2018 Dezember - Programm

2018 Dezember - Programm
Programm




2018   Dezember



             Wir wünschen Ihnen schöne
             Festtage und viel Freude mit
             unseren Programmen.
2018 Dezember - Programm
2 Editorial

                                                                                                                                                                                Inhalt
                                                                                                                              Liebe Hörerinnen
                                                                                                                              und Hörer,
Holger Hettinger, Christoph Schmitz und Thorsten Mathieu (v. l.)




                                                                                                                                                                                   2 Editorial
© Deutschlandradio/Bettina Fürst-Fastré (2), Bettina Straub




                                                                                                                  zugegeben: Musik und Weihnach-                                   3 Aktuell
                                                                                                                                                                                     Sendereihe ‚Mensch und Natur‘
                                                                                                                  ten – kein spannungsfreies Thema.
                                                                                                                                                                                     im Deutschlandfunk
                                                                   In Kaufhäusern, auf Wintermärkten, ja sogar an Tankstellen wird man mit zucker-
                                                                                                                                                                                   4 Musik
                                                                   süßen Varianten von Weihnachtsliedern unterhalten, und das gefühlt seit Sep-
                                                                                                                                                                                     Kubanische Musik als
                                                                   tember. Doch auch wenn man der Beschallung kritisch gegenübersteht: Musik                                         Lebenswirklichkeit
                                                                   zu Weihnachten – das macht etwas mit einem. Man muss sich dazu verhalten –                                        Verleihung des 4. Internationalen
                                                                   so wie es Komponisten aller Epochen getan haben und mal festliche, mal nach-                                      Beethovenpreises an Gabriela
                                                                   denkliche, mal ruppige Klänge als Reflexion des Weihnachtsgeschehens ge-                                          Montero
                                                                   schrieben haben.                                                                                                7 Reihe Landeskorrespondenten
                                                                        Im Deutschlandfunk startet das weihnachtliche Musikprogramm bereits                                          Berichte aus Baden-Württemberg
                                                                   am 23. Dezember mit John Adams’ Weihnachtsoratorium ,El Niño‘ – eine mini-                                      8 Literatur
                                                                   malistische Variante von Händels ,Messias‘. Charaktervolle Eigenproduktionen                                      Lyrik lesen – Gedichte im Gespräch
                                                                   von Klassik bis Jazz zum Fest bieten wir an Heiligabend mit unserer traditio-                                     Joshua Groß liest aus ‚Flexen in Miami‘
                                                                   nellen ,Radio-Bescherung‘, und im anschließenden ,Musik-Panorama‘ erklin-                                      10 Feature
                                                                   gen Josef und Michael Haydn in Neueinspielungen. Dem selbstlosen Schenken                                         Monatsübersicht/Tipps
                                                                   widmet sich dann am 25. Dezember die ,Musikszene‘ über Musik-Mäzene heute.                                     14 Gastbeitrag
                                                                   Die spirituell durchfärbte 5. Sinfonie von Anton Bruckner wird am zweiten Weih-                                   Anselm Rose
                                                                   nachtstag zu erleben sein.
                                                                        Deutschlandfunk Kultur öffnet mit der Reihe ,Jingle ohne Bells‘ an jedem                                  15 Programmkalender Dezember 18
                                                                   Dezembertag ein Türchen seines musikalischen Adventskalenders: außer­
                                                                   gewöhnliche Songs, in denen Weihnachten Auslöser ist für melancholische,                                       78 Spezial
                                                                   wohlige, aber auch nachdenkliche Geschichten – täglich in ,Studio 9 am Mor-                                       Der Campusradio-Tag 2018
                                                                                                                                                                                     im Deutschlandfunk
                                                                   gen‘ und in der ,Tonart‘. Weihnachtliches von Honegger, Bach, Lutosławski
                                                                   und Pärt stehen auf dem Konzertprogramm am 23. Dezember. Das Weihnachts-                                       79 Lange Nacht
                                                                   konzert von Rundfunk-Sinfonieorches­ter und Rundfunkchor Berlin senden                                           „Ich habe eine philosophische
                                                                                                                                                                                     Erkältung“
                                                                   wir am 24. Dezember und am ersten Weihnachtstag dann Johann Sebastian
                                                                                                                                                                                     Eine Lange Nacht über Wilhelm Busch
                                                                   Bachs ,Weihnachtsoratorium‘.
                                                                        Deutschlandfunk Nova wird am Heiligabend ab 18.00 Uhr in eine weih-                                       80 Hörspiel
                                                                                                                                                                                     Monatsübersicht/Tipps/
                                                                   nachtlich gefärbte Lounge einladen. Interviews zum Thema Weihnachten bilden
                                                                                                                                                                                     Ursendungen
                                                                   den Programmschwerpunkt am 25. Dezember. Am 25. und 26. Dezember sind
                                                                                                                                                                                  82 Kinder
                                                                   abends Konzertmitschnitte der Reihe ,Auf der Bühne‘ zu erleben.
                                                                                                                                                                                     Unterwegs mit der Feuerwehr
                                                                        Ein klangprächtiges, stimmungsvolles Weihnachts-Musikprogramm also –
                                                                   und das ganz ohne klingelnde Glöckchen.                                                                        84 Visitenkarte
                                                                                                                                                                                     Der Podcast ‚Deutschlandfunk –
                                                                         Ihr                                                                                                         der Tag‘
                                                                         Holger Hettinger, Abteilungsleiter Musik Deutschlandfunk Kultur                                          85 Radiomenschen
                                                                         Christoph Schmitz , Abteilungsleiter Musik Deutschlandfunk                                                  Daniela Tepper
                                                                         Thorsten Mathieu, Musikredakteur Deutschlandfunk Nova                                                       Dirk Schneider
                                                                                                                                                                                  86 Feuilleton
                                                                          Hörerservice                                         Service-Nummern                                       Carmela de Feos furioses Musik-
                                                                         Telefon                                               Nachrichten                                           kabarett
                                                                         0221 345-1831                                         0221 345-29911                                        Serielles Erzählen im Programm
                                                                         Fax                                                   Verkehrslage                                          von Deutschlandfunk Kultur
                                                                         0221 345-1839                                         0221 345-29916
                                                                                                                                                                                  88 Hintergrund
                                                                         E-Mail                                                Seewetterbericht
                                                                         hoererservice@deutschlandradio.de                     0221 345-29918                                        Über haushaltsnahe Dienstleistungen,
                                                                         Internet                                              Programme hören                                       Butler und Schwarzarbeit
                                                                         deutschlandradio.de/kontakt                           0221 345-63000                                        Rassendenken
                                                                                                                                                                                  91 Nachrichten/Interview/Hörerforum
                                                                   Impressum
                                                                   Herausgeber Deutschlandradio, Körperschaft des         Covergestaltung Grafik-Desk
                                                                   öffentlichen Rechts, Raderberggürtel 40, 50968 Köln,   (Deutschlandradio Service GmbH)
                                                                   Telefon 0221 345-0                                     Gestaltung Mohr Design
                                                                   Verantwortlich Dr. Eva Sabine Kuntz (v.i.S.d.P.),      Druck pva, Druck- und Mediendienstleistungen GmbH,
                                                                   Dr. Jörg Schumacher, Dr. Helmut Buchholz               Industriestraße 15, 76829 Landau
                                                                   Redaktion Bettina Mayr, Miriam von Chamier             Vertrieb Deutschlandradio Service GmbH (DRS)
                                                                   (Deutschlandradio Service GmbH)                        Raderberggürtel 40, 50968 Köln
                                                                   Mitarbeit Annette Cammann, Mario Loch                  Adressenänderungen
                                                                   (Deutschland­radio Service GmbH), Ulrike Wallisch      adressverwaltung@deutschlandradio.de
                                                                   Programmbeirat Christian Bremkamp, Markus Frania,      Neu- und Abbestellungen deutschlandradio.de/kontakt
                                                                   Thorsten Michaelis, Rolf Otten (Deutschlandradio       Redaktionsschluss 24. Oktober 2018,                             Frohe Weihnachten
                                                                   Service GmbH), Susanne Pickert, Eva Schlittenbauer,    Programmänderungen vorbehalten                                  © gettyimages
                                                                   Bettina Schmieding
Aktuell 3




                                                                                                                      ‚Ansichten der Natur‘, die wohl berühm-
                                                                                                                 teste und ertragreichste Forschungsreise
                                                                                                                 Alexander von Humboldts nach Lateiname­
                                                                                                                 rika, hat auch Literaturgeschichte geschrie-
                                                                                                                 ben. ‚Essay und Diskurs‘ gibt an den Feier­
                                                                                                                 tagen mit der vierteiligen Lesung (von Wolf-
                                                                                                                 gang Büttner) Einblick in Humboldts ein­zig-­
                                                                                                                 artige Fähigkeit, seine wissenschaftlichen
                                                                                                                 Forschungen auch als kulturelles, sprach-
                                                                                                                 liches Ereignis nachzuvollziehen.
                                                                                                                      Dokumentarische Features der Sende­
                                                                                                                 reihe unternehmen Expeditionen in die neu-
                                                                                                                 en Wunsch-Wildnisse der urbanen Bevölke-
                                                                                                                 rung von München bis Wien. Zwei Hörspiele
                                                                                                                 porträtieren die naturkundlichen Forschun-
                                                                                                                 gen von Maria Sibylla Merian und Amalie
                                                                                                                 Dietrich im frühen 18. und im 19. Jahrhun-
                                                                                                                 dert. Judith Schalansky, soeben mit dem
                                                                                      © unsplash/Malte Schmidt




                                                                                                                 Wilhelm Raabe-Preis ausgezeichnet, lädt in
                                                                                                                 einem Hörspiel zur Erkundung eines ‚Atlas
                                                                                                                 der entlegenen Inseln‘ ein. Der kapitalisti-
                                                                                                                 sche Mensch nimmt den Ausverkauf der
                                                                                                                 Wälder der Karpaten jenseits der EU-Gren-
                                                                                                                 zen hin. Aber wie berechnen Volkswirte
                                                                                                                 eigentlich die Ökosystemleistung der Natur,



Mensch und Natur
                                                                                                                 wie beziffern Naturschützer den Wert ihrer
                                                                                                                 Schützlinge? Und noch eine spannende
                                                                                                                 Frage: Wie geht man damit um, dass ein-
                                                                                                                 heimische Pflanzen und Tiere von anderen,
                                                                                                                 zugereisten Arten verdrängt werden?
Sendereihe im Deutschlandfunk                                                                                         Zurück zur Literatur kommt die Sende­
                                                                                                                 reihe über ‚Mensch und Natur‘ in Gesprä-
                 Der Deutschlandfunk hat             Es gibt rund um den Globus kein Fleck-                      chen mit der Schriftstellerin Esther Kinsky
zum Jahreswechsel 2018/2019 ein Sonder-          chen unentdeckte Erde, keine Terra incognita                    und dem Publizisten Eckhard Fuhr. Die jahr-
programm zusammengestellt, das unter             mehr. Alles ist betreten, vermessen und in                      tausendealten Verwebungen, aber auch
dem Titel ‚Mensch und Natur‘ 22 Sendun-          Besitz genommen. Und es gibt kaum noch                          tief verwurzelte Gegensätze von Natur und
gen versammelt: Vom 23. Dezember 2018            Flecken, die wirklich natürlich sind. Alles hat                 Kultur kommen dabei zur Sprache. Ein inne-
bis 6. Januar 2019 hören Sie Hörspiele,          der Mensch umgewandelt, sich anverwan-                          rer Monolog des Schriftstellers Gerhard Mei-
Literatur und Dokumentarisches zum               delt, umgestaltet.                                              er mit seiner verstorbenen Frau führt in den
Thema. Der Schwerpunkt liegt auf den                 Die Autorinnen und Autoren der Essays,                      Garten, die Tagebuchaufzeichnungen John
Weihnachtstagen, Silvester und Neujahr.          Features, Reportagen, Gespräche und Hör-                        Alec Bakers geben die Obsession der Jagd
    Stellen Sie sich vor, der Wald schlägt       spiele von ‚Mensch und Natur‘ finden in his­                    nach dem Wanderfalken preis. Und gegen
aus. Wächst wild über seine Grenzen hinaus       torischen Biografien und Stoffen Hinweise                       Ende der Reihe führt das Hörspiel ‚Kosmo­
und schlingt rasend schnell Wurzeln und          auf ganz aktuelle Fragen. Oder sie beobach-                     koloss‘ eine Tragikomödie über das Klima
Äste um die von Menschen gebauten Wege,          ten den alltäglichen Umgang des Menschen                        und den Erdball auf. Ob die Erdbewohner
Gleise und Straßen. Die Menschen wissen –        mit der Natur. In der Literatur steht das Stich-                dann klüger agieren als im Wald am 24. De-
außer Katastrophenhilfe – zunächst keinen        wort ‚Nature Writing‘ für eine neu erwachte                     zember?
Rat. Ein Erkundungstrupp sucht nach Ver-         Beschäftigung mit Flora, Fauna und Mensch.
                                                                                                                    Barbara Schäfer,
missten und findet in der Tiefe des Waldes       Die Seele eines Habichts wird genauso
                                                                                                                    Abteilungsleitung
etwas ganz anderes, Unerwartetes, Neues ...      gründlich erforscht wie die, die man den
                                                                                                                    Feature/Hörspiel/Hintergrund Kultur
Dieses spannende Hörspiel am Heiligabend,        Bäumen zugesteht. Und die menschliche
                                                                                                                    Deutschlandfunk
‚Der Wald‘, ist Teil einer Sendereihe, die das   Sehnsucht nach der Ungeheuerlichkeit der
schön komplizierte Verhältnis von Mensch         Wildnis steht immer noch im rätselhaften
und Natur unters Mikroskop legt.                 Nebeneinander mit der nach einem geord-                            deutschlandfunk.de/
                                                 neten Garten.                                                      menschundnatur
4 Musik

                                 Kubanische Musik als Lebenswirklichkeit                                                                 Meister magischer Momente
                                 Deutschlandfunk
                                 Dienstag, 11. Dezember, 22.05 Uhr                                                                       Kubanische Musik
                                                                                                                                         als Lebenswirklichkeit

                                                                                                                                         Kubanische Musik suggeriert hierzulande
                                                                                                                                         ungezügelte Lebensenergie, leidenschaft-
                                                                                                                                         liche Bewegung, Sonne und Strand. Doch
                                                                                                                                         die Kulissen zu dieser Musik in den Straßen
                                                                                                                                         Havannas oder gar auf dem Land erzählen
                                                                                                                                         von Lebensbedingungen, die im harten Kon-
                                                                                                                                         trast zu Salsa und kubanischem Jazz stehen.
                                                                                                                                         Wo Strom und Versorgung nicht lückenlos
                                                                                                                                         sind, dienen Musik und Tanz einer verläss-
                                                                                                                                         lichen Lebensqualität für jeden. Was ist kuba-
                                                                                                                                         nische Musik, in welchen Zusammenhängen
                                                                                                                                         ist sie zu verstehen? Miriam Escuadero, Lei-




                                                                                               © mauritius images/Terry Donnelly/Alamy
                                                                                                                                         terin des Fachbereichs Musik der Universität
                                                                                                                                         der Künste in Havanna, stellt kubanische
                                                                                                                                         Musikgeschichte in internationale Kontexte.
                                                                                                                                         Die Percussionistin und Sängerin Brenda
                                                                                                                                         Navarrete konzertiert in Neuseeland, Aus­
                                                                                                                                         tralien und Europa. Spricht sie über ihre
                                                                                                                                         afrikani­schen Wurzeln, so erzählt sie von
                                                                                                                                         kuba­ni­scher Geschichte. Zwischen diversen
                                                                                                                                         Erklärungen über kubanische Melodien und
                                                                                                                                         Rhythmen bleibt ein Spielraum für magische
Unser neuer Lieblingsavantgardist?               Die Kunst wird politisch                                                                musikalische Momente.
100 Jahre Bernd Alois Zimmermann –               Skandal um Hans Werner Henzes                                                              Deutschlandfunk
eine Bilanz des Jubiläumsjahres                  ,Floß der Medusa‘                                                                          Dienstag, 11. Dezember, 22.05 Uhr
                                                                                                                                            Musikszene
Manchmal bleiben Jubiläen fast wirkungslos.      In den 60er-Jahren gärte es vielerorts. Die
Nach einem kurzen Strohfeuer der Aufmerk-        westlichen Gesellschaften verlangten nach
samkeit ist alles wieder wie vorher. Bei Bernd   Öffnung und Modernisierung. Auch in den
Alois Zimmermann, dessen 100. Geburtstag         klassischen Künsten artikulierte sich manch                                             Festkonzert
in diesem Jahr gefeiert wurde, verhält es sich   rebellischer Geist. Vor genau 50 Jahren                                                 Verleihung des
anders. Nicht nur gab es zahlreiche hochka-      entlud sich die Spannung in Hamburg bei                                                 4. Internationalen Beethovenpreises
rätige Aufführungen der bekannten Werke,         Hans Werner Henzes ,Das Floß der Medusa’.                                               an Gabriela Montero
bis hin zur Oper ‚Die Soldaten‘, sondern auch    Henzes Oratorium spielt zu Beginn des
Wiederentdeckungen vernachlässigter oder         19. Jahrhunderts vor der Küste Afrikas. Auf                                             Bereits zum vierten Mal wird in Bonn der In-
gar verschollener Werke. Hat sich der Blick      einem Floß erfahren die Überlebenden einer                                              ternationale Beethovenpreis für Menschen-
auf Zimmermann verändert? Ist er endgültig       Schiffskatastrophe miteinander den Total-                                               rechte verliehen. Die diesjährige Preisträ-
,angekommen‘? Unser Themenabend zieht            verlust menschlicher Humanität. Im Jahr der                                             gerin ist die Pianistin Gabriela Montero. Sie
eine Bilanz des Jubiläumsjahres – im Ge-         Studentenbewegung eskalierte bei diesem                                                 stammt aus Venezuela und lebt in Barcelona.
spräch mit Bettina Zimmermann, der Tochter       Anlass die Situation. Der Theaterabend er-                                              Sie erhält den von einem privaten Freundes-
des Komponisten, und dem Musikforscher           litt spektakulären Schiffbruch und ging als                                             kreis – der Beethoven Academy – gestifteten
und Zimmermann-Spezialisten Jörn-Peter           großer politischer Skandal in die Musikge-                                              Preis „für ihre klaren und gewichtigen öffent-
Hiekel, sowie mit der aktuellen Aufnahme der     schichte ein. Autorin Anna Schürmer lässt                                               lichen Statements, durch die sie zu einer
Funkoper ‚Des Menschen Unterhaltsprozess         die Geschichte anhand einer akustischen                                                 wichtigen Anwältin für die Menschen in ih-
gegen Gott‘ mit der Singakademie zu Berlin       Quelle aufleben: Anstelle der gestrichenen                                              rem Geburtsland geworden“ sei. Zu ihren
und der Kammersymphonie Berlin an der            Premiere wurde die Generalprobe gesendet                                                Ehren findet in der Bonner Bundeskunsthalle
Berliner Volksbühne, einem fast unbekann-        und archiviert – ein bemerkenswertes Ton-                                               ein Benefizkonzert statt. Dabei treten der
ten Bekenntniswerk des katholischen Zweif-       dokument.                                                                               erste Preisträger Aeham Ahmad, die Pianis-
lers.                                               Deutschlandfunk                                                                      ten Kai Schumacher, Luisa Imorde, Myriam
   Deutschlandfunk Kultur                           Samstag, 8. Dezember, 22.05 Uhr                                                      Farid und Nare Karoyan sowie die Vokalisten
   Samstag, 1. Dezember, 19.05 Uhr                  Atelier neuer Musik                                                                  Jocelyn B. Smith und Aris Argiris auf. Die
   Themenabend Musik                                                                                                                     Preisträgerin wird selbst spielen und einige
                                                                                                                                         junge Musiker aus Venezuela vorstellen, die
                                                                                                                                         sie mit Stipendien unterstützt.
                                                                                                                                            Deutschlandfunk Kultur
                                                                                                                                            Mittwoch, 12. Dezember, 20.03 Uhr
                                                                                                                                            Konzert
                                                                                                                                              Gabriela Montero
                                                                                                                                              © Shelly Mosman




                                Verleihung des 4. Internationalen
                                Beethovenpreises an Gabriela Montero
                                Deutschlandfunk Kultur
                                Mittwoch, 12. Dezember, 20.03 Uhr
Musik 5
                                                                                                                Vladimir Jurowski –
Das Schöne und die Beats                          Klassik-Pop-et cetera                                         Live aus der Philharmonie Berlin
                                                                                                                Deutschlandfunk Kultur
Porträt des Oud-Spielers, Sängers                 Die Gastmoderatoren                                           Sonntag, 23. Dezember, 20.03 Uhr
und Komponisten Dhafer Youssef
                                                       Deutschlandfunk
Dhafer Youssef ist ein musikalischer Globe-            Samstags jeweils 10.05 Uhr
trotter. In seinen Kompositionen verbindet
                                                8. 12. Chris Kraus (Schriftsteller und
der in Tunesien geborene Musiker Jazz, Elek-
                                                		Regisseur)
tronik und verschiedene Einflüsse der Welt-
musik zu einer unverwechselbaren Melange.       15. 12. Westbam (DJ und Musiker)
Besonders wichtig für Dhafer Youssefs mu-
sikalische Entwicklung war seine Entschei-      22. 12. Oliver Polak (Kabarettist)
dung, Ende der 1980er-Jahre nach Öster-
reich auszuwandern. Ursprünglich hatte          29. 12. Ólafur Arnalds (Multiinstrumentalist
er den Plan gehabt, in Wien ein klassisches     		 und Komponist)




                                                                                                © Kai Bienert
Musikstudium zu beginnen, doch es kam an-
ders: Youssef lernte Musiker der Jazzszene
kennen und fand dort die idealen Bedingun-
gen vor, seine eigenen Ideen zu realisieren.    ,First Wave Gurrrlcore‘
Binnen weniger Jahre hatten sich seine in-      Die Berliner Indierock-Band Gurr                                Weihnacht im ‚europäischen Blick‘
strumentalen und gesanglichen Qualitäten                                                                        Live aus der Philharmonie Berlin
herumgesprochen. Für Youssef, der nie an        Laut und kantig ist der Sound der Musike-
einer Musikhochschule ausgebildet wurde,        rinnen Andreya Casablanca und Laura Lee –                       Das RSB hat sich für die Spielzeit 2018/19 das
ergaben sich somit zahlreiche Möglichkei-       und ihrer Band Gurr. Der Name bezieht sich                      Motto ‚Der Mensch und sein Lebensraum‘
ten, mit führenden improvisierenden Musi-       tatsächlich lautmalerisch auf die große Angst                   gewählt, das schlägt programmatisch auch
kern aus Europa und den USA zusammen-           vor Tauben, die Musik hat allerdings nichts                     an diesem vorweihnachtlichen Abend durch
zuarbeiten. Bis heute hat er seine Art, Musik   Zahmes oder Gurrendes an sich. Postpunk,                        – wird doch der Lebensraum auch durch
zu schreiben, immer weiter verfeinert.          Grunge und Powerpop mit meist englischen                        Rituale, durch Traditionen geprägt. Chefdiri-
   Deutschlandfunk                              Texten bieten die Gitarristinnen und Sän-                       gent Vladimir Jurowski, gleichfalls künstle-
   Donnerstag, 13. Dezember, 21.05 Uhr          gerinnen, die einander seit einem USA-Auf-                      rischer Leiter des Orchesters, ist bekannt da-
   JazzFacts                                    enthalt kennen. Beim Gewinn des ,European                       für, andere Schwerpunkte zu setzen – es ist
                                                Album of the Year‘ 2018 haben sie sich                          ein Konzert zur Weihnacht im ‚europäischen
                                                gegen so illustre Kollegen wie The XX oder                      Blick‘. „Christen, ätzet diesen Tag in Metall
                                                Fever Ray durchgesetzt. Und mit ‚First Wave                     und Marmorsteine“, so textete ein Hallenser
 In Concert                                     Gurrrlcore‘ auch gleich eine eigene Genre-
                                                beschreibung ihrer Musik geliefert.
                                                                                                                Pfarrer und so komponierte um 1713 Johann
                                                                                                                Sebastian Bach. Gemeint ist der Heilige
       Deutschlandfunk Kultur                      Deutschlandfunk                                              Abend, der Tag der Geburt Jesu. Die Kantate
       Montags jeweils 20.03 Uhr                   Sonntag, 16. Dezember, 15.05 Uhr                             auf den ersten Weihnachtstag führte Bach
3. 12. Spielman In Bad Company                     Rock et cetera                                               u. a. mehrfach an der Leipziger Thomaskirche
		 Ron Spielman, Gitarren, Vocals                                                                               auf, bevor er andere Kompositionen, nicht
		 Joh Weisgerber, Bass                                                                                         zuletzt die sechs Kantaten des Weihnachts-
		 Uwe Breunig, Drums                           Gustav Mahler                                                   oratoriums, vorgelegt hatte. Im Programm
		 Werner Goldbach, Keyboards                   Sinfonie Nr. 9 D-Dur                                            des RSB erklingt die prächtige Bach-Kantate
		 und Überraschungsgäste                                                                                       im Kontext mit Weihnachtsmusik aus ganz
		 Berlin, Lido, 21. November 2018              Genau genommen ist diese ,Neunte‘ eine                          Europa. Namentlich die bezaubernden Weih-
10. 12. Jazzfest Berlin                         Unvollendete: Gustav Mahler, der nach fast                      nachtslieder von Witold Lutosławski verdie-
        Jazzmeia Horn und WDR Big Band          jeder Aufführung seiner vorherigen Sinfo-                       nen eine Aufnahme ins mitteleuropäische
		 Jazzmeia Horn, Gesang                        nien kleine Details in der Instrumentierung                     Repertoire, wo sich Arthur Honeggers Weih-
		 Bob Mintzer, Leitung, Arrangements           veränderte, bekam dieses Werk nicht mehr                        nachtskantate verdientermaßen schon befin-
		 Berlin, Haus der Berliner Festspiele,        zu Gehör. Dennoch besitzt Mahlers Sinfonie                      det. 1910 war das Jahr der einfühlsamen Ver-
		 3. November 2018                             Nr. 9 D-Dur eine Anziehungskraft, der man                       tonung des Psalms 23 von Alexander Zem-
17. 12. Berge und Meer                          sich kaum entziehen kann. Für den Dirigen-                      lins­ky. Der Weggefährte Gustav Mahlers und
		 Ein Weihnachtskonzert zwischen               ten Kent Nagano verbindet sich mit ihr sein                     Schwager Arnold Schönbergs beobachtete
		 Nordic Folk und Alpenklängen                 internationaler Durchbruch 1984. Als er 2000                    den musikalischen Aufbruch in die Moderne
		 Helene Blum, Gesang, Violine                 die Leitung des Deutschen Symphonie-Or­-                        von den gesicherten Positionen des 19. Jahr-
		 Harald Haugaard, Violine                     chesters übernahm, setzte Nagano kurz                           hunderts aus.
		 Julia Lacherstorfer, Violine, Viola,         darauf Mahlers ,Neunte‘ auf das Programm.                          Deutschlandfunk Kultur
		 Gesang, Shruti Box                           Am 21. Oktober dieses Jahres spielte das                           Sonntag, 23. Dezember, 20.03 Uhr
		 Simon Zöchbauer, Trompete, Zither,           DSO Berlin unter Naganos Leitung dieses                            Konzert
		 Gesang, Shruti Box                           großräumige Werk erneut. Wie sieht der Diri-
		 Sophie Abraham, Violoncello
                                                gent Mahlers Sinfonik heute, wie hat sich
		 Mattias Pérez, Gitarren
                                                seine Interpretation weiterentwickelt? Klaus
		 Berlin, Passionskirche,
		 13. Dezember 2018
                                                Gehrke hat mit Kent Nagano gesprochen.
                                                   Deutschlandfunk
                                                   Mittwoch, 19. Dezember, 22.05 Uhr
                                                   Spielweisen
                                                   Heimspiel – Die Deutschlandradio-
                                                   Orchester und -Chöre
6 Musik



Manfred Reinelt                                   Sternstunden
Pianist und Freigeist                             Der Tenor Fritz Wunderlich

Wenige Pianisten haben sich mit solchem           Er war der erste deutsche Sänger, der den       Sie nahmen den jungen aufstrebenden Tenor,
Feuer, solcher Musikalität für die Klassische     großen italienischen Tenören das Wasser rei-    der sich zunächst mit Unterhaltungsmusik
Moderne eingesetzt wie Manfred Reinelt.           chen konnte. Sein früher tragischer Tod mit     beschäftigt hatte und in Freiburg als Erstes
Dass der Leipziger heute kaum noch bekannt        nur 35 Jahren hinterließ eine schmerzliche      Horn studierte, in ihren Kreis auf. Sie vermit-
ist, liegt vor allem an seinem frühen Tod: Rei-   Lücke. Glücklicherweise hat Fritz Wunderlich    telten ihm im gemeinsamen Musizieren ein
nelt nahm sich 1964 im Alter von 32 Jahren        der Nachwelt eine ganze Reihe von Schall-       Gefühl für barocke und vorklassische Musik,
das Leben. Er war nicht nur ein großer Pia-       platten- und Rundfunkaufnahmen vermacht,        das die Grundlage für Wunderlichs berüh-
nist, sondern auch ein Freigeist, verglichen      die seine ausdrucksvolle lyrische und strah-    rende Interpretationen nicht zuletzt geist­
wurde er darin mit Walter Gieseking. Seine        lende Stimme in Oratorium, Passion, Kantate,    licher Musik bildete.
Aufnahmen der Klaviersonate von Alban             Oper und Lied dokumentieren. Bevor Wun-            Deutschlandfunk
Berg oder der sperrigen ‚Concord‘-Sonate          derlich seine atemberaubende Karriere als          Donnerstag, 27. Dezember, 22.05 Uhr
von Charles Ives gehören auch heute noch          Operntenor startete, hatte er schon früh an        Historische Aufnahmen
zu den besten. Überdies war Reinelt einer         der Freiburger Musikhochschule sein musi-
der frühen Interpreten der Klaviermusik von       kalisches Stilempfinden ausbilden können,
Olivier Messiaen und Karlheinz Stockhausen.       für das er so gerühmt wurde. Der Direktor der
Dass ihm die Leipziger Musikhochschule            Hochschule, Gustav Scheck, war ein Alte-
mangelnden Eifer in der Formung „sozialis-        Musik-Spezialist und arbeitete mit August
tischer Musikerpersönlichkeiten“ bescheinig­      Wenziger zusammen, beide spielten damals
te, nimmt da nicht Wunder.                        schon auf Originalinstrumenten und widme-
   Deutschlandfunk Kultur                         ten sich der historischen Aufführungspraxis.
   Donnerstag, 27. Dezember, 20.03 Uhr
   Konzert




                                                                                                                                          © picture-alliance/akg-images
                                                                                                    Fritz Wunderlich


                                                                                                   Historische
                                                                                                   Aufnahmen
                                                                                                         Deutschlandfunk
                                                                                                         Donnerstags jeweils 22.05 Uhr

                                                                                                   6.12. Stilsicherer Lyriker
                                                                                                         Der Bariton Gérard Souzay
                                                                                                         (1918 – 2004)

                                                                                                  13. 12. Eine Leidenschaft für Beethoven
                                                                                                  		 in der Tradition von Liszt
                                                                                                          Der Pianist Frederic Lamond
                                                                                                          (1868 – 1948)

                                                                                                  20. 12. Nicht nur für Kinder
                                                                                                          125 Jahre ‚Hänsel und Gretel‘
                                                                                                          von Engelbert Humperdinck

                                                                                                  24. 12. Funkelnde Bravour und
                                                                                                  		 weltmännischer Charme
                                                                                                  		 Der Geiger Alfredo Campoli
                                                                                                  		 (1906 – 1991)
                                                                                                          Sendung: 23.05 Uhr

                                                                                                  27. 12. Sternstunden
                                                                                                          Der Tenor Fritz Wunderlich mit Arien
                                                                                                          aus geistlichen Werken von
                                                                                                          J O HAN N S EBASTIAN BAC H ,
                                                                                                          G EO RG FR I ED R I C H HÄN D EL ,
                                                                                                          J O S EPH HAY D N und
                                                                                                          G I U S EPPE V ER D I
                                                                                                          Aufnahmen aus den Jahren
                                                                                                          1957 bis 1966
Reihe Landeskorrespondenten (Teil 7) 7

                Als Radio der Länder
                unterhalten wir Korres­
                pondentenstudios in
                allen 16 Landeshaupt-
                städten und am Finanz-
                standort Frankfurt/Main.
                Unsere Inlandskorres­
pondenten stehen für den föderalen




                                                                                                                                              © Deutschlandradio/
Sendeauftrag der drei Deutschland-




                                                                                                                                                             Jan Petersmann
radio-Programme. In dieser Artikelreihe
stellen die Kolleginnen und Kollegen von                                                Stuttgart
Kiel bis München ihre Bundesländer vor.
                                                                                  BADEN-
                                                                                  WÜRTTEMBERG             Uschi Götz,
                                                                                                          aufgewachsen in Baden-Württemberg,
                                                                                                          erste Schritte in der Medizin. Wechsel
                                                                                                          in den Journalismus, Volontariat, mit
                                                                                                      25 Jahren Redakteurin, Redaktionsleiterin,
                                                                                                    später Chefredakteurin bei RTL Radio Baden-
                                                                                                    Württemberg. Auslandseinsätze vor allem in
                                                                                                    den USA, Israel und der Türkei. Mit einer Pause
                                                                                                    seit über 15 Jahren als Landeskorrespondentin
                                                                                                    für die Deutschlandradio-Programme in
                                                                                                    Baden-Württemberg unterwegs.

Berichte aus Baden-Württemberg


Immer unterschätzt
                 Baden-Württemberger wer-         Kirchturm des Planeten gebaut, Fahrrad,               Urgrünes wie: „Weniger Autos sind natür-
den schon immer unterschätzt. Dafür gibt          Automobil und vieles mehr erfunden. Nir-          lich besser als mehr“, kommen Deutschlands
es etliche Erklärungen, eine ist: Sobald ein      gendwo in der Republik gibt es denn auch          beliebtestem Ministerpräsidenten schon
Hiesiger den Mund aufmacht, wird es lustig.       mehr Weltmarktführer, gern in landestypi­         lange nicht mehr über die Lippen. Der wegen
Der Dialekt gilt als dümmlich, gar unbeliebt,     scher Bescheidenheit als Hidden Champions         seines ausgeprägten Idioms unverwechsel-
statistisch schneidet nur Sächsisch schlech-      in der Provinz versteckt. Selbst mit dem          bare Oberschwabe muss sich nicht verbie-
ter ab.                                           Ländle-Slogan „Wir können alles. Außer            gen, um als pragmatischer ,Landesvater‘ an-
     Die Ausgangslage aus meinem Berichts-        Hochdeutsch“ ist man bundesweit spitzen-          haltende Zustimmung zu finden. Dass seine
gebiet ist also denkbar schlecht. Als Journa-     mäßig bekannt.                                    Partei den mittlerweile Siebzigjährigen gern
listin, als Landeskorrespondentin, die nahezu          So gesehen ist es kein Wunder, dass sich     radikaler hätte, die Opposition ihm seine prä-
jeden Tag aus Baden-Württemberg berichtet,        Badener und Württemberger seit 2011 mit           sidiale Attitude ankreidet, ficht ihn nicht an.
bin ich natürlich zur Neutralität verpflichtet.   Winfried Kretschmann auch den allerersten         „Nüchtern betrachtet erfolgreich“ attestieren
Phonetisch gelingt mir das meist relativ gut.     grünen Ministerpräsidenten leisten. Wo            sich Kretschmann und sein Vize, Innenminis­
     Doch auffällig oft geht es in den Beiträ-    wollte man also lieber politische Korrespon-      ter Thomas Strobl, zur Halbzeit der Legisla-
gen, die Sie in unseren Programmen aus            dentin sein! Wie in einem politischen Labor       turperiode, wobei vor allem sprudelnde Mil-
Baden-Württemberg hören, darum, was die           ist zwischen Bodensee und Odenwald zu             liardeneinnahmen das Regieren im Wohl­
Badener und Württemberger anders, viel-           beobachten, wie der grüne Zeitgeist den           stands­land der elf Millionen stark erleichtern.
leicht sogar besser machen als der Rest der       einstmals größeren politischen Konkurren­             Bleibt als Dauerfrage, wer kommt wann
Republik. Für den VfB fühle ich mich nicht        ten zusetzt. Für die auf unter 13 Prozent ab-     nach Kretschmann? Der lässt alles offen.
zuständig, meine Themen sind: Politik, Wirt-      gestürzte SPD reichte es 2016 nicht einmal        Sollte er sich entscheiden, werden Sie das
schaft und Kultur.                                mehr für die Juniorpartnerrolle. Und jetzt tut    bei uns natürlich sehr schnell erfahren. Unser
     Man kann es nun drehen und wenden            sich die CDU, die 58 Jahre hintereinander         Korrespondentennetz ist einzigartig und
wie man will: In Deutschlands Südwesten ist       den Regierungschef stellte, im – natürlich        garantiert eine aktuelle und zuverlässige
man traditionell mehr als eine Nasenlänge         ersten – grün-schwarzen Bündnis sichtlich         Berichterstattung aus allen Bundesländern.
voraus. Mit der 40.000 Jahre alten Venus          schwer damit, nur Kellner und nicht Koch          Dabei sorge ich schon seit vielen Jahren
vom Hohlen Fels haben die schwäbischen            sein zu dürfen. Bei allem, was trennt: Frak­      dafür, dass Baden-Württemberg nicht unter-
Urahnen die älteste Menschenfigur der Welt        tionsübergreifend machen die Etablierten          schätzt wird.
geschnitzt. Nebenan in Ulm den höchsten           im Landtag Front gegen die Newcomer von
                                                  Rechtsaußen. Die arbeiten sich so schäbig            Uschi Götz,
                                                  wie erfolglos an Muhterem Aras ab, der ers­          Landeskorrespondentin
                                                  ten Frau an der Spitze des Parlaments, aus-          Baden-Württemberg
                                                  gestattet mit grünem Direktmandat und
                                                  kurdischen Wurzeln. Mehr Integration geht
                                                  nicht.


                                                                                                       deutschlandradio.de/
                                                                                                       landeskorrespondenten
8 Literatur

                                                           Verstörungen                                      Lesung von den Tagen der
                                                           Sexueller Missbrauch in der Literatur             deutschsprachigen Literatur (TDDL)
                                                                                                             in Klagenfurt 2018
                                                           Sexueller Missbrauch ist ein Thema, das           Joshua Groß: ,Flexen in Miami‘
Verena Roßbacher                                           seit Jahren für Schlagzeilen sorgt und die
,Ich war Diener im Hause Hobbs‘                            Öffentlichkeit erschüttert. Nicht erst seit der   Einen turbulenten Text der Simulationen,
                                                           #MeToo-Bewegung und der Offenbarung               Maskeraden, leichtsinnigen Spiele sowie der
So klar und logisch aufgebaut war noch kei-                von Christian Kracht, er sei als Jugendlicher     Depressionen und Abstürze hat Joshua Groß
ner der überbordenden Romane von Verena                    in einem kanadischen Eliteinternat miss-          in diesem Jahr in Klagenfurt beim Wettbe-
Roßbacher wie dieser mit dem antiquierten                  braucht worden, ist es auch in der Literatur      werb um den Ingeborg-Bachmann-Preis vor-
Titel ,Ich war Diener im Hause Hobbs’. Es war              angekommen. So schrieb Josef Haslinger            getragen. Der 1989 in Grünsberg geborene,
Christian, der Diener der Zürcher Anwalts­                 bereits 1983 in der autobiografisch gefärb­       in Nürnberg lebende Groß hat schon einige
familie Hobbs, der den Toten im Gartenpavil-               ten Erzählung ‚Die plötzlichen Geschenke          Bücher veröffentlicht und beschäftigt sich
lon neben der blutbespritzten Chaiselongue                 des Himmels‘ darüber, wie die Verletzungen        überdies universitär mit der ,Ethik der Text-
fand. Jahre später blickt er zurück und ver-               und Verstörungen eines sexuell missbrauch-        kulturen‘. Seine Geschichte rund um ein
sucht zu verstehen, wie es zu der Katastro-                ten Kindes im Erwachsenen weiterwirken.           nationales Sportereignis war in ihren erzäh-
phe kommen konnte. Erinnerungen an                         Auch Bodo Kirchhoff hat sich bereits zu ei­       leri­schen Mitteln eine der avanciertesten
seine Jugend im österreichischen Feldkirch                 genen Missbrauchserfahrungen geäußert.            des Wettbewerbs.
drängen sich scheinbar zufällig in die Rekon-              In seinem Roman ‚Dämmer und Aufruhr‘ er-             Deutschlandfunk
struktion: Vier genialisch provinzielle Jungs              zählt der Siebzigjährige nun jedoch so ein-          Mittwoch, 19. Dezember, 20.30 Uhr
rezitieren am sommerlichen See in sagen-                   drücklich wie nie zuvor über die Ambivalenz          Lesezeit
haften Anzügen Zweig und Hesse, haben ih-                  dieser prägenden Erlebnisse in seiner Ju-
re ganz eigene Theorie zu Frauen mit Locken                gend. Wie setzen sich Schriftsteller mit eige-
und das gute Gefühl, dies alles wäre erst der              nen Missbrauchserfahrungen auseinander?
Anfang. Christian erzählt vom Auseinander-                 In welchem gesellschaftlichen Kontext fin-
driften der Freunde, von seinen ersten Jah-                den diese Auseinandersetzungen statt? Und
ren im Hobbs’schen Haushalt, von verwir-                   verändern die geschilderten Verstörungen
renden nächtlichen Zimmerbesuchen, liebe-                  den Blick auf das literarische Werk?
voll inszenierten Familienporträts und dem                    Deutschlandfunk Kultur
fatalen Moment, als die einnehmende Haus-                     Freitag, 7. Dezember, 19.30 Uhr
herrin seinen alten Freunden begegnet.                        Zeitfragen. Literatur
Und während er die Untiefen der eigenen




                                                                                                                                                              Joshua Groß © DC: ORF/ORF-K /Johannes Puch
Schuld auslotet, kommt er einem großen
Geheimnis auf die Spur, das ihn immer tiefer
ins heimatliche Feldkirch hineinführt.                     Mit Maren Jäger, Jan Bürger
   Deutschlandfunk                                         und Gregor Dotzauer
   Mittwoch, 5./12. Dezember, 20.30 Uhr                    Lyrik lesen – Gedichte im Gespräch
   Lesezeit
                                                           Gedichte können alles. Sie sind spielerisch
                                                           oder grüblerisch, öffnen Räume und Per-
                                                           spektiven, führen ins unbekannte Eigene,
                                                           machen Vertrautes fremd – oder umgekehrt.          Lesezeit
                                                           Gedichte sind Wahrnehmungs- und Konzen-
                                                                                                                     Deutschlandfunk
                                                           trationsbatterien: kurz und knapp und im
                                                                                                                     Mittwochs jeweils 2.30 und 20.30 Uhr
                                                           besten Fall voller Widerhaken mit Langzeit-
                                                           wirkung. Gedichte handeln von allem, was          5. 12. Verena Roßbacher liest aus ihrem
 ,Ich war Diener im Hause Hobbs‘                           in der Welt wichtig ist, und von einigem an-      		 Roman ,Ich war Diener im Hause Hobbs‘
 Deutschlandfunk                                           deren auch. Sie können verwundern und be-         		 (Teil 1)
 Mittwoch, 5./12. Dezember, 20.30 Uhr
                                                           glücken, verwirren und trösten, unterhalten
                                                           und anstrengen, verärgern und vor den Kopf        12. 12. (Teil 2)
                                                           stoßen. Sind sie gelungen, dann schauen
                                                                                                             19. 12. Lesung von den Tagen der deutsch-
                                                           sie jedes Mal, wenn man sie ansieht, anders
                                                                                                             		 sprachigen Literatur (TDDL) in
                                                           zurück. Von dieser kleinsten und ältesten         		 Klagenfurt 2018
                                                           literarischen Form lassen sich Maren Jäger        		      Joshua Groß: ‚Flexen in Miami‘
                                                           (freie Kritikerin), Jan Bürger (Deutsches Lite-
                                                           ratur­archiv Marbach), Gregor Dotzauer (Der       26. 12. Lesung von den Tagen der deutsch-
                                                           Tagesspiegel, Berlin) und die Moderatorin         		 sprachigen Literatur (TDDL) in
                                                           Barbara Wahlster begeistern und verblüffen,       		 Klagenfurt 2018
                                                           anregen und zuweilen auch ärgern. Drei            		      Özlem Özgül Dündar: ‚und ich brenne‘
                                                           wichtige Neuerscheinungen haben sie sich
                                                           ausgesucht für das Gespräch im Deutschen                  Weitere Informationen zu den
                                                           Literaturarchiv Marbach und zudem einen                   Literatursendungen in Deutsch­landfunk
                                        Verena Roßbacher




                                                           eigenen Tipp mitgebracht.                                 und Deutschlandfunk Kultur finden Sie
                                        © Joachim Gern




                                                              Deutschlandfunk Kultur                                 unter deutschlandradio.de/literatur
                                                              Sonntag, 16. Dezember, 0.05 Uhr
                                                              Literatur
Mary Shelley – Über Reiz und Risiken
                                               beim Schreiben von Romanbiografien
                                                                                                                                                                                     Literatur 9
                                               Deutschlandfunk Kultur
                                               Freitag, 28. Dezember, 19.30 Uhr




Bilder des Fremden
Der Autor Norbert Gstrein
und der Migrationsforscher
Wolfgang Kaschuba

Norbert Gstrein verbindet in seinem Roman
‚Die kommenden Jahre‘ zwei hochaktuelle
Themen: den Klimawandel und die Migra­
tion. Ein Hamburger Gletscherforscher
schaut zunehmend distanziert zu, wie sich
seine Ehefrau für eine syrische Flüchtlings­
familie engagiert. Doch nachdem die schö-
ne Schriftstellerin den Geflüchteten das
Sommerhaus der Familie vermietet hat,
häufen sich in der idyllischen Provinz die




                                                                                                                         Mary Wollstonecraft Shelley, Gemälde von Richard Rothwell (1840)
bedrohlichen Ereignisse. Norbert Gstrein
unterhält sich mit dem Migrationsforscher
Wolfgang Kaschuba über Bilder des Frem-




                                                                                                                         © ullstein bild/Heritage Images/Fine Art Images
den.
   Deutschlandfunk Kultur
   Freitag, 21. Dezember, 19.30 Uhr
   Zeitfragen. Literatur

   Sonntag, 30. Dezember, 0.05 Uhr
   Literatur




Lesung von den Tagen der
deutschsprachigen Literatur (TDDL)             Die Ware Leben
in Klagenfurt 2018                             Über Reiz und Risiken beim Schreiben             Studio LCB
Özlem Özgül Dündar: ,und ich brenne‘           von Romanbiografien                              Aus dem Literarischen
                                                                                                Colloquium Berlin
Özlem Özgül Dündar ist 1983 in Solingen        ‚Felix und Felka‘, ein Roman über das            Lesung: Peter Geimer
geboren. Und ihr Text, den sie in Klagenfurt   deutsch-jüdische Maler-Ehepaar Felix Nuss-       Gesprächspartner: Hartmut Böhme
beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bach-          baum und Felka Platek, ‚Stan‘ über den Ko-       und Ulrike Draesner
mann-Preis 2018 vorgelesen hat und für den     miker Stan Laurel oder ‚Mary Shelley‘ über       Am Mikrofon: Tobias Lehmkuhl
sie den Kelag-Preis bekommen hat, nimmt        die Autorin des ‚Frankenstein‘ haben eines
tatsächlich auch auf das wohl wichtigste       gemeinsam: Sie stehen stellvertretend für        Vor fünf Jahren begründeten der Verleger
Ereignis in der jüngeren Geschichte dieser     ein spezielles Literatur-Genre, das immer        Andreas Rötzer und die Autorin und Buch­
rheinisch-bergischen Stadt Bezug: auf das      mehr an Bedeutung gewinnt. Romanbiogra-          gestalterin Judith Schalansky die Reihe
rassistisch motivierte Brandattentat auf das   fien nähern sich realen, meist historischen      ,Naturkunden‘. Seither sind dort zahlreiche
Haus der türkischen Familie Genç, dem im       Persönlichkeiten stilistisch mit einer Mi-       klassische Texte des anglo-amerikanischen
Mai 1995 fünf Menschen zum Opfer fielen.       schung aus Fakten und Fiktion. Bisweilen         Nature Writings erschienen – J. A. Bakers
Die Autorin spricht in aufgewühlten Mono-      werden die Verfasser von einem Verlag so-        ,Der Wanderfalke‘ etwa oder ,Die Berge
logen aus der Perspektive von fünf Frauen,     gar ausdrücklich darum gebeten, ihre jewei-      Kaliforniens‘ von John Muir –, aber auch die
darunter neben den vom Mord Betroffenen        lige Biografie nicht etwa als Sachbuch, son-     Abteilung mit von deutschsprachigen Auto-
auch der Mutter eines mutmaßlichen Täters,     dern in Romanform abzufassen. Worin liegt        ren geschriebenen Tierporträts stieß beim
und erzeugt damit eine hohe literarische       sowohl aus Autoren- als auch aus Verlags-        Pub­likum auf viel Gegenliebe. Der aktuelle
Intensität, der sich Hörer wie Leser nicht     sicht der Reiz, aber auch das Risiko dieses in   Band über ,Fliegen‘ von Peter Geimer soll
leicht entziehen können. Hören Sie die Le-     letzter Zeit in Mode gekommenen Genres?          zum Anlass genommen werden, um der Fra-
sung Özlem Özgül Dündars aus dem                  Deutschlandfunk Kultur                        ge nachzugehen, ob es nicht eigentlich
ORF-Studio in Klagenfurt in diesem Jahr.          Freitag, 28. Dezember, 19.30 Uhr              Franzosen und Deutsche im 18. Jahrhundert
   Deutschlandfunk                                Zeitfragen. Literatur                         waren, die das Nature Writing begründeten,
   Mittwoch, 26. Dezember, 20.30 Uhr                                                            um zu fragen auch, warum die Form der lite-
   Lesezeit                                                                                     rarisch-essayistischen Natur­betrachtung
                                                                                                gerade heute einen Nerv zu treffen scheint
                                                                                                und ob die Hinwendung zur Natur und zum
                                                                                                Nachdenken über die Natur eine Form der
                                                                                                Weltflucht oder vielmehr eine gesteigerte
                                                                                                Form der Weltwahrnehmung darstellt.
                                                                                                   Deutschlandfunk
                                                                                                   Samstag, 29. Dezember, 20.05 Uhr
                                                                                                   Studio LCB
Die vergessene Geschichte der Scheinanlagen
10 Feature                                    Deutschlandfunk
                                              Dienstag, 4. Dezember, 19.15 Uhr




 Deutschlandfunk
   Di 4. Dezember, 19.15 Uhr
      Das Feature
      Gefälschte Stahlwerke und Bahnhöfe
      Die vergessene Geschichte
      der Scheinanlagen
      Von Rebekka Endler

   Fr 7. Dezember, 20.10 Uhr
      Das Feature
      Volksfeind und Heiliger
      Solschenizyns Rückkehr nach Russland
      Von Mario Bandi

   Di 11. Dezember, 19.15 Uhr
      Das Feature
      Sklaverei statt Schlauchboot
      Rückkehrer aus Libyen erzählen
      Von Alexander Bühler

   Fr 14. Dezember, 20.10 Uhr
      Das Feature
      Der diskrete Charme der Zollfreilager




                                                                                                                                                 © Luftbilddatenbank Carls/IG Krupp'sche Nachtscheinanlage
      Von Carsten Probst
                                                                                                Gefälschte Stahlwerke und Bahnhöfe
   Di 18. Dezember, 19.15 Uhr                 Der Blick des Dichters
      Das Feature
                                                                                                Die vergessene Geschichte
                                              saugt die Welt auf und verändert sie              der Scheinanlagen
      Der starke Mann der Saudis
      Was will Kronprinz Mohammed bin         Ein Höramalgam über die griechische
                                              Schriftstellerin Amanda Michalopoulou             Velbert bei Essen im Jahr 1940: Nachts
      Salman?
      Von Marc Thörner
                                                                                                leuchtet es hier hell und bunt, eine Eisen-
                                              Amanda Michalopoulou sitzt im Olymp der           bahn dreht ihre Runden um Dutzende Indus-
   Fr 21. Dezember, 20.10 Uhr                 griechischen Schriftsteller. Sie fabuliert        trie-Sheddächer oder etwas, das von oben
      Das Feature                             mit Biss, stimmlich bunt, und gleitet gern        wie Sheddächer aussieht. In Wirklichkeit ist
      Das Lied von den Riesen
                                              in die Welt hinter den Dingen, etwa in ihrem      alles eine elaborierte Attrappe. Die Krupps’
      Eine Begegnung mit dem Geschichten­
                                              Fami­lienroman ‚Oktopusgarten‘. Nach sie-         sche Nachtscheinanlage ist nur eine von
      erzähler Michael Köhlmeier
                                              ben Jahren in Berlin zieht sie 2010 ins Krisen-   vielen, größtenteils vergessenen, streng
      Von Janko Hanushevsky
                                              Griechenland zurück. Jenseits von Akropolis       geheimen Scheinanlagen im Zweiten Welt-
  Mo 24. Dezember, 15.05 Uhr                  und Ouzo geht es zu Schauplätzen in Aman-         krieg. Mitten im Nichts, auf dem Rottberg,
     Das Feature                              das Leben und Werk: magische Männer-              inszenieren die Nazis unter größter Geheim-
     Mensch und Natur                         kaffeestuben, Plätze der Revolte und singu-       haltung eine falsche Fabrik, mit nur einem
     Was ist Natur? –
                                              lärer Hässlichkeit, in den Taumel mediter-        Ziel: die Aufmerksamkeit der britischen Bom-
     Von der Wildnis in der Stadt
                                              raner Lebenslust.                                 ber abzulenken. Sie sollen auf keinen Fall die
     Von Thomas Palzer
                                                 Deutschlandfunk Kultur                         zehn Kilometer entfernten Essener
   Di 25. Dezember, 11.05 Uhr                    Samstag, 1. Dezember, 18.05 Uhr                Kruppwerke, die sogenannte Waffenschmie-
      Das Feature                                Feature                                        de des Deutschen Reiches, treffen. Drei Jah-
      Mensch und Natur                                                                          re wird die aufwendige Anlage erfolgreich
      Was ist Natur? – Eine Frage von                                                           betrieben, die echten Kruppwerke bleiben
      Management und Wert-Ermittlung
                                                                                                vor Angriffen verschont. Erst das mobile Auf-
      Von Frank Kaspar
                                                                                                klärungsradar enttarnt die Attrappe 1943
   Di 25. Dezember, 19.15 Uhr                                                                   und macht sie wertlos. Als die deutsche Luft-
      Das Feature                                                                               waffe die Anlage aufgibt, verschwindet alles
      Mensch und Natur                                                                          so schnell und unauffällig, wie es entstanden
      Kahlschlag in der Bukowina                                                                ist. Die Scheinanlage gerät jahrzehntelang in
      Der Ausverkauf der Altwälder                                                              Vergessenheit, bis sich ein paar Hobby-His­
      in den ukrainischen Karpaten
                                                                                                to­riker 2012 auf Spurensuche begeben und
      Von Andrea Rehmsmeier
                                                                                                ein Stück Geschichte bergen.
   Fr 28. Dezember, 20.10 Uhr                                                                      Deutschlandfunk
      Das Feature                                                                                  Dienstag, 4. Dezember, 19.15 Uhr
      Hoffentlich wirst Du                                                                         Das Feature
      von Gottes Hand beschützt!
      Über die Liebe im Krieg
      Von Elke Suhr
Feature 11

                                                    Sklaverei statt Schlauchboot
                                                    Rückkehrer aus Libyen erzählen

                                                    Wenn sie aufgegeben haben, besteigen sie
Haltet durch, ich hol Euch nach!                    die Flugzeuge. Die Internationale Organisati-                                                      Freeports
Wie ein syrischer Flüchtling                        on für Migration (IOM) transportiert verzwei-                                                      Der diskrete Charme der Zollfreilager
seine Familie nach Deutschland lotst                felte Flüchtlinge und Migranten zurück in
                                                    ihre Heimatländer – den Senegal, Niger oder                                                        Bevor Waren auf den Weg von Land A nach
Als Mohamed sich im Juli 2015 von seiner            Nigeria. Es ist die Rettung vor dem sicheren                                                       Land B gehen, werden sie oft in sogenannten
Frau und seinen Kindern verabschiedet, war-         Tod und gleichzeitig ein Flug zurück in die                                                        Freeports zwischengelagert. Solange sie
ten sie schon seit einem Jahr als Flüchtlinge       Hoffnungslosigkeit. Für die Menschen, die                                                          dort ruhen, fallen weder Steuern noch Zölle
im Libanon. „Drei, höchstens sechs Monate,          Tausende Kilometer nach Libyen gereist                                                             an. Bestimmte Güter verlassen diese Zollfrei-
dann hol ich Euch nach“, verspricht er. Es          sind, um nach Europa überzusetzen, wird                                                            lager nie – sei es, weil sie maximal sicher
dauert fast zwei Jahre. Von seiner deutschen        die EU-Grenzsicherung zunehmend zur Falle.                                                         aufbewahrt oder auch dauerhaft versteckt
Flüchtlingsunterkunft aus organisiert Moha-         Denn die Schleuser in Libyen haben ihr Ge-                                                         werden sollen. Kunstwerke zum Beispiel.
med die Flucht seiner Familie in die Türkei.        schäftsmodell geändert: Nun verhindern                                                             Die Nachfrage nach zollfreien Kunstlagern
Er verhandelt mit Schleppern und syrischen          sie die Überfahrt, kassieren dafür von der                                                         wächst. Kunstliebhaber, Galeristen, Spedi­
Regierungsbeamten und lotst Frau und                EU und verkaufen die Migranten als Sklaven.                                                        teure und Museen deponieren hier mitunter
Kinder durch die Bürokratie bis zu ihrer An-        Die Rückkehrer sind die einzigen Zeugen der                                                        ganze Sammlungen, aber auch edle Weine,
hörung in der deutschen Botschaft.                  Sklaverei. Alexander Bühler hat sie in Nigeria                                                     Schmuck, wertvolle Autos oder sensib­le
   Deutschlandfunk Kultur                           aufgesucht.                                                                                        Daten. Der Freeport Luxembourg, ein 60
   Mittwoch, 5. Dezember, 0.05 Uhr                     Deutschlandfunk                                                                                 Millionen Euro teurer Bau am Luxemburger
   Feature                                             Dienstag, 11. Dezember, 19.15 Uhr                                                               Flughafen, ist mit einem gewaltigen Auf-
                                                       Das Feature                                                                                     gebot an Sicherheitstechnik ausgestattet
                                                                                                                                                       und birgt Kulturgüter von immensem Wert.
                                                                                                                                                       Selbst weitab der Kunstzentren entstehen
Niemand kann es weiter bringen                                                                                                                         Orte von luxuriöser Exklusivität, wie das Zen-
als zu sich selbst                                  Drei Löcher im Pappkafka                                                                           tralDepot im thüringischen Meiningen. Die
Einblicke in Literatur hinter Gittern               Oder: Fünf Korrespondentenjahre                                                                    größten Zollfreilager, etwa der Freeport in
                                                    in Moskau                                                                                          Genf, gelten wahlweise als „größte Museen
Die Langeweile bekämpfen, den eigenen                                                                                                                  der Welt“ oder, so die New York Times, als
Wortschatz bewahren, etwas tun, was man             Nach Moskau zieht man nicht, da ist man                                                            „Cayman Inseln der Kunstwelt“. Denn in den
nie vorher getan hat und danach nie wieder          froh, wenn man heil wegkommt, sagten un-                                                           letzten Jahren wurden allerlei höchst delika-
tun wird: Es gibt viele Gründe, warum An­dre­       sere Mütter. Dann fällt eine Horde Möbel­                                                          te Machenschaften unter dem Deckmantel
as, Olaf und Benni ausgerechnet im Knast            packer über unseren Haushalt her, und fünf                                                         der Diskretion enthüllt – von Geldwäsche
angefangen haben, eine Literaturgruppe zu           Jahre Leben und Arbeiten in Moskau begin-                                                          und Steuerflucht bis zum Handel mit NS-
besuchen. Vorläufig schreiben die „Lang-            nen. Moskau ist eine Stadt zum Erleben,                                                            Raubkunst und archäologischen Objekten,
sträfer“ in der JVA Berlin-Tegel für sich selbst,   nicht zum Leben. Es wird stressig, das ist                                                         mit denen sich Diktatoren und Terrornetz-
die Gruppe, die Familie. Für alle, die es in­te­    klar. Dann besetzt Russland auch noch die                                                          werke finanzieren. Und das alles unter den
ressiert – nur für einen nicht: ihren Therapeu­     Krim. Wir haben einen Pappkafka. Eines                                                             Augen der Zollbehörden? Carsten Probst hat
ten. Ihr Thema, sagen sie, ist nicht ihre Tat.      Tages hat die Figur drei Löcher im Kopf. Mes-                                                      sich in diesem Backstage-Bereich des Kunst-
Ihr Thema ist ihr Alltag im Knast.                  sage understood. Wir werden beobachtet –                                                           betriebes umgehört. Ganz diskret.
   Deutschlandfunk Kultur                           oder auch nicht. Wer weiß das schon.                                                                  Deutschlandfunk
   Samstag, 8. Dezember, 18.05 Uhr                     Deutschlandfunk Kultur                                                                             Freitag, 14. Dezember, 20.10 Uhr
   Feature                                             Mittwoch, 12. Dezember, 0.05 Uhr                                                                   Das Feature
                                                       Feature
                                                                                                     JVA Tegel © picture-alliance/Bildagentur-online




                                                             Einblicke in Literatur hinter Gittern
                                                                                                                                                       Schwanger per Samenspende
                                                             Deutschlandfunk Kultur
                                                             Samstag, 8. Dezember, 18.05 Uhr                                                           Die Entscheidung

                                                                                                                                                       „Sind Sie sicher?” „Nein. Ist irgendjemand
                                                                                                                                                       auf diesem Stuhl sich je sicher gewesen?”
                                                                                                                                                       Kicki wird 39. Sie hat eine Entscheidung ge-
                                                                                                                                                       troffen: Per Samenspende will sie schwanger
                                                                                                                                                       werden. Ihre Beziehung ist zerbrochen und
                                                                                                                                                       sie will nicht warten, bis es zu spät ist. Kicki
                                                                                                                                                       führt Gespräche mit Freunden und schreibt
                                                                                                                                                       unzählige Listen. Wird dem Kind ein Vater
                                                                                                                                                       fehlen? Werde ich es alleine schaffen? Wie
                                                                                                                                                       kann ich wissen, dass dies die richtige Ent-
                                                                                                                                                       scheidung ist? Am Klavier kommt Kicki zur
                                                                                                                                                       Ruhe. Sie steigt in den Nachtzug nach Ko-
                                                                                                                                                       penhagen – und wirft Ängste und Sorgen
                                                                                                                                                       über Bord.
                                                                                                                                                          Deutschlandfunk Kultur
                                                                                                                                                          Samstag, 15. Dezember, 18.05 Uhr
                                                                                                                                                          Feature
12 Feature
                                                                                                                                                         Eine Begegnung mit dem Geschichten-
                                                                                                                                                         erzähler Michael Köhlmeier
                                                                                                                                                         Deutschlandfunk
                                                                                                                                                         Freitag, 21. Dezember, 20.10 Uhr


Der starke Mann der Saudis                                                                                                                                                                     Deutschlandfunk Kultur
Was will Kronprinz Mohammed
bin Salman?                                                                                                                                                                                     Sa 1. Dezember, 18.05 Uhr
                                                                                                                                                                                                   Feature




                                                                                                                                                            © picture-alliance/Erwin Elsner
In Rekordzeit hat Saudi-Arabiens einfluss-                                                                                                                                                         Der Blick des Dichters saugt
reicher Königssohn das Land liberalisiert.                                                                                                                                                         die Welt auf und verändert sie
Gleichzeitig werden Regimegegner so hart                                                                                                                                                           Ein Höramalgam über die griechische
verfolgt wie nie zuvor und dschihadistische                                                                                                                                                        Schriftstellerin Amanda Michalopoulou
Gruppen weiterhin im Nahen Osten unter-                                                                                                                                                            Von Andra Joeckle
stützt. Was will der Kronprinz wirklich? Saudi-                                                                                                                                                 Mi 5. Dezember, 0.05 Uhr
Arabiens neuer starker Mann, Kronprinz Mo-                                                                                                                                                         Feature
hammed bin Salman, fördert Frauenrechte,                                                                         Das Lied von den Riesen                                                           Haltet durch, ich hol Euch nach!
liberalisiert das Land. Andererseits gebärdet                                                                    Eine Begegnung mit dem Geschichten-                                               Wie ein syrischer Flüchtling
er sich so aggressiv wie vorher kein anderer                                                                                                                                                       seine Familie nach Deutschland lotst
                                                                                                                 erzähler Michael Köhlmeier
in Riad. Ruft zur Isolation des Erzrivalen Iran                                                                                                                                                    Von Nadja Odeh
auf und lässt im Jemen Bomben fallen. In                                                                         Seit es uns gibt, erzählen wir einander Ge-                                    Sa 8. Dezember, 18.05 Uhr
Syrien bewaffnet er extremistische religiöse                                                                     schichten. In der Antike wurden Geschich-                                         Feature
Gruppen, die für das Gegenteil all dessen                                                                        ten wahrscheinlich gesungen. Die Melodien                                         Niemand kann es weiter bringen
eintreten, was er dem eigenen Land verord-                                                                       sind verschwunden, doch die Abenteuer des                                         als zu sich selbst
net. Wozu? Als Zugeständnis an die radikalen                                                                     Odysseus, die Heldentaten des Achilles zie-                                       Einblicke in Literatur hinter Gittern
Kräfte im eigenen Land, um besser reformie-                                                                      hen uns noch heute in ihren Bann. Als junger                                      Von Sophie Gruber
ren zu können? Oder sind die Neuerungen                                                                          Mann erzählte Michael Köhlmeier Mythen                                         Mi 12. Dezember, 0.05 Uhr
nur Fassade, um Saudi-Arabiens Anspruch                                                                          und Sagen live und frei im Radio und wurde                                        Feature
zu verschleiern, seine religiösen Vorstellun­                                                                    damit sehr bekannt. Heute ist der Österrei-                                       Drei Löcher im Pappkafka
gen weltweit noch effizienter durchzuset-                                                                        cher Bestsellerautor. In seinen Novellen                                          Oder: Fünf Korrespondentenjahre
zen? Die USA jedenfalls fördern Saudi-Ara-                                                                       und Romanen geht es um ein unbegleitetes                                          in Moskau
bien wie nie zuvor. Und auch in Deutschland                                                                      Flüchtlingsmädchen, den Heiligen Antonius,                                        Von Thomas Franke
scheint die Devise zu gelten: Wer auf Saudi-                                                                     der sterbend über das Leben nachdenkt. In                                         und Gesine Dornblüth
Arabien setzt, setzt auf Stabilität.                                                                             ,Abendland‘ zeichnet Köhlmeier eine Kultur-                                    Sa 15. Dezember, 18.05 Uhr
   Deutschlandfunk                                                                                               geschichte des 20. Jahrhunderts, verarbei-                                        Feature
   Dienstag, 18. Dezember, 18.05 Uhr                                                                             tet schreibend den Tod seiner Tochter. Wie                                        Die Entscheidung
   Das Feature                                                                                                   setzen Geschichten uns in Beziehung zur                                           Von Kicki Möller
                                                                                                                 Welt? Können wir jemals anders, als aus der
                                                                                                                                                                                                Mi 19. Dezember, 0.05 Uhr
                                                                                                                 eigenen Perspektive eine Geschichte erzäh-
                                                                                                                                                                                                   Feature
                                                                                                                 len? Und was passiert, wenn wir einer Ge-                                         Die Feature-Antenne …
                                                                                                                 schichte lauschen, uns Kraft der Fantasie in                                      … für die noch zu entdeckende Gegen-
                                                                                                                 einen anderen hineinversetzen? Köhlmeier                                          wart. Mit einer kurzfristig eingesetzten
                                                                                                                 erzählt dem Autor eine Geschichte. Seine                                          Sendung, die auf das Hier und Jetzt
                                                                                                                 Geschichte.                                                                       reagiert.
                                                                                                                    Deutschlandfunk                                                             Sa 22. Dezember, 18.05 Uhr
                                                                                                                    Freitag, 21. Dezember, 20.10 Uhr                                               Feature
                                                                                                                    Das Feature                                                                    Mein Reich komme *
                                                                                                                                                                                                   Wilhelm Reich und sein Projekt
                                                  Wilhelm Reich in seinem Labor, 1944 © Interfoto/Granger, NYC




                                                                                                                                                                                                   ‚Die Kinder der Zukunft‘
                                                                                                                                                                                                   Von Christian W. Find
                                                                                                                 Mein Reich komme
                                                                                                                                                                                                Mi 26. Dezember, 0.05 Uhr
                                                                                                                 Wilhelm Reich und sein Projekt                                                    Feature
                                                                                                                 ,Die Kinder der Zukunft‘                                                          Mutters Schatten
                                                                                                                                                                                                   Kehraus im Elternhaus
                                                                                                                 Wir sitzen in der Falle und wollen es nicht                                       Von Lorenz Rollhäuser
                                                                                                                 wahrhaben. Unsere politischen Konzepte
                                                                                                                 sind zum Scheitern verurteilt. Wir werden da                                   Sa 29. Dezember, 18.05 Uhr
                                                                                                                                                                                                   Feature
                                                                                                                 nur herauskommen, wenn wir bei uns selbst
                                                                                                                                                                                                   Wirklichkeit im Radio
                                                                                                                 und unseren Neugeborenen anfangen. So
                                                                                                                                                                                                   Bonga Boys. Global Village Stories
                                                                                                                 lautet die radikale Aussage des Psychothera-                                      Von Martina Schulte
                                                                                                                 peuten und Naturforschers Wilhelm Reich.
         Wilhelm Reich und sein Projekt                                                                          Seinen Kultstatus hat der Entdecker der                                      		 * Ursendung
         ,Die Kinder der Zukunft‘
                                                                                                                 ‚Orgonenergie‘ heute verloren. Die Dring-
         Deutschlandfunk Kultur
                                                                                                                 lichkeit seiner Fragen und die Originalität
         Samstag, 22. Dezember, 18.05 Uhr
                                                                                                                 seiner Ansätze bleiben. Vor allem sein Pro-
                                                                                                                 jekt aus dem Jahr 1949, das bis heute unein-
                                                                                                                 gelöst ist: ,Die Kinder der Zukunft‘.
                                                                                                                    Deutschlandfunk Kultur
                                                                                                                    Samstag, 22. Dezember, 18.05 Uhr
                                                                                                                    Feature
Feature 13


                                                                                                                                                   Was ist Natur? – Eine Frage von
                                                                                                                                                   Management und Wert-Ermittlung
                                                                                                                                                   Deutschlandfunk
                                                                                                                                                   Dienstag, 25. Dezember, 11.05 Uhr




                                                                                                                                                    Hoffentlich wirst Du von Gottes Hand
                                                                                                                                                    beschützt!
                                                                                                                                                    Über die Liebe im Krieg

                                                                                                                                                    Der junge Bauer hatte zu seiner Hochzeit
                                                                                                                                                    im Herbst 1939 drei Tage Urlaub von der
                                                                                                                                                    Westfront bekommen. Er stand damals als
                                                                                                                                                    Unteroffizier gegen Versailles. Er brannte
                                                                                                                                                    darauf, den Tod seines Vaters zu rächen,
                                                                                                                                                    der in ei­nem Schützengraben vor Spa an
                                                                                                                                                    Wund­fieber verreckt war. Seine Eltern hat-
                                                                                                                                                    ten einander von Herzen geliebt und sich,
                                                                                                                                                    nachdem der Vater eingezogen worden war,
                                                                                                                                                    beinahe jeden Tag geschrieben. So offen­
                                                                                                                                                    bart ihr Briefwechsel den Ersten Weltkrieg
                                                                                                                                                    von ganz unten, aus den Schützengräben an
                                                                                                                                                    der Dreckslinie. Die Korrespondenz erzählt,
                                                                                                                                                    wie die Mutter Hof und Kinder durchbringen
                                                                                                                                                    und trotzdem noch Vieh an die vaterländi­
                                                                                                                                                    sche Front liefern konnte. „Sitzt Papa da
                                                                                                                                                    oben auf der Wolke?“, soll der kleine Junge
                                                                                                                                                    sie gefragt haben. Und sie hat geweint. Er
                                                                                                                                                    hatte früh Ver­antwortung für den Hof an der
                                                                                                                                                    Oldenburgischen Hunte übernommen. 1939
                                                                                                                                                    musste er dennoch hinaus, und seine junge
                                                                                                                                                    Frau führte die Wirtschaft gemeinsam mit
                                                                                                                                                    seiner Mutter. Und als er nach Jahren briti­
                                                                                                                                                    scher Kriegsgefangenschaft heimkehrte,
                                                                                                                                                    stellten sich alle Fragen neu. Die Autorin er-
                                                                                                                                                    zählt die Geschichte ihrer Familie, die vom
                                                                                                                                                    Ersten nicht weniger als vom Zweiten Welt-
                                                                                                                                                    krieg geprägt wurde.
                                                                                                                                                       Deutschlandfunk
                                                                                                                                                       Freitag, 28. Dezember, 20.10 Uhr
                                                                                                                                                       Das Feature
Joseph Beuys: Baumpflanzaktion zur documenta 7
     in Kassel (16. 3.1982) © picture-alliance/dpa




                                                                                                                                                    Wirklichkeit im Radio
                                                     Mensch und Natur                                                                               Bonga Boys. Global Village Stories
                                                     Was ist Natur? – Eine Frage von
                                                     Management und Wert-Ermittlung                                                                 Sie leben in Köln, Los Angeles, Bahrein oder
                                                                                                                                                    Tel Aviv. Als Tellerwäscher, Putzmann, Kran-
                                                     Was ist Natur uns wert? Und woran machen       leistung einzelner Landschaften und Lebe-       kenpfleger oder Hausmädchen. Die Autorin
                                                     wir das fest? Es gibt Problemzonen zwischen    wesen. Manche Naturschützer stärken ihre        dokumentiert die Lebenswelten junger
                                                     Wald und Verwaltung. Eine Reise zu Finanz­     Argumente, indem sie beziffern, was das Be-     Männer und Frauen aus dem äthiopischen
                                                     maklern und Forstleuten, Umweltschützern,      stäuben von Obstblüten durch Bienen oder        Dorf Bonga, kontrastiert sie mit den oft ge-
                                                     Naturphilosophen. Unter dem Motto ,Stadt-      das Filtern von Trinkwasser durch Wälder        schönten Lebensbildern, die „nach Hause
                                                     verwaldung statt Stadtverwaltung‘ ließ der     kostet. Aber kann man den Wert von Natur        telefoniert“ werden, und begleitet Rück-
                                                     Künstler Joseph Beuys in Kassel einst 7.000    in Euro und Cent ausdrücken? Lassen Tiere       kehrer in die Heimat. Aus dem Gespinst von
                                                     Eichen pflanzen. Ein heftig umstrittenes Ge-   und Pflanzen sich so effizienter managen        Hoffnungen, Enttäuschungen, Lügen ent-
                                                     schenk an die documenta-Stadt, finanziert      und schützen oder droht ein Ausverkauf der      steht das Bild eines archaisch-globalen
                                                     durch Kunstverkäufe, Spenden und eine          Arten? Fazit: Manchmal muss man die Ver-        Dorfes, in dem viele traditionelle Werte nur
                                                     Whisky-Reklame. Für den Aktionskünstler        waltung überlisten, damit die Natur zu ihrem    noch zum Schein existieren.
                                                     war Naturschutz eine Frage von politischer     Recht kommt.                                       Deutschlandfunk Kultur
                                                     Tatkraft und ökonomischem Kalkül. Heute           Deutschlandfunk                                 Samstag, 29. Dezember, 0.05 Uhr
                                                     berechnen Volkswirte die Ökosystem-               Dienstag, 25. Dezember, 11.05 Uhr               Feature
                                                                                                       Das Feature
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