Medikamentöse Therapie des fortgeschrittenen M. Parkinson - www.kup.at

 
WEITER LESEN
Medikamentöse Therapie des fortgeschrittenen M. Parkinson - www.kup.at
Journal für

 Neurologie, Neurochirurgie
 und Psychiatrie
             www.kup.at/
 JNeurolNeurochirPsychiatr   Zeitschrift für Erkrankungen des Nervensystems

Medikamentöse Therapie des
                                                                               Homepage:
fortgeschrittenen M. Parkinson
                                                                       www.kup.at/
Katzenschlager R                                                 JNeurolNeurochirPsychiatr

Journal für Neurologie                                                 Online-Datenbank
                                                                         mit Autoren-
Neurochirurgie und Psychiatrie
                                                                      und Stichwortsuche
2004; 5 (2), 25-33

                                                                                            Indexed in
                                                               EMBASE/Excerpta Medica/BIOBASE/SCOPUS

 Krause & Pachernegg GmbH • Verlag für Medizin und Wirtschaft • A-3003 Gablitz
 P.b.b. 02Z031117M,            Verlagsor t : 3003 Gablitz, Linzerstraße 177A /21           Preis : EUR 10,–
Change.Pain:
 PAIN
     compact
        FOR   EXPERTS

Virtuelle Fortbildung
Themenschwerpunkte:
Schmerzmedizin | Palliativtherapie
Migräne | Neuropathische Schmerzen
                                                      Fr.,
Wissenschaftliche Leitung:
                                                     29. 10.
Prim. Univ.-Prof.
Dr. Rudolf Likar, MSc                 Do.,           17:00 – 19:15

                                     28. 10.
                                                         Uhr

                                                                     M-N/A-AT-08-21-0006
Jetzt anmelden!                      17:00 – 20:00
                                          Uhr
Medikamentöse Therapie des
                              fortgeschrittenen M. Parkinson
                                                               R. Katzenschlager
Bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten mit M. Parkinson treten nach längerer Krankheitsdauer Komplikationen auf, die sowohl motorisch
sein können, wie Fluktuationen und Dyskinesien, als auch oft nichtmotorische Systeme betreffen, wie autonome Störungen, neuropsychiatrische
Probleme, Schlafstörungen, Dysarthrie und Schmerzsyndrome. In späten Stadien führen diese oft zu stärkerer Behinderung als die motorischen
Probleme. Obwohl derzeit noch keine therapeutischen Interventionen zur Verfügung stehen, die den Krankheitsverlauf selbst nachweisbar beeinflus-
sen, kann eine Reihe von Medikamenten zu einer wesentlichen symptomatischen Besserung führen. L-Dopa behält seinen Platz als Goldstandard der
dopaminergen Ersatztherapie, auch aufgrund seiner relativ günstigen Verträglichkeit beim fortgeschrittenen M. Parkinson. Individuell abgestimmt
können Dopaminagonisten, COMT-Hemmer, MAO-Hemmer und Glutamatantagonisten zum Einsatz kommen, während der Anwendungsbereich
von Anticholinergika aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils zunehmend als eingeschränkt betrachtet werden muß. Bei ansonsten therapierefraktären
motorischen Komplikationen bestehen mit der kontinuierlichen subkutanen Apomorphintherapie sowie den stereotaktischen Eingriffen weitere Optionen.
                                       Schlüsselwörter: Morbus Parkinson, Therapie, motorische Komplikationen

Drug Treatment of Advanced Parkinson’s Disease. In the majority of patients with Parkinson’s disease (PD), complications occur after a disease
duration of several years. Motor complications include fluctuations and dyskinesias. Non-motor complications such as autonomic dysfunction,
neuropsychiatric problems, sleep disturbance, dysarthria and pain syndromes can cause more disability in later stages than the primary motor
symptoms. Although therapeutic interventions with proven disease-modifying properties are not yet available, a number of drug treatments can be
used to achieve symptomatic improvement. L-dopa remains the gold standard in dopaminergic treatment, partly due to its relatively good tolerability
in advanced PD. Other drugs such as dopamine agonists, COMT inhibitors, MAO inhibitors and antiglutamatergic substances must be tailored
individually to each patient’s needs, while the role of anticholinergics is increasingly diminishing due to a number of undesirable adverse effects. For
refractory motor complications, continuous subcutaneous apomorphine therapy as well as stereotactic surgery are further treatment options. J Neurol
Neurochir Psychiatr 2004; 5 (2): 25–33.
                                             Key words: Parkinson’s disease, treatment, motor complications

I n den ersten Jahren nach Symptombeginn ist der M. Par-
  kinson in nahezu allen Fällen durch gutes bis ausge-
zeichnetes Ansprechen auf dopaminerge Ersatztherapie
                                                                              lang (wahrscheinlich etwa 3 Wochen) andauernden Wir-
                                                                              kung einer Einzelgabe von L-Dopa während der ersten
                                                                              Behandlungsjahre, deren zugrundeliegender Mechanis-
gekennzeichnet, die motorischen Symptome bleiben zu-                          mus noch nicht zur Gänze geklärt werden konnte.
nächst stabil auf dem durch die medikamentöse Behand-                             Im weiteren Verlauf treten bei manchen Patienten die
lung erzielten Niveau („Honeymoon-Periode“). Dies ent-                        subjektiv oft wesentlich belastenderen „nicht vorherseh-
spricht der weitgehenden Beschränkung des Neuronen-                           baren OFFs“ auf (der Begriff ON-OFF-Fluktuationen um-
verlustes und der Ablagerung von Lewy-Körperchen auf                          faßt sowohl diese als auch die vorhersehbaren OFFs am
die Substantia nigra in dieser Phase.                                         Dosisende). Ein Teil (ca. 30–80 %) der Parkinson-Patienten
    Mit zunehmender Erkrankungsdauer schreitet der neu-                       entwickelt unfreiwillige Bewegungen (Dyskinesien) [1–3].
rodegenerative Prozeß fort und dehnt sich vom dopamin-                        Vereinzelt wurden bei Patienten mit frühem Krankheitsbe-
ergen Transmittersystem auf andere Systeme aus. Klinisch                      ginn auch höhere Dyskinesieraten (bis zu 100 %) berichtet
kann dies zur Entstehung von Problemen führen, die auf                        [4]. Diese treten während der Zeiten guter dopaminerger
dopaminerge Therapie nicht oder nur gering ansprechen:                        Wirksamkeit einer Einzeldosis am weitaus häufigsten auf
Dies sind vor allem neuropsychiatrische Probleme (De-                         (Peak dose-Dyskinesien), sie können seltener auch (über-
menz, Depression, psychotische Symptome), Gleichge-                           wiegend) zu Wirkungseintritt und/oder bei abklingender
wichtsstörungen, Dysarthrie, Dysphagie und autonome                           Wirkung vorhanden sein (biphasische Dyskinesien). Phä-
Störungen.                                                                    nomenologisch stehen meist choreatische Bewegungen
    Daneben wird das Management des M. Parkinson im                           (üblicherweise auf der vom Parkinson stärker betroffenen
fortgeschrittenen Stadium in vielen Fällen auch durch das                     Seite) im Vordergrund; Dystonien können im OFF, aber
Auftreten von motorischen Komplikationen erschwert. Die                       auch im ON auftreten und sind dann im Vergleich zu den
früheste Manifestation ist in den meisten Fällen ein vom                      viel häufigeren OFF-Dystonien weniger fixiert und selte-
Patienten erkennbares Nachlassen der Wirkung einer ein-                       ner schmerzhaft.
zelnen Dosis der Parkinsonmedikation am Ende des                                  Nach heutigem Kenntnisstand hängt das Auftreten aller
Dosierungsintervalls (Wearing-off). Damit hat der Patient                     motorischen Komplikationen von mehreren Faktoren ab:
das Stadium der ON-OFF-Fluktuationen erreicht. Dies                           Das Alter des Patienten zu Krankheitsbeginn sowie Aus-
wird nicht immer spontan berichtet und muß manchmal                           maß und Geschwindigkeit des Verlustes dopaminerger
gezielt erfragt werden. Um auch nichtmotorische OFF-                          Neuronen spielen eine entscheidende Rolle. Es scheint
Symptome zu erfassen, muß unter Umständen auch die                            aber heute gesichert, daß auch Art, Dauer und Dosierung
Formulierung verwendet werden, ob es Symptome gibt,                           der oralen Antiparkinson-Medikation zur Wahrscheinlich-
die regelmäßig durch die Einnahme von Parkinson-Medi-                         keit von motorischen Komplikationen beitragen [5]. Zahl-
kamenten verbessert werden.                                                   reiche Hinweise aus Tierversuch und Klinik deuten auf
    Diese verkürzte Wirkdauer einer Einzeldosis entspricht                    eine wesentliche Bedeutung einer unphysiologischen,
dem Verschwinden der „long duration response“ auf                             pulsatilen Stimulation der Dopaminrezeptoren als einen
L-Dopa. Darunter versteht man die Nachweisbarkeit einer                       der auslösenden Faktoren [6, 7].

Aus der Neurologischen Abteilung, Donauspital/SMZ-Ost, Wien
Korrespondenzadresse: Dr. med. Regina Katzenschlager, Neurologische Abteilung, Donauspital/SMZ-Ost, 1220 Wien, Langobardenstraße 122;
E-Mail: regina.katzenschlager@wienkav.at

                                                                                                   J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 2/2004                 25
                  For personal use only. Not to be reproduced without permission of Krause & Pachernegg GmbH.
Das Auftreten motorischer Komplikationen bedeutet in                     Medikamentöse Therapieoptionen beim
     den meisten Fällen den Beginn einer Phase, in welcher die                       fortgeschrittenen M. Parkinson
     medikamentöse Einstellung des M. Parkinson zunehmend
     schwieriger wird und ganz auf die Bedürfnisse des einzel-               L-Dopa/Decarboxylasehemmer
     nen Patienten abgestimmt werden muß.                                    L-Dopa ist (in Kombination mit einem Decarboxylase-
         Neben den Schwankungen im motorischen Zustand                       hemmer) auch über 40 Jahre nach seiner Einführung die
     treten bei vielen Patienten auch andere, nichtmotorische                wirksamste Substanz unter den Parkinsonmedikamenten.
     Symptome auf, welche häufig mit OFF-Phasen assoziiert                   In fortgeschrittenen Stadien des M. Parkinson behält L-Dopa
     sind und oft verkannt werden (Tab. 1 und 2). In manchen                 seinen Stellenwert im Management, vor allem aufgrund
     Fällen (gastrointestinale Symptome, Sensibilitätsstörun-                seines relativ günstigen Verträglichkeitsprofils bei Vorlie-
     gen, Schmerzsyndrome) kann die Diagnose erst nach Aus-                  gen von neuropsychiatrischen Komplikationen oder ortho-
     schluß anderer organischer Ursachen mit Sicherheit ge-                  statischer Hypotonie. Seine Wirksamkeit auf die motori-
     stellt werden. Diese Probleme können für die Patienten                  schen Kardinalsymptome des M. Parkinson bleibt auch
     genauso belastend sein, wie die meist offensichtlicheren                nach mindestens 10jähriger Krankheitsdauer in vollem
     motorischen Schwankungen. Eine rezente Studie zeigt,                    Umfang erhalten [9]. Die Schwierigkeiten der L-Dopa-
     daß nach 15jähriger Krankheitsdauer nichtmotorische                     Langzeittherapie ergeben sich einerseits aus motorischen
     Symptome ein weitaus größeres Managementproblem dar-                    Komplikationen und andererseits aus Problemen, die schon
     stellen als motorische Fluktuationen und Dyskinesien [8].               primär nicht auf L-Dopa ansprechen.
                                                                                 Slow-release- (CR-) Präparate können bei Wearing-off
                                                                             manchmal mit Erfolg eingesetzt werden und zu einer län-
                                                                             geren Wirkdauer der Einzeldosen führen. Allerdings ist die
                                                                             gastrointestinale Resorption dieser Präparate (um ca. 30 %)
     Tabelle 1: Das Spektrum klinischer Probleme beim fortgeschrittenen M.
     Parkinson                                                               geringer als bei Standard-L-Dopa und weniger zuverlässig,
                                                                             was zu weniger gut kalkulierbarem klinischem Effekt füh-
     1. Motorische Spätkomplikationen                                        ren kann.
     • Fluktuationen                                                             Lösliche L-Dopa-Präparate haben den Vorteil eines
        – Wearing-Off = vorhersehbare Fluktuationen                          raschen und meist sehr zuverlässigen Wirkungseintritts,
        – Unvorhersehbare Fluktuationen                                      was bei plötzlich oder überraschend eintretenden OFF-
          • Nicht in erkennbarem zeitlichem Zusammenhang mit Medika-
                                                                             Phasen, unangenehmen OFF-Symptomen und vor allem bei
            menteneinnahme
          • OFF-Symptomatik, während noch volle Medikamentenwirkung          schmerzhaften OFF-Dystonien, welche überwiegend früh-
            zu erwarten ist                                                  morgens auftreten, von Vorteil sein kann. Lösliches L-Dopa
          • „Failure to switch on“ = völliges Ausbleiben der Wirkung einer   kann auch als erste Dosis nach dem Aufwachen hilfreich
            einzelnen Dosis                                                  sein, um schneller das morgendliche OFF zu beenden.
     • Dyskinesien
        – Peak-dose-Dyskinesien                                              Dopaminagonisten
          • Am häufigsten, während der gesamten oder eines Teiles der

            ON-Phase
                                                                             Die in Österreich zur Verfügung stehenden oral einzuneh-
          • Meist choreatisch, aber dystone Komponente möglich               menden Substanzen sind Bromocriptin (Umprel), Lisurid
        – Biphasische Dyskinesien                                            (Dopergin), Pergolid (Permax), Ropinirol (Requip),
          • Während Anflutungs- und Abklingphase nach einer einzelnen        Cabergolin (Cabaseril) und Pramipexol (Sifrol). Für alle
            Medikamenteneinnahme                                             stehen ausreichend Daten hinsichtlich Wirksamkeit und
          • Oft verbunden mit Peak-dose-Dyskinesien, diese aber weniger
                                                                             Sicherheit in der Indikation M. Parkinson mit motorischen
            stark ausgeprägt
        – Dyskinesien während der OFF-Phase
                                                                             Fluktuationen zur Verfügung [10–14]. Alle oralen Dop-
          • Fast immer dyston, häufig schmerzhaft, meist auf der stärker     aminagonisten sind schwächer wirksam als L-Dopa. Sie
            betroffenen Körperseite                                          führen aber in der Additivtherapie zusammen mit L-Dopa
          • Typisches Beispiel: Morgen-Dystonie (schmerzhaftes Ver-
                                                                             zu einer signifikanten Verbesserung des motorischen
            krampfen von Zehen oder Fuß)                                     Zustandes mit Verlängerung der täglichen ON- und Ver-
     • Freezing                                                              kürzung der OFF-Zeit [10–14] (wenn auch bei den älteren
        – Im OFF: oft auch in frühen Stadien vorhanden                       dieser Substanzen, zum Beispiel Bromocriptin, der Nach-
        – Im ON: Spätkomplikation                                            weis dieser Wirksamkeit nicht auf Studien beruht, die den
     2. Nichtmotorische Spätkomplikationen                                   heutigen methodologischen Standards entsprechen) [15].
     • Neuropsychiatrische Probleme                                          Die Wahl eines bestimmten Agonisten richtet sich nach in-
        – Depression                                                         dividueller Verträglichkeit und Wirksamkeit.
        – Psychose, Demenz                                                      An klinisch relevanten Nebenwirkungen ist aufgrund
        – Dysregulationssyndrom („Hedonistisch-homöostatische Dysregula-     des erhöhten dopaminergen Angebots eine Zunahme be-
          tion“: L-Dopa-Selbstmedikation mit psychischer Abhängigkeit und
          manieartigen Symptomen)
        – Apathie, Abulie                                                    Tabelle 2: Nichtmotorische OFF-Symptome
     • Schlafstörungen, exzessive Tagesmüdigkeit                             Reversibel auf dopaminerge Medikamentendosis
     • Autonome Störungen                                                    • Dysautonom
        – Blasen-, Sexualfunktion                                            • Mental/psychisch
        – Obstipation                                                        • Sensorisch/Schmerz
        – Orthostatische Dysregulation
                                                                             Am häufigten [Witjas et al., Neurology 2002]
        – Dysphagie
                                                                             • Angst
        – Temperaturregulation, Schwitzen
                                                                             • Schweißausbrüche
        – Seborrhoe
                                                                             • Verlangsamtes Denken
     • Gleichgewichtsprobleme, Stürze                                        • Erschöpfungsgefühl
     • Dysarthrie                                                            • Innere Unruhe
     • Schmerzen, sensorische Störungen                                      • Reizbarkeit

26   J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 2/2004
reits bestehender Dyskinesien oder das Neuauftreten von          abreichten Injektionen finden sich in der Literatur Reduk-
Dyskinesien möglich. In beiden Fällen kann versucht wer-         tionen der täglichen OFF-Zeit von rund 50 % [21–23].
den, durch Reduktion der L-Dopa-Dosis oder durch Um-
verteilung der Zeitintervalle zwischen den Einnahmen ei-         Kontinuierliche subkutane Infusionstherapie – antidys-
nen Kompromiß zu finden zwischen ON-Zeit-Verlänge-               kinetische Therapie
rung und eventuellen Dyskinesien.                                Patienten, die sehr viele tägliche Injektionen benötigen
    Weitere mögliche Nebenwirkungen sind allen dop-              oder bei denen Schwierigkeiten mit der Spritzenhand-
aminerg wirksamen Substanzen eigen: Neuropsychiatri-             habung bestehen, profitieren häufig von einer kontinuierli-
sche Symptome können neu auftreten oder zunehmen;                chen subkutanen Verabreichung mittels eines Pumpen-
Halluzinationen fanden sich in den meisten Studien signi-        systems. Die Applikation erfolgt meist während des gan-
fikant häufiger als mit L-Dopa. Übelkeit, orthostatische         zen Wachtages; in manchen Fällen kommen auch nächtli-
Kreislaufdysregulation sowie Knöchel- und Beinödeme              che oder 24-Stunden-Verabreichungen in Frage.
sind möglich. Bei den Substanzen mit ergoliner Struktur              Die wesentliche Sonderstellung dieser Verabreichungs-
(Bromocriptin, Pergolid, Cabergolin) besteht darüber hin-        form liegt jedoch darin, daß damit – im Gegensatz zu allen
aus ein kleines Risiko von Lungen- und Pleurafibrosen.           anderen nichtchirurgischen Behandlungsmöglichkeiten –
Wie kürzlich berichtet [16], scheinen Herzklappenverän-          das Prinzip der intermittierenden Rezeptorstimulation ver-
derungen unter Pergolid häufiger aufzutreten als ursprüng-       lassen wird und nahezu kontinuierliche Spiegel einer dop-
lich vermutet. Die unter der Therapie mit Dopaminagoni-          aminergen Substanz am Wirkort erreicht werden können.
sten erstmals berichteten Episoden ungeplanten Einschla-         Daß sich dies – wie vom theoretischen Hintergrund her zu
fens tagsüber [17] sind bei fast allen Dopaminagonisten,         erwarten – auch in der praktischen Anwendung in einer
aber auch unter L-Dopa-Monotherapie beobachtet wor-              wesentlichen Reduktion von Dyskinesien ausdrückt, wurde
den. In bisherigen Untersuchungen fanden sich diesbe-            erst vor kurzem bestätigt [24]. Voraussetzung dafür ist es,
züglich keine konsistenten Unterschiede zwischen den             konsequent und über Monate die orale Medikation so weit
einzelnen Agonisten [18, 19].                                    wie möglich zu reduzieren oder (zumindest tagsüber) ganz
                                                                 abzusetzen (= Apomorphin-Monotherapie). Ein Literatur-
Apomorphin                                                       überblick zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen
Apomorphin hat insofern eine Sonderstellung unter den            zusätzlicher oraler Medikation (vor allem der Gesamt-L-
Dopaminagonisten, als es als einziger Agonist eine ebenso        Dopa-Dosis) und dem Effekt auf Dyskinesien [21–23, 25,
starke Wirkung auf die motorischen Parkinson-Symptome            26].
aufweist wie L-Dopa; andererseits muß die Substanz par-              Eine langdauernde kontinuierliche subkutane Apomor-
enteral verabreicht werden. Der hohe First-pass-Metabo-          phintherapie führt zu keiner wesentlichen Steigerung der
lismus macht hohe orale Dosen erforderlich, welche zu            mittleren täglichen Dosis (rund 100 mg) [24, 27]. Die
schlechter Verträglichkeit und möglicherweise Nephro-            meisten Zentren berichten von einer etwa 50%igen Reduk-
toxizität führen.                                                tion der OFF-Zeit während des wachen Tages. Im Gegen-
    Apomorphin wurde im 19. Jahrhundert in der Veteri-           satz zur intermittierenden Injektionstherapie können aber
närmedizin verwendet und bereits 1951 in der Parkinson-          bei Patienten, die Monotherapie erreichen, oft beträchtli-
Therapie versucht. Die Einführung von L-Dopa drängte die         che Verbesserungen der Dyskinesien erzielt werden: Nach
Entwicklung anderer Therapien jedoch zunächst in den             einem Jahr lagen die mittlere Reduktion der Dyskinesie-
Hintergrund. Als in den 1970er Jahren die mit L-Dopa ver-        dauer bei 85 % und die Reduktion der Behinderung durch
bundenen Langzeitkomplikationen zum Vorschein traten,            Dyskinesien bei 65 % [24]. Nach weiterem Follow-up bis
erwachte neuerlich Interesse an Apomorphin. Erst die             zu neun Jahren lag die mittlere Reduktion des Dyskinesie-
Reduktion von Nebenwirkungen durch Domperidon                    schweregrades weiterhin bei 64 % [27]. Von den insge-
(Motilium), ein Blocker der peripheren Dopaminrezepto-          samt 64 Patienten dieser Serie hatten 45 Monotherapie er-
ren [20], ermöglichte die breitere Anwendung.                    reicht. Diese Zahlen liegen somit durchaus in einem ver-
                                                                 gleichbaren Bereich wie in der Literatur zu stereotakti-
Intermittierende subkutane Injektionstherapie                    schen Intervention beim M. Parkinson, insbesondere der
Die heute verbreitetste Applikationsform ist subkutan.           subthalamischen Stimulation.
Die Bioverfügbarkeit erreicht hier fast 100 %. Die Wir-
kung tritt 5–20 Minuten (selten maximal 60 Minuten) nach         Nebenwirkungen
Einzelinjektion ein und hält für durchschnittlich 40 (maxi-      • Haut: Alle subkutanen Verabreichungsformen, jedoch
mal 90) Minuten an. Diese Therapieform eignet sich als             wesentlich häufiger die kontinuierliche Infusionsthera-
Rescue-Methode bei Fluktuationen, wenn möglichst rasch             pie, können zu Hautreaktionen mit Rötungen, Knoten-
der OFF-Zustand beendet werden soll, oder bei unvorher-            bildungen und, sehr selten, Ulzerationen oder Abszes-
sehbaren OFFs. Weitere Indikationen sind die (oft                  sen führen. Die genaue Ursache ist nicht bekannt;
schmerzhaften) OFF-Dystonien, nichtmotorische unan-                histologisches Substrat ist eine fokale Pannikulitis.
genehme OFF-Symptome sowie manchmal auch Begin-                  • Hämatologisch: Autoimmunologisch bedingte hämoly-
ning- oder End-of-dose-Dyskinesien, um die Phase des               tische Anämie ist eine seltene, aber ernstzunehmende
Anflutens oder Absinkens von oralem L-Dopa möglichst               Nebenwirkung. Sie kann prinzipiell zu jedem Zeitpunkt
kurz zu halten.                                                    auftreten, wodurch Kontrollen von Blutbild und Coombs-
    Der Effekt beim einzelnen Patienten ist prinzipiell gleich     Test notwendig bleiben. Es gibt wenige Zahlen in der
wie der L-Dopa-Effekt, da Apomorphin als subkutane Injek-          Literatur zur Häufigkeit dieser Komplikation: 12,5 %
tion den Wirkungsablauf von L-Dopa in zeitlich gedräng-            von 64 Patienten aus der Londoner Serie [27] waren zu
ter Form widerspiegelt. Dies betrifft sowohl die Besserung         irgendeinem Zeitpunkt Coombs-positiv, während nur
der Motorik als auch die Induktion von Dyskinesien [21].           eine Patientin eine schwere (aber reversible) hämolyti-
Daraus ergibt sich, daß bei Patienten mit behindernden             sche Anämie entwickelte. Wenning (1999) berichtete
Peak-dose-Dyskinesien die Indikation zur intermittieren-           von 4 von 16 Patienten mit hämolytischer Anämie [26].
den Injektionstherapie sehr vorsichtig gestellt werden muß.      • Neuropsychiatrisch: Wie jede dopaminerg wirksame
In Abhängigkeit von der mittleren Anzahl der täglich ver-          Substanz kann Apomorphin neuropsychiatrische Sym-

                                                                                  J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 2/2004      27
ptome hervorrufen oder verschlechtern. Allerdings gibt        empfunden wird. Ein seit kurzem erhältliches Kombina-
       es zunehmend Berichte von seltenerem Auftreten die-           tionspräparat von L-Dopa, einem Decarboxylasehemmer
       ser Symptome im Vergleich zu L-Dopa und anderen               und Entacapone (Stalevo) ist in drei verschiedenen Dosie-
       Agonisten und von Verbesserungen vorbestehender               rungen verfügbar und hat sich in bisherigen Studien als gut
       Symptome nach Umstellen auf Apomorphin [27, 28].              verträglich und leicht zu handhaben erwiesen [37, 38].
     • Übelkeit, orthostatische Kreislaufdysregulation: Diese
       sprechen auf Blockade peripherer Dopaminrezeptoren            Amantadin
       mit Domperidon an und zeigen daneben bei vielen               Amantadin war ursprünglich als antivirales Medikament
       Patienten eine Tendenz zur Spontanremission.                  im Einsatz, der klinische Effekt auf die motorischen Parkin-
                                                                     sonsymptome ist einer zufälligen Beobachtung an einem
     Neben dem subkutanen Zugangsweg wurden intranasale,             Patienten zu verdanken. In der Parkinsontherapie wird es
     sublinguale und rektale Applikation untersucht und wegen        seit 1969 verwendet. Der genaue Wirkmechanismus ist
     lokaler Reaktionen zunächst aufgegeben; eine neuartige          noch nicht zur Gänze aufgeklärt. Im Vordergrund steht
     intranasale Präparation ist derzeit im Untersuchungssta-        jedenfalls eine antiglutamaterge Wirkung am N-Methyl-D-
     dium [29]. Erfahrungen mit intravenöser Applikation (bei        Aspartat-(NMDA-)Rezeptor; daneben gibt es Hinweise auf
     kutanen Resorptionsproblemen) zeigten zwar sehr gute            eine Hemmung der Wiederaufnahme und vermehrte Frei-
     motorische Effekte, aber ein hohes Risiko thrombotischer        setzung von L-Dopa im synaptischen Spalt sowie eine
     Komplikationen, sodaß dieser Zugang derzeit nicht für die       mögliche anticholinerge Wirkkomponente. Nach der Ent-
     Praxis empfohlen werden kann [30].                              wicklung anderer Präparate mit zum Teil stärkerer dop-
         Auf ähnlicher Wirkungsweise beruhen die Erfolge mit         aminerger Wirksamkeit trat Amantadin zunächst in den
     duodenaler L-Dopa-Dauerinfusion, die in manchen skan-           Hintergrund. Der Nachweis seiner antidyskinetischen
     dinavischen Ländern angewendet wird, bei uns aber               Effekte hat jedoch das Interesse an der Substanz in den
     derzeit nicht zur Verfügung steht.                              letzten Jahren deutlich belebt.
                                                                         Bei M. Parkinson mit motorischen Fluktuationen hat
     COMT-Hemmer                                                     eine randomisiert-kontrollierte Studie eine zwar mäßiggra-
     COMT-Hemmer wirken über die Blockade eines der peri-            dige, aber statistisch signifikante Reduktion der täglichen
     pheren Abbauwege von L-Dopa, die Catechol-O-Methyl-             OFF-Zeit demonstriert [39]; eine kleinere Studie berichtete
     Transferase, und bewirken dadurch eine längere Verfüg-          keinen signifikanten Unterschied [40].
     barkeit von L-Dopa. Während sich die Halbwertszeit um               Einige frühe Studien untersuchten Amantadin als Add-
     30–50 % verlängert, kommt es zu keiner Verzögerung des          on zu Anticholinergika. Mehrere randomisiert-kontrollierte
     Wirkungseintritts und nur zu einer geringen Erhöhung der        Studien, die auch Patienten mit fortgeschrittener Erkran-
     Maximalspiegel bei mehrfacher Gabe im Tagesverlauf.             kung umfaßten, zeigten zwar mäßiggradige, aber im Ver-
     Der Effekt auf CR-L-Dopa-Präparate ist vergleichbar mit         gleich zu Placebo signifikant bessere motorische Resultate
     dem auf Standardpräparate [31].                                 mit Amantadin; dies betraf auch die Präferenz der Patien-
         Der einzige derzeit in der EU zugelassene Vertreter         ten [41–46].
     dieser Gruppe ist Entacapone (Comtan), nachdem Tol-                Mehrere, meist kleinere randomisiert-kontrollierte Stu-
     capone (Tasmar) aufgrund seltener – aber in drei Fällen        dien haben eine signifikante Reduktion von Dyskinesien
     letaler – Hepatotoxizität suspendiert wurde (in anderen         unter Amantadin berichtet: Eine tägliche Dosis von 300 mg
     Ländern, z. B. den USA, ist Tolcapone bei strenger Indika-      führte zu 50%iger Dyskinesiereduktion [40]. Andere Grup-
     tionsstellung weiter erhältlich).                               pen zeigten ähnliche Resultate, sowohl bei oraler als auch
         Entacapone hat eine ähnliche Wirkdauer wie L-Dopa           bei intravenöser Anwendung [39, 47–49].
     (1,5–2 Stunden) und wird daher immer zugleich mit einer             Amantadin nimmt also insofern eine gewisse Sonder-
     L-Dopa-Dosis verabreicht. Als günstigste Dosierung hat          stellung unter den heute zur Verfügung stehenden Parkin-
     sich eine fixe Dosis von 200 mg erwiesen. Die Verlänge-         sonmedikamenten ein, als es sich dabei um die einzige
     rung der Wirkdauer von L-Dopa bewirkt bei Patienten mit         oral verabreichbare Substanz handelt, die zu einer signifi-
     motorischen Fluktuationen einen Ausgleich der Schwan-           kanten Reduktion von Dyskinesien führen kann, ohne
     kungen. Die tägliche ON-Dauer war in mehreren ran-              gleichzeitig die Motorik zu verschlechtern, sondern die im
     domisiert-kontrollierten 6-Monats-Studien [32–35] um            Gegenteil auch die motorischen Symptome positiv beein-
     1–1,7 Stunden verlängert (bei entsprechender Verkürzung         flußt. Dies hat zu der Empfehlung geführt, bei allen dys-
     der OFF-Dauer); eine 1monatige Studie fand eine ON-Ver-         kinetischen Patienten, bei denen keine Kontraindikation
     längerung um 2,5 Stunden (22 %) [36]. Die durchschnittli-       vorliegt, einen Therapieversuch mit Amantadin durch
     chen UPDRS-Werte für Motorik und Aktivitäten des tägli-         mindestens sechs Wochen durchzuführen, bevor invasi-
     chen Lebens waren in mehreren publizierten Studien sig-         vere Methoden, wie kontinuierliches subkutanes Apomor-
     nifikant besser als mit Placebo [32, 34].                       phin oder stereotaktische Eingriffe erwogen werden [50].
         Nebenwirkungen umfassen einerseits eine verstärkte              Darüber hinaus bietet Amantadin den Vorteil einer par-
     L-Dopa-Wirkung: Übelkeit, Müdigkeit, Orthostaseneigung,         enteralen Verabreichbarkeit. In den Ländern, wo Amant-
     Zunahme oder Neuauftreten von neuropsychiatrischen              adin zur intravenösen Anwendung zur Verfügung steht,
     Problemen. Bei ca. 25–50 % der Patienten wird eine Zu-          kann es zur Überbrückung eingesetzt werden, wenn eine
     nahme oder ein Neuauftreten von Dyskinesien beobach-            orale Medikamenteneinnahme nicht möglich ist, z. B. peri-
     tet. In diesem Fall hat es sich als zielführend erwiesen,       operativ.
     zunächst die L-Dopa-Dosis zu reduzieren; dadurch kann               Die Nebenwirkungen entsprechen den typischen Ne-
     in vielen Fällen eine Rückkehr zum Dyskinesie-Ausgangs-         benwirkungen dopaminerger Substanzen, wie Übelkeit,
     niveau erzielt werden.                                          Erbrechen, Schwindel, Müdigkeit, Beinödeme. Amantadin
         Die zweite Gruppe möglicher Nebenwirkungen ist              scheint häufiger als andere in der Parkinson-Therapie ver-
     substanzspezifisch. In etwa 15–20 % kommt es zu – meist         wendete Medikamente zu kutanen Nebenwirkungen zu
     vorübergehender – Diarrhoe, die aber nur in 3–4 % zum           führen (Hautausschläge, Livedo) und besitzt auch ein kli-
     Absetzen führt. Bei 10–40 % der Patienten tritt eine Harnver-   nisch relevantes Potential, neuropsychiatrische Symptome
     färbung auf, die von manchen Patienten als inakzeptabel         auszulösen oder zu verschlechtern.

28   J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 2/2004
Selegilin (= Deprenyl)                                          pation, Mundtrockenheit (die zu Karies und Zahnausfall
Der Monoaminooxidase-B-(MAO-B-)Hemmer Selegilin                 führen kann), Harnverhalten, Temperaturregulationsstö-
(Jumex, Amboneural, Selegilin genericon) blockiert           rungen (tödlicher Hitzestau wurde bei psychotischen Pati-
einen der zentralen Abbauwege von Dopamin und führt so          enten berichtet), Herzrhythmusstörungen und erhöhtes
zu vermehrtem dopaminergem Angebot im synaptischen              Risiko bei Glaukom und Prostatahyperplasie; Dyskinesien
Spalt. Eine symptomatische Wirksamkeit als Add-on zu            können verstärkt werden [62]. Als weitere Schwierigkeit in
L-Dopa bei motorischen Komplikationen ist zwar nachge-          der praktischen Handhabung kann es bei abruptem Abset-
wiesen, ist allerdings meist nur mild bis mäßiggradig und       zen zu einem Rebound-Phänomen mit dramatischer Ver-
bezieht sich in den meisten Studien auf subjektive Fakto-       schlechterung der Motorik kommen, sodaß das Absetzen
ren und L-Dopa-Einsparung, nicht aber auf eine Verlänge-        sehr langsam und schrittweise (über Wochen bis Monate)
rung der täglichen ON-Zeit [50–52]. Neben der rein moto-        erfolgen muß [63].
rischen Wirkung wurde immer wieder auch ein positiver               Prinzipiell ist der Einsatz von Anticholinergika zwar als
Effekt auf Stimmungslage und Antrieb postuliert [50]. Die       Teil eines Kombinationsregimes in frühen und mittleren
Anwendung ist grundsätzlich in allen Stadien des M. Par-        Stadien des M. Parkinson möglich, aus den genannten
kinson möglich.                                                 Gründen ist ihr Stellenwert allerdings sehr in den Hinter-
    Dopaminerge Nebenwirkungen sind wie in den ande-            grund gerückt. Ihr Einsatz kann nur in einzelnen Fällen bei
ren Substanzgruppen zu erwarten; das Risiko neuro-              jüngeren Patienten empfohlen werden, wobei keine Kon-
psychiatrischer Probleme liegt etwa zwischen dem der            traindikationen vorliegen dürfen und die Entwicklung der
Dopaminagonisten und Amantadin.                                 genannten unerwünschten Wirkungen immer im Auge be-
    In Kombination mit L-Dopa-Präparaten wurden Hin-            halten werden sollte.
weise auf ein mögliches Risiko bei Patienten mit kardio-
vaskulären Risikofaktoren und erhöhter Mortalität berich-            Praktisches Vorgehen bei Patienten mit
tet [53–57]. Mehrere andere Studien fanden allerdings                     motorischen Komplikationen
keine Assoziation [58].
    Der hepatische Abbau von Selegilin ist mit der Bildung      Wearing-off
von Amphetaminderivaten verbunden. Dieser First-pass-           1. Als erster Schritt ist meist eine Umverteilung der Ein-
Metabolismus läßt sich prinzipiell durch eine neuartige            nahmezeiten mit kürzeren Dosierungsintervallen und
sublinguale Anwendungsform vermeiden (Xilopar). Ob                gegebenenfalls kleineren Einzeldosen zu empfehlen.
diese tatsächlich zu klinischen Vorteilen führt, die über die   2. Eine Kombinationstherapie mit Substanzen, die die
einfachere (und nur einmal tägliche) Einnahme hinausge-            L-Dopa-Wirkung verlängern oder ergänzen, ist anzustre-
hen, läßt sich derzeit noch nicht sicher beurteilen.               ben, wenn keine Kontraindikationen vorliegen (COMT-
                                                                   Inhibitoren, Dopaminagonisten, Selegilin, Amantadin).
Anticholinergika                                                3. CR-L-Dopa-Präparate können zum Einsatz kommen,
Ihre Anti-Parkinson-Wirkung wurde 1867 zufällig von                allerdings muß beachtet werden, daß die Gesamtdosis
Charcot beobachtet und von Ordenstein beschrieben. Bis             dann in den meisten Fällen um ca. 30 % gesteigert wer-
zur Einführung von L-Dopa stellten die Anticholinergika            den muß, um dieselbe Wirkung zu erzielen, und daß
durch ein Jahrhundert die einzig wirksame Gruppe von               die gastrointestinale Resorption nicht so zuverlässig ist
Parkinson-Medikamenten dar. Die in Österreich zugelas-             wie mit Standard-L-Dopa-Präparaten.
senen Präparate sind Benzhexol (Artane), Bornaprin (Sor-       4. Apomorphin kann als Rescue-Injektion eingesetzt wer-
modren), Biperiden (Akineton), Benzatropin (Cogentin)           den; bei sehr vielen täglichen Injektionen und sonst
und Procyclidin (Kemadrin).                                       refraktären OFFs kann eine Pumpentherapie auch ohne
    Die existierenden Studien zu Anticholinergika bei M.           Dyskinesien in Einzelfällen sinnvoll sein.
Parkinson datieren zum größten Teil aus einer Zeit, als
Durchführung und Beschreibung von klinischen Studien            Unvorhersehbare OFFs
noch nicht den heute gültigen Standards entsprachen,            1. Eine Verbesserung der Medikamentenresorption sollte
weshalb nur limitierte Schlüsse aus der Literatur möglich          wenn möglich angestrebt werden: Als Aminosäure
sind. Die Datenlage belegt ausreichend eine signifikante           konkurriert L-Dopa mit anderen Aminosäuren aus pro-
Wirksamkeit im Vergleich zu Placebo. Allerdings ist aus            teinhaltiger Nahrung um den gastrointestinalen Trans-
den publizierten randomisiert-kontrollierten Studien kein          portmechanismus. L-Dopa sollte deshalb in möglichst
Beweis für eine selektive Wirkung auf den Parkinson-Tre-           großem zeitlichen Abstand zu Mahlzeiten eingenom-
mor im Vergleich zu den anderen motorischen Kardinal-              men werden, insbesondere wenn diese proteinreich
symptomen des M. Parkinson [59] abzuleiten. Es liegen              sind. Eiweißreduzierte Nahrung kann in Einzelfällen
keine Daten speziell zur Wirkung auf motorische Kompli-            sinnvoll sein.
kationen oder zur Mortalität vor.                               2. Kohlensäurehältige Getränke können die gastrointesti-
    Trotz nachgewiesener Wirksamkeit ist der Einsatzbe-            nale Aufnahme fördern.
reich dieser Substanzgruppe durch häufige und potentiell        3. Domperidon (Motilium) kann die intestinale Motilität
schwerwiegende Nebenwirkungen stark limitiert: Eine                normalisieren und zu einer besseren Resorption beitra-
Verschlechterung der kognitiven Leistung wurde nicht nur           gen.
bei bereits bestehender Demenz nachgewiesen, sondern            4. Alle unter Wearing-off angeführten Maßnahmen kön-
kann auch bei primär nicht dementen Patienten auftreten            nen sinnvoll sein, solange keine oder nur geringe Dys-
und ist bei älteren Patienten häufiger [60, 61]. Bei beste-        kinesien bestehen.
henden neurospychiatrischen Problemen sind diese Medi-          5. Bei völligem Ausbleiben der Wirkung einer Einzeldosis
kamente kontraindiziert. Bei psychotischen Symptomen               oder bei gehäuften OFFs zu bestimmten Tageszeiten
sollten Anticholinergika in jedem Fall abgesetzt werden,           (oft am Nachmittag) ist eine höhere Dosierung zu die-
bevor eine spezifische antipsychotische Therapie erwogen           sem Zeitpunkt zu erwägen.
wird.                                                           6. Zum raschen Wiedererlangen eines ON-Zustandes
    Weitere häufige Nebenwirkungen ergeben sich aus der            stellen sowohl lösliche L-Dopa-Präparate als auch
peripheren anticholinergen Wirkung und umfassen Obsti-             Apomorphin-Injektionen eine Rescue-Möglichkeit dar.

                                                                                  J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 2/2004       29
7. Die kontinuierliche Apomorphin-Pumpentherapie stellt        torisieren. Anticholinergika und trizyklische Antidepres-
        eine Option für diese Patienten dar, auch weil sie Unab-    siva können zu Detrusorhypoaktivität führen. Vor allem bei
        hängigkeit von der gastrointestinalen Resorption bietet.    älteren Patienten ist bei allen Substanzen mit anticholiner-
                                                                    ger Wirkkomponente das Risiko neuropsychiatrischer Ne-
     Dyskinesien                                                    benwirkungen zu bedenken.
     1. Bei Peak-dose-Dyskinesien, der bei weitem häufigsten            Es existieren derzeit keine publizierten Studien, die
        Form, ist oft eine Verkürzung der Dosierungsintervalle      sich der medikamentösen Therapie von Blasenstörungen
        mit kleineren L-Dopa-Einzeldosen hilfreich. Um die          bei M. Parkinson gezielt widmen. Substanzen, die bei
        Wirkdauer dieser einzelnen Dosen zu verlängern, kön-        Detrusorhyperaktivität bei anderen neurologischen Ursa-
        nen alle unter Wearing-off angeführten Maßnahmen            chen gut untersucht sind (v. a. Oxybutinin = Ditropan und
        getroffen werden. Sollten sich dabei die Dyskinesien        Tolteridon = Detrusitol) sind prinzipiell bei M. Parkinson
        verstärken, kann versucht werden, die L-Dopa-Dosen          anwendbar. Intermittierende Selbstkatheterisierung ist ge-
        zu reduzieren.                                              legentlich erforderlich, aber oft durch motorische Pro-
     2. Biphasische Dyskinesien sind üblicherweise schwieri-        bleme erschwert; dann kann ein suprapubischer Katheter
        ger zu managen. Gelegentlich hilft eine Erhöhung der        notwendig werden.
        Einzeldosen, um den L-Dopa-Spiegel möglichst rasch
        über das mit Dyskinesien assoziierte Niveau zu heben.       Gastrointestinale Störungen
        Allerdings haben in der Praxis viele Patienten gleich-      Grundsätzlich können gastrointestinale Probleme beim
        zeitig Peak-dose-Dyskinesien, welche durch diese            M. Parkinson durch die geänderte Magen-Darm-Motilität
        Maßnahme verstärkt werden können.                           selbst bedingt sein oder durch Medikamente (dopamin-
     3. Amantadin hat als einziges orales Anti-Parkinson-Mit-       erge und andere, z. B. Analgetika) hervorgerufen werden.
        tel eine direkt antidyskinetische und gleichzeitig eine     Gegebenenfalls ist immer eine gastroenterologische Ab-
        milde Anti-Parkinson-Wirkung. Ein Versuch sollte            klärung zu erwägen.
        immer gemacht werden (Dosis mindestens 300 mg täg-              Von den zur Verfügung stehenden symptomatisch wirk-
        lich bei guter Verträglichkeit, Dauer mindestens 6 Wo-      samen Substanzen ist Domperidon (Motilium) derzeit am
        chen), solange keine Kontraindikationen, wie relevante      besten untersucht. Positive Effekte konnten in vier Studien
        neuropsychiatrische Probleme, bestehen. Andere Glut-        (davon zwei randomisiert-kontrolliert) bei Dosen zwischen
        amatantagonisten sind derzeit in Untersuchung.              60 und 150 mg täglich nachgewiesen werden [67]. Bei
     4. Neuroleptika wurden als mögliche dyskinesiedämp-            hohen Dosen (150 mg) wurden aufgrund einer dopamin-
        fende Substanzen untersucht. Die „typischen“ Neuro-         antagonistischen Wirkkomponente Verschlechterungen
        leptika führen durchwegs zu einer inakzeptablen             der Parkinson-Motorik beobachtet.
        motorischen Verschlechterung; dies gilt auch für                Andere untersuchte Medikamente (Cisaprid = Prepul-
        Olanzapin (Zyprexa) [64]. Bei Quetiapin (Seroquel)        sid und Metoclopramid = Paspertin) scheinen im Ver-
        fand sich kürzlich in niedriger Dosis kein selektiv anti-   gleich mit einem höheren Risiko einherzugehen, durch
        dyskinetischer Effekt; höhere Dosen bedürfen weiterer       eine antidopaminerge Wirkung die Parkinson-Symptoma-
        Untersuchungen [65]. Derzeit mag ein Versuch im Ein-        tik zu verschlechtern [67]. Bei Cisaprid besteht darüber
        zelfall sinnvoll sein, es kann aber keine allgemeine        hinaus ein Risiko kardialer Arrhythmien. Bei Obstipation
        Empfehlung für die genannten Substanzen als antidys-        hat sich in der klinischen Praxis (neben ausreichender
        kinetische Therapie abgegeben werden. Für Clozapin          Flüssigkeitszufuhr, Faser- und Quellstoffen) das osmoti-
        (Leponex) wurde eine antidyskinetische Wirksamkeit         sche Laxativ Macrogol (Movicol) in vielen Fällen gut be-
        in einer ganz rezenten Studie erstmals unter kontrol-       währt [50]. Anticholinergika sollten abgesetzt werden.
        liert-randomisierten Bedingungen nachgewiesen [66].
        Allerdings ist die praktische Handhabung von Clozapin       Sialorrhoe
        durch das Risiko einer Leukopenie und damit ver-            Diese ist meist auf einen unzureichenden und zu seltenen
        bundenen obligatorischen Blutbildkontrollen einge-          Schluckakt zurückzuführen und wahrscheinlich selten
        schränkt.                                                   oder kaum durch erhöhte Speichelproduktion bedingt.
     5. Apomorphin in der kontinuierlichen subkutanen Ver-          Anticholinergika, trizyklische Antidepressiva und lokale
        abreichungsform steht als aufwendigere, aber oft wirk-      Botulinumtoxininjektionen stellen therapeutische Mög-
        same Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung.                  lichkeiten dar.
     6. Die Indikationen zu stereotaktischen Verfahren werden
        an anderer Stelle in dieser Ausgabe diskutiert. Der rela-   Orthostatische Regulationsstörung
        tive Stellenwert der Apomorphin-Pumpentherapie im           Beim M. Parkinson gibt es nur wenige kontrollierte Studien
        Vergleich zu den invasiveren stereotaktischen Verfah-       zur medikamentösen Therapie dieses klinischen Problems.
        ren soll demnächst Gegenstand einer kontrolliert-ran-       Allgemeinmaßnahmen umfassen ausreichende Flüssig-
        domisierten Multicenter-Studie werden.                      keitszufuhr, salzreiche Kost, mehrere kleine Mahlzeiten
                                                                    (zur Vermeidung einer postprandialen Hypotonie), langsa-
                     Autonome Störungen                             mes Aufrichten und Kompressionsstrümpfe. Domperidon
                                                                    (Motilium) kann durch dopaminerge Stimulation ausge-
     Blasenstörungen                                                löste Hypotonie bei manchen Patienten verbessern.
     Am häufigsten finden sich Nykturie und vermehrter Harn-            Midodrin (Gutron) ist ein Alpha-Rezeptoren-Agonist
     drang; eine Inkontinenz ist selten und meist erst in späten    mit Wirkung auf das periphere arterielle und venöse
     Stadien vorhanden. Andere zugrundeliegende Ursachen,           Gefäßsystem ohne kardiale Wirksamkeit. Es liegen nur sehr
     v. a. im urologischen Bereich, sollten vor einer symptoma-     eingeschränkt Daten zur Anwendung bei M. Parkinson
     tischen Therapie immer ausgeschlossen werden, eine de-         vor. In mehreren kleinen Studien war eine Subgruppe an
     taillierte urodynamische Abklärung kann bei der Wahl des       Parkinson-Patienten enthalten: Eine randomisiert-kontrol-
     Therapeutikums hilfreich sein. Vor allem bei Anwendung         lierte Studie zeigte ein Ansprechen auf 30 mg Midodrin
     von Parasympathikolytika ist die Möglichkeit einer Rest-       täglich mit signifikanter Blutdrucksteigerung bei 11 von 16
     harnbildung zu bedenken und gegebenenfalls zu moni-            Parkinson-Patienten; hypertensive Werte als unerwünschte

30   J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 2/2004
Wirkung traten bei 8 % der Patienten auf Midodrin auf [68].    2. Nykturie kann zu Schlafunterbrechungen führen. Ne-
Eine zweite randomisiert-kontrollierte Studie, die 19 Par-        ben spezifischen Maßnahmen zur Beeinflussung der
kinson-Patienten umfaßte, zeigte ebenfalls eine signifikante      Blasenmotorik (siehe dort) können trizyklische Anti-
Blutdrucksteigerung unter 30 mg Midodrin; 4 % der Pati-           depressiva, v. a. Amitryptilin (Saroten) hilfreich sein.
enten wurden hyperton. Aufgrund dieser relevanten Neben-          Allgemeinmaßnahmen umfassen Vermeiden später
wirkung kann ein Therapieversuch mit Midodrin nur unter           Flüssigkeitsaufnahme oder Diuretikaeinnahme, Blasen-
engmaschigen Blutruckkontrollen empfohlen werden.                 entleerung vor dem Zubettgehen, Kondomkatheter und
Andere beobachtete Nebenwirkungen waren Juckreiz,                 eventuell das Bereitstellen eines Leibstuhles in Bett-
Parästhesien und Harnblasenentleerungsstörungen [68].             nähe. Desmopressin-Nasenspray (Minirin) kommt
   Ein weiteres Präparat, das zur Behandlung orthostati-          nach Ausschluß von Kontraindikationen in Frage.
scher Kreislaufdysregulation bei M. Parkinson untersucht       3. Depression und Angstzustände können primär Schlaf-
wurde, ist Fludrocortison (Astonin-H). Hier ist die vorlie-      störungen verursachen und müssen entsprechend be-
gende Datenlage noch spärlicher: Eine einzige offene Stu-         handelt werden. Sedierend wirkende Antidepressiva
die mit 6 Patienten zeigte relevante Blutdruckanstiege mit        eignen sich prinzipiell gut zur Schlafinduktion bei M.
0,05–0,2 mg täglich während eines Zeitraumes von bis zu           Parkinson.
10 Monaten. Hypokaliämie, Hypertonie und Ödeme tra-            4. Andere psychische Ursachen für nächtliche Probleme
ten auf [68]. Andere potentiell blutdrucksteigernde Sub-          bei M. Parkinson sind psychotische Zustände mit illusio-
stanzen wurden bisher nicht an Patienten mit M. Parkin-           nären Verkennungen, Halluzinationen oder auch Wahn-
son untersucht.                                                   vorstellungen. In ihrer mildesten Form äußern sich diese
                                                                  zunächst oft als sehr lebhafte Träume, die der Patient
       Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit                         nicht sofort von der Realität unterscheiden kann. Die
                                                                  antipsychotische Therapie wird in einem anderen
Exzessive Tagesmüdigkeit                                          Kapitel dieser Ausgabe behandelt. Nächtliche Panik-
Diese stellt bei vielen Patienten mit fortgeschrittenem M.        attacken können auf Benzodiazepine oder Serotonin-
Parkinson eine Beeinträchtigung dar. Die Häufigkeit wur-          Wiederaufnahme-Hemmer ansprechen; wenn sie mit
de in einer Studie mit 29 % nach 4jährigem Verlauf ange-          OFFs assoziiert sind, ist die dopaminerge Medikation
geben; weitere 15 % hatten milde Tagesmüdigkeit, gemes-           zu erhöhen.
sen anhand der Epworth-Sleepiness-Scale [69]. Das Auf-         5. Störungen der REM-Schlaf-Architektur, periodic limb
treten korreliert mit Krankheitsschweregrad und Demenz.           movements in sleep (PLMS), Schlafapnoe und Restless
    Ungeplante Schlafepisoden tagsüber können zu Behin-           legs (Eisenhaushalt, Diabetes abklären) sind schlaf-
derung führen und waren gelegentlich mit Verkehrsunfäl-           assoziierte Störungen, die bei M. Parkinson häufiger als
len assoziiert [17]. Derartige Schlafepisoden wurden              in der Gesamtbevölkerung auftreten.
sowohl unter L-Dopa als auch allen üblichen Dopamin-                  Bei Verdacht auf REM-Schlafstörung ist meist eine
agonisten beobachtet [18, 19]. Die Empfehlungen bezüg-            genaue Abklärung mit Hilfe eines Schlaflabors not-
lich des Autofahrens variieren in verschiedenen Ländern.          wendig; therapeutisch kommen Benzodiazepine, v. a.
In jedem Fall sollten Patienten vor dieser möglichen              Clonazepam (Rivotril), in Frage.
Nebenwirkung dopaminerger Substanzen gewarnt werden            6. Ein direkter Medikamenteneinfluß auf die Schlafquali-
und Autofahren in schläfrigem Zustand unbedingt ver-              tät ist bei allen dopaminergen Substanzen möglich.
meiden.                                                           Amantadin sollte nicht nach dem späten Nachmittag
    Bei Patienten mit behindernder Tagesmüdigkeit sollte          eingenommen werden. Selegilin und Anticholinergika
die Medikation überprüft werden. Alle dopaminergen Sub-           können Schlafstörungen, v. a. Alpträume, auslösen [72].
stanzen können Müdigkeit hervorrufen oder verstärken,          7. Eine weitere, offenbar für den M. Parkinson hochcha-
und gezielte Reduktion – zunächst von Dopaminagoni-               rakteristische nächtliche Verhaltensauffälligkeit wurde
sten, aber auch von L-Dopa – kann sinnvoll sein.                  kürzlich näher beschrieben [73]: Unter „Punding“ ver-
    Das bei Narkolepsie nachgewiesen wirksame Medika-             steht man repetitive, scheinbar sinnvolle, aber exzessiv
ment Modafinil (Modasomil) wurde in einer randomi-               ausgeübte Tätigkeiten, die oft in Zusammenhang mit
siert-kontrollierten Studie bei M. Parkinson klinisch und         früherem Beruf oder Hobby stehen (Putzen, Sammeln,
polysomographisch untersucht und führte zu signifikanter          Ordnen, Reparieren), von der dopaminergen Gesamt-
Verbesserung der Tagesmüdigkeit [70]. Die Substanz ist in         dosis abhängen und zu einem Gefühl der Befriedigung
dieser Indikation allerdings bisher nicht zugelassen.             und Entspannung führen, ohne mit Zwangsverhalten
                                                                  erklärbar zu sein. Diese Beschäftigungen können zu
Schlafstörungen                                                   beträchtlicher Störung der Nachtruhe führen und wer-
Diese sind bei M. Parkinson ausgesprochen häufig (min-            den von den Patienten kaum je spontan berichtet. Die
destens 60 % der Patienten) [71] und können verschieden-          Behandlung ist schwierig und besteht aus Reduktion
artige Ursachen haben, nach denen vor einer rein schlaf-          der dopaminergen Abend- und Nachtmedikation, Ab-
fördernden medikamentösen Therapie immer gezielt ge-              setzen jeder L-Dopa-Bedarfsmedikation und gegebe-
sucht werden sollte:                                              nenfalls atypischen Neuroleptika und Hypnotika.
1. Nächtliche OFF-Perioden können zu Beeinträchtigun-
    gen aufgrund mangelnder Beweglichkeit (Umdrehen            Literatur
    im Bett, Aufstehen zum Toilettengang) oder aufgrund         1. Lees AJ, Katzenschlager R, Head J, Ben-Shlomo Y, on behalf of the
    von nichtmotorischen OFF-Symptomen wie Schmer-                 Parkinson’s Disease Research Group of the United Kingdom. Ten-
    zen, Dystonie oder Sensibilitätsstörungen führen.              year follow-up of three different initial treatments in de-novo PD: a
                                                                   randomised trial. Neurology 2001; 57: 1687–94.
       Eine Erhöhung der dopaminergen Medikation am
    späteren Abend sowie die Verwendung lang wirksamer          2. Ahlskog JE, Muenter MD. Frequency of levodopa-related dyskinesias
                                                                   and motor fluctuations as estimated from the cumulative literature.
    Präparate wie CR-L-Dopa, COMT-Hemmer oder Caber-               Mov Disord 2001; 16: 448–58.
    golin sollten versucht werden. Eine Apomorphin-Pum-         3. Blanchet PJ, Allard P, Gregoire L, Tardif F, Bedard PJ. Risk factors for
    pentherapie kann in Einzelfällen mit Erfolg auf die            peak dose dyskinesias in 100 L-dopa treated parkinsonian patients.
    Nachtstunden ausgedehnt werden.                                Can J Neurol Sci 1996; 23: 189–93.

                                                                                     J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 2/2004                  31
4. Schrag A, Quinn N. Dyskinesias and motor fluctuations in Parkin-         29. Wickremaratchi M, Hajikoutis S, Lambert P, Freear S, Wareham K,
         son’s disease. A community based study. Brain 2000;123: 2297–305.            Weiser R. A seven day tolerability study of apomorphine 5 mg nasal
      5. Chase TN, Justin DO. Striatal mechanisms and pathogenesis of par-            powder in subjects with Parkinson’s disease complicated with motor
         kinsonian signs and motor complications. Ann Neurol 2000; 47                 fluctuations. Mov Disord 2002; 17 (Suppl) [abstract].
         (Suppl 1): S122–S130.                                                    30. Manson AJ, Hanagasi H, Turner K, Patsalos P, Carey P, Ratnaraj N,
      6. Nutt JG, Obeso JA, Stocchi F. Continuous dopamine-receptor stimu-            Lees AJ. Intravenous apomorphine therapy in Parkinson’s disease:
         lation in advanced Parkinson’s disease. Trends Neurosci 2000; 23             clinical and pharmacokinetic observations. Brain 2001; 124: 331–40.
         (Suppl): S109–S115.                                                      31. Kaakkola S, Teräväinen H, Ahtila S, Rita H, Gordin A. Entacapone in
      7. Jenner P. Factors influencing the onset and persistence of dyskinesias       combination with standard or controlled-release levodopa/carbidopa:
         in MPTP-treated primates. Ann Neurol 2000; 47 (Suppl 1): S90–                a clinical and pharmacokinetic study in patients with Parkinson’s
         S104.                                                                        disease. Eur J Neurol 1995; 2: 341–7.
      8. Hely MA, Morris JGL, Reid WGJ, Trafficante R. Sydney Multicentre         32. Parkinson Study Group. Entacapone improves motor fluctuations in
         Study of Parkinson’s disease: non-levodopa responsive problems               levodopa-treated Parkinson’s disease patients. Ann Neurol 1997; 42:
         dominate at 15 years. Mov Disord, in press.                                  747–55.
      9. Hughes AJ, Lees AJ. The evolution of the acute response to L-dopa in     33. Poewe W, Deuschl G, Gordin A, and the Celomen Study Group. Effi-
         Parkinson’s disease. Mov Disord 2002; Suppl 5: S97.                          cacy and safety of entacapone in Parkinson’s disease patients with
     10. Clarke CE, Deane KHO. Ropinirole for levodopa-induced complica-              suboptimal levodopa response: a six-month randomized placebo-
         tions in Parkinson’s disease (Cochrane Library). In: The Cochrane Li-        controlled double-blind study in Germany and Austria (Celomen
         brary, Issue 4, 2003. Chichester, UK, John Wiley & Sons, Ltd.                study). Acta Neurol Scand 2002; 105: 1–11.
     11. Clarke CE, Speller JM. Lisuride versus bromocriptine for levodopa-       34. Rinne UK, Larsen JP, Siden A, Worm Petersen J, and the Nomecomt
         induced complications in Parkinson´s disease. Cochrane Database              Study Group. Entacapone enhances the response to levodopa in par-
         Syst Rev 2000 (2): CD001514.                                                 kinsonian patients with motor fluctuations. Neurology 1998; 51:
     12. Clarke CE, Speller JM. Pergolide for levodopa-induced motor compli-          1309–14.
         cations in Parkinson’s disease (Cochrane Review). In: The Cochrane
                                                                                  35. Brooks DJ, Sagar H, and the UK-Irish Entacapone Study Group.
         Library, Issue 4, 2003. Chichester, UK, John Wiley & Sons, Ltd.
                                                                                      Entacapone is beneficial in both fluctuating and non-fluctuating pa-
     13. Clarke CE, Speller JM, Clarke JA. Pramipexole versus bromocriptine
                                                                                      tients with Parkinson’s disease: a randomised, placebo-controlled,
         for levodopa-induced complications in Parkinson’s disease (Cochrane
                                                                                      double-blind, six month study. J Neurol Neurosurg Psychiatry 2003;
         Review). In: The Cochrane Library, Issue 4, 2003. Chichester, UK,
                                                                                      74: 1071–9.
         John Wiley & Sons, Ltd.
                                                                                  36. Ruottinen HM, Rinne UK. Entacapone prolongs levodopa response
     14. Clarke CE, Speller JM. Cabergoline versus bromocriptine for levo-
                                                                                      in a one month double-blind study in parkinsonian patients with
         dopa-induced complications in Parkinson’s disease (Cochrane Re-
                                                                                      levodopa related fluctuations. J Neurol Neurosurg Psychiatry 1996;
         view). In: The Cochrane Library, Issue 4, 2003. Chichester, UK, John
                                                                                      60: 36–40.
         Wiley & Sons, Ltd.
     15. Hilten JJ va, Ramaker C, Beek WJT van de, Finken MJJ. Bromo-             37. Brooks DJ. SIMCOM Study: presented at EFNS, Helsinki, August 2003.
         criptine for levodopa-induced motor complications in Parkinson’s         38. Brooks DJ. TC-INIT Study: presented at EFNS, Helsinki, August 2003.
         disease (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 4, 2003.      39. Verhagen Metman L, Del Dotto P, van der Munckhof P, Chaser TN.
         Chichester, UK, John Wiley & Sons, Ltd.                                      Blockade of glutamatergic transmission as treatment for dyskinesias
     16. Van Camp G, Flamez A, Cosyns B, Weytjens C, Muyldermans L, van               and motor fluctuations in Parkinson’s disease. Neurology 1998; 50:
         Zandijc M, De Sutter J, Santens P, Decoodt P, Moerman C, Schoors             1323–6.
         D. Treatment of Parkinson’s disease with pergolide and relation to       40. Luginger E, Wenning GK, Bosch S, Poewe W. Beneficial effects of
         restrictive valvular heart disease. Lancet 2004; 363: 1179–83.               amantadine on L-dopa induced dyskinesias in Parkinson’s disease.
     17. Frucht S, Rogers JD, Greene PE, Gordon MF, Fahn S. Falling asleep at         Mov Disord 2000; 15: 873–8.
         the wheel: motor vehicle mishaps in persons taking pramipexole and       41. Appleton DB, Eadie MJ, Sutherland JM. Amantadine hydrocholoride
         ropinirole. Neurology 1999; 52: 1908–10.                                     in the treatment of Parkinsonism. A controlled trial. Med J Aust 1970;
     18. Homan CN, Wenzel K, Suppan K, Ivanic G, Kriechbaum N, Crevenna               2: 626–9.
         R, Ott E. Sleep attacks in patients taking dopamine agonists: review.    42. Bauer RB, McHenry JT. Comparison of amantadine, placebo, and
         Br Med J 2002; 324: 1483–7.                                                  levodopa in Parkinson’s disease. Neurology 1974; 24: 715–20.
     19. Razmy A, Lang AE, Shapiro CM. Predictors of impaired daytime sleep       43. Barbeau A, Mars H, Botez MI. Amantadine-HCl (Symmetrel) in the
         and wakefulness in patients with Parkinson disease treated with older        management of parkinson’s disease: a double-blind cross-over study.
         (ergot) vs newer (nonergot) dopamine agonists. Arch neurol 2004;             Can Med Assoc J 1971; 105: 42–7.
         61: 97–102.                                                              44. Jorgenson PB, Bergin JD, Haas L. Controlled trial of amantadine
     20. Corsini GU, Del Zompo M, Gessa GL, Mangoni A. Therapeutic effi-              hydrochloride in Parkinson’s disease. N Z Med J 1971; 73: 263–7.
         cacy of apomorphine combined with an extracerebral inhibitor of          45. Walker JE, Albers JW, Tourtelotte WW, Henderson WG, Potvin AR,
         dopamine receptors in Parkinson’s disease. Lancet 1979; 1: 945–6.            Smith A. A qualitative and quantitative evaluation of amantadine in
     21. Frankel JP, Lees AJ, Kempster PA, Stern GM. Subcutaneous apomor-             the treatment of Parkinson’s disease. J Chronic Dis 1972; 25: 149–82.
         phine in the treatment of Parkinson’s disease. J Neurol Neurosurg        46. Forssmann B, Kihlstrand S, Larsson LE. Amantadine therapy in par-
         Psychiatry 1990; 53: 96–101.                                                 kinsonism. Acta Neurol Scan 1972; 48: 1–18.
     22. Hughes AJ, Bishop S, Kleedorfer B, Lees AJ. Subcutaneous apomor-         47. Snow BJ, Macdonald L, McAuley D, Wallis W. The effect of amanta-
         phine in Parkinson’s disease: response to chronic administration for         dine on levodopa-induced dyskinesias in Parkinson’s disease: a double-
         up to five years. Mov Disord 1993; 8:165–70.                                 blind, placebo-controlled study. Clin Neuropharm 2000; 23: 82–5.
     23. Pietz K, Hagell P, Odin P. Subcutaneous apomorphine in late stage
                                                                                  48. DelDotto P, Pavese N, Gambaccini G, Bernardini S, Metman JV,
         Parkinson’s disease: a long term follow up. J Neurol Neurosurg Psy-
                                                                                      Chase TN, Bonuccelli U. Intravenous amantadine improves levo-
         chiatry 1998; 65: 709–16.
                                                                                      dopa-induced dyskinesias: an acute double-blind placebo-control-
     24. Colzi A, Turner K, Lees AJ. Continuous subcutaneous waking day
                                                                                      led study. Mov Disord 2001; 16: 515–20.
         apomorphine in the long term treatment of levodopa induced
                                                                                  49. Rajput AH, Rajput A, Lang AE, Kumar R, Uitti RJ, Galvez-Jimenez N.
         interdose dyskinesias in Parkinson’s disease. J Neurol Neurosurg
                                                                                      New use for an old drug: amantadine benefits levodopa-induced
         Psychiatry 1998; 64: 573–6.
                                                                                      dyskinesia. Mov Disord 1998; 13: 851.
     25. Poewe W, Kleedorfer B, Wagner M, Bosch S, Schelosky L. Continu-
         ous subcutaneous apomorphine infusions for fluctuating Parkinson’s       50. Lees AJ. Drugs for Parkinson’s disease. Oldies but goodies. J Neurol
         disease. Long-term follow-up in 18 patients. Adv Neurol 1993; 60:            Neurosurg Psychiatry 2002; 73: 607–10.
         656–9.                                                                   51. Lees AJ, Shaw KM, Kohout LJ, Stern G. Deprenyl in Parkinson’s dis-
     26. Wenning GK, Bosch S, Luginger E, Wagner M, Poewe W. Effects of               ease. Lancet 1977; 2: 791–5.
         long-term, continuous subcutaneous apomorphine infusions on motor        52. Lieberman AN, Gopinathan G, Neophytides A, Foo SH. Deprenyl
         complications in advanced Parkinson’s disease. Adv Neurol 1999;              versus placebo in Parkinson’s disease. A double-blind study. N Y State
         80: 545–8.                                                                   J Med 1987; 87: 646–9.
     27. Manson AJ, Turner K, Lees AJ. Apomorphine Monotherapy in the             53. Golbe LI, Lieberman AN, Muenter MD, Ahlskog JE, Gopinathan G,
         treatment of refractory motor complications of Parkinson’s Disease –         Neophytides AN, Foo SH, Duvoisin RC. Deprenyl in the treatment of
         A long-term follow-up study of 64 patients. Mov Disord 2002; 17:             symptomatic fluctuations in advanced Parkinson’s disease. Clin
         1235–41.                                                                     Neuropharmacol 1988; 11: 45–55.
     28. Ellis CM LG, Parker J, Abbot R, Pye IF, Ray Chaudhuri K. Use of Apo-     54. Lees AJ, on behalf of the Parkinson’s Disease Research Group of the
         morphine therapy in parkinsonian patients with neuropsychiatric              United Kingdom. Comparison of therapeutic effects and mortality
         complications to oral therapy. Parkinsonism and Related Disorders            data of levodopa and levodopa combined with selegiline in patients
         1997; 3: 103–7.                                                              with early, mild Parkinson’s disease. Br Med J 1995; 311: 1602–7.

32   J. NEUROL. NEUROCHIR. PSYCHIATR. 2/2004
Sie können auch lesen