VEREIN DER FREUNDE DES M0ZARTEUM ORCHESTERS SALZBURG

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VEREIN DER FREUNDE DES M0ZARTEUM ORCHESTERS SALZBURG
VEREIN DER FREUNDE
DES M0ZARTEUM ORCHESTERS SALZBURG

           Hubert Soudant
             Chefdirigent
     Mozarteum Orchester Salzburg

   NACHRICHTEN NR.   44 / OKTOBER 1999
VEREIN DER FREUNDE DES M0ZARTEUM ORCHESTERS SALZBURG
EDITORIAL

Liebes Mitglied!                                                                                  Lieber Förderer!
                                      Liebes Mitglied des Mozarteum Orchesters!

Der diesjährige Festspielsonm1er hat llmcn sicherlich        Mitglieder an unserer Hauptversanunlung teilnelunen
einige schöne Erlebnisse in Schauspiel und Musik be­         kö1mten.
schert. Unser Mozarteum Orchester hat natürlich              LP&CD-Treffen in der Rupertusbuchhandlung finden
wieder mitgewirkt und für seine Konzerte gute Kritiken       in diesem Quartal gleich zwei statt. Einmal gibt es
erhalten. Wir, die Freunde des Orchesters, freuen uns        eine Nachlese zu „Rigoletto", zum anderen
darüber sehr, wurde doch weiterhin ein Aufwärtstrend         veranstalten wir einen Abend rund um Carl Millöcker.
festgestellt. Wir sind dankbar dafür, dass die Musiker
unter ihrem Chefdirigenten soviel Engagement in ihr          Das Mozarteum Orchester spielt bis Jahresende noch
Spiel hineinlegen.                                           drei Konzerte der Salzburger Kulturvereinigung im
                                                             Großen Festspielhaus. Im Landestheater findet am 7.
Im letzten Jahresdrittel werden nunmehr die Ver­             November die Premiere von „Schule der Frauen" statt,
anstaltungen des Vereins wieder zahlreicher. Ich hoffe,      ebenso gibt es noch Aufführungen von „Die Fleder­
dass sie Ihre Zustimmung finden.                             maus". Für die zwei Konzerte der Internationalen
So starten wir am 17. Oktober wieder mit unserem             Stiftung Mozarteum am 18. November und 9.
Kammermusikabend im Orchesterhaus. Diesmal hören             Dezember im Großen Saal des Mozarteums finden Sie
Sie die Gebrüder Hedenborg und Fräulein Kyoko                in diesem Heft das Programm auf Seite 3 (mit 10 %
Yoshizawa. Es ist endlich gelungen, einen Termin mit         Ermäßigung für w1sere Mitglieder).
diesen gefragten jungen Künstlern zu arrangieren.
                                                             Ende November geht das Orchester auf Tournee nach
Unsere Demierenfeier nach der letzten Aufführung von         Deutschland und in die Niederlande. Mehr über seine
,,Rigoletto" habe ich im letzten Heft schon ange­            Aktivitäten 1999/2000 können Sie dem beiliegenden
kündigt. Wir laden Sie herzlich zu einem Umtnmk und          Orchesterheft entnelm1en.
einem Plausch mit den Künstlern und Musikern ein.
                                                             Für die interessanten Berichte in diesen Vereins­
Die jährliche Hauptversammlung findet am Freitag,            nachrichten möchte ich mich sehr herzlich bei Frau
dem 12. November 1999, statt. Dazu haben wir als             Thcrsi Mosing, Herrn Diether Nagel und Herrn Horst
Ralunenprogramm ein Konzert mit dem „Salzburger              Reischenböck bedanken.
Klarinetten Quintett" mit jungen Musikern aus dem            Auf ein Wiedersehen herzlichst   ,0
Orchester vorgesehen. Dieses Kammerkonzert kann
unabhängig von der Hauptversanunlung besucht
werden. Es würde uns aber auch freuen, wenn viele
                                                             füre       ;;.kJ
HAUPTVERSAMMLUNG
                                                      EINLADUNG
                                                                     zur
                                  11. ordentlichen Hauptversammlung
                         des Vereins der Freunde des Mozarteum Orchesters Salzburg
                                  am Freitag, dem 12. November 1999, um 18.00 Uhr
                          im Orchesterhaus des Moza1ieum Orchesters, Erzabt Klotz-Straße.
                                                       Tagesordnung:
Top 1: Begrüßung, Feststellung der Beschlußfähigkeit, Protokoll der letzten Hauptversammlung
Top 2: Berichte und Anträge:
       - der Geschäftsführerin Brigitta LAMER
       - des Finanzreferenten Dkfm. Dr. Herbert SCHNEIDER
       - der Rechnungsprüfer Christine HOLZINGER und Walter ZUCKRIEGL
Top 3: Entlastung des Vorstands
Top 4: Bericht des Orchesterdirektors
Top 5: Allfälliges
Anträge zur Änderung oder Ergänzung der Tagesordnung erbitten wir bis spätestens 6. November 1999 schriftlich an unsere
Adresse: Verein der Freunde des Mozarteum Orchesters, c/o Mozarteum Orch., Erzbischof-Gebhard-Str. 10, 5020 Salzburg.
     Im Rahmen der Hauptversammlung werden unseren Förderern ihre Förderer-CDs '99 überreicht.
                   Ich bitte Sie, Ihre Verbundenheit mit dem Verein durch Ihre Teilnahme zu bekunden.
                                        Univ.-Prof. Dr. Fritz SCHWEIGER, e.h.
                                                        Präsident

                                             · · · · · · · · · · · · · ·.♦· · · · · · · · · · · · · ·
                                     Im Anschluß an die Hauptversammlung:
             KAMMERKONZERT MIT DEM SALZBURGER KLARINETTEN QUINTETT

                           Ihre Anmeldung wollen Sie bille mit der weißen Karte vornehmen.

                                                                                                                     1
VERANSTALTUNGEN
               M
KAMMERUSIKKONZERT                                           KAMMERMUSIKKONZERT IM ANSCHLUSS
Sonntag, 17. Oktober 1999, 19.30 Uhr                        AN DIE HAUPTVERSAMMLUNG MIT DEM
Yamaha-Saal des Orchesterhauses, 5020 Salzburg              SALZBURGER KLARINETTEN QUINTETT
Gespielt wird:                                              Freitag, 12. November 1999, 19.00 Uhr
Erwin Schulhof[: Duo für Violine und Violoncello (1925)     Yamaha-Saal des Orchesterhauses, Erzabt-Klotz-Straße
Leos Janacek:      Pohadka / Märchen (1910)                 (neben Petersbrunnhof), 5020 Salzburg
                   Violoncello und Klavier
Nicolo Paganini: Aus �en Capricen op. l                     Programm:
Alex.Mullenbach:Capriccio für Solo-Violine                  Samuel Barber: Molto Adagio aus Streichquartett op. 11
Nathan lvlilstein: Paganiniana Solo-Violine                 C.AI. von Weber: Quintett für Klarinette und
Hartmut Schmidt:Duo für Violine und Violoncello                              Streichquartetl, op. 34, B-Dur
                   (... oder was Brahms sonst noch hätte
                   komponieren können)                      Joseph Haydn:    Streichquartett D-Dur, op. 64,5
Claude Debussy: Sonate pour violoncelle et piano (1915)                      ,,Lerchenquartett"
Arthur Honegger:Sonatine pour violon et violoncelle         W.A. Mozart:     Klarinettenquintett A-Dur, KV 581
                   (1932)
Ausfahrende Künstler:                                       Ausführende Künstler:
Violine:           Wilfried Hedenborg                       Klarinette:      Margarethe Knogler
Violoncello:      Bernhard Naoki Hedenborg                  Violine:         Geza Rhomberg
Klavier:          Kyoko Yoshizawa                           Violine:         Joshiko Hagiwara
Die bekannten Künstler würden sich sehr über Ihr Kom­       Viola:           Werner Christof
men freuen. Für Ihre Anmeldung liegt die rosa Karte bei.    Violoncello:     Mauhias Beckmann

                                                            Das aufstrebende Quintett freut sich auf Ihren Besuch.
                                                            Merken Sie sich den Termin vor, oder melden Sie sich am
                                                            besten gleich mit der weißen Karte an.

Bernhard Hedenborg   Wilfricd Hedenborg   Kyoko Yoshizawa

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VERANSTALTUNGEN

STIFTUNGSKONZERT                                        STIFTUNGSKONZERT
Donnerstag, 18. November 1999, 19.30 Uhr                Donnerstag, 9. Dezember 1999, 19.30 Uhr
Mozarteum: Großer Saal, Schwarzstraße 28, Salzburg      Mozarteum: Großer Saal, Schwarzstraße 28, Salzburg
Auch das zweite Konzert in der Abonnementreihe des      An diesem Konzertabend hören Sie das Mozarteum
Mozarteum Orchesters wird von Chefdirigent Hubert       Orchester unter dem Dirigenten Georg Schmähe mit
Soudant dirigiert und bietet folgendes Programm:        folgendem Programm:

Gabriel Faure:   Pavane fis-Moll op. 50                 L. v. Beethoven:   Aus der Musik zum Ballett
Hector ßerlioz: Les Nuits d'ete. Liederzyklus op. 7                        „Die Geschöpfe des Prometheus" op. 43
F. lvfendelssohn                                        Dmitri D.          Konzert Nr. 1 c-Moll für Klavier,
Bartholc(f:      Konzert e-Moll für Violine und         Schostakowitsch:   Trompete und Streichorchester op. 35
                 Orchester op. 64                       Klemens            Zweite Sinfonie - ,,Gesänge der Feme·'
                                                        Vereno:            nach Fragmenten v. Friedrich Hölderlin
W.A. Mozart:     Sinfonie g-Moll KV 550                                    für Tenor und 45 Soloinstrumente
                                                                           (1999)      Uraufführung
Dirigent:        Hubert Soudant                                            Mit Unterstützung der Kulturabteilung
Solisten:        Angelika Kirchschlager, Mezzosopran                       der Salzburger Landesregierung
                 David Garretl, Violine                 Joseph f-laydn:    Sinfonie B-Dur Hob. I: 77
                                                        Dirigent:          Georg Schmähe
Für beide Konze1ie erhalten unsere Mitglieder bei der   Solisten:          Oleg Maisenberg, Klavier
Kartenbestellung über den Verein 10 % ErmiiUigung.                         Markus Pronebner, Trompete
                                                                           Franz Supper, Tenor
Wir würden uns freuen, wenn Sie als Freunde des
Mozarteum Orchesters diese Konzerte besuchen könnten.
Die Anmeldung kann für beide Konzerte mit der
beiliegenden hellblauen Karte vorgenommen werden.

Zu nebenstehender Uraufführung findet am Dienstag,
7. Dezember 1999, 18.30 Uhr, im Institut für
Musikwissenschaften, Salzburg, Bergstraße 10, eine
Einführung statt, die der Komponist Klcmens Vereno
gibt.                                                                        Klemens Vereno

                                                                                                               3
VERANSTALTUNGEN

33. LP&CD-TREFFEN                                           KONZERT MIT DEM
Freitag, 5. November 1999, 19.00 Uhr                        MOZARTEUM QUARTETT
Rupertusbuchhandlung, Dreifaltigkeitsgasse -12, Salzburg    Dienstag, 16. November 1999, 19.30 Uhr
Nicht nur eine Tenora>arade                                 Mozarteum: Wiener Saal
Den Frauen, die so trügerisch sind, hat Verdi eine seiner   Es spielen für Sie Alessandro Borgomanero, Herbert
populärsten Arien gewidmet - naheliegend, beim LP&CD­       Lindsberger, Marcus Pouget und Markus Tomasi.
Abend am 5. November, gedacht als „Rigoletto"-Nachlese,     Joseph Haydn: Streichquartett B-Dur
eine Tenorparade in den Mittelpunkt zu stellen.                             Hob. III: 78 - op. 76/4
Ferdinand Dreyer und Gottfried F. Kasparek, die den
Abend gestalten, halten es für sehr möglich, dass eine      Gottfried von   Streichquartett Nr. 5
solche auch stattfinden wird - aber eben noch mehr,         Einem:          „Festina lente" op. 86
Hintergründiges und Rares, Bekanntes und Kurioses aus       W.A. Mozart:    Streichquartett C-Dur KV 465
und rund um „Rigoletto", einer der geläufigsten Opern des                   ,,Dissonanzen-Quartett"
Repertoires, die doch viel mehr ist als eine Ansammlung
von Weltschla�ern!                                          Das Ensemble würde sich über einen Besuch der Freunde
                                                            des Mozarteum Orchesters sehr freuen. Eintritt öS 200,--
34. LP&CD-TREFFEN
Dienstag (ausnahmsweise), 7. Dezember 1999, 19.00 Uhr
Rupertusbuchhandlung
                                                            EINLADUNG ZUR WEIHNACHTSFEIER
,,Mir ist manches schon 1>assiert"                          MIT DEM MOZARTEUM ORCHESTER
ein Abend rund um Carl Millöcker
Am 31. Dezember 1999 jährt sich der Todestag von Carl       Samstag, 18. Dezember 1999, 19.00 Uhr, Orchesterhaus
Millöcker zum hundertsten Male. Auch ihm ist manches
schon passiert, und so könnte es passieren, dass dieser     Das Mozarteum Orchester lädt alle Vereinsmitglieder
Gedenktag im Jubel und Trubel des Johann-Strauß-Jahres      herzlichst zur Weihnachtsfeier ein.
unbemerkt bleibt. Dabei hat der vormalige Kapellmeister     Das musikalische Rahmenprogramm gestalten Mitglieder
am legendären Theater an der Wien nicht nur mit seinem      des Orchesters sowie des Vereins.
Meisterstück, der Operette „Der Bettelstudent" gezeigt,     Eintritt und Konsumation frei.
dass auch er ein Meister der leichten Muse war.
Oswald Panagl und Fritz Schweiger wollen Ihnen das          Wir freuen uns über Ihr Kommen, teilen Sie uns dies bitte
musikalische Schaffen Carl Millöckers näher bringen.        auf der rosa Karte mit.
Melden Sie uns Ihre Teilnahme für diese interessanten
Treffen bitte auf der gelben Karte.

4
INTERVIEW MIT CHEFDIRIGENT HUBERT SOUDANT

                                                            Jahrhundert in die Niederlande. Sein Vater war ein
                                                            hervorragender Amateur-Trompeter und so stand die Blas­
                                                            musik am Beginn seiner Karriere. Die Frage nach der
                                                            Bedeutung einer im gewissen Sinne multikulturellen
                                                            Jugend beantwortet Hubert Soudant auf seine sympathisch
                                                            verschmitzte Weise: ,,Nahe von Maastricht, bei der kleinen
                                                            Stadt Waals, aus der übrigens der Bariton John Bröcheler
                                                            stammt, gibt es einen Berg, von dem man in alle drei
                                                            Länder schauen kann."
                                                            Zuntichst war er Hornist. bis ihn der Direktor der
                                                  0         Maastrichter Hochschule zum Dirigieren überredete.
                                                  µ.,
                                                            ,,Mein erstes Stück war die „Don Giovanni-Ouvertüre".
Das Gespräch mit Hubert Soudant, Chefdirigent des
                                                            also ein Zeichen für die Zukunft, obwohl er mit Mozart
Mozarteum Orchesters seit 1 995, findet im Dirigenten­
                                                            damals noch nicht so viel anfangen konnte. Lehrjahre in
zimmer des Orchesterhauses statt, in einer gleichsam
                                                            Hilversum folgten, der holländischen Rundfunkmetropole
entspannten, freundschaftlichen Atmosphäre, zwischen
                                                            mit fünf Orchestern vom Symphonieorchester bis zur
Partituren in einer Arbeitspause. Maestro Soudant em­
                                                            Bigband. Prägende Dirigenten waren sein Lehrer Jean
pfüngt mich mit dem natürlichen Charme des Nieder­
länders, aufgewachsen in Maastricht im Dreiländereck        Fournet sowie Bernard Haitink und Willem van Otterloo.
                                                            Soudant hat eine ganze Reihe von Wettbewerben ge­
Niederlande - Belgien - Deutschland. Aber am Beginn
steht die künstlerische Arbeit, besonders wichtig für den   wonnen (in Besan�on sowie den Karajan- und den Guido
Probenfanatiker Soudant:                                    Cantelli-Wettbewerb), begann als Assistent von Pierre
                                                            Voslinsky beim Nouvelle Orchestre Symphonique du
„Man muß hart arbeiten, um ein sehr gutes Niveau zu         Radio France, war zwei Jahre Chef des ältesten
halten und Impulse zu setzen für die Zukunft" meint er.     holländischen Orchesters in Utrecht, zweiter Chef in
Über die Entwicklung des Orchesters in den letzten Jahren   Melbourne, ab dem 29. Lebensjahr begann seine inter­
ist er sehr erfreut (wie wir alle), Tourneen in Japan und   nationale Karriere mit Gastspielen in Paris und den großen
den USA waren überaus erfolgreich, ebenso die Mozart­       deutschen Städten. Als Leiter des Orchesters der ge­
Matineen bei den Festspielen, nächstes Jahr wird das        fürchteten italienischen Opernstadt Parma lernte er die
Orchester auch wieder eine Oper und Mozarts c-Moll­         Welt der Bühne dort kennen, wo es am gefährlichsten und
Messe spielen, die Reaktionen von Publikum und Presse       das Publikum am kritischsten ist, dirigierte Verdi und
sind sehr gut bis euphorisch. ,,Die Arbeit war nicht        Puccini aber auch in Bologna, Florenz und Venedig.
umsonst!"                                                   Italien liebt Hubert Soudant bis heute, seinen Haupt­
Soudant ist auch Chef des Orchestre National des Pays de    wohnsitz hat er in Sardinien gewählt. Ich erinnere mich
Ja Loire - fast eine Rückkehr zu den Wurzeln : Er erzählt   noch genau an seinen großen Erfolg mit Respighis
mir von einem kleinen Dorf namens „Soudan" (ohne t)         römischen Tondichtungen in Salzburg, der letzllich zu
nahe bei Angers. ,·on dort kamen seine Vorfahren im 1 8.    seinem Engagement führte. Jetzt teilt er seine Zeit

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INTERVIEW MIT CHEFDIRIGENT HUBERT SOUDANT

zwischen Angers, Salzburg und Tokio, wo er „erster              den letzten Jahren geändert. ,, Vor Salzburg habe ich
Gastdirigent" ist.                                              Mozart zu wenig gekannt. Er ist ein Komponist, der einen
Was ist das Bestimmende im Leben des Musikers Soudant           sein ganzes Leben lang beschäftigt, es sind noch sehr viele
wer sind die Vorbilder? ,,In erster Linie mein Vater. vo�       Geheimnisse in seiner Musik zu entdecken. Ich habe alle
dem ich die Mentalität habe, Arbeitslust, Pflicht­              Achtung vor den Mozart-Interpreten der Vergangenheit
be\\-ußtsein, Verantwortung. Als Dirigenten Nikolaus            Böhm, Karajan, Krips, Walter - aber Harnoncourt hat alles
              1

Harnoncourt, dessen erste Auftritte in Amsterdam mir die        umgestoßen. Es ist mir wichtig, dass das Orchester auch
Augen geöffnet haben im Bereich der Wiener Klassik              von Leuten wie Pinnock dirigiert wird, denn ich bemühe
Carlos Kleiber, wohl das Nonplusultra eines Dirigenten'.        mich um einen leichteren, transparenteren Klang. Das
und Sergiu Celibidache - ein Jongleur an der Arbeit, so wie     Orchester muß einen spezifischen, unverwechselbaren
er ist keiner mit Farben umgegangen!" Harnoncourts              Mozart-Klang bekommen!" Hubert Soudant scheint noch
Erneuerung und intellektuelle Betrachtung der Musik sind        nicht ganz zufrieden. (Ich kann bestätigen: Bei der von mir
sehr wichtig, ,,man sollte 80 % mit dem Hirn machen!" Ich       gehörten Matinee war der Mozart-Soudant-Sound, man
erzähle ihm, wie ich in einer „Butterfly"-Auffiihrung im        gestatte die saloppe Formulierung, bei der Haffner­
zweiten Akt plötzlich ganz starke Emotionalität, aus­           Serenade sehr deutlich, sehr beeindruckend und sehr
gehend vom Dirigentenpult, verspürt habe. Hubert Soudant        erfolgreich!)
bestätigt es: ,,Wenn man eine Oper dirigiert, befreit man       Mozart ist also ein, wenn nicht „der" Lieblingskomponist
sich plötzlich vom Materiellen und läßt einfach die Musik       geworden, aber Hubert Soudant liebt viele und unter­
fließen!"                                                       schiedliche Musik. Haydn etwa findet er fast noch
Als Operndirigent kann man einiges erleben. ,,Nach einer        „unfaßbarer" als Mozart: ,,Dieser Witz bei Haydn! Mozart
Daphne-Vorstellung kam ein riesiger Mann ins Zimmer             ist fast immer 4-taktig, Haydn immer voll mit Über­
und sagte. Ich bin Richard Strauss . ... Es war natürlich der   raschungen." Zu Soudants „Favoriten" gehört natürlich
Enkel, der das Orchester sehr lobte, aber über die              Anton Bruckner, dessen römisch-katholischer Gläubigkeit
Inszenierung schimpfte. Ich persönlich fand die Zu­             er sich sehr nahe fühlt. Das Naturgefühl, das gleichzeitig
sammenarbeit mit Frau Mielitz sehr interessant, sie ist sehr    Erdverbundene und Geistige bei Bruckner und auch bei
musikalisch, es war nicht schwierig, sich einzufühlen."         Mahler spricht ihn besonders an, er ist ebenfalls ein sehr
Fast jede Oper dirigiert Maestro Soudant zum ersten Mal,        naturverbundener Mensch. ,,Auch dass ich gelernter
Verdis „Rigoletto" hat er allerdings schon in Parma ge­         Hornist bin, spielt da eine Rolle!" Jetzt muß die Frage nach
macht ,, . .. vor einem beklemmenden Publikum. In Salzburg      Wagner folgen. ,,Wagner ist für mich ein Übermensch, fast
ist das Publikum sehr angenehm!" An der Kunstform               wie Michelangelo, dämonisch, imstande, das Unerreich­
Oper, ,,die leben muß", fasziniert ihn das                      bare zu erreichen." Über das Zustandekommen einer
„Gesamtkunstwerk", wobei jede Mozart-Oper „ein ganz             Produktion von „Tristan und lsolde" in Salzburg würden
besonderes Erlebnis ist."                                       wir uns alle freuen.
Vor seiner Tätigkeit in Salzburg hat man Hubert Soudant         Dinge, über die wir uns freuen würden - wann dirigiert
nicht unbedingt mit Mozart identifiziert, das hat sich in       Hubert Soudant endlich das Salzburger Silvesterkonzert?

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INTERVIEW MIT CHEFDIRIGENT HUBERT SOUDANT

Zu Silvester muß er immer bei seinem französischen           gering. Das Orchester sollte verglichen werden mit den
Orchester sein, Weihnachten feiert er immer mit seinen       Wiener Symphonikern, was den Finanzrahmen betrifft.
Eltern in seiner Heimatstadt. Trotzdem, man soll die         Das Orchester leistet sehr viel und Salzburg ist eine sehr
Hoffnung nicht aufgeben. Könnte sich Maestro Soudant         teure Stadt!"
vorstellen, eine Operette zu machen? ,,Die Fledermaus        Wie fühlt sich Hubert Soudant in Salzburg? ,,Am Anfang
hätte ich fast schon einmal dirigiert, aber wie ich die      fand ich es sehr schwierig, in Salzburg zu sein, das hat
Aufnahme Carlos Kleibers gehört habe, wurde mir bewußt,      sich aber geändert, es braucht einfach Zeit, sich anzu­
dazu nicht fähig zu sein. Operette ist vielleicht das        passen, die Mentalität der Leute zu verstehen. Jetzt fühle
Schwerste überhaupt. Ich liebe aber Strauß, Offenbach und    ich mich sehr wohl, ich liebe sehr die Natur, die hier so
Lehar und dirigiere mitunter Konzerte mit Operetten­         nahe ist und habe mir ein kleines Auto gekauft, um in den
musik."                                                      wenigen freien Stunden gleich draußen zu sein. Bei
Und, Kontraste machen auch das Musikerleben spannend,        Michaelbeuren werde ich mir ein Haus bauen. Ich liebe es
wie steht es mit dem Verhältnis zur „Neuen Musik"?           auch, gut zu essen, etwa die wunderbare Hausmannskost
„Ich bin im Sternzeichen Fisch und Fische sind sehr          auf der Fageralm! " Überhaupt ist der harte Arbeiter Hubert
neugierig. Neue Musik stand bereits am Anfang meiner         Soudant auch ein Mensch, der die lustvollen Seiten des
Karriere. Jeder Chefdirigent sollte dazu beitragen, dass     Lebens gerne und mit Maß genießt, so hat denn auch der
Neue Musik gespielt wird, das dient auch zur Erneuerung      Duft feiner Tabake unser sehr schönes Gespräch begleitet.
der Gehirnzellen und ist absolut notwendig. Man kann das
aber nur nach genauer Prüfung machen. Ich mag es nicht,      Ich wünsche ihm alles Gute für die nächsten Konzerte und
wenn Komponisten nicht wissen, was sie eigentlich            freue mich auf das nächste Zusammentreffen!
wollen." Dagegen schätzt er es sehr, ,,wenn während der
Probenarbeit noch ·weiter gearbeitet wird. Es ist manchmal
sehr gut, wenn Komponist und Ausführende zu einem            Anmerkung in eigener Sache
Kompromiß kommen, das kann auch eine Verbesserung
der Komposition bedeuten. Man muß sehr hart daran            In den famosen Matineen des Mozarteum Orchesters am
arbeiten, wie an jeder Musik, denn das Publikum wird nur     21./22. August unter der Leitung von Hubert Soudant
dann bereichert, wenn die Werke gut ausgeführt werden!"      spielte Frank Stadler, künstlerischer Leiter des
                                                             Österreichischen Ensembles für Neue Musik, die Violinsoli
Wir erzählen einander einige Knappertsbusch-Anekdoten        in Mozarts Haffner-Serenade - eigentlich ein richtiges
(der wollte bekanntlich nie proben), Hubert Soudant ist da   kleines Violinkonzert - wie üblich vom Konzertmeisterpult
generell anderer Meinung. Die Probenarbeit ist ihm           aus und wurde dafür von Publikum und Presse zurecht
besonders wichtig. ,,Ich glaube nicht an Mirakel auf         gefeiert. Gusto, Sensibilität, Phantasie - Begriffe, die auch
Abruf!"                                                      das Dirigat und das Musizieren des Orchesters bestens
Es wäre ihm sehr recht, wenn das Orchester mehr selber       beschreiben. Ich gestehe, dass ich zu Mozart nicht immer
planen könnte. ,,Man kann sehr wenig Einfluß haben auf       so viel Zugang habe, wie es die meisten musikalischen
die Gastdirigenten, die finanziellen Bedingungen sind eher   Menschen zumindest von sich behaupten; diese wunderbar

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INTERVIEW MIT CHEFDIRIGENT HUBERT SOUDANT / INFORMATIONEN

ausbalancierte, duftige, aber immer mit der nötigen Rasanz   INFORMATIONEN
und Spritzigkeit unterhaltsam vorwärts getriebene Inter­
pretation gehört zu meinen echten Mozart-Glücks­             In dieser Ausgabe unserer Vereinsnachrichten finden Sie
erlebnissen. Da stellen sich keine Fragen mehr nach alt      als Beilage wieder das Orchesterheft 1999/2000.
oder neu, ernst oder unterhaltend, das ist alles in einem,   Dieses Heft enthält das Jahresprogramm des Orchesters,
Musik, die unwiderstehlich mitreißt - und da habe ich        viele Fotos der Musiker bei der Probenarbeit im
mich bei dieser selben Musik schon des öfteren ieider        Orchesterhaus sowie Mitteilungen über das Orchester, eine
ziemlich gelangweilt! Wie schon im Interview angedeutet:     Aufstellung seiner Mitglieder etc., zu Ihrer Information.
Der Soudant-Sound setzt sich durch!                          Wir wünschen viel Freude beim Lesen!
Frank Stadler hat es damit geschafft, sein Probejahr als
Konzertmeister des Orchesters anzutreten. Verbindungen       JAPAN-AUSSTELLUNG
personeller Art zwischen Orchester und OENM gibt es
                                                             Ebenso finden Sie in diesem Heft einen Prospekt über eine
mancherlei, erwähnt soll hier noch werden, dass Josef
Steinböck, sozusagen „die Tuba von Salzburg" und                            JAPAN-AUSSTELLUNG
Orchestermitglied, bei einem Akademiekonzert des                 Internationaler Kulturaustausch Stadt Wadayama
Ensembles am 17. August im Salzburger Künstlerhaus mit
großem Erfolg neue Musik von Franco Donatoni und             Vielleicht erlaubt es Ihre Zeit, und Sie können im
Simone Fontanelli interpretierte - neue Musik, die           Schüttkasten der Salzburger Festspiele diese interessante
durchwegs auch „schöne" Hörerlebnisse bot!                   Ausstellung besuchen.

Es würde uns alle freuen, wenn sich noch einige
Abonnenten aus dem Kreis der Freunde fänden! (Näheres        EINFÜHRUNGSMATINEE
siehe letzte Vereinsnachrichten!)                            zu Rolf Liebermanns „Die Schule der Frauen"
                                                             am Sonntag, 31. Oktober 1999, 1 1 .00 Uhr,
                                    Gottfried F. Kasparek    Salzburger Landestheater
                                                             Dr. Thomas Daniel Sehlee (vielen vielleicht noch bekannt
                                                             von seiner Veranstaltungsreihe Mittwoch Mittag mit
                                                             Musik) wird Sie an diesem Sonntag vormittag zu einer
                                                             Einführung begrüßen. Mit dabei sind der Regisseur der
                                                             Aufführung, G.H. Seebach (zuletzt Libussa, Jphigenie und
                                                             Emilia Galotti) und der Dirigent Jörg Pitschmann ( Un
                                                             tango de amor).
                                                             Karten zu öS 80,-- erhalten Sie an der Landestheaterkasse.

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DAS MOZARTEUM ORCHESTER AUF JAPAN-TOURNEE

Unser Mitglied, Frau Thersi Mosing, hat das Orchester         Wiedersehensfreude mit den Restaurantbesitzern ist groß -
auf seiner Japan-Tournee begleitet und uns darüber            man kennt einander seit Jahren.
folgendes geschrieben:                                        Wir sind sieben Personen, und ich bin die Henne im Korb!
In diesem Teil meines Lebens bin ich flexibel mit Zeit,       Müdigkeit ade - das j apanische Bier macht munter.
Geld und Terminen. . . vielleicht nicht innerhalb von         Schälchen mit Soßen kommen auf den Tisch, allerlei
Stunden, aber innerhalb weniger Tage kann ich mich frei       Gewürze und knackiges Gemüse. Und dann geht's los mit
machen für eine Traumreise. Und schon bald darauf sitze       den Spießchen, jeder bekommt eines, nach 10 Minuten das
ich im Flugzeug nach Japan.                                   nächste, es gibt keine Hast, nur Vorfreude auf die
Wie schön, dass ich vereinsmäßig „Freundin" des               Köstlichkcitcn.
Mozarteum Orchesters bin!                                     Da bleibt auch viel Zeit zum Reden und zum Sein, wie
Ab Amsterdam sitzen wir alle in der gleichen Maschine,        man sich fühlt, und vor allem zum Biertrinken. Als wir
noch kenne ich niemanden außer den Orchesterdirektor,         nach Stunden den Heimweg antreten, taumeln unsere
ihn allerdings schon zwei Jahrzehnte aus Zeiten, da wir       Seelen in angenehmer Müdigkeit dem Schlaf entgegen...
beide noch im Schuldienst waren. Der Platz neben ihm ist      Erstes Konzert in der Cultural Hall. Nach der General­
frei, wir reden und reden und lachen (gibt's das, dass wir    probe Kaffee im Dachgeschoß des Gebäudes mit
10.000 m über der Erde schweben Richtung Tokyo. . . ?)        atemberaubendem Blick über die Stadt. Ich lerne die
Die Musiker kenn ich nur vom Sehen, ich schau verstohlen      beiden „Oboe-Damen" kennen und wir plaudern ein paar
zu ihnen hinüber und denk mir, wird es mir gelingen,          Minuten, dann beginnt das Konzert.
mehr Nähe zu ihnen zu bekommen, so dass ich an ihrem
Leben ein bisschen teilhaben kann?
Da spricht mich, beim Vorübergehen, der Konzertmeister
an: ich kenn Sie, hab Sie schon oft gesehen, nett, dass Sie
mit uns fahren.
Natürlich kenn ich ihn auch, freu mich über den Smalltalk,
der uns beiden guttut: das Eis ist gebrochen.
Acht Stunden Flug nach Japan, Amsterdam 20.00 Uhr,
Tokyo 14.30 Uhr! Und um 17.00 Uhr sind wir im Hotel           Isabella Unterer und Frederica Longo (v.l.n.r.)
Metropolitan.
Nur nicht zu früh ins Bett, wird mir geraten, und ich soll    Auf dem Programm ist dreimal Mozart, zwei Symphonien
mitkommen ins „Stammbeisl". Also: kreuz und quer mit          und ein Violinkonzert.
der U-Bahn, ein Stück zu Fuß um viele Ecken, ein paar         Ich freue mich auf die „Haffner", laß mich in sie
Stufen abwärts, wir werden bereits erwartet, die              hineinfallen - und schau auch auf das Publikum.

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DAS MOZARTEUM ORCHESTER AUF JAPAN-TOURNEE

Die Japaner - viele kommen direkt aus ihren Büros mit        letztlich enttäuscht: der Verkehr ist so gewaltig, dass ich
Aktentaschen (Verkehrsprobleme in der 1 2 Millionen­         fast nur im Bus sitze und im Stau stecke.
Stadt, einzig das U-Bahnnetz garantiert ein rechtzeitiges
                                                             Wie auch immer, die Musikerfamilie ist mir wichtiger.
Ankommen) - sind diszipliniert in ihren Bewegungen und
Gefühlen, sitzen wie die Kerzen, husten nicht, es herrscht   Die nächste Generalprobe, das nächste Konze1t, ein
Stecknadelstille, knisternde Konzentration.                  Ohrenschmaus, ein Augenschmaus - wieso werden wir von
                                                             Mal zu Mal besser, wieso wachsen wir so zusammen?
Auch der Applaus vor der Pause ist verhalten, erst zum
Schluß wird richtig geklatscht und um eine Draufgabe         Und wieder im Stammbeisl wird mir klar, Musikerseelen
gebeten.                                                     können (und müssen wohl ! ) umschalten von höchster
                                                             Konzentration und Disziplin auf fröhliche Ausgelassen­
Und am Abend wird wieder gefeiert. Die Gesellschaft bittet
                                                             heit. Wie gut ich das auch kann! (Ich kenn's von mir).
einige Musiker zu einem Abendessen, es gibt Lobesreden
und ich überreiche im Namen der Freunde das Geschenk,        Diesmal wird gefeiert: Marcus Pouget hat Geburtstag. Er
eine CD und die wunderschön gebundenen Vereins­              ist 33 Jahre alt, schon Vater von vier Kindern, wir lassen
nachrichten.                                                 ihn hochleben und es wird viel fotografiert. Das geht
                                                             besonders gut, denn wir sitzen an der Bar, der fröhlich­
Und wieder kommen ganz neue Köstlichkeiten auf den
                                                             fleißige Koch in der Mitte. Mit unglaublicher
Tisch. Zu den Soßen, dem knackigen Gemüse und den
                                                             Geschwindigkeit bereitet und grillt er sein Spießchen und
Spießen aus Fleisch und Fisch gesellen sich Platten mit
                                                             versorgt uns mit allem, was ausgegangen ist. Und lässt uns
hauchdünnen Rindfleischscheiben, Tofuwürfeln und
                                                             auch nicht verdursten.
Gemüsestückchen. Töpfe mit simmernder Suppe werden
gebracht und auf eine Tischflamme gestellt. Und jetzt
gibt's ein Fondue-Essen auf Japanisch namens Shabu­
Shabu. Wir essen stundenlang so kalorienarm, daß der
Bauch zufrieden ist und uns nicht müde macht.
Bier wird in Mengen nachgeschüttet, es öffnet Seelen und
Kehlen, erzeugt Reden und Gegenreden, es fallen auch
Kraftausdrücke, worüber ich lachen muß, und sogleich
höre ich als Kommentar, daran müssen Sie sich bei uns
gewöhnen, wir sagen 's, wie wir's fühlen.                    V.1.n.r.: Martin Bürgschwendtner, Hagen Wappler, die Autorin,
Da spür ich, ich gehöre dazu, bald sagen wir Du              Markus Tomasi, Marcus Pouget, Herbert Lindsberger
zueinander, Ja vie est belle . . .                           Was es hierzulande nicht gibt und ich vermisse, sind
Die Stunden purzeln, irgendwann entscheide ich mich für      Kuchen und Torten, wie wir sie machen, aber an diesem
eine Stadtmndfahrt, die im Hotel angeboten wird, bin aber    Tag gibt's doch eine Geburtstagstorte zu später Stunde, das
                                                             Vergnügen nimmt kein Ende.

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DAS MOZARTEUM ORCHESTER AUF JAPAN-TOURNEE

Ich lerne Herbert kennen und Akiko, Hagen und Martin,             Ich erlebe die Vorstellungen jetzt anders, meine Vorfreude
und sogar den Konzertmeister der Volksoper, der auch              beginnt, wenn das Publikum schon ruhig und die Bühne
zu.fällig hier ist, und viele andere. Und es gibt eine Reihe      noch leer ist. Der Konzertmeister erscheint als Erster und
von Fotos.                                                        erfüllt mit seinem Charme und Lächeln den Bühnenraum
                                                                  (immer mit einem ganz kurzen Blick hinunter), die Damen
                                                                  und Herren in elegantem Schwarz-Weiß folgen ihm,
                                                                  nehmen ihre Plätze ein, stimmen ihre Instrumente.
                                                                  Nochmals Stille und Erwartung, dann allgemeiner Applaus
                                                                  - der Maestro hat die Bühne betreten, nippt an den
                                                                  Vorschußlorbeeren und gibt den Einsatz zum Adagio.
                                                                  Sie spielen von Tag zu Tag besser, denke ich, wann hab
                                                                  ich je Gelegenheit Uiglich im Konzert zu sein und
V.l.n.r.: Martin Bürgschwendtner, Hagen Wappler, Akiko Hcrnnann   Unterschiede zu erkennen?
Und wieder purzeln die Stunden, endlich wird der Tag              Applaus - Pause - die Solistin erscheint.
zum Tag und die Nacht zur Nacht: der Jetlag ist weg.              Isabelle, die gertenschlanke junge Frau im rotschillernden
Da heißt's auch schon packen und noch am Abend den                Brokatkleid, mit lustigem Kurzhaarschnitt und fröhlichem
KoITer vor die Tür stellen, ·nachthemdlos geh ich ins Bett        Lächeln. Alles an ihr wirkt einfach und unkompliziert
und am nächsten Morgen finden wir uns alle mit                    (und wie ich später weiß, so ist sie auch).
Minigepäck im Zug nach Osaka.                                     Ein paar Orchestertakte und ihre Geige erklingt. .. , und nun
Es geht schnell, Tokyo - Osaka in 3 Stunden, wir beziehen         sind ihre Augen geschlossen. Was für eine herrliche
das erstklassige Hilton und finden in unseren Zimmern - o         Verschmelzung des Orchesters mit der Geige. Der Maestro
unglaubliches Service in Japan - die „gestrigen" Koffer           holt sich die Töne aus den Herzen und läßt die Violine
vor.                                                              umscluneicheln, unendlich einfach, unendlich gekonnt. Ich
                                                                  versinke in die Gefühlswelten meines Lebens, in die
Generalprobe mit Isabelle Faust, einem jungen Mächen in           höchsten und in die tiefsten und bin demütig - Isabelle
Bermudas und Jeansjacke.                                          spielt aus einer anderen Welt. ...
Es wird nur kurz geprobt, ich höre ein paar Takte von             Und plötzlich, nach dem letzten Ton, nach der
Isabelle, die mich verzaubern, und ich bin neugierig auf          Verbeugung, ist sie wieder die charmante junge Dame, der
das Konzert.                                                      Maestro küsst sie auf die Wangen, der Konzertmeister
Das Programm in Osaka ist anders, es gibt das                     küsst ihre Hand, das Publikum tobt, sie frohlockt über so
Violinkonzert in e-Moll von Mendelssohn, vorher Haydns            viel Applaus, verlässt mit den Blmnen die Bühne, kommt -
„Symphonie Nr. 1 02" und nachher die „Jupiter" von                geht, kommt - geht, setzt an zur Draufgabe - die Pause
Mozart.                                                           beginnt. ..

                                                                                                                           11
U
                        DAS MOZARTE M ORCHESTER AUF JAPAN-TOURNEE

Ich kann mich gar nicht rühren, nur ein paar Worte                   Das allerletzte Konzert - im Bus Richtung Hotel ver­
wechseln mit dem Orchesterdirektor und dem Manager.                  abschiede ich mich. Vier Tage in Tokyo und vier Tage in
Da erscheint Isabelle im einfachen langen Baumwol lkleid             Osaka waren lang und ereignisreich.
und setzt sich zu uns. Wir reden nichts, wir umarmen sie,
                                                                     Am Abend findet Direktor Nieses und meine Abschieds­
es gibt nichts zu reden . . .
                                                                     einladung zum Shabu-Shabu-Essen im Hotel gegenüber
Und hören noch Mozarts Jupiter-Symphonie, das Konzert                statt. Hauchdünne Rindfleischscheiben vom feinsten,
ist zu Ende.                                                         Tofuwürfel, viel Gemüse, allerlei Soßen und Gewürze,
Am nächsten Tag wird in einer Schule gespielt vor                    Bier, ausnahmsweise ein Glas Wein, zum Abschluß
kunstbegeisterten Jugendlichen und ihren Lehrern. Die                Zitronensorbet, das Halbgefrorene, grüner Tee und Sake,
Schülerinnen spielen selbst schon Instrumente. Sie wollen            der japanische Reiswein, der mir schmeckt und von dem
diesmal nicht nur zuhören, sondern auch allerhöchste                 ich immer nur zwei Zentimeter nehme.
Ratschläge für ihr eigenes Musikstudium bekommen.                    ,,I am so pleased to have you as my guests . . . . "
Also versammeln sich die Musiker hinter der Bühne, die               Jetzt freue ich mich wieder auf Wien, ich bin erst vor
Mädchen sind schon da mit ihren Instrumenten, und                    einem halben Jahr von Salzburg dorthin gezogen.
Markus Tomasi teilt ein: erste Geige, zweite Geige . . .
                                                                     Meinen Flug trete ich alleine an über London nach Wien,
                                                                     die anderen über Zürich nach Salzburg.
                                                                     Acht Stunden über Sibirien, die unangenehm grelle Sonne,
                                                                     die immer an ihrem Platz bleibt und mit11iegt, die Zeit, die
                                                             ....
                                                             V,
                                                             0)
                                                                     jünger wird statt älter, alles nüchtern musiklos - ich fühl
                                                                     mich unbeweglich und kalt, allein und irgendwie
                                                             r/2
                                                             0
                                                                     gelähmt. . .
                                                             0
                                                            1:.:..   Endlich in Wien angekommen, ist der Spuk vorbei. Und
                                                                     ich denk, vielleicht gibts eine andere Orchesterreise wieder
Und Herr Soudant dirigiert höchstpersönlich.                         mit mir.
Er dirigiert und singt das Fehlende dazu, denn es spielen
zum Teil Anfänger, die sich plagen und plagen.                                                  mmw�?lii
                                                                                         6F.l68(B) 3: 00p.m.mJ;iii
Aber es geht nicht ums Können, sondern um die Mo­
                                                                                   < :/.:1. e0 ?'-;f-- Jl, fl!IIJ1l1fflf .ll:lt�l!l°f >
tivation, um das Überspringen des Funkens, der vielleicht                                           ■:::t□ ?5L; B
Feuer entzündet. . .                                                                           ■±fli'l3Zfü'F · fü83L.l.JIDJ
                                                                                         ■ifilli! /J:1 t'5'-lt(-Jl.,l/R!!ilHKh'3'
                                                                                                      Program B
                                                                                            Sunday 6th Junc, Wadayama
                                                                                                   Jupiter Hall

12
SINFONIE IN C-DUR KV 425 (,,LINZER SINFONIE")

Anmerkungen zur Sinfonie in C-Dur KV 425                       seine Gattin Constanze als Gäste des Grafen Thun in
von Diether Nagel                                              dessen Prager Residenz weilten. Da das Orchester immer
                                                               im Gefolge mitreiste, kann man davon ausgehen, dass das
Wolfgang Amadeus Mozart reiste Ende Juli des Jahres            Stimmenmaterial der Linzer Aufführung sich im Noten­
1 783 mit seiner Frau Constanze, die er am 4. 8. 1782 in       bestand der Kapelle befand.
Wien geheiratet hatte, nach Salzburg. Dort sollte sie Vater    Darüber hinaus wurde ein von Johann Welzel im Jahre
und Schwester kennenlernen. Außerdem suchte er Aus­             1793 arrangierter Klavierauszug 74mal subskribiert, ein
söhnung mit dem Vater, der sich der Heirat widersetzt          deutliches Zeichen schon damals für die Beliebtheit der
hatte. Aus diesem Grunde hatte er eine Messe zuvor schon       ,,Linzcr Sinfonie". 3)
in Wien in großen Teilen, jedoch unvollendet, komponiert       Sie ist die erste im Zyklus von fünf „großen" Sinfonien und
und als Votivgabe mitgebracht. In Schwester Nannerl's          trägt deutliche Zeichen neuer Formgestaltung und In­
Tagebuch ist vermerkt, dass „ a111 23. Oktober 1 783 in der    strumentation, vermutlich unter dem Einfluß des vom
Stiftskirche zu St. Peter eine Messe des Bruders erklungen
                                                               Komponisten verehrten Meisters und Vorbildes Joseph
sei ". Es handelt sich um die c-Moll-Messe KV 427, die
                                                               Haydn. Die Zusammensetzung des Orchesters zeigt zwei
alljährlich während der Festspiele im August als               Oboen, zwei Fagotte und zwei Hörner auf, ergänzt durch
.,Weihestunde in St. Peter" zur Aufführung gelangt.            „Pauken und Trompeten"; das Fundament bildet das
Auf der Rückreise von Salzburg machte das Ehepaar              „chorisch" besetzte Streichquintett: Violino primo e
Mozart im Schlosse des Grafen Johann Joseph Anton von          secondo, Viola, Violoncello und Violone (Kontrabaß).
Tlmn-Hohenstein ( 1 7 1 1 - 1 798) in Linz drei Wochen lang
                                                               Eröffnet wird der erste Satz (allegro spiritoso) durch eine
Station.
                                                               1 9-taktige langsame Einleitung (adagio) : zwei kräftige
Wolfgang schreibt in einem Brief vom 3 1 . 1 0. 1 783 an den   Tutti-Akkorde werden durch straff rhythmisierte Unisono­
Vater: ,, Dienstag als dem 4ten November werde ich hier        Motive vorbereitet. Nach einer quasi Generalpause
im Theater academie geben - und weil ich keine einzige         schlängeln sich in den Streichern zwei komplementär
Sinfonie bey mir habe, so schreib ich über Hals und Kopf       gegeneinander geführte Melodiebögen mit Achtel und
an einer Neuen, welche bis dahin fertig seyn muß ". t)         Sechzehntel Begleitung. Ein durch alle Stimmen geführtes
Demnach wurde sie am 4. 1 1 . 1783 im Theater zu Linz zum      Motiv wird, sich verlangsamend, nach Moll getrübt und
ersten Male aufgeführt. Zwei weitere Aufführungen am           dabei immer wieder durch dissonante Akkordschläge
1 .4. 1 784 im Burgtheater zu Wien (,,eine ganz große neue     unterbrochen. Die Einleitung wird durch auf- und abwärts
Symphonie") 2J und am 15.9. 1 784, als es in Salzburg          geführte Chromatik und enggeführte Alterierung und mit
„ grosse Aiusik beim Barisani " gab. Dazu schrieb Vater        einem letzten Tutti-Schlag zu Ende gebracht. Dabei wurde
Leopold die Stimmen aus einer Partitur, die der Sohn dem       nicht ein einziges Mal die vorgezeichnete Grundtonart C­
Vater zugeschickt hatte, der seiner Tochter von „ der neuen    Dur berührt!
excellenten A!usik von Deinem Bruder " berichtete.             Diese erscheint erst im ersten Thema des „Allegro
Es ist anzunehmen, dass zu Lebzeiten Mozarts eine weitere      spiritoso". Die Melodie steigt, von den Streichern vor­
Aufftihrung (Januar 1 787) in Prag stattfand, als er und       gestellt und begleitet, ab der C-Dur-Terz stufenweise und

                                                                                                                       13
SINFONIE IN C-DUR KV 425 (,,LINZER SINFONIE")

rh)thmisch sich verdichtend bis zur oberen Oktav auf und      abwechselnd von den einzelnen Stimmen und i n den ver­
gipfelt in einer Händel 'schen „Halleluja"-Quart-Motivik.     wandten Tonarten erscheinen zu lassen.
Sie \\'ird jedoch spontan im Nachsatz durch eine rasche       Exposition und Reprise gipfeln in einer großartig ange­
Wechselmodulation (C-F-C) im auf- und abwärts                 legten „Stretta" mit drei fulminanten Sechzehntel­
gerichteten Bogen und abschließend in abwärts laufenden       Girlanden in den ersten Violinen und schließen mit einer
Achtel-Girlanden aufgelöst. Nach einer Wiederholung des       straffenden kadenzierenden Coda. Der Finalsatz endet
Themas durch das gesamte Orchester erfolgt die Über­          jubilierend in strahlendem C-Dur.
leitung modulierend in die Dominant-Tonart, dem
Formprinzip des Sonatenhauptsatzes entsprechend.              Dieses eindrucksvolle und begeisternde Werk entstand
Zwar nicht in G-Dur, sondern in der parallelen Tonart e­      innerhalb weniger Tage, für uns heute fast unglaublich,
                                                              wäre nicht die Rede von einer Komposition des Wolfgang
Moll wird das zweite Thema vom Komponisten
                                                              Amadeus Mozart.
,,vorgestellt", um dann durch eine kühne Rückung nach C­
Dur zu enden. Er beschließt die Exposition 4) nach einer
langen, prächtig ausgelegten Koda mit einer leisen Über­      1) Mozart Briefe und Aufzeichnungen hrsg. Internationale
leitung der ersten Violinen, die sowohl in die Wieder­           Stiftung Mozarteum Salzburg Bd. III Nr. 76c S. 29 1
holung als auch in die Durchführung 5) münden kann. So        2) Die Dokumente seines Lebens, Kassel 1 96 1 S. 1 26
geschieht es ähnlich folgerichtig in der Reprise 6l, dort     3) Neue Mozart Ausgabe, Bd. XII S. 347
jedoch in der Grund-Tonart C-Dur.                             4) Vor-, Herausstellung der beiden Themen im Sonaten­
Im langsamen Satz „poco adagio" bilden zum sehr sang­            hauptsatz
lichen Thema im Sechsachtei Takt die Pauken und Trom­         5) Satztechnische Verarbeitung beider Themen der
peten mit ihren immer wiederkehrenden, fast unerbitt­            Exposition
lichen Schlägen einen hintergründigen Kontrapunkt.            6) Wiederaufnahme der Exposition, letzter Teil eines
Das Menuetto scheint mit seiner beschwingten Dreiklangs­         Kopfsatzes
motovik s�inem Namen und Charakter gerecht zu werden,
wären da nicht wieder diese Achtelschläge aus dem vor­
herigen Satz, die das liebliche Thema beharrlich begleiten.
Erst im Trio lichtet sich die Stimmung durch die gefällige,
leicht tanzhafte und mitunter imitatorisch geführte
Melodik.
Im Finalsatz „presto" werden in der Exposition zwei
gegensätzliche, im Ductus jedoch sich ähnelnde Themen
vorgestellt, die durch eine mit Dreiklängen gebaute Über­
leitung miteinander verbunden sind. Diese Überleitung
benutzt der Komponist, um sie in der Durchführung

14
CD-NEUERSCHEINUNGEN

CD-NEUERSCHEINUNGEN MIT DEM                                   Kontarsky als Solisten dem poetischen Gehalt des Werks
MOZARTEUM ORCHESTER                                           überaus stimmigen Darstellung (BAL-9437-1).

entdeckt von Horst Rcischcnböck                               Lotus Records (Ernsting 3 1 -32 in 5121 Ostermiething)
                                                              wiederum veröffentlichte bereits im Vorjahr eine
                                                              Aufnahme ausschließlich dem Schaffen des Leiters der
Es ist nicht viel, was einem so im Laufe eines Jahres mehr    Musikabteilung im ORF-Landesstudio Salzburg gewidmet.
oder minder zufälligerweise an Aufnahmen unseres
                                                              Als Auftakt dazu ertönt der 1989 entstandene
Orchesters in die Hände fällt, aber dennoch: Man freut
sich. Nicht zuletzt deswegen, weil nicht nur weitere                  Tableau-Prolog für Symphonieorchester
Mosaiksteinchen dem Porträt des Klangkörpers hinzu­                          von Wolfgang Danzmayr
gefügt werden, sondern damit auch der Einsatz der
Musiker für zeitgenössische Musik mit dokumentiert und        in einer unter Hans Graf entstandenen Aufführung aus
einem breiteren Kreis an Öffentlichkeit zugänglich            dem Großen Saal des Mozarteums vom 7. Juni 1989. Ich
gemacht wird. Zusätzlich bietet sich damit aber auch noch     kann nur empfehlen: Gehen Sie in das Geschäft in der
die Gelegenheit, eventuelle Vorurteile der Musik unserer      Pfeifergasse und hören Sie sich das an! (LR 9825CD)
Zeit gegenüber abzubauen.
                                                              Aber auch die diesjährige Festspieledition bereichert das
So hat beispielsweise der in Salzburg, Lasserstraße 6,        Angebot um ein - auch innerhalb der Annalen wichtiges -
beheimatete     Eigenverlegerverband       Österreichischer   künstlerisches Vermächtnis: Auf zwei CDs C 517 992 1
Komponisten bereits 1 995 in Zusammenarbeit mit dem           bietet ORFEO den Live-Mitschnitt der
Kleinlabel balance (Auenstraße 5, D-80469 München)                    Rapprescntazione di Anima e di Cor1>0
eine von der Kulturabteilung der Landesregierung mit                        von Emilio de' Cavalieri
geförderte Nummer 1 einer geplanten Serie „neue musik
ÖSTERREICH" veröffentlicht, die aber erst kürzlich und        vom 1. August 1973 aus der Kollegienkirche an.
wohl - wie in derartigen Fällen öfters - rein zufällig auch
                                                              Es war die letzte Aufführungsserie dieser durch den
bei uns wenigstens vereinzelt in Regalen auftauchte. Als
                                                              damals bereits verstorbenen Festspielpräsidenten Bernhard
letztes und umfangreichstes Opus ist darauf die
                                                              Paumgartner initiierten Renaissance der Kirchenoper, die
  Serenade 01>. 60 für Klavier und Kammerorchester            damit verdient ins Gedächtnis der Musikwelt zurück
                    von Klaus Ager                            gerufen wurde. Diese Produktion wurde leider nach dem
                                                              Ableben des Regisseurs Herbert Graf aus dem Spielplan
zu hören - sprich: das 1990 ursprünglich für Hammer­          genommen. Was damals - auch von mir - am Schauplatz
klavier entstandene und vier Jahre später für normalen        der Darstellung bemängelt wurde, nämlich die Probleme
Flügel umgearbeitete Klavierkonzert des Rektors der           der Akustik und, daraus resultierend, manche schlecht zu
Universität für Musik und darstellende Kunst Mozarteum,       hörende Sänger, ist nicht aus etwaiger Verklärung im
in einer unter der Leitung von Jorge Rotter mit Alfons        Nachhinein, sondern hörbar durch die Mikrofonie gestützt

                                                                                                                    15
CD-NEUERSCHEINUNGEN

hier wesentlich verbessert und eindrucksvoll auch den        NEUERSCHEINUNGEN BEI EMI
Raum einbeziehend nacherlebbar.
                                                             Maria-Elisabeth Lott mit Mozarts Kindergeige spielt:
Dieses Werk bedeutete auch das Debut des mittlerweile
bereits 30 Jahre lang (!) mehr oder minder ständig in        Mozart
Salzburg präsenten Baritons Jose van Dam, der von            Rondo KV 269
Anbeginn an die Partien von Tempo und Mondo gestaltete.      mit dem Mozarteum Orchester Salzburg
Die Mitglieder des Mozarteum Orchesters leitete damals       unter der Leitung von Markus Tomasi
Ernst Märzendorfer. Das was auf dem Booklet als              Mozart Violinsonaten KV 301, 304 und 454
„Instrumentalensemble der Salzburger Festspiele" nach        Sontraud Speidel, Hammerflügel
Archivar Hans Jaklitsch subsummiert angeführt ist, waren     Nach der CD-Aufnahme des Mozarteum Orchesters bei
ursprünglich übrigens ab 1 969 eine später nicht mehr        EMI mit dem jungen Pianisten Victor Emanuel von
getrennt aufgelistete Violengruppe und das Ensemble          Monteton erschien jetzt eine weitere CD mit einem
Wolfgang von Karajan.                                        jugendlichen Talent begleitet vom Mozarteum Orchester
Unverständlicherweise fehlt die Erwähnung von Oskar          bei EMI.
Peter als für die Einstudierung des Kammerchors              Elisabeth-Maria Lou spielt auf Mozarts Kindergeige mit
Verantwortlicher, wie denn der Fertigung eine gewisse        dem Mozarteum Orchester unter der Leitung von Konzert­
Nonchalance nicht ganz abzusprechen ist, stimmen doch        meister Markus Tomasi das Rondo KV 269.
auch die Angaben der Tracks (und ergo auch deren Zeiten)     Die junge Geigerin wurde 1 987 im Schwarzwald geboren -
bezüglich der 1 . CD nicht so ganz.                          mit ihrem großen Talent ist sie sicherlich eine
                                                             musikalische Ausnahmeerscheinw1g. Bereits mit acht
Von solchen Marginalien abgesehen handelt es sich aber       Jahren war sie Deutschlands jüngste Musikstudentin und
nichtsdestoweniger um eine sowohl preiswerte wie auch        trat u.a. im Alter von 10 Jahren mit der Philharmonie der
mehr als respektable Bereicherung des Katalogs, auch und     Nationen auf.
besonders im Vergleich mit der damals von Paumgartner        Das Besondere an der eben erschienenen CD ist, dass die
selbst autorisierten offiziellen Schallplattenaufnahme auf   junge Künstlerin auf Mozarts Kindergeige spielt.
historischen Instrumenten des ARCHIV-Labels der              Die Internationale Stiftung Mozarteum ist im Besitz einer
Deutschen Grammophon Gesellschaft: Ich möchte beide          Instrumentensammlung, unter der sich auch Mozarts
nicht missen!                                                Kindergeige befindet. 1998 wurde / die Kindergeige
                                                             restauriert und im Rahmen eines Wettbewerbs eine junge
                                                             Musikerin für dieses einzigartige Instrument gesucht.
                                                             Maria-Elisabeth Lott wurde unter 30 Bewerberinnen aus­
                                                             gewählt.

                                                             Mitglieder können diese CD telefonisch (0662/ 84 88 06)
                                                             über den Verein zum Sonderpreis von öS 270,-- beziehen.

16
DAS BUCH ZUR OPERETTE

Vor 125 Jahren \\urde ein Glanzstück der österreichischen
Musik, die Operette „Die Fledermaus" von Johann Strauß
uraufgeführt. Seither flattert dieses liebenswerte Tier durch
die Bühnen aller Länder und hat unter der Assistenz des
Mozarteum Orchesters wieder im Salzburger Landes­
theater Station gemacht.
Wer ein wenig mehr über diese Operette und ihr Umfeld
erfahren möchte: Es ist erschienen das Buch zu diesem
Thema aus der Feder unserer Vorstandsmitglieder Oswald
Panagl und Fritz Schweiger.

A us dem Inhalt:
Die Handlung der „Fledermaus" oder:
Wo bleibt die große Liebe?
Wiener Operette und Wiener Walzer;
Das Pariser Vorbild und die Antwort Wiens;
Das gesellschaftliche und historische Umfeld;
Das Libretto der „Fledermaus":
Die Geschichte eines Textes;
Die Dramaturgie:
Verwicklungen und Entwicklungen;
Stimmcharaktere und Rollenprofile;
Die Tonarten und ihre Symbolik;
Stationen der Aufführungsgeschichte;
Sänger, Dirigenten, Regisseure.

Verlag:       bohlauWien
ÜBER DIESE AUSGABE - ÜBER DIE NÄCHSTE AUSGABE - ÜBER DEN VEREIN

                                                 INHALTSANGABE

           Editorial                       s.    U2           Japan-Tournee                             S. 9-12
           Hauptversammlung                s.      1          Anmerkungen zur „Linzer Sinfonie"         S. 13-14
           Veranstaltungen                 S.    2-4          CD-Neuerscheinungen                       S. 15-16
           Interview Hubert Soudant        S.    5-8          Buch zur Operette „Die Fledermaus"        S. U3
           Informationen                   s.      8

                                        IN DEN NÄCHSTEN NACHRICHTEN
                                               Veranstaltungsvorschau
                                          Gespräch mit Dirigent Peter Ewaldt

                                                       VORSTAND
Präsident:         Univ.-Prof. Dr. Fritz Schweiger         Beiräte:               Univ.-Prof. Dr. Oswald Panagl
Vizepräsidenten: Dr. Sigune Neureiter                                             Gottfried Kasparek
                   OStR Prof. Mag. Ferdinand Dreyer        koopt. Mitglied:       Mag. Johanna Breuer
Geschäftsführerin: Brigitta Lamer                          Chefdirigent:          Hubert Soudant
Finanzreferent: Dkfm. Dr. Herbert Schneider                Orchesterdirektor:     Prof. Mag. Erwin Niese
Schriftführerin: Berta Deutinger                           Orchestervertreter:    Matthias Beckmann
                                                                                  Rupert Birsak

                                                      IMPRESSUM
Medieninhaber und Herausgeber: Verein der Freunde des Mozarteum Orchesters Salzburg, Erzbischof-Gebhard-Straße 10,
A-5020 Salzburg.Telefon und Telefax: 0662 / 84 88 06. Bankverbindung: Salzburger Sparkasse, Kto. -Nr. 1065754
Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsführerin Brigitta Lamer. Hergestellt im Eigenverlag.             DVR: 0563498
Offenlegung gern. § 25 Mediengesetz: Mitteilungen des Vereins der Freunde des Mozarteum Orchesters an seine Mitglieder.
Druck: Druckerei Roser Ges.m.b.H. & Co. KG., 5023 Salzburg, Esch-Mayrwies, Postfach 32.      Zulassungsnr. : 69649S89U
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