GEMEINSAM MEHR ERREICHEN - Silver Tipps
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Magazin
GEMEINSAM MEHR ERREICHEN 2/2019
Das Projekt DigiBo feiert Geburtstag
VIELFALT IM EHRENAMT
So engagieren sich DigiBos im Land
SO GELINGT DER START
© Stiftung MKFS | Jonas Otte
IN DIE DIGITALE WELT
Schritt für Schritt ins Internet
© LMK Jonas Otte
Projektträger gefördert von unterstützt von
' , * , 7$ /
%276&+$)7(5,11(1 MINISTERIUM FÜR SOZIALES,
ARBEIT, GESUNDHEIT
%276&+$)7(5 UND DEMOGRAFIE
5+(,1/$1'3)$/=
1Magazin
INHALT
TITELTHEMA
DAS PROJEKT DIGIBO FEIERT GEBURTSTAG
Gemeinsam mehr erreichen
Dies ist zwar erst die zweite Ausgabe des „DigiBo-Magazins“, aber
es ist trotzdem eine ganz besondere: Vor Kurzem feierte das Projekt
„DigiBo – Digital-Botschafterinnen und -Botschafter Rheinland-Pfalz“
nämlich seinen ersten Geburtstag. Es geht in diesem Heft also auch
um das, was Sie, ihr, was wir alle gemeinsam schon geschafft haben
und noch schaffen können! Mehr auf
Seite 4
© Fabian Geib
SCHRITT FÜR SCHRITT INS INTERNET
So gelingt der Start in die digitale Welt
Nach der Geburtstagsfeier Bilder mit den Enkeln hin- und herschicken, mal eben
schauen, ob der Bus Verspätung hat, oder die heimische Zeitung auch im Urlaub
bequem am Bildschirm lesen: Dank mobilen Geräten wie Smartphones und durch
den Zugang zum Internet ist das alles möglich. Das klingt schön und gut, doch wie
komme ich ins Internet, was brauche ich dazu und wer hilft mir beim Einstieg
Mehr auf in die digitale Welt?
Seite 8
© Rawpixel | Shutterstock.com
IMMER MITTEN IM GESCHEHEN
Mit dem Hosentaschencomputer die Welt erleben
Digital-Botschafterinnen und -Botschafter suchen die Menschen dort auf,
wo sie sind: auch in Einrichtungen, in denen Seniorinnen und Senioren
leben. Als Digital-Botschafterin reist Anja Thimel durch Rheinland-Pfalz und
stellt das Projekt Bewohnerbeiräten vor. Die alte Heimat mit Google Maps
bereisen, nach Musik in Mediatheken suchen und E-Mails verfassen: Anhand
solcher Beispiele macht sie die Chancen des Internets erlebbar. Hier erzählt Mehr auf
sie von ihren Erfahrungen und den Menschen, denen sie begegnet.
Seite 12
© Syda Productions | Shutterstock.comRUBRIKEN
GUT ZU WISSEN
15 ONLEIHE
Lesen was und wo man will
17 FREIFUNK
Das Internet mit anderen teilen
39 SICHERHEIT
© Judy Axmann
So gestaltet man ein gutes Passwort
44 DIGITALE ZIVILCOURAGE VIELFALT IM EHRENAMT
Auch im Internet Haltung zeigen
20 AKTIV IM SENIORENZENTRUM
Ursula Reith
Mehr auf
Seite 34
30 GUT VERNETZT
IN DER GEMEINDE
Bettina Bayer und Peter Kiefer
40 MIT HAUSBESUCHEN
MEHR ERREICHEN
Helga Handke
©Dr. Helmut Reitze
KENNEN SIE SCHON?
REITZES DIGITALKOLUMNE 26 KommmiT
Chancen und Risiken des Internets
Kommunikation
mit intelligenter Technik
VORWORT 2
VERBRAUCHERZENTRALE
36
RHEINLAND-PFALZ
IMPRESSUM 48
1„Was, noch immer kein Smartphone
und nicht im Internet? Da kann man so
viel entdecken, was den Alltag leichter
macht!“ Sicher haben Sie solche Aussa-
gen schon von ihren Enkeln, von Freun-
den oder Bekannten gehört. Leichter
gesagt als getan, wenn man bisher keine
Berührung damit hatte. Doch genau
© MSAGD dafür gibt es Unterstützungsangebote.
Grußwort
Wo kann ich mich hinwenden, was benötige ich Wie der Umgang mit digitalen Medien auch im
zum Einstieg und was ist eigentlich mit all den Alter gut gelingt, damit beschäftigt sich dieses
Risiken, von denen man täglich in den Medien Magazin, das Sie in Ihren Händen halten. Expert-
hört? Fragen über Fragen. Antworten gibt Ih- innen und Experten geben Tipps, wie Internet,
nen das Projekt „Digital-Botschafterinnen und Smartphone und Co. den Alltag erleichtern und
-Botschafter Rheinland-Pfalz“. Dieses landes- bereichern können. Persönliche Geschichten und
weite Projekt der Stiftung MedienKompetenz Erfahrungen machen Mut, den Schritt in die digi-
Forum Südwest will bis 2021 ältere Menschen tale Welt zu wagen und Digital-Botschafterinnen
ohne Vorkenntnisse in die digitale Zukunft be- und -Botschafter berichten von Herausforderun-
gleiten. Die LMK – medienanstalt rlp ist Pro- gen und Erfolgen aus der Praxis.
jektpartner und das Ministerium für Soziales,
Arbeit, Gesundheit und Demografie Rhein- Mit dem Magazin werden sowohl all diejenigen
land-Pfalz fördert und unterstützt das Projekt. angesprochen, die beim Umgang mit digitalen
Medien helfen als auch diejenigen, die in die
Qualifizierte Digital-Botschafterinnen und digitale Welt mit Smartphone, Tablet und Co.
-Botschafter, kurz DigiBos, begleiten Sie re- einsteigen möchten.
gional in ganz Rheinland-Pfalz ehrenamtlich
auf ihrem Weg in die digitale Welt. Ganz nach Ich lade Sie herzlich ein, im DigiBo-Magazin zu
dem Motto „Keine Angst vor dem Internet stöbern, denn gemeinsam mit allen Beteiligten
– einfach anfangen!“, gehen die DigiBos auf wollen wir viele Menschen in Austausch brin-
Ihre Fragen und persönlichen Bedürfnisse gen. Unsere Maxime dabei ist, dass Technik den
ein. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die im Menschen dient, den Alltag erleichtert, Teilhabe
Berufsleben keine Erfahrungen mit digitalen und soziale Kontakte ermöglicht und damit die
Medien sammeln konnten oder denen Kennt- Lebensqualität verbessert.
nisse zur Bedienung fehlen. Die Digital-Bot-
schafterinnen und -Botschafter machen Mut
und zeigen: Lernen kennt kein Alter. Der Weg
ist im höheren Lebensalter aber oft ein ande-
rer als in der Kindheit oder Jugend. Sabine Bätzing-Lichtenthäler
Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit
und Demografie Rheinland-Pfalz
2AUF GEHT`S!
Sie sind 60+, haben ein Smartphone oder Tablet, wissen aber nicht, wie Sie
damit umgehen sollen? Sie würden gerne im Internet einkaufen, mit den
Enkeln schreiben oder per Smartphone nachschauen, ob der Bus oder die Bahn
Verspätung haben, aber Ihnen fehlt das nötige Wissen hierzu? Nur Mut,
wir können Ihnen helfen und Herausforderungen gemeinsam meistern!
Gerne vermitteln wir Ihnen Kontakt zu einer Digital-Botschafterin oder einem
-Botschafter in Ihrer Nähe. Sie erreichen uns telefonisch unter 06131/279675
oder im Internet unter www.digibo.rlp.de.
© Florian Tremmel
3Gemeinsam mehr erreichen
Ein Jahr „Digital-Botschafterinnen und -Botschafter
Rheinland-Pfalz“
Dies ist zwar erst die zweite Ausgabe des „DigiBo-Magazins“, aber es ist trotzdem eine ganz
besondere: Vor Kurzem feierte das Projekt „DigiBo – Digital-Botschafterinnen und -Botschafter
Rheinland-Pfalz“ nämlich seinen ersten Geburtstag. Es geht in diesem Heft also auch um das,
was Sie, ihr, was wir alle gemeinsam schon geschafft haben und noch schaffen können!
von Ulrike Melsbach
„Ich kenne die Namen und Gesichter fast aller“, und Demografie Rheinland-Pfalz gefördert und
sagt Fabian Geib lächelnd. Er ist seit einem Jahr für von der LMK – medienanstalt rlp unterstützt wird.
viele ehrenamtliche „DigiBos“ in Rheinland-Pfalz
eine der wichtigsten Ansprechpersonen. Er sei be- Das Projekt „Digital-Botschafterinnen und -Bot-
geistert davon, „was die DigiBos alles machen!“, schafter RLP“ wurde vor einem Jahr, im Oktober
und weiß: „Die Ehrenamtlichen füllen das Projekt 2018, aus der Taufe gehoben, um Seniorinnen und
mit Leben. Es funktioniert nicht ohne sie.“ Geib ko- Senioren die ersten und auch die weiteren Schritte
ordiniert das landesweite Projekt, das von der Stif- in die digitale Welt zu ermöglichen und zu erleich-
tung MedienKompetenz Forum Südwest getragen, tern. Insbesondere Offlinerinnen und Offliner, also
vom Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit Menschen, die noch nicht im Internet sind, sollen
4© MSAGD
erreicht werden. Und zwar gezielt dort, wo deren Es ist bereits beachtlich viel erreicht worden. Ins-
Bedarfe liegen. „Viele kennen gar nicht die Chan- gesamt haben sich rheinland-pfalz-weit über
300 Interessierte gemeldet,
„Das Projekt lebt vom Engagement, die Digital-Botschafterinnen und
-Botschafter werden möchten.
dem Zusammenhalt und gegenseitigen Das Projektteam war von dem
Austausch der DigoBos.“ Ansturm selbst etwas überrascht,
nahm die Herausforderung aber
cen und den Nutzen von digitalen Medien im Alltag gerne an. Rund 150 Ehrenamtliche sind mittler-
oder haben Berührungsängste“, betont Geib. Die
eigenen Enkel oder Kinder haben oft keine Zeit, um
zu zeigen, wie man mit Smartphone und Co. um-
geht, oder sind zu ungeduldig. Da ist es hilfreich, TIPP
dass die DigiBos meist im gleichen Alter wie die
Passend zum Thema würdigen wir in die-
Hilfesuchenden sind, vor den gleichen Heraus-
sem Heft vier aktive Ehrenamtliche in drei
forderungen im Umgang mit Technik standen und
sehr unterschiedlichen Porträts. Dort er-
sich dementsprechend gut in die Lage der Hilfe-
fahren Sie im Detail, was die Digital-Bot-
suchenden hineinversetzen können. Das erste
schafterinnen und -Botschafter machen,
Jahr hat gezeigt: Die Hilfe wird mehr als dankend
wie sie die Menschen erreichen und unter-
angenommen und die Ehrenamtlichen begeis-
stützen, vor welchen Problemen sie stehen
tern Seniorinnen und Senioren landesweit für die
und was sie antreibt. Die Porträts finden
digitale Welt.
Sie auf den Seiten 20, 30 und 40.
5Die Teilnehmenden sind ähnlich bunt gemischt.
Ein ausgewogener Anteil von Frauen und Männern
im Alter von Anfang 60 bis Mitte 90 nehmen die
Angebote wahr, manche haben mehr Vorkenntnis-
se, andere weniger oder gar keine. Eins ist klar: Der
Bedarf ist riesig. Teilweise kommen bis zu 40 oder
50 Seniorinnen und Senioren, wenn die DigiBos
sich und ihre Angebote in ihrer Region vorstellen.
Viele erscheinen anschließend regelmäßig zu den
Angeboten; oft kommen auch neue Interessierte
dazu. Willkommen ist jede und jeder! Alle helfen
sich gegenseitig und die DigiBos haben die Mög-
lichkeit, individuell auf Teilnehmende einzugehen,
und erfahren in ihrem Ehrenamt eine große Wert-
schätzung für ihre Wissensweitergabe.
weile an nahezu ebenso vielen Standorten in
Rheinland-Pfalz begeistert im Einsatz: Sie schauen „Es ist einfach toll, wie die Ehrenamtlichen sich
genau hin, was wie, wo und für wen sinnvoll ist. Sie untereinander vernetzen und wie sie auf die Senio-
besuchen zum Beispiel Menschen, die nicht mehr rinnen und Senioren zugehen! Wir haben uns am
mobil sind, zu Hause oder in Senioreneinrichtun- Anfang solche Gedanken gemacht: ‚Wie können
gen, bieten offene Smartphone-, PC- und Tablet- die DigiBos aktiv werden, und wird das Angebot
Treffs oder auch persönliche Sprechstunden an. überhaupt von der Generation 60 plus angenom-
Dabei gilt immer: Die Angebote sind kostenlos. men?‘ Wir ziehen wirklich den Hut“, betont Geib.
Natürlich profitieren die Ehren-
amtlichen auch von den stets vo-
„Die Angebote der Ehrenamtlichen sind raus- und mitdenkenden Medien-
so vielfältig wie die Personen selbst.“ pädagoginnen und -pädagogen,
aber letztendlich lösen die Senio-
rinnen und Senioren die meisten
DigiBos und ihre Angebote findet man nicht nur in Dinge einfach selbst. Zur Vernetzung untereinan-
den Städten wie Mainz, Koblenz oder Speyer, son- der gibt es zahlreiche Möglichkeiten: Schulungen,
dern auch in ländlichen Regionen wie Sörgenloch, Tagungen, Fortbildungen und Netzwerktreffen.
Nickenich und Waldfischbach. Die Ehrenamtlichen Geib berichtet: „Oft bekommen wir die Ehrenamt-
sind, ganz ohne Zutun des Projektteams, eine wun- lichen gar nicht mehr aus der Kaffeepause zurück
derbar bunt gemischte Truppe: Annähernd 50 Pro- in den Veranstaltungsraum, weil der Redebedarf
zent sind Frauen; das Alter reicht von 28 bis 84. Für untereinander so groß ist.“
viele der DigiBos ist es das erste Ehrenamt, das sie
begleiten. Andere sind bereits mehrere Jahre im
Bereich Seniorinnen und Senioren und Internet ak-
tiv und teilen ihre Erfahrungen gerne mit den Ein-
steigerinnen und Einsteigern. Andere begleiten ein
Ehrenamt in einem ganz anderen Bereich und kön-
nen ihr bereits bestehendes Netzwerk einbringen,
von dem wiederum andere DigiBos profitieren. Es
ist ein perfektes Zusammenspiel von Erfahrung,
Austausch, Netzwerk und Engagement.
6terinnen und -Botschafter erreichen insbesondere
TIPP Menschen, die nicht mehr an formalen Angeboten
Sie möchten auch den Schritt in die teilhaben können beziehungsweise die von diesen
digitale Welt wagen, haben Fragen rund Angeboten vielleicht auch gar nichts wissen.
um Internet, Smartphone und Co. und
suchen eine Digital-Botschafterin oder Alle Beteiligten, egal ob Ehrenamtliche, Einrich-
einen -Botschafter in Ihrer Nähe? Dann tungen oder das Projektteam, haben eines gemein-
melden Sie sich bei uns telefonisch unter: sam: den Willen und das Engagement, zusammen
anzupacken, etwas zu bewegen, damit ältere Men-
06131/279675 schen auf ihrem Weg in die digitale Welt unter-
stützt werden.
Die Erfahrungen des ersten Jahres haben gezeigt, In diesem Sinne: auf die nächsten Jahre!
dass es kein Mythos ist, dass man zusammen mehr
erreichen kann. Bei den Digital-Botschafterinnen Diesen Beitrag finden Sie auch auf der
und -Botschaftern arbeiten alle zusammen und Silver-Tipps-Webseite unter:
ziehen gemeinsam nicht nur an einem, sondern
https://www.silver-tipps.de/
an vielen Strängen: Menschen, die Hilfe brauchen,
gemeinsam-mehr-erreichen/
Ehrenamtliche, die mit Herzblut bei der Sache sind
und ihre Hilfe anbieten, und das Projektteam, das Oder scannen Sie einfach diesen QR-Code:
die Ehrenamtlichen fortlaufend mit Materialien,
Fortbildungen, Technik und vielen weiteren Dingen
unterstützt.
Willkommen ist jede und jeder!
Ein wichtiger Punkt darf allerdings nicht unerwähnt
bleiben: Hinter dem Engagement der Ehrenamtli-
chen und dem Projekt stehen viele Kooperations-
partner, Institutionen, Gemeinden sowie soziale
und öffentliche Einrichtungen, ohne die eine Um-
setzung nicht möglich wäre. Wohlfahrtsverbände
wie die Caritas, die Arbeiterwohlfahrt, das Rote
Kreuz und das Diakonische Werk, aber auch Ein-
© Jonas Otte
richtungen wie Seniorenzentren, Seniorenbüros,
Cafés, Kreis- und Volkshochschulen, Mehrgenera-
tionenhäuser, Begegnungszentren, Kirchen, Bür-
gersender, Bibliotheken und Kommunen dienen
als Anlaufstelle für das Projekt und die Ehrenamt-
lichen. Diese Anlaufstellen helfen bei der Suche
Ulrike Melsbach
nach Räumen mit Internetzugang, bei der Öffent-
lichkeitsarbeit, bei Fortbildungen und natürlich Ulrike Melsbach ist studierte Film- und
bei der Vermittlung zwischen Hilfesuchenden und Medienwissenschaftlerin und Kunst-
DigiBos. Das Projekt soll dabei keine Konkurrenz pädagogin. Sie arbeitet als freie Filmver-
zu bereits bestehenden Bildungsangeboten sein, mittlerin und Journalistin.
sondern diese sinnvoll ergänzen. Digital-Botschaf-
7So gelingt der Einstieg
© Gines Romero | Shutterstock.com
in die digitale Welt
Schritt für Schritt ins Internet
Nach der Geburtstagsfeier Bilder mit den Enkeln hin- und herschicken, mal eben schauen, ob der Bus
Verspätung hat, oder die heimische Zeitung auch im Urlaub bequem am Bildschirm lesen: Dank
mobilen Geräten wie Smartphones und durch den Zugang zum Internet ist das alles möglich.
Das klingt schön und gut, doch wie komme ich ins Internet, was brauche ich dazu und wer hilft mir
beim Einstieg in die digitale Welt? Oft liegt das Problem gar nicht in der reinen Technik und der
Bedienung. Vielmehr geht es darum, die Möglichkeiten des Internets zu kennen und diese für
sich selbst nutzen zu können. Die wichtigste Frage, die man sich stellen sollte, ist:
Was bringt mir eigentlich das Internet?
von Dr. Florian Tremmel
Schritt 1: Suchen Sie sich eine Ansprechperson! Druck. Dafür empfiehlt es sich, zunächst eine An-
sprechperson in Ihrer Nähe zu suchen, wie bei-
Für den ersten Schritt ins Internet ist Technik oft spielsweise Freunde, Bekannte oder auch die Fa-
zweitrangig. Das mag sich zunächst seltsam an- milie. Kennen Sie niemanden in Ihrer näheren
hören, hat aber einen einfachen Hintergrund: Man Umgebung, der Ihnen helfen kann? Dann finden
muss noch keine Technik beherrschen, um einen Sie sicherlich Unterstützung durch die ehrenamt-
Einblick in die Möglichkeiten zu bekommen, die lichen Digital-Botschafterinnen und -Botschafter
das Internet bietet. Schnuppern Sie doch erst ein- oder Senioren-Internet-Trainerinnen und -Trainer
mal rein und entwickeln Sie Interesse, ganz ohne in ganz Rheinland-Pfalz.
TIPP
Wenn Sie Kontakt zu einer Digital-Botschafterin oder einem Digital-Botschafter in Ihrer Nähe
suchen, rufen Sie uns einfach an unter 06131/279675. Wir helfen Ihnen gerne weiter!
8Schritt 2: Einfach mal ausprobieren
Nachdem Sie eine Person gefunden haben, die
Sie auf dem Weg in die digitale Welt begleitet,
sollten Sie ein Treffen ausmachen. Probieren Sie
gemeinsam die verschiedenen Möglichkeiten
zum Beispiel an einem Smartphone oder Tablet
aus. Machen Sie ein Foto, entdecken Sie Städte
© beeboys | Shutterstock.com
oder Dörfer mit der Kartenfunktion oder schi-
cken Sie eine Nachricht an einen gemeinsamen
Bekannten. Auch wenn Sie noch nicht viel selbst
machen und „nur“ über die Schulter schauen, be-
kommen Sie auf jeden Fall einen ersten Eindruck
und finden heraus, was Sie interessiert.
Schritt 4: Wichtige Fragen beantworten
TIPP
Es muss nicht alles von Anfang an funktio- Bevor Sie sich für ein Gerät oder einen Zugang
nieren! Oft sind die Ansprüche, die man zum Internet entscheiden und zum Händler gehen,
an sich selbst stellt, sehr hoch. Bauen Sie sollten Sie mit Ihrer Ansprechperson einige Fragen
sich keinen Erfolgsdruck auf, wenn etwas durchgehen. Diese sind zum Beispiel:
nicht beim ersten, zweiten oder auch drit- 1. Möchte ich nur zu Hause oder auch von unter-
ten Mal klappt oder Sie Dinge nicht direkt wegs, also mobil, ins Internet gehen?
zu 100 Prozent verstehen. Das ist ganz
2. Kann ich mit meinem Telefonanbieter einen In-
normal. Immerhin sind Smartphones,
ternetzugang zu Hause einrichten und was wäre
Tablets und das Internet nicht selbster-
ich bereit, monatlich zu bezahlen?
klärend und es ist noch kein Meister vom
Himmel gefallen! 3. Möchte ich meinen Mobilfunktarif im Voraus
bezahlen, also eine Prepaid-Lösung wählen,
oder einen Vertrag abschließen?
Schritt 3: Legen Sie sich eine Liste an mit 4. Wenn ich mich für einen Vertrag entscheide:
Dingen, die Sie interessieren Wie lange soll die Kündigungsfrist sein?
Nachdem Sie erste Eindrücke mit Smartphone, Ta- 5. Wie viel Geld möchte ich in ein Gerät, zum Bei-
blet und Co. sammeln konnten, legen Sie doch ge- spiel ein Smartphone, Tablet oder einen Laptop,
meinsam mit Ihrer Ansprechperson eine Liste mit investieren?
Dingen an, die Sie interessant fanden und die Sie 6. Welche Funktionen sind mir an einem Gerät
gerne selbst ausprobieren möchten. Wenn Sie zum wichtig? Um das herauszufinden, hilft die er-
Beispiel gemerkt haben, dass Fotografieren etwas stellte Interessenliste.
für Sie wäre oder Sie gerne verpasste Sendungen aus
dem Fernsehprogramm in Mediatheken anschauen Schritt 5: Los geht’s!
wollen, dann notieren Sie es. Mit den gesammelten
Interessen ist es später einfacher, ein passendes Ge- Nun sind Sie gut vorbereitet. Auf dem Weg ins In-
rät und den passenden Zugang zum Internet, auch ternet gibt es sicher einige Stolpersteine. Vielleicht
mit dem passenden Datenvolumen, zu finden. ist die Wahl des Geräts doch nicht perfekt oder das
9Datenvolumen ist zu schnell aufgebraucht. Auch
wird die Technik ihre Macken haben und Sie vor
neue Herausforderungen stellen. Aber mit Mut,
einem Lächeln und Geduld gehen Sie Ihren Weg.
Trauen Sie sich ruhig, andere als Wegbegleiter
© Theresa Bäsch
einzubinden, und stellen Sie viele Fragen, auch zu
scheinbar Banalem. Das hilft, Dinge zu verstehen
und selbstbewusst zu nutzen.
Näheres zu diesem Beitrag finden Sie auf der Dr. Florian Tremmel
Silver-Tipps-Webseite unter:
https://www.silver-tipps.de/so-gelingt-der- Als Referent für Offene Kanäle und
einstieg-in-die-digitale-welt/ Medienkompetenz arbeitet Dr. Florian
Tremmel bei der LMK – medienanstalt rlp
Oder scannen Sie einfach diesen QR-Code: und ist pädagogischer Leiter des Projekts
„Digital-Botschafterinnen und -Bot-
schafter für Rheinland-Pfalz“. Zudem
ist er Mitentwickler der Projekte „Silver
Surfer – Sicher online im Alter“ und
„Silver Tipps – sicher online!“.
© Rawpixel | Shutterstock.com
GEMEINSAM MEHR ERREICHEN!
Den kompletten Themenschwerpunkt finden Sie auf www.silver-tipps.deDIE DIGIBO LANDKARTE
Sie suchen eine Digital-Botschafterin oder einen Digital-Botschafter oder
einen PC- und Internettreff in Ihrer Nähe? Auf der DigiBo-Landkarte finden
Sie passende Anlaufstellen in Ihrer Umgebung. Die Ehrenamtlichen
unterstützen Sie kostenlos auf Ihrem Weg in die digitale Welt.
https://digibo.silver-tipps.de/standorte oder rufen Sie uns an unter: 06131/279675
© Open Street Map und Mitwirkende, CC-BY-SA
11Immer mitten im Geschehen
Mit dem Hosentaschencomputer die Welt erleben
Digital-Botschafterinnen und -Botschafter suchen die Menschen dort auf, wo sie sind: auch in
Einrichtungen, in denen Seniorinnen und Senioren leben. Als Digital-Botschafterin reist Anja Thimel
durch Rheinland-Pfalz und stellt das Projekt Bewohnerbeiräten vor. Die alte Heimat mit Google Maps
bereisen, nach Musik in Mediatheken suchen und E-Mails verfassen: Anhand solcher Beispiele macht
sie die Chancen des Internets erlebbar. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen und den
Menschen, denen sie begegnet.
von Anja Thimel
„Vor zwei Monaten ist mein erstes Urenkelkind ge- staben in doppelter Größe erscheinen. Auch Fotos
boren worden. Ich bin ganz nah dabei und bekom- und Videos kann man mit dem kleinen Zauberge-
me genau mit, wie Amelie sich entwickelt! Meine rät aufnehmen und in Windeseile mit der Familie
Enkeltochter schickt fast jeden Tag über WhatsApp oder mit Freunden teilen. Durch das Smartphone
ein neues Foto in die Familiengruppe“, so Frau ist Frau Schneider immer mitten im Familienge-
Schneider aus der Senioreneinrichtung in Kaisers- schehen und weiß stets, was bei Freundinnen und
lautern. Frau Schneider hat Glück: Ihre Enkeltoch- Freunden passiert; das macht die Zeit zwischen
ter Marie hat ihr dabei geholfen, das Smartphone den Besuchen viel kürzer. Das Smartphone hilft ihr
einzurichten. Sie hat ihr gezeigt, wie man Texte auch dabei, Termine abzustimmen, an die Einnah-
über eine Tastatur auf dem Smartphone eintippt me ihrer Medikamente zu denken und viele andere
und Sprachnachrichten versendet. Da Frau Schnei- kleine Dinge des Alltags unkompliziert zu regeln.
der nicht mehr so gut sehen kann, hat Marie ge- Telefonieren kann man mit dem Hosentaschen-
holfen, das Gerät so einzustellen, dass die Buch- computer übrigens auch.
12Mit Tim, ihrem jüngsten Enkel, der gerade auf der
anderen Seite der Erdkugel studiert, unterhält sich TIPP
Frau Schneider über Skype. Das Programm macht Welche Informationen Sie beim Surfen im
es möglich, dass man sich beim Telefonieren sehen Internet hinterlassen und wie Sie Daten-
kann. Frau Schneider hält dabei ihr Tablet in den spuren vermeiden können, erfahren Sie
Händen. Die Kamera des Tablets nimmt sie auf, auf Silver Tipps:
Tim kann sie auf seinem Bildschirm sehen und sie
sieht ihn – wie er leibt und lebt, fast so, als wäre er https://www.silver-tipps.de/dieser-
im selben Zimmer. Hat man früher noch lange auf artikel-koennte-sie-auch-interessieren/
Briefe warten oder teure Auslandstelefonate füh-
ren müssen, so kann man heute jederzeit und ohne
große Kosten miteinander kommunizieren. Frau
Schneider weiß, dass man bei kostenlosen Ange-
boten oft mit seinen Daten bezahlt. Deshalb ist sie
entsprechend vorsichtig und gibt nur die absolut
notwendigen Informationen preis.
mit Füller und Tinte auf schönem Papier. Es ist im-
Mit ihrer Schulfreundin Hannelore, die schon früh mer eine Freude, einen Brief der Freundin im Brief-
in eine andere Stadt gezogen ist, verbindet Frau kasten zu finden. Kontakt zu Krankenkasse oder
Schneider eine lebenslange Brieffreundschaft. Da Behörden pflegt sie dagegen über E-Mails – das
sie sich nur selten besuchen können, telefonieren geht schnell und ist effizient. Papier, Briefmarke
die beiden häufig und schreiben sich regelmäßig – und der Gang zum Briefkasten erübrigen sich.
© Lisa F. Young | Shutterstock.com
13Frau Schneiders größte Leidenschaft ist das Lesen. Sind Sie neugierig geworden auf Internet, Smart-
Früher ist sie jede Woche zur Stadtbibliothek ge- phone, Tablet und Co.? War etwas dabei, das Sie
gangen, um sich mit neuem Lesestoff zu versorgen. interessiert? Sie haben keinen Tim und keine Ma-
Weil für sie das Laufen recht beschwerlich gewor- rie, die Ihnen helfen könnten? Oder Ihre Familien-
den ist, geht sie nicht mehr so häufig in die Stadt. angehörigen sind zu ungeduldig, um Ihnen beim
Stattdessen lädt sie heute Bücher über die Onlei- Umgang mit den neuen digitalen Geräten zu hel-
he – die elektronische Ausleihe – ihrer Bibliothek fen? Dann öffnen Sie Ihre Türen für uns! Mit „uns“
auf ihr Tablet. Es ist zwar ein wenig gewöhnungs- sind die Digital-Botschafterinnen und -Botschafter
bedürftig, keine Seiten umzublättern, aber doch Rheinland-Pfalz (DigiBos) gemeint. Viele der Ehren-
sehr praktisch, vom Sessel aus die Bücher zu be- amtlichen besuchen Interessierte und Ratsuchende
stellen und sie auf dem Bildschirm zu lesen. Wie sie in Senioren- und Pflegeeinrichtungen, aber auch in
sich registrieren und ein Benutzerkonto einrichten der eigenen Wohnung – gehen also auf Menschen
kann, hat Frau Schneider mithilfe einer Broschüre zu, die nicht mehr mobil sind und keine Angebote
und mit Unterstützung einer findigen Mitbewoh- außer Haus besuchen können. Sprechen Sie mit Ih-
nerin selbst herausgefunden. ren Beiräten oder der Einrichtungsleitung und ma-
chen Sie diese auf das DigiBo-Projekt aufmerksam.
Wir DigiBos verstehen uns darauf, Ihnen mit Ge-
duld und Geschick genau das zu vermitteln, was
Sie interessiert. Wir sind gut vernetzt und bilden
TIPP uns ständig weiter. Wir wissen, wie viel Nutzen
Mehr zum Thema Onleihe finden Sie hier und Freude digitale Medien bringen können, und
im Magazin auf den kommenden Seiten. möchten unser Wissen mit Ihnen teilen. Lassen Sie
uns gemeinsam mit Zeit und Ruhe die digitale Welt
entdecken und Spaß dabei haben.
Für Frau Schneider ist die Digitalisierung kein
Schreckgespenst, sondern sorgt auf vielfältige Art
und Weise für mehr Lebensqualität. Das Beispiel
Onleihe verdeutlicht gut, wie Digitalisierung das
Leben von Seniorinnen und Senioren in Einrichtun-
gen bereichern kann.
© Luisa Hees
Namen und Orte wurden von der Redaktion
geändert.
Diesen Beitrag finden Sie auch auf der
Silver-Tipps-Webseite unter: Anja Thimel
https://www.silver-tipps.de/immer-mitten-
Anja Thimel studierte Erziehungswissen-
im-geschehen/
schaft mit dem Schwerpunkt Lebenslanges
Oder scannen Sie einfach diesen QR-Code:
Lernen und Medienbildung an der Johannes
Gutenberg-Universität Mainz. Sie ist Dozen-
tin an Volkshochschulen und Medienpäda-
gogin im Projekt „Digital-Botschafterinnen
und -Botschafter Rheinland Pfalz“.
14© Ermolaev Alexander | Shutterstock.com
Die Onleihe
Lesen, was und wo man will
von Thomas Schmid
S
tundenlang in der Bücherei stöbern – das der Zugang einfach: Laden Sie sich die kosten-
geht heute auch digital. Mit einem Smart- freie Onleihe-App aus dem Google Play Store oder
phone oder Tablet, einer Internetverbin- Apple App Store auf Ihr Gerät.
dung und der Onleihe-App kann man sich jeder- Zugang bekommen Sie mit Ihrer Benutzungsnum-
zeit neuen Lesestoff besorgen – ganz bequem von mer, diese finden Sie auf Ihrem Bibliotheksausweis,
zu Hause oder von unterwegs. Voraussetzung: Sie und einem Passwort, das aus den ersten vier Zif-
müssen registrierte Nutzerin oder registrierter fern Ihres Geburtsdatums besteht. Schon sind Sie
Nutzer einer von deutschlandweit 3200 Bibliothe- angemeldet und können auf das vielfältige digitale
ken sein, die diesen digitalen Service anbieten. Angebot Ihrer Bibliothek zugreifen. Die Jahresge-
Wenn Sie bei einer Bibliothek registriert sind, ist bühr beträgt derzeit zehn Euro.
TIPP
Wie Sie eine App auf Ihr Smartphone oder Tablet bekommen,
erfahren Sie auf unserer Webseite Silver Tipps:
https://www.silver-tipps.de/wie-bekomme-ich-eine-app-aufs-
smartphone-oder-tablet-android/
Oder scannen Sie einfach diesen QR-Code:
15Was bietet die Onleihe?
Das Angebot der Onleihe beschränkt sich nicht nur Alternative zu den kommerziellen Kaufangeboten,
auf Bücher. Die meisten bekannten Zeitungen und wie zum Beispiel dem Kindle von Amazon. Weitere
Zeitschriften und eine Vielzahl an Hörbüchern, Vi- Infos: www.onleihe.net
deos oder klassischen Musikstücken stehen eben-
falls zur Verfügung. Die Suchfunktion ermöglicht Näheres zu diesem Beitrag finden Sie auf der
Silver-Tipps-Webseite unter:
es, gezielt im Bestand nach Titeln oder Autorinnen
und Autoren zu suchen. Kurze Zusammenfassun- https://www.silver-tipps.de/die-onleihe-
gen oder Textproben helfen bei der Entscheidungs- lesen-was-und-wo-man-will/
findung. Sie haben natürlich auch die Möglichkeit,
Oder scannen Sie einfach diesen QR-Code:
den Bibliotheksbestand frei zu durchstöbern. Über
verschiedene Filter kann das Angebot eingegrenzt
werden. Viele Filter entsprechen den Kategorien,
die man aus der realen Bibliothek kennt – zum Bei-
spiel nach Genre wie Krimis oder Romane. Online
gibt es zusätzliche Funktionen. So kann man zum
Beispiel über die Funktion „Kundenbewertung“ er-
kennen, wie ein Buch anderen Leserinnen und Le-
sern gefallen hat.
Buch vergriffen?
Bei der Onleihe kann es wie in der Bibliothek pas-
sieren, dass Bücher bereits ausgeliehen sind. Mit
© Wolfgang Wilhelm
einem Klick können Sie sich diese Bücher aber sehr
bequem reservieren lassen und werden automa-
tisch benachrichtigt, wenn der Titel wieder zur Ver-
fügung steht. Natürlich gibt es auch eine Leihfrist.
Teilweise können Sie selbst bestimmen, wie lange
Sie etwas ausleihen möchten. Bücher können aber
Thomas Schmid
maximal drei Wochen ausgeliehen werden. Nach
Ablauf der Frist sind die Inhalte auf dem eigenen Thomas Schmid ist Diplom-(Medien-)Päda-
Gerät gesperrt und können nicht mehr genutzt goge und Geschäftsführer der Stiftung Me-
werden.
dienKompetenz Forum Südwest (MKFS). In
Fazit dieser Funktion ist er auch verantwortlich
für das Online-Portal Silver Tipps. Seit mehr
Wer das Stöbern in Büchereien liebt, wird auch die
Onleihe-App mögen. Das Angebot an unterschied- als 20 Jahren konzipiert, organisiert und be-
lichsten Medien ist sehr groß und lässt kaum Wün- treut er Projekte im Bereich Medienkompe-
sche offen. Zudem muss man sich an keine Öff- tenz und Medienbildung. Ältere Menschen
nungszeiten halten. Die Handhabung der App ist als Zielgruppe hat die Stiftung seit 2014 im
für erfahrene Smartphone- oder Tablet-Nutzerin-
Fokus; sie ist gefragter Partner, wenn es um
nen und -Nutzer kein Problem. Personen, die Hilfe
bei der Bedienung brauchen, können Mitarbeite- die Vermittlung von Internetkompetenz für
rinnen und Mitarbeiter der Bibliothek ansprechen. diese Zielgruppe geht.
Die Onleihe-App ist eine gute, preiswerte
16© oneinchpunch | Shutterstock.com
Das Internet mit anderen teilen?
Mit Freifunk kein Problem!
Egal ob in offenen Treffs der Gemeinde, in Cafés, in Bibliotheken, in Senioreneinrichtungen oder
bei den Menschen zu Hause: Digital-Botschafterinnen und -Botschafter (DigiBos) helfen in Rhein-
land-Pfalz Seniorinnen und Senioren bei den ersten Schritten in die digitale Welt. Das gelingt mit ver-
schiedenen kostenlosen Angeboten, wie beispielsweise Smartphone- und Tablet-Treffs, Sprechstun-
den oder Digitalen Stammtischen. Eine Voraussetzung erfordern diese Angebote aber immer: einen
funktionierenden und einfach zu nutzenden Internetzugang.
von Frank Zimmermann
Die Räume, in denen DigiBos aktiv werden, ge- denen sie ihre ehrenamtliche Unterstützung für
hören meist Gemeinden beziehungsweise öffent- Seniorinnen und Senioren anbieten können.
lichen oder kirchlichen Trägern. Ein Problem, das Inzwischen ist es für viele Menschen aller Alters-
oftmals besteht: der nicht vorhandene öffentliche klassen selbstverständlich, über das Internet mit
oder nur umständliche Zugang zum Inter-
net. Die notwendigen Netzwerke sind zwar
vorhanden, aber nicht für die Allgemeinheit
„In vielen Gemeinderäumen und
zugänglich. Eigene Netzwerke werden, sinn- Einrichtungen ist der öffentliche
vollerweise, mit Passwörtern gegen externe
Zugriffe geschützt. Besucherzugänge zum
und kostenlose Zugang zum
WLAN einzurichten erfordert administrati- Internet nicht gewährleistet.“
ven Aufwand, den viele scheuen. So ist es für
die Digital-Botschafterinnen und -Botschafter oft der Familie und Freunden zu kommunizieren,
schwierig, geeignete Räumlichkeiten zu finden, in Reisen zu buchen, einzukaufen, Behördenangele-
17genheiten zu erledigen und vieles mehr. Manche ist rein ehrenamtlich organisiert. Sie benötigen
Angebote und Dienstleistungen gibt es sogar nur lediglich einen geeigneten Router, auf den die
noch über das Internet. Vieles wird einem, ins- Freifunk-Software installiert wird. Der Router
besondere bei eingeschränkter Mobilität, durch kostet circa 40 bis 80 Euro, die Betriebskosten
betragen nur wenige Euro im Jahr.
„Freifunk ist günstig, anbieterneutral, Laufende Gebühren oder Kosten
für Freifunk fallen nicht an. Die
rechtssicher und datenschutzrechtlich Software ist kostenlos und auf
unbedenklich.“ den Internetseiten der jeweiligen
das Internet deutlich erleichtert. Daher muss
auch die Generation 70 plus die Möglichkeit ha-
ben, das Internet nach eigenem Bedarf nutzen TIPP
zu können. Selbst ohne eigenen Internetzugang. Sie engagieren sich als Digital-Botschaf-
Doch wie kann das funktionieren? terinnen und -Botschafter, haben aber im-
mer Probleme, Räumlichkeiten zu finden,
Freifunk: Teilen und nutzen Sie Ihr Internet
gemeinsam mit anderen in denen WLAN vorhanden ist? Mit einem
offenen Freifunk-WLAN bieten Sie eine
Geben Sie Menschen in Ihrer Gemeinde, in gute Infrastruktur für Schulungen, Internet-
Ihrer Unterkunft, Ihrer Einrichtung oder auch Treffen, Unterricht und vieles mehr. Oder
in Ihrer direkten Nachbarschaft die Möglich-
Sie wohnen in einer Einrichtung und hät-
keit, vorhandene Internetzugänge gemeinsam
zu nutzen. Freifunk bietet die Möglichkeit, ten gerne Zugang zum Internet? Machen
Internet zu teilen – ohne dass die Freifunk- Sie Verantwortliche aus Einrichtungen,
Nutzerinnen und -Nutzer auf Ihr persönliches Gemeinden etc. auf Freifunk aufmerksam.
Netzwerk zugreifen können. Die Daten wer- Das DigiBo-Team bietet außerdem gemein-
den absolut sicher über ein virtuelles priva-
sam mit Freifunk Fortbildungsveranstal-
tes Netzwerk verschlüsselt übermittelt. Sie
teilen nur Ihre Leitung mit anderen, die Daten tungen an, bei denen Sie lernen können, wie
bleiben getrennt. Freifunk ist absolut rechts- Sie Freifunk einrichten.
sicher und auch datenschutzrechtlich unbe-
denklich. Ein Passwort für den Zugang gibt es
nicht, es gibt keine Zugangsbeschränkungen. Freifunker-Gruppen zu finden. Die Installation
Sie können selbst festlegen, wie viel Kapazität ist Schritt für Schritt dokumentiert und einfach
Ihres Internetzugangs Sie teilen möchten. So zu bewerkstelligen.
haben Sie für den eigenen Bedarf immer ge-
nug Bandbreite zur Verfügung. Und wenn Ihre Machen Sie mit: Freifunk lässt sich
Nachbarin oder Ihr Nachbar auch einen Frei- einfach einrichten
funk-Router hat, einen sogenannten Knoten,
vernetzen sich die Geräte automatisch zu ei- Schließen Sie einfach Ihren Freifunk-Router an
nem eigenen Netzwerk. Von Nutzer zu Nutzer einen vorhandenen Router in Ihrer Einrichtung
und von Haus zu Haus. Dann reicht auch ein oder bei sich zu Hause an und teilen Sie Ihr Inter-
gemeinsamer Internetzugang. net mit anderen. Das können Bewohnerinnen
Freifunk ist zudem sehr günstig. Es steckt kein und Bewohner von Senioreneinrichtungen sein,
kommerzieller Anbieter dahinter, das Angebot deren Gäste und Familien, Nachbarn oder Gäste
18TIPP
Welche Freifunk-Gruppe als Ansprech-
partner für Sie infrage kommt, lässt
sich auf der Freifunk-Karte im Internet
herausfinden:
www.freifunk-karte.de
Außerdem können Anfragen auch gerne
direkt an den Autor gestellt werden über
folgende E-Mail-Adresse:
frank_zimmermann@gmx.de
von Gemeinde-Einrichtungen. So fördern Sie das
soziale Miteinander quer durch alle Alters- und
Sozialstrukturen und ermöglichen es, dass Kon-
takte auch per Internet gepflegt werden können
– egal ob Freunde und Familie einen Ort weiter
oder am anderen Ende der Welt leben.
Institutionen und Gemeinden, zahlreiche Unter-
nehmen und Privatpersonen machen schon mit,
wie beispielsweise der Landkreis Mainz-Bingen.
Wie wäre es also auch bei Ihnen mit einem öf-
© Hofstudio Matthias Kneib
fentlichen Internetzugang, vielleicht sogar ei-
nem kleinen Web-Café für Ihre Gemeinde oder
Bewohnerinnen und Bewohner einer Senioren-
einrichtung?
Teilen Sie Ihr Internet, verbinden Sie Menschen,
ermöglichen Sie auch der Generation 70 plus den
Zugang zum Internet. Nutzen Sie die Chancen Frank Zimmermann
von Freifunk!
Frank Zimmermann ist ehrenamtlich
aktiv im Bereich Freifunk und in der
Näheres zu diesem Beitrag finden Sie auf der Flüchtlingshilfe. Er berät Interessierte
Silver-Tipps-Webseite unter: und hält Vorträge und Workshops, um
Menschen für Freifunk zu begeistern.
https://www.silver-tipps.de/ Als Mitglied von Freifunk Mainz e.V.,
das-internet-mit-anderen-teilen/ Mitbegründer und Vorstand von Auxi-
lium Mummerum e. V. und als haupt-
Oder scannen Sie einfach amtlicher Mitarbeiter beim WEISSEN
diesen QR-Code: RING e.V. kann er auf umfangreiche
Erfahrungen und Kenntnisse aus Verei-
nen und Organisationen zurückgreifen.
19© Stiftung MKFS | Jonas Otte
Aktiv im Seniorenzentrum
Immer auf Achse
Ursula Reith ist als Digital-Botschafterin in der Umgebung von Sörgenloch und Nieder-Olm
unterwegs. 2019 hat sie es geschafft, gleich zwei soziale Einrichtungen für das Projekt zu begeistern:
das „Azurit“-Seniorenzentrum in Sörgenloch und das Projekt „Kommune Inklusiv“ in Nieder-Olm.
Gemeinsam mit diesen sehr unterschiedlichen Einrichtungen hat sie als Ehrenamtliche
schon viel bewegt.
von Ulrike Melsbach
„Alles, was ich brauche, um loszulegen, ist ein an eine Digital-Botschafterin sind völlig ande-
Raum und WLAN.“ Digital-Botschafterin Ursula re als die an eine Projekt- und Abteilungsleite-
Reith ist eine, die anpackt. Sie höre öfters: „Wie rin. Mit mobilen Endgeräten wie Smartphones
haben Sie das gemacht?“, und oft sei dann die und Tablets hatte sie beruflich nur am Rande zu
Antwort: „Ich hab es einfach ausprobiert und ge- tun und pädagogisch gearbeitet hatte sie vor-
fragt!“ Die Jung-Rentnerin hat früher als ITlerin her auch nicht. Dieses ehrenamtliche „Neuland“
gearbeitet. Passt ja super, denken sich nun viel- gebe ihr menschlich ungemein viel zurück, meint
leicht manche Lesenden, aber die Anforderungen Frau Reith.
20Wir sind im Seniorenzentrum „Azurit“ in Sörgen- Die drei lernenden Silver Surfer des „Azurit“ haben
loch und werden fröhlich von Frau Ungerer und natürlich ganz individuelle Interessen und Ansprü-
Frau Nötzel begrüßt. Man merkt gleich, wie ver- che an ihre Geräte: Frau Nötzel hört mittlerweile
Roy Black auf ihrem Tablet: „Bei mir ging
„Ich wurde da so herzlich aufge- der Plattenspieler nicht mehr!“ Frau Reith
hat in Zusammenarbeit mit dem Personal
nommen und kann selbst so viel des Zentrums Schritt für Schritt eine prak-
von deren Lebensfreude lernen.“ tische Lösung für die Dame gefunden: Ein
längeres Ladekabel musste her, der Um-
gang mit dem kleinen An- und Ausschalt-
traut das Verhältnis zu Frau Reith ist. Die beiden knopf wurde geübt und ein Touch-Stift hat die
Damen sind weit über 80, der Dritte im Bunde, Bedienung des Geräts bedeutend erleichtert. Frau
Herr Schlenz, hat bereits die 90 über-
schritten. Seit März kommt Frau Reith „Ich hab ja überhaupt keine Ahnung
in der Regel zweimal pro Woche vor-
bei und, je nach Tagesform der Be- gehabt von dem Ding, aber ich möchte
wohnerinnen und Bewohner, widmen
sie sich gemeinsam den Geräten.
es so gerne! So wie die anderen.“
„Manchmal halten wir auch nur ein – Frau Nötzel
Schwätzchen“, lacht Ursula Reith. Ein
großes Glück sei, dass vor Ort WLAN existiere und Ungerer hat einen Laptop, der sie noch einmal vor
die Belegschaft die Ehrenamtliche mit offenen Ar- ganz andere Herausforderungen stellt. Mittler-
men empfange. weile erwägen die Damen, ob nicht auch für sie ein
21Tablet besser wäre. Frau Reith hat da nicht lange zu Frau Ungerer: „Du kannst das schon. Dann kom-
gefackelt und ein Leihgerät aus dem DigiBo-Pro- me ich zu dir, wenn ich nicht weiter weiß. Das kann
jektbüro in Mainz ausgeliehen. Für vier bis sechs man ja auch zu zweit spielen.“ Die beiden Damen
Wochen kann Frau Ungerer nun testen, ob es für haben sich über das Angebot von Frau Reith erst
sie sinnvoll wäre, ein eigenes Tablet anzuschaffen kennengelernt und sind nun befreundet. Ursula
und ob Touch-Stift oder Sprachsteuerung passen- Reith ist begeistert, dass die drei sich der digitalen
dere Bedienungsmöglichkeiten sind. Herr Schlenz Herausforderung gestellt haben: „Ich weiß auch
bummelt mit seiner Tochter gerne durch die Welt nicht, ob ich in dem Alter die Courage dazu hät-
und liest sich vorab Informationen über die Reise- te.“ – „Auf dem bisschen, was ich kann, werde ich
ziele auf der Online-Enzyklopädie Wikipedia durch. aufbauen. Mit deiner Hilfe“, antwortet Frau Nötzel
zuversichtlich.
„Bei mir ist es eine Spielerei. Vom Seniorenzentrum geht es gleich weiter in die
Ich möchte das Ding wirklich Stadtmitte von Nieder-Olm. Im Bildungstreff der
„Kommune Inklusiv VG Nieder-Olm“ – einem Pro-
zum Spielen.“ jekt der Aktion Mensch in Zusammenarbeit mit
dem Zentrum für selbstbestimmtes Leben (ZSL)
Heute hat Frau Reith den beiden Damen ein paar Mainz – hat Ursula Reith nicht nur einen Ort, son-
Gedächtnisspiele mitgebracht, die gleich auf Be- dern mit Gracia Schade und Tamara Dell auch tat-
geisterung stoßen. Frau Ungerer tippt sich souve- kräftige Unterstützerinnen für ihren Digitalen Treff
rän durch das Spiel, als Frau Nötzel zu Frau Reith gefunden, der nun alle zwei bis drei Wochen statt-
meint: „Das ist schon toll! Kannst du das auch auf findet. Vor Ort findet Frau Reith nicht nur Raum
mein Tablet machen?“ – natürlich kann sie – und und WLAN, Frau Schade hat zusätzlich fünf Tablets
22angeschafft und mit Tamara Dell eine kundige As- Diesen Beitrag finden Sie auch auf
sistentin für Frau Reith vermittelt. Die beiden er- der Silver-Tipps-Webseite unter:
gänzen sich sehr gut: Die eine kennt sich mit dem https://www.silver-tipps.de/
Betriebssystem iOS und die andere mit Android aktiv-im-seniorenzentrum/
aus. So ist es egal, mit welchem Smartphone oder
Tablet die Teilnehmenden kommen. Oder scannen Sie einfach diesen QR-Code:
Hier in der Kommune Inklusiv treffen sich nun Alt
und Jung zum Austausch über die digitale Welt.
Frau Reith bereitet für jeden Termin ein bestimm-
tes Thema vor, auf das sich die zwölfköpfige Grup-
pe zuvor geeinigt hat – diesmal: Google Maps.
Nach einem kurzen Vortragsteil wird dann fleißig
an den eigenen Geräten ausprobiert und bei jeder
und jedem Einzelnen genau hingeschaut und klar-
gestellt: „Es gibt immer mehr als einen Weg.“ Für
dieses Angebot ist die Gruppe sehr dankbar: „Es hat
ja keiner Zeit“, meint eine neue Treffteilnehmerin,
die von ihrer Familie ein Tablet geschenkt bekam.
„Da hieß es dann nur: ‚Oma, du schaffst das schon.
© Natalie Tillmann
Schau her!‘“ Dem anschließenden schnellen Ge-
tippe der Enkel könne man aber schlecht folgen,
wenn man Neuling sei.
Steckbrief
Was macht Ursula Reith eigentlich, wenn
sie gerade keine Beratungsgespräche zu
digitalen Themen gibt? Seit sie in Rente
ist, studiert sie wieder: Kunstgeschichte,
Literaturwissenschaften und Englisch.
Im Rahmen des „Studium 50 Plus“ an der
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Bei dem Digitalen Treff haben nun alle die Chan- belegte Frau Reith anfangs noch bis zu
ce, gemeinsam in einer Gruppe daran zu arbeiten,
zehn Seminare; seit sie im März diesen
den Umgang mit den neueren Technologien bes-
ser zu verstehen und zu erlernen. Am Ende sind Jahres als Digital-Botschafterin begonnen
Online-Ticket-Systeme, Smart-TV und WhatsApp hat, hat sie auf „nur“ fünf bis sechs Seminare
keine Mysterien mehr, sondern praktische Hilfs-
pro Semester zurückgeschraubt. Ursula
mittel, die sich selbstbestimmt nutzen lassen. Die
Folien der Veranstaltung bekommen alle Teilneh- Reith packt’s an.
menden zur Nachbereitung per E-Mail geschickt.
23KREUZWORTRÄTSEL
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LÖSUNGSWORT 7
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7 8 9 10 11
3
4
24senkrecht waagerecht
1 Ich bin größer als ein Smartphone, 2 Kleine Helfer auf dem Smartphone oder
lasse mich aber auch mit den Tablet, um beispielsweise Nachrichten und
Fingern bedienen. Bilder zu verschicken oder um zu schauen,
wann die nächste Bahn kommt oder wie
3 Wenn man im Internet nach das Wetter wird.
etwas sucht, nutzt man dafür …
4 Kurzform für eine drahtlose Netzwerkver-
5 Internet Explorer, Firefox, bindung. Wenn man den Router nicht über
Chrome, Safari und Opera Kabel mit dem Gerät verbindet.
sind sogenannte …
6 Ein Schädling, der den PC, das Smartphone
10 Muss man regelmäßig machen, um oder das Tablet infiziert und somit Schaden
Geräte wie Smartphones, Tablets, anrichtet. Oftmals bleibt er unentdeckt.
PCs und Laptops sowie Anwendun-
gen auf dem laufenden Stand zu 7 Die zwei gängigsten Betriebssysteme für
halten und um Sicherheitslücken Smartphones und Tablet sind „iOS“ und …
zu schließen.
8 Elektronische Post
13 Wenn man Bankgeschäfte per
9 Eine Kombination aus Buchstaben,
Internet abwickelt, nennt man das...
Zahlen und Sonderzeichen zum
Schutz der eigenen Daten.
11 Ein Dienst, bei dem man Bücher über
das Internet ausleihen kann.
12 Verpasste Fernsehsendungen können im
Internet noch einmal in der … geschaut
werden.
14 Eine bekannte Plattform im Internet, auf
der man kostenlos Videos schauen oder
selbst hochladen kann.
25© Olena Yakobchuk | Shutterstock.com
KommmiT – Kommunikation mit
intelligenter Technik
Ein Projekt zur Stärkung der sozialen
und digitalen Teilhabe im Alter
von Miriam Brehm und Isabell Tatsch
T
echnologien wie Smartphones, Tablets setzt an dieser Stelle an und zielt darauf ab,
und Co. unterstützen das Leben der Men- digitale Teilhabe zu fördern und insbesondere
schen wie nie zuvor: Sie sind anwender- technikunerfahrene und mobil eingeschränk-
freundlich, erleichtern alltägliche Aufgaben te Seniorinnen und Senioren für das Internet
und lösen viele Probleme. Von den Vorteilen zu begeistern. Insgesamt neun Verbundpart-
der neuen Technologien profitieren jedoch ner aus den Bereichen Wissenschaft, Industrie,
nicht alle Bürgerinnen und
Bürger. Insbesondere ältere „Innerhalb einer geschützten und über-
Menschen fühlen sich oft-
mals unsicher im Umgang sichtlichen Lernumgebung können un-
mit digitalen Anwendungen erfahrene Seniorinnen und Senioren ihre
sowie den entsprechenden
Geräten, wie die von der Ber- ersten Schritte ins Netz wagen.“
telsmann Stiftung in Auf-
trag gegebene Studie „Digital souverän? Kom- Praxis und öffentliche Hand bringen ihre Exper-
petenzen für ein selbstbestimmtes Leben im tise in das vom Bundesministerium für Bildung
Alter“ unlängst zeigte. Das Projekt KommmiT und Forschung geförderte Projektvorhaben ein.
26Auf das Wesentliche konzentrieren – tungen betreut und fortgebildet werden. Das
der einfache Einstieg über die KommmiT- der Ausbildung zugrunde liegende medienpäda-
Bedienoberfläche gogische Konzept sowie die Schulungen der Eh-
renamtlichen zu Begleiterinnen und Begleitern
Im Rahmen des Projekts wurde ein medienpäda-
wurden federführend von der Stiftung Medien-
gogisches Konzept entwickelt, das darauf abzielt,
Kompetenz Forum Südwest (MKFS) gemeinsam
Berührungsängste abzubauen und Interesse für
mit der Landeszentrale für Kommunikation Baden-
die digitale Welt zu wecken. Die Idee dahinter ist,
Württemberg (LFK) entwickelt und durchgeführt.
innerhalb einer geschützten und auf we-
nige Anwendungen reduzierte Lernum-
gebung erste Schritte ins Netz zu wagen.
„Soziale Teilhabe, Lebensqualität
und Eigenständigkeit im Alter:
Um das zu realisieren, wurde ein mo-
dulares App-System entwickelt. Dieses Insbesondere ältere, alleinstehende
besteht aus eigens für das Projekt pro- Menschen sollen von den digitalen
grammierten Apps, ausgewählten An-
wendungen anderer Anbieter sowie einer Möglichkeiten profitieren können.“
speziellen KommmiT-Oberfläche. Diese
Zusammen mehr erreichen
Bedienoberfläche fungiert als vereinfachte Start-
seite und ermöglicht unerfahrenen Tablet-Nut- Die zentrale Anlaufstelle für alle KommmiT-
zerinnen und -Nutzern gegenüber einer normalen Beteiligten ist das „ServiceBüro“ in Stuttgart, in
Tablet-Startseite einen leichteren Einstieg in die dem individuelle und unabhängige Unterstüt-
digitale Welt, ohne dass sie Angst haben müssen, zung in Form von persönlicher Beratung vor Ort
etwas „Falsches“ anzuklicken. für die digitale Welt angeboten wird. So werden
beispielsweise im Rahmen der Techniksprech-
stunde praktische und lebensnahe Tipps für den
Kauf oder die Einrichtung eines Tablets gegeben.
Bei Fragen rund um das Projekt KommmiT
KommmiT-Launcher & KommmiT-Apps können Sie sich gerne an Isabell Tatsch
wenden unter:
06131/279675
Die KommmiT-Oberfläche kann den Bedürfnissen
der einzelnen Personen entsprechend individuell oder via E-Mail an :
angepasst und je nach Bedarf erweitert werden. tatsch@medienanstalt-rlp.de
Begleitet werden die Teilnehmenden von Ehren- Weitere Informationen zum Projekt
amtlichen, die im Rahmen von Schulungen zu finden Sie unter:
KommmiT-Begleiterinnen und -Begleitern aus-
www.kommmit.info
gebildet sowie durch fortwährende Veranstal-
27Das Konzept von KommmiT ist weiterhin in ein
Netzwerk lokaler Dienstleister und bestehender
sozialer Hilfsstrukturen eingebunden. Ziel ist es,
mithilfe der digitalen Möglichkeiten insbesonde-
re alleinstehenden, älteren Menschen neue sozia-
© LFK
le Kontakte zu ermöglichen und diese dauerhaft
zu stärken. Durch die Aktivierung lokaler Hilfs-
strukturen können die Menschen länger in ihren
eigenen vier Wänden leben.
Mit dem umfassenden medienpädagogischen Miriam Brehm
Konzept sowie den lokalen Netzwerkstrukturen
ist das Projekt KommmiT ein gutes Beispiel dafür, Miriam Brehm ist Referentin bei der
wie es gelingen kann, ältere Menschen in ihren Landesanstalt für Kommunikation Ba-
digitalen Kompetenzen zu stärken, damit sie die den-Württemberg und verantwortet
Chancen der Digitalisierung überhaupt wahrneh- die Medienkompetenzprojekte für Se-
men und daran teilhaben können. In der noch aus- niorinnen und Senioren. Im Rahmen
stehenden Projektlaufzeit werden die im Projekt des Projekts „Kommunikation mit in-
gewonnenen Erfahrungen und Ergebnisse auf- telligenter Technik“ (KommmiT) ist die
bereitet, sodass diese auch für andere Regionen LFK für das medienpädagogische Kon-
nutzbar werden. So ist unter anderem vorgese- zept und die Schulungen der bürger-
hen, die im Rahmen von KommmiT entstandenen schaftlich Engagierten zuständig.
Materialien auch den Digital-Botschafterinnen
und -Botschaftern für ihre Arbeit zugänglich zu
machen und auf diesem Weg die Schnittmengen
aus beiden Projekten der Stiftung MKFS optimal
© PicturePeople Fotostudios Mainz
auszunutzen. Die Materialien, die sich insbeson-
dere für eine 1-zu-1-Begleitung mit unerfahrenen
Nutzerinnen und Nutzern eignen, werden derzeit
entsprechend aufbereitet und stehen voraus-
sichtlich ab Frühjahr 2020 zur Verfügung.
Näheres zu diesem Beitrag finden Sie auf der
Silver-Tipps-Webseite unter:
Isabell Tatsch
https://www.silver-tipps.de/kommmit-
kommunikation-mit-intelligenter-technik/ Isabell Tatsch arbeitet als Referentin für
Oder scannen Sie einfach Medienkompetenz bei der Stiftung Me-
diesen QR-Code: dienKompetenz Forum Südwest und ist
dort für das Projekt „Kommunikation
mit intelligenter Technik“ (KommmiT)
zuständig. Frau Tatsch ist Erziehungs-
wissenschaftlerin und seit vielen Jahren
im medienpädagogischen Bereich tätig.
28© wavebreakmedia | Shutterstock.com
... richtet sich an Silver Surfer, also ältere, aktive
Internetnutzerinnen und -nutzer.
... ist werbefrei! Alle Inhalte sind von Expertinnen
und Experten recherchiert und wissenschaftlich fundiert.
... legt besonderen Wert auf die Verständlichkeit aller
Inhalte und arbeitet praxisnah.
... richtet einen besonderen Blick auf Verbraucher-
und Datenschutz.
... beleuchtet regelmäßig neue Themengebiete rund um
Smartphone, PC und Internet.
www.silver-tipps.de
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