Säen, um zu ernten 5 2020 - Pfarrblatt

Die Seite wird erstellt Stefan-Albert Reich
 
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Säen, um zu ernten 5 2020 - Pfarrblatt
22. FEBRUAR BIS 6. MÄRZ

                                                           5 2020

Säen, um zu ernten
 Hintergrund Ökumenische Fastenkampagne 2020

 Gemeinsam mit Kleinbäuerinnen und
 Kleinbauern im Süden für eine nachhaltige
 Landwirtschaft.
Säen, um zu ernten 5 2020 - Pfarrblatt
EDITORIAL

                                                                   Als junger Vikar kam unter den
                                                                   Gottesdienstteil­nehmenden
                                                                   regelmässig der Wunsch auf,
                                                                   in den Werktagsgottes­
                                                                   diensten Lieder zu singen –
                                                                   allerdings a cappella. Ein guter
Die Fastenzeit ist auch eine traditionsreiche                      Sänger war ich nicht, und so
Demo für den Klimaschutz.                                          ich fragte mich, wie dies denn
                                                                   gehen solle. Na ja, ich stimmte
                                                                   von mir aus an und dann
Wer saisonal und regional einkauft, wer weniger oder gar kein
                                                                   kamen Rückmeldungen wie
Fleisch isst, wer Verpackungsmüll vermeidet, der schützt
                                                                   «Herr Vikar, Sie stimmen
damit das Klima. Die Fastenzeit ist so betrachtet eine uralte
                                                                   eine Quint an und nicht eine
Aktion für den Umweltschutz. Den fleischlosen Freitag
                                                                   Quart, so liegen Sie falsch.»
gab’s lange, lange vor «Fridays for Future».
                                                                   Und ich fragte mich, wovon
                                                                   diese Personen sprachen.
Fasten ist aber auch als Grundhaltung von erstaunlicher
                                                                   – Zwei ältere Damen erklärten
Aktualität. Es geht nämlich darum, freiwillig zu verzichten, und
                                                                   mir dann: «Keine Angst,
zwar auf Dinge, die man sich leisten kann und die man mag.
                                                                   Herr Vikar, wir schaffen das
Es geht um den freiwilligen Verzicht auf Genuss.
                                                                   zusammen! Stimmen Sie an
                                                                   und spätestens beim 3. Ton
Einer meiner Neffen hat mal vorgeschlagen, in der Fasten­
                                                                   übernehmen wir.»
zeit auf Salat zu verzichten. Er war damals noch ein Kind,
aber wir tun es ihm selbst als Erwachsene allzu oft nach. Wir      Und so geschah es. Die beiden
suchen nach Verzichtsmöglichkeiten, die nicht wirklich Ver­zicht   Damen hielten Wort. Je mehr
bedeuten. Wir warten darauf, dass Gesetze den Verzicht regeln.     Zeit verging, umso mehr
Oder wir hoffen ganz einfach, dass unsere Welt die Kurve irgend-   stimmten sie nach dem 4. bis
wie auch ohne drastische Verzichtsmass­nahmen kriegen wird.        10. Ton an. Nach ein paar
Wir können nicht begreifen, dass Verzicht eine Vorleistung ist,    Wochen sagten sie dann: «Wir
um sich den Genuss zu bewahren.                                    sind ein gutes Team und wir
                                                                   haben’s zusammen geschafft
Fasten – und übrigens auch das Tischgebet – sind Haltungen         – eigentlich brauchen Sie uns
der Dankbarkeit und der Sorgfalt gegenüber dem Klima,              nicht mehr.»
gegenüber der Umwelt, oder sagen wir es doch schlicht und          Bis heute brauche ich diese
einfach biblisch: Fasten geschieht aus Liebe zur Schöpfung.        beiden Damen – allerdings
                                                                   nicht zum Singen, sondern
                                                                   bei allen anderen Lebens­
                                                                   weisen. Sie lehrten mich, da
                                                                   zu sein und das zu geben,
                                                                   was das Gegenüber braucht –
                                                                   zu unterstützen und den
                                                                   Freiraum zur Entfaltung zu
                                                                   bieten.

                                                                   Kurt Vogt Pfarrer in St. Josef, Schlieren

                                                                                       forum 5 2020    2
Säen, um zu ernten 5 2020 - Pfarrblatt
INHALT

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SCHWERPUNKT

Gemeinsam für nach­
haltige Landwirtschaft
Die Existenz vieler Kleinbäuerinnen
und -bauern im globalen Süden
ist durch Saatgutkonzerne und Frei-
handelsabkommen gefährdet. Die
Ökumenische Kampagne macht auf
diese Missstände aufmerksam und
zeigt Handlungsmöglichkeiten auf.

GLAUBEN HEUTE
                                           25                                                                       IM ZÜRIPIET DIHEI 
                                                                                                                    Für einmal Rambazamba
                                                                                                                    Seniorenfasnacht der Missione
                                                                                                                                                         8

                                                                                                                    Cattolica Italiana in Rüti

   « Das Licht Gottes
   kann nicht anders,                                                         IM ZÜRIPIET DIHEI         26          AUS DEN PFARREIEN            9–24

   als leuchten.                                                              Die Gelähmtheit                       BOUTIQUE                          28
   Aber es wird doch                                                          überwinden
                                                                                                                    Anselm Grün wurde 75 Jahre alt
   immer wieder                                                               Die Texte zum Weltgebetstag kom-      Deutschlands bekanntester Mönch
                                                                              men dieses Jahr aus Zimbabwe.
   verdeckt von einem                                                         Katharina Morello hat dort gelebt –
                                                                                                                    ist ein Dauerbrenner
                                                                                                                    Spielen mit Jubla
   Gefäss. Dieses                                                             dabei hat sich ihr Afrika-Bild
                                                                                                                    Elektrische Linie
                                                                              grundlegend verändert.
   Gefäss ist unsere
   Ich-Bezogenheit.»                                                                                                IM ZÜRIPIET DIHEI                 30
                                                      Foto: Christoph Wider

                                                                                                                    Hilfe bei der Einschulung
   Maria Kolek Braun                                                                                                Caritas-Projekt «Copilot»
   in ihrer Kolumne «Licht sein»                                                                                    sucht Freiwillige

                                                                                                                    AGENDA                            31

                                                                                                                    SCHLUSSTAKT                       32
                                                                                                                    Impuls zum Fest
                                                                                                                    Fastenzeit

                                                                                                                     ONLINE + 

                                                                                                                     Synodaler Weg
                                                                                                                     Online-Dossier zum Prozess, der
                                                                                                                     in Deutschland angelaufen ist.
Titel: In Madagaskar bepflanzen Kleinbäuerinnen
und -bauern ein Reisfeld mitten im Sand.                                                                             www.forum-pfarrblatt.ch
Foto: Fastenopfer / zvg

                                                                                                                                           forum 5 2020    3
Säen, um zu ernten 5 2020 - Pfarrblatt
SCHWERPUNKT

Fotos: Fastenopfer / zvg

Ein Reisfeld auf Sand gebaut
Im Dorf Ambalakida in Madagaskar liess sich kein geeigneter Ort für ein
zusätzliches Reisfeld finden. Deshalb entschloss sich eine Gruppe von
Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu etwas Ungewöhnlichem: Sie bauten
ein Reisfeld mitten auf Sand.

                           Gut 30 Männer und Frauen stehen Seite an Seite     Bereits ein Krankheitsfall in der Familie oder
                           gebückt und kauernd auf dem Feld und setzen        eine insektenbefallene Ernte führt viele in die
                           Jungpflänzchen in die Erde. Es ist fruchtbare      Schuldenfalle und somit weiter in die Armut.
                           Erde, die sie auf den Sand geschüttet haben und    Auch die Ausbildung der Kinder kostet.
                           so ein Feld von rund 10 auf 40 Metern errichtet       Kredite bei lokalen Geldgeberinnen und
                           haben. Nur wenige Meter neben dem Feld fliesst     Geldgebern aufzunehmen, ist teuer, Zinsen
                           ein Fluss vorbei.                                  können bis zu 300 Prozent betragen. «Dank der
                               Die Bäuerinnen und Bauern, die hier arbei-     Solidaritätsgruppe kann ich mich nun gegen
                           ten, sind Mitglieder einer Solidaritätsgruppe –    Wucherzinsen schützen», sagt die Bäuerin
                           initiiert und begleitet auf Anregung von Fasten-   Victorine Mahalefitra. «Wir konnten unsere
                           opfer. Das Konzept der Solidaritätsgruppe ist      Kinder einschulen», sagt Bauer Torosoa Manan-
                           denkbar einfach: Die Mitglieder helfen sich ge-    kery und lächelt. Seine Tochter Nomenjanahary
                           genseitig mit zinslosen Darlehen in Notsituatio-   Tsarafidy möchte Hebamme werden, und die
                           nen aus. Und Letztere gibt es immer wieder, erst   12-Jährige fügt an: «Als Hebamme kann ich
                           recht, wenn es eh schon am Nötigsten mangelt:      meinem Dorf wirklich helfen.»

                                                                                                             forum 5 2020    4
Säen, um zu ernten 5 2020 - Pfarrblatt
Gemeinschaftsfelder für
zusätzliches Einkommen
Zusammen legen die Bäuerinnen und Bauern
auch weitere Felder an, zusätzlich zu den eige-
nen. So können sie mehr und vielfältiger produ-
zieren, zusätzliches Gemüse verkaufen. Das
Reisfeld auf dem Sandstück ist eines dieser Ge-
meinschaftsfelder.
    Weil das fruchtbare Land in der Umgebung
schon von eigenen Feldern bebaut sei und Was-
ser hier reichlich vorkomme, habe man sich für
diesen Standort entschieden. Ein Test im letzten
Jahr auf einem kleineren Abschnitt habe sehr
gut funktioniert, erzählt Lalaina Ramaromitana-
rison. Sie wird von Fastenopfer finanziert und
begleitet die Gruppe mit ihrem Wissen zu agrar­
ökologischer Landwirtschaft.

Unabhängig sein von genetisch
verändertem Saatgut
Das Reisfeld ist in vielerlei Hinsicht bemerkens-
wert: Wo es gepflanzt wurde. Wer es bewirtschaf-
tet. Aber auch, was darauf angebaut wird. Die
Bäuerinnen und Bauern pflanzen Setzlinge der
Sorte «Taia». Diese ist mittlerweile selten gewor-
den in Madagaskar, nicht zuletzt auch, weil
China den Markt mit gentechnisch veränderten
Sorten beliefert. Das modifizierte Saatgut lässt
sich allerdings nicht vervielfältigen, muss im
Folgejahr neu gekauft werden. Und es ist an­
fälliger auf Schädlinge, die Landarbeitenden
müssen zusätzlich chemische Pestizide kaufen.
    So ist dieses Reisfeld dazu gedacht, Saatgut
dieser alten Sorte zu vermehren. Taia ist resis-
tenter und führt mit biologischen Insekten-
schutzmitteln zu guten Erträgen, das Saatgut
                                                          Bauer Torosoa Manankery
kann auch in den weiteren Jahren wiederver-
                                                          berichtet von den Vortei-
wendet werden. Und letztlich bietet es den Bäu-           len, die die Organisation
erinnen und Bauern die Möglichkeit, auch in               in Spargruppen für ihn
dieser Hinsicht unabhängig zu sein.                       gebracht hat (oben).

                          Madlaina Lippuner Fastenopfer   Ein Mädchen trennt die
                                                          Spreu von den Körnern,
                                                          indem es diese gegen den
                                                          Wind wirft (Mitte).
 «Gemeinsam für eine Landwirtschaft,
 die unsere Zukunft sichert»
                                                          Träumt davon, Hebamme
 Die Existenz vieler Kleinbäuerinnen und -bauern
                                                          zu werden: Nomenja-
 im globalen Süden ist gefährdet. Diese sorgen mit
                                                          nahary.
 traditionellen Pflanzensorten für Ernährungssicher­
 heit und Artenvielfalt. Doch Saatgutkonzerne und
 Freihandelsabkommen schränken diese Praxis
 zunehmend ein. Die Ökumenische Kampagne 2020
 macht vom 26. Februar bis Ostersonntag, 12. April,
 auf diese Missstände aufmerksam und zeigt Hand­
 lungsmöglichkeiten auf.

 www.sehen-und-handeln.ch/saatgut
 www.facebok.com/sehenundhandeln

                                                                 forum 5 2020    5
Säen, um zu ernten 5 2020 - Pfarrblatt
SCHWERPUNKT

Fotos: Fastenopfer / zvg

Nachhaltige Landwirtschaft
Die Existenz von vielen Kleinbäuerinnen und -bauern im globalen Süden
ist gefährdet. Saatgutkonzerne und Freihandelsabkommen schränken die
Praxis von Bauernfamilien zunehmend ein.

                           Kleinbauernfamilien sorgen mit traditionellen Pflan-       Die Ökumenische Kampagne 2020 macht mit
                           zensorten für Ernährungssicherheit und Artenviel-      dem Slogan «Gemeinsam für eine Landwirt-
                           falt. Sie passen ihre Züchtungen ans lokale Klima      schaft, die unsere Zukunft sichert» auf diese
                           und den Klimawandel an, tauschen, vervielfälti-        Missstände aufmerksam – und zeigt auch Grund
                           gen und verkaufen sie. 70 Prozent aller Nahrungs-      zur Hoffnung: In Guatemala wurde ein strenges
                           mittel werden so weltweit von ihnen produziert.        Sortenschutzgesetz, das «Ley Monsanto», vor-
                           Ein Erfolgsmodell. Und doch bestimmen zuneh-           erst abgewendet. Auf den Philippinen engagiert
                           mend Agrarkonzerne, was angebaut wird.                 sich ein Saatgutnetzwerk für bäuerliche Saat-
                               Saatgutkonzerne und Freihandelsabkom-              gutzüchtungen und gegen restriktive Sorten-
                           men verlangen strikte Saatgut- und Sorten-             schutzgesetze. Im südlichen Afrika setzen sich
                           schutzgesetze, Diese werden in vielen Ländern          Landfrauenbewegungen gegen Gen-Mais und
                           Afrikas, Lateinamerikas und Asiens eingeführt.         für agrarökologische und ressourcenschonende
                           Sie verbieten es Kleinbauernfamilien, ihr Saat-        Anbaumethoden ein. Auch mit Hilfe von Brot für
                           gut zu tauschen oder verkaufen. Fortan müssen          alle und Fastenopfer und ihren lokalen Partner-
                           sie industrielles Saatgut kaufen – zur Freude der      organisationen konnten viele dieser Prozesse
                           Konzerne, versteht sich.                               aufgebaut und durchgeführt werden.
                               Diese orientieren sich an grossflächiger               Und das Engagement der Werke geht weiter:
                           Landwirtschaft und setzen auf wenige Sorten mit        Derzeit verhandelt die Schweiz ein Freihan-
                           grösstem Gewinn. Darunter leidet die Artenviel-        delsabkommen mit Malaysia. Darin ist ein Pas-
                           falt. Ein philippinischer Reisbauer auf der Insel      sus aufgeführt, der das traditionelle Saatgutsys-
                           Mindanao kommentiert diese Entwicklung: «Un-           tem von malaysischen Bäuerinnen und Bauern
                           sere 12 000 Jahre alte Erfahrung in Pflanzen-          bedroht. Für die Hilfswerke ist das inakzepta-
                           züchtung und unsere Biodiversität sind von Zer-        bel. Mit Solidaritätsbriefen ans Staatssekretari-
                           störung bedroht, weil sich das industrielle Saat-      at für Wirtschaft (Seco) fordern sie mit Partner-
                           gut der Konzerne ausbreitet. Es ist schmerzhaft        organisationen aus dem Süden, dass dieser
                           und entwürdigend, dass unsere Züchtungen               Abschnitt im Freihandelsabkommen herausge-
                           nicht als Beitrag zur Ernährungssicherung und          nommen wird.
                           Biodiversität anerkannt werden.»                           Ebenso rufen sie Pfarreien und Kirchgemein-
                               Hinzu kommt, dass das industrielle Saatgut         den auf, einen solchen Brief zu schreiben. Wenn
                           schlecht an lokale Bedingungen angepasst ist,          Hunger und Armut verhindert oder reduziert
                           hungrig ist nach Dünger und anfällig für Schäd-        werden sollen, müssen kleinbäuerliche und kli-
                           linge. Zum Saatgut müssen also Pestizide und           mafreundliche Anbaumodelle gestärkt werden –
                           Dünger hinzugekauft werden. In der Folge ver-          im globalen Süden wie auch hier, in der Schweiz.
                           schulden sich viele Kleinbäuerinnen und -bau-
                           ern und geraten in Armut.                                                     Madlaina Lippuner Fastenopfer

                                                                                                                   forum 5 2020    6
Säen, um zu ernten 5 2020 - Pfarrblatt
FORUM
  SCHWERPUNKT
       IM FORUM

«Ich glaube an die Alternativen,
die wir haben»
Mercia Andrews aus Kapstadt setzt sich für die Rechte von Kleinbäuerinnen
ein. Während der Ökumenischen Kampagne ist sie in der Schweiz in Pfarreien,
Kirchgemeinden und Schulen zu Gast.

Mit welchen Problemen haben Sie
in Ihrer Arbeit zu tun?
Mercia Andrews: Man hört stets, dass Afrika nicht
genügend Nahrung für sich selbst produzieren
könne. Gerade Grosskonzerne kultivieren dieses
Bild, denn es lässt die Bevölkerung glauben, dass
ohne Dünger und Pestizide – ihren Dünger und
ihre Pestizide – nichts geht.

Dem ist nicht so?
Nein. Kleinbäuerinnen und -bauern kamen seit
jeher ohne Chemie oder Gentechnik aus. Sie hat-
ten ihr lokales und traditionelles Saatgut und
Saatgutbanken, haben Saatgut vervielfältigt und
getauscht. In einigen Teilen des süd­lichen Afrikas
ist Letzteres nun verboten, industrielles Saatgut
muss hinzugekauft werden – und weil es nicht
ans jeweilige Klima angepasst ist und nicht ohne
Dünger auskommt, weitere chemische Mittel.            banken, Pflanzenschulen, Workshops, Doku-                 Mercia Andrews
Viele verschulden sich und verlieren ihr Land.        mentation und Vernetzung verschiedener Be-
                                                      wegungen, die zum selben Thema arbeiten. Wir
Was heisst das für das Recht auf Nahrung?             setzen auf agrarökologische Methoden, die bo-
Wenn die industrielle Landwirtschaft auf grosse       den- und klimaschonend und kosteneffektiv
Monokulturen setzt, hat dies Einfluss auf die         sind. Auf politischer Ebene setzen wir uns für
Artenvielfalt und darauf, was angepflanzt, ge-        traditionelle Saatgutsysteme ein. Und Klein-
gessen und verkauft wird. Damit entscheiden           bauernfamilien sollen ihre Bedürfnisse selbst
die Konzerne, was gegessen wird. Das Recht auf        artikulieren können; sie wissen am besten, was
Nahrung beinhaltet nicht nur, genug Essen zu          sie brauchen. Wir verstärken ihre Stimme und
haben, sondern auch vielfältiges, gesundes Es-        unterstützen sie, kritische Fragen zu stellen.
sen und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden,
was man essen will.                                   Die Probleme, die Sie skizzieren, wirken düster.
                                                      Was treibt Sie an?
Wie hängen Grosskonzerne und Gesetz zusammen?         Ich glaube an eine gerechte Gesellschaft und an
In vielen afrikanischen Ländern sitzen Konzer-        die Alternativen, die wir haben. Mit jedem klei-
ne wie Monsanto in denselben Büros wie die re-        nen Sieg spürst du die Vision ankommen. Vieler-
gionale Regierung und pushen das industrielle         orts in Afrika keimt heute Widerstand auf.
Landwirtschaftssystem. Afrikanische Regie-                                      Madlaina Lippuner Fastenopfer
rungen unterstützen die Kleinbäuerinnen und
-bauern mit industriellem Saatgut, Herbiziden          Mercia Andrews ist seit vielen Jahren Co-Direktorin
und Dünger, das von den Konzernen kommt.               von Trust for Community Outreach and Education
Das macht sie abhängig, statt sie in ihrer Eigen-      (TCOE), einem Zusammenschluss für Öffentlich­
                                                       keitsarbeit und Bildung. Dort leitet sie ein Netzwerk
ständigkeit zu fördern. Also profitieren letztlich
                                                       von Bäuerinnenvereinigungen, das Ernährung, Nach­
vor allem die Konzerne.
                                                       haltigkeit, Klima und Wirtschaftskrise analysiert.
                                                       Das Netzwerk ist in Südafrika, Mosambik, Lesotho,
Welche Rolle spielt da Ihre Arbeit?
                                                       Malawi, Sambia, Simbabwe, Swasiland, Botswana
Wir bewahren und verbreiten traditionelles             und Namibia tätig.
Saatgut und das Wissen darüber; mit Saatgut-

                                                                                                                      forum 5 2020    7
Säen, um zu ernten 5 2020 - Pfarrblatt
IM ZÜRIPIET DIHEI

Für einmal Rambazamba
Pink-blaue Girlanden, in Puderzucker getauchte Chiacchiere und orange-grüne
Partyhüte – am ersten Donnerstag im Februar trafen sich rund 40 Pensionierte
zur Seniorenfasnacht der Missione Cattolica Italiana in Rüti.

                                                                                                                                               Foto: Manuela Matt
Der übliche Erfahrungs-   Giuseppe Dezulian erklärt mit seiner tiefen Stim-          mals schwer Anschluss zu finden. «Wir haben
austausch fällt aus.      me über Tisch und Techno-Musik hinweg die                  bemerkt, dass viele ältere Leute nach dem Got-
Fasnacht ist angesagt.    Idee dieses Seniorentreffens: «Heute gibt’s für            tesdienst in italienischer Sprache der Kirche in
                          einmal keinen Erfahrungsaustausch. Jetzt ist               Rüti-Tann immer noch draussen rumstanden
                          Zeit für die Fasnacht!» In einer rund 25-köpfi-            und sich freuten, wenn ihnen jemand zuhörte»,
                          gen Polonaise tanzen klatschende Senioren mit              erklärt Dezulian, Mitorganisator des Treffens.
                          Partyhüten vorbei. Die Stimmung ist ausgelas-              Viele dieser Senioren lebten sehr isoliert und
                          sen, man hört lautes Lachen und Jubelrufe. Vie-            wünschten sich mehr Kontakt. Das vierköpfige
                          le der Anwesenden kennen sich, tanzen oder                 Organisa­tionskomitee gibt sich Mühe, Treffen
                          sitzen bei Kaffee, Wasser, Wein oder Süssem an             zu organisieren, die den Pensionierten nützlich
                          den u-förmig angereihten Tischen des Pfarrei-              sind. Auch eine Meditation des Seelsorgers der
                          saals beisammen. Gaetana Speranza bringt                   Mission ist wichtiger Bestandteil der Treffen.
                          stolz ein Rezeptbuch mit, das regionale Fas-               Wichtig sei jedoch vor allem, sagt Dezulian of-
                          nachtsspezialitäten aus ganz Italien zeigt, wäh-           fen, dass aus diesen Treffen Kontakte, Gesprä-
                          rend Shakiras «Waka Waka» aus den Lautspre-                che und manchmal sogar Freundschaften ent-
                          chern klingt.                                              stünden: «Wenn die Leute nach Hause gehen
                                                                                     und vorher von Herzen danke sagen, dann freut
                          Schon seit mehr als 15 Jahren trifft sich die «III Étà»,   mich das. Es ist eine grosse Wertschätzung vor-
                          die Seniorengruppe der Missione, jeden ersten              handen, und diese wird auch mitgeteilt.» Die
                          Donnerstag im Monat zum Austausch. Neben                   Freude ist auf jeden Fall auch an der Senioren-
                          Informationsveranstaltungen zur Verwaltung                 fasnacht deutlich sichtbar. Sie zeigt, wie wichtig
                          von Häusern und Grundstücken in Italien, Er-               es ist, Orte der Begegnung zu schaffen, in der die
                          fahrungsrunden sowie einem Seniorentheater                 eigene Identität und Kultur gelebt werden kann.
                          bieten diese Treffen eine wichtige Plattform für
                          italienischsprachige ältere Personen, die oft-                                      Luana Nava freie Mitarbeiterin

                                                                                                                        forum 5 2020    8
Säen, um zu ernten 5 2020 - Pfarrblatt
GLAUBEN HEUTE

                                 GLAUBEN HEUTE
                               Gleichnisse aktuell ➜ Licht unter dem Scheffel                                                       Matthäus 5,14a–15
Illustration: Nadja Hoffmann

                                                                                                                                    Das Licht unter
                                                                                                                                    dem Scheffel
                                                                                                                                    Ihr seid das Licht der Welt. Man zün-
                                                                                                                                    det auch nicht eine Leuchte an und
                                                                                                                                    stellt sie unter den Scheffel, sondern
                                                                                                                                    auf den Leuchter; dann leuchtet sie
                                                                                                                                    allen im Haus.

                                                                                                                                            Revidierte Einheitsübersetzung 2016
                                                                                                                                               Katholisches Bibelwerk Stuttgart

                               Licht sein
                       Spiritualität ganz alltäglich
                 Das Tageslicht wird oft als Symbol für                        könnte es mit dem «Leuchten» ver-

                       Licht unter dem Scheffel
                 Gott benutzt, weil es überall zugleich
                 ist. Es ist nicht greifbar, aber im Licht
                                                                               wechseln. Aber in Wahrheit geht es auch
                                                                               diesem Typ nur um ihn selbst, nicht um
                 einer Kerze verdichtet es sich und wird                       das Licht der Welt. Jeder und jede von
                 für Tageslicht
                Das    uns Menschen    wird spürbar.        So spricht
                                                 oft als Symbol        für     uns hat seinen
                                                                               wirksam              Charakter,
                                                                                           sein können,     so wieseine   beson-
                                                                                                                     sie sind. In
                 auchbenutzt,
                Gott     Jesus: Ichweil bin es das   Licht
                                                überall      der Welt
                                                          zugleich     ist.–   deren
                                                                               der Tat,Überzeugungen,
                                                                                         sie sind nicht Licht seinefürBegabun-
                                                                                                                       die Welt.
                 ihr  seid  das   Licht     der   Welt.  Diese
                Es ist nicht greifbar, aber im Licht einer       beiden        gen und
                                                                               Viele      seine Schwächen.
                                                                                       Menschen        sind vom Gegenteil
                 Sätze verdichtet
                Kerze     gehören zusammen. es sich und    Dass
                                                              wirdJesusfür         Um    dieses   Ich kreisen
                                                                               überzeugt, sie zeigen              wir doch
                                                                                                           sich gerne         die
                                                                                                                        und auf     Heimosterkerze
                 das Licht
                uns    Menschender Welt        sein soll,
                                         spürbar.      So ist   uns ge-
                                                            gebraucht          meiste Schauplätzen
                                                                               vielen   Zeit, wenn nicht        sogar
                                                                                                           als die      ständig.
                                                                                                                     besonders
                 läufig.
                auch      Jesusdas
                        Jesus      sagt    dies,
                                        Bild    vomweil   er esIch
                                                       Licht:    an sich
                                                                      bin      Ich glaube Feinfühligen,
                                                                               Begabten,       nicht, dass Jesus     dieses Ich
                                                                                                                 Intelligenten,     Der Verkauf der Heimosterkerze ist
                das Licht der Welt – ihr seid das Lichtdass
                 selbst    erfahren       hat     und   möchte,       der      gemeint
                                                                               man        hat, wenn
                                                                                      könnte      es miter sagte
                                                                                                            dem «Ich     bin das
                                                                                                                    „Leuchten“      eine langjährige Tradition des Gön-
                 auch wir
                Welt.         erfahren,
                          Diese       beiden    dassSätze
                                                      wir Licht     sind.
                                                               gehören         verwechseln, aber in Wahrheit gehtder
                                                                               Licht  der    Welt,   ihr  seid  das   Licht    es   nervereins «Aktion für katholische
                 Licht sein meint,
                zusammen:         Jesus dass  sagt Gott
                                                      das in   ihm sich
                                                            über      lebt     Welt.»diesem
                                                                               auch    – WederTyp sein eigenes
                                                                                                        nur umIch   ihnnoch   das
                                                                                                                          selbst,   Schulen Zürich». Mit dem Erlös wer-
                 und   durch     ihn   da    ist,
                selbst und über seine Zuhörer und für die  Menschen.           seinerum
                                                                               nicht   Zuhörenden,
                                                                                           das Licht der noch  unseres.Wenn
                                                                                                             Welt.                  den die «Freien Katholischen Schu-
                 Das Gleiche gilt
                Zuhörinnen.        Dass  fürJesus
                                               jeden das
                                                       anderen
                                                             LichtMen-der      wir aufhören,     unsere    Konzentration
                                                                               Jeder und jede von uns hat seinen              nur   len Zürich» in ihrem Einsatz unter-
                 schen    auch:    In   jedem      Menschen
                Welt sein soll, ist uns geläufig. Jesus           mani-
                                                                     sagt      auf  uns    selbst   –  unsere
                                                                               Charakter, seine Überzeugungen vonSelbstzweifel      stützt, junge Menschen auf christli-
                 festiert
                dies,   weilsich
                              er Gottes
                                   es an sich  Leben,    in jedem
                                                     selbst   erfahrenund      oder die
                                                                               sich        Selbstdarstellung
                                                                                       selbst     und der Welt,    – zu richten
                                                                                                                           seine    cher Grundlage zu begleiten.
                 jeder   Einzelnen        ist  er  da,
                hat und möchte, dass auch wir erfahren,immer      und    in    Begabungen und seine Schwächen.dem
                                                                               und   uns    stattdessen     etwas    mehr     Um        Jedes Jahr erhält die Heimoster-
                 jedem    Augenblick.
                dass wir Licht sind. Licht sein meint,                         Leben Ich
                                                                               dieses   hingeben,
                                                                                              kreisensowirwiedoch
                                                                                                               es unsdie an  die-
                                                                                                                          meiste    kerze ein neues Motiv. 2020 ist es
                dassDasGottistinfür
                                  ihmJesuslebt undder Sinn
                                                        durchunseres
                                                                 ihn da        sem Tag,
                                                                               Zeit,  wenn in diesen
                                                                                                nicht Menschen,
                                                                                                         sogar ständig.in dieser
                                                                                                                              Ich   das «Lamm Gottes». Zu dieser Meta-
                 Lebens:
                ist, für diedass      wir leuchten.
                              Menschen.                    «Man
                                                 Das gleiche     giltzün-
                                                                       für     Aufgabe,nicht,
                                                                               glaube       in diesen      Sorgen,
                                                                                                   dass Jesus         in dieser
                                                                                                                  dieses    „Ich“   pher schreibt der Gönnerverein:
                 det  nicht   ein  Licht      an
                jeden anderen Menschen auch, meintund  stülpt   ein   Ge-      Angst, inhat,
                                                                               gemeint      dieser
                                                                                                wenn Umarmung       gerade
                                                                                                         er sagt „Ich         be-
                                                                                                                         bin das    «Die Metapher ‹Lamm Gottes› ruft
                 fäss darüber
                Jesus:   In jedem   ...»Menschen
                                          Das Licht manifestiert
                                                          Gottes kann          gegnet,   dann     könnte    etwas
                                                                               Licht der Welt, ihr seid das Licht dervom   Licht,   viele Assoziationen hervor. Zum
                sich Gottes Leben, in jedem undesjeder
                 nicht   anders,     als   leuchten.     Aber       wird       das wir
                                                                               Welt“       im Tiefsten
                                                                                      - weder               sind,Ich
                                                                                                  sein eigenes      fürnoch
                                                                                                                         andere
                                                                                                                              das   Beispiel, dass Jesus unschuldig war.
                 doch immer
                einzelnen      ist wieder
                                   er da, immer verdecktundvon    einem
                                                              in jedem         sichtbar
                                                                               seiner     und spürbar
                                                                                       Zuhörenden,         werden.
                                                                                                         noch  unseres.Wenn         Das Bild eines auf einer grünen, blu-
                 Gefäss.     Dieses      Gefäss      ist
                Augenblick. Das ist für Jesus der Sinn    unsere     Ich-      wir Das    geschieht
                                                                                   aufhören,     unsere ohne    unser aktives
                                                                                                           Konzentration      nur   migen Wiese lebhaft herumhüpfen-
                 Bezogenheit.
                unseres Lebens: dass wir leuchten: „Man                        Tun   und     jenseits   unseres
                                                                               auf uns selbst – unsere SelbstzweifelWillens, es     den Jungtiers wärmt unsere Herzen.
                zündetViele   Menschen
                          nicht    ein Licht    halten
                                                   an undsichstülpt
                                                               für nicht
                                                                       ein     passiert,
                                                                               oder         wenn wir selbst –wach,
                                                                                     die Selbstdarstellung                   auf-
                                                                                                                     zu richten     Wir möchten es beschützen und vor
                 gut genug,
                Gefäss          zweifeln
                           darüber,            an ihrem
                                          sondern      man  Selbstwert
                                                               stellt es       merksam,
                                                                               und            lauschend,
                                                                                    uns stattdessen          einfach
                                                                                                         etwas   mehrda     sind.
                                                                                                                         einfach    jedem Übel bewahren.»
                 undden
                auf     daran,    dass sie
                           Leuchter.             wirksamessein
                                           So leuchtet         allenkön-im     Nur   so  sind   wir   Licht  für  die
                                                                               dem Leben hingeben, so wie es uns an    anderen,         Eine Heimosterkerze kostet 10
                 nen,   so  wie   sie   sind.     Andere
                Haus“. Dieses „Licht“ Gottes kann nicht      wiederum          «für alleTag,
                                                                               diesem     im Haus».
                                                                                                 in diesen Menschen, in             Franken (zuzüglich Versandkosten).
                 sind vom
                anders     als Gegenteil
                                leuchten. Aber   überzeugt:
                                                        es wird Siedoch
                                                                      zei-     dieser Aufgabe, in diesen Sorgen, in                 Es besteht eine Mindestbestellmen-
                 gen sichwieder
                immer         gerne und   verdecktauf vielen
                                                          von Schau-
                                                                 einem         dieserMaria
                                                                                      Angst,     in dieser
                                                                                           Kolek Braun           Umarmung
                                                                                                        Seelsorgerin  Psychiatrie
                                                                                                                                    ge von 5 Stück.                pd/bit

                 plätzen     als  die   ganz      besonders
                Gefäss. Dieses Gefäss ist unsere Ich-           Begab-         gerade begegnet, dann könnte
                                                                                               und  Regionalleiterin     etwas
                                                                                                                     Dienststelle
                 ten, Feinfühligen,
                Bezogenheit.         VieleIntelligenten
                                                 Menschen halten  – man        vom Licht, das wir Spital-   und Klinikseelsorge
                                                                                                     im Tiefsten      sind, für     www.heimosterkerzen.ch

                sich für nicht gut genug, zweifeln an                          andere sichtbar und spürbar werden.
                ihrem Selbstwert und daran, dass sie                                                                                                     forum 5 2020    25
Säen, um zu ernten 5 2020 - Pfarrblatt
IM ZÜRIPIET DIHEI

Die Gelähmtheit überwinden
Die Texte zum Weltgebetstag vom 6. März kommen dieses Jahr aus Zimbabwe.
Katharina Morello hat in diesem Land gelebt – dabei hat sich ihr Afrikabild
grundlegend verändert.

                                                                                                     forum: Wenn Sie heute an Ihre Zeit in Zimbabwe
                                                                                                     denken: welcher Eindruck ist Ihnen geblieben?
                                                                                                     Katharina Morello: Die Menschen haben ein un-
                                                                                                     glaubliches Talent, trotz widrigster Bedingungen
                                                                                                     einen Weg für sich und ihre Familien zu finden.
                                                                                                     Wie die Frau, die einige Haarklammern ge-
                                                                                                     schenkt bekam und diese so geschickt verkauf-
                                                                                                     te, dass sie zum Schluss eine kleine Hühnerfarm
                                                                                                     hatte, die ihr ein Auskommen gab. Das hat mich
                                                                                                     so beeindruckt, dass ich später mit einem Buch
                                                                                                     diesen Frauen eine Stimme geben wollte. Ihre
                                                                                                     Stärke, ihr Humor, ihre Beharrlichkeit, wie sie
                                                                                                     aus dem Nichts heraus etwas aufbauen können,
                                                                                                     ist aussergewöhnlich.

                                                                                                     Hat das Ihr Bild von Afrika verändert?
                                                                                                     Dort wurde mir klar, wie lebenstüchtig und erfin-
                                                                                                     derisch viele Leute sind. Wenn ich heute gewisse
                                                                                                     Vorurteile gegenüber Afrika höre, scheinen sie
                                                                                                     mir absurd. Ich habe auch viel systemische Un-
                                                                                                     gerechtigkeit gesehen, die Machtverteilung ist
                                                                                                     einseitig und oft willkürlich. Dadurch werden die
                                                                                                     Anstrengungen der Menschen immer wieder zu-
                                                                                                     nichtegemacht.

                                                                                                     Eben doch: Die Entwicklung wird durch
                                                                                                     das korrupte System gebremst?
                                                                                                     Es hat viele Gründe: da gehört die Kolonialisie-
                                                                                                     rung und die willkürliche Grenzziehung bei der
                                                                                                     Staatenbildung ebenso dazu wie die wirtschaft-
                                                                                                     liche Ausbeutung durch global aktive Konzerne
                                                                                                     und die lokale Regierungsclique heute. Wir im
                                                                                                     Westen haben seit der Französischen Revolu­
                                                                                                     tion unsere Demokratien entwickelt und aufge-
                                                                                                     baut, in Afrika sollten sie von null auf hundert
                                                                                                     funktionieren …

                                                                                                     Was sagt uns die Liturgie zum Weltgebetstag der
                                                                                                     Frauen aus Zimbabwe?
                                                                                                     Ich finde dieses Bild enorm: Da liegt einer 38 Jah-
                                                                             Foto: Christoph Wider

                                                                                                     re lang gelähmt am Teich Bethesda, in dem viele
                                                                                                     Kranke geheilt werden. Er hat aber niemanden,
                                                                                                     der ihn zum Wasser trägt. Und auf die Frage Jesu:
                                                                                                     Willst du gesund werden? antwortet er nicht: Ja!
                                                                                                     Sondern: ich habe ja niemanden, der mir hilft.
                    Katharina Morello ist reformierte Pfarrerin in Horgen.                               Als die Frauen an dieser Liturgie arbeiteten,
                    Sie war vorher in der Kommunikation bei Brot für                                 waren es genau 38 Jahre seit der Unabhängigkeit
                    alle und beim Reformierten Kirchenboten (heute                                   Zimbabwes (1980). Zu Beginn herrschte eine
                    reformiert.) aktiv und literarisch tätig. Sie ist ver­                           grosse Aufbruchstimmung, die aber schon bald
                    heiratet und hat drei erwachsene Kinder.                                         in Resignation umschlug, da es den Leuten wirt-

                                                                                                                                      forum 5 2020    26
schaftlich nicht besser ging. Die Situation des      kam, das gebraucht worden wäre für das Pro-
ganzen Landes entspricht dem Gelähmten am            jekt. Sie sagten nun nicht: das war für nichts.
Teich Bethesda, der nicht auf die Beine kommt.       Sondern: also machen wir den Garten halt halb
                                                     so gross. Und vor allem sagten sie mir: Was uns
Das tönt recht hoffnungslos …                        hilft, ist zu spüren, dass irgendwo auf der Welt
Die Frauen in Zimbabwe interpretieren anders:        jemand an uns denkt. Mir wurde bewusst, dass
Sie sagen zu sich selber und zu ihrem Land:          Projekte manchmal misslingen können, doch
«Hör auf, dich hinter deinen Ausreden zu ver-        sie sind auch mit einer Übertragung von Kraft
stecken. Wir sind zwar Opfer, aber es hilft nicht,   verbunden. Der Weltgebetstag ist so ein Schub
das als Ausrede zu nehmen. Jesus fragt ja: willst    an Energie, der dieses Jahr nach Zimbabwe
du gesund werden? Dieser Ruf von Jesus gilt          fliesst. Damit werden sie dort viel erreichen. Das
uns: Steh auf, nimm deine Matte und geh deinen       dürfen wir nicht unterschätzen.
Weg! (vgl. Joh 5,8).» Die Frauen lassen sich nicht
unterkriegen. Sie nehmen ihr Leben in die            Sie sind in Horgen im ökumenischen Komitee, das            Katharina Morello
                                                                                                                «Sie tragen die Welt
Hand, stehen auf, handeln und vertrauen gleich-      den Weltgebetstag vorbereitet.
                                                                                                                auf dem Kopf»,
zeitig, dass jederzeit auch Wunder geschehen         Ich freue mich riesig, dass dieses Jahr Zimbabwe
                                                                                                                Peter Hammer Verlag,
können. Während unserer Zeit in Zimbabwe             im Mittelpunkt steht, wo ich 2001 bis 2002 lebte.
                                                                                                                2. Auflage. 150 Seiten
haben wir das übrigens oft erlebt: es passieren      Der Weltgebetstag ist eine tolle Möglichkeit, öku-
                                                                                                                ISBN: 978-3-7795-0176-3
wirklich Wunder – viel Unerwartetes wurde            menisch etwas auf die Beine zu stellen, ich erle-
möglich. Als ich eine der Frauen besuchte, hing      be in dieser Gruppe sehr offene, interessierte
an der Wand eine Decke, auf der stand: «With         Frauen. Einmal im Jahr machen wir mit allen, die
God everything is possible.»                         jemals für einen Weltgebetstag mitgearbeitet ha-
                                                     ben, einen Schiffsausflug oder gehen essen, wir
Religion nicht als Beruhigungsmittel, sondern        sind eine richtig gute Truppe, die zusammenhält.
als Anstoss zum Handeln …
Genau, Religion macht dort alles andere als pas-                                Interview Beatrix Ledergerber

siv. Ich habe oft gedacht, wenn der fehlende
Regen die Ernte zerstört oder der Preis des
Tabaks derart sinkt, dass der Bauer das Schul-
                                                                                                                Frauenforum. Evangeli-
geld für seine Kinder nicht mehr aufbringen
                                                                                                                sche Zeitschrift: «Zim-
kann, wird man doch völlig mutlos. Aber die
                                                                                                                babwe», September 2019.
Leute essen einmal weniger am Tag, finden eine                                                                  Fr. 7.– zuzügl. Versand.
neue Möglichkeit, einen neuen Weg zum Über-                                                                     www.zeitschrift-frauen­
leben. Sie haben eine grosse Hoffnung: Es ist                                                                   forum.ch
nichts umsonst. Gott ist mit uns.

Und hier bei uns? Wir leben in einer
total anderen Welt.
Wir müssen auf der ganzen Welt gegen diese
Lähmung, gegen das Gefühl der Ohnmacht an-
kämpfen. Wenn wir an die vielen ungelösten            Weltgebetstagsfeier aus Zimbabwe
                                                      Aus Zimbabwe, der ehemaligen britischen Kolonie
Probleme in der Welt denken, könnten wir ver-
                                                      Rhodesien, kommt die Weltgebetstagsfeier 2020.
zweifeln. Was heisst für uns: Steh auf, nimm
                                                      Die Verfasserinnen schreiben zum Thema «Steh
deine Matte und geh deinen Weg? Lass dich
                                                      auf, nimm deine Matte und geh deinen Weg!» (nach
nicht unterkriegen vom Gefühl, es ist unmög-          Joh 5,8) eine Liturgie vor dem Hintergrund der
lich. Bleib dran, orientiere dich an dem, was         Geschichte ihres Landes. Nach 37 Jahren Schreckens­
möglich ist. Wenn wir etwas versuchen, haben          herrschaft unter Robert Mugabe gab es 2018
wir zumindest die Chance, dass sich daraus            demokratische Wahlen. Auch wenn die Situation unter
etwas entwickelt. Wer die Angel nicht auswirft,       dem neuen Präsidenten Emmerson Mnangagwa
fängt auch keinen Fisch.                              nicht wesentlich besser ist als vorher, bedeuteten
                                                      die Wahlen einen Aufbruch. Junge Menschen, die
Und welche Bedeutung hat in diesem Kontext            zum ersten Mal wählten, suchen einen Weg des
der Weltgebetstag?                                    Friedens und der Versöhnung. Sie werden unter­
                                                      stützt durch die Kirchen, die die Friedenserziehung
Das Besondere ist das weltumspannende Gebet,
                                                      fördern wollen.
24 Stunden lang. Das hat etwas Magisches an
sich. Ich habe mit Frauen in Zimbabwe geredet,
                                                      Zeit und Ort der Weltgebetstagsfeiern vom 6. März
die an einem Entwicklungsprojekt teilnahmen,          finden Sie auf Ihrer Pfarreiseite im forum.
wo zum Schluss nur die Hälfte des Materials an-                                                                 www.wgt.ch

                                                                                                                     forum 5 2020    27
BOUTIQUE

                                                                                                                                            Fotos: kna-bild.de
Pater Anselm Grün ist 75
Guru nennen ihn manche. Anselm Grün mag das nicht. Den Stolz
auf seine 20-Millionen-Auflage kann er dennoch nicht verhehlen.
Papier stapelt sich auf dem Schreibtisch     Am Drucker in seinem Büro ist mit einem       sen hängte der Ordensmann nach sei-
im Kloster Münsterschwarzach unweit von      Klebestreifen ein Bild des Papstes fi-        ner Promotion in Theologie noch ein
Nürnberg. Sehr viel Papier, auch auf dem     xiert. Franziskus hat Grüns Bücher            Studium der Betriebswirtschaft an.
Wandschrank. Mittendrin Pater Anselm         schon verschenkt, als er noch Jorge               36 Jahre lang, bis Oktober 2013, war
Grün. Der Rauschebart vielleicht etwas       Mario Bergoglio hiess und Erzbischof          er Chef der Klosterbetriebe. Das Amt
grauer, das lange Haar etwas wilder und      in Buenos Aires war. Zuletzt empfahl          brachte ihm manche Kritik und auch
die Stirn etwas höher als früher.            der Papst Priestern und Diakonen die          Spott ein, bekannte Grün doch 2008 im
    Vor ihm die Post des Tages: Briefe       Schrift «Lebensmitte als geistliche Auf-      Scheitelpunkt der Finanzkrise, dass auch
von der Bank mit dem handelsüblichen         gabe» gegen die Midlife-Crisis. Getrof-       er sich an der Börse verspekuliert habe.
Fensterumschlag,aber auch handschrift­       fen habe er Franziskus noch nicht, sagt           Nur wer Verluste mache, könne auch
lich adressierte Schreiben. Glückspater,     der Autor. «Ich würde das gern, will          gewinnen, sagt er dazu heute. Lieber er-
Volksprediger, Guru nennen ihn manche.       mich aber nicht anbiedern.»                   zählt er von der Erfolgsgeschichte des
Am 14. Januar feierte Deutschlands be-           Regelmässig spricht Grün über sei-        Klosters, ein mittelständisches Unter-
kanntester Mönch seinen 75. Geburtstag.      ne Bücher, über das Leben und seine           nehmen mit rund 300 Mitarbeitern in
                                             Krisen. Er coacht Manager oder hält           20 Betrieben und einem ordenseigenen
Grün ist ein Dauerbrenner, weit über das     Kurse im Gästehaus seines Klosters. Oft       Gymnasium mit rund 800 Schülern.
kirchliche Stammpublikum hinaus. Das         ist er auch in der Schweiz anzutreffen.
spiegelt sich nicht nur in seinem Brief-                                                   Auch Neid und Kritik gibt es wegen seiner
kasten wider. Auch die Neuerscheinun-        Grün stammt aus dem fränkischen Jun-          Bücher: Seine Theologie sei zu esoterisch.
gen im Eckregal künden davon. Fünf bis       kershausen, seine Eltern gaben ihm den        «Ich hatte noch nie Probleme mit dem
acht sind es jedes Jahr, sagt der Pater      Namen Wilhelm, in München ist er auf-         Lehramt», wehrt sich der Pater. Zuletzt
nicht ohne Stolz. Aus den Papierstapeln      gewachsen, half schon früh im Elektro-        suchte er in seinen Büchern auch den Di-
fischt er zwei Bände hervor.                 geschäft seines Vaters mit, verkaufte         alog mit anderen Konfessionen und Re-
    Einer ist auf Arabisch, der andere auf   Glühbirnen und Taschenlampen – Er-            ligionen. Seine wichtigste Mission sieht
Mandarin. 50 seiner derzeit rund 300         fahrungen, die er später auch als Cel-        der Mönch darin, spirituell Suchenden
lieferbaren Titel sind schon ins Chinesi-    lerar, also als wirtschaftlicher Leiter des   den Reichtum der christlichen Botschaft
sche übersetzt worden. Und auch in etwa      Klosters, nutzen konnte.                      zu vermitteln. Und wenn ihn irgendwann
30 weiteren Sprachen kann man ihn le-            Mit 19 Jahren trat er dort ein, jedoch    keiner mehr hören oder lesen wollte?
sen. Als Gesamtauflage nennt der Pater       mit einem ganz anderen Ziel: Als Seel-        «Ich hoffe, dass ich das merke und dann
20 Millionen. Er trägt auch den Überna-      sorger wollte er in die Mission – oder        loslassen kann», sagt Grün.
men «Die Schreibmaschine Gottes».            Theologie-Professor werden. Stattdes-                               Christian Wölfel kath.ch

                                                                                                                   forum 5 2020    28
SPIELEN
                                                                                     mit Jub
                                                                                             la

                                       Elektrische
                                       Linie
                                       Es werden zwei Teams gebildet. Diese
                                       stellen sich je in eine Linie, drehen
                                       der Gegnergruppe den Rücken zu und
                                       geben sich die Hand. Die Spielleitung
                                       wirft nun eine Münze hoch. Nur die vor-
                                       derste Person in der Linie darf schauen,
                                       ob die Münze Kopf oder Zahl zeigt.
                                           Zeigt sie Zahl, geschieht nichts. Zeigt
                                       sie Kopf, gibt die Person so schnell wie
                                       möglich einen Impuls – Hand drücken –
                                       zum Nächsten weiter. Sobald die letzte             Material                                Ziel
                                       Person den Impuls spürt, muss sie den              1 Münze, 2 Bälle                        Innerhalb der Gruppe einen
                                       Ball, welcher hinter ihr auf dem Boden             Alter                                   Impuls so schnell wie möglich
                                       liegt, hochhalten und dabei lautstark ei-          Ab zehn Jahren                          weitergeben.
                                       nen «Tschumpatschampa» tanzen.                     Gruppengrösse
                                           Das Team, welches als erstes zehn              Beliebig                                www.jublazueri.ch
                                       Punkte erreicht, hat gewonnen.

                                       Schaufenster ➜ Fasten-Wegweiser 2020                                                         Auf Sendung

                                                                                                                                    Ein Priester im Dilemma
                                                                                                                                    Als Marcel Köhle, ein junger Priester,
                                                                                                                                    seinen Rücktritt ankündigte, waren
Foto: wandeln Fasten-Wegweiser / zvg

                                                                                                                                    alle schockiert. Er hatte sich ver­
                                                                                                                                    liebt und wollte dem Doppelleben
                                                                                                                                    ein Ende setzen.
                                                                                                                                       So, 23. Februar, 10.00 Uhr, SRF 1

                                                                                                                                    Stille
                                                                                                                                    Stille ist schwer zu fassen. Sie kann
                                                                                                                                    bedrohlich wirken, aber auch zu
                                       Wer verzichtet, lässt Altes los. Und          von befreienden Kräften erzählen.              einem spirituellen Weg werden,
                                       auch wer gibt und gönnt, kann mit un-         Berührende und überraschende Illus-            wenn der Mensch auf sich selbst –
                                       gewohnten Reaktionen rechnen. Der             trationen von Birgit Lang eröffnen             und Gott – zurückgeworfen ist.
                                       Fasten-Wegweiser «wandeln» beglei-            einen anderen Blick auf die Texte.                Mi, 26. Februar, 19.00 Uhr, BR
                                       tet auf dem Weg durch die sieben Wo-              Wer lieber jede Woche einen Brief zu-
                                       chen von Aschermittwoch bis Oster-            geschickt bekommt, kann sich von «An-          Streitfrage «assistierter Suizid»
                                       montag und verwandelt dabei vieles.           dere Zeiten» auch so durch die Fasten-         Wie stellen sich Kirchen und
                                       Er überrascht mit kurzen Texten, ins-         zeit begleiten lassen. So oder so: «Ande-      Religionsgemeinschaften zum
                                       pirierenden Gedichten, Grafiken und           re Zeiten» verhilft zu besonderen Tagen        begleiteten Suizid?
                                       Wortspielen, mit Impulsen und Anre-           des Wandels und des Wandelns.          bl        So, 1. März, 10.00 Uhr, SRF 1
                                       gungen für die Fastenzeit. Roger Wil-
                                       lemsen denkt über die Stille vor dem          «wandeln. Mein Fasten-Wegweiser                Von Chuzpe und Schmonzes
                                       Kuss nach, Sophia Fritz möchte Gott           2020» Andere Zeiten. Initiativen               Was macht den jüdischen Humor
                                       auf einen Kaffee einladen, Janosch            zum Kirchenjahr. 120 Seiten,                   aus, diese Mischung aus beissen­
                                       entdeckt seine Leidenschaft für ein           farbig illustriert, Fr. 12.50.                 der Selbstironie, fatalistischem
                                       Bad im kalten Wasser. An den Sonn­                                                           Galgenhumor und immer wieder
                                       tagen beschäftigen sich die Texte mit         «Fastenbriefe. 7 Wochen anders leben»          Chuzpe.
                                       den sieben Gaben des Heiligen Geis-           Fr. 20.–. bestellen: 052 720 73 81,               Fr, 6. März, 12.00 Uhr, 3sat
                                       tes: in aktuelle Bilder übertragen, die       www.vereintecum.ch

                                                                                                                                                         forum 5 2020    29
IM ZÜRIPIET DIHEI

                             Hilfe bei der Einschulung
                             Caritas Zürich sucht Freiwillige für das Projekt «Copilot». Dieses begleitet
                             Eltern beim Eintritt ihrer Kinder ins Schulsystem.
                                                                                                                         Mühe mit der formalen Korrespon-
                                                                                                                         denz. Hier setzt das Projekt «Copilot»
                                                                                                                         von Caritas Zürich an und begleitet Fa-
                                                                                                                         milien durch das administrative Di-
                                                                                                                         ckicht, wenn ihre Kinder in den «Staats-
                                                                                                                         dienst» eintreten. Die Begleitung des
                                                                                                                         Übergangs der Kinder ins Schulsystem
                                                                                                                         und die Befähigung der Eltern, sich in
                                                                                                                         diesem möglichst gut zurechtzufinden,
                                                                                                                         leistet einen wichtigen Beitrag zur Ver-
Foto: Caritas Zürich / zvg

                                                                                                                         besserung der Bildungschancen be-
                                                                                                                         nachteiligter Kinder.
                                                                                                                             Nur: Wie so manches Caritas-Projekt
                                                                                                                         ist auch «Copilot» auf Freiwillige ange-
                                                                                                                         wiesen. Wer sich also im Zürcher Schul-
                                                                                                                         wesen auskennt und sich freiwillig en-
                         In diesen Tagen geht es für viele Eltern           Familien verschickt. Nun haben aber          gagieren möchte, findet auf www.caritas-
                         darum, ihre Kinder für den Kindergar-              viele Eltern, die mit dem hiesigen           zuerich.ch/copilot alle nötigen Infos.
                         ten anzumelden – die Stadt Zürich hat              Schulsystem nicht vertraut und zudem                                Andreas Reinhart Caritas Zürich

                         die entsprechenden Unterlagen an die               nicht deutscher Muttersprache sind,

                             INSERATE

                                        ...Weg entsteht beim Gehen...                           Nächste Inserateschlüsse:
                                                                                                ➜ 9. März (Nr. 7)        ➜ 23. März (Nr. 8)            ➜ 6. April (Nr. 9)
                                             Faszination Pilgern
                                                                                                forum@c-media.ch
                                        Vortrag: Dr. Bernhard Lindner
                                                                                                        Für Ihre Steuern und Erbschaftssachen
                                                                                                                    Dr. Strebel, Dudli + Fröhlich
                                                                                                                    Steuerberatung und Treuhand AG
                                                                                                                          (ehem. Steuerkommissäre)

                                                                                                       Tel. 044 308 25 50    8052 Zürich       www.sdf-treuhand.ch
                                                                                                    Steuern     Erbsachen         Altersvorsorge         Liegenschaften

                                                                                                Lourdes Wallfahrt mit Bischof Felix Gmür
                                                                                                  Für Gesunde und Menschen mit Handicap
                                                                                                Vom 25.4. bis 1.5.2020 mit Flugzeug, Zug und Car

                                Dienstag, 10. März 2020 um 19.00 Uhr
                                        im Pfarreisaal St. Josef,
                                         Röntgenstrasse 80, Zürich 5
                                Tram 4, 6 und 13 bis Haltestelle Quellenstrasse                 Fordern Sie noch heute gratis Informationen an:
                                          Schnupperpilgertag 7. Juni                            Interdiözesane Lourdeswallfahrt DRS
                                                                                                St. Otmarsberg 1, CH-8730 Uznach, www.lourdes.ch
                                             Freier Eintritt / ohne Anmeldung
                                                                                                Tel. +41 (0)55 290 20 22*, pilgerbuero@lourdes.ch

                                                                                                                                                          forum 5 2020    30
22. FEBRUAR BIS 6. MÄRZ

Kunst                                              Spiritualität                                       Gottesdienste

                                                   Interkonfessioneller Rundgang                       LiederLiturgie in Uetikon
                                                   Besuch der Blauen Moschee, der ser-                 Do, 27.2.,19.30, Franziskus-Zentrum
                                                   bisch-orthodoxen Kirche Heilige Drei-
                                                                                                       Open-Hearts in Bruder Klaus
                                                   faltigkeit und der Jüdischen Liberalen
                                                                                                       Fr, 28.2., 19.30, Gottesdienst, Anbetung,
                                                   Gemeinde Or Chadasch.
                                                                                                       Gespräch, Beichte, Krankensalbung.
                                                   Di, 3.3., 17.00, Blaue Moschee, Kochstr. 22, ZH.
                                                   Bitte Ausweis mitnehmen.                            Eucharistie in der Predigerkirche
                                                   Anmeldung bis 25.2.: 044 252 46 32
                                                                                                       Sa, 29.2., 16.00, zum 1. Fastensonntag
                                                   www.forum-der-religionen.ch
                                                                                                       Hochschulgottesdienst
                                                   Bereichernde Armut                                  Je So, 20.00, Liebfrauenkirche, Zürich
Kunst und Religion im Dialog                       Erleben wir Gott als geizig oder überströ-
«Nach seinem Bilde»: Führung mit Sibyl             mend? Was macht uns reich, was arm?
Kraft (Kunsthaus) und Marco Schmid                 Mi, 4.3., 19.00–21.00, Werdstr. 53, ZH. Fr. 15.–.   Seelsorge-Gespräche
(kath.) zu Bildern von Domenichino                 www.zentrum-spiritualitaet.ch                       Bahnhofkirche
(Taufe Christi, 1603) und Giacometti
                                                                                                       Mo – Fr, 7.00 –19.00, Sa/So, 10.00 –16.00
(Chase Manhattan Plaza, 1960).                     Konzernverantwortung
So, 8. 3., 15.00 – 16.30, Treffpunkt Eingangs­     Dietrich Pestalozzi, Unternehmer und                Predigerkirche
halle Kunsthaus Zürich. Ohne Anmeldung.            Be­fürworter, und Markus Huppenbauer,               Mo – Fr, 14.00 –18.00
Fr. 16.– / 11.–.
                                                   Ethikprofessor, der die Initiative ablehnt,         jenseits im Viadukt
www.kunsthaus.ch/besuch-planen
                                                   diskutieren. Mit wissenschaftlicher und             Di –Fr, 11.00 –18.00, Sa, 14.00 –18.00
                                                   theologischer Einordnung.
«Spät hab ich dich liebgewonnen …»
                                                   Do, 5.3., 10.00, St. Anna Forum,
Musik und Wort zur Fastenzeit: Angela              St. Annagasse 11, Zürich.                           Gebete und Meditation
Berlis, christkatholische Theologin, über          www.stiftung-eg.ch
Augustinus – seine Beziehung zu Gott                                                                   Christliche Spiritualität
und den Frauen. Merit Eichhorn, Orgel.                                                                 Mo, 24.2., 19.15, Meditation, (Dietikon)
                                                   Meditativer Tanztag
Fr, 28. 2., 19.00, Augustinerkirche, Zürich.
                                                                                                       Do, 27.2., 19.00, Bibel teilen
                                                   «Aus der Tiefe wächst Entfaltung»
Eintritt frei, Kollekte.                                                                               Do,5.3., 19.00, Kontemplative Meditation
                                                   Sa, 21. 3., 10.00–17.00, aki, Hirschengraben 86,
www.zentrum-spiritualitaet.ch                                                                          www.zentrum-spiritualitaet.ch
                                                   Zürich. Fr. 60.– / 70.–.
                                                   Anmeldung: 044 368 55 66.
                                                                                                       MontagsMusik in St. Peter und Paul
                                                   www.frauenbund-zh.ch
Theologie                                                                                              Mo, 2.3., 12.15 –12.45: «Tanzende Orgel-
                                                                                                       pfeifen» – Texte von Lorenz Marti, Orgel.
Altstadtkirchen im Gespräch                                                                            Time-Out in der Fastenzeit
Theologische Inputs aus den Altstadt-                                                                  Di, 20.00–20.30, Krypta Bruder Klaus,
kirchen: Grossmünster, Fraumünster,                                                                    Zürich: Lied, Bibel, Stille, Gebet, Segen.
St. Peter und ökumenische Prediger­
kirche. Musik und Gespräch                                                                             Bahnhofkirche
                                                                                                       Mo – Fr, 7.00, 7.30, 8.00, 8.30: Wegworte
Do, 12. 3.: Wie reden wir von Jesus Christus?
                                                                                                       Mo–Fr, 18.45. Sa/So, 15.45: Abendgebet
Do, 19. 3.: Dreieinigkeit: Wie spricht
die Bibel von Gott, wie denken wir Gott?
                                                                                                       Eucharistische Anbetung Liebfrauen
Do, 26. 3.: Vielfalt der Religionen
– theologisches Problem oder Chance?                                                                   Mo – Fr, 9.00 – 17.20, Krypta
Jeweils 18.30 – 20.00, Lavaterhaus,                 Der Fels und das Schwert                           Di, 19.00–21.00, Kirche
St. Peterhofstatt 6.                                Geistliches Festspiel zum Abschluss
                                                                                                       Haltestille Bahnhofstrasse
www.predigerkirche.ch                               der Restaurierung der Klosterkirche
                                                                                                       Do, 12.15 –12.35, Augustinerkirche
                                                    Disentis. Schauspieler Hanspeter
Ist Jesus heute von gestern?                        Müller-Drossaart, Chor Gymnasium
Theologie 60plus: Im Kompaktkurs Je-                Disentis und Orchester Desertina las-              Vernetzt
sus, das Neue Testament und seine Be-               sen die Legende um Sigisbert, Placi-
                                                                                                       Spitalseelsorge
deutung für heute kennen lernen: Pa-                dus und Victor lebendig werden – auf
                                                                                                       www.zh.kath.ch/spitalseelsorge
lästina zur Zeit Jesu, Gleichnisse, Vater-          sie geht die Klostergründung zurück.
unser, Wunder, Evangelien, Abendmahl.                                                                  Palliative Care Hotline
                                                    Fr, 13. 3., Sa, 14. 3., So, 15. 3., Fr, 20. 3.,
Mo, 30. 3., 16.00 bis Do, 2. 4., 16.00, Haus der    So, 22. 3., jeweils 20.00, Klosterkirche           044 554 46 66 (Stadt und Kt. Zürich)
Begegnung, Klosterweg 16, Ilanz. Fr. 220.–          Disentis. Fr. 35.–, Tickets mit Buffet             044 224 03 80 (Stadt Winterthur)
zzgl. Vollpension. Anmeldung bis 13. 3.:            und Übernachtung möglich.
044 525 05 40
                                                    www.der-fels-und-das-schwert.ch
                                                                                                       Anderssprachige Gottesdienste
www.tbi-zh.ch                                                                                          www.zh.kath.ch/migrantenseelsorge

                                                                                                                               forum
                                                                                                                                forum22 2017    31
                                                                                                                                      5 2020   
SCHLUSSTAKT
PFARRBLAT T DER KATHOLISCHEN KIRCHE

                                                                                                                                                                  Foto: Jean-Marie Duvoisin / zog
IM KANTON ZÜRICH

Gültig für die Sonntage vom 23. Feb. und 1. März

Herausgeberin
Stiftung forum – Pfarrblatt der katholischen
Kirche im Kanton Zürich
Redaktionsadresse
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044 266 12 72, redaktion@forum-pfarrblatt.ch,
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                                                          Aktueller als gedacht
Fotografie: Christoph Wider
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                                                         Fastenzeit – was in vielen katholischen       aber von Gott, der sein Volk ins verheis­
mitgliederverwaltung@kath-winterthur.ch
Bezahlte Abos: 044 266 12 72,                            Ohren so verstaubt klingt, hat neue Ak­       sene Land führt.
redaktion@forum-pfarrblatt.ch
                                                         tualität gewonnen. Bewusste Ernährung,           Diese Perspektive lässt uns an Os-
Abopreise: Jahresabo Inland Fr. 38.–, Ausland Fr. 77.–
Anzeigenverkauf                                          Verzicht auf zu viel Fleisch, Heilfasten,     tern nicht verzweifeln, weil wir es wie-
creative media gmbh, Schützenstrasse 19,                 Konsum zurückfahren – das sind Schlag-        der nicht geschafft haben, zu besseren
8902 Urdorf, 043 322 60 30, Fax 043 322 60 31
forum@c-media.ch, www.c-media.ch                         worte, die nicht zuletzt dank der Kli­ma-     Menschen und zu einer besseren Kir-
                                                         Jugend wieder sehr präsent gewor­­den         che zu werden. Diese österliche Per­
Druck
AVD Goldach AG, 9403 Goldach, www.avd.ch                 sind.                                         spektive erlaubt es uns vielmehr, hof-
Pfarreiseiten: Text&Gestaltung jeweiliges Pfarramt           Fasten, das ist aber auch zutiefst bib­   fend vorwärtszugehen und uns in der
65. Jahrgang, erscheint 14-täglich, ISSN 1420-2212       lische und kirchliche Tradition, die wir      Fastenzeit mutig den Versuchungen
                                                         im Christentum selbst etwas vergessen         von Grössenwahn, Besitzdenken und
                                                         haben. Worum geht es?                         Resignation zu stellen. Eine solche Per-
                                                             In den romanischen Sprachen heisst        spektive führt zu mehr Gelassenheit.
                                                         «Fastenzeit» nüchtern «Die 40 Tage».          Einer Gelassenheit, die von Gott her
                                                         Tatsächlich hat Jesus in den 40 Tagen,        denkt und sich einsetzt. Mit dieser
                                                         die er nach seiner Taufe in der Wüste         weisen Tradition sind wir als Kirche
                                                         verbracht hat, gefastet. Und er wurde         aktueller, als wir vielleicht glauben.
                                                         dort vor allem auch in Versuchung ge-
                                                         führt. Versucht wurde er in der Gier                                              Abt Urban Federer

                                                         besitzen zu wollen, versucht auch darin,
                                                         gross von Gott zu reden und dennoch           Der 1968 geborene und in Zürich aufgewachsene

                                                         die Welt und das eigene Leben selbst im       Urban Federer ist seit 2013 Vorsteher der Benediktiner­

                                                         Griff haben zu wollen. Und versucht           abtei Einsiedeln. Im Paulusverlag ist von ihm eine
                                                                                                       Samm­lung mit Meditationen zum Kirchenjahr unter dem
                                                         wurde Jesus, sich an Dinge zu ketten, die
                                                                                                       Titel «Quellen der Gottesfreundschaft» erschienen.
                                                         vorgeben, uns frei zu machen, aber uns
                                                         letztlich die Würde rauben. Fasten be-
                                                         freit. Fasten macht offen für anderes
                                                         und ermöglicht Erfahrungen, die wir
                                                         sonst nicht kennen.
                                                             In der Fastenzeit nicht nur den Ver-
                                                         zicht betonen, sondern unserem Leben
                                                         eine andere Perspektive geben: Dazu
                                                         kann uns die Bezeichnung «Die 40 Tage»
                                                         verhelfen. Sie erinnert an den 40-jäh­
                                                         rigen Auszug des Volkes Israel aus der
                                                         Sklaverei in Ägypten. Natürlich braucht       Das Bild zeigt die Tauf- und Beichtkirche in Einsiedeln.

                                                         es dazu die Anstrengung des Menschen,         Ein barocker und dennoch schlichter Raum, der mit

                                                         etwa von Moses und seinem Bruder              seiner Konzentration auf das Wesentliche eine öster­

                                                         Aaron. Die eigentliche Befreiung kommt        liche Perspektive eröffnen kann.

                                                                                                                                       forum 5 2020    32
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