antike ist der Berufsstand des Leimsie-
ders bekannt. Aus dieser Zeit stammen
auch die Begriffe «Kolla» oder «Glutinum».     Bild 1: Im Eintopfverfahren hergestelltes Bir-   Bild 2: Unerwünschtes Versagen einer Kleb-
Später gewann die Klebtechnik im Zusam-        kenpech [1]                                      verbindung an einem Schuh
menhang mit dem Buchdruck wieder an
Bedeutung: Die immer zahlreicheren Bü-         Im Alltag wird die Klebtechnik bereits im        1. Entscheidungsprozess im
cher mussten gebunden und mit stabilen         Kindesalter für Bastelarbeiten angewen-
                                                                                                Produktentwicklungsprozess
Deckeln und Rücken versehen werden.            det. Empirisch erfährt der Anwender, auf
Mit der Industrialisierung erfuhr die Kleb-    welchen Materialien und Oberfl ächen             Eine Klebverbindung wird bei der Auslegung
technik einen regelrechten Aufschwung:         Klebstoffe haften, wie lange sie brauchen,       eines Produktes oder einer Struktur oft nicht
Mit dem Patent zur Phenolharz-Härtung          um sich zu verfestigen und wie gut ihre          in Betracht gezogen. Der Grund dafür ist
von Baekeland brach das Zeitalter der syn-     Beständigkeit z. B. gegenüber Wasser ist.        mangelnde Erfahrung bei der Auslegung von
thetisch hergestellten Klebstoffe an. Che-     Diese Erfahrungen prägen das Bild der            Klebverbindungen, fehlende Kenntnis über
miker, Physiker und Ingenieure setzten         Klebtechnik – vor allem durch die Misser-        die mechanischen Eigenschaften von Kleb-
sich mit den Wirkungen von Adhäsions-          folge entstehen Vorbehalte gegenüber der         stoffen oder Zweifel an der Reproduzierbar-
und Kohäsionskräften auseinander und           Zuverlässigkeit von Klebstoffen.                 keit bzw. der Zuverlässigkeit des Klebprozes-
erforschten den makromolekularen Auf-          Auch aus dem Bereich der Bekleidung tre-         ses. In Folge wird eine Klebverbindung
bau der klebenden Substanzen. Die neu          ten Klebverbindungen vor allem in den            vermieden oder aufgrund des Risikos eines
entwickelten Klebstoffe besitzen vielfältige   Fokus, wenn sie bereits versagt haben            Versagens grundsätzlich ausgeschlossen.
Funktionen: Sie übertragen beispielsweise      (Bild 2). Bei ordnungsgemässer Funktion          Dies führt oft dazu, dass in einer frühen Pha-
mechanische Lasten, gleichen Toleranzun-       werden die kaschierten Klebstellen kaum          se des Produktentwicklungsprozesses fal-
terschiede aus, mindern korrosive Effekte,     beachtet.                                        sche Entscheidungen hinsichtlich der Verbin-
etc.                                           Diese Erfahrungswerte lassen sich aber in        dungstechnologie getroffen werden.
                                               keiner Art und Weise auf technische Kleb-        Zusätzlich bringt die Klebtechnologie neben
                                               verbindungen übertragen. Durch eine pro-         der strukturmechanischen Verbindung von
¹ Prof. Dr. Pierre Jousset, Fachbe-
reichsleiter Verbindungstechnik, IWK,          fessionelle Vorgehensweise bei der Ent-          zwei Bauteilen folgende Vorteile mit sich:
HSR Rapperswil                                 wicklung von Klebverbindungen können             – Eine Klebverbindung kann so gestaltet
² Prof. Dr. Markus Henne, Fachbe-              die Nachteile überwunden und zusätzliche            werden, dass sie kaum sichtbar ist. Dies
reichsleiter Mechanische Systeme,
                                               Vorteile generiert werden, welche keine             eröffnet neue Möglichkeiten der Gestal-
IWK, HSR Rapperswil
³ Prof. Dr.-Ing. Michael Niedermeier,          andere Verbindungstechnologie mit sich              tung eines Produkts.
Leiter Steinbeis-Innovationszentrum            bringt.                                          – Die geklebte Verbindung dient zusätz-
Werkstoff- und Oberflächentechnolo-            Dieser Artikel zeigt in fünf Schritten auf,         lich als Dichtung gegenüber Staub und/
gie Friedrichshafen und Leiter Werk-
                                               welche Kriterien berücksichtigt werden              oder Fluiden
stoffprüflabor der Hochschule Ravens-
burg-Weingarten RWU                            müssen, damit eine erfolgreiche Verkle-          – Die Elastizität der (Dickschicht-)Verkle-
niedermeier@stz-werkstoffe.de                  bung entsteht:                                      bung dämpft Vibrationen.

23 04                                                                                                                              4/2020
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