DIGITALISIERUNGS-STRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN - TOURISMUS - BMNT
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INHALTSVERZEICHNIS VORWORT 4–5 INHALTLICHE EINFÜHRUNG 6–9 STRATEGISCHE ZIELE 10–11 ACHT HANDLUNGSFELDER 12–30 UMSETZUNG DER STRATEGIE 31 FÖRDERUNGEN IN DEN BUNDESLÄNDERN 32 DIGITALISIERUNGSABC 33–35 WIR BEDANKEN UNS 36–39 IMPRESSUM 40
Petra Nocker-Schwarzenbacher
Bundesspartenobfrau
Tourismus und Freizeitwirtschaft,
Wirtschaftskammer Österreich
© Helge Kirchberger
MIT DIGITALER … gesamtgesellschaftlichen Wandel
TRANSFORMATION … unaufhaltbare globale Entwicklung
ASSOZIIERE ICH … … enormes Potenzial und Chancen …
Zukunftssicherung … Tourismusmotor.
ICH SEHE DIE … Österreich als hochentwickeltes Land die
DIGITALISIERUNG ALS besten Voraussetzungen hat, die digitale
CHANCE FÜR ÖSTERREICH, Zukunft aktiv und als Vorreiter mitzugestal
WEIL … ten. Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten.
Wenn wir jetzt dranbleiben und nachhal
tige Entscheidungen für einen digitalen
Fortschritt treffen, wird unser Land auch in
Zukunft bestens aufgestellt sein oder sogar
eine führende Rolle übernehmen.
DER ÖSTERREICHISCHE … mit der Postkutsche in ein Hotel ohne
TOURISMUS OHNE Elektrizität anzureisen, also eine Zeitreise
DIGITALISIERUNG WÄRE FÜR in die Vergangenheit.
MICH WIE …
MEINE PERSÖNLICHE … den Fortschritt und die digitale Weiter
VISION FÜR DEN entwicklung erfolgreich mitgestaltet und
ÖSTERREICHISCHEN implementiert zu haben, weiterhin auf dem
TOURISMUS IN 10 JAHREN Stand der Dinge zu sein und dennoch die
IST … Wurzeln, das „traditionell Österreichische“
und die „typisch österreichische Gastfreund
schaft“ nicht vergessen zu haben.
ALLEN BEITRAGENDEN … bleiben wir weiterhin so aufmerksam
ZUM GESAMTKUNSTWERK und motiviert, um neue Entwicklungen
TOURISMUS MÖCHTE ICH zu erkennen und zu nutzen! Wenn Unter
GERNE MITGEBEN … nehmer/innen, Interessenvertretung und
Politik gemeinsam an einem Strang ziehen,
werden wir den Tourismus in eine sichere
Zukunft führen.
4Dr. Harald Mahrer
Bundesminister für Wissenschaft,
Forschung und Wirtschaft
© KNOPP Marek
MIT DIGITALER … die Welt im Wandel … Veränderung als
TRANSFORMATION einzige Konstante … ungeahnte Möglich
ASSOZIIERE ICH … keiten … flächendeckende Vernetzung
… 360° statt Einbahn … Daten als Rohstoff.
ICH SEHE DIE … wir unsere Ausbildungssysteme entstauben
DIGITALISIERUNG ALS und zukunftsfit machen … wir schon jetzt gut
CHANCE FÜR ÖSTERREICH, ausgebildete Mitarbeiter/innen haben …
WEIL … die Wirtschaft schon in der Vergangenheit
bewiesen hat, dass sie mit Veränderung gut
umgehen kann … Österreich schon immer ein
Land der Forscher/innen, Erfinder/innen und
Innovator/innen war.
DER ÖSTERREICHISCHE … ein Gipfel ohne Kreuz … eine Hütte ohne
TOURISMUS OHNE Wirt … eine Piste ohne Ski … eine Stadt ohne
DIGITALISIERUNG WÄRE FÜR Kultur … eine Therme ohne Wasser … der
MICH WIE … Opernball ohne Walzer … ein Hotel ohne
Zimmer … die Hofburg ohne Sisi.
Mit einem Wort: undenkbar!
MEINE PERSÖNLICHE … dass die Vernetzungsmöglichkeiten, die
VISION FÜR DEN die Digitalisierung bietet, als Motor für
ÖSTERREICHISCHEN Innovation und Weiterentwicklung genutzt
TOURISMUS IN 10 JAHREN werden. Dazu wird es aber nicht reichen,
IST … im Digitalisierungsstrom mitzuschwimmen
– wir werden unsere Spitzenposition im
weltweiten Tourismus nur als Innovations
leader behaupten können.
ALLEN BEITRAGENDEN … dass „more of the same“ im Tourismus
ZUM GESAMTKUNSTWERK zukünftig nicht reichen wird. Wenn wir uns
TOURISMUS MÖCHTE ICH aber gemeinsam den Herausforderungen
GERNE MITGEBEN … der digitalen Transformation stellen, hat
Österreich die besten Chancen, auch in Zu
kunft im weltweiten Tourismus ganz vorne
mitspielen zu können.
DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS 5INHALTLICHE EINFÜHRUNG
VON DER SKEPSIS ZUM AUFBRUCH Für den österreichischen Tourismus birgt
Die Ausgangslage ist hervorragend: Idylli das die enorme Chance, sich im globalen
sche Natur, sauberes Wasser, hohe Sicher Wettbewerb als die Qualitätsdestination
heit, vielfältige kulturelle Reize – das ist die zu positionieren. Die digitale Transformati
einzigartige Kombination, die Österreich on ermöglicht es, die Sehnsucht der Gäste
für Gäste aus der ganzen Welt anziehend nach authentischen persönlichen Begeg
macht. Pro Jahr kommen mehr als 40 Mil nungen noch besser als zuvor erfüllen zu
lionen Gäste aus dem In- und Ausland. Das können und den Widerspruch zwischen
ist fünf Mal so viel wie unser Land selbst Technologie und Menschlichkeit in neu
Einwohner/innen hat. Eine eindrucksvolle artiger Weise aufzulösen – durch maßge
Leistung. schneiderte Kommunikation mit den Gäs
ten schon lange bevor der Urlaub beginnt,
Doch kann man sich auf der Erfolgsge durch den Einsatz von Software im Backof
schichte des österreichischen Tourismus fice der Betriebe oder durch die intelligente
ausruhen? „Wenn wir wollen, dass alles so Nutzung von Daten. Kleine Strukturen und
bleibt, wie es ist, müssen wir zulassen, dass Betriebsgrößen sind kein Hindernis, da ge
sich alles verändert“, schrieb bereits Giu rade die Digitalisierung neue Formate der
seppe Tomasi di Lampedusa im berühmten Zusammenarbeit erleichtert.
Roman „Der Leopard“. Zulassen bedeutet
jedoch nicht, sich überrollen zu lassen, son Aus der Skepsis, die digitalen Technologien
dern selbst Hand anzulegen: Wenn Gäste, oft entgegengebracht wird, soll also ein Auf
Mitarbeiter/innen und Unternehmer/innen bruch werden. Das ist die Zielsetzung der
ihre Kommunikation auf fundamentale Digitalisierungsstrategie für den österreichi
Weise verändern und via Smartphone, Arm schen Tourismus mit ihren 22 Maßnahmen:
bändern und Computern mit Freund/innen, Inspiration, Ansporn und Handlungsanlei
Geräten und Fahrzeugen verbunden sind, tung für Tourismus- und Freizeitunterneh
dann ist das erst der Anfang der digitalen mer/innen, Destinationsmanager/innen,
Transformation. Diese führt zu einem funda Verwaltung und Politik, sich mit neuen
mentalen kulturellen und wirtschaftlichen digitalen Möglichkeiten und Geschäftsmo
Umbruch. Nicht nur das Informations- und dellen auseinanderzusetzen und selbst zu
Buchungsverhalten der Gäste verlagert sich Gestalter/innen des Neuen zu werden.
in die digitale Welt, auch Wertschöpfungs
ketten und Geschäftsmodelle entstehen VISION FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN
neu. Was den Menschen ausmacht, ihn ein TOURISMUS IN 10 JAHREN
zigartig macht in Abgrenzung zur Maschi In einer Welt, deren digitale und analoge
nenwelt, und die Balance zwischen Arbeit Seite verschmilzt, Menschen mehr denn je
und Erholung werden zu zentralen Fragen reisen, untereinander als auch mit Maschi
der Gesellschaft. nen intensiv vernetzt sind, ist Österreich
6eines der weltweit gefragtesten Urlaubslän Sie sind Meister/innen darin, unterschied der: Es steht für einzigartige Erlebnisse in liche analoge und virtuelle Angebote zu einer sauberen Natur, auf Bergen, im Was einem einzigartigen Ganzen zu kombinieren ser, in pulsierenden Kulturszenen und für und über Kooperationen mit anderen Touris persönlich berührende Gastfreundschaft. musbetrieben, Landwirt/innen, Handwerker/ Dadurch gelingt es dem österreichischen innen, Kreativunternehmer/innen, IT-Unter Tourismus, seine Marktanteile im globalen nehmer/innen und anderen Partner/innen Markt nicht nur zu halten, sondern sogar neuartige Geschäftsmodelle zu kreieren zu steigern. Durch eine kluge Nutzung und zu realisieren. Die Unternehmer/innen unterschiedlicher digitaler Technologien setzen digitale Technologien so ein, dass sie und Datensätze ist Urlaub in Österreich in hohe Wertschöpfung im Inland und interna der digitalen Welt stark präsent und ohne tionale Wettbewerbsfähigkeit erzielen. Sie Aufwand buchbar. Die Gastgeber/innen haben den kulturellen und technologischen schneiden das Erlebnis nicht nur im Urlaub Wandel, der mit der digitalen Transformation selbst, sondern bereits im Vorfeld entlang einhergeht, verstanden und als besondere der „Entscheidungsreise“ individuell auf die Stärke entdeckt. Politik und Verwaltung un Bedürfnisse ihrer Gäste zu und betreiben terstützen die Tourismuswirtschaft dabei mit damit permanent Innovation. entsprechenden Rahmenbedingungen. DIE PRINZIPIEN DER DIGITALEN TRANSFORMATION 1. NETZWERKE STATT HIERARCHIE: Digitalisierung ist lediglich ein Instrument und ermöglicht Veränderung. Kern der digitalen Transformation ist jedoch der kulturelle Wandel in der zunehmend vernetzten virtuellen Welt: Kooperationen und Netzwerke lösen Hierarchien ab. Das erfordert neue Strategien auf Ebene von Betrieben, Destinationen und Bundesländern. 2. DIE NEUE ROLLE DER KUND/INNEN: Die Wünsche und Bedürfnisse des Gastes werden zum bestimmenden Element des Angebots: Alles orientiert sich an seinen Erlebnissen. Man denkt in „Customer Journeys“, also in dem Zeitraum oder dem Weg, den man von der Information über die Buchung bis zum tatsächlichen Erleben der Reise macht. Heute verlangen Kund/innen mehr Partizipation und Kommunikation auf Augenhöhe. 3. DATENWIRTSCHAFT: In einer digitalen Welt können Daten bewusst gesammelt und ausgewertet werden: Statt bloßem Bauchgefühl stehen Daten als Entscheidungsgrundlage für Unternehmer/innen und Destinations manager/innen zur Verfügung. Auch die Tourismus- und Freizeitwirtschaft wird eine wissensintensive Branche. 4. OPEN INNOVATION: Die Innovationszyklen werden kürzer, neue Spieler/innen betreten die Branche. Zusam menarbeit wird eine zentrale Option, sodass sich kleinstrukturierte Unternehmen durch Kooperation im Wett bewerb bestens behaupten können. Durch Open Innovation-Prozesse wird permanent Neues hereingeholt und bewusst gestaltet. 5. SERVICE 4.0: Der Charakter der Dienstleistung selbst verändert sich. Sie wird individueller, komplexer und wesentlich informationsintensiver als bisher, ob in der analogen oder digitalen Welt. DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS 7
SWOT-ANALYSE DES
ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS
IM HINBLICK AUF SEINE WETTBEWERBSFÄHIGKEIT
IN DER DIGITALEN TRANSFORMATION
STÄRKEN
Die einmalige Kombination von
Natur, Wasser, Sauberkeit, Kultur
und Sicherheit wirkt weltweit
als Magnet
Die hohe Service- und Gastgeber/
innenqualität zählt auch in einer
digitalen Welt
Das Preis-Leistungsverhältnis ist im
internationalen Vergleich attraktiv
Die hohe Quote an Stammgästen
macht Ressourcen für die Ansprache
neuer Märkte frei
SCHWÄCHEN
Die Erfahrung mit systematischen
Innovationsprozessen ist vergleichs-
weise gering
Die kleinteilige Betriebsstruktur
kann den Wettbewerb mit großen,
internationalen Playern erschweren
Die hohe Abgaben- und Bürokratielast
verringert die finanziellen Spielräume
der Touristiker/innen
Es herrscht verschärfter
Fachkräftemangel
Ultraschnelles Internet ist fast
ausschließlich in größeren Städten
und Ballungsräumen verfügbar
8CHANCEN
Die Alleinstellungsmerkmale und
die hohe Qualität des österreichischen
Tourismus können digital rascher
und umfassender bekannt gemacht
werden – so auch z.B. im Bereich des
Patient/innentourismus, wo Medizin
und Rehabilitation auf höchstem Niveau
geboten wird
HERAUSFORDERUNGEN
Die international hervorragende
Reputation der Reisedestination
Die Innovationsdynamik bei der
Österreich bekommt durch die
Erneuerung von Angeboten und
Digitalisierung eine noch größere
Geschäftsmodellen muss erhöht werden,
Bühne
um Wertschöpfung nicht internationalen
Zwischenhändler/innen zu überlassen
Der Tourismus wächst weltweit,
und Österreich kann von diesem
Der flächendeckende Ausbau des
Wachstum profitieren
Breitbandnetzes muss beschleunigt
werden
Durch Kooperationen können die
Nachteile der Kleinstrukturiertheit
Österreich muss sich auch gegen neu
ausgeglichen und Geschäftsmodelle
entstehende Destinationen behaupten
innoviert werden
Die Anforderungen an Aus- und
Sicherheit wird bei der
Weiterbildung ändern sich immer
Reiseentscheidung wichtiger
rascher
Der Bürokratieabbau muss forciert
werden, vor allem KMU sollten sich
wieder auf ihre unternehmerischen
Tätigkeiten konzentrieren können
Die derzeit oftmals zurückhaltende
Kooperationsbereitschaft muss erhöht
werden – nur so lassen sich die Chancen der
Digitalisierung auch tatsächlich nutzen
DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS 9DREI STRATEGISCHE ZIELE
DIGITALEN WANDEL
GESTALTEN
INNOVATIONSKRAFT KOMPETENZEN UND
DER BETRIEBE PROZESSE FÜR DIGITALE
STÄRKEN TRANSFORMATION
SCHAFFEN
I DIGITALEN WANDEL GESTALTEN
DATEN ALS RESSOURCE
MAẞNAHME 1: Mehr Wertschöpfung in Österreich – Abhängigkeit von internationalen
Online Travel Agencies (OTA) reduzieren
MAẞNAHME 2: Smart Data im Tourismus – Diskussion über die Einführung
eines Marketing Intelligence Hubs für Österreich
MAẞNAHME 3: Herausforderung Datenschutz – Informationsoffensive für
Tourismusunternehmen
DIGITALE INFRASTRUKTUR
MAẞNAHME 4: Breitband bis ins Hinterland – Ausbau von leitungsgebundener
Infrastruktur und Einführung der nächsten Mobilfunk-Generation
KOOPERATIONEN UND SERVICEBUNDLES
MAẞNAHME 5: Kooperationsprojekte belohnen – Schwerpunkt bei
Auszeichnungen und Förderungen
MAẞNAHME 6: Gemeinsam statt einsam – Definition von einheitlichen
Datenschnittstellen
FÖRDERUNG DER DIGITALEN TRANSFORMATION
MAẞNAHME 7: Förderprogramme öffnen – mehr Forschungs- und Innovationsprojekte
im Tourismus
MAẞNAHME 8: Crowdfunding für den Tourismus – neue Kapitalgeber/innen für
die Digitalisierung
MAẞNAHME 9: Hemmschuh Förderungsmodalitäten – Vereinfachung der
Förderabwicklung
10II INNOVATIONSKRAFT DER BETRIEBE STÄRKEN
DIALOG GAST-GASTGEBER/IN
MAẞNAHME 10: Bürokratieabbau und vereinfachte bürokratische Abwicklung online –
neue Freiräume für Unternehmer/innen durch Digitalisierung
MAẞNAHME 11: Digitale Toolbox – Netzwerk für Tourismus-Unternehmer/innen
OPEN INNOVATION
MAẞNAHME 12: Neue Lösungen gefragt – Innovations- und Digitalisierungscoaches
für Betriebe
MAẞNAHME 13: Regulatorische „Spielwiese“ – mehr Freiraum für Innovation
MAẞNAHME 14: Neue Räume für neue Ideen – Open Innovation-Drehscheiben
im Tourismus
III KOMPETENZEN UND PROZESSE FÜR
DIGITALE TRANSFORMATION SCHAFFEN
AUSBILDUNG UND ARBEITSMARKT
MAẞNAHME 15: Digitale Kompetenz in der Lehre – Evaluierung der
touristischen Lehrberufe
MAẞNAHME 16: Die Lehre auf einen Blick – Entwicklung eines elektronischen
Ausbildungstools
MAẞNAHME 17: Vernetzung und Information – neue Serviceangebote für Lehrlinge
und Ausbildner/innen
MAẞNAHME 18: Anforderungen an den Tourismus im Wandel – laufende Weiterentwicklung
von schulischen und universitären Ausbildungsprogrammen
MAẞNAHME 19: Train the Trainer – digitale Fitness und Kompetenz für das Lehrpersonal
an Tourismusschulen und Berufsschulen
VERTRIEB, KOMMUNIKATION UND MARKETING
MAẞNAHME 20: Digitalhilfe auf Knopfdruck – Aufbau einer Peer-to-Peer-Lernplattform
für Unternehmer/innen im österreichischen Tourismus
MAẞNAHME 21: Tourismusmarketing 4.0 – Roadshow in den Destinationen
MAẞNAHME 22: Fairer Wettbewerb auch im Internet – durch rechtliche
Rahmenbedingungen
Jedes Ziel umfasst spezifische Handlungsfelder, die durch insgesamt 22 Maßnahmen
konkretisiert und operationalisiert werden. Dabei werden sowohl bestehende
Maßnahmen beschrieben als auch neue Maßnahmen vorgeschlagen.
DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS 11DATEN ALS RESSOURCE
Für Tourismusanbieter/innen, die sich Zu- ders individueller Services für den Gast, Live
gang zu den richtigen Daten verschaffen Marketing und eine andauernde Beziehung
und diese gezielt nutzen, eröffnen sich völ- mit Stammkund/innen ermöglichen. Das
lig neue Möglichkeiten der Wertschöpfung. gewaltige Potenzial von Daten wird derzeit
In einer digitalen, globalen Welt sind Daten bei weitem nicht ausgeschöpft. Wesentliche
eine harte Währung und ermöglichen, noch Gründe dafür sind die fehlende Sammlung,
näher am Gast zu sein, die richtigen unter die mangelnde Verfügbarkeit, aber auch
nehmerischen Entscheidungen zu treffen der unzureichende Austausch vorhandener
und noch effizienter zu arbeiten. „Fakten Daten zwischen den einzelnen touristischen
statt Bauchgefühl“ lautet das Motto der Da Akteur/innen. Vielen ist die Notwendigkeit
tenwirtschaft, welche touristische Erfahrung der Sammlung noch nicht ausreichend
künftig optimal ergänzen kann. Die erfolg bewusst, andere haben aufgrund des Wett
reiche Sammlung und bewusste Nutzung bewerbs Angst, ihre Daten zu teilen, obwohl
von Daten ist für den Tourismus spielent sie durch Kooperationen letztlich Zugang
scheidend, um den Gast künftig punktge zu noch größeren Datenpools erhalten wür
nau und vor allem sehr persönlich zu errei den. Häufig mangelt es auch noch an der
chen: mit emotionaler Inspiration bereits Kompetenz, die Daten richtig zu nutzen,
vor Antritt der Reise, passender Information der technischen Umsetzung oder der Kom
und Planungsgrundlagen rund um die patibilität existierender Systeme. Die Mög
Buchung, maßgeschneiderten Angeboten lichkeiten, gemeinsam schnell und flexibel
während der Reise und Bestätigung sowie auf Preisentwicklungen, Buchungslage und
Erinnerung danach, wenn das Erlebnis im aktuelle Marktbedingungen zu reagieren,
Kopf nachhallt. Große wie kleine Tourismus werden erst unzureichend genutzt – es fehlt
anbieter/innen können von Daten enorm ein gemeinsamer Wissenspool.
profitieren, weil diese das Schnüren beson
© Adobe Stock
12I DIGITALEN WANDEL GESTALTEN
„Unser Ziel sollte sein, genau
jenem Gast direkt kommunizier mit
können, der gerade ‚Urlaub in en zu
sucht. Eine 1-to-1-Kommunik Österreich‘
ation
wir nur über die Digitalisieru können
© ÖW/Specht
ng
verwirklichen.“
Petra Stolba,
Österreich Werbung
MAẞNAHME 1: MAẞNAHME 2:
Mehr Wertschöpfung in Österreich – Smart Data im Tourismus – Diskussion über
Abhängigkeit von internationalen die Einführung eines Marketing-Intelligence
Online Travel Agencies (OTA) reduzieren Hubs für Österreich
Internationale OTA verlangen hohe Provisio Ausgewählte, verhaltensbezogene Daten, die
nen und sammeln die Daten unserer Gäste. während der gesamten Customer Journey
Ziel muss aber sein, einen größeren Teil der erhoben werden, ermöglichen eine zuverläs
Wertschöpfung im Land zu behalten. Die sige Analyse der individuellen Bedürfnisse
Abhängigkeit von internationalen OTA soll der Gäste und den Gewinn völlig neuer Er
einer fairen Kooperation gleichberechtigter kenntnisse in Echtzeit. Dass Daten in Öster
Partner weichen, z.B. durch die Intensivie reich gemeinsam erhoben und ausgewertet
rung der Zusammenarbeit auf betrieblicher werden können, zeigt die erfolgreiche
Ebene wie durch Kooperationen von Inco Kooperation der Österreich Werbung mit
ming Reisebüros und der Hotellerie, sowie den Bundesländern und den Destinationen
durch vermehrte Direktbuchungen. bei der Neuausrichtung von T-MONA, einer
österreichweiten Gästebefragung. Mit dem
Aufbau eines Marketing Intelligence Hubs
soll das gemeinsame Sammeln von und
Lernen aus verhaltensorientierten, anonymi
sierten Nutzerdaten ermöglicht und damit
das Tourismusmarketing optimiert werden.
DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS 13© Adobe Stock
EXKURS: DATENSCHUTZ
Der Datenschutz ist eine große Herausfor- bis zu 20 Millionen Euro oder 4% des
derung für den österreichischen Tourismus. weltweit erzielten Jahresumsatzes. Der
Unternehmen sind gut beraten, sämtliche europäische Gesetzgeber nimmt bei der
Datenanwendungen eingehend auf die Strafbemessung die/den für die Verarbei-
Datenschutzkonformität zu überprüfen, tung Verantwortliche/n in die Pflicht und
um rechtliche Probleme zu vermeiden. setzt bewusst auf eine abschreckende
Der datenschutzkonforme Umgang mit Wirkung. Mit der DSGVO wird die soge-
personenbezogenen Daten über Kund/ nannte „Rechenschaftspflicht“ (engl. „Ac-
innen, Lieferant/innen und Mitarbeiter/ countability“) eingeführt. Diese bedeutet,
innen ist wichtiger Bestandteil der betrieb- dass Datenschutzverantwortliche für die
lichen Compliance und ab 25. Mai 2018 Einhaltung der in der DSGVO enthaltenen
Gesetzespflicht. Die europäische Daten- Datenschutzgrundsätze verantwortlich
schutz-Grundverordnung (DSGVO) sieht sind und deren Einhaltung auch nach
bei Verstößen empfindliche Bußgelder vor – weisen können.
DATENSCHUTZGRUNDSÄTZE:
Rechtmäßigkeit, Verarbeitung nach Treu und Glauben, Transparenz
Zweckbindung
Datenminimierung
Richtigkeit
Speicherbegrenzung
Integrität und Vertraulichkeit
14I DIGITALEN WANDEL GESTALTEN
Die neue Gesetzeslage enthält altbekannte Die verpflichtende Bestellung einer/eines
Pflichten, aber auch neue Herausforderungen. Datenschutzbeauftragten wird aber wohl
So wurden die Rechte der Betroffenen erheb im Regelfall für die Tourismus- und Freizeit
lich ausgebaut. Betroffene sollen Bescheid wirtschaft nicht schlagend (Ausnahme: z.B.
wissen, ob ihre personenbezogenen Daten Gesundheitsbetriebe), da weder eine „regel
verarbeitet und darüber umfassend, transpa mäßige und systematische Überwachung“
rent, präzise, leicht zugänglich und verständ erfolgt, noch umfangreich „sensible Daten“
lich informiert werden. verarbeitet werden.
Weiters werden z.B. das „Recht auf Vergessen“, Im Prinzip sind alle Datenanwendungen
„Datenschutz durch Technikgestaltung“ eines Tourismusbetriebes – wie zum Beispiel
(„Privacy by Design“) sowie „datenschutz Computerreservierungssysteme, Kundenbin
freundliche Voreinstellungen“ („Privacy by dungsprogramme, CRM-Systeme, Werbung
Default“) eingeführt. So soll durch „Privacy unter Einsatz elektronischer Kommunika
by Design“ ein Softwaresystem so gestaltet tionsmittel, herkömmliche Briefwerbung,
werden, dass dieses möglichst wenig in die Check-in und Check-out inklusive AGB,
Privatsphäre eingreift. „Privacy by Default“ Videoüberwachung, Zutrittskontrollsystem
dagegen bedeutet, dass automatisch daten per Radio-Frequency Identification (RFID)
schutzfreundliche Einstellungen ausgewählt und Biometrie, Internetnutzung, Webauftritt,
werden, die nur von Betroffenen geändert Webshops uvm. – zu analysieren und an die
werden können. neue Gesetzeslage anzupassen.
Autor: Hans-Jürgen Pollirer,
Die DSGVO sieht umfangreiche Dokumen Secur-Data Betriebsberatungs-GmbH
tationspflichten vor – so ist für alle Datenan
wendungen ein detailliertes Verfahrensver
zeichnis anzulegen. Für Verarbeitungen, die
mit hohem Risiko für Betroffene verbunden
sind, ist eine sogenannte Datenschutz-Fol MAẞNAHME 3:
genabschätzung durchzuführen. Im Bereich Herausforderung Datenschutz – Informa
der Informationssicherheit fordert die DSGVO tionsoffensive für Tourismusunternehmen
die Durchführung von Risikoanalysen und das Eine rechtzeitige Vorbereitung auf die Än
Treffen geeigneter technischer und organisa derungen im Datenschutz kann Tourismus
torischer Maßnahmen, um die Rechte und unternehmen vor Problemen bewahren. Mit
Freiheiten der Betroffenen sicherzustellen. einer Informationsoffensive sollen Tourismus
Zu analysieren und vermutlich anzupassen unternehmer/innen für das Thema Daten
sind alle mit externen Dienstleister/innen schutz sensibilisiert und auf das vorhandene
abgeschlossenen Verträge sowie alle „Ein Informations- und Beratungsangebot (siehe
willigungserklärungen“, die als Rechtsgrund www.wko.at/datenschutz) hingewiesen
lage für eine Datenanwendung dienen. werden.
DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS 15DIGITALE INFRASTRUKTUR
Überall dort, wo Tourismus passiert, brauchen Datennetze und ohne ultraschnelles Inter
Gäste und Gastgeber/innen schnelles net nicht möglich. Nicht einmal der Bau,
Internet und Datenautobahnen. Sie sind der Betrieb und Rückbau von touristischen
die Voraussetzung für künftigen Erfolg. Gebäuden wird ohne umfassenden Einsatz
Internet beim Skifahren, auf der Almhütte von Building Information Modeling (BIM)
und im Zug, störungsfreie Videokonferen auskommen und einhergehen können
zen vom Landhotel aus: Für Gäste ist mitt (SIEHE BOX, Seite 17).
lerweile der Zugang zum Internet während Menschen, Dinge, Gebäude – alles ist zu
der gesamten Reise, egal wo sie sich gerade nehmend miteinander vernetzt: Gäste wer
befinden und auch rund um die Uhr, eine den in Zukunft bereits über ihre mobilen
Selbstverständlichkeit. Doch auch für die Endgeräte einchecken, ihre Hotelzimmer
Tourismusanbieter/innen ist die Anbindung aufsperren, Services vor Ort buchen oder
an ein leistungsfähiges, flächendeckendes beim Skifahren und Wandern an Commu
Breitbandnetz das Fundament für die künf nity-Wettbewerben im Internet teilnehmen
tige Wertschöpfung und mindestens genau und sich mit anderen Gästen messen. Auf
so wichtig wie eine gute Verkehrsanbindung grund des exponentiellen Anstiegs an Da
und Energieversorgung: Datengetriebene tenmengen bildet eine leistungsfähige und
Marketing- und Vertriebsaktivitäten, die flächendeckende digitale Infrastruktur das
Umsetzung neuartiger touristischer Ge Rückgrat für ein optimales Erlebnis für den
schäftsmodelle und Echtzeitkooperationen, Gast, intelligente Tourismusdienstleistungen
sowohl im Tourismus als auch mit anderen und eine zielgerichtete Sammlung und Nut
Branchen, sind ohne den Ausbau der zung von Daten im Tourismus der Zukunft.
© Adobe Stock
16I DIGITALEN WANDEL GESTALTEN
MAẞNAHME 4:
Breitband bis ins Hinterland – Ausbau von punkt für den Erfolg des digitalen Wandels
leitungsgebundener Infrastruktur und Ein- und muss folglich rasch umgesetzt werden.
führung der nächsten Mobilfunk-Generation Durch gezielte Investitionen in den Ausbau
Eine flächendeckende, ausfallsichere Versor digitaler Infrastruktur, sowohl in Ballungs
gung mit ultraschnellen Breitband-Hoch räumen als auch in ländlichen Regionen,
leistungszugängen – leitungsgebunden und soll Österreich eine der führenden digitalen
über 5G-Mobilfunknetze – ist der Ausgangs Nationen Europas werden.
BEI BREITBAND NUR IM MITTELFELD
Die Breitbandversorgung von Österreichs Wohnsitzen in Next Generation Access (NGA)-Qualität, d.h. mit Übertra
gungsgeschwindigkeiten von 30 Mbit/s und mehr, liegt derzeit bei knapp 65% (Quelle: Bundesministerium für Ver
kehr, Innovation und Technologie (BMVIT): Breitband in Österreich – Evaluierungsbericht 2016). Hohe Geschwindig
keiten stehen fast nur in größeren Städten und Ballungsräumen zur Verfügung, in ländlichen sowie entlegenen
Gebieten sind sie noch die Ausnahme. Im EU-Vergleich liegt Österreich bei der NGA-Verfügbarkeit damit nur im
Mittelfeld.
BIM ALS BEISPIEL FÜR NEUARTIGE PROZESSE
Mithilfe von Building Information Modeling (BIM) – digitaler Gebäudemodellierung – werden Gebäude in Zukunft
gänzlich vernetzt geplant, betrieben und wieder rückgebaut. Rund um diesen digitalen Zwilling des echten,
künftigen Gebäudes arbeiten alle planenden und ausführenden Unternehmen zusammen. Für den Tourismus
ist BIM vor allem deshalb interessant, weil mit seiner Hilfe bis zu 50% Produktivitätssteigerung während des Baus,
vorausschauende Wartungen, Energie- und Ressourceneinsparungen im Betrieb sowie einheitliche Echtzeit
informationen über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes hinweg erzielt werden können.
„Durch den digitalen Zwilling realer Gebäude kann der gesamte Betrieb simuliert werden,
bevor noch der erste Kubikmeter Erdreich ausgehoben wird.“
Christoph M. Achammer, ATP-Planungs- und Beteiligungs AG und Technische Universität Wien
„Schnelles Internet überall
wo Gäste sind und Tourismusbdort,
arbeiten, ist sicher eines der etriebe
Handlungsfelder und darf nich wichtigsten
werden. Alle anderen Ideen, t unterschätzt
Stra
Visionen bauen darauf auf, tegien und
Internetzugang einfach und dass der
rasch überall
funktioniert.“
Michael Mrazek,
© ncm
ncm-net communication
management GmbH
DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS 17KOOPERATIONEN UND
SERVICEBUNDLES
Das vielfältige Potenzial Österreichs soll können auch Daten als Ressource für die
zukünftig als Gesamtkunstwerk für Gäste Analyse von Besucher/innenverhalten ge
von nah und fern erlebbar sein. nutzt werden. Somit können personalisierte
Saubere Luft, malerische Landschaften, idyl Servicebündel, welche auf die Wünsche und
lische Unterkünfte an Seen sowie eine Fülle aktuelle Tagesverfassung des Gastes sowie
an Sehenswürdigkeiten, Kulturschätzen und momentane Rahmenbedingungen zuge
Aktivitäten sind keiner Branche oder Destina schnitten sind, einfacher angeboten wer
tion alleine zuzuordnen. den. Auch neue Produktkreationen wie z.B.
Traditionelle, politische, organisatorische Schnitzkurse im Programm des Hotels, Yoga
oder Branchengrenzen müssen daher aufge am See oder digitale Wanderführer setzen
brochen werden, damit Österreich als Ge branchenübergreifende Zusammenarbeit
samtes wahrgenommen wird und für seine voraus und schaffen neue Anreize für die
Gäste eine nahtlose, individuelle Reise in Gäste. Mindestens ebenso wichtig sind ana
nerhalb des facettenreichen Erholungs- und loge wie digitale Kooperationen hinter den
Erlebnisraums möglich wird. Kulissen, um Leistungen optimal erbringen
Dafür benötigt es eine intensivere Vernet zu können – im Tourismus, aber auch über
zung der einzelnen Tourismusanbieter/innen den Tourismus hinaus.
als bisher – die mangelnde Sensibilisierung Doch all diese Möglichkeiten stellen Touris
für deren Notwendigkeit in einer digitalen musanbieter/innen gleichzeitig vor ernsthaf
Welt bremst immens. Durch die Bündelung te Herausforderungen: Geeignete Partner/
von Dienstleistungen können sich alle auf ihr innen finden, sich mit ihnen vernetzen, un
Kerngeschäft konzentrieren, das Ergebnis terschiedliche Wissensstände ausgleichen
wäre ein größeres, besseres Angebot. Je viel und einen funktionierenden digitalen Daten
fältiger die Kooperationen, desto einfacher austausch gewährleisten.
© Adobe Stock
18I DIGITALEN WANDEL GESTALTEN
MAẞNAHME 5: MAẞNAHME 6:
Kooperationsprojekte belohnen – Gemeinsam statt einsam – Definition
Schwerpunkt bei Auszeichnungen und von einheitlichen Datenschnittstellen
Förderungen Um in einer digitalen Welt erfolgreich zu
Digitalisierung bedeutet Vernetzung. Sie sein, braucht es ein hohes Maß an Koope
ermöglicht die Kooperation mit anderen ration. Die Bereitschaft, Daten zu teilen und
Branchen, ebenso wie innerhalb des auszutauschen, steigt rasant, wenn alle – vom
Tourismus. Deshalb soll Kooperation als Kleinstbetrieb bis zur Destination – den Ei
Schwerpunkt von Förderungen und Aus gennutzen erkennen und spüren können.
zeichnungen in den Mittelpunkt gerückt Grundvoraussetzung dafür sind aber einheit
und Digitalisierungsvorhaben vor den Vor liche Standards und entsprechende Schnitt
hang geholt werden. stellen. Mit einer umfassenden digitalen
„Tourismus-Landkarte“ – einer digitalen Über
sicht über alle touristisch relevanten Anbie
ter/innen und Angebote – könnte Österreich
Vorreiter sein.
„Gäste erwarten zukünftig
nicht nur personalisierte, son
dern
individualisierte Angebote.
Digitalisierung vereinfacht branDie
und regional unabhängige Ang chen-
und Lernnetzwerke. Diese stei ebots-
gern die
Wirksamkeit der Unternehme
n
einem komplexen Umfeld.“ in
© privat
Reinhard Lanner,
Managementcoach
„Digitalisierung ist Vern
© Armin Plankensteiner
und Kooperation. Wir müssen etzung
Daten kooperieren. Es gilt, auch bei den
zu sammeln und zu nutzen. diese gemeinsam
Ans
wir es nicht schaffen, den Tech onsten werden
mitzumachen, den z.B. Internet nologiesprung
of Things
und Chatbots auslösen.“
Rainer Schuster,
Start-up Unternehmer
DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS 19FÖRDERUNG DER
DIGITALEN TRANSFORMATION
Digitalisierung gefährdet bisher erfolgreiche dafür, wie moderne Förderkriterien aussehen
Geschäftsmodelle, schafft aber enorme müssen. Die Ausschreibungskriterien waren
Chancen für jene, die die neuen „Spielregeln“ weit gefasst und haben die gesamte Custo
geschickt nutzen. Ein Umdenken in der För- mer Journey inkludiert.
derpolitik ist nötig. Die Wertschöpfungskette sollte daher in
Intelligente Tourismusförderung muss so Zukunft bei der Beurteilung von Tourismus-
gestaltet sein, dass sie an den richtigen projekten im Vordergrund stehen, Prozesse
Stellen des Systems ansetzt und nachhal und Ideen stärkere Berücksichtigung fin
tige Effekte hervorruft. Derzeit werden in den.
der Investitionsfinanzierung hauptsächlich Digitalisierung ist auch für die Finanzierung
solche Projekte gefördert, die bilanztech eine Herausforderung, denn Digitalisierungs
nisch aktiviert werden können, im Regelfall projekte sind nur schwer mit Bankkrediten
einzelbetriebliche Investitionen. zu finanzieren. In der digitalen Welt gibt es
Digitalisierung erfordert allerdings zukünftig kaum Werte, die banktechnisch besichert
noch viel stärkeres Destinationsdenken, werden können – auf digitale Netzwerke
das Gesamtkunstwerk Tourismus ist im Kern kann keine Hypothek eingetragen, auf um
Vernetzung und Kooperation. Dieser Aspekt fassende Kooperationen keine Pfandbestel
muss sich in den Förderrichtlinien stärker lungsurkunde ausgestellt werden. Daher
widerspiegeln. Der Leuchttürme-Call 2016/17 wird in Zukunft Crowdfunding ein großes
zum Thema Digitalisierung war ein Beispiel Finanzierungsthema sein.
© Adobe Stock
20I DIGITALEN WANDEL GESTALTEN
MAẞNAHME 7:
Förderprogramme öffnen – mehr www.we4tourism.at können für Tourismus
Forschungs- und Innovationsprojekte projekte potenzielle Partner/innen akquiriert
im Tourismus werden. Nach erfolgreicher Startphase soll
Tourismus muss ein anerkannter For Crowdfunding nun auch für Digitalisierungs
schungsbereich in der Forschungs- und vorhaben noch stärker als Ergänzung zu be
Innovationsförderung sein. Niederschwellige stehenden Förderungs- und Finanzierungs
Programme sollen dabei vor allem auch programmen der ÖHT positioniert werden.
KMU in ihren Innovationsvorhaben unter
stützen. MAẞNAHME 9:
Hemmschuh Förderungsmodalitäten –
MAẞNAHME 8: Vereinfachung der Förderabwicklung
Crowdfunding für den Tourismus – neue Die Förderungsmodalitäten österreichischer
Kapitalgeber/innen für die Digitalisierung Förderprogramme schrecken insbesondere
Interessierte Investor/innen werden ein- KMU ab. Die Förderabwicklung soll deshalb
geladen, sich an konkreten Vorhaben vereinfacht werden bzw. brauchen Betriebe
finanziell zu beteiligen. Auf der Plattform Anleitung.
In Österreich gibt es ein breites Spektrum an Unterstützungsmöglichkeiten für die
Tourismuswirtschaft – auch, um den Prozess der digitalen Transformation zu erleichtern.
Beispielhaft werden hier einige bundesweite Fördermöglichkeiten angeführt.
ÖHT Erster Ansprechpartner für Tourismusförderungen und -finanzierungen ist die Österreichische Hotel- und
Tourismusbank – die Spezialbank für Investitionen im Tourismus. Neben dem TOP-Tourismus-Impuls-Programm,
den ERP-Krediten und Haftungen wurde mit dem Leuchttürme-Call 2016/17 erstmals ein Digitalisierungsschwer
punkt gesetzt. www.oeht.at
KMU DIGITAL Mit dieser Initiative soll die Digitalisierung in kleinen und mittelgroßen Betrieben angekurbelt
werden. Gefördert werden Potenzialanalysen, Umsetzungsberatungen (interne Prozesse, IT-Security, E-Commerce),
Mitarbeiter/innen- und Unternehmer/innenweiterbildung. Auch Kleinstunternehmen können von dieser Initiative
profitieren. Start September 2017 bis Ende 2018. www.kmudigital.at
BREITBAND AUSTRIA 2020 CONNECT Mit dieser Initiative wird der Glasfaserausbau vorangetrieben. Zielgruppe
sind KMU und Gebietskörperschaften. Diese Initiative läuft bis 2019.
www.ffg.at/breitband/connect-vorabinformation
SMART AND DIGITAL SERVICES INITIATIVE Ziel ist es, die Digitalisierung in Dienstleistungsbetrieben
durch Forschung voranzutreiben. Diese Initiative richtet sich auch an KMU und läuft bis Ende 2018.
www.ffg.at/programme/smart-and-digital-services
Hingewiesen wird auf die Förderungen in den Bundesländern – siehe Seite 32.
„Tourismusförderung
sollte in Zukunft stärker auf
und die Wertschöpfungskett Prozesse
© Tourismausbank
Eine gute Idee ist für das Gese abzielen.
amt
werk Tourismus genauso wich kunst-
tig wie
ein Zubau oder ein Pool.“
Wolfgang Kleemann, Österreic
hische
Hotel- und Tourismusbank
DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS 21DIALOG GAST – GASTGEBER/IN
Begegnungen, die berühren: In einer zuneh- besondere Kompetenz, die lediglich der
mend digitalen Welt steigt die Sehnsucht, Mensch beherrscht. Techniklösungen sind
nicht als Fremde/r, sondern als Freund/in kopierbar, die besondere Qualität der Gast
willkommen geheißen zu werden. freundschaft, Empathie und Fingerspitzen
In unserer schnelllebigen, oft auch anony gefühl hingegen nicht.
men Welt kommt den Gastgeber/innen eine
neue, bedeutsame Rolle zu: Durch authenti Die Gastgeber/innen der Zukunft ermögli
sche Begegnungen, persönliche Gespräche chen die perfekte Verschmelzung zwischen
und individuelle Betreuung – sowohl durch digitalen und echten Erlebnissen und das
maßgeschneiderte Online-Kommunikation Eintauchen in die jeweilige Destination. Da
als auch echte Offline-Begegnung – schaffen ten, die den Gastgeber/innen digital zur Ver
sie einen Gegenpol zum Massengeschäft. fügung stehen, wie z.B. individuelle Präferen
Wie können Zeit und Ruhe für diese neue zen des Gastes oder sein Reisekontext, sind
Gastfreundschaft geschaffen werden? Etwa dabei ein wichtiges Werkzeug. Darüber hin
durch die Verwendung digitaler Technolo aus sind neue soziale Kompetenzen bei der
gien, um die Abläufe und Vorgänge in den Vernetzung der Gäste vor Ort gefragt: Gastge
Tourismusbetrieben zu vereinfachen. Deren ber/innen können dazu beitragen, dass sich
bewusster Einsatz macht es Gastgeber/innen ihre Gäste untereinander austauschen, Ideen
möglich, ihren Fokus auf den Gast und des fließen und neue Freundschaften entstehen.
sen Bedürfnisse zu legen. Herauszufinden, Jene Emotionen, die geweckt werden, sind
was den Gast interessiert und berührt sowie letztendlich ausschlaggebend, ob eine Reise
zuzuhören, nicht nur was, sondern auch oder ein Erlebnis als gelungen und unver
wie etwas gesagt wird, ist nach wie vor eine gesslich wahrgenommen wird.
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22II INNOVATIONSKRAFT DER BETRIEBE STÄRKEN
MAẞNAHME 10: MAẞNAHME 11:
Bürokratieabbau und vereinfachte Digitale Toolbox – Netzwerk für
bürokratische Abwicklung online – Tourismus-Unternehmer/innen
neue Freiräume für Unternehmer/innen Für viele Unternehmer/innen ist es eine
durch Digitalisierung Herausforderung, aus der Vielzahl an vor
Digitalisierung muss Unternehmer/innen, handenen digitalen Tools und Technologi
Mitarbeiter/innen, aber auch Gäste entlas en die jeweils geeigneten für den eigenen
ten. Insbesondere Gastgeber/innen sollen Betrieb auszuwählen. Um von bereits in der
mehr Zeit haben, sich dem Gast persönlich Branche vorhandenen Erfahrungswerten zu
zu widmen. Neue Technologien bieten die profitieren, soll ein Netzwerk etabliert wer
Chance, Bürokratie abzubauen sowie dort den, welches den Touristiker/innen sowohl
wo nötig, Prozesse schlanker und schneller im Rahmen physischer Treffen als auch
zu machen, von der Gewerbeanmeldung bis digital ermöglicht, miteinander und vonei
zur Statistik, von Arbeitsaufzeichnungen bis nander über den Einsatz von digitalen Tools
hin zum Meldewesen. Eine flächendecken und Technologien zu lernen. Regelmäßiger,
de Umsetzung von E-Government, wie z.B. fachlicher Input durch externe Coaches soll
durch das Projekt „X-Road“ in Estland, sowie dabei neues Wissen von außen in das Netz
Bürokratieabbau setzen hierfür die notwen werk bringen. Letztlich ist das Ziel, durch
digen Schritte. professionelle Digitalisierung mehr Zeit für
den Dialog zwischen Gast und Gastgeber/in
zu haben.
„Es geht nicht bloß darum,
Wertschöpfung zu generieren
und
technologisch aufzuho
Bei der digitalen Transformatlen.
© Christian Lendl
ion
es um ein neues Menschenbil geht
d.“
Silke Seemann
Zukunftsinstitut und
Hallstatt Hideaway
DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS 23OPEN INNOVATION
Wie bleibt der österreichische Tourismus experimentieren. Via digitaler Plattformen
stets am Puls der Zeit? Digitale Märkte können etwa Ideen eingesammelt (Stich
erfordern permanent Innovation. wort: Crowdsourcing) und Innovation Chal
Mittels Open Innovation, also der gezielten lenges abgewickelt werden.
und strategischen Öffnung von Innovations Eine Voraussetzung für erfolgreiche Open
prozessen, kann der Schatz, auf dem der ös Innovation-Prozesse ist eine gewisse Offen
terreichische Tourismus sitzt, gehoben wer heit vonseiten der Touristiker/innen. Darüber
den: Mehr als 40 Millionen Gäste verzeichnet hinaus benötigen sie physische und digitale
der österreichische Tourismus jährlich – eine Angebote, welche einerseits die Wirkungs
riesige Ressource in punkto Wissen, Bedürf kraft und die Methoden von Open Innovation
nisse, Anforderungen und Ideen, welche in aufzeigen und andererseits die Bildung neu
Innovationsprojekte eingebunden werden er Innovationspartnerschaften unterstützen.
kann, und gleichzeitig eine Besonderheit Als Grundlage sind gesetzliche Rahmenbe
der Branche. Darüber hinaus können auch dingungen zu schaffen, welche die Innova
geografisch verstreute und unübliche Wis tionsaktivitäten erleichtern und fördern.
sens- und Ideengeber/innen aus anderen Erst wenn Open Innovation als strategisches
Branchen und Bereichen, wie beispielsweise Mittel in die alltägliche Arbeit der Tourismus
aus der Landwirtschaft, Kreativwirtschaft, der organisationen und der Touristiker/innen
Forschung, dem Handwerk oder der Start- integriert wird, ist die Wettbewerbsfähigkeit
up-Szene ins Boot geholt werden, um des österreichischen Tourismus auch in Zu
Neues zu entwickeln und gemeinsam zu kunft gesichert.
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24II INNOVATIONSKRAFT DER BETRIEBE STÄRKEN
MAẞNAHME 12:
Neue Lösungen gefragt – Innovations- und einer Art „Spielwiese“ für einen begrenzten
Digitalisierungscoaches für Betriebe Zeitraum regulatorische Vorschriften ausge
Eine maßgeschneiderte, individuelle Dia setzt bzw. vereinfacht werden. Denn nur in
gnose und Begleitung: Das wünschen sich einem innovationsfreundlichen Klima gibt
Betriebe, wenn es um den Stand und das es Lust, Neues auszuprobieren.
Potenzial ihrer Innovationsfähigkeit geht.
Innovations- und Digitalisierungscoaches MAẞNAHME 14:
sollen Unternehmer/innen direkt im Betrieb Neue Räume für neue Ideen – Open
dabei unterstützen, geeignete Strategien zu Innovation-Drehscheiben im Tourismus
entwickeln und im Sinne eines Baukasten Was in der Kreativwirtschaft bereits ver
systems Beratungsleistungen anzubieten. breitet ist, ist im Tourismus noch weitge
hend unbekannt: Methoden und Formate
MAẞNAHME 13: wie Barcamps, Hackatons, Living Labs und
Regulatorische „Spielwiese“ – Co-Working/Co-Thinking Spaces, die durch
mehr Freiraum für Innovation Einbeziehung von „unüblichen“ Wissens
Auch im Tourismus werden Innovationen quellen und der „Crowd“ (online und offline)
durch Behördenauflagen, Bewilligungsver eine neue Dynamik in die Innovationsfähig
fahren, etc. oftmals erschwert. Um Dinge keit des Tourismus bringen.
einmal ausprobieren zu können, sollen auf
„In kaum einer anderen
lebt und atmet das Produkt Branche
durch den Kunden wie im Touso stark mit und
die Chance, bestehende und rismus. Das birgt
Komplizen bei der Weiterentw künftige Kunden zum
© NEWS / Ian Ehm
Angebots zu machen und in icklung des eigenen
einzubinden. Somit ist die BranInnovationsprozesse
Open Innovation, ob online odeche prädestiniert für
r direkt im Betrieb.
Für das Destinationsmanageme
sich neue Rollen als Innovati nt ergeben
onsbroker.“
Gertraud Leimüller,
winnovation consulting gmb
h
DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS 25AUSBILDUNG UND ARBEITSMARKT
Die Angst, dass Roboter Menschen aus zeitig der Grundstein für einen natürlichen
Fleisch und Blut ersetzen, ist im Tourismus Umgang mit Digitalisierung gelegt. Damit
unbegründet. Ein Grundstock an digitalem steigen jedoch auch die Anforderungen an
Wissen ist allerdings ein Muss für alle Mitar- das pädagogische Lehrpersonal, das sowohl
beiter/innen. inhaltlich als auch didaktisch dahingehend
Daten sammeln, verwalten und geschickt geschult werden muss.
nutzen, digital kommunizieren. Diesen An
forderungen müssen zukünftig auch die Die Bedeutung von Re-Qualifizierung und
Arbeitskräfte im Tourismus gerecht werden. Weiterbildung von Touristiker/innen nimmt
Die Digitalisierung verändert Berufsbilder durch die Digitalisierung zu. Die Chancen
grundlegend und verlangt stets neues Wis liegen dabei in der Verfügbarkeit von digita
sen. Ausbildungen müssen auf zukünftig re lem Lernen: E-Learning z.B. ermöglicht eine
levante Kompetenzen vorbereiten, insbeson zeit- und ortsunabhängige Fortbildung.
dere müssen sie digitalisierungsfit gemacht Nicht zuletzt werden neue Möglichkeiten
werden und „eTourism“ breiter verankern. eröffnet, das Berufsfeld Tourismus für junge
Aber auch soziale Kompetenzen, Empathie Menschen wieder attraktiver zu gestalten.
und die „Kunst, Gastgeber/in zu sein“ dürfen Durch die zunehmende Professionalisierung
in der Ausbildung der technikaffinen Touristi und den Einsatz digitaler Technologien kön
ker/innen nicht zu kurz kommen. Mindestens nen sich viele Abläufe und Tätigkeiten maß
ebenso wichtig wie die inhaltliche Anpas geblich verbessern. Derzeit bleiben verhält
sung der Lehrpläne ist auch der Einsatz in nismäßig wenige Tourismus-Absolvent/innen
novativer Lernformen wie z.B. Blended Lear in der Branche – sie sind gefragte Mitarbeiter/
ning. Durch die Verschmelzung von on- und innen in anderen Bereichen und wandern
offline in der Ausbildung wird bereits früh bei entsprechenden Angeboten ab.
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26III KOMPETENZEN UND PROZESSE FÜR
DIGITALE TRANSFORMATION SCHAFFEN
MAẞNAHME 15:
Digitale Kompetenz in der Lehre – spezifische Online-Unterstützungen des
Evaluierung der touristischen Lehrberufe Lernfortschritts und Auszeichnung von Good-
Digitale Fitness in der Lehre – eine Voraus Practice-Beispielen in Unternehmen sollen
setzung, um mit technischen und sonstigen die duale Berufsausbildung unterstützen.
beruflichen Entwicklungen in der Zukunft
gut umgehen zu können. Bei der Erstellung MAẞNAHME 18:
zukünftiger Berufsbilder für Lehrberufe Anforderungen im Tourismus im Wandel –
muss deshalb, je nach Anforderung des laufende Weiterentwicklung von schuli-
Lehrberufs zum Überarbeitungszeitpunkt, schen und universitären Ausbildungspro-
die Vermittlung digitaler Kompetenzen grammen
Berücksichtigung finden. Zukünftige Anforderungen an Tourismus
berufe sollen rechtzeitig in die Ausbildungs
MAẞNAHME 16: ordnungen eingearbeitet werden. Hierfür ist
Die Lehre auf einen Blick – Entwicklung wissenschaftliche Begleitung nötig. Wichtig
eines elektronischen Ausbildungstools ist, dass auch die berufliche Weiterbildung
Was erwartet den Lehrling in seiner Aus anhand des europäischen Qualifikationsrah
bildung? Welche Meilensteine sind schon mens gestaltet wird.
geschafft, was ist noch offen? Diese Fragen
soll ein Tool für Lehrbetriebe, Berufsschulen MAẞNAHME 19:
und Lehrlinge beantworten, das die Ausbil Train the Trainer – digitale Fitness und Kom-
dungsgestaltung und -dokumentation digi petenz für das Lehrpersonal an
tal erfasst. Der wissenschaftlich begleitete Tourismusschulen und Berufsschulen
Pilot startet in den Gastronomie-Lehrberu Die laufende Weiterbildung und Stärkung
fen, erste Testphasen beginnen 2018. digitaler Kompetenzen des touristischen
Lehrpersonals ist ein wichtiger Puzzlestein
MAẞNAHME 17: für zukunftsfähige Ausbildungen. Daher soll
Vernetzung und Information – neue die Lehrerausbildung verstärkt auf die Ver
Serviceangebote für Lehrlinge und mittlung von Verständnis und Know-how in
Ausbildner/innen der Anwendung digitaler beruflicher Instru
Lehrlinge und ihre Ausbildner/innen sollen mente fokussieren. Um den Lernprozess der
im Internet mehr Service vorfinden: Imple auszubildenden Fachkräfte zu unterstüt
mentierung eines Online-Ausbildner/innen zen, sollen E-Learning-Anwendungen und
netzwerks, Vernetzung bestehender Online- sonstige digitale Bildungstechnologien und
Lernangebote für Lehrlinge, Ausbau web -angebote in der Aus- und Weiterbildung
basierter Berufsinformation, digitale Förde des Lehrpersonals stärker als bisher einbe
rung von Grundkompetenzen, branchen zogen werden.
„Technologien sind immer nur
sie ermöglichen uns etwas. Eine Enabler,
ist ‚dumm‘, erst mit dem Men Technologie
der die Kompetenz hat, die Tech schen,
© Andreas Hauch
anzuwenden, wird die Technolo nologie richtig
gie nutzbar
Photography
gemacht. Und genau da sehe
ich momentan
auf weiter Flur große Versäum
nisse.“
Roman Egger,
Fachhochschule Salzburg
DIGITALISIERUNGSSTRATEGIE FÜR DEN ÖSTERREICHISCHEN TOURISMUS 27VERTRIEB, KOMMUNIKATION
UND MARKETING
Was künftig zählt, ist, die richtige Person Kooperationen nach dem One-Stop-Shop-
mit der richtigen Botschaft zum richtigen und One-Face-Prinzip zu präsentieren: Die
Zeitpunkt über den richtigen Kanal zu ver- Buchung verschiedenster Dienstleistungen
sorgen. Und das in Echtzeit. (z.B. Hotelzimmer, Transfer, Bergwanderung
In Zeiten scheinbar grenzenloser Globalisie und Yogastunde) erfolgt an einer einzigen
rung wird das Bedürfnis nach Individualisie Stelle, der Gast erspart sich wertvolle Zeit
rung immer größer: Jeder Gast möchte sich, und hat nur eine Ansprechperson. Gleich
online sowie offline, persönlich angespro zeitig ermöglicht der gemeinsame Vertrieb
chen fühlen – vor, während als auch nach der den einzelnen Kooperationspartner/innen,
Reise. Sofern die richtigen Daten zur Verfü neue Zielgruppen zu gewinnen, Cross- und
gung stehen und intelligent genutzt werden, Up-Selling zu forcieren und besser sichtbar
eröffnen daten- und verhaltensgetriebene zu werden.
Kommunikation sowie Marketing 4.0 nie zu
vor dagewesene Möglichkeiten der Persona Die Gefahren des digitalen Markts, wie etwa
lisierung. Geschichten, die emotionalisieren, unverhältnismäßige Abhängigkeiten von
neugierig machen oder Sehnsucht wecken, internationalen OTA, monopolartige Daten
z.B. durch Bewegtbilder, passgenaue Inhalte hoheiten oder die zunehmende Bedeutung
und eine 1-to-1 Kommunikation mit dem der „Sharing Economy“ stellen Touristiker/
Gast werden zukünftig buchungsentschei innen vor Herausforderungen. Gleiche re
dend. gulatorische Rahmenbedingungen für alle,
Sobald der Gast sein maßgeschneidertes Stärkung der unternehmerischen Freiheit
Angebot gewählt hat, muss dieses über viele sowie Kooperationen gleichberechtigter
Kanäle zugänglich und buchbar sein – ein Partner/innen werden darüber entscheiden,
fach, flexibel und primär digital – und im ob sich der österreichische Tourismus von
Idealfall auch direkt bei den touristischen Abhängigkeitsverhältnissen lösen kann, Da
Dienstleister/innen, nicht ausschließlich ten zukünftig ausreichend verfügbar sind
über internationale Online Travel Agencies und in welchem Ausmaß Wertschöpfung in
(OTA). Es ist wichtig, dem Gast erfolgreiche Österreich passiert.
© Adobe Stock
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