Wege, Herzen zu öffnen - Gastfreundschaft als Stärke der Pfarren - Erzdiözese Salzburg
←
→
Transkription von Seiteninhalten
Wenn Ihr Browser die Seite nicht korrekt rendert, bitte, lesen Sie den Inhalt der Seite unten
87
März 2020
Die Zeitschrift des Seelsorgeamtes für engagierte Christinnen und Christen
AdobeStock: roostler
Wege, Herzen
zu öffnen
Gastfreundschaft
als Stärke der Pfarren
Sabine Hörl und Bahri Güney:
Ehrlich zu den Menschen sein
Johanna Gögele:
Wir heißen gern willkommenEditorial
LUCIA GREINER
Leiterin des
Seelsorgeamtes der
Erzdiözese Salzburg
Inhalt
7 ALS KIRCHE ZU GAST IM
KRANKENHAUS
„
Krankenhausseelsorge als
Auswärtsspiel
HERZLICH WILLKOMMEN
D’Leit musst mögen, sonst brauchst gar nicht
anfangen!“, sagt Annemarie Windhager, eine erst
8 DIALOG BRAUCHT GLEICH-
WERTIGKEIT
kürzlich für ihre Gastlichkeit ausgezeichnete Pri- Interreligiöser Stammtisch
vatzimmervermieterin, die bei ihrem Haus auch in Saalfelden
eine gediegene, moderne Kapelle gebaut hat.
WANN FÜHLEN SIE SICH WILLKOMMEN? 10 ES IST GENUG FÜR ALLE DA
Gastfreundschaft leben in
Nur ein kurzer Moment steht zur Verfügung, um
der Pfarre Niederalm
in einem Menschen das Gefühl zu wecken, will-
kommen zu sein. Doch in diesem Augenblick
geschieht viel. Manchmal ein freundlicher Au-
genkontakt, eine Tasse Kaffee, die angeboten
wird. Die Umgebung ist wichtig, dass mich der
Raum und die Gestaltung anspricht.
Noch tiefer liegt die Frage, ob wirklich ich ge- 11 „WILLKOMMEN HEISSEN“
ERWEITERT DEN HORIZONT
meint bin, die willkommen ist als ganze Person,
Johanna Gögele setzt darauf,
mit aller Lebenserfahrung, mit den Fragen und
Brücken zu bauen
der Bedürftigkeit.
Wenn dieses „Willkommen“ glaubwürdig ist,
dann ist die Grundlage gelegt für eine echte Be-
gegnung – an der Kirchentür, bei einer Veran-
staltung, bei einem seelsorglichen Gespräch.
Nagelprobe für die Willkommenskultur einer
Gemeinde sind die Armen. Sind sie willkom-
Së bashku
me lexuar
Zzajedno
čitati
14 EINLADUNG ZUM LESEN
Reading
Bibliotheken
together
bieten
men? Haben Sie es gut bei uns und einen Platz Bücher für alle
in der Mitte?
Das ehrliche „Herzlich willkommen“ braucht
Kraft, die aus dem Glauben kommt. Auf Gottes Lire Bi hev re Cititul
Willkommen ist Verlass. Medieninhaber,
ensemble Herausgeber,
bixwîninVerleger und Sitz der Redaktion:
împreună
Seelsorgeamt der Erzdiözese Salzburg, Gaisbergstraße 7, 5020 Salzburg. kontakt dient der
Darauf können wir bauen, Information und dem Austausch zwischen Christinnen und Christen über die pastorale
Praxis. Redaktion: Klaudia Achleitner, Maria Herbst, Christina Repolust, Sebastian
Ihre Lucia Greiner Schneider, Irene Unterkofler. Kontakt: christina.repolust@seelsorge.kirchen.net. Samson
Читаем Wax wada
Druck, St. Margarethen.
Beraberce
вместе aqrin
okuma
KOMM REIN, DIE TÜR IST OFFEN!
Miteinander lesen
Wenn ich das Bildungszentrum in Saalfelden betrete, surrt die Kaffeemaschine los. Das
wird mein Espresso! Das ist Gastfreundschaft. Johanna Gögele, Pfarrgemeinderatsob-
frau in Saalfelden sowie Sabine Hörl, Obfrau in Zell am See und Thumersbach, haben
mir Zeit für tiefer gehende Gespräche geschenkt.Lesen mit
Wer die Oberfläche verlässt, gelangt
zur inneren Gastfreundschaft. Gerhard HundsdorferKindernveranschaulicht im Fußball-
Vergleich die Situation der KrankenhausseelsorgerInnen. „Willkommen“ hat viele Ge-
sichter: Hedwig Granigg schafft die passende Atmosphäre bei Festen der Pfarre Nieder-
alm, Sabine Aschauer-Smolik zeigt Haltung gegenüber muslimischen MitbürgerInnen.
Diese Ausgabe soll Lust machen, Menschen immer wieder willkommen zu heißen.
Es grüßt Sie im Namen des Redaktionsteams
Ihre Christina Repolust, Chefredakteurin
2 kontakt 87 | März 2020Galerie
AdobeStock: mihail39
GALERIE MÄRZ 2020
Den richtigen Schlüssel finden
Es gibt sie, die Schlüsselwörter und -erlebnisse. Da geht einem der Knopf auf, da öffnen sich
Türen und Schlösser. Eine der Schlüsselkompetenzen von Pfarren ist es, Gastfreundschaft zu
leben: täglich, bei jeder Begegnung und das ganz unaufgeregt. Diese Fotos machen Lust darauf,
ein „Sesam öffne dich“ zu suchen, den richtigen Schlüssel zu nehmen und Türen zu öffnen.
„Wir heißen Sie willkommen“, ist ein solcher Schlüssel.
kontakt 87 | März 2020 3Gastfreundschaft
Zur Person
SABINE HÖRL
Unsere Gäste erzählen von ihren
aktuellen Urlaubserlebnissen hier
in Zell, sie erzählen manchmal
aber auch von ihren Freuden und
Sorgen. Dafür nehme ich mir Zeit:
Reden und Zuhören ist ein Geben
und ein Nehmen. Gastfreund-
schaft in einer Pfarre lebt wie im
Gastgewerbe von den Menschen:
Man hat die Menschen im Blick,
ist achtsam und öffnet das Haus
auch für die Neuen, noch nicht
Bekannten. Viele kleine Gesten
und klare Haltung machen eine
offene Gemeinschaft aus.
Ehrlich zu den
Menschen sein
Sabine Hörl, Hotelchefin in Zell am See sowie Pfarrgemein-
deratsobfrau von Zell am See und Thumersbach, und Bahri
Güney arbeiten schon jahrzehntelang im Hotel zusammen.
Sie können sich aufeinander verlassen. „Man muss ehrlich zu
den Menschen sein. Jeder erkennt, ob etwas ernst gemeint
oder nur so dahergesagt ist“, sind sich die beiden einig. Das
gilt im Gastgewerbe wie im Zusammenleben der Pfarre.
4 kontakt 87 | März 2020>
Zur Person
BAHRI GÜNEY
Meine Mutter hat als Stubenmäd-
chen in Tirol und dann hier in Zell
am See gearbeitet. Wir kommen
aus Ankara, dort verbringen wir
etwa drei Wochen im Jahr. Gast-
freundschaft in der Türkei und
hier in Österreich ist schon
unterschiedlich, Freundlichkeit
gehört aber hier wie da dazu. Mit
Freundlichkeit kommt man weit,
das haben mich meine Eltern und
auch das Leben gelehrt. Die Gäste
schätzen eine aufmerksame
Bedienung, die ebenso diskret wie
aufmerksam handelt.
Fotos: Christina Repolust
Danke für Ihre Zeit, die Sie sich jetzt mitten kommen, sie hat als Stubenmädchen im Pinzgau, während sie bei mir das
in der Saison nehmen. Was macht Gast- zuerst in Tirol gearbeitet, dann hier Essen bestellen. Ich höre zu, merke
freundschaft aus Ihrer Sicht aus? beim Metzgerwirt. Mit Freundlichkeit mir manche Geschichten und Vorlie-
und Respekt kommt man weiter, das ben der Gäste.
SABINE HÖRL: In beiden Bereichen geht
habe ich hier in der Familie und im
es um ein ehrliches Miteinander. Sie kommen aus Ankara: Worin unter-
Betrieb gesehen und erfahren.
Unser Stadtpfarrer ist ein herzlicher, scheidet sich die Gastfreundschaft hier im
offener Mensch, der allen Gastfreund- Sie leben im Gastgewerbe davon, dass Pinzgau von der Gastfreundschaft in Ihrem
schaft vorlebt. Gerade in der Arbeit Gäste kommen. Wovon lebt eine Pfarre? Heimatort.
mit Geflüchteten haben wir hier in
HÖRL: Wenn sich die Menschen in ei- GÜNEY: Ich verbringe etwa drei Wo-
Zell am See sehr viel von ihm gelernt.
ner Pfarre angenommen fühlen, kom- chen im Jahr in Ankara, daheim sind
Derzeit fehlen uns hier im Hotel zwei
men sie gern. Man muss auf die Leute meine Familie und ich hier in Zell am
Mitarbeiter, wir haben also alle Hän-
hören! Im Gastgewerbe und in der See. Wenn wir in Ankara essen gehen,
de voll zu tun: Unsere Gäste bekom-
Seelsorge auch. bestellen wir immer gemeinsame
men den Engpass mit und sehen
gleichzeitig, dass wir alle unser Bestes Wir sind hier ein Familienbetrieb, die Platten, der Älteste der Gruppe be-
geben. Man muss auch in der Pfarre, Urli-Oma begrüßt mit ihren 99 Jahren zahlt dann. Das erlebe ich in Öster
in der Kirche zu dem stehen, was ge- noch Tag für Tag die Gäste, jeder und reich sehr selten. Freundlichkeit sehe
rade nicht so optimal ist bzw. rund jede, die will, findet bei uns Anspra- ich hier wie dort.
läuft. Nur gemeinsam kommt man che, ein offenes Ohr. Das braucht es
Frau Hörl, Sie arbeiten schon lange im
weiter. auch in den Pfarren.
Pfarrgemeinderat. Was erwarten Sie sich
BAHRI GÜNEY: Meine Mutter ist 1976 GÜNEY: Die Gäste erzählen von ihren vom Pfarrgemeinderatskongress „mitten-
aus der Türkei nach Österreich ge- Ausflügen, von ihren Eindrücken hier drin“ im Mai in Saalfelden? >
kontakt 87 | März 2020 5>
Gastfreundschaft
SABINE HÖRL:
Sowohl im Hotel wie auch
in der Pfarre geht es um
ehrliche Begegnungen.
HÖRL: Ich bin jetzt die dritte Periode HÖRL: Ich glaube, dass Gastfreund-
im Pfarrgemeinderat, die zweite Peri- schaft vielleicht sogar noch wichtiger
ode bin ich die Obfrau. Auf einem werden wird. Menschen suchen An-
Kongress der Pfarrgemeinderäte war sprache und ein Gegenüber. Egal, ob
ich noch nie, daher freue ich mich da- es beim Einkaufen im Geschäft, beim
Fotos: Christina Repolust
rauf: Wo stehen die KollegInnen, wel- Essengehen oder beim Zusammen-
che Visionen haben wir gemeinsam, treffen in der Pfarre ist. Eine Pfarre in
wohin geht die Reise? Genau an die- die Zukunft zu führen, braucht ge-
sem Wochenende haben wir eine Fa- meinsame Visionen, besonders für
milienfeier, eine Hochzeitsfeier, in und mit den jungen Menschen. Wenn
Linz, aber ein Tag geht sich aus. wir unsere Arbeit mit Begeisterung er-
ledigen, dann merken uns das die schen wollen nicht nur satt werden,
Wie viel Seelsorge steckt in Ihrer Arbeit
Menschen an. Natürlich gelingt das sie genießen auch die freundliche Be-
hier im Hotel?
nicht jeden Tag, aber es gelingt. Es dienung. Man bringt gern ein Glas
HÖRL: Die Gäste erzählen mir bzw. uns braucht die Kernbotschaft, es braucht Wasser, holt einen Kinderstuhl oder
viel aus ihrem Leben. Eine Frau die Begeisterung. packt Speisen für zu Hause ein, wenn
schreibt mir beinahe täglich, wie es der Gast seinen Appetit überschätzt
GÜNEY: Ich freue mich immer, wenn
ihr geht. Das Hin- und Zuhören fällt hat.
die Gäste zufrieden gehen. Die Men-
mir leicht, doch manchmal muss ich
HÖRL: Wichtig ist auch noch, wie man
mich auch abgrenzen. Das ist auch im
mit Kritik umgeht. Wer kritisiert, hat
Pfarrleben so: Wenn genügend Men-
sich Gedanken gemacht, auch in und
schen da sind, teilt sich die Sorge für
über die Kirche. Das sollte man ernst
andere auch gut auf. Es ist hier wie
nehmen, das Gespräch mit den Kriti-
dort ein Geben und Nehmen. Durchs
kerInnen suchen, denn von ihnen
Zuhören bekomme ich sehr viel Ener-
kann man doch lernen. Das wünsche
gie zurück. Auf die Balance zu achten,
ich mir von der Diözesanleitung, dass
ist ein stetiger Vorsatz.
sie offen für Kritik ist, sie nicht als An-
GÜNEY: Es sind oft Kleinigkeiten, bei griff, sondern als Angebot zum weite-
denen ich behilflich sein kann. Vor ren Miteinander begreift. Wir spielen
kurzem war ein Gast im Restaurant im selben Team!
sehr betrunken, da helfen wir, schau-
Wo tanken Sie, Frau Hörl, Energie?
en, dass ihm nichts passiert und er gut
nach Hause kommt. Das kann passie- HÖRL: In unserer Pfarre ist es Traditi-
ren. Wenn Gäste aus dem arabischen on, dass die PGR-Obfrau am 31. De-
Raum hier beginnen, die Tische zu- zember in der Messe einen Jahres-
sammenzuschieben, erkläre ich ih- rückblick gibt. Das ist genau die Zeit,
nen unsere Regeln. Ich mache das wo hier bei uns im Hotel Hochbetrieb
sehr sehr freundlich, da gab es noch ist. Ich setze mich dann hin, recher-
nie Probleme. Man muss klar sagen, chiere und gebe mein Bestes. Das gibt
was geht und was nicht. mir Energie, natürlich auch, dass
zahlreiche Gottesdienstbesucher sich
Wenn Sie beide an die Zukunft denken,
danach bei mir bedankten. Diese Re-
wird Gastfreundschaft weiter eine Rolle BAHRI GÜNEY:
sonanz braucht es in der Pfarre, im
spielen? Ziehen sich die Menschen stärker Mit Freundlichkeit kam ich weit in
Gastgewerbe, eigentlich überall.
zurück, kaufen im Internet ein und bleiben meinem Leben. Grenzen zu setzen gehört
lieber zuhause, als ins Gasthaus zu gehen? dazu. Interview: Christina Repolust
6 kontakt 87 | März 2020Auswärtsspiel
Als Kirche zu Gast im
Krankenhaus
Sieben (z.T. in Teilzeit tätige) haupt- und neun
ehrenamtliche SeelsorgerInnen arbeiten am
LKH Salzburg und erleben ihr Gastsein immer
wieder neu und unterschiedlich. Krankenhaus-
seelsorger Gerhard Hundsdorfer erzählt von
prägenden Begegnungen.
dingungen dort auch besser, wenn Wir reden über Gastfreundschaft,
ich dieses Beispiel hernehme. doch sind nicht auch die PatientInnen
im Krankenhaus Fremde?
Dann brauchen Sie aber auch Fans, die Sie,
die KrankenhausseelsorgerInnen, HUNDSDORFER: Da sehe ich zwei Pers
anfeuern? Wer sind die? pektiven. Das Patientenzimmer ist
das Zimmer des Patienten und ich
HUNDSDORFER: Ja, unser Publikum ist bin bei ihm/bei ihr zu Gast. Es ent-
durchaus gemischt. Wie bei einem scheiden die PatientInnen in der
Auswärtsspiel gibt es die Menschen, Situation, ob sie mich hereinbitten
die uns anfeuern „Super, dass ihr da oder nicht. Die ersten Sekunden ent-
seid!“ und die, die uns erst einmal scheiden oft schon darüber, ob das
GERHARD HUNDSDORFER, eher skeptisch anschauen und sich Gespräch stattfindet, wie tief es geht.
KRANKENHAUSSEELSORGER wohl fragen: Wer sind die? Was zeich- Die PatientInnen müssen ja von 0 auf
net die aus? Wo sind die uns nützlich? 100 wenn ich bei ihnen anklopfe. Ich
D
anke für Ihre Zeit. Welche Bekommen Sie hier auch einen weiß ja, dass ich auf Besuch kommen
Gedanken kommen Ihnen als Vertrauensvorschuss? möchte.
Krankenhausseelsorger zum
HUNDSDORFER: Das Vertrauen müssen Sie haben schöne Sprachbilder!
Thema Seelsorge und Gastfreund- Erzählen Sie unseren LeserInnen bitte
wir uns erarbeiten. Wir zeigen unsere
schaft? auch von negativen Erfahrungen.
Professionalität, stellen sie unter Be-
GERHARD HUNDSDORFER: Im Bild ge- weis. Wir arbeiten hier immer in der HUNDSDORFER: „Sie sind eine ungebe-
sprochen sind wir als SeelsorgerInnen Öffentlichkeit, ohne den Schutz- tene Überraschung“ – so begegnete
im Krankenhaus in einem Auswärts- raum, den Kirche oder Pfarrkanzlei vor kurzem ein Patient einem der
spiel. Es ist ein fremdes Stadion, wir bieten. Hier im öffentlichen Raum Seel
sorger. Nein, diese Zurückwei-
müssen uns auf die Lebenswelten der des Krankenhauses wird genau ge- sung hat nicht zu einem Gespräch ge-
Institution und deren Mitarbeiter schaut, wie wir arbeiten. führt. Wenn PatientInnen nicht wol-
Innen einstellen. len, dann akzeptieren wir das. Wir
Besuchen/Betreuen Sie alle Stationen
verabschieden uns dann – vielleicht
Spielen Sie Fußball? des LKH?
auf ein anderes Mal. Das passiert in
HUNDSDORFER: Ja, ich bin durchaus HUNDSDORFER: Wir decken 70 – 80 % dieser Deutlichkeit sehr selten. Wir
Fußball affin. Daher verstehe ich der Stationen regelmäßig mit un- machen weiter, klopfen an die nächs
meinen Arbeitsort und die Arbeitsbe- seren Angeboten ab. te Tür.
kontakt 87 | März 2020 7Religionen
Fotos: Bildungszentrum Saalfelden
Dialog
braucht
Gleichwertigkeit
Der „Interreligiöse Stammtisch“ in Saalfelden bringt
Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Religionen
und Lebenswelten zusammen. Mag. Sabine Aschauer-
Smolik, Leiterin des Bildungszentrums sowie der
Öffentlichen Bücherei Saalfelden ist von Anfang an
mit dabei und hat das Konzept miterstellt. Bildung sei
ein Schlüssel zu Veränderungen – da ist die Bildungs-
expertin einer Meinung mit Kardinal Schönborn.
8 kontakt 87 | März 2020Wie kam es zum interreligiösen Dialog, ASCHAUER-SMOLIK: In den ersten zwei
wer hat wen angesprochen? Jahren der sogenannten „Flüchtlings-
welle“ kam es öfter zu Begegnungen
SABINE ASCHAUER-SMOLIK: Wir haben
und gegenseitigen Einladungen, weil
in Saalfelden eine längere Tradition
sehr viele Menschen mit islamischem
von Ansätzen zum Dialog. So gab es
Hintergrund bei uns im Haus an
vor vielen Jahren – angeregt von den
Deutschkursen teilnahmen. Vor allem
Bahai – einen Dialog auf Ebene der
auch in den Kursen haben sich die
offiziellen VertreterInnen der ver-
Menschen kulturell ausgetauscht und
schiedenen Religionsgemeinschaf-
im Fall von kulinarischen Ausflügen
ten in Saalfelden.
in die verschiedenen Kulturen auch
2011 hatten wir dann die sehr berei-
uns als Team öfter eingeladen.
chernde Veranstaltung „Kommt zu-
sammen!“. Ausgehend von den Foto- Was mir von diesen oft sehr inten-
grafien von Jochen Gewecke kam es siven Stunden in Erinnerung geblie-
zu vielfältigen Dialogformen: Jochen ben ist, sind die Schilderungen der
Gewecke hat Gottes- und Gebetshäu- syrischen Menschen, wie selbstver-
ser von innen und außen fotografiert. ständlich es war, auch mit Christ
Ziel der Ausstellung war es, die Bilder Innen befreundet zu sein und ge-
jeweils im Haus einer anderen Religi- meinsam sozusagen alle Feiertage,
on zu zeigen: z.B. die Bilder von Mo- die sich in der Summe aller Religi-
Sabine Aschauer-Smolik Foto: Kühnl
scheen in der Katholischen Kirche, onen angeboten haben, gemeinsam
die Bilder von Synagogen in der Mo- zu feiern. Diese Menschen hätten
schee usw. Die Veranstaltung war sehr viel in unsere Gesellschaft ein- MuslimInnen wieder mehr in ihre
sehr, sehr erfolgreich. In der Folge zubringen, gerade vor dem Hinter- communities zurückziehen. Sie füh-
haben immer wieder Glaubensver grund dieser feinen und zukunfts- len sich – verständlicherweise – nicht
treterInnen mit Blick darauf ange- weisenden – wenn auch eigentlich willkommen, nicht gleichwertig. Da-
merkt, dass es schade sei, dass es kei- sehr natürlichen – Erfahrungen. Lei- her laufen auch unsere vielen Ver-
ne Fortsetzung, keinen Treffpunkt der werden auch sie, weil Muslim suche, sie einzubinden, ins Leere!
religiösen Austausches mehr gäbe. Innen, an den Rand gedrängt. Hier wurde vieles durch dieses Ge-
Das hat Uschi Hamza (Salzburger Bil- setz zerstört und wir täten als Gesell-
Wie viel bewegt sich im interreligiösen
dungswerk und Bahai), Andrea Folie schaft gut daran, anders mit dieser
Kontext, zumal aktuell ja die „Kopftuch-
(querbeet) und mich in der Diskus nicht unbedeutenden (auch von der
Debatte“ – eigentlich immer wieder –
sion mit GlaubensvertreterInnen zu Größe her) Glaubensgemeinschaft
aufregt oder bewegt.
dem Konzept der „Interreligiösen umzugehen.
Stammtische“ inspiriert: Dialog auf ASCHAUER-SMOLIK: Auch wenn wir mit
Zur Kopftuch-Debatte: Ich bin als Fe-
Augenhöhe, in gemütlicher Atmos dem „Interreligiösen Stammtisch“ in
ministin klar der Ansicht, dass jedes
phäre und der Verbindung von Saalfelden eine Einrichtung pflegen,
Mädchen und jede Frau so leben und
Alltagsthemen, die die Menschen be- die nicht viele Orte vorzuweisen ha-
sich so kleiden dürfen muss, wie sie
wegen (z.B. war das Startthema ben, so schmerzt, dass sich die Mo-
möchte. Hier finde ich allerdings Be-
„Zusammenleben“, der kommende, schee daran nicht (mehr) beteiligt.
schränkungen seitens einer Glau-
7. Stammtisch steht unter dem Titel Einschneidend war hier das Islamge-
bensgemeinschaft oder familiärer
„Vergeben und Verzeihen“) und Ant- setz: Unsere Moschee gehört zu ATIB,
Tra
ditionen genauso schlimm wie
worten, die die Religionen darauf ge- d.h., sie hatten immer Vorbeter aus
die Verbote, die in Österreich bereits
ben. Die VertreterInnen der Religi- der Türkei. Das geht nun nicht mehr
in Kraft sind und erweitert werden
onen haben jeweils 5–7 Minuten Zeit, und die Moschee ist ohne Vorbeter.
sollen! Beides zielt auf die Bevor-
das Thema aus der jeweiligen Pers Der Stammtisch ist so aufgebaut,
mundung von Frauen ab und macht
pektive zu betrachten, die Teilneh- dass GlaubensvertreterInnen das
für mich daher in der Bewertung kei-
merInnen können rückfragen und Thema aus Sicht ihrer Religion auf-
nen Unterschied!
ihre Sichtweisen einbringen. Alle sit- bereiten – das würde auch bei den
Die Kopftuch-Debatte, wie sie ge-
zen auf gleicher Höhe in einem er- christlichen Religionen nicht leicht
führt wird, bringt niemandem etwas
weiterten Kreis – es gibt Getränke ein/e Laie/in übernehmen, sondern
mit Ausnahme jenen, die das Leben
und Knabbereien und dazwischen das machen die Pfarrer. Klar, dass das
von Frauen reglementieren wollen.
auch die Möglichkeit zu Gesprächen auch bei den MuslimInnen nur der
Ich halte es hier mit Kardinal Schön-
in kleinen Gruppen. Vorbeter machen könnte. Da sie den
born, der sich klar gegen ein Verbot
nicht haben, nehmen sie nicht teil.
Schildern Sie uns doch bitte, wie ein Nach- ausgesprochen hat und im Gegenzug
mittag etwa abläuft, etwa der Besuch bei Das Islamgesetz hat aber ganz grund- für mehr Möglichkeiten und Zugän-
den muslimischen MitbürgerInnen. sätzlich dazu geführt, dass sich die ge zu Bildung plädiert!
kontakt 87 | März 2020 9Arbeiten im Hintergrund
Es ist genug für
alle da!
Hedwig Granigg begeistert
sich für verschiedene Feste
im Jahreskreis der Pfarre.
Das Organisieren, dekorie-
ren, sowie die Arbeit in der
I hnen ist die Pfarre Niederalm sehr
vertraut. Wie lange leben und arbeiten
Sie hier schon mit?
HEDWIG GRANIGG: Ich bin in Taxach/
Rif aufgewachsen und lebe noch im-
für den Freitag konkret mit etwa 70
Gästen, darin haben wir schon viel
Übung.
Wer ist eigentlich eingeladen?
GRANIGG: Unsere Einladungen rich-
Küche zählen dabei zu mer mit meiner Familie hier. In Nie-
ten sich an alle. Das ist ja gerade die
ihren Aufgaben. „Die Leute deralm war ich 20 Jahre im Pfarrge-
Gastfreundschaft, den eigenen Kreis
genießen die Atmosphäre meinderat aktiv.
zu öffnen. Man muss nicht am Sonn-
bei unseren Festen und
Sie waren etwas überrascht über tag in die Kirche gehen, um am Frei-
Feiern hier in Niederalm
meine Anfrage, Sie über Ihre Hinter- tag hier im Pfarrheim tanzen und fei-
und staunen immer wieder
grundtätigkeit bei Festen und Feiern ern zu dürfen. Wenn wir zum
darüber, wie gerne die
zu interviewen. Aber das sind doch Jahreswechsel das Lichterlabyrinth
Menschen Selbstgemach-
wichtige Arbeiten, viele kleine gestalten, kommen auch viele Per-
tes miteinander teilen.”
Handgriffe, die Sie hier erledigen? sonen, die weniger mit der Pfarre ver-
bunden sind. Darüber freuen wir uns
GRANIGG: Wenn die Organisation im
übrigens sehr: Wir erreichen die
Foto: Repolust
Hintergrund gut läuft, die Dekora
Menschen!
tion stimmig und für das leibliche
Wohl gesorgt ist, dann trägt das zum Auch das Schmücken der Kirche gehört zu
Gelingen von Festen bei. Ihren Aufgaben. Wie und wo bewahren
Sie die Dekoration auf?
Welches Fest steht aktuell an?
Womit sind Sie aktuell beschäftigt? GRANIGG: Das habe ich alles in be-
schrifteten Schachteln geordnet.
GRANIGG: Derzeit organisieren wir
Man soll es auf einen Griff haben.
das Kaffeekranzl mit Musik und Tanz.
Der Blumenschmuck muss wirken,
Es entstand aus dem Wunsch einiger
darf aber nicht überladen sein.
Damen nach einer weiterführenden
Faschingsveranstaltung, anstelle des Worüber freuen Sie sich in Ihrer Hinter-
früheren Pfarrballs. grundarbeit am meisten?
Die heurige Dekoration wird dem
GRANIGG: Wenn sich unsere Freude
Motto „Karibik und Piraterie“ ent-
an der Arbeit auf die Gäste überträgt.
sprechen. Freiwillige bringen ver-
Bei der Feier mit den Erstkommuni-
schiedene Speisen, zwei Musiker
onkindern sind beispielsweise Eltern
spielen auf.
zu uns in die Küche gekommen um
Sie sind in der Kirchenbeitragsstelle sich zu bedanken. Sie hätten ge-
beschäftigt, haben Familie und sind staunt, wie viel Zeit und Arbeit die
eine der Organisatorinnen des Festes Leute in das Fest investieren. Für uns
am Freitagnachmittag. Wie viel Balance in Niederalm ist es selbstverständ-
HEDWIG GRANIGG SORGT FÜR
von Haupt- und Ehrenamt braucht es lich, die christliche Gastfreundschaft
STIMMUNGSVOLLE ATMOSPHÄRE
dafür? so zu leben. Doch für Menschen, die
das zum ersten Mal erleben, ist es
GRANIGG: Wir schauen hier aufeinan-
eine schöne Überraschung.
der, jede/r macht und bringt so viel
ein, wie es eben passt. Wir rechnen Interview: Christina Repolust
10 kontakt 87 | März 2020MENSCHENBILDER
JOHANNA GÖGELE
Religionslehrerin und Pfarrgemeinderats-Obfrau
„Willkommen
heißen“
erweitert
den Horizont
Johanna Gögele weiß zu begeistern. Als Religions
lehrerin bringt sie ihre SchülerInnen zum Staunen
darüber, was eine Pfarre alles macht und als Obfrau
des Pfarrgemeinderates Saalfelden erzählt sie voller
Begeisterung über die Vielfalt des Pfarrlebens.
„Menschen willkommen zu heißen, ist für mich
Erweiterung des eigenen Horizonts und Lebensbe
reiches!“, freut sich die Saalfeldnerin.
Johanna Gögele, Saalfelden. Foto: Christina Repolust
„GASTFREUNDSCHAFT ZU LEBEN, IST EINE rung und Bereicherung ihres eigenen ist. Es ist für mich guter jesuanischer
SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT. Natürlich Seins. „Das Willkommenheißen er- Lebensstil, Fähigkeiten und Zeit zu
fällt es nicht immer nur leicht, auf weitert meinen eigenen Horizont. Ich teilen, die Charismen für die Ge-
Unbekannte zuzugehen und Türen muss zuerst einmal innehalten, fest- meinschaft einzubringen.“
und sich selbst für sie zu öffnen“, stellen, wo ich gerade stehe und von Sie erzählt strahlend von den Mitar-
überlegt die Pfarrgemeinderatsob- dort aus auf andere zugehen. Men- beiterInnen, die 100 Strohsterne bas
frau von Saalfelden. „Ich denke posi- schen kommen so in meinen Lebens- teln, die gemeinsam die Kirche put-
tiv und gehe offen auf andere zu. Wir bereich und ich in den ihren.“ zen oder regelmäßig SeniorInnen
als Pfarre versuchen, alle unsere eh- Wie viele Stunden sie als PGR-Obfrau besuchen u.v.m. Wenn sie ihren
renamtlichen MitarbeiterInnen gut arbeite? „Wenn man beginnt, Stun- SchülerInnen in der NMS in Saal-
im Blick zu haben, ihnen Danke zu den zu zählen, verliert man die Freu- felden vom Pfarrleben erzählt, stau-
sagen und ihr Engagement wahrzu- de an einer ehrenamtlichen Tätigkeit. nen sie: „Hier baue ich Brücken: Jun-
nehmen und zu würdigen. Die Rolle Deshalb habe ich das gleich wieder ge Menschen haben viele Fragen,
von uns Laien wird in Zukunft noch bleiben lassen. Es ist mir wichtig, gemeinsam suchen wir nach Antwor-
wichtiger, nicht jede Pfarre wird mehr dass wir mit unserem hauptamt- ten. Und wenn ich einmal zu theolo-
„ihren“ Pfarrer haben: Was verbindet lichen Pfarrteam und im PGR in Saal- gisch denke, öffnen mir die Jugend-
uns als ChristInnen? Welche Charis- felden Gemeinschaft leben, dass die lichen immer wieder die Augen und
men bringen wir mit? Das sind Fra- Einzelnen ihre Charismen einbrin- holen mich in den Alltag zurück.
gen, die mich beschäftigen.“ Men- gen, das ist ein großer Schatz, der uns Auch kirchlich Fernstehende haben
schen willkommen zu heißen, – wie allen Pfarren – durch die zahl- Sehnsüchte und Fragen: Heißen wir
versteht Johanna Gögele als Erweite- reichen Ehrenamtlichen geschenkt sie willkommen!“
kontakt 87 | März 2020 11Galerie Gastfreundschaft als Schlüssel- kompetenz
Kreativität und Empathie öffnen Türen und Herzen, halten Türen offen und bringen Menschen zusammen. AdobeStock: Rawf8
Bibliotheken
Së bashku Zzajedno Reading
me lexuar čitati together
Lire Bi hev re Cititul
Grafik: Land Salzburg
ensemble bixwînin împreună
Einladung zum Lesen
Читаем
вместе
Wax wada
aqrin
Beraberce
okuma
Hier liegt das Pappbilderbuch, dort Das Referat für Bibliotheken und Le- Öffentlichen Bibliotheken ist vielfäl-
erzählt der Grüffelo auf der Tonie-Box seförderung der Erzdiözese Salzburg tig und steht allen zur Verfügung. Ein
seine Abenteuer, morgen geht es in ist Kooperationspartner, hier weiß Besuch zeigt die Breite des Angebots,
die Öffentliche Bücherei. So verläuft man: Vorlesen ist Liebe und die gibt willkommen sind alle. Wer einmal da
Miteinander lesen
die Begegnung mit Literatur, mit Zu- es in allen Kulturen und Sprachen! war, kommt wieder!
hören und Vorgelesenbekommen im
Idealfall. Andere Kulturen haben an- Informationen Tipps zum Vorlesen
dere Zugänge. Jede Studie zur Lese-
kompetenz von Kindern stellt fest: weiterzugeben ist
Wann ist es am besten?
Im Idealfall beginnt Lesen im Eltern- Gastfreundschaft Richten Sie sich nach den Bedürf-
haus. Krabbelgruppe, Kindergarten
nissen der Kinder und Ihrem
und Öffentliche Bibliotheken können Die Broschüre orientiert sich an häu-
eigenen Tagesablauf.
hier aber Defizite ausgleichen. Häu-
fig ist aber nicht klar, dass die Biblio- Lesen mit
fig gestellten Fragen zum Vorlesen.
„Wann lese ich am besten vor?“ oder Welche Bücher sind die besten?
thek wirklich allen Menschen offen „Was mache ich, wenn die Kinder im- Die, die Ihre Kinder mögen,
steht, dass das Vorlesen in der Mut-
tersprache diese festigt und die Zu-
mer dazwischenfragen, wenn ich
vorlese?“ Wer in seiner Nachbar-
Kindern immer wieder anschauen wollen.
Muss ich auf Deutsch lesen?
hörenden im Gesamten stärkt. „Viele schaft, in der Pfarre, im Bekannten-
Nur dann, wenn das Ihre Mutter-
Sprachen, viele Welten!“ Das ist das kreis Eltern kennt, die sich sorgen, ob
bzw. Erstsprache ist. Seien Sie
Motto des interkulturellen Dialogs, sie, die Zugewanderten, wohl alles
stolz auf Ihre Mehrsprachigkeit,
der Sprachenförderung: Freude am richtig machen, hat nun einen pro-
lesen Sie in Ihrer Erstsprache vor.
Miteinander entsteht, wenn alle fessionellen Behelf zur Hand: „Hor-
Viele Bilderbücher gibt es in
Sprachen gewürdigt werden. chen Sie auf sich und auf die Kinder!
mehreren Sprachen.
Es ist wunderbar, wenn die Kinder
ein Buch fünf Wochen lang jeden Tag Ist das Ausleihen von Büchern
Miteinander lesen anschauen wollen, hier entsteht Be- teuer?
Das Projekt ist ein gelungenes Mitei- ziehung!“ Je nach Bibliothek ist das Aus
nander von Stadt und Land Salzburg, leihen für Sie kostenlos oder
der Stadtbücherei und allen Öffentli- gegen eine geringe Gebühr
chen Bibliotheken im Bundesland.
Bücher für alle möglich. Testen Sie die Bibliothek
Übersetzt in elf Sprachen erzählt der Vom Pappbilderbuch bis zu Graphic an Ihrem Wohnort. Es zahlt sich
Folder davon, wie lustvoll das Vorle- Novels, von der Zeitschrift bis zur aus!
sen auch für die Erwachsenen ist. Tonie-Figur: Der Medienbestand der
14 kontakt 87 | März 2020Kontext
DER TRAUM VON
EINER HERBERGE
MOBILITÄT SCHEINT DAS UM UND
AUF ZU SEIN. DA KANN KIRCHE
ALS HERBERGE EIN ORT FÜR GOTT
UM DES MENSCHEN WILLEN SEIN.
Ein Traum. Ich bin unterwegs,
Kongress für fast getrieben, viele Events
sind wichtig für mich, mein
Geschäft, meine Beziehungen.
Pfarrgemeinderäte
Da kommt mir eine Kirchen-
gemeinde in die Quere. Ich
werde eingeladen, das Leben,
die Verbindung zu Gott und
zwischen den Menschen zu
MITTENDRIN in der Pfarrgemeinde- glaubende Menschen einfach JA ge-
feiern. Hier spüre ich einen
ratsperiode ist für 21. bis 23. Mai sagt haben. Ihnen gebührt höchste
Spielraum, Fremde werden
2020, Christi Himmelfahrt bis Sams- Anerkennung und Wertschätzung
mit Respekt begrüßt. Die Gäs
tag, der österreichweite Pfarrgemein- und sie haben ein Recht darauf,
te sind im Mittelpunkt, sie er-
deratskongress in Saalfelden geplant. MITTENDRIN zu sein, wenn es darum
zählen einander. Die Gastge-
Die österreichische Bischofskonfe- geht, gemeinsam Perspektiven zu
ber haben einen gemeinsamen
renz lädt ein. Die diözesanen Pfarr entwickeln, wie inmitten der Verän-
Bezugspunkt, ihre Beziehung
gemeinderatsreferentInnen planen derungen der Pfarrstrukturen das
zu Jesus. Sie gestalten für an-
mit dem Ohr an den Themen der christliche Leben so gestaltet werden
dere ihre Herberge. Hier er-
PfarrgemeinderätInnen. kann, dass Menschen in der Kirche
hole ich mich, das stärkt mich,
Mit den Themen „Beteiligung“, „Ent- für ihr Leben Halt und Orientierung
das ist ein heilsamer Ort. Es
scheidungskompetenz“, „Dialog von finden. Es geht auch darum, die Rolle
erscheint mir ein runder
Kirche und Gesellschaft“ sind wir der Pfarrgemeinderäte/innen in den
Tisch, alle Gäste sind gleich-
MITTENDRIN in den Fragen, auf die wir aktuellen Gegebenheiten der diöze-
rangig, ich sehe da zwei Bur-
in nächster Zukunft Antworten brau- sanen Entwicklungen zu bestimmen
schen aus Afghanistan, die ne-
chen. Der Satz „Der Glaube trägt/ und sicherzustellen, dass sich auch
ben dem Domkapitular sitzen,
prägt mein Leben“ wird von Vielen in Zukunft möglichst viele Menschen
den man als solchen nicht er-
unterschrieben, das hat auch die ak- verantwortungsvoll in der Kirche ein-
kennt. Sie tauschen aus, re-
tivierende Pfarrbefragung im Deka- bringen können.
den, lachen, erzählen. Es will
nat Tamsweg gezeigt. Allerdings wird
keiner den anderen bekehren,
der Kirche von Vielen immer weniger
Mehr Infos zum Thema: sie sind aber berührt von der
die Kompetenz zugeschrieben, die-
Geschichte des anderen.
sen Satz relevant für die Menschen zu
Der geplante Ablauf und die Ruhe strahlt die Herberge aus,
übersetzen, wie die Kirchenaustritte
ReferentInnen finden sich auf obwohl die Gastgeber*innen
zeigen. In Österreich haben wir
www.pfarrgemeinderat.at aktiv sind. Ihre Aufmerksam-
30.000 gewählte Pfarrgemeinderät
keit steckt an. Soll ich auch
Innen, die JA gesagt haben zum eh- Weitere Infos gerne bei
einmal Gastgeber sein? Jetzt
renamtlichen Engagement in der Kir- Klaudia Achleitner
bin ich dankbar für die Frei-
che, die JA gesagt haben zum 0676-8746 6668
heit und die Zeit, Gast zu sein.
sozialen, liturgischen, verkündi- klaudia.achleitner@seelsorge.
genden und gemeinschaftsbilden- kirchen.net Sebastian Schneider,
den Dienst in ihren Pfarren, die als stv. Seelsorgeamtsleiter
kontakt 87 | März 2020 15Bibel
Kommt
und seht!
Gastfreundschaft im Kontext
von Bibel und Alltag
schwangere Frau Maria unterwegs Gastfreundschaft braucht
keinen Platz in einem Herbergsquar-
tier bekommt und ihr Kind in erbärm-
Vertrauen und Mut
lichen Verhältnissen zur Welt bringen Ein Beispiel unglaublichen Mutes er-
muss. Auch der Evangelist Johannes zählt uns das 1. Buch der Könige. In
benennt ausdrücklich die Erfahrung, einer Zeit der Trockenheit und des
MAG.A MARGARITA
dass selbst Gott in unserer Welt nicht Hungers kommt der Prophet Elija als
PAULUS,
unbedingt Aufnahme findet, in der Fremder zu einer verwitweten Frau
PASTORALE PROJEKTE
Ouvertüre seines Evangeliums, im so und bittet sie um Wasser und Brot.
G
genannten „Prolog“: „Er (Gott) kam in Obwohl diese Frau für sich und ihren
astfreundschaft ist in ein zen- sein Eigentum, aber die Seinen nah- Sohn nur mehr „eine Handvoll Mehl
trales Thema der biblischen Bü- men ihn nicht auf.“ (Joh 1, 11) und ein paar Tropfen Öl“ hat und für
cher. Hier finden wir Beispiele Mich beeindrucken Menschen, die sich mit dem Schlimmsten rechnet,
für gelingende, beglückende selber nicht viel zum Leben haben, ist sie doch – nach kurzem Wider-
Gastfreundschaft, die allen Beteilig und trotzdem bereit sind jemanden, spruch – bereit, das Wenige auch mit
ten zum Segen wird und Freude be- Fremde, bei sich aufzunehmen und dem Fremden zu teilen. Ihr Mut ist
reitet. Auch gegenteilige Erfahrungen das Wenige, das es gibt, zu teilen. größer als ihre Verzweiflung.
kommen zur Sprache, in denen Gast- Wenn mein Mann und ich bei un- Tatsächlich wird das Wenige geteilt
freundschaft und Begegnung keine seren kurdischen Freunden, die aus und reicht für alle. Elija, der uner
Chance bekommen, Türen und Her- dem syrischen Bürgerkrieg flohen, wartete, unerwünschte Fremde, der
zen verschlossen bleiben. eingeladen sind, dann erleben wir seiner Gastgeberin das Äußerste ab
Gleich am Anfang des Lukas-Evange- dort reiche, großzügige und auch verlangt, wird ihr später die Zukunft
liums lesen wir, dass die junge herzlichste Gastfreundschaft. retten (vgl. 1 Kön 17, 17–24).
16 kontakt 87 | März 2020PFARR-MEDIEN
GUIDE
95 SEITEN TIPPS FÜR DIE ÖFFENT-
LICHKEITSARBEIT IN DEN PFARREN
„Der Glaube lebt davon, dass
er verkündet wird - auch mit
Hilfe der Medien“, schreibt
Kardinal Christoph Schön-
born im Vorwort des Pfarrme-
dien-Guides, der von den Ver-
Fotos: Christina Repolust
antwortlichen der pfarrlichen
Öffentlichkeitsarbeit aller Di-
özesen herausgegeben wurde.
Sieben Kapitel lang geht es da-
rum, die Werkzeuge überzeu-
gender Öffentlichkeitsarbeit
kennen und anwenden zu ler-
nen. Es geht darum, die
Ein besonderes Beispiel großzügig Jesus als Gast eigenen Möglichkeiten auszu-
orientalischer Gastfreundschaft, die loten, neue Kooperationen zu
Aus dem Neuen Testament kennen wir
mit dem Segen neuen Lebens be- knüpfen und so manche Tra-
u. a. die kurze Szene, in der Jesus als
lohnt wird, finden wir im 1. Buch der dition vielleicht auch zu hin-
Gast bei den beiden Schwestern Marta
Bibel, im Buch Genesis (vgl. Gen 18). terfragen. Liegen wir richtig?
und Maria eingeladen ist. Die beiden
Was bzw. wen braucht es, da-
Frauen verkörpern je unterschiedliche
Die sehnsüchtige Hoffnung des alten mit die Außenwerbung noch
Aspekte, die Gastfreundschaft erst er-
Paares Abraham und Sarah, die Ver- besser gelingt? Tipps zum
möglichen: das praktische Tun, all die
heißung eines Kindes, hat sich nicht Schreiben, Tipps zum Foto-
konkret notwendigen Vorbereitungen,
erfüllt. Als drei Fremde sich in der grafieren, Tipps für die Social-
Tätigkeiten und Handgriffe UND das
Hitze der Mittagszeit ihrem Zelt nä- Media Auftritte der Pfarren
Zuhören, das Maria verkörpert, die
hern, eilt Abraham ihnen zuvorkom- geben Impulse, regen zum
aufmerksam hört und ihrem Gegen-
mend-höflich entgegen. Er lädt die Ausprobieren an. Der Medien-
über Raum gibt und Zeit schenkt.
Fremden zu sich ein, wo er sie ge- Guide ist für Sie in der Erzdiö-
meinsam mit seiner Frau aufs groß- zese Salzburg kostenlos zu er-
zügigste bewirtet. Bevor die drei
Einladende Menschen halten im
Fremden, die Gäste geworden sind, Menschen, die Orientierung, Kraft
Referat für pfarrliche Öffent-
wieder aufbrechen, sprechen sie ih- und Licht für ihr Leben suchen, be-
lichkeitsarbeit
ren Gastgebern Glück und Freude zu. ginnen Jesus (nach-)zu folgen. Sie
Und wirklich: die Verheißung wird er- fragen: „Meister, wo wohnst du?“ Gaisbergstraße 7,
füllt, die Hoffnung bekommt Hand „Kommt und seht“ antwortet Jesus 5020 Salzburg
und Fuß, ein Kind wird ihnen gebo- (Joh 1, 39). Seine Antwort und Einla- christina.repolust@seelsorge.
ren. dung gilt auch für uns! kirchen.net
kontakt 87 | März 2020 17Veranstaltungen
UMWELTBEAUFTRAGTE DER KATHOLISCHEN UND REFERAT FÜR WELTKIRCHE
EVANGELISCHEN KIRCHE ÖSTERREICHS
Weltkirche-Seminar
Die Schöfpung – Geschenk und Auftrag
Referent: Dr. Franz Helm SVD
WorkshopleiterInnen: Dr. Ursula Kowanda-Yassin, Kurt
Kramer, Dr. Mihály Riszovannij, Christoph Kandlbinder,
Kathrin Muttenthaler, Kristina Sommerauer
Aktion „Autofasten – Heilsam in Samstag, 14. März 2020 • 10.00 – 17.00 Uhr
Bewegung kommen“ Veranstaltungsort: St. Virgil, Ernst-Grein-Str. 14, Salzburg
Anmeldung: St. Virgil, anmeldung@virgil.at
Für ChristInnen ist die Schöpfung ein Geschenk Gottes,
Veranstaltungsnummer: 20-0223
das es zu bewahren gilt. Die Fastenzeit bietet sich an,
über den eigenen Lebensstil nachzudenken und ihn neu Mehr Infos: markus.rosskopf@seelsorge.kirchen.net
zu gestalten. „Autofasten“ verbindet diese Aspekte und
ist ein wirksames Mittel zur Reduktion des CO2-Aussto-
ßes. Anmelden & gewinnen! Info-Abend zu Volontariats-
Leitung: Referat für Umwelt und Nachhaltigkeit der einsätzen im Ausland
Erzdiözese Salzburg Donnerstag, 26. März 2020 • 18.30 – 21.00 Uhr
Mittwoch, 26. Februar bis Samstag, 11. April 2020 Veranstaltungsort: Caritas-Zentrale, Friedensstraße 7,
Veranstaltungsort: österreichweit Salzburg
Anmeldung zum „Autofasten“ unter www.autofasten.at Mehr Infos: markus.rosskopf@seelsorge.kirchen.net
Galerie
AdobeStock: Luka
BILDUNG IST DER SCHLÜSSEL
Als Kinder lernen wir mit Begeisterung, wir stehen auf, rennen los, fallen hin und laufen weiter. Unermüdlich. Als
Erwachsene öffnen uns Fortbildungsangebote neue Wege, zeigen uns Türen aus dem Alltag, vielleicht aus dem
Alltagsfrust. Wir erkennen, was wir eigentlich wollen, woran wir arbeiten möchten, wohin unsere Reise im Leben
gehen könnte. Wir stehen auf, fallen hin, gehen weiter.
18 kontakt 87 | März 2020Veranstaltungen Service
SEELSORGEAMT/PFARRGEMEINDERATSREFERAT, TELEFONSEELSORGE
KATHOLISCHE AKTION, CARITAS Es gibt so Tage, da würde ich gerne mit
jemandem reden!
Lernatelier Vertraulich – Kostenlos – Rund um die Uhr
Ich bin da:für – Weiterbildung für Ehrenamtliche
Eine Einladung für Ehrenamtliche im PONGAU:
NOTRUF 142
www.ts142.at
Atelier 1: Sozialcaritatives Handeln in Pfarre und Ge-
meinde – Schwerpunkt älter werden. Atelier 2: „Ganz nah NOTRUF 142 · www.telefonseelsorge.at
vertraulich · kostenlos · rund um die Uhr
ist dein Wort …“ – Fortbildung für LektorInnen. Atelier 3: KIDS-LINE
Pray with you(th) – Gebetsformen für Jugendliche.
Rat für junge Leute. Kostenlos vom
ReferentInnen: Anita Hofmann, Elisabeth Huber, Andrea Festnetz und vom Handy.
Kreuzberger; Birgit Esterbauer, Margarita Paulus;
Täglich 13:00 bis 21:00 Uhr
Michael Strohriegl, Veronika Beier
Freitag, 20. März 2020 • 15.00 – 21.00 Uhr, 0800 - 234 123
ca. 17.30 Uhr Einladung zur Jause www.kids-line.at
Ort: Pfarre Radstadt, Prehauserplatz 1, 5550 Radstadt
Anmeldung erforderlich bis 10. März 2020 bei PARTNER- UND FAMILIENBERATUNG
maria.herbst@seelsorge.kirchen.net, 0662-8047-2074 • Psychologische Beratung
• Information bei sozialen
Eine Einladung für Ehrenamtliche im PINZGAU: und juristischen Fragen
Atelier 1: Diakonie und Soziales Handeln. Atelier 2: • Geförderte Familien-Mediation
„Brennen ohne Auszubrennen“. Atelier 3: Pray with Salzburg, Zell am See,
St. Johann i. P., Tamsweg, 0662 - 8047 6700
you(th). St. Michael, Wörgl
www.kirchen.net/beratung
ReferentInnen: Sylvia Kroisleitner, Barbara Schubert;
Angelika Gassner; Florian Huber KATHOLISCHE JUNGSCHAR
Freitag, 24. April 2020 • 15.00 – 21.00 Uhr,
ca. 17.30 Uhr Einladung zur Jause
E NER
Ort: Pfarre Mittersill, Kirchgasse 16, 5730 Mittersill
F F
O - 8047 EL
Anmeldung erforderlich bis 14. April 2020 bei Wir stellen die Kinder in die Mitte
maria.herbst@seelsorge.kirchen.net, 0662-8047-2074 0662
I M M
H ENEeRn.at
7580
OFtF-kM
www.kirchen.net/jungschar
BIBELWELT
n irchEL
Sieben.Tage fopoi
PRÄVENTIONSSTELLE
in HIM .at
irchenrichtet sich an
oint-k
Karl Weisers Schöpfungszyklus in der Salzburger Plainstraße Unser Angebot
Beschreibung: Die 8. Sonderausstellung der Bibelwelt infopErwachsene und Jugendliche, die
OFFENER HIMMEL
mit Kindern arbeiten – zum Schutz
wird am Sa, 18.4.20, 18:15 Uhr eröffnet und kann bis vor sexueller Gewalt an Kindern.
6.9.20 in der St. Elisabethkirche kostenlos besichtigt Servicestelle für
werden. Altersgerechte Führungen (SchülerInnen€Euro 2,
Präventions- und
Bildungsarbeit OFFENER HIMMEL
infopoint-kirchen.at
0662 - 8047 7585
Erwachsene Euro 3,10) können unter Tel. 0676 8746 7080, infopoint-kirchen.at
www.kirchen.net/NaeheundDistanz
bzw. bibelwelt.at@gmail.com gebucht werden.
Wenige Texte der Weltliteratur haben so viele KünstlerIn- INFOPOINT KIRCHEN
nen inspiriert, wie die Erzählung von den sieben Tagen Reden über den Glauben? Auf der
infopoint-kirchen.at
der Erschaffung der Welt, mit der die Bibel beginnt. Der
infopoint-kirchen.at
Suche nach spirituellen Angeboten?
Salzburger Künstler Karl Weiser (1911–1988) übersetzte
den Text 1958 in sieben farbkräftige Medaillons, die 0662 - 8047
Ein E2087
en en e
ine
OFFENER
OFFENER Franziskanergasse 3, Salzburg
Ei
en Kirch
Ei
en Kirch
er über den sieben Eingängen der Häuserzeile der
nrichtung
HIMMEL
nrichtung
Plainstraße 46–58 aufmalte. HIMMEL www.infopoint-kirchen.at
ich
l der
ist
ich
clhr
Sein Ringen um Komposition und Farbverteilung wird der
christ
besonders in seinen dafür angefertigten Entwürfen SCHWANGER UND IN NOT
sichtbar. Diese werden nun erstmals der Öffentlichkeit in
einer Sonderausstellung der Bibelwelt präsentiert und Beratung, Begleitung
zwar in der Kirche von St. Elisabeth als vergrößerte und Hilfe.
Anonym, kostenlos,
Kopien der von Karl Weiser angefertigten, A4-großen
rund um die Uhr.
Vorstudien und Skizzen.
Referent/Leitung: Pfarrer Heirich Wagner 0800 - 300 370
www.schwangerwastun.at
Bis 6. September 2020 • 8.00 – 18.00 Uhr
Ort: St. Elisabethkirche, Plainstraße 42, 5020 Salzburg
Infos zur Veranstaltung: Andrea Ruttnig, 0676 8746 7080,
bibelwelt.at@gmail.com 19Gastfreundschaft
Wir bitten zu Tisch!
Sie kommen immer hungrig, manchmal müde und manch-
mal auch grantig: Die Gäste, für die Köche und Köchinnen
arbeiten, Nährendes zubereiten und mit Liebe würzen. Und
das Tag für Tag. Es soll den Gästen schmecken, sie zufrieden,
wenn nicht sogar glücklich machen, das Essen, das bekann-
termaßen Leib und Seele zusammenbringt bzw. -hält.
Essen ist eine sehr emotionale Geschichte
OLIVER ESCHMANN, KÜCHENCHEF ST. VIRGIL
FÜR MICH IST ES EINE SCHÖNE DASEINSFORM, hier in St. Virgil gemeinsam mit dem Team
Gastfreundschaft zu schenken. Ich habe früher gern gekellnert: Dabei bekam ich
viel von der Freude der Menschen an gutem Essen mit. Ich mag es, für Menschen zu
kochen und freue mich, dass unsere Gäste sich wohlfühlen: Sie sind satt geworden,
sie haben das Essen genossen, miteinander geredet und gelacht. Das beobachte ich
rund um unser Buffet: Menschen betrachten versunken das Angebot, wählen mit
Bedacht aus und vergessen die Umgebung. Ich habe kein Lieblingsgericht, viele
Foto: Repolust
Speisen sind mit Erinnerungen an die Kindheit verbunden. Das Schönste an
meinem Beruf: Über das Essen können wir Menschen ein gutes Gefühl schenken!
Suppen für die Zukunft
TANJA ZAWADIL, kfb-REFERENTIN
IN DER KATHOLISCHEN FRAUENBEWEGUNG (kfb) gestalten wir aktiv Gegenwart und
Zukunft von Frauen. Zum Beispiel mit unserer Gastfreundschaft. Alljährlich laden
wir landauf und landab Menschen ein, gemeinsam mit uns unsere Suppen mit
Mehrwert zu essen. Sie machen unsere christlichen Wurzeln sichtbar und das schon
seit mehr als 60 Jahren. Wie das Amen zum Gebet gehören diese kfb Fastensuppen
zur Fastenzeit. Jahr für Jahr unterstützen sie als Gäste die Aktion Familienfasttag,
wir freuen uns, dass unser Angebot der Gastfreundschaft so zahlreich angenommen
Foto: privat
wird. 2020 lautet das Motto der Aktion Familienfasttag „Gemeinsam für eine
Zukunft in eigener Hand“. Schwerpunktland ist heuer Indien.
Es ist schön, wenn das Essen schmeckt
ROCHUS LANNER, CHEFKOCH IM BORROMÄUM
SEIT 14 JAHREN KOCHE ICH NUNMEHR SCHON IM BORROMÄUM, hier sind wir zu acht in
der Küche. 240 bis 260 Essen gehen täglich raus, an die Schüler und an die Mit
arbeiterInnen der Erzdiözese. Für mich bedeutet Gastfreundschaft, freundlich zu
sein und auf die Qualität des Essens zu achten. Wir arbeiten mit guten Produkten
und versuchen die Zutaten wirklich aufzuarbeiten, die schönen und die weniger
schönen Teile gut weiter zu verarbeiten. Wir wollen möglichst wenig wegschmeißen.
Fisch kommt einmal in der Woche auf den Tisch, Gemüsebeilagen und Salate
Foto: Repolust
kommen bei unseren Gästen gut an. Klar gibt es auf Wunsch auch Nachschlag: Es
ist für uns auch schön zu beobachten, wenn das Essen schmeckt!
20 kontakt 87 | März 2020Impuls
Porta patet, cor magis!
… das habe ich über manchen alten Türen, vornehmlich in Klöstern,
gelesen: „Weit offen die Tür, noch weiter das Herz!“ HERZLICH
Die Gastfreundschaft ist eine soziale Tugend, die weit in die vorchrist- WILLKOMMEN!
liche Zeit reicht, als die menschlichen Sippenverbände noch vielfach als „HERZLICH WILLKOMMEN!“,
Nomaden in z.T. unwirtlichen Gegenden unterwegs waren (vgl. Jos 20, 4). „BIENVENIDO!“, „WELCOME!“ –
Reisende sind vielen Gefahren ausgesetzt; Nahrungsknappheit, Schutz- der Willkommensgruß, den es
losigkeit vor der Witterung und vor Feinden … in jeder Sprache gibt und der
auf vielen Schildern zu lesen
Es mag aus heutiger Sicht seltsam anmuten, dass es in den europäischen
ist – als Lippenbekenntnis
Spitälern vor dem 16. Jh. faktisch keine Ärzte gab. Spitäler-Herbergen oder Verheißung oder tatsäch-
(vgl. Hospital, Hotel) waren ursprünglich geistlich geführte Häuser/ lich ernstgemeint? Sie merken
Klöster, die Kranken und Pilgern Gastfreundschaft gewährten und meist sofort, wenn Sie in eine Ge-
dem Hl. Geist geweiht waren. Noch heute gibt es viele Hl. Geist Spitäler. meinde kommen, ein Ge-
schäft oder einen Pfarrsaal be-
Dort wo die innere und äußere Not groß ist, dort ist die Gastfreundschaft
treten, wie das mit dem
besonders wichtig. Wenn ich unterwegs bin oder mein Heim verloren „Herzlich Willkommen!“ ge-
habe, brauche ich Obdach und Aufnahme. Wenn ich verzweifelt bin und meint ist.
nicht mehr weiter weiß, brauche ich neben einer stets offenen Tür auch
Stellen Sie sich vor, Sie möch-
ein offenes Herz, das mir Herberge und Schutz ist. Wo Menschen ihres ten zu einer Veranstaltung in
und das Leben ihrer Lieben aus Kriegstrümmern und Verfolgung in den Pfarrsaal gehen. Wie ha-
Sicherheit zu bringen suchen, können wir nicht planen, Flüchtlings ben Sie von der Veranstaltung
routen zu schließen oder ihnen beim Ertrinken zuzuschauen! erfahren? Wurden Sie persön-
lich eingeladen? Finden Sie
Erst wenn das Herz weit mehr offen ist, als die Tür, dann entsteht Gast-
den Pfarrsaal auf Anhieb? Wer-
freundschaft jenseits aller Duldung. Und vielleicht hilft der Gedanke, den Sie am Eingang begrüßt?
dass selbst unser Erlöser nach seiner Geburt sein Leben als Flüchtling in Weist Sie jemand auf die Gar-
Ägypten begonnen hat. derobe hin? Werden Sie von
den anwesenden Personen
Schwarz Detlef wahrgenommen? Geht je-
mand auf Sie zu oder haben
Sie den Eindruck zu stören?
Ich gehe nicht davon aus, dass
Sie jemand bei der Hand neh-
Ein Sinnbild der ganzen Kirche men muss, um Ihnen für den
Rest des Abends nicht mehr
„Der Diakon [...] ist Ratgeber des ganzen Klerus und so etwas wie das Sinnbild
von der Seite zu weichen. Die
der ganzen Kirche. Er pflegt die Kranken, kümmert sich um die Fremden, ist
Haltung, in der Ihnen die
der Helfer der Witwen. Väterlich nimmt er sich der Waisen an, und er geht in
Menschen begegnen, wird
den Häusern der Armen aus und ein, um festzustellen, ob es niemanden gibt,
entscheidend sein, ob Sie an
der in Angst, Krankheit oder Not geraten ist... Er macht der Gemeinde die
weiteren Veranstaltungen der
Namen derer bekannt, die der Hilfe bedürfen... Wenn der Diakon in einer
Pfarre teilnehmen werden.
Stadt tätig ist, die am Meer liegt, soll er sorgsam das Ufer absuchen, ob nicht
die Leiche eines Schiffbrüchigen angeschwemmt worden ist. Er soll sie
Klaudia Achleitner, Referentin
bekleiden und bestatten. In der Unterkunft der Fremden soll er sich erkundi-
für Pfarrgemeinderäte
gen, ob es dort nicht Kranke, Arme oder Verstorbene gibt, und er wird es der
klaudia.achleitner@seelsorge.
Gemeinde mitteilen, dass sie für jeden tut, was nötig ist.“
kirchen.net
Syrische Kirchenordnung aus dem 5. Jhdt.
+43(0)676 8746 6668
kontakt 87 | März 2020 21Best Practice
Tiere zu Gast
im Kirchturm
Er hat Klein und Groß erschaffen und trägt gleiche Sorge für alle.
(Weish 6,7)
Gebäudebewohnende Tiere, insbesondere Vögel und Fledermäuse, aber
Daten & Fakten
auch viele andere Tierarten, finden immer schwierigere Lebensbedingun-
gen vor. Der Kirche als „Lebens-Raum“ für „Kulturfolger“, wie Turmfalke, Das Projekt „Kirchturmtiere“ ist
Mauersegler, Dohle und Co., kommt vielerorts eine bedeutende Rolle zu. eine Kooperation des Vereins zur
Was man wahrnimmt und kennt, schützt man eher. Förderung kirchlicher Umwelt
Was lebt rund um Ihren/deinen Kirchturm? arbeit, in dem die Umweltbeauf-
tragten der katholischen und
evangelischen Kirche vertreten
Im Fokus stehen 11 Tierarten, es sind, gemeinsam mit BirdLife Ös-
kann aber jede andere Tiersichtung terreich und dem Naturschutz-
an und um Kirchen gemeldet bund Österreich.
werden. Die Beobachtung wird Wie „gastfreundlich“ ist
anschließend von ExpertInnen Ihre/deine Kirche?
bestimmt/geprüft. Durch die So geht’s:
gewonnenen Daten kann 1. App „naturbeobachtung.at“
Wissen über vorkommende installieren & anmelden
Tiere in und um Kirchen 2. Projekt „Kirchturmtiere“
vernetzt genutzt werden. So wählen
können gegebenenfalls 3. Kirche wählen
Maßnahmen zum Schutz 4. Tier beobachten und Art
für gefährdete Tierarten auswählen
ausgearbeitet werden. 5. (gern) Foto der beobachteten
Dem Artensterben Tierart machen & hochladen
kann man entgegen- oder aus Galerie hinzufügen
treten. Durch 6. Absenden – Fertig!
Wahrnehmen von Informationen zu diesem Citizen
„Klein und Groß“ Science Projekt (teilhabende
und Gastfreund- Wissenschaft) gibt es hier
schaft auf dem www.kirchturmtiere.at
„heiligen Kontakt:
Boden“. Kathrin Muttenthaler MSc.
Referat für Umwelt & Nachhaltig-
keit, 0662/80472063
kathrin.muttenthaler@seelsorge.
kirchen.net
Tierbeobachtungen rund um den Kirchturm (Radius: 100 m) können über die kosten-
lose App naturbeobachtung.at gemeldet werden. Fotos verbessern die Datenqualität!
22 kontakt 87 | März 2020Sie können auch lesen