Nazareth Brief Diakonische Gemeinschaft - UND - Diakonische Gemeinschaft Nazareth
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Nr. 1/2022
www.nazareth.de
Nazareth
Brief Diakonische Gemeinschaft
Nazareth UND
Nazarethbrief 4 22 10.indd 1 21.04.22 11:12INHALT
VORAB 26 ... und dann kam die Flut
Kathrin Sundermeier
3 Und …
Wolfgang Roos-Pfeiffer 28 Pale Blue Dot
Nina Schmidt
6 ... und siehe, wir leben!
Jutta Beldermann
AUS DER
10 ... und der Frieden
Wolfgang Roos-Pfeiffer
GEMEINSCHAFT
32 Neubesetzung
13 Frieden ist …
der Direktionsmandate
Schreibwerkstatt des Kollegiums
der Ev. Bildungsstätte 33 … und wusstet ihr schon?
Milena Bock
15 Gericht und Gnade
Jutta Beldermann 34 Profilprogramm
von Sarepta und Nazareth
UND … Patrick Quack
17 Nazareth wir müssen reden … 36 Liebe Geschwister...
Nina Schmidt Tobias Petzoldt
19 Der Blick
Wolfgang Roos-Pfeiffer
INFOS
20 Ankommen
39 Termine/Impressum
in einem fremden Land
Sabine Prybylski
22 Ein wohlwollender Blick
schaut auf mich!
Regine Buschmann
23 Ich lebe!
Hannah Wolf
2
Nazarethbrief 4 22 10.indd 2 21.04.22 11:12VORAB
UND …
Nichts Besonderes so ein Und, und doch ist Und es fordert unsere Solidarität und unse-
an diesem kleinen Worträdchen so viel zu re Gastfreundschaft und unser Eintreten für
drehen und zu wenden. Lohnt sich so ein Demokratie und Freiheit und Menschen-
Und für einen ganzen Nazareth Brief? Naja, rechte und unseren entschiedenen Protest
mal sehen und lesen. Wir laden Sie und und die kritische Reflexion neu angefachter
Euch dazu ein! Hochrüstungsgelüste … und immer wieder
unser Gebet.
Was hat uns auf das Und gebracht? Eigent-
lich die Vielzahl der unterschiedlichen The- Und … das Und ist ja zunächst mal in der
men, die sich in diesem Nazareth Brief wie- deutschen Sprache nicht mehr oder weniger
derfinden. Und irgendwie drückt das Und als ein Bindewort, ein Fügewort und stellt
auch ein Lebensgefühl dieser Tage aus: erst syntaktische Verbindungen zwischen Wör-
hatten wir Corona und jetzt kommt dieser tern, Satzteilen oder Sätzen her (Wikipedia).
Krieg. Eine Katastrophe reiht sich an die Und kann auch zur Verstärkung, Steigerung
nächste und wir stecken ja noch mitten in eingesetzt werden (es regnete und regnete).
der ersten. Ich schreibe dieses Vorwort ei- Synonym können Worte wie sowie, sowohl,
nige Wochen bevor der Nazareth Brief bei plus, neben, nebst, wie auch, zuzüglich ver-
Ihnen und Euch auf dem Tisch liegt. wendet werden. Und „unde“ gab es schon
im Mittelhochdeutschen, im Althochdeut-
Ich mag mir nicht ausmalen, zu welchen schen wurde „unta“ oder „ante“ gesagt,
Schrecklichkeiten sich das alles noch ent- die sprachliche Vergangenheit reicht sehr
wickelt haben wird. Und jetzt auch noch weit zurück. Entwicklungsstränge zum eng-
ein Krieg mitten in Europa – niemals hätten lischen „and“ sowie zum lateinischen „et“,
wir uns das vorstellen können, dass nach all französischen „et“, italienischen „e“ liegen
dem Leid in Europa durch die beiden Welt- auf der Hand. Wie der Spanier daraus ein
kriege jemand den Krieg wieder als legiti- „y“ machen konnte, bleibt schleierhaft.
mes politisches Mittel ansehen kann, noch
dazu im atomaren Zeitalter. Es ist schreck-
lich und unverantwortlich und menschen-
verachtend und demokratiefeindlich und
freiheitsraubend und gewalttätig und
verabscheuungswürdig.
3
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Und wird wohl nicht das erste gesprochene Und? Kann in Ostwestfalen auch als durch-
Wort der Menschheit gewesen sein, aber aus knappe aber freundliche Frage zum Er-
der Bedarf, so ein Bindewort zu haben, lässt gehen des Anderen genutzt werden, zumal
mit der zunehmenden Differenzierung von wenn dieser oder diese gerade eine beson-
Sprache erahnen, dass das Und bzw. seine dere Herausforderung zu meistern hatte.
Vorgängermodelle in den Top 100 der ers- Nach abgeschlossener Prüfung ersetzt das
ten Wörter zu finden sind. In der Liste der Und? (vielsagend mit betontem „?“) die
heutzutage meistgenutzten Wörter belegt ausführliche Version von „ich wollte mal
Und einen hervorragenden vierten Platz. wissen, wie es dir ergangen ist und wie es
dir jetzt geht und was du jetzt brauchst und
Wir haben gelernt, dass in längeren Aus- ob ich was für dich tun kann“ … wer will
zählungen das Und das Ende der Aufzäh- das alles hören oder sagen? In Und? Steckt
lung vor dem letzten Teil markiert. Wer eine das alles und noch viel mehr drin. Und ist
Aufzählung ins Unendliche steigern will, eben auch eine Beziehungsaussage. Wir
sagt und, und, und. Vor dem Und kommt alle können sehr genau unterscheiden, mit
kein Komma, es sei denn, ein neuer Haupt- welchem Zungenschlag ein Und gespro-
satz folgt dem Und. Dann stellt dieses den chen wird. Geht es um Zuneigung oder um
Sinnzusammenhang zum Vorhergesagten kritische Distanzierung? Geht es um Zustim-
her. Dem Mathematiker ist das Und ein mung (und ob!) oder um Geringschätzung
Dorn im Auge, weil es umgangssprachlich (na und?)? Mit oder ohne verbale oder mi-
in der Addition eingesetzt wird, aber wenig mische Zusätze wissen wir ein Und zumeist
präzise die Rechenart beschreibt. Und kann sehr genau einzusetzen und zu verstehen.
sogar die Beziehung einer Person zu einer
Sache oder zu anderen Menschen beschrei- „Und überhaupt“ ist am Ende einer langen
ben (Luther und die Reformation, Schnee- Aufzählung vieler guter Gründe das Signal,
wittchen und die sieben Zwerge). dass einem weitere Gründe nicht mehr ein-
fallen wollen und diese auch überflüssig
zu erwähnen sind. „Und so weiter“ wird
so oft eingesetzt, dass schriftlich und zum
Teil sogar mündlich die verbreitete Abkür-
zung usw. genutzt wird. Wer allerdings das
„und so weiter“ besonderes herausstellen
möchte, kann dieses verlängern mit „und
so fort“.
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So sind wir auch auf das Und für den Na- Was für ein Geschenk und was für eine Ver-
zareth Brief gekommen. Es gibt viel zu be- pflichtung!
richten, zu erzählen. Sehr unterschiedliche
Dinge, vom Frieden, von Krieg, Flucht und Und wenn die Welt voll Teufel wär
geflüchteten Menschen, von Rassismus und und wollt uns gar verschlingen,
Integration, von Bildung, social media und so fürchten wir uns nicht so sehr,
personellen Veränderungen in Gemein- es soll uns doch gelingen.
schaft und Stiftung. Da hilft uns das Und Martin Luther, EG 362, Strophe 3
als Brücke ganz gut aus.
... und – hoffnungsstur,
Und schließlich: Und kann auch die glau-
benstrotzige, hoffnungssture Variante des
Ihr/Euer
Christenmenschen sein, der den Zerwürf-
nissen und Gefährdungen des Lebens eine
Glaubensgewissheit entgegenzusetzen ver-
mag. Tod und Auferstehung – das ist in der
Passions- und Osterzeit das zentrale Motiv,
das ist unser wichtigstes Credo: wir sind Wolfgang Roos-Pfeiffer
und bleiben in Gottes Hand, wir sind die
durch alle Notlagen und Ausweglosigkeiten
hindurch Getragenen, wir sind die in aller
Not und Bedrängnis Aufgefangenen, wir
sind die Wertgeschätzten, Gewürdigten,
mit Gnade, Erlösung und Auferstehungs-
hoffnung Beschenkten. Wie anders sollte es
in schlimmster Not möglich sein, sich zum Solange die Erde steht,
frohen Gesang, Gebet und Gemeinschaft soll nicht aufhören
zu versammeln?
Saat und Ernte,
Frost und Hitze,
Sommer und Winter,
Tag und Nacht
1. Mose 8,22
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... UND SIEHE, WIR LEBEN!
Predigt Jutta Beldermann Sonntag Invokavit, 06.03.2022
In allem erweisen wir uns als Die- Hätte er gefragt, ich bin überzeugt, der Arzt
ner Gottes: in großer Geduld, in Be- hätte gesagt: „Dann beten wir auch!“ Als
drängnissen, in Nöten, in Ängsten, 5 in die Sterbenden, und siehe, wir leben;
Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhr, als die Gezüchtigten und doch nicht ge-
in Mühen, im Wachen, im Fasten, 6 in tötet; 10 als die Traurigen, aber allezeit
Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, fröhlich; als die Armen, die doch viele
in Freundlichkeit, im Heiligen Geist, in reich machen;
ungefärbter Liebe, 7 in dem Wort der
Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den ... und siehe, sie leben
Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten
und zur Linken, 8 in Ehre und Schande; in Die Sätze des Apostels Paulus scheinen für
bösen Gerüchten und guten Gerüchten, genau diese Zeiten geschrieben. Wie ge-
als Verführer und doch wahrhaftig; 9 als storben erscheinen uns die Gesichter der
die Unbekannten und doch bekannt; als Geflüchteten – und siehe, sie leben. Inmit-
die Sterbenden, und siehe, wir leben; ten großer Trauer – und doch: sie finden die
als die Gezüchtigten und doch nicht ge- Kraft, andere zu trösten. Familien in Ungarn
tötet; 10 als die Traurigen, aber allezeit oder in Polen, die selbst nicht viel haben: als
fröhlich; als die Armen, aber die doch die Armen machen sie viele reich, und sei
viele reich machen; als die nichts haben es nur mit einem Sofa. Paulus schreibt seine
und doch alles haben. (2. Kor 6, 4-10) eindrücklichen Worte an seine Gemeinde in
Korinth. Sie kennen das Leiden, das Gezüch-
Tagesschau am ersten Freitag des Krie- tigt Werden, die Armut. Und sie glauben.
ges zwischen Russland und der Ukraine: Paulus weiß, dass diese jungen Christen ge-
Ein Arzt aus Kiew spricht. Er berichtet von rade dafür verlacht werden, manchmal so-
einem vollen Krankenhaus, dass sie Not- gar in ihrer eigenen Gemeinde. So wie der
aggregate haben und dass alle Mitarbeiter Arzt in Kiew vielleicht verlacht wird: „Beten!
ihr Bestes geben. Am Schluss sagt er: „Wir An Gott glauben! Das tu mal! Mal sehen,
beten, dass unser Krankenhaus nicht bom- ob es hilft! Wenn es einen Gott gibt, dann
bardiert wird.“ Dem Moderator scheint auf müsste er das alles doch verhindern …“ Wir
der Zunge zu liegen: „Und was machen Sie, kennen diese Spottsätze auch! Sie tun weh!
wenn doch?“ Das sagt er nur nicht.
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... und glauben Für die Korinther braucht er nur Stichwor-
te zu nennen, dann wissen sie schon, was
Paulus weiß aus eigener Erfahrung, dass der er meint: in Bedrängnissen, in Nöten, in
Glaube an Christus dann zur großen Kraft Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen,
und Stärke wird, wenn wir Menschen das in Aufruhr, in Mühen, im Wachen, im
Scheitern erleben. So fing das christliche Fasten, wenn er mal wieder vor Hunger
Leben des Apostels Paulus an, als er vor und Angst nicht schlafen konnte.
Damaskus niedergestreckt und blind war
und erkennen musste, dass sein ganzes bis- Gerade in solchen Situationen hat Paulus
heriges Leben gescheitert war. gemerkt, dass ihn der Glaube trug. Davon
legt er den Korinthern – und uns – Zeug-
Genau in solchen Nöten fangen Menschen nis ab. Er hält keinen großen theologischen
an, am Glauben zu verzweifeln: „Das kann Vortrag, sondern er spricht ganz persönlich.
Gott doch nicht zulassen. Gäbe es einen Sehr emotional. Er erzählt in diesen Stich-
Gott, wäre er doch auf meiner Seite!“ Und worten von seinem Leben und berührt da-
wissen wir, wie sehr Paulus damals an sei- mit ihres und unseres heute.
nem Glauben gezweifelt hat? Genau da,
mitten drin aber, da erlebte er die Verge- Seine Stichworte lassen den Korinthern
bung Christi als das, was ihn durch die Krise Raum, sich selbst darin wiederzufinden.
trug, und den Glauben an Christus als das, Und sie geben uns heute Raum, unsere
was ihn für sein Leben wieder stark mach- Bedrängnisse und Sorgen darin zu lesen,
te. Er erlebte, dass die Not seinem Glauben die Nöte und Schläge der Menschen in der
nicht widersprach. Ganz im Gegenteil, er Ukraine, die Angst und Enttäuschung der
erlebte Leiden und Glauben, Schwachheit Protestierenden in Russland.
und Stärke, Hoffnungslosigkeit und Hoff-
nung, Versagen und Liebe. Er erlebte Leben
in dieser Welt und Glauben an Gott ganz
neu! Und so ging es in seinem Leben weiter.
7
Nazarethbrief 4 22 10.indd 7 21.04.22 11:12UND
... und ... ... und wir!
So erweisen wir uns als Diener Christi, sagt Es ist Passionszeit. Wochen, in denen wir
Paulus. Es sind Viele, die den Menschen in uns vor Ostern konzentrieren auf unseren
der Not beistehen. Es sind die Mitarbeiten- Glauben an den Christus, der wie wir gelit-
den der Diakonie in der Ukraine, die keiner ten hat und gestorben ist und der von Gott
beachtet und die doch Großes leisten: Aus- auferweckt wurde.
gebombte versorgen, Medikamente vertei-
len. Es sind die Geschwister in Lobetal und So erzählt Paulus von dem großen Und des
bei AGAPE in Rumänien, die Hilfsgüter an christlichen Glaubens. Beides ist real, sagt
die Grenze bringen und Flüchtlinge mit- er: Wir gelten als Betrüger – weil wir eben
nehmen. Es sind Glaubende, die sich in der nicht den strahlenden Heldengott predigen
Bedrängnis – wie Paulus sagt – als Diener – und wir sagen damit die Wahrheit Gottes.
Gottes erweisen: in Langmut, in Freund- Wir sind die, die keiner kennen will und wir
lichkeit, im Heiligen Geist, in ungefärb- sind vollständig erkannt von Gott.
ter Liebe – ich bin überwältigt, wie viele Und auch das ist beides wahr:
Menschen sich engagieren. 6 in Lauter-
keit, in Erkenntnis, in bösen Gerüchten Wir sterben und wir leben durch die Aufer-
und guten Gerüchten, in dem Wort der stehung Jesu. Wir werden gezüchtigt und
Wahrheit – ja, auch damals war wie selbst wenn wir umkommen, wir werden
heute wichtig, die Wahrheit von der nicht getötet. Wir sind wie alle Menschen
Lüge zu unterscheiden! 8 in Ehre und traurig. Natürlich sind wir traurig und hilf-
Schande, in der Kraft Gottes, mit den los, wenn wir sehen, was die Menschen
Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten in der Ukraine erleben müssen. Natürlich
und zur Linken – auch Paulus wusste, sind wir wütend über das, was Machtha-
wie wichtig es ist, bei aller Ungerech- ber ihren und anderen Völkern antun. Auch
tigkeit selbst bei der Gerechtigkeit zu das, was wir persönlich manchmal aushal-
bleiben und anderen die Kraft Gottes in ten müssen, lässt uns schwach werden. Wir
der Schwachheit zu bezeugen. sind traurig – und – so verrückt es klingen
mag – wir freuen uns an Gottes Liebe.
8
Nazarethbrief 4 22 10.indd 8 21.04.22 11:12UND
Wir leiden und – so erstaunlich es wirkt –
wir erleben Gottes Stärke. Wir sind sprach-
los und trösten unsere Kolleginnen und Kol-
legen, die als Russen beschimpft werden,
obwohl sie selbst diesen Krieg nicht woll-
ten. Wir sind handlungsunfähig und zeigen
auf den Straßen, dass Krieg keine Option
für den Frieden ist. Es gilt, wie Paulus sagt,
im Glauben immer beides: wir haben Angst
und siehe, wir trauen Gottes Heil.
... und jetzt!
Der Arzt im Krankenhaus in Kiew betet. Wir UND wenn ich wüsste,
in Bethel stellen Wohnraum zur Verfügung. dass morgen
Die reformierte Kirche in Ungarn beherbergt die Welt unterginge,
Flüchtlinge aus der Ukraine. Sie sind es ge- würde ich heute noch
meinsam mit den Geflüchteten, die nichts mein Apfelbäumchen
haben und alles haben. pflanzen.
Martin Luther
Genau das meint Paulus, wenn er uns dazu
aufruft, uns als Diener Gottes zu erweisen.
Wir sollen den Menschen das Und bezeu-
gen. Und zwar gerade dann, wenn dieses
Und gebraucht wird. Wie jetzt! Amen.
Jutta Beldermann
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... UND DER FRIEDEN
Empörend ist dieser durch die russische Re- Aufrüstung, milliardenschwer, so lautet die
gierung angezettelte Krieg in der Ukraine derzeit einzige politische Antwort auf diese
mit schlimmsten Folgen für das Land und Situation. Weder ein gerechtes Bildungs-
die Menschen! Am Ende werden zahllose system noch das belastete Klima haben je
Städte in der Ukraine schwer geschädigt so einen finanziellen Kraftakt erlebt. Ist das
sein, wesentliche Teile der Infrastruktur zer- alles richtig? Auch die christlichen Kirchen
stört, tausende Menschen (auch russische sind mit ihren Verlautbarungen eher bei den
Soldaten) getötet, verletzt oder geflohen Planungen der Bundesregierung, als mah-
sein. Am Ende nimmt die halbe Welt Scha- nend ihre Stimme zu erheben. Krieg ist nie-
den, weil wichtige Weizenlieferungen aus- mals ein akzeptables Mittel der Politik!
bleiben, Sonnenblumenöl zur Mangelware
wird, Energiepreise steigen ... in dieser hoch Mir persönlich sind die zurückhaltenden
vernetzten und globalisierten Welt ist es Stimmen zu leise, die mahnenden und
nicht egal, wenn in einer Ecke Krieg geführt bremsenden Impulse zu schwach – ich sehe
wird. Wer hätte je gedacht, dass wir im uns aufgefordert, alles, was dem Frieden
durch zwei große Weltkriege noch so sehr dient, mit aller Macht und allen erdenkli-
gezeichneten Europa so etwas noch ein- chen Mitteln in den Vordergrund zu stellen.
mal erleben müssen? Stehen wir am Rande Ich weigere mich zu glauben, dass es keine
eines dritten Weltkrieges mit nie dagewe- Chance auf Verständigung und für einen
sener atomarer Zerstörung? Wer oder was gerechten Frieden gibt.
kann dem Einhalt gebieten?
FRIEDE SREIC
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FRIEDENSREICH, so haben wir es spontan Zur gesellschaftlichen Reflexion des Main-
auf eine neue Postkarte geschrieben, die streams aufrufen, der zurzeit nur die Ant-
dem Nazareth Brief beiliegt. Friedensreich, wort der Aufrüstung kennt. Bitte hängt
so sehen und bekennen wir Gottes Zukunft Euch die Karte an den Kühlschrank oder
mit allen Menschen. Dieses Reich ist grö- einen anderen alltäglichen Ort. Die Karte er-
ßer als alle Länder, ist umfassender als alles innert uns alle daran, dass Gottes Friedens-
Trennende, was uns Menschen entzweit. gebot weiter reicht, als allzu menschliche
Rachegelüste und Ohnmachtsgefühle.
FRIEDENSREICH bedeutet einen „neuen
Himmel und eine neue Erde“. Daran glau- FRIEDENSREICH ist ein mahnendes Stopp-
ben wir als Christen, daran richten wir uns schild und eine freundliche Einladung, sich
aus und auf. zu erinnern an das, was uns in dieser Welt
geschenkt und aufgetragen ist.
FRIEDENSREICH ist die Botschaft des Evan-
geliums: „Selig sind die Sanftmütigen; denn FRIEDENSREICH. Gib Frieden, Herr, wir bit-
sie werden das Erdreich besitzen.“ UND ten! Das Gebet. Das Gebet bleibt uns, um
„Selig sind die Frieden stiften, denn sie wer- unserer Verzweiflung, unserer Ohnmacht,
den Gottes Kinder heißen“ (Matthäus 5, unserer Angst und unserem Zorn einen Aus-
5+9). Frieden ist das oberste aller Gebote, druck und Richtung zu geben. Das Gebet
der höchste Auftrag, zu dem Jesus uns in ist manchmal der letzte Ausweg für Chris-
die Nachfolge ruft. Was an Sanftmütigkeit tenmenschen, wenn weltliche Adressaten
wäre jetzt zu tun? und Bezüge verloren gehen oder unpassend
erscheinen. Es ist wichtig, das Unfassbare,
Geflüchtete Menschen freundlich willkom- das Unsägliche auszudrücken, im Beten und
men heißen und wie Gäste aufnehmen. manchmal auch im Schweigen. Das Gebet
Den Unmut über das kriegerische Gesche- ist auch eine Stimme des Widerstands, der
hen äußern und öffentlich zeigen. inneren Distanzierung aus weltlichen Ge-
und Befangenheiten und eine Ausrichtung
auf Gottes Wort.
EICH
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So war auch das Gebet der Abschluss Gott, wir bringen dir die Not der Kinder,
unserer digitalen „Nazareth-Wir-müssen- die in Kriegs- und Pandemiezeiten so viel
reden-Veranstaltung“ zum Kriegsausbruch zurückstecken müssen, die Freiheit und Un-
in der Ukraine. bekümmertheit verlieren, die sich schon so
früh um Leben und Zukunft sorgen müssen
Die Schwestern und Brüder haben Gott, wir bringen dir die Not der Frauen, die
diese Bitten zusammengetragen: so Vieles leisten müssen in Familie und in
den Kriegsgebieten, die sich häufig allein
Gott, wir bringen dir unsere Sprach- und mit den Kindern auf den Weg in sichere Län-
Ratlosigkeit. Wir bringen dir unsere Angst der machen oder sich in U-Bahn-Schächten
um uns selbst und unsere Lieben. verbergen müssen vor den Grausamkeiten
der Bomben und der russischen Armee.
Gott, wir bringen dir unsere Ohnmacht und
Hilflosigkeit – was sollen wir bloß tun, um Gott, wir bringen dir auch die Not der Män-
dem Krieg Einhalt zu gebieten? ner, die ihre Familie allein lassen müssen,
um für ihr Land in den Krieg zu ziehen. Wir
Gott, wir bringen dir unsere Erschöpfung. bringen dir die Angst der russischen Solda-
Noch stehen wir mit beiden Beinen in der ten, die vielfach gar nicht wissen, wofür und
Corona-Krise und müssen schon mit dieser wogegen sie in den Krieg geschickt werden.
Bedrohung und Anforderung klarkommen. Gott, wir bringen dir unsere Bitten um die
Jetzt auch noch Krieg in unserer europä- politischen Entscheidungsträger nahe. Stär-
ischen Nachbarschaft? ke sie in allem, was dem Frieden dient und
den Krieg beenden hilft.
Gib Frieden, Herr, wir bitten! Alles Gott, bringen wir vor dich und vertrau-
Die Erde wartet sehr. en auf deinen segen- und friedenspenden-
den Geist.
Es wird so viel gelitten,
die Furcht wächst mehr und mehr. [...]
Gib Mut zum Händereichen,
zur Rede, die nicht lügt,
und mach aus uns ein Zeichen,
dafür, dass Friede siegt.
Wolfgang Roos-Pfeiffer
Jürgen Henkys, EG 430,2+4
12
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FRIEDEN IST …
… wie ein Sonnenaufgang nach einer dunklen,
kalten, gefühlt auf jeden Fall zu langen Nacht
… wie eine Sonnenblume: aus ihr kann man Nahrung gewinnen,
sie ist wunderschön und richtet sich zum Licht.
…wie Sommerabende; nach mancher Anstrengung und Mühe
lässt er uns schließlich aufatmen.
… wie frischer Butterkuchen, dessen Teig süß und saftig
durchdrungen ist und jeden schlimmen Gedanken erlahmen lässt
... wie Linsensuppe – wer sie umsonst bekommt,
braucht einen anderen dafür nicht zu töten.
… wie Waschmittel, das alles sauber und rein macht
und manchmal überschäumt
... wie Mohnblüten – sie wachsen auf Schlachtfeldern
und mahnen jedes Jahr: nie wieder Krieg.
... wie eine Kiefer – zwei Kinder pflanzen sie mitten auf die Grenze.
Kleine Friedenserträge einer Schreibwerkstatt des Kollegiums der
Ev. Bildungsstätte mit Susanne Niemeyer, Texte von Jutta Beldermann,
Thomas Roth, Nina Schmidt, Kathrin Sundermeier
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Friede den Menschen, die bösen Willens sind,
und ein Ende aller Rache
und allen Reden über Strafe und Züchtigung.
Die Grausamkeiten spotten allem je Dagewesenen,
sie überschreiten die Grenzen menschlichen Begreifens,
und zahlreich sind die Märtyrer.
Daher, o Gott,
wäge nicht ihre Leiden auf den Schalen
deiner Gerechtigkeit,
fordre nicht grausame Abrechnung,
sondern schlage sie anders zu Buche:
Lass sie zugute kommen allen Henkern,
Verrätern und Spionen
und allen schlechten Menschen,
und vergib ihnen
um des Mutes und der Seelenkraft der andern willen.
All das Gute sollte zählen, nicht das Böse.
Und in der Erinnerung unserer Feinde
sollten wir nicht als ihre Opfer weiterleben,
nicht als ihr Alptraum und grässliche Gespenster,
vielmehr ihnen zu Hilfe kommen,
damit sie abstehen mögen von ihrem Wahn.
Nur dies allein wird ihnen abgefordert,
und dass wir, wenn alles vorbei sein wird,
leben dürfen als Menschen unter Menschen,
und dass wieder Friede sein möge auf dieser armen Erde
den Menschen, die guten Willens sind,
und dass dieser Friede auch zu den andern komme. AMEN.
Gebet aus dem Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück
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GERICHT UND GNADE
Blühende Kirschbäume säumen meinen Schon sehe ich sie vor mir, die Orte und
Weg hinauf. Da ist ein Haus, davor eine Menschen meiner Kindheit. Ach so. So ha-
Bank, da kann ich mich ausruhen. ben sie das gemeint ... Jetzt verstehe ich ...
Gott sitzt auf der Bank. Er schaut über das Dann der Teenager. Ja, da habe ich Mist
Tal. Komm, sagt Gott. Er klopft mit seiner gebaut. Da konnte ich nicht anders. Jetzt
Hand auf den Platz neben ihm. Mein rech- verstehe ich mich besser ... Und schon bin
ter, rechter Platz ist frei! ich erwachsen. So viele Fehler, so viele Ver-
säumnisse. Was ich sehe, tut weh! Schau
Ich setze mich zu ihm. Er legt seinen Arm mal genau hin, sagt Gott. Da kommen
um meine Schultern und sagt: Jetzt schauen Menschen den Hügel herauf. Sie lächeln
wir uns mal gemeinsam dein Leben an! mich an. Dem Himmel sei Dank!
Komm, sagt Gott, wir gehen rein!
Jutta Beldermann
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NAZARETH WIR MÜSSEN REDEN …
über Rassismus – diakonisch:
diskriminierungskritisch – und, und, und…
Wir sehen Menschen, wir denken uns Ge- Manche Geschwister treffen sich auch pri-
schichten zu ihnen aus, vermuten, wer sie vat, um zu zweit vor dem Bildschirm zu
sind, wie sie sind, was sie sind. Wir haben sitzen, denn eins ist klar: das Thema macht
eine Vorstellung von der perfekten Gesell- nachdenklich, weil sich jeder und jede von
schaft und glauben zu wissen, mit wem wir uns mit den eigenen Denkmustern ausei-
uns umgeben wollen. So funktioniert unser nandersetzen muss. Leslie Froböse nimmt
Alltag. Das passiert automatisch. uns auf eine behutsame Art und Weise mit,
die es uns leicht macht, uns selbst auf die
Leslie Froböse nimmt uns Nazareth-Ge- Schliche zu kommen. Spielerisch, im Ge-
schwister derzeit mit auf Spurensuche zu spräch, fragend.
unseren eigenen Vorurteilen. „Nazareth wir
müssen reden … über Rassismus – diako- Diakon Jonas Meine war beim ersten unse-
nisch: diskriminierungskritisch“. rer Treffen dabei und fasst es so zusammen:
„Bewusstes Nachdenken über Rassismus ist
Wir treffen uns im digitalen Raum, damit wie eine Brille, die man aufsetzt. Im Grunde
wir keinen Einschränkungen unterliegen, weiß man wie die Welt aussieht, aber mit
die ein Treffen verhindern könnten. Das einer (guten) Brille sieht man die Details.
findet Diakonin Dorothea Kruse großartig: Genauso ist es mir nach dem Abend ergan-
„Ein Glück, wir können reden, und zwar gen. Natürlich ist mir der Alltagsrassismus
ohne die 300 km bis Bielefeld zurücklegen bewusst, aber durch die Abende habe ich
zu müssen.“ schreibt sie. Der eine oder die erneut meine ‚Brille’ geputzt und sehe wie-
andere wird vielleicht denken: „Ein digitales der klarer die Dinge, die ich immer wieder
Treffen bedeutet für mich sehr wohl Ein- hinterfragen will und muss.“
schränkungen, denn ich kann technisch gar
nicht daran teilnehmen.“ Und genau diese
Hürden umgehen wir dadurch, dass wir uns
mit einem kleinen Kreis im Haus Nazareth
treffen und uns gemeinsam in die Video-
konferenz einwählen.
17
Nazarethbrief 4 22 10.indd 17 21.04.22 11:12UND ...
Diakonin Kirsten Mattheis war am zweiten zur „hybriden“ Teilnahme. Die Überschrift
Abend dabei und hatte folgenden Eindruck: unserer vorerst letzten Einheit lautet: „Soli-
„Ich war ja nur an einem der Abende da- darisch und verbündet handeln – was heißt
bei, habe aber trotzdem schon Veränderun- das?“
gen im Alltag bemerkt. Ich erwische mich
schneller dabei, wie schnell ich manchmal Eine Fortsetzung soll es aber auf jeden Fall
Menschen auf den ersten Blick in eine geben, denn eine Auseinandersetzung mit
Schublade stecke und wie früh ich eigent- dem eigenen Vorurteilsbewusstsein ist eine
lich beginne, diskriminierend zu denken. Es lebenslange Auseinandersetzung.
ist gut, dass mir das häufiger bewusst wird,
so dass ich dieses fast schon automatisier-
te Denkschema immer wieder aufbrechen
kann.“
Das ergänzt Dorothea Kruse noch: „Wie
gut, dass es nicht nur ein Treffen dazu gab. Nina Schmidt
Es funktioniert ja nicht, sich ein paar Para-
meter politische Korrektheit anzueignen. Es
geht um nicht mehr und nicht weniger als Eine weitere Möglichkeit der Ausei-
meine Sicht auf Menschen: Sie funktioniert nandersetzung wird von Diakonin
schlichtweg gar nicht ohne Vorurteile, aber Kerstin Schachtsiek im Rahmen der
den damit verbundenen Bewertungen und Bielefelder Aktionswoche gegen Ras-
Abwertungen komme ich gerne auf die sismus organisiert: Am 28. April 2022
Spur. Sehr spannend!“ Es gab nicht nur ein liest Sarah Vecera im Haus der Kirche
Treffen. Bisher gab es zwei Treffen und ein (Markgrafenstr. 7, 33602 Bielefeld) aus
Treffen steht vor Redaktionsschluss am 5. ihrem Buch „Wie ist Jesus weiß ge-
April an. Wer aber Interesse bekommen hat, worden?: Mein Traum von einer Kirche
kann zum vierten Treffen von „Nazareth wir ohne Rassismus“. Nähere Informati-
müssen Reden …“ auch ohne die Teilnahme onen und Anmeldung unter: https://
an den anderen Terminen dazu kommen. interkulturelles-bielefeld.de/pl/
Wir schließen die Reihe ab am Dienstag, aktionswochen/wie-ist-jesus-weiss-
den 3. Mai 2022, von 19 – 20 Uhr. Herzliche geworden-autorinnenlesung/
Einladung in den digitalen Raum (https:// oder bei Kerstin Schachtsiek (kerstin.
bit.ly/3F4W0H1) oder ins Haus Nazareth schachtsiek@kirche-bielefeld.de)
18
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DER BLICK
Wollen mal sehen,
sagte der Blick,
ehe er auch schon wieder verschwand.
Für einen Moment nur nahm er Maß,
von oben nach unten,
von rechts nach links
und sah.
Als der Blick auf mir ruhte
Wurde ich ruhig
Und konnte mich anschauen lassen.
Die Fülle des Lebens lag in diesem Moment,
klar wie Kloßbrühe,
wie ein Spiegelbild:
zwinkernd und freundlich,
funkelnd und spielerisch,
verträumt und wach.
Der Blick war ein Geschenk des Himmels,
ein Blitzbesuch der Freundlichkeit,
ein sehend Date der Wertschätzung,
ein Überraschungsmoment.
Hast du ihn gesehen, den Blick?
Hast du seine freundliche Wärme
wahrgenommen?
Schon ist er wieder weg
und bleibt woanders hängen.
Wolfgang Roos-Pfeiffer, aus der
Schreibwerkstatt des Gemeinschaftsrates
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ANKOMMEN
IN EINEM FREMDEN LAND
10. Februar 2022. Endlich ist es soweit, Maismehl, getrocknete Bohnen und Erbsen
die Familie aus dem Süd-Sudan, auf die wir und Mangosaft? Zum Glück ist es möglich,
(die NesT-Mentorengruppe* aus Bielefeld) sich auf englisch und zur Not mit Überset-
seit Mitte November warten, wird endlich zungs-App zu verständigen.
ankommen! Welche Aufregung auf beiden
Seiten. Davor lagen drei Termine, die immer Am Sonntag nimmt die Familie zum ersten
wieder abgesagt wurden, erst hatte die Mal an einem deutschen katholischen Got-
Familie noch keine vollständigen, gültigen tesdienst teil.
Ausreisepapiere, dann scheiterte die Ausrei-
se an den Kapazitäten am Flughafen Nairo- Danach beginnt der Weg durch die bürokra-
bi, der nächste Termin an Corona unter den tischen Instanzen. Es werden biometrische
Ausreisenden. Fotos benötigt, es geht zur Bürgerberatung,
zum Ausländeramt, zum Jobcenter, zur
Aber am 10. Februar war es dann so weit, Schulanmeldung. Es wird eine Krankenver-
drei Menschen aus unserer Gruppe waren sicherung und ein Bankkonto benötigt. Wir
um 5.30 Uhr pünktlich am Flughafen in fühlten uns sehr wie in dem alten Lied von
Frankfurt. Sie trafen auf eine Familie, Vater, Reinhard Mey „Einen Antrag auf Erteilung
Mutter und drei Kinder im Alter von 10, 5 eines Antragsformulars“. Doch wir trafen
und 2 Jahren sowie deren 19-jährige Nichte. in den Behörden auf viele freundliche und
Alle kannten sich vorher nicht, da es keine hilfsbereite Mitarbeiterinnen und Mitarbei-
Möglichkeit der Kontaktaufnahme in das ter.
Flüchtlingslager Kakuma in Kenia gab.
Mittlerweile ist vieles auf den Weg gebracht,
Von Frankfurt aus ging es dann nach Bie- der älteste Sohn geht zur Schule und fühlt
lefeld-Bethel in die mit vielen Spenden sich dort wohl, für die Eltern haben Integra-
eingerichtete Wohnung. Nach einem Be- tionskurse begonnen, die beiden jüngeren
grüßungsessen war erst einmal zur Ruhe Kinder haben ab Anfang April einen Kinder-
kommen und Ausschlafen angesagt. Am gartenplatz. Die Nichte wartet noch auf den
Samstag bin ich mit den Eltern zum ersten Beginn ihres Integrationskurses.
Mal in Deutschland einkaufen gewesen. Es
war sehr aufregend. Wie funktioniert das Dazwischen gab es viele nette Begegnun-
mit dem Einkaufswagen, dem Chip und gen zwischen uns, der Mentorengruppe
der Rolltreppe? Wo finden wir im Geschäft und der Familie aus dem Südsudan. Bei
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kleinen Ausflügen wurde die nähere Umge-
bung erkundet. An einem Sonntag trafen
wir uns zum Brunch im Gemeindehaus der *NesT heißt Neustart im Team. In die-
katholischen Gemeinde mit vielen deut- sem Programm des Bundesinnenminis-
schen Leckereien von Bratwürstchen bis teriums werden geflüchtete Menschen
Pumpernickel. Oder es gab Einladungen aus nicht-europäischen Flüchtlingsla-
zur Teilnahme am Essen bei der Familie, es gern nach Deutschland geholt. Vor-
gibt meistens sehr schmackhafte Soßen mit aussetzung ist, dass sich vor Ort eine
getrockneten Erbsen oder Bohnen und Reis ehrenamtliche Mentorengruppe (Team)
oder Nudeln dazu. Hände waschen vor dem bildet und beim „Neustart“ in Deutsch-
Essen ist wichtig, nur hier kommt einer der land hilft. In der Bielefelder Gruppe en-
Erwachsenen mit einer Schüssel und einer gagieren sich neben unseren Schwes-
Karaffe mit Wasser zu jedem am Tisch, das tern Sabine Prybylski und Uta Braune
ist erst einmal sehr ungewohnt. Krah Mitglieder der Dietrich-Bon-
hoeffer-Gemeinde, der katholischen
Ich bin sehr gespannt auf unsere weiteren Heilig-Geist-Gemeinde sowie zwei
Erlebnisse auf dem Weg des Kennenlernens. Menschen muslimischen Glaubens,
die vor einigen Jahren selbst nach
Deutschland geflüchtet sind. Weitere
Informationen zum NesT-Programm
gibt es hier: www.neustartimteam.de.
Wer die Finanzierung der Wohnung
durch Spenden unterstützen möchte,
Sabine Prybylski ist herzlich willkommen: Kirchenkreis
Bielefeld, IBAN DE42 3506 0190 2006
6990 68, BIC: GENPDED1DKD, Verwen-
dungszweck: W515C-NesT (sehr wich-
tig, um das Geld zuordnen zu können!)
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EIN WOHL-
WOLLENDER BLICK
SCHAUT AUF MICH!
Warme braune Augen,
von Lachfältchen umrandet.
Dein liebevolles Schauen
fühlt sich vertraut an.
Geborgen und sicher sein.
Ich bin aufgehoben.
Deine Stärke tut mir gut.
Ich darf einfach SEIN:
Ohne Wenn und Aber.
Ohne leisten zu müssen.
Nur sein. Es ist warm, angenehm warm.
Ich kann den Gedanken nachgehen.
Dein Blick motiviert mich.
Ich bin ganz ruhig.
Meine Gedanken wandern. Zweifel
schleicht sich ein. Ich schiebe ihn weg.
Dein Blick will mir Wohl! Nur Wohl!
Vertrauen ist schwer.
Meine Gedanken wandern.
Jetzt schau mal wieder weg!
Das dauert schon zu lange.
Warum halte ich das nicht aus?
Regine Buschmann
aus der Schreibwerkstatt
des Gemeinschaftsrates
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ICH LEBE!
Philippinische Menschenrechtsverteidigerin im Exil in Deutschland
Acht Monate ist es her, dass Clarizza Die Menschenrechtsorganisation Karapa-
Dagatan mit ihrer Familie nach Deutsch- tan zählte allein auf der Insel Negros 106
land kam. Als Aktivistin und Menschen- Aktivistinnen und Aktivisten, die unter der
rechtsverteidigerin hat sich Clarizza zu- Präsidentschaft Dutertes ermordet wurden.
sammen mit ihrem Mann für die Rechte
von Landarbeiterinnen und Frauen auf Die heute 42-jährige Clarizza Dagatan ist in
der Insel Negros sowie für politische der Gemeinde Isabela auf der Insel Negros
Veränderung in den Philippinen einge- aufgewachsen. Während ihres Studiums an
setzt, bis sie sich gezwungen sahen zu der University of the Philippines Miagao auf
fliehen. der Insel Panay in den 1990er Jahren schärf-
te sich ihr Bewusstsein für soziale Fragen.
Seit 2016 regiert Präsident Rodrigo Roa Die Universität beanspruchte Land für sich,
Duterte die Philippinen. International be- das zuvor Bauern und Bäuerinnen bewirt-
kannt durch seine ausfallende Sprache so- schafteten. Die Menschen wurden vertrie-
wie seinen blutigen „Krieg gegen die Dro- ben und ihrer Lebensgrundlage beraubt.
gen“, regiert Duterte mit autoritärer Hand Viele von ihnen begannen Gelegenheitsjobs
und setzt vor allem auf militärische Lösun- im Campus der Universität zu übernehmen.
gen. So auch im Konflikt zwischen der phil- Zusammen mit anderen Studentinnen und
ippinischen Regierung und der kommunisti- Studenten stand Clarizza mit den Betroffe-
schen Neuen Volksarmee (NPA). Seitdem die nen für ihre Rechte und ihr Überleben ein.
Friedensverhandlungen im Dezember 2017 Sie machte die Erfahrung, dass durch diese
scheiterten, verfolgt Duterte eine massive Solidarität eine Gemeinschaft entstand, die
militärische Kampagne, die keinen Unter- bald nicht nur zu ihrem Antrieb, sondern
schied zwischen bewaffnetem Widerstand auch zu ihrem Traum von einer gerechten
und friedlichem Aktivismus macht. Wer sich Gesellschaft wurde.
kritisch gegenüber der Regierung äußert,
läuft Gefahr, zur Zielscheibe von Repressa- Seit 2014 stand Clarizza als Generalse-
lien zu werden. kretärin der Menschenrechtsorganisation
Karapatan-Negros vor. Ihre Arbeit war nie
Zwischen Juni 2016 und Dezember 2021 ungefährlich. Doch seit der Ermordung ih-
wurden mindestens 245 Menschenrechts- rer Kollegin und Freundin, der Menschen-
verteidigerinnen und -verteidiger sowie rechtsverteidigerin Zara Alvarez, im August
Journalistinnen und Journalisten ermordet. 2020 nahmen die Bedrohungen massiv zu.
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Nazarethbrief 4 22 10.indd 23 21.04.22 11:12UND ...
Clarizza Dagatan,
Aktivistin und Menschenrechts-
verteidigerin
Zara Alvarez hatte seit Jahren mit Anfein-
dungen, Bedrohungen und Verfolgung auf-
grund ihrer Menschenrechtsarbeit gelebt.
Sie wurde angeklagt, auf der Grundlage
von konstruierten und haltlosen Anklagen
inhaftiert, als Terroristin gebrandmarkt und
schließlich ermordet. Clarizza und Zara ar- „Wir leben! Wir leben länger. Wären wir
beiteten eng zusammen. Sie unterstützten nicht gegangen, wissen wir nicht, ob wir
Betroffene von Menschenrechtsverletzun- noch am Leben wären“, sagt Clarizza mit
gen, besuchten politische Gefangene im traurigen Augen und einem herzhaften La-
Gefängnis, hielten Dialoge mit Polizei und chen.
Militär und richteten ein Radioprogramm
aus, in dem sie über Menschenrechte und
Rechtsverletzungen informierten. Zara, Cla-
rizza und ihr Mann standen zusammen auf
der sog. Abschussliste des Militärs und nur Hannah Wolf
wenige Minuten nach Zaras Ermordung Bildungsreferentin
erhielt Clarizza die Nachricht, sie sei die beim Philippinenbüro e.V.
nächste.
„Unser Handlungsspielraum hat sich ge- Über ihr Spendenkonto Mission und
schlossen. Wir konnten kaum noch aus dem Ökumene hat die Diakonische Gemein-
Haus gehen“, erinnert sich Clarizza. Auch schaft Nazareth dazu beigetragen, dass
weitere Kolleginnen und Freunde wurden in Clarizza und ihr Mann in Köln eine
ihrem nächsten Umfeld bedroht, angegrif- Bleibe gefunden und mit einer Erstaus-
fen und ermordet. Clarizza und ihr Mann stattung unterstützt werden konnten.
sahen sich gezwungen, das Land zu verlas- Die VEM ist ebenfalls auf den Philippi-
sen, und bewarben sich für ein Schutzpro- nen engagiert, trotz aller Bedrohungen
gramm der Elisabeth-Selbert-Initiative. Das durch die Regierung.
Philippinenbüro im Asienhaus in Köln hat
die Familie aufgenommen.
24
Nazarethbrief 4 22 10.indd 24 21.04.22 11:12UND ...
Einer macht Licht,
wenn ich stolpre,
nimm meine Hand im Dunkeln
und –
ich komme an.
Einer schließt Frieden,
wenn ich hasse,
lächelt meinen Zorn in den Wind
und –
ich komme an.
Einer gibt Trost,
wenn ich leide
nimmt mein Herz fest in die Hand
und –
ich komme an.
Einer kommt an,
wenn ich fehle,
nimmt sein Kreuz auf die Schulter
und –
er kommt an.
Sybille Fritsch,
Ev. Gesangbuch, neben Nr. 383
25
Nazarethbrief 4 22 10.indd 25 21.04.22 11:12UND ...
... UND DANN KAM DIE FLUT
„Ich konnte in keinen Gottesdienst Er fühlte sich von Gott getragen
mehr gehen. Ich konnte kein Gebet und begleitet.
mehr sprechen. Ich wollte von diesem
Gott nichts mehr wissen.“ Und dann kam die Flut im Sommer 2021.
Herr I. wurde unbeschadet gerettet. Die
So sagte Herr I. in einem unserer Baustein Häuser und die Autos in seiner Wohnumge-
III-Seminare für neue Mitarbeitende der vBS bung sind mehr oder weniger stark beschä-
Bethel, als es um den persönlichen Bezug digt worden. Und natürlich kennt er wie
zum christlichen Glauben geht. jeder in der Stadt auch Menschen, die alles
verloren haben. Die Bilder der Verwüstung
Herr I. ist ein aufgeschlossener Mann, der sind immer noch präsent.
seit kurzem am Empfang des Hotels am
Weinberg arbeitet, dem integrativen Hotel, Nicht nur äußerlich herrschte Verwüstung,
das Bethel nun in Bad Neuenahr betreibt. Er sondern ebenso innerlich. Was eben noch
ist glücklich, dass er mit seiner körperlichen Halt gab, Lebensgrundlage war, trägt nicht
Behinderung nun ein selbstverständlicher mehr, wurde zerstört. Der Glaube war hin.
Teil des Teams ist.
„Was soll das für ein Gott sein, der das
Eindrucksvoll erzählt er, wie wichtig ihm der zulässt, der uns so im Stich lässt, der
christliche Glaube immer war. Dass Gott hinnimmt, dass hier alles kaputt ist,
ihn liebt, hat ihn immer bestärkt, wenn er dass Menschen so verzweifelt sind?“
z. B. Diskriminierungserfahrungen machen
musste. Und es hat ihn beglückt, wenn er Herr I. hat viele Menschen getroffen, die
als Teamer bei Jugendfreizeiten der Kirchen- verzweifelt waren, und er hat viele Gesprä-
gemeinde gemeinsam mit den Jugendlichen che geführt. Er war mit seinem Rolli bei den
Andachten gefeiert hat und wenn sie sich Aufräumarbeiten handlungsunfähig und er
alle als christliche Gemeinschaft erlebt ha- hat den Menschen zugehört, war für sie da.
ben – mit und ohne Behinderung. Ihm fehlten die Worte und er hat Trost ge-
spendet. Er erlebte Hoffnungslosigkeit und
Mutlosigkeit und bestärkte andere.
26
Nazarethbrief 4 22 10.indd 26 21.04.22 11:12UND ...
Und er war einer von vielen. Alle Teilneh- Mich hat dieses Seminar in Bad Neuenahr
menden des Seminars sagen, dass sie sehr bewegt und herausgefordert. Der
überwältigt waren, wie viele wildfremde standardisierte Seminarablauf und die Flut-
Menschen zum Helfen kamen und sich en- katastrophe. Zerstörung und Neubeginn in
gagierten. Leiden und Stärke. Resignation einem integrativen Team. Die Geschichte
und Tatkraft. vom barmherzigen Samariter und Alltagser-
fahrungen mit wildfremden Helfenden.
„Durch diese Erfahrungen von gegen-
seitigem Beistand“, sagt Herr I. ab-
schließend, „habe ich mich nach vielen
Wochen und Monaten allmählich mit
Gott versöhnt. Ich habe keine Antwort
auf die Frage nach dem WARUM, aber
ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kathrin Sundermeier
ich doch und gerade in dieser schlim-
men Zeit von Gott getragen bin. Und
jetzt sprechen wir auch wieder mitein-
ander.“
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Nazarethbrief 4 22 10.indd 27 21.04.22 11:12UND ...
PALE BLUE DOT
Ein winziger Fleck im Großen UND Ganzen
Darf ich mich einmal vorstellen? Mein Name In 6,4 Mil-
ist Voyager: Voyager 1. Ich bin eine Raum- liarden Kilo-
sonde und ich wurde bereits in Teilen ab- metern Entfer-
geschaltet. Ich bin sozusagen im Ruhestand nung blickte ich
und komme dazu, mir so meine Gedanken auf die Erde, den
zu machen. „blassen blauen Punkt
im All“. Es war im Jahr
Mein Traum war es immer, den Menschen, 1990 und meine Kameras
die mich ja zum Leben erweckt haben zu waren kurz davor, ausgeschal-
zeigen, was für ein Wunder sie sind. Aber tet zu werden. Wäre es möglich,
darauf musste ich lange warten. Mein Weg mir als Raumsonde würden heute
führte mich seit meinem Start im Jahr 1977 noch vor Rührung die Tränen kommen.
einmal quer durch das Sonnensystem. Seit- Ich habe aus einer unfassbaren Entfernung
dem durfte ich z. B. Jupiter erkunden. Ich die Erde gesehen und ich habe sie so un-
habe seine Monde und Ringe entdeckt, die fassbar klein gesehen. So viele Sterne und
noch niemand vorher bemerkt hatte. Es Planeten drum herum und ich frage mich:
war unbeschreiblich, aber ich habe davon Ist es den Menschen gar nicht bewusst, was
Fotos gemacht. Und als auch meine Erkun- für ein Geschenk sie da bekommen haben?
dung des Saturn abgeschlossen war, durfte Einen winzigen Fleck zum Leben. Einen
ich mich endlich der Erde zuwenden. Das winzigen Fleck, auf dem aber Leben mög-
war ein wahrer Kraftakt. Ich hatte gerade lich ist. Einen winzigen Fleck im Großen und
Neptun erreicht, da kam der Befehl: „Um- Ganzen, den sie gestalten dürfen und was
drehen, Kameras ausrichten, die Planeten machen die Menschen? Sie ziehen Grenzen,
erfassen!“ führen Kriege und bauen Waffen und Ma-
schinen, mit denen sie alles zerstören kön-
Ich war geblendet. Von der Sonne und von nen. Grenzen sind aus meinem Blickwinkel
meinem Traum. Ich habe alles gegeben, da- übrigens nicht erkennbar.
mit die Sonne mich nicht blind macht, habe
so viele Mitglieder der Planetenfamilie wie Wenn sich alle Menschen einmal mein letz-
möglich im Bild eingefangen und dann das tes Bild für ein paar Minuten ernsthaft an-
Foto gemacht, über das ich bis heute nach- sehen würden, würde ihnen klar, dass es
denke: „Pale Blue Dot“. überhaupt keinen Sinn ergibt, so miteinan-
der umzugehen.
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Nazarethbrief 4 22 10.indd 28 21.04.22 11:12UND ...
Oben links im Bild sieht man einen
Teil des Saturn mit seinen Ringen, die Erde
ist der helle blaue Punkt in der oberen
Öffnung des Et-Zeichens. Quelle: NASA/
JPL-Caltech/Space Science Institute
Es gibt in einer Entfernung von 6,4 Es gibt keine Alternative. Kapiert das end-
Milliarden Kilometern nämlich kei- lich! Denn: „Wer von euch kann dadurch,
ne Lebensalternative für sie. dass er sich Sorgen macht, sein Leben nur
um eine Stunde verlängern?“
Ich würde gerne den Men-
schen zurufen: Tut euch Meine Kameras sind bereits abgeschaltet
zusammen. Erzählt euch und bald werde ich auch keine Kraft mehr
eure Geschichten, hört für die Wissenschaft haben. Aber ich weiß,
euch gegenseitig zu. Ihr was ich gesehen habe. Ich habe es für euch
alle habt Ängste und Sor- festgehalten. Schaut es euch an und denkt
gen, aber auch Lösun- mal darüber nach, ihr Menschen auf dem
gen dafür. Kocht fürei- „Pale Blue Dot“, dem blassen blauen Punkt.
nander und atmet den Mehr ist eure Erde nämlich nicht, aber für
Duft der unterschiedlichen Kulturen ein, euch ist darauf so viel möglich. Macht euch
denn ihr könnt es nur miteinander schaffen. keine Sorgen um Grenzen. Ihr könnt es nur
In meiner Entstehungszeit auf der Erde habe gemeinsam schaffen. Alles, was je gesche-
ich einen Bibelvers gehört und auch den hen ist, was die Menschheit je erlebt hat –
möchte ich den Menschen zurufen: „Wer Schreckliches und Wunderbares – hat auf
von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen diesem blassen blauen Punkt im All stattge-
macht, sein Leben nur um eine Stunde ver- funden. Was auch passiert: Ich, Voyager 1,
längern?“ (Mt 6,27) bleibe eure Botschafterin im All, aber wartet
nicht darauf, dass fremde Völker kommen,
Ich, Voyager 1, habe euch aus der Ferne ge- um euch zu retten. Da war bereits einer, der
sehen. Ich habe die Gewissheit – und die kam und hat euch das Leben und euren Pla-
habe ich für euch mit – dass Gott sein Wun- neten geschenkt. Macht was draus.
der an euch und eurem Leben ernst gemeint
hat. Behandelt euch mit Respekt. Jeder und
jede sich selbst und seine Mitmenschen.
Nina Schmidt – inspiriert
von Carl Sagan
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GEMEINSCHAFT
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Nazarethbrief 4 22 10.indd 30 21.04.22 11:1231 Nazarethbrief 4 22 10.indd 31 21.04.22 11:12
AUS DER GEMEINSCHAFT
NEUBESETZUNG
DER DIREKTIONSMANDATE
in den Stiftungen Sarepta und Nazareth
Liebe Schwestern und Brüder, wie Sie und Zugleich hat der Vorstand in diesem Beru-
Ihr alle wisst, ist Diakon Werner Arlabosse fungsverfahren auch bereits die Nachfolge
zum 1.2.2022 aus der Direktion der Stif- von Wilfried Wesemann, der zum 1. Juli
tungen Sarepta und Nazareth in die neue 2023 in den Ruhestand gehen wird, gere-
Stabsstelle Personal des Vorstands der v. gelt. Auch hier ist der Vorstand dem kla-
Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel ren Votum der Gemeinsamen Sitzung ge-
gewechselt. Dadurch wurde ein Nachberu- folgt. Als neues Direktionsmitglied mit dem
fungsverfahren erforderlich. Hieran waren Schwerpunkt Hilfefelder hat der Vorstand
Vorstand, Direktion und die beiden Gemein- Frau Linda Bulthaup, die derzeitige Leiterin
schaften Nazareth und Sarepta beteiligt. des Hospizes Haus Zuversicht, in die Direkti-
on berufen. Sie wird ihren Dienst im Hospiz
Als neues Direktionsmitglied mit dem bis zum Jahresende 2022 weiter wahrneh-
Schwerpunkt Bildung und Theologie/ men. Danach wird Sie im Verbund der vBS
Diakonie und Personal hat der Vorstand Bethel und extern die Gelegenheit nutzen,
der vBS Bethel am 8.3.2022 Herrn Diakon die Arbeit anderer Stiftungsbereiche und
Wolfgang Roos-Pfeiffer berufen. Der Vor- anderer Träger kennenzulernen. Ab dem 1.
stand folgt damit dem klaren Votum der April 2023 wird sie in enger Abstimmung
Gemeinsamen Sitzung des Schwesternra- mit Herrn Wesemann Aufgaben für die Di-
tes der Sarepta Schwesternschaft und des rektion wahrnehmen, um dann zum 1. Juli
Gemeinschaftsrates der Diakonischen Ge- 2023 das Mandat in der Direktion zu über-
meinschaft Nazareth. Bruder Roos-Pfeif- nehmen.
fer wird sein derzeitiges Amt des Ältesten Die Direktion freut sich auf eine gute
bis zum 31.8.2022 wahrnehmen. Bis zum und erfolgreiche Zusammenarbeit!
Dienstantritt einer Nachfolgerin/eines Nach-
folgers wird das Amt vakant sein. Der Ge- Wolfgang Linda
meinschaftsrat hat bereits einen Wahlaus- Roos-Pfeiffer Bulthaup
schuss berufen, der die Ausschreibung und
Durchführung der Wahl einer/eines neu-
en Ältesten organisieren wird. Mitglieder
des Wahlausschuss sind Sandra Neubauer,
Margit Hullmeine, Robin Hawerkamp und
Carsten Böhrnsen.
32
Nazarethbrief 4 22 10.indd 32 21.04.22 11:12AUS DER GEMEINSCHAFT
… UND WUSSTET IHR SCHON?
Herzliche Einladung zur Vernetzung
Die Diakonische Gemeinschaft Nazareth aktiver und lebendiger wird es, und desto
nutzt viele Wege, um Menschen zusam- mehr ist dort zu finden. Wir planen gerade,
menzubringen und ihre Mitglieder auf das Forum umzugestalten und übersichtli-
dem Laufenden zu halten. Neben Veran- cher zu machen, damit die Nutzung noch
staltungen und Räumen zur Begegnung mehr Freude macht. Neugierig geworden?
(online wie offline) gibt es den monatli- Meldet euch bei Milena Bock unter milena.
chen Versand von Nazareth aktuell und bock@bethel.de.
die Vernetzung von Mitgliedern mit Hilfe
des Mitgliederverzeichnisses. Aber das ist Auch auf den Sozialen Medien Facebook
noch nicht alles! Hinter der Internetadresse und Instagram sind wir zu finden, bei einer
www.dgn.diakonie-netz.de verbirgt sich Suche nach „Gemeinschaft Nazareth“ tau-
ein Mitgliederforum, für alle Mitglieder chen wir direkt auf! Auf diesen Plattformen
der DGN. Einige Mitglieder sind dort schon berichten wir von Dingen, die innerhalb und
zu finden, aber längst nicht alle. außerhalb der DGN passieren, und weisen
auf Veranstaltungen hin. Gerne würden
Diejenigen, die noch nicht Teil des Forums wir dort Reihen starten, an denen sich Mit-
sind, fragen sich jetzt vielleicht: „Was habe glieder beteiligen. Wie lautet euer Einseg-
ich denn davon?“ Nun, das kann ich beant- nungs- oder Kursusspruch und was verbin-
worten. Im Mitgliederforum sind zum Einen det ihr damit? Teilt es uns gerne mit! Ihr seid
alle Dokumente hinterlegt, die für die Ge- mit Geschwistern unterwegs und postet da-
meinschaft wichtig sind: Ordnungen, das von auf Instagram oder Facebook ein Foto?
aktuelle Mitgliederverzeichnis, Jahresberich- Nutzt gerne den Hashtag #dgnazareth, und
te, die Nazareth Briefe, die Protokolle des vielleicht verlinkt ihr uns ja sogar!
Gemeinschaftsrates, und vieles mehr. Also Ihr seht: Es ist ganz schön was los!
ganz viele Dinge, die interessant sein könn- Wir freuen uns, euch auch an diesen
ten! Zum Anderen, und der Name verrät es „Orten“ zu sehen!
vielleicht schon, ist es ein Forum. Es ist ein
Ort, an dem Mitglieder sich austauschen
können, an dem sie zu Veranstaltungen ein-
laden können, an dem sie auf aktuelle The- Milena Bock
men hinweisen und um Hilfe bitten können. Referentin
Je mehr Menschen das Forum nutzen, desto der Gemeinschaft
33
Nazarethbrief 4 22 10.indd 33 21.04.22 11:12AUS DER GEMEINSCHAFT
PROFILPROGRAMM
VON SAREPTA UND NAZARETH
für das Jahr 2022
Ein Satzungsauftrag der Stiftungen Sarepta Die Internetseite bündelt unsere Ange-
und Nazareth ist es, den Dienst von Dia- bote in vier inhaltliche Abschnitte:
koninnen und Diakonen sowie Diakonis-
sen und Diakonischen Schwestern zu för-
dern. Hieran wirken in den Stiftungen die
Stabsstelle Personal & Bildung, die Ev. Bil-
dungsstätte für Diakonie und Gemeinde profilieren
sowie die Gemeinschaften mit. Mit dem Unter dem Abschnitt „profilieren“ finden
Profilprogramm 2022 halten wir gemein- sich Angebote zur Personalentwicklung.
sam verschiedene Angebote der Bildungs- Hierbei handelt es sich um ein Spektrum
und Personalentwicklung sowie aktuelle von individuellen Beratungsangeboten
Informationen für die beruflich aktiven bis zu gezielten Angeboten der Weiter-
Mitglieder der Gemeinschaften bereit. Die entwicklung.
Programmangebote für das Jahr 2022 fin-
den Sie auf der Homepage mit dem Titel
www.diakonisch-profiliert.de.
Hier stellen wir das Programm in vier Ka- bilden
tegorien vor und bieten zugleich eine ein- Im Abschnitt „bilden“ finden sich
fache Möglichkeit, sich für die Veranstal- verschiedene Angebote zur Fort- und
tungen anzumelden und Kontakt mit uns Weiterbildung.
aufzunehmen.
vernetzen
Im Kapitel „vernetzen“ finden sich
verschiedene Angebote zum Austausch
und der Vernetzung der Gemeinschaften
Sarepta/Nazareth, der Personalarbeit und
der Verbände im Diakonat und aus dem
Raum der Kirche.
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Nazarethbrief 4 22 10.indd 34 21.04.22 11:12AUS DER GEMEINSCHAFT
Eine kleine Auswahl
der kommenden Veranstaltungen:
Diakonisches
informieren Standortbestimmungsseminar
Hier gelangen Sie zu unserem internen 13. – 14.05.2022
– nicht öffentlichen – Online-Forum mit Den beruflichen Standort
Stellenangeboten, Materialen und aktu- im diakonischen Kontext bestimmen
ellen Informationen für den Dienst von
Seelsorge in Notfällen
Diakoninnen, Diakonen und Diakonissen
29.05.2022
sowie weiteren Mitgliedern im aktiven
Was tun in akuten Krisensituationen?
Dienst der Gemeinschaften von Sarepta
und Nazareth. Regionales Netzwerktreffen
im Norden (Bezirk Nord-Ost)
Neu ist eine Übersicht aller Veranstaltun- 10.06.2022
gen, die Ihnen einen chronologischen Ge- „Diakon/-in – Ach, du auch?“
samtüberblick ermöglicht (Reiter „Alle An-
„Man muss mit allem
gebote“).
rechnen, auch mit dem Guten…“
25.06.2022
Mit Fragen und Ideen zum Programm kön-
Ein Resilienz Workshop
nen Sie sich gerne an Jutta Beldermann,
Joachim Hood oder Patrick Quack wenden. Umgang mit „sexualisierter Gewalt“
Wir hoffen, dass unsere Angebote Ihren 20.08.2022
Dienst und Ihre Entwicklung fördern und Seminar zur Sensibilisierung
freuen uns auf vielfältige Begegnungen! bei Verletzungen der sexuellen
Selbstbestimmung
Zwischen „mühsam
hoffnungsstur und freudenleicht“
27.08.2022
Seminartag
Patrick Quack
Diakon
35
Nazarethbrief 4 22 10.indd 35 21.04.22 11:12Sie können auch lesen