MOBILE BUSINESS NEUE GESCHÄFTSMÖGLICHKEITEN FÜR KLEINE UND MITTLERE UNTERNEHMEN
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Mobile Business Neue Geschäftsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen PROZEUS – eBusiness-Praxis für den Mittelstand
Kurzwissen
B2B IKT
Steht als Abkürzung für Business-to-Business und IKT ist die Kurzform für Informations- und Kommunikations-
bezeichnet die Beziehung zwischen Unternehmen. technologie. Manchmal wird es auch als IuK oder ITK
abgekürzt.
B2C
Steht als Abkürzung für Business-to-Consumer und bezeich‑ NFC
net die Beziehung zwischen Unternehmen und ihren Kunden. Die Near Field Communication (NFC) ist ein Übertragungs-
standard zum kontaktlosen Austausch von Daten über kurze
Couponing
Strecken. Der Standard wird hauptsächlich im Bereich des
Kommunikationsinstrument der Werbung. Konsumenten
mobilen Zahlungsverkehrs verwendet.
erhalten bei Vorlage eines Coupons einen Vorteil in Form
eines Rabattes oder einer Zugabe. RFID
Steht für Radio-Frequency Identification. RFID ermöglicht
GPS
die automatische Identifizierung und Lokalisierung von
GPS ist die Kurzform für Global Positioning System,
Gegenständen und Lebewesen und erleichtert damit
ein globales Navigationssatellitensystem zur Positions
erheblich die Erfassung von Daten.
bestimmung und Zeitmessung.inhalt | 3
Inhalt
01 PROZEUS – Wir machen Sie fit fürs eBusiness . . . . . . . Seite 4
02 Mobile Business – Trend oder
Modeerscheinung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 5
03 Einsatzvarianten von Mobilen Technologien . . . . . . Seite 7
Anwendungen im B2B-Bereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 9
Anwendungen im B2C-Bereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 10
04 Voraussetzungen bei der Umsetzung . . . . . . . . . . . . . Seite 14
Auswahl von mobilen Endgeräten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 14
Einsatz von Standards . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 18
05 Mobile Business Anwendungen im Einsatz . . . . . . . . . . Seite 20
Wie mobil ist der deutsche Mittelstand? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 20
Wie viel mobilen Service wollen die Kunden? . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 21
06 Zwei Beispiele aus der Praxis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 23
07 Nutzen und Herausforderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 31
08 Aktuelle Entwicklungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 34
09 Zum Schluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 36
Mobile Business | PROZEUS4 | PROZEUS – Wir machen Sie fit fürs eBusiness
01
PROZEUS – Wir machen Sie fit fürs eBusiness
Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Tech‑ nach seinem individuellen Bedarf selektieren lassen. Darüber
nologie unterstützt PROZEUS die eBusiness-Kompetenz hinaus können die Unternehmen bei sich vor Ort die stark
mittelständischer Unternehmen durch integrierte PROZEsse vergünstigte Einstiegsberatung oder ProzessBegleitung von
Und etablierte eBusiness-Standards. PROZEUS wird PROZEUS nutzen. Außerdem bietet PROZEUS Einblick in
betrieben von GS1 Germany – bekannt durch Standards über 130 Praxisprojekte, deren Verlauf und Ergebnisse unter
und Dienstleistungen rund um den Barcode – und IW anderem über die PROZEUS-Website allgemein zugänglich
Consult, Tochterunternehmen des Instituts der deutschen gemacht werden.
Wirtschaft Köln.
Das PROZEUS-Know-how sowie die Ergebnisse und Er‑
PROZEUS versteht sich als zentrale Anlaufstelle für kleine fahrungen aus den Projekten wurden für Sie in Broschüren
und mittlere Unternehmen aus den Branchen der Industrie gebündelt, die jeweils verschiedene Bereiche behandeln:
sowie der Konsumgüterwirtschaft und des Handels. Von
PROZEUS empfohlene eBusiness-Lösungen sind zukunfts- eBusiness
fähig und investitionssicher, da sie auf kostengünstigen,
Identifikationsstandards
neutralen und international akzeptierten eBusiness-Stan-
dards basieren. Klassifikationsstandards
Katalogaustauschformate
Allen nachfragenden Unternehmen bietet PROZEUS fun‑
dierte, unabhängige und kostenlose Informationen – von Transaktionsstandards
der Transfer-Website www.prozeus.de über ein umfassen-
Prozessstandards
des Portfolio an Checklisten, Leitfäden, Praxisbeispielen,
Wirtschaftlichkeitsstudien und weiteren Veröffentlichungen
bis hin zu Fachveranstaltungen und einer Dienstleister-Daten‑ Diese Veröffentlichungsreihen unterstützen kleine und
bank. Dieses Informationsangebot kann sich der Nutzer mittlere Unternehmen dabei, eigene eBusiness-Projekte
über die interaktive PROZEUS-Website schnell und einfach zu initiieren und umzusetzen.
Im Rahmen dieser Broschüre widmet sich PROZEUS dem Thema
Mobile Business und stellt dieses insbesondere für Entscheider
in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) kompakt und neutral
dar. Dabei informieren wir Sie, was unter Mobile Business zu ver-
stehen ist und welche Lösungen es bietet.
PROZEUS | Mobile BusinessMobile Business – Trend oder Modeerscheinung? | 5
02
Mobile Business – Trend oder Modeerscheinung?
Geräte wie Handys, Laptops etc. gehören mittlerweile für So ist es nicht verwunderlich, dass Experten aus dem
die Mehrzahl der Menschen zum täglichen Leben dazu. Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien
Insbesondere aus dem Geschäftsalltag sind mobile End‑ (IKT) seit Jahren mobilen Business Anwendungen einen
geräte kaum noch wegzudenken. Zusätzlich zu dem Ein‑ großen Erfolg zusagen. Unternehmen werden durch die
satz von mittlerweile weitverbreiteten Endgeräten, die das Möglichkeit des zeit- und ortsungebundenen Arbeitens
Arbeiten von unterwegs erleichtern, halten zunehmend auch große Potenziale zur Unterstützung und Optimierung der
mobile Anwendungen Einzug in Unternehmen, mit deren Wertschöpfung versprochen. Doch trotz aller Prognosen
Hilfe Prozesse, wie z. B. die Zeiterfassung oder die Über‑ haben sich mobile Business Anwendungen bisher nur relativ
mittlung von Kundenaufträgen von Mitarbeitern im Außen- gering in Unternehmen etabliert. Während im privaten Bereich
dienst, optimiert werden können. Dieser Wandel ist nicht das Smartphone mit dazugehörigen Anwendungen spätes‑
zuletzt dadurch bedingt, dass die heutige Gesellschaft sich tens seit dem Siegeszug des iPhone von Apple zum ständigen
durch eine hohe Mobilitätsrate auszeichnet. Einer Studie Begleiter vieler Menschen geworden ist, nutzen laut Berlecon
von Berlecon Research (2011) zufolge hat der Anteil der Research nur knapp ein Drittel der Unternehmen in Deutsch‑
„mobilen Mitarbeiter“ in Unternehmen in den letzten zwei land die neuen Technologien, die das Arbeiten von überall
Jahren stark zugenommen. Dementsprechend gelten in und jederzeit ermöglichen.
Deutschland mittlerweile 18 Prozent der Unternehmen als
hochmobil, d. h. mehr als die Hälfte der Mitarbeiter eines Auch wenn die Vorzüge des mobilen Arbeitens vermeintlich
Unternehmens ist mindestens einen Tag in der Woche außer‑ offensichtlich sind, sind gerade kleine und mittlere Unterneh-
halb des Unternehmens unterwegs. Im deutschen Mittel- men (KMU) bei der Umsetzung einer Mobilitätsstrategie im
stand sind 26 Prozent der Unternehmen hochmobil. Abseh- Unternehmen eher zurückhaltend. So werden laut Berlecon
bar ist zudem, dass der Anteil der mobilen Mitarbeiter auf Research nur in jedem fünften Unternehmen mobile Lösungen
lange Sicht sogar noch steigen wird. Dieser Tatsache zufolge zur Optimierung von Geschäftsprozessen, wie mobile ERP-
wird auch die Relevanz von mobilen Technologien zunehmen, oder CRM-Applikationen, eingesetzt. Die Wik Consult GmbH
denn dadurch können Reisezeiten effizienter sowie Arbeits- kommt in einer Untersuchung (2010) darüber hinaus zu dem
zeiten- und Arbeitsplatzregeln flexibler gestaltet werden. Schluss, dass nur jedes zehnte Unternehmen eine Mobilitäts‑
Mobile Business | PROZEUS6 | Mobile Business – Trend oder Modeerscheinung?
strategie hat. Das bedeutet, dass Unternehmen meist im Ein‑ zu beleuchten sowie mögliche Probleme, Nachteile oder
zelfall entscheiden, welcher Mitarbeiter mobile Business An‑ Hemmnisse, die gegen eine Umsetzung sprechen, darzu-
wendungen benötigt und welche Anwendung eingesetzt wird. stellen. Praxisbeispiele von zwei Unternehmen, die mobile
Business Anwendungen im Geschäftsalltag einsetzen, sollen
Diese Feststellung führt unweigerlich zu der Frage, ob Unter‑ Ihnen verdeutlichen, welche Möglichkeiten Unternehmen
nehmen das große Potenzial von mobilen Anwendungen bisher durch den Einsatz neuester IuK-Technologie haben und
noch nicht erkannt und die Möglichkeit des mobilen Arbeitens welchen Herausforderungen Sie sich eventuell bei der Um‑
noch nicht umgesetzt haben, oder ob mobile Anwendun- setzung gegenübersehen. Abschließend werden durch einen
gen im Grunde nur einen weiteren Hype in der IKT-Branche Experten die aktuellen Trends dieses Bereichs aufgezeigt.
darstellen. Damit sich Unternehmen selbst ein Bild darüber
machen können, haben wir in dieser Broschüre relevante Mit der Broschüre möchten wir Ihnen einen grundlegenden
Informationen zusammengetragen und kompakt aufbereitet. Überblick über das Thema verschaffen. Wir hoffen, dadurch
offene Fragen klären und Ihnen in Ihrer Entscheidung, ob
Ziel dieser Informationsbroschüre ist es, Nutzen und Vorteile Sie mobile Business Anwendungen einsetzen wollen oder
des Einsatzes von mobilen Business Anwendungen für KMU nicht, weiterhelfen zu können.
Insbesondere vier Fragen stehen dabei im Fokus der Betrachtung:
W
as versteht man unter mobilen Business Anwendungen?
W ie und wo können derartige Lösungen eingesetzt werden?
ür wen lohnt sich die Nutzung von mobilen Business Anwendungen tatsächlich, und welche Aspekte sollten bei der
F
Umsetzung einer zielgerichteten Mobilitätsstrategie beachtet werden?
Welche Geschäftsprozesse lassen sich dadurch o
ptimieren, und welche Erfolge lassen sich damit erzielen?
PROZEUS | Mobile BusinessEinsatzvarianten von Mobilen Technologien | 7
03
Einsatzvarianten von Mobilen Technologien
Das Bild von Menschen, die im Zug, auf der Straße, im Auto flächendeckend die Möglichkeit des mobilen Surfens zur
oder in der Bahn telefonieren und an ihrem Laptop arbeiten, Verfügung. Doch was heißt es eigentlich – mobil zu sein?
ist mittlerweile alltäglich geworden. Niemand wundert sich
mehr darüber und fast niemand möchte mehr auf die Vorzüge Mobil sein – das bedeutet, nicht nur jederzeit und überall
der Technik verzichten. Und auch wenn man hin und wieder erreichbar zu sein, sondern auch jederzeit und von überall
Stimmen vernimmt, die die negativen Seiten des „Immer- auf Informationen zugreifen zu können und Wissen verfügbar
erreichbar-Seins“ beklagen, ist es nicht selten, dass Menschen zu haben. Das ist nicht nur bequem, sondern stellt auch
nervös werden, wenn sie einmal länger als 24 Stunden nicht einen Wettbewerbsvorteil dar, denn wer heute schnellen Zu‑
die Mailbox abhören oder E-Mails checken können. gang zu Wissen hat, kann seine Konkurrenz leichter zurück‑
lassen. Die Veränderung der Arbeitsorganisation, sprich die
Die ständige Erreichbarkeit und die Möglichkeit, von unterwegs Arbeitszeit- und Arbeitsortflexibilisierung, hat unweigerlich
Telefonate führen zu können, sind nach rund dreißig Jahren nach dazu geführt, dass der schnelle Zugriff auf Wissen für Unter‑
der Handyeinführung Normalität, und die wenigsten möchten nehmen eine der wichtigsten Ressourcen im Alltag darstellt.
darauf noch verzichten. Kaum eine andere Technologie hat Diese Veränderung in der Arbeitswelt hat auf der einen Seite
sich so schnell weltweit verbreitet wie die des Mobilfunks. dazu geführt, dass neue Informations- und Kommunikations-
Insbesondere Menschen, die beruflich unterwegs sind, technologien entwickelt werden, die es ermöglichen, die
können sich den unternehmerischen Alltag ohne die posi‑ Ressourcen Zeit und Wissen optimal zu nutzen. Auf der
tiven Mobilitätszugewinne kaum noch vorstellen. Durch die anderen Seite hat die rasche Entwicklung dieser Technologien
rasanten Entwicklungen im IKT-Markt beschränken sich die erst den Wandel in der Arbeitswelt ermöglicht. Doch unab‑
Möglichkeiten des mobilen Arbeitens jedoch schon längst hängig davon, welcher Prozess den anderen vorantreibt,
nicht mehr auf das Telefonieren und Versenden von Kurz‑ lässt sich festhalten, dass der Einsatz von Informations- und
mitteilungen. Durch das Zusammenwachsen von Internet Kommunikationstechnologien ganz neue Möglichkeiten des
und digitalem Mobilfunk steht Nutzern mittlerweile fast effizienten und flexiblen Arbeitens hervorgerufen hat.
Mobile Business | PROZEUS8 | Einsatzvarianten von Mobilen Technologien
Die wachsende Bandbreite von Möglichkeiten, die sich durch zwischen Unternehmen und Endkunden versteht. Oft ist in
die fast flächendeckende Verfügbarkeit des Internets ergibt, der Literatur auch noch von „B2E“ die Rede, womit der Aus‑
bietet Grundlage für innovative Geschäftsideen. Endgeräte tausch zwischen Unternehmen und ihren Angestellten ge‑
wie Smartphones oder Tablet PCs, die das Arbeiten von meint ist. Diese spezielle Abgrenzung soll jedoch im Rahmen
unterwegs erst ermöglichen, lassen sich problemlos überall dieser Broschüre nicht weiter unterschieden werden.
hin mitnehmen. In Kombination mit den passenden Business
Anwendungen ist ein fast identisches Arbeiten wie am eigent‑ Die Vielfältigkeit der Einsatzmöglichkeiten von mobilen Business
lichen Arbeitsplatz von unterwegs möglich. Für Unternehmen Anwendungen ist groß – dennoch haben alle Anwendungen
stellt dies die Möglichkeit dar, durch spezielle Anwendungen eines gemeinsam: Sie ermöglichen es Unternehmen, schneller
orts- und zeitunabhängig auf beispielsweise Firmen- und auf veränderte Gegebenheiten zu reagieren, Kundendienst-
Kundendaten zuzugreifen, Aufträge zu akquirieren und zu leistungen zu verbessern und Geschäftschancen zu ergreifen.
bearbeiten oder sogar Maschinen aus der Ferne zu steuern. Mithilfe der unternehmensspezifischen Applikationen können
Mitarbeiter auch von unterwegs auf Informationen und Daten
Aber was genau lässt sich eigentlich unter „Mobile Business“ zugreifen, die vorher nur im Büro verfügbar waren. Während
verstehen? Mobile Business umfasst im Grunde die Gesamt‑ Mitarbeiter, die außerhalb des Büros unterwegs sind, früher
heit aller Aktivitäten, Prozesse und Anwendungen im Unter‑ noch viel Zeit damit verbrachten, nach Möglichkeiten zu
nehmen, welche mit mobilen Technologien, also mittels suchen, wie sie an erforderliche Informationen kommen,
mobiler Endgeräte, durchgeführt oder unterstützt werden. tragen sie nun ihr Büro sozusagen in der Jackentasche mit
Dabei unterscheidet man im Grunde zwischen den beiden sich herum. Spezifische, auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters
Bereichen „B2B“ und „B2C“, wobei man unter B2B den und des Unternehmens angepasste, sogenannte Apps (Kurz‑
Austausch von Informationen, Dienstleistungen oder Waren wort für Applikationen) ermöglichen es ihm binnen kürzester
zwischen Unternehmen und unter B2C den Austausch Zeit, die Informationen abzurufen, die er benötigt.
Anwendungs- und Einsatzgebiete
Mobile business lösungen
B2B-Anwendungen B2C-Anwendungen
Personal Information Management Extended Packaging
Office-Anwendungen Mobile Couponing
Fernzugriff Mobile Payment
Produktivitätsanwendungen
Auftragserfassung
Zeiterfassung
Flotten- und Fuhrparkmanagement
PROZEUS | Mobile BusinessEinsatzvarianten von Mobilen Technologien | 9
Aber nicht nur das Abrufen von Informationen wird durch Programme von verschiedenen Anbietern ermöglichen.
mobile Business Anwendungen leichter: Auch die Daten Somit können Mitarbeiter auch über ihr mobiles Endgerät
eingabe kann zeit- und ortsunabhängig erfolgen. Dadurch von unterwegs arbeiten.
können Prozesse erleichtert und Bearbeitungszeiten ver‑
kürzt werden. So gehört es zum Beispiel bei dem Tiefbau- Fernzugriff auf Unternehmensdaten
amt von Erlangen der Vergangenheit an, dass Mitarbeiter Häufig müssen Mitarbeiter, die sich nicht an ihrem Arbeits-
nach einer Bodenprobe ein Papierformular ausfüllen müssen, platz befinden, auf Daten und Informationen zugreifen, um
das dann wiederum, einige Zeit später, manuell ins System ihre Arbeit schnell und sicher ausführen zu können. Dies ist
eingetragen wird. Dagegen sind die Mitarbeiter mit mobilen besonders wichtig für Mitarbeiter, die im Außendienst, d. h.
Endgeräten ausgestattet, auf denen eine Software installiert in der Kundenbetreuung oder im Vertrieb, tätig sind. Da Daten
ist, die via Spracherkennung ein Diktat in Daten umwandelt. wie z. B. Produktdaten, Kundendaten, Verkaufsdaten oder
Diese werden dann sofort in das gewünschte Datenbank- sonstige Dokumente typischerweise zentral in unternehmens‑
system eingespeist. Diese Anwendung ersetzt das Ausfüllen internen Datenbanken gespeichert sind, konnten Mitarbeiter
von Formularen und erspart den Mitarbeitern zusätzlichen oftmals auf diese Daten von unterwegs nicht zugreifen. Erst
Arbeitsaufwand. Dieses Beispiel zeigt, dass sich das Handy der Einsatz von mobilen Lösungen macht den externen
heutzutage von einem einfachen Gerät zum Telefonieren zur Zugriff auf Datenbanken bzw. die nötige Vertriebssoftware
Ein- und Ausgabezentrale gewandelt hat und für viele mobile oder das CRM-System möglich. Kundenanfragen können
Mitarbeiter ein gewinnbringendes Arbeitshilfsmittel darstellt. dadurch schneller und effizienter bearbeitet und die Kunden‑
zufriedenheit gesteigert werden.
Anwendungen im B2B-Bereich Mobile Produktivitätsanwendungen
Viele Unternehmen setzen mittlerweile spezielle Software
Die Anwendungs- und Einsatzbereiche von mobilen Business zur Unternehmenssteuerung, Beschaffungssteuerung oder
Anwendungen sind breit gestreut. So gibt es neben der Produktionsplanung ein. Ein externer, unproblematischer
Möglichkeit des mobilen Internets, d. h. der Nutzung eines Zugriff von unterwegs auch auf solche Systeme stellt für
Internetzugangs mit einem mobilen Endgerät oder dem Ab‑ Unternehmen einen hohen Zeit- und Nutzengewinn dar.
rufen und Bearbeiten von E-Mails auf mobilen Endgeräten, Zahlreiche große Anbieter solcher Softwaresysteme bieten
noch viele weitere Möglichkeiten, von denen im Folgenden mittlerweile auch immer die passende Anwendung dazu
einige aufgezählt und näher beschrieben sind: an, sodass ein Zugriff von überall mittels mobiler Endgeräte
möglich ist.
Personal Information Management
Im unternehmerischen Alltag ist es üblich, dass Mitarbeiter Insbesondere für das Supply Chain Management birgt die
ihre Adressen, ihre Termine sowie Aufgaben und Notizen Verwendung von mobilen Lösungen hohes Einsatzpotenzial,
in einem sogenannten Personal Information Management denn hier tragen mobile Anwendungen zur Flexibilisierung
System, wie z. B. Microsoft Outlook oder Lotus Notes, ver‑ der zwischenbetrieblichen Lieferbeziehungen bei. So können
walten. Da die in einem solchen System gespeicherten Daten Unternehmen zum Beispiel vor Ort die Lieferung von Materi‑
elementar für die tägliche Arbeit sind, stellt der externe Zugriff alien mit dem entsprechenden Partner koordinieren, wodurch
darauf einen großen Nutzenzuwachs für Mitarbeiter, die häufig der Umweg über die Zentrale oder das Ausfüllen von For‑
unterwegs sind, dar. mularen entfällt.
Mobile Office-Anwendungen Mobile Auftragserfassung
Damit Mitarbeiter problemlos von unterwegs arbeiten können, Systeme zur mobilen Auftragserfassung kommen besonders
gehört es natürlich dazu, dass das Lesen, Erstellen und im Dienstleistungsbereich zum Einsatz. So können im Hand‑
Bearbeiten von Dokumenten, wie z. B. Tabellenkalkulationen werk beispielsweise Aufträge wesentlich schneller und effi‑
oder Präsentationen, möglich ist. Auch hierfür gibt es mobile zienter erledigt werden und bei der Vor- und Nachbereitung
Anwendungen, die die Nutzung der verschiedenen Office- eines Auftrages erhebliche Kosten eingespart werden. Sind
Mobile Business | PROZEUS10 | Einsatzvarianten von Mobilen Technologien
Mitarbeiter mit mobilen Endgeräten ausgestattet, können Dadurch können die Container während des gesamten Trans‑
sie über akute Aufträge, die durch einen Anruf in der Zen‑ portes von außerhalb gewartet und mögliche Fehler im Ablauf
trale eingehen, über das System informiert werden. Dies rechtzeitig behoben werden.
macht eine schnelle Bearbeitung möglich, da der Mitar‑
beiter den Auftrag annehmen kann, der am nächsten am Flotten- bzw. Fuhrparkmanagement
Standort oder aber am ehesten frei ist. Dieser wiederum Hauptziele des Flotten- und Fuhrparkmanagements sind die
kann im System die Annahme des Auftrags bestätigen und Entlastung der Disposition, eine optimierte Wegstrecken
die benötigten Materialien direkt vermerken. Somit lassen planung sowie damit einhergehende Kostensenkungen. Der
sich alle Dienstschritte von unterwegs und vor Ort erledigen, technische Fortschritt macht es möglich, Fahrzeuge mit
wodurch kostbare Zeit eingespart werden kann. mobilen Endgeräten und Ortungssystemen (z. B. GPS) auszu‑
statten, sodass eine Überwachung und Steuerung des Fuhr‑
Mobile Zeiterfassung parks jederzeit möglich ist. Zu jedem Zeitpunkt können Unter‑
Für viele Mitarbeiter in Dienstleistungsbereichen wie z. B. nehmen auf die jeweilige Fahrzeugposition sowie die Fahr‑
Handwerker, Dachdecker oder Maler gehört es zum Arbeits‑ zeugdaten zugreifen und gegebenenfalls die Routenplanung
alltag, handschriftlich Zettel auszufüllen, um ihre Arbeits- ändern bzw. optimieren. Die Ausstattung von Fahrzeugen
stunden aufzuschreiben. Diese Zettel müssen wiederum von mit mobilen Endgeräten ermöglicht eine automatische Echt‑
einer zweiten Person im Büro in das System eingespeist zeitortung, wobei die erfassten Daten über ein Mobilfunknetz
werden. Diese Vorgehensweise ist nicht nur zeitintensiv, an den Empfänger übermittelt werden. Einige Systeme bieten
sondern auch noch fehleranfällig. Dank der mobilen Business zudem die Möglichkeit, die Daten direkt in das Buchhaltungs-
Anwendungen kann dieser Vorgang jedoch optimiert werden. system einzuspeisen, wodurch der zeitliche Aufwand für eine
So haben Mitarbeiter die Möglichkeit, ihre Arbeitsstunden genaue Fahrtenbuchführung wegfällt und Zeit und Kosten
mittels mobiler Zeiterfassungssysteme direkt vor Ort in das eingespart werden können.
System einzutragen. Mittlerweile lassen sich fast alle Soft‑
warelösungen zur Zeiterfassung um ein Modul zur mobilen
Zeiterfassung ergänzen. Anwendungen im B2C-Bereich
Telemetrie / Fernsteuerung Aus Sicht von Unternehmen sind auch mobile Anwendun-
Großes Wachstumspotenzial steckt im Bereich der Telemetrie gen im B2C-Bereich zu berücksichtigen, da diese das Ver‑
in Verbindung mit dem Mobilfunk. Allgemein fasst man unter hältnis zu den Kunden bzw. Konsumenten verändern und
dem Begriff „Telemetrie“ Aufgaben zusammen, die eine elek‑ sogar das Kaufverhalten beeinflussen können. Mobile End‑
tronische Kommunikation zu mobilen Maschinen darstellen geräte, die den Zugriff auf das Internet erlauben, bieten
beziehungsweise dem Datenaustausch von Einrichtungen Verbrauchern die direkte Möglichkeit, sowohl Informationen
außerhalb des Unternehmens oder der externen Überwachung als auch Services zu einem Produkt oder einer Dienstleistung
und der Steuerung von technischen Anlagen dienen. Die zu erhalten – und bringen den Konsumenten näher an die
schnelle Behebung von Schadensfällen von Anlagen spielt eigenen Produkte, Marken oder Dienstleistungen heran. Auch
für Unternehmen heutzutage eine wichtige Rolle, da eine die mobile Nutzung von sozialen Netzwerken, in denen
schnelle Bearbeitung sicherlich der zentrale Aspekt bei Meinungen und Bewertungen ausgetauscht werden, kann
Kundenanforderungen ist. So kann daher gerade in diesem Einfluss auf das Unternehmens-/Markenimage haben.
Bereich der Einsatz von mobilen Business Anwendungen
für Unternehmen ein großer Vorteil gegenüber dem Wett‑ Viele Unternehmen haben dies erkannt, indem sie für ihre
bewerb sein. Kunden mobile Services oder Apps anbieten, um eine
höhere Kundenbindung und ein verbessertes Image zu
Als Beispiel für Telemetrie sind Container zu nennen, die mit erreichen.
GPS und Mobilfunk-Modulen ausgestattet werden, durch
die einerseits die Position der Container bestimmt werden Im B2C-Bereich gibt es zahlreiche mobile Anwendungen:
kann sowie die Temperatur der Container überwacht wird. vom „Mobile Advertising“ über „Mobile Shopping“ bis zu
PROZEUS | Mobile BusinessEinsatzvarianten von Mobilen Technologien | 11
Mobile Business Anwendungen im B2C-Bereich:
Wie Unternehmen mit Konsumenten interagieren können
Coupons Extended Packaging
Mobile
eCommerce Loyalty
In-store Advertising &
Navigation Promotion
Self-Scanning &
Payment
Self-Checkout
Store Location Shopping Lists
„Mobile Payment“. Die Gesamtheit aller Anwendungen, ist jedoch, dass Extended Packaging eine Brücke schlägt
die auch im B2B zum Tragen kommen, nennt man „Mobile zwischen den zur Verfügung gestellten Informationen am
Commerce“. Verkaufsort (Point of Sale) und der Kaufentscheidung.
Zusätzlich werden kontinuierlich Studien und Pilotprojekte Extended Packaging eröffnet dem Markeninhaber vielfältige
durchgeführt, um das Thema Mobile Commerce auf eine Möglichkeiten und ist für den Konsumenten sehr leicht anzu‑
solide, fundierte Basis zu stellen. Im Folgenden werden die wenden: Während des Einkaufs scannt der Kunde mit seinem
Trendthemen „Extended Packaging/Trusted Data“, „Mobile Smartphone einfach den Strichcode – und erhält sofort aus‑
Couponing“ und „Mobile Payment“ ausführlich beschrieben. führliche Informationen zu Inhaltsstoffen, Nährwerten, Aller‑
genen, Übersetzungen in andere Sprachen, passende Re‑
Extended Packaging oder die „Erweiterte Verpackung“ zepte, ausführliche Bedienungsanleitungen und vieles mehr.
Extended Packaging ist die Antwort auf die Forderung der
Verbraucher nach zusätzlichen Informationen über das Pro- Mobile Couponing oder das „Mobile Gutscheingeschäft“
dukt. Es löst das Problem des beschränkten Platzes auf der Das klassische Couponing hat sich weltweit als Marketing-
Verpackung und ändert die bisher rein statische Natur von instrument zur Absatzförderung und Kundenansprache be‑
Informationen am Produkt, indem der Konsument detaillierte währt. Der Verbraucher löst dabei einen Gutschein ein und
Informationen via Handy abrufen kann. Der wichtigste Punkt erhält beim Einkauf einen Preisnachlass oder eine Zusatz-
Mobile Business | PROZEUS12 | Einsatzvarianten von Mobilen Technologien
Extended Packaging: Erweiterte Verpackung
leistung. Coupons ausschneiden, Aufkleber sammeln – die daten wie Geschlecht oder persönliche Vorlieben geben
bislang gängigen Methoden der Rabattaktionen sind jedoch die Nutzer selbst in die App ein – die Kunden können ganz
vergleichsweise aufwändig. Zudem existiert eine Vielzahl gezielt angesprochen werden.
unterschiedlicher Prozesse, die immer wieder neu zwischen
den beteiligten Marktpartnern abgestimmt werden müssen. Laut einer Studie des Location-Based-Services-Anbieters
Mobile Couponing eröffnet hier ganz neue Möglichkeiten Coupies GmbH aus dem Jahr 2010 erwartet mehr als ein
einer effizienten und kundenfreundlichen Abwicklung. Das Viertel der Unternehmen, dass mobile Coupons Kunden zu
Gutscheingeschäft per Handy verbessert die Kommunikation Spontankäufen animieren. Mehr als sechzig Prozent der Be‑
zwischen Gutscheinaussteller und Konsument, hilft Kosten fragten sehen darin eine Möglichkeit, das Einkaufsverhalten
zu reduzieren und Fehler zu vermeiden. Auch die Ergebnisse der Kunden zu lenken. Besonders interessant für die Marke‑
einer Werbeaktion liegen den Unternehmen zeitnah vor und tingstrategen: Mobile Rabattaktionen sprechen Smartphone-
können ausgewertet werden – die Investition zahlt sich User an – sie sind überwiegend jung, gut ausgebildet und
deutlich schneller aus. haben ein überdurchschnittliches Einkommen.
Und so funktioniert das Mobile Couponing: Via E-Mail, SMS, Mobile Payment oder der „Mobile Zahlungsverkehr“
Internet-Download auf das Handy oder via App stellen die Vom Klingelton, der per Handy geordert und über die Mobil‑
Unternehmen den Konsumenten Coupons zur Verfügung, die funkrechnung bezahlt wird, über Fahrkarten oder Parkscheine
diese digital an der Kasse einlösen können. Sogenannte bis zum Einkauf im Onlineshop: Spezielle Formen von Mobile
„Location Based Services“ können Coupons auf die lokale Payment haben sich bereits etabliert. Anders als in Ländern
Umgebung des Konsumenten und seine Bedürfnisse an‑ wie Japan ist Mobile Payment im deutschen stationären Ein‑
passen: Spezielle Applikationen informieren userbezogen zelhandel dagegen derzeit noch die Ausnahme. Hier regieren
über aktuelle Rabattaktionen am jeweiligen Standort. Filter‑ EC-Karte und Bargeld – laut EHI zahlen ca. 58 Prozent der
PROZEUS | Mobile BusinessEinsatzvarianten von Mobilen Technologien | 13
Konsumenten „Cash“. Doch das Interesse an einer praxis‑ zu halten und eventuell noch ein Sicherheitsmerkmal, wie
tauglichen mobilen Alternative wächst auch am klassischen eine PIN, einzugeben, um die Zahlungstransaktion zu starten.
Point of Sale. Handelsunternehmen sehen die Chance, Die neuesten Smartphones sind bereits mit der entspre-
Bezahlprozesse zu beschleunigen und damit die Durchlauf- chenden Technologie ausgestattet.
Frequenz an der Kasse zu erhöhen. Weniger Bargeld be‑
deutet zudem weniger Aufwand für Zählung und Bargeld Für einen echten Durchbruch ist neben einheitlichen tech‑
logistik, sprich das Cash-Handling. Nicht zuletzt können die nologischen Standards und Schnittstellen jedoch auch ein
Händler mit neuen Services bei ihren Kunden punkten. Konsens zwischen den beteiligten Akteuren notwendig.
Netzbetreiber, Technologielieferanten, Gerätehersteller,
Mobilfunknetzbetreiber, Smartphone-Hersteller, Bezahl- Händler, Kunden und Banken: Die Vielzahl unterschiedlicher
dienste und Kreditkartenunternehmen arbeiten derzeit mit Marktteilnehmer erschwert ein abgestimmtes Vorgehen.
Hochdruck an marktfähigen Lösungen für Mobile Payment, Etliche Anbieter investieren separat in die Entwicklung – so
und zahlreiche Pilotprojekte sind in Planung oder bereits werden wertvolle Synergiepotenziale verschenkt. Zudem
gestartet. Die Technologie der Wahl ist dabei „NFC“: Die könnten zu viele unterschiedliche Angebote und Registrie-
Near Field Communication ist ein Standard für die kontakt- rungssysteme potenzielle Nutzer überfordern. Für einen
lose Datenübertragung auf kurze Distanz. Für den Nutzer effizienten unternehmensübergreifenden Mobile Payment
soll es im Idealfall ausreichen, ein NFC-Handy oder eine Prozess ohne Medienbrüche werden derzeit Empfehlungen
Karte mit NFC-Chip in kurzem Abstand vor ein Lesegerät für Deutschland entwickelt.
Mobile Payment und Mobile Couponing am Verkaufsort (POS)
Mobile Business | PROZEUS14 | Voraussetzungen bei der Umsetzung
04
Voraussetzungen bei der Umsetzung
Damit Unternehmen mit dem Einsatz von mobilen Business Auswahl von Mobilen Endgeräten
Anwendungen die Erfolge erzielen, die sie anstreben, müssen
im Geschäftsalltag vorab grundlegende Dinge berücksichtigt Wie in der Broschüre „Mit Hammer, Säge und Smartphone“,
und überprüft werden. die im April 2011 vom Netzwerk Elektronischer Geschäfts-
verkehr (NEG) veröffentlicht wurde, deutlich beschrieben,
So ist es beispielsweise für eine effektive Umsetzung unab- stellt die Auswahl des mobilen Endgerätes, auf dem die
dingbar, dass die interne IKT-Infrastruktur grundlegende mobile Anwendung abgebildet werden soll, einen wichtigen
Voraussetzungen erfüllt, damit die neue Technik reibungslos Aspekt im gesamten Umsetzungsprozess dar. Dabei gibt
in das bestehende System integriert werden kann. Daher die Broschüre einen guten Überblick über mögliche mobile
sollte bei der Auswahl der Hard- und Software auf Kompati- Endgeräte.
bilität und Interoperabilität mit der bereits eingesetzten Soft‑
ware geachtet werden. Nur so kann eine durchgängige Pro‑ Allgemein bezeichnet man mit „mobilem Endgerät“ alle trag‑
zessoptimierung auch garantiert werden. Da Schnittstellen baren Geräte, die dem Informationsaustausch sowie der
von interner Firmensoftware und dem Betriebssystem des Kommunikation dienen und die aufgrund ihrer Größe und
mobilen Endgerätes sowie der Anwendung angepasst werden ihres Gewichts ohne körperliche Anstrengung auch unter‑
müssen, sollte auf eine ganzheitliche Integration geachtet wegs zum Arbeiten einsetzbar sind. Während früher nur
werden. Insellösungen oder Übergangslösungen führen nur unterschiedliche Handytypen und Laptops zur Auswahl
selten zum Erfolg. In diesem Kontext spielen auch eBusi‑ standen, gibt es heutzutage mehrere Möglichkeiten. In den
ness-Standards eine entscheidende Rolle. Sie erleichtern den letzten Jahren fand auf diesem Gebiet eine rasante Entwick-
Austausch von Daten und Dokumenten und ermöglichen lung statt. So wurden immer mehr Geräte auf den Markt
erst einen medienbruchfreien Informationsaustausch. Doch gebracht, die höhere Übertragungsraten ermöglichen sowie
der erste Schritt zur Mobilität stellt natürlich die Auswahl des mehr Anwenderfreundlichkeit und Mehrfachfunktionalitäten
mobilen Endgerätes dar. Erfüllen die eingesetzten Geräte bieten. Die Geräte unterscheiden sich nicht nur in Aussehen
nicht die erforderlichen Ansprüche oder sind sie wenig geeignet und dem Herstellernamen, sondern auch in Funktionalität,
für die anfallende Arbeit, wird der Einsatz nicht den erhofften Größe, Gewicht, Technologie und Robustheit.
Nutzeneffekt erzielen.
Je nach Anforderungen muss das passende Gerät mit Sorg‑
falt herausgesucht werden, da die Geräte unterschiedliche
Technologien unterstützen und somit nicht jede Anwendung
über jedes Endgerät laufen kann. Auch unterscheiden die
mobile anwendungen im handwerk Geräte sich in den Größen der Displays, was sich schluss-
endlich auf die Zufriedenheit und Akzeptanz der Mitarbeiter
auswirken kann.
Notebook
Notebooks gehören bereits seit einiger Zeit zum gängigen
Das Netzwerk
Elektronischer Inventar von Unternehmen. So ist es heutzutage keine
Geschäftsverkehr Seltenheit, dass Mitarbeiter von unterwegs an ihrem Note‑
(NEG) veröffentlichte
im April 2011 book (auch als Laptop bezeichnet) arbeiten können. Besteht
die Anwender jedoch keine Möglichkeit, auf unternehmensinterne Daten
broschüre „Mit
Hammer, Säge von unterwegs zuzugreifen, müssen alle relevanten Doku‑
und Smartphone“. mente und Daten vorab auf dem Laptop lokal gespeichert
Kostenfreier werden. Das Problem hierbei ist, dass die Informationen,
Download unter auf die der Mitarbeiter dann bei Bedarf zurückgreift, nicht
www.ec-net.de
aktuell sind und er eventuelle, neue Informationen erst
zeitverzögert erfährt. Die Unterschiede eines Laptops in
PROZEUS | Mobile BusinessVoraussetzungen bei der Umsetzung | 15
Speicherkapazität und Leistung zu einem Desktop-PC sind weshalb sich Netbooks zusätzlich für das mobile Arbeiten
so gering, dass mittlerweile ein fast vollständig adäquates eignen. Da die Geräte hauptsächlich für das angenehme
Arbeiten am Laptop möglich ist. Das relativ große Display Surfen von unterwegs konzipiert sind, verfügen die meisten
sowie die zum Desktop-PC fast identische Tastatur ermög‑ Geräte über ein integriertes WLAN oder sogar über ein inte‑
lichen ein angenehmes und komfortables Arbeiten. Auf dem griertes Mobilfunk-Modem (UMTS). Letzteres ist jedoch
Laptop können komplexe Arbeiten und Programme aus‑ keine Voraussetzung.
geführt werden. Da das Gewicht der Notebooks im Laufe
der Zeit immer stärker reduziert werden konnte, lässt sich Tablet-PC
das Gerät überall hin mitnehmen. Dadurch wird das Gerät Tablet-PCs sind noch relativ neue Geräte und etablieren sich
jedoch auch viel stärker äußeren Einflüssen, wie Nässe oder erst langsam auf dem Markt. Die Besonderheit dieser Geräte
Staub, ausgesetzt, als dies bei Arbeitsplatzrechnern der Fall ist ihre neue Bedienbarkeit. So können sie – je nach Modell –
ist. Ebenso besteht bei einem Laptop eine viel größere Gefahr, entweder mit einem digitalen Stift oder mit den bloßen Fingern
dass Daten durch einen heftigen Stoß oder Fall abhanden bedient werden. Diese Art der Bedienbarkeit führt dazu, dass
kommen oder beschädigt werden. Zwar gibt es mittlerweile sich der Tablet-PC wie ein Notizblock in einer Hand halten
extra robuste Geräte, die gegen Wasser geschützt sind und lässt, während man mit der anderen Hand das Gerät bedient
sogar einen Sturz überstehen würden, jedoch sind diese oder etwas eingibt. Ebenso verfügen die Geräte über die
Geräte aufgrund ihres Preises eher selten im Einsatz. innovative Möglichkeit, Notizen handschriftlich einzugeben,
die das Gerät wiederum automatisch in lesbare Daten um‑
Netbook wandelt. Diese Neuerung sowie die sekundenschnelle Arbeits‑
Das Netbook ähnelt in seiner Bedienbarkeit und seinen bereitschaft der Geräte tragen zu der leichten Handhabbar-
Funktionalitäten sehr stark dem Laptop. Es ist jedoch noch keit und Nutzerfreundlichkeit bei.
kleiner und leichter, sodass es für Reisen noch geeigneter
ist. Zwar ist die Arbeitsleistung eines Netbooks geringer als Das derzeit bekannteste Gerät dieser Form ist das von Apple
die eines Notebooks, jedoch erfreuen sich Netbooks einer 2010 eingeführte iPad. Ein wesentlicher Unterschied von
besseren Akkulaufzeit. Nicht zuletzt ist dies auch ein Grund, Tablet-PCs zu Note- oder Netbooks, der von bedeutender
Mobile Business | PROZEUS16 | Voraussetzungen bei der Umsetzung
Wichtigkeit für die Nutzung sein kann, ist die enge Kopplung aus dem Alltag wegzudenken. Heutzutage gibt es mehr
von Hard- und Software. So hat im Grunde jeder Tablet-PC Handyverträge als es Einwohner in Deutschland gibt.
sein eigenes Betriebssystem, das nicht ohne erheblichen Und auch im unternehmerischen Bereich hat nach An‑
Aufwand und technische Umwege getauscht werden kann. gaben des BITKOM (2011) jeder zwölfte Mitarbeiter ein
Da Betriebssysteme teilweise unterschiedliche Formate und Diensthandy – jeder Dritte verwendet sein Privathandy
Standards unterstützen, sollte bei der Auswahl die Anbindung auch für berufliche Zwecke. Auch wenn Mobiltelefone
von bestehenden Systemen an das zu dem an die Hardware mittlerweile über weit mehr Funktionen als Telefonie
gekoppelte Betriebssystem berücksichtigt werden. und das Empfangen/Versenden von Kurznachrichten
verfügen, sind dies die wesentlichen Funktionen, die bei
Ebenfalls wie Note- und Netbooks sind die meisten Geräte einem Handy genutzt werden. Mittlerweile existiert eine
zwar mit WLAN und/oder UMTS-Modem ausgestattet; da Vielzahl an Modellen am Markt. Zwischenzeitlich ging
es jedoch nicht zur Standardausstattung gehört, sollte bei der Trend im Handymarkt dahin, dass die Geräte immer
der Auswahl darauf geachtet werden. kleiner und flacher wurden. Mittlerweile werden die
Displays wieder etwas größer, und die Mehrheit der
Ein entscheidender Nachteil der Tablet-PCs zu Note- und Modelle verfügt über einen eingebauten MP3-Player,
Netbooks sind die teilweise fehlenden USB-Schnittstellen. eine UMTS-Schnittstelle sowie eine hochwertige
Das Fehlen dieser gängigen Schnittstelle kann das Arbeiten Kamera.
mitunter erheblich einschränken und sollte daher bei der Ent‑
scheidung, welches mobile Endgerät zum Einsatz kommen Da Handys jedoch über weit weniger Funktionen verfügen
soll, berücksichtigt werden. als Smartphones und es kaum eine Möglichkeit gibt, zu‑
sätzliche Software auf Handys zu installieren, werden sie im
Mobiltelefon Arbeitsalltag zwar für die Sprachkommunikation verwendet,
Spätestens rund dreißig Jahre nach der Einführung des dienen jedoch weniger als Gerät, mit dem sich von unter-
digitalen Mobilfunknetzes sind Mobiltelefone kaum noch wegs arbeiten lässt.
PROZEUS | Mobile BusinessVoraussetzungen bei der Umsetzung | 17
Smartphone Displaygröße oder Bedienbarkeit. So gibt es Smartphones,
Das Smartphone stellt eine Kombination aus Mobiltelefon die ein Touchscreen besitzen und somit auf Berühren des
und PDA (Personal Digital Assistent) dar. Durch diese Ver‑ Bildschirmes mit den Fingern reagieren, andere wiederum
bindung von Telefonieren, im Internet surfen und Kalender- müssen mit einem speziellen Stift berührt werden, oder wiede‑
sowie Adressfunktion dient das Smartphone bereits vielen rum andere verfügen über eine computerähnliche Tastatur.
als alltäglicher Wegbegleiter. Da die Geräte häufig schon in Welche dieser Möglichkeiten besser und leichter in der An‑
der Grundausstattung über zahlreiche Funktionalitäten ver‑ wendung ist, ist subjektiv. Daher sollte dieser Aspekt nicht
fügen und mit zusätzlicher Software erweitert werden können, vernachlässigt werden.
sind sie universell einsetzbar. Jeder kann auf seinem Smart‑
phone die Anwendung installieren, die er zum Arbeiten Je nach Einsatz und Verwendung der Geräte kann die im
braucht. Genau diese Möglichkeit hat schlussendlich auch Verhältnis zu den Funktionalitäten stehende geringe Akku‑
zum Erfolg der Smartphones geführt. Über eine program laufzeit zu Problemen führen. Dies ist jedoch nicht der einzige
mieroffene Schnittstelle (API) werden, zu dem jeweiligen Nachteil. Ein Smartphone kann auch bedingt durch die be‑
Betriebssystem passend, Anwendungen programmiert. Viele schränkte Displaygröße einen PC nicht ersetzen. Denn auch
gängige Anwendungen sind am Markt ohne Probleme er‑ wenn technisch die Möglichkeit besteht, mit einem Smart-
hältlich – spezifischere Anwendungen müssen dagegen phone von unterwegs sämtliche Arbeitsschritte auszuführen,
teilweise nach Bedarf programmiert werden. so kann die Größe des Displays lange und komplizierte Ar‑
beiten erschweren und auf die Dauer störend wirken. Dem‑
Insbesondere die Markteinführung des von Apple entwickel- nach zeigen Smartphones auch Nachteile auf; es lässt sich
ten Smartphones, genannt iPhone, revolutionierte den Markt. aber dennoch sagen, dass die kleinen Geräte durch die
Durch die Einrichtung einer Art „Kaufhaus für Apps“ ermög‑ Zusammenführung unterschiedlicher Funktionalitäten den
lichte Apple den vielen kleinen, aber auch großen Unterneh- IKT-Markt sowie die Arbeitswelt revolutioniert haben und
men, Applikationen zu programmieren und zu verkaufen, ohne sich positiv auf die Informationsverbreitung sowie die Zeit‑
sich dabei um den Vertrieb kümmern zu müssen. Dieses ersparnis auswirken.
Konzept fand so viel Anklang bei Programmierern, dass der
Markt für Applikationen in kurzer Zeit mit Angeboten über‑ Sonderformen
schwemmt wurde. Durch das hohe Angebot an Anwendun- Neben den herkömmlichen Geräten, die sich zum mobilen
gen gewann das iPhone wiederum an Beliebtheit. Da es sich Arbeiten anbieten, gibt es auch noch viele unterschiedliche
jedoch bei den frei erhältlichen Applikationen meist um An‑ Sonderformen. Diese Geräte sind meist robuster, sodass
wendungen für den privaten Bereich handelt, eignet sich das sie sich für die Arbeit in rauen Umgebungen eignen. Meist
iPhone nicht mehr als andere Smartphones für den unter‑ erfüllen sie zudem nur eine spezielle Funktion. Ein klassisches
nehmerischen Einsatz. mobiles Gerät, das in der Kategorie „Sonderformen“ ange‑
siedelt ist, ist der Barcodescanner. Dieses Gerät besteht aus
Genau wie Tablet-PCs und Handys sind auch Smartphones einem kleinen Display, einem Scanner und einer Funktions-
eng mit einem herstellereigenen Betriebssystem verbunden. tastatur. Die Daten werden im Lager gescannt und so Waren‑
Daher sollte auch hier berücksichtigt werden, dass die An‑ ein- und -ausgänge registriert und an den Server übertragen.
wendungen nicht auf jedem Smartphone verwendet werden
können, sondern auf das jeweilige Betriebssystem abge‑ Ebenfalls lassen sich häufig Sonderformen von mobilen End‑
stimmt sein müssen. Dieser Aspekt kann dann für Nutzer ein geräten auf Baustellen finden. Hier werden insbesondere
Problem darstellen, wenn dringend benötigte Anwendungen Geräte eingesetzt, die verschiedenen Wettersituationen sowie
zu einer bestimmten Software nicht für alle Betriebssysteme Schmutz und Staub ausgesetzt werden können. Oft dienen
entwickelt wurden und der Nutzer daher gezwungen ist, sich die Geräte allein zur mobilen Zeiterfassung und müssen daher
ein Modell nach dem Betriebssystem auszusuchen oder nur mit wenigen Funktionen ausgestattet sein. Smartphones
teure Anpassungen vornehmen zu lassen. Doch schluss- oder Tablet-PCs würden sich für einen Einsatz auf einer Bau‑
endlich kommt es bei der Auswahl nicht nur auf diesen einen stelle alleine deshalb nicht lohnen, da sie für ein solches Um‑
Aspekt an, sondern auch noch auf technische Standards, feld zu empfindlich und daher zu störanfällig wären.
Mobile Business | PROZEUS18 | Voraussetzungen bei der Umsetzung
Einsatz von Standards Identifikationsstandards bilden im Grunde die Basis für ein
erfolgreiches eBusiness und somit auch für eine erfolgreiche
Ein weiterer Aspekt, der keinesfalls bei der Einführung von Nutzung von mobilen Anwendungen. Sie dienen dazu,
mobilen Business Anwendungen unberücksichtigt bleiben Objekte jeder Art eindeutig und automatisch zu identifizieren.
sollte, ist der Einsatz von und die Unterstützung durch Die Vergabe der entsprechenden Identifikationsnummern er‑
Standards. Dies können auf der einen Seite technische folgt hierbei in der Regel von übergeordneten Organisationen.
Standards sein, die die Übertragung und den Austausch von Wie der Name schon sagt, dienen Klassifikationsstandards
Daten überhaupt erst ermöglichen, sowie inhaltliche Standards dazu, Produkte unterschiedlichen Klassen zuzuordnen.
(eBusiness-Standards), die den Austausch von Informationen Dabei werden in manchen Klassifikationen auch Merkmale
erleichtern, da beide Seiten die „gleiche Sprache sprechen“ definiert, mit denen Produkteigenschaften beschrieben
und Missverständnisse minimiert werden. werden können. Eine Standardklassifikation wird insbeson-
dere dann notwendig, wenn Produktdaten mit Kunden,
Zu den bedeutendsten Übertragungsstandards gehören Lieferanten oder Partnern ausgetauscht werden. Erhält
u. a. DSL, UMTS und LTE. Während der flächendeckende beispielsweise eine Firma von allen Lieferanten Produktin-
Ausbau von DSL und UMTS schon weit fortgeschritten ist, formationen nach einer festen Standardklassifikation, dann
gilt LTE noch als Standard der nächsten Mobilfunkgeneration. kann sie alle Produkte gemäß dieser einheitlichen Katalog
Die Lizenzen wurden erst im April/Mai 2011 von der Bundes‑ hierarchie verwalten oder darin suchen. Mögliche Anwen-
netzagentur versteigert, weshalb der Ausbau zur Verfügbar- dungen für Standardklassifikationen sind Stammdatenma-
keit von LTE erst langsam anläuft. Die Bieter verpflichteten nagement, PIM-Systeme (Produktinformationssysteme),
sich dazu, insbesondere die Regionen mit LTE zu versorgen, elektronische Kataloge, elektronische Marktplätze, Online-
in denen bisher noch keine Möglichkeit der schnellen Shops, elektronische Beschaffung oder auch ERP-Systeme.
Internetverbindung besteht.
Der Aufwand zur Katalogerstellung oder für den Austausch
Im Fokus der Betrachtung sollen jedoch nicht die technischen von Daten mit anderen Unternehmen kann durch den Ein‑
Standards, sondern die eBusiness-Standards stehen, da satz von Katalogaustauschformaten erheblich reduziert
diese – anders als die technischen Standards – nicht extern werden. Bei großen Datenmengen ist eine spezielle Software
gegeben sind, sondern von den Unternehmen selbst imple‑ notwendig, die mit den vorhandenen Datenquellen im Unter‑
mentiert werden müssen. Die besondere Rolle von eBusi- nehmen verbunden bzw. kompatibel sein muss. Existiert
ness-Standards wird in vielen Fällen vernachlässigt, obwohl bereits ein Warenwirtschaftssystem oder soll der Katalog in
gerade erst durch den Einsatz von eBusiness-Standards der einem Online-Shop veröffentlicht bzw. ein Printkatalog
medienbruchfreie Austausch von Informationen und Daten erzeugt werden, ist ein integriertes Katalogsystem sinnvoll,
zwischen elektronischen Geräten garantiert werden kann. das diese Anforderungen unterstützt.
eBusiness-Standards bilden gemeinsame Regeln und Struk‑
turen, die dazu dienen, dass Informationen, die auf elektro‑ Bei der Erstellung und dem Austausch von Nachrichten
nischem Wege übermittelt werden, von allen beteiligten unterstützen darüber hinaus Transaktionsstandards die
Interaktionspartnern richtig verstanden werden. Sie helfen, Abwicklung. Sie legen Datenformate und Inhalte der Nach‑
Geschäftsprozesse automatisiert schneller und effizienter richten (Geschäftsdokumente) einheitlich fest. Hierbei wird
abzuwickeln. zwischen asynchronen Dokumenten, wie Auftrag, Auftrags-
bestätigung, Rechnung, und synchronen Dokumenten, wie
Man unterscheidet fünf Arten von eBusiness-Standards: Preis- und Verfügbarkeitsanfragen, unterschieden. Während
asynchrone Dokumente kein gleichzeitiges Handeln bei den
Identifikationsstandards
Geschäftspartnern erfordern, werden synchrone Dokumente
Klassifikationsstandards
in Echtzeit ausgetauscht und alle Transaktionspartner sind
Katalogaustauschformate
immer auf dem aktuellen Stand.
Transaktionsstandards
Prozessstandards
PROZEUS | Mobile BusinessVoraussetzungen bei der Umsetzung | 19
Schlussendlich sind noch Prozessstandards zu erwähnen. Werden in Unternehmen bereits Standards eingesetzt, sollte
Diese werden benötigt, wenn mehrere Partner an einem dringend vor der Einführung der mobilen Business Anwendun-
Geschäftsprozess arbeiten. In einem solchen Fall benötigen gen geklärt werden, inwieweit die Applikationen, die auf den
sie ein gemeinsames Prozessverständnis. Der Nutzen von mobilen Geräten angewendet werden sollen, diese Standards
Prozessstandards besteht primär darin, dass sie für dieses auch unterstützen. Werden bisher noch keine Standards im
gemeinsame Verständnis sorgen. Sie können als Schablonen Unternehmen eingesetzt, ist mit der Umsetzung einer Mobili‑
verstanden werden, welche häufig wiederkehrende Vor‑ tätsstrategie dringend zu empfehlen, über den Einsatz von
gänge und Abläufe beschreiben. Dabei werden im Allge‑ Standards nachzudenken. So können beispielsweise Daten
meinen für einen spezifischen, unternehmensübergreifenden bei Wareneingang effizienter im unternehmensinternen System
Geschäftsprozess die Standardabläufe und Ausnahmen erfasst werden, wenn die Informationen bezüglich der Pro‑
behandlungen im Sinne von Aktionen definiert. Für jede dukte standardisiert und so eindeutig zuordenbar sind. Aber
einzelne Aktion des Prozesses werden die eingehenden und die Lagerhaltung ist bei Weitem nicht der einzige Bereich, bei
ausgehenden Datensätze in ihrer Struktur, die Ereignisse dem der Einsatz von Standards mit offensichtlichen Vorteilen
(Trigger), welche die Aktion auslösen und die von der Aktion und Kosteneinsparungen verbunden ist. Fast in allen Geschäfts‑
selbst ausgelösten Ereignisse sowie ergänzenden Informa bereichen und Unternehmensprozessen können durch den
tionen beschrieben. Einsatz von eBusiness-Standards Kosten eingespart und
Prozesse effizienter gestaltet werden.
Die folgende Grafik gibt einen Überblick über die
Standards.
Die fünf Arten von eBusiness-Standards
Identifikationsstandards
D-U-N-S®, GTIN, EPC, GRAI/GIAI, ILN/GLN, NVE/SSCC, PZN, UPIK
Firmen und Produkte eindeutig kennzeichnen
Klassifikationsstandards
eCl@ss, ETIM, GPC, proficl@ss, UNSPSC
Produkte einheitlich beschreiben
Katalogaustauschformate
BMEcat, cXML, Datanorm, Eldanorm, PRICAT, RosettaNet, xCBL
Produktdaten elektronisch bereitstellen
Transaktionsstandards EANCOM®, EDIFICE, GS1 XML, OAGIS, ODETTE, openTRANS,
Geschäftsdokumente automatisiert austauschen RosettaNet, UBL
Prozessstandards
ECR, ebXML, RosettaNet, SCOR
Komplexe Geschäftsabläufe automatisieren
© Prozeus
Mobile Business | PROZEUS20 | Mobile Business Anwendungen im Einsatz
05
Mobile Business Anwendungen im Einsatz
Wie mobil ist der deutsche Mittelstand? mobile Business Anwendungen, wie z. B. ERP- oder CRM-
Applikationen, zur Geschäftsprozessoptimierung ein.
Während in großen Unternehmen mobile Business Anwen-
dungen bereits weit verbreitet sind, ist der Einsatz von Offensichtlich ist auch, dass die Mehrheit der Unternehmen
mobilen Lösungen bei kleinen und mittleren Unternehmen mobile Business Anwendungen zur Optimierung der inner‑
(KMU) noch eher verhalten. Zwar gehört für 89 Prozent der betrieblichen Kommunikation einsetzt. Somit wird der Neu-
Einsatz der Mobilfunktechnologie zum Arbeitsalltag dazu, und Umgestaltung der unternehmensinternen Abläufe ein
jedoch verwendet der Großteil der Unternehmen nicht mehr besonderer Wert beigemessen. In Umfragen wurde eine
Funktionen als das Lesen und Verschicken von SMS und Konzentration auf interne und absatzorientierte Funktionen
MMS. So geben sogar 23 Prozent der Unternehmen an, und Prozesse festgestellt. Erst zum Schluss werden mobile
nicht mehr als die Sprachtelefonie zu nutzen. Alle weiteren Lösungen eingesetzt, um unternehmensübergreifende
Dienste, die über Sprachtelefonie und SMS/MMS hinaus Prozesse entlang der Lieferkette zu optimieren.
gehen, werden in KMU eher nur schwach eingesetzt. Zwar
sind es immerhin schon 35 Prozent, die bereits auf die Aber auch wenn der Einsatz von mobilen Business Lösungen
Möglichkeit des mobilen Internets sowie des mobilen E-Mail- relativ gering ist, zeigt Wik Consult in ihrer Studie zum
Schreibens und -Verschickens zurückgreifen, jedoch nur fünf Projekt SimoBIT (2010), dass siebzig Prozent der kleinen
Prozent, die mobile Dienste im Bereich des Flottenmanage- und mittleren Unternehmen einen hohen Bedarf an
ments einsetzen (siehe Abb.). mobilen IKT-Systemen sehen.
Auch Berlecon kommt in einer Studie (2011) zu dem Ergeb‑ Warum also – wenn der Bedarf doch da ist – ist der Einsatz
nis, dass die meisten der Unternehmen zwar E-Mails über von mobilen Business Anwendungen in KMU dennoch
ein mobiles Endgerät versenden und empfangen sowie auf so gering? Grund für den bisher eher geringfügigen Einsatz
Kalender und Kontaktverzeichnisse zugreifen können, je‑ könnte die Tatsache sein, dass der Einsatz von mobilen
doch darüber hinausgehende Funktionen nur sehr selten Business Lösungen eine investitionsintensive Entscheidung
nutzen. Somit setzen nur etwa fünf Prozent der Unternehmen darstellt. Da sich KMU jedoch prinzipiell mit Investitionen,
Einsatz von Mobile Business in Unternehmen
Keine mobile Anwendung genutzt 23 %
Mobile Produktivitätsanwendungen 4%
Flottenmanagement 5%
Standortabhängige Dienste 5%
Mobile Commerce/Mobile Payment 5%
Telemetrie/Fernsteuerung 5%
Mobile Vertriebsanwendungen 6%
Mobile Office-Anwendungen 19 %
Remote-Zugriff auf Unternehmensdaten 21 %
Personal Information Management 24 %
Mobile E-Mail 35 %
Mobiles Internet 35 %
SMS/MMS 62 %
n=1.223, Mehrfachnennungen möglich Quelle: Wik Consult 2010
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