KURZ ERKLÄRT 2018 DER BUND KURZ ERKLÄRT 2018 - Admin.ch

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DER BUND KURZ ERKLÄRT 2018

                     DER BUND
                 KURZ ERKLÄRT   2018
KURZ ERKLÄRT 2018 DER BUND KURZ ERKLÄRT 2018 - Admin.ch
Titelbild
Gletscherblau fliesst die Fedacla ins Türkis
des Silvaplanersees. Der Bach bringt immer
neues Geschiebe ins Fexdelta: Kies- und
Schlickbänke entstehen und versinken wieder.
Das Foto wurde von einer Drohne in 90 Metern
Höhe aufgenommen.
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EDITORIAL

                                      Liebe Leserin, lieber Leser

                                      Von allen Texten, Berichten, Botschaften, welche in
                                      Bundesbern publiziert werden – und das ist eine ganze
                                      Menge –, wird kaum eine Publikation häufiger verlangt als
                                      «Der Bund kurz erklärt». 200 000 beträgt die Auflage 2018,
                                      und das, obwohl der BUKU, wie er hier genannt wird, seit
                                      Juni 2016 auch über die App «CH info» erhältlich ist. Die
                                      vorliegende Übersicht über die Grundlagen unseres Staats­
  «Direkte Demokratie ist viel mehr   wesens, über die Regierung, die Verwaltungsbehörden,
                                      das Parlament und die Gerichte ist eben nicht «nur» Schul­
 als die gelegentliche Konsultation   stoff. Das Interesse am BUKU ist auch Ausdruck der Ver­
                der Bevölkerung.»     flechtung zwischen Gesellschaft und Politik.

                                      In gewissem Sinn ist in der Schweiz jeder Bürger ein Poli­
                                      tiker, jede Bürgerin politisch aktiv – einfach unterschied­
                                      lich stark: Wir werden alle drei Monate aufgefordert, poli­
                                      tische Entscheide zu fällen, wir verfolgen die Debatten
                                      oder nehmen daran teil. Der eine lanciert eine Volksinitia­
                                      tive, die andere ergreift ein Referendum und wieder an­
                                      dere schreiben einen Leserbrief, setzen einen Tweet ab,
                                      oder sie ergreifen das Wort an der Gemeindeversammlung.
                                      Direkte Demokratie ist viel mehr als die gelegentliche
                                      Konsultation der Bevölkerung. Sie ist eine umfassende,
                                      relativ unübersichtliche, zuweilen zeitraubende, filigran
                                      aus­tarierte, permanent drehende und sich ständig verän­
                                      dernde Mechanik – mit dem Ziel, jene in die Entscheid­
                                      findung einzubeziehen, die mit den Konsequenzen des
                                      Entscheids leben müssen. Sie ist unerhört wertvoll, funk­
                                      tioniert aber nur, wenn alle, die teilnehmen wollen, unge­
                                      fähr verstehen, wie sie funktioniert.

                                      Zu diesem Verständnis soll der BUKU beitragen. Dass er so
                                      oft bestellt und hoffentlich auch gelesen wird, ist eigentlich
                                      ein gutes Zeichen.

                                      Bundeskanzler Walter Thurnherr

                                                                                                       3
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INHALTSVERZEICHNIS
                                INTERVIEW UND FAKTEN                    FUNDAMENT
                                SCHWEIZ                                 DIREKTE DEMOKRATIE

                                6                                       14

                              Bundespräsident Alain Berset           Gewaltenteilung                     16
                              im Gespräch                      6
                                                                     Wählen und abstimmen                18
                              Bevölkerung                      8
                                                                     Parteien von links bis rechts       20
                              Finanzen des Bundes              9
                                                                     Parteien in Kürze                   22
                              Geschichte der Schweiz          10

                              Föderalismus                    12

              Die App zur Broschüre                    Leitprogramm DER BUND KURZ ERKLÄRT
              DER BUND KURZ ERKLÄRT                    Didaktische Unterlagen auf Deutsch, Französisch
                                                       und Englisch:
              iOS / Android                            www.hep-verlag.ch/der-bund-kurz-erklaert

    CH info

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LEGISLATIVE                      EXEKUTIVE                             JUDIKATIVE
  PARLAMENT                        REGIERUNG                             GERICHTE

  24                               40                                    76

National- und Ständerat     26   Bundesrat                       42    Justiz                      78

Organisation der Räte       28   Bundesverwaltung                44    Bundesgericht und
                                                                       erstinstanzliche Gerichte
Grosse und Kleine Kammer    30   Eidgenössisches Departement           des Bundes                  80
                                 für auswärtige Angelegenheiten
Mechanik des Parlaments     32   EDA                            46

Milizparlament              33   Eidgenössisches Departement
                                 des Innern EDI                  50
Parlamentsdienste           34
                                 Eidgenössisches Justiz- und
Mein Standpunkt             35   Polizeidepartement EJPD         54

Weg zu einem neuen Gesetz   36   Eidgenössisches Departement
                                 für Verteidigung, Bevölkerungs-
Parlamentsgebäude           38   schutz und Sport VBS            58

                                 Eidgenössisches Finanz­
                                 departement EFD                 62

                                 Eidgenössisches Departement
                                 für Wirtschaft, Bildung und
                                 Forschung WBF                   66

                                 Eidgenössisches Departement
                                 für Umwelt, Verkehr, Energie und
                                 Kommunikation UVEK               70

                                 Bundeskanzlei BK                74

                                                                                                        5
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SCHWEIZ       Treffen mit Bundespräsident Alain Berset

              DER PRÄSIDENT UND DIE REGISSEURIN
              Die Schweizer Filmemacherin Ursula Meier war ein               Das Treffen fand im Bundesamt für Kultur in Bern statt,
              wenig überrascht, als Alain Berset ihr vorschlug, für          wo rasch eine lebhafte Diskussion über den Zustand
              einmal die Rolle der Interviewerin zu übernehmen.              unserer Gesellschaft, die Kultur und den Film in Gang
              Doch sie war auch neugierig und gerne bereit, sich auf         kam.
              das Frage-und-Antwort-Spiel einzulassen.
SCHWEIZ

              Kunst und Politik waren schon immer miteinander ver-           zum Leben braucht. Was tun Sie, damit die Kunst nicht
              bunden. Die Politik bedient sich der Kunst, um sich in         als blosses kulturelles «Vergnügen» oder gar als Mehr-
              Szene zu setzen. Trotzdem kommt es selten vor, dass            wert einer privilegierten gesellschaftlichen Klasse
              sich ein Politiker auf das Spiel einlässt, sich von einer      wahrgenommen wird, sondern als Möglichkeit, unsere
              Künstlerin befragen zu lassen. Warum haben Sie ge-             Identität und unsere Beziehung zur Welt zu formen?
              rade eine Künstlerin als Gesprächspartnerin gewählt?           In meiner Tätigkeit versuche ich, die Kultur in den Rang
              In den vergangenen Jahren habe ich überall in der Schweiz      einer echten Notwendigkeit zu heben. Ich bemühe mich
              festgestellt, dass die Kultur – im weitesten Sinne des Be­     darum, die aktive und passive Teilhabe am kulturellen
              griffs – in unserem Land eine absolut zentrale Rolle spielt.   Leben zu verbessern – durch Anerkennung der Kunstschaf­
              Unsere sprachliche, regionale und gesellschaftliche Viel­      fenden und der kulturellen Akteure sowie durch die Wert­
              falt ist komplex, und nicht selten ist es die Kultur, die      schätzung unseres reichen Vereinslebens.
              uns zusammenführt und den nationalen Zusammenhalt              Ich sehe die Kunst als innovativsten Teil der Kultur, aber
              sichert. Daher mein Wunsch, mich mit einer Künstlerin          die Kultur ist ein Zugang dazu. Sie ist ein Impuls, der zum
              über die Schweiz und die Welt auszutauschen.                   Weitergehen anregt. Wenn eine Debatte um den Gegensatz
                                                                             von «Kultur gegen Kunst» gestartet wird, dann meist, um
              Der verstorbene deutsche Künstler Joseph Beuys be-             der Kultur die finanziellen Mittel zu entziehen, auf die sie
              schrieb die Kunst einst als Nahrung, die der Mensch            für ihre Entfaltung angewiesen ist. Ich setze mich

          6   Der Bund kurz erklärt 2018 | Schweiz
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dafür ein, dass nicht eine Kunstelite    wie vor ein wichtiges Thema. Wir          und gute Informationen gewöhnt.
gegen eine breite Masse ausgespielt      haben zwar Massnahmen ergriffen,          Die Herausforderung besteht darin,
wird, die sich mit der Volkskultur       damit sich etwas tut, doch wir müssen     einen kritischen Geist zu bewahren.
identifiziert. Dieser Gegensatz ist      anerkennen, dass verschiedene Län­        Dazu ist eine gute Bildung unerläss­
längst überholt.                         der in diesem Bereich rascher Fort­       lich, insbesondere im Bereich der
                                         schritte machen als wir. Deswegen fal­    digitalen Medien. Die Bürgerinnen
In der zeitgenössischen Kunst wer-       len wir in gewissen Rankings zurück.      und Bürger müssen heute in der Lage
den viele politische Aussagen zu         Langfristig kann in der Schweiz die       sein, unterschiedlichste Inhalte zu
Themen wie Macht, Geld, Bezie-           Gleichstellung nur erreicht werden,       verstehen, von solchen in sozialen
hungen, Bilder, Sprache, Körper,         wenn die Frauen ermutigt werden,          Netzwerken bis hin zu Hintergrund­
Realität usw. formuliert. Warum ist      sich zu engagieren, wenn die Verein­      artikeln.
die Politik nicht neugieriger auf        barkeit von «Beruf und Familie» ver­
dieses innovative Schaffen, das          bessert wird, und natürlich wenn die      Muss man als Politiker ein guter
sich mit anderen Formen des Zu-          Lohngleichheit gefördert wird. Mit        Schauspieler sein?
sammenlebens auseinandersetzt?           der Volksinitiative wird in der Schweiz   Nein, nicht unbedingt. Als Politiker
Ich denke im Gegenteil, dass es viele    auch ein Vaterschaftsurlaub bald zur      kann man nur eine einzige Rolle spie­
Kontakte zwischen Kunst und Politik      Diskussion stehen, was zeigt, dass das    len. Es ist daher besser, man bleibt au­
gibt, wobei es sich dabei nicht um       Thema die Bevölkerung interessiert.       thentisch. Gewisse Momente einer
eine institutionalisierte Beziehung                                                politischen Karriere können biswei­

                                                                                                                                  SCHWEIZ
handelt. Die Verbindungen entstehen      Als ich meinen Film «Home» in den         len etwas inszeniert sein. Mit 16 habe
häufig unbewusst. Es gibt auch           USA gezeigt habe – die Geschichte         ich in einem kleinen Studentenfilm
Momente, wo sich die beiden nicht        einer Familie, die direkt neben ei-       mitgespielt, und ich muss zugeben,
verstehen, wo Spannungen entstehen       ner Autobahn wohnt und abgekap-           dass ich nicht sehr begabt war.
und zu Debatten führen, die auch ge­     selt vom Rest der Welt weiterlebt –
sellschaftspolitisch interessant sind.   fragten mich die amerikanischen
                                         Kritiker, ob der Film eine Metapher
                                         für Europa in der Welt sei. Und als
                                         ich meinen Film in Europa zeigte,            Ursula Meier ist eine interna­
                                         wurde ich gefragt, ob er eine Meta-          tional anerkannte Schweizer
  «Die Heraus­                           pher für die Schweiz in Europa sei.          Filmemacherin.      Der     Film
                                         Ich habe Ihren Film überhaupt nicht          «Home» mit Isabelle Huppert
    forderung                            so gesehen. Für mich ist die in «Home»       wurde am Filmfestival von
                                         dargestellte Abkapselung eher die            Cannes selektioniert und er­
 besteht darin,                          Metapher für die Unsicherheitsphase,         hielt zahlreiche Auszeichnun­
                                         die wir seit einigen Jahren durch­           gen. 2012 erhielt «L’enfant d’en
gegenüber den                            leben. Die Isolation der Schweiz ist         haut» mit Léa Seydoux und
                                         ein Mythos. In Wirklichkeit ist die          Kacey Mottet Klein einen
   Bildern und                           Schweiz eines der offensten Länder           Silbernen Bären (lobende Er­
                                         der Welt. Sie hat an den grossen ge­         wähnung) bei den Internatio­
 Informationen                           sellschaftlichen Bewegungen häufig           nalen Filmfestspielen Berlin.
                                         teilgehabt, zum Beispiel an der Refor­       Der Film erhielt wie «Home»
   kritisch zu                           mation. Sie ist Weltmeisterin des Mul­       2010 drei Schweizer Film­
                                         tilateralismus, insbesondere mit dem         preise, darunter den Preis für
     bleiben.»                           internationalen Genf, und sie spielt         den besten Film, und er vertrat
                                         mit dem Gotthardtunnel eine zen­             die Schweiz an den Oscars. An­
                                         trale Rolle auf der Ebene der europäi­       fang 2018 beendete Ursula
                                         schen Verkehrswege.                          Meier ihren neuen Spielfilm
Ich bin 1971 geboren, im Jahr der                                                     «Journal de ma tête» mit Fanny
Abstimmung über das Frauen-              Unsere Gesellschaft wird immer               Ardant und Kacey Mottet Klein.
stimmrecht auf Bundesebene. Laut         mehr von Bildern beherrscht. Wa-
einem Bericht des Weltwirtschafts-       rum wird die Bildanalyse im Schul-
forums über die Gleichstellung von       unterricht nicht stärker gewichtet?
Frauen und Männern ist die Schweiz       Diesen pädagogischen Auftrag hat
vom 11. auf den 21. Rang zurück­         nicht nur die Schule, sondern die ge­
                                                                                                    Informationen zum
gefallen. Die nordischen Länder          samte Gesellschaft. In einer direkten                      Bundespräsidium und
bleiben unangefochten an der             Demokratie wie der unseren muss die                        zu den Aktivitäten des
Spitze. Wie erklären Sie sich das?       Bevölkerung Informationen mög­                             Bundespräsidenten:
                                                                                                    www.admin.ch >
Die Präsenz der Frauen auf politischer   lichst gut verstehen und interpretie­                      Bundespräsidium
und wirtschaftlicher Ebene ist nach      ren können. Wir sind an vielfältige

                                                                                                                              7
KURZ ERKLÄRT 2018 DER BUND KURZ ERKLÄRT 2018 - Admin.ch
Die Schweiz in Zahlen

              BEVÖLKERUNG

              8,4 Millionen Menschen                                           4 Landessprachen
                                                                                                                         Deutsch
                                                                                                                         63%
                                                                                     Französisch
                                                                                     23%

                                                                                                                                    Rätoromanisch
                                                                                                                                    0,5%
SCHWEIZ

                                                                                                                                   Italienisch
                                                                                                                                   8%

                  8 419 600 Einwohnerinnen und Einwohner                        andere Sprachen
                                                                                23%
                  2 104 900 Davon ohne Schweizer Pass                                                          Mehrfachnennungen möglich

              In der Schweiz leben 8,4 Millionen Menschen. Der                 Die Schweiz ist ein vielsprachiges Land. Es gibt
              Ausländeranteil beträgt 25%. Mehr als die Hälfte                 vier Landessprachen: Deutsch, Französisch, Italie­
              der Personen ohne Schweizer Pass ist entweder in                 nisch und Rätoromanisch. 63% der Bevölkerung
              der Schweiz geboren oder lebt seit mindestens                    sprechen hauptsächlich (Schweizer-)Deutsch,
              zehn Jahren hier. Die Mehrheit der ausländischen                 23% Französisch, 8% Italienisch und 0,5% Räto­
              Bevölkerung kommt aus einem EU- oder EFTA-                       romanisch. Auch andere Sprachen werden in der
              Land. Den grössten Anteil machen Personen aus                    Schweiz gesprochen: Englisch, Portugiesisch,
              Italien (15% der Ausländer), Deutschland (14%)                   Albanisch (je 3 bis 5%) und verschiedene andere
              und Portugal (13%) aus. 15% kommen aus nicht­                    Sprachen. Viele geben zwei Sprachen als Haupt­
              europäischen Staaten.                                            sprachen an.

              Mehrheitlich christlich

              70% der Menschen in der Schweiz gehören einer
              christlichen Glaubensgemeinschaft an. In 14 Kan­
              tonen machen die Katholiken den grössten Bevöl­
              kerungsanteil aus, in drei Kantonen die Refor­
              mierten. In den restlichen Kantonen sind die
              Verhältnisse weniger deutlich. Egal ob christlich,
              muslimisch oder jüdisch: Für die meisten spielt die
              Religion im Alltag keine grosse Rolle. Der Anteil
              jener, die gar keiner Glaubensgemeinschaft ange­
              hören, beträgt 23% – er nimmt seit Jahren zu.                    38% Römisch-katholisch               5% Andere christliche Gemeinschaften
                                                                               26% Evangelisch-reformiert           5% Islamische Gemeinschaften
                                                                               23% Konfessionslos                   3% Übrige/unbekannt

                                                                    Alle Zahlen sind gerundet. Weitere Informationen zur Bevölkerung: www.statistik.ch

          8   Der Bund kurz erklärt 2018 | Schweiz
KURZ ERKLÄRT 2018 DER BUND KURZ ERKLÄRT 2018 - Admin.ch
FINANZEN DES BUNDES

67,01 Milliarden Einnahmen (2016)                                                                                        66,26 Milliarden Ausgaben (2016)

 Mehrwertsteuer 34%
			                                                                                                                                                  34% Soziale Wohlfahrt
 Direkte Bundessteuer 31%
			                                                                                                                                                  14% Finanzen und Steuern
 Verrechnungssteuer 8%
			                                                                                                                                                  14% Verkehr
 Mineralölsteuer 7%
			                                                                                                                                                  11% Bildung und Forschung

                                                                                                                                                                                          SCHWEIZ
 Tabaksteuer 3%
			                                                                                                                                               7% Landesverteidigung

 Stempelabgaben 3%
			                                                                                                                                               6% Landwirtschaft und Ernährung

Übrige Fiskaleinnahmen 8%
			                                                                                                                                               5% Beziehungen zum Ausland

Nichtfiskalische Einnahmen 7%
			                                                                                                                                                  10% Übrige Aufgaben

Die wichtigsten Einnahmequellen des Bundes sind die                                                                      Ein Drittel seiner Ausgaben investiert der Bund in den Be­
Mehrwertsteuer und die direkte Bundessteuer. Sie machen                                                                  reich «Soziale Wohlfahrt»: 23 Milliarden Franken. Die
zusammen rund 44 Milliarden Franken aus. Die direkte                                                                     Hälfte davon geht an die Altersvorsorge (AHV), ein Fünftel
Bundessteuer wird bei Privatpersonen auf dem Einkom­                                                                     an die Invalidenversicherung (IV). Weitere wichtige Berei­
men erhoben (progressiv, maximal 11,5%), bei Unterneh­                                                                   che der sozialen Wohlfahrt sind die Krankenversiche­
men auf dem Gewinn (8,5%). Für die meisten Waren und                                                                     rungen (Prämienverbilligungen), die Migrationsausgaben
Dienstleistungen gilt seit 2018 ein Mehrwertsteuersatz                                                                   und die Ergänzungsleistungen. Die soziale Wohlfahrt ge­
von 7,7%. Welche Steuern der Bund erheben darf, ist in der                                                               hört zu den am stärksten wachsenden Aufgabenbereichen
Bundesverfassung festgehalten.                                                                                           des Bundes.

Schulden reduziert

Mia. Franken                                                                                              Sozialversicherungen               Der Bund ist verpflichtet, seine Aus­
        250                                                                                                                                  gaben und Einnahmen auf Dauer im
                                                                                                                                             Gleichgewicht zu halten. Bei guter
        200                                                                                                                                  Konjunktur muss er einen Überschuss
                                                                                                                         Gemeinden           erwirtschaften, bei schlechter darf er
        150                                                                                                                                  mehr ausgeben als einnehmen. 2003
                                                                                                                            Kantone          wurde diese «Schuldenbremse» zum
        100                                                                                                                                  ersten Mal angewendet. Seit 2005
                                                                                                                                             konnten die Bundesschulden von
         50                                                                                                                   Bund           130 Milliarden Franken um mehr als
                                                                                                                                             30 Milliarden reduziert werden. Im
          0                                                                                                                                  internationalen Vergleich steht die
                                                                                                                                             Schweiz sehr gut da: Die Schulden­
               2002

                      2003

                             2004

                                    2005

                                           2006

                                                  2007

                                                         2008

                                                                2009

                                                                       2010

                                                                              2011

                                                                                     2012

                                                                                            2013

                                                                                                   2014

                                                                                                           2015

                                                                                                                  2016

                                                                                                                                             quote des Gesamtstaats beträgt knapp
                                                                                                                                             30% des Bruttoinlandprodukts (BIP).

Alle Zahlen sind gerundet. Weitere Informationen zum Bundeshaushalt: www.efv.admin.ch

                                                                                                                                                                                      9
KURZ ERKLÄRT 2018 DER BUND KURZ ERKLÄRT 2018 - Admin.ch
Vom Staatenbund zum Bundesstaat

                 GESCHICHTE DER SCHWEIZ

                 Die Schweiz entwickelte sich über Jahrhunderte aus einem          Das politische System geht auf die Bundesverfassung von
                 Geflecht verschiedener Bündnisse über einen Staatenbund           1848 zurück. Seither haben die Kompetenzen des Bundes,
                 hin zum Bundesstaat. Landesgrenzen und Neutralität wur­           die Volksrechte und die politische Vielfalt zugenommen.
                 den 1815 international festgelegt und anerkannt.

                    1291 | Alte Eidgenossenschaft              1803 –1814 | Mediation                     1847–1848 | Sonderbundskrieg
                    BÜNDNISPARTNER­                            GELOCKERTE                                 LIBERALE GEGEN
                    SCHAFTEN                                   FREMDHERR­                                 KONSERVATIVE
                                                               SCHAFT
SCHWEIZ

                    Wechselnde Bündnisse zwischen                                                         Bei der Frage nach der Ausgestal-
                    Städten und Landschaften bezwe-                                                       tung des Bundes kommt es schluss­
                                                               Nach Bürgerkriegen zwischen Föde­
                    cken die Sicherung der politischen                                                    endlich zu einem Bürgerkrieg zwi-
                                                               ralisten und Anhängern der Helveti-
                    Ordnung gegen innen und der Un-                                                       schen liberalen und katholisch-­
                                                               schen Republik gibt Napoleon der
                    abhängigkeit gegen aussen. 1291                                                       konservativen Kantonen. Der Son-
                                                               Schweiz eine Mediationsverfas-
                    schliessen Uri, Schwyz und Unter-                                                     derbundskrieg endet mit dem Sieg
                                                               sung. Sie gibt den Kantonen eine
                    walden das erste dokumentierte                                                        der liberalen Kräfte.
                                                               gewisse Eigenständigkeit zurück
                    Bündnis ab. Der Begriff «Eitgenoze»        und legt die meisten Kantons­
                    taucht 1315 auf. Im Lauf der Jahr-         grenzen fest.
                    hunderte wächst die Eidgenossen-
                    schaft durch weitere Bündnisse und
                    durch Gebietseroberungen.

               1200                                     1800                                            1850

                                                                                                          1848 | Bundesverfassung
                                                                                                          DEMOKRATISCHER
                                                               1815 | Bundesvertrag                       BUNDESSTAAT
                                                               NEUTRALITÄT UND                            Die Bundesverfassung gewährt den
                                                               STAATENBUND                                meisten Bürgern – Männern – ver-
                    1798 –1802 | Helvetik                                                                 schiedene Rechte und Freiheiten,
                    EINHEITSSTAAT                              Nach dem Sturz Napoleons aner-             u. a. das Stimm- und Wahlrecht
                                                               kennen die europäischen Gross-             (Frauenstimmrecht ab 1971). Auf
                    UNTER FREMDER                              mächte die Neutralität der Schweiz         Bundesebene wird nach amerika­
                    HERRSCHAFT                                 und die heute gültigen Landes­             nischem Vorbild das Zweikammer-
                                                               grenzen werden fixiert. Der Bundes-        system eingeführt, mit einem Natio-
                    Nach dem Einmarsch französischer           vertrag von 1815 fasst die verschie-       nal- und einem Ständerat, die den
                    Truppen wird die Eidgenossen-              denen eidgenössischen Bündnisse            Bundesrat wählen. Einige Bereiche
                    schaft zur Helvetischen Republik           zu einem einzigen Staatenbund zu-          werden zentralisiert. Die Schweiz
                    umgestaltet: zu einem Einheitsstaat        sammen. Dieser ist für die Sicher-         entwickelt sich zum einheitlichen
                    unter Pariser Kontrolle.                   heitspolitik zuständig.                    Rechts- und Wirtschaftsraum.

          10     Der Bund kurz erklärt 2018 | Schweiz
1874, 1891 |                           1919, 1929 | Proporz                  1959 – 2003 | Zauberformel
Ausbau der Demokratie                  WEITER RICHTUNG                       VIELFALT AUCH
INITIATIVE,                            KONSENS­                              IM BUNDESRAT
REFERENDUM                             DEMOKRATIE
                                                                             Die Regierung setzt sich aus Vertre-
Die revidierte Bundesverfassung                                              tern der wählerstärksten Parteien
                                       1919 wird der Nationalrat zum ers-
überträgt dem Bund mehr Aufgaben                                             zusammen: 2 FDP, 2 CVP, 2 SP,
                                       ten Mal im Proporzverfahren ge-
und weitet die demokratischen                                                1 SVP. Diese sogenannte Zauber­
                                       wählt, und im Bundesrat sitzt nun
Rechte auf Bundesebene aus. 1874                                             formel gilt bis 2003. Seither ist der
                                       ein zweites katholisch-konservati-
wird das Referendum eingeführt,                                              Bundesrat parteipolitisch wech-
                                       ves Mitglied. Ab 1929 ist auch ein
1891 die Volksinitiative. 1891 wählt                                         selnd zusammengesetzt.
                                       Mitglied der Bauern-, Gewerbe- und
das Parlament zum ersten Mal einen     Bürgerpartei (heute SVP) im Bun-
Vertreter der Katholisch-Konservati-   desrat vertreten.
ven (heute CVP) in die Regierung:
Erstmals seit 1848 besteht der Bun-
desrat nicht mehr nur aus Freisinni-
gen.

                                                                                                                          SCHWEIZ
1900                                                  1950                                                  2000

                                                                             2000 | Dritte Bundesverfassung
                                                                             BEWAHRUNG UND
                                       1939 –1945 | Zweiter Weltkrieg        OFFENHEIT
1914 –1918 |                           EINBINDUNG DER                        Die totalrevidierte Bundesverfas-
Erster Weltkrieg, Generalstreik
                                       LINKEN                                sung betont die partnerschaftliche
SOZIALISTISCHE                                                               Zusammenarbeit zwischen Bund
IDEEN                                  Unter dem Eindruck der Bedrohung      und Kantonen und regelt die Aufga-
                                       aus dem Ausland rücken die poli­      benteilung. Das Schweizer Volk
Armut und Arbeitslosigkeit während     tischen Kräfte von links bis rechts   stimmt den bilateralen Verträgen
des ersten Weltkriegs sowie die so-    zusammen: Während des Zweiten         zwischen der Schweiz und der
zialistischen Ideen der Russischen     Weltkriegs wählt das Parlament        Europäischen Union (EU) zu. Zwei
Revolution gipfeln 1918 im landes-     1943 einen Sozialdemokraten in die    Jahre später (2002) entscheidet es
weiten Generalstreik.                  Regierung.                            sich für den Beitritt zur UNO.

                                                                                                                     11
Bund, Kantone und Gemeinden

               FÖDERALISMUS

                                                       1
SCHWEIZ

                                                       26

                                                      2222

          12   Der Bund kurz erklärt 2018 | Schweiz
Die Schweiz ist ein föderalistischer Staat: Die Macht ist    möglich, dass die Schweiz als Einheit bestehen kann –
zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden aufgeteilt.            trotz vier Sprachkulturen und unterschiedlicher regio-
Kantone und Gemeinden haben grosse Spielräume, um            naler Eigenheiten.
ihre Aufgaben zu erfüllen. Der Föderalismus macht es

Bund

Seit 1848 ist die Schweiz ein Bundesstaat, bezeichnet auch
als «Eidgenossenschaft» oder als «Bund». Die Bundes­                   • Zehn Prozent der Schweizerinnen und
verfassung legt die Aufgaben des Bundes fest. Dazu gehö­                 Schweizer leben im Ausland («Ausland­
ren u. a. die Beziehungen zum Ausland, die Landesvertei­                 schweizer»).
digung, das Nationalstrassennetz und die Kernenergie.                  • 85 Prozent der Einwohnerinnen und Ein­
National- und Ständerat bilden das eidgenössische Par­                   wohner leben in städtischen Gebieten.
lament, die Landesregierung besteht aus sieben Bundes­                 • Die Einnahmen aus der direkten Bundes­
räten, das Bundesgericht stellt die nationale Recht­                     steuer machen rund 31 Prozent der Ein­
sprechung sicher. Zu seiner Finanzierung erhebt der Bund                 nahmen des Bundes aus.

                                                                                                                            SCHWEIZ
u. a. die direkte Bundessteuer.

Kantone

Der Bund besteht aus 26 Kantonen, auch «Stände» ge­
nannt. Jeder Kanton hat ein eigenes Parlament, eine eigene             • Im Kanton Basel-Stadt ist das Bruttoinland­
Regierung, eigene Gerichte und eine eigene Verfassung.                   produkt (BIP) pro Kopf mehr als dreimal so
Diese darf der Bundesverfassung nicht widersprechen. Die                 gross wie im Kanton Uri.
Kantone setzen die Vorgaben des Bundes um, gestalten ihre              • In den Nationalen Finanzausgleich zahlen
Tätigkeit aber nach eigenen Bedürfnissen. Grossen Gestal­                sieben Kantone ein, 19 Kantone erhalten
tungsspielraum haben sie z. B. im Schul- und Spitalwesen,                daraus Ausgleichszahlungen.
im Bereich Kultur sowie bei der Polizei. Jeder Kanton er­              • In den Kantonen Appenzell Innerrhoden
hebt zu seiner Finanzierung kantonale Steuern.                           und Glarus finden noch Landsgemeinden
                                                                         statt.

Gemeinden

Die 26 Kantone sind in Gemeinden gegliedert. Jeder Kan­
ton regelt die Aufgabenteilung zwischen sich und seinen                • In der kleinsten Gemeinde (Corippo, TI)
Gemeinden selbst. Zu den Aufgaben von Gemeinden gehö­                    leben 13 Menschen, in der grössten rund
ren z. B. die Ortsplanung, der Schulbetrieb, das Fürsorge­               400 000 (Stadt Zürich).
wesen und die Feuerwehr. Grössere Gemeinden und Städte                 • Jedes Jahr gibt es wegen Fusionen im
haben Parlamente und Volksabstimmungen. In kleineren                     Durchschnitt rund 30 Gemeinden w
                                                                                                        ­ eniger.
Gemeinden entscheiden die Bürgerinnen und Bürger an                    • In vier von fünf Gemeinden entscheiden
Gemeindeversammlungen über politische Vorlagen. Jede                     die Stimmberechtigten an Gemeinde­
Gemeinde zieht Gemeindesteuern ein.                                      versammlungen über politische Vorlagen.

                                                                                                                       13
DIREKTE DEMOKRATIE

                            Fundament

                            DIREKTE
                            DEMOKRATIE
D E M O K R AT I E

                                Für jede eidgenössische Abstimmung werden mehr als 5 Millionen
                                Broschüren gedruckt, in denen die einzelnen Abstimmungsvorlagen
                                erläutert werden. Sie werden den Stimmberechtigten nach Hause
                               ­geschickt.

                     14     Der Bund kurz erklärt 2018 | Direkte Demokratie
Gewaltenteilung        16

Wählen und abstimmen   18

Parteien               20

                                 D E M O K R AT I E

                            15
Ein Grundprinzip der Demokratie

                          GEWALTENTEILUNG

                          Gewaltenteilung verhindert die Konzentration von Macht bei einzelnen
                          Personen oder Institutionen und schiebt dem Machtmissbrauch einen Rie-
                          gel. Die Macht ist auf die drei Staatsgewalten Legislative, Exekutive und
                          Judikative verteilt. Eine Person darf gleichzeitig nur einer der drei Staats-
                          gewalten angehören. Die Schweiz hat die Gewaltenteilung mit dem Bun-
                          desstaat von 1848 eingeführt.
D E M O K R AT I E

                                              Die Regierung                                               Die Bundesversammlung
                                             setzt Gesetze um                                                  erlässt Gesetze

                                                                                                                  NATIONALRAT

                                     BUNDESRAT UND VERWALTUNG                                                      STÄNDERAT

                                                 EXEKUTIVE                                                      LEGISLATIVE

                          Gesetze umsetzen                                                         Gesetze beschliessen
                          Der Bundesrat ist die Regierung der                                      Das Parlament besteht aus dem National-
                          Schweiz. Er führt die laufenden Geschäfte                                und Ständerat. Die beiden Räte sind gleich-
                          und setzt die Gesetzesbeschlüsse des Par-                                berechtigt; zusammen ­bilden sie die Bun-
                          laments um. Jedes der sieben Bundesrats-                                 desversammlung. Das Parlament erlässt
                          mitglieder steht e
                                           ­inem Departement vor.                                  Gesetze und überwacht die Geschäfts­­
                          Zusammen mit der Bundeskanzlei bilden                                    führung des Bundesrats und des Bundes-
                          die sieben Departemente die Bundesver-                                   gerichts.
                          waltung.

                     16   Der Bund kurz erklärt 2018 | Direkte Demokratie
Wer wählt wen?

                                             In der Schweiz können rund 5,3 Millionen Frauen
                                             und Männer an den eidgenössischen Wahlen teilneh­
                                             men. Unter 18-Jährige sowie ausländische Staats­
                                             angehörige haben auf Bundesebene kein Wahlrecht.

                                             Das Schweizer Volk wählt das Parlament (Legisla­
                                             tive). Das Volk ist somit die oberste politische Instanz
                                             der Schweiz. Der Nationalrat repräsentiert die
                                             gesamte Bevölkerung, der Ständerat vertritt die
                                             26 Kantone. Die eidgenössischen Wahlen finden
                                             alle vier Jahre statt.

                                                                                                             D E M O K R AT I E
                                             Das Parlament wählt mehrere Instanzen, nämlich:
                                             • die Exekutive: die sieben Mitglieder des Bundes­
                                               rats und die Bundeskanzlerin oder den Bundes­
                                               kanzler. Ihre Amtsdauer beträgt vier Jahre; eine
                                               Wiederwahl ist möglich. (S. 42)
                                             • die Judikative: den Bundesgerichtspräsidenten
                                               sowie die Richterinnen und Richter des Bundes­
                                               gerichts und der drei erstinstanzlichen Gerichte.
                                               (S. 80)
    Die Eidgenössischen Gerichte             • den Bundesanwalt: Er leitet die Bundesanwalt­
        setzen Gesetze durch                   schaft. Diese verfolgt unter anderem Delikte im
                                               Zusammenhang mit Sprengstoff und Spionage
                                               sowie Amts­delikte von Bundesangestellten.
                                               www.bundesanwaltschaft.ch

                                             Wer kontrolliert wen?

                                             Das Parlament hat die Oberaufsicht über den Bun­
               4 GERICHTE
                                             desrat und die Bundesverwaltung sowie über die eid­
                                             genössischen Gerichte und die Bundesanwaltschaft.
             JUDIKATIVE                      Die Parlamentsmitglieder wiederum werden vom
                                             Volk gewählt. Ihm sind sie Rechenschaft schuldig.

Recht sprechen
Das Bundesgericht ist das höchste Gericht
der Schweiz. Es sorgt für die einheitliche
Anwendung des Rechts und schützt die
Rechte der Bürgerinnen und Bürger. Zudem
entscheidet es als oberste Instanz über
Rechtsstreitigkeiten zwischen Bürger und
Staat oder Bund und Kantonen.

                                                                                                        17
Politische Rechte

                          WÄHLEN UND ABSTIMMEN

                                                                                                             WAHLRECHT

                          In kaum einem anderen Staat hat das Volk derart weitrei­
                          chende Mitbestimmungsrechte wie in der Schweiz. Schwei­
                          zerinnen und Schweizer, die mindestens 18-jährig sind,
                          dürfen auf nationaler Ebene wählen und abstimmen. Ne­                Wählende

                          ben den Parlamentswahlen, die alle vier Jahre stattfinden,
                          können sich die Stimmberechtigten bis zu viermal pro Jahr
                          in Volksabstimmungen zu politischen Sachfragen äussern.
                          Meistens stehen bei einem Urnengang gleich mehrere Vor­
                          lagen zur Diskussion.

                          Über Verfassung und Gesetz
                          Über jede Änderung der Verfassung wird abgestimmt
D E M O K R AT I E

                          (obligatorisches Referendum). Verfassungsänderungen
                          brauchen die Zustimmung einer Mehrheit des Volks und                                                    National- und
                                                                                             Kandidierende       Volkswahl         Ständerat
                          der Kantone (doppeltes Mehr). Über ein revidiertes oder
                          neues Gesetz wird hingegen nur abgestimmt, wenn ein fa­
                          kultatives Referendum dies verlangt. Das Gesetz ist ange­
                          nommen, wenn das Volk mehrheitlich zustimmt (einfaches          Wählen und gewählt werden
                          Mehr).                                                          Alle Wahlberechtigten können einerseits Mitglieder
                                                                                          für das Parlament wählen (aktives Wahlrecht) und
                          Abstimmungskalender 2018                                        andererseits selbst für einen Parlamentssitz kandi­
                          Der Bundesrat legt jeweils mindestens vier Monate im            dieren (passives Wahlrecht). Für den Nationalrat
                          Voraus fest, welche Vorlagen zur Abstimmung gelangen.           sind auch die Auslandschweizerinnen und -schwei­
                          Die Abstimmungstermine sind aber bereits viel früher be­        zer wahlberechtigt, in gewissen Kantonen auch für
                          kannt: Schon heute sind sie bis ins Jahr 2036 festgelegt.       den Ständerat.

                          Im Jahr 2018 finden die eidgenössischen Abstimmungen            Nationalrat und Ständerat
                          an folgenden Sonntagen statt:                                   Die 200 Mitglieder des Nationalrats und 46 Mitglie­
                          4. März, 10. Juni, 23. September und 25. November.              der des Ständerats werden direkt vom Volk gewählt.
                                                                                          Die Wahlen erfolgen alle vier Jahre schriftlich. Einzig
                                                                                          in Appenzell Innerrhoden wählt die Landsgemeinde
                                                                                          ihre Vertretung im Ständerat per Handerheben.

                                                     Videos zu den Abstimmungsvorlagen:
                                                     www.admin.ch/videos

                                                                                          • Die Wahlbeteiligung bei den eidgenössischen
                                                                                            Wahlen 2015 betrug 48 Prozent.
                                                                                          • 2015 haben 1308 Frauen und 2480 Männer für den
                                                                                            Nationalrat kandidiert.
                                                                                          • Auf Bundesebene sind die Frauen seit 1971 stimm-
                                                                                            und wahlberechtigt.

                     18   Der Bund kurz erklärt 2018 | Direkte Demokratie
DIREKTDEMOKRATISCHE INSTRUMENTE

                VOLKSINITIATIVE                                FAKULTATIVES REFERENDUM

                                                 JA                                                        JA

                                                    NEIN                                                      NEIN

                                               NEIN                                                      NEIN

                                                    JA                                                        JA
                                          NE                                                        NE
                                            IN                                                        IN

                                               JA                                                        JA

                                                                                                                          D E M O K R AT I E
       Für eine           100 000          Volks-              Gegen eine          50 000            Volks-
 Verfassungsänderung   Unterschriften   abstimmung          Gesetzesänderung    Unterschriften    abstimmung

 Die Verfassung ändern                                     Ein neues Gesetz stoppen
 Bürgerinnen und Bürger können mit einer Volks­            Das Parlament verabschiedet neue oder geänderte
 initiative eine Änderung der Verfassung – nicht aber      Gesetze. Bürgerinnen und Bürger können dagegen
 eines Gesetzes – verlangen. Alle wahlberechtigten         und gegen gewisse Staatsverträge ein Referendum
 Schweizerinnen und Schweizer können eine Volks­           ergreifen. Auch das Referendumsrecht ist ein wichti­
 initiative unterzeichnen und in einer Gruppe von          ger Bestandteil der direkten Demokratie.
 mindestens sieben Personen (Initiativkomitee) auch
 selbst eine Volksinitiative lancieren.                    50 000 Unterschriften
                                                           Wahlberechtigte Schweizerinnen und Schweizer
 100 000 Unterschriften                                    können ein Referendum unterzeichnen. Für eine
 Damit eine Volksinitiative zustande kommt, sind           Volksabstimmung sind die gemeinsame Forderung
 100 000 gültige Unterschriften nötig. Diese müssen        von acht Kantonen (Kantonsreferendum) oder
 innerhalb von 18 Monaten gesammelt werden. Bun­           50 000 gültige Unterschriften nötig. Diese müssen
 desrat und Parlament empfehlen eine Annahme oder          innerhalb von 100 Tagen gesammelt werden. Die
 Ablehnung der Volksinitiative. Für eine Zustimmung        Vorlage tritt in Kraft, wenn die Mehrheit des Volks
 ist die Mehrheit von Volk und Kantonen notwendig          Ja sagt (einfaches Mehr). Sagt es Nein, gilt das bis­
 (doppeltes Mehr). Bei einer Annahme erfolgt die           herige Recht.
 konkrete Umsetzung, bei einer Ablehnung gilt das
 bisherige Recht.

 • Volksinitiativen gibt es auf Bundesebene seit 1891.     • 1874 wurde das Referendum eingeführt.
 • 209 Volksinitiativen kamen seither zur Abstim­          • 185 fakultative Referenden sind seither zustande
   mung. 22 wurden angenommen.                               gekommen, 80 davon wurden vom Volk abgelehnt.
 • Am 31.12.2017 waren 10 Initiativen im Sammel­           • Am 31.12.2017 lief für 14 Bundesgesetze und Bun­
   stadium, 14 beim Bundesrat oder Parlament hän­            desbeschlüsse die Referendumsfrist. Gegen eine
   gig und zwei waren abstimmungsreif.                       Vorlage wurden Unterschriften gesammelt.

                                                                                                                     19
Bindeglieder zwischen Volk und Staat

                          PARTEIEN VON LINKS BIS RECHTS

                          Parteien sind für das Funktionieren der Demokratie unent­                   Linke Parteien befürworten einen ausgebauten Sozial­
                          behrlich: Sie tragen zur politischen Meinungsbildung bei,                   staat, rechte Parteien setzen vor allem auf eine liberale
                          stellen Kandidierende für öffentliche Ämter und ergreifen                   Wirtschaftspolitik und auf die Verantwortung jedes Einzel­
                          Initiativen oder Referenden. Parteien unterscheiden sich                    nen. Neben der Links-rechts-Frage gibt es die Umweltfrage,
                          voneinander durch ihre Auffassungen von Staat, Gesell­                      die Frage der Öffnung der Schweiz gegenüber Europa und
                          schaft und Wirtschaft.                                                      internationalen Organisationen und die Frage der libera­
D E M O K R AT I E

                                                                                    Links                                                                          Mi

                                                                  Was heisst «links»?

                                                                  •   Ein starker Sozialstaat, der die sozialen Unterschiede ausgleicht
                                                                  •   Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Vordergrund
                                                                  •   Preiskontrollen, Service public
                                                                  •   Mehr Friedenspolitik, weniger Armee

                     20   Der Bund kurz erklärt 2018 | Direkte Demokratie
len Werte (z. B. gleichgeschlechtliche Partnerschaft).        von mehr als zehn Prozent: SVP: 29%, SP: 19%, FDP: 16%,
      Mitteparteien arbeiten je nach Thema mit linken oder mit      CVP: 12%. Diese Parteien sind im Bundesrat vertreten.
      rechten Parteien zusammen.
      Die Parteienlandschaft der Schweiz besteht aus vielen Par­    Die meisten Parteien gibt es in der ganzen Schweiz. Inner­
      teien, von denen auf Bundesebene keine die Mehrheit hat.      halb der gleichen Parteien bestehen aber je nach Sprach­
      Vier Parteien erreichen im Nationalrat eine Parteistärke      region und Kanton inhaltliche Unterschiede.

                                                                                                                                      D E M O K R AT I E
                                                                                       I
                                                                      LE

                                                                       G
                                                                                     ES

                                                                           A
                                                                               DEI TICIN

tte                                                                                        Rechts

                 Was heisst «rechts»?

                 •   Freiheit und Selbstverantwortung, Staat greift nur zur Not ein
                 •   Interessen der Arbeitgeber im Vordergrund
                 •   Freies Unternehmertum, ökonomische Anreize
                 •   Starke Landesverteidigung

                                                                                                                                 21
Die zwölf Parteien auf Bundesebene

                                                              PARTEIEN IN KÜRZE

                                                              In der Legislatur 2015 – 2019 setzt sich der Nationalrat
                                                              aus zwölf Parteien zusammen. Sechs davon sind auch
                                                              im Ständerat vertreten, vier im Bundesrat. Die Parteien
                                                              auf Bundesebene sind hier kurz vorgestellt. Die Reihen-
                                                              folge entspricht der Anzahl Sitze in der Bundesver-
                                                              sammlung.

                                                              SVP Schweizerische Volkspartei
                                                                               Parteipräsident                         Ständerat       Nationalrat     Bundesrat     Gründungsjahr
                     Parteipräsident
                     Albert Rösti

                     Sitzanteil gerundet in der Bundesver­
                     sammlung

                                                                               Albert Rösti                                                                          1971 (BGB 1917)
                                                                                                                             5            65              2
                     29%

                                                                                                                29%
                     Ständerat
                     5 Mitglieder: 5 Männer

                     Nationalrat
                     65 Mitglieder: 13 Frauen und 52 Männer

                     Bundesrat
                     2 Mitglieder: 2 Männer

                     Gründungsjahr
                     1971 (BGB 1917)
                                                                               www.svp.ch                                                13      52
D E M O K R AT I E

                     www.svp.ch

                                                              SP Sozialdemokratische Partei der Schweiz
                                                                               Parteipräsident                         Ständerat       Nationalrat     Bundesrat     Gründungsjahr
                     Parteipräsident
                     Christian Levrat

                     Sitzanteil gerundet in der Bundesver­

                                                                                                                                                                     1888
                                                                               Christian Levrat
                     sammlung

                                                                                                                         12               43              2
                     22%

                     Ständerat
                     12 Mitglieder: 4 Frauen und 8 Männer
                                                                                                                22%
                     Nationalrat
                     43 Mitglieder: 25 Frauen und 18 Männer

                     Bundesrat
                     2 Mitglieder: 1 Frau und 1 Mann

                     Gründungsjahr
                     1888
                                                                               www.sp-ps.ch                              4         8     25      18      1      1
                     www.sp-ps.ch

                                                              FDP FDP.Die Liberalen
                     Parteipräsidentin
                     Petra Gössi                                               Parteipräsidentin                       Ständerat       Nationalrat     Bundesrat     Gründungsjahr
                                                                                                                                                                     1894 (Fusion 2009)
                     Sitzanteil gerundet in der Bundesver­

                                                                               Petra Gössi
                     sammlung

                                                                                                                         13               33              2
                     19%

                     Ständerat
                     13 Mitglieder: 1 Frau und 12 Männer                                                        19%
                     Nationalrat
                     33 Mitglieder: 7 Frauen und 26 Männer

                     Bundesrat
                     2 Mitglieder: 2 Männer

                     Gründungsjahr
                     1894 (Fusion 2009)
                                                                               www.fdp.ch                                1       12      7      26
                     www.fdp.ch

                                                              CVP Christlichdemokratische Volkspartei
                                                                               Parteipräsident                         Ständerat       Nationalrat     Bundesrat     Gründungsjahr
                     Parteipräsident
                     Gerhard Pfister

                     Sitzanteil gerundet in der Bundesver­
                     sammlung

                                                                               Gerhard Pfister                                                                       1912
                                                                                                                         13               27              1
                     16%

                                                                                                                16%
                     Ständerat
                     13 Mitglieder: 2 Frauen und 11 Männer

                     Nationalrat
                     27 Mitglieder: 9 Frauen und 18 Männer

                     Bundesrat
                     1 Mitglied: 1 Frau

                     Gründungsjahr
                     1912                                                      www.cvp.ch                                2       11      9      18
                     www.cvp.ch

                                                              Grüne Grüne Partei der Schweiz
                     Parteipräsidentin
                     Regula Rytz
                                                                               Parteipräsidentin                       Ständerat       Nationalrat                   Gründungsjahr
                                                                                                                                                                     1983
                     Sitzanteil gerundet in der Bundesver­

                                                                               Regula Rytz
                     sammlung

                                                                                                                             1            11
                     4,8%

                     Ständerat
                     1 Mitglied: 1 Mann
                                                                                                                4,8%
                     Nationalrat
                     11 Mitglieder: 5 Frauen und 6 Männer

                     Bundesrat
                     kein Mitglied

                     Gründungsjahr
                     1983
                                                                               www.gruene.ch                                              5      6
                     www.gruene.ch

                                                                                                                                          Die Summe der Ständeratsmitglieder ergibt 45 statt 46,
                     22                                       Der Bund kurz erklärt 2018 | Direkte Demokratie                             weil ein Ständeratsmitglied parteilos ist.
BDP Bürgerlich-Demokratische Partei der Schweiz
                                                                                                                    Parteipräsident
                                                                                                                    Martin Landolt

         Parteipräsident                             Ständerat   Nationalrat   Gründungsjahr
                                                                                                                    Sitzanteil gerundet in der Bundesversammlung
                                                                                                                    3,3%

                                                                                                                    Ständerat

         Martin Landolt                                                        2008                                 1 Mitglied: 1 Mann

                                                        1            7
                                                                                                                    Nationalrat

                                              3,3%
                                                                                                                    7 Mitglieder: 1 Frau und 6 Männer

                                                                                                                    Bundesrat
                                                                                                                    kein Mitglied

                                                                                                                    Gründungsjahr
                                                                                                                    2008

         www.pbd.info                                               1      6
                                                                                                                    www.bdp.info

glp Grünliberale Partei Schweiz
                                                                                                                    Parteipräsident
                                                                                                                    Jürg Grossen

         Parteipräsident                                         Nationalrat   Gründungsjahr                        Sitzanteil gerundet in der Bundesversammlung
                                                                                                                    2,8%

                                                                               2007
                                                                                                                    Ständerat

         Jürg Grossen
                                                                                                                    kein Mitglied

                                                                     7
                                                                                                                    Nationalrat

                                              2,8%                                                                  7 Mitglieder: 3 Frauen und 4 Männer

                                                                                                                    Bundesrat
                                                                                                                    kein Mitglied

                                                                                                                    Gründungsjahr
                                                                                                                    2007

         www.grunliberale.ch                                        3      4                                        www.grunliberale.ch

EVP Evangelische Volkspartei der Schweiz
                                                                                                                    Parteipräsidentin
                                                                                                                    Marianne Streiff-Feller

         Parteipräsidentin                                       Nationalrat   Gründungsjahr
                                                                                                                    Sitzanteil gerundet in der Bundesversammlung
                                                                                                                    0,8%

                                                                                                                    Ständerat

         Marianne Streiff-Feller                                               1919                                 kein Mitglied

                                                                     2
                                                                                                                    Nationalrat

                                              0,8%
                                                                                                                    2 Mitglieder: 1 Frau und 1 Mann

                                                                                                                    Bundesrat
                                                                                                                    kein Mitglied

                                                                                                                    Gründungsjahr
                                                                                                                    1919

         www.evppev.ch                                              1      1
                                                                                                                    www.evppev.ch

                                                                                                                                                                   D E M O K R AT I E
LdT Lega dei Ticinesi

                                                                                                                I
                                                                                               LE
                                                                                                G

                                                                                                              ES
                                                                                                    A
                                                                                                        DEI TICIN

                                                                                                                    Koordinator
                                                                                                                    Attilio Bignasca

         Koordinator                                             Nationalrat   Gründungsjahr                        Sitzanteil gerundet in der Bundesversammlung
                                                                                                                    0,8%

                                                                               1991
                                                                                                                    Ständerat

         Attilio Bignasca
                                                                                                                    kein Mitglied

                                                                     2
                                                                                                                    Nationalrat

                                              0,8%                                                                  2 Mitglieder: 1 Frau und 1 Mann

                                                                                                                    Bundesrat
                                                                                                                    kein Mitglied

                                                                                                                    Gründungsjahr
                                                                                                                    1991

         www.lega-dei-ticinesi.ch                                   1      1                                        www.lega-dei-ticinesi.ch

CSP OW Christlichsoziale Partei Obwalden
                                                                                                                    Co-Präsidium
                                                                                                                    Sepp Stalder und Christian Schäli

         Co-Präsidium                                            Nationalrat   Gründungsjahr
                                                                                                                    Sitzanteil gerundet in der Bundesversammlung
                                                                                                                    0,4%

                                                                                                                    Ständerat

         Sepp Stalder                                                          1956                                 kein Mitglied

                                                                     1
                                                                                                                    Nationalrat

                                              0,4%
                                                                                                                    1 Mitglied: 1 Mann

         Christian Schäli
                                                                                                                    Bundesrat
                                                                                                                    kein Mitglied

                                                                                                                    Gründungsjahr
                                                                                                                    1956

         www.csp-ow.ch
                                                                                                                    www.csp-ow.ch

MCG Mouvement Citoyens Genevois
                                                                                                                    Parteipräsidentin
                                                                                                                    Ana Roch

         Parteipräsidentin                                       Nationalrat   Gründungsjahr
                                                                                                                    Sitzanteil gerundet in der Bundesversammlung
                                                                                                                    0,4%

                                                                                                                    Ständerat

         Ana Roch                                                              2005                                 kein Mitglied

                                                                     1
                                                                                                                    Nationalrat

                                              0,4%
                                                                                                                    1 Mitglied: 1 Mann

                                                                                                                    Bundesrat
                                                                                                                    kein Mitglied

                                                                                                                    Gründungsjahr
                                                                                                                    2005

         www.mcge.ch
                                                                                                                    www.mcge.ch

PdA Partei der Arbeit der Schweiz
                                                                                                                    Parteipräsident
                                                                                                                    Gavriel Pinson

         Parteipräsident                                         Nationalrat   Gründungsjahr
                                                                                                                    Sitzanteil gerundet in der Bundesversammlung
                                                                                                                    0,4%

                                                                                                                    Ständerat

         Gavriel Pinson                                                        1944                                 kein Mitglied

                                                                     1
                                                                                                                    Nationalrat

                                              0,4%
                                                                                                                    1 Mitglied: 1 Mann

                                                                                                                    Bundesrat
                                                                                                                    kein Mitglied

                                                                                                                    Gründungsjahr
                                                                                                                    1944

         www.pda.ch
                                                                                                                    www.pda.ch

      Prozentualer Sitzanteil gerundet in der
      Bundesversammlung (National- und Ständerat)                                                                                             23
PARLAMENT
                        Legislative

                        PARLAMENT
PA R L A M E N T

                   24   Der Bund kurz erklärt 2018 | Parlament
National- und Ständerat    26   Parlamentsdienste                                       34

Organisation der Räte      28   Mein Standpunkt                                         35

Grosse und Kleine Kammer   30   Weg zu einem neuen Gesetz                               36

Mechanik des Parlaments    32   Parlamentsgebäude                                       38

Milizparlament             33

                                                                                                  PA R L A M E N T

                                Das neu renovierte Bundesratszimmer ist jeweils Dreh-
                                und Angelpunkt von Bundesratswahlen. Hier wurden
                                auch die eingegangenen Wahlzettel für die Wahl von
                                Bundesrat Ignazio Cassis ausgezählt.

                                                                                             25
Zwei Räte – ein Parlament

                        NATIONAL- UND STÄNDERAT

                        Eine Vertretung von Volk und Kantonen                        Vereinigte Bundesversammlung

                        Das Schweizer Parlament, die Legislative, besteht aus zwei   Die Vereinigte Bundesversammlung tagt im Nationalrats­
                        Kammern, die einander gleichgestellt sind und sich doch      saal. Während die Mitglieder des Nationalrats an ihren an­
                        unterscheiden: Im Nationalrat, der Grossen Kammer, sit­      gestammten Plätzen sitzen, nehmen die Ständerätinnen
                        zen die Volksvertreterinnen und -vertreter, im Ständerat,    und Ständeräte an der Rückwand des Saals ihre nach Kan­
                        der Kleinen Kammer, die Kantonsvertreterinnen und -ver­      ton angeordneten Sitze ein. Die Leitung hat der oder die
                        treter. Zusammen bilden die beiden Kammern die Verei­        jeweilige Vorsitzende des Nationalrats inne. Er oder sie
                        nigte Bundesversammlung. Die 246 Parlamentsmitglieder        wird deshalb als höchster Schweizer oder höchste Schwei­
                        stehen für die unterschiedlichen Sprachgemeinschaften,       zerin bezeichnet.
                        Parteien, Interessen, Weltanschau­ungen und Regionen der
                        Schweiz.
                                                                                                      Interview mit Nationalratspräsident
                                                                                                      Dominique de Buman:
                        Die 200 Nationalrätinnen und Nationalräte repräsentie­
PA R L A M E N T

                                                                                                      www.parlament.ch > Zum Blog
                        ren die rund acht Millionen Einwohnerinnen und Einwoh­
                        ner der Schweiz – jedes Nationalratsmitglied vertritt also
                        rund 40 000 Personen. Am grössten ist die Zürcher Dele­
                                                                                                Interview mit Ständeratspräsidentin
                        gation mit 35 Mitgliedern. Da gemäss Bundesverfassung                                    Karin Keller-Sutter:
                        jeder Kanton Anspruch auf mindestens einen Nationalrats­                       www.parlament.ch > Zum Blog
                        sitz hat, entsendet auch Appenzell Innerrhoden mit seinen
                        16 117 Einwohnerinnen und Einwohnern einen Volksver­
                        treter nach Bern.
                                                                                                                                        Nationalratssaal
                        Die 46 Mitglieder des Ständerats repräsentieren ihren
                        Kanton bzw. Stand. Es sind je zwei pro Kanton, wobei es
                        auch hier eine Ausnahme gibt: Die Kantone Obwalden,
                        Nidwalden, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell
                        Ausser­rhoden und Appenzell Innerrhoden entsenden als
                        ehemalige Halbkantone nur je einen Vertreter. Die Mitglie­
                        der des Ständerats werden in direkter Wahl bestimmt.

                        National- und Ständerat tagen in der Regel getrennt,
                        gewisse Geschäfte behandeln sie als Vereinigte Bundes­
                        versammlung jedoch gemeinsam. Dazu gehören unter
                        anderem die Wahl der Mitglieder des Bundesrats und
                        der Bundesgerichte. Die Bundesversammlung übt damit –
                        unter Vorbehalt der Rechte von Volk und Ständen – die
                        oberste Gewalt im Bund aus. Das ist eine Schweizer Beson­
                        derheit: Im Unterschied zu anderen Ländern wählt in der
                        Schweiz das Parlament die Regierung und das oberste
                        Gericht. Die Entscheide des Parlaments kann kein Gericht
                        überprüfen. Ausserdem kann das Parlament nicht vor
                        Ablauf einer Legislatur aufgelöst werden.

                   26   Der Bund kurz erklärt 2018 | Parlament
Die zwei Wege ins Parlament                                 Alle vier Jahre Neuwahlen

Alle vier Jahre im Herbst finden für den Nationalrat Ge­    Bei den Gesamterneuerungswahlen am Ende der Legis­
samterneuerungswahlen statt, die nach schweizweit ein­      latur werden in der Regel etwa 30 Prozent der Sitze neu
heitlichen Regeln und in den meisten Kantonen nach dem      besetzt. Während einer laufenden Legis­latur treten rund
Proporzsystem ablaufen. Jeder Kanton bildet einen Wahl­     zehn Prozent der Ratsmitglieder zurück und werden
kreis und erhält mindestens einen Sitz.                     ersetzt. Die nächsten Gesamterneuerungswahlen finden
Die Wahl der Ständeratsmitglieder richtet sich hingegen     2019 statt.
nach kantonalem Recht. Ausser in den Kantonen Jura und
Neuenburg wird der Ständerat nach dem Majorzsystem ge­
wählt. Die Wahl findet in allen Kantonen gleichzeitig mit
den Nationalratswahlen statt; einzig in Appenzell Inner­
rhoden wird der Standesvertreter zu einem anderen Zeit­
                                                                           Film «Erklär mir das Parlament»:
punkt bestimmt. Es gibt im Ständerat also keine Gesamt­

                                                                                                                                PA R L A M E N T
                                                                           www.parlament.ch > Über das Parlament >
erneuerung und folglich auch keine Legislaturperiode.                      Wie funktioniert das Parlament? > Film
In der parteipolitischen Zusammensetzung von National-
und Ständerat gibt es beträchtliche Unterschiede, was
unter anderem mit dem Wahlsystem zusammenhängt. Im
Nationalrat ist die SVP mit 65 Mitgliedern derzeit mit
Abstand am stärksten, gefolgt von der SP mit 43, den
FDP-Liberalen mit 33 und der CVP mit 27 Vertreterinnen
und Vertretern. Im Ständerat haben die CVP und die FDP
je 13 Sitze, die SP 12 und die SVP 5 Sitze.                                                               Ständeratssaal

Proporz und Majorz

Beim Proporzsystem (Verhältniswahl) werden die Sitze
gemäss der Anzahl Stimmen den Parteien zugeteilt und da­
nach die Sitze an die bestplatzierten Kandidierenden der
Parteien vergeben. Dieses System ermöglicht auch kleine­
ren Parteien den Einzug ins Parlament.
Beim Majorzsystem (Mehrheitswahl) ist gewählt, wer in
seinem Kanton am meisten Stimmen erhalten hat. Dieses
Verfahren begünstigt grosse Parteien und bekannte Per­
sönlichkeiten.
Dass im Ständerat jeder Kanton unabhängig von seiner
Grösse und Bevölkerungsstärke gleich viel Gewicht hat,
schafft im Parlament einen Ausgleich zwischen grossen
und kleinen Kantonen.

Weitere Informationen zum Parlament: www.parlament.ch

                                                                                                                           27
Gewählt – was nun?

                        ORGANISATION DER RÄTE

                        Organe des Parlaments

                        In jeder grösseren Gruppe bedarf es Regeln, so auch im                                           Für die Ratsmitglieder ist es eine schwierige Aufgabe, sich
                        National- und Ständerat: Jedem Ratsmitglied wird ein Sitz­                                       in der Überfülle der Geschäfte, die oft auch eher technische
                        platz zugeteilt, wobei Mitglieder der gleichen Partei in der                                     Fragen behandeln, eine fundierte Meinung zu bilden. Be­
                        Regel beieinander sitzen. An der ersten Sitzung der neuen                                        vor die Geschäfte in den Rat kommen, werden sie deshalb
                        Legislatur wählt jeder Rat seinen Vorsitz und die Mitglie­                                       in den Fraktionen diskutiert: Man versucht, sich auf ein­
                        der des Ratsbüros. Der Ratspräsident oder die Ratspräsi­                                         heitliche Positionen festzulegen, die von den Fraktions­
                        dentin leitet die Ratssitzungen. Er oder sie wird dabei vom                                      mitgliedern dann im Rat sowie gegenüber den Medien und
                        Ratssekretariat unterstützt.                                                                     der Öffentlichkeit vertreten werden. Die Rats­mitglieder
                                                                                                                         stimmen jedoch ohne Weisungen: Es ist jedem Ratsmit­
                        Die Mitglieder einer Partei oder gleichgesinnter Parteien                                        glied freigestellt, bei den Abstimmungen im Rat von der
                        formieren sich zu Fraktionen. Zur Bildung einer Fraktion                                         Fraktionsmeinung oder der Position eines Kantons oder
                        sind mindestens fünf Mitglieder aus einem Rat erforder­                                          eines Verbands abzuweichen.
PA R L A M E N T

                        lich. Im Nationalrat haben bei den allermeisten Geschäften
                        nur Mitglieder einer Fraktion das Recht zu sprechen. Zu­                                         Die Kommissionen bieten Raum, um ausführliche und
                        dem ist dort die Fraktionszugehörigkeit Voraussetzung,                                           vertiefte Diskussionen zu führen, Sachfragen zu klären,
                        um in einer Kommission Einsitz nehmen zu können. Nur                                             Fachleute der Verwaltung, Expertinnen und Experten und
                        wer einer Fraktion angehört, kann also wirksam Politik be­                                       die betroffenen Kreise anzuhören und sich mit den Bun­
                        treiben. Parteien mit weniger als fünf Parlamentsmitglie­                                        desrätinnen und Bundesräten auszutauschen. Sie sind
                        dern bemühen sich deshalb um Anschluss an eine Fraktion.                                         aber auch der Ort, wo ausprobiert werden kann, ob be­
                        Sie werden umgekehrt aber auch umworben. Je grösser                                              stimmte Ideen über Parteigrenzen hinweg mehrheitsfähig
                        nämlich eine Fraktion ist, desto mehr Kommissionssitze                                           sind.
                        stehen ihr zu und desto grösser ist ihr Einfluss im Rat.

                             Sessionsdaten 2018
                                                                                                                                                                                                 26.11. – 14.12.
                                                                  26.2 .– 16.3.

                                                                                                         28.5. – 15.6.

                                                                                                                                                          10.9. – 28.9.
                                                                                                Sommer
                                                       Frühling

                                                                                                                                                 Herbst

                                                                                                                                                                                        Winter

                             Jan.            Feb.                     März        April   Mai                  Juni        Juli      Aug.       Sept.                     Okt.   Nov.                     Dez.

                                                                                                                           Wahl Präsident/-in­­Nationalrat und Ständerat 2019
                                                                                                                                                                   28.11.2018
                                                                                                                Wahl Bundespräsident/-in und Vizepräsident/-in des Bundesrats 2019
                                                                                                                                                                        13.12.2018

                   28   Der Bund kurz erklärt 2018 | Parlament
Zuständigkeiten

Die Hauptaufgabe des Parlaments ist es, Gesetze zu be­
schliessen. Das Spektrum erstreckt sich vom Ausland­
schweizergesetz bis zum Zivildienstgesetz, von Fragen des    Lehrjahre
Naturschutzes bis zum Autobahnbau, vom Kriegsmaterial­
gesetz bis zur Friedensförderung.                            Der Ratsvorsitz ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die
                                                             Amtszeit ist zudem auf ein Jahr beschränkt. Da aber
Das Parlament ist aber auch zuständig für:                   jeweils eine erste und zweite Vizepräsidentin bzw.
• die Freigabe von finanziellen Mitteln (Budget) und die     ein erster und zweiter Vizepräsident gewählt wer­
  Genehmigung der Staatsrechnung des Bundes;                 den, ergibt sich quasi eine zweijährige «Lehrzeit»,
• die Aufsicht über Bundesrat, Verwaltung und Bundes­        während der ein künftiger Amtsinhaber in die Arbei­
  gerichte;                                                  ten des Präsidiums eingeführt wird. Bei allem Wan­
• die Wahl der Mitglieder des Bundesrats und der Bundes­     del ist somit dennoch eine grosse Kontinuität ge­

                                                                                                                          PA R L A M E N T
  gerichte sowie des Bundeskanzlers;                         währleistet.
• völkerrechtliche Verträge, für deren Abschluss nicht der
  Bundesrat zuständig ist, und
• für die Beziehungspflege zu ausländischen Parlamenten.     Frauen im Parlament

                                                             Die Frauen haben das Stimm- und Wahlrecht in der
                                                             Schweiz erst seit 1971. Ihr Anteil im Parlament stieg
                                                             von 5 Prozent im Jahr 1971 auf aktuell 30 Prozent.
                         Diskussion am Rande der Debatte     Zum Vergleich: Im weltweiten Durchschnitt sind 23
                                                             Prozent der Parlamentssitze von Frauen besetzt, in
                                                             den skandinavischen Ländern sind es ca. 40 Prozent.
                                                             Den relativ höchsten Anteil an Frauen im Parlament
                                                             hat das ostafrikanische Ruanda mit 56 Prozent.

                                                             Wird das Parlament immer jünger?

                                                             Vor rund 20 Jahren bildeten die 40- bis 60-Jährigen
                                                             die Mehrheit im Parlament, in den 1920er-Jahren
                                                             war sogar rund ein Fünftel der Parlamentarier jünger
                                                             als 40. Heute ist die Verteilung nach Alterskatego­
                                                             rien ziemlich ausgeglichen. Die jüngste Abgeordnete
                                                             ist 29, der älteste 75 Jahre alt.

                                                                                                                     29
Zwei Gleichberechtigte

                        GROSSE UND KLEINE KAMMER

                         Das Zweikammersystem schafft einen Ausgleich zwischen         des Ständerats können sich zu jedem Geschäft spontan
                         den grossen und den kleinen Kantonen und gibt den ver­        äussern, während für die 200 Mitglieder des Nationalrats
                         schiedenen Sprachregionen mehr Gewicht. Ein Zweikam­          eine komplexe Rede­ordnung gilt, die spontane Voten kaum
                         mersystem ist keine Selbstverständlichkeit – in vielen Län­   zulässt. Deshalb ist es im Ständerat einfacher als im Natio­
                         dern gibt es nur eine Parlamentskammer. Wo es zwei            nalrat, mit guten Argumenten eine Abstimmung zu beein­
                         Kammern gibt, hat in der Regel die «grosse» Kammer, die       flussen.
                         meist eine Volksvertretung ist, mehr zu sagen als die         Bis ein Gesetz in beiden Kammern völlig gleichlautend
                         «kleine», die oft die Regionen vertritt. In der Schweiz ist   beschlossen ist, vergeht oft einige Zeit. Wenn es aber ein­
                         das anders: Beide Räte haben dieselben Kompetenzen,           mal beschlossen ist und die Hürde eines eventuellen Refe­
                         sie behandeln dieselben Geschäfte auf dieselbe Art. Das       rendums genommen hat, hat es auch Bestand. Diese Vor­
                         gilt auch für Budgetfragen. Abwechslungsweise berät der       hersehbarkeit und Stabilität der politischen Entscheide
                         eine oder der andere Rat ein Geschäft zuerst. Beide Räte      tragen viel zum Erfolg und Wohlstand der Schweiz bei.
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                         müssen übereinstimmende Beschlüsse fassen, damit diese
                         gültig sind. Auch die einzelnen Mitglieder des Ständerats
                         und des Nationalrats haben dieselben Rechte: Jeder und
                         jede kann Gesetzesentwürfe oder Aufträge an den Bundes­
                         rat einreichen. Diese vollständige Gleichberechtigung            Allianzen
                         der beiden Kammern gibt es auch im amerikanischen
                         Kongress, wo Senat und Repräsentantenhaus identische             Allein bringt keine Fraktion ein Geschäft durch; um
                         Kompetenzen haben. In Europa jedoch ist die Schweiz das          zu gewinnen, braucht es Allianzen. Meist teilt sich
                         einzige Land, bei dem das so funktioniert. Auch die              das Parlament bei strittigen Vorlagen in ein eher bür­
                         Kantone haben nur eine Parlamentskammer.                         gerliches und ein eher linkes Lager. Damit entschei­
                         Gesetzesentwürfe werden von jedem Rat bis zu dreimal             det letztlich die politische Mitte über Ja oder Nein,
                         beraten, damit man am Schluss zu gleichlautenden                 je nachdem, auf welche Seite sie sich schlägt. Ab und
                         Beschlüssen kommt. Das kann manchmal schwierig sein –            zu kommt es allerdings auch zu einer sogenannt
                         meistens gelingt es, weil jeder Rat Hand bietet für Kompro­      unheiligen Allianz: Die linke – SP und Grüne – und
                         misse und Annäherungen. Dies obwohl die beiden                   die rechte Ratsseite – SVP – spannen zusammen, um
                        ­K ammern nicht gleich funktionieren: Wegen der unter-            eine Vorlage mit vereinten Kräften, aber aus teils völ­
                         schiedlichen politischen Zusammensetzung kommen                  lig entgegengesetzten Motiven, grundlegend zu ver­
                         sie oft nicht zu denselben Abstimmungsergebnissen. Der           ändern oder gar abzulehnen.
                         Ständerat ist zudem den Kantonen näher als der National­
                         rat. Auch die Grösse hat einen Einfluss: Die 46 Mitglieder

                                                                                       Die Parlamentsmitglieder von A – Z und nach Kantonen:
                                                                                       www.parlament.ch > Organe

                   30   Der Bund kurz erklärt 2018 | Parlament
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