Unglaublich - Kirchenbote SG

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Unglaublich - Kirchenbote SG
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DER EVANGELISCH-REFORMIERTEN KIRCHE DES KANTONS ST. GALLEN                                     www.kirchenbote-sg.ch

Unglaublich
                                       SEITE 4 – 6             SEITE 7                  SEITE 14

                                       Wirkungsvoll            Durchgedreht             Ekstatisch
ES GESCHEHEN NOCH ZEICHEN UND WUNDER   HEILUNG IN KÖRPER & GEIST WUNDER IN WALENSTADT   VERZÜCKT IN DER KIRCHE
Unglaublich - Kirchenbote SG
EDITORIAL                                                                   IM ANFANG

Kann das Zufall sein?
Liebe Leserin, lieber Leser

Vor einigen Monaten ging ich mit mei-
nem Sohn in die Apotheke. Ich suchte
ein Mittel gegen seine Warze. Die Apo-
thekerin empfahl mir eine homöopathi-
sche Salbe. Und wirklich: Just zwei Wo-
chen später war die Warze weg. Kann
das Zufall sein?
                                           Glauben ohne Wunder
Ja, es kann. Denn als Homöopathie-
                                           Text: Esther Machlewitz, Pfarrerin, Rorschach
skeptiker hatte ich auf die Salbe ver-
zichtet. Warzen kommen, Warzen gehen,
ob mit Salbe oder ohne. Spontanheilun-     Auf die Frage, ob er der Messias sei, ant-           ordnen. Denn unsere Gedankenwelt ist nicht
gen sind ein bekanntes Phänomen.           wortet Jesus: «Blinde sehen und Lahme                mehr die gleiche wie vor 2000 Jahren. Und so
                                           gehen, Aussätzige werden rein und Taube              haben Wundergeschichten für uns aufgeklär-
Menschen sind geneigt, Zusammenhän-        hören, Tote stehen auf und Armen wird das            te Menschen etwas Anstössiges.
ge zu erkennen, wo es keine gibt. Fallen   Evangelium gepredigt; und selig ist, wer
zwei Ereignisse zusammen, so halten        sich nicht an mir ärgert.» (Mt 11,5-6)               ALLTAGSERWARTUNG GESPRENGT
wir das eine für die Ursache und das an-                                                        «Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert», sagt
dere für die Wirkung. Wunder entziehen     Ein «Ja» oder ein «Nein». Diese Antwort wür-         Jesus. Ich denke mir: Gar nicht so einfach,
sich diesem Denken. Sie suchen nicht       de man auf die Frage erwarten, ob er der             wenn die Wundergeschichten, die erzählt
die Erklärung, nicht die naturwissen-      Messias sei. Doch eine explizite Antwort lie-        werden, wie aus der Zeit gefallen wirken. Mit
schaftliche, und schon gar nicht die       fert Jesus nicht. Er verweist stattdessen auf        Jesu Reden, mit seinen Gleichnissen, mit der
pseudowissenschaftliche. Denn in bibli-    seine Wundertätigkeit: auf Heilungen und             Art, wie er mit den Menschen zu seiner Zeit
schen Erzählungen weist das Wunder         Totenauferweckungen. Diese Wunder sind               umgegangen ist – mit all dem kann ich etwas
über das eigentliche Ereignis hinaus: Es   Beleg dafür, dass Gott ihn als Messias ge-           anfangen. Aber die Wunder sind doch nicht
ist ein Zeichen, es hat eine Bedeutung.    sandt hat. Für die Zuhörer ist klar: In den          mehr zu glauben! Ein Glaube ohne Wunder
Man kann dem Wunder diese Bedeu-           Wundern zeigt sich Gott. Schliesslich sind           wäre zeitgemässer, geht es mir durch den
tung beimessen, ohne in der Kategorie      die Menschen der Antike vertraut mit                 Kopf.
von Ursache und Wirkung zu denken.         Wundergeschichten. Denn diese waren da-
                                           mals nicht nur in der Bibel gang und gäbe.           Aber geht das – ein Glaube ohne Wunder?
Vor einigen Jahren besuchte ich auf                                                             Muss ich nicht mit einem Gott rechnen, der
                                           KINDISCH UND NAIV                                    grösser ist als das, was ich für möglich halte?
einer Nordseeinsel einen Osternachts-
                                           Bei uns ist das heute anders. Wir haben de-          Anders formuliert: Ist Gott nicht immer noch
gottesdienst. Mit der Osterkerze in der
                                           taillierten Einblick in biologische, physikali-      da zu finden, wo ich mich wundere? Wo ich
Hand machte ich mich auf den Heim-
                                           sche und medizinische Zusammenhänge. Wir             erstaunt feststelle, dass in meinem Leben All-
weg. Draussen blies der Blanke Hans,
                                           kennen die Zusammensetzung von Atomen.               tagserwartungen gesprengt werden. Durch
wie der Sturmwind der Nordsee genannt      Wir erforschen die Welt der Quanten. Wir             unvorhergesehene Zuwendung anderer Men-
wird. «Die Kerze wird sowieso bald aus-    glauben zu wissen, was möglich ist und was           schen. Durch Glückserfahrungen, die ich
löschen», dachte ich, vertiefte mich in    nicht. Die biblischen Wunder erscheinen kin-         nicht für möglich gehalten habe. Dort, wo ich
das Gespräch mit meiner Begleitung         disch, naiv, wie Märchen oder Zaubertricks.          mit offenem Blick auf die Welt schaue und se-
und beachtete die Kerze nicht mehr.        Wenn wir diese Wundergeschichten lesen, ist          he, wie wundervoll alles eingerichtet ist.
Nach einer halben Stunde waren wir vor     das für viele kein Grund zum Glauben, son-           Kann nicht auch noch heute das gläubige
unserer Haustür angekommen. Und            dern Grund für kritische Fragen und Zweifel.         Herz in solchen Alltagsdingen Gottes Gegen-
wirklich: Just in diesem Moment erst er-   Wir suchen nach einer natürlichen Ursache,           wart in unserer Welt erkennen? Sind das
losch die Flamme. Kann das Zufall sein?    um die Dinge in unserem Denksystem einzu-            nicht Wunder? Ŷ

Ja, davon bin ich überzeugt. Aber es ist
                   doch wunderbar, dass
                   das Osterlicht dem
                   Blanken Hans trotzte
                   und mir bis nach
                   Hause leuchtete. Ein
                   Wunder? Egal. Aber
                   für mich war es ein
                   Zeichen. Wenn auch
                   ein zufälliges. Ŷ
Stefan Degen

2 AUSGABE 5/2021
Unglaublich - Kirchenbote SG
WUNDER

                                                                                                            Diskutieren Sie mit!
                                                                                                            Was ist Ihre Meinung zum Thema Wunder?
                                                                                                            Sie sind herzlich eingeladen, im neuen
                                                                                                            Kirchenbote-Blog mitzudiskutieren. Ŷ

                                                                                                            kibo-sg.ch

                                                                                                          von Materie angezogen; Zeit vergeht in
                                                                                                          einem stark beschleunigten Raumschiff lang-
                                                                                                          samer als hier auf der Erde. Manches, das
                                                                                                          wir im Alltag als fixiert ansehen, wird verän-
                                                                                                          derbar. Ist damit nicht auch Raum für Wun-
                                                                                                          der geschaffen?

                                                                                                          Ja, ich glaube, dass es Wunder gibt, welche
                                                                                                          die naturwissenschaftliche Vorstellungskraft
                                                                                                          übersteigen. Warum? Ich habe sie gesehen;
                                                                                                          und ich habe inzwischen viel davon gehört
                                                                                                          und von glaubwürdiger Quelle gelesen. Ein
                                                                                                          Freund von mir, ebenfalls Pfarrer, erzählte,
                                                                                                          wie er für jemanden gebetet hatte, dessen
                                                                                                          Auge blind war. Er wurde anschliessend ge-
                                                                                                          heilt. Ich habe selber gesehen, wie ein südaf-
                                                                                                          rikanischer Pfarrer für Menschen betete, die
                                                                                                          ein kürzeres Bein hatten, was Rückenproble-
                                                                                                          me auslöste. Es war verblüffend – innert Se-
                                                                                                          kunden waren deren Gliedmassen ausgegli-
                                                                                                          chen, man konnte dabei zusehen.

                                                                                                          ERSEHNT, UMSTRITTEN, VERTEUFELT
                                                                                                          Ich bin mir bewusst, dass meine Aussagen
                                                                                                          provozieren. In den Evangelien werden die
                                                                                                          Wunder Jesu von seinen Gegnern gar dem
                                                                                                          Teufel zugeschrieben; man bewegt sich folg-
                                                                                                          lich auf dünnem Eis, wenn man mit Wundern
Plötzlich kann der blinde Bettler Bartimäus wieder sehen, nachdem Jesus ihn geheilt hat mit den Worten:   rechnet. Die einen glauben nicht daran, die
«Geh! Dein Glaube hat dich gerettet.» So gemäss dem Markusevangelium.                                     anderen halten sie für gefährlich: «Was ist
                                                                                                          mit denen, welche nicht geheilt werden,
                                                                                                          wenn jemand für sie betet?» Ich denke, ver-

«Ich habe sie gesehen!»                                                                                   lieren kann man nicht viel. Denn im schlech-
                                                                                                          testen Fall geschieht nichts.

Text: Marcel Amman, Pfarrer, Altstätten                                                                   Trotzdem: Meine Erfahrung zeigt, dass die
Bild: Kees de Kort, aus: Das grosse Bibel-Bilderbuch, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart               meisten Menschen für ein Gebet dankbar
                                                                                                          sind, dass sie sich ernst genommen fühlen –
                                                                                                          und manchmal geht es ihnen körperlich wirk-
Pfarrer Marcel Ammann glaubt an Wunder,                 fall entstanden sein soll – dafür reicht mein     lich besser. So, wie es die Bibel berichtet.
welche die Vorstellungskraft übersteigen.               Glaube nicht. Ich bin überzeugt, dass dahin-      Jesus sagte zu seinen Nachfolgern: «Wahr-
Denn moderne Physik zeigt: Vieles, was im               ter ein genialer Schöpfergott steht, welcher      lich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich
Alltag fixiert scheint, ist relativ. Geprägt             uns Menschen an diesen kleinen Wesen et-          glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich
haben ihn Wundererlebnisse, die er selber               was von seiner Allmacht demonstriert.             tue.» (Joh 14,12). Die Erfüllung dieses Ver-
gesehen hat.                                                                                              sprechens können Sie in der Apostelge-
                                                        WAS FIXIERT SCHEINT, IST RELATIV                  schichte nachlesen.
Haben Sie einmal mit einem Imker über Bie-              Mich fasziniert die Vorstellung, dass Dinge,
nen gesprochen? Wie sich diese untereinan-              die wir als absolut ansehen, plötzlich relativ    Rechnen Sie mit Wundern – und Sie werden
der verständigen, wie die Aufzucht von Köni-            werden. Zum Beispiel Raum und Zeit. Wun-          sich wundern! Und vor allem: Rechnen Sie
ginnen funktioniert? Dass dies alles per Zu-            derlich und erstaunlich: Ein Lichtstrahl wird     mit Gott, der Wunder tut! Ŷ

                                                                                                                             WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 3
Unglaublich - Kirchenbote SG
WUNDER

«Wo Menschen Wunder zum Überleben
werden auch Wunder erlebt»
Ein Facharzt für Innere Medizin und ein Professor für Neues Testament diskutieren über Wunderheilungen zur Zeit Jesu und heute
Interview: Stefan Degen | Fotos: Caro Kaiser, epd-bild / Zoom-Standbilder

Als Arzt hat Urs Pilgrim wundersame Hei-
lungen erlebt. Er ist überzeugt: Der Glaube
ist eine wertvolle medizinische Ressource.
Auch der Berner Theologieprofesser Benja-
min Schliesser möchte Wunderglaube und
Naurwissenschaften nicht gegeneinander
ausspielen. Denn unser vermeintlich ge-
schlossenes, wissenschaftliches Weltbild
habe Löcher bekommen.

Herr Pilgrim: Sie haben jahrelang eine Arztpra-                                Eine Schwerkranke hofft
xis in Muri geführt. Haben Sie in Ihrer Tätigkeit                              auf eine Wunderheilung
auch wundersame Heilungen erlebt?                                              im französischen Marien-
Urs Pilgrim: Ja, aber das war nicht alltäglich.                                wallfahrtsort Lourdes.
Im Alltag sind viele Patienten geheilt worden,
durch Medikamente und Therapien, aber das
erwartet man ja. Zweimal habe ich aber erlebt,
dass Leute von einer Sekunde auf die andere
geheilt wurden, völlig unerwartet.

Erzählen Sie.
Pilgrim: Ein junger Mann, etwa 25-jährig, war
auf einer Afrikareise bei dem Volk der Masai zu
Besuch. Er bekam eine Tasse Tee offeriert, der
nach Metall stank. Seitdem hatte er einen
Metallgeschmack im Mund, der nicht mehr
wegging, jahrelang. Er litt stark darunter, hatte
keinen Appetit mehr, verlor Gewicht. Es entwi-
ckelte sich zu einem ernsthaften Gesundheits-
problem. Ich liess ihn rundum abklären, doch           Herr Schliesser, die geschilderte Heilung kam       Geht es in biblischen Erzählungen um das Wun-
man fand keine Ursache. Therapieversuche               völlig unerwartet. Ist das bei biblischen Wunder-   der an sich, oder weist das Wunder über das
scheiterten. Eines Tages kam er aber wegen             heilungen auch so?                                  eigentliche Ereignis hinaus?
eines anderen Anliegens zu mir: Er hatte eine          Benjamin Schliesser: Nein. Es sind viele Men-       Schliesser: Eindrücklich ist die Heilung des
Halskehre, konnte den Kopf nicht mehr gut              schen an Jesus herangetreten in der Hoffnung,       epileptischen Jungen in Mk 9. Markus lässt
drehen. Das konnte ich mit drei chiroprakti-           geheilt zu werden. Denn Jesus hat sich einen        Jesus wie einen Arzt auftreten. Jesus fragt den
schen Handgriffen gut lösen. Er strahlte: Ab           Ruf als Wunderheiler und Exorzist erarbeitet.       Vater: «Wie lange hat der Knabe das schon?»
diesem Moment war nicht nur die Verspan-               Die Erwartung war also da.                          Man muss sich das vorstellen: Der Junge liegt
nung gelöst, auch der Metallgeschmack war                                                                  auf dem Boden, krümmt sich und hat Schaum
weg. Und zwar für immer.                               Wenn die Erwartung da ist: Bewirkt dann der         vor dem Mund. Jesus aber informiert sich über
                                                       Glaube das Wunder, oder bewirkt das Wunder          ein vermeintlich belangloses Detail und verwi-
Wie erklären Sie sich das?                             den Glauben?                                        ckelt den Vater dann in ein Gespräch über
Pilgrim: Eine latente Angst hat den Mann be-           Schliesser: An verschiedenen Stellen in den         Glaube und Zweifel. Da sieht man: Markus
gleitet, er sei vergiftet worden. Als er spürte,       Evangelien steht der Satz: «Dein Glaube hat         stellt nicht das Ereignis an sich in den Mittel-
dass der Nackenschmerz weg war, konnte er              dich gerettet.» Dieser Satz setzt voraus, dass      punkt, sondern das Thema Glaube und Zweifel.
diese Angst irgendwie ablegen. Körper und              die Person an Jesus herantritt im Glauben, dass
Psyche bilden eine Einheit, man kann sie nicht         da was geschieht. Glaube im Neuen Testament         War der Wunderglaube in der Antike verbreitet?
trennen. Die Theologen Sturmius Wittschier             bedeutet Vertrauen in eine Person, in diesem        Schliesser: Wunder waren damals alltäglich.
und Eugen Drewermann sagen, das Phänomen               Fall in Jesus, den Wundertäter. Dieser Glaube       Zum Beispiel an der Heilstätte in Epidaurus,
sei ein Ausgleich zwischen bewusstem Erleben           wird mitgebracht. In paganen antiken Wunder-        dem «Lourdes der Antike». Man legte sich dort
und Unterbewusstsein. Solche Phänomene                 erzählungen ist es übrigens genau umgekehrt.        in einem Raum nieder und wurde im Schlaf von
konnte vermutlich auch Jesus herbeiführen,             Dort findet zuerst das Wunder statt, und dann       Apollo geheilt. Berichtet wird etwa von einer
mit einigem Erfolg. Aber sicher auch andere.           wird man aufgefordert, daran zu glauben.            fünfjährigen Schwangerschaft, die geheilt wur-

4 AUSGABE 5/2021
Unglaublich - Kirchenbote SG
WUNDER

brauchen,                                                                                           mal die Frage: Soll ich noch Akupunktur
                                                                                                    machen, eine Reflexzonenmassage? Bei uns in
                                                                                                    Muri gab es eine erfolgreiche Handauflegerin,
                                                                                                    eine spirituelle Heilerin. Als Alternative zu
                                                                                                    einer medizinischen Behandlung habe ich
                                                                                                    immer abgeraten. Aber ich habe gesagt: «Wenn
                                                                                                    Sie glauben, dass Ihnen die Frau helfen kann,

                                                                                                          «Der Erfolg der Medizin lässt
                                                                                                          weniger Platz für Wunder.»
                                                                                                          Urs Pilgrim, Arzt

                                                                                                    dann machen Sie es unbedingt. Oder wenn Sie
                                                                                                    glauben, dass Sie in Lourdes Hilfe bekommen,
                                                                                                    dann gehen Sie – ergänzend zur medizinischen
                                                                                                    Behandlung.» Ich selber würde nie nach Lour-
                                                                                                    des fahren. Ich glaube zwar an wundersame
                                                                                                    Heilungen, aber im Rahmen der Naturgesetze.

                                                                                                    Die Heilerin bewirkt also einen Placeboeffekt?
                                                                                                    Pilgrim: Einen genialen Placeboeffekt! Man
                                                                                                    sollte ihn auf keinen Fall geringschätzen! Klar,
                                                                                                    wenn eine Schwerverletzte in die Notaufnahme
                                                                                                    kommt, ist der Glaube unwichtig. Dann sind
                                                                                                    Wissen und Handfertigkeit gefragt. Aber in der
                                                                                                    Nachbehandlung ist der Glaube, also die Er-
                                                                                                    wartungshaltung, enorm wichtig. Ich war auch
                                                                                                    immer offen, wenn ich gespürt habe, dass eine
                                                                                                    Patientin beten möchte. Das muss man unter-
                                                                                                    stützen. Der religiöse Glaube ist oft tief ver-
                                                                                                    ankert und wertvoll, auch medizinisch.

                                                                                                    Hilft es, um Heilung zu beten?
                                                                                                    Pilgrim: Ich spreche hier nicht über den spiri-
                                                                                                    tuellen Aspekt, sondern nur über den medizini-
                                                                                                    schen. Es gibt dazu viele Untersuchungen,
 de. Neben den Heilstätten gab es aber auch       Aber auch in der westlichen Welt ist man manch-   auch äusserst seriös geführte Doppelblind-
 Wundertäter, die man auf der Strasse antraf.     mal auf Wunder angewiesen, etwa in medizi-        studien. Die Antwort ist eindeutig: Ja, Beten für
 Denn Wunder waren in der Antike nicht nur all-   nisch ausweglosen Situationen. Erleben Men-       die eigene Gesundheit hilft.
 täglich, sie waren auch notwendig.               schen dann häufiger Wunder, Herr Pilgrim?
                                                  Pilgrim: Die Medizin war bis ins 19. Jahrhun-     Und wenn ich für die Gesundheit anderer bete?
 Notwendig?                                       dert ziemlich erfolglos im Vergleich zu heute.    Pilgrim: Diese Frage war lange umstritten. Bis
 Schliesser: In der prekären Situation, in der    Früher galt es als Wunder, wenn jemand von        zu einer umfangreichen Doppelblindstudie von
 viele Menschen damals lebten, waren sie auf      einer Lungenentzündung geheilt wurde, denn        2006. Der amerikanische Kardiologe Herbert
 Eingriffe von aussen angewiesen. Wo Men-         die meisten starben daran. Heute ist es kein      Benson hat 1802 Patienten nach einer Bypass-
 schen Wunder zum Überleben brauchen, wer-        Wunder mehr, wenn jemand im Spital von            operation untersucht. Für manche wurde in
 den auch Wunder erlebt. Das ist auch heute       einer Lungenentzündung geheilt wird. Es ist       Klöstern gebetet, für andere nicht. Das Resul-
 noch so in der nichtwestlichen Welt.             der Erfolg der Medizin. Der Erfolg der Medizin    tat ist ernüchternd: Medizinisch ist kein positi-
                                                  lässt weniger Platz für Wunder.                   ver Effekt erkennbar.

                                                  Auch heute gibt es medizinisch ausweglose         In der Studie wurde die Wirkung des Betens mit
   Diskutieren Sie mit!                           Situationen. Vertrauen sich Patienten dann        wissenschaftlichen Methoden untersucht. Wie
                                                  einem Wunderheiler an, gehen nach Lourdes         standen Wunderglaube und naturwissenschaftli-
   Was ist Ihre Meinung zum Thema Wunder?         oder suchen ihr Heil in der Alternativmedizin?    che Erkenntnis in der Antike zueinander?
   Sie sind herzlich eingeladen, im neuen         Pilgrim: Das kam in meiner Praxis nicht sehr      Schliesser: Für den Otto Normalverbraucher
   Kirchenbote-Blog mitzudiskutieren. Ŷ           häufig vor. Ich kannte meine Grenzen und habe     war die Vorstellung alltäglich, dass es Wunder
                                                  die Patienten oft an Spezialistinnen weiterver-   gibt. Es gab aber auch Skepsis, vor allem
   kibo-sg.ch                                     wiesen. Die Leute schätzten das und hatten
                                                  Vertrauen. Aber natürlich kam immer wieder        Fortsetzung auf Seite 6

                                                                                                                        WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 5
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WUNDER

                                                                         Urs Pilgrim, Facharzt für
                                                                         Innere Medizin, hat wun-
                                                                         dersame Heilungen erlebt.
                                                                         «Körper und Psyche lassen
                                                                         sich nicht trennen», sagt
                                                                         er, «und der Glaube ist
                                                                         eine medizinisch wertvolle
                                                                         Ressource.»

                                                  Benjamin Schliesser, Pro-
                                                  fessor für Neues Testa-
                                                  ment an der Universität
                                                  Bern, möchte sich über
                                                  Wunder wundern dürfen,
                                                  ohne sie gleich wegzudis-
                                                  kutieren: «Sie machen das
                                                  Poröse an unserem Welt-
                                                  bild sichtbar.»

Fortsetzung von Seite 5                           thologisierung der neutestamentlichen Botschaft     Tendenzen. Die eine: Man hat versucht, das
                                                  ausgesprochen hat, mit dem berühmten Satz:          Wunderhafte rationalistisch zu erklären. Beim
in der Bildungselite. Lukian beispielsweise       «Man kann nicht elektrisches Licht und Radioap-     Seewandel Jesu ging Jesus halt auf Steinen
spottete darüber, dass jemand angeblich über      parat benutzen, in Krankheitsfällen moderne         oder auf Pfosten. Die andere Tendenz war die
Wasser ging und dann emporflog. Wunderglau-       medizinische und klinische Mittel in Anspruch       Linie, die auch Bultmann verfolgte: Man sieht
be und Skepsis standen also nebeneinander –       nehmen und gleichzeitig an die Geister- und         die Wundergeschichten an wie eine Nuss. Das
ganz ähnlich wie heute. Neueren Studien zufol-    Wunderwelt des Neuen Testaments glauben.»           Mythische ist die Schale, die man entfernt, um
ge hat übrigens der Wunderglaube in den letz-     Schliesser: Ich kann mir vorstellen, dass Bult-     zum Kern zu gelangen.
ten Jahrzehnten wieder zugenommen – auch          mann dieser Satz irgendwann auch mal pein-
im Westen.                                        lich wurde. Er zeugt von einer gewissen Naivi-      Was ist Ihre persönliche Sichtweise?
                                                  tät, die Bultmann ansonsten fremd war. Es ist,      Schliesser: Ich möchte mich über Wunder
Wie erklären Sie sich das?                        wie wenn man sagt: Wasser löscht keinen             wundern dürfen, ohne sie gleich wegzudisku-
Schliesser: Die Wissenschaftsgläubigkeit ins-     Durst, sondern Wasser ist H2O. Das sind ein-        tieren – auch als historisch arbeitender, an
gesamt lässt nach. Das kann man in den USA        fach zwei verschiedene Perspektiven auf die         einer Universität lehrender Neutestamentler.
beobachten, aber auch hierzulande. Das hat        Wirklichkeit. Das Zitat unterschlägt auch, wozu     Ich möchte das Wundern nicht verlernen, es
negative Effekte, etwa im Blick auf Corona. Zu-                                                       nicht durch Bildung ausmerzen. Ich glaube,
nehmend hinterfragen sich die Naturwissen-                                                            sonst wird man dem Leben, aber auch den bib-
schaften auch selber: Die Gesetze der Newton-           «Wieso werden die einen ge-                   lischen Geschichten nicht gerecht. Ich finde es
schen Physik gelten in der Quantenmechanik              heilt und die anderen nicht?»                 auch wichtig, dass solche Heilungsgeschichten
nicht. Ich glaube, dass diese Erkenntnis lang-                                                        erzählt werden, wie sie Herr Pilgrim eingangs
                                                        Benjamin Schliesser, Theologe
sam durchsickert zur breiten Bevölkerung. Das                                                         berichtet hat. Sie machen das Poröse an unse-
vermeintlich geschlossene Weltbild, mit dem                                                           rem Weltbild sichtbar. Ich habe auch solche
wir aufgewachsen sind, bekommt Löcher. Ich                                                            Geschichten gehört, und ich habe keine Mühe
finde das sympathisch, auch als Theologe.         das antike Denken fähig war. In antiken Weltbil-    damit, zu glauben, dass es solche Wunder gibt.
Pilgrim: Wir haben in den Naturwissenschaf-       dern steckt viel Symbolik. Wir sagen heute ja       Als Theologe habe ich eher ein Problem damit,
ten und in der Medizin viele Fragezeichen. Die    auch «die Sonne geht unter». Obwohl sie             dass die einen geheilt werden und die anderen
Wissenschaft ist ziemlich ehrlich. Echte Wis-     eigentlich gar nicht untergeht, sondern die Er-     nicht. In meiner Gemeinde hatte ein junger
senschafter zeichnen sich durch Bescheiden-       de sich dreht. So muss man auch manche              Familienvater einen Hirntumor und wurde
heit aus. In der komplementärmedizinischen        antike Texte verstehen.                             gesund. Ein anderer, ebenfalls ein mehrfacher
Szene, die ich recht gut kenne, habe ich hinge-                                                       Vater, ist an Krebs gestorben. Nicht dass es
gen viel Unbescheidenheit und Bluff gesehen.      Die Kritik an den biblischen Wundern kam nicht      Wunder gibt ist für mich das theologische
                                                  nur von Bultmann.                                   Problem, sondern dass es sie hier gibt und da
Unbescheiden war der Theologe Rudolf Bult-        Schliesser: Bultmann steht in der Tradition ei-     nicht. Ŷ
mann, als er sich vor 80 Jahren für eine Entmy-   ner aufgeklärten Wunderkritik. Es gab zwei

6 AUSGABE 5/2021
Unglaublich - Kirchenbote SG
WUNDER

Die durchgedrehte Diana
Naturphänomen – Ist im Walenstädter Umschwung einer Villa ein Wunder geschehen?
Text | Foto: Hanspeter Schumacher, Wattwil

In Walenstadt blieb ich kürzlich verwundert         BLICK IN DIE KATALOGE
vor einem Privatgarten stehen. Grund                Ein Blick in verschiedene Baumschulkataloge       Der Autor
meines abrupten Stopps war eine Lärche              holte mich wieder in die Realität zurück. Mir
im nadellosen Winterzustand. Mit den                offenbarte sich am Südfuss der Churfirsten        Bis im Januar leitete Hanspeter Schu-
karamellfarbenen jungen Zweigen und den             kein Wunder, sondern eine Bildungslücke,          macher 35 Jahre lang den Botanischen
nach aussen gebogenen Zapfenschuppen gab            zumindest was die aktuellen Baumschulsor-         Garten in St. Gallen. Der 65-jährige Land-
sie sich zweifelsfrei als Japanische Lärche         timente anbelangt. Die sonderbare Lärche          schaftsarchitekt lebt in Wattwil. (red) Ŷ
zu erkennen. Das war aber nicht alles. Statt        können alle, die das möchten, in Gartencen-
                                                    tern erwerben und in den Garten pflanzen.
                                                    Ihr Name: Larix kaempferi «Diana». Eine
      Eine deutsche Baumschule                      deutsche Baumschule preist die bizarre Gar-     Planeten schon rund 300 000-mal ab. Würde
      preist die bizarre Garten-                    tenpflanze marktschreierisch als «Hingucker»    die «durchgedrehte Diana» nicht von Gärtne-
      pflanze marktschreierisch                      an. Zumindest bei mir hat sich das bestätigt.   rinnen und Gärtnern durch Veredelung ver-
      als «Hingucker» an.                           Wenigstens der Spur nach kann ich darlegen,     mehrt, wäre sie wie die meisten Mutationen
                                                    was den Zweigen der holzigen Diana Dauer-       bald wieder vom Erdboden verschwunden.
                                                    wellen verleiht. Es ist eine Mutation: Gene,    Keine neue Art also in Walenstadt, sondern
                                                    die an den Zweigen normalerweise für gleich-    ein Irrweg der Evolution, genauso wie die
stracks nach oben zu wachsen, leisten es            mässig grosse Zellen und damit für gerade       bekannten Korkenzieherformen bei den
sich die Sprossen des Exoten, sich mal links,       Zweige sorgen, verändern sich sprunghaft. In    Haselsträuchern, Weiden oder Robinien.
mal rechts und mal im Kreise herum zu               der Folge lassen sie unterschiedlich grosse     Auch sie sind lebende Aushängeschilder
drehen, als hätten sie es nicht nötig, mög-         Zellen zu mit dem Resultat, dass sich die       unserer Gärten, die Wunderfitze wie mich
lichst rasch ans Licht zu gelangen. Dabei ist       Zweige in alle Richtungen verformen. Kein       bisweilen zu Zwischenhalten animieren.
doch bekannt, dass alle rund 20 bekannten           Wunder also, dafür Evolution live, abgespielt
Lärchenarten auf viel Licht angewiesen sind.        direkt vor meinen Augen. Vorausgesetzt,         SCHAUSPIEL DER NATUR ALS WUNDER
Gehen wir davon aus, dass Wunder unerklär-          die neue Form könnte sich im Wettbewerb         All diese Tatsachen sollen niemanden davon
bare Ereignisse sind, die der menschlichen          der Arten behaupten und sich fortpflanzen,      abhalten, Lärchen als wunderschöne Lebe-
Vernunft und den Gesetzmässigkeiten der             wäre dies die Geburtsstunde einer neuen         wesen zu achten. Der hellgrüne Austrieb der
Natur zuwiderlaufen, dann ist im Garten der         Art. In der Entwicklungsgeschichte der          Nadeln im Frühling, meist zusammen mit den
Walenstädter Villa ein Wunder geschehen.            Gefässpflanzen spielte sich dies auf unserem    gelben männlichen und den roten weiblichen
                                                                                                    Blütenständen, ist schlicht überwältigend.
                                                                                                    Wie auch der Laubfall im Herbst, wenn sich
                                                                                                    die Nadeln goldgelb verfärbt haben. Oder
                                                                                                    genauer gesagt, wenn beeinflusst durch ab-
                                                                                                    nehmende Tageslängen und Temperaturen,

                                                                                                          «Schliesslich kann man
                                                                                                          vieles als zauberhaft
                                                                                                          empfinden – auch ohne an
                                                                                                          Zauberei zu glauben.»

                                                                                                    Phytohormone verwertbare Stoffe von den
                                                                                                    Nadeln in die Sprossachsen zurückziehen,
                                                                                                    sodass gelbe Farbpigmente zum Vorschein
                                                                                                    kommen, die bis anhin vom Blattgrün über-
                                                                                                    deckt waren. Wer im Oktober Lärchenwälder
                                                                                                    aufsucht, sei es im Engadin, in den Weiten
                                                                                                    Sibiriens oder in den vulkanischen Gebirgen
                                                                                                    Zentraljapans, wird ob so viel Schönheit
                                                                                                    ergriffen sein. Warum dieses Schauspiel nicht
                                                                                                    als Wunder der Natur bestaunen? Schliess-
                                                                                                    lich kann man vieles als zauberhaft empfin-
Die sonderbare «dauergewellte» Lärche im nadellosen Winterkleid am Südfuss der Churfirsten.          den – auch ohne an Zauberei zu glauben. Ŷ

                                                                                                                       WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 7
Unglaublich - Kirchenbote SG
IN KÜRZE                                                                               PANORAMA GEMEINDEN

                                                Foto: Gabi Heussi
                                                                    Planen, flicken, umbauen
                                                                    In den Kirchgemeinden wird emsig gebaut – Ausgrabungen in der Kirche Sax

                                                                    Hier wird die Kirche umgestaltet, da ein            dokumentierte ein Team der Kantonsarchäo-
                                                                    Kirchgemeindesaal erstellt und dort das             logie das neu Angetroffene. Dies überbietet
                                                                    Pfarrhaus renoviert: In den Kirchenbezir-           die Erwartungen, wie Kantonsarchäologe
                                                                    ken Rheintal, Toggenburg und St. Gallen             Martin Schindler gegenüber dem «Werdenber-
                                                                    wird geplant, geflickt, um- und neugebaut.           ger & Obertoggenburger» erklärte. Sowohl im
                                                                                                                        Schiff als auch im Chor ist der Mörtelboden
                                                                    Derzeit zur Sache geht es in Alt St. Johann.        aus der Bauzeit der spätgotischen Kirche um
                                                                    Hier renoviert die Kirchgemeinde Wilhaus-           1490 fast vollständig erhalten geblieben. Im
                                                                    Alt St. Johann das Pfarrhaus. Die einstigen         Chor wurden des Weiteren ein altes Kanzel-
                                                                    Wohnräume sollen als Sekretariat, Pfarrbüro         fundament und zwei Grabstellen freigelegt.
                                                                    sowie als Gemeinschafts-, Schulungs- und            Die beschlossenen Sanierungsarbeiten im
Zwingli sitzt in Weesen                                             Jugendräume dienen. Parallel dazu werden            Chor und Schiff und der Einbau eines neuen
                                                                    zwei neuere Gebäude – in denen bis anhin            Bodens verzögern sich nun, doch hat laut Kir-
Bartholomäus Zwingli, Bruder des Wild-                              auch ein Saaltrakt war – abgebrochen und            chenpräsident Jakob Tinner die Gemeinde
hauser Ammanns Johann Ulrich Zwingli,                               durch einen Holz-
wird 1487 nach Weesen als Pfarrer berufen.                          bau ersetzt. Dieser
Er ist der Götti des späteren Reformators                           soll multifunktional
Huldrych Zwingli (*1.1.1484), den er im                             genutzt werden
Jahre 1489 zu sich nach Weesen nimmt,                               können. Im Ober-
«um festzustellen, ob er zur Wissenschaft                           toggenburg wird
tauge». Dies wussten nur wenige, sodass                             mit Kosten von
die evang. Kirchgemeinde, mit Pfarrer Jörn                          2,2 Mio. Franken
Schlede als treibende Kraft, 2016 das Pro-                          gerechnet.
jekt «Zwingli in Weesen» lancierte. Ziel war
es, bekannter zu machen, dass Zwingli als                           DACHGESCHOSS,
Bub in Weesen lebte. Das Projekt ist abge-                          FENSTER, TURM
schlossen. Doch es hinterlässt Bleibendes.                          Altstätten seiner-
Neu wird es eine Zwinglitreppe geben. Das                           seits legte der Bür-
Haus von Bartholomäus sowie das Nach-                               gerschaft den Aus-
barhaus, wo Katharina von Zimmern lebte,                            bau des Pfarrhaus-
werden mit Hinweisen beschriftet. An den                            dachgeschosses für
Tourist-Infopunkten sind Tafeln zu Zwingli                          205 000 Franken zur
angebracht. Und zu guter Letzt: Die beiden                          Abstimmung vor.
Zwinglis wurden von der einheimischen                               Damit verspricht
Künstlerin Franziska John aus Ton her-                              sich die Kirchge-
gestellt. (ref.ch/gh) Ŷ                                            meinde grösseren
                                                                    Handlungsspiel-
                                                                    raum. Es könne,        Freilegen und dokumentieren: Im März traf die Kantonsarchäologie in der Kirche
                                                                    heisst es in einer     Sax geschichtlich äusserst Aufschlussreiches an. Foto: Corinne Hanselmann, W&O.
Hilfe und grosse Hingabe                                            Mitteilung, für eine
                                                                    grosse Pfarrfamilie genügend Wohnraum an-           mit der Kirche Sennwald eine Ausweichstelle,
                     Als Ursula Moeck                               geboten werden. Es wäre weiterhin möglich,          um Gottesdienste abzuhalten.
                     Zuber 1989 bei der                             im 2. und 3. Obergeschoss zwei separate
                     Kirchgemeinde Wil                              Wohnungen zu vermieten, und es wäre auch            SEH- UND HÖRGENUSS
                     ihre Arbeit begann,                            möglich, das 2. Obergeschoss für kirchen-           Weit fortgeschritten ist in Buchs der Neubau
                     war sie als Religions-                         interne Zwecke zu nutzen. – Mit 71 000 Fran-        des Kirchgemeindehauses. Planmässig ver-
                     lehrerin tätig. Bald                           ken, will die Kirchgemeinde Oberuzwil die           läuft auch die Erneuerung der Kirche Rap-
                     wechselte sie in den                           Fenster des Pfarrhauses erneuern. Nächstes          perswil. In der Detailplanung steckt derzeit
                     diakonischen Bereich                           Jahr sollen dann sanfte Renovationen am             noch der Orgelumbau in St. Laurenzen, St. Gal-
                     und unterstützte mit                           Kirchturm durchgeführt und die Sandstein-           len. Die bestehende Kuhn-Orgel von 1978 soll
Hingabe Menschen, die nicht auf der Son-                            balustraden gesichert werden, Schäden, die          in ein neues Gesamtensemble integriert wer-
nenseite des Lebens stehen. Auch die Se-                            nach der Kirchenrenovation sichtbar wurden.         den, bei dem auf den drei Emporen im Süden,
niorenarbeit, die Lebensmittelabgabe und                                                                                Westen und Norden neue Pfeifenstandorte
die Suppentage waren Ursula Moeck ein                               FREILEGUNGEN IN SAX                                 erbaut werden. Nicht nur optisch, sondern
Anliegen. Nun ist sie pensioniert. Ihre herz-                       Eine aufschlussreiche Baustelle bietet derzeit      auch klanglich verspricht sich die Kirch-
liche und direkte Art wird vermisst, wie im                         die Kirche in Sax. Nach der Demontage der           gemeinde St. Gallen C einen Genuss. Bis dahin
Gemeindeteil des Kibo zu lesen ist. Ŷ                               Einbauten und der Entfernung des Bodens             dauert es aber noch zwei Jahre. (meka) Ŷ

8 AUSGABE 5/2021
Unglaublich - Kirchenbote SG
BÜCHER AUS DEM KANTON

Minderjährige Asylsuchende erzählen
Bereits ein zweites Buch aus dem Limmat-         erinnern sich an schwer erträgliche Situatio-
Verlag beschäftigt sich mit sensiblen            nen, an ermutigende Begegnungen und schil-
Situationen von asylsuchenden Menschen           dern Erfahrungen, die beim Lesen das eigene
und ihrer Lebenssituation.                       Vorstellungsvermögen immer wieder heraus-
                                                 fordern. Das Buch stellt den zweiten Band
Elf junge Menschen aus verschiedenen Län-        einer Reihe dar, die sich mit sensiblen Situa-
dern mussten ihre Familie, ihre Freunde und      tionen und davon betroffenen Menschen im
ihr Herkunftsland aus unterschiedlichen          Asylbereich beschäftigt. Der erste Band «Das
Gründen verlassen. Das Ziel: lange unbe-         hier … ist mein ganzes Leben» ist 2012, eben-
kannt, per Zufall die Schweiz. Heute volljäh-    falls im Limmat-Verlag, erschienen. Heraus-
rig, erzählen sie ihre Geschichte und gewäh-     gegeben wird es von der Beobachtungsstelle
ren Einblick in ihr Leben, das von Ungewiss-     für Asyl- und Ausländerrecht und dem Soli-
heit, Willensstärke und Hoffnung geprägt ist.    daritätsnetz Ostschweiz. (pd) Ŷ
Die Lebensgeschichten der porträtierten un-
begleiteten minderjährigen Asylsuchenden         256 Seiten, Fotografien von Ahmad Motalaei,
berühren zutiefst. Die jungen Erwachsenen        ISBN 978-3-03926-007-2, Preis: ca. 34 Fr.

Pilgern erdet und himmelt
Seit über 30 Jahren pilgert Josef Schön-                                                            Männer, Jugendliche aus allen Schichten und
auer auf dem Jakobsweg. Nun hat er ein                                                              Berufsgruppen, Trauernde, Fröhliche, Su-
vielschichtiges Buch geschrieben. «Die                                                              chende begegnen der Natur, sich selbst und
Pandemiesituation hat etwas von einer                                                               anderen. Schönauers Buch geht über einen
Pilgerreise», sagt der 69-Jährige.                                                                  klassischen Pilgerführer hinaus. Es nähert
                                                                                                    sich aus verschiedenen Perspektiven der
Die Corona-Situation habe per se auch etwas                                                         Faszination Pilgern an. Wer alleine unterwegs
«Pilgermässiges», merkt der frühere Spital-                                                         ist, erlebt das Gefühl des Aufgehobenseins in
seelsorger an. «Wir mussten uns einschrän-                                                          der Weite der Landschaft, neu geerdet und
ken, alles etwas runterfahren», so Schönauer.                                                       dem Himmel nah. Schönauer teilt in seinem
Als der Bundesrat von «Entschleunigung» ge-                                                         Buch die Begeisterung des Pilgerns mit allen,
sprochen habe, sei ihm das vorgekommen,                                                             die eines Tages aufbrechen wollen.
als ob er die Bevölkerung auf eine Pilgerreise                                                      (pd/kath.ch) Ŷ
hätte einstimmen wollen. Pilgern ist für den
St. Galler mehr als wandern. Dies zeigt sich                                                        Hardcover, 240 Seiten, Format, 25 x 18 cm,
besonders auf dem Jakobsweg: Frauen,             Josef Schönauer legt ein Buch übers Pilgern vor.   ISBN 978-3-03895-026-4, Preis: ca. 39 Fr.

Dass diese Welt wohnlich wird
Dass die Welt wohnlich für alle wird, ist        Buch «Dass die Welt wohnlich für alle wird.
ein Anliegen der Theologin Ina Praetorius,       Klartexte, Anfragen, Perspektiven». Texte von
die in Wattwil wohnt. Zu ihrem 65. Geburts-      Ina Praetorius zeigen die Breite und Stringenz
tag gibt nun ihr Mann zusammen mit Andrea        ihres Denkens – von der Dekonstruktion des
Langenbacher eine Festschrift heraus.            Überholten zur Freiheit geburtlichen und
                                                 postpatriarchalen Denkens und Handelns.
In Publikationen, als Referentin und Ge-         Beiträge von Wegbegleiterinnen und Wegge-
sprächspartnerin verschreibt sich Ina Praeto-    fährten belegen die Aktualität dieses Ansat-
rius dem Ziel, die Welt wohnlicher zu machen,    zes, z.B. mit Blick auf das Verständnis von
egal ob es um die allen Menschen gemeinsa-       Arbeit, die Erneuerung der Bildung und der
me Tatsache des Geborenseins, um post-           Demokratie, den interkulturellen Alltag und
pa-triarchale Freiheit oder um Wirtschaft als    das Gesamte der Wirtschaft als Care. (pd) Ŷ
Care geht. – Am 17. März 2021 feierte die
Theologin, Autorin und Aktivistin ihren 65.      Hardcover, 256 Seiten, Format 14 x 22 cm,
Geburtstag. Aus diesem Anlass erschien das       ISBN 978-3-7867-3255-6, Preis: ca. 40 Fr.          Eine Festschrift zum Geburtstag von Ina Praetorius

                                                                                                                        WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 9
Unglaublich - Kirchenbote SG
IN KÜRZE                                                         PANORAMA SCHWEIZ/WELT

Aktion Lichtschenken
In einem am Karsamstag veröffentlichten
Video dankte Bundespräsident Guy Par-
melin jenen, die helfen, die Coronakrise      «Kirchlich stark engagierte Menschen sind für
zu überwinden. Die Botschaft bildete den      gängige Verschwörungstheorien wenig affin», sagt
Auftakt zur Aktion Lichtschenken der          Georg Otto Schmid, Leiter der evangelischen
christlichen Kirchen. Noch bis Pfingst-       Beratungsstelle Kirchen – Sekten - Religionen.
montag kann auf der gleichnamigen
Website eine virtuelle Kerze entzündet
werden. Interessierte können zwischen
einem Licht des Dankes, der Hoffnung,
des Gedenkens oder der Verbundenheit
wählen. Je nachdem können Kerzen auch
anderen Personen gewidmet werden. Sie
erscheinen dann auf einer Schweizerkarte
im jeweiligen Kanton. (ref.ch) Ŷ

Grenzverletzungen:
Vollumfänglich aufklären
Die Evang.-ref. Kirche Schweiz (EKS) will
die Vorwürfe gegen den ehemaligen Präsi-
denten Gottfried Locher wegen möglicher
Grenzverletzungen vollumfänglich auf-
klären. Der bisherige Zeitplan kann aber
nicht eingehalten werden. Laut Synode-
präsidentin Evelyn Borer sei der Auftrag
                                              «Verschwörungstheorien
erweitert worden. In der Folge seien neue
Absprachen nötig gewesen, was unter
Coronabedingungen zusätzlich Zeit ge-
                                              unnötig machen, statt sie zu
kostet habe. Wichtig zu wissen sei auch,      Sektenexperte Georg Otto Schmid über Verschwörungstheorien und ihre Ursachen
dass allen Personen, die im Bericht der       Interview | Foto: Ines Schaberger, Podcast Fadegrad
beauftragten Anwaltskanzlei vorkommen,
das rechtliche Gehör gewährt werden
muss. Das heisst, sie dürfen die Passagen     Im Jahr 2020 haben sich die Anfragen zu               Welt lenken und von der «Angst-Energie» der
lesen, die sie betreffen, und dazu Stellung   Verschwörungstheorien bei Relinfo verdrei-            Menschen leben. Sie hätten das Coronavirus
nehmen. (ref.ch) Ŷ                            facht. Die evangelische Informationsstelle            geschaffen, um die Bevölkerung zu dezimie-
                                              zu Kirchen, Sekten und Religionen wird vom            ren – obschon sie damit ja auch ihre eigene
                                              Theologen Georg Otto Schmid geleitet. Die             Lebensgrundlage dezimieren würden. Gleich-
                                              Gründe für den Boom sieht er in zunehmen-             zeitig seien diese Weltherrscher so inkompe-
Nachfolger für Wilfried                       der Einsamkeit und Verunsicherung.                    tent, dass das Virus zu harmlos wurde. Mich
Bührer gesucht                                                                                      erstaunt, dass rund 12 000 Anhängerinnen
                                              Georg Otto Schmid, wie entstehen Verschwö-            und Anhänger von Christina von Dreien
Die Evang. Landeskirche Thurgau wählt         rungstheorien?                                        diese Widersprüche offenbar nicht stören.
am 5. Juli das Kirchenratspräsidium neu:      In Krisensituationen suchen Menschen eine
Wilfried Bührer hat seinen Rücktritt per      Erklärung, einen Sündenbock. Im 14. Jahr-             Auch über das Impfen kursieren Verschwö-
Ende Mai 2022 bekanntgegeben. Die Ein-        hundert machte man beispielsweise Juden               rungstheorien.
gabefrist für Kandidaturen, die noch im of-   als «Brunnenvergifter» für die Pestepidemie           In diesem Fall knüpfen Verschwörungs-
fiziellen Synodalamtsblatt berücksichtigt     verantwortlich. Verschwörungstheorien ent-            theorien daran an, dass Impfungen tatsäch-
werden können, läuft bis 17. Mai 2021.        stehen ausserdem, wenn Menschen vergeb-               lich Nebenwirkungen haben. Auch wenn
«In den bald 20 Jahren an der Spitze der      lich auf etwas warten: Uriella erwartete den          schwere Nebenwirkungen sehr selten sind,
Thurgauer Landeskirche hat Wilfried Büh-      Weltuntergang, der kam aber nicht. Also ha-           besteht in Bezug auf mögliche Langzeitwir-
rer neue inhaltliche Akzente eingebracht»,    ben «satanische Mächte» ihn verhindert.               kungen der neuen mRNA-Impfstoffe eine
heisst es in einer Mitteilung der Thur-                                                             gewisse Unsicherheit. Wir Menschen müssen
gauer Landeskirche. Es sei ihm gelungen,      Auch zum Coronavirus kursiert eine Vielzahl           mit der vielseitigen, fragilen Welt leben. Ver-
die Präsenz der Landeskirche und der          von Verschwörungstheorien. Können Sie ein             schwörungstheoretiker reduzieren sie: Wenn
Kirchgemeinden im öffentlichen Leben zu       Beispiel nennen?                                      hinter allem die Verschwörer stecken, muss
stärken. Bührer tritt altershalber zurück.    Die Toggenburger Esoterikerin Christina von           man keine eigenen Entscheidungen treffen
(ref.ch) Ŷ                                    Dreien glaubt, dass Ausserirdische unsere             und die Unsicherheit nicht aushalten.

10 AUSGABE 5/2021
PANORAMA SCHWEIZ/WELT                                                            IN KÜRZE

                                                  Auschwitz und daneben einen Spitaleingang       KVI: Abweisung der
                                                  mit der Aufschrift «Impfen macht frei».         Stimmrechtsbeschwerden
                                                  Niemand wird bei uns verfolgt. Coronal-
                                                  eugner können online ihre Meinung kundtun       Die Jungfreisinnigen hatten gegen das
                                                  und demonstrieren, sofern sie sich an die Re-   kirchliche Engagement für die Konzern-
                                                  geln halten. Und dennoch vergleichen sich       verantwortungsinitiative (KVI) in vier
                                                  Einzelne mit Opfern der Verfolgung durch die    Kantonen Stimmrechtsbeschwerden
                                                  Nazis. Manche Coronakritiker haben das Ge-      erhoben. Das Bundesgericht hat diese
                                                  fühl: «Wir sind die entscheidende Mensch-       nun als gegenstandslos abgeschrieben.
                                                  heitsgruppe, weil wir gegen die Verschwörer     Der Vorwurf der Jungfreisinnigen lautete,
                                                  ankämpfen.» Dieses übersteigerte Elitegefühl    dass sich die Kirchen mit ihrem Engage-
                                                  zeigt sich an der geschmacklosen Übernah-       ment für die KVI «politisch nicht neutral»
                                                  me von Symbolen wie dem Judenstern.             verhalten und in den Abstimmungskampf
                                                                                                  interveniert hätten. Dies widerspreche
                                                  Welche Tipps geben Sie Menschen, deren          der Bundesverfassung. Deshalb hatte die
                                                  Freunde oder Familienmitglieder sich in Ver-    Jungpartei in den Kantonen Bern, Aargau,
                                                  schwörungstheorien verlieren?                   Thurgau und St. Gallen Stimmrechts-
                                                  Zu Beginn kann man inhaltlich auf die Theo-     beschwerden eingereicht. (ref.ch) Ŷ
                                                  rien antworten, sich auf Faktencheck-Seiten
                                                  informieren. Gleichzeitig soll man nach den
                                                  Motiven fragen: Oft stehen Verunsicherung
                                                  und Einsamkeit dahinter – zum Beispiel bei      «Ehe für alle» kommt
                                                  plötzlicher Arbeitslosigkeit oder nach der      vors Volk
                                                  Pensionierung. Manche Menschen verbrin-
                                                  gen dann viel mehr Zeit im Internet und gera-   Das Schweizer Stimmvolk kann über die
                                                  ten in Kontakt mit Verschwörungstheorien.       Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche
                                                                                                  Paare abstimmen. Das Gegenkomitee
                                                  Und wenn jemand bereits tief darin verstrickt   hat laut eigenen Angaben genügend
                                                  ist, was raten Sie dann?                        Unterschriften für das Referendum gegen
                                                  Dann machen Diskussionen keinen Sinn            die Gesetzesrevision gesammelt. Es seien

bekämpfen»                                        mehr: Muss die Person sich verteidigen, ver-
                                                  stärkt sich ihr Bezug dazu noch mehr. Gleich-
                                                  zeitig bekommt sie den Eindruck, dass man
                                                                                                  gemäss einer groben Schätzung gegen
                                                                                                  60 000 Unterschriften für das Referendum
                                                                                                  gegen die «Ehe für alle» gesammelt wor-
                                                  sie ernster nimmt, seit sie Verschwörungs-      den, sagte EDU-Vizepräsident Thomas
                                                  theorien vertritt. Wichtig ist, dem Verschwö-   Lamprecht auf Anfrage. (ref.ch) Ŷ
                                                  rungs-Fan zu vermitteln: Du als Mensch bist
                                                  mir wichtig! Sprecht über den Alltag, gemein-
 Was steckt laut diesen Theorien denn hinter      same Bekannte, Hobbys, sodass die Person
 dem Impfen?                                      merkt, dass sie es besser hat, wenn sie die     Hans Küng ist tot
 Eine gängige Verschwörungstheorie besagt,        Verschwörungstheorien weglässt. Die Idee
 dass die Weltbevölkerung auf 500 Millionen       ist, Verschwörungstheorien unnötig zu ma-       Am 6. April ist der Schweizer Theologe
 Menschen reduziert werden soll. Die Impfun-      chen, statt sie zu bekämpfen.                   Hans Küng nach langer Krankheit im Alter
 gen seien deshalb manipuliert, sodass sie                                                        von 93 Jahren in seinem Haus in Tübin-
 unfruchtbar machten. Es gibt aber viele ver-     Sind Verschwörungstheorien in kirchlichen       gen (D) gestorben. Küng gehörte zu den
 schiedene Varianten, die sich auch wider-        Kreisen verbreitet?                             wichtigsten Kritikern der katholischen
 sprechen: Die Impfungen verändern unsere         Kirchlich stark engagierte Menschen sind für    Amtskirche; mit seinen Büchern erreichte
 DNA, pflanzen uns einen Mikrochip ein oder       gängige Verschwörungstheorien weniger af-       er weltweit Millionen von Lesern. Küngs
 machen uns zu Robotern.                          fin, denn Verschwörungstheorien haben den       Thesen zu den Themen Unfehlbarkeit,
                                                  Charakter von Ersatzreligion. Im christlichen   Kirche und Gott führten 1979 zum Entzug
 Neulich ist mir in St. Gallen eine Frau begeg-   Bereich am ehesten vergleichbar wäre das        der kirchlichen Lehrbefugnis. Gleichzeitig
 net, die einen Judenstern trug. Fotomontagen     Erwarten des Antichrists, mit dessen Kom-       erlangte er dadurch grosse Popularität.
 im Internet zeigen das Eingangstor zum KZ        men gewisse freikirchliche Kreise rechnen. Ŷ    Küng wurde 1928 in Sursee LU geboren.
                                                                                                  Nach der Matura studierte er an der
                                                                                                  Päpstlichen Universität Gregoriana in
                                                                                                  Rom und später in Paris Philosophie und
    Fadegrad                                      gängigen Podcast-Kanälen abonnieren.            Theologie. 1954 erhielt er die Priester-
                                                  «Fadegrad» wird von den evangelischen           weihe. Von 1957 bis 1959 war Küng an der
    Das Interview ist ein Auszug aus einer        und katholischen Kirchen in St. Gallen und      Hofkirche in Luzern praktischer Seelsor-
    Folge des Podcasts «Fadegrad». Das ganze      Appenzell produziert. Ŷ                         ger. 1960 wurde er an die Universität Tü-
    Gespräch mit Georg Otto Schmid kann                                                           bingen berufen, wo er bis 1996 tätig war.
    man online anhören, den Podcast mit den       www.fadegrad-podcast.ch                         Mit 85 Jahren zog sich Küng weitgehend
                                                                                                  aus der Öffentlichkeit zurück. (ref.ch) Ŷ

                                                                                                                 WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 11
TIPPS                                                                      PALETTE

                                              Gottesdienste                                          AUF DER SCHWÄGALP – KAPELLE
                                                                                                     2. Mai: Barbara Stehle, Schwellbrunn
                                              ÉGLISE FRANÇAISE DE SAINT-GALL                         9. Mai: Lothar Schullerus, Nesslau
                                              Dimanche 9, 16 et 23 mai (pentecôte)                   13. Mai: Irina Bossart, Stein AR
                                              10 h Culte à Saint-Gall, église de St-Mangen           16. Mai: Dietmar Metzger, Gais
                                              Dimanche 9 mai                                         23. Mai: Hans Jörg Fehle, Wattwil
                                              19 h Culte à Rorschach, église réformée                30. Mai: Johannes Stäubli, Schwellbrunn
                                              Dimanche 16 mai
                                              19 h Culte à Rapperswil, maison de paroisse
«Waldgwunder»                                 Pasteur Rédouane Es-Sbanti, 078 648 27 67              Hilfe
Unter freiem Himmel und in der Natur          www.eglisefrancaise.ch                                 FRAUENHILFE ST. GALLEN-APPENZELL
Gott auf der Spur sein. Inspiriert von                                                               Oberer Graben 42, St. Gallen, 071 220 81 80
der Forest-Church-Bewegung führen die         ALL SOULS PROTESTANT CHURCH                            Beratung und Information bei Lebenskrisen,
Ref. Kirchgemeinde Straubenzell und die       Jeweils am Sonntag um 12 Uhr                           Beziehungsproblemen, Trennung, Scheidung,
Kath. Kirche im Lebensraum St. Gallen         Veranstaltungen der englischsprachigen                 Verlust der Arbeitsstelle, Unsicherheiten im
den «Waldgwunder» durch, und zwar am          Kirche mit Pfr. Scotty Williams                        Umgang mit Behörden und Ämtern, finanziel-
Samstag, 8. Mai, von 9 bis 11 Uhr im          Worship Service: 2. und 23. Mai                        ler Notsituation … – info@efh-sgapp.ch
Hätterenwald an der Gatterstrasse (Rot-       Scotty Williams, 079 559 09 40
monten). Treffpunkt ist die Haltestelle
Uni/Gatterstrasse in St. Gallen. Von dort     www.allsouls.ch /                                      Meditation
aus geht es bei Wind und Wetter in den                                                               Angebote in St. Gallen – via integralis
Wald, um zu «gwundern». (pd) Ŷ                PILGERSEGEN                                            – Gabrielle Bregenzer-Ris: 071 244 32 35,
                                              Kathedrale                                               gabrielle.bregenzer@hotmail.com
                                              Mo, 6.30 Uhr, 8.15 Uhr                                 - Eveline Felder, eveline.felder@gmx.net,
                                              Di, 6.30 Uhr, 8.15 Uhr, 17.30 Uhr                        079 269 09 39, www.meditation-sg.ch
                                              Mi, 6.30 Uhr, 9.00 Uhr                                 – Margrit und Charlie Wenk: 071 288 65 88,
                                              Do, 8.15 Uhr, 12.05 Uhr (Schutzengelkapelle)             www.meditation.margritwenk.ch
                                              Fr, 8.15 Uhr, 18.15 Uhr
                                              Sa, 8.15 Uhr, 17.30 Uhr                                STILLE UNTER DER WOCHE
                                              So, 8.30 Uhr, 10.30 Uhr, 19.30 Uhr                     Jeden Freitag, 12.15 – 13.15 Uhr
                                              St. Laurenzen                                          Ökum. Kirche Halden, mit Abstand und Mas-
                                              So,10.30 Uhr                                           ke. Am ersten Freitag im Monat ist um 12.45
                                                                                                     Uhr Lichtmeditation. Margrit Wenk und Team

Auf den Weg mit dem

                                                                                                                                                           Foto: Screenshot
Pilgersegen
Die Pilgersaison hat begonnen. Norma-
lerweise stehen die Jakobswege durch
Frankreich und Spanien an erster Stelle.
Dieses Jahr ist alles anders. Viele werden
sich auf die heimischen Pilgerwege
begeben. Da passt es, dass in St. Gallen
ein neues ökumenisches Angebot ein-
geführt wurde. Täglich kann man einen
Pilgersegen erhalten. Details unter Rubrik
Gottesdienste, Pilgersegen. (hf) Ŷ

St. Galler Coronabibel
in der Stiftsbibliothek
                                              Zifferblätter aus Holz im Museum für historische Zeit
Seit wenigen Wochen ist die St. Galler
Coronabibel für die nächsten zwei Jahre       2007 weihte die Deutsche Gesellschaft für Chronometrie das erste Kirchturmtechnikmuseum der Schweiz
im Lesesaal der Stiftsbibliothek St. Gallen   im luzernischen Triengen bei der Firma Muff ein. Die Sammlung hält 75 mechanische Turmuhren vom
ausgestellt. Das mehrbändige, hand-           16. bis 20. Jahrhundert bereit, zeigt die Remechanisierung einer historischen Turmuhr, Zifferblätter (u.a.
geschriebene Zeitzeugnis kann am Ort          eines der letzten aus Holz) sowie Klöppel, vergleicht Handgeschmiedetes mit Industrieguss und erläutert
vertieft angeschaut werden. (stibi) Ŷ         die Entwicklungsgeschichte der elektrischen Läutantriebe von 1918 bis heute. – www.muffag.ch (pd) Ŷ

12 AUSGABE 5/2021
PALETTE                                                                                       TIPPS DES MONATS

                                                                                                              Foto: Andreas Nufer
                                                                                                                                    Von Lenz nach Maloja
                                                                                                                                    «Bist du zwischen 18 und 31 Jahre alt und
                                                                                                                                    wanderst gerne? Dann komm an Auffahrt,
                                                                                                                                    vom 13. bis 16. Mai, mit auf den Kolum-
                                                                                                                                    bansweg! Von Lenz nach Maloja wandern,
                                                                                                                                    bescheiden übernachten, und es gibt
                                                                                                                                    täglich einen Impuls», empfiehlt das Netz-
                                                                                                                                    werk Junge Erwachsene. Veranstalterin
                                                                                                                                    ist die Kath. Kirche St. Gallen, die Leitung
                                                                                                                                    liegt bei Jugendseelsorger Benjamin
                                                                                                                                    Ackermann und der Praktikantin Marina
                                                                                                                                    Zeller, St. Gallen, sowie dem Jugendseel-
                                                                                                                                    sorger Simon Sigg, Gossau. Kosten: mit
                                                                                                                                    GA: 200.– / ohne 230.–, in Ausbildung mit
                                                                                                                                    GA 100.– / ohne 130.–, mit Kulturlegi 50.–.
                                                                                                                                    Infos und Anmeldung: www.kathsg.ch/ Ŷ
«Beim Namen nennen» – Aktion zum Flüchtlingstag
Seit 1993 sind mindestens 40 555 Menschen beim Versuch, nach Europa zu flüchten, gestorben. Am 5./6. Juni
soll deshalb auch in St. Gallen ein Zeichen dagegen gesetzt werden. In der St. Laurenzenkirche werden wäh-                          Wunder der Überlieferung
rend 24 Stunden die Namen der Verstorbenen gelesen und die Todesumstände genannt. Zudem werden die
Namen auf Stoffstreifen geschrieben und an der Fassade der Kirche befestigt. Die ökum. Aktion sieht am                              Die Ausstellung «Das Wunder der Über-
Sonntag, 6. Juni, um 10.30 Uhr einen Gottesdienst in der St. Laurenzenkirche vor. Dabei berichtet Constanze                         lieferung – Der St. Galler Klosterplan und
Broelemann von ihrer Erfahrung auf dem Rettungsschiff Sea Watch 4. – Am 18. Juni ist in der Grabenhalle                             Europa im frühen Mittelalter» befasst sich
das Theater «Die Mittelmeer-Monologe» geplant. Mehr unter: www.kathsg.ch/beimnamennennen (pd) Ŷ                                     mit der Überlieferungsdichte von Doku-
                                                                                                                                    menten des Frühmittelalters in St. Gallen.
                                                                                                                                    Dabei stehen die Rechtsdokumente, die
                                                                                                                                    im Stiftsarchiv St. Gallen erhalten geblie-
HEILMEDITATION                                         «Wer da gläubet und getauft wird». Tickets:                                  ben sind, im Vordergrund. Zu sehen bis
Mi, 12. Mai, 14.30 Uhr                                 071 242 16 61, info@bachstiftung.ch                                          am 18. August 2022 im Ausstellungssaal
Offene Kirche, Böcklinstr. 2, mit Hedda Schu-                                                                                       am Klosterhof. (mys) Ŷ
rig, 071 333 30 28, hedda.schurig@bluewin.ch
                                                       Stadtrundgänge
SITZEN IN DER STILLE                                   In der Regel in der Stadt St. Gallen
Mi, 5. und 19. Mai, 18 – 20.30 Uhr                     Bei jedem Wetter, ohne Anmeldung, Kollekte,                                  Stararchitekten Curjel
Evang. KGZ, Lettenstr. 18, Impuls, Einzelge-           Textblätter. Mit charlie.wenk@gmx.ch (071 288                                und Moser klingen nach
spräch möglich. Falls Treffen nicht erlaubt            65 88) und walterfrei@stgaller-geschichten.org
sind, verbinden wir uns zu Hause von 18 bis            (071 278 12 64). www.stgaller-geschichten.org                                Die Evang. Kirchgemeinde Degersheim ist
20 Uhr. Alle Angemeldeten erhalten einen                                                                                            nicht umsonst stolz: Sie errichtete um
schriftlichen Impuls. Eveline Felder                   REAKTION AUF NATIONALSOZIALISMUS                                             1908 die noch heute bestehende pracht-
                                                       Mo, 3. Mai, 18 – 20 Uhr, Bahnhof                                             volle Jugendstilkirche, ein Werk der da-
OFFENE SCHWEIGEMEDITATIONEN                            Angst, Hoffnung, Anpassung und Widerstand.                                   maligen Stararchitekten Curjel und
Do, 6., und Mo, 31. Mai, 18.30 – 20 Uhr                Mit Walter Frei. Treff: beim Rathaus                                         Moser. Am Samstagabend, 15. Mai, läutet
Ökum. Kirche Halden. Informieren Sie sich                                                                                           diese Kirche im Rahmen der Radiosen-
über die Durchführung. Gabrielle Bregenzer             ENGAGIERTE FRAUEN IN ST. GALLEN                                              dung «Glocken der Heimat» das Wochen-
und Margrit Wenk                                       Di, 11. Mai, 18 – 20 Uhr, Kirche St. Mangen                                  ende ein. Zu hören ist dies auf Radio SRF,
                                                       Wie Frauen die «Vision von Wiborada» in an-                                  Musikwelle, um 17.20 Uhr und auf Radio
OFFENES FRÜHLINGSTREFFEN                               deren Zeiten neu gelebt und realisiert haben.                                SRF 1 um 18.50 Uhr. (srf) Ŷ
Sa, 29. Mai, 10 – 17 Uhr, Kirche Halden                Mit Charlie Wenk. Treff: Wiborada-Brunnen
                                                                                                                                                                                   Foto: Dr Häxer/wikipedia

«Was braucht die Welt heute? Spiritueller
Weg und Weltoffenheit». Schweigemeditation.            DER ALTEN STADTMAUER ENTLANG
Kosten Fr. 50.–, Anmeldung und Auskunft:               Mo, 17. Mai, 18 – 20 Uhr, Mühleggbähnli
alois.ebneter@gmail.com, 071 999 27 57                 Was geschah drinnen, was draussen und wer
                                                       war Insider und wer Outsider? Mit Charlie
                                                       Wenk. Treff: Talstation Mühleggbähnli
Musik
                                                       DIE ST. GALLER TÄUFERBEWEGUNG
KANTATE ZU CHRISTI HIMMELFAHRT                         Do, 27. Mai, 14.30 – 16 Uhr, Marktplatz
Fr, 21. Mai, Olmahalle 2.0, St. Gallen                 Ihr Wunsch nach einer staatsfreien Kirche.
17.30 – 18.15 Uhr, Einführung. 19 Uhr, Auffüh-         Der Märtyrer Hans Krüsi. Brudermord Schug-
rung, Reflexion, 2. Aufführung der Kantate             ger. Mit Walter Frei. Treff: Vadian-Denkmal

                                                                                                                                                   WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 13
WUNDER

Ein Brausen ertönt, Flammen fahren
herab, Menschen geraten ausser sich
Text: Rolf Kühni, Pfarrer i. R., Sargans | Foto: Jens Schulze, epd-bild

Das Pfingstwunder hat seit 2000 Jahren                     GEIST ODER UN-GEIST?                              Jerusalem, ca. 30 n. Chr.: Anhänger des
viele kirchliche Erneuerungsbewegungen                    Für viele Christen wirkt solches zwiespältig.     vor etwa 50 Tagen gekreuzigten Jesus von
inspiriert – leider nicht immer zum Guten.                Und wer in der 2000-jährigen Kirchenge-           Nazareth hören ein gewaltiges Brausen und
Die Erzählung in der Apostelgeschichte ruft               schichte forscht, stösst auf Geisterfahrun-       erleben eine kollektive Vision von Flammen-
jedoch nicht zur Spaltung auf, sondern zur                gen, die wirklich nicht harmlos sind. Der Hei-    zungen, die sich auf sie senken. In fremd-
Verständigung.                                            lige Geist diente als Erklärungsmuster für        artigen Sprachmustern loben sie Gott und
                                                          vieles, was sich nicht erklären lässt. Oft wur-   schreiben dies dem Heiligen Geist zu. In der
Kanada, 1994: In Toronto beginnen bei einem                                                                 Öffentlichkeit erzählen sie, ihr Anführer sei
Treffen der Vineyard-Gemeinde viele Mitglie-                                                                von den Toten auferstanden. Die Einheimi-
der zu zittern. Sie fallen zu Boden. Sie stos-                   Paulus meint lapidar: «Gott                schen sagen: «Sie sind betrunken.» Dieses
sen seltsame Laute aus oder lachen lauthals.                     ist nicht ein Gott der Unord-              Urteil ist zwar falsch, doch hinterfragen lässt
Später erzählen sie, dieses Erlebnis habe sie                                                               sich die Sache schon. Spirituelle Faszination,
mit einer nie empfundenen Glaubensfreude
                                                                 nung, sondern des Friedens.»               ekstatische Phänomene und kollektive Visio-
erfüllt. Sie verstehen es als Wirken des Heili-                                                             nen gab und gibt es zu allen Zeiten und in al-
gen Geistes. Der sogenannte Toronto-Segen                                                                   len Religionen. Solches kannten sowohl die
gelangt bald auch in die Schweiz.                         den christliche Gemeinschaften durch eine         keltischen Druiden als auch die sufistischen
                                                          emotionale Glaubensbegeisterung tatsäch-          Derwische im Islam – bis heute.
Emmental, 1970: Ein 17-jähriger St. Galler wird           lich neu belebt. Häufig genug aber endeten
am Ostertreffen einer Pfingstgemeinde in den              solche Vorkommnisse in Rechthaberei und           HEILIGER GEIST!
Gebetskeller eingeladen. Biedere Schweize-                Gewalt. Bekannt ist etwa der Name Savona-         Doch die Apostelgeschichte erzählt weiter.
rinnen und Schweizer knien, strecken die Ar-              rola, jedenfalls bei Florenz-Reisenden. Die       Aus allen Nationen sind für das Fest jüdische
me in die Höhe und rufen in unverständli-                 Unterscheidung von Geist und Un-Geist war         Pilger zusammengekommen. Staunend stel-
chen Sprachmustern hemmungslos zum                        stets mit grossen Schwierigkeiten verbun-         len sie fest: «Wir hören diese Leute in unse-
Himmel. Das widerfährt überraschend auch                  den. Wobei: Eigentlich würde eine sorgfältige     ren Muttersprachen.» Ein neues Verstehen ist
dem Jugendlichen. Es heisst, er sei nun vom               Lektüre des ersten christlichen Pfingstfestes     entstanden, eines, das auch der ganz norma-
Heiligen Geist erfüllt.                                   in der Apostelgeschichte genügen.                 le Mensch nachvollziehen kann. Damit ver-
                                                                                                            ändert sich eine Geist-Erfahrung in eine
                                                                                                            Heilig-Geist-Erfahrung. Nach einer eindrückli-
                                                                                                            chen Predigt des Petrus wenden sich viele
                                                                                                            Menschen einer neuen Lebens- und Glaubens-
                                                                                                            praxis zu. Sie lassen sich auf die «Jesus
                                                                                                            lebt»-Botschaft ein.

                                                                                                            Das ist das Wunder: Neues Verstehen und
                                                                                                            neue Lebensgestaltung im Namen Jesu Chris-
                                                                                                            ti: «An den Früchten werdet ihr sie erken-
                                                                                                            nen.» Die Gemeinde wurde aufgebaut. Dieses
                                                                                                            Kriterium ist auch heute relevant. Vergessen
                                                                                                            ging es zum Beispiel bei den Heilungsgottes-
                                                                                                            diensten, wie sie in Zürich-Seebach um das
                                                                                                            Jahr 1997 praktiziert wurden, mit einer Hei-
                                                                                                            lungspastorin aus den USA. Die Gemeinde ge-
                                                                                                            riet nahe an den Kollaps. Paulus meint lapi-
                                                                                                            dar: «Gott ist nicht ein Gott der Unordnung,
                                                                                                            sondern des Friedens.»

                                                                                                            Und der Jugendliche vom Osterfest im Em-
                                                                                                            mental? Nach langer Pause praktiziert er
                                                                                                            heute, als älterer Mann, hie und da erneut
                                                                                                            das «Zungenreden» – ganz privat. Weil es spi-
                                                                                                            rituell bereichert und emotional wohl tut.
                                                                                                            Übrigens spreche ich von mir selber. Ŷ
Der Heilige Geist am Werk? Gottesdienst einer charismatischen Pfingstgemeinde in Hannover.

14 AUSGABE 5/2021
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