ZUKUNFT FINDET STADT - WIRKommunalen 1/21 - Netzwerk Junge Bürgermeister*innen

 
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NETZWERK
                                                    JUNGE BÜRGERMEISTER*INNEN
                                                    eigenständiges Netzwerk unter dem Dach
                                                              des Innovators Club des DStGB

WIRKommunalen
Magazin der Jungen Bürgermeister*innen
                                                                1/21

ZUKUNFT FINDET STADT
                 www.junge-buergermeisterInnen.de
ZUKUNFT FINDET STADT - WIRKommunalen 1/21 - Netzwerk Junge Bürgermeister*innen
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                     ×××                                      … ein großer Schritt für weltweit faire Arbeitsbedingungen
                                                   LN
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          M M                                                 Kreise, Städte und Gemeinden leisten mit dem Einkauf fair produzierter Waren einen
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           GLOB IERT                                          positiven Beitrag für Umwelt- und Sozialstandards und zur globalen Nachhaltigkeit.
                                                         EN

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         ENGA                                                 Die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt berät, fördert und vernetzt bei der Um-
                                                        AG
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                              ×××                             setzung von kommunalen Maßnahmen für Fairen Handel und Faire Beschaffung.
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                                                                                         mit ihrer
ZUKUNFT FINDET STADT - WIRKommunalen 1/21 - Netzwerk Junge Bürgermeister*innen
EDITORIAL

Liebe jungen Bürgermeister*innen,
liebe kommunalpolitisch Interessierte,
nach wie vor befinden wir uns im Ausnahmemodus. Niemand weiß genau, wie wir, wie
unsere Gemeinden, Städte und Landkreise aus der Pandemie herauskommen. Noch dis-
kutieren wir vor allem über Impfreihenfolgen, Inzidenzen und Öffnungsstrategien, anstatt
über Zukunftsprojekte.

Es ist aber auch deutlich geworden: Corona ist eine Krise in der Krise. In vielen Bereiche,
in denen wir vorher den Veränderungsdruck vielleicht noch nicht so sehr gespürt haben,
stellen wir jetzt fest, dass die größten Versäumnisse schon lange vor dem März 2020 pas-
siert sind. Wie unter einem Brennglas merken wir das jetzt im Schul- und Bildungsbereich,
in unseren Innenstädten oder bei der Digitalisierung von Politik und Verwaltung oder im
Gesundheitswesen. Hier sind zukunftsfähige Lösungen gefragt, und das ist auch die beste
Prävention für neue Katastrophen.

In der vorliegenden Ausgabe unseres Magazins soll es daher unter dem Titel „Zukunft
findet Stadt“ um kommunale Zukunftsthemen gehen. Den größten Bezug zum Thema
Corona hat noch das Grußwort, für das wir diesmal Bundesgesundheitsminister Jens
Spahn gewinnen konnten (S. 4).

                                                                                                                                                            Foto: Ingo Boelter / ASK.Berlin
Ein wichtiges Zukunftsthema ist der Fachkräftemangel der öffentlichen Verwaltung, über
den sich unser Sprecher Michael Salomo mit dem Chef des Bundesverwaltungsamtes aus-
tauscht (S. 6). Kommunales Zukunftsprojekt ist auch die Digitalisierung. Marc Groß von
der KGSt skizziert den aktuellen Stand der Umsetzung des Onlinezugangsgesetz (S. 8)
und Julia Samtleben beschreibt, wie Ihre Kommune Stockelsdorf die Ratsarbeit digi-
talisiert (S.10).

Wir jungen Bürgermeister*innen wollen auch Vorbild für eine ideenreiche, zukunftsge-
wandte Kommunalpolitik sein. Vieldiskutiertes Thema im Netzwerk ist auch das mitun-                                        „Die größten Versäumnisse
ter sehr negative mediale Bild des Bürgermeisters z. B. in Kinderbüchern. Kollege Martin
Aßmuth hat sich über längst überholten Klischees Gedanken gemacht (S.16). Wichtig ist,                                      sind schon lange vor dem
sich aktiv um die Einbindung der Jugend zu bemühen. Wie das bei Kommunalwahlen
gelingen kann beschreibt Justis Oblong vom TeamTomorow (S. 17).
                                                                                                                                  März 2020 passiert.“
Viel Spaß beim Lesen wünscht

Henning
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   nn     Witzel
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          Wiitzel
Leiter Hau
         auptstadtbüro Netz
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       Hauptstadtbüro  Netzwerk Junge Bürgermeister*innen

   IMPRESSUM
   Projektleitung und Redaktion:
   Henning Witzel (V.i.S.d.P.), Gero Fischer, ASK Agentur für Sales und Kommunikation GmbH, Bülowstraße 66, 10783 Berlin
   Anzeigen: Kerstin Böhm, ASK. Berlin, Layout: Janine Wagner, ASK. Berlin, Titelbild: Adobe Stock, Jürgen Fälchle
   Druck: Primus Print International GmbH, Hochstraße 14 – 56306 Dernbach, Erscheinungstermin: März 2021

                                                                                                                                   WIRKommunalen 1/21   3
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GRUSSWORT

                                                    Liebe Leserinnen, liebe Leser,
                                                    seit einem Jahr befinden wir uns im Dauer-Krisenmodus zur Bewäl-
                                                    tigung einer Pandemielage, die für uns eine seit Jahrzehnten nicht
                                                    gekannte Herausforderung darstellt. Die Bekämpfung dieser Pandemie
                                                    fordert von uns Einschnitte und Maßnahmen, die zu Beginn 2020 nicht
                                                    vorstellbar gewesen wären. Ein Jahr Corona-Krise hat uns aber auch vor
                                                    Augen geführt, wie wichtig der familiäre und gesellschaftliche Zusam-
          Foto: BMG/Maximilian König

                                                    menhalt ist. Wie entscheidend für das Bewältigen einer solchen Krise
                                                    eine moderne sowie personell und strukturell gut aufgestellte öffentliche
                                                    Verwaltung ist. Nicht allein in den Bundesministerien, sondern auf allen
                                                    Ebenen: Bund, Land und im Besonderen in den Städten und Gemeinden.
                                                    Niemand ist im täglichen Verwaltungshandeln näher dran an den Bürger-
                                       Jens Spahn   innen und Bürgern, als Sie es sind.

                                                    Ich möchte daher diese Gelegenheit nutzen und Ihnen sowie Ihren Mit-
                                                    arbeiterinnen und Mitarbeitern in den Städten und Gemeinden meinen
                                                    Dank für Ihren besonderen Einsatz zur Bewältigung dieser Pandemie
                                                    aussprechen.

                                                    Handlungsfähige Kommunen sind der Schlüssel für eine von den Bürger-
                                                    innen und Bürgern geschätzte Verwaltung und zur Überwindung auftre-
                                                    tender Krisen. Aus diesem Grund freut es mich besonders, dass der Bun-
                                                    desregierung mit den Ländern im letzten Jahr gelang, einen Pakt für den
                                                    öffentlichen Gesundheitsdienst zu vereinbaren. Der Bund stellt ab die-
                                                    sem Jahr über sechs Jahre hinweg vier Milliarden Euro für mehr Perso-
                                                    nal, die Digitalisierung und moderne Verwaltungsstrukturen im öffentli-
                                                    chen Gesundheitsdienst in ganz Deutschland zur Verfügung. Wir wollen
                                                    die Corona-Krise nicht nur irgendwie überstehen. Wir wollen daraus
                                                    lernen und den öffentlichen Gesundheitsdienst so aufstellen, dass er für
                                                    künftige Pandemien gerüstet ist.

                                                    Aber die anstehenden Herausforderungen der vor uns liegenden Jahre
                                                    werden uns nicht nur auf diesem Gebiet fordern. Deshalb braucht es
                                                    junge, andere Perspektiven, um die öffentliche Verwaltung fit für die
                                                    Zukunft zu machen. Mit Ihrem Netzwerk „Junge Bürgermeister*innen“
                                                    legen Sie selbst den Grundstein dafür, dass dies gelingen kann.

                                                    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Ideenschmiede für eine moderne Verwal-
                                                    tung viel Erfolg und zähle auf Sie, gemeinsam unseren Staat fit für die
                                                    Zukunft zu machen.

                                                    Ihr

                                                    Jens Spahn
                                                    Bundesminister für Gesundheit
                                                    Mitglied des Deutschen Bundestages

4   WIRKommunalen 01/21
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ÜBER UNS

                                    WARUM WIR DABEI SIND
                                                          Stefanie Seiler
                                                          Oberbürgermeisterin der Stadt Speyer
  Foto: Stadt Speyer/Klaus Landry

                                                          „Für mich ist es wichtig, sich mit Gleichgesinnten offen austauschen zu können. Das hängt weniger damit
                                                          zusammen, dass junge Menschen an der Stadtspitze weniger Erfahrung haben, sondern damit, dass wir
                                                          geübte Verwaltungspraxis öfter hinterfragen und offen für Neues sind. Es ist der Austausch von Ideen, der
                                                          so wichtig und wertvoll für meine Arbeit ist.“

                                    Marco Diethelm
                                    Bürgermeister der Gemeinde Herzebrock-Clarholz
                                    „Die Kommunen werden mit immer umfassenderen Herausforderungen konfrontiert. Dafür wünsche
                                    ich mir natürlich die bestmögliche Lösung. Das Netzwerk bietet hier eine hervorragende Plattform, denn
                                    nahezu jedes Problem wurde bereits irgendwo gelöst. Gemeinsam können wir jungen Bürgermeister*innen

                                                                                                                                                                           Foto: Stephan Minx
                                    mehr erreichen und auch neue Lösungen finden.“

                                                          Antonia Walch
                                                          Bürgermeisterin der Gemeinde Sternenfels
                                                          „Als Bürgermeisterin trägt man hohe Verantwortung: gegenüber den Bürgern, für die bestehende
                                                          Infrastruktur im Ort, dem Gemeinderat, aber auch gegenüber den eigenen Mitarbeitern. Das sind viele
  Foto: Matthias Bitsch

                                                          Themenfelder mit ureigenen Problemen. Vom Netzwerk verspreche ich mir den Austausch mit anderen
                                                          jungen Bürgermeister*innen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.“

                                    Raphael Wardecki
                                    Bürgermeister der Gemeinde Ostseebad Boltenhagen
                                    „Als junge Bürgermeister*innen stehen wir vor einer Vielzahl an Aufgaben, Fragestellungen und auch
                                    Herausforderungen. Diesen Beruf kann man nicht erlernen; man kann Fähigkeiten mitbringen und auch
                                                                                                                                                                             Foto: Ulrike Pawandenat

                                    den Vertrauensvorschuss gewinnen, doch am Ende des Tages kommt es auf Erfahrungsaustausch und
                                    Synergien bei neuen Ideen an. Dieses Netzwerk trägt da zu einem wichtigen Teil bei und ich bin froh so
                                    empathische Mitstreiter*innen kennenzulernen.“

                                                          Peter Reiß
                                                          Oberbürgermeister der Stadt Schwabach
                                                          „Egal ob städtische oder ländliche Kommune – die Herausforderungen des täglichen Lebens aller Menschen
                                                          beginnen und liegen vor Ort. Umso wichtiger ist es, dass sich Städte und Gemeinden vernetzen und Ideen
                                                          austauschen, wie sich diese meistern lassen. Eine deutschlandweit aktive, überparteiliche Plattform
Foto: Stephan Minx

                                                          bietet dafür ein hervorragendes Netzwerk.“

                                                                                                                                                  WIRKommunalen 1/21   5
ZUKUNFT FINDET STADT - WIRKommunalen 1/21 - Netzwerk Junge Bürgermeister*innen
PERSONAL-
                                  MANAGEMENT

                             „DIE LÜCKEN WERDEN
                             IMMER GRÖSSER“
                             Doppelinterview mit Christoph Verenkotte, Präsident des Bundesverwaltungsamtes, und Michael Salomo,
                             Bürgermeister der Gemeinde Haßmersheim, über fehlendes Personal in Behörden und die Folgen.

                             Herr Verenkotte. Sie leiten das Bundes-                           Herr Salomo. Sie sind Sprecher und Initiator   Das BVA ist mit 150 Aufgaben und 23
                             verwaltungsamt. Welche Rolle spielt Ihre                          des „Netzwerk Junge Bürgermeister*innen“.      Standorten in Deutschland ein attraktiver
                             Behörde auf Bundesebene für die Nach-                             Welche Ziele verfolgt Ihr Netzwerk?            Arbeitgeber.
                             wuchskräftegewinnung im öffentlichen
                             Dienst?                                                           Salomo: Wir sind ein bundesweiter partei-          Durch den demographischen Wandel und
                                                                                               übergreifender Zusammenschluss aktiver         den Fachkräftemangel stehen allerdings alle
                             Verenkotte: Das Servicezentrum Personal-                          Bürgermeister unter 40 Jahren. Unser Ziel      Behörden vor schwierigen Aufgaben. Wir
                             gewinnung (SZP) im BVA unterstützt Bun-                           ist es, aktuelle Herausforderungen anzuspre-   konkurrieren mit der Privatwirtschaft um
                             desbehörden seit mehr als einem Jahrzehnt                         chen und Lösungen zu erarbeiten. Hierzu        gut ausgebildete Beschäftigte. Die Aufga-
                             bei Personalgewinnungsmaßnahmen. Wir                              gehört der Austausch untereinander aber        ben, die uns die Gesetzgeber übertragen,
                             helfen Nachwuchskräfte zu finden. Wir                             auch die klare Kommunikation von Miss-         wachsen. Der Personalkörper wächst aber
                             betreuen Ausschreibungen für Verwaltungs-                         ständen an politisch Verantwortliche.          nur sehr punktuell und die Lücken werden
                             fachangestellte, Fachinformatikerinnen und                                                                       immer größer. Bereits vor vier Jahren habe
                             -informatiker oder den Ausbildungsberuf                           Herr Verenkotte, laut einer McKinsey Studie    ich darauf hingewiesen.
                             Kaufmann bzw. Kauffrau für Büromanage-                            werden im Öffentlichen Dienst bundesweit           Die Automatisierung und konsequente
                             ment. Wir kooperieren mit Hochschulen,                            im Jahr 2030 etwa 730.000 Stellen unbe-        Digitalisierung aller Verwaltungsprozesse
                             von Dualen Verwaltungswirtschaftsstudi-                           setzt sein, davon sind ca. 400.000 Stellen     – auch unter Einsatz künstlicher Intelli-
                             engängen über Technische Informatik bis                           im gehobenen und höheren Dienst. Wie           genz – muss daher schneller vorankommen
                             Kommunikationstechnik. Wir veröffentli-                           entwickeln sich die Zahlen in Ihrer Behörde    in Deutschland. Als Bundesverwaltungs-
                             chen Ausschreibungstexte und organisieren                         bis 2030?                                      amt gehen wir bei der Digitalisierung in vie-
                             Auswahlverfahren.                                                                                                len Projekten voran. Alle merken indes, wie
                                Das BVA ist auch selbst Einstellungs- und                      Verenkotte: Innerhalb der nächsten zehn        wenig in den letzten Jahren investiert wurde.
                             Ausbildungsbehörde für den mittleren nicht-                       Jahre wird ein Drittel der Beschäftigten des   Wir brauchen nach der Bundestagswahl ein
                             technischen Dienst in der Bundesverwal-                           BVA in Ruhestand gehen, in den nächsten        großes Investitionsprogramm für die Digi-
                             tung. Wir versorgen Bundesministerien und                         15 Jahren scheidet mehr als die Hälfte der     talisierung der Verwaltung in der Tiefe. Das
                             -behörden mit Nachwuchsbeamtinnen und                             rund 6.000 Beschäftigten aus.                  3-Milliarden-Programm zur Umsetzung des
                             -beamten auf der Ebene der Bürosachbear-                                                                         OZG kann nur ein Anfang sein, sonst ver-
                             beitung. Das BVA tritt dazu auch bei Ausbil-                                                                     lieren wir in Deutschland den Anschluss.
                             dungs- und Studienmessen auf.                                                                                    Auch die Zusammenarbeit zwischen Bund,
                                                                                                                                              Ländern und Kommunen muss neu gedacht
                                                                                                                                              werden.

                                                                                                                                              Herr Salomo, sehen Sie die Handlungs-
                                                                                                                                              fähigkeit der Kommunen in Gefahr?

                                                                                                                                              Salomo: Bereits heute sind laut dbb Beam-
                                                                                                                                              tenbund und Tarifunion rund 185.000 Stel-
                                                                                                                                              len bundesweit unbesetzt. Allein die 1.101
                                                                                                                                              Gemeinden in Baden-Württemberg kämpfen
                                                                                                                                              bereits um die besten Köpfe. Große Städte
                                                                                                                                              bieten Fachhochschulabsolventen bereits
                                                                                                                                              nach dem Studium A 14 oder A 15 Stellen
                                                                                                                                              an. Gerade kleinere Kommunen kommen ins
                                                                                                                                              Hintertreffen. Rund die Hälfte der Gemein-
                                                                                                                                              den besitzen weniger als 5.000 Einwohner,
                                                                                                                                              dies hat zur Konsequenz, dass Amtsleiter
                                                                                                                                              auf dem Land selten höher als A 13 eingrup-
                                                                                                                                              piert werden können. Somit greifen die gro-
                                                                                                                                              ßen Städte den Nachwuchs bereits nach dem
Foto: Bundesverwaltungsamt

                                                                                                                                              Studium ab.

                             Christoph Verenkotte
                             ist seit dem 1. März 2010 Präsident des Bundesverwaltungsamtes.

                             6    WIRKommunalen 01/21
ZUKUNFT FINDET STADT - WIRKommunalen 1/21 - Netzwerk Junge Bürgermeister*innen
PERSONAL-
                                                                                                     MANAGEMENT

Dies wird unweigerlich dazu führen, dass
Verwaltungsgemeinschaften gegründet wer-
den müssen oder kleinere Kommunen ein-
gemeindet werden. Letzteres bedeutet eine
versteckte Gemeindereform seitens der Lan-
desregierung, da die Kommunen den Dienst-
betrieb mit wachsender Zuständigkeit                                                                           Michael Salomo
nicht mehr aufrechterhalten können. Somit                             ist Sprecher des Netzwerks Junger Bürgermeister*innen und
                                                                 seit 2014 Bürgermeister der Gemeinde Haßmersheim im Neckar-

                                                                                                                                    Foto: Irena Klinger
geht der Service für die Bürger als auch die
Gewerbetreibenden in der Fläche verloren.                                 Odenwald-Kreis. Damals war er mit 25 Jahren der jüngste
                                                                                     hauptamtliche Bürgermeister in Deutschland.
Wie kann aus Ihrer Sicht ein Ausbildungs-
beruf im öffentlichen Dienst für junge
Leute wieder attraktiver gemacht werden?
                                                                                                                    ANZEIGE
Verenkotte: Grundsätzlich werden wir als
attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen.
Wir bieten flexible Arbeitszeiten, mobiles
Arbeiten und eine sehr gute Vereinbarkeit
von Beruf und Familie. Ein umfassendes
Fortbildungsangebot, Aufstiegsmöglichkei-
ten – das macht uns für junge Menschen
                                               Alle reden.
interessant. Glücklicherweise wollen viele     Über Digitalisierung, über Breitband, über
junge Menschen auch Verantwortung
für unsere Gesellschaft übernehmen: die
                                               smarte Cities, über die Zukunft, über ...
Zukunft unseres Landes aktiv mitgestal-
ten. Die Rahmenbedingungen aber müssen
wir dringend den Erfordernissen einer sich
wandelnden und digitalisierten Gesellschaft    Wir machen.
anpassen. Einzelne Gesetzesänderungen rei-
chen da nicht. Wir arbeiten da gerne mit.
                                               Und kümmern uns um den Glasfaseraus-
                                               bau. Auch in Ihrer Region.
Welche Lösungsansätze sehen Sie, Herr
Salomo?

Salomo: Das Land Baden-Württemberg             Echte FTTH-Glasfaser.
sollte die Ausbildungszahlen an den Fach-
hochschulen des Landes deutlich erhöhen.
                                               Für die Zukunftssicherheit unserer
Des Weiteren müssen Weiterbildungen für        Kommunen.
Quereinsteiger konzipiert und flächende-
ckend angeboten werden. Der Öffentliche
Dienst als Rückgrat der Gesellschaft hat       Jetzt informieren!
die komplexe Verantwortung der Daseins-        deutsche-glasfaser.de/kommunen
fürsorge. D.h. öffentliche Sicherheit, Kran-
kenhäuser, Schulen etc. aufrecht zu erhalten
und globalen Herausforderungen, wie dem
Klimawandel, der Pandemie oder der Digita-
lisierung, gerecht zu werden.

                                                                                          WIRKommunalen 1/21                   7
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DIGITALE
     KOMMUNE

ES BRAUCHT EINEN WANDEL
Aktuelle OZG-Umsetzung hat nur wenig mit einer richtigen Digitalisierung zu tun

2017 wurde es beschlossen: Das Online-
Zugangsgesetz (OZG). Es verpflichtet Bund,
Länder und Kommunen bis Ende 2022
den Zugang zu 575 Verwaltungsleistungen
online anzubieten. Eine Mammutaufgabe!
    Die süßen Früchte des OZG locken sehr.
Würden wir sie ernten können, könnten
wirkliche Mehrwerte für die Bürger:innen,
Unternehmen und für die Verwaltungen
selbst erzielen. Gerade vor dem Hintergrund
des Fachkräftemangels könnten Städte,
Kreise und Gemeinden durch effizientere
nutzerzentrierte Prozesse eine hohe Dienst-
leistungsqualität sicherstellen und ihre Mit-
arbeitenden entlasten.

                                                                                                                                                                     Quelle: https://bit.ly/3exLIob
       Hätte, würde, könnte.
       Das positive zu Beginn
Das OZG hat eine große Dynamik in die
Diskussion rund um die Verwaltungsdigi-         Vorbereitungs-Stand auf technische Umsetzung (Stand: 26. November 2020)
talisierung gebracht. Ob das auch auf die
Umsetzung zutrifft, ist eine andere Frage.
Außerdem gibt es sehr viele hoch motivierte        Außerdem wurden die Teilnehmenden                                gen bereitgestellte Onlineservices in der
Menschen, die seit Jahren an der Umset-         gefragt, welches Wort die aktuelle Gemüts-                          Praxis immer wieder auf unterschiedliche
zung der Digitalisierung der Verwaltung         lage zum OZG am treffendsten beschreibt.                            kommunale Fachverfahren und E-Govern-
arbeiten und schon sehr gute Lösungen auf       Auch hier war das Ergebnis ernüchternd:                             ment-Portaltechnologien       treffen.   Diese
den Weg gebracht haben - und das trotz der      Chaos, Unsicherheit, Verwirrung, Zeit-                              müssen, wenn die aktuellen Rahmenbe-
anspruchsvollen Wesenszüge der öffentli-        druck und Verzweiflung waren die zentralen                          dingungen bleiben, jeweils neu individuell
chen Verwaltung. Das ist eine tolle Leistung    Begriffe.                                                           implementiert werden. Um dem entgegen-
und muss gewürdigt werden.                                                                                          zuwirken, braucht das EfA-Prinzip offene
    Schaut man zudem flüchtig auf das                                                                               Standards und Schnittstellen, um eine Inte-
OZG-Dashboard des Bundesministeriums                         Beispiel EfA –                                         roperabilität sicherzustellen. Diese sind auch
des Innern nimmt man ebenfalls einen posi-                                                                          von Kommunen konsequent einzufordern.
tiven Stand der OZG-Umsetzung wahr.                    das Einer-für-Alle-Prinzip                                      Zu bedenken ist dabei auch, dass Leis-
Über 50 Prozent der 575 Verwaltungsleis-                                                                            tungen, die im Kontext von Bundes-Aufga-
tungen sind bereits online. Schaut man aller-   Die beschriebene Stimmungslage lässt sich                           ben zur Erfüllung nach Weisung zu erbrin-
dings genauer hin, trübt sich das positive      wunderbar am aktuell diskutierten EfA-                              gen sind, in der Regel keinen oder nur einen
Bild. “Verfügbar” bedeutet, dass eine Leis-     Prinzip (Einer-für-Alle) festmachen. Die                            geringen kommunalen Bezug im Sinne der
tung in mindestens einer Verwaltung online      Idee dahinter: Bereits entwickelte Online-                          kommunalen Daseinsvorsorge haben. Auch
angeboten wird. “Online” beschreibt ledig-      Dienste können von anderen Ländern(!)                               wenn hier etwa Beratungsprozesse durch
lich den Zustand, dass eine Leistungen digi-    übernommen werden.                                                  den Bund in die kommunale Hand gelegt
tal beantragt werden kann.                          Grundsätzlich ist das Prinzip eine gute                         wurden und diese vor Ort wirksam erbracht
                                                Sache. Wenn es sinnvoll, konsequent und                             werden, sind die „IT-Prozesse“, welche es
                                                couragiert umgesetzt wird, kann es den                              zur Leistungserbringung braucht sowohl
     Lange Rede, kurzer Sinn                    „technischen Wildwuchs“ und einer damit                             für Bürger:innen sowie Unternehmen als
                                                verbundenen Steuerungsüberforderung in                              auch für die Verwaltung nicht von beson-
Betrachten wir es realistisch, werden wir die   Kommunen, aber auch im gesamten födera-                             derem Gestaltungsinteresse. Eine jeweils
mit dem OZG verbundenen Ziele bis Ende          len System, entgegenwirken. Problematisch                           örtlich individuelle Bereitstellung der IT ist
2022 - wenn wir den Begriff Digitalisierung     ist allerdings, dass es zu stark aus der Sicht                      nicht das gebotene wirksame Mittel. Für
wirklich ernst nehmen - nicht erreichen.        des Bundes und der Länder gedacht ist und                           die Nutzer:innen ist es i.d.R. nicht relevant,
Das zeigt auch eine Umfrage unter den 300       die Nutzer-/ Bürgerorientierung zu wenig                            mit welcher Fachverfahrenssoftware und
Teilnehmenden KGSt-Kongress “Digitale           fördert. Es ist also zu stark angebots- und                         wo ihre Daten verwaltet werden – solange
Kommune unplugged” (Ende 2020). Rund            zu wenig nachfrageorientiert gestaltet. Wir                         sich insbesondere ihre personenbezogenen
85 Prozent der Teilnehmenden schätzen           müssen uns immer vor Augen führen, dass                             Daten im geschützten öffentlichen Raum
ihren Vorbereitungsstand im Bereich gering      auch Kommunen Nutzerinnen des OZG sind!                             befinden. Die Bereitstellung dieser Fach-
bis mittel ein.                                 Hinzu kommt, dass selbst durch EfA-Lösun-                           verfahren ist in der digitalen Transforma-

8   WIRKommunalen 01/21
ZUKUNFT FINDET STADT - WIRKommunalen 1/21 - Netzwerk Junge Bürgermeister*innen
DIGITALE
                                                                                                                                   KOMMUNE

tion nicht mehr kommunales Kerngeschäft        gen. Es braucht ein Umdenken! Konsequent
(es besteht kaum Gestaltungsfreiheit), son-    angegangen könnten dann, über ein OZG
dern eng mit der Auftragsangelegenheit des     2.0-Nachfolgeprojekt, endlich hochwertige
Bundes verknüpft. Folglich ist die Online-     nutzerzentrierte Online-Services entstehen,
Umsetzung dieser übertragenen Aufgaben         die den gängigen Standards großer digita-
mit einer Fülle von immer wieder anderen       ler Unternehmen in Nichts nachstehen. Und
kommunalen Fachverfahren und immer wie-        genau das muss doch unsere Service-Vision
der neuen dezentralen Datenbeständen von       für die Bürger:innen und Unternehmen vor
keinem primären Interesse für das kom-         Ort sein.
munale Management. Ein Datenmanage-                Damit das gelingt, braucht es zum Bei-
ment ist in den Kommunen vor Ort sicher-       spiel bei Auftragsangelegenheiten des Bun-
zustellen. Kommunale Aufgabe ist es aber,      des (in einem ersten Schritt) einheitliche
diese Leistungen den Unternehmen sowie         Fachverfahren und darauf basierende Ser-
Bürger:innen über Online-Services zugäng-      vices, die zentral im Auftrag des Bundes
lich zu machen. Diese Services sind dann       bereitgestellt werden. Das würde auch die
unter der Maßgabe der Nutzerorientierung       Registermodernisierung mit dem unverzicht-
vor Ort zu gestalten.                          baren Once-Only-Prinzip wesentlich einfa-
                                               cher gestalten. Das Potenzial dafür hat die

                                                                                                                                                              Foto: KGSt
                                               öffentliche Verwaltung, wenn sie ihre Kraft
      Was muss sich ändern?                    im föderalen System wirksam bündelt.

Die aktuelle Ausrichtung des OZG hat bis-
her nur wenig mit einer richtigen Digitali-                                                                                                     Marc Groß
sierung zu tun. Wir konzentrieren uns zu                                                                      ist Programmbereichsleiter Organisations- und
sehr auf den Service (das Frontend) und kön-                                                                 Informationsmanagement bei der Kommunalen
nen die unzähligen, in der Fläche vorhan-                                                           Gemeinschaftsstelle für kommunales Management (KGSt).
denen Backend-Systeme nicht berücksichti-

                                                                                                                                               ANZEIGE

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                                                               turlösungen sind keine Zukunftsmusik – sie sind Grundlage für über
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                                                               Motivation ist, das Gemeinwesen zu stärken, die Umwelt zu schonen und
                                                               Vorreiter beim Klimaschutz am Bau zu sein.

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ZUKUNFT FINDET STADT - WIRKommunalen 1/21 - Netzwerk Junge Bürgermeister*innen
DIGITALE
     KOMMUNE

DIGITALE RATSARBEIT
IN STOCKELSDORF
Ein Erfahrungsbericht über die Digitalisierung vor, während und nach Corona

S
      chon seit Jahren schleppen die Stockels-   für die Einzelabfrage durch den Ausschuss-                            Zuhause Kinder betreuen müssen. Darum
      dorfer Gemeindevertreter nicht mehr        vorsitzenden. Dadurch dauern die Abstim-                              muss das Ziel sein, Sitzungen künftig auch
      ihre manilabraunen Briefumschläge mit      mungen ein bisschen. Was gibt es noch zu                              Hybrid möglich zu machen. Allerdings müs-
Sitzungsunterlagen mit sich rum, sondern         bedenken? Dürfen Teilnehmer ihren Bild-                               sen dazu alle Gemeindevertreter*innen,
ein Tablet mit einer Ratsinformationsapp.        schirm schwarz schalten, wie gewährleistet                            Mitarbeiter*innen und Gäste zustimmen.
Trotzdem: Als ich vor knapp drei Jahren          man die Öffentlichkeit, was passiert, wenn
mein Amt im Stockelsdorfer Rathaus antrat,       beim nichtöffentlichen Teil zuhause jemand
war darüber hinaus eigentlich alles analog.      mithört?                                                                             Hybride Angebote
E-Mails wurden gedruckt, mit handschrift-
lichen Notizen versehen und abgeheftet.                                                                                                sind die Zukunft
    Seitdem ist einiges passiert und das                          Gute Resonanz
lag nicht nur an Corona. Wir Kommu-                                                                                    Hybridsitzungen haben wir bislang nicht
nen haben in Richtung Digitalisierung eini-      Der erste Livegang hat gut funktioniert. Wir                          forciert, weil unser Sitzungssaal zu klein
ges zu stemmen. Da ist zum einen der 2017        streamen über einen externen Dienstleister                            für coronakonforme Ausschüsse ist und
ausgerufene DigitalPakt, der uns als Schul-      auf unserer Homepage und senden gleichzei-                            der alternative Sitzungsort - die Groß-
träger vor die Aufgabe stellt in Zusammen-       tig auf die Leinwand im Sitzungssaal. Dort                            sporthalle - keinen ordentlichen Internet-
arbeit mit den Schulen die Voraussetzungen       sind tatsächlich bei jeder Sitzung zwei Gäste                         zugang hat. Darum geht mir die Geset-
für guten digitalen Unterricht zu schaffen.      gewesen: Die Mitglieder vom Seniorenbei-                              zesänderung in Schleswig-Holstein auch
Dann das Online Zugangsgesetz (OZG),             rat; weil auf der Leinwand das Bild so schön                          noch nicht weit genug, wir müssten hybride
daher alle Verwaltungsleistungen müssen          groß ist.                                                             und digitale Ausschüsse immer zu lassen,
bis Ende 2023 online möglich sein. Und zu           Die Resonanz auf den Stream war gut.                               damit Gemeindevertreter*innen auch ohne
guter Letzt die Frage, welche rechtlichen        50 bis 60 Follower hatten wir pro Sit-                                höhere Gewalt aus wichtigen Gründen auch
Möglichkeiten wir Kommunen überhaupt             zung. Zu einer normalen Sitzung kom-                                  von zuhause teilnehmen können und alle
haben, um den Breitbandausbau weiter vor-        men vielleicht zehn Bürger*innen. Ich                                 Bürger*innen jederzeit dem Stream folgen
anzubringen. Um all das stemmen zu kön-          fand es aber schon immer spannend, auch                               können.
nen, musste Stockelsdorf erst Mal Personal
aufbauen und Konzepte erstellen. Mitten in
dieser Phase kam Corona. Im ersten Lock-
down lief bei uns in den Schulen gar nichts
digital. Ausschüsse haben wir ausfallen las-
sen und uns nur auf wenige Gemeindevertre-
tersitzungen beschränkt, die wir dann ohne
lange zu reden oder zu diskutieren abgehal-
ten haben. Allerdings gab es digitale Vorbe-
ratungen per Videokonferenz. Irgendwann
fanden dann alle Ausschüsse und Sitzungen
in der Sporthalle statt.

 Konzept für Digitale Sitzungen
Sobald es mit der Änderung des § 35a
Gemeindeordnung möglich war digitale
                                                                                                                                                                                              Foto: Gemeinde Stockelsdorf

Ausschüsse abzuhalten, haben wir in Sto-
ckelsdorf unsere Hauptsatzung entspre-
chend angepasst. Seit dem 10. November
dürfen wir online und digital tagen. Die
letzte Gemeindevertretung im Jahr 2020
war trotzdem noch analog, aber wir haben         Julia Samtleben macht es vor. Headset und Webcam gehört inzwischen wie selbstverständlich in jedes Bürgermeister*innen-Büro.
mit Feuereifer an unserem Konzept für digi-
tale Sitzungen gearbeitet. Inzwischen ist das
Konzept alleine 40 Seiten lang. Es gab ein-      Bürger*innen an den Sitzungen teilneh-
fach viel zu bedenken: Wie stimmen wir ab?       men zu lassen, die es nicht in den Sitzungs-
Per „echtem“ Handzeichen, per digitalem          saal schaffen. In Schleswig-Holstein bie-                                                                               Julia Samtleben
Handzeichen? Schied beides aus, weil man         tet der Offene Kanal den Kommunen an,                                                 ist im März 2018 im Alter von 37 zur Bürgermeisterin
bei 29 Teilnehmern nicht alle gleichzeitig im    die Sitzungen live zu übertragen. Zum Bei-                                                              von Stockelsdorf gewählt worden.
Bild haben kann. Also entscheiden wir uns        spiel, weil sie noch bei der Arbeit sind oder

10   WIRKommunalen 01/21
FAIRER
                                                                                                                             HANDEL

„HAUPTSTADT DES
FAIREN HANDELS“
Zehnte Ausgabe des Wettbewerbs hält Neuerungen parat

                                                                                                                                                    Foto: Jörg Loeffke/Engagement Global
Alle Gewinnerkommunen des Wettbewerbs 2019

D
     er Wettbewerb „Hauptstadt des Fairen        gezeichnet, die sich für Fairen Handel und
     Handels“ geht 2021 in seine zehnte
     Runde! Für dieses kleine Jubiläum
                                                 Faire Beschaffung einsetzen. Bewerben kann
                                                 man sich sowohl mit langfristigen Maßnah-
                                                                                               WAS UND WIE AUSGEZEICHNET WIRD
hat sich die Servicestelle Kommunen in der       men und Strategien als auch mit einzelnen     Eine unabhängige Jury bestimmt alle zwei
Einen Welt von Engagement Global zwei            außergewöhnlichen Aktionen. Diese müssen      Jahre die Preisträgerinnen und Preisträger
Neuerungen ausgedacht: Erstmals können           bei Einsendeschluss noch in der Umsetzung     des Wettbewerbs. Die Kommune, die die
neben Städten und Gemeinden auch Land-           oder abgeschlossen sein, dürfen aber nicht    besten und kreativsten Projekte präsentie-
kreise am Wettbewerb teilnehmen. Eine            länger als fünf Jahre zurückliegen. Es gilt   ren kann, wird zur „Hauptstadt des Fairen
weitere Neuerung ist das Online-Bewer-           der Stichtag 1. Januar 2016. Bis zu 40 Pro-   Handels ” gekürt. Dazu verleiht die Servi-
bungsverfahren, das den Kommunen die             jekten können eingereicht werden.             cestelle Kommunen in der Einen Welt von
Teilnahme erleichtern soll.                         Den zehn Gewinnerkommunen winken           Engagement Global der Gewinnerkommune
   Die Idee es Wettbewerbs unter der             Preisgelder im Gesamtwert von 250.000         ein eigens entwickeltes Signet, das sie für
Schirmherrschaft von Bundesentwicklungs-         Euro. Auch alle nicht ausgezeichneten         ihre künftigen Marketingaktivitäten führen
minister Gerd Müller ist die gleiche geblie-     Städte, Gemeinden und Landkreise haben        darf, und überreicht ein Preisgeld.
ben: Es werden Kommunen gesucht und aus-         gute Chancen, wertvolle Lospreise, darunter
                                                 Strategie-Beratungen,    Videoproduktionen    Die eingereichten Projekte müssen einen
                                                 oder Fotoshootings, zu gewinnen.              klar erkennbaren Bezug zum Fairen Handel
                                                    Diese Preise werden im Rahmen der offi-    oder der Fairen Beschaffung haben. Hier-
                                                 ziellen Preisverleihung am 23. September      mit ist die Berücksichtigung und Einhaltung
   DIE BISHERIGEN HAUPTSTÄDTE                    2021 in Neumarkt in der Oberpfalz, amtie-     grundlegender Arbeits- und Sozialstandards
   DES FAIREN HANDELS                            rende Hauptstadt des Fairen Handels, unter    in der Produktion sogenannter „sensibler
                                                 allen sich beteiligenden Kommunen verlost.    Produkte“, wie zum Beispiel Textilien, Natur-
   Der 2003 ins Leben gerufene Wettbewerb        Außerdem profitieren alle Kommunen von        steine und Lebensmittel aus Ländern des
   „Hauptstadt des Fairen Handels“ wird vom      einem großen Lernnetzwerk und erhalten        Globalen Südens gemeint. In Abgrenzung
   Bundesministerium für wirtschaftliche         2022 die Gelegenheit, kostenlos an zwei von   hierzu sollte der inhaltliche Schwerpunkt
   Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)          der SKEW organisierten Erfahrungsaustau-      nicht auf dem regionalen und/ oder ökologi-
   gefördert und zeigt seitdem wachsende Wir-    schen teilzunehmen.                           schen/ biologischen Konsum liegen. Solche
   kung: 2019 bewarben sich 100 Kommunen.                                                      Projekte werden nur berücksichtigt, wenn
                                                                                               ein Bezug zum Fairen Handel oder der Fairen
   Die bisherigen Preisträger des begehrten                                                    Beschaffung erkennbar ist.
   Titels waren:

   Neumarkt in der Oberpfalz (2019), Köln
   (2017), Saarbrücken (2015), Rostock (2013),   Bei Fragen rund um den Wettbewerb hilft
   Bremen (2011), Marburg (2009), Düsseldorf     das SKEW-Team gerne weiter. Schreiben
   (2007) sowie Dortmund (2005 und 2003).        Sie an hauptstadtwettbewerb.skew@enga-
                                                 gement-global.de oder rufen Sie an unter:
                                                 0228/20 717-2880.

                                                                                                                 WIRKommunalen 1/21            11
ENBW

STÄDTISCHE VERKEHRSPLANUNG
VERDIENT INTELLIGENTE LÖSUNG
Sicherheit und Komfort müssen kein Widersprich sein

S
     mart geleitet – sicher gestoppt. Dieses
     Motto bringt die Funktionen und Auf-
     gaben des intelligenten Sperranlagen
Systems BarrierSystems der EnBW auf den
Punkt. Das Innovationsprojekt ist inner-
halb des Baden-Württembergischen Ener-
gieversorgers in der Sparte Kritische Infra-
struktur angesiedelt. EnBW BarrierSystems
macht innerstädtische Plätze und Quartiere
sicherer und durch intelligente Verkehrsleit-
systeme zugleich lebenswerter. Die großen
Herausforderungen in den Stadtzentren sind
fast überall die gleichen: verstopfte Straßen,
chronischer Parkplatzmangel, ungesunde
Abgase, Parken in zweiter Reihe und nächt-

                                                                                                                                                                                          Foto: EnBW BarrierSystems
licher Lärm durch aufheulende Motoren.
Viele Bürger fordern von ihren Kommunen
deshalb eine neue Mobilitätsstrategie und
perspektivisch eine Beruhigung des Ver-
kehrs.
    Diese Herausforderungen hat die EnBW         EnBW BarrierSystems ermöglicht eine gezielte Verkehrsberuhigung- sowie steuerung in Innenstädten
erkannt und bietet mit BarrierSystems eine
individuelle Lösung für Städte und Kom-
munen. In Kombination mit Schranken oder         wenig wie möglich und so viel wie nötig reg-                        Gesamtlösung. Die Systemmöglichkeiten rei-
automatisch versenkbaren Pollern kann das        lementiert. Dadurch entsteht mehr Freiraum                          chen dabei von der Verkehrsberuhigung über
Sperranlagensystem den Verkehr steuern.          für Bürger.                                                         faire Parkplatzregelungen bis hin zur Sicher-
Das System lässt autorisierte Fahrzeuge wie         Der webbasierte Control Hub dient als                            heit von öffentlichen Einrichtungen.
kommunale Ordnungsdienste, Rettungs-             Kontrollsystem zur Fernwartung der Sperr-                               Mit BarrierSystems bietet die EnBW ein
kräfte oder Fahrzeuge mit Durchfahrts-           anlagen und zur Visualisierung der Situa-                           intelligentes Sperranlagensystem, das es
berechtigung von Anwohnern oder Liefer-          tion vor Ort. Mit Hilfe des Kontrollsystems                         Kommunen und Städten ermöglicht, unter-
diensten zuverlässig durch. Nicht berechtigte    können einzelne Fahrzeuge auch eine tem-                            schiedlichen Interessen im Straßenverkehr
Fahrzeugen jedoch bleiben draußen.               poräre Einfahrerlaubnis bekommen.                                   gerecht zu werden und gleichzeitig die Sicher-
                                                                                                                     heit im öffentlichen Raum zu verbessern.

 Intelligente Verkehrssteuerung                            Gut geschützte Daten
Das Besondere der EnBW Lösung ist: Im            Ein unberechtigter Zugriff auf die Bildauf-
Gegensatz zu starren Schranken oder Hin-         nahmen der Stele ist nicht möglich. Die Bil-
dernissen scannt und erkennt EnBW Bar-           der sind streng gesichert – entsprechend den
rierSystems jedes heranfahrende Fahrzeug.        geltenden Vorgaben des Datenschutzes. Die
Möglich machen das Kameras in Steue-             künstliche Intelligenz wertet sie nur auf dem
rungsstelen am Straßenrand. Die Fahrzeuger-      lokalen Rechner in der Stele aus und löscht
kennung und Sperranlagensteuerung erfolgt        sie anschließend sofort wieder. Eine Nach-
automatisch und völlig autark in der Stele via   verfolgung ist technisch nicht möglich.
Multisensorik. Die innerhalb der Stele inte-
grierte künstliche Intelligenz analysiert die
Kamerabilder und erkennt autorisierte Fahr-      Kompatibel für Bestandsanlagen
zeugtypen wie Polizei und Rettungswagen.
Das bedeutet konkret, dass das System täg-       Mit dem flexiblen und modularen Kon-
lich dazulernt und auch ortsfremde Hilfs-        zept lassen sich auch Bestandsanlagen in die
                                                                                                                                                                                        Foto: Privat

kräfte erkennt. Je nach Situation öffnet oder    zukunftsorientierte Lösung von EnBW Bar-
schließt es dann die Sperranlage. Die ver-       rierSystems einbinden. Erneute Planungen,
senkbaren Poller garantieren so eine flexible    etwaige Tiefbauarbeiten und zusätzliche Pro-
und sichere Zufahrtsregelung und das System      jektkosten gibt es deshalb nicht. Bei Neu-                                                                              Garlef Eder
sichert Plätze oder beruhigt den Verkehr in      projekten analysieren die EnBW-Spezialisten                                                    Sales & Business Development Manager
bestimmten Zonen – nicht pauschal, sondern       mit allen Projektpartnern die Situation und                                                                      EnBW BarrierSystems
individuell nach Bedarf. Der Verkehr wird so     entwickeln gemeinsam eine zukunftssichere

12   WIRKommunalen 01/21
Smart geleitet -
sicher gestoppt »
EnBW BarrierSystems ist ein Zufahrtsmanagement zur
Verkehrsberuhigung in Innenstädten und zur Sicherung
schützenswerter Bereiche. Dabei werden Fahrzeuge mittels
künstlicher Intelligenz automatisch erkannt und autorisierten
Fahrzeugen die Zufahrt über absenkbare Poller gewährt.

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Informationen unter www.enbw.com/barriersystems
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                                            WIE PREISWERTEN
                                            WOHNRAUM SCHAFFEN?
                                            Im Landkreis Fürth haben mehrere Kommunen eigene Wohnungsbaugenossenschaften

                                                                                                                                                                          Gemeinsame WBG gegründet
                                                                                                                                                                       Seit 2019 sei man aber mit der direkt an
                                                                                                                                                                       Zirndorf angrenzenden Stadt Oberasbach
                                                                                                                                                                       verbunden. Bereits 80 Bestandswohnun-
                                                                                                                                                                       gen würden dort betreut, und man sei „in
                                                                                                                                                                       Voranfrage“ zu einem größeren Projekt des
                                                                                                                                                                       geförderten Wohnungsbaus.
                                                                                                                                                                          Mit der Marktgemeinde Wilhermsdorf
                                                                                                                                                                       wurde die gemeinsame WBG erst 2020
                                                                                                                                                                       gegründet, die WBG Zirndorf/Wilherms-
                                                                                                                                                                       dorf GmbH & Co. KG. Unternehmens-
Alle Fotos: Heinz Wraneschitz bildtext.de

                                                                                                                                                                       zweck: „Die Entwicklung, Verwertung,
                                                                                                                                                                       Errichtung, Betreuung, Bewirtschaftung
                                                                                                                                                                       und Verwaltung von Liegenschaften, die
                                                                                                                                                                       im Eigentum des Marktes sind“, dazu „die
                                                                                                                                                                       Durchführung städtebaulicher Aufgaben,
                                                                                                                                                                       insbesondere Sanierungsmaßnahmen und
                                                                                                                                                                       Entwicklungsmaßnahmen“.
                                            Das eindrucksvolle Ritterhaus am Marktplatz in Wilhermsdorf wurde jetzt von der WBG Zirndorf-Wilhermsdorf gekauft.
                                            Zuvor war es im Besitz der Ex-Unternehmerfamilie Stegner-Stechert.
                                                                                                                                                                                 Das Projekt Ritterhaus

                                  B
                                                  ezahlbarer Wohnraum ist nicht nur                                im Landkreis Fürth tätig. Die WBG besitzt           Das so genannte Ritterhaus am Wilherms-
                                                  in Großstädten knapp, sondern auch                               eigene Objekte im Stadtgebiet Zirndorf und          dorfer Marktplatz ist das erste Projekt, das
                                                  am Land, gerade im Speckgürtel von                               verwaltet mittels Geschäftsbesorgungsver-           die Wohnungsbaugesellschaft WBG Zirn-
                                            Metropolen wie München oder Nürnberg.                                  trag Objekte weiterer Kommunen“, heißt es           dorf/Wilhermsdorf anpackt. Eingeweiht
                                            Im Landkreis Fürth unweit der mittelfrän-                              vonseiten des Unternehmens.                         1770, ist es nach der Hauptkirche sicher das
                                            kischen Städteachse versuchen Kommunen,                                   Von Geschäftsführer Timo Schäfer ist zu          repräsentativste Gebäude des Orts.
                                            das Problem mit eigenen Wohnungsbauge-                                 erfahren: Momentan besteht diese Koopera-              Das Ritterhaus befand sich in öfters
                                            sellschaften (WBG) zu entschärfen. Einige                              tion mit zwei Gemeinden im Landkreis. Mit           wechselndem Privatbesitz. In den letzten
                                            setzen dabei auf Kooperation mit bereits                               dem kleinen Ort Obermichelbach bekam                Jahren wurde es großteils als Wohnraum
                                            bestehenden WBGs.                                                      die WBG Zirndorf dagegen keine Koope-               genutzt.
                                                Die Stadt Langenzenn hat bereits seit                              ration zustande: Mit der denkbar knap-                 Im Gemeinderat von Wilhermsdorf
                                            vielen Jahren eine kommunale WBG. 1962                                 pen 9:8-Mehrheit entschied sich der dortige         herrschte Einvernehmen, dass die Gemeinde
                                            gegründet, vermietet sie aktuell 191 eigene                            Gemeinderat dagegen.                                versuchen sollte, das Prunkstück zu über-
                                            Wohnungen. „Unser Auftrag ist im Wesent-
                                            lichen die Versorgung von breiten Schichten
                                            der Bevölkerung mit preiswertem Wohn-
                                            raum.“ Doch der Tätigkeitsbereich ist allein
                                            auf das Gebiet der 10.000-Einwohner-Stadt
                                            Langenzenn beschränkt.
                                                Langenzenns Bürgermeister Jürgen Habel
                                            wurde bei der Kommunalwahl 2020 zum
                                            zweiten Male im Amt als 1. Bürgermeister
                                            bestätigt. 2008 war er im Alter von 30 Jah-
                                            ren als Nachfolger des langjährigen Amts-
                                            inhabers Manfred Fischer gewählt worden.
                                            Als Aufsichtsratsvorsitzender der Woh-
                                            nungsbaugesellschaft WBG Langenzenn hat
                                            er sein selbst gestelltes Ziel, „Langenzenn in
                                            allen denkbaren Belangen zu fördern und zu
                                            perfektionieren“ ganz genau im Blick.
                                                 Die größte Stadt im Kreis, Zirndorf,
                                            nennt ebenfalls eine WBG ihr Eigen. Die
                                            existiert sogar schon seit 1935. „Als kom-
                                            munales Wohnungsunternehmen sind wir                                   Juergen Habel. 1. Buergermeister Stadt Langenzenn   Ritterhaus Wilhermsdorf: Treppenaufgang und CA-Wappen

                                            14    WIRKommunalen 01/21
nehmen. Und mit Hilfe der neu gegrün-        mit Zirndorf. „Hier bleiben wir Eigentü-                           geförderten Wohnraum zu günstigem Preis
deten WBG gelang das nun auch. Eine          mer von Grundstücken und Objekten“, hatte                          realisieren“ will Perlhofer. Ein Ziel, das
repräsentative Miet-Nutzung des Rit-         Bürgermeister Uwe Emmert (CSU) argu-                               ganz offensichtlich in beiden Kooperations-
tersaals nebst Nebenräumen im Oberge-        mentiert; im Fürther Modell dagegen gingen                         formen umsetzbar ist.
schoss wäre wohl möglich. Und auch im        sanierte Häuser und Grund in den Besitz der
– vom Marktplatz barrierefrei zugäng-        WBG Land GmbH über.
lichen – Erdgeschoss soll wieder Leben          Und so kooperiert die Großstadt-WBG
einkehren, egal ob Bewirtung oder            zurzeit nur mit zwei Kreiskommunen: „Wir
Regionalmarkt.                               haben die Gesellschaft gegründet gemein-
    „Uns liegt die Belebung des Markt-       sam mit den Marktgemeinden Roßtal und                                                „Uns liegt die Belebung
platzes am Herzen“, nennt Bürgermeis-        Cadolzburg“, bestätigt Geschäftsführer Rolf
ter Uwe Emmert seinen Herzenswunsch.         Perlhofer. Erste Projekte sind bereits ent-                                                 des Marktplatzes
                                             standen oder in Planung.
                                                So wurde in Roßtal ein Interimskinder-                                                        am Herzen.“
  Das Konzept macht Schule                   garten errichtet und an die Marktgemeinde
                                             vermietet. In Cadolzburg entstehen neun                                                                          Uwe Emmert
In Wilhermsdorf fiel eine andere mögli-      Stadthäuser, wenn auch zum Kauf über ein                                                                     1. Bürgermeister,
che Zusammenarbeit durchs Raster: Die        Modell, das Einheimischen einen Nachlass                                                                   Markt Wilhermsdorf
mit der WBG der Stadt Fürth. Die hatte       einräumt. „Aber wir stehen in weiteren Ver-
ihr Angebot „WBG Fürth Land GmbH“            handlungen und Vorplanungen für mehrere
mit den Partner-Kommunen als Gesell-         Projekte“; konkreter wird der WBG-Fürth-
schafter im Marktgemeinderat ebenfalls       Chef jedoch nicht.
vorgestellt.                                    „Wir hoffen, dass das Konzept Schule
   Doch Wilhermsdorf entschied sich          macht und würden es auch anderen öffnen.
gegen die gemeinsame WBG Fürth-              Denn Wohnraum in ländlichen Gemein-                                                                         Heinz Wraneschitz
Land-GmbH und für die Kooperation            den wird nachgefragt. Hochwertigen, auch

                                                                                                                                                                     ANZEIGE

                                          EOF / ÖFFENTLICH GEFÖRDERTER WOHNRAUM
                                          SOZIAL UND ÖKOLOGISCH NACHHALTIG
                                          Die Unternehmensgruppe der                 insbesondere im ländlichen Raum!          projektieren einzelne Gebäude,
                                          DAUTRUS CAPITAL AG hat sich mit                                                      bauen selbst neu oder renovieren
                                                                                     Ziel und Zweck ist die Schaffung und
                                          Unterstützung ihres neu gegründeten                                                  bestehende Leerstände mit ökolo-
                                                                                     Bereitstellung von bezahlbarem und
                                          Tochterunternehmens, PATRONA REAL                                                    gisch-nachhaltigen und wirtschaft-
                                                                                     ökologisch nachhaltigem Wohnraum
                                          ESTATE GmbH, auf die Erstellung und                                                  lichen Konzepten. Bürgermeister,
                                                                                     als Partner der staatlichen Daseinsvor-
                                          die Bestandhaltung von Öffentlich                                                    Landräte und alle zuständigen
                                                                                     sorge. Die Gründung der PATRONA
                                          gefördertem Wohnungsbau, insbe-                                                      Partnerinstitutionen laden wir ein,
                                                                                     Real Estate GmbH erfolgte mit dem
                                          sondere „EOF“ (Einkommensorien-                                                      VLFKGDV$QIRUGHUXQJVSURƓODXI
                                                                                     Ziel, bis zum Jahr 2026 bis zu 4.000
                                          tierte Förderung) spezialisiert. Schwer-                                             www.patrona-real-estate.de
                                                                                     Mietwohnungen zu erstellen und
                                          punktregionen sind hierbei der Frei-                                                 anzusehen.
                                                                                     diese selbst zu verwalten.
                                          staat Bayern, Hessen, Baden-Würt-
                                          temberg und Thüringen. Auch und            Wir entwickeln neue Baugebiete,

                                                                                     DAUTRUS CAPITAL Aktiengesellschaft Mobil: +49 171 813 1111
                                                                                     Kisseleffstr. 17 | 61348 Bad Homburg Mail:info@dautrus-capital.com
                                                                                     Telefon: +49 6172 9084384            Web: www.dautrus-capital.com

                                                                                                                                         WIRKommunalen 1/21               15
KINDER UND
               JUGEND

        KOMMUNALPOLITIK VON DER
        SCHLECHTESTEN SEITE
        Über überholte Klischeebilder von Bürgermeister*innen (nicht nur) in Kinderbüchern

                                                        Schwein“ aus dem Bambini-Verlag. Jener           Beispiele sicher nicht zum Berufswunsch von
                                                        wird erst von der Bürgerschaft auf den           Kindern für die Zukunft bei. Bei Prime und
                                                        rechtschaffenden Weg gebracht. Sollte es         Netflix erleben jene wie Politik scheinbar
                                                        wohlgemeinte Satire sein, so zielen die Auto-    funktioniert, leider an der Realität vorbei.
                                                        ren doch merklich am Tor vorbei. Auch Jan           Wir sind es gewohnt der greifbare Blitz-
                                                        Böhmermann, beziehungsweise sein Alter           ableiter für „die da oben aus der Politik“
                                                        Ego Polizistensohn, hat unseren Berufsstand      zu sein, gerade in Zeiten steigender Poli-
                                                        Ende 2020 in seinem Song „Bürgermeister“         tikverdrossenheit. Das stört uns mal mehr,
                                                        aufgegriffen. Der Clip verzeichnet bis heute     mal weniger. Aber eines ist klar: wir wol-
                                                        mehr als 1,3 Millionen Klicks bei YouTube.       len verändern. Jedenfalls tragen die jungen
                                                                                                         Bürgermeister*innen ihren Teil dazu bei,
                                                                                                         dass sich das negative Image unseres Berufs
                                                              Das Phänomen ist nicht                     ändern muss und kann. Notfalls beziehen
                                                                                                         wir selbst zu Böhmermann Stellung. Wir
                                                                    unbekannt                            werden stetig mehr und wir sind anders.
                                                                                                         Hinterzimmer-Deals wie beim Polizisten-
                                                        Bereits 2005 hat Politikwissenschaftler Gerd     sohn, auf Prime oder in den Kinderbüchern
                                                        Strohmeier in der Zeitschrift „Aus Politik       beschrieben, sind überhaupt nicht unsere
                                                        und Zeitgeschichte“ den Beitrag „Politik         Sache. Wir sind jung und nah an unseren
                                                        bei Benjamin Blümchen und Bibi Blocks-           Bürgerinnen und Bürgern. Ob in Hessen,
                                                        berg“ veröffentlicht und unter anderem           Baden-Württemberg, Bayern oder andern-
                                                        dem SPIEGEL hierfür Rede und Antwort             orts. Aus dem Grunde sagen wir laut und
                                                        gestanden. Er hält das Politikbild, in dem       klar: „Hey, das Bild ist Fake.“
                                                        von ihm untersuchten Hörspielfolgen, für            Vielerorts nehmen wir wahr, dass Men-
                                                        „sehr bedenklich“. In beiden Serien wer-         schen sich nicht mehr für ein politisches
                                                        den die Politiker durch den Bürgermeister        Mandat zur Verfügung stellen wollen –

        K
              inder lernen Bürgermeister medial         von Neustadt repräsentiert. Jener ist inkom-     sei es im lokalen Kommunalparlament als
              meist auf negative Weise kennen. Sie      petent, korrupt und immer nur an seinem          Ehrenamt, oder bei der Übernahme eines
              denken dabei nicht zuerst an die sym-     eigenen Wohl interessiert. Er übergeht stän-     öffentlichen Amts. Die Bereitschaft hierzu
        pathische Frau aus dem Rathaus, die das         dig den Stadtrat. Entscheidungen werden          sinkt, wie selbst Prof. Dr. Paul Witt, inzwi-
        Sommer-Ferienprogramm organisiert. Oder         nicht demokratisch, sondern autokratisch         schen pensionierter Rektor der Hochschule
        den jungen Mann, der ihnen zu St. Mar-          getroffen. Seine Assistenten müssen ihn mit      für öffentliche Verwaltung in Kehl (Baden-
Foto:

        tin lachend Hefegänse in den Kindergar-         „Majestät“ ansprechen.                           Württemberg) schildert. Dabei braucht es
        ten bringt. Ihre Vorstellung ist eine andere,       Ein Bild, das längst nicht dem aktuel-       gerade uns „Junge“, die zeigen wie Mitbe-
        geprägt von TV, Netflix, Prime und Kon-         len Zeitgeschehen entspricht. Nämlich dem,       stimmung und Politik für die nachfolgende
        sorten. Der/die Bürgermeister*in als umtrie-    dass es agilen jungen Bürgermeister*innen        Generation geht.
        biger Taugenichts. Die Liste der zugeschrie-    nicht gleichgültig ist, wie ihr Berufsstand          Deshalb lassen wir uns auch nicht vom
        benen Attribute für das Gemeindeoberhaupt       öffentlich in ein falsches Licht gerückt wird.   Zeichentrick-Image klein kriegen und wer-
        ist lang: hinterhältig, machtversessen, ver-    Die bei fortschreitender Digitalisierung         den 2021 unsere eigene Geschichte in einem
        logen, geldgierig, trottelig, grenzdebil und    nicht nur in Sozialen Netzwerken als Pio-        Kinderbüchlein erzählen. Denn ohne uns
        inkompetent. Die Summe an Adjektiven            niere vorangehen, Schritt halten und vie-        läuft in den Gemeinden nichts. Sei es bei-
        ließe sich beliebig fortsetzen.                 lerorts längst Musterkommunen bei Par-           spielsweise auf dem Spielplatz, im Kinder-
            Vor allem ist der Bürgermeister eines: er   tizipation und Bürgerbeteiligung sind. Die       garten oder im Freibad. Unser Berufsstand
        ist nicht ehrlich, also genau jenes was alle    transparent und proaktiv mit Mitarbeiten-        kann mehr und dass zeigen wir künftig auch
        Eltern ihren Kindern als Grundtugend zu         den und Bürgerschaft kommunizieren.              den Kleinsten. Versprochen mit Bürgermeis-
        vermitteln versuchen. So ist es bei Benjamin                                                     ter-Ehrenwort.
        Blümchen, Bibi Blocksberg, den Simpsons,
        den Fellfreunden von der PAW PATROL                       Bürgermeister 4.0
        oder bei anderen Kinderserien. Meist ent-
        sprechen die Bürgermeister dem gängigen         Fast könnte man zum Ergebnis kommen,
        Klischee machtversessener Männer fort-          dass der Bürgermeister als der „Bad Boy“
        geschrittenen Alters. In den Bilderbüchern      von Übermorgen von Kindesbeinen heran-
        wird zuweilen das gleiche Bild gezeich-         gezogen wird. Ist das überzeichnet? Das Bild
        net, mal bewusst mal unterschwellig. Dass       von „Bürgermeister Besserwisser“ und der                                                  Martin Aßmuth
        man als Kind keinesfalls einem Bürgermeis-      naiven „Bürgermeisterin Gutherz“ bei der                         (*1979), seit dem 16.07.2018 Bürgermeister
        ter über den Weg trauen darf, schildert das     Paw Patrol mag im ersten Moment durchaus                            der Gemeinde Hofstetten (Ortenaukreis)
        kleine Taschenbuch „Das Bürgermeister-          witzig sein. Faktisch tragen die geschilderten

        16   WIRKommunalen 01/21
KINDER UND
                                                                                                                                                                       JUGEND

MEHR PARTIZIPATION UND
WENIGER POLITIKVERDROSSENHEIT
Die digitale Wahlhilfe „Voto“ soll vor allem junge Menschen dazu bringen,
sich über die Kommunalwahl und die Kandidaten zu informieren.
                                                                                                                                     wahl in Hessen ausprobieren: „Unter mehr
                                                                                                                                     als 434 Kandidierenden eine Entscheidung
                                                                                                                                     zu treffen, hat mich anfangs echt überfor-
                                                                                                                                     dert. VOTO hat mir aber in kürzester Zeit
                                                                                                                                     geholfen, die Kandidat:innen zu finden, die
                                                                                                                                     zu meinen Vorstellungen passen“. Befra-
                                                                                                                                     gungen unter weiteren VOTO Nutzerinnen
                                                                                                                                     und Nutzern in Hessen zeigten, dass VOTO
                                                                                                                                     die Absicht wählen zu gehen um 40 % stei-
                                                                                                                                     gerte und dass 73 % nach der Nutzung von
                                                                                                                                     VOTO motiviert waren, sich weiter über die
                                                                                                                                     Wahlen zu informieren.
                                                                                                                                        Darüber hinaus konnte in politikwissen-
                                                                                                                                     schaftlichen Studien bereits herausgefun-
                                                                                                                                     den werden, dass das Angebot einer Wahl-
                                                                                                                                     hilfe die allgemeine Wahlbeteiligung bis zu
                                                                                                                                     6 % und die Wahlwahrscheinlichkeit von
                                                                                                                                     Jugendlichen bis zu 26 % erhöhen kann.

VOTO ist eine von der Robert Bosch Stiftung geförderte digitale Wahlhilfe, in der die Kandidat:innen einer Wahl in den Mittelpunkt
gestellt werden.                                                                                                                          Von der Idee zum Einsatz

L
     eider ist bei Kommunalwahlen die                                      fien, sozial benachteiligte Personen, Frauen              „Ein Wahl-O-Mat muss immer an die Situ-
     Wahlbeteiligung erfahrungsgemäß eher                                  und junge Menschen. Die Unterschiede der                  ation vor Ort angepasst sein“, sagt Steffen
     gering. Dem entgegenwirken möchte                                     Wahlbeteiligung waren in der Geschichte                   Schuldis. „Um die relevanten politischen
der gemeinnützige Verein Team Tomorrow                                     der Bundesrepublik noch nie so groß wie                   Fragestellungen herauszuarbeiten, schauen
mit seiner digitalen Wahlhilfe VOTO. Nach                                  heute. Bei den Bundestagswahlen 2017 war                  wir uns die Bedürfnisse der Kommune
einem erfolgreichen Test in Stuttgart 2019, ist                            die Wahlbeteiligung in der Altersgruppe der               genau an“. Team Tomorrow stellt daher
VOTO dieses Jahr bei den hessischen Kom-                                   21-24-Jährigen um 14 Prozentpunkte niedri-                nicht nur VOTO zur Verfügung, sondern
munalwahlen für über eine Million Wahl-                                    ger als in der Gruppe der 60-69-Jährigen.                 unterstützt Kommunen während des gesam-
berechtigte nutzbar. Der nächste geplante                                      Eine informierte Wahlentscheidung für                 ten Prozesses durch individuelle Redaktion-
Einsatz erfolgt bei der der Kommunalwahl in                                eine Partei oder eine Kandidatin bzw. einen               Workshops, Wählermobilisierung und Bera-
Niedersachsen im September 2021.                                           Kandidaten zu treffen, ist häufig kompli-                 tung. So möchte Team Tomorrow erreichen,
    In VOTO wird ein Profil der Kandida-                                   ziert, gerade wenn man auch noch Kumu-                    dass es in Zukunft bei Kommunalwahlen
tinnen und Kandidaten angelegt, in dem                                     lieren und Panaschieren kann. Oft stehen                  nur noch heißt: „Wählen? Einfach!“
alle wichtigen Informationen zu diesen und                                 gerade bei Kommunalwahlen mehrere Hun-
deren politischen Standpunkten gesammelt                                   dert Kandidat*innen zur Wahl, die Wahl-
werden. Die Wählerinnen und Wähler wie-                                    zettel sind sehr groß. Nicht nur junge Men-
derum geben in die App ein, welche Themen                                  schen fühlen sich davon häufig überfordert.
für sie relevant sind. Ein transparenter Algo-                                 Steffen Schuldis, Vorstandsvorsitzender
rithmus matcht jeweils die Wähler:innen                                    von Team Tomorrow, zieht daraus folgende
und Kandidat:innen mit ähnlichen Präfe-                                    Konsequenz: „Wenn wir auch in Zukunft
renzen, sodass Informationen gebündelt und                                 eine lebendige, partizipative und demokra-
übersichtlich präsentiert werden können.                                   tische Gesellschaft haben wollen, müssen
Das passiert in wenigen Minuten und voll-                                  wir uns heute schon um die Einbindung
kommen digital.                                                            der Jugend bemühen“. Vor allem für junge
                                                                           Menschen müssen die Wahlen also attrakti-
                                                                           ver werden, indem diese verständlicher und
         Wählen einfach machen                                             digitaler werden. Denn politische Informa-
                                                                           tionen werden von Jugendlichen vor allem
                                                                                                                                                                                                  Foto: ???

In den letzten Jahrzehnten hat die Wahlbe-                                 über das Internet und das Smartphone
teiligung auf allen Ebenen des politischen                                 recherchiert. VOTO möchte genau an die-
Systems stark abgenommen. Besonders bei                                    ser Stelle ansetzen und junge Menschen für
Kommunalwahlen gehen oft weniger als 50                                    Wahlen und Kommunalpolitik begeistern.                                                               Julius Oblong
% der Berechtigten zur Wahl. Noch seltener                                     Die Erstwählerin Raja (18, Marburg)                                  Vorstand für Finanzen , Team Tomorrow e. V.
wählen Menschen mit Migrationsbiogra-                                      konnte VOTO schon bei der Kommunal-

                                                                                                                                                        WIRKommunalen 1/21                  17
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