Zeitabhängige Putzeffektivität einer Schallzahnbürste im Vergleich mit einer ADA-Referenz - Handzahnbürste

Die Seite wird erstellt Ansgar-Maximilian Gross
 
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Zeitabhängige Putzeffektivität einer Schallzahnbürste im Vergleich mit einer ADA-Referenz - Handzahnbürste
Aus der Zahnklinik 1 – Zahnerhaltung und Parodontologie
                                 der
    Friedrich – Alexander – Universität Erlangen – Nürnberg
            Direktor: Prof. Dr. med. dent. A. Petschelt

    Zeitabhängige Putzeffektivität einer
Schallzahnbürste im Vergleich mit einer ADA-
          Referenz - Handzahnbürste

                     Inaugural - Dissertation
                zur Erlangung der Doktorwürde
                   der Medizinischen Fakultät
                               der
               Friedrich – Alexander – Universität
                       Erlangen - Nürnberg

                         vorgelegt von
                     Anna - Kristina Pelka
                              aus
                           Bamberg
Zeitabhängige Putzeffektivität einer Schallzahnbürste im Vergleich mit einer ADA-Referenz - Handzahnbürste
Gedruckt mit Erlaubnis der Medizinischen Fakultät
                 der Friedrich – Alexander – Universität
                          Erlangen - Nürnberg

Dekan:        Prof. Dr. Dr. Schüttler

Referent:     PD. Dr. Matthias Pelka

Koreferent: Prof. Dr. Anselm Petschelt

Tag der mündlichen Prüfung: 27. Januar 2010
Widmung

Meinen Eltern, die meinen beruflichen Werdegang erst ermöglicht haben und
mir immer zur Seite stehen und vor allem auch meinem Bruder Fabian, der mir
 nicht nur als Proband und Fotomodell eine große Hilfe war, sei diese Arbeit
                                 gewidmet.
Inhaltsverzeichnis

1
a)            Zusammenfassung                  Seite    1
b)            Summary                          Seite    3
2             Einleitung                       Seite    5
3             Literaturübersicht               Seite    6
3.1           Prophylaxe oraler Erkrankungen   Seite    6
3.2           Mechanische Plaquekontrolle      Seite    7
3.3           Geschichte der Zahnbürsten       Seite    7
3.4           Der Parameter Zeit               Seite    8
3.5           Mundhygienestudien               Seite    9
3.6           Ziel der Untersuchung            Seite   10
4             Material und Methode             Seite   11
4.1           Verwendete Indizes               Seite   11
4.1.1         Plaqueindex TQHI                 Seite   11
4.1.2         Gingivitisindex                  Seite   13
4.2           Verwendete Bürsten               Seite   14
4.2.1         ADA – Handzahnbürste             Seite   14
4.2.2         Sonicare elite 9800              Seite   14
4.3           Studiendesign                    Seite   15
4.4           Studienablauf                    Seite   16
4.5           Statistische Auswertung          Seite   21
4.6           Studienablauf – Graphik          Seite   25
5             Ergebnisse                       Seite   26
6             Diskussion                       Seite   32
7             Literaturverzeichnis             Seite   39
8             Anlage                           Seite   44
9             Danksagung                       Seite   45
10            Curriculum vitae                 Seite   46
1

1.
a)     Zusammenfassung

Ziel
Ziel der Studie war, in einer Kurzzeituntersuchung das Putzergebnis zweier
unterschiedlicher Zahnbürsten zeitabhängig zu evaluieren. Zum Einsatz kamen
die Sonicare elite 9800 Langkopf und eine ADA – Handzahnbürste.

Material und Methode
Die Studie war eine einfach verblindete, randomisierte klinische Zeitmesser-
studie, bei der jede Bürste in einem Quadrant getestet wurde. An 90 Probanden
wurde folgender Versuch durchgeführt: 1.Termin: Durchführen eines Plaque -
und Blutungstests (Turesky mod. QHI-Index + BOP) und einer professionellen
Zahnreinigung. Danach für 48h Mundhygienekarenz. 2. Termin: Ermittlung der
Putzeffizienz mit randomisierter Zuordnung der Bürsten zu je einem Quadran-
ten. Vor der Versuchsdurchführung wurden die eingefärbten Beläge analog zum
Indexsystem am 1. Termin bewertet. Quadrantenweise wurde von einem
instruierten Untersucher 10, 20, 30, 45, 60 und 90 s geputzt, während ein
zweiter Untersucher verblindet die jeweils noch verbliebene Plaque nach jedem
Putzintervall bewertete. In dieser Studie wurde keine Zahnpasta verwendet. Die
statistische Auswertung erfolgte mit SPSS 16.0, wobei die Plaquewerte mit den
jeweiligen Ausgangswerten zu Versuchsbeginn verglichen wurden. Unter-
schiede zwischen verschiedenen Gruppen konnten mittels des nichtparamet-
rischen Friedmann F - Tests gefunden werden (F-Test, p0,05 ). Das
statistische Signifikanzlevel wurde dabei auf p = 0,05   gesetzt.

Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigten bei 10 s Putzen pro Quadrant vergleichbare
Plaquereduktionen für beide Bürsten ( p0,05 F - Test). Ab 30 s Putzzeit pro
Quadrant war die Sonicare signifikant effektiver. Sie entfernte dabei
durchschnittlich 84,51 % der vorhandenen Plaque, die ADA - Handzahnbürste
78,08 % ( p0,05 ). Eine Erhöhung der Putzdauer auf 45 s resultierte bei
beiden Bürsten in einer Entfernung von fast 90 % der Ausgangsbeläge. Danach
konnte durch zusätzliche Putzzeiterhöhung nur eine geringe Reinigungs-
2

verbesserung erzielt werden. Die Differenzierung der Reinigungseffektivität für
verschiedene Zahnflächen zeigte, dass beide Bürsten an vestibulär und
palatinal/lingual gelegenen Flächen die höchste, in den approximalen Bereichen
und an Seitenzähnen jedoch allgemein eine verminderte Effektivität aufwiesen.
Die Unterschiede waren bei der Sonicare mit 5 % dabei signifikant geringer als
bei der ADA mit ca.10 %.

Praktische Schlussfolgerungen
Es konnte nachgewiesen werden, dass die Putzeffektivität mit der Zeit zunimmt
und dass unterschiedliche Putzsysteme zeitabhängige Effizienzen zeigen.
Insgesamt zeigte die Sonicare ein der ADA-Handzahnbürste überlegenes
Putzergebnis. Der wesentliche Einfluss des Parameters Zeit auf die
Reinigungseffizienz konnte in dieser Studie nachgewiesen werden.
3

b)     Summary

Aim
The purpose of the present study was to evaluate the plaque-removal efficacy
of different toothbrushes for smooth and approximal surfaces in relation to
brushing time. The brushes which were studied were the power toothbrush
Sonicare e9800 (Philips) with the long brushing head and the manual ADA–
toothbrush.

Material and Methods
The study was a single–blind, randomized clinical timer study testing each
brush in one quadrant. All brushes were used within one participant. 90 subjects
participated in this study which was split into three experimental stages:
1st. appointment: The oral hygiene was evaluated, the periodontal health was
tested by the BOP and the amount of plaque was scored by the Turesky
modification of the QHI. Afterwards the subjects were given a professional
dental cleaning and polishing and they were asked to abstain from
all oral hygienic procedures for the following 48 hours.
2nd. appointment: Determination of brushing efficacy in relation to time. Each
brush was randomly assigned to a quadrant. The tooth surfaces were coloured
and the amount of the dental plaque was evaluated in the same way as at the
1st. appointment. The efficacy of toothbrushing was studied by brushing the
teeth for 10, 20, 30, 45, 60 and 90 s in each quadrant by one investigator while
a second independent investigator scored the amount of plaque after each time
interval. No toothpaste was used throughout this study. Immediately afterwords
the patients were given another dental cleaning and polishing and every subject
was handed out one of the brushes, which were selected in a random order,
and a determined daily brushing time (6, 9 or 12 min / d) for the oral hygienic
procedures at home.
3rd. appointment: After 14 days the brushing results were checked by the same
indices as on the 1. appointment. Results were evaluated by using SPSS 16.0
and the Friedmann F–test. The statistical significance level was set at
p=    0,05 .
4

Results
The results showed, that both brushes were almost equally effective in plaque-
removal at 10 s brushing time per quadrant (     p0,05    , F - test) while from
30 s on the Sonicare was significantly more effective. The Sonicare removed
84,51 % of the initial plaque at a brushing time from 30 s / quadrant, the ADA
removed only 78,08 % ( p0,05 ). An increase of the brushing time up to 45 s
per quadrant caused an improval in plaque removing up to 90 % removed
plaque, Both brushes showed in the difference of the surfaces the best plaque
removal effect on the vestibular/oral sites, the worst efficacy on posterior
interproximal surfaces and molars. These differences were significantly lower
for the Sonicare (5 %) than for the ADA (nearly 10%).

Conclusions
Time is an important variable in the evaluation of plaque removing efficacy as
the absolute efficacy increases with time and differs per toothbrush.
5

2     Einleitung

„Schön sein, schlank sein um jeden Preis, weiße Zähne, perfektes Styling“-
Diese Ziele gilt es in unserer heutigen konsumorientierten und schönheits-
determinierten Gesellschaft vorrangiger zu erreichen als gute Ausbildung oder
gar Familie. Schönheit ist zum Produkt geworden, was sich auch in der
Zahnmedizin widerspiegelt. Patienten konsultieren den Zahnarzt nicht vorrangig
der Zahngesundheit wegen, sondern Wünsche nach „Bleeching“, „Veneers“
oder gar kosmetische Überkronungen sind an der Tagesordnung. Dies geht
sogar soweit, dass selbst ein schönes Lächeln heutzutage per Katalog bestellt
werden kann und auch wird. Für diesen käuflichen “Hollywood smile” - Trend
wird viel Zeit und auch Geld investiert. Weniger im Bewusstsein der Menschen
steht der gesundheitliche Aspekt sauberer und somit gesunder Zähne. Viele
Überkronungen oder gar Implantatrestaurationen wären nicht nötig, würde die
Bevölkerung die Grundsätze der häuslichen Mundhygiene beachten und ernst
nehmen. Zahnkrankheiten werden im allgemeinen eher als lästig und banal
angesehen, da sie keine lebensbedrohlichen Folgen haben. Dabei kommt aber
gerade gesunden Zähnen eine essentielle Bedeutung zu. Sie sind nicht nur
entscheidend für das Aussehen eines Menschen und das damit einhergehende
Selbstwertgefühl, sondern spielen auch eine wichtige Rolle bei der Artikulation
der Sprache und somit bei der Kommunikation in der Öffentlichkeit. Darüber
hinaus beeinträchtigen destruierte, kariöse Zähne das Kauvermögen, was
durch ungenügende Aufspaltung oder Einspeichelung der Nahrung zur
Erkrankung der Verdauungsorgane führen kann. Entzündungen der Zähne
können zudem für inflammatorische Erkrankungen anderer Organe des Körpers
verantwortlich sein. Die häufigsten Erkrankungen der Mundhöhle werden durch
Mikroorganismen verursacht, deren Menge sich durch eine ausreichende
Reinigung und Entfernung weicher Zahnbeläge begrenzen lässt.
6

3        Literaturübersicht
3.1      Prophylaxe oraler Erkrankungen

Seit der Untersuchung von Löe et al. [26], in der eine Gingivitis durch
Mundhygieneabstinenz ausgelöst werden konnte und nach Beseitigung der
Plaque wieder ausheilte, gilt die mikrobielle Genese von Entzündungen der
Gewebe      des   marginalen   Parodonts    als   bewiesen.   Zudem    stellt   die
Volkskrankheit Karies, deren Bekämpfung in den letzten Jahren Fortschritte
gemacht hat, weiterhin ein gesellschaftliches Problem dar. Die Kosten für die
zahnmedizinische Versorgung, die zu ca. 70 % auf die Behandlung
kariesbedingter Schäden zurückzuführen sind, sind in den letzten Jahren in
Deutschland gestiegen [38]. Bezogen auf die direkten Krankheitskosten stellt
Karies    mit   ihren   Folgeerkrankungen   die    teuerste   ernährungsbedingte
Einzelerkrankung dar [53]. Aus diesen genannten Gründen wird deutlich,
warum das vorrangige Ziel nicht kurative Maßnahmen, sondern Prävention und
Prophylaxe sein müssen. Diese Prinzipen der Gesunderhaltung sind Ziele, die
im Grunde schon in den Anfängen der Medizin postuliert wurden. Bereits im
alten China bezahlte man die Ärzte für die Gesunderhaltung der Patienten und
nicht für die Behandlung von Erkrankungen. Auch für Hippokrates, den Urvater
medizinischer Entdeckungen, hatte Prophylaxe einen hohen Stellenwert. Er
schreibt: “Schön ist es, um die Kranken besorgt zu sein, ihrer Gesundheit
wegen. Noch schöner aber ist es, um die Gesunden besorgt zu sein, ihres
Nichtkrankseins wegen” [25]. Unter der nachgewiesenen Prämisse, dass
mikrobielle Plaque der bedeutendste ätiologische Faktor für das Entstehen von
Karies, Gingivitis und Parodontitis [26] ist, hat das regelmäßige Entfernen der
Plaque von der Zahnoberfläche oberste Priorität für das Verhüten dieser
Erkrankungen.
7

3.2   Mechanische Plaquekontrolle

Als effektivste Methode zum Entfernen von Plaque hat sich seit Ende des 19.
Jahrhunderts in den Industrieländern die mechanische Reinigung mit einer
Zahnbürste    etabliert    [24].   Da   sich   die   Ausprägung     der   stabilisierten
Plaquematrix, d.h. die Höhe und Menge der Plaque an den tatsächlichen
mechanischen Belastungen durch die Umgebung wie z.B. abrasive Kost,
Zungenabrieb etc. orientiert, wird oben genannter Zusammenhang deutlich.
Prophylaktisch wird heute eine Entfernung der Speisereste nach jeder Mahlzeit
sowie tägliche Zahnreinigung mittels Zahnbürste in Kombination mit Hilfsmitteln
zur Interdentalraumhygiene empfohlen.

3.3   Geschichte der Zahnbürste

Nahezu von allen Naturvölkern wurde und wird mehr oder weniger Zahnpflege
ausgeübt. Karawanenträger besaßen dreierlei: Lendenschurz, Flaschenkürbis
und Zahnputzholz. Im alten Ägypten war die Waschung des Mundes
gleichbedeutend mit der Frühmahlzeit. Im Griechenland des 4. Jahrhunderts v.
Chr. war die tägliche Mundreinigung vorgeschrieben. Bei den Römern wurden
bereits eine Vielzahl von Zahnpulvern und Zahnstochern verwendet. Die
Mundreinigung mit Zahnhölzern ist Gebot der Religion bei Indianern und
Arabern. Ein islamisches Sprichwort lautet: “Ein Gebet und Zähneputzen sind
besser als 70 Gebete ohne Zähneputzen” [25]. Die uns heute bekannte
Zahnbürste findet zum ersten Mal 1600 n. Chr. in der chinesischen Literatur
Erwähnung und bestand aus Wildschweinborsten mit Bambusstiel. In Europa ist
die Zahnbürste als solche seit 1750 bekannt. Im Zeitalter der Aufklärung
erwachte zwar ein neues Gesundheitsbewusstsein, allerdings galt die tägliche
Zahnpflege selbst in Fachkreisen als umstritten. Erst im frühen 19. Jahrhundert
verbreitete   sich   die    Zahnreinigung.      Seitdem   führten    immer      neuere
Entwicklungen im Mundhygienesektor zum Siegeszug der Zahnbürste.
Während Zahnbürsten anfangs einen Luxusartikel darstellten, wurde mit der
Einführung der Nylonborste 1937 [23] und deren Weiterentwicklung 1950 die
Zahnbürste ein Massenprodukt [23, 8]. Dies und die Vorstellung der ersten
elektrischen Zahnbürste 1960 [23] in den USA sind als elementare
8

Entwicklungsstufen für unseren heutigen Mundhygienemarkt einzustufen.
Elektrische Zahnbürsten, die in ihrer Einführungsphase eher einer limitierten
Population zugedacht waren, wie Kieferorthopädie-Patienten und Behinderten
[25, S.118], haben sich heute als Alternative zu manuellen Methoden des
Zähneputzens     fest    etabliert     [25].    Die     kontinuierliche   Modifikation     der
Bürstenköpfe    sowie     die    des     Bewegungsablaufes          und     schließlich    die
Entwicklung von Schallzahnbürsten führten zu einer regelrechten Überflutung
des Zahnbürstenmarktes. Gerade für den Verbraucher vor allem im Hinblick auf
die Effektivität und ebenso die Kosten–Nutzen-Relation wird es somit immer
schwieriger, gute und preisgünstige Bürsten zu klassifizieren.

3.4    Der Parameter Zeit

Im Hinblick auf die Thematik der vorliegenden Studie soll nun die
Zahnputzdauer als entscheidender Parameter für eine adäquate Mundhygiene,
die nahezu zur Plaquefreiheit führt, betrachtet werden. “Zweimal täglich zwei
Minuten putzen” - diese Empfehlung herrscht in den Köpfen der Bevölkerung
vor, ist ihrer Ansicht nach wissenschaftlich belegt und führt zu optimalen
Ergebnissen. Zu dieser Meinung existiert allerdings bislang nur eine
Pionierarbeit von Van der Weijden et al. [43], der konkret die Plaquereduktion
über die Zeit untersuchte. In seiner Arbeit kam er zu folgenden Ergebnissen:
   ➢ eine      Minute    Putzzeit      ist     für    eine   akzeptable     Plaquereduktion
       unzureichend.
   ➢ eine mindestens zwei Minuten dauernde Reinigung führt dagegen zu
       einer signifikanten Reduktion der Plaque.
   ➢ Das Erhöhen der Putzdauer auf 3 und 4 min resultiert wider Erwarten
       nicht in einer signifikant gesteigerten Plaquereduktion gegenüber dem
       zweiminütigen Putzen [43, 47]
Für ihn ist somit das zweiminütige Putzen ausreichend. Indes empfiehlt die
American Dental Association eine Putzdauer von drei Minuten. Diesen
wissenschaftlichen,      theoretischen         Empfehlungen        stehen    jedoch       reale
Putzzeiten der Bevölkerung gegenüber, die zwischen 33 s [27] und 83,5 s [36]
variieren.   Nicht      nur     mangelnde            Compliance,    sondern      auch       die
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Fehleinschätzung der Putzzeiten gelten als Grund für die Abweichung von Ist -
und Sollwerten. Da das Gut “Zeit” in unserer hektischen Gesellschaft extrem
kostbar ist und vor allem berufstätige Menschen viel zu wenig davon besitzen,
richten die meisten ihre Aufmerksamkeit immer weniger auf die tatsächliche
Zahnputzzeit oder gar die Kontrolle durch einen Timer. Gerade dieser
Kausalzusammenhang stellt für die Entwicklung neuer, modernerer elektrischer
Zahnbürsten einen großen Angriffspunkt dar. Werbung, Plakate und andere
Medien locken bezugnehmend auf wissenschaftliche Untersuchungen [23, 53]
damit, durch verbesserte Systeme die altbewährten Handzahnbürsten ablösen
zu können und quasi die Plaqueentfernung in kürzerer Zeit effektiver zu
machen [39, S.18/19].

3.5   Mundhygienestudien

Vor diesem Hintergrund wurden bereits sehr viele unterschiedliche Studien
durchgeführt,   die   sich   allerdings   vor   allem   mit   dem   Vergleich   der
Reinigungseffektivität verschiedener Zahnbürsten befassten. Das Grund-
konzept dieser Arbeiten basierte einerseits auf dem Vergleich elektrischer
Bürsten unterschiedlichen Designs oder Herstellers untereinander [1, 5, 7, 10,
11, 13, 40, 43, 44, 45, 46] oder andererseits auf einer Gegenüberstellung
elektrische Zahnbürste und Handzahnbürste [ 4, 6, 15, 16, 17, 18, 19, 28, 30,
32]. Der Einfluss der Putzdauer auf das Putzergebnis wurde nur in einer
Veröffentlichung systematisch berücksichtigt [43]. Neuere Entwicklungen im
Mundhygienebereich, d.h. neue elektrische Zahnbürsten bzw. Handzahn-
bürsten mit neuem Borstendesign sind bis heute noch nicht auf ihre
zeitbezogene Putzeffektivität hin untersucht worden, da alle Studien von einer
empfohlenen Putzdauer von zwei Minuten und zwei bis dreimal täglicher
Verwendung ausgehen [4, 5, 10, 13, 17, 19, 28, 32, 40, 45, 46, 51]. Die
Versuchsdurchführung lehnte sich sehr eng an die Studie von Van der Weijden
aus dem Jahre 1993 an [43]. In dieser Arbeit wurde die Effektivität der
Plaqueentfernung in Bezug auf die Zeitdauer des Zähneputzens bei der
Anwendung von vier unterschiedlichen Zahnbürsten getestet. Die Ergebnisse
zeigten, dass bei den getesteten elektrischen Zahnbürsten nach 30 s Putzzeit
pro Quadrant ca. 80 % der vorhandenen Plaque entfernt wurden. Eine
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vergleichbare Plaquereduktion konnte mit den Handzahnbürsten erst nach
mehr als 60 s Putzen erzielt werden. Des Weiteren diente ein Artikel aus dem
Jahre 2001 von Dörfer et al. mit dem Titel “A clinical study to compare the
efficacy of two electric toothbrushes in plaque removal” [7] zur Vorbereitung und
Entwicklung der Studie. Hier wurde ein Vergleich zweier elektrischer
Zahnbürsten mit unterschiedlichen Aufsätzen (Braun Oral B 3D Plaqueentferner
D15 und Rowenta Dentasonic MH 921S) durchgeführt. Die Autoren kamen zu
der Schlussfolgerung, dass die D15 die Plaque signifikant effektiver reduzierte
als die Dentasonic.

3.6   Ziel der Untersuchung

Auf Grund dieser Vorüberlegungen war es das Ziel dieser Studie, auf
wissenschaftlich experimenteller Basis die zeitbezogene Putzeffizienz einer
schallaktivierten elektrischen Zahnbürste (Sonicare e9800, Fa. Philips) mit einer
ADA - Handzahnbürste zu vergleichen. Aus der Kenntnis der in der
Literaturrecherche dargestellten Ergebnisse wurde ersichtlich, dass der Einfluss
der Putzdauer auf das Putzergebnis nur in einer Veröffentlichung von Van der
Weijden et al. [43] berücksichtigt wurde. Andere Studien gingen von einer
empfohlenen Putzdauer von zwei Minuten und zwei bis dreimal täglicher
Verwendung aus. Um die bereits in der Literatur ermittelten Ergebnisse zu
ergänzen, Widersprüche aufzuklären und praktische Empfehlungen für den
Verbraucher abzuleiten, wurden in dieser Studie folgende Arbeitshypothesen
mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von         p=0,05    getestet:

      ➢ Es besteht zu keinem Zeitpunkt ein Unterschied zwischen den
          verschiedenen getesteten Bürsten.
      ➢ Es besteht kein Unterschied zwischen verschiedenen Putzzeiten.
          Falls    Unterschiede     bestehen,      soll   getestet     werden,    ob   das
          Hygieneniveau durch weiteres Putzen noch verbessert werden kann.
      ➢ Die       Putzzeit   ist   ein   wesentlicher     Faktor      für   das   erreichte
          Reinigungsniveau.
11

4     Material und Methode
4.1   Verwendete Indizes
4.1.1 Plaqueindex TQHI

Indexsysteme    haben    die   Aufgabe,    vorwiegend    klinische   Symptome
standardisiert und mit reduziertem subjektivem Faktor zu skalieren. Um die
Mundhygiene eines Patienten oder auch die Reinigungseffizienz einer
Zahnbürste evaluieren zu können, ist es obligat, verlässliche Auswertungen
mittels eines Plaqueindex zu erhalten. Bei dem 1962 von Quigley und Hein
publizierten ursprünglichen Bewertungssystems wurden nur die Fazialflächen
und das gingivale Drittel berücksichtigt [30], wobei die approximale und
sulkuläre Plaque nicht ausreichend bewertet wurde. In der vorliegenden Studie
wurde deshalb die von Turesky modifizierte Form (TQHI) angewandt, da sie
eine verbesserte Objektivität der Quigley - Hein - Kriterien erlaubt [42]. Mit
dieser Modifikation wurde die Zahnoberfläche in jeweils drei vertikale Flächen
(siehe Abb. 2, Seite 12) unterteilt, was eine differenzierte Prüfung der
approximalen Flächen auf Plaquebesiedelung ermöglicht. Nach Anfärben der
Plaque durch den Plaquerevelator „Mira–two-tone“ (Hager&Werken GmbH,
Duisburg, Deutschland, Abb.1, Seite 12) erfolgte eine Bewertung sowohl auf
den vestibulären als auch palatinalen / lingualen Zahnoberflächen. Die
vorliegende Plaqueakkumulation wurde in sechs Schweregrade eingeteilt, die
vom Grad 0 = “keine Plaque” bis zum Grad 5 = “Plaqueausdehnung über mehr
als 2/3 der klinischen Krone” reichten. Somit wurde für alle Zähne des Gebisses
der Plaquebefall an insgesamt sechs Messstellen pro Zahn erhoben.
12

Abb.1 Die Plaque wurde mit dem Plaquerevelator „Mira-two-tone“
(Hager&Werken GmbH, Duisburg, Deutschland) gezielt angefärbt.

Abb. 2 Die angefärbte Plaquemenge wurde anschließend mittels des TQHI
bewertet. Dabei wurden sowohl die vestibulären als auch lingualen/palatinalen
Flächen in drei Bereiche unterteilt, die separat bewertet wurden.
13

4.1.2 Gingivitisindex

Ein Blutungsindex liefert eine Aussage über den Entzündungsgrad der Gingiva.
Die Blutung nach Sondierung, der BOP, ist ein Synonym zum “Gingivaindex
simplified” nach Lindhe aus dem Jahre 1983 [50]. Hier erfolgte die
Unterscheidung in “Blutung” und “Keine Blutung”, eine einfache “Ja / Nein”-
Differenzierung (siehe Abb.3). Der Gingivasulkus wurde an sechs Messpunkten
je Zahn sondiert und die prozentuale Anzahl blutender Stellen (sites)
dokumentiert. In der vorliegenden Untersuchung erfolgte die Sondierung mittels
stumpfer, genormter WHO - Sonde und 0,25 N Sondierungskraft. Dieses
Vorgehen lieferte bei gesunden gingivalen Verhältnissen nach 10 s keine
Blutung, während die entzündliche Gingiva mit einer mehr oder weniger starken
Blutung an der sondierten Stelle reagierte.

Abb. 3 Bei der Erhebung des BOP wurde die Tasche mittels der WHO – Sonde
sondiert und eine anschließende Blutung nach Ja / Nein - Kriterien vermerkt.
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4.2   Verwendete Bürsten

4.2.1 ADA - Handzahnbürste

In dieser Studie wurde die ADA 39 Handzahnbürste verwendet. Für diese gilt:
   ➢ Der Bürstengriff ist einfach und gerade.
   ➢ Die Borstenlänge beträgt 10,3 mm.
   ➢ Die Gesamtlänge der Bürste liegt bei 12,25 cm, die Breite des
      Bürstenkopfes bei 11,1 mm.
   ➢ Pro Borstenreihe sind 6 Borstenbüschel verwendet werden, wobei jeder
      Büschel aus 80 Nylon - Borsten besteht.
   ➢ Die Borstenbüschel sind gleichmäßig angeordnet.
   ➢ Die einzelne Borste ist abgerundet mit einem Durchmesser von
      0,18 mm.
   ➢ Das Borstenfeld ist plan.
   ➢ Das Bürstenfeld hat die Maße 28 mm x 8 mm.
Bei der von der American Dental Association (Chicago, USA) standardisierten
Bürste handelt es sich folglich um eine Kurzkopfzahnbürste mit planem
Borstenfeld und dichtem Besatz mit parallel angeordneten (“multi-tufted”),
mittelharten Nylonfilamenten. Diese Bürste passt sich der Kontur der oralen und
vestibulären Zahnfläche an und ist daher universell einsetzbar.

4.2.2 Sonicare elite 9800

Die von uns eingesetzte Bürste zählt zur dritten Generation in der
Entwicklungsgeschichte der elektrischen Zahnbürsten. Hierbei handelt es sich
um sogenannte „schallaktive“ Bürsten, deren Borsten mit einer Frequenz im
Schallbereich schwingen (Philips Sonicare       258 Hz =
                                                        31000 Schwingungen /
min mit einer Amplitude von 4 mm). Der Antrieb der Schallbürsten erfolgt
elektromagnetisch.   Dabei   erzeugt   eine     Magnetspule   im   Inneren   des
Handstücks ein sich ständig wechselndes Magnetfeld. Dadurch werden weitere,
an der Unterseite des Bürstenkopfes gelegene Magnete zu Schwingungen
angeregt. Anstelle der Hin - und Herbewegungen, wie bei den rotierenden
15

Bürsten, führen die Borsten von Schallzahnbürsten seitliche elliptische
Bewegungen aus.

Abb. 4 Gegenüberstellung der Testbürsten. Im Bildhintergrund ist die
elektrische Sonicare e9800, im Bildvordergrund die ADA - Handzahnbürste zu
sehen.

4.3     Studiendesign

Die Versuchsdurchführung lehnte sich sehr eng an die Studie von Van der
Weijden aus dem Jahre 1993 an [43]. In dieser Arbeit wurde die Effektivität der
Plaqueentfernung in Bezug auf die Zeitdauer des Zähneputzens bei der
Anwendung von vier unterschiedlichen Zahnbürsten getestet. In unserer Arbeit
wurde    im Vorfeld Art, Umfang und Ziel derselben der zuständigen Ethik -
Kommission der medizinischen Fakultät der FAU – Erlangen / Nürnberg
vorgestellt (Ethiknummer 3645). Erst nach Prüfung und Billigung dieses
Forschungsprojektes begann die Auswahl der Probanden. Insgesamt 90
Freiwillige erklärten sich durch ihre Unterschrift unter den ausführlichen
Aufklärungsbogen (siehe Anhang) bereit, an der Studie teilzunehmen. Dabei
handelte es sich um eine prospektive, monozentrische sowie einfach
verblindete, randomisierte Querschnittsstudie. Um die statistischen Anfor-
derungen zu erfüllen und darüber hinaus aussagekräftige Ergebnisse zu
16

erhalten,    selektierte   man    die    Probanden    nach    bestimmten    Ein-    und
Ausschlusskriterien. Ausgewählt wurden die Probanden nach den Kriterien Alter
(zwischen 18 und 35), Zustand des Gebisses (mind. 24 gesunde Zähne) und
allgemeiner Gesundheitszustand. Patienten mit Allgemeinerkrankungen ( HIV,
Diabetes, Tbc,... ) sowie allgemeinärztlicher Medikation ( Marcumar, Antibi-
otika... ), Personen mit parodontalen Schäden oder akuten / chronischen
Parodontalerkrankungen, mit festsitzenden Kfo - Geräten und auch solche mit
motorischen Einschränkungen durften nicht an der Studie teilnehmen. Durch
die gewählte Altersspanne und die große Zahnanzahl pro Proband wurde eine
möglichst hohe interne Validität der Untersuchung angestrebt, um sowohl die
Zeitabhängigkeit der Reinigung als auch die Unterschiede zwischen den
verschiedenen Bürsten sicher differieren zu können.

4.4    Studienablauf

Das Untersuchungsprogramm der Studie gliederte sich für jeden Teilnehmer in
drei in zeitlich genau determinierten Abständen liegende Termine, zu denen
jeweils verschiedene Indizes erhoben und deren Ergebnisse notiert wurden.
Somit ergab sich pro Patient ein Zeitraum von 16 Tagen, innerhalb dessen er
an der Studie teilzunehmen hatte. Zum ersten Termin wurde Anamnese
erhoben und das bisherige Mundhygieneverhalten kontrolliert. Aussagen wie
Rechts - / Linkshänder, Putzgewohnheiten und regelmäßiger Genuss von
Kaugummi wurden zusätzlich notiert. Daraufhin erfolgte die Überprüfung des
Parodontalzustandes mittels Sondierung des Zahnsulkus an sechs Messstellen
pro Zahn, dabei wurde BOP erhoben. Um auch einen Überblick über die
Ausgangsplaquemenge der einzelnen Teilnehmer zu erhalten, erhob ein
Untersucher die Plaquemenge mittels Anfärbung aller Zahnflächen durch den
Plaquerevelator       “Mira-two-tone”       (Hager&Werken         GmbH,     Duisburg,
Deutschland). Für jeden Quadranten notierte ein Untersucher die TQHI-Werte
sowohl vestibulär als auch lingual / palatinal. Mit einer abschließenden
professionellen Zahnreinigung entließ man die Probanden für 48 h mit der
strikten    Anweisung,     jegliche     Mundhygiene   inklusive      Kaugummi   -   und
Mundwassergebrauch          zu    unterlassen.   Durch       diese    Prophylaxe    war
sichergestellt, dass keine Plaque älter als 48 h war, so dass Verfälschungen
17

durch bereits eingetretene Verkalkungen, die nur sehr schwer oder gar nicht
durch Zahnbürsten alleine entfernbar sind, ausgeschlossen werden konnten.
Auf diese Abstinenzzeit folgte am 2. Termin die eigentliche experimentelle
Phase, in der die Putzeffizienz einer schallaktivierten elektrischen Zahnbürste
(Sonicare, Fa. Philips) mit langem Putzkopf mit einer ADA - Handzahnbürste
zeitabhängig getestet und miteinander verglichen wurde. Randomisiert fand für
jeden Patienten die Zuordnung einer Bürste zu jeweils einem der 4
Gebissquadranten statt. Diese Zuordnung erfolgte durch die Verwendung eines
4 - flächigen LaPlace Würfels (siehe Abb.5).

Abb. 5 Mit Hilfe des vierseitigen Laplace Würfels fand die randomisierte
Zuteilung der Bürsten zu den jeweiligen Quadranten statt.
18

Die Verteilung der Quadranten und Bürsten konnte somit zufällig erfolgen. Die
Versuchsphase startete, nachdem erneut die akkumulierte Plaquemenge mit
dem TQHI-Index bestimmt und aufgezeichnet wurde. Daraufhin putzte der
Untersucher mit der entsprechenden Bürste in jedem Gebissquadranten für 10,
20, 30, 45, 60 und 90 s, was bezogen auf die komplette Mundhöhle zwischen
40 s und 6 min Gesamtputzzeit bedeutete. Kontrolliert wurde die zeitliche
Putzdauer mit einer Stoppuhr. Nach jedem einzelnen Zeitintervall bewertete ein
weiterer unabhängiger Untersucher die noch an den Zähnen haftende,
eingefärbte Plaque mit dem TQHI - Index und notierte die Ergebnisse.
Zahncreme kam in der gesamten Studie nicht zum Einsatz. Die Untersuchung
war einfach verblindet, da der jeweilige Untersucher nicht über die Zuteilung der
Bürsten auf die jeweiligen Quadranten informiert war und während der
Putzphase die Kontrolle des Probanden durch einen anderen Untersucher
übernommen wurde. Eine Maskierung der Befunde fand nicht statt.

Putztechnik:

Jede Bürste wurde nach den vom Hersteller empfohlenen Angaben verwendet.
Die Sonicare wurde wie folgt eingesetzt: Vor dem Gebrauch befeuchtete man
die Borsten mit Wasser und platzierte die Bürste im inaktiven Zustand in einem
leichten Winkel an      der vestibulären Zahnfleischlinie. Mit Beginn der
Zeitmessung wurde die Bürste aktiviert und in leichter Vorwärts- und
Rückwärtsbewegung die vestibulären Zahnflächen des ersten Quadranten
gereinigt (siehe Abb.6, Seite 19). Dabei wurde nur leichter Anpressdruck
angewandt, „Schrubben“ war verboten. Nach der Hälfte der vorgeschriebenen
Untersuchungszeit wurden Zeitmessung und Bürstenbewegung gestoppt, die
Bürste wurde an den palatinalen / lingualen Flächen angesetzt und danach die
Putzzeit komplettiert. Somit wurden mögliche Zeitverluste, wie sie beim
Flächenwechsel entstehen könnten, eliminiert.
19

Abb. 6 Putzphase mit der Sonicare elite 9800.

Die ADA – Handzahnbürste wurde analog verwendet: Sie wurde ebenso mit
Wasser angefeuchtet, die Anlagerung an die Zahnflächen erfolgte im 45° -
Winkel und mit der Bürste wurden kleine kreisförmige Bewegungen ausgeführt,
die ungefähr einer Prämolarenbreite entsprachen (siehe Abb.7, S. 20).
20

Abb. 7 Putzphase mit der ADA-Handzahnbürste.

Nach abschließender gründlicher Politur aller Zähne begann die dritte Phase
der Studie, die ebenfalls eine Untersuchung der verschiedenen Bürsten zu
determinierten zeitlichen Bedingungen beinhaltete. Wiederum zufällig ausge-
würfelt (LaPlace) erhielt am zweiten Termin der jeweilige Proband eine der
zwei Bürsten und eine tägliche Gesamtputzzeitvorgabe (6, 9 oder 12 min) zur
14-tägigen häuslichen Anwendung. Während dieser Zeit durfte ausschließlich
mit der zugeteilten Bürste entsprechend der Gesamtputzzeit geputzt werden.
Jeder Teilnehmer war angehalten, die Zeit akribisch mit einem Timer zu
überprüfen und diese in einem vorgegebenen “Putzprotokoll” zu dokumentieren.
Zur abschließenden Kontrolle des Putzergebnisses und zur Evaluation
möglicher parodontaler Verbesserungen fand nach diesen 14 Tagen ein letzter
Untersuchungstermin       statt,   der   im   Prinzip   dieselben    Abläufe   und
Mundhygieneindizes beinhaltete wie der Anfangstermin. Hatte der Patient alle
Termine eingehalten, die ihm gegebenen Instruktionen befolgt und sämtliches
mit   seiner   Unterschrift   dokumentiert,   wurde     er   nach   abschließender
professioneller Zahnreinigung entlassen. Dieser Proband hatte die Studie
erfolgreich absolviert.
21

4.5    Statistische Auswertung

   •   Sicherheitsanalyse

Eine Sicherheitsanalyse wurde durchgeführt, indem klinisch widrige Ereignisse
zu dem Zeitpunkt aufgezeichnet wurden, zu dem sie ursprünglich berichtet
wurden. Eine komplette allgemein- und zahnärztliche Anamnese wurde bereits
beim Auswahlverfahren erhoben und Probanden, die auch nur eines der
umrissenen Ausschlusskriterien aufwiesen, wurden von der Studienteilnahme
ausgeschlossen. Diese Sicherheitsanalyse umfasste alle randomisierten Teil-
nehmer und wurde für den gesamten Untersuchungszeitraum durchgeführt. Die
Sicherheit basierte auf der Erhebung aller widrigen Ereignisse sowie einer
intraoralen Beobachtung (Prüfung der Weichgewebe auf Verletzung oder
Abrasionen). Sämtliche Ereignisse wurden aufgelistet und die Weichgewebs-
untersuchungen je nach Region geordnet.

   •   Statistische Analyse

Allgemeine Überlegungen:

Die Plaquewerte wurden erhoben und als intervallskalierte Variablen aufnotiert.
Aus diesen wurden Mittelwerte gebildet, diese als kontinuierliche numerische
Variablen betrachtet und ausgewertet. Die Mittelwerte wurden sowohl für die
Gesamtplaquewerte als auch für verschiedene Bereiche der Mundhöhle (siehe
Tabelle 4, S.27) erhoben. Die Hauptanalyse wurde nach einem sog. „Intent-to-
treat“ (ITT) Design erstellt und beinhaltete alle randomisierten Quadranten der
teilnehmenden Probanden mit Ausgangs- und Enderhebung für sämtliche
Untersuchungsgruppen.       Für   zweitrangige   und    zusätzliche   Effektivi-
tätsendpunkte wurde keine Korrektur des Nennwertes p durchgeführt. Die
Sicherheitsanalyse umfasste alle randomisierten Probanden. Alle Variablen
wurden zusammengefasst mit Hilfe der deskriptiven Statistik. Allgemeine
Einflussgrößen eines jeden Probanden wie Alter, Geschlecht, Rasse und
Herkunft wurden ebenso aufsummiert. Da selbst für den unabhängigen Putzer
nicht jeder Quadrant gleiche Bedingungen für die Reinigung bereitstellt (siehe
22

Abb.9/ Abb.10, S.29), wurden die Mittelwerte um zufällige Einflussgrößen wie
„Quadrant“ korrigiert (siehe Modell 1 und 2 der Hauptanalyse, S.22). Die gleiche
Korrektur erfolgte für die Einflussgröße „Untersuchungszeitpunkt“.

Haupteffizienzvariable und statistische Modellüberlegungen:

Die Hauptanalyse wurde durchgeführt unter Verwendung der Prozentänderung
im Durchschnittsplaquewert als Reaktionsvariable. Wie im Modelltyp 1 unten
aufgezeigt, wurde diese Reaktionsvariable nach verschiedenen Bedingungen
modifiziert und mögliche Störgrößen als mathematische Parameter einge-
arbeitet. Störgrößen wie der individuelle Proband an sich, der jeweilige
Quadrant oder die jeweilige Untersuchung wurden in dieser statistischen
Überlegung berücksichtigt korrigiert. Eine weitere Analyse, verdeutlicht anhand
von Modell 2, beinhaltete die Differenz aus durchschnittlichem Plaquewert vor
und nach dem Putzen als Reaktionsvariable und wurde additiv durchgeführt.
Die Hauptanalyse basierte auf einem ITT - Design und schloss alle Probanden
ein, die sowohl zu Beginn als auch während späterer Beobachtungen die
minimal zu akzeptierenden Compliancestandards erfüllten. Der durchschnitt-
liche Plaquewert wurde als Verlaufsvariable untersucht und die Mittelwerte
wurden als stetige Messwerte betrachtet.

Folgende Modelle wurden für die Auswertung der Hauptanalyse verwendet:

Modell 1:

 Y ijk =µik T j ijk

Modell 2:

 Z ijk =µi  pre ik k T j ijk
23

Wobei die Variablen wie folgt definiert sind:

 Y ijk   bezeichnet die prozentuale Plaquewertreduktion festgelegt als: 100%*
         (Differenz aus Durchschnittsplaquewert vor und nach dem Putzen)
         dividiert durch den durchschnittlichen Plaquewert vor dem Putzen,
         bezogen auf Proband i, Untersuchung j und Quadrant k.

 Z ijk   bezeichnet die Differenz aus Mittelwert vor und nach dem Putzen,
         bezogen auf Proband i, Untersuchung j und Quadrant k.

 µ       bezeichnet den Gesamtdurchschnitt

 i      bezeichnet den stochastischen Einflussfaktor des „i“ ten Probanden
         ( i = 1,2,...,N )

 pre i bezeichnet den Mittelwert vor dem Putzen, bezogen auf Proband i und
         Quadrant k.

 k      bezeichnet die Störgröße „k“ ter Quadrant ( k = 1,2,3,4 )

 Tj      bezeichnet die Störgröße „j“ te Untersuchung ( j = 1,2,...,7)

 ijk    ist definiert als nicht erklärbare oder Reststreuung.
24

Zusätzlich wurden zwei Varianzanalsyen gemacht:

1.      ijk ~ N 0, 2  für alle i = 1,2,...,N und für alle j = 1,2,...,M , wobei N als
      Gesamtzahl an Probanden und M = 4 als Gesamtanzahl an
      Untersuchungen definiert ist;         2 ist definiert als Streuung innerhalb
      des Probanden

2.      i~ N 0, 2A für alle i = 1,2,...,N;  2A ist definiert als Streuung
      zwischen den Probanden

Die oben angeführten statistischen Modelle beinhalten Parameter und
Konfidenzintervalle. Die Auswertung erfolgte mittels eines linearen „Mixed
effects model“ (Mixed model, SPSS 16.0.1). Vergleiche zwischen den Bürsten
und   den   verschiedenen      Putzzeiten      wurden    unter    Verwendung       eines
angemessenen F – Testes (40 s, 80 s, 2 min, 3 min, 4 min und 6 min)
durchgeführt. Die Analyse der Untersuchungen erfolgte einerseits aus der
Perspektive des Differenzplaquewertes vor und nach dem Putzen, andererseits
vom Standpunkt einer prozentualen Reduktion aus. Diese Berechnungen
wurden insgesamt für sieben verschiedene Bereiche der Mundhöhle angefertigt
(siehe Tabelle 4, S.27). Für den Gesamtwert wurde eine Effektivitätsvariable als
TQHI – Wert in Prozent dividiert durch die jeweilige Putzzeit pro Quadrant
berechnet. Somit erhielt man als Ergebnis eine zeitabhängige Plaque-
entfernungsrate.
25

4.6   Studienablauf - Graphik

                  90 Probanden (keine zahnmedizinische Vorbildung)
                                     Aufklärung
                                Datenschutzerhebung

                         1. Termin: Baseline – Untersuchung
                                     Anamnese
                                       BOP
                                       TQHI
                                       PZR

                                   48 Stunden
                                Mundhygienekarenz

                         2. Termin: Experimentelles Putzen
                                       TQHI
                          Randomisierte Bürstenverteilung
                               ➢ Sonicare Langkopf
                               ➢ ADA
                              Putzphasen pro Quadrant
                                   10 s → TQHI
                                   20 s → TQHI
                                   30 s → TQHI
                                   40 s → TQHI
                                   60 s → TQHI
                                   90 s → TQHI
                           Quadranten und Bürstenwechsel
                                        PZR
                                 14 Tage häusliche
                                   Mundhygiene

                       Gruppenzuteilung ( n=30 pro Gruppe)

             6 min/d                   9min/d                 12 min/d

  Sonicare         ADA      Sonicare          ADA      Sonicare      ADA

                                       Putzprotokoll

                                  3.Termin:
                                     BOP
                                    TQHI
                                     PZR
Tabelle 1 Flowchart des Studienablaufes.
26

5     Ergebnisse

An dieser Studie nahmen 51 Männer und 40 Frauen, insgesamt 91 Probanden
teil. Nach Erhebung des zahnärztlichen Befundes und der Allgemein-
anamnese musste ein männlicher Proband aufgrund seiner Allgemein-
erkrankung von der Studie ausgeschlossen werden. Die durchschnittliche
Zahnzahl der Teilnehmer betrug 27,87. Die Tabelle 2 zeigt, dass der
durchschnittliche Ausgangsplaquewert, erhoben mittels TQHI, pro Quadrant
zwischen 2,51 und 2,65 variierte. Für diese Ausgangswerte wurden keine
nennenswerten statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den vier
Quadranten binnen aller Untersuchungen gefunden. Tabelle 3 listet den
durchschnittlichen Gesamtplaquewert jeder Bürste zu allen untersuchten
Zeitintervallen auf. Die durchschnittlichen Plaqueabnahmen für verschiedene
Bereiche, ausgedrückt in Prozent, werden in Tabelle 4 (S. 27) dargestellt.

                               Mittelwert              SD
         1.Quadrant                             2,65                   0,49
         2.Quadrant                             2,51                    0,5
         3.Quadrant                             2,65                   0,62
         4.Quadrant                             2,61                   0,59
Tabelle 2 Durchschnittliche Ausgangsplaquewerte mit Standardabweichung pro
Quadrant.

                                             Zahnbürste
                           Sonicare Langkopf                        ADA
                      Mittelwert       SD              Mittelwert      SD
Ausgangsplaquewert              2,59            0,57            2,59          0,56
10s                             1,12            0,57            1,19          0,52
20s                             0,62            0,45            0,76          0,44
30s                             0,40            0,36            0,55          0,38
45s                             0,27            0,27            0,41          0,33
60s                             0,19            0,21            0,31          0,27
90s                           0,14          0,17         0,24        0,23
Tabelle 3 Gewichtetes Mittel der TQHI-Werte mit Standardabweichung für die
Bürsten zum Ausgangszeitpunkt und für alle erhobenen Zeitintervalle.
27

                    Gesamt        Front        Seite        Approximal    Vest./oral     Front        Seite
                                                                                       approximal   approximal
                  Mittel SD   Mittel SD    Mittel SD        Mittel SD    Mittel SD     Mittel SD    Mittel SD
Sonicare      10s 57,00 18,24 61,74 22,62 52,91 18,86 53,48 18,19 65,55 20,69 58,56 23,42 49,08 18,59
Langkopf
              20s 76,40 15,22 80,18 17,05 73,25 17,67 74,04 16,18 82,12 15,00 77,83 18,47 70,82 18,79
              30s 84,99 12,27 87,52 12,19 83,07 15,30 83,27 13,46 89,24 11,05 85,64 14,18 81,46 16,42
              45s 89,99   9,30 91,74   9,24 88,77 11,70 88,69 10,37 93,23        8,43 89,99 10,81 87,77 12,72
              60s 92,94   7,31 94,01   7,38 92,17   9,14 91,87     8,42 95,62    5,97 92,76   8,47 91,23 10,52
              90s 94,88   5,93 95,77   5,97 94,30   7,36 94,15     6,88 96,75    5,07 94,91   6,75 93,65   8,57
ADA Bürste    10s 53,30 18,19 57,01 22,69 50,48 19,52 48,37 18,95 66,13 19,55 52,59 23,29 44,65 20,74
              20s 70,58 16,38 74,23 19,71 67,31 17,77 66,28 18,07 81,49 15,21 70,69 21,48 62,30 19,76
              30s 78,91 14,29 81,56 17,10 76,31 15,98 75,50 15,87 87,67 12,66 78,97 18,25 72,21 17,97
              45s 84,21 12,21 86,69 13,27 82,11 13,91 81,53 13,64 91,09 10,63 84,63 14,63 78,95 15,73
              60s 87,99 10,08 89,85 10,82 86,41 11,65 85,92 11,32 93,24          9,10 88,38 11,57 83,94 13,55
              90s 90,72   8,71 92,24   9,02 89,43 10,13 89,02      9,89 95,02    7,84 91,15   9,68 87,36 11,94
Tabelle 4 Gewichtetes Mittel der TQHI-Werte in % mit Standardabweichung in
Relation zum Ausgangswert für versch. Bereiche: Gesamt = alle Flächen, Front
= Frontzähne, Seite = Seitenzähne, Approximal = alle approximalen Flächen,
vest./oral= alle vestibulären und oralen Flächen, Front approximal = alle
approximalen Flächen der Frontzähne und Seite approximal = alle
approximalen Flächen der Seitenzähne.

Diese        Ergebnisse       können       anhand           der     unten       angefügten          Graphen
nachvollzogen und bereits visuell erfasst werden. Anhand von Abbildung 8
(S. 28) lässt sich die quantitative Abnahme der Plaquewerte über die Zeit
nachvollziehen. Beide Bürsten reduzierten mit zunehmender Putzzeit mehr
Beläge. Bereits nach 10 s wiesen beide Bürsten eine Plaquereduktion von mehr
als 50 % der Ausgangswerte auf. Zu diesem Zeitpunkt konnte kein statistisch
signifikanter Unterschied bezüglich der Plaquereduktion gefunden werden.
Nach 45 s Putzzeit betrug die Plaqueabnahme bei der Sonicare ca. 90 %
bezogen auf den Ausgangswert und unterschied sich mit diesem Ergebnis hoch
signifikant von der ADA-Handzahnbürste (F - test, p0,001 ). Weitere 45 s
Putzdauer, also zum Zeitpunkt 90 s, führten bei der Sonicare zu einer
zusätzlichen Plaqueabnahme von bis zu 50 %, diesmal bezogen auf die noch
vorhandene Plaque (absolut 5 %).
28

                               120

  Mttlere T QHI - Werte in %   100

                                80                                    Mittelwerte Gesamt
                                                                      ADA-Bürste
                                                                      Sonicare-Langkopf

                                60

                                40

                                20

                                 0
                                     0   10   20             30           45              60    90

                                              Putzzeit pro Quadrant

Abb. 8 Quantitative Plaquabnahme.                          Als Ausgangswert wurde die Plaque
allesamt auf 100 % normiert.

Im Vergleich dazu erreichte die Handzahnbürste in demselben Zeitintervall
lediglich eine weitere Reduktion von 40 % (absolut 6 %). Eine statistisch
signifikante Gesamtverbesserung bezüglich der TQHI – Werte ergab sich, wenn
die Putzdauer von 10 s auf 90 s pro Quadrant anstieg (F – Test,                                p0,001 ).
Unter Berücksichtigung des 90 % Levels an Plaquereduktion erzielte die
Sonicare dieses Reinigungsniveau bereits nach 45 s und die ADA – Referenz-
bürste erst nach 90 s Putzen pro Quadrant. Im Bezug auf die zeitabhängige
Effizienz der beiden Testbürsten hinsichtlich der Gesamtplaquereduktion sank
mit zunehmender Länge der Putzzeit die Menge an zusätzlich reduzierter
Plaque statistisch signifikant ab. Tabelle 4 (S. 27) zeigt die durchschnittliche
Plaquewertreduktion der verschiedenen Bereiche der Mundhöhle.
29

                       120

                       100
 Mittlere TQHI-Werte in %

                                                                               Quadrant1
                                                                               Quadrant2
                            80                                                 Quadrant3
                                                                               Quadrant4

                            60

                            40

                            20

                             0
                                 0   10        20            30         45        60       90
                                          Putzzeit pro Quadrant

Abb. 9 Plaqueabnahme der Frontzähne                               insgesamt. Gezeigt sind hier die
Mittelwerte.

                  120

                  100
 Mittlere TQHI-Werte in %

                                                                               Quadrant1
                            80                                                 Quadrant2
                                                                               Quadrant3
                                                                               Quadrant4
                            60

                            40

                            20

                             0
                                 0   10        20            30         45        60       90
                                          Putzzeit pro Quadrant

Abb. 10 Plaqueabnahme der Seitenzähne insgesamt. Gezeigt sind hier die
Mittelwerte.
30

Folgende Ergebnisse für die verschiedenen zu putzenden Regionen konnten
festgehalten werden:

Im Frontzahngebiet wurde bei beiden Bürsten bereits nach 10 s Putzzeit pro
Quadrant deutlich mehr Plaque entfernt als im Seitenzahngebiet. Zudem zeigte
die Philips Sonicare ab einer Putzdauer von 20 s signifikant bessere Effektivität
als die ADA - Handzahnbürste. Im Zahnzwischenraum wies die Sonicare eine
allgemein gute Reduktion der Plaquemenge auf, ab einer Putzzeit von 20 s pro
Quadrant sogar mit statistischer Signifikanz. Die Effektivität an Glattflächen war
allerdings höher. Bukkal wurde von beiden Bürsten bereits nach 10 s mehr
Plaque entfernt als approximal. Zwar nahm die Plaque in beiden Bereichen mit
zunehmender Zeit ab, jedoch blieb die Gesamtmenge approximal konstant auf
einem höheren Niveau und zeigte selbst bei 90 s Putzzeit pro Quadrant
annähernd doppelt so hohe Werte auf.

                           120

                           100
Mittlere TQHI-Werte in %

                           80                                     Mittelw erte approximal
                                                                  Mittelw erte bukkal

                           60

                           40

                           20

                             0
                                 0   40      80           120     180            240        360
                                          Putzzeit pro Quadrant

Abb. 11 Direkte Gegenüberstellung approximal - bukkal der Plaqueabnahme
bei der Sonicare Langkopf.

Die analoge Differenzierung in die beiden zu untersuchenden Bereiche lieferte
für die ADA – Handzahnbürste eine ähnliche Verteilung der Reinigungsleistung.
Die Plaque an den vestibulären Flächen der Zähne wurde wie bei der Sonicare
Langkopf deutlich effizienter entfernt als approximal (siehe Abb. 11). Der direkte
31

Vergleich der beiden Bürsten ergab eine Parallelität bezüglich der Reinigung
der unterschiedlichen Bereiche. Die Differenz fiel bei der Sonicare mit 5 %
allerdings signifikant geringer aus als bei der ADA. Diese Ergebnisse zeigten
die hohe und gleichmäßige Putzeffektivität der schallaktivierten Bürsten im
Vergleich zur getesteten Handzahnbürste. Zusammenfassend kann man sagen,
dass bereits nach 10 s Putzzeit pro Quadrant signifikante Unterschiede
bezüglich der Plaquereduktion sowohl zwischen Front und Seite als auch
zwischen Front approximal und Seite approximal (F - Test,               p0,1 ) vermerkt
wurden. Alle diese Differenzen blieben annähernd konstant bis zu einer Zeit von
90 s Putzzeit pro Quadrant.

                            Mittel der TQHI - Werte in %
                    Stichproben     Durchschnittlicher                  Standardab-
                                    TQHI - Wert                         weichung
1. Termin           7533            2,1                                 1,37
2. Termin           7533            2,59                                1,34
3. Termin      7533             1,58                      1,24
Tabelle 5 Gewichtetes Mittel der TQHI-Werte in % mit Standardabweichung an
den drei Untersuchungszeitpunkten.

Tabelle 5 (siehe S. 31) sowie Tabelle 6 (siehe S. 31) stellen zusammenfassend
die   durchschnittlichen    Plaquewerte       und        die   Ergebnisse      der    Gingiva-
untersuchung mittles „BOP - Index“ (Bleeding on Probing) an den drei
aufeinanderfolgenden Untersuchungsterminen dar. Ein statistisch signifikanter
Einfluss    einer    gewählten     Bürste        für     die   14   -   tägige       häusliche
Mundhygienephase konnte weder               für        die Plaquewerte,     noch      für die
Blutungshäufigkeit am dritten Termin gefunden werden.

                                  Bleeding on Probing
                    Stichproben     Blutung               Keine Blutung Häufigkeit
1. Termin           7533            1268                  6265              16,83%
3. Termin      7533            740             6793        9,82%
Tabelle 6 Blutungshäufigkeiten, ermittelt durch Anwendung des Bleeding on
Probing - Indexes am ersten und dritten Termin.
32

Innerhalb der gesamten Studiendauer gab es keine negativen Begleit-
erscheinungen. Alle Bürsten waren sicher in der Handhabung und die
intraoralen Weichgewebsuntersuchungen wiesen keinerlei Anzeichen von
Verletzungen oder gingivalen Abrasionen zu irgendeinem Zeitpunkt während
des gesamten Versuchsablaufes auf.

6     Diskussion

Die durchgeführte Studie hatte zum Ziel, den Einfluss der Putzzeit auf die
Plaquereduktion für verschiedene Typen von Zahnbürsten zu untersuchen. In
Anlehnung an die bisher durchgeführten Studien und aufbauend auf den
Untersuchungen von Löe et al. [26] wurde der Zeitraum von 48 h Mund-
hygienekarenz gewählt. Dies erwies sich als ausreichend, um genügend weiche
Beläge anzusammeln (siehe Abb. 2, S. 12). Mittels einer professionellen
Zahnreinigung am Eingangstermin wurden sämtliche harten Beläge wie
Zahnstein entfernt und somit für alle Probanden gleiche Ausgangsbedingungen
geschaffen. Eine Verfälschung der Ergebnisse durch Anfärben kalzifizierter
Plaque wurde dadurch vermieden.

Mit unserem Studiendesign wurden ebenso individuelle Einflüsse der
Probanden wie Rechts - oder Linkshändigkeit, Fingerfertigkeit, Putzmethode
und allgemeine Motivation ausgeschlossen. Im Gegensatz zu Studien, bei
denen die Probanden den Umgang mit der Bürste zunächst in einer häuslichen
Phase einübten [1, 15, 16, 17...] und am Untersuchungstermin die Plaque
selbstständig entfernten, übernahm das Putzen in unserer Arbeit ein
unabhängiger Untersucher. Zudem wurde ausschließlich am Versuchstermin
die Plaquewertreduktion über die Zeit aufnotiert. Somit wurde vorliegender
Arbeit eine gewisse Standardisierbarkeit zugrunde gelegt, die den häuslichen
Langzeitstudien aufgrund unsicherer Patientencompliance nicht zugeschrieben
werden kann. Allerdings muss man auch hierbei kritisch anmerken, dass selbst
durch einen unabhängigen Untersucher in dieser Studie nicht alle Bereiche der
Mundhöhle rein mechanisch gleich gut erreicht werden konnten und deshalb
auch nicht überall der gleiche Reinigungsgewinn erzielt wurde. Aus dem Alltag
kennt jeder das Problem beim täglichen Zähneputzen, dass beispielsweise die
33

hinteren Backenzähne, vor allem die 2. und 3. Molaren, sowohl vestibulär als
auch lingual / palatinal schwer zu erreichen sind, weshalb bei ihnen die Plaque-
entfernung häufig geringer ist.

Die Rolle der Biofilmetablierung am Zahn im Bezug auf Kariesentstehung,
-progression und - kontrolle ist bereits aus der Literatur bekannt [41]. Die
alleinige Beschreibung von Mundhygienegewohnheiten ist dabei von begrenzter
Aussagekraft, zumal diese subjektiven Verfälschungen unterliegt („Interviewer -
Bias“) und keine Aussage über die Effektivität der Plaqueentfernung liefert.
Entscheidend für allgemeine Empfehlungen und im Hinblick auf den
Studienaufbau ist das Ergebnis der Mundhygiene, d.h. die Menge an
Plaqueentfernung und nicht die Beurteilung von Putzgewohnheiten [25, S. 119].
In vorliegender Studie wurde daher allein die Plaqueabnahme über die Zeit
gemessen.

Die Ergebnisse zeigten einen starken Einfluss der Putzzeit im Hinblick auf die
Reinigungseffizienz der getesteten Bürsten (siehe Abb. 8, S. 28). Der Einsatz
einer Handzahnbürste mit zweiminütiger Gesamtputzzeit kann nicht immer eine
adäquate Plaquereduktion garantieren. In unserer Studie verblieben nach
dieser Putzzeit bei der ADA-Handzahnbürste noch Restplaquewerte von mehr
als 21%.

Im Vergleich mit der Literatur, die ebenso die Putzzeit als Einflussfaktor auf die
Effektiviät   der   Plaquereduktion   untersuchten,    ergeben    sich   folgende
Schlussfolgerungen:

Van der Weijden et al. (1993) führten eine vergleichbare Untersuchung durch
mit dem Ergebnis, dass die zeitbezogene Plaquereduktion signifikant zwischen
Hand- und elektrischen Zahnbürsten variierte [43]. Sie sprachen darin eine
Empfehlung von zwei Minuten Putzzeit als angemessenes Zeitintervall bei der
zahngesundheitlichen Erziehung von Kindern aus.

Die   vorliegende    Studie   bekräftigte   diese   Ergebnisse    bezüglich   der
grundlegenden Unterschiede, was Handzahnbürste und elektrische Zahnbürste
(Sonicare e9800, Fa. Philipps) betrifft und untermauerte deren Kernaussage im
34

Hinblick auf die Putzzeit. Die Sonicare lieferte nach 2 min Putzzeit bezogen auf
das gesamte Gebiss (d.h. 30 s / Quadrant) mit ca. 85 % Plaquereduktion sehr
hohe Werte. Aufgrund unserer Studienergebnisse kann dennoch Zweifel an der
allgemeinen Putzzeitempfehlung von zwei Minuten angemeldet werden. Dies
vor allem, da in der breiten Bevölkerung, meist aus Kostengründen, der
Handzahnbürste der Vorzug gegeben wird.

In einer weiteren zeitbezogenen Studie von van der Weijden et al. (2004) wurde
aufgezeigt, dass eine Ausweitung der Putzzeit auf bis zu zehn Minuten die
Plaquereduktion förderte und vergleichbare Ergebnisse zu einer professionellen
Zahnreinigung lieferte [44]. Diese Studie bestärkt mit ihrer Kernaussage
unseren oben angeführten Vorschlag, die Länge der Putzzeit auszudehnen.

Santos et al. (2007) zeigten, dass Zahnputzhäufigkeit keinen Einfluss auf die
Menge des an der Zahnfläche verbleibenden Biofilms bei Kindern hat [35]. Mit
dem Hintergrund dieser Untersuchungen und mit Blick auf die Erkenntnisse
unserer Studie kann gefolgert werden, dass häufiges Zähneputzen für kurze
Zeitabschnitte (< 1 Minute) nicht so effektiv ist wie eine einmalige Putzphase
über längere Zeit (> 2 Minuten). Nach 40 s Gesamtputzzeit (10 s pro Quadrant)
betrug die Höhe der Plaqueentfernungsrate bei unseren Testbürsten erst ca.
50 %.

Zu diesem Zeitpunkt fiel auch den vestibulären und oralen Flächen ein höherer
Anteil an entfernter Plaque zu, während an den approximalen Flächen noch
deutliche Mengen zurückblieben, die erst nach längerer Putzzeit reduziert
werden konnten. Dies geht mit den allgemein bekannten Empfehlungen für die
häusliche Mundhygiene einher, denn selbst mit der besten Bürste und sehr
langer Putzdauer darf die Interdentalraumhygiene mit Zahnseide nicht außer
Acht gelassen werden. Neben den Fissuren der Kauflächen sind die weniger
geputzten   Zahnzwischenräume      die    am   stärksten   krankheitsgefährdeten
Bereiche des Gebisses. Gingivitis, Parodontitis und selbst Karies sind im
Erwachsenenalter in erster Linie Erkrankungen der Interdentalräume. Sie sind
sozusagen „site specific“, d.h. zahnflächenspezifisch. So lässt sich selbst bei
guter   Mundhygiene       und    scheinbar      kariesfreiem    Gebiss    durch
Bissflügelaufnahmen die Diagnose „Approximalkaries“ stellen. Dies könnte auf
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