Das Klima schützen, Europa stärken - Die Europäische Klimaschutzinitiative (EUKI) des Bundesumweltministeriums

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Das Klima schützen, Europa stärken - Die Europäische Klimaschutzinitiative (EUKI) des Bundesumweltministeriums
Das Klima schützen,
Europa stärken
Die Europäische Klimaschutzinitiative (EUKI)
des Bundesumweltministeriums
Das Klima schützen, Europa stärken - Die Europäische Klimaschutzinitiative (EUKI) des Bundesumweltministeriums
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WIR STEHEN AN EINEM SCHEIDEWEG FÜR DIE
MENSCHHEIT. WIR HABEN DIE EINMALIGE CHANCE,
DIE IMPULSE DES PARISER ABKOMMENS AUF-
ZUNEHMEN UND UNS FÜR EINE NACHHALTIGE
ZUKUNFT ZU ENTSCHEIDEN. ABER MIT DER ARBEIT
AN EINEM LEBENSWERTEN MORGEN MÜSSEN WIR
HEUTE BEGINNEN.

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PATRICIA ESPINOSA, GENERALSEKRETÄRIN DER UNFCCC,
AUF DER 24. VERTRAGSSTAATENKONFERENZ (COP 24)
Das Klima schützen, Europa stärken - Die Europäische Klimaschutzinitiative (EUKI) des Bundesumweltministeriums
PROJEKTE DER EUKI
                 E U R O PAW E I T A K T I V F Ü R D E N K L I M A S C H U T Z

THEMEN

KLIMAPOLITIK ............................................. 18

                                                                                     9   EU-WEIT
ENERGIE ....................................................... 20

GEBÄUDESEKTOR UND KOMMUNEN............ 26

MOBILITÄT ................................................... 30

LANDWIRTSCHAFT,
BODEN UND WALD ........................................32               1

BEWUSSTSEINSBILDUNG ............................34
                                                                                                1

KLIMAFREUNDLICHE
FINANZIERUNG ............................................38

NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN................40                                                 7

     ANZAHL ALLER EUKI-PROJEKTE
     IM JEWEILIGEN LAND**

     * Deutschland ist in vielen Projekten beim Austausch von
                                                                       2
       Lernerfahrungen beteiligt.                                                7
     ** Die große Mehrheit aller EUKI-Projekte arbeitet in zwei oder
        mehreren Ländern. Diese Projekte werden in der Karte jeweils
        in allen beteiligten Ländern angezeigt.
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PROJEKTBEISPIEL              MEHR S. 32
                                             LANDWIRTSCHAFT, BODEN UND WALD

                                             Paludikultur im Baltikum – Klimaschutz
                                     1       durch produktive Nutzung von wieder-
                                             vernässten Mooren
                1

                                             Laufzeit: Oktober 2017–Februar 2020
                                             Durchführende und Partner: MSS, ELF, LGF

                                     8

                                     8
1
                             3
                                             PROJEKTBEISPIEL            MEHR S. 26
                                             GEBÄUDESEKTOR UND KOMMUNEN

                20                           BEACON – Europäischen und lokalen
    *
                                             Klimaschutz vernetzen

        7
                    5
        2
                11
        6                        8
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                                 13
                                             Laufzeit: April 2018–März 2021
                                             Durchführende und Partner: Navigant, adelphi research,
                                             UfU, Energy Cities, SEVEn, PNEC, OER, Environ, NTEF,
                        11                   FCiências.ID, CRES

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INHALT

GRUSSWORT .............................................................................................................. 3

INTERVIEW MIT BUNDESUMWELTMINISTERIN SVENJA SCHULZE .......................... 4

ÜBER DIE EUROPÄISCHE KLIMASCHUTZINITIATIVE (EUKI) ..................................... 6

ZIELE ......................................................................................................................... 8

ARBEITSWEISE ........................................................................................................ 10

         PROJEKTFINANZIERUNG .................................................................................. 11
         EUKI ACADEMY ................................................................................................... 12

MEILENSTEINE ........................................................................................................ 14

THEMEN UND PROJEKTE ........................................................................................ 16

         KLIMAPOLITIK .................................................................................................... 18
         ENERGIE .............................................................................................................. 20
         GEBÄUDESEKTOR UND KOMMUNEN ............................................................... 26
         MOBILITÄT ........................................................................................................... 30
         LANDWIRTSCHAFT, BODEN UND WALD ........................................................... 32
         BEWUSSTSEINSBILDUNG .................................................................................. 34
         KLIMAFREUNDLICHE FINANZIERUNG ............................................................. 38
         NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN ..................................................................... 40

EUKI COMMUNITY ................................................................................................... 44

IMPRESSUM ............................................................................................................ 64

ZAHLEN UND FAKTEN 2017–2018 ........................................................................... 65

                                                                                                                                     1
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Das Klima schützen, Europa stärken - Die Europäische Klimaschutzinitiative (EUKI) des Bundesumweltministeriums
G R U S S W O RT
                              D A S K L I M A S C H Ü T Z E N, E U R O PA S TÄ R K E N

Liebe Leserinnen und Leser,

die Europäische Klimaschutzinitiative, kurz EUKI, bringt Menschen aus ganz Europa zusammen, die gemeinsam
Projekte für den Klimaschutz planen und umsetzen. In den EUKI-Projekten zeigt sich täglich, wie lebendig die
europäische Idee ist: Im Bewusstsein, dass der Klimawandel nicht an Ländergrenzen Halt macht, setzen sich
Menschen aus den verschiedensten Arbeits- und Lebensbereichen tatkräftig für den Klimaschutz ein.

Unsere Broschüre informiert Sie im ersten Teil über Ziele und Arbeitsweise unserer jungen Initiative. Sie erfahren,
wie die EUKI Projekte für die Finanzierung auswählt und den Wissensaustausch in der EUKI Academy organisiert.
Außerdem können Sie die wichtigsten Meilensteine der bisherigen Arbeit nachvollziehen.

Im zweiten Teil laden wir Sie ein, die vielfältigen EUKI-Projekte zu unseren acht Schwerpunktthemen wie beispiels-
weise Energie, Mobilität oder klimafreundliche Finanzierung ausführlich kennenzulernen. Schon 64 Vorhaben sind seit
2017 angelaufen, und das Portfolio der EUKI wächst stetig weiter. Sie alle eint der Gedanke des Wissensaustauschs
mit dem Ziel, die Klimaziele Hand in Hand anzugehen. Dabei decken sie ein breites Themenspektrum ab, von Bildungs-
maßnahmen an Schulen bis zu Forschungsvorhaben zur Reform der EU-Klimapolitik; von individuellen Energieeinspar-
maßnahmen in Unternehmen bis zum Dialog über klimafreundliche Landwirtschaft. Zu jedem Themengebiet stellen wir
Ihnen einzelne Leuchtturmprojekte ausführlicher vor und führen Interviews mit Beteiligten vor Ort.

Am Ende der Broschüre finden Sie Kontaktdaten von allen Projekten und können sich so einen Überblick über die
wachsende EUKI Community verschaffen.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und laden Sie dazu ein, unsere Reise zu begleiten – und darüber hinaus auch selbst
aktiv Projekte mitzugestalten.

DR. SILKE KARCHER                                                                  STEFAN BUNDSCHERER
Referatsleiterin EU Klima- und Energiepolitk, Europäische Klimaschutzinitiative,   Leiter des Finanzierungsprogramms
Kohlenstoffmärkte, IK II 5, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und          Europäische Klimaschutzinitiative
nukleare Sicherheit

                                                                                                                       3
Das Klima schützen, Europa stärken - Die Europäische Klimaschutzinitiative (EUKI) des Bundesumweltministeriums
I N T E R V I E W M I T B U N D E S U M W E LT M I N I S T E R I N
                                                                    SVENJA SCHULZE

    Das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 war ein wichtiger                  Welche Resonanz bekommen Sie von Ihren Kollegen aus den EU-
    Meilenstein für den globalen Klimaschutz. Was kann die Europäische          Ländern zur EUKI?
    Klimaschutzinitiative (EUKI) zur Umsetzung der festgelegten
    Klimaziele beitragen?                                                       Unsere europäischen Partner sagen uns, dass genau so eine
                                                                                Initiative gefehlt hat. Auch in anderen Mitgliedstaaten wird
          Um das Pariser Abkommen umzusetzen, brauchen wir in der               Klimaschutz als gemeinsame Aufgabe betrachtet, wo ein reger
          Europäischen Union eine enge und vor allem vertrauensvolle            innereuropäischer Austausch wichtige Impulse setzen kann. Mit
          Zusammenarbeit. Die Europäische Klimaschutzinitiative setzt           der EUKI können wir ganz konkrete Projekte mit unseren Partne-
          genau an dieser Stelle an. Wir stärken den innereuropäischen          rinnen und Partnern entwickeln. Zum Beispiel arbeiten wir mit
          Dialog und die Zusammenarbeit beim Klimaschutz, indem wir             Tschechien daran, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit
          den Austausch über gute Praxisbeispiele fördern und ge-               im Bereich der Klimaschutzbildung in Schulen zu stärken.
          meinsam nach den besten Lösungen suchen. So lernen wir
          voneinander. Das hilft, die europäischen Klimaschutzziele zu          Wie beurteilen Sie den bisherigen Erfolg der EUKI?
          erreichen, und stärkt das Bewusstsein für Klimaschutz als
          europäisches Projekt.                                                 Die große Beteiligung an den ersten beiden Ideenwettbewerben
                                                                                zeigt, dass die EUKI als Förderinstrument bereits gut etabliert
    Warum gibt es neben der Nationalen (NKI) und der Internationalen            ist. In den mittel- und osteuropäischen Mitgliedstaaten gibt es
    Klimaschutzinitiative (IKI) Bedarf für eine dritte Klimaschutzinitiative?   offensichtlich einen ganz konkreten Bedarf an einem solchen
                                                                                Programm. Die EUKI fördert bereits 64 Projekte in 24 EU-Län-
          Wir teilen mit den anderen Mitgliedstaaten der Europäischen           dern. Die Themen sind vielfältig und reichen von Klimaschutz-
          Union viele Herausforderungen. Zugleich bewegen wir uns in            bildung, sozialgerechter Sanierung von Gebäuden bis hin zu
          dem gleichen europäischen Rechtsrahmen. Deshalb macht                 Strategien zur Treibhausgasminderung in den Sektoren Energie,
          gerade hier ein besonders enger Austausch Sinn! Schön ist,            Verkehr und Landwirtschaft. Unsere Erfahrungen zeigen, dass
          dass wir durch die jahrelangen Erfahrungen in der NKI und der         der Austausch zu konkreten Klimaschutzlösungen Früchte trägt
          IKI auf gute Praxisbeispiele zurückgreifen und diese nun auch         und sich gute Klimaschutzpraktiken verbreiten. Ganz besonders
          in Europa einbringen können. Eines, was mir besonders gefällt,        freue ich mich darüber, zu sehen, mit welchem Enthusiasmus
          ist die Qualifizierung von engagierten jungen Mitarbeiterinnen        auch der europäische Gedanke in den EUKI-Projekten weiterge-
          und Mitarbeitern in Unternehmen zu Energie-Scouts, die in ihren       tragen wird. Das ist zu erkennen, wenn beispielsweise engagier-
          Betrieben nach Einsparpotenzialen suchen, konkrete Lösungsan-         te Kommunen aus fünf verschiedenen Ländern zusammentref-
          sätze entwickeln und umsetzen.                                        fen und über europäische Klimaschutzpolitik diskutieren.
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Das Klima schützen, Europa stärken - Die Europäische Klimaschutzinitiative (EUKI) des Bundesumweltministeriums
Die EUKI fördert vor allem kleinere Projekte von Organisationen,           Strukturelle Herausforderungen wie der Kohleausstieg betreffen
die nicht die Kapazitäten oder das Know-how haben, an europäische          nicht nur Deutschland, sondern auch andere Länder wie Griechenland
Fördertöpfe zu kommen. Warum ist dieser Ansatz so wichtig?                 oder Polen. Die politischen und sozialen Rahmenbedingungen
                                                                           unterscheiden sich zum Teil aber stark. Was können die EU-
      Indem wir gezielt kleine Projekte fördern, können wir besonders      Mitgliedstaaten bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben
      gut die Zivilgesellschaft einbeziehen. Eine aktive Zivilgesell-      voneinander lernen?
      schaft ist aus meiner Sicht eine unentbehrliche Grundlage
      für eine ambitionierte Klimapolitik in Europa. Gerade kleinere       In Europa gibt es rund 40 Kohleregionen, viele von ihnen stehen
      Organisationen leisten oft wichtige Arbeit nah an den Men-           vor ähnlichen Herausforderungen und Fragen: Welche neuen,
      schen, haben jedoch Schwierigkeiten, größere Fördertöpfe             zukunftsfesten Jobs passen zu den Kompetenzen der Region?
      auf der EU-Ebene zu erreichen. Bildung und Kapazitätsaufbau          Wie können soziale Härten vermieden werden? Und wie können
      helfen zudem, europäische Mittel und private Investitionen in        die Nationalstaaten oder die EU diese Regionen unterstützen?
      innovative Klimaschutzmaßnahmen zu lenken. Die Europäische           Darum fördern wir im Bundesumweltministerium einen Aus-
      Klimaschutzinitiative kann so eine Brücke zu anderen EU-Förder-      tausch zwischen den Regionen. Ich denke, die Einbeziehung der
      programmen bilden.                                                   Akteurinnen und Akteure vor Ort ist für einen gerechten Über-
                                                                           gang essenziell. Im Rahmen der EUKI unterstützen wir zum Bei-
Ein Ziel der EUKI ist es, durch die Kooperation beim Klimaschutz die       spiel den WWF dabei, den Austausch zwischen Kohleregionen
europäische Idee zu stärken. Wie kann ein Förderinstrument wie die         in Polen, Bulgarien und Griechenland mit Deutschland und der
EUKI dazu beitragen?                                                       europäischen Ebene zu organisieren. Da gibt es viele Aha-Erleb-
                                                                           nisse – und viele Momente, in denen Menschen erkennen, wie
      Bei der EUKI geht es nicht nur darum, eine Vielzahl von effektiven   nah sie einander bei ihren Herausforderungen sind.
      Klimaschutzprojekten zu fördern. Vielmehr wird die EUKI von
      der Idee getragen, auch ein Netzwerk zwischen den Projekten
      aufzubauen. Wir fordern von jedem Projektträger, das aktiv mit-
      zudenken. Das Netzwerk verbindet eine Vielzahl – bereits über
      140 – ganz unterschiedlicher staatlicher, kommunaler, zivilgesell-
      schaftlicher, wirtschaftlicher und bildungspolitischer Akteurinnen
      und Akteure im Bereich des Klimaschutzes. Diese Leute sind
      richtig neugierig aufeinander und haben sich viel zu sagen! Für
      den Zusammenhalt in Europa brauchen wir diese persönlichen
      Kontakte und Freundschaften über Ländergrenzen hinweg.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen im
europäischen Klimaschutz?

      Wir befinden uns gerade in einer entscheidenden Phase. Nach
      Jahren der Stagnation beim weltweiten Treibhausgasausstoß
      sieht es so aus, dass er im Jahr 2018 wieder deutlich gestiegen
      ist. Auch in der EU sind die Emissionen zuletzt gestiegen. Ein
      Grund dafür ist, dass wir zwar gut sind beim Aufbau neuer,
      klimafreundlicher Technologien. Aber wir sind noch nicht gut
                                                                           SVENJA SCHULZE
      genug, wenn es darum geht, den Abschied von den alten, fos-          BUNDESMINISTERIN FÜR UMWELT, NATURSCHUTZ
      silen Technologien zu organisieren. Es geht um Menschen, um          UND NUKLEARE SICHERHEIT
      Regionen und darum, dass gutes Neues entsteht und der soziale
      Zusammenhalt nicht leidet, sondern wächst. Ich bin überzeugt,
      diese Aufgabe können wir in Europa gemeinsam meistern.
                                                                                                                                                5
Das Klima schützen, Europa stärken - Die Europäische Klimaschutzinitiative (EUKI) des Bundesumweltministeriums
ÜBER DIE EUKI
                                              BRÜCKEN BAUEN FÜR DEN KLIMASCHUTZ

    Klimaschutz kennt keine Grenzen – der europäische Gedanke                Darüber werden innovative und effektive Ansätze von gemeinnützigen
    „In Vielfalt geeint“ lässt sich in diesem Bereich besonders gut in die   Organisationen unterstützt, die den europäischen Gedanken des Mit-
    Praxis umsetzen. Denn es braucht rasches, entschiedenes Handeln in       einanders mit konkreten Aktivitäten für den Klimaschutz verbinden.
    Partnerschaft, um dem Klimawandel und seinen Folgen zu begegnen.
                                                                             EUKI – ein leuchtendes Beispiel für europäischen
    Voraussetzung dafür ist es, mehr Wissen und Bewusstsein für den          Zusammenhalt
    Klimawandel zu schaffen und Antworten auf folgende Fragen zu
    bieten: Was bedeutet der Klimawandel für uns und warum ist es so         Europa und der Klimaschutz – das gehört seit langem zusammen.
    wichtig, jetzt zu handeln? Wo liegen bei allen Herausforderungen auch    Es war ein Europäer, der Schwede Svante Arrhenius, der im Jahr
    Chancen in der Entwicklung? Und was können wir konkret tun, um           1896 erstmals den Bezug zwischen menschlichem Handeln und der
    Treibhausgasemissionen zu mindern? Die EUKI fördert neue Ideen und       Erd­erwärmung herstellte. Über hundert Jahre später nahm die Europäi-
    Ansätze, mit denen diese Probleme auf lokaler Ebene mit konkreten        sche Union den Klimaschutz mit dem Vertrag von Lissabon formell in
    Maßnahmen gelöst werden können. Zugleich will die Initiative aber        ihren Rechtsbestand auf. Seitdem hat sich viel getan. Institutionen wie
    auch bereits bestehende gute Praktiken nutzbar machen. Mit diesem        die Europäische Umweltagentur setzen sich zentral mit dem Klima-
    Ziel vernetzt sie Akteurinnen und Akteure in Europa, die gegenseitig     wandel auseinander. Mit dem Europäischen Emissionshandel wurde
    von ihren Erfahrungen lernen und profitieren können. Und nicht zuletzt   die Basis für eine Bepreisung von Treibhausgasen gelegt. Und nicht
    geht es darum, Zugang zu den verschiedenen europäischen Förder-          zuletzt hat die Union durch ihr Engagement in den internationalen
    quellen zu ermöglichen, die für den Klimaschutz bereitstehen.            Klimaverhandlungen dazu beigetragen, dass mit dem Übereinkommen
                                                                             von Paris global beschlossen wurde, die Erderwärmung auf deutlich
    Bei der Suche nach zukunftsweisenden Projekten geht die EUKI neue        unter 2 Grad Celsius, möglichst unter 1,5 Grad Celsius, zu begrenzen.
    Wege. Neben den klassischen Ausschreibungen zur Umsetzung be-
    stimmter Vorhaben wurde ein europaweiter Ideenwettbewerb initiiert.
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D I E E U K I V E R N E T Z T LO K A L E A K T E U R I N N E N U N D A K T E U R E I N E U R O PA, F Ö R D E RT D E N
            G E G E N S E I T I G E N W I S S E N S A U S TA U S C H U N D L E G T S O D I E G R U N D L A G E F Ü R E I N E ­
                                   G E M E I N S A M E, Z U K U N F T S FÄ H I G E K L I M A P O L I T I K.

Für das Jahr 2030 hat sich die EU ehrgeizige Klimaziele gesetzt:        Regionen im Baltikum zur Wiedervernässung von Mooren austau-
Die Treibhausgasemissionen sollen um mindestens 40 Prozent im           schen und sorgen so langfristig für deutliche Emissionseinsparun-
Vergleich zu 1990 gesenkt werden. Der Energieverbrauch für Strom,       gen. An erfolgreichen Klimaschutzprojekten lässt sich zeigen, dass
Wärme und Verkehr soll 2030 zu mindestens 32 Prozent aus erneuer-       sie sowohl langfristig Arbeitsplätze schaffen und sichern als auch die
baren Energien gedeckt werden. Zudem soll durch Energieeinsparung       Lebensqualität der Menschen steigern.
und Effizienz der Energieverbrauch insgesamt um mindestens ­
32,5 Prozent reduziert werden. Funktionieren kann das nur, wenn alle    Regionen und Kommunen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen
mitziehen, über entsprechendes Know-how verfügen und mit ausrei-        und zivilgesellschaftliche Organisationen europaweit sind gefragt.
chend Ressourcen ausgestattet sind. Genau hier setzen die Projekte      Sie alle können gemeinsame Projektideen bei der EUKI einreichen und
der EUKI an – indem sie zum Beispiel die energetische Sanierung von     damit den Klimaschutz in Feldern wie Energie, Industrie, Verkehr oder
Gebäuden in Rumänien und Bulgarien anstoßen, junge Arbeitnehmer         Landwirtschaft ganz praktisch voranbringen.
in Griechenland zu Energiescouts ausbilden oder Regierungen dabei
unterstützen, Finanzierungspläne für den Klimaschutz zu erstellen.

Die deutsche Energiewende wird international mit großem Interesse
verfolgt. Aber auch in vielen anderen EU-Ländern gibt es vielver-
sprechende Ansätze für eine klimafreundliche Transformation.
Akteurinnen und Akteure, die in ihren Staaten ähnliche Entwicklungen
anstoßen möchten, finden über die EUKI wegweisende Erfolgsbei-
spiele und können sich mit Kollegen aus anderen EU-Mitgliedstaaten
über die konkrete Umsetzung von Maßnahmen austauschen. Durch
EUKI-Erfahrungsaustausch konnten sich beispielsweise verschiedene
                                                                                                                                                 7
ZIELE
                                          M E H R „W I R“ F Ü R D E N K L I M A S C H U T Z

         D A S Ü B E R G E O R D N E T E Z I E L D E R E U K I I S T, D I E Z U S A M M E N A R B E I T I N N E R H A L B D E R

      E U R O PÄ I S C H E N U N I O N Z U F Ö R D E R N, U M D I E T R E I B H A U S G A S E M I S S I O N E N Z U S E N K E N.

        D A B E I KO N Z E N T R I E RT S I C H D I E A R B E I T A U F D R E I A N S ÄT Z E, U M Ö F F E N T L I C H E U N D

    Z I V I LG E S E L L S C H A F T L I C H E A K T E U R I N N E N U N D A K T E U R E B E I M K L I M A S C H U T Z Z U U N T E R-
           S T Ü T Z E N U N D E I N E N T R A N S F O R M AT I V E N WA N D E L I N E U R O PA A N Z U S T O S S E N.

8
BEWUSSTSEIN SCHAFFEN UND WISSEN BÜNDELN
Das Bewusstsein über den Klimawandel und das         nologische Innovationen fördert, neue Märkte für
Wissen über seine Hintergründe ist innerhalb         Investitionen eröffnet und Arbeitsplätze schafft.
der verschiedenen EU-Länder unterschiedlich          In Bildungs- und Weiterbildungsprojekten macht
ausgeprägt. Das gilt auch für das Wissen über die    die EUKI lokale Akteure zu Multiplikatoren für kli-
Chancen, welche der Übergang zu einer nach-          mapolitisches Know-how. Sie fördert den Dialog
haltigen Wirtschaftsweise bietet. Klimaschutz ist    über den Klimawandel und ermöglicht es neuen
nicht nur ökologisch unverzichtbar, sondern stärkt   Akteurinnen und Akteuren, eine aktive Rolle im
auch den Industriestandort Europa, indem er tech-    europaweiten Wissensaustausch zu übernehmen.

NETZWERKE BILDEN UND ERFOLGSMODELLE AUSTAUSCHEN
Voraussetzung für ein gemeinsames, entschlos-        als auch nichtstaatlichen Organisationen, ihre
senes Handeln in Europa ist es, Perspektiven und     Erfahrungen und gute Praktiken auszutauschen
Rahmenbedingungen anderer Länder zu verste-          und voneinander zu lernen. Auf dieser Basis
hen. Dialog und Austausch bilden die Grundlage       entwickeln sie lokale und regionale Ansätze
für gemeinsame Lösungsstrategien. Die EUKI           zum Klimaschutz, testen diese in Pilotprojekten
unterstützt Akteurinnen und Akteure, die sich        und verbreiten erfolgreiche Ansätze in weiteren
für den Klimaschutz einsetzen, dabei, sich in        europäischen Ländern.
Europa zu vernetzen. Das hilft sowohl staatlichen

KAPAZITÄTEN AUFBAUEN UND BRÜCKEN ZUR EU-FÖRDERUNG SCHLAGEN
Fachwissen zu Zielen, Methoden und Instrumen-        Eine erfolgreiche Klimaschutzstrategie oder
ten der europäischen Klimapolitik sowie Kompe-       -maßnahme ist häufig mit Investitionen in eine
tenzen für ein erfolgreiches Projektmanagement       treibhausgasneutrale Gesellschaft und Wirtschaft
sind zentrale Voraussetzungen für den Erfolg im      verbunden. Solche übergreifenden Maßnahmen zu
Klimaschutz. Mithilfe des breiten Trainingspro-      finanzieren, übersteigt die Möglichkeiten der EUKI.
gramms der EUKI Academy leistet die Europäi-         Hierfür kommen größere Förderprogramme infrage,
sche Klimaschutzinitiative auch in diesem Sinne      insbesondere der EU. Deshalb unterstützt die EUKI
einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Kompe-      vor allem kleinere Organisationen dabei, weitere
tenzen derjenigen, die die Projekte umsetzen.        Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen.

                                                                                                           9
ARBEITSWEISE
                                        ZWEI SÄULEN FÜR GRENZÜBERSCHREITENDE IDEEN

                          DIE EUROPÄISCHE KLIM ASCHUTZINITI ATIVE RUHT AUF ZWEI SÄULEN –

      DER PROJEKTFIN ANZIERUNG AUF DER EINEN UND DER EUKI ACADEMY AUF DER ANDEREN SEITE.

     Die erste Säule ist die Projektfinanzierung, die auf zwei verschiedenen     Das EUKI-Sekretariat
     Wegen erfolgt: Zum einen werden herausragende Projektideen aus einem
     Ideenwettbewerb durch die EUKI ausgewählt und finanziell bezuschusst.       Um die vielfältigen Aufgaben der EUKI umzusetzen, hat das Bundes-
     Zum anderen werden durch das Bundesumweltministerium solche Vorha-          umweltministerium die Deutsche Gesellschaft für Internationale
     ben ausgeschrieben und finanziert, die für die Klimapolitik der Bundesre-   Zusammenarbeit (GIZ) GmbH beauftragt, das Sekretariat der EUKI
     gierung und der EU-Partnerländer von besonderer Bedeutung sind.             einzurichten. Unter der Leitung von Stefan Bundscherer arbeiten
                                                                                 Expertinnen und Experten in den Bereichen Klimaschutz, Finanz- und
     Die zweite Säule, die EUKI Academy, richtet sich an Organisationen, die     Rechnungswesen sowie Öffentlichkeitsarbeit für die EUKI. Gemeinsam
     Projekte im Rahmen der EUKI umsetzen. Sie bietet eine breite Palette an     richten die drei Teams den Ideenwettbewerb aus, betreuen die hieraus
     Webinaren und Präsenzveranstaltungen zur fachlichen und methodischen        ausgewählten Projekte und koordinieren die Aktivitäten der EUKI
     Weiterbildung. Gleichzeitig stärkt sie den Erfahrungsaustausch unter den    Academy.
     EUKI-Projektverantwortlichen und schafft neue Kontakte und Synergien.
     Somit fördert die EUKI nicht nur gute Ideen für einen engagierten Klima-
     schutz, sondern etabliert auch ein lebendiges, starkes und schnell wach-
     sendes Netzwerk in Europa. Dies trägt dazu bei, die Wirkung der Projekte
     über ihren lokalen Kontext hinaus zu vervielfachen.

     Das EUKI-Team im BMU-Referat IK II 5                                        Das Team des EUKI-Sekretariats
10
Projektfinanzierung
                                                                        Die EUKI veröffentlicht den Aufruf für den Ideenwettbewerb jährlich, in
S O K A N N M A N S I C H F Ü R E I N E P R O J E K T‑                  der Regel im Frühjahr. Projektstart ist im Herbst.
FINANZIERUNG BEWERBEN
                                                                        Ausschreibungen des Bundesumweltministeriums

Es gibt zwei Wege, um finanzielle Zuschüsse oder Aufträge im            Das BMU finanziert im Rahmen der EUKI mithilfe von Ausschreibun-
Rahmen der EUKI zu erhalten: Im Rahmen des jährlichen EU-weiten         gen ausgewählte Projekte und Studien. Sie sollen dazu beitragen,
Ideenwettbewerbs werden Organisationen mit zukunftsweisenden            Vereinbarungen mit EU-Partnerländern und klimapolitische Ziele der
Ideen für den europäischen Klimaschutz ausgewählt. Darüber finan-       deutschen Bundesregierung in Europa unmittelbar umzusetzen. Die
ziert das Bundesumweltministerium bestimmte Projekte, die vorab         Konzeptentwicklung für diese Vorhaben findet im deutschen Umwelt-
definierte klimapolitische Ziele verfolgen.                             ministerium und in Absprache mit den jeweiligen Partnerländern im
                                                                        Rahmen bilateraler Initiativen statt.
Der Ideenwettbewerb
                                                                        Außerdem vergibt das Ministerium in diesem Rahmen Aufträge zur
Der Ideenwettbewerb ist das Herzstück der EUKI und die treibende        wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation der EUKI sowie zur
Kraft für innovative Ideen im europäischen Klimaschutz. Auf den jähr-   Beratung des BMU in Fragen der EU-Klimapolitik. Anders als beim
lichen offenen Aufruf hin können sich Nichtregierungsorganisationen,    Ideenwettbewerb können über die Ausschreibungen auch nicht­
Behörden und gemeinnützige Unternehmen sowie Wissenschafts- und         gemeinnützige Organisationen gefördert werden.
Bildungseinrichtungen um Zuschüsse für ihre Projektideen bewer-
ben. Gesucht werden Projekte, in denen Partner aus zwei oder mehr
EU-Ländern zusammenarbeiten. Die EUKI fördert den größten Teil ihrer      KONTAKT:
Projekte über den Ideenwettbewerb.                                        Finanzierungsprogramm Europäische Klimaschutzinitiative (EUKI)
                                                                          Deutsche Gesellschaft für Internationale
Das Auswahlverfahren erfolgt in zwei Runden: Zuerst reichen die           Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Bewerberinnen und Bewerber über eine Online-Plattform auf der             Potsdamer Platz 10
EUKI-Website ihre Projektskizzen ein. Das EUKI-Sekretariat bewertet       10785 Berlin, Deutschland
sie anhand von Kriterien, die vorher veröffentlicht wurden. All jene
mit aussichtsreichen Projekten werden dann aufgefordert, vollstän-        E-Mail: info@euki.de
dige Projektvorschläge zu entwickeln und vorzulegen. Daraus wählt         Website: www.euki.de
das Sekretariat in einer zweiten Runde die besten Vorhaben für die        Twitter: twitter.com/EUKI_Climate
Finanzierung aus.
                                                                                                                                                  11
EUKI Academy
     F Ü R E I N E S TA R K E E U R O PÄ I S C H E
     KLIMASCHUTZGEMEINSCHAFT
                                                                            Vermittlung von Wissen und Kompetenzen

     Die zweite Säule der EUKI ist neben der Projektfinanzierung die        Alle, die an einem EUKI-Projekt arbeiten, sollen miteinander und vonein-
     EUKI Academy. Hier tauschen alle, die mit Projekten befasst sind,      ander lernen. Dafür eignen sich besonders die regelmäßigen Webinare
     Wissen und Erfahrungen aus und nehmen an Schulungen zu Heraus-         zu Schwerpunktthemen wie Strukturwandel, Klimaschutzfinanzierung
     forderungen und Lösungswegen im Klimaschutz teil. So entsteht eine     oder Entwicklung der Klimapolitik in der EU. Die Webinare werden von
     enge Community von engagierten Expertinnen und Experten im Klima-      den Projektverantwortlichen selbst gestaltet. Neben diesem Onlineange-
     schutz über Fach- und Ländergrenzen hinweg.                            bot gibt es Präsenzveranstaltungen, in denen ausgewählte Trainer und
                                                                            Experteninnen methodische Kompetenzen vermitteln. Beispielsweise
                                                                            gibt es Trainings und mehrtägige Workshops zum Projektmanagement
                                                                            oder zu Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

                                                                               Webinare
                                                                               » vermitteln Fachkompetenz

                                                                               Präsenzveranstaltungen
                                                                               » vermitteln Methodenkompetenz

                FACHKOMPETENZ
                Vermittlung von Wissen
          und Kompetenz zu Instrumenten der
              EU-Klima- und Energiepolitik          METHODENKOMPETENZ
                 (EU/global, sektoral)                   · Akteursmanagement
              und ihrer Implementierung                  · Prozessmanagement
                                                     · strategische Kommunikation
                                                        · Netzwerkmanagement
                                                         · Projektmanagement

12
EUKI Community – ein starkes Netzwerk für den                            Europaweite Verbreitung von Wissen über die Chancen
Klimaschutz                                                              des Klimaschutzes

Gemeinsam können Akteurinnen und Akteure im europäischen Klima-          Die zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit der EUKI verbreitet Wissen und
schutz mehr erreichen und von ihren Erfahrungen lernen. Deshalb          gute Beispiele zu erfolgreicher Emissionsminderung in Europa. Alle,
arbeiten alle Beteiligten an EUKI-Projekten mit ähnlichem Thema oder     die sich für Klimaschutz interessieren und engagieren, erhalten einen
gleicher Region zusammen. Dadurch ist eine EUKI Community ent-           einfachen Zugang zu wichtigen Informationen für ihre Arbeit. Dazu
standen, die aus mehr als 140 Organisationen sowie den engagierten       gehören auch zahlreiche Fachpublikationen über innovative Lösungs-
Personen hinter den Projekten besteht. Der jährliche Höhepunkt ist die   ansätze zur europaweiten Minderung von Emissionen. Menschen aus
EUKI-Vernetzungskonferenz in Berlin, zu der alle Beteiligten eingela-    ganz Europa greifen regelmäßig auf das Angebot der Website
den sind.                                                                www.euki.de zu und folgen dem Twitteraccount        @EUKI_Climate

                                                                         Zweisprachige Website
Vernetzungskonferenz                                                     » informiert auf Englisch und Deutsch über den Ideenwettbewerb,
» findet jährlich im Frühjahr in Berlin statt                              die EUKI-Projekte, Veranstaltungen und News

Thematische und dezentrale Vernetzung                                    Newsletter
» ermöglicht aktiven Austausch zwischen Projekten, die an ähnlichen      » bietet Aktuelles rund um den Klimaschutz in Europa
  Themen arbeiten oder im gleichen Land oder der gleichen Region
  tätig sind                                                             Printpublikationen
                                                                         » können über die Website heruntergeladen oder gedruckt (EUKI-Flyer
Vernetzungstools                                                           und Broschüre) über das EUKI-Sekretariat bestellt werden
» dienen der virtuellen Vernetzung der EUKI Community
  (EUKI-Website)                                                         EUKI-Film
                                                                         » informiert kurz und anschaulich über die Ziele und Wirkungsweise
                                                                           der EUKI und ihrer Projekte

                                                                         Social Media
    www.euki.de |       @EUKI_Climate                                    » ermöglicht über den Twitter-Kanal der EUKI die direkte Interaktion
                                                                           mit der EUKI Community

                                                                                                                                                   13
EUKI MEILENSTEINE

                                                     MEILENSTEINE

         11.2016
         Bundestag beschließt
         Finanzierung der EUKI
                                                                                05.2017
         Erstmalig hat der Haushaltsaus-                                        Eröffnung des EUKI-
         schuss des Deutschen Bundestages                                       Sekretariats in Berlin
         Mittel für eine Europäische Klima-
         schutzinitiative in den Bundeshaus-                                    Das EUKI-Sekretariat öffnet in den
         halt 2017 eingestellt. Mit der EUKI                                    Räumen der Deutschen Gesellschaft
         ruft die Bundesregierung neben der                                     für Internationale Zusammenarbeit
         bereits bestehenden Nationalen Kli-                                    (GIZ) GmbH am Potsdamer Platz
         maschutzinitiative (NKI) sowie der                                     in Berlin seine Türen. 22 Projekte
         Internationalen Klimaschutzinitiati-                                   bekommen eine Finanzierungszusa-
         ve (IKI) ein Finanzierungsprogramm                                     ge. Weitere Projekte kommen durch
         zur Umsetzung des Paris-Abkom-                                         Zuwendungen und Ausschreibungen
         mens in Europa ins Leben.                                              des BMU dazu.

          2016                                  2017                                     2017                            2017                      2

                                                04.2017                                                     09.2017
                                                Erster Ideenwettbewerb                                      EUKI-Projekte beginnen
                                                trifft auf große Resonanz                                   ihre Arbeit
                                                Die EUKI schreibt erstmals einen                            Startschuss für die ersten EUKI-Pro-
                                                Ideenwettbewerb aus. Organisa-                              jekte aus dem Ideenwettbewerb. Mit
                                                tionen aus 16 europäischen Ländern                          dabei sind Organisationen und Part-
                                                reichen 67 Projektvorschläge ein,                           ner aus 18 Ländern. Die Bandbreite
                                                bei denen Akteurinnen und Akteure                           der Projekte reicht vom Austausch
                                                aus zwei oder mehreren Ländern                              zu einem sozialverträglichen Struk-
                                                zu unterschiedlichen Themenberei-                           turwandel in europäischen Kohlere-
                                                chen zusammenarbeiten. Mit dem                              gionen über die Wiedervernässung
                                                Ideenwettbewerb etabliert die EUKI                          von Mooren in Osteuropa bis zu Kli-
                                                ihr zentrales Instrument der Projekt-                       maschutzprojekten in griechischen
                                                finanzierung für bi- und multilaterale                      Schulen. Die meisten Projekte sind
                                                Projekte im europäischen Klima-                             in Polen, Bulgarien, Rumänien und
                                                schutz.                                                     Griechenland sowie den baltischen
                                                                                                            Staaten beheimatet.

14
02.2018
                                                     08.2018
       Erste Vernetzungskonferenz
       in Berlin                                     Start der EUKI Academy
       Zum ersten Mal trifft sich die EUKI           Die EUKI Academy startet mit einem
       Community in Berlin. Über 80 Teil-            Webinar für alle Mitarbeitende von
       nehmende stellen ihre Projekte vor            EUKI-Projekten. Thema: Die Klima-
       und vernetzen sich untereinander.             politik in der Europäischen Union,
       Gemeinsam erörtern sie die spezifi-           mit einem Sonderbeitrag zur Klima-
       schen Anforderungen ihrer Themen-             politik in Polen. 50 Teilnehmende
       gebiete und tauschen ihr Wissen               aus ganz Europa werden über die
       und ihre Erfahrungen zu den best-             Ziele der EU und die nationale Um-
       möglichen Lösungsansätzen aus.                setzung in Polen informiert. Ein
       Bundesumweltministerin Dr. Barba-             zweites Webinar zu Herausforde-
       ra Hendricks und die stellvertreten-          rungen und Lösungsansätzen beim
       de bulgarische Umweltministerin               Strukturwandel in Kohleregionen
       Atanaska Nikolova würdigen das En-            im Oktober zeigt, wie wichtig es
       gagement der EUKI-Projekte und be-            ist, voneinander zu lernen. Beispiel
       tonen die herausragende Bedeutung             dafür sind Regionen in Polen, Grie-
       der europäischen Zusammenarbeit               chenland, Bulgarien, Deutschland
       für den Klimaschutz.                          und auf EU-Ebene.

2017            2018                          2018             2018                                  2018

       02.2018                                                     09.2018
       Zweiter Ideenwettbewerb                                     Projekte des zweiten Ideen-
       veröffentlicht                                              wettbewerbs starten
       Die EUKI veröffentlicht den Aufruf                          Mit den Zusagen zur Finanzierung
       für den zweiten Ideenwettbewerb.                            aus der zweiten Phase ermöglicht die
       85 eingereichte Projektskizzen aus                          EUKI bereits 64 Projekte mit 140 Part-
       insgesamt 18 Mitgliedstaaten be-                            nerorganisationen. Mit einem Projekt
       legen: Die EUKI ist angekommen in                           auf Zypern vergrößert sich die Land-
       Europa und eine gute Adresse für                            karte der EUKI Community um ein wei-
       Akteure, die den Klimaschutz ge-                            teres EU-Land. In dieser Runde wer-
       meinsam voranbringen wollen.                                den nun auch Projekte bezuschusst,
                                                                   die sich damit auseinandersetzen, wie
                                                                   Investitionen in Europa gezielt in den
                                                                   Klimaschutz fließen können.
                                                                   Gleichzeitig startet auch das vom
                                                                   BMU ausgeschriebene Vorhaben
                                                                   BEACON („Leuchtturm“) mit der Ver-
                                                                   netzung von Politik, Kommunen und
                                                                   Bildungsträgern in sieben Ländern.
                                                                                                            15
THEMEN UND PROJEKTE
                  E U R O PAW E I T A K T I V F Ü R D E N K L I M A S C H U T Z

     37 LITAUISCHE ENERGIEEXPERTINNEN UND -EXPERTEN AUS 17 GEMEINDEN
        ZU QUARTIERSMANAGERINNEN UND -MANAGERN WEITERGEBILDET

       STRATEGIEN FÜR EINEN SOZIALVERTRÄGLICHEN STRUKTURWANDEL
        IN DEN KOHLEREGIONEN OBERSCHLESIEN (POLEN) UND BOBOV DOL
                              (BULGARIEN) ENTWICKELT

      ÜBER 100 GEMEINDEN AUS EUROPA VERNETZT UND DABEI ZAHLREICHE
      KLIMAPARTNERSCHAFTEN GEGRÜNDET, ZUM BEISPIEL UM EIN DEUTSCH-
        FRANZÖSISCHES ESCAPE GAME ZUM THEMA „ANPASSUNG AN DEN
        KLIMAWANDEL“ ZU ENTWICKELN ODER UM GEMEINSAM MITTEL FÜR
        KONKRETE KLIMASCHUTZ- UND ENERGIEPROJEKTE ZU AKQUIRIEREN

          200 LEHRERINNEN UND LEHRER IN 71 SCHULEN IN ATHEN FÜR
         DEN KLIMASCHUTZUNTERRICHT WEITERGEBILDET SOWIE ÜBER
         150 LEHRKRÄFTE IN TSCHECHIEN, RUMÄNIEN UND BULGARIEN IN
         FORTBILDUNGEN QUALIFIZIERT UND IN PARTNERSCHAFTEN ZUM
                           KLIMASCHUTZ EINGEBUNDEN

     101 ENERGY SCOUTS AUS 41 UNTERNEHMEN IN 4 LÄNDERN QUALIFIZIERT

16
2.497 EICHEN VON 2.497 GRUNDSCHULKINDERN IN SIZILIEN GEPFLANZT
     UND DIESE FÜR DIE BEDEUTUNG VON GESUNDEN WÄLDERN FÜR DEN
                               KLIMASCHUTZ SENSIBILISIERT,
            IN 40 JAHREN BINDEN DIESE EICHEN RUND 600.000 KG CO2

 STRATEGIE ZUR MODERNISIERUNG DES POLNISCHEN HEIZUNGSSEKTORS
                                             ENTWICKELT

14 JOURNALISTINNEN UND JOURNALISTEN AUS MITTEL- UND OSTEUROPA
BERICHTEN ÜBER HERAUSFORDERUNGEN UND HANDLUNGSANSÄTZE BEIM
            KLIMASCHUTZ, GEFÖRDERT DURCH STIPENDIEN DER EUKI

           NETZWERK FORTSCHRITTLICHER GEMEINDEN FÜR LOKALEN
    KLIMASCHUTZ IN DEN ALPEN (ALPINE PARTNERSCHAFT FÜR LOKALE
                        KLIMAAKTIONEN – ALPACA) GEGRÜNDET

BEDEUTUNG DER ZIVILGESELLSCHAFT AUF DER 24. WELTKLIMAKONFERENZ
 UNTERSTRICHEN DURCH ÜBER 10 VERANSTALTUNGEN MIT BETEILIGUNG
                                      VON EUKI-PROJEKTEN

Auf den kommenden Seiten werden alle Projekte des EUKI-Ideenwettbewerbs
vorgestellt sowie ausgewählte ­EUKI-Projekte aus Ausschreibungen und
­Zuwendungen des BMU.                                                     17
THEMEN UND PROJEKTE

                                                               KLIMAPOLITIK

                                      CLIMATE RECON 2050 – EU-interner Austausch
                                      zur Bewusstseinsbildung und zum Aufbau von
                                      Kapazitäten für langfristige Klimastrategien
              DEUTSCHLAND             Laufzeit: November 2017–Juni 2019
                                      Durchführende und Partner: Ecologic Institut, négaWatt, DTU Management Engineering, ENEA, Energiaklub,
                     ESTLAND          Fraunhofer-ISI, IDDRI, Öko-Institut, WiseEuropa

                FRANKREICH

                                      Die Abkürzung Recon im Titel Ihres Projekts steht für „Reconnaissance“ (englisch für Erkundung).
                       I TA L I E N
                                      Was hat es damit auf sich?
                        POLEN         Voss-Stemping: Wir wollten das explorative Element zum Ausdruck bringen. Ziel ist es, bis 2050 alle Wirtschafts-
                                      sektoren zu dekarbonisieren. Doch dafür gibt es keine fertigen Antworten. Bisherige Strategien und Maßnahmen
                TSCHECHIEN            müssen gestärkt beziehungsweise noch ausgekundschaftet werden, insbesondere im Landwirtschafts- und
                                      Transportsektor, um das Dekarbonisierungsziel in 2050 zu erreichen. Wenn man allerdings bedenkt, dass wir eine
                    INTERVIEW         Transformation des Energiesystems und damit einhergehenden strukturellen Wandel benötigen, müssen wir heute
           Judith Voss-Stemping,      die richtigen Fragen stellen. 2050 hat in diesem Sinn schon begonnen.
                Research Fellow,
            International Climate     Bis zum 1. Januar 2020 müssen alle Mitgliedstaaten langfristige Klimaschutzpläne erstellen. Wie können Sie sie
           Governance bei IDDRI,      dabei unterstützen?
                              und     Duwe: Wir bringen zwei Gruppen zusammen. Zum einen Forschende, die mit Computer-Modellen simulieren, was in
                 Matthias Duwe,       den einzelnen Sektoren passieren muss, um die für 2050 angestrebten Ziele zu erreichen. Zum anderen politische
     Teamleiter Klimaschutz beim      Entscheidungsträgerinnen und -träger, die konkrete Strategien für ihre Länder entwickeln müssen. Manche Staaten
                Ecologic Institut     haben schon Klimaschutzpläne aufgestellt, andere noch nicht. Der Bedarf für Erfahrungsaustausch ist hoch. Wir
                                      geben allen, die entscheiden, Instrumente für eine langfristige Klimapolitik an die Hand.

                                      Wo sehen Sie die Stärke der EUKI?
                                      Duwe: Bisher gab es im europäischen Klimaschutz in erster Linie Fördermöglichkeiten für konkrete Investitionen
                                      oder Aufträge, die vergeben wurden – nicht aber für innovative Ideen, die von den Akteurinnen und Akteuren selbst
                                      entwickelt werden. Auch für Dialogforen, Vernetzung oder Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung der innereuropäi-
                                      schen Zusammenarbeit gab es kaum Spielraum. Hier schließt die EUKI eine wichtige Lücke.

                                      Voss-Stemping: Eine spezifische Stärke unseres Projektes liegt zudem in der Diversität der Länder, die wir an
                                      einen Tisch bringen. Durch die explizite Einbeziehung ost- wie auch westeuropäischer Mitgliedstaaten fördern wir
                                      den Dialog, aber auch das Verständnis für landesspezifische Herausforderungen und Belange. Dabei wird deutlich,
                                      dass trotz ihrer Unterschiede letztlich alle EU-Länder ähnliche Herausforderungen lösen müssen, wie zum Beispiel
                                      die Sammlung regionaler Daten oder die Durchführung inklusiver Stakeholderveranstaltungen. Diese Erkenntnis ist
                                      für viele Länder neu und stärkt das europäische Zusammengehörigkeitsgefühl.
18
Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, die             greifende Klimapolitik erreichen – das          ländern und der Brüsseler Ebene. Andere
Treibhausgasemissionen bis 2030 um                heißt mit Strategien und Lösungen für           setzen darauf, bereits vorhandene erfolg-
mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu           den Klimaschutz, die Grenzen zwischen           reiche Klimapolitik in EU-Mitgliedstaaten
senken. Damit leistet sie einen wichtigen         Ländern, Sektoren und Wissensgebieten           und in weiteren Ländern zu verbreiten. Die
Beitrag zum Pariser Klimaschutzabkom-             überschreiten. Die EUKI-Projekte in diesem      EUKI-Projekte zeigen: Die zivilgesellschaft-
men und zum Ziel, die Erderwärmung auf            Themenbereich setzen genau dort an: Sie         lichen Akteurinnen und Akteure in den
deutlich unter 2 Grad zu begrenzen und            bringen Personen aus Politik, Wissenschaft      Mitgliedsländern bringen den Klimaschutz
Anstrengungen zu unternehmen, 1,5 Grad            und Praxis an einen Tisch. Einige Projekte      mit großem Engagement voran und tragen
nicht zu überschreiten. Die ambitionierten        bilden dabei Netzwerke zwischen Akteu-          gleichzeitig zum Zusammenhalt zwischen
Pläne lassen sich nur durch eine über-            rinnen und Akteuren aus den EU-Mitglieds-       den EU-Ländern bei.

Klimapolitik als neues
Markenzeichen der EU
Laufzeit: November 2017–Juni 2019
Durchführende und Partner: Ecologic Institut,
GlobalFocus Center, Sofia Platform
Länder: Estland, Bulgarien, Rumänien
                                                                         Klimapolitik in Mittel- und Osteuropa
Das Projekt trägt dazu bei, die Energie- und Klimapolitik
zu einem zentralen Thema der EU-Reformdebatte zu ma-                     Laufzeit: September 2018–März 2020
chen. Zu diesem Zweck kommen Meinungsführende der                        Durchführende und Partner: WiseEuropa, Climate Analytics,
EU-Reform- und Klimapolitik zusammen. Um die Debatte                     Climate Strategies, EFOR
insbesondere im Umfeld der aktuellen EU-Ratspräsident-                   Länder: Bulgarien, Tschechien, Deutschland, Ungarn, Polen,
schaften in Schwung zu bringen, werden Diskussionen in                   Rumänien, Slowakei
Tallinn, Sofia und Bukarest veranstaltet.
                                                                         Das Projekt stärkt den Austausch über gute Praktiken im Transport- und
                                                                         Gebäudesektor in Mittel- und Osteuropa. Dazu werden herausragende
                                                                         Beispiele in den beteiligten Ländern identifiziert und aufgearbeitet. Die
                                                                         Projektmitarbeitenden ermitteln, bis wann und in welchem Maße die
                                                                         Emissionen in Gebäuden und im Transport sinken müssen, und schla-
                                                                         gen politische Maßnahmen zur Umsetzung vor.

                        Staatliche Beihilfen zur Dekarbonisierung Europas nutzen
                        Laufzeit: November 2017–September 2019
                        Durchführende und Partner: Agora Energiewende, Client Earth
                        Länder: EU-weit

                        Der Einsatz öffentlicher Gelder für Klimaschutzlösungen ist entscheidend für die Energiewende. Bei der Vergabe dieser
                        Mittel sind durch das europäische Beihilferecht aber enge Grenzen gesetzt. Das Projekt bereitet Beihilfeentscheidun-
                        gen der EU-Kommission gut verständlich auf und bietet eine Diskussionsgrundlage für Vertreterinnen und Vertreter von
                        Regierungen, der Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen, wie eine klimafreundliche Mittelvergabe besser mit
                        den Vorschriften der EU in Einklang gebracht werden kann.
                                                                                                                                                     19
THEMEN UND PROJEKTE

                                                                     ENERGIE

                                  Gerechter Strukturwandel
                                  in Ost- und Südeuropa

               B U LG A R I E N   Laufzeit: Oktober 2017–Februar 2020
                                  Durchführende und Partner: WWF Bulgarien, WWF Deutschland, WWF Griechenland, WWF Polen
           DEUTSCHLAND
                                  Worum geht es im Projekt „Gerechter Strukturwandel“?
          GRIECHENLAND            Anczewska: Wir entwickeln Strategien für einen gerechten und sozial verträglichen Übergang von der Kohle-
                                  industrie zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise. Dabei konzentrieren wir uns auf die Vernetzung der Reviere in
                     POLEN
                                  Südwestbulgarien, Griechenland und Polen (Schlesien), die als große Braun- oder Steinkohleregionen besonders
                                  betroffen sind. Gemeinsam erarbeiten wir maßgeschneiderte Übergangspläne und Ansätze für nachhaltiges
                                  Wachstum. Dabei wird auch auf Erfahrungen aus dem Ruhrgebiet aufgebaut, wo der Kohleausstieg umgesetzt
                                  wurde, ohne dass ein einziger Mensch ohne Job dastand. Für uns in Polen war es sehr beeindruckend zu sehen,
                                  dass das Entscheidende in diesem Prozess vor allem eine gute Kommunikation war. Daran arbeiten wir in unserem
                                  Projekt in Schlesien jetzt auch sehr intensiv.

                                  Wie gehen Sie an diese Aufgabe heran?
                                  Anczewska: Zunächst bringen wir die betroffenen Gruppen aus den Regionen zusammen. Man muss erst mal
                                  ins Gespräch kommen und einen Grundkonsens herstellen – über gemeinsame Herausforderungen, Bedürfnisse
                                  und die lokale Politik. Dann beginnen wir mit der Entwicklung konkreter Konzepte für die Regionen. Es herrscht
                                  große Unsicherheit bei den Menschen, die in den Kohlerevieren arbeiten und wohnen. Wir ermutigen sie, selbst
                  INTERVIEW       im Strukturwandel aktiv zu werden und Verantwortung für die lokale Politik zu übernehmen. Indem wir Expertise
            Marta Anczewska,      zur Verfügung stellen, können wir ihnen ökonomische Perspektiven eröffnen und aufzeigen, wo und wie man die
     Climate and Energy Policy    nötige Finanzierung bekommen kann.
      Officer beim WWF Polen
                                  Wie ist die Resonanz, die Sie von den Betroffenen bekommen?
                                  Anczewska: Sehr positiv. Viele Menschen in den betroffenen Regionen fühlten sich bisher alleingelassen oder
                                  machtlos. Wir befähigen Sie, am Prozess teilzuhaben. Bei Studienreisen in andere Länder stellen sie fest, wie ähn-
                                  lich die zu bewältigenden Probleme sind, und treten dann sicherer mit ihren eigenen Forderungen auf. Alle wissen,
                                  dass das Ende der Kohle kommt. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass in der Transformation auch viele Möglich-
                                  keiten stecken, die wir ergreifen müssen. Dabei ist es wichtig, dass der Übergang gemeinsam mit allen Betroffenen
                                  entwickelt und finanziell richtig ausgestattet wird.
20
Die EU will Vorreiterin bei der Erzeugung         Braunkohle, Erdgas und Torf zur Energie-          sowie Ost- und Südosteuropa unterstützen.
erneuerbarer Energien werden. Bis 2030            gewinnung circa drei Viertel der Treibhaus-       Viele EUKI-­Projekte im Bereich Energie
strebt sie an, mindestens 32 Prozent              gasemissionen in der EU verursacht, ist die       setzen in dieser Region an: Sie vernetzen
der Energie für Wärme, Strom und Ver-             Energiewende ein wichtiger und notwendi-          Akteurinnen und Akteure im Energiesektor,
kehr aus erneuerbaren Energiequellen              ger Schritt, um die europäischen Klimaziele       kommunizieren die Vorteile der Energie-
zu produzieren und die Energieeffizienz           zu erreichen. Die EUKI will vor allem die         wende und zeigen an Praxisbeispielen, wie
um mindestens 32,5 Prozent zu steigern.           Energiewende in den wirtschaftlich schwä-         wichtig saubere Energie für Klima, Umwelt
Da die Verbrennung von Erdöl, Stein- und          cheren Staaten in Mittel- und Südeuropa           und Gesundheit ist.

                                                                             Die Energiewende in Mittel- und Ost-
                                                                             europa beschleunigen und von den
                                                                             deutschen Erfahrungen lernen
                                                                             Laufzeit: September 2017–Februar 2020
                                                                             Durchführende und Partner: CEE Bankwatch, E3G, DUH
                                                                             Länder: Bulgarien, Deutschland, Estland, Lettland, Litauen, Polen,
                                                                             Rumänien, Slowakei, Tschechien, Ungarn

                                                                             Das Projekt stärkt die Rolle der Zivilgesellschaft bei der Energiewen-
                                                                             de in Mittel- und Osteuropa. Die Projektpartner unterstützen dabei die
                                                                             Arbeit von Nichtregierungsorganisationen und ihren Austausch mit
                                                                             anderen zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren aus Berlin
                                                                             und Brüssel. Ziel des Projekts ist es, ambitionierte und gleichzeitig
                                                                             sozial gerechte nationale Strategien zur Beschleunigung der Energie-
                                                                             wende zu entwickeln und zu verbreiten.

                                            Dialog zu Klimawandel und Energiepolitik in Estland
                                            Laufzeit: September 2018–November 2020
                                            Durchführende und Partner: ELF, ERL, EELC
                                            Länder: Estland

                                            Estland setzt bei seiner Energieversorgung aktuell stark auf hoch klimaschädlichen Ölschiefer,
                                            hat aber das Potenzial sich bis 2030 aus erneuerbaren Energien versorgen zu können. Das
                                            Projekt zeigt Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und
                                            Gewerkschaften auf, wie die Energiewende sozial verträglich gelingen kann. Expertinnen und
                                            Experten erarbeiten Studien zur Vorbereitung der Energiewende und organisieren einen Dialog,
                                            zu dem alle Beteiligten eingeladen werden.
                                                                                                                                                      21
THEMEN UND PROJEKTE | ENERGIE

                                Aufbau eines Kompetenzzentrums für
                                erneuerbare Energien und Energieeffizienz in
                                der Region Podlachien
                          »
            WIR WOLLEN
           ­V ERMITTELN,
        DASS DIE LOKALE
      ­B EVÖLKERUNG VON
     DEN ERNEUERBAREN
            ­P ROFITIERT.
                          «
             Martin Kastner
               Energievision
            Frankenwald e. V.

           DEUTSCHLAND          Laufzeit: November 2018–Dezember 2020
                                Durchführende und Partner: Energievision Frankenwald, Landkreis Białystok, Landkreis Hajnówka
                    POLEN
                                Im Laufe des Projekts bauen die Partner ein Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien und Energieeffizienz in
                                der ostpolnischen Region Podlachien auf. Damit wird in Zusammenarbeit mit Kommunen und Landkreisen vor Ort
                                eine unabhängige Beratungseinrichtung geschaffen. Langfristig soll das Zentrum dazu beitragen, lokale Kapazitä-
                                ten für den Ausbau erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz aufzubauen und zusätzliche
                                Einnahmequellen für die strukturschwache Region zu erschließen. Darüber hinaus wird sie die Kommunen dabei
                                unterstützen, Fördergelder zu akquirieren.

                                Der deutsche Projektpartner Energievision Frankenwald e. V. berät die polnischen Kommunen zu rechtlichen und
                                organisatorischen Aspekten beim Aufbau des Kompetenzzentrums. Hierbei wird auf guten Erfahrungen aus Bayern
                                aufgebaut. Mit dem neuen Zentrum sollen Gemeinden, Unternehmen und der Bevölkerung wirtschaftliche und an-
                                dere Vorteile vom Ausbau erneuerbarer Energien und von mehr Energieeffizienz vermittelt werden. Die Projektpart-
                                ner wollen dafür einen breiten Unterstützerkreis aus Wirtschaft, Politik und Umweltverbänden gewinnen. Darüber
                                hinaus soll das Pilotprojekt als Vorbild für die mögliche Einrichtung weiterer Energieagenturen in Polen dienen.
22
Internationales Kooperationsforum
                                                                             „Clean Heat“
                                                                             Laufzeit: November 2017–Januar 2020
                                                                             Durchführende: Forum Energii
                                                                             Länder: Deutschland, Polen

                                                                             Das Projekt unterstützt die Entwicklung einer nationalen Wärme-
                                                                             strategie für Polen. Diese soll ermöglichen, dass die Energie- und
                                                                             Klimaziele des Landes eingehalten werden und die Luftqualität
                                                                             verbessert wird. Internationale Expertinnen und Experten und Unter-
                                                                             nehmen erarbeiten gemeinsam ein Konzept zur Verbesserung der
                                                                             Energieeffizienz und zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien
                                                                             im Heizungsbereich.

Ambitionierte Energiegesetzgebung
zur Minderung des Kohleeinsatzes in
privaten Heizanlagen
Laufzeit: September 2018–April 2019
Durchführende: Client Earth
Länder: Bulgarien, Polen, Ungarn

Das Projekt zeigt anhand von Erfolgsbeispielen in einer Reihe von
polnischen Gemeinden, wie über die Nutzung des Ordnungsrechts Ge-
meinden die klimaschädliche Kohle- und Müllverfeuerung schrittweise
aus Wohngebäuden verbannen können. Durch die Einbindung von bul-
garischen und ungarischen Experten soll das Modell schließlich auch
auf andere mittel- ­­und osteuropäische Länder übertragen werden.

                                                InventAir – Bestandsaufnahme zur Energiearmut
                                                und Unterstützung der Luftreinhaltung in Osteuropa
                                                Laufzeit: September 2018–April 2019
                                                Durchführende und Partner: EAP, Focus, DUH
                                                Länder: Bulgarien, Deutschland, Slowenien

                                                Einkommensschwache Haushalte sind in einigen Regionen noch immer auf überalterte Kohle-
                                                oder Holzheizungen angewiesen und tragen so ungewollt zur Klimabelastung und Luftver-
                                                schmutzung bei. Hier setzt InventAir an: Das Projekt erfasst den Einfluss dieser Haushalte auf
                                                Umwelt und Klima und schärft das öffentliche Bewusstsein dafür, wie wichtig die Modernisie-
                                                rung von Heizanlagen ist. Zudem entwickelt es Politikansätze, um sozial verträgliche, zukunfts-
                                                fähige Lösungen zu finden.
                                                                                                                                                   23
THEMEN UND PROJEKTE | ENERGIE

                                Krk auf dem Weg zur CO2-neutralen
                                und energieautarken Insel
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      100 PHOTOVOLTAIK‑
        ANLAGEN IN DEN
       KOMMENDEN ZWEI
        JAHREN, DAS IST
              DAS ZIEL.
                          «
              Vjeran Pirsic
               Eko Kvarner

               K R O AT I E N   Laufzeit: September 2018–März 2021
                                Durchführende und Partner: Eko Kvarner, Stadtverwaltung Krk, EARA

                                Das Projekt ist Teil einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie der Insel Krk. Die Inselverwaltung hat sich zum
                                Ziel gesetzt, ihre Region energieautark zu machen und die Energieversorgung mit erneuerbaren Energien zu ge-
                                währleisten. Im Rahmen des Projekts wird ein dauerhaftes Informationsbüro eingerichtet, das Bürgerinnen und
                                Bürger zukünftig zu Solaranlagen beraten wird. Zudem bildet das Projekt interessierte Menschen auf Krk darin aus,
                                Solaranlagen zu installieren. Die Maßnahmen unterstützen das Vorhaben der Inselverwaltung, einhundert neue
                                Photovoltaikanlagen auf Dächern von Privathäusern zu installieren.

                                Im Rahmen des Projekts wird den Menschen auf KrK zudem vermittelt, wie Einnahmen aus Tourismus, Olivenölpro-
                                duktion und Weinanbau nachhaltig investiert werden können. Wer ein Haus besitzt, ist in der Lage, mit den Photo-
                                voltaikanlagen warmes Wasser und Elektrizität kosteneffizient und klimafreundlich aus Sonnenergie zu erzeugen.
                                Darüber hinaus unterstützen die Projektpartner Interessenten dabei, bei der Installation der Anlagen Asbest aus
                                den Dächern zu entfernen. Das Know-how dazu stellen Expertinnen und Experten der „European Asbestos Risks
                                Association“ aus Triest in Italien zur Verfügung.
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Ausweitung des deutschen Bürgerenergie-
                  konzepts auf weitere Regionen in Europa
                  Laufzeit: September 2018–Dezember 2020
                  Durchführende und Partner: Friends of the Earth Europe, Spanien, Ungarn
                  Länder: Spanien, Ungarn

                  Bisherige Erfahrungen zeigen, dass Bürgerbeteiligung zum Erfolg der Energie-
                  wende in europäischen Ländern beiträgt. Das neue EU-Gesetzespaket „Saubere
                  Energie“ räumt Bürgerinnen und Bürgern das Recht ein, erneuerbare Energien
                  zu erzeugen, zu verkaufen und zu speichern. Das Projekt unterstützt die Um-
                  setzung des Gesetzes in Ungarn und Spanien und trägt so dazu bei, eine durch
                  die Zivilgesellschaft gestützte Energiewende in beiden Ländern anzukurbeln.

                                         Stärkung von Regional- und Stadtverwaltungen
                                         zum Aufbau von Energiegemeinschaften
                                         Laufzeit: September 2018–Februar 2021
                                         Durchführende und Partner: CRES, DGRV
                                         Länder: Deutschland, Griechenland

                                         Ein neues Gesetz gibt griechischen Gemeinden das Recht, eigene Energie aus
                                         erneuerbaren Energiequellen zu erzeugen, zu speichern und bereitzustellen. Das
                                         Projekt stellt Kommunen in Griechenland Wissen und Expertise zur Verfügung, um
                                         die Energiewende in ihren Städten und Gemeinden anzustoßen. Dabei wird auch auf
                                         Erfahrungen von deutschen Energiegenossenschaften aufgebaut.

Südosteuropäischer Energiewendedialog
Laufzeit: Januar 2019–Februar 2020
Durchführende und Partner: Agora Energiewende, CSD, Universität Zagreb FSB, NOA, EPG
Länder: Bulgarien, Griechenland, Kroatien, Rumänien

Das Projekt zielt darauf ab, Regierungen, Industrie und die Öffentlichkeit für die Vorteile
sauberer Energieerzeugung zu sensibilisieren. Es entwickelt politische und wirtschaftliche
Strategien für den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Energieerzeugung. Durch den Aufbau
eines Thinktank-Netzwerks in Südosteuropa fördert das Projekt nachhaltige regionale
Kooperationen im Energiesektor.

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