Testgütekriterien der deutschen Version des Sport Orientation Questionnaires
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Spectrum 16 (2004) Heft 1
Anne-Marie Elbe
Testgütekriterien der deutschen Version des
Sport Orientation Questionnaires
TEST CONTROL CRITERIA FOR THE GERMAN VERSION OF THE SPORT
ORIENTATION QUESTIONNAIRE 1
Zusammenfassung
Im folgenden Beitrag wird die Reliabilität und Validität der deutschen Version des Sport
Orientation Questionnaires (SOQ), eines Instruments zur Bestimmung der individuellen
Leistungsorientierung im Sport untersucht. Die Stichprobe bildet eine Gruppe von 312
deutschsprachigen Schülerinnen und Studentinnen, die sowohl aus Leistungssportlerinnen als
auch aus Nicht-Leistungssportlerinnen zusammengesetzt ist. Die deutsche Version des SOQ
weist sowohl eine gute Reliabilität (α > .7) als auch eine Konstrukt- und Kriteriumsvalidität
auf. Das Instrument eignet sich weiterhin zur Unterscheidung von Athletinnen, die Leistungs-
sport treiben, und denen, die aufgrund einer anderen Zielsetzung Sport treiben.
Abstract
The focus of the following paper is the reliability and the validity of the German version of the
Sport Orientation Questionnaire, an instrument designed to measure individual achievement
motivation in sport situations. The sample of the investigation comprises 312 female German
pupils and college students who were either competitive or non-competitive athletes at the
time the study was conducted. The German version of the SOQ shows a satisfactory reliability
(α > .7) as well as an acceptable construct and criterion-related validity. Furthermore the
instrument can be used to discriminate between female competitive and non-competitive
athletes.
1 Einleitung
Der Begriff Motivation fällt oft in Zusammenhang mit sportlichen Leistungen und im
Leistungssport spielt vor allem das Leistungsmotiv eine übergeordnete Rolle
(Gabler, 1995, 2002). Nicht hinreichend geklärt ist, inwieweit sportliche Leistungen
von einem allgemeinen oder aber einem sportspezifischen Leistungsmotiv beein-
flusst werden (Elbe, Beckmann & Szymanski, 2003; Steiner, 1976). Jackson, Ahmed
und Heapy (1976) sowie Spence und Helmreich (1983) merken an, dass eindimensi-
onale Leistungsmotive zu global sind, um spezifisches Leistungsverhalten vorherzu-
sagen, und schlagen daher einen multidimensionalen Ansatz bei der Messung des
Leistungsmotivs vor. Ergänzend dazu gibt es in der Sportpsychologie das Bestreben,
sportbezogene Phänomene auch mit sportspezifischen Instrumenten bzw. Fragebö-
1
Das Forschungsprojekt wurde von der Kommission zur Förderung des wissenschaftlichen
Nachwuchses der Freien Universität Berlin gefördert.
96Testgütekriterien Sport Orientation Questionnaire
gen zu messen (Gill & Deeter, 1988; Kellmann & Beckmann, 2003). Gleichzeitig
stellen die Autoren aber auch einen Mangel an sportspezifischen Instrumenten fest.
Des Weiteren gibt es bei der Messung und Bestimmung des allgemeinen und
sportspezifischen Leistungsmotivs unterschiedliche Ansätze. Zum einen werden
projektive Verfahren eingesetzt, wie z. B. der TAT (Murray, 1943) oder der sportspe-
zifische TAT (Steiner, 1976). Bei diesen Verfahren geht man davon aus, dass sie die
tatsächlichen zugrunde liegenden, nicht bewusst repräsentierten Motive erfassen
können (vgl. McClelland, 1985). Zum anderen werden Fragebögen angewandt, für
die sich die Gütekriterien besser bestimmen lassen und die eine größere Untersu-
chungsökonomie aufweisen. Thomassen und Halvari (1996) konnten beispielsweise
mit dem Einsatz des Achievement Motives Scale (Gjesme & Nygard, 1970), der die
Ausprägung der Furcht vor Misserfolgs- sowie der Hoffnung auf Erfolgskomponente
bestimmt, einen Zusammenhang zwischen dem allgemeinen Erfolgsmotiv und
sportlicher Leistung nachweisen. Beim Einsatz von Fragebögen zur Bestimmung des
Leistungsmotivs ist allerdings nicht eindeutig geklärt, inwieweit sie eventuell nur die
Einstellungen zu Leistungssituationen und nicht die zugrunde liegenden Motive
bestimmen (McClelland, 1985).
Neben dem klassischen Leistungsmotivationsansatz der Unterscheidung von Hoff-
nung auf Erfolg (Annäherung) und Furcht vor Misserfolg (Vermeidung) (Atkinson,
1957; Heckhausen, 1963; McClelland, 1985) werden aktuell auch motivationale
Orientierungen in der Leistungsmotivationsforschung untersucht. Nicholls (1984)
stellte zunächst Aufgaben- und Egoorientierung gegenüber, Dweck (1986) unter-
schied "learning goals" und "performance goals" und Ames (1992) "mastery goals"
und "performance goals". Im deutschsprachigen Raum wird zwischen Aufgaben- und
Ego-Orientierung (Rethorst & Wehrmann, 1998) unterschieden.
Bei der Aufgabenorientierung geht es Personen darum, eine Fertigkeit verbessern
oder beherrschen zu wollen. Im Gegensatz dazu möchte eine Person mit Ego-Orien-
tierung ihre Kompetenzen vor anderen demonstrieren und sich mit ihnen messen.
Deshalb wird diese Orientierung im Sport oft auch als Wettkampf-Orientierung
bezeichnet (Rethorst & Wehrmann, 1998; Roberts, 1992).
Interessant ist, dass die zwei Motivationsansätze, d.h. Aufgaben- und Egoorientie-
rung versus Furcht vor Misserfolg und Hoffnung auf Erfolg, getrennt voneinander
erforscht wurden. Einen ersten Versuch zur Integration der zwei Konzepte lieferten
Elliot und Church (1997) mit ihrem hierarchischen Modell zur Annäherungs- (appro-
ach) und Vermeidungs- (avoidance) Leistungsmotivation. Orientierungen werden hier
als Ziele verstanden (Richtung der Leistung), die durch die höher angesiedelten
Motivdispositionen (HE und FM) bestimmt werden. Die Motive gelten in diesem
Modell als Energiequelle der Leistung.
Im Bereich der deutschsprachigen Sportwissenschaft liegen zur Zeit nur zwei Frage-
bögen vor (vgl. Bös, 2001), die eingesetzt werden, um Aspekte der sportlichen
Leistungsorientierung zu bestimmen. Zum einen findet der Sportspezifische Leis-
tungsmotivationsfragebogen von Allmer (1973) Verwendung, der die Leistungsmoti-
vation im Sport über vier Subskalen erfasst. Zum anderen wird der Fragebogen zur
Erfassung von Zielorientierung im Sport verwendet (Rethorst & Wehrmann, 1998),
der eine Übersetzung des "Task and Ego Orientation in Sport Questionnaire" von
97Anne-Marie Elbe Duda und Nicholls (1992) ist. Im anglo-amerikanischen Sprachraum wird zur Mes- sung der sportlichen Leistungsorientierung häufig der Sport Orientation Question- naire von Gill und Deeter (1988) angewandt (Huddleston & Garvin, 1995; Lerner & Locke, 1995). Neben der englischen Originalversion fanden auch schon koreanische (Kim & Gill, 1997) und norwegische (Hellandsig, 1998) Versionen Anwendung. Da bisher keine deutsche Version des SOQ existiert, werden im Folgenden die Testgü- tekriterien der deutschen Übersetzung vorgestellt, die anhand einer Stichprobe von Schülerinnen und Studentinnen (Leistungssportlerinnen und Nicht-Leistungs-sportle- rinnen) ermittelt wurden. Es wurde folgende Vorgehensweise gewählt: Neben der Bestimmung der Reliabili- tät nach Cronbach wird die Validität untersucht, die das wichtigste Testgütekriterium darstellt (Bortz & Döring, 1995). Bei der Validierung des SOQ kann zunächst auf die englischsprachige Version hingewiesen werden (Gill & Deeter, 1988), welche jedoch nicht ungeprüft auf die deutsche Version übertragen werden kann. Allgemein be- zieht sich die Validität auf die „Eindeutigkeit, Zulässigkeit und Generalisierbarkeit der Aussagen“ (Bierhoff-Alfermann, 1986, S. 21) bzw. gibt sie an, "wie gut der Test in der Lage ist das zu messen, was er zu messen vorgibt" (Bortz & Döring, 1995, S. 185). Nach Bierhoff-Alfermann (1986) ist die interne Validität für eine Untersuchung in besonderem Maße entscheidend. Demnach muss zwischen den unabhängigen und abhängigen Variablen der Untersuchung ein Zusammenhang bzw. eine Kausalbezie- hung nachgewiesen werden. Zahlreiche angloamerikanische Untersuchungen haben gezeigt, dass die sportliche Leistungsorientierung gemessen über den SOQ bei LeistungssportlerInnen höher als bei Nicht-LeistungssportlerInnen ist (Finkenberg, Moode & DiNucci 1998; Gill & Deeter, 1988, Wartenberg & McCutcheon, 1998). Dieses Ergebnis müsste ebenfalls für die vorliegende Untersuchung zutreffen, wenn die deutsche Version des SOQ valide ist. Im Folgenden wird daher überprüft, ob ein Zusammenhang zwischen dem Sportstatus und den jeweiligen Skalen des SOQ nachgewiesen werden kann. Des Weiteren wird untersucht, inwieweit der SOQ eine Kriteriumsvalidität aufweist, d.h., inwieweit die einzelnen Subskalen des SOQ eingesetzt werden können, um das sportliche Engagement der Befragten zu bestimmen. Vorherige Untersuchungen konnten einen Zusammenhang zwischen dem sportlichen Engagement und der Leistungsmotivation feststellen (Thomassen & Halvari, 1996). Dies müsste sich in dieser Untersuchung ebenfalls zeigen, sofern das Instrument valide ist. 2 Methode Instrument: Sport Orientation Questionnaire Der Sport Orientation Questionnaire (SOQ) wurde 1988 von Gill und Deeter in den USA publiziert. Das Ziel des SOQ ist es, individuelle, sportspezifische Unterschiede in der Leistungsorientierung zu bestimmen. Der SOQ besteht aus drei separaten, aber verwandten Subskalen, und zwar der Wettkampf-, Sieg (Gewinn)- und Zielorien- tierung in Bezug auf den Sport. Zu diesen Items nehmen die Befragten auf einer Skala von 1 bis 5 Stellung (1= stimme überhaupt nicht zu; 5= stimme voll zu). Eine 98
Testgütekriterien Sport Orientation Questionnaire
explorative und konfirmatorische Faktorenanalyse zeigte eine stabile, dreifaktorielle
Struktur bei drei verschiedenen Stichproben (Gill & Deeter, 1988).
Übersetzung
Die Übersetzung des Fragebogens wurde von der Autorin vorgenommen und von
drei weiteren "Zweisprachlerinnen" mit der Rückübersetzungsmethode (Brislin, 1970)
erfolgreich überprüft. Des Weiteren wurde ein Pretest des Fragebogens mit deut-
schen und amerikanischen Schülerinnen einer deutsch-amerikanischen Schule in
Berlin durchgeführt (n=28), um sicherzustellen, dass die Items für die Achtklässle-
rinnen sowohl in englischer als auch in deutscher Sprache verständlich sind (vgl.
Elbe, 2001). Da dies der Fall war, wurde im Anschluss daran die Hauptuntersuchung
in beiden Ländern durchgeführt.
Untersuchung
Die Daten sind Teil eines größeren Forschungsprojekts zum Thema "Frauen und
Leistungssport im interkulturellen Vergleich zwischen Deutschland und den USA"
(Elbe, 2001, 2003). Die Gesamtstichprobe des Projekts setzte sich aus Schülerinnen
und Studentinnen aus Berlin sowie aus dem Großraum San Francisco zusammen.
Befragt wurden sowohl Leistungssportlerinnen als auch Nicht-Leistungssportlerin-
nen. Für die hier interessierende Fragestellung finden die Antworten der Deutschen
Berücksichtigung. Zum Datenvergleich wurden die Ergebnisse der amerikanischen
Stichprobe (Elbe, 2001; n=345) sowie die Untersuchung von Gill und Deeter (1988;
n=266) herangezogen.
Stichprobe
Insgesamt wurde eine Gruppe von 312 deutschsprachigen Schülerinnen und Stu-
dentinnen befragt. Von den 159 Schülerinnen waren 44 leistungssportlich aktiv.
Unter den 153 Studentinnen befanden sich 56 Leistungssportlerinnen. Bei den
deutschsprachigen Schülerinnen wurden nur Schülerinnen der 8. Klasse befragt, d.
h., ausschließlich 13- und 14-Jährige. Das Durchschnittsalter (Mittelwert) der deut-
schen Studentinnen lag bei 22,7 Jahren (SD=3,0). Es wurden biographische Infor-
mationen erhoben, um den angegebenen Sportstatus (Leistungssportlerin/Nicht-
Leistungssportlerin) der Befragten zu überprüfen. Folgende Kriterien mussten von
den Befragten zur Einstufung als Leistungssportlerin erfüllt werden.
Frequenz: Befragte treibt pro Woche mindestens drei mal Sport.
Umfang: Befragte treibt pro Woche mindestens sechs Stunden Sport.
Erfolg: Befragte gibt an, dass sie in den letzten zwei Jahren sportliche Erfolge hatte.
Wettkämpfe: Befragte treibt regelmäßig Sport und nimmt regelmäßig bis selten2 an
Wettkämpfen teil.
2
Die Beschreibung „selten“ trifft nur auf zwei Leistungssportlerinnen zu, nämlich auf eine
Moderne Fünfkämpferin und eine Siebenkämpferin.
99Anne-Marie Elbe
Bitte bewerte die folgenden Aussagen, indem du diese Skala verwendest.
1 = stimme sehr zu 2 = stimme überwiegend zu 3 = stimme weder zu noch
lehne ich ab 4 = stimme meist nicht zu 5 = stimme überhaupt nicht zu
1. Ich bin eine überzeugte Wettkämpferin. ............................................................. (A)
2. Es ist wichtig für mich, zu gewinnen. ................................................................. (B)
3. Ich bin eine Person, die sich gern mit anderen misst. ........................................ (A)
4. Ich setze mir Ziele für einen Wettkampf. ............................................................ (C)
5. Ich tue mein Bestes, um zu gewinnen. ............................................................... (A)
6. Es ist mir sehr wichtig, mehr Punkte als meine Gegnerin zu erzielen. ................ (B)
7. Ich freue mich auf Wettkämpfe. ......................................................................... (A)
8. Ich zeige den größten Einsatz, wenn ich versuche persönliche
Ziele zu erreichen. ............................................................................................... (C)
9. Es macht mir Spaß, mich mit anderen zu messen. ............................................ (A)
10. Ich hasse es, zu verlieren. ................................................................................... (B)
11. Ich blühe im Wettkampf auf. ............................................................................... (A)
12. Ich strenge mich am meisten an, wenn ich ein bestimmtes Ziel habe. .............. (C)
13. Mein Ziel ist es, die beste Sportlerin zu sein. ...................................................... (A)
14. Ich bin nur zufrieden, wenn ich gewinne. ........................................................... (B)
15. Ich möchte im Sport erfolgreich sein. ................................................................. (A)
16. Es ist mir sehr wichtig, meine beste Leistung zu zeigen. ................................... (C)
17. Ich arbeite hart, um im Sport erfolgreich zu sein. ............................................... (A)
18. Es stört mich, wenn ich verliere. ......................................................................... (B)
19. Ich stelle mein Können am besten unter Beweis, wenn ich einen
Wettkampf habe. ................................................................................................ (A)
20. Persönliche Ziele zu erreichen ist mir sehr wichtig. ............................................ (C)
21. Ich freue mich darauf, mein Können in einer Wettkampfsituation
unter Beweis zu stellen. ...................................................................................... (A)
22. Ich habe den meisten Spaß, wenn ich gewinne. ................................................ (B)
23. Ich bringe die beste Leistung, wenn ich gegen einen Gegner antrete. .............. (A)
24. Der beste Weg um mein Können unter Beweis zu stellen, ist es,
ein Ziel zu setzen und zu versuchen, es zu erreichen. ......................................... (C)
25. Ich möchte bei jedem Wettkampf die Beste sein. .............................................. (A)
A = Wettkampforientierung (13 Items), B = Sieg-/Gewinnorientierung (6 Items),
C = Zielorientierung (6 Items)
Abb. 2: Die deutsche Version des SOQ
100Testgütekriterien Sport Orientation Questionnaire Umfang, Frequenz und Art des sportlichen Engagements Darüber hinaus wurde bei allen Befragten der Umfang (in Stunden) und die Häufig- keit des Sporttreibens jeweils pro Woche erhoben. Es wurden dabei jeweils die Frequenz und der Umfang des Sporttreibens innerhalb und außerhalb der Institution Schule und Hochschule erfragt und daraus die Summe gebildet. Bei den Schülerin- nen floss der Sportunterricht ebenfalls in die Summe mit ein. Die Mädchen und Frauen, die als Leistungssportlerinnen eingestuft wurden, betrieben unterschiedliche Sportarten, wobei die am häufigsten vertretenen Sportarten Hockey, Volleyball, Basketball, Handball und Leichtathletik waren. 3 Ergebnisse 3.1 Faktorenstruktur In einem ersten Schritt wurde mit den Daten der Stichprobe 1 eine Faktorenanalyse durchgeführt. Diese diente zur Überprüfung, ob die Faktorenstruktur des SOQ in der deutschen Version bestätigt werden kann. Hierzu wurde eine explorative Hauptach- senanalyse angewandt. Die Ergebnisse zeigen, dass drei Faktoren extrahiert werden konnten, die 63.6% der Gesamtvarianz erklären. Weiterführend wurde aufgrund der hohen Skaleninterkorrelation eine Oblimin-Rotation mit Kaiser-Normalisierung durch- geführt. In Tabelle 1 sind die Ladungen der einzelnen Variablen auf die Faktoren dargestellt. Es ist ersichtlich, dass die Items weitestgehend auch bei der deutschen Version den jeweiligen Faktoren zugeordnet werden können, d.h. sie weisen eine jeweilige Ladung über (-).50 auf dem entsprechenden Faktor auf. Ausnahmen bilden das Item 6, das eine Ladung von .497 und das Item 15, das eine Ladung von -.490 aufweist. Weiterhin laden die Items 5 und 25 nicht eindeutig auf dem vorgesehenen Faktor. Das Item 5 "Ich tue mein Bestes, um zu gewinnen" lädt hier auf dem Faktor Zielorientierung, in der englischen Version hingegen auf der Wettkampforientierung. Item 25 "Ich möchte bei jedem Wettkampf die Beste sein" lädt eher auf der Ge- winnorientierung als auf der vorgesehenen Wettkampforientierung. Trotz diesen Abweichungen wird entschieden, die vorgegebene Faktorenstruktur von Gill und Deeter (1988) für die weiteren Auswertungen beizubehalten. 3.2 Interne Konsistenz Der zweite Schritt der Auswertung liegt darin, die Reliabilitätsbestimmung nach Cronbachs Alpha vorzunehmen, sowie die Korrelationen zwischen den einzelnen Subskalen des SOQ darzustellen. Wie Tabelle 2 und 3 zeigen, finden sich sowohl in der englischen als auch in der deutschen Version gute Reliabilitäten und alle Subskalen des SOQ korrelieren signi- fikant (p
Anne-Marie Elbe Tab. 1: Faktorenanalyse Item Wettkampforientierung Gewinnorientierung Zielorientierung 1 -.761 -.006 .125 2 -.201 .598 .278 3 -.539 .009 .344 4 -.329 .003 .660 5 -.149 .007 .801 6 -.205 .497 .336 7 -.692 -.009 .303 8 -.003 .126 .771 9 -.577 .006 .397 10 -.010 .769 .208 11 -.724 .002 .007 12 .002 .107 .851 13 -.585 .293 -.343 14 -.008 .568 -.436 15 -.490 .010 .401 16 -.206 .008 .768 17 -.681 -.002 .149 18 .004 .794 .007 19 -.721 .006 -.206 20 -.009 .007 .796 21 -.777 -.005 .170 22 -.007 .535 .338 23 -.595 .149 .007 24 -.105 .006 .698 25 -.347 .553 -.008 Varianz- 5,2 10,7 47,7 aufklärung Eigenwerte 1,3 2,7 11,9 102
Testgütekriterien Sport Orientation Questionnaire
Tab. 2: Reliabilitäten des SOQ nach Gill und Deeter (1988) sowie Elbe (2001, englische
Version) und der deutschen Version nach Cronbach alpha
Wettkampforientierung Zielorientierung Sieg-/Gewinnorientierung
(13 Items) (6 Items) (6 Items)
Gill & Deeter (1988) 0.94 0.82 0.85
(n=266)
Elbe (2001) 0.94 0.85 0.86
(n=345)
Deutsche Version 0.94 0.81 0.82
(n=301)
Tab. 3: Korrelationen der Subskalen der Originalversion des SOQ nach Gill und Deeter*
(1988; n=266), Elbe** (2001; n=345) sowie der deutschen Version*** (n=301)
Zielorientierung Sieg-/Gewinnorientierung
Wettkampforientierung .58 */ .69 **/ .68*** .70 */ .72 **/ .72 ***
Zielorientierung .34 */ .50 **/ .53 ***
3.3 Konstruktvalidität
Die Ergebnisse der Korrelationsberechnungen zeigen, dass zwischen allen Skalen
des SOQ und der untersuchten Variable Sportstatus signifikante Korrelationen nach-
gewiesen werden können (siehe Tabelle 4). Die höchste Korrelation lässt sich mit
der Subskala Wettkampforientierung (r=0.55) nachweisen, die niedrigste mit der
Subskala Sieg-/Gewinnorientierung (r=0.29).
Tab. 4: Korrelationen nach Pearson zwischen dem Sportstatus und den Subskalen des
SOQ (deutsche Version)
Wettkampforientierung Zielorientierung Sieg-/Gewinnorientierung
Sportstatus r=0.546 r=0.356 r=0.289
pAnne-Marie Elbe
Umfang und zum anderen die Häufigkeit des Sporttreibens definiert werden. Als
unabhängige Variablen werden bei den Analysen die drei Subskalen des SOQ be-
stimmt.
Die Regressionsanalyse zeigt einen Zusammenhang zwischen der Frequenz des
Sporttreibens pro Woche (R-Quadrat=0.197) als abhängige Variable und der Ausprä-
gung der Leistungsorientierung als unabhängige Variable (siehe Tabelle 4). Zur
Varianzaufklärung tragen vor allem die Skalen Wettkampforientierung und Zielorien-
tierung bei.
Tab. 5: Ergebnisse der Regressionsanalyse bezüglich der Sportfrequenz und der Subska-
len des SOQ (deutsche Version)
Konstante Wettkampf- Zielorientierung Sieg-/Gewinn-
orientierung orientierung
Standardfehler 0.494 0.024 0.023 0.021
Standardisierte Beta 0.593 -0.172 -0.67
Koeffizienten
T 6,957 6,735 -2,262 -,937
PTestgütekriterien Sport Orientation Questionnaire
4 Diskussion
Die Faktorenanalyse, welche einen Aspekt der Konstruktvalidität untersucht, zeigt,
dass die Struktur der drei Faktoren in der deutschen Version überwiegend repliziert
werden kann. Auf Ausnahmen wurde im Ergebnisteil hingewiesen. Eine inhaltliche
Erklärung für die Abweichungen kann jedoch nicht gefunden werden. Bezüglich der
Fragestellung der internen Konsistenz zeigt sich, dass die deutsche Version des
Sport Orientation Questionnaires nicht nur gute bis sehr gute Reliabilitäten aufweist,
sondern auch den Reliabilitäten der englischen Originalversion entspricht. In allen
Subskalen liegen die Reliabilitäten des SOQ über dem Wert von α=0.7 (Lienert,
1969), so dass sowohl von einer guten Reliabilität als auch von einer gelungenen
Übersetzung ausgegangen werden kann. Es zeigt sich weiterhin, dass sich die
Cronbach alpha Werte in der deutschen und amerikanischen Stichprobe nicht signi-
fikant voneinander unterscheiden (vgl. Vijver & Leung, 1997, S.60). Die Korrelationen
der einzelnen Subskalen des SOQ untereinander entsprechen auch in etwa denen
der Originalversion.
Hinsichtlich der Konstruktvalidität kann nachgewiesen werden, dass die Korrelatio-
nen zwischen allen drei Subskalen des SOQ und des Sportstatus signifikant sind.
Nach der Einschätzung von Weise (1975) sind Korrelationen zwischen 0.4 und 0.6
jedoch als mittelmäßig und Korrelationen über 0.6 als groß einzustufen. Folgt man
dieser Vorgehensweise, so kann lediglich die Korrelation mit der Subskala Wett-
kampforientierung als mittelmäßig bedeutsam eingestuft werden. Bezüglich der
Kriteriumsvalidität zeigt sich, dass vor allem die Skala Wettkampforientierung eine
gute Übereinstimmung sowohl mit der Frequenz als auch dem Umfang des Sport-
treibens zeigt.
Insgesamt weisen die Ergebnisse dieser Untersuchung die deutsche Version des
SOQ als ein reliables Instrument zur Bestimmung der Leistungsorientierung nach.
Das Instrument eignet sich in dieser Untersuchung zur Unterscheidung von Athletin-
nen, die Leistungssport treiben und denen, die mit einer anderen Zielsetzung Sport
treiben. Vor allem die Subskala Wettkampforientierung zeigt einen Zusammenhang
mit dem sportlichen Engagement. Die Ergebnisse zur Reliabilität und Validität legen
nahe, dass mit der deutschen Version des SOQ ein geeignetes Instrument zur
Bestimmung der sportlichen Leistungsorientierung vorliegt. Dieses sollte jedoch an
weiteren Stichproben, die eine größere Heterogenität beispielsweise bezüglich des
Alters und des Geschlechts aufweisen, überprüft werden. Interessant wäre sicher-
lich auch eine Validierung mit dem Task und Ego Orientation in Sport Questionnaire-
Deutsch von Rethorst und Wehrmann (1999) sowie dem Sportspezifischen Leis-
tungsmotivfragebogen von Allmer (1973). Des Weiteren sollte eine erneute Überprü-
fung der Faktorenstruktur erfolgen. Im Anschluss an weitere Überprüfungen könnte
dann entschieden werden, ob die ursprüngliche Faktorenstruktur von Gill und Deeter
(1988) beibehalten wird, oder ob beispielsweise die Items 5 und 25 anderen Fakto-
ren zugeordnet werden sollten.
105Anne-Marie Elbe
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