Nationalparks in den Niederlanden - Entdecken Sie zwanzig Perlen der Natur - Nationale Parken

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Nationalparks in den Niederlanden - Entdecken Sie zwanzig Perlen der Natur - Nationale Parken
Entdecken Sie zwanzig Perlen der Natur

                 Nationalparks
                 in den Niederlanden
Nationalparks in den Niederlanden - Entdecken Sie zwanzig Perlen der Natur - Nationale Parken
ARBEITSGEMEINSCHAFT NATIONALPARKS
Im Jahr 2005 haben die zwanzig niederländischen Nationalparks die Arbeitsgemeinschaft
Nationalparks (Stichting Samenwerkingsverband Nationale Parken/SNP) gegründet. In
diesem Rahmen kooperieren sie mit dem Ministerium für Landwirtschaft, Natur und
Lebensmittelqualität, der Staatsforstverwaltung, dem Verband zum Schutz von
Naturdenkmälern, der Arbeitsgemeinschaft der Landschaftsorganisationen der 12
Provinzen (»De 12 Landschappen«), dem Verband der privaten Grundeigentümer und dem
Verband für Natur- und Umweltbildung IVN Nederland. Ihr Anliegen ist es, die
Zusammenarbeit der Parks untereinander zu fördern, ihre Qualität zu steigern und ihr
Profil zu schärfen. Sie setzt dabei auf folgende Instrumente: Austausch von Wissen und
Erfahrungen, Entwicklung und Koordinierung gemeinsamer Projekte, Eintreten für die
Belange des Nationalparksystems sowie Förderung der Einbeziehung der Bevölkerung.

Nähere Informationen unter www.nationaalpark.nl
(in englischer und niederländischer Sprache).

DIESE BROSCHÜRE WURDE VOM MINISTERIUM FÜR LANDWIRTSCHAFT,
NATUR UND LEBENSMITTELQUALITÄT FINANZIERT.
Nationalparks in den Niederlanden - Entdecken Sie zwanzig Perlen der Natur - Nationale Parken
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ENTDECKEN SIE DIE ZWANZIG NATIONALPARKS DER NIEDERLANDE
Nationalparks sind jedem ein Begriff: Wer kennt nicht den Krüger-Nationalpark in
Südafrika oder den Yellowstone-Nationalpark in den Vereinigten Staaten? Dass es auch in
den Niederlanden zwanzig schöne Nationalparks gibt, ist weniger bekannt. Hinsichtlich
ihrer Größe können sie zwar nicht ganz mit ihren berühmten Vorbildern mithalten –
obwohl sie mit insgesamt 130 000 ha immerhin mehr als 3 % der Landesfläche
ausmachen –, doch in puncto Qualität stehen sie ihnen in nichts nach.

Nationalparks erfüllen eine wichtige Funktion; sie sind nicht zuletzt Räume, in denen wir
die Natur genießen und uns vom Alltag erholen können. Die Naturschutzpolitik meines
Hauses verfolgt das Ziel, die Natur zu bewahren, sie weiterzuentwickeln und sie für die
Menschen besser zugänglich zu machen. Das Ministerium arbeitet dabei mit Verbänden,
Unternehmen und Privatpersonen zusammen. Die bewusste Naturerfahrung in den
Nationalparks soll den Menschen vor Augen führen, welch große Rolle die Natur für ihr
Wohlergehen spielt.

Die Kraft der Nationalparks liegt in der Zusammenarbeit zwischen den vielen beteiligten
Akteuren: Eigentümer, Verwalter, Kommunen, Provinzen, Unternehmer und lokale
Interessengemeinschaften. Deshalb ist ein Nationalpark mehr als ein paar Flecken Land
mit einem gemeinsamen Namen, und deshalb gibt es auch viel Rückhalt für die Parks.
Die Anwohner sind stolz auf »ihre« Parks, auch weil sie erkannt haben, dass sie ihnen
viel zu bieten haben: ein gesundes, grünes Wohnumfeld mit vielfältigen Freizeitmöglich-
keiten. Ein Nationalpark ist ein klarer Standortvorteil.

Die zwanzig Nationalparks sind schöne Beispiele typisch niederländischer Landschaften,
die auch im internationalen Vergleich etwas Besonderes sind. Sie sind die Aushänge-
schilder unserer Naturschutzpolitik. Sie liegen über das ganze Land verteilt, so dass
niemand einen langen Anfahrtsweg hat, wenn er einen Nationalpark besuchen möchte.
Man kann dort wandern, radfahren, reiten, Kanu fahren, sich im Besucherzentrum
informieren oder mit dem Förster auf Exkursion gehen – mit anderen Worten: man kann
aktiv zur Ruhe kommen.

Mit dieser Broschüre möchte ich die Nationalparks einem breiteren Publikum
näherbringen. Auf eine kurze Beschreibung des zugrunde liegenden Leitkonzepts folgen
Porträts der einzelnen Parks. Zusätzlich enthält die Broschüre Hinweise auf weiter-
führende Informationen. Kommen Sie und entdecken Sie die zwanzig Nationalparks
unseres Landes. Sie sind herzlich willkommen!

G. Verburg
Ministerin für Landwirtschaft, Natur und
Lebensmittelqualität
Nationalparks in den Niederlanden - Entdecken Sie zwanzig Perlen der Natur - Nationale Parken
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    INHALT
    Vorwort 1
    Nationalparks, zwanzig Perlen der niederländischen Natur 3
    Die Natur genießen 3
    Die Nationalparks im Überblick 4
    Die Natur schützen und entwickeln 5

    Die Nationalparks
    Schiermonnikoog 6
    Lauwersmeer 8
    De Alde Feanen 10
    Drents-Friese Wold 12
    Dwingelderveld 14
    Nationaal Beek- en Esdorpenlandschap Drentsche Aa 16
    Weerribben-Wieden 18
    De Sallandse Heuvelrug 20
    Duinen van Texel 22
    Zuid-Kennemerland 24
    De Biesbosch 26
    De Hoge Veluwe 28
    Veluwezoom 30
    Utrechtse Heuvelrug 32
    Oosterschelde 34
    Loonse en Drunense Duinen 36
    De Zoom-Kalmthoutse Heide 38
    De Groote Peel 40
    De Maasduinen 42
    De Meinweg 44

    Das Ministerium und das System der Nationalparks 46
    Die Partner 46
    Die Verwaltung der Nationalparks 47
    Der Informations- und Bildungsauftrag:
    der Verband für Natur- und Umweltbildung (IVN Nederland) 48
    Nationalparks und Landschaftsschutzgebiete 48
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NIEDERLÄNDISCHE NATIONALPARKS: ZWANZIG PERLEN DER NATUR
Nationalparks beherbergen überall auf der Welt die schönsten und wertvollsten Land-
schaften. In den Niederlanden gibt es zwanzig davon; sie sind die Perlen unserer Natur.
Ganz besondere Orte, zu deren Entdeckung wir Sie herzlich einladen. Hier weicht die
Hektik des Alltags der Ruhe, der Weite und der Pracht der Natur. Hier kann man
ausgedehnte Wanderungen und Fahrradtouren machen, und immer wieder hat man
dabei die Natur für sich allein.

Zwei der zwanzig Nationalparks können bereits auf eine lange Geschichte zurückblicken:
»De Veluwezoom« wurde 1930 von privaten Eigentümern gegründet, und »De Hoge
Veluwe« besteht seit 1935. Ab 1989 haben die für den Naturschutz zuständigen Minister
nach und nach die übrigen 18 Parks ausgewiesen. »Schiermonnikoog« war 1989 der
erste in dieser Reihe, »De Alde Feanen« 2006 der letzte. So entstand das System der
niederländischen Nationalparks. Der 1950 von verschiedenen Behörden gegründete
Nationalpark »De Kennemerduinen« ist 1995 im Nationalpark »Zuid-Kennemerland«
aufgegangen. »Weerribben-Wieden« entstand 2009 durch die Erweiterung des
Nationalparks »De Weerribben« um das angrenzende Gebiet »De Wieden«.

Die Natur kennt keine Grenzen: Der Grenzpark »De Zoom-Kalmthoutse Heide« liegt teils
in den Niederlanden und teils in Belgien, und der Nationalpark »De Meinweg« ist Teil
des deutsch-niederländischen Grenzparks »Maas-Schwalm-Nette«.

DIE NATUR GENIESSEN
Die Niederlande verfügen über eine reiche Naturvielfalt. Jeder Nationalpark steht für
einen besonderen Aspekt dieser Vielfalt. Die Parks, die für jedermann frei zugänglich
sind*, ziehen Jahr für Jahr viele Millionen Besucher an und haben eine Menge zu bieten:
weiträumige Heideflächen, Sumpfwälder, Flugsandfelder, wandernde Inseln, mäandernde
Bäche, stille Moorseen, ausgedehnte Wälder, trockenfallendes Schlickwatt oder seltene
Hochmoore. Alle Parks zusammen erstrecken sich über eine Fläche von mehr als
130 000 ha. »De Oosterschelde« ist mit 37 000 ha der größte Park, »De Groote Peel«
mit 1340 ha der kleinste.

In den Niederlanden besteht ein Nationalpark aus einem zusammenhängenden
Naturgebiet, das einen Umfang von mindestens 1000 Hektar, eine charakteristische
Landschaft sowie besonders wertvolle Tier- und Pflanzenarten aufweist. Hier kann man
große und kleine Tiere in freier Wildbahn erleben: Rothirsche, Seehunde, Biber, Kraniche,
Fledermäuse, Ringelnattern oder auch Moorfrösche. Hinzu kommen unzählige seltene
Pflanzen wie Orchideen, Sonnentau und der Moorbärlapp. In allen Parks gibt es Freizeit-
und Bildungsangebote, bei denen die Natur im Mittelpunkt steht: Rad- und Wanderwege
zählen genauso dazu wie Reit- und Kanuwanderrouten, Beobachtungshütten und
Aussichtspunkte, Bänke, Wegweiser und Informationstafeln. Die meisten Parks verfügen
über mindestens ein Besucherzentrum, viele auch über behindertengerechte Wege.
Besucher können das Gelände auf eigene Faust erkunden oder an geführten Exkursionen
teilnehmen.

*
    Das gilt nicht für »De Hoge Veluwe«, allerdings berechtigt das dort zu zahlende Eintrittsgeld
    zum Gebrauch von Fahrrädern und zum Besuch des unterirdischen Museums »Museonder«.
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    DIE NATIONALPARKS IM ÜBERBLICK

                                                                                         Schiermonnikoog
                                                                     Lauwersmeer

                                                                                              GRONINGEN
                                                                     De Alde Feanen
                                                                                                      Drentsche Aa

                                        Duinen van Texel
                                                                   Drents-Friese Wold

                                                                                                Dwingelderveld

                                                        Weerribben-Wieden

                              Zuid-Kennemerland

                                       AMSTERDAM

                             HAARLEM
                                                                   De Sallandse Heuvelrug

                                                                          APELDOORN                       ENSCHEDE

                                                                    De Hoge Veluwe
                                             UTRECHT
                DEN HAAG                                                            Veluwezoom
                                     Utrechtse Heuvelrug                 ARNHEIM
                       ROTTERDAM

                                                                       NIMWEGEN
                      De Biesbosch
    Oosterschelde
                                              De Loonse en Drunense Duinen

                                   BREDA
                                           TILBURG
                                                                    De Maasduinen
                                                       EINDHOVEN

                            De Zoom-Kalmthoutse Heide
                                                                             De Groote Peel

                                                                    De Meinweg
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De Meinweg

             DIE NATUR SCHÜTZEN UND ENTWICKELN
             Die Nationalparks dienen den folgenden vier Hauptzielen: Schutz und Entwicklung von
             Natur und Landschaft, naturbezogene Erholung, Naturerziehung und Information sowie
             Forschung. Der Schutz einzelner Landschaftsräume ist wichtig, reicht aber nicht aus, da
             seltene Tiere und Pflanzen in kleinen, isolierten Gebieten stärker vom Aussterben
             bedroht sind. Aus diesem Grund will die niederländische Regierung Schutzgebiete in
             einem ökologischen Verbundsystem, der sogenannten Ökologischen Hauptstruktur
             (Ecologische Hoofdstructuur/EHS), zusammenfassen. Die Nationalparks gehören fast
             vollständig zur EHS. 2018 soll die Gesamtfläche im Rahmen der EHS 728 500 ha und
             damit 18 Prozent der Landesfläche umfassen. Hinzu kommen mehr als sechs Millionen
             Hektar Gewässer: Seen und Flüsse, die Nordsee und das Wattenmeer.

             Weite Teile der niederländischen Landschaft sind das Ergebnis menschlicher Eingriffe.
             Ließen wir der Natur völlig freien Lauf, würden bestimmte Landschaftsformen auf Dauer
             verschwinden. So wie der Mensch die Natur braucht, braucht die Natur manchmal auch
             den Menschen. Naturbezogene Erholung und Naturschutz ergänzen sich in den
             Nationalparks der Niederlande hervorragend.
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    FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in der Provinz Friesland • Größe 5400 ha • Verwaltung Der größte Teil des Gebiets
    wird von Natuurmonumenten verwaltet • Nationalpark seit 19. Juli 1989 • lnformationen www.np-schiermonnikoog.nl

           Schiermonnikoog
           Schiermonnikoog: eine ganze Insel als Nationalpark, Produkt von
           Wind und Wasser. Ein dynamisches Gebiet, geprägt von über-
           wältigender Natur, sich immer wieder neu gestaltenden Land-
           schaften und einzigartigen Fernblicken. Dünenbildung ist hier
           etwas ganz Alltägliches.
                                                      Der Name »Schiermonnikoog« geht zurück auf Zisterzienser-
                                                      mönche, die im Mittelalter auf der Insel (»oog« ist ein altes
                                                      Wort für Insel) lebten und graue (= schiere) Kutten trugen.
                                                      Berühmt ist das Eiland für seine einzigartige Natur. 1989 wurde
                                                      es zum ersten offiziellen Nationalpark des Landes ausgerufen.

                                                      Die Wattinseln »wandern« ostwärts: Während sie an der
                                                      Westseite Land verlieren, wachsen sie an der Ostseite durch
                                                      die Ablagerung von Sand und Schlick. Dies gilt auch für
                                                      Schiermonnikoog, das sich durch Dünenbildung seiner Dünen
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                         Brandgans

                                                                   DIE BRANDGANS IST
                                                                   EIN HÖHLENBRÜTER
                                                                   Die Brandgans ist eine große
Schiermonnikoog:                                                   Ente mit schwarz-weiß-
                                                                   rostrotem Gefieder.
eine ganze Insel als Nationalpark                                  Besonders auffällig sind der
                                                                   Kopf, der Hals und der rote
                                                                   Schnabel, beim Männchen
                                                                   der Schnabelhöcker.
                                                                   Bevorzugte Brutgebiete sind
                                                                   Höhlen, zum Beispiel
                                                                   verlassene Kaninchenbaue.
irgendwann so weit nach Osten verlagert hatte, dass es mit         Das vierwöchige Ausbrüten
seiner Ostspitze in die Provinz Groningen hineinragte. 2005        der 8 bis 12 Eier übernimmt
wurde deshalb der Grenzverlauf mit der Provinz Friesland neu       das Weibchen, die Wache das
festgelegt. Hier grenzt die Nordsee an den breitesten Strand       Männchen. Die Brutstätten
der Niederlande.                                                   liegen zum Teil weit im
                                                                   Landesinnern, und viele der
Der Nationalpark Schiermonnikoog weist einen großen Natur-         Küken überleben den Zug zur
reichtum auf. In den Dünentälern blühen Herzblätter, Strand-       Küste nicht. Die Brandgans
tausendgüldenkraut und verschiedene Orchideenarten. Die            ernährt sich von kleinen
salzhaltigen Marschen sind Lebensraum für salzliebende             Fischen und kleinen
Pflanzen wie Queller, Strandaster, Strandflieder und Strand-         wirbellosen Tieren, darunter
sode. Schiermonnikoog ist aber auch eine Vogelinsel. Hier          Insekten, Schnecken und
brüten Löffler, Brandgans und Kronweihe, in der Marsch und in       Krustentiere. Sie ist
den Poldern überwintern viele tausend Gänse. Den vielen            das Wahrzeichen
Bodenbrütern kommt es zugute, dass es auf der Insel keine          des Nationalparks
Füchse gibt. Mit dem Fernglas kann man Seehunde beobachten,        Schiermonnikoog.
die sich ungestört auf den Sandbänken vor der Westküste
tummeln. Vereinzelt sieht man auch Schweinswale.

Schiermonnikoog ist ein Paradies für Ornithologen und für alle,
die Ruhe suchen. Die Insel ist autofrei. Im Westteil gibt es ein
relativ engmaschiges Netz von Rad- und Wanderwegen, weiter
im Osten findet man dagegen nur unberührte Natur, Weite und
Ruhe. Im einzigen Dorf befindet sich das Besucherzentrum.
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    FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in den Provinzen Groningen und Friesland • Größe 6000 ha, davon 2000 ha
    offene Gewässer • Verwaltung Staatsbosbeheer und Natuurmonumenten • Nationalpark seit 12. November 2003
    • lnformationen www.np-lauwersmeer.nl

           Lauwersmeer
           Nationalpark Lauwersmeer: weitläufig, wasserreich und in stetem
           Wandel begriffen. Wo noch vor wenigen Jahrzehnten eine
           Meeresbucht war, bietet heute ein Süßwassersee einer reichen
           Flora und Fauna einen einzigartigen Lebensraum. Hier haben
           Mensch und Natur eine völlig neue Landschaft geschaffen.
                                                     Im Rahmen des sogenannten Deltaprojekts, das nach der
                                                     verheerenden Sturmflut von 1953 den Küstenschutz entscheidend
                                                     verbessern sollte, wurde die Mündungsbucht der Lauwers 1969
                                                     vom Wattenmeer abgeriegelt. Damit kam hier die Gezeiten-
                                                     strömung zum Erliegen.

                                                     Die Bodenbeschaffenheit veränderte sich, und damit auch die
                                                     Vegetation. Auf den Sandbänken wuchsen nach der Abriegelung
                                                     Sanddorn und Weinrose, auf den Kleibänken riesige Kolonien
                                                     der wohlriechenden Wasserminze. Anfangs war das Gebiet
                                                     noch salzig, so dass dort auch Pflanzen wie Strandflieder und
                                                     Queller gedeihen konnten.
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Zwergschwan
              ZWERGSCHWAN
              AUF GROSSER REISE
              Den Sommer verbringen Zwergschwäne in
              der sibirischen Tundra an Seen, die viel
              Nahrung für sie bereithalten, vor allem
              Wasserpflanzen; hier bringen sie auch ihre
              Jungen zur Welt. Zum Überwintern zieht es
              sie dann in großen Scharen viertausend
              Kilometer Richtung Westen zum
              Lauwersmeer, wo es genügend eiweißhaltige
              Nahrung gibt, die sie zum Überleben
              brauchen: die Knollen des Kamm-
              Laichkrauts, einer Wasserpflanze, genauso
              wie Zuckerrübenreste, die nach der Ernte auf
              dem Feld zurückbleiben, und Weidengras.

                       Nationalpark Lauwersmeer:
                       Vom Salz- zum Süßwasserbiotop

                                                 Durch den Zustrom von Flusswasser steigt der Süßwassergehalt
                                                 im Lauwersmeer kontinuierlich an; hierdurch ändert sich die
                                                 Vegetation, so dass beispielsweise auch Moor-Greiskraut
                                                 vorkommt. Im Frühjahr verwandelt sich die Landschaft in ein
                                                 farbenfrohes Pflanzenmeer aus Herzblatt, Tausendgüldenkraut,
                                                 Sumpf-Stendelwurz und verschiedenen anderen Orchideenarten.

                                                 Das Lauwersmeer zählt zu den wichtigsten Vogelgebieten
                                                 Westeuropas. Es ist Brutstätte für seltene Arten wie die
                                                 Wiesenweihe, Uferschwalbe, Bartmeise und das Blaukehlchen.
                                                 Die tieferen Gewässer fungieren als Trink- und Schlafplatz für
                                                 die vielen überwinternden Gänse und als Nahrungsstätte für
                                                 Fischfresser wie Haubentaucher, Gänsesäger oder Tafelente.
                                                 Brandgans und Stelzenläufer suchen in den untiefen Bereichen
                                                 nach Ruhe und Nahrung. Der Seeadler, der wegen seiner
                                                 immensen Spannweite von fast 2,5 m in den Niederlanden auch
                                                 »fliegende Tür« genannt wird, ist bereits gesichtet worden, und
                                                 es wird allgemein erwartet, dass er sich hier ansiedeln wird.

                                                 Das Freizeitangebot wird im Nationalpark Lauwersmeer selbst
                                                 sowie in der direkten Umgebung kontinuierlich ausgebaut.
                                                 Neben vielen Wanderwegen gibt es auch einige Radwege und
                                                 Rollstuhlrouten. Im Sommer vergnügen sich hier Wasser-
                                                 sportler und Angler, und der See ist, außer in den Flachwasser-
                                                 zonen, für Boote frei befahrbar. Vogelfreunde kommen im
                                                 Frühjahr und Herbst auf ihre Kosten; zur Beobachtung der
                                                 Zugvögel bieten sich Hügel und die Beobachtungshütten an.
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     FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in der Provinz Friesland • Größe 4000 ha, davon 425 ha offene Gewässer
     • Verwaltung It Fryske Gea • Nationalpark seit 26. April 2006 • Informationen www.np-aldefeanen.nl

            De Alde Feanen
            Nationalpark De Alde Feanen (De Oude Venen): das heißt
            Schwingmoor, Ried, Moortümpel, Schlagfelder, Sumpfwälder und
            Sumpfdotterblumenwiesen. Eines der schönsten Niedermoore in
            Nordwesteuropa mit seltenen Tier- und Pflanzenarten. Das
            »nasse Herz« Frieslands.
                                                        Im Laufe der Jahrtausende bildete sich in der abflussarmen
                                                        Niederung aus abgestorbenen Pflanzen eine dicke Torfschicht.
                                                        Das Moor wurde durch Kanäle teilweise entwässert, der Torf
                                                        wurde gestochen, auf sogenannten Schlagfeldern getrocknet
                                                        und dann als Brennstoff verwendet. Was nach der Torfgewinnung
                                                        zurückblieb, war landwirtschaftlich nicht mehr nutzbares Land,
                                                        sogenanntes Unland. 1934 kaufte der friesische Naturschutz-
                                                        verband »It Fryske Gea« die ersten Flächen auf, wodurch die
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Blaukehlchen

                                                                               DIE BARTMEISE:
                                                                               IM WINTER VEGETARIER
               Nationalpark De Alde Feanen                                     Das Bartmeisenmännchen ist an
                                                                               den charakteristischen vertikalen
               Eines der schönsten Niedermoore                                 schwarzen Bartstreifen unter den
               Nordwesteuropas                                                 Augen zu erkennen, die die
                                                                               Weibchen nicht aufweisen.
                                                                               Bartmeisen leben in ausgedehnten
               Natur buchstäblich wieder Boden gutmachen konnte: der           Röhrichten. Im Sommer ernähren
               Prozess der Verlandung setzte wieder ein. 2006 wurde            sie sich vor allem von Insekten, im
               »De Alde Feanen« offiziell zum zwanzigsten und letzten           Winter von Sämereien – also
               Nationalpark erklärt.                                           vegetarisch. Darauf muss sich der
                                                                               Verdauungstrakt erst einmal
               Dank des nährstoffarmen Bodens und der landschaftlichen         einstellen. Als Samenfresser
               Vielfalt ist dieses Niedrigmoor reich an Pflanzen und Tieren:    benötigen die Bartmeisen eine
               die Zahl der Pflanzenarten liegt über 450, darunter die in den   kräftigere Magenwand. Deshalb
               Niederlanden besonders selten vorkommende Orchidee              bilden sie dort vorübergehend eine
               Sumpf-Weichorchis. Mehr als zwanzig Fischarten, etwa die        stärkere Muskulatur aus. Dank
               seltene Groppe, sind hier heimisch. Außerdem ist der Park       dieser Anpassung braucht sich der
               Brutstätte für mehr als hundert Arten von Sumpf-, Weide- und    Vogel nicht zum Überwintern auf
               Wasservögeln, darunter die Bartmeise – das Wahrzeichen des      den langen Weg nach Süden zu
               Parks –, die Wasserralle und die Rohrdommel. Im Herbst und      machen. Wenn strenger Frost die
               im Winter sind die Seen beliebte Ruheplätze für Wasservögel     Population stark dezimiert, brüten
               wie Schnatterente, Pfeifente, Tafelente und Reiherente. Im      Bartmeisen nicht selten drei bis
               Frühjahr sind Riedflächen, die mindestens ein Jahr lang nicht    vier Gelege aus, d. h. sie bekommen
               gemäht wurden, Brutrevier von Rohrweihe und Ralle. 2008         bis zu zwanzig Junge innerhalb
               wurden erstmals seit Jahrzehnten wieder Fischotter gesichtet.   eines Jahres.

               De Alde Feanen ist ein Eldorado für Ornithologen. Für sie
               stehen an mehreren Stellen Vogelbeobachtungshütten bereit.
               Besucher können den Park zu Fuß oder mit dem Fahrrad
               erkunden. Allerdings gibt es vergleichsweise wenig Wege,
               so dass es sich anbietet, die Natur vom Wasser aus zu
               beobachten, etwa aus dem Kanu, Segel- oder Elektroboot.
                                                                               Bartmeise

               In Earnewâld befindet sich das Besucherzentrum des
               Nationalparks.
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     FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in den Provinzen Drente und Friesland • Größe 6100 ha
     • Verwaltung Staatsbosbeheer, Natuurmonumenten, Het Drentse Landschap, Maatschappij van Weldadigheid
     sowie ca. achtzig Privateigentümer • Nationalpark seit 22. Juli 1999 • Informationen www.np-drentsfriesewold.nl

            Drents-Friese Wold
            Nationalpark Drents-Friese Wold: das zweitgrößte Wald- und
            Heidegebiet der Niederlande. Eine abwechslungsreiche
            Landschaft, mal offen, mal geschlossen, mit Feucht- und
            Trockenzonen, zum Teil in Drente, zum Teil in Friesland gelegen.

                                                         Schon in prähistorischer Zeit bewohnten Jäger und Ackerbauer
                                                         die Gegend; Hünengräber und Grabhügel sind hierfür stille
                                                         Zeugen. Sie rodeten Wälder und machten das Land urbar.
                                                         Durch die intensive Nutzung wurden die Böden ausgezehrt, so
                                                         dass sie schließlich nur noch als Weidegrund für Schafe
                                                         taugten. Überweidung führte zur Versandung der Flächen;
                                                         immer mehr Heideland ging verloren. Vor ungefähr hundert
                                                         Jahren wurde in großem Stil Nutzwald angepflanzt, um diesem
                                                         Prozess Einhalt zu gebieten. Da reine Nadelwälder relativ
                                                         sturmanfällig sind, werden die Monokulturen nach und nach zu
                                                         Mischwald umgeforstet. Gleichzeitig werden im Aekingerzand
                                                         Bäume gefällt, damit die dortigen Flugsandfelder erhalten
                                                         bleiben. Grasfresser sollen verhindern helfen, dass die
                                                         Offensandflächen wieder zuwachsen.
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Die landschaftliche Vielfalt des Parks ist groß: er hat außer
Flugsandfeldern und verschiedenen Waldarten auch Feucht-
und Trockenheide, Moorseen und Magerwiesen zu bieten, was
typisch ist für diese Gegend. Deshalb ist die Bewahrung dieses
Stückchens Natur auch so wichtig. Bei Doldersum sorgt ein
Schäfer mit seiner Schafherde dafür, dass die Heide nicht        Nationalpark Drents-
zuwuchert. Durch die Wiederherstellung des alten Mäander-
verlaufs des Flüsschens Vledder Aa fließt das Wasser länger
                                                                 Friese Wold: das
durch das Gebiet, wodurch sich die Natur regenerieren kann.      zweitgrößte Wald-
Dank des gestiegenen Grundwasserspiegels breiten sich fast
ausgestorbene Arten wie Sonnentau und Beinbrech wieder aus.
                                                                 und Heidegebiet
In der Heide brüten das Schwarzkehlchen und der Große            der Niederlande
Brachvogel, in den Wäldern stößt man auf Schwarzspecht,
Dachs, Waldiltis, Hermelin und Baummarder. Im Gebiet der
Moorseen hält sich der Nördliche Kammmolch auf.

Jedes Jahr zieht der Park mehr als eine Million Besucher an.
Sowohl in Diever als auch in Appelscha befindet sich ein
Besucherzentrum, wo unzählige ausgewiesene Rad-, Wander-
und Reitwege beginnen. Außerdem gibt es spezielle Routen für
Geländeräder und mehrere Aussichtstürme.

   DER SCHWARZSPECHT
   Der Schwarzspecht ist der größte in den
   Niederlanden lebende Specht und das
   Wahrzeichen des Nationalparks Drents-
   Friese Wold. Der relativ scheue Vogel lebt
   vor allem in alten Wäldern mit viel
   Totholz. Seine Nahrung, Insekten, pickt er
   mit seinem starken Schnabel aus dem
   Holz. In artenarmen Wirtschaftswäldern
   finden Spechte viel weniger Nahrung. Der
   Vogel ist im Westen der Niederlande fast
   verschwunden; nur die Wälder auf den
   Sandböden im Osten und Südosten des
   Landes bieten ihm noch geeigneten
   Lebensraum. Sein Nest baut der Schwarz-
   specht vorzugsweise in den Stämmen
   alter Buchen oder Roteichen.
                            Schwarzspecht
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     FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in der Provinz Drente • Größe 3700 ha, davon 1500 ha Feuchtheide
     • Verwaltung Staatsbosbeheer, Natuurmonumenten • Nationalpark seit 22. August 1991
     • Informationen www.np-dwingelderveld.nl

            Dwingelderveld
            Der Nationalpark Dwingelderveld ist das größte Feuchtheidegebiet
            Westeuropas. Er umfasst über sechzig Moorseen und Moore.
            Die einstige Kulturfläche hat sich zu einer attraktiven Naturland-
            schaft entwickelt.

                                                       Gegen Ende des Mittelalters entstanden hier infolge des
                                                       Raubbaus an der ursprünglichen Wald- und Hochmoorlandschaft
                                                       ausgedehnte Heideflächen, auf denen Schafe grasten. Als
                                                       Kunstdünger den Schafsmist aus den Tieflaufställen überflüssig
                                                       machte, wurden Heide und Schafe nicht mehr gebraucht. Um
                                                       1900 gelang es Bauern, das Ödland urbar zu machen. Hierfür
                                                       musste aber erst der Grundwasserspiegel gesenkt werden. In
                                                       der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts stellte sich heraus,
                                                       dass dies für viele Pflanzen- und Tierarten katastrophale Folgen
                                                       gehabt hatte. Um die Landschaft des neunzehnten Jahrhunderts
                                                       wiederherzustellen, muss das Gelände maschinell abgestochen
                                                       und die Heide intensiv beweidet werden.
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                      Der Nationalpark Dwingelderveld:
                      das größte Feuchtheidegebiet Westeuropas

         Kreuzotter

                                                                   EINHEIMISCHE SCHLANGEN
Hierfür wird Weidevieh eingesetzt, darunter Rinder und zwei        Die Kreuzotter ist die bekannteste
Herden Drenter Heideschafe, eine seltene niederländische           der drei einheimischen Schlangen-
Schafsrasse.                                                       arten. Im Gegensatz zur Ringel-
                                                                   natter und Schlingnatter ist sie
In dem nährstoffarmen Boden haben sich viele Pflanzenarten          giftig. Kreuzottern werden 50 bis
neu angesiedelt. Inzwischen wachsen hier Hunderte von Arten,       70 cm lang und sind unter
darunter auch seltene Pflanzen wie Lungenenzian und Sonnen-         anderem an ihren braunroten
tau. Auffallend sind auch die Wacholderbüsche, die in den          Augen mit länglicher Pupille zu
lokalen Legenden über die »Witte Wieven« (weiße Frauen) als        erkennen. Sie leben vor allem in
folkloristische Kulisse dienen. Ein Teil des Dwingeldervelds ist   feuchten Heide- und Hochmoor-
mit Wirtschaftswald bewachsen, der Anfang des letzten Jahr-        gebieten. Die braun bis grau
hunderts angepflanzt worden ist. Ein großer Teil dieses             gefärbte Schlingnatter ist schlanker,
artenarmen Nadelwalds wird nun wieder natürlicher gestaltet.       hat eine glatte Beschuppung, gelbe
                                                                   Augen und eine runde Pupille.
Im Park leben alle einheimischen Schlangen: Kreuzottern,           Sie lebt vor allem in trockenen
Ringelnattern und Schlingnattern. Auch besondere Arten wie         Heidegebieten. Die Ringelnatter
lebendgebärende Eidechsen, Kreuzkröten und Kammmolche              ist die längste der drei Schlangen-
fühlen sich hier wohl. Hinzu kommen über dreißig Libellenarten     arten: vor allem die etwas
und seltene Schmetterlinge wie der Kleine Moorbläuling.            größeren Weibchen können
Die Population der Steinschmätzer, die in verlassenen              Längen von über einem Meter
Kaninchenbauen brüten, hat sich infolge der Dezimierung            erreichen. Ringelnattern leben
des Kaninchenbestands verringert.                                  meist in der Nähe von Gewässern.
                                                                   Die Schlangen verpaaren sich im
Der Nationalpark Dwingelderveld mit seinen kilometerlangen         April; der Nachwuchs wird dann
Rad-, Wander- und Reitwegen zieht jährlich über 1,5 Millionen      Ende des Sommers geboren. Alle
Besucher an. Das Besucherzentrum bei Ruinen vermittelt einen       Sorten sind ovovivipar, das heißt,
Überblick über die Geschichte dieses Gebiets und empfiehlt          dass das Muttertier die Eier bereits
sich ebenso wie das Orientierungszentrum bei Spier und das         im Körper ausbrütet und lebende
Infozentrum bei Lhee als Ausgangspunkt für Exkursionen. An         Jungschlangen zur Welt bringt.
verschiedenen Orten gibt es Vogelbeobachtungsposten, und in
Ruinen und Lhee befinden sich die Koppeln der beiden
Schafherden.
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     FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in der Provinz Drente • Größe 10 600 ha • Verwaltung Staatsbosbeheer,
     Natuurmonumenten, Landwirte, Markgenossenschaften, Stiftung Het Drentse Landschap, Wasserverband Hunze en Aa‘s,
     Privatpersonen • Nationalpark seit 4. Dezember 2002 • lnformationen www.drentscheaa.nl

            Nationaal Beek- en
            Esdorpenlandschap
            Drentsche Aa
            Die Eschlandschaft im Bereich der Drentsche Aa ist die am besten
            erhaltene Tiefland-Bachniederungslandschaft Westeuropas.
            Natur und Landwirtschaft stehen hier seit mehreren tausend
            Jahren in harmonischer Wechselwirkung.

                                                       Schon in prähistorischer Zeit fanden Jäger und Bauern hier
                                                       äußerst günstige Lebensbedingungen vor. Von ihrer Existenz
                                                       zeugen bis heute Grabhügel, Megalithgräber und sogenannte
                                                       Keltische Felder aus der Eisenzeit. Noch immer bestimmen
                                                       vielerorts die zahlreichen frei mäandrierenden Wasserläufe den
                                                       einzigartigen Charakter dieses Gebiets. Etwa ein Drittel der
                                                       Parkfläche gehört der Natur, der Rest wird überwiegend
                                                       landwirtschaftlich genutzt.

                                                       In den für diesen Landstrich typischen Eschdörfern oder
                                                       Drubbeln sind die Gehöfte gruppenweise um einen Dorfplatz
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Eisvögel

                                                                              NATIONALPARK UND
           Die Eschlandschaft im Bereich der                                  LANDSCHAFTSSCHUTZ-
                                                                              GEBIET
           Drentsche Aa ist die besterhaltene                                 Die Drentsche Aa hat die
           Tiefland-Bachniederungslandschaft                                   Landschaft stark geprägt.
                                                                              Während in anderen Teilen
           Westeuropas.                                                       des Landes im letzten
                                                                              Jahrhundert überall Flüsse
           (den Brink oder Anger) angeordnet; auf den gemeinsamen             begradigt wurden, konnte
           Eschen wird Ackerbau betrieben. Auf den Heideflächen                sich die Drentsche Aa
           weideten tagsüber die Schafe; außer in den Gebieten Ballooërveld   weiterhin ungestört ihren
           und Gasterse Duinen ist die Heide inzwischen fast überall          mäandrierenden Weg durch
           verschwunden. Nachts wurden die Schafe in den Tieflaufstall         die Landschaft bahnen;
           getrieben. Der Schafsmist wurde zur Düngung des Bodens             so blieb die kleinteilige
           verwendet, und die Esche wuchsen auf diese Weise nach und          historische Landschaft
           nach in die Höhe. Außerhalb des Dorfs, in den Flussauen,           erhalten. Im Park liegen
           lagen die Heuwiesen, auf denen das Winterfutter für das Vieh       16 Dörfer und Weiler, zwei
           angebaut wurde.                                                    Drittel der Fläche werden
                                                                              landwirtschaftlich genutzt.
           Die vielen Wasserläufe des Nationalparks werden von Regen-         Somit hat der Nationalpark
           und Qualmwasser gespeist. So ist eine vielfältige Flora mit        weit mehr zu bieten als nur
           besonderen Arten wie der Ährigen Teufelskralle, Wacholder          geschützte Natur. Er ist Teil
           und verschiedenen Orchideen entstanden. Auch die Fauna in          der Nationallandschaft
           diesem Gebiet kennzeichnet sich durch große Vielfalt, vor allem    Drentsche Aa, die sich über
           Schmetterlinge und Libellen kommen in großem Artenreichtum         eine Fläche von gut 30 000
           vor. Eine ganz besondere Libellenart ist die Gebänderte Pracht-    ha erstreckt.
           libelle, deren Larven in Fließgewässern heranwachsen. In den
           kleinen Wasserläufen leben Flussneunaugen, Steinbeißer und
           Kammmolche.

           Jedes Jahr zieht der Park mehr als eine Million Besucher an,
           die besonders die Abwechslung und die Übersichtlichkeit der
           Landschaft schätzen: historische Dörfer, Angerfelder, Wälder
           und Heide, Wallhecken, Moorseen und blumenreiche Wiesen,
           durchzogen von Rad- und Wanderwegen. Auch mit dem
           Planwagen lässt sich das Gebiet gut erkunden. Der Nationalpark
           Drentsche Aa beherbergt das einzige archäologische Reservat
           der Niederlande, Strubben-Kniphorstbosch. In Anloo und
           bei der Schafkoppel auf dem Ballooërveld befinden sich
           Informationspunkte.
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     FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in der Provinz Overijssel • Größe 10 500 ha • Verwaltung Staatsbosbeheer,
     Natuurmonumenten und andere • Nationalpark seit 24. Juni 1992 (Weerribben); am 1. Januar 2009 im Nationalpark
     Weerribben-Wieden aufgegangen • lnformationen www.np-weerribbenwieden.nl

            Weerribben-Wieden
            Der Nationalpark Weerribben-Wieden ist das größte Niedermoor
            Westeuropas und eine Naturlandschaft, wie es sie nur noch selten
            gibt. Im Zuge der Torfgewinnung bildete sich eine charakteristische
            Landschaft mit Gräben (»weren«), Schlagfeldern, auf denen der Torf
            trocknen konnte (»ribben«), und größeren Seen (»wieden«) heraus.

                                                       Noch bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts war in
                                                       dieser Region die Torfgewinnung die wichtigste Einkommens-
                                                       quelle. Danach hatte das »schwarze Gold« ausgedient. Eine
                                                       Zeitlang wurde noch Vieh gehalten, aber schon bald verlegte
                                                       man sich ganz auf den Riedanbau, die einzige lohnende
                                                       Wirtschaftsform in dieser Gegend. An manchen Stellen zeugen
                                                       Wasserpflanzen (z. B. die Europäische Seekanne) noch davon,
                                                       dass das Gebiet einst an der Küste lag. Bei Deichbrüchen setzte
                                                       sich auf dem Moor eine Lehmschicht ab, auf der eine andere
                                                       Flora gedeihen konnte.
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Fischotter

                                                                            WIEDERANSIEDLUNG
                                                                            DES FISCHOTTERS
                                                                            Der Fischotter ist das
             Der Nationalpark Weerribben-Wieden:                            Wahrzeichen des National-
                                                                            parks Weerribben-Wieden.
             das größte Niedermoor Westeuropas                              Anfang des letzten Jahr-
                                                                            hunderts waren die Tiere
                                                                            in diesem wasserreichen
             Das regelmäßige Ausbaggern der Wasserläufe und das Mähen       Gebiet noch relativ zahlreich
             und Säubern der Ufer erhält seltenen Pflanzen- und Tierarten    vertreten, seit 1988 galt die
             ihren Lebensraum. Damit durch das Mähen nicht alle Brut-       Art in den Niederlanden
             plätze für Vögel wie Purpurreiher, Rohrdommel, Bartmeise,      aber als ausgestorben. 2002
             Schilfrohrsänger und Rohrsänger verlorengehen, lässt man       wurden im Rahmen eines
             einige Riedflächen bewusst stehen. Früher wurden kleine         Wiederansiedlungsprojekts
             Windmühlen (Fluttermühlen) eingesetzt, um das Wasser aus       einige Fischotter im
             dem Gebiet abzupumpen, heute muss dem Gebiet Wasser            Nationalpark De Weerribben
             zugeführt werden, um die Riede feucht zu halten.               ausgesetzt. Schon zwei
                                                                            Jahre später wurden die
             1988 war der Fischotter in den Niederlanden ausgestorben.      ersten Jungen geboren.
             Seit 2002 wird er in dem wasserreichen Naturpark wieder        Die Wiederansiedlung
             angesiedelt – mit Erfolg. Das Gebiet beherbergt die größte     verläuft also offensichtlich
             Ringelnatterpopulation der Niederlande, und die Unterart       erfolgreich, die Tiere
             Batava des Großen Feuerfalters ist sogar nur hier vertreten.   benötigen aber dauerhaft
             Viele Vogelarten, darunter die Rohrdommel, die Rohrweihe und   optimale Lebens-
             auch seltenere Arten, finden hier gute Lebensbedingungen.       bedingungen. Dazu gehören
                                                                            viel Wasser von guter
             Bei Frost ist das Gebiet bei Schlittschuhläufern beliebt, im   Qualität, ein großer,
             Sommer bietet sich das Kanu für Erkundungstouren an.           zusammenhängender
             Die Anlege- und Picknickstellen können auch mit sog.           Lebensraum und ein
             Flüsterbooten, deren Elektroantrieb die Ruhe im Gebiet nicht   vielseitiges Nahrungsangebot.
             stören, angesteuert werden, und für Radfahrer und Wanderer
             steht ebenfalls ein umfassendes Wegenetz zur Verfügung. Auf
             Vogelliebhaber warten verschiedene Vogelbeobachtungsposten.
             Jedes Jahr zieht der Park mehr als eine Million Besucher an,
             die im Besucherzentrum Ossenzijl, im Inforaum Kalenberg,
             im Naturmuseum Zwartsluis und im Besucherzentrum
             St. Jansklooster alles Wissenswerte über das Gebiet erfahren
             können.
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     FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in der Provinz Overijssel • Größe 2740 ha • Verwaltung Staatsbosbeheer,
     Natuurmonumenten, Eigentümer von Landgütern und Privatpersonen • Nationalpark seit 16. Oktober 2004
     • Informationen www.np-desallandseheuvelrug.nl

            De Sallandse Heuvelrug
            Der Nationalpark Sallandse Heuvelrug ist ein hügeliges Gebiet
            mit trockenen Heidefeldern und großflächigen Nadel- und
            Laubwäldern. Mit seinen 75 Metern ist der Koningsbelt die
            höchste Erhebung des Gebiets. Ruhe, Raum und Relief
            charakterisieren diesen Nationalpark.
                                                       Die Hügel des Sallandse Heuvelrug entstanden in der vorletzten
                                                       Eiszeit. Landeis stauchte den Boden zu einer Moräne auf, und
                                                       der Wind lagerte später eine Sandschicht darauf ab. Dieser
                                                       magere Untergrund stellt an vielen Stellen bis heute den
                                                       Nährboden für die Vegetation dar.

                                                       Nach den Eiszeiten entstanden auf den Hügeln Wälder. Da die
                                                       erhöhte Lage vor Überschwemmungen schützte, siedelten sich
                                                       hier schon in der Steinzeit Jäger und Bauern an. Ihre Grabhügel
                                                       sind bis heute stille Zeugen dieser Zeit. Später rodeten die
                                                       Bewohner immer größere Waldflächen, um Raum für den
                                                       Ackerbau zu schaffen. Schließlich blieben auf der Hügelkette
                                                       nur noch weiträumige Heidefelder übrig, die von Schafen
                                                       beweidet wurden. Der heutige Wald wurde größtenteils im
                                                       letzten Jahrhundert angepflanzt, um den Holzbedarf zu decken.
                                                       Hier gedeihen Pflanzen wie Preiselbeere, Besenheide,
21

                                                      Birkhuhn
Der Nationalpark Sallandse
Heuvelrug: Ruhe, Raum und Relief

   BIRKHÜHNER AUF DEM HOLTERBERG
   Das Birkhuhn ist aus dem niederländischen
   Landschaftsbild fast ganz verschwunden, nur auf dem
   Holterberg konnte sich noch eine Birkhuhnpopulation
   halten. Aufgrund des immer kleiner werdenden
   Lebensraums und der Austrocknung der Nahrungsgebiete
   kann sich der sehr empfindliche Birkhuhnbestand hier
   nur mit größter Mühe behaupten. Dank einer speziellen
   Heidebewirtschaftung leben im Park ca. 15 bis 25
   Birkhuhnpärchen. Die Verbindung verschiedener
   Heidefelder in der Umgebung soll den Lebensraum
   der Birkhühner vergrößern.

Wacholder und verschiedene Moosarten wie die Scharlach-
Becherflechte.

Rehe, Dachse, Steinmarder und Wiesel leben ebenfalls im Park,
und auch Zauneidechsen sind hier heimisch. In den Moorseen
und Tümpeln tummeln sich Kamm- und Teichmolche.
Bemerkenswert ist die Anwesenheit von Heidelerche, Ziegen-
melker und Schwarzkehlchen. Die seltenste Art ist aber das
Birkhuhn, das außerhalb des Sallandse Heuvelrug bis vor
kurzem nirgends sonst mehr vorkam. Darum wurde es auch
als Wahrzeichen des Nationalparks ausgewählt. Die Heide ist
außerdem Heimat für Moorfrösche und für einige seltene
Schmetterlingsarten, darunter der Braunfleckige Perlmutter-
falter, der Grüne Zipfelfalter, der Kleine Würfel-Dickkopffalter
und der Komma-Dickkopffalter.

Die Landschaft mit ihren Hügeln, die hier für Berge durchgehen,
ist ein ausgesprochen beliebtes Erholungsgebiet. Jährlich zieht
der Nationalpark über eine Million Wanderfreunde, Radfahrer
und andere Erholungssuchende an. In Nijverdal befindet sich
ein Besucherzentrum der Staatlichen Forstverwaltung, und bei
Holten sind in einem Naturdiorama über 500 ausgestopfte
Tiere zu bewundern. Bei Haarle hat die Naturschutzorganisation
»Natuurmonumenten« im Informationszentrum De Pas einen
Ausstellungsraum eingerichtet.
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     FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in der Provinz Nordholland • Größe 4300 ha • Verwaltung Staatsbosbeheer und
     Verteidigungsministerium • Nationalpark seit 1. Mai 2002 • Informationen www.np-duinenvantexel.nl

            Duinen van Texel
            Der Nationalpark Duinen van Texel hat viel zu bieten: feuchte
            Dünentäler und trockene Wanderdünen genauso wie Wald, Heide
            und Marschen. Auf der Insel Texel verbinden sich die Weite von
            Strand und Meer mit der Dichte von Wald und Dünen. Der breite
            Sandstrand erstreckt sich über dreißig Kilometer.
                                                       Seit 1630 verbindet ein Sanddeich die Eijerlandsche Duinen
                                                       im Norden mit dem weiter südlich gelegenen Teil der Insel.
                                                       Dazwischen liegt der »Slufter«, ein Gezeitengebiet, in dem das
                                                       Nordseewasser bei Flut durch Priele und Rinnen bis weit in die
                                                       Dünen vordringt. Dies ist eine der wenigen Stellen in Holland, an
                                                       denen das Meer noch ungehindert Land überschwemmen darf.

                                                       Der Mensch hat in dem langgezogenen Dünengebiet unüber-
                                                       sehbare Spuren hinterlassen. So wurden Sandabgrabungen
                                                       vorgenommen, Sandfangdämme errichtet und Äcker angelegt.
                                                       Landschaft und Natur kennzeichnen sich durch eine große
                                                       Vielfalt. Flugsandfelder wechseln sich mit feuchten Tälern ab,
                                                       in denen feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie die Wasserminze
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Löffler

                                                                        LÖFFLER AUF TEXEL
         Im Nationalpark Duinen van Texel                               Der Löffler brütet nur an
                                                                        wenigen Orten in Europa.
         verbinden sich die Weite von Strand                            Auf Texel gibt es gleich drei
         und Meer mit der Dichte von Wald und                           Kolonien, denn die Sumpf-
                                                                        gebiete mit dichtem Schilf-
         Dünen.                                                         bewuchs sind für die Vögel
                                                                        ein ideales Brutrevier.
         gedeihen. Die Dünen sind teilweise bewaldet, teilweise mit     Die Niederlande sind das
         Heide bewachsen. Auf dem Hors – einer enormen Sandbank         nördlichste Brutgebiet für
         – bilden sich noch immer fortwährend neue Dünen. Auch an       Löffler. Im Herbst machen
         anderen Stellen ändert sich unter dem Einfluss von Wind und     sich die Löffler auf den Weg
         Meer das Aussehen der Insel. Der Mensch trägt ebenfalls zur    nach Afrika; ihr Zug, der sie
         Gestaltung der Natur bei. So wird der artenarme Nadelwald,     über das spanische Festland
         den man Anfang des letzten Jahrhunderts angepflanzt hatte,      führt, kann bis zu zwei
         in einen Mischwald umgewandelt. Im Slufter wachsen             Monate dauern. Löffler
         salzliebende Arten wie Strandaster und Queller. Auch die       ernähren sich von kleinen
         Strand-Grasnelke ist hier beheimatet. Am Ufer der Dünenbäche   Fischen, die sie fangen,
         wachsen Dotterblumen. An anderen Stellen gedeihen              indem sie ihren löffel-
         verschiedene Orchideen und Zarter Gauchheil.                   förmigen Schnabel in
                                                                        seichtem Wasser hin und
         Auf Texel gibt es drei Löfflerkolonien. Nicht umsonst ist der   her bewegen. Vor einigen
         Vogel das Wahrzeichen des Nationalparks Duinen van Texel.      Jahrzehnten galt die Art in
         Löffler und rund 80 weitere Arten – darunter auch seltene wie   den Niederlanden als
         die Sumpfohreule und die Zwergseeschwalbe – finden hier         nahezu ausgestorben;
         geeignete Brutplätze. Texel dient auch vielen Gänsen und       inzwischen hat sich ihr
         anderen Zugvögeln als Winterquartier. Besonders bemerkens-     Bestand jedoch wieder auf
         wert ist die Anwesenheit von Nordischer Wühlmaus und           über eintausend Brutpaare
         Kreuzkröte.                                                    erhöht.
         Jährlich zieht der Park mit seinem weiten Netz von Rad-
         und Wanderwegen fünf Millionen Besucher an. Mehrere
         Campingplätze laden zu längeren Aufenthalten ein. Das
         Besucherzentrum befindet sich in Ecomare, dem bekannten
         Zentrum für das Wattenmeer und die Nordsee.
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     FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in der Provinz Nordholland • Größe 3800 ha • Verwaltung Staatsbosbeheer,
     Natuurmonumenten, Wasserversorgungsunternehmen PWN Waterleidingbedrijf Noord-Holland
     • Nationalpark seit 21. November 1995 • lnformationen www.np-zuidkennemerland.nl

            Zuid-Kennemerland
            Der Nationalpark Zuid-Kennemerland ist eine grüne Oase im
            dichtbesiedelten Westen des Landes. Mit seinem Strand, den
            kalkreichen Dünen, historischen Landgütern und den Randwäldern
            auf den Binnendünen zählt Zuid-Kennemerland zu den schönsten
            Dünengebieten Europas.
                                                       Ohne Wind und Flugsand gäbe es diesen Nationalpark nicht.
                                                       Das fünf Kilometer breite Dünengebiet diente dem Adel im
                                                       späten Mittelalter als Jagdrevier. Im 17. Jahrhundert bauten
                                                       reiche Kaufleute entlang der Binnendünen Landsitze mit
                                                       prachtvollen Parks und Teichanlagen. Einige dieser Landgüter
                                                       wurden in den Nationalpark integriert. Schon 1950 gründeten
                                                       das Reich, die Provinz Nordholland und die Städte Amsterdam
                                                       und Haarlem den Nationalpark De Kennemerduinen. Dieser
                                                       ging 1995 im Nationalpark Zuid-Kennemerland auf.

                                                       Die Wassergewinnung führte im letzten Jahrhundert in
                                                       Landschaft und Natur zu einschneidenden Veränderungen.
                                                       Dort, wo der Wasserspiegel sank, verschwanden Dünenseen
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         Herzblatt

                                                                 RENATURIERUNG DER
                                                                 FEUCHTEN DÜNENTÄLER
Der Nationalpark Zuid-Kennemerland:                              Die Wassergewinnung in
                                                                 den Kennemer-Dünen
eines der schönsten Dünengebiete                                 begann Ende des 19.
Europas                                                          Jahrhunderts. Schon bald
                                                                 machten sich die Folgen des
                                                                 niedrigeren Grundwasser-
und feuchte Dünentäler – und damit auch die Pflanzen, die auf     stands bemerkbar: Bäume
diese Lebensräume angewiesen waren. Erst Ende des letzten        starben ab und feuchte
Jahrhunderts wurde die Wassergewinnung eingestellt; seitdem      Dünentäler trockneten aus.
normalisiert sich der Grundwasserpegel wieder. Damit kehren      Aufgrund des zunehmenden
auch verlorengegangene Pflanzen und Tiere zurück. Inzwischen      Wasserbedarfs wurde nach
hat sich das Herzblatt genauso wieder angesiedelt wie drei       dem Zweiten Weltkrieg
Arten Tausendgüldenkraut und mehrere Orchideenarten. In den      vielerorts vorgereinigtes
Randwäldern auf den Binnendünen wachsen Stinzenpflanzen           Rheinwasser infiltriert.
(verwilderte Zierpflanzen) wie Waldhyazinthen, Bärlauch und       In Zuid-Kennemerland
Brauner Storchschnabel. Um zu verhindern, dass das Gebiet        beschränkte sich diese
verwaldet, grasen hier Shetlandponys, Koniks und Schottische     Maßnahme auf einen kurzen
Hochlandrinder.                                                  Zeitraum und ein kleines
                                                                 Gebiet. Ein weiteres
Der Park bietet auch vielen besonderen Tieren eine Heimat,       Absinken des Grundwasser-
darunter Zauneidechsen, Perlmutterfalter und Sandregenpfeifer.   spiegels konnte verhindert
Außerdem brüten hier viele Nachtigallen. Der Fuchs kehrte        werden, aber das nährstoff-
Ende der siebziger Jahre wieder zurück, nachdem er – als         reiche Flusswasser führte
Konkurrent der Kaninchenjäger – ausgerottet worden war.          zu einer Vergrasung der
In alten Eiskellern und Bunkern überwintern verschiedene         ursprünglich mageren
Fledermausarten.                                                 Dünen. Wenn die Wasser-
                                                                 gewinnung weiter reduziert
Der Park zieht jährlich zwei Millionen Besucher an, vor allem    wird, werden sich die
Wanderfreunde und Radler. Es gibt mehrere ausgewiesene           feuchten Dünentäler wieder
Wanderrouten unterschiedlicher Länge, eine Rad- und mehrere      regenerieren können.
Reitrouten. Das Besucherzentrum De Zandwaaier bei Overveen
liegt mitten im Park in der ehemaligen Pumpstation des
Haarlemer Wasserversorgungsunternehmens, ein restauriertes
Industriedenkmal aus dem Jahre 1898.
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     FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in den Provinzen Nordbrabant und Südholland • Größe 9000 ha
     • Verwaltung Staatsbosbeheer und Rijkswaterstaat • Nationalpark seit 10. März 1994
     • Informationen www.np-debiesbosch.nl

            De Biesbosch
            Der Nationalpark De Biesbosch zählt zu den wichtigsten
            Süßwasser-Gezeitengebieten Europas. Die Nordsee, der Rhein
            und die Maas verleihen ihm einen dynamischen Charakter; seine
            heutige Gestalt ist das Ergebnis von Eingriffen des Menschen und
            von Schlickablagerungen.
                                                        Die verheerende St.-Elisabeths-Flut im Jahre 1421, die das
                                                        gesamte Gebiet De Groote Waard mitsamt 16 Dörfern verschlang,
                                                        war der Auslöser für die Entstehung dieser von Flüssen
                                                        durchzogenen Landschaft mit ihren Buchten, Moorwäldern,
                                                        Weidengebüschen und Wiesen. Teile des Gebiets wurden in
                                                        den darauffolgenden Jahrhunderten erneut eingedeicht.
                                                        De Biesbosch ist noch immer ein dynamisches Gebiet,
                                                        allerdings hat die Fertigstellung der »Deltawerke«, der Hoch-
                                                        wasserschutzanlagen an der Südwestküste, den Gezeiten-
                                                        unterschied auf wenige Zentimeter verringert.
27

      Biber

DIE RÜCKKEHR
DES BIBERS
1826 wurde der letzte in den      Der Nationalpark De Biesbosch:
Niederlanden lebende Biber
getötet. Gut 150 Jahre
                                  eines der wichtigsten Süßwasser-
später, 1988, wurden im           Gezeitengebiete Europas
Biesbosch einige Biber-
familien ausgesetzt. Der
Erfolg blieb nicht aus – die
Population steigt stetig an.      Mit der Zeit sorgten Schlickablagerungen dafür, dass Teile des
Das größte europäische            Gebiets bei Ebbe trockenfielen. Auf diesen Flächen siedelten
Nagetier fühlt sich in            sich Pflanzen an. Die Pioniervegetation bestand aus Binsen,
diesem Nationalpark               denen das Gebiet seinen Namen verdankt (Ndl. »Bies« =
offenbar sehr wohl.               Binse). Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte man einen großen
Im Sommer ernähren sich           Teil des Biesbosch erneut eingedeicht. An vielen Stellen wurden
die Biber von Pflanzen,            Weidengebüsche kultiviert, die das Aussehen des Gebiets in
im Winter von Baumrinde,          hohem Maße prägten. Als nach 1970 die Ernte von Weiden-
unter anderem von Weiden.         zweigen größtenteils eingestellt wurde, wuchsen die
Die Biber leben familien-         Weidengebüsche zu eindrucksvollen Wäldern heran.
weise in Burgen, die sie aus
Zweigen und gefällten             Das Gebiet kennzeichnet sich durch eine überaus vielfältige
Baumstämmen bauen.                Flora und Fauna. Zu den über 600 Pflanzenarten, die hier
Der Eingang der Biberburg         beheimatet sind, gehören eine Varietät der Sumpfdotterblume,
befindet sich unter Wasser.        die sonst nirgendwo in den Niederlanden vorkommt, und die
Inzwischen gibt es im             dreikantige Teichbinse. Eisvogel, Pirol und Blaukehlchen brüten
Biesbosch knapp 150 Biber,        hier. Auch Seeadler geben sich hier Jahr für Jahr ein Stelldichein.
die in über 60 Burgen leben.      1988 wurden Biber ausgewildert, die inzwischen Dutzende von
Biber werden durch-               Burgen errichtet haben. Im Wasser leben rund 50 Fischarten.
schnittlich 8 bis 12 Jahre alt.   Das wasserreiche Gebiet zieht jährlich über eine halbe Million
                                  Besucher an. Die meisten erkunden den Biesbosch vom Boot
                                  aus, aber es gibt auch mehrere Wanderwege. Bei Dordrecht und
                                  Drimmelen befinden sich Besucherzentren. Am Rand des
                                  Naturparks gibt es Radwege für Entdeckungstouren. Ebenfalls
                                  am Rande des Biesbosch, im Forstrevier De Elzen, liegt das
                                  natur- und kulturhistorische Museum Twintighoven; in
                                  Werkendam lädt das Biesbosch-Museum zu einem Besuch ein.
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     FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in der Provinz Geldern • Größe 5400 ha
     • Verwaltung Stichting Het Nationale Park De Hoge Veluwe • Nationalpark seit 1935, entstanden aus
     einer privaten Initiative • Informationen www.np-dehogeveluwe.nl, www.hogeveluwe.nl

            De Hoge Veluwe
            Der Nationalpark De Hoge Veluwe hat eine einzigartige
            Kombination aus Natur, Kunst und Architektur zu bieten.
            Dunkle Wälder wechseln sich mit Teichen, Flugsandfeldern und
            ausgedehnten Wiesen ab. Hier fühlen sich Rothirsche, Rehe,
            Dachse, Wildschweine und Mufflons wohl. Und inmitten des
            Parks befindet sich das weltberühmte Kröller-Müller-Museum.

                                                        Der bekannteste Nationalpark und eine der schönsten
                                                        Naturlandschaften der Niederlande ist den Eheleuten Kröller-
                                                        Müller zu verdanken, die hier ihre Träume verwirklichten: Anton
                                                        Kröller liebte die Natur und die Jagd, seine Frau Helene Kröller-
                                                        Müller sammelte leidenschaftlich Kunst. 1935 wurde die
                                                        Stiftung Het Nationale Park De Hoge Veluwe gegründet, der
                                                        zweite Nationalpark der Niederlande. Die Kunstsammlung ging
                                                        an den Staat, der ein Museum dafür bauen ließ.

                                                        Die hügelige Landschaft entstand während der Eiszeiten. Im
                                                        Mittelalter war die Veluwe dicht bewaldet. Durch umfangreiche
                                                        Holzeinschläge für den Schiffbau entstanden Kahlflächen und
                                                        Flugsandfelder. Die für die Gegend typischen Kiefern mit ihrem
                                                        vom Wind gebeugten Stamm und ihrer fahnenförmigen Krone
                                                        wurden übrigens nie angepflanzt, sondern sind spontan
                                                        gewachsen. Sie brachten Abwechslung in die Wälder und
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                         Rothirsch

                                                                  RÖHRENDE ROTHIRSCHE
                                                                  Durch Röhren macht ein
Der Nationalpark De Hoge Veluwe:                                  Hirschbulle in der etwa
                                                                  vierwöchigen Brunftzeit im
eine einzigartige Kombination aus                                 Herbst klar, dass er sich mit
Natur, Kunst und Architektur                                      seinen Konkurrenten
                                                                  messen will, denn nur die
                                                                  stärksten Bullen werden sich
                                                                  mit den Hirschkühen
verleihen dem Nationalpark De Hoge Veluwe seinen ganz             paaren. Wenn das Röhren
eigenen Charakter.                                                den Konkurrenten nicht
                                                                  genug imponiert, wird in
Seit 2007 läuft ein Projekt, im Park wieder Birkhühner            Kämpfen entschieden, wer
anzusiedeln; die Erfolgsaussichten sind gut, da ihr Lebensraum    der Stärkste ist. Die besten
in den vergangenen dreißig Jahren erheblich verbessert wurde.     Chancen haben die etwa
Seit 1969 leben hier auch wieder Raben, die einige Jahrzehnte     12-jährigen Bullen, die in
zuvor in den Niederlanden ausgestorben waren. Weitere             diesem Alter im Saft ihres
besondere Vögel sind der Ziegenmelker, der Wendehals und der      Lebens stehen. Da sich die
Steinschmätzer. Zu den besonderen Pflanzen gehören                 Geweihe beim Kampf
Lungenenzian, Beinbrech und Rosmarinheide.                        ineinander verhaken, kommt
                                                                  es in der Regel nicht zu
Die Hoge Veluwe ist der einzige Nationalpark, für den Eintritt    schweren Verletzungen. Im
gezahlt werden muss. Er wird ohne staatliche Zuschüsse            Frühsommer des folgenden
betrieben, und die Eintrittsgelder fließen in die umwelt-          Jahres werden dann die
freundliche Unterhaltung des Parks. Für die über 500 000          Hirschkälbchen geboren.
Besucher, die der Park jährlich anzieht, stehen 1700 kostenlose
Leihfahrräder zur Verfügung. Außer Radwegen bietet der Park
auch Wander- und Reitwege sowie GPS-Routen. Anders als in
vielen anderen Parks ist hier das Verlassen der Wege gestattet.
Für das Kröller-Müller-Museum mit Skulpturengarten muss
gesondert Eintritt bezahlt werden. Daneben hat der Park noch
das Museonder, ein unterirdisches Museum über alles, was
unter der Erde zu finden ist, sowie einen Landschaftsgarten zu
bieten. Auf speziell angelegten Wiesen können Wildtiere
beobachtet werden. Im Herbst bieten die röhrenden Rothirsche
ein beeindruckendes Schauspiel.
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     FAKTEN Lage Der Nationalpark liegt in der Provinz Geldern • Größe 5000 ha • Verwaltung Natuurmonumenten
     • Nationalpark seit 1930, entstanden aus einer privaten Initiative • Informationen www.natuurmonumenten.nl/npveluwezoom

            Veluwezoom
            Der Nationalpark Veluwezoom ist eine einzigartige Landschaft
            aus Wäldern, Heide und Flugsandfeldern mit Anhöhen, die einen
            spektakulären Panoramablick bieten. Von der fast 100 m hohen
            Posbank aus gesehen erstreckt sich nach Norden das Waldgebiet
            Onzalige Bossen; im Süden eröffnet sich ein herrlicher Blick über
            das Ijsseltal.
                                                      Der Veluwezoom entstand, als in der vorletzten Eiszeit
                                                      Gletscher den Boden nach oben drückten; sie hinterließen
                                                      Schotter und große Steinbrocken. Auf den Hügeln wuchsen
                                                      Wälder, doch erhielt die Landschaft im Lauf der Zeit infolge
                                                      menschlicher Eingriffe ein völlig neues Gesicht. Wälder wurden
                                                      gerodet, und durch Überweidung laugte der Boden aus. Was
                                                      blieb, war Ödland, meist in Form von Flugsand- und Heide-
                                                      feldern. Später wurde in Teilen dieses Gebiets artenarmer
                                                      Wirtschaftsnadelwald angepflanzt. Die Umforstung in einen
                                                      Mischwald ist in vollem Gang. Manche Waldabschnitte sind
                                                      bereits anderthalb Jahrhunderte alt und haben urwaldähnlichen
                                                      Charakter.
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