Medjugorje - Medjugorje Schweiz, Maria Königin des Friedens

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Medjugorje - Medjugorje Schweiz, Maria Königin des Friedens
Medjugorje
JUNI | JULI 2021

                   Medjugorje Schweiz, Maria Königin des Friedens
Medjugorje - Medjugorje Schweiz, Maria Königin des Friedens
BE GRÜ SS U N G

                                            Liebe Medjugorje–Freunde
   Botschaft     vom   25. Mai 2021
                                            Vierzig Jahre! Welch ein Geschenk des     Wasser: «Dann führte er mich zum
                                            Himmels; seit vierzig Jahren erscheint    Eingang des Tempels zurück, und ich
                                            die Gottesmutter in Medjugorje.           sah, wie unter der Tempelschwelle Was-
«Liebe Kinder!                              Unsere liebe Gospa, die Königin des       ser hervorströmte und nach Osten floss.
                                            Friedens, begleitet uns mit ihren Bot-    … Dann fragte er mich: Hast du es ge-
Ich schaue euch an und rufe: Kehrt zu       schaften schon eine volle Generation      sehen Menschensohn? Darauf führte er
                                            lang. Ein wunderbarer Gnadenstrom         mich zurück, am Ufer des Flusses ent-
Gott zurück, denn Er ist die Liebe und      und ein herrlicher Gnadenort sind         lang. Als ich zurückging, sah ich sehr
                                                           entstanden. Welch ein      viele Bäume. Wohin der Fluss gelangt,
mich hat Er aus Liebe zu euch gesandt,                     Segen für die Kirche!      da werden alle Lebewesen, alles, was sich
                                                                                      regt, leben können, und sehr viele Fische
um euch auf dem Weg der Bekehrung                         Und wie waren die Tage      wird es geben. Weil dieses Wasser dort
                                                          in Medjugorje für Dich?     hinkommt, werden die Fluten gesund.
zu führen. Lasst die Sünde und das Böse,                  Ein Benediktiner-Bru-       An beiden Ufern des Flusses wachsen
                                                          der aus einem Kloster       alle Arten von Obstbäumen. Ihr Laub
entscheidet euch für die Heiligkeit, und                  in der Schweiz gab fol-     wird nicht welken, und sie werden nie
                                            gende Antwort auf diese Frage: «Med-      ohne Frucht sein. Jeden Monat tragen
Freude wird herrschen und ihr werdet        jugorje, das ist: Kübelweise (chöbel-     sie frische Früchte; denn das Wasser des
                                            wiis) Gnaden!» Ich finde das eine der     Flusses kommt aus dem Heiligtum» (Ez
meine ausgestreckten Hände in dieser        schönsten und einfachsten Antwor-         47,1,6,9+12).
                                            ten. Kübelweise Gnaden… stellen
verlorenen Welt sein. Ich möchte, dass      wir uns mal vor, wie viele Kübel voll     In diesen vier Jahrzehnten ist Med-
                                            Gnaden da jede Woche vom Himmel           jugorje ein wahres Modell der Neu-
ihr Gebet und Hoffnung für jene seid, die   über die Pilger ausgegossen werden.       evangelisierung geworden. In alle vier
                                            Und erst in einem Jahr… und wie           Himmelsrichtungen strömt dieser
den Gott der Liebe nicht kennengelernt      viele in diesen vierzig Jahren. Ja, die   erfrischende Strom der Gnade durch
                                            kübelweisen Gnaden haben sich in ei-      die Hände der Gottesmutter. Papst
haben.                                      nen wunderbaren Gnadenstrom oder          Paul VI. bezeichnete Maria zum ers-
                                            Gnadenfluss verwandelt.                   ten Mal als «Stern der Neuevangeli-
Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid!»                                             sierung». Zudem ist der Monat Juni,
                                            Im Buch Ezechiel findet sich diese        in dem die Erscheinungen begannen,
                                            schöne Stelle vom lebensspendenden        als ganzer Monat dem Heiligsten Her-

                                                                                                                              |3
Medjugorje - Medjugorje Schweiz, Maria Königin des Friedens
B E GRÜSS UNG                                                                                                                                             IMPULS

 zen Jesu geweiht. Die Kirche hat die
 obige Stelle von Ezechiel immer mit
                                            man sollte auch die Offenbarung des Jo-
                                            hannes zu Ende lesen – es geht gut aus!     Die ersten Tage
 dem offenen Herzen Jesu verbunden:         Jesus sagt uns: Seht ich mache alles neu.
 …denn das Wasser des Flusses kommt         (Offb 21,5)»                                Bericht über die ersten Tage der Erscheinungen der Mutter-
 aus dem Heiligtum «seines Herzens».                                                    gottes in Medjugorje
 Da heisst es in der Präfation: «Aus        So preisen wir Gott, unserEN Vater
 seiner geöffneten Seite strömen Blut       im Himmel, für die Pläne seines Heils       In Medjugorje (Čitluk, Bosnien und         Armen. Ohne ein Wort zu sagen, gab
 und Wasser, aus seinem durchbohrten        mit uns Menschen. Er gibt uns nie-          Herzegowina) bezeugen sechs glaub-         Sie ihnen mit der Hand ein Zeichen,
 Herzen entspringen die Sakramen-           mals auf und lässt uns nicht im Stich.      würdige Zeugen standhaft unter Eid,        näher zu kommen. Überrascht und
 te der Kirche. Das Herz des Erlösers       Welch ein enormes Geschenk, dass            dass ihnen seit dem 24. Juni 1981 die      erschrocken näherten sich Ihr die
 steht offen für alle, damit sie freudig    Er die Mutter seines Sohnes schon           heilige Jungfrau Maria (oder ,Gospa›       Kinder nicht, obwohl sie sicher wa-
 schöpfen aus den Quellen des Heiles.»      vierzig Jahre als Hilfe und leuchtender     wie Sie die einheimische Bevölkerung       ren, dass es die Muttergottes war.
 Ich finde diesen Satz voll und ganz zu-    Stern mit uns gehen lässt!                  liebevoll nennt) fast täglich erscheint.
 treffend für Medjugorje!                                                                                                          Zweiter Tag
                                            Gemeinsam mit der ganzen Pfarrei            Erster Tag                                 Am nächsten Tag, dem 25. Juni 1981,
 Die Erscheinungen der Gospa haben          von Medjugorje wollen wir uns voll          Am erwähnten Tag gegen 18 Uhr              begaben sich die Kinder nach Verab-
 interessanterweise am 24. Juni 1981        Freude und Dankbarkeit vorbereiten          sahen die Kinder: Ivanka Ivanković,        redung wieder zur gleichen Zeit an
 begonnen. Das ist der Tag des Hoch-        auf das Jubiläum der vierzig Jahre Er-      Mirjana Dragićević, Vicka Ivanko-          den Ort, an dem ihnen am Vortag die
 festes von Johannes dem Täufer. Ich        scheinungen: DANKE, GOSPA!                  vić, Ivan Dragićević, Ivan Ivanković       Muttergottes erschienen war, in der
 möchte hier noch ein Zitat von Pater                                                   und Milka Pavlović auf dem Podbr-          Hoffnung, Sie wieder zu sehen. Auf
 Markus Vogt (Heft: Feuer und Licht,        Wir beginnen die Novene am 16.              do (Berg Crnica) eine wunderschöne,        einmal leuchtete ein Licht auf und
 April 2021) einfügen, das einige Zu-       Juni und beten miteinander eines der        junge Frau mit einem Kind in Ihren         mit ihm sahen die Kinder die Mut-
 sammenhänge erklärt: «Die Parallelen       drei bekanntesten Mariengebete: «Das
 ihrer Erscheinungen zum Auftreten Jo-      Magnificat», der Lobgesang der Got-
 hannes des Täufers als Vorläufer Christi   tesmutter; das «Salve Regina» als Zu-
 sind nicht zu übersehen. Maria zeigt       fluchtsgebet zu Maria als unsere Kö-
 sich an abgelegenen Orten und ihre         nigin, oder «Unter deinen Schutz und
 Botschaften sind, wie bei Johannes, im     Schirm» sehr passend für unsere Zeit.
 Wesentlichen Aufrufe zu Umkehr und         (Sie können gerne auch alle drei beten.)
 Busse. Die Erscheinungen Marias sind
 Zeichen der Hoffnung. Gott hat einen       Mit Gottes reichem Segen grüsst
 Plan für unsere Zeit. Maria verheisst
 uns in Fatima: Am Ende wird mein un-
 beflecktes Herz triumphieren. Übrigens;                   Pater Klemens Ulrich cb

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I M PULS                                                                                                                                                IMPULS

 tergottes, diesmal aber ohne Kind in     nicht lügen und nicht verrückt sind,     seitdem regelmässig jenen Kindern,         Als sie die Häuser verlassen hatten,
 den Armen. Sie war unbeschreiblich       wie manche Menschen gleich behaup-       die Sie an diesem zweiten Tag gesehen      hatte ein Mann, der sie begleitete,
 schön, fröhlich und lächelte. Auch       tet hatten.                              haben. Milka Pavlović und Ivan Ivan-       auf Anregung einiger älterer Frauen,
 diesmal gab Sie ihnen mit den Hän-                                                ković haben die Muttergottes nachher       Weihwasser mitgenommen, mit dem
 den ein Zeichen, sich Ihr zu nähern.     Am Ende entliess die Muttergottes die    nie mehr gesehen, obwohl sie sich das      die Kinder die Erscheinung bespren-
 Die Kinder waren ermutigt und gin-       Kinder mit den Worten: «Lebt wohl,       wünschten und sich den anderen Se-         gen sollten, um sich so vor Satan zu
 gen zu Ihr. Sie fielen gleich auf die    meine Engel!» Zuvor antwortete Sie       hern anschlossen.                          schützen. Vicka nahm dieses Wasser,
 Knie und begannen das Vaterunser,        auf die Frage der Kinder, ob Sie ihnen                                              besprengte die Erscheinung und sag-
 Gegrüsset seist du, Maria und Ehre sei   auch morgen erscheinen würde, beja-      Dritter Tag                                te: «Wenn Du die Muttergottes bist,
 dem Vater zu beten. Die Muttergot-       hend mit einem Kopfnicken.               Am 26. Juni 1981 konnten die Kin-          bleibe bei uns; wenn Du es aber nicht
 tes betete mit ihnen, jedoch nicht das                                            der die Zeit, gegen 18 Uhr, zu der         bist, geh weg!» Die Muttergottes lä-
 Gegrüsset seist du, Maria. Nach dem      Dieser Anblick war nach dem Zeug-        ihnen die Muttergottes zuvor erschie-      chelte nur darauf und blieb mit den
 Gebet begann Sie mit den Kindern         nis der Kinder unbeschreiblich. An       nen war, kaum erwarten. Sie begaben        Kindern. Dann fragte Mirjana Sie
 zu sprechen. Zuerst fragte Ivanka Sie    diesem Tag waren Ivan Ivanković und      sich wieder zum gleichen Ort. Sie wa-      nach Ihrem Namen und Sie antwor-
 nach ihrer Mutter, die zwei Monate       Milka Pavlović nicht auf dem Erschei-    ren sehr fröhlich. Diese Fröhlichkeit      tete: «Ich bin die Selige Jungfrau Ma-
 zuvor gestorben war. Mirjana bat die     nungsberg. Statt ihnen kamen Marija      vermischte sich mit Angst, weil sie        ria.»
 Muttergottes um ein Zeichen, an dem      Pavlović und Jakov Čolo. Nach ihrem      unsicher waren, was daraus wird. Sie
 man erkennen würde, dass die Kinder      Zeugnis erscheint die Muttergottes       spürten aber, dass eine innere Kraft sie   Am gleichen Tag, während die Kinder
                                                                                   zur Muttergottes zog.                      den Erscheinungsberg hinuntergin-
                                                                                                                              gen, erschien ihnen die Muttergottes
                                                                                   Noch während die Kinder auf dem            noch einmal, diesmal aber nur Marija,
                                                                                   Weg zum Erscheinungsberg waren,            und sagte: «Friede, Friede, Friede und
                                                                                   blitzte plötzlich ein Licht dreimal auf.   nur Friede!» Hinter Ihr erhob sich
                                                                                   Das war sowohl für sie als auch für die    ein grosses Kreuz. Dabei wiederholte
                                                                                   anderen, die sie begleiteten, ein Zei-     Sie noch zweimal unter Tränen: «Der
                                                                                   chen, dass die Muttergottes da war.        Friede muss zwischen den Menschen
                                                                                                                              und Gott und unter allen Menschen
                                                                                   Dieses Mal erschien Sie höher auf dem      herrschen!»
                                                                                   Berg als an den vorhergehenden Ta-
                                                                                   gen. Für einen Moment verschwand           Vierter Tag
                                                                                   Sie, aber als die Kinder zu beten be-      Am 27. Juni 1981 erschien die Mut-
                                                                                   gannen, erschien Sie wieder. Auch          tergottes den Kindern dreimal. Auch
                                                                                   dieses Mal war Sie wunderschön, hei-       bei dieser Gelegenheit stellten Ihr die
                                                                                   ter, fröhlich und lächelte.                Kinder verschiedene Fragen, die die

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                                                                                    Ihr danach wieder Fragen. Vicka fragte     denn je zuvor. Sobald die Kinder an
                                                                                    Sie: «Meine Gospa, was möchtest Du         den üblichen Ort kamen und zu be-
                                                                                    von uns?» und: «Meine Gospa, was           ten begannen, erschien ihnen die
                                                                                    möchtest Du von unseren Priestern?»        Muttergottes. Bei dieser Gelegenheit
                                                                                    Die Muttergottes antwortete: «Das          rief Sie das ganze Volk zum Glauben
                                                                                    Volk soll beten und fest glauben!» Und     auf: «Das Volk soll fest glauben und
                                                                                    den Priestern liess Sie sagen, sie mögen   keine Angst haben!»
                                                                                    fest glauben und den anderen helfen,
                                                                                    den Glauben zu stärken.                    An diesem Tag wollte auch die Ärztin,
                                                                                                                               die die Kinder während der Erschei-
                                                                                    Die Muttergottes erschien mehrmals         nung begleitet und beobachtet hatte,
                                                                                    an diesem Tag. Bei einer Gelegen-          die Muttergottes berühren. Als sie
                                                                                    heit fragten die Kinder Sie, warum         nach der Anweisung der Kinder mit
                                                                                    Sie nicht in der Pfarrkirche erschei-      ihrer Hand die Schulter der Mutter-
                                                                                    ne, wo das Volk Sie sehen könnte. Sie      gottes berührte, spürte sie ein warmes
                                                                                    sagte darauf: «Selig sind diejenigen,      Gefühl. Das gab sie, die Agnostike-
                                                                                    die nicht sehen und doch glauben!»         rin war, selbst nachher zu und sagte:
                                                                                    Obwohl der Tag sehr schwül war und         «Hier geschieht wirklich etwas Son-
 Muttergottes beantwortete. Für die      mit den Worten: «Lebt wohl, meine          viele Menschen sie mitverschiedenen        derbares!» An diesem Tag heilte die
 Priester gab Sie folgende Botschaft:    Engel! Geht in Frieden!»                   Fragen bedrängten, fühlten sich die        Muttergottes auf wunderbare Weise
 «Die Priester sollen fest glauben und                                              Kinder wie im Himmel.                      ein Kind, Danijel Šetka, den die El-
 den Glauben des Volkes stärken.»        Fünfter Tag                                                                           tern mitgebracht und für dessen Hei-
 Wieder baten Mirjana und Jakov Sie,     Am 28. Juni 1981 begannen sich die         Sechster Tag                               lung sie gebetet hatten. Die Mutter-
 ein Zeichen zu hinterlassen, da die     Menschen schon früh von allen Seiten       Am 29. Juni 1981 wurden die Kin-           gottes versprach das allerdings unter
 Leute sie bereits anschuldigten, Lüg-   zu versammeln. Bis Mittag sammel-          der zu einer ärztlichen Untersuchung       der Bedingung, dass die Eltern beten,
 ner und Drogenabhängige zu sein.        ten sich schon etwa fünfzehntausend        nach Mostar gebracht. Die Untersu-         fasten und fest glauben. Darauf wurde
 Die Muttergottes sagte ihnen darauf:    Menschen. An diesem Tag befragte           chung hat bestätigt, dass die Kinder       der Junge wieder gesund.
 «Habt keine Angst!» Vor dem Ab-         der Pfarrer, Pater Jozo Zovko, die Kin-    gesund sind. Die Chefärztin sagte
 schied fragten die Kinder Sie, ob Sie   der über alles, was sie in den vergange-   damals: «Die Kinder sind nicht ver-        Siebter Tag
 wiederkommen werde, was Sie mit         nen Tagen gesehen hatten.                  rückt, sondern derjenige, der sie hier-    Am 30. Juni 1981 schlugen zwei
 einem Kopfnicken bejahte. Beim Ab-                                                 her gebracht hat.»                         Mädchen den kleinen Sehern vor, sie
 stieg vom Erscheinungsberg erschien     Zur üblichen Zeit erschien die Mut-                                                   irgendwohin im Auto spazieren zu
 die Muttergottes noch einmal und        tergottes den Kindern wieder. Die          An diesem Tag versammelten sich am         fahren. Sie wollten sie eigentlich weit
 verabschiedete sich von den Kindern     Kinder beteten mit Ihr und stellten        Erscheinungsberg mehr Menschen             vom Erscheinungsort führen und sie

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Medjugorje - Medjugorje Schweiz, Maria Königin des Friedens
I M PULS                                                                                                                                                 IMPULS

   dort behalten, bis die Erscheinungs-      che teilzunehmen Die Kinder kamen           Während der ganzen Zeit, vom An-        herige Ankündigung. Und manchmal
   zeit vorbei war. Obwohl die Kinder        auch, und beteten den Rosenkranz vor        fang der Erscheinungen bis zum          erschien Sie dem einen und nicht den
   weit vom Erscheinungsberg entfernt        und die Muttergottes erschien auch          heutigen Tag, hat es nur fünf Tage      anderen.
   waren, wollten sie zur üblichen Zeit      hier einige Male. Selbst der Pfarrer, Pa-   gegeben, an denen die Muttergottes
   der Erscheinung, einem inneren            ter Jozo Zovko, sah die Muttergottes        keinem der Seher erschienen ist.        Wenn Sie nicht im Voraus verspro-
   Drang folgend, aus dem Auto steigen.      einmal während des Rosenkranzgebe-                                                  chen hatte, zu einem bestimmten
                                             tes. In diesem Augenblick unterbrach        Die Muttergottes erschien nicht im-     Zeitpunkt zu erscheinen, konnte nie-
   Sobald sie aus dem Auto gestiegen         er das Gebet und begann spontan das         mer am selben Ort, Sie erschien nicht   mand voraussehen, ob und wann Sie
   waren und zu beten begonnen hat-          Lied «Schön bist du, schön, Jungfrau        immer derselben Gruppe oder densel-     erscheinen würde. Sie erschien nicht
   ten, kam ihnen die Muttergottes vom       Maria» zu singen. Alle in der Kirche        ben Personen und Ihre Erscheinun-       nur den erwähnten Sehern, sondern
   mehrere Kilometer entfernten Erschei-     bemerkten, dass etwas Ungewöhnli-           gen dauerten nicht immer gleich lang,   auch anderen Menschen unterschied-
   nungsberg entgegen und betete mit ih-     ches mit ihm geschieht. Später bestä-       manchmal waren es nur zwei Minu-        lichsten Alters, verschiedener Ausbil-
   nen sieben Vaterunser.... So misslang     tigte er auch selbst, die Muttergottes      ten manchmal eine ganze Stunde.         dung, Herkunft und Berufe. Das alles
   die List dieser Mädchen. Bald danach      gesehen zu haben. Pater Jozo, der bis       Auch erschien die Muttergottes nicht    zeigt, dass die Erscheinungen nicht
   begann die Polizei den Kindern und        dann nicht nur misstrauisch, sondern        immer, wenn es die Kinder wollten       von menschlicher Regie herrühren,
   dem Volk den Aufstieg auf den Er-         auch dagegen gewesen war, über die          oder es sich wünschten. Manchmal        dass sie weder von Zeit, Ort, dem
   scheinungsberg zu verbieten.              Erscheinungen zu sprechen, wurde            erschien Sie ihnen gar nicht. Manch-    Wunsch noch vom Gebet der Seher
                                             nun zu deren Befürworter, was er spä-       mal beteten die Kinder und warteten,    oder des Volkes abhängen, sondern
   Die Erscheinungen gehen weiter            ter auch vor Gericht und sogar mit          aber die Muttergottes erschien nicht    nur vom Willen der Muttergottes.
   Obwohl es den Kindern und später          einer Gefängnisstrafe bezeugte.             in diesem Moment, sondern später
   auch dem Volk nicht mehr gestattet                                                    und zwar unerwartet und ohne vor-                 Aus dem Buch «Medjugorje»
   war, auf den Erscheinungsberg zu ge-      Seit dem 15. Januar 1982 erschien
   hen, erschien ihnen die Muttergottes      den Kindern die Muttergottes in ei-
   auch weiterhin an verborgenen Or-         nem Nebenraum in der Pfarrkirche.
   ten, in ihren Häusern und im Freien.      Das hatte ihnen der Pfarrer wegen der
   Die Kinder wurden mutiger, sprachen       neu entstandenen Schwierigkeiten
   mit der Muttergottes offener und hör-     und Gefahren ermöglicht, und zu-
   ten gerne auf ihre Ratschläge, Ermah-     vor hatte es die Muttergottes erlaubt.
   nungen und Botschaften. So dauerte        Seit April 1985 mussten die Kinder
   es bis zum 15. Januar 1982.               auf Verlangen des Diözesanbischofs
                                             diesen Nebenraum der Kirche als Er-
   In der Zwischenzeit regte der Pfarrer     scheinungsort verlassen, und von nun
   die Pilger an, am Rosenkranzgebet         an hatten sie die Erscheinungen in ei-
   und an der Eucharistiefeier in der Kir-   nem kleinen Zimmer des Pfarrhauses.

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Medjugorje - Medjugorje Schweiz, Maria Königin des Friedens
J O SEF SJA HR                                                                                                                                J O SE F SJ AH R

   Heiliger Josef                                                                      Auf die Frage, ob die Ehe zwischen
                                                                                       Maria und Josef eine wahre Ehe war,
                                                                                                                                einigung zur Zeugung von Nachkom-
                                                                                                                                men anbelangt, so wurde diese Ehe
                                                                                       unterscheidet der heilige Thomas in      nicht vollzogen. Was die Erziehung
   In diesem Jahr, das dem heiligen Josef geweiht ist, dürfen wir                      der Ehe zwei Vollkommenheiten: «Im       der Nachkommen anbelangt, so war
   mit Pater Tarcisio Stramare OSJ die erneute Aktualität des                          Hinblick auf die erste Vollkommen-       diese Ehe jedoch auch im Bezug auf
   heiligen Josef für die Kirche unserer Zeit vertiefen. Wir dür-                      heit, (die unteilbare Einheit der See-   das Handeln vollkommen.»
   fen mit Ausschnitten aus dem Buch «Er gab ihm den Namen                             len) war die Ehe zwischen der jung-
   Jesus» erleben, dass der heilige Josef für unser persönli-                          fräulichen Gottesmutter und dem          Tugend statt Alter
   ches Leben eine grosse Wichtigkeit hat.                                             heiligen Josef ganz und gar wahr, da     Das Gelingen dieser Ehe wurde nicht,
                                                                                       beide in den Ehebund eingewilligt        wie es sich die Autoren der apokry-
   Die uneigennützige Selbsthingabe         Wird bestritten, dass zwischen Maria       hatten. Der geschlechtlichen Vereini-    phen Erzählungen in ihrer Phantasie
   In der Geschichte der Erscheinung        und Josef eine wahre Ehe bestanden         gung hatten sie allerdings nicht zuge-   ausgemalt hatten, senilem Unvermö-
   des Engels an Josef im ersten Kapi-      hat, dann ist die Vaterschaft des heili-   stimmt, ausser unter einer Bedingung:    gen anvertraut, sondern Josefs Tu-
   tel des Matthäusevangeliums finden       gen Josef hinfällig und mit ihr sowohl     wenn Gott es will. Die zweite Voll-      gend. Die Altershypothese muss schon
   wir sowohl die Bezeichnung «Sohn         die Abstammung Jesu aus dem Hause          kommenheit (die Zeugung und Erzie-       alleine auf Grund des guten Rufs von
   Davids» (Vers 20) als auch die Be-       David als auch die Bezeichnung Chris-      hung von Nachkommen) bezieht sich        Jesus und Maria nachdrücklich ver-
   zeichnung «[Ehe]Mann», denn von          tus, mit welcher die Gemeinschaft der      hingegen auf das Handeln innerhalb       worfen werden, da dieser durch die
   der Bezeichnung «Marias Mann»            Christen sich an ihn wendet.               der Ehe. Was die geschlechtliche Ver-    Ehe mit einem alten Mann in keiner
   hängt die Abstammung Jesu aus dem
   Hause David ab. Nachdem der En-          Wahre Ehe
   gel erwähnt hat, dass Maria mit Jo-      Die Ehe zwischen Maria und Josef ist
   sef «verlobt» ist (Vers 18), trägt er    nicht so sehr aufgrund ihres theologi-
   ihm auf, das rechtliche Band als «ihr    schen Gehalts als vielmehr aufgrund
   Mann» (Vers 19) nicht zu lösen, und      ihrer rechtlichen Schwierigkeiten un-
   sagt: «Fürchte dich nicht, Maria als     tersucht worden, da hier eine wahre
   deine Frau zu dir zu nehmen» (Vers       Ehe mit dem Gelöbnis der Jungfräu-
   20). Josef tat dies ohne zu widerspre-   lichkeit in Einklang gebracht werden
   chen «und nahm seine Frau zu sich»       muss. Dies, sowie die Schwierigkeit,
   (Vers 24). Hieraus ergibt sich für       das Wesen der Vaterschaft des heili-
   ihn als Vater das Recht, dem Kind        gen Josef zu bestimmen, hatten zur
   den Namen Jesus zu geben (Vers           Folge, dass die Themen Ehe und Va-
   25), denn Jesus wurde in seiner Ehe      terschaft vertieft wurden, um ihre
   und von seiner legitimen Ehefrau ge-     wesentlichen Inhalte herauszuarbei-
   boren.                                   ten.

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Medjugorje - Medjugorje Schweiz, Maria Königin des Friedens
J O SEF SJA HR                                                                                                                                  J O SE F SJ AH R

   Weise geschützt gewesen wäre. Wenn       so konnte er seine Familie auf ange-     tigams» durch die Legende über             «die vornehmen Aufgaben, für welche
   Gott für die Menschwerdung seines        messene Weise versorgen und all jene     den blühenden Stab zum Ausdruck            der heilige Josef durch die göttliche
   Sohnes eine ehrbare Familie gewollt      nicht alltäglichen Beschwerlichkeiten    brachte, hat die Theologie ihre Intel-     Weisheit vorgesehen worden war», ei-
   hat, müssen wir uns diese Familie als    ertragen, die ihm auferlegt wurden,      lectus-fidei-Funktion auf die «Braut»      nen solch hohen Grad an «Würde und
   normal vorstellen – bestehend aus        um Jesus zu beschützen.                  gerichtet und dabei dargelegt, dass ihr    Heiligkeit» mit sich brachten, dass sie
   zwei Eheleuten, die gemäss den zeit-                                              ganzes Sein in angemessener Weise          nicht von den «besonderen Gnaden
   lichen und lokalen Gepflogenheiten       Die Heiligkeit Josefs                    auf die Gottesmutterschaft ausgerich-      und himmlischen Charismen» ge-
   verheiratet waren.                       Der heilige Josef wurde nicht zufällig   tet sein musste. Wir bekennen uns          trennt werden können, mit denen der
                                            als Ehemann für Maria ausgewählt.        dazu im Dogma der Unbefleckten             allmächtige Vater «ihn in überreicher
   Wir dürfen das Zeugnis des Evange-       Da seine Ehe auf die Menschwerdung       Empfängnis.                                Weise beschenkte.»
   listen Lukas nicht ausser Acht lassen,   des Wortes ausgerichtet war, ist die
   dass Jesus «für den Sohn Josefs gehal-   Annahme einer besonderen göttlichen      Ähnliches muss man sich auch für den       Die Selbsthingabe
   ten» wurde. Wenn für «Zweifel» kein      Vorsehung berechtigt.                    heiligen Josef vorstellen. Die Argu-       Da er reich mit Gaben beschenkt war,
   Raum bestehen sollte, musste der                                                  mentation stammt von Leo XIII.: «Als       welche die Bezeichnung «gerecht»
   heilige Josef zur Zeit der Eheschlies-   Während die Volksphantasie ihre          daher Gott den heiligen Josef zum Ge-      zum Ausdruck bringt, konnte der hei-
   sung in jugendlichem Alter sein. Nur     Vorstellung hinsichtlich des «Bräu-      mahl der Jungfrau Maria bestimmte,         lige Josef das vollständige Geschenk
                                                                                     gab er ihr nicht nur einen Lebensge-       seiner selbst gegenüber dem Plan Got-
                                                                                     fährten, einen Zeugen ihrer Jungfräu-      tes machen, der sich in seinem Haus
                                                                                     lichkeit und einen Beschützer ihrer        vollziehen sollte.
                                                                                     Ehre, sondern er hat ihn ganz gewiss
                                                                                     auch, entsprechend dem eigentlichen        Durch das göttliche Eingreifen in
                                                                                     Wesen der Ehe, an der hohen Würde          Marias Leben war er von Anfang an
                                                                                     seiner Gattin teilnehmen lassen.»          davon überzeugt, dass es seine Pflicht
                                                                                                                                war, sich selbst zurückzustellen. In der
                                                                                     Wenn wir zu der Bezeichnung «Ma-           Folge lernte er schliesslich durch den
                                                                                     rias Mann» auch noch die Bezeich-          Engel den göttlichen Willen kennen:
                                                                                     nung «Vater Jesu» hinzufügen, dann         «Fürchte dich nicht, Maria als deine
                                                                                     musste Joseph über reiche Gnade            Frau zu dir zu nehmen.» Er nahm
                                                                                     verfügen, um mit gebührender Treue         seine Frau um ihrer selbst willen an,
                                                                                     seinen Dienst zu versehen. Im Dekret       und folglich «erkannte er sie nicht.»
                                                                                     Inclytus Patriarcha Ioseph, in dem das     So lebte er ganz und gar die bräutliche
                                                                                     Fest des heiligen Josef festgelegt und     Bedeutung des Leibes, die sich durch
                                                                                     auf die ganze Kirche ausgedehnt wird,      «aufrichtige Hingabe» der eigenen
                                                                                     erklärt Pius IX. klar und deutlich, dass   Person auszeichnet.

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Medjugorje - Medjugorje Schweiz, Maria Königin des Friedens
J O SEF SJA HR                                                                                                                                J O SE F SJ AH R

   Die Liebe des heiligen Josef zu Ma-       den unwägbaren Erfordernissen der         Gartens Eden hervorleuchtet, wird      dass er «die Reinheit des Herzens»
   ria hat sich darin geäussert, dass er     überraschenden Ankunft des Messi-         nach dem Sündenfall leider von einem   stört, ständig die gegenseitige unei-
   mit «reinem Herzen» dem Plan, den         as, dem er den auf ewig gesegneten        dichten Nebel umhüllt, der dadurch,    gennützige Selbsthingabe gefährdet,
   Gott mit ihr hatte, zu Diensten stand.    Namen Jesus geben wird und den er                                                mit der beständigen Gefahr, dass die
   Er hat jede Form von Egoismus ver-        als Frucht des Heiligen Geistes und                                              Partner einander auf die Ebene eines
   drängt und Maria, wie der Schöpfer        nur unter rechtlichen und fürsorg-                                               reinen Objektes herabwürdigen.
   es wollte, «um ihrer selbst willen» ge-   lichen Gesichtspunkten als seinen
   liebt, indem er das Wirken des Geistes    Sohn anerkennt. Der heilige Josef ist                                            Der heilige Josef war Maria wirklich
   Gottes in ihr liebte.                     also ein Mann, der sich ganz – und                                               hingegeben.
                                             wie! – für Maria, die Auserwählte un-
   Durch seine uneigennützige Hingabe        ter allen Frauen aller Zeiten und auf                                            Wahrer und reiner Bräutigam
   an Maria und an den Messias, der in       der ganzen Erde, seine stets jungfräu-                                           Die erste Bezeichnung, mit welcher
   seinem Haus heranwuchs, ist Josef für     liche Braut, die ihm leiblich nicht                                              Matthäus den heiligen Josef vorstellt,
   alle Menschen ein leuchtendes Vor-        als Ehefrau angehört, ‚engagiert‘, wie                                           ist «Mann Marias» («vir Mariae», Mt
   bild der vollständigen Bereitschaft       man heute sagt, sowie auch für Je-                                               1,16). Die zweite Bezeichnung lau-
   und Annahme der Anforderungen             sus, der zwar kraft gesetzlicher, aber                                           tet «Sohn Davids» («filius David»,
   des Christentums. Der heilige Josef       nicht natürlicher Abstammung sein                                                Vers 20). Zwischen die beiden Be-
   ist tatsächlich und von Rechts wegen      Nachkomme ist. Ihm fallen die Last,                                              zeichnungen fügt der Evangelist die
   derjenige, der uns «in die Seligkeiten    die Verantwortung, die Risiken und                                               Eigenschaft «gerecht» («iustus», Vers
   der Frohen Botschaft einführt», wie       die Mühsal der kleinen, einzigartigen                                            19) ein, welche Josef jenen Grad an
   es Paul VI. in einer Auslegung so gut     heiligen Familie zu. Er dient, arbeitet                                          Heiligkeit sichert, der für die Aufgabe
   formuliert hat. Josef wird dort fol-      und opfert sich auf, im Schatten jenes                                           des Mannes Marias und des Sohnes
   gendermassen beschrieben: Er stellt       evangelischen Bildes, in welchem wir                                             Davids erforderlich ist, nämlich die
   «seine Freiheit, seine rechtmässige       ihn so gerne betrachten; und sicher                                              Einfügung des Wortes Gottes in die
   menschliche Berufung, sein Eheglück       bezeichnen wir ihn jetzt, da wir alles                                           Menschheitsfamilie.
   sogleich den göttlichen Plänen zur        über ihn wissen, nicht zu Unrecht als
   Verfügung, indem er den Stand, die        beglückt und selig.»                                                             Es versteht sich, dass Matthäus auf die
   Verantwortung und die Last der Fa-                                                                                         Ehe von Maria mit Josef hinweist, da
   milie auf sich nimmt und um einer         Die besondere Ehe des heiligen Josef                                             die Messianität Jesu – der durch das
   unvergleichlichen jungfräulichen Lie-     führt den Eheleuten die Vollkommen-                                              Wirken des heiligen Geistes empfan-
   be willen auf die natürliche eheliche     heit der «ehelichen Hingabe» wieder                                              gen wird – allein von dieser Ehe ab-
   Liebe, die sie begründet und nährt,       vor Augen. Diese Vollkommenheit,                                                 hängt: Josef wird als Mann Marias
   verzichtet. In vollkommener Übereig-      die bereits zu Beginn der Schöpfung                                              bezeichnet (Verse 16 und 19). Als
   nung überlässt er seine ganze Existenz    in den beiden zentralen Gestalten des                                            solcher sieht er sich im Recht, sich

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Medjugorje - Medjugorje Schweiz, Maria Königin des Friedens
J O SEF SJA HR                                                                                                                                  I N TE RV I E W

                                                                                      Ein Ort der Rückkehr zu Gott
                                                                                      Ein Interview mit Pater Miljenko Šteko. Pater Miljenko Šteko
                                                                                      studierte Theologie in Zagreb und Bologna und schloss mit
                                                                                      dem Doktorat auf dem Gebiet der spirituellen Theologie am
                                                                                      Teresianum in Rom ab. Er war jahrelang Kaplan in Medjugorje
                                                                                      und danach Leiter des Informationszentrums MIR, bis er 2013
                                                                                      zum Provinzial der franziskanischen Provinz in der Herzego-
                                                                                      wina ernannt wurde. Wegen seiner Weitsicht, Menschlichkeit
                                                                                      und theologischen Tiefe wurde er auch zum Präsidenten der
                                                                                      UFME (Unio fratorum minorum Europae) gewählt.

                                                                                      Lieber Pater Miljenko, erzählen
                                                                                      Sie uns über die Aufgabe Ihrer
                                                                                      Provinz in der Seelsorge der Be-
   von ihr zu trennen (Vers 19). Dann      Augenblick der Empfängnis Jesu –           völkerung der Herzegowina?
   nimmt er sie zu sich (Verse 20 und      während oder nach der Verlobung –          Wenn wir den historischen Kontext
   25), und Maria wird als Josefs Frau     zu informieren, als vielmehr daran, zu     betrachten, dann finden wir kaum
   bezeichnet (Verse 20 und 24).           behaupten, dass diese einzig auf das       irgendwo auf der Welt eine franziska-
                                           Wirken des Heiligen Geistes zurück-        nische Gemeinschaft, die mit einem
   Zwar herrscht eine gewisse Unsi-        zuführen ist (Vers 18), also ausserhalb    Volk, einer geographischen Gegend,
   cherheit über die Bedeutung von         jeder menschlichen Mitwirkung liegt.       in allen Bereichen der Geschichte,
   «mnesteúo» (Vers 18), das sowohl        Andererseits müssen die gleichen           des Lebens und der Geographie so
   «Verlobung» heissen als auch für die    Übersetzer, die es für notwendig er-       sehr zusammengewachsen ist wie
   verheiratete Frau benutzt werden        achten, Maria während der Verkündi-        diese Provinz, die Herzegowina, hier.
   kann, die mit ihrem Mann zusam-         gungsszene als «Verlobte» zu bezeich-      Historischen Quellen zufolge sind
   menlebt (vgl. Lk 2,5). Es muss jedoch   nen, dann zugeben, dass in jüdischer       die Franziskaner seit mehr als sieben
   gesagt werden, dass die Unterschei-     Zeit die Verlobung gleichbedeutend         Jahrhunderten hier präsent. Heute ist
   dung zwischen Verlobung und Ehe,        mit der Ehe war, um Marias Jungfräu-       ungefähr die Hälfte von uns in der
   die Kommentatoren und Übersetzer        lichkeit besser wahren und ihren gu-       Herzegowina und die andere Hälf-        besondere Weise die Arbeit in den
   häufig verwenden, für Matthäus kei-     ten Ruf schützen zu können.                te ist über drei Kontinente – Euro-     Pfarreien, die Arbeit mit vielen Fran-
   nerlei Bedeutung hatte. Ihm ist nicht                                              pa, Amerika und Afrika – verstreut.     ziskanerjugendlichen (FRAMA), mit
   so sehr daran gelegen, uns über den                         Fortsetzung folgt...   Unser pastorales Wirken umfasst auf     dem franziskanischen weltlichen Or-

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I N T E RVIEW                                                                                                                                        I N TE RV I E W

   den (FSR), mit Ministrantengruppen,       Bischof Petar Palić ist nicht neu im
   Gebetsgruppen, Chören und auch            bischöflichen Dienst, da er bereits Er-
   den Religionsunterricht in Pfarreien      fahrung als Diözesanbischof in der Di-
   und Schulen. Es gibt auch zahlreiche      özese Hvar in Kroatien hat. Aber hier
   kulturelle Veranstaltungen und Insti-     ist er neu, er ist erst seit ein paar Mo-
   tutionen.                                 naten unser Bischof. Meine Botschaft
                                             zu Beginn seines Dienstes war eine
   Wie sehen Sie die Seelsorge der           Botschaft der brüderlichen Offen-
   Provinz in Medjugorje?                    heit. Eine Botschaft der Bereitschaft
   Bei dem, was ich allgemein über un-       zur Zusammenarbeit im Dienst voller
   sere Seelsorge gesagt habe, ist es un-    Achtung vor allem, was Gott, die Kir-
   möglich, das Engagement, die Last         che und das Volk betrifft. Nach die-
   und das Opfer vieler Brüder nicht zu      ser kurzen Erfahrung kann ich sagen,
   erwähnen, die in der Pfarrei Medju-       dass der Bischof sehr zuvorkommend
   gorje gewirkt haben und wirken. Sie       und offen ist. Man kann feststellen,
   und viele andere haben geholfen und       dass er gut vorbereitete, sprachlich
   dazu beigetragen, dass die Gnade und      schöne und theologisch fundierte
   die Barmherzigkeit Gottes an diesem       Vorträge und Predigten hält. Auch bei       schon bevor er nach Medjugorje kam,      geschickt hat und dass es eine Gnade
   Ort sichtbar werden, besonders durch      Begegnungen ist er herzlich. Ich hoffe      so viele verantwortungsvolle Dienste     ist, mit einer solchen Person zusam-
   das Sakrament der Busse. Bei allen        sehr, dass seine pastorale Arbeit von       und Aufgaben geleistet. Durch das        menzuarbeiten.
   Unzulänglichkeiten – in der Hoff-         grossem Nutzen für die Kirche in der        Dekret des Heiligen Stuhls hat er als
   nung, dass ich mit diesen Worten die      Herzegowina sein wird.                      Erzbischof die ihm in Medjugorje         Sie haben jahrelang in Medjugorje
   Tugend der Demut nicht fallen lasse                                                   zustehenden Befugnisse und Rechte.       als Pfarrkaplan und Direktor des
   – kann ich sagen, dass wir als Franzis-   Wie arbeiten Sie mit Erzbischof             Andererseits hinterlässt die Tatsache,   Informationszentrums «MIR» ge-
   kaner in Medjugorje eine erkennbare       Henryk Hoser, dem päpstlichen               dass er Ordensmann und ehemaliger        arbeitet. Wie hat sich das Informa-
   pastorale Spur und ein schönes Zeug-      Gesandten für die weitere pasto-            Missionar war, ein wirklich schönes      tionszentrum MIR entwickelt und
   nis hinterlassen haben, wofür uns vie-    rale Entwicklung von Medjugorje,            Merkmal evangeliumsgemässer Be-          wie viele Hörer und Leser erreicht
   le Pilger oft danken.                     zusammen?                                   scheidenheit in ihm. Erzbischof Ho-      diese Organisation?
                                             Erzbischof Hoser ist eine Person, die       ser hat eine ausdrucksstarke Marien-     Von Beginn meines Dienstes an war
   Im September 2020 erfolgte die            mit wenigen Worten schwer zu be-            frömmigkeit und scheint irgendwie        mir klar, dass ich auf einem Feld, das
   feierliche Amtseinführung von Dr.         schreiben ist. Er hat in diesen fast acht   mit Medjugorje zusammengewachsen         nicht in erster Linie meines ist, nicht
   Petar Palić in Mostar. Wie ist die        Jahrzehnten seines Lebens unglaublich       zu sein. Ich kann nur sagen, dass ich    grossspurig sein darf. Deshalb über-
   Zusammenarbeit mit dem neuen              menschliche, berufliche und kirchli-        Papst Franziskus dankbar bin, dass er    liess ich das meiste davon anderen
   Bischof?                                  che Erfahrungen gesammelt. Er hat,          Erzbischof Hoser nach Medjugorje         Fachleuten und Professionellen, ob-

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I N T E RVIEW                                                                                                                                         I N TE RV I E W

   wohl ich formal Direktor war. Alles,     rje. Es ist eigentlich eine wundersa-      dass Gottes Wege hoch über unseren         Die Muttergottes ruft immer wie-
   was im Informationszentrum entstan-      me Geschichte in unserer Zeit. Der         Wegen und Seine Gedanken über              der zum Gebet auf. Wie versuchen
   den ist, ist die Frucht der Suche der    Beichtstuhl der Welt ist jetzt in dieser   unseren sind. Abschliessend kann ich       Sie dies als Priester weiterzugeben?
   Pilger, die mit Medjugorje in Verbin-    Pandemie zur Gebetsoase der virtuel-       sagen, dass das Informationszentrum        Ich muss hier etwas ausführlicher
   dung bleiben wollten. Wenn ich Ihnen     len Welt geworden. Kardinal Chris-         die ganze Zeit über versucht hat, alles,   über das Gebet sprechen. Das, was
   sage, dass das abendliche Gebetspro-     toph Schönborn hat einmal gesagt,          was in Medjugorje geschieht, wahr-         ich in der Theologie gelernt habe, ist
   gramm durch Geräte, die vom Infor-       dass er diesen «Baum» (Medjugorje)         heitsgemäss zu vermitteln und Pilgern      die Haltung, dass jedes unserer Ge-
   mationszentrum kontrolliert werden,      sehen möchte, von dem er so viele          verschiedener Sprachen zu dienen.          spräche mit Gott in seinem tiefsten
   in diesem Jahr bis zu 4 Millionen – 4    Früchte auf der ganzen Welt gesehen        Und noch etwas: Je näher wir diesem        Wesen Gebet sein sollte. Darüber
   Millionen verschiedene IP-Adressen –     hat. Und wir, die wir neben diesem         Phänomen sind, desto grösser ist die       hinaus trägt auch unsere menschli-
   erreicht hat, dann wissen Sie, was das   Baum stehen, erkennen einfach, dass        Verantwortung. Das verlangt von uns        che Suche nach der Nähe Gottes die
   bedeutet. Mehrmals in diesem Jahr        dieser Baum viel fruchtbarer ist als       auch der liebe Gott, die himmlische        Umrisse des Gebets. So war es in der
   mussten sie zusätzliche Server kaufen.   es auf den ersten Blick scheint. Alles     Mutter Maria, die Kirche und jeder         gesamten Heilsgeschichte. Eine an-
   Das spricht am besten für Medjugo-       deutet auf die biblische Weisheit hin,     Pilger.                                    dere und völlig neue Dimension des
                                                                                                                                  Gebets fand zu Pfingsten statt, als die
                                                                                                                                  Kirche aus dem Heiligen Geist gebo-
                                                                                                                                  ren wurde. Die selige Jungfrau Maria
                                                                                                                                  befand sich inmitten dieser betenden
                                                                                                                                  Gemeinschaft, die nach dem Kom-
                                                                                                                                  men des Heiligen Geistes zur Kirche
                                                                                                                                  wurde. Zu Maria zu beten und sie zu
                                                                                                                                  verehren bedeutet auch, ihre histori-
                                                                                                                                  sche und rettende Sendung für jeden
                                                                                                                                  von uns in der Kirche, im Leib Chris-
                                                                                                                                  ti, anzuerkennen. Die selige Jungfrau
                                                                                                                                  Maria ist unsere Fürsprecherin. Sie
                                                                                                                                  selbst ruft uns mütterlich zum Gebet
                                                                                                                                  auf. Sie lädt uns ein, dass wir uns ihrer
                                                                                                                                  Fürsprache anvertrauen. Und sie er-
                                                                                                                                  wähnt so oft das Herz: «Betet mit dem
                                                                                                                                  Herzen!» Letztendlich muss das Gebet
                                                                                                                                  auch aus dem Herzen kommen. Und
                                                                                                                                  was die Weitergabe an andere betrifft,
                                                                                                                                  möchte ich Folgendes sagen:

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I N T E RVIEW                                                                                                                                         I N TE RV I E W

                                                                                         Erscheinungen klang für uns vom           kandidaten haben Sie in Ihrem
                                                                                         ersten Tag an wahr. Als Kind bin ich      Seminar?
                                                                                         mehrmals zu Fuss nach Medjugorje          In den letzten Jahren waren es unge-
                                                                                         gepilgert, es ist etwa siebzig Kilome-    fähr fünfzig junge Brüder. Das ist eine
                                                                                         ter von meinem Geburtsort entfernt.       wirklich grosse Zahl. In unserem No-
                                                                                         Meine Überzeugung blieb von damals        viziat in Humac sind jetzt zehn jun-
                                                                                         bis heute gleich.                         ge Männer. Heuer ist es das mitglie-
                                                                                                                                   derstärkste Franziskaner-Noviziat in
                                                                                         Warum sind Sie Priester gewor-            Europa. Wir sind glücklich und Gott
                                                                                         den? Haben Sie nicht vorher ein           sehr dankbar, dass wir so viele Kandi-
                                                                                         technisches Studium absolviert?           daten haben. Jede geistliche Berufung
                                                                                         Mein verstorbener Vater, der in           ist in erster Linie Gottes Werk, Gottes
                                                                                         Deutschland gearbeitet hat, hatte dort    Gabe an einen konkreten Menschen
                                                                                         eine eigene Firma und wollte, dass ich    für andere Menschen. Ich bin sicher,
                                                                                         einen elektrotechnischen Beruf wähle.     dass viele von ihnen morgen in Med-
                                                                                         In den 1980er Jahren sind die Farb-       jugorje arbeiten und den Pilgern zur
                                                                                         fernseher herausgekommen, und er          Verfügung stehen werden.
                                                                                         glaubte, dass die Zukunft in einem
            Jedes unserer wahren Gebete        heit der Erscheinungen geglaubt?          elektronischen Dienst und in einem        Was möchten Sie den Pilgern, die
   ist ein Gebet im Heiligen Geist. Das        Sie waren zu Beginn der Erschei-          Unternehmen, das sich mit dem Kauf        wegen der Corona-Pandemie nicht
   bedeutet, dass wir es nicht engstirnig      nungen 12 Jahre alt. Wann haben           und der Reparatur dieser Geräte be-       nach Medjugorje kommen kön-
   verschliessen können. Der Heilige           Sie das erste Mal von Medjugorje          fassen würde, liegt. Aber das war nicht   nen, sagen?
   Geist öffnet uns gerade im Gebet für        gehört?                                   nur eine Idee. Er baute mir auch ein      Ich erzähle Ihnen etwas Poetisches.
   die weiteren Dimensionen der leben-         Ja. Ich war im Juni 1981 elfeinhalb       Haus mit den dafür vorgesehenen           Der kroatische Schriftsteller Ivan
   digen Beziehung zwischen Gott und           Jahre alt. Ich glaube, ich bin zum ers-   Arbeitsräumen. Und dann ereignete         Aralica schrieb den Roman «Der
   dem Menschen, und dann auch zwi-            ten Mal im Juli 1981 hergekommen.         sich meine Berufung. Fast unerwartet      Weg ohne Schlaf». Er beschreibt die
   schen den Menschen. Diese Weite des         Meine Eltern haben mich mitgenom-         für alle um mich herum, aber sehr er-     grosse Migration des Volkes aufgrund
   Gebetes, diesen Katholizismus in der        men. Ich erinnere mich an eine grosse     wartet von mir. Heute habe ich den        der grossen türkischen Besetzung am
   schönsten Form, habe ich in Medjugo-        Menschenmenge, an die Gebete und          Eindruck, dass sie von Anfang an in       Ende des 17. Jahrhunderts von Rama
   rje erlebt. Jeder betet in seiner eigenen   an die Stille während der Erscheinung.    meine Seele eingepflanzt war. Und ich     nach Split. Vor der Flucht und Abrei-
   Sprache und wir verstehen uns alle.         Ich hatte den Eindruck, dass alle An-     bin glücklich in meiner Berufung.         se gab es die Vereinbarung, dass das
                                               wesenden glaubten. Wir kamen mit                                                    Volk seine Häuser und die Mönche
   Eine ganz persönliche Frage: Ha-            dem Glauben an die Echtheit der Er-       Wie stark sind die Berufungen in          ihr Kloster und ihre Kirche nieder-
   ben Sie schon immer an die Echt-            scheinungen. Die Nachricht von den        Ihrer Provinz? Wie viele Priester-        brennen. Man sollte das Notwen-

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I N T E RVIEW                                                                                                                                    I N TE RV I E W

   digste in einem Bündel mitnehmen            Geld, noch Autos, Städte, Dörfer,      hafte, Unverderbliche, Unsterbliche,    sondern das in der Ewigkeit weiter-
   und sich auf einen schlaflosen Weg          Staaten, Pläne und Ideen. Es ist tö-   das Ewige suchen. Es gibt ein Leben     geht. Daher muss die Fürsorge für das
   begeben. Und so geschah es. Als alles       richt, sich auf etwas Vergängliches    der Seele, das kein Ende hat, dem der   ewige Leben Vorrang haben, wenn
   schon in Flammen stand, gab es eine         zu verlassen. Man muss das Dauer-      Tod nicht die Augen schliessen kann,    der Mensch vollkommen glücklich
   Begebenheit mit dem Gnadenbild                                                                                             und erfüllt sein will. Dazu lädt uns
   der Muttergottes. Sie nahmen es mit                                                                                        die Muttergottes ein. Daher würde
   und es wurde vom Franziskaner Pater                                                                                        ich die obige Frage mit einer anderen
   Stjepan getragen. Er schaute auf das                                                                                       Frage beantworten: «Was haben wir
   Bild der Muttergottes und ihre Augen                                                                                       aus Medjugorje mitgenommen?» Es
   schauten auf den Boden. Er fragte die                                                                                      gibt eine einfache Antwort: den Ro-
   Muttergottes: «Reinste, schau, wohin                                                                                       senkranz. Ich glaube, dass jeder Pilger
   sie uns führen und wohin sie uns trei-                                                                                     einen Rosenkranz mitgenommen hat.
   ben.» Sie aber schüttelte den Kopf und                                                                                     Ein Gesätzchen kann man immer be-
   flüsterte: «Ich brauche nicht schauen,                                                                                     ten, dann wieder eines und dann noch
   ich weiss das alles.» Ich möchte jetzt                                                                                     eines. Wenn man allein zu Hause ist
   nur noch hinzufügen: Unsere Mutter-                                                                                        oder mit anderen in der Familie, wenn
   gottes, die Königin des Friedens, weiss                                                                                    man mit dem Auto fährt, wenn man
   auch jetzt alles und sie sieht alles! Sie                                                                                  im Park ist oder allein spazieren geht.
   begleitet uns und wacht über uns,                                                                                          Sprecht mit Gott beim Beten des Ro-
   wo immer wir sind. Seit Jahrzehnten                                                                                        senkranzes! Es genügen sogar eure
   spricht sie auf wundersame Weise                                                                                           zehn Finger, oder fünf an einer Hand.
   durch Medjugorje zur ganzen Welt.                                                                                          Darüber hinaus könnt ihr durch die
   Und wir können, im Bewusstsein                                                                                             Medien jeden Abend mit dem Gebet
   ihres mütterlichen Schutzes, überall                                                                                       in Medjugorje verbunden sein.
   und jederzeit zu ihr beten.
                                                                                                                              Im Jahr 2020 jährte sich der 20.
   Wie kann man Medjugorje auch                                                                                               Todestag von Pater Slavko. Kön-
   zu Hause erleben?                                                                                                          nen Sie uns von Ihren Erfahrun-
   Die Muttergottes macht uns oft da-                                                                                         gen mit Pater Slavko erzählen?
   rauf aufmerksam, dass alles Irdische                                                                                       Pater Slavko war 1989/90 mein Leh-
   vergänglich ist. So auch dieser Kampf                                                                                      rer und Erzieher im Noviziat in Hu-
   mit dem Virus. Nichts ist dauerhaft                                                                                        mac. Während meines ersten Jahres
   auf dieser Erde, noch können wir                                                                                           im Franziskanerkloster war ich sehr
   es mitnehmen: weder Häuser noch                                                                                            mit ihm verbunden. Am Morgen hat

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I N T E RVIEW                                                                                                                                        I N TE RV I E W

   er uns unterrichtet und uns Vorträge       blick, der dich aus dem Kreislauf des
   gehalten, dann ist er nach Medjugo-        Lebens herausführt, da du das tägli-
   rje gefahren. Zurückgekommen ist           che, ziellose Herumkreisen schon satt
   er spätabends, wenn das Gebetspro-         hast und der dich zu dir selbst zurück-
   gramm zu Ende war. Es gibt viele           bringt. Der Augenblick, in dem die
   Ereignisse, an die ich mich erinnere.      Seele den Körper einholt und sich im
   Aber ich werde eines erwähnen, das         Herzen und in den Gedanken festsetzt
   mir viel bedeutet. Pater Slavko hat        und das Herumkreisen verschwindet.
   vorgeschlagen, dass wir jeden Freitag      Es ist diese Zeit, in der ich mir und
   um 4 Uhr morgens auf den Kreuzberg         Gott vor einem Priester alles erzähle,
   gehen. Er betete am Anfang und zum         womit ich mich selbst zerstört habe,
   Schluss, und überliess uns bei den ein-    anderen geschadet habe, die Schön-
   zelnen Stationen das Gebet und die         heit der Gnade verloren habe. Die
   Betrachtung. Ungeachtet der Wetter-        Zeit, in der wir uns jetzt befinden,
   bedingungen gingen wir jeden Freitag       entfremdet und entmenschlicht. Sie
   auf den Kreuzberg. Neben einigen           nimmt dem Menschen das letzte Mass
   persönlichen Gesprächen, die ich für       an Würde. Diese Welt braucht Med-
   mich behalten möchte, waren dies           jugorje, das zum Beichtstuhl der Welt
   besondere Perlen meiner spirituellen       geworden ist. Ich möchte, dass die
   Reifung an der Seite von Pater Slavko.     Welt an diesem grossen 40. Jahrestag
                                              von Medjugorje zu dieser verlorenen
   Was wünschen Sie sich für das              Würde des Bildes und Abbildes ih-
   neue Jahr 2021? Für sich, für              res Schöpfers zurückkehrt, vor allem       viele von denen, die Christen heissen,     rem Leben vorgelebt habt. Ich bitte
   Medjugorje und für die Welt?               durch die heiligen Sakramente.             überhaupt nicht an eine persönliche        und ermutige euch, die Kraft für die
   Für einen Priester gibt es kein besseres                                              Auferstehung glauben. Oder wie viele       Neuevangelisierung, für den Kampf
   Gefühl, als vom Beichte hören müde         Was möchten Sie unseren Lesern             von denen, die sagen, dass sie an Gott     um die menschlichen Seelen, zu dem
   nach Hause zu kommen. Das ist al-          zum Schluss noch sagen?                    glauben, aber so leben, als gäbe es kei-   uns auch die Muttergottes aufruft,
   len Priestern in Medjugorje passiert.      Die Zeit, in der wir leben, ist die Zeit   nen Gott. Viele von euch Medjugor-         nicht zu verlieren.
   Dies ist mein Wunsch für Medjugorje        eines grossen Abfalls von Gott und         je-Pilgern wurden Zeugen dafür, dass
   und seine Beichtväter und Pilger im        von der Kirche. Ich glaube, dass vor       Medjugorje ein Ort der Rückkehr zu         Lieber Pater Miljenko, vielen
   Jahr 2021. Warum? Das Sakrament            allem ihr, liebe Leser und Leserin-        Gott wurde. Ich möchte jedem von           Dank für das Interview!
   der Busse ist ein ausdrückliches und       nen im deutschen Sprachraum, das           euch dafür danken, dass ihr auch an-
   grundlegendes Zeichen für die Vita-        sehr gut erkennt und spürt. Ich weiss      deren geholfen habt, nach Medjugorje                         Gebetsaktion Wien,
   lität des Glaubens. Es ist der Augen-      nicht, ob es Ihnen aufgefallen ist, dass   zu kommen, und ihnen das mit eu-                         Dr. Maximilian Domej

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E RL EBNIS BERI CHT E                                                                                                                 E RL E BN I S BE RI C H TE

   Pilgererfahrungen                                                                  schlechte Strassenverhältnisse durch
                                                                                      Eisglätte. Die Route führe über einen
                                                                                                                                Fahrt nach Medjugorje
                                                                                                                                Mein Mann bedankte sich und be-
                                                                                      hohen Pass mit gefährlichen engen         stellte das Nachtessen auf unsere Zim-
   Verschiedene Personen erzählen von ihren ersten Erfahrun-                          Serpentinen. Schliesslich erfuhren wir    mer-Terrasse. Als die Kellner abräum-
   gen in Medjugorje.                                                                 in einem Reisebüro, dass es sogar Flü-    ten, breitete er eine Landkarte auf,
                                                                                      ge dorthin gebe. Morgen sei ein Flug,     zeichnete mit einem roten Stift die
   Erste Wallfahrt nach Medjugorje          unten in Jugoslawien gehört zu ha-        aber der Rückflug erfolge erst in einer   Reiseroute und sagte plötzlich: «Mor-
   1982                                     ben. Mir hatten auch schon Mitpilger      Woche. Für uns ungeeignet. Auch die       gen um 4 Uhr gehen wir.» Ich fragte:
   In den 70er und 80er Jahren begeis-      zugetragen, diesen Ort zu besuchen.       Hotelrezeptionistin warnte uns. Sie       «Wohin?» – «Nach Medjugorje», war
   terten wir viele Gäste, den wohlklin-    Ein Blick zurück: Ab 1952 boten wir,      flunkerte, die Fahrt mit dem Auto         seine Antwort. Obwohl uns alle für
   genden Bade- und Kurort Portorož         damals als Gebr. Knecht Windisch,         nach Medjugorje dauere mindestens         verrückt hielten, starteten wir um 4
   zu entdecken. Regelmässig fuhren         Pilgerfahrten nach Lourdes an. Von        zwei Tage. Als Ausländer würde man        Uhr in der Früh. Es war eine Fahrt
   die Knecht Busse südwärts, damals        der Kirche nicht anerkannt, forderte      uns anhalten, kontrollieren, nach den     voller Überraschungen, landschaftlich
   nach Jugoslawien, heute gehört Porto-    der Bischof von Solothurn persönlich      Pässen fragen und diese eventuell ein-    aber unvergesslich schön. Oft wurden
   rož zu Slowenien. Immer interessiert     meinen Gatten auf, vor ihm unsere         ziehen.                                   wir angehalten und mussten den Kof-
   wollte Walter Knecht, mein Gatte,        Pilgeraktivitäten zu rechtfertigen. Das
   ein Hotel testen. Er meldete sich für    Gespräch war schwierig. Es gelang
   eine Badekur ausserhalb der Saison       meinem Gatten, Vorwürfe zu entkräf-
   im November 1981 in Portorož an.         ten. Auch diesem neuen Pilgerort in
   Erwartungsvoll fuhren wir mit dem        Jugoslawien fehlte jegliche kirchliche
   Auto dorthin. Enttäuscht kam er nach     Unterstützung. Wieso also nochmals
   der obligatorischen Arztvisite zurück,   eine Vorladung beim Bischof riskie-
   ohne Behandlungstermin. Jugosla-         ren?
   wiens Langzeitpräsident Tito feiere
   nämlich Geburtstag. Er mache jetzt       Doch ich erinnerte mich und nann-
   im November ein grosses Fest. Aus        te den Namen: Medjugorje. Auf dem
   diesem Grunde sei alles für mehrere      Rückweg ins Hotel fragte mein Mann
   Tage geschlossen. Niemand hatte uns      eine Supermarkt-Verkäuferin und
   darauf aufmerksam gemacht. Es gebe       weitere Einheimische, was sie von Me-
   für uns keine Aktivitäten. Hier waren    djugorje wüssten. Wir ernteten nur
   wir und wussten nicht, wie weiter.       bedauernde Blicke oder Kopfschüt-
                                            teln. Ein Taxifahrer riet uns dringend
   Bei einem Spaziergang sinnierte mein     von einer Fahrt mit dem Auto ab.
   Mann, von einem Wallfahrtsort weit       Jetzt im November gebe es Frost und

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   ferraum öffnen, und auch für die Pässe     ten legte er den Termin auf den Mon-      keine geeigneten Hotels, Telefonieren   bin 1930 geboren und durfte in mei-
   interessierten sich die Polizisten. Sie    tag nach dem Weissen Sonntag Mitte        war eine zeitraubende Kunst. Um ein     nem Leben viele Gnadenorte besu-
   fragten uns nach unserem Reiseziel und     April 1982 fest. Die Plätze im ersten     Zubrot für ihre Familien bemüht,        chen, Pilger und Suchende begleiten
   wir sagten immer, bald schmunzelnd         Car mit Pilgern aus der Schweiz waren     boten Frauen Privatzimmer an. Die       und erleben, wie diese bereichert und
   «Medjugorje». Von ihnen wollten wir        heiss begehrt. Da ich zur gleichen Zeit   Gäste wurden auf verschiedene Häu-      geläutert zurückgekehrt sind. Ich gra-
   wissen, ob wir auf dem richtigen Weg       in Lourdes weilte, leitete Frau Elisa-    ser verteilt und assen dort. An Gast-   tuliere zum Jubiläum, hoffe und bete
   seien oder ob sie uns eine andere Route    beth Pfister die Pilgergruppe. Ohne       freundschaft und reichlich Speis und    auf eine baldige Reisefreiheit.
   empfehlen könnten. Sie waren zuvor-        Priester! Denn wie schon erwähnt,         Trank mangelte es nicht. Nach dem
   kommend und freundlich; die Pässe er-      äusserte sich die Kirche sehr kritisch    Aufenthalt der Aufbruch nach Hau-       An dieser Stelle danke ich ganz herz-
   hielten wir immer wieder retour! Bald      zum Wallfahrtsort Medjugorje und          se: Da ein wichtiger Übergang vereist   lich Elisabeth Pfister, Pilgerleitung,
   erreichten wir unser Ziel: Die Kirche      den Erscheinungen. Zwei erfahrene         war, erfolgte die Rückreise über Ös-    Beni Hagg, Busfahrer, und Syl-
   im Wallfahrtsort Medjugorje. Die Pil-      Busfahrer wechselten sich am Steuer       terreich. Soweit meine Ausführungen     via Keller-Waltisberg, Reiseleitung
   ger standen bis vor die Kirche und be-     des Reisecars ab: Beni Hagg und mein      zur Vorbereitung rund ums Abenteuer     Medjugorje. Sie haben die Wall-
   teten den Rosenkranz, so überfüllt war     Mann, Walter Knecht, steuerten den        der ersten Wallfahrt nach Medjugorje    fahrten aufs Beste geleitet. Heute
   der Kirchenraum mit Gläubigen. So          Pionierbus. Der gutbesetzte 50 Plät-      1982, vor 39 Jahren.                    zeichnet Marianne Baldinger-Lang
   wussten wir, dass dies ein Ort des Ge-     zer verliess Windisch um 15 Uhr am                                                für das Programm, die Reisleitung
   betes ist. Als am nächsten Morgen drei     Sonntagnachmittag nach Ostern und         Wie es trotz Widerständen zur ersten    und die Wahl des geistlichen Leiters
   voll besetzte Busse ankamen – aus der      erreichte das Ziel am Montag gegen        Pilgerfahrt nach Medjugorje kam,        verantwortlich.
   Region um Portorož, wo wir im Hotel        Mittag. Nützliche Mitbringsel wie         habe ich Ihnen nun geschildert. Ich                Olga Knecht-Frei, Windisch
   logiert hatten – suchte mein Mann das      Waschpulver, Kaffee, Teigwaren und
   Gespräch mit der Reiseleiterin. «Ob sie    Schokolade fehlten ebenso wenig wie
   an die Erscheinungen glaube?» «Aber        ein Gas-Grill, 40 Liter Wasser für
   sicher», war die Antwort, sie komme        Suppe, Würste und Getränke. Not
   jede zweite Woche mit voll besetzten       macht erfinderisch. Elisabeth Pfister
   Bussen. Sehr beeindruckt besuchten         und Beni Hagg brieten und siedeten
   wir den Gottesdienst. Anschliessend        Würste. Welch ein Komfort, ein Wie-
   ging mein Mann im Pfarrhaus bei den        nerli oder eine heisse Suppe zu genie-
   Franziskanern vorbei. Sie halfen bei der   ssen! Zwar stand eine Bord-Toilette
   Suche nach einer Unterkunft für die        zur Verfügung; trotzdem war es eine
   geplante erste Gruppe und empfahlen        Freude, wenn man unterwegs einen
   ihm Privatzimmer.                          geeigneten Rastplatz gefunden hatte.
                                              Medjugorje war damals ein armes
   Erste Pilgerfahrt mit dem Car              Dorf ohne jegliche Infrastruktur. Es
   Nach vielen Anfragen und Telefona-         gab löchrige und ungeteerte Strassen,

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   An einem Glaubenskurs von den          ist. Diese Nachricht traf mich wie      Sprache zu sprechen, in einem kom-        los, überglücklich. Wir fuhren los,
   Erscheinungen in Medjugorje            ein Blitz! Die Kursteilnehmer waren     munistischen Land – und schulpflich-      mein Mann begleitete mich.
   gehört.                                schon längst auf dem Heimweg. Ich       tige Kinder zu Hause, die betreut wer-
   Anfangs der 80er Jahre besuchte ich    sass immer noch an meinem Platz,        den müssen? Ich sah ein, es war nicht     Am italienisch-jugoslawischen Gren-
   einen Glaubenskurs. Wie üblich         wie gelähmt. Sollte das wahr sein?      zu machen. Eines Tages sagte ich zu       zübergang nach Slowenien war die
   stellten wir unsere Wochen- und Se-    Maria kommt zu uns auf die Erde?        Jesus: «Du kennst meinen Wunsch.          Kontrolle beängstigend. Ein vollbe-
   minar-Themen vor. Feministische        Fragen, Staunen, Unglauben, Glück       Wenn es auch der Deine ist, so weiss      setzter, italienischer Reisebus stand
   Theologie, Marienerscheinungen, etc.   überfielen mich. Ich schwebte fast      ich, dass Du es einmal geschehen          vor uns. Und nach einer langen War-
   – Ich höre mich noch heute sagen:      nach Hause. Noch in der Nacht rief      lässt.» – Und es geschah!                 tezeit wurde ihm die Einreise verwei-
   «Marienerscheinungen? – Nein, dan-     ich den Priester an, der die Kassette                                             gert. Er musste umkehren. Uns über-
   ke, interessieren mich nicht.»         besprochen hatte. Ob er denn daran      Monate später                             sahen sie.
                                          glaube, was er verkünde? – «Ja natür-   Die Dame mit der Kassette fragte
   Ein Jahr später                        lich», meinte er, aber den Weg zu dem   mich spontan in einer Pause im Kurs,      In Rijeka suchten wir ein Nachtquar-
   Unsere Kursstunde war zu Ende. Wir     Ort kenne er nicht.                     ob ich den Ort der Marienerschei-         tier. Bei einer Familie fanden wir Un-
   packten unsere Sachen zusammen,                                                nung einmal selbst besuchen wolle.        terkunft. Begeistert erzählten wir den
   um nach Hause zu gehen. Da liess       Die Sehnsucht den Ort zu besuchen,      Ich winkte ab und berichtete von den      Grund unserer Reise. Die Nachricht
   eine Teilnehmerin eine Kassette lau-   wuchs von Tag zu Tag mehr in mir.       Schwierigkeiten. Wie überrascht war       vom Kommen der Muttergottes auf
   fen. Wir hörten, dass die Muttergot-   In meinem Umfeld fand ich da-           ich, als sie mir spontan anbot, sich in   die Erde berührte sie nicht. «Maria
   tes in einem kleinen Dorf in Jugos-    für wenig Verständnis. Wie soll das     dieser Zeit um meine Kinder und das       brauchen wir hier nicht», stellten sie
   lawien sechs Jugendlichen erschienen   möglich sein, ohne Karte, ohne die      Haus zu kümmern. Ich war fassungs-        fest. Doch jedes Mal, wenn wir bei

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   ihnen einkehrten, fragten sie, ob die                                                                                          reise von Griechenland hätte man ihm
   Muttergottes immer noch in das Dorf                                                                                            davon erzählt. Morgen fahre er wieder
   käme.                                                                                                                          nach Hause. Doch wir sahen ihn noch
                                                                                                                                  Tage später.
   Unsere Fahrt führte uns an der Küs-
   te entlang. Wie schön die Landschaft                                                                                           Ein junges Mädchen mit zerzausten
   war! Wenn wir durch einen Ort fuh-                                                                                             Haaren fiel uns buchstäblich vor die
   ren, fragten wir mit Händen und Füs-                                                                                           Füsse. Sie schlief sofort ein, ungeach-
   sen, ob wir auf dem richtigen Weg                                                                                              tet ihres Reisegepäcks. Später erzählte
   seien. Ich suchte mit meinen Augen                                                                                             sie uns, sie sei getrampt vom hohen
   jeden Berg ab. Wir hatten von dem                                                                                              Norden kommend. Wenn sie an die
   Kreuz auf dem Berg gelesen, das vor                                                                                            dubiosen Fahrgelegenheiten denke,
   langer Zeit (im Plane Gottes) errichtet                                                                                        würde sie jetzt noch erschaudern.
   wurde. Dann sahen wir es! Wir wuss-                                                                                            Aber jetzt sei sie bei ihrer Mutter Ma-
   ten, wir waren am Ziel unserer Reise –                                                                                         ria.
   in Medjugorje, im Dorf zwischen den
   Bergen. Es zog uns zur Kirche. Man                                                                                             Wir gingen zum Podbrdo, dem Er-
   feierte gerade einen Gottesdienst mit                                                                                          scheinungsberg. Der Weg war recht
   wunderbaren Gesängen. Es war kein           der Kirchentür bedeute, zog er sein      Elternhaus. Wie überrascht waren          beschwerlich und von steinigen und
   Hineinkommen, sie war übervoll. An          Blatt aus der Schreibmaschine, gab es    wir, dass die Eltern vor ihrem Haus       dornigen Büschen begrenzt. Das erste
   der Kirchentüre stehend fiel mir ein        mir und sagte: «Lesen Sie die Worte      standen und uns herzlich begrüssten,      Kreuz unterwegs zeigte uns die Stel-
   grosses, angeheftetes Blatt auf. Darauf     der Muttergottes und verbreiten Sie      als hätten sie auf uns gewartet. Spä-     le, wo die Muttergottes den Kindern
   stand: «Liebe Kinder.» Neben der Kir-       diese!»                                  ter stellten wir fest, dass sie uns für   begegnete. Als ich vom Berg auf das
   che entdeckten wir eine Ruine eines                                                  die Nächte ihr eigenes Schlafzimmer       Dorf herabschaute, sah ich viele un-
   abgebrannten Hauses.                        Vor unserem Auto studierte ein ande-     überlassen hatten.                        fertige, unverputzte Häuser. Tiere
                                               rer Pater, Pater Rupčić, unser Num-                                                und Bewohner gingen durch dieselbe
   Wir standen etwas verloren auf dem          mernschild und rief hocherfreut: «Sie    Die Menschenmenge vor der Kirche          Tür, oder eine die es werden sollte.
   Platz. Wo könnten wir eine Bleibe für       kommen aus der Schweiz! BL, aus          war anfangs noch überschaubar. Ich        Ich machte mir Gedanken über die
   die Nacht finden? Ich ging in das klei-     Reinach!» Als ich ihn nach einer Blei-   erinnere mich an einen Italiener, der     Armut, die ich sah. Warum hatte die
   ne Pfarrhaus. Ein Franziskaner Pater –      be fragte, rief er spontan ein kleines   hastig und nervös an seiner silbernen     Muttergottes diesen Ort gewählt? Der
   Pater Petar, wie ich später erfuhr – sass   Mädchen, das gerade aus der Schu-        Zigarettenspitze zog und rauchte. Er      mich in eine andere Zeit versetzte?
   an einer Schreibmaschine und tippte         le kam. Die kleine Jelena setzte sich    rief laut: «Dove Madonna!» Wo ist sie.
   mit zwei Fingern einen Text. Als ich        wortlos in unser Auto. Mit Handzei-      Ich sehe sie nicht, das Geschwätz ist     Wir besuchten danach Medjugorje re-
   ihn fragte, was das «liebe Kinder» an       chen zeigte sie uns den Weg zu ihrem     doch alles Unsinn! Auf seiner Schiffs-    gelmässig. Das Kommen der Mutter-

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